Nr. 54� ZS. Jahrgang Ausgabe ä Nr. 272 Bezugspreis: BierteljahrUZK.- M.. mona». lZ,— M- frei in» San», voraus zahlbar. Post- bezug! Monatlich 12.- M. einichl. Au- stcllungsgediihr. Unter Kreuzband rstr Peulschland, Drnz g. da» Saar- und Mcmelaedieh sowie die ehemal» beut- schen Gebiete Polen». Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 22.— M., für da» übrige Ausland 29,— M. Posi- bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tlchecho- Slowakei, Däne- mark. Holland. Luxemburg, Schwede» und die Schweiz. D«r„Vorwärts"- mir der Sonntagsbeilage„Volt und Zeit", der Unter- ba.tungsbeilage„Heimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochcniäglich zweimal. Sonn- tag» und Montags einmal. Telegramm-Adreffe: �Sozialdemokrat Declln" Abend Ansgabe Verlinev Nolksblstt �entralorgan äer fozialäemokratif�ien Partei DentlcWaiiÄs (30 Pfennig) Anzeigenpreis: W» zehngespaltene Nonparetllezeile kostet k,— llll.„ktlotae«nzelge»" da« iettgedruckt« Wort!>.— M. szu- lässtg zwei fettgedruckte Worte!, jede« weiter» Wort I.bll M. Stellengesuche und Echlasftellenanzeigen da» erste Wort 1.S0 M., iede» wettere Wort l.—. M. Worte über ld Buchstairn zählen siir zw-t Wort«. ffamillen-An- zeigen sstr Abonnenten Zeil» t.— M. Di« Preise verstehen sich einschltehlich TeuerungUujchlog. Anzeige« fvr die nächste sthmiper müssen bis 41/, Ahr nachmittag, im Hauptgeschäst, Berlin SW M. Linden- praß« ll. abgegeben werden. Gebffnel von ll Uht srilh dl» i Uhr abend». Neöaktion unü Expedition: EW bS, Linöenstr. 3 «'.-»»»>»»,»--->4,-«- Redaktion ivtoriüplay ISINä— N7 »hern,prrr,,rr. �rdttio« Morivpla« II7SZ—»4 Montag, den November 1921 vorwärts-verlag S.m.b.h., SW öS, Linöenstr. 3 ftt-rninrrrfii-r• Verlag, ki-rprditioo und Insrraten- •«bteilung M-rthdlah 11763-54 NoSlet in öen D> V er ll n. Zt. Ztovember.(Eigener vrahlberichi.) General ?l o l l e I mit seinem Stabe besichtigte die Spandauer Abtei- langen der Dentscheo Werke. Eingehend wurde in Augen- schein genommen das alte Walzwerk, das Presiwerk mit den Mar- tinsöfea, dje alte Geschühgiesierci, das Werk Haselhorst, das Werk für 2agd- und Sportwaffen und die Abteilung für Motorradbau. Die Besichtigung dauerte bis 11 Uhr. General Rollet erklärte, daß er gekommen sei, um sich persönlich von den Verhältnissen und von der Betriebsart eine Vorstellung zu bilden. Er war von der Be- sichtigung, die von der Direktion und dem Betricbsratsoorsihenden geleitet wurde, recht befriedigt. Er betonte, dah er persönlich keinen E i n s l u h aus die Maßnahmen habe, dah die Entschei- dung vielmehr dem Bolschafterrat unterllege. Zu gleicher Zeil gab er die Absicht bekannt, da» Werk wolsgang bei Hanau sowie die Erfurter Anlagen zu besichtigen. die NeparationskommWon uneinig. Frankreich isoliert. Paris, 20. November.(WTB.) Zules Sauerwein berichtet dem.Matin" aus Berlin, iu der gestrigen Sitzung der Hepar a- tionskommission sei eine Einigung über die Haltung gegen Deutschland nicht erzielt worden. Der Vertreter Frankreich» Couis Dubais habe die vier anderen Mitglieder der Reparationskommission gegen sich gehabt. Der belgische Vele- gierte Delacroix habe den Standpunkt vertreten, dah aus die gestrige Erklärung der deutschen Regierung sür den Augenblick keine Ant- wort zu erteilen sei. Es handle sich um eine Zahlung, die in acht Wochen, aber nicht in acht Tagen zu ersolgen habe, wenn man jetzt Deutschland eine ernste Note übersende, dann laufe man Gefahr, denen einen guten vorwand zu liesern. die die Alliierten anklagten, sie führten die vorgesehene Anleihe zu einem Mihersolge. Louis vuboi» habe gemeint: Deutschland versuche durch den vorwand einer auherordenllichen Anleihe sich seinen Verpflichtungen zu ent- ziehen, lnsolgedesien habe er vorgeschlagen, ihm eine sehr ernste Verwarnung zukommen zu lasten. Es sei nicht dementsprechend ent- schieden worden. « Paris, 20. November.(WTB.) Minister L o u ch e u r erklärte auf die Anfrage eines Abgeordneten Über die Einfuhr von deutschem holz nach Frankreich, es werde keine neue Bestellung in Deutschland gemacht werden, bevor nicht die französischen Läger geräumt seien. Für jede deutsche Lieferung müste der Einfuhrzoll bezahlt werden. verbot öer Reyimentsvereine. Koblenz. 21. November.(WTB.) Der Neichskommisjar für die besetzten rheinischen Gebiete teilt mit: Die Interalliierte Nheinlandkommission hat laut Schreiben vom 19. No- vember 1921 aus Grund des Artikels 2 der Verordnung 65 beschlossen, den Stödten im besetzten Gebiet die sogenannten Regiments- vereine, die die Sicherheit der Vesatzungstruppen gefährden, zu verbieten und ihre Auflösung anzuordnen. Wer an einer Der- sammlung eines solchen aufgelösten Vereins teilnimmt oder zur Fortführung seiner Tätigkeit beiträgt, kann gemäß Art. 6 der Ver- ordnung 65 mit einer Gefängnisstrafe bis zu 1 Jahr oder einer Geldstrafe bis zu 10 000 M. bestraft werden. Das Unrecht am Saargebiet. Saarbrücken. 19. November.(WTB.) Wie die Kreise Saarlouis und Ottweiler hat heute auch der Kreistag von Saar- brücken die Begutachtung der Regierungsverordnungen abge- lehnt und eine Erklärung ongenoinmen, in der es u. o. heiht: Die Regierungskommission hat seit ihrer Einsetzung nach Ansicht der Bevölkerung nur das eine Ziel, die Abtrennung des Saargebietes vom Mutterlande, betrieben. Es ist oll- gemein bekannt, daß die Saarregierung in ihrem bisherigen Be- streben, das Saargebiet politisch und wirtschaftlich abzutrennen, auch noch eine kirchliche Abtrennung herbeiführen will. Keine der von der Gesamtbcvölkerung ausgestellten Forderungen hat Ge- hör gefunden. Dagegen hat die Regierungskommission entgegen dem einmütigen Willen des Kreistages Gesetze geschaffen, die von der Gesamtbevölkerung als bitteres Unrecht empfunden werden. , Der Kreistag ersucht die politischen Parteien und die beruslichen Or- ganisationen der Arbeitnehmer der Industrie und des Handels beim Völkerbund dahin vorstellig zu werden, daß dieser von dem ver- fassungsmößigcn Rechte des Z 17 Absatz 2 der Anlagen zu den Artikeln 45 bis 50 des Dersailler Vertrages Gebrauch mache. und daß die setz igen Mitglieder der Kommission nach Ab- lauf der einjährigen Amtszeit abberufen und durch neue ersetzt werden. Der. Präsident der Regierungskommission soll einem neu- traten am Saargebiet uninteressierten Staate entnommen werdeu, er.soll der d e u t s ch e n Sprache in Wort und Schrift mächtig fein. Die jetzige Regierungskommission des Saargebietes hat sich durch ihr bisheriges Verholten jedwedes Vertrauen der Bevölkerung verscherzt. Der Kreistag beschließt, diese Entschließung im Wort- mtfthen Werken. laut dem Völkerbund mitzutellen und spricht die dringende Bitte an den Völkerbund aus, Vertreter des Völkerbundes nach dem Saargebiet zu entsenden. Die Weltkonferenz von Washington. Die letzten Tage in Washington waren mit geheimen Ausschuß- sitzungen ausgefüllt. In der Abrüstungsfrage forderte Eng- l a n d, den Unterseebootbau ganz einzustellen oder doch wenigstens erheblich einzuschränken. Japan fühlt sich durch den Hughesschen Vorschlag über die Croßkampfschifftonnage benachteiligt und ver- langt um 10 Proz. mehr Großkampfschifse bauen zu dürfen. Wäh- rend man in der U-Boot-Frage zu einer Einigung gekommen zu sein scheint, nehmen in der anderen Frage England und Amerika eine ablehnende Haltung Japan gegen- über ein. Di« Dereinigten Staaten ließen durch ihre ossiziöse Preste erklären, wenn Japan sich in diesem Punkt nicht mit dem Hughcsschen Programm einverstanden erkläre, werde Amerika das Wettrüsten fortsetzen. Nach den letzten Nachrichten sind die Ver- einigten Staaten allerdings doch bereit, Japan entgegenzukommen. Ob damit ober die Abrüstung zur See unter Dach und Fach ge- bracht ist, muß bezweifelt werden. In der englischen Preste wird mit auffälliger Einmütigkeit die Forderung aufgestellt, auch die französischen und italienischen Flottenbauprogramme einer Kontrolle zu unterziehen.„Daily Expreß' behauptet, die Großtampfschissbaugrenze sür diese Staaten sei von der Konferenz auf 2000io0 Tonnen angesetzt worden. Aehnlich wie in der Abrüstungefragc liegt die Mächtegruppie- rung in der ch i n« s.i s ch e n Frage. Die Dereinigten Staaten und England vertreten den Grundsatz der offenen Tür und unter- stützen die chinesischen Forderungen mit einer etwas unterstrichenen Selbstverständlichkeit. Da» stets reservierte Japan hält ei für notwendig, die auswärtigen Beziehungen Chinas einer Regelung zu unterziehen und behält sich in der Frage der Exterritoria- lität eigene Vorschläge vor. Der Schwerpunkt des Kampfes scheint hier in der Streitfrage zu liegen, ob die ö st l i ch e n Gebiete Chinas von der abzuschließenden Vereinbarung betroffen werden oder ob Japan in diesen Gebieten freie Hand behält. Man ist auf einen heftigen Widerstand Japans gefaßt. Scheitert aber ein Uebereinkommen über den fernen Osten, so wird damit auch die Flottenabrüstung hinfällig. Das eine geht aus den Verhandlungen klar hervor, daß die Dereinigten Staaten und Eng- land einen festen Block gegen Japan bilden. London, 19. November.(WTB.) Die englische Arbeiter- Partei hat- eine Kundgebung veröffentlicht, in der es heißt, sie erkenne die weitverbreitete Feindschaft gegen eine Fort- dauer de» englisch-japanischen Bündnisses an und sei der Ansicht, daß das Bündnis nicht erneuert werden dürfe.. Die Arbeiterpartei begrüßt aus voller Ueberzeugung die Abrüstungs- vorschlüge der Vereinigten Staaten und fordere die Anwendung der Vorschläge auf alle Arten von Rüstungen. Wenn die irische Konferenz fehlschlagen sollte, so würde die Arbeiterschaft weiter- hin sür das irische Volk diejenige Verfassung fordern, die die Ir- länder selbst wünschten, vorausgesetzt, daß sie den Schutz der Minder- heit vorsehe und verhindere, daß Irland eine Bedrohung für Groß- britannien werde. Sabina gewählt. Paris. 21. November.(CE.) Die Kommunisten haben bei der gestrigen Stichwahl im Poriser Stadtviertel Sante. einen beachtenswerten Erfolg errungen: Der wegen Meuterei Im Schwarzen Meere zu 15 Zahren Zuchthaus verurteilte Mcchaniterunteroffizier B a d i n a wurde mit 857 Stimmen gegen den Radikalsozialisten P out hier, auf den 8Z1 Stimmen ent- sielen, gewählt. Wir haben bereits nach der Hauptmahl am vorigen Sonntag auf die Bedeutung dieser Kraftprobe hingewiesen. Von einem kommunistischen Erfolg kann natürlich gar keine Rede sein. Badina war zwar offiziell von den Kommunisten aufgestellt worden, ist aber ebenso ein Kommunist wie sein Schicksalsgefährte Morty und wie der allergrößte Teil ihrer Wähler. Nichtsdestoweniger ist dieses Endergebnis von Wichtigkeit, weil es für den S t i m- mungsumschwung im französischen Volte kennzeichnepd ist: die Bevölkerung de» Pariser Stadtviertels Sante war nämlich in den letzten Jahrzehnten durchweg linksbürgerlich gestimmt. Diese Wahl ist als ein Protest gegen das Wüten der Kriegsgerichte und überhaupt.gegen die Politik des nationalen Blocks aufzufassen. �Ermattuna� an ber Dorfe. An der heutigen Berliner Börse wurden Dollar» noten im Verlaus der ersten Stunden mit 268 bis 263 ge- handelt. Vorbörslich waren 277 bis 278 gezahlt worden. Man führt die E r m a t t'n n g auf die verschiedenen schweben- den Verhandlungen über die Kreditfrage zurück. Der Esfekten- markt zeigte heute eine Wiederbelebung der Speku- lation. /tos öem Zuchthause Achtenburg Der durch Reichstagsbeschluß vom 19. November ein- gesetzte Untersuchungsausschuß von acht Mit- gliedern de» Reichstages zur Prüfung der Zustände in den Strafanstalten begann bereit» am darauf- folgenden Tage feine Tätigkeit damit, daß er sich insge- samt nach der Strafanstalt Lichtenburg begab, um sich über den H u n g e r st r e i t und die dortigen Zustände zu unterrichten. Von der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion war Genosse Prof. Dr. Grotjahn delegiert worden, der als Arzt den gesundheitlichen Zustand der in den Hungerstreik eingetretenen Gefangenen auch fach- männisch zu beurteilen imstande ist. Außer Grotjahn ge- hörten dem Ausschuß an: Dr. Rosen selb(U. Soz.), Herzfeld(Komm.)� Brodauf(Dem.), Merckt «Bayer. Vp.), v. Rehbind er(Z.), Wunderlich (D. Vp.) und Bruhn(Dnat. Vp.). Genosse Grotjahn sendet uns sofort nach Rückkehr folgende Notizen, die unter dem Eindrucke unmittelbarer Wahrnehmung nieder- geschrieben sind. Die Anstalt Lichtenburg ist ein Zuchthaus siir Männer, bas mit 730 Gefangenen bis an die äußerste Grenze seiner Belegungsfähigkeit besetzt ist. Unter ihnen befinden sich etwa 120 politische Verurteilte aus dem mitteldeutschen Märzauf- stände.«Sie waren bis vorgestern in drei Sälen gemeinschaft- lich untergebracht. Am Sonntag, den 13. November, traten sämtliche politische Gefangene in den Hungerstreik ein, der— um das vorweg zu nehmen— in dem Augenblick, in dem diese Zellen den Lesern zu Gesicht kommen, aller Voraussicht nach beendet sein wird. Der Reichstagsausschuß traf kurz nach 11 Uhr in der Strafanstalt ein und hielt dort eine Sitzung ab, in der zunächst der Direktor der Anstalt und die Vertreter der Torgauer Staatsanwaltschaft, des preußischen Justizministeriums und des Reichsjustizministeriums sowie die beiden beteiligten Aerzte berichteten. Hervorzuheben ist aus diesen Berichten, daß am Sonnabend abend d'e r o i« r t e T e i l der Hungernden ohne jede Anwendung von Gewalt und unter ä'rzt- licher Ueberwachung in Torgauer Gefängnisse über- geführt worden sind, woselbst ein Teil von ihnen b e r e i t s g e- g e s s e n hat. Der Transport geschah mittel» Automobilen. Fast alle vermochten zu gehen: nur einer wurde getragen. Ernstlich erkrankt war keiner. Einem' Arzt, der der Kommunistischen Partei angehört und vom Iustizminister R a d b r u ch Zutrittserlaubnis erhalten hatte, war Gelegen- heit gegeben, sich persönlich davon zu überzeugen, dah sich der Abtransport ohne Härte vollzog. An diese erste Konferenz des Ausschusses schloß sich ein mehrstündiger Rundgang an. bei dem sämtliche politische Ge- fangene, die abends vorher aus ihren Gemeinschastssälen teils in das Anstaltslazarett, teils in kleine Zellen zu zweien oder dreien ohne jede Gewaltanwendung übergeführt waren, besichtigt wurden. Insbesondere hatte der Schreiber dieser Zeilen Ge- legenheit, bei jedem, bei dem er es wünschte, sich durch Puls- fühlen. Befragen und Ausstehenlasien ein ungefähres Bild vom Gesundheitszustand des Einzelnen zu machen. Glücklicherweise entsprach dieses auch nicht entfernt den grauenvollen Einzelheiten, die man am Sonn- tag vormittag in gewissen Zeitungen lesen konnte. Hunger- Halluzinationen und Erschöpfungsdelirien sind nicht in Lichtenburg beobachtet worden, scheinen ober in der Re- daktion der„Roten Fahne" geherrscht zu haben. Von Schwerkranken befand sich in Lichtenburg nur e i n Fall, dernichtsmitdem Hunger st reikzu tun hatte und das typische Bild einer Blinddarmentzündung zeigte. Von den Hungernden, von denen zur Zeit des Rund- ganges bereits mehr als die Hälfte zu essen be- gönnen hatte, klagte nur einer über heftige Leib- schmerzen: mehrere hatten Pulsstörungen und zeigten das Bild mäßiger Erschöpfung: als ernstlich gefährdet er- w i e s s i ch k« i n e r. Die seelische Erregung, in der sich be- oreiflicherweise die meisten befanden, äußerte sich nur, wenn sie angeredet wurden, und auch dann in maßvoller Weise. Wie die Aerzte angaben, find bei mehreren Magenbeichwcrden und Durchfälle eingetreten. Zusammenfassend muß der «Schreiber dieser Zeilen von seinem Standpunkte als Arzt be- kennen, davon überrascht worden zu sein, von wie ver- hältnismäßig wenigen Gesundheitsstörungen das achttägige Fasten begleitet gewesen ist., Trotzdem mußte Anblick und diskrete Befragung doch zu einem Gefühl des tief st en Mitleides mit diesen Gefangenen zwingen, und zwar weniger mit ihrem augenblicklichen gesundheitlichen Zustande, als vielmehr mit der traurigen Lage, in welche diese Unglücklichen, die mit falschem Mittel nach fals Beamte und Angestellte zu viel im Eisenbahnbetrieb beschäftigt würden. Das ist eine ganz unbegründete Behauptung. Wenn hier und da wirklich einmal eine Arbeitskraft entbehrt werden könnte, fehlt an anderer Stelle eine, so daß von einem Zuviel in Wirklich- keit gar nicht die Rede sein kann. Man merkt aber, was die Herren von der Großindustrie dabei im Schilde führen, zumal ihnen ja auch der Achtstunbevtag längst ein Dorn im Auge ist. Die Herren wollen eben durch„Mehrleistungen" der Beamtenschaft und durch den Abbau der angeblich„hohen" Löhne große Gewinne herauswirt- schaften, obgleich die Löhne kaum um das 7)4fache bei der unge- heuerlichen Teuerung aller Lebcnsbedürfniffe gestiegen sind. Leider ist es richtig, daß es infolge der aus dem Krieg hervor- gegangenen Verpflichtungen dem Reich an Mitteln fehlt, aber das würde anders sein, wenn die Herren von der Großindustrie, der Landwirtschaft und den Banken den Steuerfistus nicht um Millio- nen und Milliarden hintergangen, wenn sie das Steuerzahlcn nicht den Beamten, Arbeitern und dem werktätigen i�olke überlassen hätten. Dann würde die Regierung nicht nötig haben, mit dem Auslande zwecks Kreditoperationen in Verbindung zu treten, wie das jetzt geschehen soll. Jetzt soll der allgewaltige Ssissnes eine Reife nach London unternommen haben. Was er dort will, ist noch nicht bekannt. Viel- leicht soll der Regierung bei ihren Kreditoperationen wieder ein Stein in den Weg gerollt werden. Die Forderung der Gewerkschaften zur Erfassung der Sachmerke muß durchgeführt werden, dann werden die Mittel vorhanden sein, die das Reich so dringend bedarf, dann kann dem Großkapital im staatlichen Jnteress;, im Interesse des leidenden Vo'kes der weitere Raubzug verbaut werden. Unsere Eisenbahnen müssen Staats» betriebe bleiben, im Lebensinteresse der Beamtenschaft und des ganzen deutschen Volkes.(Stürmischer Beifall.) Ministerialrat Dr. Carter stimmte dem Referenten darin zu, daß die Industrie während des Krieges nicht schlecht abgeschnitten habe. Der Reichsverkchrsminittcr glaube auch, daß die Maßnahmen zur größeren Wirtschaftlichkeit der Eisenbahnen durchzuführen sind im Rahmen des Staatsbetriebes und mll Hilfe des Personals der Betriebe.(Lebhaftes Bravo!) Echterbecker von der Post, Benzin von der Polizei, Gröttrup von den technischen Angestellten und Engel vom „Komba" erklärten ihre Solidarität mit den Eisenbahnern. Der deutschmonarchistische Reichstagsabgeordnetc D e g l e r k sprach dem Herrn S t i n n e s eine geistige Uebcrlegenhclt zu.(Leb- hafter Widerspruch.) Er vermute, daß die Regierung sogar ein großes Interesse daran habe, daß S t i n n e s nach London gereist sei. (Stürmische Unterbrechung.) Es sei nicht die Rede davon, daß die Eisenbabnen dem Privatkapital ausgeliefert werden sollen.(Stür- Mischer Widerspruch.) daß derlei Erzählungen und vor allem die Antworten auf die kind- lichen Fragen nicht feinen Takt verlangten. Er ist vor allem im Gebiet jener Fabelgestalten oonnöten, die, wie Klapperstorch und Weihnachtsmann, ins Leben selbst hereintreten, und in jenen Zeiten, da es geboten ist, sie allmählich mit der wirklichen Welt ineinander- fließen zu lassen. Wer glaubt, ganz ohne sie auskommen zu sollen, der möge es tun, aber er soll nicht meinen, daß dem Kind viel Gutes damit geschebe, wenn sein Geist so völlig vor allem„Unwirklichen" bewahrt wird. In ihrer Kindbeit haben sich die Völker die Märchen geschaffen, weil ihr kindlicher Sinn nach solcher Nahrung verlangte. Der übersichtliche Aufbau und die klare Gliederung dieser Geschichten, ihre«infache Moral und Charakteristik, die keine Zwischenstufen und keine Abgründe kennt, sind das, wonach der noch nicht gereifte Geist begehrt, und wenn sie nur unvollkommene Abbilder des Lebens dar- stellen, so zeichnen sie doch die Welt in einfachen Linien, wie sie zu- nächst für denjenigen nötig sind, der sich in ihr zurechtfinden will. Diese primitiven Bedürfnisse teilt das Kind. Man fürchte auch nicht, daß die praktische Unterscheidung jener beiden Welten, deren es be- darf, um sich im Leben zu orientieren, durch Märchenerzählungen über Gebühr oerzögert werden könne. Das Leben fordert sein Recht und nimmt langsamer, aber sicher, vom Geist des Werdenden Besitz. Aber auch das Leben verlangt Phantasie, selbst für seine praktischen Anforderungen, und das Kind, dessen Einbildungskraft immer nur kümmerliche Nahrung empfangen hat und nie seine Schwingen ins Märchenland hat breiten dürfen, wird gewiß auch als Maschinen- ingeniFur keine neuen Ideen haben. Das Licht öer Arbeit. Won Alfred Fritzsche. Sonntagnacht. Eine Uhr Ichlägt zwölf: Mitternacht. Unmerk- lich stießt ein Tag in den anderen. Das macht mich immer so traurig, wenn ich vom Sonntag Abschied nehmen muß. Man geht schlafen— und am anderen Morgen sieht man der Arbeitswoche in die großen Augen. Sechs lange Tage arbeiten und schassen...! Und darum sucht man den Sonntag sestzuh allen mit beiden Händen und bleibt lange im Freundeskreis zusammen. Dann aber heißt es Abschied nehmen, und jeder geht seinen Weg. Auch ich ging ihn. Sinnend über die Straße mit dem Holzpflaster, das den Schall meiner müden Schritte dämpft. Da— was war das? Etwds blinkte. Ich gehe zurück. Suche und finde nichts. Weiter. Ein paar Schritt«, Nun blinkt es wieder: ein schmaler, heller Streifen. Licht! Ich stehe still und starre, und dann wird mir alles klar. Unter der Straße, auf der ich aelie, läuft ein Tunnel und Arbeiter'chaffen in ihm. Nachtschicht. Ich höre dumpfes Pochen, irgendibo klirrt Eisen, ein Wagen rollt schlotVrnd den Tunnel entlang. Gedämpft dringen alle Töne heraus. Aber das Licht strahlt hell aus dem Spalt em- por und kündet von der Arbeit, die da unten— unsichtbar— geleistet wird Und das macht mich froh und läßt die eigene Arbeit leichter rverdsn und läßt von aller Arbeit das Licht sehen, das sieghaft aus d>:m aroßen dunklen Bau des Werke» gisisit, rry im« nbt wie ein Gott, dem wir ahnungsvoll ergeben sind. Zluf dessen Altar wir Fleisch und Tlut jeden Tag opfern, und er gibt uns. die Helle unserer Liebe zurück— uns, den Schaffenden! Nachdem noch mehrere Redner gesprochen hatten, wurde eine Protestentschließung einstimmig angenommen, in der es u. 0. heißt: Wir erklären, daß zur Erhaltung der Eisenbahn als Staatssigenrum auch das schärfste gewerkschaftliche Mittel zur Anwenduug gebracht werden muh. Die von den Jndustriemagnaten vorgeschlagene Entstaallichung der Reichsbahnen würde dieses Verkehrsmittel seinen volkswirtschafllichen Aufgaben entziehen. Wenn die Industrie ihre Hand nach dem Besitz der Eisenbahnen ausstreckt! dann hat sie nicht ein vaterländisches, stm- dern persönliches Interesse daran, d. h. ein Interesse für den eigenen Geldbeutel. Die Beamtenschaft war und ist noch jeder- zeit bereit, an den Maßnahmen zur wirtschaftlichen Gestallung der Bahnen mitzuarbeiten und erwartet bestimmt, daß die von der Beamtenschaft gewählten Bertretec bei allen Berhand- lungen beteiligt werden. Zur Entstaatlichung der Rcichseisenbahnen und den damit zu- sammenhängenden Fragen nahm die Reichsarbeitsgemein- schast technischer Beamtenver bände am Freitag zu- lammen mit dem Vorstand des Reichsbundes Deutscher Technik, den Vorständen der technischen Eisenbahnbeamten- Organisationen und sonstiger technischer Beamtenoerbände, Vertretern der Reichsgewerrschvst. Deutscher Eisenöahnbeamten und Mitgliedern des Reichswirtjchaftsrates erneut Stellung. Es wurde Ueber- e i n st i m m u n g über folgende Richtlinien erzielt: 1. Eine Uebersührung des Besitzes der Reichs- e i s c n b a h n e n in den Besitz des Privattapitals ist u n a n- n e h m b a r. Der Besitz der Reichseisenbahnen muß uneingeschränkt dem Reiche verbleiben. 2. Es ist aber eine durchgreifende Reform der Rcichseisen- bahn dringend notwendig, um die Wirtschaftlichkeit zu heben. Dazu ist vor allem erforderlich: die Reichseisenbahnen zu einem selb- ständigen Wirtschastsbörper zu machen, d. h. sie aus den Fesseln des Reichsetats und von der Diktatur des Finanzminssterliims zu befreien, ihre Finanzen so zu sanieren, daß sie in Zukunft selbständig wirtschaften können, sowie die poliiische Vertretung der Eisenbahn in Kabinett und Reichstag von der wirtschaftlichen(technisch- kaufmännischen) Leitung zu trennen. Ferner muß eine moderne technisch-kaus- männische Betriebs- und Geschäftsführung, die die Fachleute mehr a!s bisher entscheiden läßt, durchgeführt werden. Die Selbständig- keit und Verantwortlichkeit der Beamten in allen Stellungen ist in großzügiger Weise zu erweitern: alle hemmenden bureaukratischcn Vorschriften sind zu beseitigen. Die Reformen sind durcif das Dcr- kehrsministerium mit den Eisenbahnerorganisationen unter Hinzu- Ziehung außenstehender sachkundiger Kreise, auch des Reichswirt- schaftsrates, durchzuführen. 3. Das Berufsbeamtentum ist auch in den Verkehrs- betrieben beizubehalten, weil es sich bewährt hat. Ueber die Frage, ob für die leitenden Stellen Ausnahmen zu machen feien, waren die Ansichten geteilt. Entsprechend der zu vergrößernden Lerant- wortung sind die Beamten der wirtschaftlichen Betriebe aus der allgemeinen Besoldungsordnung herauszunehmen und für gesteigerte Leistungen angemessen zu bezahlen. profeffor vr. 5ranz Stauöinger gestorben. In den ersten Morgenstunden des 18. November ist der weithin bekannte Theoretiker der deutschen Konsumgenossenschaftsbewegung, Professor Dr. Franz S t a u d i n g e r. im 73. Lebensjahre in Darm- stadt gestrrben. Dr. Staudinger hat mit allezeit frischem Geist und frohem Mute dem hohen Gedanken der genossenschaftlichen Gemein- Wirtschaft gedient. Er war Mitglied des Ausschusses des Zentral- Verbandes und der Vcrlagsgesellschaft deusscher Konsumvereine und des Aussichtsrcits der Darmstädtcr Konsumgenossenschaft: seine zahl» reichen sezialwissenschcstlichen und genossenschaftlichen Schriften und Abhandlungen sjaben seinen Namen in alle Welt getragen. Nun ist der nimmermüde Vorkämpfer einer sittlicheren, besseren Wirtschaftsordnung, einer der wenigen aus seinen Kreisen, die sich schon vor dem November 1S18 offen zu den Zielen des Sozialis- mus bekannten, ins Reich des ewigen Friedens gegangen, nach- dem er noch in verhältnismäßiger Rüstigkeit am internationalen Genossenschaftskongreß in Basel im August d. I. teilgenommen. Die deutsche Genosscnschaftsbcwegung und die Sozialdemokratische Partei stehen trpuernd, aber in Dankbarkeit an der Bahre dieses hervor- ragenden Mannes. Das Moskauer Künstler khcater in Berlin. Das Moskauer Künstlertheater eröffnet am 28. Nov. im Theater in der Königgrätzer Straße sein Berliner Gastspiel. Es ist die aus 40 Mitgliedern bestehende Kerntruppe der von Stanislawski und Dantschenko gc'chafse- nen Bühne, die nach fast dreijähriger Wanderschaft in der Fremde nun auch nach Berlin kommt. In ihren Reihen stehen die ersten Schauspieler Rußlands, Frau Tschechowa, die Witwe Tschechows, Frau Gcrmanowa, die Künstler Katschalow, Massalitinow und Bersenew. Das Haus Tschechows wird das Künstlertheater in Moskau genannt. Tschechow hat ihm seinen Weltruf zu verdanken, und noch keinem russischen Ensemble ist es gelungen, den Stim- mungsqehalt seiner Werke so auszuschöpfen, wie diesen Moskauer Schauspielern. Mit zwei Tschechow-Stücken wird auch das Berliner Gastspiel beginnen, mit„Onkel Wanja" und den„Drei Schwestern, daran reihen sich in der ersten Serie der Vorstellungen Ostrowskhs Komödie„Jede Weisheit hat ihren Haken" und Knut Hamsuns Drama„Vom Teufel geholt". Flugpostoerbindung um die Erde? Ein Plan, der gegenwärtig in den sportlichen und finanziellen Kreisen Amerikas, Englands und Frankreichs erwogen wird, betrifft, wie die„Nachrichten der Luft- fahrer" melden, die Einrichtung eines Weltflugpaftdienstes. Im Verlauf von siebzehn Tagen sollen eigens für diesen Zweck gebaute Flugzeuge um die ganze Erde fliegen, um Post zu beför- dern. Allein, so schön dieser Plan ist, er hat einstweilen noch seinen Haken. Um die ganze Erde zu umfliegen, muß man nämlich auch die unendlichen Wasserflächen des Stillen Ozeans überqueren, und da hat sich denn zwischen den Sandwich-Jnseln und der Westküste Amerikas bisher noch kein Landungsplatz für die Postflug- zeuge ausfindig machen lassen. Es werden also jedenfalls noch mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden sein, ehe man so weit ist, das Ideal einer regelmäßig verkehrenden Weltflugpost verwirklicht zu sehen, ganz abgesehen von den Gefahren, die mich die in s-nen Breiten so häufigen heftigen Meercsstürme den Fliegern bieten dürsten._ wegen die vronnerek. Di- Vrotesiversammlung de« Schi tzv-lbande« Deutscher Schrifisleller für die Are i d e i t d- s geittigen Schassen« in Dentichland wird am Donnerstag, den L4. November, abends 8� Uhr. im Sitzungssaal des H errcnhaulr«, Leipitiaer Strafe 3, slaXsindcn. Mit dem Schutzverband werben auch die Koi vorationen der darstellenden und bildenden Nünsller, sowie der deulschen Bühnen veriretcn sein. Im kleinen Schaiispielhans wird in dieser Woche außer.Kisi« auch Mortis„Nachrajyi»(Donnerstag) und SchnitzlerS.Reigen'(Freito-, Sonnabend und Montag) gegeben. glbcndvoritellniige« in zwei Abteilnngcn wird da«'Neue Theater am Zoo von Dienstag ab veranstalten. Die erst«(An Idas .Dummkopf'! beginnt um si.8, die zweile(Petz-Kainer-Ballelt. Musik-Trio Riiter-Holl-Kiem) um 10 Uhr. Eintrittskarten werden für jede Borflcllung gesondert ausgegeben.» Die Ausstellung„Buch und Bild" im Kunstgewerbe. Museum. die sich außerordentlich starken Besuches erfreut, ist bzs Sonntag, den 27. November einschl. verlängert worden. In der Arbeitcr-Kunst-AiiSstellung, Petersburger Str. 3g. spricht am Donnerstag'/»S Uhr Ernst Friedrich T o l l e r S.Masse Mensch'. Luöenöorff, Sauer und die �uöen. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt am gestrigen Sonntag im Logen- Haus seine Hauptversammlung ab. Das Hauptthema des Tages lautete„3m Kampf um unser Vaterland". Der Redner hierzu war Landesrabbiner Dr. R i e g e r- Braunschweig, der sich namentlich mit dem von schriststellernden Militär» planmäßig gezüchteten An- tisemitismus auseinandersetzte. Interessant ist, was er über das Buch des Obersten Bauer sagte. Oberst Bauer behauptete in seinem Buche, daß die Juden im Kriege ihre Pflicht nicht getan hätten, an anderer Stelle aber spricht er fortgesetzt davon, daß wir den Krieg gar nicht länger hätten führen können, wenn nicht G e- heimrat Haber die Fabrikation des Salpeters nach seinem Hochdruckoerfahren eingeführt hätte. Ferner rühmt Bauer, daß Ge- heimrat Haber als erster eine allen Anforderungen entsprechende Gasmaske konstruiert hat. Oberst Bauer scheint eben nicht zu wissen, daß Geheimrat Haber jüdischer Abstammung ist. Besonders ausführlich ging der Redner auch auf Luden- d o r f f s antisemitische Ausfälle in seinem letzten(hier bespreche- nen) Buch ein. Ludendorsf behauptet bekanntlich, daß die„Ober- leitung des jüdischen Volkes" mit Frankreich und England gegen Deutschland gearbeitet habe, ja sogar beide geführt habe. Um eine Heimstätte in Palästina zu erwerben und sich eine überstaatliche Vormacht zu verschaffen,' hätten die Juden, die deutschen Juden mit einbeg rissen, an Deutschlands Niederlage ge- arbeitet. Der Redner hob hervor, daß Ludendorffs Angriffe gegen die deutschen Juden das schwerste fei, was einem Menschen überhaupt vorgeworfen werden könne. Wenn Ludendorff von der Oberherrschaft in Palästina rede, so hätte er wissen müssen, daß die zionistische Auffassung von dem weitaus größten Teil der jüdischen Deutschen abgelehnt wird. Bezeichnend ist auch, daß Luden- dorff den jüdischen Studentenvereinigungen des KO. auf einen Brief, in dem diese ihre Treue zu Deutschland hervorhoben(8 Proz. ihrer Mitglieder sind auf den Schlachtfeldern gefallen), die Antwort erteilte, daß er jedes Eingehen auf ihr Schreiben ablehne.— Der Redner betonte schließlich, daß das Judentum auch im Kriege Milde lehre und zitierte folgende Stelle des Iosephus: Milde soll auch, das Verfahren gegen die Feinde im Kriege fein, der Gesetzgeber verbietet nämlich, ihr Land mit Feuer zu verwüsten und gestattet auch das Fällen der Obst- bäume nicht. Das ist vor mehr als 2000 Iahren geschrieben. Lätte Luden- dorff sich danach gerichtet, wäre dem deutschen Volt manches Unheil erspart geblieben. Es sprachen noch Redner aus allen Teilen Deutschlands, sowie ein Vertreter des Verbandes der jüdischen Frontsoldaten, die ihre Treue zu Deutschland betonten. Eine Entschließung in diesem Sinne wurde e i n st i m m i g angenommen. Unsere Zinanznot. Hamburg, 21, November.(Eig. Drahtbericht.) Auf dem so- zialdemokratischen Bezirksparteitag für Schleswig- Hol' ein referierte der württemberaische Minister Reichstagsabg. Genosse K e i l über„Di« deutsche Finanznot und die Steuer- Politik der Sozialdemokratie". Genosse Keil äußerte u. a. sol- gendes: Alle A•zeichen deuten darauf hin, daß Deutschland einer Katastrophe entgegengeht, einer größeren, als wie wir sie in den letzten Iahren erlebt haben. Die deutiche Finanz- Wirtschaft steht bercüs in dieser Katastrophe, die noch vergrößert wird durch die bestehende Reparationskrise. Die deutsche Regierung weiß heut« noch nicht, wie sie die Forderungen der Entente, die uns durch die Politik der Alldeutschen a u f g e h a l st ist, er- füllen soll. Diese Kosten werden sich einschließlich der Besatzungs- kosten und der Kosten für die Kontrollkommissionen auf ZOO Milliarden Papiermark belaufen, und obschon wir niemals gesagt haben, daß wir die Forderungen der Entente erfüllen können, son- dern immer nur den guten Willen betont haben, werden wir doch eines Tages dazu kommen müssen, zu sagen, wir können nun e i n f a ch n i ch t m c h r. Es sei bedauerlich, daß im Reichsfinanz- Ministerium seit Iahren die Zügel auf dem Boden schlei- fen. Vieles hätte geschehen können, um wenigstens den eigenen inneren Bedarf zu decken. Allein das Einzige, was man getan hat, war die siebenfache Erhöhung der Zuckersteuer, die wir zudem noch ablehnen mußten. Auch ist nichts geschehen, um den Reparations. sorderungen der Entente gerüstet gegenüberzustehen, und als das Londoner Ultimatum kam, stand das Finanzministerium mit leeren Händen da. Da die Sozialdemokratie eine Eni- staatlichung der Eisenbahnen ablehne, habe sie dem Kreditangebot der Industrie die Zustimmung vorsagen müssen. Zum Schluß ging Genosse Keil dazu über, die Forderungen der Sozialdemokratie auf Feststellung der Vermögen noch dem gemeinen Wert und die scharfe Erfassung der Sachwerte zu erörtern. Wir danken dem volksparteilichen„Fachminister" der Regierung Fehrenbach, daß das große Defizit des Reiches durch die Aufhebung der Ausfuhrabgabe noch vergrößert wurde. H e l f f e r i ch hat sa schon im Frühjahr Vorsorge getroffen, daß die Spekulationsgewinne völlig steuerfrei geblieben sind. Die Beladung des Verbrauches in Deutschland sei aber be- reite derart gestiegen,"daß sie nur dann noch gesteigert werden kann, wenn endlich die Geldentwertung zum Stillstand gebracht wird und auch der Besitz entsprechend zur Deckung der Lasten heran- gezogen wird. Genosse Keil schloß seinen Vortrag mit d-m Aus- druck der Hoffnung, daß, obschon viel versäumt sei, eine Lösung des Problems doch noch möglich fei, wenn die großen Massen des arbei- tenden Volkes in Deutschland fest, zur Durchsetzung der Forderungen der Sozialdemokratie zusammenstehen und gegebenenfalls auch bei einem Wahlkampf im Frühjahr einig und geschlossen dem Bürgertum gegenüberstehen. Kommunisten im Konsumverein. Cflen. 21. November.(Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag wurden in der Generalversammlung des Konsumvereins„Eintracht" in Essen die A u f s i ch t s r a t s w a h l e n getätigt, die weit, über den genossenschaftlichen Rahmen hinaus allgemeine Bedeutung für die Arbeiterbewegung des Industriegebietes'haben, denn hier zeigte sich daß die Kommunisten, nachdem ihr Anschlag auf die Ge- werkschaften mißlungen ist. nunmehr mit aller Macht den Kampf auf die Eroberung der Genossenschaften beginnen. Wie skrupellos die Sowietgenossenschoftler dabei vorgehen, wird weidlich durch ein Rundschreiben, das von der. kommunistischen Unterbezirksleitung in Essen�an die Distriktleiter versandt wurde, gekennzeichnet. In diesem Schreiben heißt es u. a.: „Gleiehzeitig folgen eine Anzahl Aufnahmescheine für die Konsumgenossenschaft„Eintracht'. Parteimitglieder, welche noch nicht Mitglieder der„Eintracht" sind, müssen dazu angehalten werden. Die Mitgliedschaft muß aber noch im Laufe der kommenden Woche, also vor Ab- Haltung der Generalversammlung erworben werden, damit die Neuaufaenommenen in der Generalversammlung Stimmrecht haben." Mit solchen Illegalen Mitteln und einer Riesenpiakatreklame ge- > dachten die Kommunisten in Essen den Konsumverein an sich reißen 1 zu können. Erfreulicherweise ist ihnen dieser Versuch mißlungen. Mit nahezu 400 Stimmen Mehrheit ist die Liste der SPD.- und USP.-Genossenschaftler aus dem Kampfe siegreich hervorgegangen. Der Sieg ist um so höher anzuschlagen, als die Kommunisten die Genossenschaftewahlen ausdrücklich zu einer politischen Macht- frage gestempelt hatten und von weit und breit den letzten Mann aus dem Industriegebiet heranholten. Der Magistrat und die Lohnforderungen. Die Verhandlungen zwischen dem Magistrat und seinen Arbei- tern haben eine neue Wendung genommen. Am lä. November lehnte bekanntlich eine Versammlung aller Funktionäre der im Lohn- kartell für die Gemeindebetriebe vertretenen Organisationen den Vorschlag des Magistrots vom 12. November ab, der die Differenz zwischen dem Berliner Lohn und dem in den Reichsbetrieben bezahl- ten bewilligte. Die Funktionärkonferenz forderte, daß die ein- malige Wirtfchaftsbeihilfe von 1000 M. und außer- dem für jedes Kind 250 M. bewilligt werden. Auf diese Summen sollten die angerechnet werden, die der Magistrat auf Grund seines Abschlusses vom 12. November bereits ausgezahlt hat oder noch auszahlen wird. Das Lohnkartell wurde zur gleichen Zeit aufgefordert, sofort in neue Verhandlungen mit dem Magistrat einzutreten. In seiner Sitzung vom'Sonnabend hat der Berliner Magistrat diese Forderungen abgelehnt und erklärt, es sei ihm un- möglich, über das Angebot vom 12. November hin- auszugehen. Auch mit einer Erhöhung der Tarife für Gas, Wasser, Elektrizität und Straßenbahn könnten die Mehrausgaben nicht bestritten werden. Außerdem könne man, wenn die Stadt ihren Arbeitern mehr zahle als das Reich, nicht auf die Reichs- Hilfe rechnen, die der Städtetag gefordert hat. Dieser Entschluß des Magistrats hat eine ganz neue Situation geschaffen, zu der in den allernächsten Tagen eine Funktionärkon- serenz des Lohnkartells Stellung nehmen wird.. Wir sind uns keinen Augenblick darüber im Zweifel, daß dieser Magistratsbeschluß unter der städtischen Arbeiterschaft eine lebhafte Erregung hervor- rufen wird. Die Stimmung ist so, daß man die Möglichkeit eines neuen Streiks in den städtischen Werken nicht von der Hand weisen kann. Wie dem aber auch sei, unter allen Um- ständen verlangen wir von den 03 000 den freien Gewerkschaften angehörenden städtischen Arbeitern und Angestellten, daß sie sich nicht wieder von den 3000 Kopf, und Handarbei- tern ins Schlepptau nehmen und zu„Aktionen" hinreißen lasten, die den Parolen der Gewerkschaften zuwiderlaufen. Durch die'e kommunistischen Einzelaktionen und wilden Streiks kann nichts erreicht werden. Ein Erfolg blüht nur dann, wenn die städtische Arbeiterschaft Disziplin bewahrt und die Beschlüsse der von ihr eingesetzten Körperschaft abwartet, um sie dann mit der Kraft zu unterstützen, über die eine geschlostene Arbeiterschaft verfügt. Groß-Rerlw Sei den Taubenfreunden. Im Zentrum der Stadt haben sich viele Täubchen ein Stelldichein gegeben und ihre Bewunderer und Verehrer kommen von weit- her, um sie zu bestaunen. Interessant ist überdies zu beobachten, wie die Hast der Zeit viele Hand- und- Kopsarbeiter dazu bewegt, an wahrer Geduldsarbeit, wie es die Taubenzüchtung darstellt, gerade eine Freude zu finden. Zucht erfordert- Geld, Mühe und Aufopfe- rung, ist aber immerhin eine Liebhaberei, die dem Rützlichkeits- Prinzip dienfc Der Stolz einer Tauben-Aus st ellung, die der Tauben- züchterverein„Arkono" zurzeit im Rosenthaler Hos veranstaltet, sind die Weißschwänze. Sie sind auch gar wohlgefällig fürs Auge, sehr verschieden in der Farbe, schwarz, rot, gelb, blau, aber alle mit einem schneeweißen Schwanz. Reich ist auch die Kollektion der Langen Berliner Tauben. MoN sieht weiße, blaue, bunte, eine große Farbenfreudigdeit. Die Tiere„stehen" gut und machen ihren Züch- tern Ehre. Die meisten Exemplare sind unverkäuflich, sie sind eben der Stolz ihrer Besitzer. Die Mitglieder des Vereins tauschen auch untereinander ihr Material aus, um zu guten Zuchtergebnissen zu kommen. Interessant für den Deschauer sind ferner die kurzen Tauben und unter ihnen wieder die„euligen" mit ihrem kleinen Schnabel und die„kupfrigen", die bei künstlicher Beleuchtung die gleißendsten Lichtreslexe auf ihrem Gefieder haben. Die zu Tauben gewordene Koketterie verkörpert sich natürlich in den Pfaulauben. Man sieht sie dort in Weiß, rocschildig, blau- schildig und je ein Exemplar in Blau und Schwarz. Zitterhälfig, ganz herübergebogen, meint man nahezu, sie könnten kaum stehen vor lauter Eitelkeit. Eine Elster mit ihrem schönen Hals und ihren klugen Augen sammelt ober auch stets eine Schar von Bewunderern vor ihrem Bauer. Natürlich sind die Brieftauben zahlreich vor- treten. Man sieht blaue, rote mosaikfarbene und Schimmel. Viele haben schon beachtenswerte Flugleistungen vollbracht. Kreidezahlen, die vor den Käfigen stehen, geben Kunde davon, wie viele Hunderte von Kilometern die Tiere schon gereist sind. Eine wahre Freude machte die Lotterie. Man sah wohl den Fußboden des Ausstellungsräume mit enttäuschten Hofsnungen, nämlich mit weggeworfenen Losen, mit Nieten, bedeckt, aber man sah auch gewonnene Tauben, die in Damenhandtaschen und Ueberzieher- taschen verstaut waren, und Täubchen, die artig und sanft— in Zeitungspapier eingewickelt wurden. Die in üer Zremöe starben. Eine wehmüttg-weihevolle Gedenkfeier wurde am Toten- sonntag von der Ortsgruppe Charlottenburg der Reichsver- einigung ehemaliger Kriegsgefangener veranstaltet. Sie galt den in der Gefangenschast verstorbenen Kameraden, die fern von der Heimat in fremder Erde ruhen. Großmann, erster Vorsitzender der Ortsgruppe, sprach in einleitenden Worten von den Leiden der Kriegsgefangenen. Er betonte, daß in der Vereinigung die politischen Gegensätze keine Rolle spielen. In seiner Gedächtnis- rede gab der Ehrenvorsitzende v. L e r s n e r sich Mühe, die Klippen der Politik zu vermeiden. Aber manches von dem, was er in bild- hafter Sprache sagte, konnte man sehr verschieden auslegen. Die feit dem Zusammenbruch und der Revolution verflossenen drei Jahre verglich er mit einer Gefangenschaft, aus der das deutsche Volk „heim wolle". Die Ansprachen wurden umrahmt von musikalisch- deklamatorischen Darbietungen. Aus den Rezitationen, die noch einmal alles Grauen des entsetzlichen Völkermordens vor unserem Auge vorüberziehen ließen, schrie der Wunsch: Nie wieder Krieg! Chöre und Lieder von Mozart, Schubert, Brahms und Rich. Wagner strömten Frieden in wunde Herzen. Die valutahöhle in öer Grenadierstraße. Für mehrere Millionen Devisen beschlagnahmt. Die Grenadierstraße, die seit langem den Ruhm genießt, der Unterschlupf einer bestimmten Art des Berliner Verbrechertums zu sein, macht wieder von sich reden. Es gelang der Kriminalpolizei dort gestern, eine sogenannte Balutahöhle auszuheben, in der sich eine Anzahl von Personen, die bereits als lästige Ausländer ausge- wiesen waren, mit Devisenhandel und Valutaspekulationen im große» beschäftigten. Der Mittelpunkt dieses ganzen Treibens war die Pension Süßappel, Grenadierstr. 32, in der sich alles zusammenfand, was aus dem Osten nach Berlin kam, um die unglaublichste» Ge- fchäfte, Vermögensverschiebungen u. dgl., frei von Steuer und Stempelgebühren abzuwickeln. Die Polizei umstellte gestern alle Eingänge des Hauses und konnte 21Personenseststellen, die bereits als lästige Ausländer ausgewiesen waren, sich aber trotz- dem noch in Berlin aufhielten. Im Augenblick des Erscheinens der Beamten warf die ganze Gesellschaft die Vermögenswerte von vielen M i l l i n n e n � die sie in gebündelten Tnufendmort- scheinen bei sich trugen, hinter die Möbel und auf die Schränke. Die Polizei nahm eine genaue Absuchung des Zimmers vor und konnte einen in die Millionen gehenden Betrag belchlag- nahmen, da sich keiner der Anwesenden als Besitzer des Geldes bekannte. Dle ganze Schiebergesellschaft wurde schließlich nach dem Polizeipräsidium gebracht und einem genauen Verhör unterzogen. Verkehrsstörung auf der Untergrundbahn. Auf der Nordstrecke der Untergrundbahn gab es heute vor- mittag eine längere Verkehrsstörung, die den Berufsverkehr erheblich behinderte. Die Ursache war ein in der Nähe der Station Kloster- strahe aus den Schienen gesprungener Wagen, wodurch die Strecke Spittelmarkt— Schönhauser Allee auf mehrere Stunden den Verkehr gänzlich einstellen mußte. Die Störung machte sich auch auf den Linien im Westen bemerkbar und auch die Züge nach dem Zentrum erlitten erhebliche Verspätung. Gegen mittag konnte der Verkehr wieder aufgenommen werden. Personen sind nicht verunglückt. Die Kugel eines Gewalttätigen. Als In der Nacht zum Sanntag der Derein Charlottenburger Droschkenkutscher in den Hohenzollernsälen zu Charlottenburg ein Wintervergnügen abhielt, das sich bis zum Morgen ausdehnte, er- schien plötzlich gegen 0 Uhr früh der 20 jährige Pförtner Gustav Harz aus der Kaiier-Friedrich-Str. 3a und verlangte unter der Angabe, er fei ein Kriminalbeamter, Einlaß. Als man ihm diesen verwehrte mit dem Bedeuten, daß es sich um einen geschlossenen Verein handele, zog Harz den Revolver aus der Tascbe und f e u e r t e e i n e n S ch u ß ab. Die Kugel traf den Droschkenkutscher Hermann T h o r m a n n in die Brust und tötete ihn auf der Stelle. Der Täter wurde festgenommen. » Wie uns nachträglich mitgeteilt wird, gehört der Revolverheld dem Werksicherheitsdienst der Siemens- Schuckert- Werke an. Diese Tatsache scheint durchaus die Ansicht der ge- samten Belegschaft des Siemens-Konzerns zu bestätigen, daß der Werksicherheitsdienst zum großen Teil aus ganz ungeeigneten Elementen zusammengesetzt ist. Bei der Auswahl der Werk- sicherheitsdienstbeamten scheint man mehr auf militärische Herkunft als auf Ehrlichkeit zu sehen. Es ist nicht der'erste Werksicherheits- dienstbeamte Im Siemens-KonZcrn, d°r mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt kommt. Die Betriebsräte haben schon alle in Frage kam- wenden Instanzen darauf hingewiesen, daß früher oder sväter Zusammenstöße der Arbeiterschaft mit den Beamten des Werksicher- heitsdien' es, der vollkommen militärisch aufgezogen ist, zu be- fürchten sind Unserer Ansicht noch hätten daher die Behörden alle Veranlassung, sich eingehend um die Vorgänge beim Werksicherheits- dienst im Siemens-Konzem zu kümmern. Ei« Hei«, für Ledige und für Ehepaare. Tie Berliner Freireligiöse Gemeinde Hai ein Werk geichaffen, da4 obicit« von ibrem biZberigen Arbeiisgebiel liegt. Sie bat auf ihrem Grundbefis an der P a pp e l g l l e e ein Heim errilbiet, da? teils Emtelräume an Ledige, teil» kleine Wob/tungen bis zu drei Zimmern an junge Ehepaare abgeben toll. Ter Plan bestand feil Jahrzehnten, aber er scheitetie immer wieder an Hinder» nissen verschiedener Art. Daß er gerade in dieier Zeil der Wohnungsnot iroy aller Geldknappheit auSgeiühii werden konnte, ist beiondeiS«isreultck. Die iehr bedeutenden Vankosten von 2 800 000 M. wurden auS einer der Fretreltntö'en Gemeinde zugefallenen Sebenkung. aus Battkostettzutchnsien des Reiches tird durch eine Hyuoihek der Sladi rusammenaebrachi. Mit dem Heim ist eine Gemeinschaftskiiche verbunden, die den Bewabmun alle Küchennrbeit eripnrt. Um das Znstandekommen dieses Werkes bat Adolf Hofimann, das Botsiandsmitglted der Fteircligwien Gemeinde, sich eitrig bemüht. Gasvergiftungen und kein Ende. Feuerwehr und Rettungswochen hoben in den letzten Tagen dauernd mit Gasvergiftungen zu tun. Am Sonntag find wiederum mehrere Fälle tödlich verlaufen. Der Zug 8 der Feuerwehr wurde nach dem Lausitzer Platz 15 alarmiert, wo der Wächter Karl Stöpke sowie feine Frau und seine Schwägerin bewußt- l o s aufgefunden wurden. Bei der Schwester der Frau Stövke waren die Bemühungen der Samariter von Erfolg begleitet. Sie wurde nach dem Urban-Krankenhaus gebracht. Bei den Eheleuten war der Tod bereits eingetreten.— In mehreren anderen Fällen waren die Bemühungen von Erfolg- gekrönt, so daß die Geretteten ärztlicher Lehondlung übergeben werden konnten.— In der ver- gangenen Nacht zum Montag brach in der Wohnung des Straßen- bahnführers Albert Wolter, Löwcstr. 15, während seiger Ab- Wesenheit auf nech nicht festgestellte Weise Feuer aus. Durch den Rauch wurde die bereits schlo'ende Ehefrau Emma Wolter betäubt und verbrannt« im Bett. Der Tokensonnkagsverkehr war gestern auf den für den Friedhofsbesuch in Frage kommenden Strecken im Gegensatz zum Büß- tage außerordentlich stark. Die Maßnahmen der Eisenbahndirektion zur Bewältigung des Friedhofsverkehrs erwiesen sich jedoch als aus- reichend.— Der Berufsverkehr litt heut« vormittag unter dem zeitweise auftretenden starken Nebel, wodurch kleinere Per- soätunaen einzelner Vorortzüge eintraten. Auf der Strecke Berlin— Großlichterfelbe-Ost trat be! einem der elektrisch betriebenen Vor» ortzüge ein Maschinenschaden ein, so daß zwei ihm folgende Züge bis zum Abschleppen dos schadhaften Zuges ausfielen.— In- folge eines heißgelaufenen Wagens trat schließlich noch auf der Vorortstrecke Berlin— Zossen eine Verspätung einzelner Züge bis zu 25 Minuten ein. RSchMche Plünderung. In der Sonntagnacht zertrümmerte ein junger Mann die Schaufensterscheibe des Schlächterladens von Paul Stein in der Wilmersdorf er Straße 00 a und entfloh. Im Handumdrehen �war das Geschäft durch nächtliche Herumtreiber ausgeplündert. Nach Angabe des Schlächtermeisters sind ihm drei Zentner Fleisch gestohlen worden. Einer der Plünderer, der 15iährige Schlosserlehrling Helmut St. konnte durch eine Streife festgenommen werden. Später wurde noch der 23jährige Klempner Max K. aus dem Stuttaarter Platz sistiert, der nach Zeugenbekun- düngen die Schaufensterscheibe zertrümmert haben soll. Wetter für morgen. Berlin uud Umgegend. Ziemlich mstd. gioistenleil» irübe und etwas nebelig, ohne erhebliche Niederschläge, mäßige östliche bis südöstliche Winde. Grosi-öerlmer parteinacÄricbksn. 88. Abt. Mariendork.®l' stlr heute abend angesetzte Borstand»gtzung tindet wegen der Kreievorftandesltzung erst morgen, D enatag, 7>/, Uhr in der Schule. ALnia» stratze, statt. 43. Abt. Heute adend 7V, Uhr Bejtrlotllhrersttzung bei Feuerhat, BoppsNatze. OewerGhastsbeVegung 5unktionär?onferenz öer Metallarbeiter. Lohnfragen und Lichtenburg. dm Sonntag tagte in den Sophiensälen eine Konserenz oller Funktionäre derjenigen Betriebe, welch« dem BBMI. angeschlossen sind, und der erweiterten Ortsverwaltung des Mctallarbciterver- bandes, um über die zu stellenden Forderungen zu beraten. Das Lohnabkommen ist bereits zum 31. Dezember gekündigt und es haben auch schon Verhandlungen über außertarifliche Zulagen für die Zeit des noch geltenden Tarifs begonnen. Diese wurden infolge der einzelnen Betriebsbewegungen unterbrochen, sie werden nunmehr kommenden Mittwoch fortgesetzt werden. Bevollmächtigter Z i s k a hielt ein eingehendes Referat. Die Ortsverwaltung hat sich auf den Standpunkt gestellt, keine bestimm- ten Vorschläg zur Neuregelung ob 1. Januar zu machen, , sondern es der Versammlung zu überlassen, Grundlagen für die kommenden Verhandlungen zu schaffen. Der Redner geht in längeren großzügigen Darlegungen auf Wesen, Bedeutung und Auswirkung von Tarifverträgen ein, da sich ein Teil der Kollegen auf den Standpunkt des sogenannten freien Spiels der Kräfte gestellt hat, ausgehend davon, daß ihre Berufsgruppen dak>ii eher die Möglichkeit hätten, höhere Lohnbedingungen zu er- zielen. Hierbei kommen die hochqualifizierten Berufsgruppen in Frage. Die Verwaltung venrete aber einmütig die Auffasiung, daß es ein verderbliches Beginnen für die Kollegenschast der Metallindustrie überhaupt wäre, menn sie von der Bindung der Tarifverhältnisse Abstand nehmen wollte. Es fei notwendig, Tarifpolitik zu treiben. In der Frage der Abhilfe der augenblicklichen Not- läge noch während der Tarifdauer habe die Mehrheit innerhalb der Ortsverwaltung die Auffassung vertreten, daß von der Forde- rung einer einmaligen Wirtschaftsbeihilfe abzusehen, dafür aber eine außertarifliche Zulage auf die Tariflöhne zu fordern sei. Die Verwaltung empfiehlt, eine solche von 3 M. pro Stunde zu beantrugen. Nach dem Referat Ziskas wurde die Verhandlung über diesen Punkt der Tagesordnung unterbrochen, um dem durch Konferenz- befchluß zugelassenen Rcichstagsabgeordneten Ledebour Ge- legenheit zu einem Bericht über den Hungerstreik der politischen Gefangenen in Lichlenburg zu geben. Während der Diskussion über diese Angelegenheit kam es zeitweise zu recht stürmischen Unterbrechungen, veranlaßt durch H a r t m a n n und S ch i w e l b e i n, die als Bctriebsdelcgierte im Reichstag waren. Hartmann war„platt", als er sah, daß unsere Genossen bei der Abstimmung über die Freilassung der Hunger- streikenden sitzen blieben und Schiwelbein regte sich gewaltig dar- über auf, daß ihm unser Genosse Hermann Müller die Frage vo.rlegte, ob er sich seiner Verantwortung bewußt- sei, wenn er die Freilassung fordere. Wie kann man auch Herrn Schiwelbein mit „Verantwortung" kommen. Bevollmächtigter Urich teilt mit, daß die Gewerklchaftskommission und der Ausschuß Stellung genommen und den ADGB. beauftragt hat, sofort alle Schritte einzuleiten, daß den Gefangenen in Lichtenburg sofort jede Unterstützung zuteil wird. . x»»««-»«» � n iii i bi Iii im i rrTnmrTi— rwi | Genoste Bernhard Kröger führte dann aus: Es ist be- zeichnend, daß jetzt, wo die Funktionäre der Metallindustrie Richt- Linien für ihre Lohnpolitik aufstellen wollen, Diskussionsredner diese, auch unser Mitempfinden auslösende Ange- legenheit benutzen, um Dreckkübel über unsere Parteil d i e SPD., auszugießen. Ich bezweifle, daß die Arbeiterdepu- tationen, die im Reichstag waren, von ihren Betrieben durchweg gewählt sind. Wir wissen, wie diese Deputationen zustande kom- men. Wenn wir als Proletarier Mitgefühl haben für die unschuldi- gen Opfer der Märzaktion, wenn wir die Stellungnahme dieser Opfer begreifen, die für die Sünden anderer büßen. so gedenken wir auch der Leute, die sich nach Eintritt des Kampfes feige verkrochen haben und die jetzt die Situation ausnutzen, um für sich ihre Parteisuppe kochen zu können.(Lärm. Vielfache Zwischenrufe. Ein Kommunist ruft:„Du wirst zuerst gehängt, wenn wir die proletarische Diktatur haben.) Auch wir werden für den Antrag Hellwig(der inzwischen eingegangen ist) stimmen, b e- antragen aber einen Zusatz, welcher lautet: „Zugleich fordert die Konferenz unter Berücksichtigung der eben angeführten Argumentation auch die Hafkenllassung der politischen Gefangenen in Rußland. da diese in jenem Staate leider unter derselben Misere wie in Deutschland stark zu leid» haben. Mit Entrüstung konstatiert die Verlangen jedoch nicht entsprechen, da sie erst mit den anderen ll&erften un� mit der Eeneraldirektion in Essen sich verständigen mußte. Die Arbeiterschaft hat daraufhin die Arbelt nicht wieder aufgenomm en. Die Direktion der Germaniawerjt hat nunmehr die sofortige Entlassung der Gesamt- arbeiterschaft ausgesprochen. Die �uchdruckerei A. Seydel u. Cie. legt Wert aus die Fest» stellung, daß ihre Maschinensetzer außertarifliche Sondersorderungen gestellt haben, die ihnen nicht bewilligt wurden. Von einem Lohn- konflikt im Sinne des Tarifes kann keine Rede fein. /tos aller Welt. Versammlung, daß die russische proletarische Regie- rung zu denselben Maßnahmen greift, die wir in Deutschland auf das heftigste bekämpfen." Einstimmig angenommen wurde folgende Resolution Hellwig:„Angesichts der Besprechung der Sache der im Lichten- burger Zuchthaus in den Hungerstreik getretenen politischen Ge- fangenen erklärt die Funktionärversammlung des DMA., daß, wenn die Gefangenen nicht sofort befreit werden, die proletarischen Or- ganisationen sofort zusammenzutreten haben, um durch eine gemein- same proletarische Aktion die sofortige Befreiung zu erzwingen." Der Zusatzantrag Krüger und Genossen wurde abgelehnt. Diese Ablehnung ruft stürmisches Veifallklakschen der Kommunisten hervor, das den Bevollmächtigten Urich zu der Bemerkung ver- anlaßt, daß kein Grund zu klatschen vorliege, er hätte es lieber ge- sehen, wenn dieser Antrag Krüger angenommen worden wäre. In der fortgesetzten Diskussion über die Lohnforderungen wurde entgegen dem Vorschlag der Ortsverwaltung beschlcsten, noch für diese Tarifzeit eine Wirtschaftsbeihilfe von 1000 M. für Sie G e- lernten und von 1S00 M. für die Ungelernten, sowie einen Stundenaufschlag von S M. zu fordern. Wegen der vorgerückten Zeit wurde dann die Konferenz auf Donnerstag 7 Uhr(Sophiensäle) vertagt. In der neuen Konferenz wird zu den Fragen der allgemeinen Lohnpolitik und der Neu- regelung der Löhne ab 1. Januar weiter Stellung ge- nommcn. Es sind bereits zahlreiche Redner vorgemerkt. Oer Toü im Kino. Zwölf Kinder verbrannt. Eine schwere Brand- und Explosionskakastrophe ereignete sich am Sonntag in dem harbnrger Welt-Kino als dort eine von mehreren hundert Kindern besuchte Zugendoor stellung veranstaltet wurde. Beim Abrollen eines Films geriet dieser in Brand. Der Operateur versuchte vergeblich, das Feuer zu löschen. Es entwickelte sich eine große Stichflamme, die auf an der Wand hängende Filme übersprang. Die brennenden Zelluloidfilme entwickelten im Augenblick einen furchtbaren Qualm. Zm Zuschauer- räum entstand eine wilde Panik. Alles versuchte, dem einzigen vorhandenen Ausgang zuzuströmen. Die sofort alarmierte Feuer- wehr und zahlreiche Passanten gingen unerschrocken an die Rettungsarbeiten. Als die Feuerwehrleute in die Räume einge- drungen waren, fanden sie elf Leichen und zahlreiche mehr oder weniger schwer verletzte Kinder. Der Tod bei den vorgefundenen Leichen war entweder durch Zertreten oder durch Einatmen der Gase eingetreten. Renn schwerverletzte Kinder wurden ins Krankenhaus gebracht, von denen eines verschieden ist. Bei den ! übrigen besteht keine Lebensgefahr. v«rantw. kür den redakt. Te!l: Dr. Wcrnrr Prilrr, Tbarlottenbura: kür An- zciqen: Th. Slocke, Berlin. Verlag Dorwiirt,»Verlag<5. m. 6. 6-, Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei u. Berlagsanftalt Paul Singer u. To., Berlin. Lindenstr. S. Aussperrung auf der Gcrmaniawcrft. Die Arbeiterschaft der Germaniawerft hatte vor einigen lagen die Forderung auf eine einmalige Wirtschaftsbeihilfe in Höhe eines durchschnittlichen M o n a r S Verdienstes gestellt und vor dem Verrroltungsgebäude demonstriert. Auch die Arbeiten wurden nach MTB. teilweise verzögert. Die Direktion konnte dem mslavi»- Mille« («et. getchilS» jui Desinfektion der Mund- und Rachenhöhf« besonder» bei (§5�� Heiferke». ßalsenlztlndung. ver« Erhältlich in den Apotheken u. Drogerlen. ur»: �{>* A Verkaufen Sie nichts zu' IUI-, ich kaufe ohne zu han- WQtralCfae Ueln unU za-le Zehnslift! I.InntaMe Brennstlfte' Uhren i I.K-.tte Ringe 1 wie bekannt die höchsten Preise für, Bestenkc [.Sachen Bruch Gebisse Zahn b s 2C0 D. 2000 rJW~ Brillanten, alte Münzen, Ferngläser w"he1mstra39« EckeKocustraße trea%l ItCll Vi 38 Cl s lilSaiili nahe Anhalter und Poisdamcr Bahnhof. Vom Pub-Ihum se.bst als eine höchstzahl. Stelle anerkannt. 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Die Grundlagen der kapitalistischen Entwicklung Deutschlands. 2 Die Verannnng Deutschlands als Folge des Krieges. a) Niedergang der Landwirtsehaft. b) Die Krise der Industrie. c) Das Bauwesen, d) Der Verfall des Transportwesens. 3. Wo sind die deutsehen Arbeiter? 4. Die Verelendung der Arbeiterklasse Deutschlands. a) Der Zusammenbruch der Ernährung. b) Teuerung und Lohnsteigerung. 5. Der Rückgang der Arbeitsleistung. 6. Das Elend der deutsctien Arbeiterklasse macht die deutsche Industrie auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig. 7. Die Krise der kapitalistischen Gesellschaft in Deutschland. 8. Das Reparationsproblem. II. Teil. Die Finanzkrise des Deutschen Reiches: 9. Alte Sünden..10. Die Ergebnisse der verfehlten Finanzpolitik, al Das Defizit des Staatshanshaltes. b) Die Entwertung des Geldes, c) Die Verschiebung in der Vermögens- und Einkommensverteilung. 11. Das Steuerproblem im Klassenstaat. 12. Verteilung der Steuern auf die Einkoramensarten. 13. Hie Hhodus, hic salta. 14. Was die vornehmen Ausländer raten. 15. Die.Studien" der Gelben Internationale. 18. Der Lösung�Versuch der Regierung. 17. Die Agrarier im Klassenkampf. 18. Die Ohnmacht der Bjurgeofsio. :9. Die Verantwortlichkeit der Sozialdemokratie. 20. Die Steuerlast des Arbeiters. 21. Herr Parvus als Retter in der Kot! 22. Dem Zusammenbruch entgegen. 23. Unsere Steuerpolitik und der Staatskapitalismus. 189 Seiten.—------- Preis M. 2.50, gebnaden M. 6- . Zu hezleben durch In Kommission Frankes Verlag G.m.b.H., Leipzig Eiserne nVaojport.Kache!-� ÖFEN ISEMMLÖUBIEYBERSJ �Dreidnersfr.QiSj .BERUM 5.U .I.Qraii, Leior.Sr 73 M 5 g Höchste Belclhunc ü S a Diskr.Resllsieä: Qelegeaheits-; Vkäufc, Uhren!- f Hrillamen~ Schmucksich■» 1 10-50% unt. Lad Pr■ Achtung! blljem. Orls-Irrkenkisse Spandau. Am Montan, den 18. Na. oembcr 1821. abends 7 Uhr, findet im»Hotel zum Stern', Spandau, Potodamer 6tr. 35, eine ordentliche AuSschusisitzung statt. Tagesordnung: 1 Auillellung de» Bor. anschlage» für da» Jahr 1922. 2. Wahl van 8 stallen» Prüfern(1 Arbeilgeber, 2 Arbeitnehmer) fiur Abnahme her Iahre»- rechnung 1921. 3 Verschiedene». 13 17 An'ragen, welche eine Sinfirfjtnohme in die Bücher oder Alten etlordet» sich machen, sind dem Borstand mindesten» drei Tage vor der Sitzung schriftlich mitzuteilen. Tue Herren Ausschuh- Mitglieder erhalten nach eine besondereEinIadung. ver vorstand: fe55GT Dr. Franz SMingei ist am Fr. Itag, 18. Novem-er, morsens I 4 Unr, ent clafen und wurde am Montag. 2l. November, in der Stille eingeäschert Im Namen aller H nterb'iebenen Frau Auguste Staudinger Darmstadt, Inselstraße 26 Bittifriui I für die Touren Elbinzer Gtrape und Warschauer Straße stellt ein z. z. Ausgabestelle Petersburger Platz 4. Verkäufe I Spottbilliger nachtsoerkanf! Weih. Gold- Spotibillige Pelzwaren! Pelzkragen und Muffen, Opossum, imitiert, jetzt nur 98 Mark, streuz- filchfe nur 135 Mark usw., Herren-Pelzkra- gen nur KS Mark. Da- men-Pelzmäntel, Pelz- hüte. 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