Hr. 547 ♦ ZS. Jahrgang flusgade Ä Nr. 271 Bezugspreis t BierteljII,i±3S.- M.. monatl. 13,— 5*. frei ins Saus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich 12,- M. einschl. gu- stellungsgediihr. Unter Kreuildand tllr DeutsUiland, Dan) g. das Saar» und Memelflediet. sowie die ehemals beut- scheu Gebiete Polens, Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 22,— M,. für das übrige Ausland 22,— M. Poft- bcstellungcn nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tschecho- Slowalei. Däne- mari. Polland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der.Vorwärts" mit der Sonntags- beilage.Boll und Zeit" der Unter- haitungsdeilage �eimwelt" und der Beilage.Siedlung und Zlleingarien" erscheint wochenläglich zweimal. Sonn- tag» und Montags einmal. Telegramm-Adresse: aSozialOemotcol vcrlln» Abend Ansgabe Bcrltucr Volkslilatt Anzeigenpreis: Die zehngespallenr Nonpareillezeile lostet 7,— M..Slein« Anzeigen- da» ietlgedruckle Morl 8,— M.> zulässig zwei settgedruckte Wvrtel, jedes wellere Wort I.K) M. Stellengesuche und Echiasstellenanzeigen das erste Wort I da M„ irdes wettere Wort t,— M. Worte über IS Puchstaben zählen für zwei Worte. gamllien-An- zeigen sür Abonnenten Zelle 4.— Sil Die Preise verstehen(ich einschliehlich Teuerungszuschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 41/, Uhr nachmittag« im. Hauptgeichäst, Berlin CW K8, Linden» strahe ä, abgegeben werden. Geässne von S Uhr jrüh bis d Uhr abends Zentralorgan der rozialdemokratlfchen parte! Deutfchlands Reüaktton und Expedition: CW öS, Lindenstr. Z Redaktion ivlorinpla» i>7 z>cr,i,prrnier. Morinvlat- ,I7S»-Sj Die fehlenden Milliarden. Washington, 19. Aovember.(TP.) Die„Chicago Iri- hune" erfährt, daß die amerikanische Regierung der Ansicht ist, daß die von den Alliierten von Deutschland gesorderten Zahlungen zu hoch sind und daß Frankreich und Italien in eine Ermäßigung einwilligen müßten. Die amerikanische Regierung sei der Ansicht, daß die Zahlung, die Deutschland am IS. Ianuar zu leisten habe, vielleicht den Bankerott Deutschlands ver- Ursachen würde. Basel, 19. November.(EP.) Der Berliner Vertreter der „Baseler Nachrichten" will über die Ergebnisse der Berliner Ver» Handlungen mit der Reparationskommission aus sicherer Quelle erfahren haben, daß die Zahlungen von Deutschland am IS. Januar voll und ganz geleistet werden müßten, damit aber sei es nicht ausgeschlossen, daß Deutschland sür weitere Zahlung einen Ausschub erhatte. Wenn die Kommission auch nicht im Zweifel sei über den Zustand der deutschen Zahlungsfähigkeit, so habe sie doch den Eindruck gewonnen, daß Deutschland die nächste Zahlung von 500 Millionen Goldmark leisten könne. Zu dieser Ueberzeugung habe auch der Beschluß der deutschen Industrie beigetragen, aus dem die Reparationskommission glaubte ersehen zu können, daß die deutsche Industrie über die zur Zahlung notwendigen Mittel verfüge. Allerdings wurde die Re» paralionskommission in den Berhandlungen von deutscher Seite daraus aufmerksam gemacht, daß auch die deutsche Industrie die Mittel nicht ohne große Anleihen im Auslande aufbringen könne. In der Kommission herrsche die Ansicht, daß man in den gegen. wärtigen Kamps mit den Bedingungen der Industrie nicht eingreifen dürfe, sondern die Dinge ruhig ausreisen lassen müsse. Man sei sich vollständig im klaren darüber, daß mit der nächsten Zahlung am 15. Januar die Finanzkräfte Deutschlands erschöpft seien, selbst wenn die Industrie die Anleihen bekäme. Es sei daher die ch o f f n u n g nicht von der chand zu weisen, daß nach dieser Zahlung Deutschland ein A u s s ch u b gewährt werde. Die englischen und italienischen Mitglieder der Kommisston treten dafür ein. Einspruch gegen Ferftörungsbefehle. Die Telunion meldet, daß dem Botschafter Dr. Mayer eine Protestnote an die Entente wegen der Dieselmotoren zugegangen ist, in der es heißt:„Wenn die Kommission das Recht für sich in Anspruch nimmt, die Herstellung eines bestimmten Maschinentyps zu untersagen, besten Verwendbarkeit für friedliche Zwecke u n b e. stritten ist, so liegt darin eine offenbare Ueberschceilung ihrer Befugnisse. Sie verläßt das ihr einzig und allein zugewiesene Feld der Ab- rüstungstontrolle und übernimmt es, in öie wirtschaftliche Be- tätigung und Entwicklung Deutschlands auf das empfindlichste ein- zugreifen. Sie will einen Fabrikationszweig der deutschen Industrie unterbinden, der weit In die Borkriegszeit zurückreicht, der wohl, wie viele andere, während des Krieges überwiegend in besten Dienst gestellt worden ist. der aber seine natürliche Bedeutung auf dem Gebiete der Friedenswirtschaft hat und immer haben wird. Nach alledem sieht sich die deutsche Regierung In der Lage, der Forderung der Kontrollkommission Folge zu geben. Sie kann auch nicht anerkennen, daß in der Weigerung der Marine-Friedens- tommission eine Verletzung des Ultimatums zu finden ist, und bittet aus Gründen des Rechts und der Gerechtigkeit, vor allem aber auch mit Rüsicht auf die in der Anlage erörterten wirtschaftlichen Momente die Botschafterkonferenz, die in ihrer Note vom 19. No- vember 1920 gerade im Zusammenhang mit der Dieselmotorenfrage und in zutreffender Würdigung ihrer Bedeutung erklärt hat, daß sie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands keineswegs beeinträchtigen wolle, die Kommission anzuweisen, von ihrem Der- langen A b st a n d zu nehmen. Hamburg. 19. November.(TU.) Der französische Transporter „Loiret". der feit 1� Wochen im Kieler Hafen liegt, um dort ab zu- liefernde Munition und Kriegsmaterial zu laden, wird am Montag im Hamburger Hafen eintreffen, um hier haken- Material aufzunehmen, das gleichfalls abzuliefern ist. Verschiebung üer Lanüabrüftung. W a s h i a g k o n. 19. November.(EE.) Hughes hat für Rlon- tag vormiltag 11 Uhr eine Vollsitzung einberufen. Man glaubt, daß Brland in dieser Sitzung den Standpunkt Frankreichs in der Frage der Landrüflungcn darlegen wird. Irgendeine andere Frage wird kaum besprochen werden, denn weder die Kommission für die Ab- rüstung noch die für die chinesische Frage wird bis dahin ihren De- eicht fertiggestellt haben. harding erhielt vom Papst ein Telegramm, in dem dieser der Hoffnung Ausdruck gibt, die Inilialive hardings im Interesse des Weltfriedens werde von Erfolg gekrönt fein. Paris. 19. November.(EE.) Dem„New Park herald" wird aus Washington gedrahtet: Die Besprechung der Frage der Landab- rüstung ist dadurch veranlaßt worden, daß man mit der Möglichkeit neuer Gewaltmaßnahmen der Alliierten gegen Deutschland i rechnet, um dessen Entschädigungszahlungen einzutreiben. Man er- j klärt, daß Frankreich, damit es seine heeresstärke vermindern könne, Sicherheiten gegeben werden müßten: allerdings wollen die Ber- ! einigten Staaten von einem Bündnis mit Frankreich und Eng- ! land nichts wissen. Man glaubt, daß die Lage in Europa und in ' Ostasien in einem Jahre eine solche Klärung erfahren haben wird, � daß dann auch andere Fragen ihre Erledigung finden könnten. i Jedenfalls würden Abmachungen über die Beschränkung der See- i rüstungen auch ein Ansporn sür Abmachungen zu einer Beschrän- kung der Landrüslungen sein. Wenn hiermit auch die Frage der Landrüstungen im gegenwärtigen Augenblick von der Konferenz nicht geregelt wird, so wünscht man in Washington doch, daß die Frage der Verwendung von Flammenwerfern, giftigen Gasen und der Flugzetigangriffe auf offene Städte gelöst werde. Man glaubt, daß die Konferenz im ganzen zu vier Schlußfolgerungen gelangen werde: 1. Abmachungen über die Beschränkung der Scerüstungen werden zweifellos getroffen und unterzeichnet werden und sie sollen so schnell wie möglich vom amerikanischen Senat bestätigt werden. 2. Es wird eine A r t Abmachung hinsichtlich Chinas zustande kommen, worin alle Mächte freiwillig auf ihre Rechte in China ver- zichten und der Politik der offenen Tür zustimmen. Abmachungen über die Landrüstungen werden nicht getroffen werden. Dieser Punkt soll erst im nächsten Jahre behandelt werden, wenn sich die Welt im allgemeinen beruhigt habe. Dahingegen sollen Abmachungen über die Verwendung giftiger Gase, Flammen- werfer, Angriffe von U-Booten auf unbewaffnete Handelsschiffe und Luftangriffe auf unbefestigte Städte getroffen werden. Washington, 19. November.(EP.) Das amerikanische Kabinett hat sich am Freitag mit der Einstellung von Schiffsbauten in Eng- land befaßt. Das Kabinett hat beschlosten, daß Amerika diesem Bei- spiel nicht folgen könne, da es sich in England nicht um pro- grammäßig vorgesehene Schiffe gehandelt hätte, wie dies gegen- wärtig bei den im Bau befindlichen Schiffen in Amerika der Fall fei. Die üeutsch-polniscben verhanölunqen. Genf, 18. November.(WTD.) Alt-Dundesrak Calonder, der vom DSlkerbundral mit der Führung der deulsch-polnischcn vcrhand- lungen über Oberschlcsien betraut worden ist, hat der deutschen und der polnischen Regierung mitgeteilt, daß die Verhandlungen ani 23. November. 11 Uhr vormittags, in Genf erössnel werden sollen. Bundesrat Dr. jur. Felix Ludwig Calonder, ein Rätoromane, hat in Zürich, München. Bern, Paris und London studiert und war dann Rechtsanwalt in Chur. Als Führer der Liberalen zog er 1899 in den Ständerat, 191Z, fünfzigjährig, in den Bundesrat ein. Als Nachfolger Adors war er 1918 schweizerischer Bundespräsident. Nach Ablauf seiner Präsidentschaft hatte er bis Ende 1919 die Leitung des polnischen Departements, seitdem die des Iustizdepartements inne. Ende 1920 trat er vom Amt zurück. Sein Rücktrittsgesuch begründete er mit seinem erschütterten Ge- sundheitszusta�d. In eingeweihten Kreisen nahm man, wie die „Boss. Ztg." berichtet, allerdings an, daß Calonder, der in Paris mit Wilson und Clemenceau wegen des Eintritts der Schweiz in den Völkerbund verhandelt hatte, von diesen Zusicherungen über die Anerkennung der dauernden Neutralität der Schweiz mit nach Hause gebracht hatte, an die man sich nachher nicht mehr gebunden fühlte. Calonder hat seinerzeit mit einer Unter- suchung über die schweizerische Neutralität den juristischen Doktorgrad erworben. Calonders volkswirtschaftliche Kenntnisse werden allyc- mein gerühmt. Berechnetes Kompliment. Genf, 18. November.(WTB.) Die polnische Regierung hat Calonder ihre aufrichtige Genugtuung ausgesprochen, daß zur Be- wältigung der schwierigen Aufgabe der Führung der deutsch. polni- schen Verhandlungen eine s o hervorragende, und zuständige Persön- lichkeit ernannt worden sei. Genf, 13. November.(WTB.) Der deutschösterreichische Rc- gierungsoertreter bei der Internationalen Arbeitskonfcrenz Dr. L e d e r er hat dem Sekretär des Völkerbundes ein Schreiben über- reicht, in dem er das Völkerbundsekretariat einlädt, die Frage der Ueberstedlung nach Wien zu prüfen. Er betonte, daß Deutsch- österreich alles tun werde, um dem Sekretariat, dem Internationalen Arbeitsamt und der Välkerbundverfammlung Gebäude zur Ver- fügung zu stellen, die allen Ansprüchen gerecht werden. Die Deftattung üer Kafciftenopfer. Rom. 19. November.(Intel.) Die Bestattung der Opfer der Foscistenunruhen wurde zu einer Demonstration, wie sie Rom bisher kaum gesehen hat. Etwa hunderttausend Personen nahmen an dem Leichenzuge teil, der sich durch die Hauptstraßen der Stadt bewegte, i Zu Zwischenfällen ist es nirgends gekommen. Nordamerikas Geschäftsträger. Der Senat hat die Ernennung Cllis Loring Dresels zum Geschäftsträger der Vereinigten Staaten in Berlin bestätigt.— Der amerikanische Botschafter in London, horley. stattet« dem deutschen Botschafter Sthamer den ersten offiziellen Besuch ab.> vonoärts�verlag G.m.b.H., CW d8, Lindenstr. 3 Srrtrfisurrrf»«-!-• Verlag. Vxprdition und Inseraten- .„dtetluna Moriyplatz Il7»»-S4 Michaelis' Memoiren. Die päpstliche Friedensaktio« und das kaiserliche Narrentheater. Jener Georg Michaelis, der im. Kriegsjahre 1917 drei Monate lang Reichskanzler war, hat nun gleichfalls seine, Lebenserinnerungen erscheinen lassen.(Georg Michaelis. Für Staat und Volk. Eine Lebensgeschichte. Erschienen im Furche- Verlag, Verlin.) Man begreift das Bedürfnis dieses Mannes, sich zu rechtfertigen, denn zu dem umgekehrten Ruhm, den er genießt, ist er wirklich ganz unschuldig gekommen. Es war eine Grausamkeit des Schicksals, gerade ihn mit seinem„W i e ich es auffasse" als die' komische Figur der deutschen Tragödie hinzustellen, wo doch die meisten seiner Kollegen aus den preußischen Amtsstuben, aus demselben holz geschnitzt wte er, an dieselbe Stelle gesetzt, genau dieselbe Rolle gespielt hätten. Aber, wie kam man auf den Gedanken, diesen Mann zum Reichskanzler zu machen, und wie konnte er selbst so verblendet sein, das Amt anzunehmen,-zu dem ihm alles fehlte? Die erste Frage läßt auch seine Selbstbiographie unbeantwortet, die zweite erfährt eine ziemlich überraschende Aufklärung. Schuld daran trägt nämlich ein Bibelvers, delc an jenem Tage, dem 13. Juli 1917, gerade in Michaelis' Kalender stand. Michaelis erzählt: Das war die schwerste Stunde meines Lebens. Kein Mensch war da, aber Gott war bei mir: in den Losungen der Brüder- gemeinde, die mir wie Tausenden einen täglichen Geleitspruch auf die Lebensfahrt geben, stand für dcn Tag Vers 9 aus dem ersten Kapitel des Buches Iosua:„Siehe, ich habe dir geboten, daß du getrost und freudig seiest. Laß dir nicht grauen, und entsetze dich nicht: denn der 5)err, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.", Ich war auf den Desuch des Abgesandten des Kaisers gerüstet. Wir müssen es den Theologen überlassen, zu untersuchen. ob das noch evangelische Frömmigkeit oder schon krasser Aber- glaube ist. Für die Geschichte steht jetzt jedenfalls so viel fest: Wer am 13. Juli 1917 Reichskanzler wurde, das hing von dem Vibelvers ab, der an diesem Tage in den Losungen der Brüder- gemeinde stand. Run wollte es das Verhängnis, daß gerade diese Zeit, in der Deutschland diesen Kanzler hatte, eine Zeit der F r i e- densmöglichkeiten war. Bethmann wenigstens war gegen Ende feines Lebens fest davon überzeugt, daß er es da- mals geschafft haben würde, wenn ihn Ludendorff nicht zuvor gestürzt hätte. Damals spielte die Friedensaktion des P a p st e s, die in ihren Hauptzügen ja schon bekannt ist, über die man aber von Michaelis noch manches Nähere erfährt. Am 5. September 1917 ging in Berlin das Schreiben des Nuntius P a c e l l i ein, das„eine bestimmte Erklärung über die Absichten der kaiserlichen Regierung bezüglich der v o l le n Unabhängigkeit Belgiens und der Entschädigung für den in Belgien durch den Krieg verursachten Schaden" forderte. Beigelegt war eine Antwort der englischen Regie- rung auf den zuvor unternommenen päpstlichen Friedens- schritt, die in der Uebersetzung aus dem Französischen folgen- den Wortlaut hat: Wir haben noch keine Gelegenheit gehabt, unsere Alliierten über die Angelegenheit der Note Sr. Heiligkeit zurate zu ziehen, und sind auch nicht in der Lage, uns über die Antwort auszusprechen, die aus die Borschläge Sr. Heiligkeit zu geben ist, betreffend die. Bcdingun- gen, die einen dauernden Frieden sichern könnten. Nach unserer Mci- nung ist kein Anfangsschritt zu diesem Ziele wahrscheinlich, solange die Mittelmächte und ihre Verbündeten sich nicht offiziell über die Ziele geäußert haben, die sie mit dem Kriege verfolgen, sowie über d i e Wiederherstellungen und Wiedergutmachungen, die sie zu leisten bereit sind, und über die Mittel, die fürder die Welt vor der Wiederkehr der Greuel, unter denen sie jetzt leidet, sichern könnten Selbst über Belgien— und in diesem Punkt hoben jene Mächie ihr Unrecht anerkannt—(Eine Anspielung aus Vethmanns bekannte Erklärung vom 4. August 1914. Red. d.„25.".) haben wir niemals eine genaue Erklärung kennengelernt bezüglich ihrer Absicht, seine volle Unabhängigkeit wiederherzustellen und die Schäden wieder gut- zumachen, die sie ihm zugefügt haben. Seine Eminenz hat Zweifel- los die Erklärungen nicht aus dem Auge verloren, die die Alliierten in Beantwortung der Note des Präsidenten Wilson abgegeben haben. Weder von Oesterreich noch von Deutschland hat es jemals eine gleich- wertige Erklärung gegeben. Ein versuch, die Kriegführenden in Uebercinstimmung miteinander zu bringen, würde unnütz erscheinen, solange wir die Punkte der Gegensätzlichkeit nicht genau kennen. Am 9. September kam Wilhelm II. nach Verlin zurück, für den 11. wurde in Schloß Bellevue ein Kronrat festgesetzt. In der Nacht vom 19. zum 11. schickte Wilhelm dem Reichs- kanzler ein Erpos�, in dem er seine ursprüngliche Bereitschaft, auf den englischen Friedensfühler einzugehen, widerrief. Michaelis nimmt an, der Kaiser sei von der Marine wieder umgestimmt worden. Dieser schrieb, er habe in den Iahren 13/16 der Marine gegenüber den Standpunkt betont, der Kampf gehe um Flanderns Küste. Wenn dieses Kampfziel verloren gehe, würde es heißen:»Skagerrak um» sonst!" Wenigstens Zeebrugge müsse„in Pacht" genommen werden.„Der Brief", sagt Michaelis,„warf, wenn er eine wirkliche Umschwenkung bedeutete, unsere Politik über den Haufen." Im Kronrat gaben Hindenburg und Luden- dorff die flandrische Küste preis, Holtzendorff kämpfte für sie hartnäckig. Der Kaiser meinte, das Neue der Lage sei, daß e i n p o s i- tiver Friedensvorschlag vorliege. Wenn England jetzt komme, so gebe es seine Partie verloren.(!) Der Hauptzivang liege im U-Boot-Krieg. England arbeite mit dem Rechenstift und wisse genau,„bis wohin der Strich gehe". Der fei jetzt erreicht. Die Engländer fürchteten den Ein- fluß von Amerika(!), die Franzosen erhofften dagegen von den Amerikanern, daß sie die Engländer aus Frankreich herauswerfen würden.(!') Früher habe er der Ansicht Falkenhayns zugestimmt: Annexion Bel- giens bis zur Nordsee. Heute sei er anderer Meinung: die Annexion sei bedenklich im deutschen Interesse, der Kardinal H a r t m a n n habe dringend von ihr abgeraten unter Hinweis auf den gefährlichen belgischen Klerus. Belgien könne also wiederhergestellt werden, der belgische König könne wiederkommen. Aber Zeebriigge dürfe nicht in englische Hand fallen, die Flamensrage müsse gelöst werden. Für die auf- gegebene Position in der Nordsee müßten B a l o n a und K o r f u als deutsche Flottenstützpunkte im Mittelmeer her- gegeben werden. Auch„die Lütticher Frage" sei zwischen Deutschland und Belgien zu regeln. Auch gegen jede Abrüstung, womit damals die a l l g e- meine gemeint war, hatte Wilhelm Bedenken.„Darauf kann sich kein König von Preußen oder Kaiser einlassen." Dieser Wortstrudel wurde voin Kronrat nicht etwa, wie sich erwarten ließe, mit Gelächter aufgenommen. Niemand klärte Wilhelm ist. darüber auf. daß alles, was er daherredete, Unsinn war. Dabei war, wie man sieht, die OHL. damals leidlich ver- nünftig. Denn sie hatte, wie aus den Memoiren Michaelis' hervorgeht, schon damals die Hoffnung auf einen„Siegfrieden" aufgegeben. Michaelis schreibt nämlich: Dazu(zu sonstigen Bedenken gegen übertriebene Kriegsziele. Red. d.„V.".) kam, daß bei meinem Besuch an der Westfront zu Ende August 1317 die sämtlichen Heerführer überein- st i m m e n d sagten, wenn ich bald einen ehrenvollen Frieden zu- stände bringen könnte, sollte ich mich nicht durch Forderungen, die von anderer Seite nach der flandrischen Küste und Longwy-Briey erhoben würden, beeinflussen lassen. Die Fron! hielte Zwar, dafür ständen sie gut, aber sie hätten nicht genug Leute. Die ZNannschosten kämen nie zur Ruhe, und die Nerven hielten nicht mehr so stand wie früher. Also schon damals! Und trotz alledem— Dolchstoß. Aus den Denkwürdigkeiten des Herrn Michaelis geht nicht hervor, daß'von irgendeiner Seite der Versuch gemacht worden sei, Wilhelm aus den Wolken seiner Phantasie herab- zuholcn. Was aber bei einer solchen maßgebenden Einstellung der deutschen Politik aus jener Friedensaktion und aus jeder anderen werden mußte, ist klar. Nachdem Bochmann das„Unrecht an Belgien" vor aller Welt zugegeben und seine Wiedergutmachung nach dem Kriege angekündigt hatte, wollte man ganz Belgien annektieren. Diese Annexionspläne wurden dann je nach der Kriegslage aufrecht» erhalten oder eingeschränkt, aber niemals ganz aufgegeben. Nicht bloß dieser Michaelis war vom Schicksal zur komischen Figur auserkoren, die ganze deutsche„Politik", für die Millio- nen bluteten, war ein Narrentheater. Bis es ein Ende mit Schrecken nahm... Wilhelm wollte den Reichstag wegjagen. In seinen Memoiren erzählt M i ch a e l i s u. a. noch fol- gendes: ... Eo schrieb der Kaiser einmal auf einen ihm vorgelegten Ausschnitt aus dem„Borwärts", in welchem unter der Ueber- fchrift„Die alldeutsche Agitation im Heere. Ein schlllbmer Tag für die Regierung" gegen den Kriegsminister und mich zu Felde gezogen „Pdlflon* von Paul Sauöisth. Sonderausführung im Necken Volkstheater. Der Dichter Baudisch ist ein Moralist. Zum Glück überwiegt aöer die Freude am dichterischen Wert die Achtung vor der Predigt. Durch diesen Zug zum Blühenden, durch diese Vertiefung in das wirklich Tönende unterscheidet sich Baudisch von seinen jungen Zeit- genossen. Ihm hängt die moralische Phrase, die sich so häufig des abgebrauchten Ausdrucks bedient, nicht an. Während er ein Stück seines sittlichen Willens erfüllen möchte, sucht er nach dem poetischen Bilde. Und er findet eine Sprache, die sich einprägt. Seine Sprache schlägt die Dinge nicht tot, weil sie von vornherein zu massiv über die Lcbensdinge fällt. Er kann den Feingehalt des Wortes unter- scheiden, und die Behutsamkeit des Abwägens gehört in seinen Stil. Das ist also nicht Expressionismus, sondern ein Talent, das mehr ver- heißt. Denn vorläufig verheißt Baudisch mancherlei, ohne vieles zu erfüllen. Seine Gedanken sind abhängiger als seine formende Kraft. Er hält zu dem Ginnbild des guten Menschen, der als verkapp- ter Jesus über die Erde geht.. Doch dieser Jesus, der sich als Land- streicher gebärdet, wird nicht als edelster Sohn von Gott geliebt. Er stiehlt, er zerstört Ehen, er reißt die kritiklose Jugend durch unlautere Verführung an sich. Er nennt sich Jesus, ist aber ein vermummter Vagabund. Und in diesen Landstreicher legt ein harmloser, die Er- lösung ersehnender, unreifer Jüngling all seinen Traumglauben hinein. Cr glaubt, daß dieser falsche Jesus der rechte sei. Er, der Thomas heißt, wie der Ungläubige und Bekehrte der Bibel, klammert sich an den Vagabunden,, der sich für Christus ausgab. Was der Landstreicher auch verschulden mag, Entehrung der Jungfrau, Ehe- bruch, Diebstahl, der Gläubige meint immer, daß diese Missetaten nur Stationen zur höchsten Sittenläuterung feien. Thomas weiht alle Missetat aus sich selber. Daß er sie verkennt und verherrlicht, ist seine Passion, die mit dem Tode endigt. So schuf der Dichter das Absolute des Moralischen gegen das verhängnisvoll Entschwebende und nur Aeuherliche. Die acht Bilder zeigen den Gläubigen, der Dater und Mutter verläßt, um dem Schuldigen nachzugehen. Beim Nervenarzt im Dirnenhaus, im Ge- fängnis, im Spital— Stationen einer Passion, die nicht vergessen werden. Baudisch könnte ein wirklichkeitsgetreuer Dramatiker wer- den, wenn er sich dem freien Spiel der Einbildung vertrauensvoller überlieferte. Daß er es nicht tat, ist zum Teil der auf Vereinfachung zielende Stilwille, es ist zum Teil aber auch Schwäche, Jugend, Un- reife. Doch seine Jugend zeigt hundert Keime, die gesund sind. Bernhard Reich, den Maxim Frey, der Bühnenbaumeister, unterstützt, hat die Regie dieses halben Wirklichkeitsstückes, dem die Realistik immer wieder eingesät ist, zu finden. Wenn er die Schau- spieler mehr dämpfte, würde er das Richtigere treffen. Es scheint, daß die Moralitäten der Possionsbilder nicht der alltäglichen Beta- nung bedürfen. Man könnte alle» noch mehr von innen heraus wurde:„Demnächst wird der Relchslag weggejagt werde» müssen und die Führer wegen Hochverrats vor das Kriegsgericht kommen, denn es ist Krieg." Michaelis fetzt ausführlich auseinander, daß das nicht ernst gewesen sei. Denn der Kaiser war„von jugendlicher Lebhaftigkeit der Empfindung usw.". Also, eine �cindbemer- kung mehr. Randkarikaturen zur Weltgeschichte! Die Industrie fordert weiter... Der Ausschuß des Reichsverbandes der In- d u st r i e hat sich mit einem neuen Schreiben an die Regierung gewandt, das heute vormittag beim Reichs- kanzler eingelaufen ist. Der Ausschuß hält seine Bereitwillig- . keit, die Kredithilfe zu organisieren, aufrecht, besteht aber ebenfalls auf der Durchführung seiner Eisenbahnoor- schlüge. Am Dienstag wird der Reichskanzler Vertreter der Gewerkschaften zur Besprechung des von ihnen aufgestellten Steuerprogramms empfangen. Wie die schwerindustrielle Scherl-Presse zu verraten weiß, ist Hugo Stinnes auf der Reife nach London, um mit Lloyd Georg« über Deutschlands Wirtschaftslage zu verhandeln. Nach dem Erfolg, den Stinnes in Spa zu verzeichnen hatte» kann man neugierig fein auf die Erfolge, die ihm in London blühen. Man fragt sich aber in Deutschland auch, von wem Stinnes autorisiert sei, mit der englischen Regierung über die deutsche Wirtschaftslage zu verhandeln? Das Problem des Eisenbahnelends. Unter obiger Ueberschrift wendet sich der Mitarbeiter Bismarcks bei der Verstaatlichung der Eisenbahnen, der Wirkl. Geh. Rat H. K i r ch h o f f. Im»Leipziger Tageblatt" vom 18. No- vember gegen die Entstaatlichung der Eisenbahn. Kirchhoff sagt, daß der Krankheitskeim während des Weltkrieges in das deutsche Eisenbahnwesen gelegt worden ist. Es war falsch, ohne Finanzreserven in den Weltkrieg zu gehen und alle für die Kriegszwecke gewünschten Anforderungen zu den niedrigsten Mili- tärtarifen zu erfüllen. Als der damalige Leiter der Reichseifen- bahnen auf Betriebsoereinfachung und Kräfteschonung aufmerksam gemacht wurde, gab er kurz die abweisende Antwort:„So etwa» macht das größte Unternehmen der Welt nicht!" Anstatt nach dem Kriege dem Reich« die Kriegsoerpflichtung auf- zuerlegen, das zerfahrene Gestänge und den Fuhrpark wieder herzustellen, bekamen die Staatsbahnländer A b- f i n d u n g e n von ungefähr 45 Milliarden, so daß von einer Sa- nierung der Reichsbahn überhaupt nicht mehr gesprochen werden konnte. Die hereingebrochene Katastrophe ist das Fazit aller vorher- gegangenen Fehler und Ueberlastungen und der Valutaentwertung. Kirchhoff wendet sich auch gegen Breitenbach und ist der Ansicht, daß der Plan der Vollsitzung des Sachverftändigen-Leirats für die Einführung des privatwirtschaftlichen Systems im Rahmen des Reichsunternehmens keineswegs„äußerer Firniß", sondern ein ernstes Sanierungsproblem fei, das aufs ganze gehe. Wittelsbach isoliert. München, 13. November.(Eigener Drahtbericht.) In der gestrigen Sitzung des bayerischen Landtage» fiel auf, daß sich auch ein Teil der bäuerlrchen Parteien und insbeson- der« der Bayerische Bauernbund gegendieKundgebungdes Exkronprinzen Rupprecht wandten und aufforderten, sich doch endlich mit der Republik abzufinden. Bei der Auseinander- fetzung über die Abfindung des Königshauses prallten die Gegensätze scharf aufeinander. Selbst der Finanzminister gab zu, daß die Regierung sichkeinesfallrmitdenForderun. gen der Wittelsbacher einverstanden erklären kann. Der Sprecher der Sozialdemokratie trat auch mit Schärfe gegen den „N o t b a n n" auf, in dem unsere bayerischen Parteigenossen lediglich eine neue Streikbrecherorganisation erblicken. Lerchenfeld rechtfertigt sich. München, 13. November.(Eigener Drahtbericht.) In der gestrigen Haushaltdebatte des bayerischen Landtages sah sich der Ministerpräsident Graf Lerchenfeld in den späten Abendstunden ver- anlaßt, sich gegen die Angriffe der sozialistischen Presse und der bayerischen Justizverwaltung zu rechtfertigen. Graf Lerchenfeld bespielen, leiser, sogar unbeteiligter und nicht mit Mitteln eines Theater- brauches, der sich an handfestere Begebnisse anlehnt. Hört man die Schauspieler des Wertes, die beiden Jünglinge besonders, den fieberisch glühenden, rhetorisch begabten Carl Ludwig A ch a z, den etwas plumpen Peter I h l e, sprechen, so freut man sich über die Wortkraft des Dichters. Ja, er ist schon mehr als«in Echo seiner Zeitgenossen. Die Gedanken, die er borgt, empfangen schon Körperlichkeit und Sinnbildlichkeit. Hat er die Worte aus dem Munde der Frauen zu lösen, hat er das Bekenntnis, das ihn selber sticht, zu objektivieren, dann wird er matter. Die Jungfrau, von Fräulein Könitz als ein saftiges Landmädchen gespielt, wird mar- littmäßig. Die Ehebrecherin, die Fräulein Porsen mit Schlauheit und einer leisen Teufelei ausstattet, wird kaum in ihren Seelen- instinkten entlarvt. Bläßliche, trockene, schablonenhafte Frauen- geschöpfe, aber Jünglinge, vor denen sich die Andacht öffnet. Das Drama wurde eben noch aus der lyrischen Hitze gedichtet. Jugend. die sich im Aeußeren besänftigen wird, um innerlich von Gedanken- Überlieferung und Formgebräuchen frei zu werden. Max Hochdorf. Die Buchausgabe der„Passion" erschien im Verlag von Paul Kämmerer, Dresden. Hygiene als Volksschulfach. Wenn wir wirklich das dem ge- samten Volke so dringend notwendige Wissen der Grundzllge der Hygiene und damit der Verhütung der Krankheiten der Allgemeinheit zugänglich machen wollen, dürfen wir einmal vor einem gewissen Zwange nicht zurückschrecken: zum andern müssen wir von unten anfangen. Mit anderen Worten: schon in den höheren Klassen der Volksschule müssen die Grundprinzipien der Hygiene dem heran- wachsenden Geschlecht, der Zukunft unseres Volkes, gelehrt, in Fleisch und Blut eingeimpft werden. Die Eltern müssen wir so durch die Kinder zu gewinnen suchen. Man wird einwenden, daß der Schulplan schon an und für sich mit einer Menge von Stoff belastet sei: demgegenüber erwidern wir, daß, wo ein Wille, auch ein Weg ist, um so" mehr, als ja wenige Wochenstunden genügen dürften. Unsere Kindcr lernen ja auch Naturgeschichte von Pflanzen und Tieren: was ist naheliegender, als daß sie auch die Gesetze ihres eigenen Körpers gelehrt bekommen? Schwieriger scheint die Frage des Lehrers zu fein. Hierfür scheint nun weniger der Theoretiker als vielmehr der praktische Arzt die geeignete Persönlichkeit zu sein, sei es nun, daß er seine Vorträge den zukünftigen Lehrern hält oder direkt in der Schule sich an die Kinder wendet. Nicht spielend soll das Volt da und dort ein Stück halb- oder gar mißverstandenen i�-ienischen Wissens in sich aufnehmen, sondern es soll in seiner Gesamtheit durät eine ernsthafte Schule gehen, um sein kostbarstes äußeres Gut, die Volksgefundheit, zy bewahren oder neu zu erringen. Or. R. Wedekinds„hidalla" erfährt im„Theater in der König. grätzer Straße"«ine Neubelebung. In der Zelt des„Reigen". Prozesses umwtUern die groteske Tragikomödie dre merkwürdigsten isprach die Klagen, die gegenüber Nkederschönenfeld vor- gebracht wurden. Er behauptete, daß die Gefangenen selbst mit Schuld daran trügen für die Erschwerung des Strafvollzuges, und die Beamten feien zu bedauern, die unter solchen Elementen die Ordnung aufrecht erhalten müßten. Lerchenfeld bestreitet die Richtigkeit der Tatsache, daß der Anstaltsvorstand dem Abgeord- neten Sa u b e r gegenüber die Drohung, es werde ihm ebenso er- geben wie Gar eis, ausgesprochen habe. Lerchenfeld stützt sich bei dieser Behauptung auf. die Zeugenaussagen von zwei Beamten. Wie wir erfahren, ist die Aeußerung des Anftaltsoorstandes gegenüber Sauber von weiteren Zeugen durch das Fenster gehört worden. Der Selbstmordversuch eines der Strafgefangenen sei nicht so tragisch zu nehmen, da er seiner Ueberzeugung nach nur fingiert worden sei.(!) Der bescheidene Minister. München. 13. November.(TU.) Im bayerischen Landtage teilte der Minister des Innern mit, die Ermittelungen im Anschluß an die Ermordung des Abgeordneten Erzberger hätten ergeben, daß wohl Geheimorganisationen bestehen, keinesfalls aber nur in München oder in Bayern. Anhaltspunkte dafür, daß diese Organisationen den Sturz der Republik und die Ermordung politischer Persönlichkeiten sich zum Ziel gesetzt hätten, hätten sich bisher noch nicht ergeben. Der bayerische Innenminister ist von einer rührenden Be- scheidenheit. Daß es auch außerhalb der bayerischen Grenzen geheime Organisationen zur Beseitigung der Verfassung g bt. ist nicht ganz unbekannt. Es wird jedoch niemand von ihm verlangen, daß er sich gegen diese Organisationen wendet. Oder will er zunächst einmal abwarten, was mit den ande- r e n geschieht, um den Orgeschfrcunden in Bayern nur nicht zunahetreten zu müssen? Die Vogelstrauß-Politit hat nun oft genug Schiffbruch erlitten, so daß die verantwortlichen Stellen endlich darauf Verzicht leisten sollten, sie immer ernent in An- wendung zu bringen. Kommunistische Invaliüenfürsorge. Während der gestrigen Reichstagsberatungen über die Linde» rung der Not der Invalidenrentner übte der kommunistische Frak- tionsredner B a r tz scharfe Kritik an dem Verhalten der beiden sozialistischen Fraktionen. Cr stellte die kommunistische Fraktion wieder als die alleinige Helferin der notleidenden Invalidenrentner hin. Wenn es auch nicht möglich ist, alle kommunistischen Ver- drehungen und Entstellungen im Rahmen einer kurzen Notiz zu widerlegen, so sei doch das Folgende bemerkt: Die beiden sozialistischen Fraktionen hatten in der Kommisston Zuschüsse für die Jnvalidenrentner in Höhe von 830 M. gefordert. Der Antrag wurde von den bürgerlichen Parteien abgelehnt. Die Kommunisten nahmen an den Ausschußberawngen völlig passiv teil, ohne auch nur einen einzigen Antrag einzubringen. Im Plenum wurde der Antrag der sozialdemokratischen und der unabhängigen Reichstagsstaktion auf Gewährung von 900 M. aufs neue einge- bracht und wiederum von den bürgerlichen Parteien abgelehnt. Nun- mehr hielten die kommunistischen Invalidenfreunde ihren Augenblick für gekommen: sie machten den Antrag der beiden sozialistsschen Parteien zu ihrem eigenen, übertrumpften ihn aber, indem sie 503 M. für die Invaliden forderten. So etwas verpflichtet zu nichts, da die Aussichtslosigkeit schon vorher erprobt war, soll aber nach außen hin einen guten Eindruck machen. Die Invaliden werden des tatkräftigen Eintretens der Kommunisten für ihre Interessen dankbar gedenken!. Die Not au öer Saar. Saarbrücken, 18. November.(WTB.) Der Präsident der Re- gierungskommifsion hat an den Bürgermeister von Saarbrücken ew Schreiben gerichtet, In dem er ihn auffordert, da der Beschluß des Verwaltungsausschusses wegen der Frankenbesoldung zu Recht be- stehe, alles Erforderliche anzuordnen, damit dieser Beschluß, da die Beamten die Arbeit wieder aufgenommen haben, unverzüglich aus- geführt wird. Hinsichtlich der Angestellten und Arbeiter sehe sich der Präsident im Hinblick auf die wirtschaftlichen Folgen einer Fort- fetzung des Streiks gezwungen, die Genehmigung zur Erhöhung der Gehälter und Löhne der Angestellten und Arbeiter in Mark zu geben, überlasse aber den Stadtverordneten die volle. Verantwortung Aktualitätsreize. Aber so stark die erotischen Probleme im Border- grund stehen(wie sie das Zentrum Wedekind» sind), kein Skandal- süchtiger traut sich mehr, Anstoß daran zu nehmen. Wedekind steht lenseits von Gut und Bös«: er ist bereits ein wenig historisch ge- worden. Man kämpft nicht mehr um diesen Schönheiteopostel, der im tiefsten die tragische Seite Wedeklnds selbst unter ollen Gri- wassen und Paradoxen enchüllt. Schade, 1305. da der„Hidalla" im Kleinen Theater zuerst Aufruhr stiftete, waren doch bessere Zeiten für Wedekind und— uns. Aber alles Zeitsatirische, Karikaturenhaste, das in diesem Märtyrerstück so überreichlich steckt, ist heute so frisch denn je. Im Schieberzeitalter sind die geschäftlichen Ausbeuter, die merkantilen und ideologischen Parasiten der Idee, die Hasardierer des Geistigen(zu denen Wedekind die Umwelt des„Simpli- cissimus" die Vorbilder lieferte) mehr denn je im Schwange. Und wann waren die Mitläufer, die alles Große ihren Keinen egoistischen Bedürfnissen anpassen und korrumpieren, mehr obenauf denn heute? Ernst W e l i s ch gab der Aufführung nach berühmten Mustern (Ießners Inszenierung des„Marquis von Reith") einen irrealen imaginären Charakter. Vor schwarzem Hintergrunde steht ein ge- maltez, buntes, spielerisch-dekoratives Milieu. Die Kostüme sind phantastisch aufgeputzt, nur Hetmann ist ganz aus der Wirklichkeit. Im Schauspielhause hatte man die beiden Welten auch äußerlich ge- schieden. Der richtige Wedekindstil ist das immer noch nicht: die Mischung des Banalen und Uebcrsteigerten ist noch immer zu lösen. Besser geriet der Stil des Wortes. Freilich noch mehr Tempo, noch stärkerer Zusammenknall wäre im Geiste Wedekinds.Karl Hetmann war Ludwig H a r t a u, der„Zwergricse", massig mit Riesenbuckel, das Geniale überdeckt von plumper Körperlichkeit. In den letzten Akten wuchs er zur kraftvollen Größe heran. Aber die Erschütte- rungen, die der Schauspieler-Dilettant Wedekind auslöste, blieben aus. Die wird— scheint's— kein Berufsmäßiger erreichen, denn Wedekind gab hier fein Eigenstes, sein Letztes... Der Reigen der Karikierten bot markante Einzclleistungen. Riemanns schnoddrig- geriebener Schiebergründer Launhart, Bildts ideologischer Ham- pelmann, Dernburgs..schöner" Flachkopf Marostni, T w a r- d o w s k i s Schöngeist Brühl waren gut getroffen. Seele und Hin- gäbe verklärten Charlotte Schultz als Fanny Kettler, die einzig Getreue.— r. «rftauffubnmgen der Woche. Miltw. LuissMyau«:.H a b n e n' k a m p f— Schlogpark-Theater Steglitz:.Med- a". Nlelnes Tkicgter: .Die Liebe erwacht�. Freit. Kamnierspiele:»DerZchwierige» — Schouspielhaus Potsdam:.Dieberühmte Bande". Souuab. Lesstng-Thealer:»WennwirTotenerwachen". Urania-Vorträge. Sonntag, Dienstag, Freitag. Sonnabend:.Die Wunder des ScyneejchudL". Montag abends. Donnerstag nachm. 4'/, Uhr..Spiel- und Sport-Films". Mittwoch spried! P:of. SievcrS über n d i e n".� Donnerstag abend: ,J m K a m p s mit dem Berge". TaS französisch« GrneralftabSwerk über de« Weltkrieg wird nach einer Mitteilung de« französischen KriegSmünjterüun» demnächst ml" den ersten Banden erscheinen. für alle sich daraus ergebenden Schwierigkeiten.-- Di« franzZfische Grubenvcrwaltung hat zur Linderung der Notlage 10 000 Tonnen Kohle zur Verteilung an bedürftige Familien zur Verfügung gestellt. Die ReparationskommWon reist ab. Die Reparaklonskommiffion hat sich heute in eioslüttdiger Verhandlung vom Reichskanzler verabschiedet, lieber ihre Eindrücke in Verlin und ihre Absichten verhielt sie sich sehr schweigsam. Gemeinsame Teuerungsaktionen. Die Unabhängige Parteileitung hat an unfern Partei- vorstand einen Brief gerichtet, in dem auf die Notwendigkeit gemeinsamer Aktionen in den Fragen der Teuerung, der Steuer und der Lohnregelung hingewiesen wird. Die Unabhängigen laden zu einer gemeinsamen Be- sprechung aller politischen und gewerkschaftlichen Spitzenorgani- sationen ein. Diese Besprechung wird vermutlich am Mittwoch stattfinden._ Der Hungerstreik in Lichtenburg. Präsident Leinert eröffnet um 11 Uhr die heuriqe Landtags- sikung. Dar Eintritt in die Tagesordnung erhält das Wort zurlbelm Dieterle, Tbeodor Laß. Einst Friedlich. Tbeodor ZhamanSki.® v. LerSner und Kurt«Hrotz- mann«letztere beiden als Redner). Kranzniederlegung out den tNräber» der während de« Krieges in Deutichland geitprbenen Gefangenen mit Sin- iprache des 1. BundeSvorsitzsnden Erwin itza rinnt i(SLDt am November ILSl um 2 Uar 30 auf dem Mililäririedho! Haienbeide(an der Berg- mannftr.Z, wo englische, französische und rulsiiche Gefangene bearaben liegen, — volksbildiingsanit Neukölln. Aula de« Nefarm-Reatzymnasium» in Neukölln. Loddioitr. 34/38. Konrert. Mitwirkende: Die Berliner Bartb'ich« M ad riga Bereinigung, der Celliil Ernst S l l b e r st e i n und der Dianist Arpad E o n d o r. EinIrittSkarlcn»um Preise von 3,10 Mt.— Volk»- Fe»erI>cftatt«n,S-Nerefn Grost.igerli». 3 Gedächtnisfeiern, nachmittags 3 Ubr. Im Uia-Palasl am Zoo. Horden bergstratze 29«, nachmittags 4 Uhr, in der Pbilbalmoni» in der Bernburger Straße und mittag« 1 Uhr, in der Auia des Luifen-KymnasiumS, Tburmltratze 87. Zur Aut- stihrung gelangen im U s a- P g t a st am Zoo ein Sinfonie-Konzert unter Leitung leS Kapellmeisters Erl» Heller. Kr der Philbar monie gibt der Schubert-Ehor und das Lambinon Slreichquariet» dem Tag ent- 'preibende Konzerle. In der Aula de» Luilen-Ghmnaitum«. Turmltratze 87. wird ein vokal, und �nstrumenial-Konzert gegeben,«in- IrittSIatkeii sind in der GeichSilSsteli-. Cbausseestraye S3, Eingang Liesen skr., sowie in allen Zahlstellen und an der Kasse erhältlich. SPD..Fraktton der Freien cehrerzerverkschast. Geschäfts- sttzung heute 7 Uhr im Rathaus. Zimmer S3. Arbeitsprogramm. Ein schwerer Unfall hat sich im Betriebe der Firma Fritz Wer» ner, Marienselde, zugetragen. Beim Auflegen eines Rie» mens erlitt der Sattler Tietze durch Sturz von der Leiter einen Schädelbruch und verlor den linken Arm. Tie Schuld an diesem Un» fall ist darin zu suchen, daß die Maschinen nicht outo- matisch auszurücken sind. Bon den Arbeitern des Betriebe« wird das traurige Vorkommnis auch noch damit in Zusammenhang gebracht, daß bei der Firma das Bestreben rorherrfcht, überall an Kräften zu sparen. Der Verunglückte steht ausgangs der dreißiger Lahre, ist verheiratet und Familienvater. Berbllltgle Bahnfahrten für Friedhofsbcsncher. Angehörige der auf dem Friedhof in Marzahn Beerdigten, die sich ausweisen, werden in der 4. Klasse und auf Bahnstrecken, auf denen keine vierte Klasse geführt wird, in der 3. Klasse der Personenzüge zum Holben Fahrpreise 4. Klasse befördert. Zwei Kinder von über 4 und unter 10 Jahren werden für eine Person gerechnet, für ein einzelne» Kind In diesem Alter wird der halbe Fahrpreis ohne Ermäßigung erhoben. Die Fahrkarten werden an den Fahrkartenausgaben Schlcssscher Bahnhof, Bahnhof Lichtcnberg-Friedrichsfelde und Bahnhof Mar- zahn gegen Vorlage eines auf den Namen des Jnhaoers aus» gefertigten und mit Siegel und Unterschrift des Bezirksamtes 17 (Lichtenberg) ver'ehenen Ausweise, verabfolgt. Ausweis« vom Friedhofsinspektor Foth, Friedhof Bornitzstraße, Lichtenberg. Ein Schwarzer Leguan ist im Berliner Agnarlom zum ersten. mal wieder seit langer Zeit als große Seltenheit eingetroffen. Die stattliche Echse stammt aus Mittelamerika, wo sie namentlich, wie die verwandten Arten, ihrer schmackhaften Eier wegen ge- schätzt wird.— Im Zoologischen Garten findet am Sonntag nach» mittag von 4 bis 10 Uhr Konzert unter Leitung des Obermusst- mcisters Knoch statt, mit einer der ernsten Bedeutung des Tages entsprechenden Vortragsfolge. Eintritt 4 M. Aguanum 3 M., für Kinder die Hälfte. Einen Knnitabend am DakengedätbkniStage veranstaltet der 17. Kreis des Verein» Slrbeiter-Jugend Groti-Berlin in der Aula de« Real-Gymnafiuw» Lichtenberg, Partoue. Zur«uftübrung gelingt unter anderem da« Mittelalterliche Mtzstcricnlpiel.Der Tolentan,'. Eintrittskarten a 2 Mark sind am Taolewgang zu haben. Anfang 7 Uhr. Eine Kunstausstellung Pankower Künstler findet vom 20. November bis 18. Dezember in den Räumen des BildbanerS B o n r b o t t in Pankow, Breite Str. 8 9. statt, tzm Anfcklun an diese Bcianslaltunq sollen Vorlräo« fbn die künstlerische AuSslaiiung deS Sigcnbcim« gehalten werden. Die Ausstellung wird Wochen agS von 4— 8 und Sonntags von 10—8 Uhr geöffnet sein. EintrittspreiSLMark. �ugenüveranstaltungen. Bereu»«rbeiter-Zugend.«elret-riat: S«.«, Li-benstr. Z. Z. Kok lmk», t 2«reppc»»«cht». Ctltohia: Mol. 121 08—10. Wegen Srkraatung t« dauvtdarftelter, im Echaustiiel der.Meweldbanert»an Anoenarub«. wirb morgen im«chillertheater Ctz-rlottrnlmrg.DiltzrU» Soll* von Friedrich von Schiller ausgeführt. OewerMastsbeVegung Jorüerungen öer öerliner Kommunalbeamten. Ems große Versammlung des Verbandes der Kommunalbeamten Berlins(Komba) der Gruppen 1 bis 6 sAlt-Berün), die gestern abend den großen Saal der..Neuen Welt" säst bis zum letzten Platz füllte. nahm Stellung gegen die neue Vcsoldungsordnung und die Verteilung einer prozentual gleich hohen Wirtschaftsbeihilfe auf alle Beamtengshältcr. Referent war G r ü n i g, der die Zusammenstellung der Be- amtengehälter als eine wunderbare Musterkarte bezeichnete. Manchen Beamten werde ein Betrag von ganzen 67 Mark viertel- jährlich nachgezahlt, den hochgestellten bis zu 23 000 Mark. R i e f st a h l tadelt, daß berufene Vertreter der Angestellten ihre Zustimmung zu dieser Aufbesserung der Gehälter geben konnten... In den unteren Beamtenschichten sei das Elend zu Hause, ihnen � November. Dezember und Januar ausgezahlt werden. werde nicht einmal das Existenzminimum durch die neue Besoldungs-! Die Mctalltarifberatungskommission der Afa(Metabeko) ist zu ordnung gewährt. Redner sprach die Hoffnung aus, daß der Tag< dem Ergebnis gekommen, noch im Rahmen des geltenden Tarifs kommen möge, der alle Arbeiter- und Berufsorganisationen zu einer eine Erhöhung der Grundgehälter zu fordern und geschlossenen Einheit zusammenführe. i zwar für November 250 M. und für Dezember 350 M., unter Verbandsdirektor E h r m a n n ging auf die Vorgänge bei dem B- i b e h a l t u n g der jetzt geltenden Teuerungszulage. Das Zustandekommen der neuen Besoldungsordnung ein und hob hervor.> würde eine Zulage von 600 M. für den November und etwa 1000 stützung. sondern auch ein« Erhöhung der Sätze für Stellenlosenunterstützung. Ferner fordert ste, daß alle Mitglieder die richtigen Sätze von ihrem Einkommen zahlen sollen und daß die Funktionärkassierer allmonallich nachzuweisen haben, ob die richtigen Beiträge bezahlt werden. fingeflelltenforöerungen in öer kNetallmöustrie. Ein fein ausgeklügeltes Manöver der Berliner Metallindu- striellen ist es, den Angestellten angesichts ihrer Stimmung und der schweren No� der Zeit durch Anschlag in den Betrieben und unter Umgehung der Organisationen innerhalb der Zeit des bis 31. Dezember laufenden Tarifvertrags folgendes Angebot zu machen: Die auf die Grundgehälter gelegte Teucrungs- zulage wird ab 1. November von 170 Proz. auf 200 Proz. erhöht, die soziale Zulage von 125 M. auf 200 M. In der Zeit vom 5. bis zum 10. Dezember sollen die Mehrbeträge für Theater öer Vsche. Mark für den Dezember bedeuten. Die Stellungnahme zu der Situation lag einer V e r s a m m- lung der Afa-Funktionäre und-Betriebsräte ob, die Freitag im großen Saal der Bockbrauerci(Fidicinstr.) tagte. F l a t a u vom Afa-Ortskart-ll bemerkte einleitend: Wenn jetzt während der Zeit des Tarifvertrags Forderungen gestellt werden, so ist das bei den gegenwärtigen außergewöhnlichen Ver- Hältnissen kein Tarisbruch. Die jetzige Angebotsbekanntmachung des VBMJ. ist ein gegen uns gerichteter unfreundlicher Akt. Rothe begründete die Forderungen. Er sowohl wie Fritz Schmidt, Günter und zahlreiche Diskussionsredner übten scharfe Kritik an der Art des Vorgehens des VBMJ. und an dem ; völlig unzulänglichen Angebot, das als eine verschleierte Wirt- schaftsbeihilfe minderwertiger Art b.-zeichnet wurde.. Schmidt betonte, die Kollegen wären verpflichtet, dies Angebot a b z u- lehnen und die Afa-Instanzsn mit sofortiger Einreichung der Forderungen zu beauftragen. Schließlich wurocn folgende Beschlüsse gefaßt:»Die Afa-Funk- ! tionäre erklären die Beschlüsse des VBMJ. als unfair. Sie verlangen sofortige Verhandlungen mit dem VBMJ. zunächst snur für den November mit der Maßgabe, daß für diesen Monat eine Erhöhung der Grundgehälter nicht um 250 M.(Vorschlag der Metabeko), sondern um 3 00 M. gefordert j wird. Dazu kommen die 170 Proz. Teuerungszuichlag. Die Afa- Funktionäre beauftragen ferner dos Afa-Ortskartell. die Gehalts- sätze des Tarifs am Ende dieses Monats zum 31. Dezember zu kündigen." Tie englischen Postangestellten zum«trcikrecht. Der Verband der Postangeitellten fOnioii of Post Office Workersi, der rund 100 00) Mnglieder zäblt. hat nach einer Mel- dung des JÄAB. auf seinem letzten Parteitag mit schwacher Mehrheit beschloffen, den Grundsatz deS Streikrechts auch für das Po st personal aus,» sprechen und gu- gleich einen wöchentlichen Ertrabeitrag a»r Schaffung eines Streikfonds einzufühlen. Dieser Beschluß bat inzwischen innerhalb des Verbandes zu derart großen Schwierigkeiten ge'ührt, auch zu zahlreichen Aiismuen, daß der Verbandsvorstand sich ent- schloffen hat, die Erhebung dieser Extrabeiiräge wieder ein zu- stellen, obwohl er selber sehr lebha't für den Grundsatz deS Streikrechts eingetreten war, und auch das Verbandsorgan in diesem Sinne tätig gewesen ist. Beitragserhöhung beim ZdA- i« Di« Funktionäre des Zentralverbandes der Angestellten tagten 3 0f._ �* am Donnerstag in der„Neuen Philharmonie", um über eine Er- Rom 19. kfiovembet. An dem Epmpothic-Generalftmf für bte| hjjhuna der Beiträae zu beschließen Metallarbeiter in Genua beteiligen sich sämtliche Kategorien der! Hugo Cohn begründete in'längerer Rede die Notwendigkeit' Arbeiterschaft und auch»ahlreiche Angestellte. Zwei Dampfer die der Erhöhung. Die große Geldentwertung, die sich auch im Haushalt � gestern dm.Hafm werlaffm wo�( der Organisation stark bemerkbar mache, laffe eine Abweisung der Erl daß die Sffitzenorganisationen der Gewerkschaften nach Kräften be- müht waren, eine Verbesserung für die unteren und mittleren Gruppen zu schaffen, leider ohne den gewünschten Erfolg. Die K o l l eg e n s ch a f t möge sich nicht durch gewissenlose Hetzapostel von dem gewerkschaftlichen Weg ab- drängen lassen. Es müffe eine sofortige Revision der Besol- dungsordnung verlangt werden. Auch die folgenden Redner gaben ihrer Unzufriedenheit mit der Besoldungsordnung schärfsten Ausdruck. P r e u ß e r bezeichnet die Bcsoldunqsordnung als ein Werk der Geheimräte und ihres Ein- flusses. Sie haben alle Verbesserungen der Gewerkschaften abgelehnt. Schuld ist aber auch die Zersplitterung in den eigenen Reihen, die uns machtlos macht. An der weiteren Aussprache beteiligten sich mit längeren Aus- führungen Garbe- Elberfeld und Flügel(Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes), der mit eindrucksvollen Worten die von einigen Rednern erhobenen Beschuldigungen gegen die Gewerkschafts- Vertreter an der Hand von Tatsachenmaterial zurückwies. Der Deutsche Beamtenbund sei im Begriff, eine neue Aktion zur Ver- befferung der Lage der schlecht gestellten Beamten in die Wege zu leiten. Vor Schluß der Versammlung wurden vier Entschliehun- gen angenommen, in denen gegen die unbefriedigende Aufbefferung der Beomtengehälter protestiert und u. o. gefordert wird, daß den- jenigen Beamten und dauernd Angestellten, deren vierteljährige Nachzahlung 2000 Mark und 500 Mark für jedes Kind nicht erreicht hat, die Differenz zur Erreichung dieser Beträge umgehend nach- gezahlt werden soll.— Ferner wird die Angabe, daß den Magistrats- Mitgliedern und anderen höheren Beamten auf das laufende Viertel- jähr Vorschußbeträge bis zu 9000 Mark nochgezahlt worden sind, während die unteren Gruppen teilweise nur Beträge von 295 Mark erhalten hoben, als eine ungeheure Provokation der gesamten städti- schen Unterbeamten- und Angestelltenschaft bezeichnet und vom Mag! st rat eine einmalige Wirtschaftsbeihilfe von 2000 Mark für jeden Beamten und Angestell- ten und 5 00 Markfürjedcs Kind verlangt'. Der Ver- band der Kommunalbeamten und Angestellten soll schon jetzt alle Vorbereitungen treffen, um, falls bis zum 2 5. November diese Beihilfen nicht gezahlt sind, am 28. Novem- der in den Streik treten zu können. Doch soll über den Streik eventuell eine Urabstimmung entscheiden. Vom 20. bis 27. November. LolZzbiihne: SO. ,S5. und 27. KSnig Lear. 21., 22. und 24. Rasse Mensch. 38. Das Postamt. Die Komödie der Irrungen. 26. Der Bauer als Millionär. — Opernhaus: 20. Lohengrin. 21. und 25. Christ-Elslein. 22. Madame Bulter- fly. 23. 3. Einfonic-Konzert. 24. Figaros Hochzeit. 26. Boheme. 27. Der fliegende Holländer.— Schauspielhaus: 20., 23., 25. und 27. Othello. 21., 24., 26. und 28. Peer®i)nt. 22. Richard III.— Deutsches Theater: Louis Ferdinand. — Kammerspicle: Täglich 8 Uhr: Der Hühnerhos.— Großes Schauspielhaus: Götz von Berlichingen. 25. Die Räuber.— Lesiing-Theatcr: 20., 22. bis 24. und 27. Die Spielereien einer Kaiserin. 21. Peer Eynt. 25. Der lasierhasie Scrr Tschu. 26. Wenn wir Toten erwachen.- Theater in der Königgratzer traßc: 20., 22., 24., und 26. Hidalla(Der Fwergricse). 21., 23., 25. und 27. Manon Lcscaut.— Deutsches Opernhaus: 20. Parsifai. 21. Der Troubadour. 22., 24. und 27. Der fliegende Holländer. 23. Martha. 25. Die Fledermaus. 26. Die Meisterfinger von Rürnherg.— Schiller-Theater: 20., 22., 24. und 26. Die Schmetterlmgsschlacht. 21., 23. und 25 Meine Frau, die Hoflchau- spielerie. 27. III:. Heidelberg.— Neues Bolts-Theater: 20. Passion. 21. und 24. Die Jugendfreunde. 22., 23., 25. und 27. Rose Bernd. 26. Die Wildente. — Deutsches Künftler-Theater: Der heilige Ambrosius.— Komödicnhaus: Die Fahrt ins Blaue.— Berliner Theater: Prinzessin Olala.— Kleine» Schauspielhaus: 20. bis 23.. 20. bis 27. Kiki. 24. und 25. Nachtasyl.— Trranoa. Theater: Mein Freund Teddy.— Rcfidenz-Thcater: Das weite Land.— geutral-Thcatcr: Das Deteitivmädel.— Theater ia der Kommandanteu- stratzc: Dybut.— Zricdrich.Wilhclmstäbtisches Theater: Aincrican-Girl.— Komische Oper: Der Herr der Welt.- Lllstsxiclhaus: 20. bis 22., 24. und 26: Peter Brauer. 23., 25. und 27. Hahnenkampf.— Metropol-Theater: Die «traßensänacrin.— Reuc, Operctten-Zhcater: Die Känigin der Nacht.— Thalia-Zheater: Schäm dich, Lotte.— Theater am Rollcndorsplatz: Die Ehe im Kreise.— Theater dc» Westens: Die Braut des Lucullus.— Klerue» Theater: Fräulein Iosette— meine Frau.— Walluer-Theater: Riechen.— Walhalla. Theater: Jung muß man sein.— Theater des Osten» IRofe-Theater): Fidele Brüder. 27. Mit vollen Segeln.— Kasino-Theatcr: Der Weg zum Glück.— Reue» Theater am Zoo: Der Dummkopf.— Schlotzpael-Theatcr Steglitz: 20. Maria Maqdalcne. 21., 22. und 27. Das Konzert. 23. hl, 25. Medea. 26. Alles um Geld.— Folics Gayrice. Die Dame im Bett.— Admr- ralspalast: 20.. 21., 23., 25. Die roten Schuhe. 22., 24., 26. und 27. Abra- kababra.— Intimes Theater: Laus doch nicht immer nackt herum. Die Epe- lunke.— Theater am Kursurstendamm: Inqeborg.— Schauspielhau» Potsdam: 26. und 22. Jedermann. 21. und 26. Geschlostene Vorstellung. 23. und 27. Die Postmeisterin. 25. Die berühmte Bande. Nachmittagsvorstellungen: Volksbühne: 20. und 27. Das Kätchen von Heilbronn.— Schauspielhaus: 20. Torguato Tasso.— Deutsche» Theater: 27. Frühlings Erwachen.-«ammerspicle: 27. Die Büchse der Pandora.— Srotze» Schauspielhaus: 27. Götz von Berlichingen.— Lessing- Theater: 20. Ostern. 27. Die Marquise von Arci«.— Theater in der König. grätzer Straße: 27. Satans Maske. Mit dem Feuer spielen.— Deutsche» Opernhaus: 27. 11 Uhr: Sinfonie-Konzert. 2� Uhr: Der Postillon von Loniu- mcau.— Schiller-Theater: 23. und 26. Die Etlltzen der Gesellschaft. 27. Der Raub der Sabinerinnen.— Reue» Volk?. Theater: 27. Die Wildente. � Deutsche» Künstler-Theater: 27. Flamme.— Komödieahaa»: 27. Sonnys Busenfreund.— Berliner Theater: 27. Da» Milliardensouper.— Kleine, Lchansriel- hau,: 27. Kind-rtraoödie.— Trianon-Thcatcr: 27. Die große Leidenschaft. — Rcfidcnz-Thcatcr: 27. Lady Windermercs fföcher.— Zentral-Theatcr: 27. Weh dem, der Illgt.— Fricdrich.Wilhclmstödtischcs Theater: 20. Rigoletto. 27. Der Troubadour.— Luftspielbaus: 27. Nachtasyl.— Thalia-Theater: 20. und 27, Rumpelstilzchen.— Theater de» Westen,: 23. 4 Uhr: Hänsel und Grete!. 26. 4 Uhr: Hänsel und Gretel. 27. Der ersten Liebe goldene Zeit.—«leine» Theat«: 27. Der Dieb.— Walballa-Theater: 26. Firlefanz, der.Puppen- doktor. 27. Eherlock Holme».- Tbeater de» Osten»: 26. und 27. Doenrö». chen.— Schloßpaek-Theater Steglitz: 27. Der Raub der Sabinerinnen.— Admr- ralspalast: 27. Di- roten Schuhe.— Intime» Theater: 26. und 27. Rechter Hand, linker Hand. Der Hcrr, der unverwundbar ist. Eine Liebesnacht. Wetter für morgen. Berlin und llmgrgend. Zeitweise ausllarcnd. aber noch überwiegend trüb- und etwas nebelig, ohne«ihebliche Niedeilchläge. ziemlich srifche östliche Winde. Temperatur um den Gefrierpunkt schwankend. Berantw. kllr den redakt. Teil: Dr. Werner Pesser, Eharlottenburg! für An- zeigen: Th. Glocke, Berlin. Vertag Borwärts-Berlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei u. Verlagsanstall Paul Singer u. Co.. Berlin, Lindenstr. S. höhung nicht mehr zu. In Frankfurt, Mannheim, Nürnberg und Hamburg sei die Erhöhung schon seit Oktober vorgenommen worden. Hier werde sie ab Januar in Dorschlag gebracht. Wie Redner weiter ausführte, ist die Staffelung der vorgeschlagenen neuen Beiträge be- reits im„Angestellten" veröffentlicht worden. Die Sätze sollen auf 10, 15, 20 und 25 Mark monatlich festgesetzt werden, für die Jugend- gruppe auf 3 Mark. Weiland ergänzte die Begründung. Nur eine gute Finanzlage gewähre die Sicherheit, in den Lohnkämpfen mit Nachdruck vor- gehen zu können. Allein für Lohnbewegungen und Agitation mußten 1921 836 818 M. aufgewendet werden. Darin sind die Kosten für Drucksachen noch nicht einbegriffen. Auch durch die Erhöhung der Postgebühren wird unser Konto stärker belastet werden, während andererseits eine Aufbefferung der Unterstützung in Streikfällen ein dringendes Erfordernis sein wird. Die vorgeschlagenen Sätze würden eine Mehreinnahme von etwa 200 000 M. monatlich ergeben. Die hierauf folgende Aussprache brachte verschiedene Ansichten und Anregungen. Sie ergab endlich die Annahme folgender Ent- schließung gegen vereinzelte Stimmen: Die heute tagende allgemeine Funktionärversammlung er- kennt die Notwendigkeit einer Beitragserhöhung mit Rücksicht auf die jetzige Situation an und billigt die von der Orts- Verwaltung vorgeschlagenen, ab 1. Jonuar19'2 2 geltenden neuen Sätze. Sie fordert aber nicht nur eine Erhöhung der Streikunter- in den übrigen Städten Liguriens und Becias ist die Lage ähnlich. Im Hafen von Genua ist ein Kriegsschiff mit technischem Personal eingelaufen, das die Elektrizitätswerke in Gang halten soll. Auch für die Provinz Venetien droht der Generalstreik, falls nicht in letzter Stunde der Generalrat der Gewerkschaften, der noch einmal Verhandlungen angeknüpft hat, zu einer Verständigung mit den Metallindustriellen kommt. In Rom finden zwischen den Der- bänden der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber unter Dorsitz des Arbeitsministers gleichfalls Verhandlungen statt, die nach einzelnen Meldungen zu einem günstigen Ergebnis zu führen scheinen. Es wird für möglich gehalten, daß der Konflikt bald beigelegt wird. Die Arbeikslosigkeik In der Schweiz. Die Gesamtzahl der ganz oder teilweise Arbeitslosen ist in der Schweiz im Monat Oktober von 136 000 auf 134 000 zurückgegangen. Die Zahl der gänzlich Arbeitslosen ist seit Frühjahr dauernd gestiegen. Sie betrug Ende Oktober 74 200 gegen 66 600 im September und 49 000 im Frühjahr. Seit dem 11. April ist sie um 31 Proz. gestiegen. Mit Nctstar dsarbeitcn wuxden im Oktober 14 500 Personen be- schäftigt. Dom Lohnabbau haben die Angestellten schniUlich mehr� als 10 zugestimmt, die worden war. in Amerika. Nach der Schlachthäuser Proz. betragenden Herabsetzung der Löhne vor zehn Tagen von den Arbeitgebern verlangt einer Reutermeldung in Chicago einer durch- SalemRaucher! Hie Veil»es»albrag asienfeinen üuakiäi macfjf naeb der neuen Steuersätze folgende erhöhte preisnotieruvgen leider unvenueidlicli: OalemMeWun» Galen» Gold 40 rot 50qrün,60oranqe,SOqetb 40 50 60 80Pf.d.st CavalieröO Pf. Cabinei M.125 PI dSt Oie�reiserböbung ist so niedrig de» messen, daö sie«ureinen Teil unserer Gelbftmetzrkosten deckt. Gie werden durch einen ] wirklichen Gemch für Leu 'Preisaufschlag entschädigt. 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