Nr. 54» ♦ Z«. Jahrgang Kusgabe A Nr. 27 b Bezugspreis: Vt«rtelIilI>rl.ZS.- M.. monatl. IZ.— M. frei ins Haus> vorou» �anlbar. Polt» dö�ufl! Monotlich 12.- M. einIchU Zu» stellungsgebiilir. Unter Kreiizdand'llr Deutl-tiland. Donz g. da« Saar- und Memelaediel. jowie die ehemals deut» iii'eii' Gebiete Polens Oelteereich. Ungarn und Luxemburg 22.- M., für da» Ldrige Ausland 2g.— M. t cit- beftellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tichecho» Slowalei. Dijne» marh Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz. Der.Vorwärts- mil der Sonntag»- deilage.Volt und Zeit- der Uruer» ha.lungsbeilage.Heimwe»- und der Beilage.Siedlung und Kleingurien- «rlchcu» wochenläglich zweimal. Sonn» tag, und Montags einmal. Telearamm-Adreller »»ojtaldimotrol verlla" Morgen Ansgabe Derliiler (40 Pfennig) Anzeigenpreis: Dt» zehngelpallene NonpareiUezetl« Kittel 7.— M.aialne Anzeigen- da«»tlgedruckt» Morl 3,— M.(zu- lätlig zwei tittgedrurNe Wortel. lebe» weitere Morl 1.50 M. 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Die Vorstände des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts- bundes, des Deutschen Gewerkschaslsbundes(chrijtlich). de» Gewerkschastsringes(Hirsch-Duncker) und des Asa-Bundes halten den Vorsitzenden der Interalliierten Militärkommission. General Tiollet, gebeten, eine gemeinsame Abordnung zu empfangen. um im Vamen von 13 Millionen organisierten Ar- beitern Vorstellungen wegen des Vorgehens der Entente gegen die Deutschen Werke zu erheben. General vollet erklärte sich sofort zum Empfang bereit; die Kommission halte gestern Ge- legenheit, in einer zweistündigen Unterhaltung dem General die Auffassung der deutschen Arbeiter darzulegen, während der General die Gründe für das Vorgehen der Interalliierten Kommission erläuterte. Es steht zu erwarten, daß diese Rück- sprach« nicht ohne Einfluß aus das Schicksal der Deutschen Werke sein wird. Die Kommission wurde ferner vom englischen und vom italienischen Botschafter sowie vom amerikanischen Geschäft»- Iröd-,«nplcgca.. • Die gestern in Berlin versammelten Betriebsräte aller zu den Deutschen Werken gehörenden Betriebe haben folgende Entschließung gefaßt: Wir erheben entschieden Protest gegen die Forderungen, die die Interalliierte Militär-Kontrollkommission neuerdings an die Deutschen Werte gestellt hat. Die Ausfassung oder Befürchtung, in den Betrieben der Deutschen Werke könne in kürzester Frist wieder Kriegs» gerät hergestellt werden, Ist völlig unbegründet, da weder die noch vorhandenen technischen Einrichtungen dazu verwendet werden können, noch die Arbeiterschaft gewillt ist, Kriegsgerät herzu« stellen. Bereits im Dezember 1918 haben die Arbeiter der ehemaligen Heeres» und Rüstungsbetriebe auf einem Kongreß der Rüstungs« arbeiter beschlossen, jedwede Fabrikation zu Kriegs- und Rüstungs- zwecken einzustellen. Die Betriebsräte der Deutschen Werke werden etwaige Versuche, die Betriebe auf Kriegs- und Rüstungs. zwecke wieder nutzbar zu machen, mit allen ihnen zu Gebote stehen» den Mitteln zu verhindern wisien. Mit derselben Eni» schiedenheit weichen sie sich gegen alle Bestrebungen, welche dazu angetan sind, die nur auf Friedensarbett eingestellten Betriebe lahmzulegen. Die Betriebsräte erklären sich mit allen bisher unternommenen Abwehrmaßnahmen ausdrücklich einverstanden. Ei» beauftragen die Gewerkschaften, auch Ihrerseits weiter alle» zu tun, um die der deutschen Volkswirtschaft drohenden Gesahren abzuwenden und insbesondere die ausländischen Bruderorganisationen zu Pro- testaktionen aufzurusen gegen die geplanten Zerstörungsmaßnahmen. Die Betriebsräte erwarten bestimmt von General Rollet wie von dem Botschafterrat die restlose Aufhebung der bisher getroffenen Bestimmungen. « Dt« LS.-Korr. meldet, daß sich mehrere Herren der Leitung der Deutschen Werke nach Paris begeben haben, um durch den beut- schen Botschafter bei den zuständigen französischen Stellen und auch beim Botschafterrat nochmal» wegen der angedrohten Lahmlegung der Werke in Erfurt und Spandau vorstellig zu werden. Der Zwischenfall von Heidenau. Dresden. 18. November. Wolff» Sächsischer Landesdienst teilt zur Durchsuchung in Heidenau folgendes mU: Die Angelegenheit ist heute dadurch erledigt worden, daß die Fabrikleitung und die Arbeiterschaft von sich au» beim Polizeipräst» dium den Antrag auf Besichtigung und Durchsuchung des betreffen. den Raumes stellten. Die von der Interalliierten Kommisston bei der Durchsuchung am Dienstag in dem einen Hochbau bezeichnete Mauer wurde daraufhin an einer Stelle durchstoßen. In dem da- hinter befindlichen Räume wurden von den Polizeibeamten hundert- fünfzig Stück aufrechtstehende Mantelrohre für leichte Feld» Haubitzen aus Chromnickelstohl in den verschiedensten Bearbei. tungsstadien festgestellt und zur weiteren Verfügung darüber durch die zuständigen Stellen sichergestellt. Die Fabritleitung und die Vertreter der Arbeiterschaft erklärten einstimmig, es handle sich dabei um Mantelrohre(Zwifchenfabritat), welche die Fabrik, die während de» Krieges Militäraufträg« gehabt hatte, noch In den letzten Monaten de» Krieges in Bear- beitung genommen hätte. K e i n« s f a l l s fei es Material, das erst nach dem Friedensvertrag angeschafft und in Bearbeitung ge- nommen worden sei. Abreise der NeparotionskommWon. Die Reparationskommission wird wahrscheinlich im LaDfe des heutigen Tages abreisen. Als Ergebnis der Verhondlun- gen zwischen den Finanzpolitikern der Entente und der Reichs- regierung ist festzustellen, daß die Ententemächte auf die o r d- nungsmäßige Erfüllung der Reparation s» raten am 15. Januar bzw. 15. Februar bestehen. Die Re» parationskommission ist der Ansicht, daß die deutsche Regierung in der Lage ist, die dann nötigen Beträge von der deutschen Industrie zu erlangen. Das Reichskabinett beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Erledigung neuer Gesetzesvorlagen. Das R e- parationsproblem wurde nicht erörtert. Zmanzdebatte im Neichsrat. IflI.« Milliarde» Defizit. Sm Reichsrat teilte gestern Mlnisterialdtrektor Sachs mit. daß der dritte Nachtragsetat für 1921 im ganzen 112,2 Milliarden für Reparationskosten in Rechnung stelle. Er zählte weitere notwendig« Ausgaben auf und berechnete für da» Jahr 1921 einen Fehl- betrag von 181,8 Milliarden. Dagegen seien die Erträge aus den neuen Steuern auf nur 42 Milliarden zu veranschlagen. Der Redner forderte dringend zur Sparsamkeit in den Aemtern und in den Betriebsverwaltungen auf. Die Ministerien, die au» dem Reichs. omt des Innern hervorgingen, erforderten jetzt Sä Millionen Mark gegen 2 Millionen Mark im Jahre 1914, das Auswärtige Amt 44 Millionen Mark gegen 8 Millionen Mark. Die überhastete Ge» fetzmacherei habe die Folge, daß das„Reichsgesetzblatt" Im Jahre 1920 2318 Seiten zählte, gegen IIS? im Jahre 1911. Sm Etat für 1922 seien durchgreifende Einschränkungen notwendig. Für die preußische Regierung erklärte Staatssekretär V L h r e. dies« habe im Reichsrat st-ts auf grö�t« Sparsamkeit gedrungen. leider ohne Erfolg. Dem schloß sich o. B r e g e r für Bayern an. Reichsfinanzminister Dr Hermes kündigte einschneidende Maß. nahmen In diesem Sinne an. Die Ministerien hätten allerding, viele neue Arbeiten übernehmen müsten. Da, Reichsverkehr, Ministerium habe seinen Etatentwurf für 1922 zurückgezogen, um ihn nochmals Zu überprüfen. GrößteRüäslchtslosigkelt sei notwendig. Auch die Berbilllgungszuschüsse de, Reich, müßten abgebaut werden. Darauf wurde der Rachtragsetat angenommen. Abgelehnt wurde ein Gesetz zur Kürzung der Penstonen von Beamten, die sich privat betätigen, da die Penston ein unverkürzbarer Rechts» onfpruch fei. Da» Gesetz, da- die Lohnpfändung-grenze auf 8000 JB. herauf- setzt, wurde angenommen. öapern gegen Privatisierung. München, 18. November.(18IB.) 3m bayerischen Landtag erklärte heule handelsmlnister Hamm, daß die bayerische Slaaksregiernng dem Kredilangebol der Industrie die größte Aufmerksamkeit enkgegenbringe. well e» sich dabei auch um du» Schicksal der früher bayerischen Bahnen handele. Es wäre besonders für Bayern gefährlich, die Enlfcheidung über die gesamten Fragen des Eisenbahnwesens Privaten zu überlassen. Die bayerische Regierung habe daher den Vorschlag der Industrie für unannehmbar erklärt und diesea Standpunkt dem Reich gegenüber vertreten. Sie erwarte aber, daß die Maßnahnien zur wirtschaftlicheren Gestallung der Lahnen mit größter Beschleunigung in die Wege geleitet werden und daß an den Verhandlungen hierüber auch die Länder teilnehmen. * Stuttgart, 18. November.(SlltB.) In den Kreisen der württem- belgischen Industrie befürchtet man, daß die vorgeschlagene Eni» staatlichung der ReichSeisenbahnen diese» Verlcbr»» mittel seinen volkswirtschaftlichen Aufgaben entziehen werde und namentlich den Jnteresien der wirlschaftSgeograpbisch ungünstig gelegenen süddeutschen Gebiete zuwiderlaufen würde. Man darf deshalb erwarten, daß die Vertretung der württem- bergischen Industrie, der Verband wllrttembergischer Industrieller, diese Austastung mit oller Entschiedenheit dem ReichSverband der deutschen Industrie gegenüber vertreten wird. Seratungen in See Zentralarbeitsgemeioschaft. In Ergänzung unserer Notiz:„Interessierte Falschmeldung"| vom Freitag schreibt der„Sozialdemokratische Parlamentsdienst", daß es sich bei den neuen Vorschlägen der Industrie nur um eine neue gutachtliche Leußerung der Industriellen handelt, aus der die Arbeitnehmer ersehen wollen, welche Reorganisations- Vorschläge die Industrie zu machen hat. Jedenfalls steht nach der genannten Quelle fest, daß die in Aussicht genommene Beratung der Vorschläge der Industrie in keinerWeise bindet. Soweit e, sich um den Ausschuß zur Neuorganisation de» Eisenbahnbetriebes handelt, ist festzustellen, daß darüber tn der Sitzung der Zentralarbeitsgemeinschaft überhaupt nicht beraten wurde. Dieser Ausschuß setzt sich au» Vertretern der Eisenbahnverwaltung und sämtlichen Eisenbahnerverbänden zu» sommen und hat das Recht, nach Bedarf Sachverständig« zu seinen Beratungen hinzuzuziehen._ Zum Vorsitzenden der sechsten Oberschleflen-ttommlsfio» sKohle und Bergwertterzeugnisiei wurde der btSHelige Reichslohlentommissar Geh. Bergrat Stutz ernannt.* 0. L. Rom, 15. November. Wer Rom während des F a s c i st e n k o n g r e s s e s ge- sehen hat, muß den Eindruck empfangen haben, daß sich in der Hauptstadt Italiens irgendein Ritus abspielte, der etwa die Mitte hielt zwischen Fastnachts-Mummenschanz und indiani- schen Totenfeiern. In der Stadt wimmelte es von Männern und Burschen in schwarzen Hemden oder schwarzen Trikots, auf deren Brust freundlich, in mehr als natür- licher Größe, ein Totenkopf prangte. Reben diesen Sym- dolen des Todes machten sich die Mittel zur Beförderung ins Jenseits breit: auf den Flaggen, die die Fascistengruppen mit sich führten, waren große Messer, Hirschfänger oder Bajonette aufgepflanzt. Das ganze ostentative Verachten von Recht und Gesetz wurde auf den Straßen, in den Cafes, in allen öffent- lichen Lokalen zur Schau getragen, und zwar von Männern vom Typus des Rowdies oder des eleganten Dekadent» und von einer iinmenge Iüngelchen ohne Bart und ohne Muskeln, die das Maul voll Kriegsgerode haben, aber nicht einmal zum Milltärdienst Im Frieden tauglich fein werden, wenn sie erst den Lansbubensahren entwachsen sind. Und die Bevölkerung Roms ertrug die Inva- f i o n mit den Totentanzriten, den Lümmeleien» der Unver- fchämtheit, ertrug alles mit der skeptischen Duldsamkeit der Bevölkerung mit alter Kultur, die schon allzuviel gesehen und erlebt hat. Sie ertrug, daß die Provinz gegen ZV 000 Fasciste« auf die Hauptstadt ausspie, zu dem großen Umzug, den die Regierung, in ihrer unergründlichen Weisheit, für Donners- tag, den 9. November, gestattet hatte. Aber es kam dann doch der Augenblick, an dem aus den Kehlen einer Viertel Million Vroletarier ein„Genug" ertönte, das den Fascisten und der Regierung noch lange in den Ohren widerhallen wird. Schließ- lich war's mit der Geduld zu Ende. Am Mittwochmorgen kam ein Zug mit 500 Fascisten in Rom an. Da die Arbeiter einer Werkstätte der Staatsbahnen es wagten, gegen den Zug, der so erhobene Bürde trug, ein energisches. Pfeifen ertönen zu lassen, antworteten die Fascisten mit einigen 5 0 Revolverschüssen, die nur die Fenster der Werkstätte zertrümmerten. Daraus erklärten die Arbeiter, sie würden keine weiteren Fascistenzüge drirchlossrn, stellten die Signale der Bahnstrecken entsprechend ein imd ließen sich, über 1000 an der Zahl, auf den Gleisen nieder. Kommt ein Fascistenzug, der nicht durchgelassen wird. Aus ihm steigen Polizeibeamte, die parlamentieren. Gleichzeitig ssnd hohe Bahnbeamte einge- troffen, die den Arbeitern zureden, den Zug durchzulassen. Eisenbahner und Arbeiter stellen eine Bedingung: man entwaffne die Faszisten. dann können sie durch. Die Bollzeibeamten versichern: sie sind durchsucht worden und haben keitte Waffen. Daraufhin lassen die Arbeiter dem Zuge die Strecke trei. Kaum fährt der Zug, so schießen die feigen Wichte aus dem Zuge auf die Eisenbahner, deren einer schwer verwundet zusammenbricht. Es war ein Lokomotivführer, der die Gefährten zum Freigeben der Strecke bewogen hatte. Er ist am selben Abend gestorben. Gleich nach dem Verbrechen stellten die Eisenbahner die Arbeit ein und telegraphierten an alle Linien die Einstellung des Verkehrs mit der Hauptstadt. Wenn noch weitere Züge eingelaufen sind, so nur deshalb, weil die auf ihnen befind- lichen Fascisten mit dem Revolver in der Faust die Lokomotiv- führer und Heizer zum Weiterfahren gezwungen baden. Der Generalstreik wurde dann automatisch durchgeführt. Die Trams kehrten in die Depots zurück, die Druckereien der Tages- blätter wurden verlassen, die Bäcker stellten die Arbeit ein. die Droschken. Straßenkehrer. Das„Komitee für die proletarische Verteidigung" beschloß, daß die Gas- und Elektrizitätswerke weiter arbeiten sollten, um nicht die Stadt in Dunkelheit dem fasctstischen Verbrechertum auszuliefern, das sich wie eine Elterbeule tn Rom zusammengezogen hatte. Auch die Kranken- wärter der öffentlichen Hospitäler wurden aufgefordert, ihre Pflicbt weiter zu tun. Und so spaltete sich Rom vier Tage lang in zwei Lager: auf der einen Seit- die Streikenden, mit denen die ungeheure Mebrbett der Bevölkerung snmpathisierte, avi der anderen die Fascisten, die sied auf die Polizei und die Behörden stützten. Ein« waffenlose Ueberzahl gegen zwei bewaffnete, der Straf- freiheit stlbere Minderheiten. Das Ergebnis des viertägigen Kampfes ssnd 7 Tote. 14 Sterbende, über 100 Verwundete; zwei der Toten sind Fascisten, einer von diesen wurde von derte. Wo immer es zu Straßenkonflikten kam. wurden dt« Arbeiter durchsucht, während man den Fascisten ihre Waff-n ließ. Immer die freche Rohelt der Bewaffneten und Straf- freien gegenüber der Wehrlostgkeit, immer dieselbe blöde und verlogeme Anmaßung, als Verteidiger und Retter des Vater- landes geehrt zu werden. Wer nicht vor dem Pack den Hut zog, wurde geprügelt: auch ein Offizier, der im Kriege beide Arme verloren und deshalb nicht grüßen tonnte, mußte diese Verstümmelung mit Mißhandlung büßen. Einem anderen Kriegskrüppel, der sich weigerte, vor den fascistischen Abzeichen den Hut zu ziehen, wurde der Stumpf seines perlorenen Bein» verletzt und das kflnsttkhe Dein beschädigt. Ein Kriegsblinder wurde von bartlosen Strolchen durchsucht, blutjungen Nürschchen, die vom Kriege nur vom Hörensagen wissen. All dies zur größeren Ehre des Fascismus, der nun einmal die fixe Idee hc:. das Vaterland gerettet zu haben. Zweck des Generalstreiks war es, die Abschiebung der Fafristen aus Rom zu erlangen. Auf dieser Grundlage"schien schon am Abend des zweiten Streiktages ein Einoernehmen zustande gekommen: die Eisenbahner waren bereit, die Züge zu führen, die den Abzug dieses Unrates aus der Hauptstadt bewerkstelligen sollten. Sie stellten aber an den Direktor der römischen Polizei die Frage, wer ihnen denn ihr Leben ge- währleistete, sobald sie die Fascisten an Ort und Stelle ge- bracht. Der Polizeidirektor sah die Berechtigung der Frage ein und versprach, andere Mittel zum Abtransport zu finden. Die Fascisten wurden also am Montag abend in Castel SantÄn- gelo und in anderen Lokalen zusammengesperrt und dann nachts mit Lastautomobilen zu einer abgelegenen Bahnstation tPortonaccio) geschafft, von wo sie in ihre Heimatsorte abge- schoben wurden. Die Abschiebung geschah durch Polizisten und Carabinieri mit gezogenem Revolver und aufgepslanztein Ba- jonett. In Rom weiß man heute, mich ohne einen Lokalaugen- schein im städtischen Konzertsaal, den sie als K�auptgtlartier benutzten und sinnlos beschmutzten, was die Fascisten sind. Früher kannte man sie vom Hörensagen... und da konnte noch etwas wie Prestige bestehen. Heute hat man den Fascis- mus erlebt und bedarf keiner Schaustellungen mehr, um ähn als ein Produkt gemeinen Verbrechertums, verstärkt durch die Kriegs- und Rachkricgsverwahrlosung, zu erkennen. Aber auch ein Reinemachen in„höheren Sphären" wird dem tragi- komischen Abzug folgen müssen. Es scheint schlechterdings un- denkbar, daß das Ministerium diesen Skandal überlebt. Wenn aber eine Regierung praktisch abwesend ist, so daß sie es ohne besondere Vorsichtsmaßregeln zuläßt, daß sich 30 000 Fascisten, zum Teil bis auf die Zähne bewassnct, in Rom zusammenziehen, wenn sie so„neutral" ist, einen Fascisten- umzug zu erlauben während eines durch eine sascistische Mordtat heraufbeschworenen Generalstreiks, so muß auch der ver- faffungstreueste Biedermann auf den Gedanken verfallen, daß eine solche Regierung abkömmlich ist. Der während dieser vier Streiktage herrschende Zustand der Rechtlosigkeit der friedlichen Bürger und der Straflosig« keit der bewüskneten Fascisten steht sozial noch unter dem des Faustrechts. Wenn schließlich Rom von den Fascisten befreit wurde, so ist das nicht der Regierung zu oerdanken, sondern einzig der streikenden Arbeiterschaft. Bor die Alternative ge- stellt, die Stadt ohne Verkehrsmittel, ohne Brot, ohne Wasser und ohne Licht zu lassen oder die Fascisten abzuschieben, hat die Regierung sich für die Abschiebung entschlosien. Sie hat den Streit sich ausloben lasten, wobei sie den Fascisten mehr oder weniger offen die Stange gehalten hat, und hat dann unter dem Druck der siegreichen Mäste getan, was sie nicht lasten konnte. Als„Regierungsaktion" ist das etwas zu wenig..., » Der deutsch« Südtiroler Abgeordnete Walter wurde in Verona von den Fascisten g e h i n de r t, die Rückreise nach Bozen anzutreten. Erst nach langwierigen Verhandlungen gelang es, den Abgeordneten frei zu bekommen. Angst bekommen hat der Verantwortliche des Wulleblatts, Dr. Bernhard Sand. Am Donnerstag versuchte sein Blatt den Verdacht zu erwecken, als sei der„Vorwärts" oder einer seiner Mitarbeiter mit dänischem Geld bestochen. Auf unsere Ankündigung hin, daß wir ihn wegen seiner Verleumdung stellen würden, erklärt jetzt Dr. Sand, etwas ganz anderes gemeint zu haben. Er markiert damit die Linie des Rückzugs, den er vor Gericht anzutreten gedenkt. Radck nicht in Berlin. Wie uns von unterrichteter Seite mit- geteilt wird, entbehrt das von uns gestern mit Vorbehalt registrierte Gerücht, Radek befinde sich in Berlin, der Begründung. II—---- ni--------.................... j- 1 1 Schämst du dich, Republikaner! Betrachtung und Frage von E. Hildebrandt, Kiel. Im v-Zug Magdeburg— Berlin. Alle Gänge und Abteile sind überfüllt, draußen nasies, kaltes Wetter. Man ist froh, im trockenen Wagen überhaupt noch mitgekommen zu sein. Ich werde ange- rufen:„Hier ist noch ein Platz frei!" Froh und dankbar eile ich nach dem Abteil, bringe mein Gepäck unter und dann-1- aufatmend sehe ich mir meine Reisegefährten an. Vielleicht ist ein Bekannter darunter? Nein! Alles fremde Gesichter. Doch der ältere Herr mlr gegenüber lächelt mich an, als ob er sagen will: Wir kennen uns! Deshalb rief ich dich auch, damit du noch diesen Platz be- kämst! Es ist mir ja sehr angenehm, dieses offensichtliche Wohl- wollen des viel älteren Reisekomeraden, doch kann ich mich nicht besinnen, durch irgend etwas darauf Anspruch zu haben. Da— fällt mein Blick auf sein Knopfloch und ein Blick des Derstehens durchzuckt mich. Schwarz-Rot-Goldl Die Farben der deutschen Re- publik. Aha, auch er hat mein Bändchen schon längst gesehen. Des» halb seine Fürsorge, sein Vertrautsein. Wir gehören, wenn auch in sonst nichts weiter, in dem einen zusammen, wir sind Republikaner. Nun ist der Bann gebrochen. Eine recht interessante Unterhaltung kommt in Fluß, und viel zu schnell ist Berlin erreicht. Ich habe »ine nette Fahrt gehabt. Am Abend dachte ich über die Begegnung nach, als ich in meinem Hotelbett lag und nicht gleich einschlafen tonnte. Und da kam mir der Gedanke, wie selten und wenig ich auf meinen Reisen, in und bei den Behörden, Dienststellen, in den Kreisen der Be- amten, der Lehrer, der Gebildeten, wo es doch Tausende gibt, die echte, rechte Republikaner sind oder sein wollen, fast nie einen ge- troffen habe, der die Farben der Revublit auf seinem Rock trägt. Es ist richtig, es braucht nicht äußerlich immer gezeigt werden, wie man denkt und was man ist. Die Hauptsache, daß das Herz davon voll ist. Aber gerade setz», wo die Kreise, die in der Wiedcrein- führung der Monarchie ihr höchstes Ziel sehen: wo sie schon meinen, bald gewonnenes Spiel zu hoben, da sie ja nirgends etwas von der Republik sehen, da ist es Zeit, ihnen allen zu zeigen: Sieh, wo du auch hinblickst, überall siehst du Männer und Frauen, die schwören zur Republik. Sie zeigen dir's, indem sie auf ihrem Arbeits» und Sonntagsrock das schwarzrotgoldene Bändchcn tragen. Mehr als an die Arbeiter in den Fabriken möchte ich mich an die Beamten, Soldaten, Lehrer wenden und ihnen zurufen: Habt ihr Furcht oder schämt ihr euch, ertonnt zu werden, daß ihr Republikaner seid? Wenn nicht, dann zeigt es, zeigt es auch äußerlich! Der Arbeiter in der Fabrik, er weiß: Alle die Hunderte, die Taufende um mich herum sind mit mir eines S!nn»s, auch wenn sie anderen politischen Parteien angehören, sie sind mit mir Revublikaner. Der Beamte der Eisenbahn, der Pol beamte. der Polizeibeamte, der Reichswehrsoldat, Lehrer und so weiter, sie alle, soweit sie sich zur Republik bekennen, müssen dies ihrer Umgebung zeigen. Niemond kann und darf ihnen dieses mehren. Lernen wir da von den echt tentfchea Jünglingen und teutscben Jungfrauen, von den Männern und Frauen, die als Zeichen ihrer Zugehörigkeit das Hakenkreuz und sonstige Abzeichen tragen, oft sogar recht auffällig und taktlos. Auflösung der ffunöertsthast z. b. v. Aus Anordnung des Berliner Polizelpräsidenten ist die in Berlin staiionicrle Hundertschaft z. b. B.(zur besonderen Verwendung) am Freilag ausgelöst worden. Bekanntlich wurde diese Hundertschaft der verschiedensten Vergehen beschuldigt. Die Auslösung erfolgte aus Grund des Ergebnisses, das die letzte ver- Handlung gegen Schupobeamte wegen vlihhandlnng zu Tage förderte und das die trüben Verhältnisse innerhalb der ge- nannten Hundertschaft kennzeichnete. Die Polsieibeamten werden. soweit sie sich zum Polizeidienst überhaupt noch eignen, an anderer Stelle innerhalb der Schupo Verwendung finden. Dle Anordnung des Volizeiprästdenten erfolgte aus Veranlassung des preußischen Ministers des Innern.. Mit der Auflösung der Hundertschaft ist ein Brandherd ver- schwunden, der monatelang eine Gefahr für die Bepublik bildete. deutschnationale helöen. Boldts Offiziersehreuwort.— Erklärung eincS Fahncnfchänders. Hamburg, Ig. November.(Eigener Drahtbericht.) Wie wir erfahren, sind dem U-Boot-Berbrecher Boldt. der zur Verrichtung von Schreibarbeiten nach dem Hamburger Untersuchungsgefängnis versetzt worden war, Erleichterungen zugestanden worden, nachdem er sein Ehrenwort gegeben hatte, daß er keinerlei Versuche zur Flucht machen würde. Er hat sein Wort in schmählicher Weise ge- brachen, indem er gerade eine ihm durch die Erleichterung ermög- lichte Gelegenheit zur Flucht benutzt hat. Boldt war in ein Zimmer eingeschlossen und dort ohne Beaufsichtigung tätig. Das Alleinsein hat er benutzt, um eine im Fußboden des Zimmers eingelassene dicke Glasplatt«, die nach den unterirdischen Außenanlagen führte, mit einem Hammer, den er entwendet hatte, durchzuschlagen. Durch die Oeffnung ist er in die unterirdischen Heizungsgänge hinabge- klettert und hat sich, augenscheinlich gut orientiert durch einen Plan, der ihm von einem ungetreuen Beamten übergeben worden sein muß, nach einem anderen Gebäude begeben, durch das er dann ent- kommen ist. Es ist ganz offenbar, daß Boldt Helfershelfer gehabt hat. » Ein deutschnationaler Held,«in Korpsstudent, der an der Ham- burger Universität bei der Rektoratsübergabe die schwarzrotgoldene Fahne heruntergeholt und beschimpft hat, gab dem Präsidenten der Hamburger Hochschulbehörde gegenüber eine Erklärung ab, die des- wegen bemerkenswert ist, weil sie den Heldengeist deutschnationaler Jünglinge offenbart. In dieser Erklärung heißt es: „Als ich zur llniversttät kam und die schwarzrotgoldene Fahne sah, befiel mich eine solche Erregung, daß ich beschloß, sie unter allen Umständen herunterzuholen. Nachdem ich die Tat begangen hatte und vernommen worden war, wurde mir sofort klar, daß ich sehr unbesonnen gehandelt, den Frieden der Universität gestört habe und die Tat einen Anlaß zu palitischen Schwierigkeiten geben würde. Ich bedauere aufrichtig diese meine unbesonnene Tat, die ich nicht unternommen hätte, wenn ich mich der tatsächlichen Folgen bewußt gewesen wäre. Ich verspreche fest, daß ich mich nicht mehr zu solch unüberlegten Handlungen hinreißen lassen werde und erkläre, daß ich den entstandenen Sachschaden ersetzen will. Euer Hochwchlgeboren bitte ich ergebenst, diese meine Erklärung ent- gegenzunehmen und mit Rücksicht auf meine Unerfahren» heit und meine Jugend von einem Strafantrag gütigst absehen zu wollen."_ Raöbruch über die �uftizreform. Der Reichsjuftizminister Gevosie R a d b r u ch äußerte sich in einer Unterredung mit einem Mitglied der„Vorwärts"» Redaktion über die kommende Iustizreform u. a. wie folgt: Es müsse zwischen Justiz und Presse eine bessere Fühlungnahme angebahnt werden: zu diesem Zweck sei eine Stelle zu schaffen, die bei Angriffen auf die Justiz für sachliche Klarstellung des betreffenden Falles sorge. Der gegenwärtige Stand der Straf- rcchtsreform sei der folgende: Zu dem Vorentwurf haben die Länder ihre Gutachten abgegeben. Jetzt gelte es, den e n d- gültigen Referentenentwurf aufzustellen, der starke Aenderungen, Wir wollen es«licht so tun, daß es aufdringlich wirkt, ganz zart und fein, am schlechten und am guten Rock, da» schmale Band. Wir werden dadurch erreichen, daß diejenigen, die da meinen, die Stunde der Republik hätte bald geschlagen, eines Besseren belehrt werden. Und daß sie erschrecken, wenn sie. wohin sie auch kommen, wohin sie auch blicken, im Theater, in der Bahn, im O-Zug, in der vierten, in der zweiten Klasse, in den Bureaus, auf der Straße immer Frauen und Männer sehen, die durch ein kleines äußerliches Zeichen, das schmale Band, sich zu dem bekennen, was sie sind. Und wir selbst werden dadurch gleich vertrauter mit den vielen Menschen, die mit uns zusammenkommen, wenn wir sehen: Aha, das ist auch einer, der denkt wie ich, wenigstens in bezug auf die deutsche Republik! Ob dann der andere parteiisch anders steht als ich, daß ist in diesem Falle gleich, mag er Kommunist, mag er Demotrat, mag er Zentrumsmänn oder Sozialdemokrat sein. Eins ist sicher: Er ist Republikaner. Dielleicht, ihr republikanischen Frauen und Männer aller Stände, die ihr dies lest, vielleicht denkt ihr einmal darüber nach und laßt euch überzeugen. Wer Republikaner ist und wer mit uns geht und Hilst, daß Deutschland wieder besseren Zeiten zugeführt wird als Republik, der zeige es, was er ist und trage die Farben der Freiheit und schaffe so einen Ring, ein Band, schon äußerlich sichtbar, das uns niemand zerreißt. Karl Blechen. Die Akademie der Künste plant eine Reihe von Ausstellungen, durch die die Schätze der Vergangenheit, die in den Sammlungen versteckt ruhen und nur von wenigen ge- kannt sind, der Oeffentlichteit vorgeführt werden sollen. Als ersten, den sie zeigt, hat sie den Berliner Maler Karl Blechen (1793—1840) gewählt. In drei kleinen Räumen des Akademie» aebäudes, Pariser Platz 4, sind hundert und einige Gemälde und Zeichnungen des seltsamen Künstlers zusammengestellt, der auf der Deutschen Jahrhundertausliellung vor 15 Iahren neu entdeckt wurde und seitdem ein Objekt der Sammler und der wissenschaftlichen For- schunq geworden ist. Man schätzte ihn damals vornehmlich als einen Vorläufer der imprcssionr ischen Freilichtmalerei, der mit seinem „Blick auf Gärten und Häuser" ähnliche Tendenzen zu verfolgen schien wie der junae Menzel mit dem berühmten„Balkonzimmer". Jetzt, wo wir das Werk Blechens im Zusammenhang übersehen, er» kennen wir den damaligen Irrtum. Diese Malerei zeigt zwar nicht den üblichen Galerieton, sie Ist in der Farbe heller und durchsichtiger, aber an Stelle der„braunen Sauce" bevorzugt sie eine Art hell- gelber Sauce, die der naturalPischen Eindruckswiedergabe ebenso fern steht wie jene. Blechen erwarb sich feinen Lebensunterhalt als Kulisscnmaler am Köniq�ädtifchen Theater, und diese Tätigkeit drückte seinem ganzen Schaffen den Stempel auf. Die dekorative Note herrscht vor. Di« Farben werden nicht so gegeben, wie die Wirtlichkeit sie bietet, sondern die Schmuckwerte entscheiden. Man betrachte den Himmel auf Blechens italienischen Landschaften(29), der nie etwas vom südlichen Blau hat, sondern stets zur hellgelben Tonigkeit des Bildes abgestimmt ist. Alle Gegenstände stehen im luftleeren Raum, und wo zarter Nebelduft die Konturen verschleiert und miteinander verbindet(«7, 90), da geschieht dies nicht um der korrekten Naturwiedergabe willen, sondern zur Erzeugung einer' 1 namentlich im zweiten Teil, bringen werde. Er dürfte im Früh» jähr fertig sein. Gegenüber dem alten Strafgesetzbuch wird der neue Entwurf zweifellos gewaltige Fortschritte bringen. Die Straf» prozehreform kann nur im Zusammenhang mit der Reform des materiellen Straf: echts durchgeführt werden. Bezüglich der Zivilprozeßrcform schweben Erwägungen>-i der Hinsicht, ob man das Güteoerfahren als Novelle vorwegnimmt oder der großen Re- form vorbehält. Die Forderung des Tages sei die Novellengesetzgebung. für die eine ganze Reihe van Gesetzen bereits vorliege, Ueber das sogenannte„Gesetz zum Schutz der Republik" sagte der Minister: „Unser Entwurf führt nicht den Titel:„Gesetz zum Schutze der Republik", sondern hat nur die bescheidene Ausgabe, das Strafrecht den neuen verfassungsmäßigen Verhältnissen anzupassen. Abgesehen von formellen Aenderungen plant der Entwurf eine Strafbestimmung gegen öffentliche oeschimpfende oder verleumderische Aeußerungen sowie Kundgebungen, durch die Staatsform, Reichs- und Landesfarben, Staatsoberhaupt, Regierung oder Mit- glieder der Regierung des Reiches oder eines Landes der Der- achtun g preisgegeben werden. Unter den Strafen, auf die er- kannt werden kann, befindet sich auch der A m t s v e r l u st." Noch wichtiger, so äußerte Genosse Radbruch, erscheine ihm die „Kleine Iustizreform", deren Entwurf im Dezember vorliegen werde. Er bringt die Einführung der Berufung auch in den Straf- fachen, die bisher als Strafkammersachen der Berufung entzogen waren. Ferner bringt er die durchgehende Laienbeteiligung in der ersten wie in der Berufungsinstanz, eine Revision der Be- stimmungen über die Auswahl der Schöffen und Geschwore- nen, endlich die Zulassung der Frauen zum Amt des Berufs- richters und Staatsanwalts, zur.Rechtsanwaltschaft usw. Von besonderer Bedeutung sei die Reform des Ehe- scheidungsrecht s. Der in Vorbereitung befindliche Entwurf schalte das Verschuldensmoment(8 508 BGB.) aus und lasse nur das Zerrüttungsmoment übrig.— Die Frage der Ver- besserung der Rechtsstellung der unehelichen Kinder werde gegenwärtig geprüft, und man arbeite an einem Entwurf, der das Recht des unehelichen Kindes weit mehr berücksichtigt als bisher. Bei Gelegenheit der Studienreform werde der Ausstieg besonders befähigter Personen zum Berufsrichter, die nicht den regel- mäßigen Ausbildungsgang absolviert haben, berücksichtigt werden. Freilich könne dies nicht ohne eine Aenderung des Gerichtsver- fassungsgesetzes geschehen. Es sei zu erwarten, daß gerade diese Juristen neue soziale, wirffchoftliche und arbeitsrechtliche Ge- stchtspunkte mitbringen. Einen breiten Raum der Tätigkeit des Reichssustizminlsters nimmt die große Begnadigungsaktion ein, die sich auf die von den Sondergerichten gefällten Urteile erstreckt. Sämtliche auf Zuchthaus lautenden Urteile der Sondergerichte werden nachgeprüft, auch ohne daß ein besonderes Gnadengesuch vor- liegt. Ferner olle anderen Urteile, soweit Gnadengesuche ein- gereicht sind. Grundsöhlich werden alle Personen begnadigt, die als „vlilläufer" des Aufsiandes anzusehen sind. Die Prüfung soll periodisch wiederholt werden, erstmalig am 1. April 1922. öoelitz und der 9. November. Der Hauptausschuß des preußischen Landtages setzte die Beratung des K u l t u r e t a t s beim Abschnitt Provinzialschulkollegien fort. Abg. H a e n i s ch(Soz.) hält die Vereinheitlichung schon vor der Verwaltungsreform für nötig. Er habe feinerzett als Minister einen Gesetzentwurf zur Reform des Berliner Prooinzialichul- kollegiums der Lanoesversammlung vörgelegt, der aber am Wider- spruch der Rechten gescheitert sei. Der Redner befürwortet die Abschaffung der Mittelschullehrerprüfung.— Zu der Frage, ob Schüler zum Fest des Iungdeutfchlandsbundes vom Ministerium tat- sächlich beurlaubt worden seien, erklärt ein Regierungsoer» t r e t e r, daß der Erlaß in den Tagen des I n t e r r e g n u m s des Kultusministeriums herausgeaangen sei nach sorgfältiger Orientierung an maßgebender Stelle.— Minister B o e l i tz bemerkte, der Erlaß, der die Unterstellung staatlicher Berliner Schulen unter P a u l s e n verfüge, sei bereits aus dem Ministerium herausgegangen. Wen» man für den 9. November eine Beurlaubung der Schüler gestattet hätte, so müßte dos Konsequenzen auch nach anderen Seiten haben. romantischen Stimmung, die bei Blechen übrigens nicht wurzelecht, sondern dem großen Romantiker Kaspar David Friedrich nach- empfunden ist. Merkwürdig erscheint bei diesem ausgesprochen farbig-dckorativen Stil die zeichncrisch-spitzpinselige Technik und die Vorliebe für kleinste Formate. Kaum eins dieser Gemälde kann als Wandschmuck dienen. Um sie recht zu genießen, muh man sie in nächster Nähe betrachten und sich in alle feinen Einzelheiten ver- tiefen. Dann entdeckt man auf schlichten Mauerwänden und ein- fachen Wolkengebilden farbige Reize und Kostbarkeiten, einen in tausend Nüancen schimmernden Duft und einen Reichtum an Har- monien, der unerschöpflich ist. Wer für diese Art der Kunst und des intimen Kunstgenießens Sinn hat. dem sei ein Vormittogsbesuch in der Akademie empfohlen. Die Ausstellung ist auch an den Sonntagen geöffnet. Eintritt: 5 M. I. S. Neues Bolkstheaker. Die dramattsche„Passion" von Paul B a n d i s ch ging als Sonderaufführung der Volksbühne erfolg- reich über die Bretter. Hundert beifallsbereite Hände siegten über einen vereinsamten Hausschlüsselpfeifer. Ein junges Wert, ein junger Regisseur, junge Schauspieler. Ihnen allen muß noch der Puls ab- gefühlt werden. M. H. Eine allgemeine deutsche Theakerpenssonskasse. Ein Projekt, das schon seit langem die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehörigen und den Deutschen Bühnenoerein beschäftigt, soll bald Wirklichkeit werden. Es wird beabsichtigt, eine allgemeine deutsche Theater- penstonskasse zu gründen, die den gealterten Schauspieler vor den größten Gefahren des Alterelcnds schützen soll. Die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehörigen hat ein Projekt ausgearbeitet, das sehr bald zusammen mit dem Deutschen Bühnenverein zur Beratung kommen wird. Nach einer Stattstik, die von der Genossenschaft Deutscher Dühnenangehörigen aufgestellt wurde, gibt es im In- und Auslande 432 deutsch« Theater. Von diesen Bühnen können 190 in Rechnung gestellt werden, w�nn es sich um den Aufbau der neuen Pensionskasse handelt. Es wird nämlich beabsichitgt. für jedes Billett, das diese 190 Theater ausgeben, ein Ausschlag von 10 bzw. 2 0 Pf. vom Publikum zu erheben. Nimmt man an. daß sedes dieser Theater an jedem Abend nur zur Hälfte gefüllt ist. so würde dieser Billettzuscblaq eine jährliche Gesamtsumme von 2 084 210 M. »nd bei einem Zuschlag von 20 Pf. pro Billett eine Summe von 5 368 420 M. ergeben. Wenn nun dieses Geld 4 Jahre angesammelt würde, so ergibt sich nach Ablauf dieser Zeit mit Zins und Zinses- zins eine Summe von mindestens 12 bzw. 24 Millionen Mark. Diese könnten als Reserve-onds festgelegt werden, der der ganzen Theater- pensioiiskasfe zum Fundament dienen fall. Es würde auf solche Weise möglich sein, im Jahre 415 DüHnengngebörige mit einer Pension von 0000 M. bzw. 12 000 M. zu unterstützen. Niederländische Wörter ln der Mark. Eine für die Sprach- aeschichte der Mark Brandenburg wichtige Erscheinung hat setzt Prof Dr. Wilhelm Scelmann festgestellt: das Borkommea mittel- niederländischer Worte, den Zeiten entstammend, als die Mark i m 12. Jahrhundert dem Deutschtum wiedergegeben wurde. Wie Seelmann im Niederdeutschen Jahrbuch ausführt, sind eine Anzahl Wörter niederländischen Ursprung« damals in die Mark übertragen Srianö beseitigt»Vorurteile". Pari»,!S. November.(MTV.) Der Sonderberichterstatter des„Temps" in Washington meidet, Ministerpräsident B r i a n d habe ihm am Ib. d. M. erklärt, im Lause der Unterredungen, die er mit den Staatsmännern und politischen Persönlichkeiten gehabt habe. habe er die Vorurteile und Irrtümer(?) beseitigt und die tatsächliche Lage Frankreichs dargelegt. Sie hätten sich Rechenschast davon abgegeben, dah der sranzösische Militarismus und Imperialismus eine Legende(?) sei. Nach dieser Richtung sei er befriedigt darüber, nach Washington gekommen zu sein, wenn er übrigens seine Erklärungen abgeben und seine vor- schlüge machen werde, werde er leicht durch Iisfern zeigen, daß die sranzösische Armee geringer sei als die vor dem Kriege. Man wolle nicht mehr, daß Frankreich wie ehemals der Schauplatz von Schlach- ten und schrecklichen Verwüstungen werde. Briand wird seine Er- klärung am Montag oder Dienstag abgeben. Das Chinaproblem. London. IS. November.(WTB.) Neuter berichtet zu den gestrigen Ausschußberatungen in Washington über die ch i n e s i» schen Vorschläge, die amerikanischen Delegierten, die die Vor- schlüge Chinas annähmen, stellten sich auf den Standpunkt, daß die Fragen des fernen Ostens nicht technische Fragen seien, die eine lange Prüfung durch Sachverständige erfordern. Sie würden daher gern sehen, wenn der Ausschuß oder die Vollkonferenz unmittelbar an die Behandlung dieser Probleme gingen, ohne sie mehr Unter- ousschüssen zuzuweisen, als unbedingt notwendig ist. Die Haltung Frankreichs wurde in zweistündiger Beratung zwischen Briand und den anderen französischen Delegierten erörtert. Frankreich wünscht, China bei der Verwirklichung seiner territorialen, politischen und kommerziellen Bestrebungen zu unterstützen, vorausgesetzt, daß (großbritannien Weihaiwei und Japan Schantung und die Halbinsel Port Arthur aufgeben. Frankreich ist außerdem bereit, seine terri- torialen Vorrechte aufzugeben, wenn die anderen Mächte bereit sind, dasselbe zu Vm. Es ist jedoch der Ansicht, daß die Exterritorialität aufrechterhalten werden müsse, bis es klar sei, daß die chinesische Re- publik den Ausländern genügend Schutz und Gerechtigkeit bieten könne. Südchina ist enttäuscht. Washington, 18. November.(MTB.) Der persönliche Vertreter Dr. Sun Bat S e n s des Präsidenten der südchinesischen Republik soll die von der Delegation von Peking eingebrachten Vor- schlüge als„einfach enttäuschend" bezeichnet haben. Das chinesische Volk verlange Maßnahmen, die zur Wiederherstellung der Rechte Chinas geeignet seien, es verlange die Rückgabe von Schantung, die Beseitigung der Geheimverträge, durch die China so gut wie zum Vasallen Japans gemacht worden sei. Es verlange, daß die M a n d s ch u r e i. das innere Mongolien und auch Tibet zurückerstattet würden. Es verlange Verzicht auf die verhaßten Einflußzonen und Zurückziehung der ausländ!» schen Garnisonen vom chinesischem Gebiet. Japan verlangt Bedenkzeit. Washington, 18. November.(MTB.) Admiral Kato hat von den Delegationsführern der neun Mächte zur Prüfung der ch i n e» fischen Vorschläge eine Frist von mehreren Tagen verlangt, die Ihm gewährt worden ist. Erste Wirkungen der Konferenz. London. IS. November.(WTV.) wie dem Reuterschen Bureau gemeldet wird, sind die Verträge über den Vau dreier brittscher Sroßkampsschissc bis aus weiteres außer Kraft gefetzt worden. Eine Währungskonferenz in Sicht? London, 18. November.(WTB.)„Daily Mail" meldet aus New Dort, es bestehe die Wahrscheinlichkeit, daß aus die Washingtoner Konferenz, wenn sie erfolgreich verlaufen sollte, unmittelbar eine Konferenz zur Wiederherstellung der Währung folgen werde. worden, und sie reichten damit in eine Zeit zurück, die 100 und mehr Iahie vor dem Beginn der mittelniederländischen Literatur liegt. Da ist z. B. das Wort„Polder", dort als eingedeichtes Land bekannt, hier in der Zusammensetzung„Kienpolder" eine Wandnische neben dem Ofen im Fläming. Die niederländischen Be- siedler des Flämings sind danach aus Flandern gekommen. Ein weiteres Beispiel ist die Endung„ster" in Wörtern wie Hart st er (Harker), Mähst er(Mäher), Knullenbuddeierster(Kar- toffelbuddeler) usw. in Südteltow, in der Gegend von Trebbin. Auch das niederländische M o o i, schön, hübsch, findet sich in Flä- mingsfamilien, dort wurden früher die Kinder als„meine Mooe" angeredet.„K u ck u l u r e n" heißen auf dem Fläming, in Teltow und sonst Kienäpfel. Auch das scheint auf ein niederländisches Wort „kokeloer" für Schnecke und Schneckenhaus zurückzugehen. Fund« von südafrikanischen Höhlenbewohnern. Skelette und Waffen einer Siedlung von Höhlenbewohnern, die vor mehr als 12 000 Jahren gelebt haben sollen, sind von dem Direktor des Port- Elisabeth-Museums in Kapstadt zwischen Humansdorp und Knysna in der Kapkolonie gefunden worden. Durch diese Ausgrabungen soll bewiesen sein, daß diese Höhlenbewohner vor den primitiven Busch- männern Südafrika bewohnten und nicht, wie man bisher an- nahm, einen Zwergwuchs hatten, sondern große Männer und Frauen waren. Die Höhlenwohnungca liegen aus Felsen, die über das Meer schauen, und waren nur von der Seekühe aus zugänglich. Die Höhlenbewoheer aßen Schellfisch, gruben Fallen für Tiere, und ihre Zufluchtsorte waren nur auf gefährlichen Pfaden zugänglich, auf denen ein einziger Fehltritt sichern Tod brachte. Ein Denkmal der sozialen RevoluNon. Im Auftrage der Re- gierung der Republik des Fernen Ostens ist in diesen Tagen in Moskau der bekannte russische Bildhauer I w an S h u k o w au» Tschita angekommen. Cr bat einen Entwurf für «in Denkmol der sozialen Revolution mitgebracht. Das Denkmal soll eine Größe von 38 Soschen(ungefähr 80 Meter) haben. Das Denkmal wird eine halb zerstörte Wand darstellen, aus deren Hintergrund eine gewaltige Figur— das Sinnbild des Pro- letariats— aufragt. Es soll in Moskau aufgestellt werden und ist ein Geschenk der Republik des Fernen Ostens zum vierten Jahres- tag der sozialen Revolution in Rußland. »i«„Ltudevtenhllfe Verlin» ver-nitaltet am Dl-nStag. den 29.. abend» 7'/, Ubr. im Marmorsaal de« Zooloqiichen Karten« «in grohes Konzert, in dem aufter Rezitationen au» Faust und EzmonI durch da» verslärkie Blmhner. Orchester die 5. Shmdbonic von Bectboven. die Fausi-Ouvertilre von Wanner und andere« znin Vortrag gelangen. Der Reinertrag de» Konzert» ist llir die Zwecke der Studenten. bllse bestimmt: Unicrüntzniig noileidender Studenten, Nnterbalt iiudentischer Speise nftaltcn. Un erbringung lungcntronter Studenten in Sanatorien, Beschafsung von Wobnung, Kleidung und Büchern zu billigen Pieben. Tie CSzanne.NiiSstcllung bei Paul Caisirer wird am Sonntag. 20. Nov.. e,össnet. E» ist möglich gewesen, gegen 40 der wichtig'ten S-idcr, sowie eine Reibe von Aquarellen und Zeichnungen au» deutschem Privat- besiS für die Ausstellung zu gewinnen. Leo Menter wiedcrbolt am 24. November S Ubr in der Sezession seinen RezitationSabend ,>N a ch t g e d a n l e n» mit der Rede RobeSpicrre» au» Büchner»„Danton» Tod", sowie der Kericht»szene au» Strind- berg»„Nach DnmaSlu» III" und Dichtungen von Nietzsche, Schmidt- doun, Weisel, Wlldgan« u. a. Hilfe öen?nv< Im Reichstag wurden am Freitag zunächst Anfragen erledigt. Der Wg. Frau B e h m(Dnat. Bp.) wird erwidert, daß die Ausfuhr von Stoffen ins Ausland gegenüber 1913 etwa 30 bis 40 Proz. beträgt, während die Beschäftigung In der Wollindustrie gegenüber 1913 73 Proz. ausmacht, Arbeitslosigkeit also durch diese Ausfuhr nicht hervorgerufen wird, die nur erfolgen darf mit be- sonderer Bewilligung. Di« Stoffknappheit ist verschuldet durch Angstkäufe des Publikums. Dom Abg. Hertz(U. Soz.) wird geantwortet, daß die Verteuerung der Margarine sich aus der der ausländischen Rohstoffe erklärt, da annähernd vier Fünftel des Wertes der Margarine auf die darin enthaltenen aus- ländischen Rohstoffe entfallen. Die derzeitigen Margarinepreise sollen mit Vertretern der Verbraucherschaft nachgeprüft werden und je nach dem Ergebnis wird gegen die Fabriken eingeschritten wer- den oder nicht. Erwogen wird, bei künftigen Preisfestsetzungen Bertrauensleute der Verbrauchcrverbände und ÖJewerkschastsoerbände zuzuziehen Eine erhebliche Senkung des Margarmepreises kann nur von einer Besserung der deutschen Valuta und damit von einer Verbilligung der Rohstoffe erwartet werden. Abg. Brodauf(Dem.) fordert Aufklärung gegenüber der Ludendorfs- Legende vom„Dolchstoß von hinten". Abg. Schultz- Bromberg(Dnat. Pp.) fragt, aus welchen Etatmitteln die staatliche Verbreitung der Schrift Dr. K o« st e r s über die Lage im Herbst 1918 bestritten worden ist. Beiden An- fragern wird entgegnet, daß die Regierung bemüht ist, die staatts- bürgerliche Gesinnung in den Schulen zu pflxgen. Von Sonder- maßnahmen muh sie absehen, weil sie sonst in die Zuständigkeit der Länder eingreifen würde. Die Koester-Broschüre hat die Regierung im Rahmen ihrer Befugnisse oerbreitet, da sie sie für geeignet hält, falsche Borstellungen im deutschen Volke zu beseitigen. Die verwendeten Mittel werden vom Rechnungshof nachgeprüft.(Un- ruhe rechts.) Die Ergänzungsfrage Schultz� ob die Regierung be- reit sei, auch eine deutschmonarchistische„Ausklärungsschrift" eines seiner Parteigenossen zu verbreiten, bleibt unbeantwortet. Dem Abg. S t ö ck e r(Komm.) wird geantwortet, daß die Frage der Auslieferung der angeblichen Dato-Mörder nach Spanien der Prüfung unterliegt und vorher eine Frellassung nicht erfolgen könne. Der.Gesetzentwurf über die Wcltvostvereinsverträge und den strafrechtlichen Schutz von Freistempelabdrücken wird ohne Aus- spräche verabschiedet. Zweite Beratung des Gesetzentwurfs über Notstanösmaßnahmen für JnvaliSenrentner. Reichsarbeitsminister Dr. Braun»: Ein« Erhöhung der Bei- träge würde Arbeiter und Arbeitgeber unerträglich belasten, sie wäre auch deshalb ungerecht, weil sie zum großen Teil denen zugute käme, die schon aus der Dersicherunq ausgeschieden sind. Aus öffentlicher Fürsorge müssen aber diejenigen ausscheiden, die infolge ihrer sozialen Lage sie nicht brauchen. Dabei müssen Bei- Hilfen der Angehörigen berücksichtigt werden. Es ist dagegen nichts einzuwenden, wenn das Arbeitseinkommen nur in beschränk- t e m Umfange angerechnet wird, damit die Arbeitslust nicht er- lahmt. Die Borlage erfordert große Mittel. Obwohl die Fürsorge Sache der Länder und Gemeinden ist. ist da» Reich bereit, den größten Teil der Latten auf sich zu nehmen, da die Geldentwertung so ungeheuere Fortschritte gemacht hat. Die Gemeinden müssen firbeitskonferenz unü Erwerbslofenfrage. Genf, 18. November.(EP.) Auf dem Internationalen Arbeits- kongreß hielt heute der französische Delegierte I o u h a u x bei der Beratung der Resolution des schweizerischen Vertreters Schürch über die Arbeitsloscnfrage eine große mit st ü r m i s ch e m Beifall aufgenommene Rede über die wirklichen Ursachen der Arbeits- l o f e n k r i s e. In den Ländern mit niedriger wie in den mit hochwertiger Valuta findet man überall dieselbe soziale Erscheinung. Die Arbeitslosigkeit sei nicht hervorgerufen durch eine Ueberpro- duktion, sondern durch eine Verminderung der Kauf» kraft. Die vereinigten Staaten erstickkcn In Gold und könnten doch nicht verhindern, daß S bis 7 Millionen Arbeiter hungern. Alle Länder hätten gegenüber dieser Krise eine rein nationale Politik getrieben, und überall hätte diese Politik ein klägliches Fiasko erlitten. In einem Augenblick, wo man in Washington oon der Abrüstung spreche, sei auch der Moment gekommen, um dieser Krise, welche die furchtbarsten Folgen haben könne, entgegen- zutreten. Dies könne nur durch einen Zusammenschluß aller Völker zu einer inieruakionalen Aktion geschehen. Vorher hatte der Kon- greß die Konvention über den wöchentlichen Ruhetag im Handel genehmigt. Gens. 18. November.(WTB.) Der schweizerische Arbeiteroer- tretcr Schürch hat der Internationalen Arbeitskonserenz die Annahme folgender Entschließung vorgeschlagen: Die Kon- ferenz zieht in Betracht, daß verschiedene Länder bereits die Nach t- arbeit in den Bäckereien geregelt haben. Durch die Neue- rung ist in diesen Ländern ein großer Fortschritt der öffentlichen Gesundheitspflege erzielt worden. Die Verwaltung des Inter- nationalen Arbeitsamts wird deshalb beauftragt, die Frage des Verbots der Nachtarbeit in Bäckereibetrieben auf die Tagesordnung einer der nächsten internationalen Arbeitskonferenzc. zu setzen. Der englische Arbeiteroertreter P o u l t o n erklärte sich auf der Internationalen Arbeitskonferenz mit dem französischen Entwurf einverstanden, nach dem die Verwendung von Blei weiß für Jnnenmalerei gänzlich verboten und die Verwendung dieser Farbe im Freien an gewisse Schutzvorschrifken gebunden werden soll. Die Versammlung nahm die endgültige Abstimmung über den Entwurf zu einem Abkommen betreffend einen wöchentlichen Feier- tag in der Industrie durch Namensaufruf vor. Der Entwurf wurde mit 73 gegen 24 Stimmen angenommen. y t* Basel, 18. November.(Dena.) Wie den„Vosler Nachrichten" aus Genf gedrahtet wird, stellten die Arbeiterdelegierten von Oesterreich, Jugoslawien, Estland, Lettland und Finnland bei der Internationalen Arbeitskonserenz den Antrag aufZulassungder deutschen Sprache als dritte amtliche Sprache bei der I n t e r» nationalen Arbeitskonferenz, sowie bei den Der- öffentlichungen des Internationalen Arbcitsamtes. Der Antrag wurde unterstützt von Arbeiterdelegierten von Frankreich, Belgien, Luxemburg, Spanien, Dänemark, Schwe- den, Norwegen, der Schweiz, Holland und Japan. Spaniscbe Justiz. Dle beiden spanischen Revolutionäre Fort und Concepcion sind bekanntlich unter dem Verdacht verhastet worden, an der Er- mordung des spanischen Ministerpräsidenten Dato beteiligt gewesen zu sein. In der Sitzung des Vorstandes des Internationalen Ge- werlschaftsbundes hielt der Vorsitzende des spanischen Gewerkschafts- bunde» E a b a l e r o eine Rede über die spanischen Verhältnisse, die aber zu den Kosten beitragen, weil sie In der Armenfürsorge Er- sparnisse machen und bei der Durchführung zur Sparsamkeit veran- laßt werden müssen. Abg. Koch-Düsseldorf(Dnat. Dp.): Der Ausschuß hat die Be- teilizung der Länder bzw. der Gemeinden auf 20 o. H. festgelegt, wir verlangen Ermäßigung auf 10 v. H. Aba. Andre(Z.): Wir sind zu arm, um ollen Sozialrentnern neben ihren Renten noch diese Fürsorge zuteil werden zu lassen: manche Sozialrentner haben heute ein ganz erhebliches Gesamtein- kommen von Renten und Arbeitsverdienst. Abg. Karsten(U. Soz.): Wir oerlangen, daß das Reich allen Sozialrentnern einen Zuschuß gewährt,"ohne Rücksicht auf die Be- dürftixkcit. Die Berbcsserungen stehen in keinem Verhältnis zur Größe der Rot. Abg. Varh(Komm.): Der Entwurf lindert keineswegs die immer größer werdende Not. Wirlehncn ihn ab. Abg. Mcyer-Zwickau(Soz.): Ganze Arbeit hätte man machen und auch die Unfallrentner und Angestelltenrentner berücksichtiaen sollen. Wir bedauern die Ein» beziehung des Nachweises der Bedürftigkeit. Dadurch werden nur Berwaltungskosten verursacht. Anrechnung sollte ebensowenig stattfinden, wie bei den Beamten. Die Regierung muß Klarheit schaffen, wer im einzelnen Falle als entscheidende Aufsichtsbehörde anzusehen ist. Den deutschnationalen Antrag lehnen wir ab. Ebenso- wenig können die Länder zu den Kosten herangezogen werden. Das Gesetz bringt wesentliche Berbesserunaen, wird aber b-i der fortschreitenden Teuerung bald wieder geändert werden müssen. Dann werden wir vielleicht auch um die Heranziehung der Dersschcrunqs- träger nicht herumkommen. Die kommunistiscben Anträae sind eine aussichtslose Spielerei. Obwohl uns das Gesetz nicht genügt, nebmen wir es an in der Erwartung, dab die Regierung bald Aus- führungsbestimmunaen erläßt und die Renten aus der Unfall- Versicherung ebenfalls erhöht. Nach einigen Rednern anderer Parteien spricht Abg. hoch(Soz.): Dieser neue Gesetzentwurf muß sowohl für die Invaliden- wie für die Unfallrentner und die Rentner aus der Anqestelltenversiche- rung gelten. Durch den vorliegenden Gesetzentwurf soll der großen Not vorübergehend abgeholfen werden. Reichsarbeitsminister Brauns bittet an der Ausschußfassung festzuhalten. Ein« völlige Neuorganisation der Fürlorae ist unbe- dingt notwendig. Soweit Ersatzkassen reichsgeletzliche Renten zahlen, fallen sie unter dieses Gesetz, reine Privatkassen nicht. Abg. Ad. hoffmann(Komm. Arbgem.) erklärt zu einer An- zapfung wegen der bei ihm aestohlenen Sach- und Goldwert«, er Hab« nie liundcrttausende beseiten. Der vereidigte Sachverständige habe den Schaden aus 10370 M. geschätzt. Ihm sei nur ein Anzug und ein Ueberzieher gcstoMen worden. Das andere war Wäsche seiner Frau, die sich zwei Monat« vorher verheiratet hatte.(Große Heiterkeit.) Angenommen wird ein Antraa Becker- Hessen(D. Dp.), wo» nach für Kinder statt 300 M. 500 M. anzurechnen sind und ein An- trag Giebel(Soz.), wonach für das vierte und jedes weitere Kind 600 M. festgesetzt werden. Die Vorlage wird im übrigen unter Ablebnung der KPD.- und USP.-Anträge angenommen. Sonnabend 12 Uhr: Anträge. Vorlagen zur Erwerbslosen- fürsorge und Wobnunaslrage, Kommunististbe Interpellation über Landi'ngsverbot für russische Schisse, Psalz-Interpellation. Schluß den Genossen Lei pari veranlaßte, an den Reichsminister des Innern, Genossen Koester, einen Brief zu richten, der folgenden Passus aus der Rede Cabalcros enthält:., „Zurzeit ist in Spanien die Konstitution außer Kraft gesetzt, infolgedessen besteht natürlich das Koalitions--; recht noch viel weniger. Viele Arbeiter, namentlich in Barcelona und anderen Städten, wurden ohne Untersuchung ins Gefängnis geworfen und wohl auch erschossen: von manch einem hat man wenigstens nichts mehr erfahren, seit er hinter Gefängnismauern verschwunden ist.— Jetzt scheinen sa Anzeichen dafür vorhanden zu sein, daß die Regierung ihre Politik zu ändern gedenkt, da sie sich der internationalen Arbeitsorgani- sation angelcklossen hat bzw auf der jetzt in Genf tonenden Konfe- renz des BIT. vertreten ist.— Die spanische Regierung scheint damit zu ihren früheren besseren Gepflogenheiten z"rückkehren zu wollen; aber vor einiger Zeit, nach der Ermordung des Minister- Präsidenten Dato, mar die Lage für die Arbeiterschaft besnnders schlimm. Viele ihrer Vertreter wurden ohne Untersuchung und ohne Urteil erschossen. In einigen Gefängnissen hatte sich der Brauch ausgebildet, die Gefangenen während der Nacht frei zu lassen, um sie dann„auf der Flucht" erschienen zu können. In verschiedenen Städten haben die Frauen der Ge- fangencn nächtelang vor den Toren der Gefängnisse gewacht, rm zu verhindern, daß ihre Männer auf die geschilderte Art ermordet würden." Leiparts Brief schließt:„Es wäre aber immerhin möglich, daß es sich bei den beiden Leuten um Genossen handelt, die wegen der von Cabalero geschilderten Verfolgungen aus Spanien geflüchtet sind. Für Ihre Entscheidung über die Frage der Auslieferung würde dieser Umstand natürlich von Bedeutung sein müssen." Warnung an Lerchenfelö. München, 18. November.(Cig. Drahtber.) Im bayerischen Landtag hielt gestern morgen der Genosse Timm gelegentlich der Debatte über den HenieHaltsplan eine gründliche Abrechnung mit dem von Lerchenfeld übernommenen System Kohr. Den auch in Bayern aufwuchernden Bestrebungen, wichtige Staatsbetriebe ein- zelnen bevorrechteten Gruppen als Kompensation einer Kredithiife auszuliefern, kündigt er den schärfsten Kampf der Sozial- d e m o k r a ti e an. Zu allererst aber müsse, man von einer Re- gierung, die sich das Vertrauen des Volkes vcr' ienen wolle, ver- langen, daß sie die Brutstätte des politischen Mordes in München mit Pech und Schwefel ausräuchere. Dem„gesunden Föderalismus" des Grafen Lerchenfeld stehe die bayerische Sozialdemokratie so- lange steptisch gegenüber, als sich verantwortliche Stellen der Re- gierung zur Wegbereitung der Rupprechtschen Aspira- t i o n e n und der K a h r s ch e n unterirdischen Wühlarbeit willig zur Verfügung stellen. Den scharfen Trennungsstrich, den Graf Lerchenfeld nach der soizalistischen Seite' hin zu ziehen angekündigt habe, betrachtet Genosse Timm nicht als ein U n g l n ck für die bäuerische Zlrbeiter- schaft. Die bayerische Sozialdemokratie hat viel genug geleistet nach dem Waffenstillstand und während der Revolution, um vor dem Urteil des Volkes bestehen zu können. » In der Rachmlttagssttzung des Landtages erklärte Lerchenfeld die Meldung, daß Minister G e ß l e r von Offizieren in Grafenwörth ausgelacht worden sei, für unrichtig. Zur Proklamation des Ex- kronprinzen Ruprecht meinte der Ministerpräsident, eine Stellung- nähme der Regierung sei deshalb nicht erforderlich gewesen, weil die Kundgebung— ein entschiedenes Zeugnis von der Liebe zum beut- schen und bayerischen Vaterland abgelegt habe! Gewerkschaftsbewegung die Kistenmacher auf dem Kriegspfaö. Seit einigen Wochen bestehen Differenzen in Organisationsfragen Zwischen der Branchenkommission der Kistcnmache? und der Orts- waktung des Deutschen Holzorbeiterverbandcs. Die Kistenmacher gaben eigene Mitgliedstarten heraus, erhoben einen obligatorischen Beitrag von öv Pf. neben den ordentlichen Verbandsbeiträgen, sperrten die anläßlich des allgemeinen cholzarbeitcrstreiks heraus- gegebenen Streikfondsmarkeu und beschlossen endlich, die o r d e n t- lichen Verbandsbeiträge zu sperren. Durch diese Branchenbeschlüsse wuchs ssch die Meinungsverschiedenheit zu einem Konflikt aus. Zum 3. November hatten die Kistenmacher eine Versammlung einberufen. In der die Branchenleitunq von dem Streitfall mit der Ortsocrwaltunq berichten wollte. Vorher wurde eine erneute Lohn- beweounq beschlossen. Eibe von der Ortsverwoltung vorgelegte Entschließung, in der die Beitragssperre als ein Akt be> zeichnet war, der sedem organisatorischen Empfinden zuwiderläukt. und die Aufhebung der Beitragssperre gefordert wird, verfiel der A b l e h n u n g. In dem inzwischen ausgebrochenen Streit in der Kistenbranche verbaten ssch die Kistenmacher jedes Ein- greifen des Liolzarbcitcrverbandes. Unter dem 11. November 1921 richtete die Branchenleitunq an den Arbeitgeberverband der Kisten- branche ein Schreiben in dem mitgeteilt wurde, daß seit dem 6. November 1921 die Kistenmacher mit dem Holzarbeiter- verband nichts mehr zu tun haben. Nach Bekanntwerden dieses Schreibens berief die Ortsverwaltung eine Versammlung aller organisierten Kistenmacher, um wieder ge- ordnete Z' stände herbetz-führen. Diese Versammlung wurde von der Branchenleitunq der Kistenmacher verhindert. Ein organi» slerter Kollege, der ssch Zutritt zum Saal verschaffte, mußte am anderen Dane durch Mebrheitsbcschluß der Belegschaft den De- trieb verlassen Also gemaßregelt von eigenen irre» geleiteten Arbeitsbrüdern Unter dem 17. November 1921 erhielt die Ortsverwaltunq ein Schreiben, in welchem die Branchenleitunq, unterzeichnet Weidel, Äörres, Sievert, den Austritt der Kistenmacher aus dem .Holzarbeiterverband mitteilt. Hiermit hat die Bronchen- leituna die von der Verwaltung angestrebte Verständigung nicht nur bewußt und planmäßig verhindert/ sondern auch gegen den Willen vieler KIstenmacherkollegen den Austritt aus dem Verband offiziell erklärt. Wir ersuchen alle KIstenmacherkollegen, die weiterhin Mitglieder de? Holzarbeiterverbandes bleiben und ihre durch sahrelange Mitgliedschaft erworbenen Recht« behalten wollen, sich unverzüglich im Bureau des Holzarbeitcrverbandes, Rungestr. 80, Zimmer S, zu melden. Die Bewequniz in den Städtische« Werken. Das Lohnkartell der freien Gewerkschaften verhandelte Freitag mit einer Magistratskommission über die in der Funktionärversamm» ding der städtischen Arbeiter und Angestellten am 15. November aufgestellten Forderung(1099 M. Wirtschaftsbeihilfe und für jedes Kind 259 M.). Seitens des Lohnkartells wurde in schärfster Weise gegen die vom Magistrat für die Wirtschoftsbeihilfe angeordnete Stoffe- l u n g Stellung genommen. Die Magiftratstommission wird die Forderung der Arbeiter und Angestellten in der nächsten Sitzung des Magistrats befürwortend vertreten. • lieber das Ergebnis der Verhandlungen wurde gestern in einer Veriommlung der Funliioväre von Hochickild und Friy Schmidt ber'chtet. Nach den Berichte» ist vereinbart worden, daß am Monrag nochmals im ReichSarbeitS- Ministerium Verbandlungen über die Forderungen der Angestellien statisindcn sollen. Die ilZerhandlungSkommissio» habe erklärt, daß die Angestellten nickt»och länger auf die Erledigung ihrer berechtigten Forderungen warten wollen. Es sei notwendig. solort eine Konimission nach dem Mrnisterium zu eniienden, riin dieies von der Vereinbarung in KennmiS zu setzen. Ten Sckieds- fpruck am Montag werde man noch abwarten. Werde durch diesen die gewollle Erledigung nicht erreicht, so müsse daS letzt« gewerkichaslliche Mittel in Anwendung gebracht werden. Hier- über werde dann in einer zum Dienstag einzuberufenden Funktionär« veriommlung zu beschließen sein. Der Bericht führ!« zu einer langen und stürmischen Aussprache, aus der hervorging, daß die Angestellten am Ende ihrer Ge- duld angelangt sind. Zur SluSsperrung in der NAG. Die Belegschaft der NAG. halle Freitag zwei Bctriebsoersamm- lungen, denen noch eine Sonderbetriebsversammlung der Angestellten folgt«. Die beiden ersten Versammlungen beschlossen nach Situations. berichten der Betriebsräte Hebestreit und Otto, die Afavcr- sammlung am Freitagabend und die Funkllonörversammlung des Metallarbeiterverbandes am Sonntag abzuwarten und am Montag- früh über die etwaige Arbeitsaufnahme zu beschließen. Bekanntgegeben wurde, daß Sonnabend vormittag der Lohn für die noch nicht ausgezahlten Tage ausgezahlt wird. In der Berfammlung der Angestellten des Be. triebs wurden das Angebot des Verbandes Berliner Metall- industrieller und die Foredrungen der Metalltarifkommifsion der Afa bekanntgegeben. In der Diskufston lehnte der Afavertreter Günter dos Angebot des Unternehmeroerbandes a b und schlug den Ange- stMen vor, mst Rückstcht auf die zentralen Forderungen der Metabeko der Afa die Arbeit sofort wieder aufzunehmen. Demgegenüber baten anwesende Betriebsräte der Arbeiter, die Be- wegung der Arbeiter und Angestellten des Betriebes so geschlossen abzubrechen, wie sie begonnen hat und auf keinen Fall vor Montag in den Betrieb zu gehen. Es wurde darauf von den versammelten Angestellten beschlossen, gemeiniam mit den Arbeltern in einer Betriebsversammlung am Montagfrüh über die etwaige Ar» beitsaufnahme Beschluß zu fassen. mit den Unternehmern in Verhandlungen treten, um eine der augexblicklichen Teuerung entsprechende Erhöhung der Lohn- und Gehaltssätze zu erzielen. Bor allem muß bei diesen Verhandlungen auf die unteren Lohn- und Gehaltsklassen Rücksicht genommen werden. Ferner muß verlangt werden, daß die neuen Tarifsätze mit Wirkung vom 1. November 1921 zur Auszahlung gelangen, um einen Ausgleich für die fest zirka 4 Wochen eingetretene Teuerung und die dadurch herbei- geführte Derfchuldung zu erlannen. Diese Maßnahmen sind jedoch lediglich geeignet, der a' �enblicklichen größten Not zu steuern: darüber hinaus verlangt der GVR. von der Regierung unverzüglich energische Maßnahmen, um endlich wieder stabile Verhältnisse herbeizuführen, da auoenblicklich der deutsche Markt zum großen Teil Tummelplatz übelsten Svekulantentums geworden ist. Der GBR steht in den am 15. d Mts. vom ADGB. und Afa- bund aufgestellten Mindestiorderungen ein geeignetes Mittel zur Festigung unserer Wirtschaftslage. Irgendwelche sachlichen Hinder» nisse. diese Forderungen sofort zu verwirklichen, bestehen nicht. Der GBR. stellt daher an die Regierung dos dringende Ersuchen, diese geeigneten und schon oft aufgestellten Mindestforderungen endlich zu erfüllen._ Aus dem Verliner KaufmannSstericht. Bei der jetzt vorgenommenen Wahl zum„Ausschuß für Gut- achten und Anträoe' beim Kaustnannsgericht Berlin erhielt die List« des Afa-Bundes die Mehrheit, so daß jetzt sieben irei- gewerkschaftlich organisierte Handlungsgehilfen in diesem Ausschuß, der von großer Bedeutung für die weitere Gestaltung des Kauf- mannsgerichtswefens ist, vertreten sind. Wirtschaft Erhöhung der Sohleuprelse. Unarifboltsam rollt die PrerSwelle weiter. Auch der wichtigste indvstrielle Robsioff, die Kohle, ist jetzt von ihr«saßt worden. WTB. meldet über die Beschtüsse deS SelbstverwaltungSlürpers für die Kohlenwirischaft: Aut Grund der Lobnvereinbarungen. die am 9. d. M. im Reich!« arberiemimsierium zwiichen Arberrgebern und Arbertnebmenr der derilschen Bergbaureviere mit Wirtring ab 1. November d I ge» troffen worden sind, beschloß gestern der RerckSkohlen« verband in gemerniamer Sitzung mit dem großen Ausschuß de« R e r ck s k o b l e nr a tS folgende durchichnritliche Preiserhöhungen lohne Steuer): Riibirevier...... 132,— M. je Tonne ab 1. Dezember Niederiachsen..... 145,—.... 1.» 29. November 1, Dezember 1. 21. November 21. Die SiemenSarbeiter zur Teuerung. Der Gesamtbetriebsrat(GBR.) der Groß-Berliner Werke des Siemenskonzerns, welcher zirka 39 999 Arbeiter und 15 999 An- gestellte vertritt, beschäftigte sich in der Sitzung am 18. d. Mts. mit| der durch die Teuerung geschaffenen wirtschaftlichen Notlage, welche in zahlreichen Anträgen und Eingaben bezüglich Gewährung einer Wirtschaftsbeihilfe oder Tariferhöhung an die Betriebsvertretungen aller Werke des Siemenskonzerns nachhaltigst zum Ausdruck kam. Auf Grund dieser Sachloge verlangt der GBR. in einer am Freitag gefaßten Entschließung von den Gewerkschaften, daß sie sofort Reickismanteltarif für kommunale Strafseubahnen. Die Verhandlungen zwischen dem Reichs-Arbeitgeberverband deutscher Gemeinden, und Kommunaloerbänd« mit den beteiligten Arbeitnehmeroraanisationen über den Abschluß eines neuen Reichs mantcltarifs am 15. November haben zu einer Einigung geführt. Der neue Reicßsmanteltarif soll nach endgültiger Genehmigung durch die zuständigen Stellen der Bertragsparteien am 1. Januar in Kraft treten._ Gegen Achtstundentag und Republik. Ein vernichtende» Urteil über den Achrsinnden' tag" hat.Die deuiicke Arbeiia-ber-Zeitiing* in einem Bericht über die Verhältnisse bei der N e i ch s p o ff enideckt. DaS Blat> , inert auS dem Bericht, daß heule die Einstellung eine« neuen BabnpostwayenS*wiichen Berlin und Hamburg allein an Gehälrern jährlich zwei Millionen Mark erlordere. Die Atbeiisleiffung deS Einzelnen sei— trotz de» Achtstundentages l?>— zürückae.iange», im Briefioriicren z. V. bis Olli die Halste..Und w o früher rück- fichrslose Strenge Säumige antrieb oder Ungeeigneie anchmerzte, da tonn beute n»r Geduld und wohlwollende Erziehung langlam weiierbelien. Da« Tcharsmackerblatl bemerkt-dazu:»Die Vertreter de« Acht« ffundentage» können brerari« lernen. Im übrigen an Stelle der st rammen Diszivlin wohlwollende Erziehung, da» kennzeichnet den Fortichrit», den die Republik gegenüber dem alten »Militär st aat" zu verzeichnen hat. Man wird sehen, wohin man damit kommt." Wo» hier kennzeichnend ist. da» ist der unversöhnliche Haß der Scharfmacher geaen die Revnblik. den Achtstundentag wie gegen jede freiheitliche Regung überhaupt.» Der tschechische Bergarbeiterstreik verschöbe«. Der für den 21. November proklamierte Bergarbeiterstreik ist nach Verhandlungen zwischen den Bergarberteroerbänden mit der Re- gierung bis zum 24. November verschoben worden. Inzwischen sollen neue Derhandlungen stattfinden. Die Bergarbeiter ver- langen, daß ein G e n e r a l t a r i k für den aanzen tschechischen Berg- bau festgesetzt und bis dahin die bisherigen Kollektivverträge in Kraft bleiben. Die Grubenbesitzer verlangten bisher eine Herabsetzung der Löhne. Nach Intervention der Regierung erklärten sich ihre Vertreter mit den Forderungen der Arbeiter einverstanden, machten aber ihre formelle Zustimmung von der Stellung der Vertreter der Ostrauer Gruben, die bei der Besprechung nicht anwesend waren, ab- hängig._ yandelshilfsarbciker im Einzelhandel. Das Resultat über dl« Berhandlungen mit den Arbeltgebern wird am Dienstag, T4 Uhr, in der Branchenversammlung. Unions-Brauerei, Hasenheide 22-31, bekanntgegeben. Der mit der Einzelhandelsgemeinschaft vereinbarte Lohntarif ab 1. September 1921 ist für allgemein verbindlich erklärt worden. Alle diesbezüglichen Anfragen sind an den Deutschen Transportarbeiterverband, Engelufer 24/25 ll, Zimmer 33, zu Händen des Kollegen Pollmeier, zu richten. Räch Berliner Muster sind die Gasarbeiter Hannovers Freitag vormittag in den Streik getreten, well die geforderte Lohnerhöhung nicht sofort ohne Genehmigung der städtischen Kol» l e g i e n ausgezahlt wurde. Die Aussperrung bel Venz in Mannheim ist durch Annahme des Schiedsspruches von beiden Teilen beendet. Damit ist der drohende Streik der Metallarberter in Mannheim vermieden worden. Reue Verhandlungen in Düsseldorfer Mekallarbeilerstreik. Der Reichsarbeitsminister hat die beantragte Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches für die Metallarbeiter abgelehnt und neue Verhandlungen in Berlin auf Montag angesetzt. Die Beteiligten sind hierzu eingeladen. Der TexMarbelterskreik In Ostsachsen und in der eausth nimmt einen ständig wachsenden Umfang an. Selbst in den kleinsten Ort- schaften erfolgten Arbeitseinstellungen, so daß man von einer nahezu vollständigen Stillegung sprechen kann. Die Be- mühungen der Kreiohauptmannschaften, eine Einigung herberzu- führen, sind gescheitert. Ein ungarischer Gewertschastskongreß ist vom Gewerkschaftsrat zum 14. Dezember einberriserr. Auf der Tagesordnung srebt»die wirtichofilicke Lage der Arbeiter und Angestellten" und.Organi- salion»- und Strcikfreiheit". Deutscher Traneportarbeiterverduud. Sektion 5, Industriearbeiter: Sonn. tag vorm. g Uhr SektionefunktlonSrversammlung Im Kolberger Salon,«ol. berger Str. 23. Stellungnahme zur ttllndlgung des Lohnlarifo. SPD..Dclegiertc de» Gemeinde- und Staatsaibciterverbaade».. Sonntag vorm. szz, Uhr im Restaurant Wildgrube, garlstr. s, Versammlung'.— Der Fraktionsnorstond. tzcntralocrt nd der Glaser. Montag 1 Uhr Im Sewerksihaftohaus Mit» gllederversommliing. Referat Uber Schlichtungoordnung und Arheitszeitgesetr. SPD.- Metall driilkcr. Dienstag 5 Uhr bei Oovalsti, Wilhclmstr. 133, Ver- sammlung. Mitoliedodnch der Parte! legitsmlert.— Der Fraktionsvorstand. Bericht der Lohnkommission. Da evtl. Streikbeschluß gefaßt wird, ist es not- wendig, daß olle ilollegen erscheinen. Sachsen....... 185,80.,. Niederschsenen..... 128,30».. Nheiinsche Braunkohle Briketts...... 50,71,,» Robloble..... 15,—,., Mitteldeutsche und ostelbische Braunkohle Brikett«...... 89.—»»» Nodlohle»..». 21, mm m Hierbei mußte— unter Zustimmung der Reichsregierung— dem Einfluß der rapiden Geldentwertung der letzten Zeit in gleicher Weiie wie bei den Löbnen auck bei den sonstigen Selnst« tonen der Kohlengewinnunq. insbesondere den Materialien.— die nachgewiesenermaßen 40 Prgz. und mehr der Gelamtielbstkosten, also 67Proz. und mebr der Lohnkostcn je Tonne Kable beiragen— durch einen Zuschlag von 59 Proz. auf die reinen Lohnmehrkosten Rechnung getragen werden. Die Beschlußiassung«Folgte nahezu einstimmig. Die tatsächliche Höhe der Preissteigerung ergibt.sich au« fol- genden Taiia'chen. Der Preis der Fördertoble de« Ruhrgebiet« fGasflamm. und Fettkohle) betrug bisher rund 254 M. Dazu treten jetzt noch 132 M. reine Preiserhöhung, ferner 29 Proz. diese« Be» trage«, alt'o 28,59 M. an Kohlensteuer und 1'/, Proz. Umsätzsteuer. Eine Erhöhung der Kohlenneuer steht bekanntlich bevor. Tie tat- sächliche Steigerung der Kohlenpreise beträgt also schon jetzt rund »/, de? alten Preise». Bekanntlich werden die Koblenpreise nicht einseitig von den Erzeugern sestgeietzt, sondern von dem Selbstverwaltung«- törper der Koblenwirtichaft, dem Reichskohlenrat unter Mit- Wirkung der Reichsregierung. Da diese der Erhöhung fast einstimmig zugestimmt haben, obwobt man bisher bemüht gewesen ist, sprung- hakte Preissteigerungen der Kohle zu vermeiden, ist nicht zu be» zweifeln, daß triitige Gründe dafür vorgelegen haben. Die Ver» leuerung der Kohle wird natürlich auch Preissteigerungen der Fertigiabrikate nach sich ziehen. Ob die Preiserhöhung dem Kohlenbergbau Sonbergewlnne er- möglichen wird, ist eine Frage, die sich nicht ohne weiteres ent« scheiden läßt/ Sicherlich werden Arbeitnehmer- und Verbraucher- Vertreter ebenso wie NeichSwirlschaftSministerium die GestebungS« kosten nach bestem Können nachgeprüft hoben. Die bisherige Preis« Politik hat ober gezeigt, daß trotz der Mitwirkung aller beteiligten Kreise die au« dem Kohlenbergbau fließenden Gewinne keine Schmälerung erfahren haben. Zu einem Teil rührt da« freilich daher, daß die Kohlenförderung iast überall aufgehört hat. Selbst» zweck zu sein. Man produziert längst nicht mehr so sehr für den Markt wie für die Selbstversorgung der in großen Jniereflen- gemeinschaften und Trusts zusammengefaßten Unternehmungen, und die Verwertung der chemischen Nebeuproduklion bei der Kohlen- und Kokserzeugung ist von entscheidendem Einfluß auf die Montanbilanzen. Den Trennungsstrich zu ziehen, wo in jedem einzelnen Werk der Gewinn zur Kohlenförderung selbst ge- hört und wo der Gewinn der Verarbeiter beginnt, ist äußerst schwierig; da« wird zentralen SelbstverwaliungSlörpern und Ministerien so gut wie unmöglich sein. Will man in diese Zu- sammenhänge e'udrurgen, so bedarf eS genauerer Kenntnis der einzelnen Betriebsvorgänge. Sie zu erreichen und die Kohlen» wirrschaft unter wirklich gemeinwirschaftliche Kontrolle zu stellen, ist die Sozialisierung der Kohle notwendig, wie sie jetzt von den freigewerkschaftlichen Spitzenverbänden erneut gefordert wird. Der Skaud der Mark stellte flch nach den gestrigen amtlichen Notierungen der Berliner Börse wieder etwas ungünstiger dar al» vorgestern. Der Dollar stieg um 19 auf 269,48 M., 199 holländische Gulden von 9991 auf 9325,65, 1 Pfund Sterling von 1938 auf 1969, 199 französische Franken von 1868 aus 1968, 190 Schweizer Franke» von 4919 auf 5119 M. Rlchsigstellung amlllcher Teuerunoszahlen. In der Weitergabe der amtlichen Teuerungszahlen für den Monat Oktober ist eine wesentliche Unrichtigkeit enthalten. Danach wurde der Prozent- satz der Teuerungssteigerung für den Monat Oktober im Der» hältnis zum I a n ua r dieses Jahres mit 41,4 Proz. angegeben, er beträgt aber in Wirklichkeit tatsächlich nur 21.4 Proz. Die Teue- rungszahl für Januar 1921 nämlich ist amtlich mit 944 errechnet, für Oktober mit 1146; die Steigerung beträgt also tatsächlich»nur 21,4 Proz., ist aber, wie bereits erwähnt, inzwischen durch die fort- schreitende Geldentwertung längst überholt. AEG. Die Verwaltung der Allgemeinen Elektrizi- täts- Gesellschaft schlägt der auf den 29. Dezember einzu- berufenden Generalversammlung 16 Proz. Dividende gegen 14 Pro,, im Lorjahre vor. Es wird ein Reingewinn von 82,39 Millionen gegen 45,79 Millionen Mark im Borjahre ausge- wiesen, nachdem 109 Millionen Mark als erste Rate für Errichtung eines Werterhaltungskontos überwiesen sind. 5 Millionen Mark sollen für Wohlfahrtseinrichtungen und 12 Millionen für Stiftungen ausgesondert werden. Es wird vorgeschlagen, die ver- waltung zu ermächtigen, binnen Jahresfrist 259 Millionen Mark Stammaktien zu einem Ihr geeigneten Zeiipunkte aus- zugeben und den Ausgabeturs und die sonstigen Bedingungen fest» zusetzen. Veraniw. ivr den redaki. Dell: Dr. Seener Pesser, Charloiienburg: fsir situ- , einen! Th. Glocke, Berlin Bering BorivSrto-Verlag S. m. b. S.. Berlin. Druck: Dorw!irts-Buchdruckereiu.Berlag,anttl>lt Paul Singer u. Co.. Berlin, Lindenstr.«. vier»» I Brlloac KON Ii MO« Sie möchten„eine Qute SCtäerette" höben, fordern Sie ö us drücklich die Qute MASSARV- 3ZiQäret/e. MASSARV- ClQsse 50z» JTr. 546 ♦ ZS. Fahrgang Seilage öes vorwärts SonnabenS, 14. November 1421 Die tägliche Sorge. Was kann eine Hansfran heute kaufen? Früher... sa. früher! Man hört es immer wieder. Keiner! Pfund Zwiebeln, das sie mitnahm, kostet 1.S0 M. Unfer« kommt über den Vergleich hinweg, bis er sich plötzlich der vier � Hausfrau sah mit trüben Augen den Inhalt ihres Portemonnaies Kriegsjahre erinnert, die ja dazwischen liegen und dies Elend in zusammenschrumpfen. Noch habe ich kein Brot� und Aepfel habe seinem großen Ausmaß« verschuldeten. Man kaufte sich früher bei plötzlichem Hungergefühl«in Viertelpfund Wurst oder ein paar saftige„Warme" für wenige Groschen und delektierte sich ungeniert auf offener Straße. Heute ist die Wurst aller Art eine Luxusware geworden. In allen Schlächterläden und Delikatessengeschäften türmen sich verlockend die Wurstpyramiden und andere leckere Dinge. Man sieht und staunt, leckt sich verlangend den Schnabel und zieht den Schmachtriemen enzer. An zahlreichen Straßenecken wiehert, bellt, miaut es nach Einbruch der Dunkelheit aus dampfenden Blech» kesseln. Die Wurst ist auch nicht billiger, wenn sie nach Seife, Huf- nageln oder sonslwas schmeckt. Selbst der abgetriebenste Gaul kommt als Wurst zu hohen Ehren durch zwanzigsachen Preisaufschlag. Aber was ist das alles gegen die Leiden der Hausfrau, be- fonders die des Arbeiters und Angestellten, die zu den g e p l a g- testen Menschen der Gegenwart gehört. Mancher geistige Arbeiter, der stolz ist auf seine Tätigkeit, hat keinen blasien Schimmer von der ungeheuren Denkarbeit, die eine Arbeiterfrau tagtäglich bewältigen muß, wenn sie für die Ihrigen sorgen und ihnen das Leben erleichtern will. Ein wahrer Segen ist es noch, daß die Mietpreise die allgemeine Preissteigerung nicht mitgemacht haben und der Himmel bewahre uns vor dcr freien Wirtschaft auch auf diesem Gebiete. Das Rechenexempel beim Einkauf. Begleiten wir nun einmal eine Frau, die im Norden Berlins wohnt, auf den Markt. Gehen wir mit ihr von Stand zu Stand. Wir werden alsdann die Folterqualen empfinden können, die sie leidet, wenn sie immer und immer wieder feststellen muß, daß dies oder jenes viel zu teuer für sie ist und bei weitem nicht mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, in Eintlanq zu bringen ist. An den F l e i s ch e r st ä n d e n drängen sich die Frauen, aber nur wenig wird gekauft. Schweinefleisch ist zu haben für 17 bis 22 M. das Pfund. Unsere Hausfrau schüttelt den Kopf. „Zu t e u c r," sagt sie und fragt nach dem Preis des Rind- fleische?. Sie kann es haben für 14 bis 16 M. und teurer. Knochenreiche« Kalbfleisch kostet 12 bis 16 M.„Sehen Sie." sagt die Frau,„ich habe für meinen Mann und zwei Kinder zu sorgen, und mein Mann verdient 1806 M. den Monat. Und wir sind zufrieden, daß wir das noch haben. Nun rechnen Sie Steuern. Gas, Kleidung, Heizung, Stiefel und sonstige Ausgaben, die man nicht vorhersehen kann, ab, so darf ich sicherlich nicht mehr als 40 M. pro Tag ausgeben. Morgen ist Sonntag, da soll es was Besonderes geben. Ich bin selbst gespannt, was ich heute kaufen kann, denn die Preise sind in den letzten Wochen rasend gestiegen. Hier sehen Sie, gibt es Hammelfleisch, 12 Mark das Pfund." Zwei Pfund wandern in ihre Tasche und 24 M. in die Kasse des Schlächters.„Was soll man machen," sagt die Frau.„Gänsefseisch kostet 17 bis 22 M. das Pfund, und daneben liegen G ä n f e l i e s e n und für die dürfen Sie sogar 4S M bezahlen, mehr als mir an einem Tag für meine Familie zur Verfügung ftebt. Suppen knocken kosten 8 M. das Pfund. Sagen Sie selbst, was mir übrig bleiben soll von meinem Geld«. Ich würde sa gern einen Hasen kaufen, atme Fell, das Pfund 12 M., aber dazu brauche ich Speck, der koOet im Laden das Pfund 36 M. und auf dem Wagen zahlen Sie für Waren minderer Qualität 25 M. das Pfund. Margarine schwankt zwischen 24 und 34 M., und ich müßte davon reichlich nehmen. Butter, die 42 bis 44 M. kostet, oder Schmalz, für das ich 40 M. zahlen soll, kommt für mich gar nicht in Frage." Die Frau kaufte ein Pfund Margarine für 28 M. und ging dann zu den Gemüseständen. Da war Wirsingkohl, das Pfund 1.20 M., zu haben, Blumenkohl je nach Güte 4,50 bis 6 llll.; Rosenkohl kostet 9 M.. Weißkohl kommt das Pfund 1,40 M. und für Grün- kohl wird 90 Pf. bezahlt. Unsere Hausfrau kaufte zwei Bund Kohlrabi und zahlte dafür 5 M. und außerdem 10 Pfund Kartoffeln, für die sie 11,50 M. hinterlegen mußte. Ein Wir gingen weiter ich den Kindern zum Sonntag versprochen. und kamen zu den Fischständen. „Bor ein paar Tagen hatte ich Heringe gekauft," sagt« die Frau,„sehen Sie, heute kosten sie 85 Pf. bis 1�50 M. das Stück. Es ist übrigens ganz intercsiant. auch, die Preise der Fische festzu- stellen. Karpfen sind für 13 M. das Pfund zu haben, die kleinen Bleie für 7 bis 9 M. und Schellfisch für 5 M. Wie gern würde ich Bücklinge kaufen, aber 11 M. das Pfund sind mir doch zu teuer. Sehen Sie bier für einen Räucherhering soll ich 2,75 M. zahlen und für«in Bicrtel Sprotten 3,50 M. Alles Delikatessen, die nicht mehr für uns existieren. Bald ist Weihnachten da! Wie gern würde ich meinen Kindern ein paar Nüsse kaufen. Hier sind Walnüsse"„14 M. das Pfund," sagt der Händler.„Das ist mir zu teuer," bemerkte die Frau.„Dann toofen Sie fe eben nich." erwiderte der Händler brutal.„Meine Kinder sind so blutarm," sagte die Frau,„immer sind sie müde, und die Schule fällt ihnen so schwer. Wie gerne würde ich ihnen Eier kaufen, aber 3,35 bis 3,76 M. ist doch zu teuer. Alles was man sieht, ist zu teuer, man wogt schon beinahe gar nicht, etwas zu kaufen. Ach. da gibt es Aepfel. Sehen Sie die kleinen murksiqen Dinger. 3 M. d a s P f u n d. Die anderen find mir zu teuer." Und fckweren Herzens kaufte sie ein Wund von den Aepfeln, um ibrcn Kindern wenigstens eine kleine Freud« bereiten zu können. Beim Bäcker wurde ein Brot gekauft, und dafür legte sie 7,65 M. auf den Ladentisch. Zum Schluß war unsere Hausfrau leichtsinnig und kaufte ein Viertel Pfund Kaffee für 8,50 M.(den billigsten). „Damit mein Mann auch mal merkt, daß Feiertag ist." Das Resultat in üer Markttasche. „Was meinen Sie, was ich ausgegeben habe?" fragte die Frau bedrückt. 2 Wund Hammelfleisch... M. 24.— 1 Bnmd Margarine...., 28.— 2 Bund Kohlrabi...... 6.— 1 V'und Zwiebeln,, 1.50 10 P'imd Kartoffeln...., 11.60 1 P'imd Aepfel......» 3.— 1 Brot»........„ 7.65 Pfund Kaffee�_.....„ 850 zusammen M. 89.15 Es wird niemand zu behaupten wagen, daß diese Frau ver- schwenderisch mit ihrem Geld« umgegangen wäre und doch über« steigt dieser bescheidene Einkauf bei weitem die Mittel, die ihrer Familie für den täglichen Lebensunterhalt zur Verfügung stehen. Gewiß, Kartoffeln. Margarine, Zwiebeln, Kaffee und vielleicht auch dos Fleisch werden für mehrer« Tage reichen muffen, dagegen ist keinPfennigfür Mehl, Milch oder ander« Nährmittel ausgegeben worden, an W u r st, Käse oder sonstigen Belag ist gar nicht zu denken. Welcher Unternehmer, der schnell bereit ist, über die Begehrlichkeit der schaffenden Bevölkerung zu zetern, wäre in der Lage, das Rechenexcmpel befriedigend zu lösen, das sich aus dem unglaub- lichen Mißverhältnis zwischen Einkommen und den hohen Preisen der notwendigsten Bcdarfsmittel klar ergibt? gemeinde Berlin überljaupt vorhandenen Wohnungen ist in der von un» fckon erwäbnien kleinen Sckrifl des Statistischen Amte» der Stadt Berlin zum ersten Male gegeben. In dieser Zuiammensteliung find die Wohnungen nach vier Grötzengruppen emgeleiit, und zwar nach Kleinwohnungen mit bis zwer Wohnräumen ohne»nd mit Küche: niitlieren Wohnungen mit — abgesehen von Küche— drei bis vier Wohn- räumen; größeren Wohnungen mit— abgesehen von Küche — fünf bis sieben Wohnräumen; ganz große Wohnungen mit— abgelehen von Klicke— ockt oder mehr Wohn- räumen. Im Gefamldurckicknitl der Siadlgemeinde stell! sich der Anteil der K l e i n w o h n u n p e n auf 69.2 Pi oz.. d.». fast aller Wohnungen, eine Ziffer, die fckon an sich auf die allgemeine wirlschafiliche Lage der Bevölterung ein iehr bezeichnendes Lickt wirft. In obioluren Zahlen ergibt sich folgendes Bild: Den rund 797000 Kleinwohnungen gesellen sick zu rund 241000 mittelg roß«, 9260V größere Wohnungen und endlich über 2 0 7 0 0 ganz große W o h n n n g e n.�Alick hier zeigt sich der große Unierickicd zwischen den einzelnen Slodt- teilen. Während die K l e« n w o b n u n g e n im Weslen, im Be- zirk X(Zehlendorf) nur 3l.6. im Bezirk IX WilmerSdors> nur 85.8 Proz betragen, stellen sie sick im Bezirk IV(Prenzlauer Berg) auf 79,6, im Bezirk XIV(Neulöllnd aus 8l.l. im Bezirl V iFriedrick«. Hain) auf 82,7, um endlich den HZchstbelrag auf dem Weding, im Bezirk III mit 85,8 Proz. zu erreichen. Bis zu welchem Grade die VerhäUnisie auseinandergehen, zeigt die nachstehende Gegenüberstellung: Im Verwaltung?» eiitiolle» von fe 100 Wohnungen auf die bezirk kleine» urUleien größeren gonr g' oßen 10. Zehlendorf 81.62 28.08 23.18 17.12 3. Wedding 85.79 12.83 1,71 0.l7 Wie wohnen wir! Berliner Wohnungsverhältniffe in der Statistik. Wie elend Proleiarier in den modernen Großstädten auch vor dem Kriege wohnlen, ist hinlänglich bekannt. Zusammengepfercht in Kasernenbauien mit zahlreichen engen Höfen ohne Lust und Sonne. Dazu das sozial und siitlich veiwüstende Schlasstellrn- weien. Durch die Unlärigkeit auf dem Baumarkt während und nach dcr KriegSzeit haben sich die Berhäiiniffe noch um ein Biel- fackeS verschliuiinerl. Eine Nebersick« über die in der neuen Stadl- Vieöer p!ünöerunlien. Das Rosenchaler Skadlviertel unter verstärktem Polizeischuh. Trotz der Warnungen des Polizeipräsidenten ist es gestern wieder zu Plünderungen von Geschäften gekommen. Mittags gegen 12V* Uhr rotteten sich im Rosenthaler Stadtviertel mehrere hundert Perlonen meist jugendlichen Alters zusammen und zogen durch die Linien-, Gips-, Ll u g u st- und Kleine Hamburger Straße, wobei sie eine Reihe von Geschäften verschiede- ner Art ausplünderten und mehrer« Schaufensterscheiben zertrümmerten. Viele Geschäftsleute, die noch rechtzeitig qewarnt werden konnten, schloffen ihre Läden und ließen die Jalousien her- unter. Die herbeigerufene Polizei zerstreute die Ansammlung und verhaftete drei der Haupttäter. Die genannten Straßenzüg« stehen jetzt unter verstärktem volizeilichen Schutz. Selbst die Trödlerläden wurden nicht verschont. Besonders geschädigt wurden die Trödler Hirsch, Kleine Hamburger Straße 5, Markus Roffohn, Kleine Hamburger Straß« 19, und Sommer, Linienstr. 103. Gestern abend gegen 9 Uhr drangen etwa 30 jugendliche Dur- scheu in die Konditorei der Witwe Ball, Dresdener Straße 18, ein und rafften in aller Eile an Lebensmitteln zusammen, was steter» reichen konnten. Dann verschwanden sie in der Richtung Neukölln. Gestern abend versammelten sich vor dem Leb-nsmtttelgefchäft von Sasse in der Karls gart enstr aß e. Ecke Wißmcmnstrahe in Reukölln mehr als hundert Personen, zum größten Teil Frauen, und drangen in das Geschäft ein. Anderthalb Zentner Butter und sieben Faß Marmelade fallen verschwunden sein. Beim Eintreffen der Polizei stob die Menge fluchtartig auseinander. Spitze! runSum! Die verderbliche Tätigkeit der �Zents provocateurs. Eine eigenartige Illustration dazu, wie ein Ministerialerlaß in Wirklichkett beachtet wird, lieferte eine Verhandlung, die das Schöffengericht Bcrlin-Mitte beschäftigte. Es handelte sich um eine Strafsache Fuhrmeister und Genclsen, in der sieben Angeklagten vorgeworfen wurde, gemeinschaftlich und wissentlich von falschen Steuerbanderolen Gebrauch gemacht und gegen den Z 68 des Tabat- steuergefetzes vom 12. September 1919 verstoßen zu h oben. Der unter Anklage gestellte Tatbestand droht eine gesetzliche Mindeststrafe von 3 Monaten Gefängnis an. In der Verhandlung gelang es den Berteldigern nochzuweisen, daß keine Red« davon sein könne, daß sich die Angeklagten im Sinne der Anklage vergangen hätten. Die Angeklagten hätten sich dcs nicht erschienenen Angeklagten Fuhrmeister, der Polizei- f p> tz« l sei, gar nicht erwehren können. Dieser habe ihnen so viel 57Z Fräulein. Don Paul Enderling. Fräuleins Gesicht war trotz des raschen Steigens blaß. Hermann sah sie ernst an. Wie schön sie war! „J>as sind die Gebete und Seufzer gequälter Seelen, die im Laufe der Jahrhunderte das Kirchenschiff da unten durch- zittert haben," fuhr er fort.„Sie flattern noch hier umher und schreien nach der versprochenen Erlösung und Erfüllung; wie wir alle schreien." Als sie im Wächterzimmer etwas gezögert hatten, fanden sie im gespenstischen Halbdunkel die nächste Treppe nicht mehr. Sie irrten fast eine Viertelstunde in dem Raum umher, über Balken stolpernd und in der Furcht, durchzubrechen und in das Turminnere zu stürzen. Endlich sahen sie den schräge aufge- hängten Spiegel, der das Licht von oben auffing und etwas davon auf die Treppe träufelte. Ohne zu sprechen, schwerer atmend, gingen sie die steilen Stiegen empor. Kaum daß sie sich noch Zeit ließen, durch die Luken auf das Bild zu blicken, daß sich da ausbreitete, immer klarer, immer schöner, immer weiter. Und nun kamen die Glocken, die großen Glocken von St. Marien: Gratia, die große Aoe-Mariaglocke, Osanna, die Sturmglocke— In diesem Augenblick setzten die Glocken sich in Bewegung und begannen feierlich, machtvoll mit dröhnendem Pathos zu reden. Die Töne erfüllten den ganzen Raum, ergossen sich durcb die Luken und über die Treppen und strömten auf Stadt und Land in ununterbrochenem Fluß. Es war keine Melodie, kein Rhythmus, kein einzelner Takt zu erkennen. Es war eine brausende Heerschar von Akkorden, die unaufhaltsam, unauf- härlich heranstürmte und zuriickwellte, wie das Meer. Eine Holzlade mar zurückgeschoben. Im Licht der Vor- Mittagssonne sahen sie nun auch die Leute, die auf den Tret- bälgen standen und die Glocken bin und her schwangen, daß sie an die riesigen, ehernen Klöppel schlugen. Es war Leben in dem alten Turm, der bei dem Brüllen und Schluchzen und Jauchzen der Glocken zu zsttern und zu schwanken schien. Fräulein hielt sich beide Ohren zu und sah Hermann an, der sich lächelnd am Geländer hielt. - Er fühlte, daß sie auf ih« wartet«, und hielt sich ferner von ihr als je. Er nahm sich vor, ihr oben alles zu sagen. Die Minuten bis dahin gehörten aber noch ihm Diese Minuten waren zu schön. Wie lang« würde er davon zehren müssen! Und er segnete das Sturmgebraus der Glocken, die ein Reden jetzt unmöglich machten. Langsam ging er an ihr vorbei und stieg empor. Sie folgte ihm durch dies« Sturmflut der Töne, die alle Dämme zerrissen hatte. Endlich wurde es lichter. Der Turm öffnete sich. Auf einer breiten Holzstieg«, die schon fast freilag. kletterten sie zur letzten Plattform hinauf. Sonne war um sie und Unendlichkeit. Di« Glockentöne klangen hier oben gedämpft, wie durch einen Samworhang hindurch. Sie schienen die Tauben zu tragen, deren weiße Leiber über dem bordeaux-roten Ziegeldach und der grünen Patina der Dachreiter und Seitentürmchen schwebten. Die Sonne ließ all die Goldzierate an den Patrizier- Häusern da unten, am Zeughaus, an dem dicht vor ihnen aufwachsenden palmenschlanken Ratsturm aufflimmern. All« Farben wurden reicher, tiefer, satter. Die Stadt sah ganz klein und zusammengedrängt aus, als hallen Riesenhände im Uebermut all dies« Häuser und Häus- chen zusammengescharrt. Eins preßte sich ans andere, gedrückt und eingeschüchtert, und wollte nicht gesehen werden. Wie Engpässe scbnittcn die schnurgeraden Straßen durch das Häusergewirr. Als überragende Wegweiser die vielen, vielen Türme. Er lehnte ssch auf das Geländer, in das Buchstaben und ganze Namen eingeschnitten waren. Eine Wetterfahne mit zwei Kreuzen und der Zahl 1609 bewegt« sich knarrend und quietschend. Rings uyi die Stadt ein grüner Gürtel von Bergen. Wällen und Feldern. Dort hinter der Speicherinsel lag das Werder mit seinen fetten Neckem, seinen Kanälen und Gräben, in denen an den Abenden die Frösche quakten, und seinen Weidenbäumen, die so bizarr und melancholisch waren. Fräulein war seinen Blicken gefolgt und deutete mm hinüber. ,.Ki- saaten mir einmal Verse..Vor den Wällen' hießen sie. Wissen Sie sie noch?" »Ja." sagte er und sprach langsam sein« Vers«: Ich sebe sie noch Im Abendschein. Die struppigen Weiden am schmalen Rain, Da bin ich als Knabe gegangen, Gesenkten Hauptes guerfewein... Und die Lerchen sangen. Und des Ratsmlms güidner Glanz, Der iihcr der Walle grünen Kranz Herüberschaute... Und Froschgequat und Mückentanz—— Und der nordisch» Himmec blaute. Vor schwarzen Krähen ein kreischender Strich— Und Glocken klangen so feierlich lieber die Land«/ Des Knaben Augen weiteten sich. Und das Herz war voll bis zum Rande... Ich sehe sie noch... Und die Seele sinnt: All mein Leiden würde im Wind Restlos verwehen, Könnt' ich noch einmal, wie damals als Kind, Unter den Weiden gehen... Fräulein schwieg. Dann gab sie ihm die Hand.„Von wem sind die Verse?" Er lächelte.„Von meinem besten Freunde. Er heißt Hermann Görke." „Sie sind doch ein Dichter."» „Ich glaubte es auch einmal," sagte er leise.„Aber nun bin ich von diesem und anderem Gkauben gehellt." Er trat an die Brustwehr. Sie stand jetzt neben ihm. Durch das Stadtbild und die Felder nach der See zu ringelten sich wie grau« Schlangen die Flüsse. Ueber der See lag mllchiger Dunst und kämpfte gegen die Sonne. Von unten erscholl langsame, getragene Mufft und ver- wehte gleich wieder. Dies Aufklingen und Verebben der Töne geschah ohne Uebergang, so daß sie nicht eher ihren Ursprung zu erkennen vermochten, als bis ffe auf dem Holzmarkt nach der Promenade zu den Trauerzug entdeckten.' Das lenkte den Blick wieder auf das Stadtbild zu ihren Füßen, und ffe versuchten, einzelne Häuser zu erkennen; es glückte aber nicht. Im Gewühl der Giebel verschwand das Einzelne. „Ist es nickt sanderbar? In jedem Haus und Häuscken da unten ffnd Menschen, die sich so ungeheuer wichtig sind wie sonst nichts. Jeder hat sein« eigenen Sorgsn und seine eigenen Träume, jeder erstickt an der Oual des Heute und tröstet sich mit dem Morgen. Und einer weiß vom anderen so wenig, wie wir von ihnen wissen und ffe von uns wissen. Wir sind eben«inander alle nur Nebenmenscken." kFarts. folgt.) zugesetzt, dl« Echtheit der Steuerbanderoten und die vngesShrNchkett des Geschäfts betont, daß sie sich schließlich darauf eingelassen hätten. Das Gericht nahm, diesen Ausführungen folgend, nur eine Der- letzung der Ordnungsvorschrift im Sinne des Z 68 an und erkannte auf nur je 100 M. Geldstrafe. Von Rechtsanwalt Dr. S. A r o n wurde besonders darauf hingewiesen, daß hier wieder einmal durch die verderbliche Tätigkeit eines Polizei- s p i tz e l s anständige Leute erst zu einer Straftat verleitet war- den seien. Dies stelle einen glatten Verstoß gegen die Bersügung des Ministers des Innern dar, welche folgenden Wortlaut habe:„Anlaß- lich eines Sonderfalles ersuche ich ergebenst, die Beaniten der staat- lichen wie der kommunalen Polizeiverwaltunqen darauf hinzuweisen, daß es unter allen Umständen unzulässig ist, wenn sie selbst oder durch Dritte, sei es gegen Entgelt oder ohne Entgelt, Personen zur Regierung zu untergraben, Begehung strafbarer Handlungen veranlassen, um dadurch einen � � bestehenden Verdacht bestätigt zu erhalten. Beamte, die hiergegen verstoßen, find stets zur Verantwortung zu ziehen und gegebenen- falls zu bestrafen" Der Verteidiger bat das Gericht dringend, diesen Fall doch dem Ministerium zu unterbreiten, damit endlich dem Treiben dieser geradezu verbrecherischen Agents provocatcurs Einhalt geboten würde. Der Vorsitzende de» Gerichts führte in der Urteilsbegründung aus, daß er durch- � aus mit diesen Ausführungen einverstanden sei, leider aber keine! Möglichkeit habe, dieser Anregung Erfolg zu oerschaffen. In einem Falle wie dem vorliegenden, wo das Verfahren gegen den angeklag- ten Polizeispitzel vorher abgetrennt sei und er nicht zur Aburteilung mit den von ihm Verführten gelangen solle, ginge das B e st r e b e n der Polizeibehörde doch offenbar dahin. �den Polizeispitzel zu decken. Er könne aber nicht an- nehmen, daß dies ohne Vorwissen des ober st en Organs der Polizei, des Ministeriums des Innern, geschehen sei. Er verspreche sich daher wenig davon, daß die Anregung eines einfachen Amtsrichters gegenüber der Zentralbehörde auf fruchtbaren Boden falle. Eine fachgemäße Beantwortung dieser schweren Vorwürfe von selten der zuständigen Behörde wäre in dieser höchst dunklen An- gelegenheit sehr vonnöten. Die Kartoffelteuerung. Im Landtag wurden am Freitag zunächst Anfragen de-! Zentner geboten, antwortet." Die gcgenrepublikanische Propaganda des Lyzeumslciters Dr. Bohnenftedt in Ncrdhausen beim Unterricht(Anfrage Kleinspehn sU. Soz.» ist durch einen amtl'chen Verweis bestraft worden. Seine Äeußerung in einer Wä hleroersammlung, der deutschen Iu- gend müsse nationaler Haß gepredigt werden(Hört! hört! links.), er sehe es als seine Pflicht an, die Autorität der hat ihm das Disziplinarverfahren mit dem Ziele der Dienstentlassung eingebracht.— Die Tätigkeit des Staatskommissars Weißmann in Bayern Ein Gemüsehänöler-witz. Der„Deutsche Obst- und Gemüsehändler", Organ des„Reichsverbandes deutscher Obst- und Gemüsehändler, Sitz Berlin", leistet sich einen famosen Witz. Er teilt seinen Lesern mit, daß er gegen den„Vorwärts" Strafantrag wegen Preis- wucher gestellt habe. Grund: Der Umstand, daß der„Vorwärts" während der Zeit des Nichterscheinens der Berliner Zeitunge�den Anzeioenpreis von6M. auf 10 M. erhöht habe.' Wenn sich wirklich ein Staatsnnwalt finden sollte, was wir nicht zu glauben vermögen, der dem„Strafantraz" Folge leistete, so müßte das ein kurioser Prozeß werden. Es ist zutreffend, daß während des Nicht- erscheinens d-r Berliner Zeitunaen der„Vorwärts" den Anzeigen- preis von 6 M. auf 10 M. dia Zeile erhöht hat. In der genannten Zeit stieg die Auflage des„Vorwärts" um das Zwei- und Dreifache. Daß die H e r st e l l u n g s k o st e n der Zeitung dem- gegenüber sich mindestens ebenfalls um das Zwei- bis Dreifach« steigern mußten, weil auch noch der U m f a n g des Einzelexemplar» größer wurde, wird jedem ohne weiteres einleuchten. Der Zeilen- preis von 10 M. war also nicht einmal ein ausreichendes Aequiva- lent für die erhöhten Herstellungskosten. Die Inserenten konnten des- halb auch nicht vom„Vorwärts"„bewuchert" sein, um so weniger, weil sie sonst bei anderen Zeitungen mit ähnlicher Auflage denselben Preis bezahlen müsien. Sie waren sogar im Vorteil dadurch, daß sie, statt in verschiedenen Leitungen, nur in einer ihre Anzeigen aufzuaeben brauchten. Der Verkaussoreis des„Vorwärts" im Einzelhandel ist auch in jener Zeit trotz stärkeren Umfanges nicht erhöbt worden. Mit dem„Preiswucher im„Vorwärts" ist es also wirklich nicht«. Richtig ist. daß die„Zeitung ein Artikel des notwendigen Lebensbedarfs" ist. Sie muß jeden Tag neu hergestellt werden und unterscheidet sieb in dieser Beziehung von Leben»- und Genuß- Mitteln und anderen Waren, die, trotzdem sie billig«ingekauft sind, alle Preis st eiqerunqen mitmachen und schließlich zu Wuchervrciscn verkauft werden. Der Strasantraa des Gemüsehändler-Blattes ist also ein Scherz, der in unserer ernsten Zeit einige Erheiterung bringt. Und als solcher darf er passieren. Nnfmerksainkcit gegen die Verbrecherwelt! Das Polizeipräsidium sieht sich angesichts der zunehmenden Raubüberfälle veranlaßt, mehr noch als bisher die Unterstützung des Publikums bei der Bekämpfung der Verbrecherwelt zu erbitten. Die Abteilung IV hat sich entschlosien, ganz allgemein über die in Einzel- fällen üblichen Belohnungen hinaus für alle Mitteilungen, die zur Aufksärung solcher Taten und zur Ergreifung der Täter durch da? Publikum führen, namhafte Belohnungen auszusetzen. Hierbei macht die Kriminalpolizei darauf aufinerksam, daß nach ihren Erfahrungen häufig die allzugroße Sorglosigkeit des Publikums(Besuch zweifelhafter Lotole und Gegenden, Mitgeben mit Unbekannten, insbesondere weiblichen Personen usw.) dem Verbrechen ungewollt Vorschub leistet. Die Beachtung dieses Hinweises in Verbindung mit verschärfter Aufmerksamkeit des Publikums gegen das Verbrechertum werden zweifellos die Zahl der Verbrechen vermindern. Die Entgeaennahme geeigneter Mitteilun- gen, die auf W'msch streng vertraulich behandelt werden, erfolgt bei Kriminalkommisiar Werneburg, Zimmer 80 des Polizeipräsidiums (Hausanschluß 133 bzw. 601). (Anfrage Winckler sDnatl. Vp.j) hat sich im Rahmen seiner Bs- fugnisie lediglich auf Feststellungen erstreckt. Zurzeit schweben Ver- Handlungen über Umgestaltung diese» Staatskommissariats.— Die beiden in den Ruhestand versetzten Obcrregicrungsräte bei der Regierung in Oppeln(Anfrage Müller sSoz.» sind wieder als Angestellte eingestellt worden, weil der größte Teil der Domänen, � die sie verwalteten, in dem aufständischen Gebiet Oberschlesiens liegt. Ihre übrigens vorübergehende Einstellung ist im Einver- neymen mit den zuständigen Ministern erfolgt. Hierauf wird die Aussprache über die Kartoffeloersor- gung sortgesetzt Abg. Oimbertz(Soz.): Die Art und Welse, wie Abg. Schlange(Dnatl. Bp.) gestern hier redete, ließ jede Objektivität vermissen. Die Andeutungen, daß der Streit um den Ministeriessel vielleicht wichtiger gewesen sei als die Kartoffelfrage, ist unerhört. Wir tonnten doch nur die preußische Regierung drängen, auf die Reichs regierung einzu- wirken. Als ich den Reichsernährungsminister Hermes ange- griffen hatte, beschwerte er sich, denn er sei mit dem Reichsver- kehrsministerium tn Verbindung getreten wegen der Kartoffelfrage. Aber es bleibt dann doch nach wie vor die Frage, warum keine wirksame Abhilfe geschaffen wurde.— Wenn die deutschnationalen Landwirte ihren Parteigenossen billige Kartoffeln liesern können, dann sind doch niedrigere Preise möglich Die zur Verteidigung des Wuchers angeführte Zerrüttung der Moral ist eine Folg« des Krieges. Sie wird aber noch verschlimmert durch die systematische Zerstörung der Autorität der Regierung und der Beamten, wenn Sozialdemo- kraten die Ministersessel innehaben. Tausende von Rechtsblättern Hetzen in gewissenlosester Weise. Kein Wunder, wenn viele sagen: „Wir pfeifen auf die Anordnungen des Staates!" Seinerzeit haben wir vorgeschlagen, die Landwirtschaft sollte klipp und klar erklären, welche Richtpreise zu gelten haben. Dann hätten die Preiiprüfungsstellen und die Wuchergerichte«in« feste Basis ge- habt. Aus unserer Anregung ist nichts geworden. Man ver- langt für den Zentner Sartoffeln stellenweisz über 130 M. Wer kann diesen Wahnwitz gutheißen? Es sind bereits Plünde- rungen als Folge des Wuchers vorgekommen. Kein Mensch will Ausschreitungen, auch die Kommunisten nicht, wie sie erklären. Wer- den unsere Warnungen mißachtet, dann darf man sich nicht wundern, wenn das Volt mit der Selbsthilfe droht, wie da» die Eisenbahner im Westen getan haben. Im Bezirk Hameln erfolgten«indrucks- volle Demonstrationen gegen den Wucher.. Und siehe da, die Land- leute lieferten plötzlich Kartoffeln, den Zentner zu 45 und 50 M.— Wie Herr Schlange in dem Augenblick, wo über die Kartoffelnot gesprochen wird, erklären kann, die Sozialdemokratie trage die Schuld an all diesem, ist unbegreiflich. Herr Schlange vergaß, daß die allgemein« Misere «Ine Folge de» Zusammenbruch» und«ine Folge der Auswirkung de» Alliiertenvertrags Ist, über die sich Leute nicht beschweren dürfen, die während de» Kriege» dem alldeutschen Machtwahnsinn fröhnten.(Lebhafte Zustimmung links.) Pas Elend wächst, die Misere wird immer allgemeiner, wir möchten nur wünschen, daß solche Darlegungen, wie die des wenn Sie das zahlen wollen, können Sie 1000 Zentner bekommen."(Hört! hört! bei den Soz.) Auf den Ritter» gütern, wo diese Reden fallen, da sitzen die Wucherer.(Vehr richtig. bei den Soz.) Bleiben unsere Warnungen vergeblich und kommen Erplosionen, dann dürfen sich die vom Wuchergeist Besessenen nicht beklagen.(Beifall links.) Abg. Gronowsti(Z.): Herr Schlange hat gestern kmen Schlangentanz aufgeführt und mit meiner Rede vom 19. Oktober Unfug getrieben. Ich stehe heute noch zu allem, was ich am 19. Ok- tober gesagt habe. Er versuchte, zwischen mir und ernem Teil des Zentrums einen Gegensatz zu konstruieren. Ach, wenn ich erst über die Eintracht bei den D e u t s ch n a t i o n a l e n«was erzählen wollte! Er"glaubte ferner, wieder was zu jagen, wenn er erklärte. i ich hätte während meiner Rede da und dort den Beifall der Sozial» demokraten gesunden. Komisch, daß gerade die Deutschnationalen sich daran stoßen die doch soundso oft mit den Kommunisten gegen die Mitte gestimmt haben. Di« Deutschnationolcn können nicht bestreiten, daß sie mit billigen Kartoffeln Parteiagitation getrieben haben und ich nenne das schäbig.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum und links.) �_ Abg. Held(Dnatl. Vp.) verlangt genaue Umschreibung des Be- griffs Wucherpreis.. � Abg. Riedel(Dem.) Durch parteipolcmische Reden wird d'.e Kartoffelnot nicht beseitigt. Abg. Jacoby(Z.) beantragt Herabsetzung der Eisenbahntanfe für Kartoffeln Abg. Schlange(Dnatl. Dp.): In Gegenden mit reicher Ernte ist ein Kartoffelpreis von 50 M. durchaus angemessen, in anderen deckt ein Preis von 80 M. nicht einmal die Gestehungskosten. Der Preis muß so gestellt sein, daß auch die kleinsten Betriebe pro- duktionsfähig bleiben. Abg. Schul,- Neukölln(Komm.): Es hat noch niemals einen Landwirt gegeben, der einen wilden Aufkäufer mit den Worten heimschickte: Nein, einen solchen Wucherpreis nehme ich nicht! Der Reichslandbund führt einen heftigen Kampf gegen die Wucher- gerichte. Die Aussprach« schließt.— Angenommen wird der Antrag Winckler(Dnatl. Vp.) auf rechtzeitige Einfuhr von Mais und anderen Futtermitteln als Ersatz für Futterkartoffeln, � daß nur angesessenen Kartcsfelhändlern der Handel gestattet, eine genaue Kontrolle des Bahnoersands eingeführt, der Kettenhandel scharf bc- straft, für schleunige Äagengestellung gesorgt werde usw. Ange- nommen wird auch der Zentrumsantrag auf Herabsetzung der Eisen- bahntarife für Kartoffeln, ferner ein volksvarteilicher Antrag auf strenge Grenzkontrolle, rücksichtslose Anwendung der Wuchergesetze und Kontrolle der Preisentwicklung an den Kartoffelbörsen. Die zweite Beratung des Haushalts der leitet HeMsvenvaltung Landwirffchaftsminister Dr. Ivendorfs ein. Abg. Peters- Hochdorn(Soz.): Den Zuschuß an die Gestlltsoer- waltung lehnen wir ab. Wir können das Geld für besser« Zwecke verwenden, insbesondere für die Volkswohlfahrt und Volksbildung. Damit Einnahmen und Ausgaben ins Gleichgewicht kommen, muß die Geftütsverwaltung eine kaufmännische Detriebsoerwal- tung errichten. Die Wohmingsverhnltnisse der Gestütsangestellten müssen verbessert werden. Aber freilich von so manchem Gestüts- Verwaltungsdirektor ist in der Wohnungsfrage nichts zu erwar'?". Der Gestütsdirektor Graf L c h n d o r f f verweigert«, als die Be- amten aus den verlorenen Gebieten zurückströmten, einen Teil seiner 15-Zimmerwohnung zu räumen, obwohl«r unverhei- ratet ist. tHört! hört!) und sie mußten in provisorischen Woh- nungen im Stallgebäude Quartier nehmen. Auch al» dieses ab- brannte, beharrte der Herr auf seiner Weigerung,(ftört! hört! bei den Soz.) Mit diesem Herrn ist überhaupt ein Aus- kommen kaum möglich. Ist es doch soweit gekommen, daß der SV '.-w-wr Schiebungen einleitete, das aber nur zur Versetzung Wir haben das längst gefordert und wenn es schon früher beherzigt worden wäre, so wären wir heute ein Stück weiter.(Sehr wahr! links und im Zentrum.) Herr Schlange behauptete u. a., daß ein Konsumverein die Kartoffeln billig ein- und teuer verkaufe: er ver- , gißt nur, daß die Konsumvereine billige und teure Kartoffeln ein- kaufen und beim Verkauf einen Preisausgleich vornehmen müssen. Wenn er ferner erzählte, die Mühlenbesitzer kauften das Getreide billig und verkaufen es teuer, so vergaß er, daß der Mühlenbe- sitzer nicht nur billiges Umlagcgetreide, sondern auch teures freies bezeichnete einer An Nnschnldig auf die Ttraste gefetzt. Als eine höchst inhumane und unsoziale Handlung ein Verteidiger das Borgchen der Eisenbahnbehörde in klageiache, die sich aegen den Ciienbabnarbeitcr Josef Nawroth richtete.— Der bisher unbescholtene Angeklagte war eines Tages dab-i beobgcht-t worden, wie er in einem Eisenbahnwagqon eine zer- brochene Bahnkiste zu n a g e l t e. Da man in einer Ecke des Waggons drei Flaschen Allosch aus dem Inholt jener Kiste land, wurde an- genommen, daß N. die Kiste erbrochen und die Flaschen gestohlen hatte. Obwohl er vor dem Schöfsenoericht angab, daß er sich, um die zerbrochene Kiste zuzunageln, von dem Lademeister selbst Hammer und Näqel besorat habe, nahm das Gericht seine Schuld als erwiesen an und verurteilte ihn zu drei Monaten Gefängnis Kurz nach der Ver'mteiluna w"rde N. auch entlassen, obwohl da» Erteil noch nicht rechtskräftig war. da er Berufung eingeleat hotte. Vor der Berufunaekammrr wies Rechtsanwalt Müller- Stör- m a n e r nach, daß die Kist» offenbar schon vorher auf der Fahrt er- brachen worden war. Höchst befremdend undinh um ansei das Vorgeben der Eisenbahnbedörde. die einen bisher unbestroften Menlchen infolge eines mit sebr zweiselhoften Indizien b-orünMen und nicht r e ch t s k r ä f t i n e n Urteil einlach auf die Straße setze und ihn mit seiner Familie dem Elend aussetze. Das Gericht kam-auf Gnjnd der angetretenen Beweif« zu einer Frei» s p re ch u n g des Angeklagten auf Kosten der Staatskasse. (s)efnngnis'trafe für Wettkonzerninhaber. Die Hauptverhandlung gegen die Wettkon zerninhober Biedermann und Mener. sowie gegen ihre Gehilfen Willi und Leopold Isanc endete gestern nachmittags mit der Verurteilung fömtlichcr Angeklagten Wegen gewerbsmäßigen Glllckspiels und Betruo-i werden verurteilt Biedermann zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis und 50000 M. Geldstrafe, wobei zwei Monate und drei Wochen durch die Untersuchungshaft verbüßt sind. Meyer zu fechsMonoten Gefängnis und 20 000 M. Geldstrafe. Willi I s a a c zu 20 000 M. und Leopold I s a a c zu 5000 M. G e l d st r a f e. Im Nichtzahlungsfall gelten je 15 M. einen Tag Freiheitsstrafe, jedoch bei keinem der Angeklagten zusammen nur führte. Ich möchte die Fülle von kleinen Anfragen sehen die Sie (nach rechts) einbringen würden, wenn es sich um einen sozial- demokratischen Landrat und nicht um einen der Ihrigen handeln würde!(Sehr gut! bei den Soz.) Weil die Gattin des Grafen S p ö n« ck auf Gestüt Trakehnen gern Hetzjagden veranstaltet, wird dort eine 30 Köpfe starke Hundemeute unter- halten. Auf Vorstellungen hin wurde erwidert, daß diese Meute notwendig sei, um die H e n g st« auf ihre Leistungen hin zu s» äää% ssa wäs?« i««r* geboten, aber nicht angenommen! er vergißt, daß gebrannte Kim der das Feuer scheuen und billige, aber faule karkoffeka noch teurer sind al» teure Kartoffeln.„Nimm was du kriegen kannst!" Das ist der Grundsatz des Wucherers und, wie es in Pommern vorgekommen ist, zu hören:„Mir sind 83 M. für den wundert man sich, wenn die l Zuschüsse nicht reichen! Von einem Pferdemangel ist keine Rede, in Ostpreußen ist direkt Ueberschuß daran. Wozu werden dann noch Pferde aus dem A u s l a n d e eingeführt? Damit trägt man zur Verschlechterung unserer Valura bei.(Lebhafte Zustimmung links.) Sonnabend 11 Uhr: Kleine Borlagen, Gestütsetat, Land- wirtschaftsetat.— Schluß gegen 6 Uhr. mehr als ein Jahr. Die Enthaftung Biedermanns wurde abgelehnt. Die. Urteilsbegründung wandte sich sehr scharf gegen die Wettkonzern- pest._ Junge Abenteurer.. Gestern vormittag wurden im Wartesaal IV. Klasse des An- Holter Bahnhofs zwei Knaben bemerkt, die allem Anschein nach nicht recht wußten, wohin sie sich wenden sollten und ein ge- drückte» Wesen zur Schau trugen. Schließlich nahm sich die Polizei der beiden Knaben an und erfuhr nun, daß beide mitdem Früh- zug aus Barmen gekommen waren, der eine der elfjährige Schüler Wilhelm Schulz, der andere der zwölfjährige Schüler Arno W ö l l e r. Beide hatten ihren Eltern zusammen 26 000 M entwendet, sich Rucksäcke und sonstige Reiseartikel gekaust und waren auf Abenteuer ansgegnnaen. Die Kriminalpolizei nahm sich der beiden hoffnungsvollen Bürlchchcn an. Man fand bei ihnen noch 24 549 M.. Die beiden Knaben werden ihren Eltern wieder zugeführt._ Da» nächtliche Schmarohertum Berlin» weiß auch heut« noch nichts von der Not der Zeit. Die Kriminoluolizei unternahm in der Nacht zu Freitag eine neue große Streife durch verschiedene Stadt- teile. Zunächst wurde im Hause Neue Friedrichstr. 73 ein Spiel- klub ausg« hoben. Etwa 30 Personen mußten den Weg zur Wache antreten. Darunter befand sich ein junger Mann, der infolge eines Kokainrausches ein Bild des Jammers bot und weg- getragen werden mußte. Dann umstellten die Kriminalbeamten nacheinander die Lokale G o l l n o w st r. 44, Kleine August- st r a ß« 3 und L i n i e n st r. 10 und beben die nächtlichen Gäste aus. Den Beamten fielen hier zaVreiche Waffen und Einbr�ch-rwerkzeuge in die Hände. Schon bei Morgengrauen wurde das Lokal Mark- a r a f e n st r. 20 besucht, wo man 20 Verlanen sisti-rte und zum Palizeiprässdium brachte. Einzeln« Gäste, die ollen Grund hatten. mit der Polizei nicht in enaere Berührung z» kommen, hatten sich in den Kellerräi'wen versteckt und w"rden hier mit Laternen aus- gespürt. Den Abschluß der Razzia bildete eine erfolgre-ch? Durch- suchung der Wartesäle des Bahnhofs Zoologischer Garten. Ohnmacktsansölle als Folge eines medizinischen Film». In den „llnion-Lichtspielen", Friedrichstr. 180, gelangt-" kürzlich der Film „G e f ch l e ch t s k r an k h e i t e n und ihre Folgen' mit Er- läutsrungen zur Darstellung, nachdem die Leitung des Theaters das Publikum darauf aufmerksam gemacht hatte, daß mancherlei häßliche Bilder gezeigt werden würden und man gewissermaßen seine Nerven präparieren müsse. Nachdem ein Teil de» Bildstreifen» abgerollt war, erhoben sich drei Damen und verließen fluchtartig den Zu- schauerraum. Die männlichen Zuschauer blieben zunächst sitzen, doch dauerte es nicht lange, als nacheinander acht junge Leute von ihren Sitzen rutschten. Während sich sieben der Ohnmächtigen in der frischen Luft schnell erholten, mußte der achte, ein Kaufmann aus Steglitz, nach der nächsten Rettungsstelle geschafft werden. Gen. Pfarrer Bleirr spricht in seiner religiSien Eeierstunde in der Triniwtiökirche, Cbmloticnbura, Karl-Augutz-Platz, Sovnloa, den 20., vorm. 10 Uhr, über da» Thema:„Sollen wir den Tod sürchtcn?' ?er Geist des Kapitalismus lautet ein Vortrag, den der Dozent für VolkSwirlschoslßlebre Dr. Cohn beute um 8 Uhr obend» im Schöne» berger neuen Rottmi» aus Veranlassung de» Höieroerein« der Volk»doch» lchularbcitSstäite Schönebcrg hallen wird. Eintritt stet. Zimmer beim Pjörtner«lsiagen.______ Hrost-Serttner parteinackricktea. heule. Sonnabend, den IS. November: eh«l»tt«»»»rs. gonsumgenossens-dafismitglieder der 70. Verkaufsstelle: 7H Ilhr ........-.-.«iinigin.Elisabethbstr. S.' Wahl Mitgliederversammlung hei Schelldach, de» Senossenfchaftsratr». Erscheine» Pflicht. Z-ngsozialisten. Ardeitsacmeluschast! TA Udr in der tdemeindeschule Straß- mannstr. S, Dr. Schutte über„Sturm» und Drangperiode in der Litera- tnr".— Am Sonntag, den 20. Roocmber: Heimabend ad nachmittags i Uhr im Jugendheim de» Osten», Große Zrantsurter Str. U). Morgen, Sonntag, den 20. November: ZungsoziaNfte». Gruppe SchSncberg. Friedenau: Fahrt nach Grstnau. Irekk- Punkt früh 8 Uhr Bahnhof Schönebcrg. Gäste willkommen. ?u?enüveranftaltunaen. verein Artelter-Iogcod. Sekretariat: SB.«8, Lindenftr. 8. 2. Hot link», 2 Treppen reche». Telephon- Mpl.>21«8—1». Morgen, Sonntag, den 20. November: st�penitk-Adlerehos: Desuch de» Museum» für Volkstrachten. Treffpunkt # Uhr SM. Spindlersfeld.— Prenzlaner Vorstadt: Wanderung Finkenkrup— tträmer— Brieselang— Velten. Treffpunkt Danziger, Gif Weißcnburger Straße. — vewickendorf-Beft- Wanderung Haselhorst. Treffpunkt 8 Uhr Jugendheim. — Rasenthaler Vorstadt! Wonderung Potsdam— Wennsee. Treffpunkt M.6 Uhr Rosentholer Platz(Rormaluhr).— Schlnhauser Vorstadt l: Wanderung Fllrstenwalde— Rauener Berg». Treffpunkt b Uhr Bhs. Schönhauser Allee.— Schönederg I: Besuch der Treplowe: Sternwarte. Treffpunkt 2 Uhr Lhf. Schönederg.— Steglitz. Friedenau: Wanderung Ladeburg. Treffpunkt Uhr Bhs. Wilmersdorf-Friedenau.— Reichende rgee viertel: Wanderung durch die Duberaw, Treffpunlt 6 Uhr«örlitzee Bahntzaf tUnsallslati«»). Mus aller Welt. Z?abrikbrände. Während eines Großfeuers in der Heylschen Fabrik in Worms-Neuhausen waren mehrfach Explosionen von Säure- slaschen zu hören. Das Gebäude wurde bis auf die Umfassungs- mauern niedergelegt.— Ausgebrannt sind in der Zelluloid- fabrik von Engelmann u. Co.. in L e i p z i g- P l a g w i tz die Seiten- (lügel des Fabrikgebäudes mit der gesamten Fabrikeinrichtung, Ma- chinen usw. Das Personal tonnte sich rette».— Niedergebrannt ist das Falz-Ziegelwerk Konstanz bis auf wenige Nebengebäude. Das Maschinenhaus konnte gerettet werden.— In E l b i n g ist das Kaufhaus Lublinski nachts bis auf die Umfassungsmauern aus- gebrannt. An eine Rettung der Stesse und des anderen Inhalts des Warenhauses war nicht zu denken. tten im amtlichen Auftrage gehandelt, welcher in keinem Punkte berschritten worden sei. Schiffsbrand ans hoher See. Aus Valencia sSvanien) wird gemeldet: An Bord des amcrikaniickien Dampiers San Francisco ist auf hoher See ein Brand au-gebrocken. Der Dampfer führte Zwiebeln iür New Dark. Er wird als verloren betrachtet. Das Schicksal seiner Besatzung ist unbekannr. Fran'ösische Gnade. Am 5. Mai 1N21 wurde der 46 Jahre alte kaufmännische Leiter der Höchster Farbwerke, Hans Burgmann. von einem Marokkaner ermordet. Die Witwe, die noch zwei Kinder im Alter von 9 und 18 Jahren zu unterhalten hat, stellte in Anbe- ; tracht der äußerst mißlichen Verhältnisse den Antrag auf eine K a- !pitalabfindung. Entsprechend dem Verdienst ihres Mannes und unter Berücksichtigung der aanzsn Lage beanspruchte sie eine Entschädigung von zirka 646 666'M. Das französische, Krieas- ministerium hat, wie die„Dena" erfährt, ihr Gesuch glatt ab- gewiesen und setzte eine Auszahlung von 36 006 M. ,.als Gnadenbeweis*(ä titre ptirernent gracieux) fest, eine Summe, die noch nicht einmal den Jahresverdienst des Ermordeten erreicht, die Witwe Bnrgmann hat nunmehr das deutsche Aus- wärtige Amt mit der Weiterverkolgnng ihrer Ansprüche beauftragt. — Zur richtigen Beurteilung dieses Falles erinnere Man sich an die Entschädigungen, die Deutschland anläßlich der Tötung des Scr- geanten Mannheim in Berlin zahlen mußte.... Für die Dohhelmer Explosionsopfer hat der französische Ober. kommiffar im Nhciiiland, Jirard, 16666 Papiermark(---506 Fronten!) zur Verfügung gestellt. Diebstahl einer Dollarkasiette. In Wiesbaden bei der Filiale einer Großbank ist eine Kaffette mit Dollarnoten im Werte von min- bestens 26 Millionen Mark gestohlen worden. Die Kaffette, die tagsüber an den Wechselschaltern benutzt und über Nacht in den Banktresor eingestellt wird, war am Morgen nach dem Bußtag nicht mehr aufzufinden. Ein schwerer Bobsleigh Unfall ereignete sich auf der Straße nach Ober-Eiersdorf im Riesengebirge. Bon fünf Beamten der Liegnitzer �««.i» t« ffrcintni« für zc»«b-statt«ng, E. 35., Schutzpolizei wurde zur Abfahrt ein Bobsleigh benutzt. Beim glled-rversammlimg liciue&/• Uhr, A»ln des Ediitler.Liw Hotel.Zur Koppe* geriet der von unkundiger Hand gelenkte Arbelter.T<>marit».«»l«»ne Nolentbal-R-inickendort. Dc Bobsleigh aus der Bahn und überschlug sich. Alle fünf Teilnehmer erlitten Arm-, Bein- und Beckenbrüche sowie Kopf- und Brust- guetschungen. Die Verletzten fanden Aufnahme im Warmbrunner Krantenhause. 11% Sek.; SusendNche 10X40 Meter: 1. Rorden 1 Min. H Sek., t. Dsten 1 Min. 55- Set., Z. Echöncdrrg 1 Min. 7 Sei.— Olympisch- Stafette: Männer<1k00,Meter>: 1. Süden 5 Min. 215- Sek., 2. Norden d Min. 27. Set., 3. Ncutölln 5 Min. 29 Sek.: S ch u>- d e n st a f- 1 1 e: Jugendliche(1000 Meter): 1. Norden B 3 Min. 13% Set., 2. Süden 3 Min. 10 Sek., 3. Schöneberg 3 Min 17% Set.: Turnerinnen(300 Meter): 1. Süden 1 Min. 42% Set., 2. Osten 1 Min. 42% Set., 3. Norden 1 Min. 44% Set, 4. Neutölln.— Hochsorung: Männer: 1. Storckinnnn-Süden 1,60 Meter, 2. Röl>l»Schäneberg, stist-Süden»nd Drnnscl-Osten je 1,33 Meter.— Weitsprung aus dem Stand: Turne- rinnen: 1. Polinsty-Norde» 2 Meter, 2. Schoos 1,93 Meter.— SS e i t d o ch» Reingefallen ist in München ein Pariser Kaufmann, der für 1% Millionen Mark Brillanten nach Frankreich verschieben wollte. Er wurde der Justiz übergeben und dann dem Finanzamt, wo er 266 666 M. Luxus st euer zahlen mußte. Daraufhin wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Falschmünzer wurden in Augsburg verhastet, acht an der Zahl, die sich die Anfertigung und den Bertrieb falscher Fünfzig- markscheine zum Ziele gesetzt hatten. Die Falsifikate, falls solche angefertigt und in Verkehr gekommen sind, tragen wahrscheinlich das Datum des 24. Juni 1919. Die Wiener Silberfchmuggelgeschichle, über die wir berichteten, wird jetzt offiziös auf eine Mrstisikation zurückgeführt. Der Trans- port sei für Rechnung der Oesterreichisch-Hngarischen Bank mit Willen und Wissen des österreichischen Finanzministeriums.nach Holland gegangen und habe nur solche Werte enthalten, welche vom Ministe- rium zur Versendung nach Holland bestimmt waren. Die den Trans- port begleitenden Funktionäre der österreichischen Devisenzentrale Vorträge, vereine unö versammfnnoen. Stodtbezirt,3. Mit» .........____ Sracuras, SJnntt'tr. 41/42.— Kolonne Nosenthal-Reinickendors. Der neue Lchrtursus be- ßinnt om 21. November, 7% Uhr, unter ärztlicher Leitung des Herrn Dr. David, im Voltshous zu Reinickendors-West, Scharnmeberstr. 114. Kursusbcitrog 6 M. Däne hoben einmaligen Zutritt.— Frcircligiöse Semcinde. Sonntag, vorm. 11 Uhr, im Rathaus, Königstraße, Bortrag von Dr. A. Rosenberg:„Dos Wesen des Christentums�. Harmonium: Trauermarsch(Beethoven). Nachm. 4 Uhr im Saal, Papvelaüee 13, Bortrag des Herrn A. Hoffmann:„Willst du die Toten ---- jC mußt•"*-'--------------•L— garten, Kellers Waldburg. Start Marianncnplatz. Arbeite.- Radfahrer-Vund„Solidarität*. Touren für Sonntag, den 20. Aa- vember. 1. Abt.: Streifzüge durch den Grunewald, Endziel„Slllcr Freund", Start 1 Uhr Bülowstr. 33. 2. Abt.: Strcifzüge durch den Grunewald, Endziel Wanitsee, Start 1 Uhr Planufer 63, Ecke Wilmsstraße. 3. Abt.! Sonnabend, den 19., Kartoffel- und Heringstour nach Botas Partrestaurant Johannisthal, Start 6 Uhr abends Laustßer Platz(Kirche). 4. Abt.: Hohenschönhausen j(Lindenpart), Start 1 Uhr Memeler Part. 3. Abt.: Kartoffel- und Herings- � tont nach Hirschgarten(Wilhelmshof), Start 1 Uhr Comtureiolatz. 6. Abt.: | Summt, Start 1 Uhr Kopenhagener Str. 26. 7. Abt.: Streifzüge durch den ! Grunewald, Start 1 Uhr Koloniestr. 147. 8. Abt.: Streifzüge durch den � Grunewald, Endziel„Freund", Start 1 Uhr Waldstr. 8. 9. Abt.: Streifzüge durch den Grunewald, Start 1 Uhr Schulstr. 114. 10. Abt.: Ahrensfelde I(Schneider), Start 1 Uhr Comrniusptatz. 11. Abt.: Leiliaanfee(Tivoli), Start 1 Uhr Müllerstr. 126. 12. Abt.: Freitag, den 18., Neuwahl der Abtcilungs- leitung. Ortsgruppe Pantow: Pichclswcrder(Freund), Start 12 Uhr Flora- � straßc 24. Ortsgruppe Oberschöneweide: Herbstrundfahri bei Schüßler, Start i 1 Uhr Siemensstr. 23. Rnderricg« dr» Turnverein»„Fichte". Bcrfammlung am Sonntag, den 20. November, nachm. 3 Uhr, in der„Klause", Stalitzer Str. 33. Turn- und Sportverein„Fiibte", 5. Iungmädchenobteilung. Sonntag, den 20. November, nachm. von%3—%3 Uhr, lojühriges Stiftungsfest, verbunden mit Schauturnen, in der Turnhalle Wrangclstr. 137. Wetterbericht bis Sonntast mittag. Überwiegend trübe oder nebetig ohne wesentliche Niedelschlgge, ziemlich lebhafic östliche Winde. Tcmpctatur in der Näbc des Gesiierpnnktes. (Schluß des»dakttouellen Teils.) ehrgn, ßt du dich den Lebenden widmen". Gäste willkommen. Arbeitersport. Das Hallenturn- und Sportfest der Freien Tnrnerschaft Schöneberg-Bcrlin am Bußtag gestaltete stch zu einer beachtenswerten Demonstration für lcn Arbeitersport. Die Sondcrvorführnngcn nist'~ brachten Freiübungen vorn nächstjährigen Dundesturufest in Leipzig(Bezirk Norden), Keulcnreigen(Bezirk Neukölln), leichtathlctilches Training(Bezirk Schönebcrg), Barren-Musterrieae der Turnerinnen(Bezirk Süden), Turne- rinnenriege am Doppclpferd(Bezirk Osten) und Bolkslänze kVezirk Neutölln), alles stand technisch auf guter Höhe und fand lebhaften Applaus. Masten» pnramiden folgten, und als beim letzten Bild stch die fchwarzratgolbeue Fahne, umgeben von roten Fahnen, unter den Klängen der Marseillaise rntrolkle, ging tiefe Bewegung durch alle Anwesenden. Die sportlichen Weitkämpsc lösten wie immer besondere Spannung aus. Der folgende Festobend zur Bereinigung der Freien Turnerfchakien vollendete das Bild technischen Könnens. Das Keulenschwingen der Männer und die plastischen Gruppen(in Nackiluliur) ; können als sehr gute Leistungen angesprochen werden. Typographia und Ulk- ■ Trio verschönten den Abend durch ihre bekannten guten Darbietungen. j Relultate. Pendelstafettcn: Männer 3X80 Meter: 1. Neukölln und I Schönederg 1 Min. 5 Sek., 2. Norden 1 Min. 7 1!hr; Turnerinnen 10X40 Me'er: > I. Osten 1 Min. 11 Sek., 2. Sübcn 1 Min. 11% Sek., 3. Neukölln 1 Mm. Behagliche Stimmung verbreitet ein sorgfältig bereiteter Morgenkaffee. 2)ie 3ugabe von Webers Qarhhader Xcffeegewurz macht ihn besonders wohlschmeckend und bekomm/ich und verleiht ihm den vielgerühmten, goldbraunen Jon. Verlangen Sie die Würfelpackung mit der Krone. Mi jCo!, öjj.-vw. mnw. 1810 aji. W/Äv/ Leciierrin-Tabletten zur Krällpng(iar Nerven und zur Eriiöiiung der Leliensenergie, zur Erlangung von Körper- und öeistesfrische sowie Wohlbehagen. 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Bcrliclilntcn Theater I. d. Röniggratz.Str. ;30: Manon Lescant (Orska, Janssen. Blldt, Riemann, Brandl Picha, Kehkopl, v. Twardowski, Appell. Klupp) Sonnt. Hldalla Mo.: Manon Lescant Dienst. Hldalla Komödienhans läglic i 7.30 Uhr: Die Fahrt ins Blaue (OIlssner,Richard Eagl, Prdckl, S;ieda) Berliner Theat Täglich Uhr.• tyrinseffin Qätäi FritziMassarvac. Ralph Arthur Roberts. Pepi Zampa, Hb. Kipei | Dir. Jam. Klein' Die große Revue Cintral-Theator 'i,v.: Cetoklivmäde! OeütschesOpernhaus 5",u.:Parsifa! Friedr. V«'ilhelmst. Th s unr: Ämeriesu Girl Intimes Theater U: lilc Spelunke Lauf doch nicht immer nackt herum Klein. Schauspielhaus fc! 51 lI- Thealer uL iir. Jam. Klein Die Sensaücn Berlins Keine Eiilmc der Welt bietet solche Praehtsus- statt.ularii.h: Theat a. Kottb.Tor Tä«I.7>„Stfl.3: Elite-Sänger Soi nob nbS'ij: Kindrr-Märch.» Vorst Lung »Schnee» wittcl-.en" Kieme Preise! ,V'ax Lauda Bruno Kastner Sascha Gura Wilh. Hartstein Franz GroS P.WesterniEyer L. 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Mhnzktratze 24, M, stattfindenden ordenS- 1 i Ii che» WWZ-giWg \ aerden HIr:m!tdie Herren Vertreter dee Arbeitgeber und Arbeüuefjtner ein geladen. Tagesordnung: I. A-ahl des AusIchMses ;rit Prlilung der Rechlfing ilir 1921. 2. K-Ütegnng den Brncn- Ichicges für 1922. !>. SntningSiindcr»nqen der M 19. 27 und SO. 4 Veesdnedenes. -Berlin, d. 17 Roo 1921. Ber Boeflaith. S5J. Üdnrsche, Borsij! ender. F Hcmnmt. Echrütmhrer. Anfragen und B?> läneei den. welche die Zt»» fld.l in die Akten der ftafle erforderlich machen, find(niliflten? bis«ttm 21 Raaembrr im Kasten- Ird-v'christlich elnut» reichen IS!0 SSmeMkA i.U. E. G. tu. b. H. Einladung zur(öeneraloersammlung am Msntag. den 58. Slo» vember aoen&s 0 Uhr. in der Aula der ST. Genn indezchute, TU- siter Etr. 4. Tagesordnung: 1. Beriesung des Protokolls d.räAfs Mareago und schwarz, beste Maß-Qualität OÖTift IrälClIllS 1300, 1290, 1000®"Uz w ireiiÄtisc Silb.-, Zobel-, Ataskaföchse, Wölke seltene Prachtexemplare Sport- u. 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