Nr. 544 ♦ ZS. �ahrga«g Ausgabe A Nr. 273 Morgen Ausgabe � 40 Pfennig J Bezugspreis: S?ierfclJäI)cL36,— 2JL, monatL 12,— 9R- trei ins Saus, voraus zahlbar. Post- k-zug: Monatlich 12,— M. einschl. Au- ftellungsgeblibr. Unter Kreuzband iür Deutschland, Dan» g, das Saar- und Memeigebiet. sowie die ehemals deur- scheu Gebiete Polen». Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 22,- M., für dos übrige Ausland 29,— M. Post- deftellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho- Slowatei, Däne- mar!. Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz. Der„Bormärts* mit der Sonntagsbeilage.Volk und Reif, der Unterhaltungsbeilage»Hcimrotlr" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten- ersche-nt wochentäglich zweimal. Sonn- tag» und Montags einmal. Telegramm-Adresse: »Sozialdemokrat iicrlln" Berliner Polhölilatt SlnzeigenpreiS: Die zehngesvalten« Nonpareillezeile tostet-M.„meine Anzeigen- das letlgedruSt» Wort Z.— Ni.(zu- lässig zwei iettgedruckte Wort«>, sedes weiter» Wort l.SO 23. Siellengesuche nnd Schlasstellenänzeigen das erste Wort 199 23. ledcs weitere Wort 1.— M. Worte über lb Buchstaden zählen sür zwei Worte. Famtlien-An- zeigen sür Abonnenten Reil« L— 23. Die Preise verstehen sich einschließlich TeuerungSiuschlag. Anzeigen wr die nächst» Nummer mstssen bis 4'/, Ahr nachmittag» i« Hauptgeschäft. Berlin SW KZ. Linden- straße 3, abgegeben werden. Geöffnet von ä Uhr still) bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozäaldemokrati fchen parte» Deutfchlands Redaktion und Expedition: SW b8, Linüenstr.Z m�nittrfrher- Rrdattiou Moristpla«, 151»5— 97 �ern,preryer. �xditio» Morttzpla» 117 SS— 54 Freitag, den 18. November 1921 Vonvärts-Verlag G.m.b.H.» SW 08, Linden str. 3 tternfHrerfier- Verlag. Cfxi'cdision und Inseraten- »yrrmy renirr. zzdtetluug Moristpla«, ll75»-54 Deutsthlanö unö Rußland. Reöen lVirths und Krestinskis. Dem Empfang des Vertreters der russischen Sowjet» republit. N. N. Krestinski, durch den Reichskanzler wohnten bei: der Sekretär der Sowjetvertretung Brodowski und der sowjetrussische Handelsvertreter Stomonjakoff, vom Auswärtigen Ämt der Staatssekretär v. Haniel, der Direktor der Ostabteilung Freiherr v. Maltzahn und der Referent für Rußland, Hauschild. Wie der„Ost-Expreß" erfährt, hielt Krestinski bei Ueberreichung der Beglaubigungsurkunde eine Ansprache, in der er sagte: „Für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Rußlands, welches durch den imperialistischen und den Bürgerkrieg sowie durch die Jnter« ventionen und die Blockade verelendet ist, ist die Wiederaufnahme und Pflege der allseitigen Beziehungen mit Deutschland von lebenswichtiger Bedeutung. Auch die wirtschaftliche Lage Deutschlands nach dem Kriege drängt zu einer Zusammenarbeit mit Rußland. Diese« gegenseitige Interesse findet seinen rechtlichen Ausdruck in dem Abkommen vom 6. Mai 1S21. Ich spreche im Namen der Re- gierung Sowjetrußlands die Hoffnung aus, daß die wechselseitigen Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland sich auf den Rahmen dieses Vertrages nicht beschränken und zu einer engen, im Interesse beider Völker liegenden Zusammenarbeit führen werden." Der Reichskanzler antwortete: „Ich danke Ihnen für die Worte der Begrüßung, die Sie an mich gerichtet haben und mit denen Sie auf die Rotwendizteii eines Ausbaues der deutsch-russischen Beziehungen hinweisen. Ich möchte gleichfalls meiner Befriedigung darüber Aus- druck geben, daß die russische Sowjetregierung durch Ihre Lermitte- lung diesen Wunsch nach guten Beziehungen zu Deutschland kund- gibt, und erkläre meinerseits, daß ich es als eine meiner ersten Ausgaben betrachte, die auf eine Zusammenarbeit der beiden Völker ge- richteten Bestrebungen nach Möglichkeit zu fördern." Im Anschluß daran wurde Krestinski auch vom Reichs- Präsidenten empfangen. � lerijoki. 17. November.(OE.) Bei einem Besuch Im Labora- torium und dem Sanitätszuge der deutschen Rote-Kreuz-Mission in Moskau betonte Trotzki gegenüber dem Vertreter Deutschlands in Sowjetrußland. Prof. Wiedenfeld, er betrachte das Ein- treffen der deutschen Mediziner als Vorzeichen für eine weitere Annäherung der beiden Länder, deren wirtschaftliche Zu- sammenarbeit ihm durch ihre Lage vorausbesti mm t erscheine. Prof. Wiedenseld stimmte, nach der Moskauer„Iswestija", in seiner Antwort Trotzki in vollem Umfange zu. Deutsch-baltische Eisenbahukonferenz. Riga, 17. November.(OE.) Eine Konferenz von Vertretern der Eisenbahnverwaltungen Deutschlands, Estlands, Lettlands und Litauens wird hier am 19. November eröffnet. Sie soll die Be- stimmungen für den direkten Personen- und Transitwarenoerkehr zwischen Deutschland und Estland über Littauen und Lettland fest- setzen und die bereits früher getroffenen Konventionen unterzeichnen. Eine größere Sendung von Lehrmitteln für die wissen» schaftlichen Institute und Laboratorien der lettländischen Hochschule in Riga ist dieser Tage aus Deutschland hier eingetroffen. Der neue deutsche Gesandt« in Lettland, Dr. Ballroth, ist in Riga eingetroffen. Lösung der polnischen Krise. Warschau. 17. November.(OE.) Die zweitägige Sejmdebatte über die Wilnakrise hat mit einem Siege Pilsudskis und der Re- gierung geendet. Nachdem Ministerpräsident Ponikowski die K a. binett sf rage gestellt hatte, wurde mit 171 gegen 158 Stimmen der Regierungsantrag unter stürmischen Protesten der Rechten an- genommen. Die Resolution ermächtigt die Regierung, die Wahlen zur Wilnaer Nationalversammlung, welche über die staatliche Zu- geHörigkeit des Wilnagebletes entscheiden soll, auch aus die bereits zu Polen gehörigen Kreise Lida und Braclaw auszudehnen. (Sollen damit die Litauer und Juden majorisiert werden? Red.) Das Antikommun ist eng«setz wurde nach lärmreicher De- batte einer Kommission überwiesen. Die Regierung hat beantragt, die Wahlen zum polnischen Sejm im März durchführen zu lassen. — Die Hitze des Streites um die Wilnafrage hat dazu geführt, daß im Redaktionsbureau der Warschauer nationalistischen„Gazeta Po- ranna"(Morgenzcitung) die bürgerlich-radikalen Abgeordneten Po- niatcwski und Baginski den Chefredakteur Sadzewic-z wegen'Ver- unglimpfung Pilsudskis verprügelten. Polnische Bismarikschüler. Warschau, 17. November.(DA.) Der sozialistische„Robotnit" (Der Arbeiter) veröffentlicht den von der Regierung eingebrachten Gesetzentwurf„zur Bekämpfung staatsfeindlicher Umtriebe". Dieses Gesetz steht für die des Kommunismus, Anarchismus usw. Beschul» digten(!) vor: Internierung bis zu drei Monaten. Zwangs- wohnsttz, Haussuchungen und Revisionen ohne Gerichtsbefehl. Ein- stellung der Tätigkeit von Gesellschaften und Verbänden, Unter- brückung der Presse, Schließung dex Druckereien, Entziehung des Rechtes, öffentliche Funktionen(traft Ernennung oder 28 a h II) oder industrielle und Handelsbefugnisse auszuüben. Die gesamte sozialistische Presse unterwirft diesen Entwurf der heftigsten Kritik und stellt fest, daß diese» angeblich nur gegen die Kommunisten gerichtete Gesetz sich prakttsch gegen die gesamte Arbeiterbewegung wenden werde. Ckina fordert Rechte. Washington, 15. November.(Havas.) In der ersten Sitzung des Ausschuffes für den Fernen Osten und den Stillen Ozean hat der Vertreter von China unter Ueberreichung einer genauen Denkschrift gefordert: 1. Unterlassung aller Verträge oder Abkommen über China und den allgemeinen Frieden aus seinem Gebiet, ohne sie vorher China zur Kenntnis zu bringen und ihm die Möglichkeit zu geben, sich daran zu beteiligen. 2. Bekanntgabe und Prüfung aller Rechte, Privilegien und Sonderverpflichtungen betreffs Chinas, um ihre Gültigkeit zu bestimmen und sie untereinander und mit den Grundsätzen der Washingtoner Konferenz in Einklang zu bringen. 3. Rascheste Beseitigung der Einschränkungen der polltischen, gerichtlichen und administrariven Handlungsfreiheit Chinas. 4. Zeilliche Begrenzung der auf unbestimmte Dauer lautenden Verpflichtungen Chinas und Auslegung dieser Abmachungen nach den Grundsätzen des gemeinen Rechts. S. Achtung der Rechte Chinas als neutraler Markt in künsttgen Kriegen, an denen China nicht teilnehmen würde. 6. Friedliche Regelung des internationalen Streits im Stillen Ozean und im äußersten Osten durch f e st e Bestimmungen. 7. Vorbereitungen zu einer Erörterung der internationalen Fragen hinsichtlich des Stillen Ozeans und des äußersten Ostens, die als Grundlage für die nähere Bestimmung der gemeinsamen Politik der Signotarmächte dienen können. An die Erklärung des Vertreters von China schloß sich eine allgemeine Aussprache. Don japanischer Seite erfolgte keine Rückäußerung. Washington. 17. November.(Havas.) In der heutigen nicht- öffentlichen Sitzung begnügte sich Hughes mit allgemeinen Darlegungen über die Notwendigkeit, jeden Grund zu einem Kon- flikt. der besonders im fernen Osten besteht, zu beseitigen, nachdem man es unternommen habe, eine Flottenrüstungspause eintreten zu lasten. Er empfahl die Wiederaufrichtung Chinas mit feiner alten Zivilisatton und seiner Arbeitskraft. Dann rühmte er Japans erstaunliche Fortschritte und wies auf die Notwendigkeit hin. im fernen Osten den Grundsatz der offenen Tür aufzu- stellen. Er erkannte jedoch an, daß Japan sich an der Schwelle Chinas befinde und schien andeuten zu wollen, daß er geneigt sei. Japan«ue Cond e r st e l l u a g einzuräumen, ungefähr wie die» welche im Abkommen Lansing-Ishii enthalten ist. Amerika hat außer diesen Allgemeinheiten kein Programm aufgestellt. Vertrauensvotum in Preußen. Das verfaffungsmäßig erforderliche Vertrauen ist dem Ministerium Braun am Donnerstag vom preußi- fchen Landtag mit 198 gegen 99 Stimmen ausgesprochen worden. Damit erhält dies erste Ministerium der großen Koalition die Möglichkeit, zu arbeiten und sein Programm, soweit von einem solchen bisher die Rede sein konnte, in die Praxis umzusetzen. Auf keiner Seite erweckt die Zusammensetzung dieser preußischen Regierung ungemischte Freude. Selbst die Koali» tionsparteien, die das Vertrauensvotum aussprachen, haben damit keineswegs jedem einzelnen Minister unbeschränkte Vollmacht geben wollen, nach seinem Geschmack zu hantieren. Das trifft auf die eine wie auf die andere zu. So wenig in unseren Kreisen ein unbedingtes Vertrauen zu den Ansichten und Absichten der volkspartellichen Minister besteht, so wenig dürften unsere Genosten in der Regierung auf brünstige Zu- neigung bei der Volkspartei rechnen. Indessen wird dieses Manko wieder wettgemacht durch den heißen Zorn, der ihnen von der reaktionären Seite des Reichslandbundes entgegen- weht. Sie teilen ibn mit dem Demokraten Wendorff, der. ob- wohl theoretisch und praktisch als Landwirt erfahren, doch von seinen agrarischen Berufskollegen in Acht und Bann getan wird. Mag man desbalb dieser Koalitionsregierung wie immer gegenüberstehen: Es gilt jetzt in Preußen zu arbeiten! Der Ausbau der demokratischen Einrichtungen in Provinz und Gemeinde, der Aus. und Umbau des Schulwesens harren der Erledigung. Sie mästen in Angriff genommen und durch- geführt werden mit oder auch trotz der Deutschen Volkspartei! Je stärker der organisatorische Rückhalt der sozialdemokrati- schen Minister ist, desto größer wird auch ihr Einfluß innerhalb der Regierung sein. An den Genossen im Lande liegt es, diesen organisatorischen Rückhalt eines geschlossenen festen Willens zum Fortschritt zu schaffen, Die Eisenbahnfrage. Von H u g o H e i.m a n n. Die Frage nach der besten OrgNstisationsform der Eisen- bahnen in unserer staats- und volkswirtschaftlich schwer be- drohten Lage ist durch den Vorstoß der Industrie in den Mittel- punkt der politischen Kämpfe gerückt worden. Darin liegt eine i gewisse Gefahr für die sachgemäße Behandlung der Frage, denn allzu leicht kann über ihrer rein politischen Seite d i e wirtschaftliche Seite zu kurz kommen. Welche Methode und welches Urteil dem politischen Teil des Problems angemessen ist, liegt auf der Hand. Die in- dustrielle Forderung stellt m ihrer politischen Form eine dreiste Auflehnung gegen den Staat als solchen dar. Nicht etwa nur gegen den heutigen republikanischen Staat, den die Herrschaften hassen, sondern gegen den Staat überhaupt. Falls es nicht gelingt, die Forderung der Industrie zurückzu- weisen, so bedeutet dies die Abdankung des Staates zugunsten der Wirtschaftsmächte. Die moderne Staatsform, wie sie seit einigen Iahrhunder- ten besteht, beruht auf der Hoheit der staatlichen Willens- Bildung gegenüber dem Einzel- und Gruppenwillen; sie prägt sich am deutlichsten darin aus, daß der Staat alle fein« Bürger nach freiem Ermesten zu steuerlichen Leistungen zwingen kann. Die Forderung der Industrie strebt offenbar wieder der mittel- olterlichen Abhängigkeit des States von mächtigen Einzel- Personen zu: Der Staat ist in Rot und wir können erpressen, was wir wollen. Das also sind die volksparteilichen, Hüter der staatlichen Ordnung, das die deutschnatinnalen Verfechter des starken Staates, die gar nicht genug über„Nebenregierung" zu zetern wußten, als nach dem Kapp-Putsch die Eewerk- schaften lediglich zum Schutze der Republik eine Kontrolle der behördlichen Maßregeln forderten! Es ist merkwürdig, wie die Kampffronten oertauscht sind. Niemand kann glauben, daß gerade wir Sozialdemokraten eine besondere Liebe zum Klassenstaat hätten; wir ersehnen ja die Ucberwindung seines Klassencharakters durch freiere Formen des Zusammenlebens. Und gerade wir stehen heute schützend vor dem Staate, den jene zugunsten ihrer materiellen Jnteresten abzubauen trachten. — In bezug auf die Staatspolitik kann also die Parole nur lauten: Hände weg! Selbstverständlich ist es nichts als der nackte, private Machtwille, der die Herren veranlaßt hat, sich so leichten Herzens über ihre eigene politische Ideologie hinwegzusetzen. Man entsinnt sich der famosen„Verständigungs"-Aktion in Sachen der Kohlensozialisier ung vor ungefähr einem Jahr. Damals wollten die Herren durch Angliederung der gesamten Gas- und Elektrizitätsversorgung cm die großen Kohlenkonzerne dasselbe Ziel ereichen, dem heute die Eisen- bahnen dienstbar gemacht werden sollen. In unserer heutigen hochgestaffelt-arbeitsteiligen Wirtschaft hat die Herrschaft über das ganze Land derjenige, der feine Hand auf der motorischen Kraft hält. Was aber von der motorischen Kraft, das gilt genau so von den Eisenbahnen. Auch sie sind ein Mittel der Herrschaft— eben dies war einer der Enktde für ihre Verstaatlichung in den siebziger und achtziger Jahren. Eine Privatisierung der Eisenbahn würde also die Auslieferung eines hervorragenden staatlichen Machtmittels an die In» dustriemagnaten bedeuten, genau wie die Angliederung der kommunalen Gas- und Elektrizitätsversorgung an die Kohlen- zechen. Das eine ist so unerträglid) wie das andere. Wir kennen das Lied, wir kennen die Verfasser. Und zwischen der letztjährigen und der heutigen Weise besteht nur der eine Unterschied, daß es damals immerhin nocb für ratsam gehalten wurde, den Plan mit der Etikette„Sozialisierimg" zu versehen, während man heute ganz unverblümt die„Privatisierung" der Reichseisenbahn fordert! Ein trauriges Zeichen für die politische Entwicklung im letzten Jahr! Der Anschlag wird nach allen bisherigen Kundgebungen nicht gelingen, ja es ist zweifelhaft, ob die Urheber selbst sein Gelingen wünschen. Ob sie nicht vielmehr die unerträglid)« Bedingung uns gestellt haben, um einen Vorwand für den Rücktritt von ihrem Devisenangebot zu finden. Damit wäre dann der Bankerott der Erfüllungspolitik erzwungen und die ersehnte außenpolitische Katastrophe da. Falls aber wider Erwarten der Staat auf die Bedingung ein- gehen und die Eisenbahnen ausliefern sollte, so könnte es den Magnaten schließlich auch recht sein. Jedenfalls kann nur eine starke und gescbickte Politik die außenpolitischen Gefahren des industriellen Schachzugs vermeiden und die Widerspenstigen in die Bahn der Erfüllungspolitik zwingen. Hier heißt das I Losungswort für uns: Erfassung der Sachwerte. Wenn also aus politischen und wirtschaftlichen Gründen' ' die Forderung der Industrie abgelehnt werden muß, so ist doch � damit die Eisenbahnfrage nicht erledigt. Verantwortlich . denkende Menschen können sich nicht begnügen, wenn und i weil die Gegner sagen: schwarz, einfach zu entgegnen: nein� ! weiß! Es besteht die Gefahr, daß wir uns im bloßen Wider- spruch festrennen, statt selbst die Inittative zu ergreifen. Wir haben gelernt, zwischen Staatsbetrieb und Sozialisierung zu ! imterscheiden, und steht es auch fest, daß die Bahn unter allen j Umständen unter öffentlicher Herrschast bleiben muß, so ist die , gesamte Organisationsform eine Frage der Zweckmäßigkeit, «die nicht mit allgemeinen Gründen entschieden werden kann. r Wahrscheinlich werden bei genauerer Prüfung durch fach. verstündige Stellen manche Vorwürfe gegen die jetzige Leitung der Bahn in sich zusammenfallen. So trifft es z. B. zu, daß die Bahn zwar heute mehrere Hunderttausend Menschen mehr beschäftigt als vor dem Kriege, aber darin steckt neben den Auswirkungen des Achtfrundentages vor allem die geradezu katastrophale Verheerung des gesamten Materials infolge des Krieges und— was noch wichtiger ist— jeder Blick in den Etat lehrt, daß trotzdem die Erhöhung der Personalausgaben mit der Erhöhung der Gesamtkosten nicht gleichen Schritt ge- halten hat. Die den Industriemagnaten zugute kommenden Ausgaben für Kohle, Schienen, Lokomotiven und Wagen such viel stärker gestiegen als die Personalkosten, so daß die In- dustriehcrren wohl die letzten sein dürsten, in dieser Beziehung Anklagen zu erheben. Weit eher dürfte die Frage berechtigt sein, ob ihnen gegenüber nicht hätte erheblich gespart werden können. Andererseits ist die Tatsache nicht zu verkennen, daß man bisher aus Scheu, den Verkehr zu belasten, mit den Tarif» erhöhungen stets hinter der Geldentwertung hergehinkt ist, so daß inzwischen aber wegen des Defizits der Bahn die Inflation und die Teuerung schon wieder weiter fort- geschritten war. Unlösbar verbunden aber mit der Tarif- Politik ist die Frage einer mehr kaufmännischen Organisation in Verbindung mit einer Aendemng der gesamten Etati- sierungsverhältnisse. Worauf es in diesem Augenblick ankommt, ist die Fest- stellung, daß die Herrschaft über die Bahn unbedingt der Allge- mcinheit gehört, daß jedoch die notwendigen Aenderungen der Organisation schleunigst vorgenommen werden müssen. Wir wünschen kein privates Eisenbahnmonopol, aber auch keine Defizitwirtschaft, und wir dürfen nicht darauf herein- fallen, wenn die Gegner die Frage so stellen, als gäbe es nur die Wahl zwischen Privatmonopol oder Defizitwirtschaft. Die Haltung öer Eisenbahner. Bei den mehrfach erwähnten Beratungen zwischen dem Verkehrsminister und den Vertretern der Eisenbahnerorganc- sationen über die Pläne der Eisenbahnentstaat- l i ch u n g wurden folgende Vereinbarungen getroffen: 1. Die Vertreter der Großorganisationen erklären, an dem seit. herigen Verhältnis des direkten Besitzes und Betriebes der Eisenbahnen durch das Reich unter allen Um- ständen festzuhalten. 2. Die Rechte des auf dem öffentlich-rechtlichen Dienstvertrag beruhenden Berufsbeamtentums, zu deren Wahrung die Reichsregierung verfassungsmäßig oerpflichtet ist, gelten den Groß- organifationen als unverletzlich. 3. Die Grohorganifatlonen erklären sich bereit, an der Reu- ordnung der Verwaltung und des Betriebes zur raschen und dauernden Wiederherstellung der Wirtschaftlichkeit der Reichsbahnen unter Voranstellung der Interessen der Allgemeinheit mitzuwirken. 4. Die Neuorganisation der Eisenbahnverwaltung wirb beraten und zur geschästsmähigen Entscheidung durch den Minister spruchreif gemacht in einem zu gleichen Teilen aus Vertretern der Verwaltung und Vertretern der Eisenbahner-Groß» organifationen zu bildenden Ausschuß. Der Ausschuß erhält dt« Berechtigung, Sachverständige nach eigenem Ermessen-zu dieser Arbeit heranzuziehen. S. Die Beratungen über die am IS. November von den Groß» organisationen mündlich vorgetragenen Gegenstände wird mit dem Zehnerausschuß mit aller Vejchleunigung weitergeführt. Die Zentralarbeitsgcr.ieinschaft de? Industrie hat am Donnerstag ebenfalls die Pläne der Industrie veratin. Wie wir erfahren, find die langwierigen Erörterungen ergebnislos abgebrochen worden und werden in den nächsten Tagen fort» gesetzt. Der Stern?uöa. Von Han» Wesemann. Herr Erich Ludendorff gibt In jedem Jahre«inen neuen Band KriegZerinnerungen heraus, in dem er uns beweift, daß er den Krieg gewonnen hat. Er hat ihn ja auch gewonnen, verloren hat ihn nur das deutsche Volk, weil es so rücksichtslos war, schon vor dem Endsieg« zu verhungern. In seinem dritten und vorläufig unwiderruflich letzten Bande stellt nun Ludendorsf ganz genau fest, wie alles gekommen ist: Schuld haben die Iudenl Sie haben den Weltkrieg angefangen und verloren, sie sind schuld an der Blockade und an Bloems Kriegsliedern, sie find dle Erfinder der allerhöchst beftinvurteten Rübenmarmelad« und der U Punkte. Jawohl, das haben sie getan, sagt Herr Ludendorff. Aber ihre Heimtücke geht noch viel weiter ul» der harmlose Herr Ludendorsf meint. Die Juden sind auch schuld am deutschen Militari»« m u s! Neulich war ich im Z e u g h a u s e. Diese Weihestätte deut» scher Kultur ist ja leider in letzter Zeit etwa» respektio» behandelt worden, die Franzosen haben ihr« Fahnen wiedergeholt, soweit unsere braven Studenten sie nicht schon vorher verbramtt hatten. Uebrig blieben nur die chinesischen Fahnen, einig« Zunftbanner und die Danebrogz von Anno löv-t. Und die letzteren hegt man jetzt mit besonderer Li«be. Man zeigt sie den Schulkindern al» Wahrzeichen deutschen Geistes, zu ihnen wallfahren an Tagen mit freiem Eintritt die Leser der Wulleblättor. Und hier Ist etwas Furchtbares geschehen. Mitten unter den anderen Fahnen hängt, unauffällig und harmlos, ein Danebrog mit einem Zettel: Erobert vom Füsilier Cohn vom 8. Brandend. Jnf.-Reg. Nr. 6-1 am 24. Juni 1884 Düppel. Da merkt man doch gleich, was los ist. Dieser Füsilier Cohn hat aus orientalischer Heimtücke die Fahne erobert, um seinen Namen hier einzuschmuggeln und damit Gemüt und Herz der ahnungslosen Deutschen zu vergiften. Dieser Füsilier Cohn hat durch unerhörte Heldentaten den Krieg von 1884 gewonnen und damit den Grundstock zum preußischen Militarismus gelegt. Diesem Füsilier Cohn verdanken wir die nnderen Kriege und den verlorenen Weltkrieg. Dieser Füsilier Cohn, als Beauftragtsr des Juden- tums, hat das harmlose deutsche Bolt erst zum Militarismus verführt und es dann der Rache der Entente preisgegeben.. Die ganze Weltgeschichte hat er auf den Kopf gestellt, was auch immer geschehen ist, überall war der Füsilier Cohn da- bei.... Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als selbst da?»Deutsche Tageblatt" sich träumen läßt. Abfuhr öer bürgerlichen Emhd»sf?ont. Die büraerlichcn Fraktionen des sKchftfwen Landtages haben sich bekanntlich auf der Basis des Kampfes gegen die sozialistische Landesregisnrng zusammengefunden. Seit längere? Zeit wurde gegen den Minister L i p i k i wegen seiner Enthüllungen über das Orgefchtreiben in Sachsen ein förmliches Kesseltreiben geführt, das sich neueldings auch auf die Minister Fleiß ne r und I aeckel erstreckte und sich gestern zu folgendem, von sämtlichen bürgerlichen Parteien gestellten Antrag verdichtet: Die Minister Lipinski, Fleiß ner und I ä ck e l haben nicht das Vertrauen des Sächsischen Landtages. Der deutschnational! Abgeordnete Beutler begrün- bete den Antrag, führte die abgedrofcHene Behauptung, das sozialistische Kabinett sei überhaupt nicht regierungsfähig, aufs neue ins Feld und forderten den Rücktritt der der unab- hängigen Partei angehörenden Minister. Lipinski erwiderte, daß er auf das Mißtrauensvotum nicht einzugehen brauche, da es sich nur um einen papkrnen Protest handle, und ver- breitete sich noch cimnat ausführlich über die Selbstschutz- organifationen, über die er neue Einzelheiten und neue An- schuldigungen mitteilte. Nach längerer stürmischer Debatte' wurde der Vorstoß der bürgerlichen Einheitsfront zurückge- wiesen: Das Mißtrauensvotum wurde mit 47 fozialdemo- kratifchen gegen 46 bürgerliche Stimmen abgelehnt. Das amtliche Ergebnis der Dresdener Stadwerorbncten- wähl liegt nunmehr vor. Hiernach erhielten die drei sozialistischen Parteien 42 und die bürgerlichen Parteien ebenfalls 42 Sitze. Nach der amtlichen Feststellung des Ergebnisses der Sladtver- ordnetenwahlen in Leipzig setzt sich die neue Stadtverordneten- Versammlung aus 36 sozialistischen und 36 bürgerlichen Vertretern zusammen. Kommuniftische Gnigungsbeftrebungen. Radck in Berlin? Sollte sich der neue Kurs in Sowjetrußland nicht auch in der Behandlung der Streitigkeiten innerhalb der Kommunistt- fchen Parteien Europas durch das Moskauer Exekutivkomitee bemerkbar machen'? Es ist nicht lange her und die Parole Moskaus lautete: Spaltung, Spaltung und nochmals Spal» tungl Es wurde Kadavergehorsam gegenüber den blöd» sinnigsten Befehlen der Moskauer Zentrale bzw. ihrer offi» ziellen und offiziösen Abgesandten verlangt: wer nicht parierte oder gar kritisierte, der flog in weitem Bogen. Siehe die Märzaktion, Paul Levi, Geper jr. usw. Nun heißt es, daß Moskau plötzlich die Parole der Wiedervereinigung ausgegeben hat. Konferenzen finden feit-einigen Tagen in Berlin statt mit dem Ziele, die Vereinigung der»offiziellen" KPD. mit der„Kommunistischen Arbeitsgenieinschatf" Levischer Richtung vorzubereiten. Daß es den Führern der Dritten Internationale mit diesen Bestrebungen ernst ist, geht wohl schon aus der Tatsache hervor, daß, wie in gutunterrickteten Kreisen im Reichstage gestern versichert wurde, R a d e k zu diesem besonderen Zweck in Berlin eingetroffen ist. Trotz diesem hohen Eingreifen bietet jedoch das Problem der Wiedervereinigung der KPD. noch erhebliche Schwierig» ketten. Moskau besteht nämlich darauf, daß Paul Levi ausgeschlossen bleibt. Darauf wollen sich aber Levis Anhänger nicht einlassen und am allerwenigsten Levi selbst. Ein politisther Hungerstreik. In der kommunistischen und unabhängigen Presis wird ein Aufruf von politischen Strafgefangenen verössentlichc, die in der Anstalt Lichtenburg bei Torgau in Haft und seit Sonnabend in den Hungerstreik eingetreten sind. Sie erklären ausdrücklich, daß sie nicht Beschwerde gegen die Strafanstaltsdircktion erheben wollen, sondern Hungerstreiken, weil sie der Meinung sind, dag ihre An- gehörigen draußen Not leiden. Angeblich sind bereits 10t) Gefangene Ueber die Aintskäligkeik Brunners ersahce» die PPN. an zu- �ändigee Stelle folgendes:»Neben seinen» Amt als literarischer Sachverständiger aus dem Gebiet der Jugcndwohlfahrt im Preuhi- fchen Wohisahrisministerium bekleider Prof. Drunner noch vi« Stel» lung eines Hilssreferenten und sachverständigen Beraters auf den Gebieten der Schundliteratur und der pädagogischen Fü r so r g e in, hiesigen Po- lizeipräsidiu m. Irgendwelche Mittel des letztgenannten Res- forls�zur Anschaffung von Eintrittskarlen für den„Reigen" oder ähnliche Zwecke sind von Prof. Bruimer nicht verwandt worden. Wenn von Prof. Brunner gewissen Personen Eintrittskarten für den„Reigen" kostenlos zur Verfüguna gestellt worden sind, so dürfte es sich lediglich um Die nsl karte» des Polizeipräsidiums handeln, deren Versügungs- und Benutzungsrecht Prof. Brunner in seiner Amtstätigkeit beim Polizeipräsidium ohne weiteres zustand." Die Auffassung, daß dem-Prof. Brunner das Berfügungsrecht über die D i e N st k a r t e n des Polizeipräsidiums„ohne weiteres" zusteht, erscheint uns Äußerst anfechtbar. Diese Karten sind selbst- verständlich nur für die diensttuenden Beamten— daher der Name—, nicht aber für irgendwelche Privatpersonen bestimmt, und es wird Sache der Berliner Theaterletter fem, sich gegen diesen Mißbrauch der von ihnen pflichtgemäß eingereichten Billette zur Wehr zu setzen. Was uns aber an der Mittcllung der PPN. vor allem wter- essiert, ist die Bestätigung der ungeheuerlichen Tatsach«, daß ein in der Wolle gefärbter Reaktionär wie Brunner heute, drei Jahre nach der Revolution noch immer Beamter des Berliner Polizeipräsidiums fein darf, und daß man keine Bedenken trägt, diesem Mann die»sachverständig«" Beratung in einem so wichtigen Ressort wie dem der pädagogischen Fürsorge anzuvertrauen. Refldenz-Thcaker: In kein«,, Stücke plaudert Artur Schnitz- ler so leicht über Leben und Lüge, über Liebe und Tod hinweg, wie in der Tragikomödie„D a s w e i t e L a n d". Es ist eines der reifsten Werke des Wiener», obwohl es sich szenenlang in uferlose Gespräche auflöst. Aber die Gesprächigkeit, die In Geschwätzigkeit entartet, wird doch geadelt durch die wundervolle Anmut, mit der die Dinge des Daseins erörtert werden. Bor zehn Jahren spielte man diese Tragikomödie in Berlin und die Hand des Regisseurs lag wuchtig und vom Gewisien ge- leitet auf den Schauspielern. Heute stehen zwei Generationen von Bühnenkünstlern im Restdenz-Thcater beisammen: die Ueber- reifen und die Unreifen. Frau T r i e s ch, Arnold K c r f f. Frau B er t e n s leben von der Ueberlieferung einer großen Theaterzeil. Sie können sich nicht vollkommen verlieren, obwohl sie führet- los bleiben. Der Schatten der Jahre ist an den Frauen keines- wegs spurlos vorübergegangen. Der Schmelz ihres Wesens verhärtete ein wenig. Es schien, daß Korff den weichen Schnitzler- Stil, den er am Wiener Burgthcater gelernt hatte, gefällig ent- falten würde. Aber er ermattete bald. Die Künstler spielten bald nebeneinander, gegeneinander, durcheinander. Sehr schnell regierte nur der Wirrwarr die Aufführung, die dem Schnitz'erschen Geiste nur spärlich gerecht wurde. M. H. Der neue Brockhaus. Von den großen Konversationslexiken, deren Inhalt durch den Weltkrieg und seine Folgen zum Teil veraltet cm dem Hungerstreik beteiligt. Es handelt sich um Teilnehmer an dem mitteldeutschen Kommunistenputsch, die durch ihren politischen Hungerstreik ihre Amnestierung erreichen wollen. Man kann angesichts der Tatsache, daß die Kapp-Derbrecher immer noch frei herumlaufen und vom Reichsgericht schonend be- handelt werden, die Erregung verstehen, die sich bei den von den Ausnahmegerichte!! zu Gefängnis, und Zuchthaus verurteilten zumeist kommunistischen Arbeitern bemerkbar macht. Man kann auch wün- schen, daß ihre„Strafzeit' möglichst abgekürzt wird und daß in- zwischen die Familien vor der größten Not geschützt werden. Wo- gegen man aber Einspruch erheben muß, ist eine Bemerkung, mit der die„Freiheit" die Wiedergabe des Aufrufs begleitet. Das un- abhängige Blatt behauptet nämlich, daß diese Arbeiter im März- putsch„letzten Endes nur für diese Republik" eingetreten seien. Im März war es in der„Freiheit" anders zu lesen, und wer die blut- rünsrigen Aufrufe der„Noten Fahne" noch in Erinnerung hat, wird kaum der Meinung sein, daß der unsinnige Märzputsch in Mittel- deutschland»für diese Republik" gemacht sei. Eine Berliner Korrespondenz erfährt über den Hungerstreik noch folgende Einzelheiten: Die Gefangenen arbeiteten zusammen auf einem Saal, und es wurde unausgesetzt für die jetzt zutage getretene Bewegung Stimmung gemacht. Arn vergangenen Sonnabend begann dcr Hunger- streik, an dem sich zunächst nur etwa zehn Gefangene beteiligten, bis die Bewegung von Tag zu Tag anschwoll, so daß heute über 100 Gefangene die Nahrungsaufnahme verweigern. Die Leitung der Strafanstalt hat die hungerstreikenden Gefangenen sofort jeder Arbeit enthoben und hat ferner eine lai-fend« ärztliche Konttolle angeordnet, um im Falle der Ge- fahr sofort eingreifen zu können. Bisher ist eine zwangsweise Er- nährung noch nicht angeordnet worden, doch dürfte sich die künst- liche Zuführung von Nohrungsmitteln bei einigen Gefangenen, bei denen sich erhebliche Schwochezuftände zeigen, kaum länger umgehen lassen. Der Direktor der Strafanstalt hat dem I u st i z m i n i st e r von den Vorgängen sofort Kenntnis gegeben und um weitere Ver- Haltungsmaßregeln gebeten. Der Justizminister hat dem k o m m u- nistischen Lan'dtagsabgeordncten Katz hierauf die Genehmigung gegeben, die Gefangenen der Qrasansialt Lichtenburg aufzusuchen und mit ihnen zu verhandeln. Der Ab- geordnete ist am Mittwoch in Lichtenburg eingetroffen und hat im Laufe des gestrigen Donnerstag mit einer Anzahl von Gefangenen verhandelt. Die Hungernden erklärten, daß sie keine Nahrung zu sich nehmen würden,"da die Regierung anscheinend keine Amnestie für ihr« politischen Vergehen zu erlassen gewillt sei. Der Justiz- minister wird am Freitag der Direktion der Strafanstalt weit«-: Verhaltungsmaßregeln mitteilen. Erhöhung öer Versorgungsgsbühren. Berti u, 17. November.(MTB.) Mit der Erhöhung der Beamtenbezüge erhöhen sich auch die aus Reichsmitteln ge- zahlten Bersorgungegebührniss« der verabschiedeten Offiziere und Militärbeamten und ihrer Hinterbliebenen. Diese er- hatten anläßlich dcr Anweisung dcr Dezemberbezüge durch die Post- anstalten einen Bo r s ch u ß auf die sich durch die Neuregelung er- gebenden Mehrbeträge in Höhe des für November gezahlte!? Bettags ausgezahlt. Als Ausweis gegenüber der Post genügt die Mitteilung des Reichsministeriums des Innern(Pensionsabteilung) von der Bewilligung einer Rente. Ist eine solche Mitteilung nicht ergangen, so hat der Pensionsempfänger einen besonderen Ausweis vorzulegen: dieser wird vom Reichsministerium des Innern m f Antrag ausgestellt. In allen Fällen ist der Ausweis der P o st k a s s e ausz i- händigen. Die deukschnakionalen Verleumder. Da?„PenifcSe Abend- blatt" veröffenttickt einen Artikel mtt der Uebersckrift„Komimion". Inmitten dieses Aufsatzes, der von bezahlten Agenten des AuSlalideS bandelt, wird auch unseres Artikels»Däniscbe Kulturarbeit" >Nr. b42 deS.Vorwärts") mit folgenden Worten Erwäbnuil» oc- ton:»Die gewöhnliche sozialistische Anschauung, kann hier nnmög- Itch alles erklären. WaS aber bleibt dann zu denken übrig?" Dazu bleibt zu denken übrig, daß hier wieder einmal ein ihpischcr Fall jener deutichnationalen Verleumdiiiigssucht vorliegt, die unser gejuniteS öffentliches Leben vergiftet. Dafür werden wir an ge- eigneter Stelle den Beweis ontrsien. oder lückenhaft wurde, ist setzt als erstes der»B r o ck h a u s" in neuer vierbündiger Auflage erschienen. Gutes Papier, deutlicher Druck, solider geschmackvoller Einband und Illustrationen, die fast durchweg vor- züglich sind, zeichnen sein« bibliographische Aufmachung aus. Der erste Band, der bisher vorliegt(A— E>, bringt, soweit sich noch Stichproben urteilen läßt, tcxlich alles Wissenswerte in knapp ge- faßten, klar orientierten Artikeln oder Notizen. Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Technik, Geschichle— man wird nirgends vergebens nachschlagen. Die historischen Daten sind bis in die neueste Zeit (August 1921) fortgeführt und geben in kurzen Notizen auch dtt Biographien dcr namhaflestsn, während des Krieges und der Rc- oolution hervorgetretenen Politiker und Srantsmünner. Der Preis jedes Bandes ist in Halbleinen 160 M., in Halbpergamcnt 190. M. Die„wirtschostshilse der Deutschen Sludenlenschaft", das allein zuständige Wirtlchoftsresiort oller in der deutschen Studentenschost zu,ammengekch!osseneit örtlichen Siudentenschaften, hat in ihrer Ver- waltungsrotssitzung in Berlin eine Reihe von Maßnahmen vor- gesehen, die von weittragender Bedeutung für das studentische Win- 'chaftsproblem sein werden. Es wurde endgültig beschlossen, daß jeder Gedanke an Wohltätigkeitsmaßnahmen zugunsten der d e u r- fchen Studenten für immer ausgeschlossen sein muß und daß alle Mittel, die verfügbar gemacht werden, ausschließlich zur Förde- rung der produktiven Selbsthilfedestrebungen der Studentenschaft verwendet werden sollen. Hierzu dienen die Organisationen der WirtschasrskLrper der örtlichen Studenten- schaften. Ein neuer Blindenberuf. Als ein bisher noch wenig beachteter Blindenberuf wird nach«ine? Mitteilung der„Münchener Med-. zinifchen Wochenschrift" von der Berliner Kriegsblindenschule Silex der des Akten Hefters empfohlen. Es handelt sich dabei um das Heften von Akten mit Rodel und Zwirn sowie um das Heften mit Hilfe einer Aktenhsktmaschine oder um das Einkleben der einzelnen Blätter in die Aktendeckel. All- drei Arten des Verfahrens werden in der Kriegsblindenschule g?- lehrt und können in zwei bis drei Monaten erlernt werden. Dem blinden Attenhcfter braucht nur in bescheidenem Maße von Sehen- den geholfen zu werden, und dies ist in den größeren Vcttieben bei denen allein ein solcher Posten in Betracht kommt, nicht schwierig._ Tpielplanänderung. Km Steglitzer Schlohparktbeatcrtftdie Aufffihruni, der. M e d e a" aus den SS. verschoben. Freitag und Sonn- abend:»Das Konzert». Tie heutige Generalprobe zu Psitmerö„Christ-Glfleeitt be- ginnt erst um 1 g U h r. Eine Protesiverfommlung gegen die Bedrobnng der qeifttgen i?retkrt» und de« fünftlerilSen Schaffens in Deutschland leitens der Anklagebcbörden und der Gerichte wird der Schutzoer- band deutscher Schrift st eller im Lauie der nächsten Woche ein- berufen. Zeit und Ort der Verfanimlung werden noch bekanntgegeben. Ludwig Hardt spricht Totensonntag In dcr Berliner Zezession Rilke: Stuiidcnbuch und ein unveröffentlichtes Requiem auf den Tod eine- Knaben. Heine« letzte Eedichie, M ath i a« Elaudi ui uno Li-Tai-P«. Gerhart Hauptmann wird von der deutschen Universität in Prag zum Ehrendoktor dcr Philosophie promoviert werden. Schluß öer U Der Reichstag ist«estem wieder zr-sammmzetreten. Die deutschnationalen Interpellationen wegen Lekcimpfung der Schund- und Schmutzliteratur, der Wirtschaftslage östpreußens und Ratifizierung der Wiesbadener Protokolle ohne Zustimmung des Reichs- mgs werden in der gefchäftsordnungsmätzigen Frist beantwortet werden. Eine Vorlage zur Abänderung der Bekanntmachung über aus- ländische Wertpapiere wird ohne Aussprache in allen drei Lesungen angenommen.— Das Gesetz über da, Verfahren in Dersorgungs- fachen wird dem Ausschuß für die Kriegsbeschädigtengesetze über- wiesen. Lortsetzung See Teuerungsöebatte. Es handelt sich um Interpellationen, dariinter Müller- Franken(Soz.) über die Preissteigerung der Waren deutscher cher- kunft, den Antrag Agnes sU. Soz.) über den Verkehr mit Kar- toffeln und Getreide, sowie auf Erhöhung der täglichen Mchlration und den Antrag E m m i n p e r lBayer. Vp.) auf Gcnehmigungs- Pflicht für den Ankauf von Getreide und Kartoffeln beim Erzeuger. Abg. Hepp(2>. Vp.): Die Linksparteien wollen sich absichtlich durch keinen Sachverständigen überzeugen lassen.(Unruhe links. Rufe: Unerhört!) Richt die Landwirtschaft ist schuld an der Teuerung, sondern die Verpflichtungen, die die Regierung.durch das Ultimatum übernommen hat. Nicht allein die Ausländer kaufen Deutschland aus, jetzt reisen schon deutsche Kaufleute ins Ausland und bieten ihre Waren zu„niedrigem Valutapreis" an. Abg. Triefchmann(Dem): Die Zwangswirtschaft war nicht mehr zu halten. Sie hat die Preisentwicklung auch nicht aufhalten tonnen und war obendrein produktiansschädigend. Von einer Kar- toffelumloge kann man sich nichts versprechen. Der Entwurf kommt zu spät und ist undurchführbar. Wir brauchen eine Reichs- siedlungs stelle. Den Ländern dürfen wir dieses große Werk nicht überlassen. Reichswirtschaftsminister Schmidt: Ich bedauere In hohem Maße, daß.die Preissteigerung in den letzten Monaten solche Formen angenommen Hot, und sehe mit Sorge der Zukunft entgegen, zumal sie sich noch fortsetzen wird. Sie hat eine außerordentlich beklagenswerte Erregung und politische Er- bitterung hervorgerufen. Aber die Vorwürfe gegen die Regie- r u n g sind unberechtigt, chier kann keine Regierung außerordentlich wirksame Mittel zur Bekämpfung der Preissteigerung ergreifen, denn sie ist in der �miplstiche auf die Entwertung der Mark zurück- zuführen. Auch die Inlandserzeugnisie machen infolge des Bezugs von ausländischen Rohstofsen die Preissteigerung mit und nähern sich dem Weltmarktpreise Dagegen ist die Regierung ohnmächlig. Auf dem Inlandmarkt haben sich die Preise etwas günstiger ent- wickelt und diese Differenz zwischen In- imd Ausland muh aufrecht- erhalten werden. Die einheimischen Prvduktionskosten sind viel niedriger als im Auslände Selbst die Landwirte sehen ein, daß z. B. der Kartaffelprei» weder mit den Produktionskosten noch mit einer mäßigen Gewinnauote begründet werden kann. Beim Weizen- mchl verzeichnen wir sogar schon das§0 fache des Friedenspreises. Leider werden die Preise auf dem Inlandmarkt durch einen ziel- losen, wenn auch psychologisch verständlichen Aufkauf in die chöhe getrieben.(Zustimmung.) Daher gehen bei dem Mangel an ye- nüoenden Vorräten die Preis« nach höher hinauf, als es durch die Entwertung unserer Zahlungsmittel verursacht ist. Besonders in den Grenzgebieten sind die Verhältnisse unerträglich. Im Sep- tember sind z. B. 21 000 Personen zum Einkaufen über die da- nische Grenze gekommen.(Hört, hört!) Wir haben zunächst die Laudesfinanzämtcr angewiesen, die Erleicherungen kür den kleinen Erenzverkehr nachzuprüfen und aufzuheben. Der Reichskomniissar für die besetzten Gebiete hat teilweis« diese Ausfuhrcrlaubnisse schon zurückgezogen. Ferner ist durch Verordnung für das ganze Reich die Bewllligungsfreihcit der Ausfuhr im kleinen Grenzverkehr aufge- hoben worden, auch für Waren des täglichen Bedarfs. DI« Grenzbeamken sind zur verschärften ll ober wachung angewiesen. Wie berichtet wird, wurden die schlimmsten Auswüchse durch diese Anordnungen beseitigt Auf unsere Mahnahmen gegen den Wucher hat schon Minister Kermes hingewiesen. Die Behauptung, die W"chcrgerichte verhängten zu wenig Strafen, wird durch die Sta- tistik widerlegt. Im Jahre 1920 ist gegen 27 524 Personen ein Wucherverfahren eingeleitet worden, darunter gegen 22 583 Personen wegen Schleichhandess, gegen 4587 wegen Preistreiberei und Heber- schreltung von Höchstpreisen. Verurteilt wurden 23 492 Personen, davon 11 920 zu Geldstrafen, darunt-r 8612 solche bis 7000 M.: an Freiheitsstrafen erhielten 5036 Personen einen Monat Gefängnis, 24 wurden zu Zuchthans verurteilt. Wenn der Zentralverband des Großhandels jetzt die Aufhebung der Wuchergerlchts fordert, so ist dieser Augenblick wirklich nicht geeignet dazu. Der ehrbare Kauf- mann braucht auch die Wuchergerichte nicht zu fürchten. Denn man, besonders im Ausland«, anzunehmen scheint, daß. die Lebenshaltung unserer enverbstättgcn Bevölkerung gegen den Stand vor dem Kriege nicht zurücksteht, so Ist das ein ver» häi'gnisvoller Irrtum. Will man ein richtiges Urteil gewinnen, so darf man nicht nur durch die großen Berliner verkehrsstraßen und die Luxuelokale pehen, sondea, muß das Volk in feiner Not und Armut aufsuchen.(Sehr nchtigl) Der Fleischkonsum in Deutschland ist im ersten chalbjahr 1920/21 gegenüber demselben Zeitraum von 1918/14 um 60 Proz. zurückgegangen. Noch krasser ist der Rückgang fühlbar beim Vergleich der Einsuhrzahlen für Vieh, Butter und Eier. Mit den gestiegenen Preisen sind Löhne und Gehälter noch nicht in Ein- klang gekommen, und das schlimmst« ist, daß wir noch nicht am Ende dieser Bewegung stehen. Wo skrupellose Ausbeutung des Volkes sich bemerkbar niacht, muß rücksichtslos dagegen vorgegangen werden.(Sehr richtig!) Die Genossenschaften müssen durch ihre Konkurrenz übermäßige Preistreibereien im freien Handel unter- binden und die unmittelbare Verbindung zwischen Produzenten und Verbrauchern immer enger gestalten, was besonders Aufgabe der landwirtschaftlichen Genossenschaften ist.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Gerauer(Bayer. Vp.): Die Landwirtschaft hat kein Jnter- cfle an der Notlage des Volkes. Es ist daher ungerecht, die Land- Wirtschaft immer als Sündenbock hinzustellen. Reichsernährungsminister hennes: Bis zum Ende dieses Jahres ist ein Drittel de? Zucker» Produktion freigegeben worden.(Rufe links: Wir sehen noch keinen Zucker!) Er wird schon in den Verkehr kommen. Dem Wagaonmangel haben wir entgegengewirkt. Durch Derträge sind 1Z4 Millionen Zentner Kartoffeln sichergestellt worden. DI« Aktion oeht weiter. Trotz der Katastrophe von Oppau können wir auf eine Erzeugung von 250 000 bis 290 000 Tonnen Stickstoffdünger In diesem Jahre rechnen. Ebenlo wie im abgelaufenen Jahre erhiell die Bevölkerung im lausenden Jahre 200 Gramm Mchl und Brot pro Tag und Kopf. Darüber hinaus kann sie sich im freien Verkehr Mehl und Brot In unbeschranktem Maße beschaffen.(Unruhe simks.) Schwierigkeiten sind mir bisher nicht bekannt geworden. Schon zur Deckung der bisherigen ver» billigten Ration werden 4H Millionen Tonnen gebraucht. Da- von erzeugen wir selbst 2� Millionen. Der Rest muh eingeführt . werden.(Hört, hört! rechts.) Der durch den Antrag Agnes vor- gesehene Mehrbedarf von 60 Gramm würde bis zum Ende des Haushallsjahres einen Mehrbedarf von 537 500 Tonnen, bis zum ' Ende des Wirtschaftsjahres(1. August 1923) etwas über 1 Million Tonnen erfordern. Die Kosten solcher Mehreinfuhr würden etwa 12,8 bis 12,9 Milliarden betragen. Die Devisen für diesen Betrag könnten nicht aufgebracht werden. Die Erhöhung der Getreide- Umlage erscheint undurchführbar. Mit den 2�4 Millionen Tonnen ist die ä u ß e r st e Grenze der durch die Umlage aufzu- bringenden Menge erreicht. Eine weitere Zwangsablieserung soll nicht erfolgen. Das Gesetz über die Getreideumlage hat sich be- währt. Es sprechen dann die Abgg. Recumele(Komm.), Reich(Komm. Arb.-Gem.) und Bachmeier(Bayer. Bbd.), der eine Rückkehr zur Zwangswirtschaft bekämpft und das Verhalten einzelner Landwirte verurteilt. Die Umlage sei so ungerecht verteilt, daß mancher Land- wirt nicht einmal soviel übrig behält, wie er selbst mit seiner Familie braucht.— Nach dem Abg. strüger-Hoppenrade(Dnat. Bp.), der jede Schuld der Landwirte bestreitet, spricht Abg. Frau Lohm-Schuch(Soz.): Immer wieder werden wir die Schuld der agrarischen Preis- wuchere? an den Anfang jeder Erörterung stellen. Sie(nach rechts) treiben uns wieder einem 9. November entgegen.(Die Rednerin wird bei ihren weiteren Ausführungen vielfach durch Lärm rechts untrbrochen, in dem ein Teil ihrer Ausführungen untergeht.) Wie soll bei dem heutigen Kartoffelpreis von 120 M. ein Familienvater mit dem durchsckmittlichen Arbeitseinkommen von 800— 400 331. wöchentlich seine Familie ernähren? Dann darf man sich nicht über Lebensmittelkrawnlle wundern. Unglaublich brutal war die Art und Weise, wie Herr Krüger von der Not der Verbraucher und der Riederknüppeiung etwaiger Unruhen gesprochen hat. Minister Hermes hat schon iin Juli aus dem Industriegebiet Berichte er- halten, die auf den Ernst der Ernährungslage aufmerksam machten. Warum ist da nicht früher etwas geschehen? So wie am Freitag Herr Hermes, darf hier nicht wieder über diese Dinge ge- sprachen werden. Man schiebt immer alle Schuld auf die Ent- wertung der Mark, aber man vergißt, daß die Löhne keineswegs im Verhältnis zur Geldenkwertung gestieaen sind. Die Arbeiter sollen allmählich gezwungen werden, den Achtstundentag preiszugeben, um sich durch Ueberstunden über- Haupt noch über Wasser halten zu können. Das hat Uneinigkeit unter den Arbeitern zur Folge, und die Reaktion spekuliert auf diese UnÄniakeit, um den Achtstundentag zu beseitigen. Darum müssen die Arbeiterparteien immer wieder geschlossen für eine angemessene Entlohnung eintreten. Es gibt Jndustriekretse, die trotz ausreichen- der Wagpanbeistellung keine Kartoffeln bekamen, weil die Landwirte ihren Lieferungsverlrag nicht erfüllten. Dein unabhängigen Antrage auf Erhöhung der Mehlration stimmen wir zu. Eine neue Kartoffelumlage ist weniastens für das nächste Jahr sehr wohl mSolich. Die Rot des Volkes gefährdet nicht nur unser Wirtschaftsleben, sondern unsere ganze Kultur. Wir müssen endlick, zu Toten übergehen, denn einem großen Volke, das den Willen gezeigt hat, nach dem Zusammenbruch wieder empor zu kommen, darf nicht durch Wucher und Acisbeytunq die letzte Mög- lichkeit dazu genommen werden.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Damit schließt die Aussprache.— Ein Mißtrauensantrag der Kommunisten gegen Henues wird gegen die Antragsteller'und die Un- abhängigen abgelehnt. Die Anträge zur Ernährungsfrage gehen an den Volkswirtschaftlichen Ausschuß. Freitag 1 Uhr: Anfragen, kleine Vorlogen, kommunistische Internellation über ein Landungsverbot für russische Schiffe. Schluß gegen L Ilbr. »• * 3m Beamlenausschuß des Reichstage» wurde ein Dnlrag der Deutschen- Volftpartei nuf Höbergrupviernng der Anitsouwälie abgelehnl. Im übrigen wurde die Regierungsvorlage für die Kruppen 1 bis 7 angenommen. Die Weiterberatung findet am Sonnabend statt. Vertrauensvotum für öie Preußenregierung Der Landtag besprach am Donneretag eine Anzahl Vorlagen in erster Lesung. Zu dem Entwurf über die Aendcrung des Gesetzes betreffend die Ablösung von Rcallastsn spricht Abg. Müller-Hameln(Soz.): Die Reallasien gehören nicht mehr in» unsere Zeit. Die Ab- lösungsfragc hängt eng mit den Steuerfragen zusammen. Auch hier macht sich eine große Steuerdrückebergerei breit, die von den Finanzämtern auch noch unterstützt wird. Durch die Reallasten werden selbst den kleinsten Gemeinden drückende Lasten auferlegt. Zweifellos ist die Ablösung der Reallasien erwünscht, aber nicht im gegenwärtigen Moment, wo die Besitzenden sich mit wenigen Groschen von ihnen befreien können. Die Ablösungssumme muß vielmehr im Einklang mit dem gesunkenen Geldwerte stehen. Der Entwurf geht an den Rechtsausschuh, ebenso der Gesetzentwurf, betr. Ergänzung der Verordnung über die Zwangsauf- lösung der Familiengüter und Hausvermögen, der die Bildung eines Schutzforstes vorschreibt. Danach folgt der Entwurf über Ein- führung der Berhältniswahl für die Wahl der Vertrauensmänner d»s Ausschusses zur Auswahl der Schöffen und Geschworenen. Abg. Dr. Rosenfeld(U. Soz.) sieht in der Vorlage eine Mög- lichkeit, zu einer gerechteren Justiz vorwärts zu kommen. Der Entwurf geht an den Rechtsausschuß. Es folgt der Gesetzentwurf über den Sitz des LandeskulturaMts für Schleswig-Holstetn, der nach Schleswig kommen soll. Abg. Brecoor lSoz.) tritt für Kiel ein, Abg. Dr. Leidig(D. Bp.) f>r Schleswig, weiter die Abgg. hoff(Dem.) für Kiel, v. Dryander (Dnat. Bp.) und Schmeding(Z.) für Schleswig. Nachdem die Abgg. Richter-Neumünstcr(Soz.) und Brecour(Soz.) nochmals das Für und Wider erörtert hatten, wurde die Aussprache unterbrochen. Es folgt die Abstimmung über dm Antrag Limberh(Soz.). Porsch(Z.). Dr. v. Krause(Dt. vp.) zur Vertrauensfrage. Zn namenMcher Abstimmung wird das Verkraumsvotum für die Regierung mit 198 gegen 99 Stimmen angenommen. Darauf fetzt das Haus die unterbrochene Beratung fort. Abg. Zürgensm(II. Soz.) spricht für Kiel. Die Vorlage geht an den Siedlungsausschuß: der Gesetzentwurs über Besteuerung des Gewerbebetriebes im Umherziehen an den Handelsausschuß. Es folgt der Gesetzentwurf zur Amderunq des Feld- und Forst- pollzeigefetzes(zehnfache Erhöhung der Geldstrafen: Ermäßigung in leichten Fällen). Abg. Dr. Vendiner(Soz.): Das Gesetz muß gründlich umge- arbeitet werden. Wir beantragen daher seine Ueberwc-isung an den Rechtsau»schuh. Das Hau» beschließt so. Die Erhöhung der Katasterfortschrei- bungsgebühren wird in erster Leluna gutgeheißen. Der Gesetzentwurf betr. Bereitstellung weiterer Staatsmittel zur Sicherung der staatlichen Stromversorgung im oberen Ouellgebiet der Weser geht an den Hauptaueschuß zurück Anaenoinmen wird ein Antrag der Koalitionsporteim, der als sofortige Hilfe 20 Millio- nen Mark fordert. Hierauf wird die Beratung der großen Anfragen und Anträge über die Karloffelversorgung fortgesetzt und nach einer Rede des Abg. Schlange(Dnat. Vp.) auf Freitag 12 Uhr vertagt. Außerdem: Kleine Anfragen und Haushalt. Ein kommunistischer Antrag, die Anfrage über Hungerstreiks poli- tischer Gefangener auf die Tagesordnung zu setzen, wird abgelehnt. Schluß 6 Uhr,. SPD« und KoaUtionspolitik. Breslau, 17. November.(Eigener Drahtbericht.) Auf dem Sy- zialdemokratischen Bezirksparteitag für Mittelschlefien sprach außer dem Genossen L ö b e, über dessen Ausführungen wir be- reits berichtet haben, Genosse Landtagsabg S ch o l i ch über unsere nächsten Aufgaben, die er insbesondere für die preußische Politik ähnlich umriß, wie das bereits im Landtag von unseren Frak- tionsrednern geschildert worden ist. In der Aussprache wandte sich der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Oberschlesiens, Ge- nosse 5) a u k e- Kattowitz, gegen ein vorschnelles Aburteilen über die oberschlesifchen bundesstaatlichen Autonomiebestrebungen. Die versprochenen Volksabstimmungen über die bundeestaatliche Auto- nomie müssen auch nach der Teilung erfolgen, und die Politik der H a k a t i st e n, vor der Abstimmung dies zu versprechen und nach- her nichts zu halten, dürste die Sozialdemokratie nicht unterstützen. Es wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, die sich gegen die Wuchererscheinungen wendet, die durch die Markentwertung allein nicht begründet sind, zum Kampf gegen die Volksausbeutung wird zur Stärkung der Sozialdemokratischen Partei auf- gerufen. Einstimmig wurde auch eine von den Breslauer Delegierten eingebrachte Entschließung zur Regicrungssrag« angenommen, die folgenden Wortlaut hat: Der Mittelschlesische Bezirkspartcitag ist der Ueberzeugung, daß die Politik im Reich und in Preußen unter starken sozial- demokratischen Einfluß gestellt werden muß. Solange die Bildung einer sozialistischen Regierung nicht möglich ist, sind daher Koalitionen mit bürgerlichen Partelen notwendig unter der Voraussetzung, daß in diesen Koalitionen soziall- st i s ch e und demokratische Forderungen durchgesetzt werden können und die Sozialdemokratische Partei nicht in ihnen eine rein dekorative Rolle spielt. Von diesem Gesichtspunkte aus muß die Bildung der großen Koalition in Preußen die schwer st en Bedenken erregen. Das Verhalten der Deut- s ch e n V o l k s p a r t e I bei der Regierungskrise im Reich, das erneute Bekenntnis hervorragender Führer der Partei zum M o n a r ch i sm u s, die Persönlichkeiten, die aus dieser Partei ins preußische Kabinett eingetreten sind, geben nicht die geringste Garantie für die Erfüllung der Görlitzer Mindestforderungen, für die Sicherung der Republik und Demokratie, für die Republikani- sierung von Verwaltung, Polizei, Iu�jz und Reichswehr, für eine durchgreifende Besitzbesteuerung. Mchksdestoweniger ist es ober die Pflicht der Parteigenossen, die Landkagsfrakkion und die Re- giernngsmitqlieder bei dem versuch, mit hisse der großen fio- aliiion arbeiierfreundliche Polilik zu machen, zn unterstützen. Sollte sich diese Politik als unmöglich erweisen, so ist es Pflicht der sozialdemokratischen Minister, ihre Aemter sofort niederzulegen. Anschließend an ein Referat des Bezirkssetretärs, Genossen I a- n o t t a, war vorher mit sehr starker Majorität die Erhöhung der Beiträge um hundert Prozent beschlossen worden. Wirtfichafi Kosten des Ztahrungsmittelaufwandes. Die schon seit Wochen im Großhandel beobachtete sprunghafte Steigerung der Preise präcit ncb. wie schon aus den Veröffent- lichungen des Statistischen Reichsomts hervorgeht, nunmehr auch im Kleinhandel deutlich ans. Die von R. Calw er auf Grund der Berichte von rund 200 deutschen Plätze» berechnete Jnderstffer. die den Nahrungsmittelaufwand einer vierlöpfigen Familie Eltern und zwei Kinder, pro Woche in Mark angibt, zeigt rn den Monaten Mai bis Okiober folgende Bewegung: Mai.... 853.14 Angust... 395.96 Juni.... 851.55 September.. 899.59 Juli.... 359,04 Oktober... 418.42 Im Oktober 1920 berechnete sich die Indexziffer auf 332.20 M. und im Juki 1914 auf 24 73 M. Milbin ist seil der Borkliegszeit eine Srcigerung der Kosten des NohrungsmittelaufwondeS auf daS Siebzehnfache eingetreten. Im Berichtemonat entfällt der größte Anteil der Steigerung auf die Preise für Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Feite und Fletsch._ Ein Reichswasserstraßenrecht. Der wasserwirtschaftliche Ausschuß des Vorläufigen Rcichswirt- schaftsratcs faßte folgenden Beschluß, der dem Reichswirtschaftsrot als Antrag unterbreitet werden soll: „Nachdem gemäß Artikel 97 der Reichsverfassung die dem allge- meinen Bertehr dienenden Wasserstraßen am 1. April 1921 in Eigentum und Verwaltung des Reiches Übergegangen sind, hält es der Reichswirtschaftsrat im Interesse der deutschen Volkswirtschaft für dringend notwendig, mit möglichster Beschleunigung eine ein- heitliche Neichsbehördenorganisation und ein ein- heitliches Recht für die Rcichswasserstraßen zu schaffen. Die Verhandlungen mit den Ländern sind zu diesem Zwecke zu beschleuni- gen. Hierbei sind bewährte Grundsätze der einzelnen Landesrechte In das zu schaffende Relchswasserstraßenrecht mit zu übernehmen. Bei der zu schafsenden Reichsbehördenorgantsation sind die Beamten der bestehenden Lanbesbehörden, soweit angängig, zu übernehmen, damit der Verwaltungsapparat für Reich und Länder insgesamt keine Bermehrung, sondern eher eine Verminderung erfährt. Bei der Behärdenbilduitg ist auf Dezentralisation durch Schaffung größerer Direkt! onsbezirte mit möglichst weitgehenden Zuständigkeiten und Selbstständigkeiten Bedacht zu nehmen. Der Reichswirtschaftsrat erwartet, daß ihm die Entwürfe des Reichswafserstraßenrechts und der zu schaffenden Lehördenorganisation baldigst zugehen, damit er sich vor der endgültigen Beschlußfassung eingehend damit befassen kann." Der Stand der Mark ist nach den gestrigen amtlichen vtotie- rungen der Berliner Börse nur ganz unwesentlich besser gegen Dienstag. Der Dollar ging von 260,26 auf 259.74 zurück, auch bei den übrigen fremden Devisen waren die Kursänderungen nur geringfügig. Der Effektenmarkt erhielt, wie schon berichtet, einen kräftigen Stoß. Die zum Teil recht erheblichen Kursrückgänge der Dividendenpapiere um 100 bis 400 Proz. werden mit der er- höhten Besteuerung der Effcktenumsätze und mit der Forderung der Gewerkschaften nach Erfassung der Sachwerte begründet. Festver- zinsliche Papiere, so Reichs- und Staatsanleihen, fanden bei ge- besserten Kursen Absatz. Spar- und Sreditakfiengesell'chaft, Berlin. Vom Zentrolver« band des Deutschen Bank- und Baukiergewerbes wird uns geschrie- den: Eine unter obiger Firma neugegründete Gesellschaft versendet unter reklamehaften Anpreisungen nach Art der verkrachten Sport- danken Werbezirkulore, in welchen die Leser auf die Mög- lichkeit hingewiesen werden, durch eine mühelose Tätigkeit neben einer regelrechten Verzinsung ihrer Anlagen von 10 bi» 15 Proz. vierteljährlich über 100 Proz. monatlich zu verdienen, wobei in oerlockender Weise auf das nachahmenswerte Beispiel von Carnegie.und Rockefeller hingewiesen wird. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Kavitasspargesellscheft nach dem sattsam be- kannten Provisivnssystem der Zlnhaltischen Spar- und Darlehns- gesellschast zu Leipzig. Bor einer Verbindung mit dem Unter- nehmen, für welches auch von Potsdam aus ein früherer Vertreter des Köhn-Konzerns mit marktschreierischen Inseraten in der kleinen Prooinzpresse wirbt, muß dringend gewarnt werben, • GeVerMostsbeWLgung Vorsorge für Sie kommende Arbeitslosigkeit. Im Reichsarbeitsministerium hat, wie uns von dort mitgeteilt wird, am 10. November unter dem Vorsitz des Ministers Dr. Brauns eine Besprechung der Spitzenverbände der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer darüber stattgefunden, ob und wie sich schon jetzt Rücklagen für die kommende Arbeitslosigkeit schaffen lassen, mit der das Ministerium rechnet. Wie der Minister einleitend ausführte, seien zwar nachdrückliche Bemühungen um Bereitstellung von Arbeit für die kritische Zeit im Gange, aber sie würden die Erwerbslosigkeit nur mildern, nicht vermeiden können. Selbsthilfe der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sei also un- entbehrlich. Es könne daran gedacht werden, die Arbeitsloscnver- sicherung soweit vorauszunehmen, daß die Beträge schon jetzt er- hoben werden, um dann als Rücklage für die Uebergangszeit zu dienen. Es wäre aber auch zu überlegen, ob nicht die Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Industrien, die von der kommenden Arbeits- losigkeit vor allem bedroht sind, in freiwilligem Zusam- menwirten Rücklagen schaffen sollten. Die Aussprache ergab beachtenswerte Anregungen für die Be- kämpfung der Erwerbslosigkeit. Die Beratung wird zunächst inner- halb der beiden wirtschaftlichen Gruppen und in naher Zeit gemein- som fortgesetzt werden. « Der Referentenentwurf des Gesetzes über eine vorläufige Arbeitslosenversicherung ist am 14. und 15. d. M. mit den Spitzenverbänden der Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Reichs- arbeitsministerium eingehend beraten worden. Die Beratung ergab eine weitgehende Uebereinstimmung der Verbände mit dm Grundlinien des Entwurfs, der übrigens bereits auch die grundsätzliche Zustimmung der Länder und des Deutschen Städte- tage« gefunden hat. Es kann angenommen werden, daß die Reichs- regierung nunmehr in der Lag« fein wird, in naher Zeit den amt- lichen Entwurf des Gesetzes aufzustellen und an den Reichswirt- schaftsrat gelangen zu lassen. Starke Errequitg nntcr den Werksansiestelltcn.' Nach dem Streik der städtischen Werksangestellten für den Ab» schluß eines Tarifvertrages wurden Verhandlungen her. beigeführt, die aber zu keinem Abschluß kamen. Ein im Reichs- arbeitsministerium tagendes Schiedsgericht fällte darauf einen Schiedsspruch, der die Anaestellten nicht befriedigen konnte und von ihnen mit erdrückender Mehrheit abgelehnt wurde. Um alle Der- handlungsmöglichkeiten zu erschöpfen, riefen die Angestellten erneut das Schiedsaericht an. Sie hatten ein Recht dazu, da die un- parteiischen Vorsitzenden bei Ablehnung des Schiedsspruchs sich aus- drücklich für neue Verhandlungen zur Verfügung gestellt hatten. Leider hat der Magistrat in der Zeit vom 9. bis zum 17. November noch nicht einmal Zeit gefunden, seine Beisitzer für das Schieds- asricht zu ernennen. Begreiflicherweise hat diese Tatsache unter den Angestellten den heftigsten Unwillen hervorgerufen. Täglich steigen die Preise, der Wert der Nachzahlung, welche für die Zeit vom 1. April ab zu leisten ist, wird täglich geringer. In Uebereinstimmung mit dem Afa-Bund haben die Angestellten ihre Funktionäre zu heute 10 Uhr nach der„Neuen Philharmonie" gerufen, um sie so lange tagen zu lassen, bis ein endgültiges Er- gebnis der um 10 Uhr beginnenden Verhandlungen mit dem Magistrat vorliegt. Sollten diese Verhandlungen zu keinem be- sriedigenden Ergebnis führen, so ist die Entscheidung der Funktionäre bei der hauptsächlich in den Elektrizitätswerken und Häfen herrschen- den Erregung kaum zweifelhaft. Unter de» mittleren und unteren Beamten des Berliner Mo- gistrats herrscht gegenwärtig eine starke Erbitterung über die Fest- setzunq der neuen Benmtengehälter. Ein kurzer Blick in die neue Gehaltsausstellung läßt erkennen, daß die höheren Beamten durchweg eine Aufbesserung von 500 Proz. erhalten haben, während man den unteren Beamten eine Zulage von 10 Pröz. bewilligte. Die Magi'�ratsmitglieder, auch die der Bezirksämter und die nicht wieder gewählten Mitglieder der früheren Magistrate, erhalten auf Anordnung des Oberbürgermeisters einen sofortigen Vorschuß von 9000 M. Gegen eine derartige Gehalts- fesisetzung haben die städtischen Beamten gegen den„Komba" Beschwerde erhoben und gleichzeitig eine Masse nversamm- lung für Freitag abend in der„Neuen Welt" in der Hasen- Heide einberufen. Scharfmachertaktik im Holzhandel. Die im September eingeleiteten Tarifoerhandlungen sind trotz oller Bemühungen dir Organisation bisher noch nicht zum Abschluß gekommen. Der Arbeitqeberverband der Berliner Holzhändler ver- folgt hier dieselbe Taktik wie die Unternehmer in anderen Branchen, z. V. im Gastwirtsgewerbe. Obwohl selbst die Arbeitgeberzeitung des Holzhandels,„Dtt Holzmarkt", zugeben muß, daß die Forde- rung der Angestellten in Anbetracht der riesigen Geldentwertung berechtigt ist, glaubten noch in der kürzlich stattgefundenen Der- Handlung beim Demobilmachungstommissar die Arbeitgebern:rtret»r uns mit ihrem alten Angebot„Erhöhung der bisherigen Sätze um 20 Proz." absveisen zu können. Aus dem Verhalten der Arbeit- � geber hat die Organisation die Konsequenzen gezogen und in den- jenigen Firmen, die die Forderungen nicht anerkannt haben, durch andere Maßnohmen die Anerkennung erwirkt. So waren die An- gestellten der Firma David Franke Söhne gezwungen, den Streik zu beschließen. In letzter Stunde hat aber Kommerzienrat Franke sich zu Verhandlungen mit den Organisationen bereit er- klärt und mit diesen einen Vertrag abgeschlossen, welcher zum Teil günstigere Bedingungen enthält als der Schiedsspruch. Ein Teil der Firmen hat freiwillig den Schiedsspruch anerkannt, wir glauben aber, daß mehrere Firmen noch nicht nach dem Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses zahlen und bitten deshalb die Funktionäre, uns alle diese Filmen namhaft zu machen, damit auch dort die An erkennung des Schiedssvruches veranlaßt werden kann. Denn nur auf diesem Wege ist der Abschluß der Verhandlungen möglich, zu mal zu dem letzten Termin vor dem Demobilmachungstommissar der Arbeitgeberverband eine Vertretung überhaupt nicht entsandt hat. Generaloersammlung öer öuchörucker. Zur bevorstehenden Tarlfausschußsttzung, die am 24. November in Leipzig beginnt, nahm am Donnerstag eine Generalversammlung des Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgießcr Stellung. Zu den vorliegenden Anträgen der Gehilsenvertreter führte M a s s i n i aus: Im Bordergrund steht der Antrag auf Kündigung des bis zum 31. Dezember 1921 geltenden Lohnabkommens und die Neu- regelung desselben. Was sollen die Gehilfenoertreter fordern? Das zu sagen ist schwer angesichts des sprunghaften Steigens der Preise für alle Lebensbedürfnisse. Der Gauvorstand hat den Standpunkt eingenommen, daß den momentanen Verhältnissen entsprechend eine neue Lohnzulage von 150 M. pro Woche zu fordern wäre. Ein Antrag bezweckt die Erhöhung der Entschädigung für Sonntagsarbeit, weil diese in keinem rechten Verhältnis zu der Entschädigung für Ueberstunden steht. Hiergegen ist kein großer Widerstand der Prinzipalität zu erwarten. Verlangt wird, der Tarif- ausschuß soll« grundsätzlich festlegen, daß in den besetzten Gcbie- ten aller Tarifkreise und in den an diese grenzenden bzw. mit ihnen zusammenhängenden Gebieten eine Sonderzulage zu zahlen ist. Die Sparte der Maschinensetzer hat den Antrag auf Vcrdoppe» lung der Maschinensetzerzuschläge gestellt. Ich möchte die Sparten bitten, von besonderen Forderungen abzulassen. Diesen Standpunkt haben wir auch in der letzten Gauvorsteherkonfe- renz zum Ausdruck gebracht. Wenn Sparten, die an Moschinen arbeiten, durch Geräusche u. a. in ihrer Gesundheit beeinträchtigt i werden, wäre es wohl richtiger, für sich eine etwas kürzere Ar- b e i t s z e i t zu verlangen, statt höhere Zulagen, als sie die Allge- meinheit hat. Kritisch stehe ich auch dem Antrag der Leipziger gegenüber, wonach dieselben Zuschläge für Leipzig zu zahlen sind, wenn für Berlin und Hamburg, wie bisher, höhere Teuerunqszu- lagen gewährt werden sollten. Es geht nicht an, sich so einfach auf Berlin zu bezieben. Wenn die Leipziger nicht zurechtkommen, müssen sie von sich selbst aus sagen: wir verlangen mehr.— Eine Versammlung der Betriebsräte der Berliner Groß- druckereien hat einstimmig folgenden Antrag angenommen: „Die Konferenz stellt in Anbetracht der täglich steigenden Teue- rung die Forderung auf sofortige Auszahlung von 15 0 0 M. Wirtschaftsbeihilfe für alle Mitarbeiter und von 250 Mark für jedes Kind. Die Forderung der Wirtschaftsbeihilfe ist als kurzbefristetes Ultimatum zu stellen. Di« Wirt- schaftsbeihilfe gilt für das gesamte graphische Gewerbe." In einer Aussprache mit der Kommission der cmtraqstellenden Betriebsräte wurde festgestellt, daß diese Frage der Wirtschaftsbei- Hilfe im ordnungsmäßigen Wege durch die Organifatton ihre Erledi- gung finden soll, und ich habe Verhandlungen mit der Prinzipalität nachgesucht. Die Prinzipale konnten noch nicht feststellen, wann die Zusammenkunft statmnden kann, ob schon Sonnabend oder erst Sonntag. Zu dem Resultat, wie es auch ausfällt, wird eine neu« Generalversammlung Stellung nehmen, die Montag statt- zusinden hätte. Sie wird in den Arbeiterzeitungen bekanntqemacht werden.— Die Angelegenheit ist unabhängig von den Tarisver- Handlungen; diese werden durch sie nicht berührt. In der Diskussion traten Rebner der verschiedenen Richtungen übereinstimmend dafür ein, daß bei den Tarifoerhandlunaen auf Durchführung des variablen Lohnsystem» hingewirkt wer- den solle. So kam es, daß ein Sozialdemokrat und ein Kommu- nist die beiderseitigen Resolutionen. miteinander verschmolzen. Diese Resolution Mühlberg-Vierratb wurde einstimmig an- genommen. Sie besagt in der Hauptlache: „Die Versammelten beauftragen die Gehilfenvertreter, sich bei der am 24. November beginnenden Tarifousschußsitzung von folaen- den Grundsäßen leiten zu. lassen. Im Hinblick auf den katastro- pholen Marksturz lehnen die Versammelten es grundsätzlich ab. eine bestimmte Summe zur Erhöhung des Lohnes zu fordern. Die Zugeständnisse der Unternehmer decken bei weitem nicht mehr die Ausgaben, die den Arbeitern durch die enorme, sprunghafte Steigerung aller Lebensbedürfnisse erwachsen. Retten kann die Arbeiterschaft nur ein geschlossenes, einheitliches Vor- gehen. Die Versammelten erwarten ein größeres Entgegenkam. men der Tarifausschußsitzung. Dieses kann nur darin sich äußern, daß endlich einmal die Löhn« auf den Stand wie vor dem Kriege gebracht werden. Das heißt, daß das Minimum so oft vervielfästigt wird, wie die Reichsindexziffer seit 1914 gestiegen Ist. Die Löhne ändern sich automatisch von Monat zu Monat, sobald die neue Indexziffer bekanntgegeben ist. Die vorgeschlagene Entloh- nungsweise gill so lange, bis wieder stabilere Verhältnisse herrschen. Die Gehilfenoertreter werden verpflichtet, ihre ganze Kraft daran zu setzen, diese Entlohnungsform zur Durchführung zu bringen. Sollten hierbei Abweichungen zu verzeichnen fein, sst das Ergebnis vor der definittnen Zustimmung den Gehilfen zur Entscheidung zu unterbreiten." Ebenfall, einstimmig angenommen wurde der Antrag der Betriebsräte wegen der Wirtschaftsbeihilfe. baubewegung der saarländischen Industrie ist ein« Folg« der französischen Mißwirtschaft, die die Rentabilität der gesamten Saarwirtschaft auf das schwerste gefährdet. Es steht kaum außer Zweifel, daß die französische Wirtschaftspolitik im Saargebiet die deutschen Unternehmer systematisch ruinieren will, da- mit diese entweder starke Anlehnung an französisches Kapital suchen oder ihre Betriebe an französische Kauflustige abtreten müssen. » Die Angestellten der Kaufmannschaft Saarbrückens haben eine Gehaltsaufbesserung um 75 Proz. auf die bestehenden Gekälter gefordert. Heute finden zwischen Arbeitgebern und Arbeit- nehmern Verhandlungen über diese Frage statt. Die Potsdamer Leichenträger sind vor drei Tagen in einen Lohnstreit getreten. Augenblicklich wird der Leichenttansporh von Streikbrechern ausgeführt, mit denen es am Donnerstag anläßlich eines Leichentransports zu kleineren Reibereien kam. Im Düsseldorfer Melallarbeiterslreik ist eine Verschärfung dadurch eingetteten, daß die Arbeitgebervereinigung für Düsseldorf und Umgebung die Streikenden entlassen hat. Vor dem Generalstreik in Venesten. Mailand, 17. November. Der seit über einer Woche andauernde Streik der Metallarbeiter droht sich zu einem Geneiasstreik in der ganzen Provinz Denetien auszuweiten. Gegenwärtig finden noch in Rom unter Vorsitz des Arbeitsministers Verhandlungen statt, von deren Ergebnis es ab- hängt, ob der schon seit mehreren Tagen beschlossene Sympathie- st r e i k für die Metallarbeiter, der sämtliche Industrie- und Hafen- arbeiter Venetiens umfassen soll, proklamiert werden wird. Die Organisationsoertreter erklärten dem Ministerpräsidenten Bonomi, daß die Arbeiter keinesfalls von ihren Forderungen abgehen würden. An die Gewerkschafisvorstände. Wir haben bisher allen freien Gewerkschaften diese Rubrik ohne jede Einschränkung zur NerfLgung gestellt, flu unserem Bedauern sind wir 1 dazu jetzt nicht mehr in der Lage. Alle Bersammlungs. und Sitzung«- ankanoigunaen finden nach wie»or Aufnahme, ablehnen müssen wir dagegen die Aufnahme van solchen Notizen, die Festlichkeiten, Tcateroarstellungen usw. ankündigen. Asa-FunktionSre der städtischen Werke und Läse». Heut« vorm. lo Uhr in der Neuen Philharmonie, Köpenickcr Etr. 96,'S?, Versammlung, in der das Ergebnis der zur selben steit stattfindenden Verhandlungen mit dem Magistrat abgewartet und dann sogleich über alle weiteren Maßnahmen Beschluß gefaßt werden soll.— Aka-Vund, Ortskartell. verband der Buchbinder und Papieroerarbeiter. Heute 7 Uhr im Sewerk- fchastshau» außerordentliche tbencralversammlunz. Stellungnahme zur Er- höhung der Lokalbeiiriige. SPD.-gunktionäre de« Retavarbilterocrbande, im 2t. Bezirk. Heut« Uhr bei Schöpf, Niederschöncwcide, Grünauer Etr. 8, Sitzung aller Partei- und Gewerkschastsfunkiionöre sowie Betriebsräte der SPD., welche im Metall- ardciteroerband organisiert sind. Parteibuch und Gewerlschaftsausweis legitimiert. Zentralperband der Maschinisten und Heizer. Montag 6 Uhr Im Gewerk- schaitehaus Funktionäroersammlung, im Perein mit den Bezirk»-, Haus- und Betriebskafsscrern. Tagesordnung: Bcitraaserböhung. Modelltischler. Sonnabend nachm. 8 Uhr im Berbandshaus, Rungrstr. llg sArbeitsiasensaall, Versammlung aller in den Privatbetrieben beschäftigten Modelltischler. Etellungnobwe zum Pertragsverhälwls und zur Lohnbeweguno. Deutscher Zrauspsrtarbelterveriand. Die für Totensonntaq im Theater am Kurfürslendamm angefetzte Aufführung von„Bunbury" fällt besonderer Umstände wegen aus. Die gelösten Eintrittskarten werden in unserem Bureau zurückgenommen. gentraloerband der Angestellten. Funktionär« de, Einzelhandel»: Seut- 7ZZ Uhr in der Neuen Philharmonie, stöpenicker Str. L6D7, Versammlung. Da« Ergebnis der Tarifverhandlungen. Lohnabbau in der saarländischen TchwerinduZtrie. Nachdem die Grubenverwaltung Ihren Arbeitern die Tarife gekündigt hat, hat jetzt auch die saarländische Schwer- i n d u st r i e dasselbe Verfahren eingeschlagen. Ab 1. Dezember sind auf den Hüttenwerken die Tarife für Arbeiter und kaufmännische Angestellte gekündigt. Es ist mit einem noch schärferen Lohnabbau als auf den Bergwerken zu rechnen. Die Lohnab- flus öer Vartei. Gegen die große Koalition. Frankfurk a. 14. November.(Eigener Drahtbericht.) Eine große Lertrauensmännerkonferenz der Sozialdemokratischen Partei von Frankfurt a. M. befaßte sich am Sonntag mit der sstegierungs- bildung in Preußen. Der Landtagsabgeordnete W i t t i g, der zu den 41 Abgeordneten gehört, die gegen ein Zusammengehen mit der Deutschen Volkspartei gestimmt haben, behandelte auch die Gründe, die für die Mehrheit der Fraktion ausschlaggebend waren. Nach längerer Aussprache wurde eine Rcsolutioa einstimmig ange- nommcn, in der es u. a. heißt: „Die Vertraucnsmännerkonferenz bedauert das Zusammen- gehen mit der Deurschen Volkspartei. Die kleine Koalition hätte unter allen Umständen möglich gemacht werden müssen, die die Unterstützung der USP. gesunden hätte, wodurch der Regierung eine feste republikanische Mehrheit sicher gewesen wäre. Die Deutsche Dolkspartei wird nicht für bündnisfähig geHallen. Ein Kuliusminister wie B o e l i tz bedeutet ein Unglück für die Erziehung unserer Kinder. Die Erpressertaktik der deutschgßltspartcilichcn Industriellen bei der K r e d i t a k t i o n stellt nackten Landes- oerrat dar und zeigt die Arbeiterfeindlichkeit diese? Kreise von der höchsten Potenz. Zwischen der Deutschen Volkspartei und der Sozialdemokratie liegt eine Kluft, die nicht zu über- brücken ist." Viktor Adler» Briefe. In der Wiener„Arbeiterzeitung" richtet Friedrich Adler, der die Herausgabe des literarischen Nachlasses seines Daters vorbereitet, an die Parteigenossen des Inlands und Auslands die Bitte, ihm die in ihrem Besitz befindlichen Briefe seines Baters zwecks Abschriftnahme zur Berfügung zu stellen. Berantw. für den redakt. Teil: Dr. Weener Peiser, Eharlottcnburg: für An- zeigen: Th. Glocke. Berlin. Berlag Porwäris-Verlag ffi. m. b. H.. Berlin. Druck: vor«irl»-Juchdrucker«i u.Perlags>. vlerz» l Beilage. Stoffe IQr Herren- ond Damen-Bekleidung beste Fabr. fr. Auswahl, Verk. meterweise Koch& Seeland»; h: Gertraudten»tp>-Be 20—21. A�ftferfheim Frisches Fleisch Rinderbrust und Querrippe Pfand 10 m Schmorfleisch mU Knodien...... Pfand Ij&.M Roastbeef mu Knodien.......... Pfand lifo Hammel-Vorderfleisch____ Pfand 9so Hammelrüdken............ pfnnd 11m Hammelkeule ganz and �eteiu.... Pfand 11 M Schweinebaudi und Blatt Pfand 17 m Schweinerücken........... Pfund 17 so Sdiweineschinken......... Pfand 17 m Gehacktes Rind« und Schweinefleisch 12 m Abteilung: Frische Blumen Lclpzlg«r Straft« KCiiigstraB« Morltiplats Kränze in großer Auswahl Landkäse eros«.... smck 4r« Camembert... schacMei S*o Harzerkäse---- Pfund l2«o f sdjwerer 1 < spanischer> I Botwein I jwerer I ZZso nischer) otweln| 24m Leb. Karpfen pfond 12m 13m Salzheringe groae stuck 40 p«. Bratheringe.« uter-i>ose45M Suppenhühner. Pfund 15 50 an 1917Almando 1917 Priorato Tarragona rat........... 24m Pcincr farragona rat und weis 28«» Sherry Cadix.......... 36 m Douro Portwein rat..... 42 m Fein, österr. Süßwein ��«22 m Preise Nlr i|i Flasche elnschlleSIlch Steuer n. Flasche. Flaschen werden mit I,— M zurtlckgenommea Vicrfirudti-Marmelade...... p/w 5«o Frische Bratschollen........ tvw Sm Starke Hosen gatTelft und ausgeworfen..,. SO M Gemüse Kohlrüben geib*.. ptimd 55«. Mohrrüben.... Pfand 95«. Grünkohl...... ptund 80«. Weißkohl...... prund Im Rotkohl....... ptund Im Märk.Rübchenpfd.55 u.85pt Sellerie...... pfund90pf. 1«« Zwiebeln....ptund 1,« iso Maronen....... prund 7 m Porree......... Pfund l»» /m ErfnsdiungsTaum: Plunderbretzeln 7M Hirschfleisch\ Rehflciscfa j-• Ptua'1 92 Sir. 544 ♦ ZS.�ahrgaag Heilage öes vorwärts 5rektag, IS. November 7421 Kampfpräsiömm im Staötparlament. Bürgerliche Gewaltpolitik.— Ei» rechtsstehender Ttadtvcrordnctcnvorstchcr. Eine Stadtverordnetenvorsteherwahl, wie die in der gestrigen Stadtverordnetenversammlung zustande gebrachte, ist in Berlin seit langem nicht dagewesen. Aber die bürgerlichen Parteien wollten ihren Triumph haben und wollten den fadenscheinigen Sieg, der bei den Stadt- verordnetenwahlen ihnen zugefallen ist, dadurch unterstreichen, dah sie den Posten des ersten Vorstehers mit einem Mann aus ihren Reihen besetzten. So erhielt Berlin seit vielen Jahrzehnten zum ersten Male wieder einen rechts st ehenden Stadtverordnetenvorsteher, den Deutschvolksparteiler Dr. C a s p a r i, zu dessen Wahl alle bürgerlichen Parteien von den Deutschnationalen bis zu den Demokraten sich zusammen getan hatten. Vor Eintritt in die Wahl nahm für die s o z i a l d e m o- kratische Fraktion unser Genosse ch e i m a n n das Wort, um den nach demokratischen Grundsätzen und parla- mentarischem Brauch berechtigten Anspruch der Fraktion als der jetzt stärksten zu begründen und für den Posten des ersten Vorstehers unseren Genossen Franz Krüger vorzuschlagen. Die von bürgerlicher Seite gegen Krüger in lM Presie vorge- brachten Einwendungen kennzeichnete unser Redner in scharfen Ausführungen als leere Ausflüchte, die nur verdecken sollen, daß man keinen Sozialdemokraten haben will und einen solchen von vornherein nicht haben wollte. Heimann erklärte rund heraus, daß es sich um einen Gewaltakt handelt, den unsere Fraktion nur als eine Kampfansage auffassen kann, und daß siedenFehde- handschuhaufzunehmenbereit ist. Sie werde, wenn die Bürgerlichen ihre Mehrheitsgewalt in dieser Weise miß- brauchen wollen, sich an der Zusammensetzung des Vorstandes überhaupt nicht beteiligen. Der Deutschvolksparteiler v. Eynern und der Deutsch- nationale K o ch wiederholten die faulen Ausreden, mit denen die bürgerliche Presse die Kandidatur Krüger bekämpft hat. Das Recht der sozialdemokratischen Fraktion als der stärksten erkannte auch der Unabhängige D i t t m a n n an, der für seine Fraktion gleichfalls die Bereitschaft zu dem von den Bürgerlichen gewollten Kampf erklärte. Der Kommunist G ä b e l erging sich in Ausfällen gegen Krüger, endete aber mit der Zusage, daß auch seine Fraktion für diesen Kandidaten der Sozialdemokratie stimmen werde. Der Wahlakt zeigte dann allerdings, daß bei den Kommu- nisten und mehr noch bei den Unabhängigen diese Erklärungen nicht allen als verbindlich galten. C a s p a r i erhiell 115 Stimmen, 74 fielen auf Genossen Krüger, Z lauteten auf „Knüppel-Kunze", außerdem wurden 8 weiße Zettel abge- geben. Eine beträchtliche Zahl von Unabhängigen und auch einige Kommunisten hatten den Saal verlassen, um sich der Abstimmung zu entziehen. Aus dem Reihen her an der Wahl sich beteiligenden Unabhängigen oder Kommunisten müssen sogar einige Stimmen gegen den Kandidaten der Linken abgegeben worden sein. 115 Stimmen für Caspari und 3 für Kunze sind zusammen 118, während die Gesamtzahl der bürgerlichen Stadtverordneten nur 115 beträgt und überdies ein paar von ihnen gefehlt haben sollen, so daß die Gesamt- zahl der mitwählenden Bürgerlichen noch weniger als 115 wäre. Nach diesem Ausgang der Vorsteherwahl erklärten die Unabhängigen, daß auch sie jetzt die Besetzung des ganzen Präsidiums den Bürgerlichen allein überlassen wollen, und die Kommunisten schlössen sich mit ein?r gleichen Erklärung an. Den Bürgerlichen schien nicht ganz wohl zu sein bei den Aussichten, die sich ihnen da er- öffneten. Gegen den Versuch, die drei aus den Reihen der> Rechten vorgeschlagenen Vorsteherstellvertreter durch Zuruf zu wählen, erhob sich Widerspruch bei Kommunisten und Un- abhängigen. Die danach vorgenommene Zettelwahl ergab mit Kampffront rechts und links. nur III abgegebenen Zetteln die Beschlußunfähigkeit der Versammlung, so daß die Sitzung abgebrochen werden mußte. Sitzungsbericht. Die heutige zur Konstituierung der Versammlung und zur Er- ledigung von Ausschußwahlen vom Altersvorsitzenden berufene Sitzung wird gegen �6 Uhr bei voll besetztem Saale von Pfannkuch eröffnet. Die Zuhörertribüne ist überfüllt: vor dem Rathause haben sich zahlreiche Demonstranten, anscheineno Erwerbslose aus Neukölln, einegfunden. Mit einem Willkommen und dem Wunsche, baß alle Mitglieder nach bestem Können und Wollen die Geschäfte der Stadt fördern und das Wohl der Bürger garantieren mögen, eröffnet Pfannkuch die Sitzung. Das Andenken der verstorbenen früheren Stadträtin Frau Rathenau wird in der üblichen Weise geehrt. Von der Nachtragsvorlage des Magistrats betr. Bewilligung von 9 Millionen Mark als Winterbeihilfe an die minderbemittelle Bevölkerung sowie von mehreren Dringlichkeitsanträgen wird Kennt- nis gegeben. Darauf tritt die Versammlung in die Tagesordnung ein und nimmt zunächst die bisherige Geschäftsordnung vorläufig an: ein Antrag Dörr(Komm.) auf Beseitigung der geheimen Sitzun- gen wird abgelehnt. Die Nachprüfung der Geschäftsordnung wird auf Antrag v. Eynern einem Ausschüsse von 25 Mitgliedern übertragen. Hierauf soll die Wahl des Stadtverordneicnvorstchers und der 3 Stellvertreter erfolgen. Dem Wahlgang geht eine fast einstündige Erörterung vorher. Stadto. H e i m a n n(Soz.): Aus der Wahl als stärkste Fraktion hervorgegangen, erheben wir den Anspruch, den Vorsteherposten zu besetzen und bringen den Genossen Stadtv. Franz Krüger in Vorschlag. Wie wir wissen, haben die bürgerlichen Fraktionen nicht allgemein die Absicht, für unseren Kandidaten zu stimmen: man ver- schanzt sich jetzt dahinter, daß wir verpflichtet gewesen wären, vor der Wahl mit den anderen Fraktionen über die Person ins Benehmen zu treten. Wir können eine Verpflichtung derart nicht an- erkennen, aber hätten wir auch diese Eourtoisie geübt, so wären doch Einsprüche nicht ausgeblieben. Nicht gegen die Per- s o n Krügers richtet sich Ihr Widerstand, sondern gegen den Sozialdemokraten. (Widerspruch rechts: Ruf bei den Komm.: Ist gar keiner!) Zum Beweise berufe ich mich auf die Tatsache, daß sofort nach der Wahl Strömungen auftraten, dahin gerichtet, als Vorsteher ein Mitglied der bürgerlichen Fraktionen zu wählen und keinen Sozialdemokraten zuzulassen. Diese Strömung verdichtete sich so, daß unser hochver- dienter Ehrenbürger Cassel Beronlassung nahm, im„Berliner Tage- blatt" vom 23. Oktober einen Alarmruf gegen solche Bestrebungen zu erheben. Erst am 1. November trat unsere Fraktion zusammen, und vorher war der Name Krüger überhaupt nicht genannt worden. Man hat also von Anfang an gegen die Sozialdemo- traten Stellung genommen.— Herr Koch hat sich am 22. Mai 1919 ausdrücklich zu dem von uns proklamierten Grundsatz bekannt. Wenn Sie jetzt die Wahl von Franz Krüger zu Fall bringen, so begehen Sie einen Gewalkakl, für den es keine Rechtfertigung gibt, und werfen uns den Fehde- Handschuh hin. Wir nehmen ihn auf!(Lachen rechts und bei den Komm.) Wir lehnen dann die Teilnahme an der Führung der Ge- schälte ab. Im übrigen sehen wir der Entwicklung der Dinge gleich- mütig entgegen. Stadtv. v. Eynern(D. Vp.): Wenn man nicht die Mehrheit hat, Ist es einfach ein Erfordernis der Höflichkeit, mit denen, deren Stimmen man braucht, in Verbindung zu treten. Ein Anspruch muß nicht nur erhoben, er muß auch geltend gemacht werden, und das ist bei keiner der bürgerlichen Fraktionen geschehen. Die Türen zur Verhandlung haben offengestanden: da der Berg nicht zu Mohammed kam, ging Mohammed zum Berge: wir fragten an bei den Sozialdemokraten, aber es hieß: Krüger oder niemand! Das Prinzip des Anspruchs des relativ Stärksten ist nicht immer unbe- stritten geblieben. Wir können Herrn Krüger nicht wählen: wir wissen von ihm nur, daß er der Führer der Berliner sozialdemo- kratischen Parteiorganisation ist. Die Bürgerlichen haben sich nun auf den Kammergerichtsrat Dr. Caspari geeinigt.(Lachen bei den Kommunisten: Zuruf: Schon faul!) Die Not der Zeit wird uns zu- sammenführen, und auch die Sozialdemokraten werden wieder fach» lich mitarbeiten.— Der Ausgang des Wahlkampfes, die Beseitigung der sozialistisch-kommunistischen Mehrheit ist für uns ein wesentlicher Grund, einen diesen Parteien nicht angehörigen Stadtverordneten zum Vorsteher zu wählen. Stadto. Koch(Dnat.) Herr Franz Krüger ist auch nicht der Mann de? allgemeinen Vertrauens der Linken: wenn wir ihn nicht wählen, nehmen wir die Interessen der Rechtssozialisten selbst wahr. Dittmann(U. Soz.): Wir erkennen den von den Sozial- demokraten aufgestellten Grundsatz an, bedauern aber auch, daß nicht vorher eine unverbindliche Aussprache beliebt wurde.(Hört, hört!) Die Rechte will ein Kampfpräsidium und will nach außen ver- künden: Wir sind die Herren! Den 5kampf aufzunehmen ist die USP. bereit. Auch wir haben gegen die Person Krügers die stärk- sten Bedenken: wir stimmen aber trotz aller Bedenken gegen seine Objektivität für ihn, denn die Verantwortung für die Person trägt die Partei, die sie vorschlägt. Nachdem noch G ä b e l(Komm.) erklärt, daß der Vorschlag Krüger eine Provokation und Krüger für die Kommunisten ein sehr übel kompromittierter Herr sei(Ruf bei den Kommunisten: Tech- nische Nothilfe!), daß seine Ablehnung durch die Kommunisten nur die verdiente Quittung für die Rechtssozialistenpolitik wäre, daß die Kommunisten aber, weil es ihnen ernst sei mit dem Kampf gegen das Bürgertum, für ihn stimmen würden, schließt diese Aussprache. Bei der Wahl werden 2 0 0 Zettel abgegeben, davon 8 weiße, von den 192 gülligen Stimmen fallen IIS ans Dr. Caspari(v. vp.), 74 auf Krüger(Soz.), 3 zersplittern. Dr. Caspari(D. Vp.) ist ge- wählt, nimmt die Wahl an und übernimmt den Vorsitz. Caspari spricht dann dem Altersvorsttzenden den Dank für seine vorbildliche Mühewaltung aus, dankt denen, die ihn gewählt haben, und verspricht, sich das Vertrauen der anderen durch seine Amtsführung zu verdienen. Weiter führt er aus: Wir sind hier nicht, um Politik zu treiben, sondern um zusammen mit dem Magi- strat die Berwaltung der Stadt Berlin zu führen. Die Ehre des felbstgewählten Vorstehers ist die Ehre der Versammlung, und die Ehre der Versammlung ist die Ehre jedes einzelnen Mitgliedes: jede Störung setzt das Ansehen der Versammlung herab. Auf Antrag Dittmann vertagt sich die Versammlung um 148 Uhr auf eine Viertelstunde, um nach diesem Ausgang der Haupt- wähl zur Stellvertreterfrage Stellung zu nehmen. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen um H48 Uhr erklärt Dittmann(U. Soz.): Die bürgerliche Mehrheit hat durch ihre Stellungnahm« bekundet, daß sie ein Kampfpräfldium gegen das sozialistische Pcolelarial wünscht.(Unruhe rechts.) Das hat Herr v. Eynern ganz unzwei- deutig ausgesprochen, und dieses Wort wird vom ganzen Prole- tariat als Kampfansage angesehen.(Allgemeine Zustimmung links.) Für eine Vertretung im Präsidium von Gnaden der bür» gerlichen Parteien danken wir: wir lehnen es ab, uns an der Besetzung des Präsidiums zu beteiligen und überlassen den Bürgerlichen, das ganze Präsidium zu besetzen. (Große Unruhe rechts.) Alle Rechte der Geschäftsordnung behalten wir uns vor, um Ihnen zum Bewußtsein zu bringen, daß Sie nicht das Recht und nicht die Möglichkeit haben, mit der Vertretung der proletarischen Parteien noch Jhrem Gutdünken zu verfahren. (Beifall links.) Namens der Kommunisten erklärt Reuter, daß sie sich ange. sichts der Ausnutzung der augenblicklichen Machtposition der Bürger- liehen zur Aufrichtung eines Gewaltregiments an der Wahl ebenfalls nicht beteiligen werden. Dave(Dem.) protestiert gegen die Unterstellung einer „Kampfansage": man habe im Gegenteil den Wunsch sachlicher Zu- sammenarbeit. Ein gegenteiliges Votum der 17 Demokraten hätte am Wahlergebnis nichts geändert.* v. Eynern schlägt nunmehr vor, Fabian(dnatl.) und noch zwei andere Bürgerliche zu Stellvertretern zu wählen. Koch(dnatl.) beantragt Wahl durch Zuruf. Dr. W e y l(U. Soz.) widerspricht. Unter andauerndem Lärm geht der Namensaufruf und di« Wahl des ersten Stellvertreters vor sich. Gegen MO Uhr gibt der Vorsteher Dr. Caspari bekannt, daß III Stimmzettel abgegeben sind, die Versammlung also beschlußunfähig. sei, da 113 zur Beschlußfähigkeit gehören. Es tue ihm leid, daß unter diesen Umständen die Dringlichkeitsvorlagc des Magistrats, 50) Fräulein. Bon Paul Enberling. Zwei Besucher, die sich von dem großen Trupp getrennt und die alte, verfallene astronomische Uhr betrachtet hatten, blieben stehen. Fräulein hastete zur Türe. Noch einmal hielt Lothar sie an.„Verstehe ich Sie recht? Sie wollen nicht—" „Nein," sagte sie,„bleiben Sie nur—" Sie hatte vollenden wollen„— bei Thea." Aber sie hatte es nicht heraus- bringen können. Und als sie Tränen in den Augen spürte, lief sie hinaus. Hermann folgte ihr... Einen Augenblick blieb Lothar Franzius allein stehen. Er blickte zu Thea hinüber, die noch an der Kapelle stand. Er sah nach der Uhr..In einer halben Stunde fuhr der Mittagszug zurück, mit dem er morgen hatte fahren wollen. Nun fuhr er heute. Es war gut so. Er hatte hier nichts mehr zu tun. Er ging um die Kirche herum bis zur Brodbänken- gasse und rief eine vorüberfahrende Droschke an. Annemarie. „Hören Sie mich an," sagte draußen Hermann.„So hören Sie mich doch an." Fräulein drückte die Hand aufs Herz. Es klopfte so stark. „Sie dürfen von allem reden, nur nicht von ihm." Hermann sah sie gequält an. Es war ja schon so schwer zu sagen Warum erschwerte sie es ibm noch mehr? Fräulein gab ihm die Hand.„Sehen Sie nicht so traurig aus. Sie sind doch immer besser daran wie ich." „Nein, nein." sagte er leise.„Sie irren." „Ich weiß, Sie haben es nicht leicht, und ich möchte Ihnen helfen. So gerne, ach so gerne." Hermann lächelte traurig: Sie wollte ihm helfen Sie... ihm'„Mir kann niemand bei'en. Am wenigsten aber Sie." Sie gingen langsam in der kleinen Gasse ans und ab. „Ich habe so viele Sorgen um Ihretwegen gehabt," sagte sie plötzlich. „Sie?" „Ja." Sie sah ihn groß an.«Sind Sie auch auf rechten Wegen?" Er lächelte.„Das kann man mit Bestimmtheit erst sagen. wenn man am Ziel ist." „Manchmal sieht man es auch schon während des Gehens." „Ja, aber dann muß man seiner Sache sehr sicher sein." „Sind Sie das nicht?" „Sind Sie es?" „Aber ich komme hier doch nicht in Betracht," sagte Fräulein ärgerlich und verharrte eine Weile in Schweigen. Plötzlich fragte Hermann:„Wieviel bekommen Sie eigentlich von meiner Mutter?" „Genug. Wenn auch nicht zu viel." „Sie haben recht. Es ist eine undelikate Frage—" „— und eine überflüssige." „Warum?" „Weil Sie ja Ihre Frau Mutter fragen können." „Das täte ich nie. Sie würde dann seufzen und Ihnen am nächsten Ersten wenn möglich noch abhandeln." Fräulein lachte.„Ich würde mich zur Wehr setzen. Glauben Sie nur!" «Wenn Sie es nur täten! Ich glaube aber, Sie bluten für ein Sündengeld, und ich muß mich für meine Mutter schämen." „Ihre Mutter meint es sicher gut mit Ihnen." „Sicher. Sie ist ja eine Mutter. Aber ich habe den Fehler begangen, größer und älter zu werden,' mit jedem Jahre älter.— da kann meine Mutter nicht mehr mit. Wenn ich ein kleines Kind wäre, würde sie mich ausgezeichnet ver- stehen und mir ihre Liebe zeigen können. Zwischen mir und den Meinen steht eben dock mehr als Geld." Das Geld... das Geld... Fräulein durchfuhr es. Wie von Blitzlicht übergössen stand die Szene im nächtlichen Garten da. Und dicht daneben sah sie den alten Wucherer vor sich. „Und wie ist es mit Cäsar Justitz?" fragte sie vorsichtig. Einen Moment sah er sie betroffen an.„Wissen Sie auch? Ach. dos i't schon erledigt," sagte er leichthin. „Gott sei Dank." Sie standen vor der kleinen Schusterwerkstatt.„Schlüssel zur?-rmbesteigung" stand auf weißem Plakat. „Wissen Sie," sagte Fräulein plötzlich,„wir wollen auf den Turm. Ja? Ick wollte es schon so oft und hatte nie Zeit. Heute habe ich Zell. Heute nehme ich mir Zeit." «So ist's recht." „Ja. denn ich weiß nicht mehr, wie ich jetzt in das Haus an, Fischmarkt zurückkehren soll." „Das weiß ich auch nicht," sagte er leise. Aber sie hörte es nicht mehr. Die schwere, eifenbeschlagene Turmtüre öffnete sich. „Zehn Treppen sind es mit dreihundertfünfundsechzig Stufen," sagte der Pförtnr,„so viel wie Tage im Jahre. Und wenn Sie wieder rauswollen, klingeln Sie oben, am ersten Treppenabsatz. Ich schließe ab." Nun standen sie in tiefer Dunkelheit und klommen die schmale, gewundene Steintreppe empor, die als Geländer nur einen herabhängenden Strick hatte. Die Seitenmauer war stark zerbröckelt. Ab und zu kam eine Luke, klein, schmal, kaum einen Fuß hoch.' „Kommen Sic!" sagte Fräulein, und sie jagte die Stufen empor. „Nicht so schnell! Nicht so schnell!" Aber nun konnte sie auch nicht mehr. Sie blieb im Dunkeln stehen, bis Hermann bei ihr war. Wenn ich sie jetzt umfasse, ist sie mein, dachte Hermann. Wie sollte sie je erfahren, daß alles nur ein Irrtum war? Wie spielt doch das Leben mit uns! Immer wird Wahrheit von uns verlangt, und dennoch würde das Leben diese Lüge segnen... Langsamer �schritten sie nach oben. Es wurde heller. Eine mäcktige hölzerne Halle tat sich auf. Von jetzt ab kamen nur noch Holztreppen, die sich eng an die Wände andrückten. Das Gebälk im Turm war ein einziges gewaltiges, dunkles Spinngewebe, unentwirrbar und unheimlich. „Ich habe das Gefühl, daß sich die Mauern jeden Augen» blick zusammenschließen und mich erdrücken wollen." „Ja," sagte Hermann,„der böse Geist der verrauschten Jahrhunderte ist gef'ohen, aber nur. um sich in den unzähligen Ecken und Winkeln des Gebälks zu verstecken und auf seine Stunde zu warten. Hier träumt er von den sckön-n Zeiten der Geißelmut und Herenl'rände. Wenn ein Windstoß durch eine Luke fährt— boren Sie?— gibt es diesen schauerlichen. kläglich stöhnenden Ton. Das ist der Geist der Finsternis, den ein Lichtnfeil getroffen hat und der unsäglich leidet. Hören Sie?" „Ja." Im Gerüste raschelte, kratzte, fauchte, quiekte, flatterte es. Vielleicht waren es Fledermäuse. Vielleicht... (Forts, folgt.) di« bcn TOinbfrfeemtHeüen 9 Millionen zuwenden wolle, heut« unerledigt bleiben müsse. DIse Bemerklinki erregt lärmenden Widerspruch und Entrüstung bei der äußersten Llnken, die sich in Zurufen wie„Ihr Heuchler» bände!" und dergleichen Luft macht. Auch auf der Tribüne für die Zuhörer entsteht jetzt ein immer wachsender Lärm, der offenbar gegen die Rechte oer Versammlung gerichtet ist und aus dem sich Rufe wie: Halunkenl Banditen! Hunde! abheben. In beispiellosem Tumult geht die Versammlung nach'AQ Uhr auseinander. Verstärkte WucKerbekämpfung» Sine Warnung des Polizeipräsidenken. Folgende vom Polizeipräsidenten ausgehende Meldung wird untlich bekanntgegeben: 3n den letzten Tagen ist es in verschiedenen Stadtteilen zu Plünderungen von Sefchästshäusern gekommen, veranlassung waren zum Teil plötzliche Preissteigerungen, so z. L. die sprunghafte unberechtigte Erhöhung de» Petroleum- kleinverkaufspreises gelegentlich des vorübergehenden Sasstreik». Der Polizeipräsident hat aus diesem Anlaß die Ent- iendung verstärkter Streifen der Wucherabtei- l u n g angeordnet, die vor allem die Preisfestsetzung nachprüfen. Wucherische Preisübertreibungen werden mit allen gesetzlichen Mitteln rücksichtslos verfolgt werden, und die Polizei bittet erueut um Unterstützung ihrer Illaß- nahmen durch da, Publikum. Alle Polizeireviere neh- wen Melduneen entgegen, Andererseils ergibt sich für die Polizei aber auch die Rot- «endigkeil, gegen A u s s ch r e i t u n g e a. die die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit gefährden, vorzugehen. Plünde- rungcn von Geschäften können unter keinen Um st an- den geduldet werden. Der Polizeipräsident warnt daher die Peoölkerung. sich von unlauteren Elementen zu derartigen Aueschreitungen verleiten zu lassen. Es ist danach zu hoffen, daß die hier angekündigte verstärkte Bekämpfung des schamlosen Wuchers sofort mit aller Energie ein- jetzt. Nicht recht verständlich ist«g aber, weshalb das Polizeipräsi- dium nicht bereits vor Beginn der Ausschreitungen sich der Wucherbekämpfung mit verstärkten Maßnahmen zuwandte. Ge- legenheit dazu war wahrlich genug vorhanden. Der Gasstreik und der daraus entstandene Pctroleumwucher war, wie jedermann be- kannt sein dürfte, nicht der einzige Anlaß, rücksichtsloses Vorgehen notwendig zu machen. Neue Ausschreitungen in der Schönhauser Allee. Leider ist es gestern nachmittag in der Schönhauser Alle« wieder zu sehr bedauernswerten Ausschreitungen gekommen. Hier drangen etwa 299 Erwerbsrose in da? Geschästslokal des Fleischkonsums der Gebrüder Pälschke, Schönhauser Allee Ui, >md plünderten die dort zum Verkauf lagernden Wurst waren im Werte von etwa K009 M., beraubten die Ladenkasse um etwa S9 99 M. und zerrrüni merten mehrere Scheiben und Einrichtungsgegenstände. Als die Plünderer noch bei der besten Arbeit waren, trafen 29 Mann der Schutzpolizei von der Nordring- und Wörther Wache ein, die die Ansammlung z« r» streuten und fünf der an den Ausschreitungen beteiligten Per» sonen festnahmen. Sie wurden zur Wache geführt und fest- gestellt. Gegen 11 X Uhr kam es gestern zu größeren Ansammlungen auf dem K o p p e n p l a tz, die sich ober»ine Diertelständ« später wieder auflösten, ohne daß es zu Zwischenfällen gekommen wäre.— Um 12 Uhr mittags versuchten etwa 79 Mann in dos Rathaus zu Lichtenberg einzudringen. Zwei schnell dorthin entsandte Autostreifen verhinderten dies und zerstreuten die Menge.— Vor dem Rathaus in Neukölln, das oon einer Wache der Schutz- Polizei gesichert war, blieb a l l e s r u h i g. Starker Biehauftrieb— aber teures �fleisch. Ein überstarker Auftrieb am Diehmartt, hervorgerufen durch die Räumung der Weißen wegen des ersten Schneefalles und durch die Aufhebung der Sperre des polnischen Korridors, ist feit einigen Tagen auf dem Schlachthof der Stadt Berlin zu bemerken. Die bis zur Aufhebung der Sperre zurückgebliebenen oftpreußischen Vieh- bestände wurden nunmehr ig Bewegung gesetzt. Diese Umstände verursachten begreiflicherweise der Station Zentraloiehhof nicht un- erhebliche Schwierigkeiten. Auf dem Viehhof selbst war genügend Raum für Marktvieh vorhanden, da die Stallabteilungen 2 bi, S der Schafställe A und B und die Reserveabteilung der Schafmartt- hall« von der Verwaltung zwar bereitgestellt waren, aber größten- teils nicht benutzt wurden. Hoffentlich bedingt dieser starte Biehauftrieb und das daraus sich entwickelnde Ueberangcbot von frischem Fleisch ein Sinken der Klein- Verkaufspreise, wovon im Augenblick allerdings noch nichts zu merken ist. laden« Nervenarzt Dr. P l o c z e k dem Wert« jeden Wissenschaft- lichen und literarischen Wert absprach, verfochten die vom Der- teidiger Rechtsanwalt Dr. Puppe geladenen medizinischen Snch- verständigen: Dr. Kronfeld oon dem Institut der Sexualwissen- schaft und Spezialarzt Dr. Saal er, den entgegengesetzten medizi- Nischen Standpunkt. Auch die literarischen Sachverständigen: der Direktor des Ftscherschen Verlages, Schriftsteller Dr. Hans K y s e r. Schriftsteller Arthur Gilb ergleit und Dramaturg Lokesch, betonten den literarischen Wert des Werkes unter Hervorhebung zahlreicher markanter Stellen. Selbst der Reichskunstwart Dr. R e d s l o b hatte dem Werk jeden unzüchtigen Charakter in einem schriftlichen Gutachten abgesprochen. Der Staatsanwalt beantragte gegen die Angeklagten Verlags- buchhändler I o h n d o r f f und Kaufmann T h a u je 599 M. Geldstrafe, während Rechtsanwalt Dr. Puppe aus tatsächlichen und Rechtsgründen die Freisprechung für geboten hielt.— Das Gericht kam zwar zur Freisprechung der Angeklagten, betonte aber, daß die in dem Werke wiedergegebene Darstellung unzüchtig sei. die Angeklagten sich jedoch dessen nicht bewußt gewesen seien.— Da die Angeklagten Revision angemeldet haben, wird der Fall auch das Reichsgericht beschäftigen."___ Raubüberfall auf eine« Bankier. In dem Bank- und Lotteriegeschäft von Hugo Rendelmann, Friedrichstr. 29Z, erschien gestern mittag«in Mann und schlug den dort allein im Verkaufsraum anwesenden Geschäftsführer Karl Hermann Krüger mit einer Eisenstange zu Boden. Durch das Ge- rausch und den Fall des Niedergeschlagenen wurde der in einem hinteren Raum befindliche Geschäftsinbaber Rendelmann aufmerksam und eilt» nach dem Lodenraum. Auf seine Hilferufe ergriff der Täter die Flucht und es gelang ihm auch, zu entkommen. Der lieber« fallene hat eine erhebliche Kopfverletzung davongetragen und mußte sich in ärztlich« Behandlung begeben. «Sroß-öerttner partelnachrlchten. Heule. Areilag, den IS. November: s. gm» Weddiog. Der Surfu» der Sozialistischen Bildungsschule füllt heu:« abend aus wegen der �rcismitzliedcrversamutiung. Nächster Äbend: Fm- tag. den 25. November.. I.»reis Wiimcredors. Treffpunkt sämtlicher ffunktionarinnen von Dllmers- dorf, Lchmorgendorf, Grunewald und Halrnse« abends 5 Ubr IM Partel- burcau. Gasteiner Str. 12. 12.«rri, St-gliz. Lichtrrselbe-nd Lankwitz. Kursus Dr. Borchardt findet nicht Gemeindeschul« 7, sondern bei Stowasser, Etefansir. 1, statt. Ansang pünktlich* Uhr.„,.«. 14.«reis R-nkiM». geitnngskommissian: 1 Uhr in der«UM der Knabenmittel. schule, Donaustr. 120, Bortrag de» Genossen Luickhardt über„geitungs- Wesen*. Sämtlich« Bezirke müssen vertreten sein. 5.«dt. 7H Uhr im»itrgerheim. Alte Schünhauser Str. A/24, Funktionär. konferenz. Die Sammellisten und Billetts sind abzurechnen. 17.«dt. Di« Mitglieder werden ersucht, di- Kreismitgliederversammlun, heut« abend 7 Uhr in der Aula des Echillcr-Lyzeum». Pank-, Eck« Bottger» ftraße, zu htsuchen... �, 27. und tz».«bt. Die füe heute abend-naesetzte Slternversammlung findet erst am Montag, den 21. November, statt. 7».«bt. Dshle». 7>4 Uhr anRerordentlich, Witglled-rv-rs-mmlung bei Schil- ling. Konigin.jiuise.Str. 42. Thema:„Di- große Koalition". Referent Smlt Lehmann....„ ».«dt. Lichtenrade. 714 Uhr«bteilungsverfammlung in der Schule Roon- straße. Thcma:„Die große Kbalition*. Referent Dr. Korach. Jungs», iaNftr». straß« tz/li, Die Berliner.Heil» und Pflegeaustalt die auf dem Grundstück der Irrenanstalt Dalldorf untergebracht ist, besteht jetzt 4 9 Jahre. Sie wurde 1881 unter der unschönen Be- Zeichnung„Jdiotenanstalt" geschaffen und erhielt die Ausgabe, schwach- sinnige Kinder durch möglichste Ausbildung ihrer geringen Fähig- leiten zu nach brauchbaren Mitgliedern der Gesellschaft zu machen. Wie weit die Erziehung der Kinder durch Unterricht in der sieben st ufigen Schule, durch Beschäftigung im Hause und durch planmäßige Anleitung in den Werkstätten Erfolg gehabt hat, zeigt eine Statistik aus den letzten zwölf Jahren. Bon den in dieser Zeit entlassenen 750 Zöglingen konnten 290 Knaben und 60 Mädchen, zusammen 269 Kinder (= 35 Proz.) in Hand-, Land- und Hausarbeit gebracht werden. Etwa die Hälfte dieser Knaben und alle Mädchen wurden aufs Land gegeben, wo sie sich in Haus, Hof und Feld nützlich machten. Die andere Hälfte der Knaben kannte zur Erlernung eines Handwerks in Lehren gegeben werden und zwar als Buchbinder, Tischler, Korb- macher, Schuhmacher, Bäcker, Steinmetze, Schneider, Maler, Gärtner. auch als Hausdiener. 32 Proz. der Entlassenen gingen aus der An- stast auf Wunsch der Eltern zu ihnen zurück, 26 Proz. muhten der Irrenanstalt überwiesen werden, 6 Proz. kamen in andere Anstalten, 1 Proz. stnrb in der Heil- und Erziehungsanstalt. Di« mühevolle Arbeit dieser Bildungsstätte für die geistig Hilflosen wird seit 49 Iahren von Erziehungsinspektor Piper geleitet. Ein folgenschwerer Zusammenstoß ereignet« sich gestern in der achten Abendstunde In der Leipziger Straße zwisckien einem Autobus Arbeiter-Angierb Gruppe Norde»! 7Z4 Uhr in der Gemeiitdesihul« Butbuscr Vortrag!„Die Fortpflanzung in der Natur, Referent 'vr. üuem.— Lichterseld«: 714 Uhr im Jugendheim Albrechtstr. 14a, Bartraasabend.— Heemsdorf! 71? Uhr im Zugendheim Roonstraße, Vortragsabend.—«ebeitsgemeinsch-st! Landgemeindehau», Sophienstr. 2Z, Vortragsabend.— Pankow: 714 Uhr im Jugendhelm Breit« Str. 33, DiS» kufssonsabenb. Morgen, Sonnabend, den 19. November: ckharlettenburg.Spandan: Jeden Sonnabend von 5—6 Uhr Juristische Sp'.ccfi- stund, im. Jugendheim Roslnenstr..4, vorn 1 Treppe, g-itungsquittung, »7.«dt.~ Bernin. 8 Uhr Mitgliederversammlung( Eozlsldemokr alischer Männerchor Berlin. Mitte. (Bllrgerheim),«It, Schünhauser Str. 14» Uhr im Lokal Schräder 23/24, 2. Suartalsversommlung. ?ugenüveranstaltungen. Beeel»«rtzeiter-Ivgeid. Sekretariat! SS. I». LIndenstr. 3, 2, Aas links, 2 Treppe» recht». Tel«»h»ui R»I. 121 0«— 10. heute. Areitag, den IS. November: Britz: Jugendheim Ghausseestr. J14», Vortrag:„Vorgeschich'.e der Mark".— '»3« Mohlsdorf!. Juaenddeim Schule Baldersrestraße, Vortrag:„Der.Weltkrirg lvt«:il>l»*.— i!»ablt: Jugendheim Waldcnserstr.. 21, Diskusston:„Die Sicicha- !»- ile räße, Vortrag: Entstehung der tzcitui'si Verfassung".— Moabit II; Jugendbeim Quitzowstr. 115, Vortrag:„Humor 1,1 der Literatur*.— NeukSlin-Sild: Iugendhelm Roaatstr. 5», Bortrag:„Was ist Bildung?*— Rardosten: Jugendheim Realschule Pasteurstr. 44, Bortraa: �Utojiistcn de- 1«. Jahrhundert«".- Wedding: Jugendheim Mllller-, Ecke Vorträge, vereine und verfammtunnen. ______________________...._________________________ H«' (Komponist) und Paul Treff(Gello).«nsang 7 Uhr, Svaläffnung 6 Uhr.— Tourisicu-Lerei»„Di, Naturfreunde",<2. it. Am Sonnahend, den IS. Skn. vember, abend» 7 Uhr, findet dl» Ii. Srstndungefeier der Ortsgruppe Berlin in der Stadldolle, Berlin,«lofterstraße, im Rahmen eines p r» l e t a r i. schen Kunst abend» statt. Im Anschluß daran am Sonntag, den 20. No. vembrr, Tressen bei Bernau(Plätzsee).— Ardcitsr.Anglcrdua» Bciliu»ab ümgcgead, E. D. Heute 7 Uhr>n 5er Aula he» Känigstädtischen Gnmnassum», ~.......' Uber Allste und Zwecke dr» ■■.St»»»aia»h»I», Perein. Montag, den 2Ü November, 714 Uhr, Waldstr.»(Moabit), Restaurant, neuer Unterrichtskurfu». Unterricht groti». Lehrmittel 10 M., Dauer 10 Stunden. Gründliche, praktisch»«u»bildun».~«ebeiter.Abstiaeateu-Buvd. Sannabend. de» 12. November, 714 Uhr. in der Sophien�Säiul«, W-iumeisterslr. 16/17. Referent Genosse Paul Plottke:„ellkahal und freie Juaendbewegung". Ein- tritt frei, ilreitaa wlä'tiqe Mitaliederversammlung, Nicberwalistr. 12. � Mieterschutz, Verband Berlin, S. 58, Tresckowstr. 53. Heute 7 Uhr große Mieter-Protestversammlung in der Bützow-Biauerei, Prenzlauer Aller. Taaes- ordnung!„Die Gefahren durch Aufhebung der gwangowirtfchaft und ihre Folgen.— Bund hl'.maltreue, vslprenßcn, Norden. Sonnabend, den Ig. November, 7 Uhr, Generalversammlung im Lokal Palmowoki, Große Hamdurzer Straß» SS.. Arbeitersport. «rielteeschach. Am Bußtag spielten in Nenkülln die kombinierten Mann» schaften der Berliner Nordens gegen den Arbeiterschachklud Neukölln. Der ersten Mannschaft Neukölln» gelang e», die Kombinierten mit 1614! 1514 Punk- ten«u schlagen. Zu gleicher geit spielten die Jugend- wir auch bi« Schüler- Mannschaften einen Dettkamps. Dl« Neuköllner Jugrndmannschast unter gegen den Norden mit 4: 13: die Schüler mußten sich«bcnsall, mit 314: 1914 ge. schlagen dekennen.— Am kommenden Sonnabend wird im Rrstauront Friedelstr. 27 Schachsreunt Voigt eine Simultanvorstellung geben, zu der Gäste willkommen ssnd. Anfang 714 Uhr. «eteiter-Sportk-rtell l16. Bezirk). Heut« 146 Uhr flndet die Delegierten- sitzuna bei Masche. Berliner Allee 251, statt. iiersporil*. Am Sonnabend, den 1». November. T Uhr. ■■-- im Knmnasium. eine össeutsiche Vrrsammluna "" Einberufrr: Arbeitcr-Sportlariell »Die Erlösung üer Lreimöe�. Ireispruch in einem neuen Sikklichkeilsprozeh. Die 8. Strafkamnier des Landgerichts I beschäftigte sich mit der Frage, ob der Gattcrmannsche Roman„Die Erlösung der Freunde", der die Beziehungen zweier Freunde zu einander in romanhafter Form schildert, unzüchtig im Sinne des§ 184 des St.G.B. fei. Während der von dem Staatsanwalt als Sachverständiger ge» und einem Wagen der Straßenbahn. Die Elektrisch« fuhr von hinten auf den Autobus auf, wodurch der Wagen demosiert wurde. Eine aus dem Verdeck sitzende Dam« wurde auf da» Strahenpflaster ge- schlendert. Mehrere Fahrgäste, die auf der Hinteren Plattform de» Autobusses standen, trugen schwer« Verletzungen davon. Bei dem Zusammenstoß wurden fünf Personen verletzt, und zwar erlitten: 1. Franz Polle«, Charlottenburg, Schillerstr. 42, Arm- Verletzungen, 2. Fritz Schneidereit, Bülowstr. 46, Schulteroerletzun- gen und 5iandverstal!chungen. 3. Käte Spalinaws, Eichhornstr. S, eine Gehirnerschütterung, 4. Betty Lößner, Invalidenstr. 18. einen Nervenschock, 5. Herbert Schneider eine Verstauchung der linken Schulter. Sämtliche Verletzte begaben sich zur Rettungsstelle 14 in der Kronenstraße, wo ihnen die ersten Verbände angelegt wurden. Die Schuld an dem Zusammenstoß soll den Straßenbahnführer treffen, da er auf den Omnibus von hinten ausgefahren ist. Der Kraftomnibus wurde derart bzschädigt. daß er liegen bleiben muhte Der Straßenbahnwagen mußte abgeschleppt werden. Im Sportkonzeruprozeß Biedermann und Genossen, der seit einer Woche die 11. Strafkammer des Landgerichts I beschästigt, be- antragt« Staatsanwalt Binder wogen Betrugesundgewerb»- mäßigen Glücksspiel» gegen Biedermann 1 Jahr und g Monate Gefängnis, gegen Mayer 4 Monate Ge» f S n g n i«, gegen Willi Isaak 199 999 M. Geld st rase und gegen Leopold Isaak 29 999 M. Geldstraf«. Da» Gericht setzte die Urteilsverlllndung au», da infolge der Ausführungen der Ver- teidiger Bedenken über" die rechtliche Qualifikation der Straftaten entstanden seien. Die Verhandlung wird heute g Uhr fortgesetzt. Der fünfzehnle kreis(Niederschöneweide, Treptow, Baumschulen- weg) nahm am Dienstag nach einem Referat des Gen. K u t t n e r mit allen gegen zwei Stimmen eine Resolution an, die den Ein- tritt der preußischen Landtogsfraktion in«ine Koalition mit der Deutschen Volkspartei bedauert. Der Zentralvcreln deutscher Staatsbürger iübifchen StaubenS hält am 29. und Lt. Novemöer d. F. eins Hailpivetlaminiung in Berlin ab. die durch eins Kundgebung.Im Kamps« um unser Vaterland* ein- geleitet wird. findet in Steglitz. Heesestraß,, im Giimna statt. Thema:„Warum Ärdelterspvrt?*. für den 12. Berwaltungedezirk. Spieltermine de» Seelen Hocke,-Vereinigung(Mitgl. d. A.-T.- u. Sp.-B.) am Sonntag, den 20. November. Auf dem Spielplatz Schönhauser Alle«. Saudpstraß«: Fichte 3 1-Lichienberg I, 2-1014 Uhr(Roihe-Len,): Ficht<>Ost— Ficht- 1 II. 10)4—12 Uhr(Riidizer-Quast): Fichte 12 II— Lichten.| berg III, 1—214(Domdach. Butte): Roland 1— Fichte 12 I, 214-4 Uhr(Albrecht. Sentz). Auf dem städtischen Spielplatz in Staaten: Staaken I— FicT'""' 1014—12 Uhr(Schönholz). Ausdcm silldtifchen Spielplatz in Westen! die 10 I, Char. lotienbura I— Lichtenberg N(Dinlel-Schors). De« Sport-Klub„Slegsrled 02*. Mitgl. d. Brandenburg),»eranstaltet am Sonntag, der..............._____■ im Moaditer vescllschaflshau», Berlin NW., Wielefstr. 24,«in AmaUur-Ring A:d.»Ath7-t»n-Bunde»(Kreis 4, den 20. November(Totensonntag), «»... de« Arbeiter-Athl«- und Borkampfturnier. zu dem di« besten Ringer und Boxer d-i ten-Bunde» erlcheinen werden. Beginn der Kämpfe 5 Uhr. Der Ardeiter.Schwimmverel»„Südost*. Mitgl. d. A.-W.-B., veranstaltete am letzten Sonntag im Havcndad der Schillingsbruck» fein Herbst-Schau- schwimmen. In Ginzel- und Monnschastokämpsen, di« zum Teil recht spannend vertiefen, wurde von dem guten Können der Ardeiterschwimmer steugni» ab- gelegt. All« Altersllassen waren»ertrcten. und e» war«ine Freude, zu sehen, wie Schlller und Jugend und auch da» schwache Geschlecht eisrig bestrebt waren, den Leistungen der Mönnerkömvs» nicht nachzustehen. 5cluirtaclil»sra uieUerbram» Bingen a.Rh. Vertreter: C. H. Bitzcnhofcr, Berlin W 50, Füriher Str. 5 •/Jusgereift und köstlich ßm&er V)c&>ei gef.Kefarrh.fhjsttn um* 4 Platin A Gntd-, Stlberbr., Zähne ,,,, Blei, Kupfer, Lueckstld.ulw. tauft zum Engrospreise bebarno». Longeilr. 85. am Ecklestschen Bahnhof. __ H Einzelverkauf von Erzeugnissen erster sächs. 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(Der ZwergrleseJ von Frank Wedeklnd (Hanau, Charl, Schultz, R.etnann, Klnz, Bildl, Dernbure.v.Twardowski Brandt, Branden, Lundt, Alcxander,Baiier,Klupp) Sbd: Mauott Leacaut Sonnt. Hldnlla Mo.; Mannt, Lescaut KomOdienhaus läglic i 7.30 Uhr: Die Fahrt ins Blaue (Glässner.RIchard.Enjt, Pröckl, Stleda) Berliner Theat. Täslich 7.30 Uhr; QrinsQffin Residenz-Thea! Täglich Vi, Uhr: Das weite Land _, von schnittler Trlesch. Bertens. Korft Schroth, WelcKer, Schneider-Nissen, Haibe, Fürth Sfcd. 4; Max u. Moritz Admirais Palast 7*/»: Die roten Schuhe ?®m§Miünc Iheater a Buiowpiat-/ u! Malie Menlch Lessing'Thea! Heute bis Sonntaa 7'/,: Die Spielereien einer Ualsorin Montag 7: Peer Oyot Deutsches Kiinstler-Tti Allab�nd ich 7'/,: Der belüge Ambrosius (Max Adalbert) Trianon-Theat. Täslich Uhr: Der große Erfolg! 3da Wüst in LsüyWicäerni. Fächer Sonnab. 4 U kleine Pr. Rotkäppchen Kieines Theater Faglich 7>r, Uhr; Eug. Burg. Carola Toellc Falkenstein, Albcrs in Fräul. josette — meina Frau Sonnab. 4 U. Kloi ic Pr. SchneewlUcben FrilziMassaryao. Ralph Arthur Roberts. Pcpl Zampa, Hb. Klpet Central-Thsater puv.! Delekllvinädci OeutschssOpernhaus 7>/,u.: Fideüo Frlsdr. Wllhelmst. Th. s uhr. American Girl Intlmea Theater 8U; Die Spelunke Lauf doch nicht immer nackt herum Klein. Schauspielhaus 7Vs v.! Kikifuustsp.) Lustsnielhaus v/,u: Peter Brauer Metropol-Theater �O.StraßensäiigerlD Neues Operettan-Th. 8 Uhr; Könifliu d.äacbt Neues Theater am Zoo Sonn bend 7'/, Uhr: Der Dummkopf Neues Volkslheaier 7 uhr; Passion Sciklller-TH Cbarlbg. 8 Uhr; Die Schnietlera lin�sschlactit SchloBpark-T. Steglitz z.7.'Zre: Medea Thalia-Theater J&Sehäm'DIcb.lotle Theater des Westens t'h'r': Braut ILucullus Sbd. 4; Hänsel u. Grete] Theat am Nollendorfpl. 4: Schneeweiß u.Rosenr, u8. Die Ehe im KrelsB Th.i d.Kommandant.Str (Jüd. Künstler-Th.) 7V. Uhr Dybulc Wallner Theater V/, Uhr: i�;XCli611 Walhalla-Theater u�Jang muS man sein p/, Oper iv. ] Dir. Jam. Klein t Die große Revue tlf j Keine Blibne der J Weit bietet sol-| jebe Praebtans-I j statt. n.Ham.he- IriibmtDarslell.l iliai Laniia Bruno Kastnei Sascha Gura Wiib. Hartsteln I Franz Groü P.Weslermeyer I L. Werkmeister! Albert Paulig 71; Damen llüBallettil Vorverkauf ununterbiochen I Casino-Theater Lotbring. Str.S? Tägl.7»/, Wieder ein großerElrlolg Der Schlager d. Spielzeit DerWegiH Totenstg.w.allabendllch T/r Der weg zum Glück THeaterysieos (Rose»Theater) '■/« Uhr fiiaer f. /Wi 4 msnmm�m�kL SVSVWG--------- ■Ape REGES Sonnabend, den 19. November 6 Uhr""" Generalprobe für eingeladene Gäste H %9 Uhr Oeffentliche Uraufführung UFA-PALAST ft ZOO 1 Vorverkauf 11 bis 1 Uhr| Ehren- und Freikarten ungültig! i ug, Theater uL, |>ir. Jam. Klein( Die Sensation Berlins Frau I OroSe Ausstatt. Operette von Paul Llnckc mit dem J&rigoiatls- iLuft-BallettP Oskar SaboiG.! Eise Berns. Martin Eettnsr Fritzi Arco I Fritz SteiiU pamen-l [I Ballett i| JSonniagS'/g 0.] Frau Luna i JnBinal- Besetz? I Ermfiß. Preise i J Theater • Untre ben Stuben 22-23: ®it.: M. Sollman •2 UcauffUhtungm 2» SieSrowWe Des mens (Bcfrafdioftr-Srama in 5 Aftrn Saupiroile: Olaf PSnss jöepKIliipPlraftj :>i. seil lOusSeHeimuls bat* Xeufelsbnrg Scnfationsbeoma in 5 Mlrn Satimroile: BUMBO ! Meisterschaftsriuder! Theat. a. Kottb.Tor ?»<,I.7>�Stg.Z: SsnnabtnbSV,: Jtinbrr.ßBötch. Verzollung „Schnee. vittchen" ftltine Preise! F0L1ES CAPRICE Liulenstr. 132, am Oranienburger Tore Täglich 8 Uhr: b OieDieimM' mit Pcrd. Grünecker I Tel; Norden 8650 »ehrcasir. 64 8 Uhr USensationen Kabaret Wieder erSffnetl HeichsKäRen� Theater Stetiinar jgk Sänger jJö�Ab.?1/» u. 1/333 Stnchm.3 5)m"/.Pr Variete PQwh.-Hr. farietfi-SpielplaD I Rauchen gestattet Potsdamer htr 38,| Lady | Hamilton Turmstr. 12 jMafly Christians in: Oer Schlcksaiatag I Alexandernl Pass j Stuart Webbs ] in. O. 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Slovemder,»arm. 9>/, Uhr, in ben Sophlensälen, Sophtenstr. 17/18: Sanlnmz nwl ZnnWnille derjenigen Vetriede, welche dem VVMI. angeschloffen find, und den Mitgliedern der erweiterten Orlsverwallung. Tagesordnung: Stellungnahme zur Kündigung des Tarifes B III vom 24. Mai 1921. DV FunMonSrkarte und Mttgstedsauswets legsttmtert.>»2.-12 Via Vrfsoarwalfnng. Nur allein die Kunstspielpianos und Flügel fG r's beides vereinigt -A S ermöpllchcn gleichzeitig Wiedergabe ! der Musikstücke nach Auffassung des • Künstlers und Selbstnuanclerung iuwugM�Si,"-"! Dtmetalie kauft zu hohen Preisen Gehllaar,* SO, Waldemawaiic 01. Garderobe I für Herren, Damen n. Knaben{ nub neueste Modelle ottf beauetae Tetlzatzlung bei mäbigee Anzahlung I Meinpich Geopg ( And reasatr.«8. I. Bt.(am Andreasplatzl I Srillanten Trairäjs Uhren, Platin, Gold- ii. Silber-Bruch sowie Münzen-Sammlungen kauft Jedes Quantum zum hfi chsf an Auslandspreise prelsw«rt Duk.aQold 900 gest 1 14 karat SAS 8 oo 333 in jed.GrDQe u. 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Oktober 1921 hat die Erhöhung des Grundkapitals um M. 50 000 000 auf den Inhaber lautende Stammaktien zum Ausgabepreis von 100"V sowie um M. 25 000 000 auf den Namen lautende Vorzugsaktien zum Ausgabepreis von 100"/(j beschlossen. Die Stammaktien sind eingeteilt in 50 000 Stück zu M. 1000, die Vorzugsaktien in 50000 zu M. 500. Beide Aktienarten sind vom 1. Januar 1922 ab voll dividendenberechtigt. Sämtliche Aktien sind von der Mitteldeutschen Creditbank in Berlin gezeichnet worden, mit der Verpflichtung, M. 50 000 000 Stammaktien und M. 12 500 000 Vorzugsaktien den bisherigen Aktionären zu den Bedingungen der Uebemahme anzubieten. Nachdem derErhöhungsbeschluß sowie die durchgeführte Kapital erhöhung in das Handelsregister eingetragen sind, fordern wir unsere Herren Aktionäre auf, das Bezugsrecht auf die Stammaktien zum Kurse von 100 0/0 und auf die Vorzugsaktien zum Kurse von 10Oo/o bei Vermeidung desVerlustes dieses Eechts in derZeit vom 19. November bis 10. Dezember 6. J. einschließlich werktäglich in den üblichen Geschäftsstunden unter den nachstehenden Bedingungen bei folgenden Stellen auszuüben: in Berlin bei der Mitteldeutschen Creditbank und „ Direction der Dlsconto-Qesellschatf, „ Mitteldeutschen Creditbank und „ Firma Gebrüder Salzbach, „ Mitteldeutschen Creditbank Filiale Hamburg und „ Vereinsbank in Hamburg, „ Mitteldeutschen Creditbank Filiale Köln und „„ A. Sctaaaibaasen'scher Bankverein A.-Q. A. Stammaktien. 1. Auf eine alte Stammaktie von M. 1000 Nennwert entfällt eine neue Stammaktie von M. 1U00 Nennwert. 2. Behufs Ausübung des Bezugsrechts sind die alten Stammaktien ohne Divi- dendenschcinbogenmit zwei gleichlautend arithmetisch geordneten Nummernverzeichnissen zur Abstempelung einzureichen. Die Formulare sind bei den obigen Bezugsstellen erhältlich. 3. Die Einzahlung auf die neuen Aktien ist mit 25c"0 für jede Stammaktie ohne Zinsen zuzfiglichSchlußscheinstempel bei Ausübung des Bezuges, mit weitereu 25° 0 am 15. Januar 1922 und mit den restlichen 500/n am 30 April 1922 bei der gleichen Stelle, bei der die erste Einzahlung erfolgt ist, zu leisten. 4. Geber die geleisteten Einzahlungen werden Quittungen erteilt,. gegen deren Röckgabe die Aushändigung der Aktienurkunde' erfolgt. Die Bezugsstellen. sind berechtigt, aber nicht verpflichtet, die Legitimation des Vorzeigers der Kassenquittung zu prüfen. 5. Die Notierung der neuen Stammaktien an der Berliner Börse wird nach Vollzahlung beantragt werden. B. Vorzugsaktien. Die Bedingungen zum Bezüge der neuen Vorzugsaktien sind folgende: P 7. w AI nlfiA VnrTiifrcaVfinn liVtow i o nfVä"NT qt-i n vf-ov-f ö-rtffSl If öi vi a noiiA in Frankfurt a. M. in Hamborg in Köln Auf zwei alte Vorzugsaktien über je M. 600 Nennwert entfällt eine neue Vorzugsaktie über M 500 Nennwert. Behufs Ausübung des Bezugsrechts, das nur den im Aktienbucb nnserer Gcsellschalt eingetragenen alten Vorzugsaktionären zusteht, sind die alten Vorzugsaktien ohne Dividendensoheinbogen mit zwei gleichlautenden arithmetisch geordneten Nummern Verzeichnissen unter Angabe der Namen der alten Vorzugsaktionäre zur Abstempelung einzureichen. Die Formulare sind bei den obigen Bezugsstellen erhältlich. Die Einzahlung auf die neuen Aktien ist mit 250/0 für jede Vorzugsaktie ohne Zinsen zuzüglich Schlußscheinstempel bei Ausübung des Bezuges, mit weiteren 250/0 am 15. Januar 1022 und mit den restlichen 50% am 30. April 1922 bei der gleichen Stelle, bei der die erste Einzahlung erfolgt ist, zu leisten. Geber die geleisteten Einzahlungen werden Quittungen erteilt, gegen deren. Rückgabe die Aktienurkunde ausgehändigt wird. Grobe Ilse N.-L., den 24. Oktober 1921. Ilse, BergbauzrActlengesellschaft. 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