Hr. 551 ♦ 3$,'fohrgong �us�ade£» Nc. 273 vrzuft»pr«1»i «l»nel|ai)rL38, 4R., aionau. IS.- S«. ttrt ms öuus. voraus jahlbar. Poir- MonaNich 12- M ttnfiW rf«. ftrllungsgehi hr Untft Hrruitanb ttt ®fulidiluiiD.®.;nj g Das öaiu■ unD SRfinfltiHiet, iov ir Di» fbfntal« beut- (den(8. biete S'olens Oeftttreu-t). Ui garn und üutfniburo 22- M. illr dus udrigr Auelund SV.— M. u Vit- bfUeilutigen nebt en an Oefteieeidb, Ungarn, Tichemo• Slotbatet, Däne- muri, Kvlland Luxemburg Schweden und die Schweiz Der„Vorwärts* mit der Sonntag» beilade.Voi! und?eil* der Unter- ha tungsbeilage.Heimmeir" und der Beilage»Siebiung und Kleingarten* erscheint wschentäglich zweimal, Sonntags und Montage eiitmaL Telegramni-Vdrehet •5ajial6!, ede« wettert Wort 1.— M. Worte übet 15 Luchitaben zählen tiir zwei Worte, ftatnilien-An- letgen ilit Abonnenten Seile t— M. Die Bretie oeriieben iich einschließlich Teuerunas Uschlag Anzeigen tiir du nochtit Nummer mllssen bis 4', Uhr nachmittags im ®auptgeschätt, Berlin SW 8S. Linden» ftratze 3, abgegeben werden ffiefcffnsi oon v Uhr teilb die 5 Uhr abends. Di? R.u.'. die der Reichskanzler heute vormittag in den vereinigten Steuerausschüssen gehalten hat, zeigt mit unerbitt» licher Älarhsit den ganzen Ernst der äußeren wie der inneren politischen Lage. Das Reich muß seine Reparationsoerpflich- tungen zum IS. Januar und 15. Februar erfüllen. Es bedarf dazu eines Kredites, der möglichst langfristig sein muß. Die Industrie macht nach wie vor ihre Kredithilfe von ihren bekannten Bedingungen bezüglich der Eisenbahnen und der freien Wirtschaft abhängig. Die authentische Mitteilung des Reichskanzlers, daß sich darin nichts geändert habe, machte den stärksten Eindruck und wurde von den Abgeord- netcn der Linken mit Rufen der Erregung aufgenommen. Man hätte hier über diesen Punkt jetzt schon eine klarere und unzweideutigere Erklärung gewünscht, als sie Dr. Wirth ab- gegeben hat. Gegen die Fortführung der Verhandlungen mit der Industrie regten sich die stärksten Bedenken, die einiger» maßen bechwichtigt wurden durch die schließliche Erklärung des Reichskanzlers, die Regierung würde eine Verbindung zwischen der Kreditaktion und den Bedingungen der Industrie nicht zulassen. Wird diese Verbindung gelöst, dann hören eben die Bedingungen auf, Bedingungen zu sein. Für diesen Fall will die Regierung den Versuch machen, sich selber ohne die Industrie in London und Rem Park die Kredite zu beschaffen, deren sie zur Erfüllung ihrer Reparationsver- pflichtungen bedarf. � Es läßt sich voraussehen, daß diese Kredite dem Reich nur gewährt werden, wenn es Garantien bietet. Und diese Ga- rantlen können wiederum nur in Sachwerten bestehen, die sich gegenwärtig im Besitz der Privatwirtschaft befinden. Das Reich muß also, um kreditfähig zu sein, auf solche Sach. werte zurückgreifen und vom Reichstag die notwendigen gesetzgeberischen Maßnahmen verlangen. Wird die Regierung d'�'en Weg gehen? Und. wird der Reichstag Ihr auf ihm folgen? Das ist die große Schicksalsfrage, die nach Entschei» tmng drängt, und die vielleicht schon in der Psenarsitzung des Reichstages, die der Reichskanzler für die nächste Woche be- ding'ingsweise in Aussicht gestellt hat. entschieden werden wird. Die politische Lage zeigt also eine außerordenMch kritische Verschärfung. Der Verlauf Aer Sitzung. Sämtlich« Steueraiisschilss» de, Rcich-toge» versammelten sich heut« vormittag im chauptausschuhsaal, um die Rede. de» Reichskanzler, zu hären. Der große Saal war von Abgeordneten über». füllt. Zunächst macht« Neichswirtschastsminifter Nobert SchrnlSt einige Mitteilungen über die Denkschrift hinsichtlich der Sach. werte. Da, Kabinett hat über diese Fragen noch keine endgültigen Beschlüsse gefaßt. Es mußte feine Arbeiten unterbrechen, bis der Plan der K r e d i t h i l f e, der inzwischen aufgetaucht ist, zu Ende beraten ist. Hieraus ergriff Reichskanzler dr. Virth da» Wort. Er macht« zunächst über die Unterredungen mit der R« p a r o» tionstommission Mitteilungen, die im wesentlichen oertraulich achalten werden müssen. Dann fuhr er fort:..Die Mitglieder der Reparationskommission und ihre Reaicrungen sind mit anber- ordentlichem Interesse und mit großen Hoffnungen den Perband- lungen über die Kreditaktion der Industrie gefolat. Die Reparations- kommiision wollte wiederholt über®iese Aktion Mitteilungen haben. Der Präsident der Repnrationskommiision hat weitgehende Vor- ftellunaen über die Rotwendiakeit der Aktton erhoben und die Mit. aliedcr der Rcporationskommission schienen recht enttäuscht, daß die Verhandlungen über die Kreditattion sich so lange hinauszogen, Di« Reparationskommlssion hoffte stark, wenigstens einige befriedigende Anhaltspunkte für einen Erfolg der Krcditatt'oncn mit- nehmen zu können. Die Frage der Kredithilfe ist also für das Re- parationsproblem von großer Tragweite. Me well ist nun diese krcdilakllon gediehen? Es ist aus der Presie bekannt, daß der Reichsverband der Industrie offizielle Darlegungen und Erläuterungen übex sein, Angebot hat überreichen lassen. Ich will heute nicht daraus eingehen, in wenigen Tagen wird eine ausgedehnte Erklärung der Regierung über diese Frage entweder dem Ausschuß oder dem Plenum des Reichstags vorgelegt werden. Vermutlich wird das zu Beginn der nächsten Woche der Fall fein. Die Bedingungen derJndustrie be- deuten dl« Aufrollung der schwierigsten Probleme. Mit den Wor- t«n„politi'cbe Unmöglichkeit" sind sie nicht abzutun. Die Regte- rnng wird wie gesagt, innerhalb wenige» Tage die notwendigen Maßnahmen, die sie zu ergreifen gedenkt, mitteilen. Die Reichs- regierung hat die Kreditoktipn von zwei Seiten befördert, erstens durch die Bereitwilligkeit zugewiesener Bürgschaften, zweitens durch Sondierungen bei Flnauzlevtea ia England und Amerika. ' Auch in Pari, Ist entsprechend Fühlung genommen worden. Sie sind mit steigendem Interesse den Verhandlungen innerhalb der beut- schen Jndustrickrcise gefolgt. Ich will heute jedes Wort der Polemik vermeiden: wenn aber manche Leute glauben sollten, die Betonung und Verliefung der Bedingungen durch die Jndustriekreise habe die Möglichkeit der Kreditaktion in der Welt erleichtert, werden sie enttäuscht sein. Die Bereitwilligkeit, für Kredite einzutreten, hat gerade bei den Alliierten, insbesondere bei der Reparationskommission, eine starke Verstimmung durch die Bedingungen der Industrie erfahren. Di« Sondierungen, wie wir zu einem langfristigen Kredit , kommen können, erwiesen sich eng verknüpft mit der W a s h i n g- �toner Konferenz. Erst wenn die Washingtoner Atmosphäre sich geklärt haben wird, wird man auch in der Kreditfrage klar sehen. Gelingt in Washington keine Klärung der internationalen Lage, dann werden die Summen, die uns helfen könnten, in den großen Abgrund des Wettrüstens hineinrutschen. Die Bereitwilligkeit der Finanzkreise in England und Amerika, mit uns zu verhandeln, ist noch immer offen. Folgende Frage ergibt sich: Ist die Rcichsrcgierung und die Industrie auch dann bereit, die Berhandlungen fortzuführen, wenn es sich nicht um langfristige Kredite handelt— dabei braucht man nicht gleich an kurzfristige Kredite zu denken. Ich bin mir über die Wirkungen eine» kurzfristigen Kredits vollkommen klar. Der sogenannte Mcndelsohn-Kredit über 270 Mil- lionen Goldmark, der ein kurzfristiger war, hat ja gewiß bestimmte ungünstige finanzielle Wirkungen gehabt, aber er hatte auf der anderen Seite die englische Ansicht über die Weltlage vertteft. Es ist uns ganz klar, daß ein Kredit, der uns für unsere Januar» und Februarzahlungen die Mittel beschafft, aber nach kurzer Zell zurück- gezahlt werden muß, für die wark rnlnös sei» würde. Wenn ein Kredit möglich Ist, so muh er uns wenigstens für so viel Monate gewährt werden, nach denen er nach Doraussoq« der Industrie zurückgezahlt werden kann. Diese Erkenntnis scheint auch bei der Reparationskommission vorhanden zu sein. Dcrhand- lupgen sind also aufgenommen. Ob sie einen Erfolg haben, wissen wir �nicht. Sie sind nicht aussichtslos, aber heute ist eine gcwisie Zurückhaltung geboten. Die Industrie denkt auch an die Möglichkeit, einen Kreditvorschuh zu erhalten, der für die Januar- und Februarzahlungen herangezogen werden kann. Die Reichsregierung sieht der Entscheidung der nächsten Tage mit großer Spannung entgegen. Die Regierung will gemeinsam mit einer Kommission von Industriellen die' Kreditver- Handlungen fortführen. Ich weise, so sagte der Reichskanzler zum Schluß, ausdrücklich darauf hin. daß entgegen anderen Mitteilungen der Presse die Industrie ihre Bedingungen nicht hat fallen lassen. Nach dem Reichskanzler spricht Herh(USP.). Er begründet einen Antrag auf Darlegung eines Notgcsetzes, das enthalten soll: Sofortige Einziehung der bisherigen Steuern nach Veranlagung, später genauere Abrechnung, monatliche Bezahlung der Umiaßsteuer, Erhebung des ganzen Reichsnotopfers bis 1. Dezember 1922, für Besitzer von Betriebsvermögen ein Zuschlag daraus van 40 Proz., Erfassung der Bolutagewinne durch Erhöhung der Ausfuhrabgaben, sofortige Verabschiedung des Kapitalverkehrs st euer- g e f e tz e s bei Erhöhung der Sätze, besonders für Devisenspekulation, sosorttge Ersassnng der Sachwerte durch Ucbertragimg von 23 Proz. des Kapitals der Aktiengesell- schatten auf das Reich, für kleinere Unternehmen und die Landwirt- schaft Steuern in entsprechender Höhe. Hugo tD. VL.) spricht o e g e n die Erfasiuny der Sachwerte, die die Industrie kreditunfähig machetz und ihre Krcditaktion zum Scheitern bringen würde! Nach einer weiteren Rede oon Spahn(Z.) ergreift Reichskanzler Wirth nochmals das Wer: Er logt, die Rechtspresse stelle es so dar, als ob wir sofort mi< den Reparationen Schluß machen müßten. Das ist ganz verfehlt. Die Gegner sehen nichts als das Blühen der beut- schen Industrie. Der Vorsitzende der Reparationskommission habe wiederholt aelagt, die deutsche Industrie könne sofort für das Reich SM— SM Millionen auf den Tisch legen. Man berust sich auf die großen Auslandsguthaben der deutschen Industrie, die nachzuprüfen uns aber jedes Mittel fehlt. Bei den Gegnern ist aber der Gedanke an die aroße Leistungsfähigkeit der Industrie nicht zu be- seitigen. Unter diesem Gesichtspunkt habe ich das Problem der kredilhilfe bei der Industrie angeregt und ihr gesagt, die Regierung würde den Versuch, ibre Reparationsvervflichtungen zu erfüllen, unbedingt fort- letzen. Die Industrie solle sich freiwillig zur Verfügung stellen. An Zwang sei dabei nicht gedacht worden. S t i n n e s habe für seine Reise nach London keinen Auftrag, er habe aber von ihr der Regierung Mitteilung gemacht und.werde hoffentlich über das Er- gcbnis berichten. Die ganze' englische Geschäftswelt sieht schon ein. daß das Finanzvroblem nicht vom Standpunkt des D i k t a t o r s aus zu lösen ist. Aber es wird lange dauern, bis diese Erkenntnis auch in die Massen dringt. Die Beschleunigung der Kommissionsarbeit fei dringend not- wendig. Um die Erhöhung der indirekten Steuern komme � man nicht herum, das sei ein hartes Muß, von außen her aufgelegt. Wenn die Kommissionsarbeit weiter fortgeschritten sei, komme zum Schluß die große politische Entscheidung, bei der auch über das Problem ver Erfassung der Sachwerte zu sprechen sein würde.> Der Nekchshaushalt für 1922. Im Sieueraurschuß des ReubStagS lvurde beule eine lckätzungS- weise Vorauisiellung des Etats für 1922 verteilt. Wir entnehmen dieser Ausstellung folgende Ziffern: a) Allgemeine Rcichsverwoikuug. Nach einer Milte Okiober vorgenommenen Schätzung beirug der Ausgabebedarf des Reichs beim ordenilichcn Haushall ohne die KoniiibuiioiiSansaaben rund....-69 M9 Mist. M. Hierzu neien: der Mebrbedarf für Besol- duiigsei böbunaen ab 1. 19. LI— ohne Post und Eisenbahn—.......... 2500,, Mehrbedarf an Ucberweisungsfteuern... b00 m, (der übrige Mehrbedarf ist schon mit rund 12 IM Mill. M. in obigen 69 000 Mill. M. eutbaltcii.l GesamiauSgabehedarf beim ordentlichen Haushalt für 1922......... 72 ODO Aiill. M.' An ordeuilichen Einnahmen sind für 1922 zu erwaricn: Fortdauernde direkte Steuern... 68 171 Einmalige Steuern...... 8 MO Zölle und Berbiauchssleuern... 23 157 Allgem. Veiwaliungseiniiahmen.. POM An ordentlichen Einnahmen weiden sür 1922 hiernach zur Veriügung stehen...... 100 32$ Mill. M. Milhin Ueberschuß beim ordent- l i ch e n Haushalt........... 28 828,„ Beim außerordentlichen Haushalt werden— ohne die RoirtrtbutionSaiisgtiben und ohne die Fehlbclräge der Post und Eisenbahn— ichätzungSweise benötigt........"5 000 Mill. M. b) Betriebsverwaltungen. Fchldciräge bei dem ordentlichen HauSbolt der P o it....... 2 200 Mill. M. Ungedeckte AiileiheanSgaben: Post 2M0 Mill. M.f q-tM Eisenbahn 6 782../'' milhin ungedeckter Ausgadedcdars 10 98? Mill. M. o) kontributtonshauehalt. Uuier der Annahme, daß für 1922— ab« geiebrn von den Reparaiionszahlungeu— annähernd die gleiche» Summen benöngt werden Ivie für 1921, wird der Ledars ge- schätzt auf............. 228 000 Mill. M. Besoldung,- u'w. Erhöhung. Der Mehrbedarf a»S Anlaß der am i, August 1921 eingmetenen Erböbimg de» Teiieruitgszuschlaged ist— ohne Post und Eisenbahn— aber ciuichließlich der Folge» wirluitgen für Angestellte, Arbciicr. Pensionäre usw. für die allgemeine Neichsverwaliung auf johrlich........ 8 145 Mill. M. veron'chlagt. Der Gesamtmehrbedars für Be« soldiingserhöhungen ab 1 August 21 bis 1, Oktober 21 wird auf jährlich... 21 OOS Mill. M. geschätzl. Dieser Mehrbedarf ist in den Voranschlägen für 1922 bereits berücksichliar. De» Lindern n»d Gemeinden soll der Mehrbedarf für Be« loldungScriiöbungeu iu>oweil crslatiei weiden, als er nicht in Mebrerirägen ans Uederwclsuiigssteuern gedeckt wird. Eine Schätzung dieses Mehrbedarfs ist zurzeit noch nicht möglich. Für S o z i a l r e n i i> e r sind in den Nachtragsbanshall für 1921 eingestellt... 1 4M Mill. M. Für 1922 werden gefordert...... 2 8O0,, Für Kleinrentner sind in den Nach- lragsbauskali für 1921 eingestellt..... 100 Mill. M. Für 1922 werden peforderl...... 200. Tie Verhandlungen hierüber siud aber noch nicht abgejchlosien, so daß die Zahlen noch nicht als endgültige anzuiehen sind Wegen der Ktiegsbeschädigien schweben zur Zeit Er- wägungen, die bisher noch nicht zu einem greifbaren Ergebnis geführt haben. Die Nachtsitzung öes Lanötaars. Die Debatte über den Lickstenburger Hungerstreik ist noch in der' heutigen Nacht zu Ende geführt worden. Gerne hätten die Kommunisten, die damit eine weithin vernehmbor« parlamentarische Aktion bezweckten, nach der Rede des Ge- nassen 5tuttner einer Vertagung zugestimmt. Einen Ber» tagungsantrag selbst zu stellen, wagten sie ober nicht, da sie durch ihren Hinweis auf die unausschiedbare Dringlichkeit der Angelegenheit eine besondere Nachtsitzung veranlaßt hatten. Aus der großen parlamentarischen Aktion ist infolgedessen nicht viel geworden. Auch die meisten kommunistischen Zu- Hörer in den Tribünen räumten das Feld lang« bevor der Abg. K a tz an die Reihe kam. Es verblieben, außer etwa ISO Abgeordneten, 8 Pressevertretern, 5 Tippfräuleins nur noch— genau gezählt— 13 Zuhörer auf der Tribüne, die allerdings wacker durchhielten bis zur letzten Sekunde dieser endlosen Sitzung. Indessen dürfte dieses chäuflein kaitm auf feine Kosten gekommen sein. Der Abgeordnete Kotz versteht es nicht, leere Bänke aufzurütteln. Diese Kunst beherrscht sein Kollege Höllein von der Reichstagsfraktion in weit höherem Maße. 2lls überdies die kommunistische Fraktion merkte, daß der Vizepräsident Dr. Garnich die meisten unparlamentarischen Ausdrücke wie„Lump" und„Lüge" absichtlich überhörte. machte ihr das Schimpfen keinen Spaß mehr. So konnten die beiden letzten Diskussionsredner, der Bolksparteiler Dr. S t e n d e l und der Demokrat Dr. H ö p k e r- Aschhoff, ihre kurzen Ausführungen verhältnismäßißg ungestört beenden. Nur Frl. R o s i W o l f st e i n versuchte im Schluß-! wort die parlamentarische Tradition der KPD. hochzuhalten. Eine Unterhaltung mit dieser jungen Dame um zwei Uhr morgens zu führen, muß zweifellos inreresfant sein. Ein fabel- Haftes Temperament! Ein wahres Schimpf-Mafchinengewehr.! Die Abgeordneten, die schon dem Einschlafen nahe waren,' waren im Nu aufgerüttelt. Eine Lachsalve folgte der anderen. Auch die Kommunisten machten aus ihrer Freude kein Hehl.: (Segen halb drei begannen die Abstimmungen. Die! kommunistischen Anträge werden, soweit sie die Bewilligung- von Staatsmitteln fordern, dem Nechtsausschuß überwiesen,| im übrigen(sofortige Freilassung aller Gefangenen) abgelehnt.! Die Abstimmung über den'ozialdemokratische n An- trag(sofortige Nachprüfung aller Urteils und Strafaussetzung in besonderen Fällen) ist zuerst zweifelhaft. Hammelsprung — um halb drei Uhr morgens! Die Rechte und das Zentrum; beteiligen sich nicht daran. 66 Linksabgeordnete haben mit ja gestimmt. Beschlußunfähigkeit. Eine neue Sitzung„auf sofort" wird einberufen. Diesmal wird der Antrag angenommen. Ebenso ein von Dr. Oskar Cohn begründeter Antrag, der den Gefangenen weitgehende menschliche Rücksichten zuteil werden lossen soll. Nur die Deutschnationalen stimmen dagegen. Dreiviertel drei! Schluß? Noch nicht! Eine Geschäfts- ordnungsdebatte beginnt über die Frage, ob die Nevision der Geschäftsordnung von der heutigen Tagesordnung abgesetzt werden soll oder nicht. Die Kommunisten protestieren gegen diese „Mundtotmachung der revolutionären Arbeiterschaft".'Sie schicken nicht weniger als drei Abgeordnete ins Feld, darunter einzelne zweimal. Dr. Cohn sekundiert sie. Erst um halb vier geht das Haus auseinander. Es heißt, daß die Würstelmänner am Potsdamer.Platz besonders gute Geschäfte gemacht haben. Hncrnös Reöe in Washington. Paris, 21. November.(MTB.) Der Sonderberichterstatter de? Agence Havas meldet aus Washington- In der heutigen Vollsitzung der Konferenz berichtete Staatssekretär Hughes über die Arbeiten der Konferenz und über die Forkschritte, die seit der letzten Sitzung in der Frage der Entwaffnung zur See und in der Frage des Fernen Ostens erz-elt worden seien. Er ging alsdann zu der Frage der E n t w a f k n u n g zu Lande über und erklärte, für die Ver- einigten Staaten werde die Fraae nicht gestellt, denn sie- hätten, nachdem sie bei Abschluß des Krieges 4 ZOO OOV Männer unter Waffen gehalten hatten, zurzeit nur 160 000 Mann reguläre Streitkräfte. Die Vereinigten Staaten leoren sich aber Rechenschaft ab von den Schwierigkeiten und den Ansichten anderer Länder und seien bereit, sich vor jeder Rücksicht auf die nationale Sicherheit zu beugen. Darauf ergriff Briand das Wort. Frankreich würde sich glücklich schätzen, die Waffen niederzulegen. Unaliicklichcrweise habe es kein Recht dazu. Es gäbe noch Verhältnisse, die Frankreich verpflichteten, sie im Interesse seiner Sicherheit in Bewacht zu ziehen. Viele versuchten, von Hinter- g e d o n k e n F r a n k r e i ch s zu sprechen: es wolle eine Art m i l i- täriswer Hegemonie aufrichten, sich an die Stelle des alten iniperiallstilchen Deutschland setzen. Frankreich stehe vor der grau- samen Notwendigkeit, sich einen Anschein geben zu müssen, der diesem Vorwurf Nahrung gebe. Deutschland habe sich ein ganzes s Jahr lang geweigert, zu zahlen und zu entwaffnen. Trotzdem fei Frankreich friedlich geblieben und werde auch weiter alles tun, um die Zeit der blutigen Konflikte zwischen Deutschland und Frankreich für immerzu beenden. Fiankreich habe aber nicht das Rocht, zu vergessen, wer es fei, und es dürfe sich nicht dadurch i aufgeben, daß es gewisse Hofinungen erwecke und durch seine Schricke ' gewisse Leute zu neuen Kriegen e r m tr t i g c. Es gebe zwar ein Deutschland, das aus mutigen und vernünftigen Männern bestehe, die im Frieden demokratische � Einrichtungen aufbauen wollten. Man werde alles tun, um dielen ' Deutschen zu helfen.(?) Aber es gebe noch ein anderes Deutsch- |land, das durch den Krieg nichts gelernt habe und das seine > schlechten Absichten von vor dem Kriege beibehalte. Keiner dürfe sich � über den Staatsstreich Kopps ' täuschen. Wäre er gelungen, dann wäre dos alte Deutschland wieder erstanden. Ludendorsf habe soeben ein Werk veröffentlicht. Er sei eine große Autorität und er sei der Inspirator der großen parket der prvfessorcn, Philosophen und Schriflsleller. Was lese man in ■ diesem Buche? Es fei notwendig, so heiße es darin, daß wir ver- stehen lernen, daß wir in einem kriegerischen Zeitalter leben. Der Kamp' sei immer die Regel für ein isoliertes Individuum, � sowie für einen Staat. Ludendorfs aebrouchc auch das schreckliche Wort von Molkke, der ewige Friede sei ein Traum, und nicht einmal ! ein schöner. Der Krieg sei ein Teil der von Gott erschaffenen Welt- ordmmg,- ohne den Krieg würde die Welt in den Sumpf des Ma- terislismus geraten. Etwas weiter schreibe Ludendorff, in der Zukunft würde der Kneo'das letzte und entscheidende Mittel der Politik lein. Endlich gebe es auch kriegerische Eigenschaften, von dsnen die Deutschen bei den früheren Zwischenfällen Gebrauch ge- macht hätten. Das!ci das deutsche Volk nach einem blutigen Kriege, der Millionen Menschen unter die Erde gebracht habe! Das unter» richte man vor den Toren Frankreichs. Wie wolle man also, daß Frankreich sich nicht dafür interessiere? Briand sprach dann von der materiellen Seite. Er gab zu, daß es für ein Volk nicht genüge, schlechte Absichten zu haben, um sie auch ausführen zu können. Im modernen Kriege rüste man u n- geheure Effektivbestände in ihren Kodres. ebenso ein be- irächtliches Kriegsmaterial. Man dürfe den Wert des beut- schen Soldaten nicht unterschätzen. D�e französischen Soldaten wüßten, mit welchen: Heldenmut diese soldaten fähig seien zu kämpfen. Sieben Millionen, die aus dem Kriege hervor- gegangen feien, feien vorhanden. Sie feien zwar nicht in Regi- mcnter eingeteilt, aber cs fei möglich, sie morgen zu mobilisieren. Als Kodres betrachte Briand die deutschen Polizeiträfte und die Reichswehr. Die Reichswehr bestehe aus 100 000 Mann, aber aus solchen Männern, die fast alle Unterofsiziere und Offiziere der alten Armee seien. Tiefe stellten die Kadrcs für das Heer von morgen dar. Beschäftige sich diele Armee, wie der Vertrag sie verpflichte, einzig und allein mit der Aufgabe der Polizei? Rein, so behauptete Briand, all« die geheimen Instruktionen de? Kriegs- Ministeriums letzten die Ausbildung für das Heer voraus. Nach dem Kriege habe Deutschland Einwohnerwehren in einer solchen Zahl und mit einer solchen Bewaffnung unterhallen.. daß es des Ultimatums von London bedurft habe, um sie aufzu- lösen. Der bayerische Ministerpräsident habe jüngst lagen können, daß cr eine Armeeoon. drei hunderttausend Mann zur Dcrjüpung habe, mit ausreichendem Kriegsmaterial verlehen. Gewiß, diele feien aufgelöst. An der Spitze der Regie- rung befinde fich ein Mann, den cr für aufrichtig und loyal halte. Das fei Tr. Wirth. Seine Anstrengungen, die unterzeichneten Verpflichtungen zu eriiillen. feien oerdienstlich. Es handle sich ober um eine schwache Regierung. Frankreich werde alles tun, um ihre Aufgabe zu erlcichter.(?) Briand sprach alsdann von der Sicherheitspolizei, die aus hundertfünfzigtaufend Mann bestehe und einzig und allein aus Verufsoffizieren zusammengesetzt sei. Man habe ihre Auslösung verlangt, aber sofort sei die Schutz- polizci mit ihren Kadres oebildet worden. Deutichland habe insge» samt zweihundertfünfzigtousend Mann zur Ver- fügung. Es fei täglich imstande, den Krieg wieder zu beginnen.(!) Aber noch mehr. Diese sieben Millionen Bürger, die ins Zivilleben zurückgekehrt feien, feien in Organisationen oder Vereine der ehemaligen Kriegsteilnehmer grup- piert, die sich bei jeder Gelegenheit zu Festen und Jahrestagen versammelten. Die Franzosen wüßten das alles. Als die ober- schlesische Angelegenheit einen bedrohlichen Charakter angenommen habe, hätten sich in wenigen Tagen Freikorps zu oierzigtaulend Mann gebildet, mit Gewehren, Kanonen, Maschinen- f gew ehren und Panzerzügen. Das.feien nachgeprüfte Tafiochen. I Briand fuhr fort, aber man sage, so liege die Gefahr nicht, denn. Deutschland habe kein Material mehr. Gewiß, die Kontroll» kommi'ssion habe vieles getan. Man habe aber während des Krieges i gesehen, mit welcher Geschwindigkeit ungeheure Lzeere gebildet worden seien, ausgerüstet mit Material. Deutschland habe eine große ' I n d u st r i e, und seine Industrie habe während des Krieges voll gearbeitet und sich seitdem hoch entwickelt. In Deutschland sei n o ch alles vorhanden, um Kanonen, Maschinengewehre und Ge- wehre z» fabrizieren. Während einer gespannten diplomatischen Lage, die man nach Wunsch um einzge Wochen verlängern könne, könnten die Deutschen sich wieder in den Stand setzen, Kriegs- material herzustellen. Man könne auch Kriegsmaterial im Aus- lande kaufen. Ein Schiff könne man nicht, ohne daß es die Welt erfährt, in der Werft herstellen, wohl aber Flinten, Maschinen- gewehre und.Kanonen verteilt über ganz Deutschland herstellen. Wer könne das kontrollieren? Nach Briand ergriff Balsour das Wort. Er erklärte, daß die freimütige Erklärung Briands über die Beunruhigungen und Befürchtungen Frankreichs von ollen Mit» gliedern der Konferenz voll gewürdigt würden. Balsour erkannte mit Trauer an, daß die Rede, die Briand gehalten habe, im Augen- � blick keinen ermnligenden Ausblick auf die Lösung der Frage der 1 militärischen Abrüstungen gebe. Aber die Beweggründe, die äugen- > biicklich Frankreick beseelten, seien die, für die Großbritannien ge- I kämpft habe. Briand befürchte, Frankreich könne sich mora- ilisch isoliert fühlen. Das wäre trogisch. Die Freiheit der Welt im allgemeinen und die Frankreichs im besonderen müsse auf- , rechterhalten und gegen jede herrschsüchtige Politik der Frankreich ! benachbarten Nationen sichergestellt werden. Nach einem Funken- , telegramm des„Berliner Tageblatts" sagte Balfour wörtlich: „Briand scheint eine gewisse Furcht zu hegen, daß sich Frankreich schließlich in einer moralischen Isolierung befinden werde. Das würde tatsächlich eine Tragödie sein!" Er fügte hinzu, Frankreichs Standpunkt in der Abrüstungsfrage ließe sich nur aus einer ganz unbercchkigken Angstpsychose erklären. Schanzer, der italienische Delegierte, teiste mit, daß, ob zwar Italien der Ansicht sei, daß ein Effek-tivbestand von LOO 000 Mann für die italienische Armee notwendig sei, die italienische Re» gierung die Frage neuer Herabsetzungen prüfe.— Admiral K a t o erklärte für Japan, Japan wolle für sein Heer nur die für die Staatsoertcidiqung dt!?chaus notwendigen Effektivkräfte. Der belgische Botschafter Cortier de Marchienne sprach von der Verletzung der belgischen Neutralität gezwungen, über seine Eicher- heit zu wachen, habe Belgien im Jahre 1920 mit Frankreich«in rein defensives Abkommen geaen einen deutschen Angriff obge- ichlossen. Es könne leine Bewaffnung nicht weiter herabsetzen. Staatssekretär Hughes dankte schließlich Briand, so beredt und vollkommen die Stellung der Politik Frondreichs desiniert zu haben. Die Worte Briands würden von einem End« zum anderen der amerikanischen Staaten widerballen und würden begreifen lasten, daß. wenn es auch noch Schwierigkelten und Hinderniste auf dem Weg« des ewigen Friedens gebe— Frankreich dennoch den Willen habe, ihn zu erreichen. Schließlich üherwies die Konferenz die Frag« der Abrüstung zu Lande der Kommission der Delegierten der fünf Großmächte, die schon mit der Frage der Seeabrüstung beschäftigt ist. » Die Red« Briands soll van der Konferenz sehr kühl auf« genommen worden sein. Die enalische Press«, von der„Times" und dem„Daily Mail" abgesehen, ist enttäuscht. „dämscbe Kulturarbeit�. Die„Neue Flensburger Zeitung" gibt den Artikel „Dänische Kulturarbeit" In Nr. 642 des„Vorwärts" im Wortlaut wieder und knüpft daran den Kommentar, es sei eine Wohltat, ein- mal eine solch leidenschaftslose und unbestochene Stimme der Wahr- heit in der deutschen Prcste zitieren zu können. Die„Neue Flens- burger Zeitung" ist d c u t s ch s e i n d l i ch..Eis treibt einen um so verächtlicheren Kamps gegen olles Deutschtum, als sie nicht offen vorgeht, sondern in Ueberschriften und der Auswahl des Materials Deutschland zu schädigen versucht. Wenn wir in unserem Artikel von Kulturarbeit sprachen, so bezogen wir die Leistungen der„Neuen Flensburger Zeitung" jedenfalls nicht mit ein. Gerade ste gehört jenen Kreisen an, deren Treiben wir geißelten. Auf die Angriffe einzugehen, die ste in ihren Betrachtungen gegen die.Flensburger Volkszcitung", unser Parteiorgan in Schleswig, und gegen unser« Fgensburger Geilossen vorbringt, erübrigt stch nach dem Gesagten. Der Hunger öer Zürsten. Endlich ist die Wahrheit an den Tag gekommen! Es hat freilich vier lange Jahre gedauert. Die Legende vom Dolchstoß in den Rücken des Heeres schien doch nicht mehr zu ziehen, und so hat man sich denn auf die Suche nach cinein neuen Grund für den Erfolg der Revolution von 1918 begeben. Der glückliche Erfinder der Idee „vom Hunger der Fürsten, der zum Gelingen der Revolution bedeutend mitgewirkt hat", ist ein Tübinger Professor. Er veröffentlicht seine Entdeckung in der deutschnationalen Monatsschrift„Deutschlands Erneue» r u n Z" im Oktoberhest dieses Jahres. Da heißt es:„Die meisten Fürstlichkeiten haben sich, ebenso wie die herrschenden Stände, streng an die Nahrungsmitteloorschristen gehalten, waren daher in ihrem kör perlichenZu stand mäch- tig herabgekommen. Sie hungerten aus Pflicht- treue und Patriotismus. Die Angreifer dagegen, die Matrosen,. waren wohlgenährt und im Besitze ihrer vollen Körperkrüfte. Auf diese Weise hat auch der Hunger in der Tat zum Gelingen der Revolution bedeutend mit- gewirkt." Man ist auf vieles von deutschnationaler Seite gefaßt, aber auf so was denn doch nicht! Der Professor vergleicht.in seinem Artikel die französische Revolution von 1789 mit der deutschen von 1918 und stellt die Ursachen beider gegenüber. Viele sind beiden gemein- sam. Aber vom Hunger der Fürsten und der herrschenden Klassen als einer der Ursachen zur Revolution von 1789 könne man nicht sprechen. Das kann man ja auch schlechterdings nicht behaupten. wenn man das Bild Ludwigs.XVI. und der französischen Adeligen sich vor Augen sührt. Aber 1918 und in den vorhergehenden Jahren soll das anders gewesen sein. Wir wissen nicht, wer bester bei einem Vergleich des Körper- gewichks abschneiden würde: Wilhelm II. oder Ludwig XVI., aber wir kennen dos Verzeichnis der L e b e n s m i t t e l v o r r ä t e, die man im Berliner Schloß in den ersten Tagen der Revolution fand. Da werden Mengen von Delikatesten aufgeführt, die der weitaus größte Teil des deutschen Volkes nicht einmal in Friedens- zelten kennen gelernt hatte. Daher kann man wohl behaupten: Die Speisekammer Wilhelms II brauchte den Vergleich mit cker Ludwigs XVI. nicht zu scheuen. Die Speisekammer Wilhelms war un- streitig inhaltreicher. Wir empfehlen dem Tübinger Professor die Lektüre des Buches von KurtHeinig„DieHoHenzollern". Do wird er die besten Studien über seine Hungertheorie machen können. Weiß dieser Gelehrte nicht, daß ein kaiserlicher Kurier»igen« da« Wasser zum Ti« für d i« tönig» liche Tatet im Großen Hauptquartier tagtäglich holen mußte? Anderes Wasser schmeckte nicht. Sieht das noch Hunger aus? Wie es mit den anderen Gerichten auf der königlichen Tafel stand, darüber gibt unter tausend anderen die Speisenfolge vom 5. Dezember 1916 Auskunft. Da heißt es: Kraftbrühe auf königliche Art, gebackene Seezungen. Reh- rücken, Apfelmus, Salat, grüne Spargelspitzen, Psirsichspeise, Ob st. Das war der„Hunger der Fürsten". G e r t h. Kult-Tänze. Charlotte Bora tanzt. Das heißt: ste tanzt eigentlich nicht. Das. was diese Künstlerin im„Teater am Kurfür st endamm" am Sonntag, der dem Andenken der Toten gewidmet ist. vorführte, war nicht Tanz, sondern so etwas- wie Kult, wie Zeremonie, wie Zelebrierung, wie— um ein deutsches Wort zu nehmen— Feieriickkeit. Diese Frau, die zunächst das einmal ist. was die meisten der hüpfenden jungen Damen nickt sind: eine Per- sönlichkeit, bringt für den Tanz wenig mit. Ihr Körper ist schwer. wenn auch in diesem Tvpus schön, ihr Wesen ist Unsinnlichbeit— also etwa das Gegenteil von dem. was man llei einer Tänzerin voraussetzt. Diese Eeistigk«it ist das wertvollste an Charlotte Bora und rückt sie abseits vom Eros der abendüblichen Tänzerinnen. Cs ist gewiß aewagt nach Bach, Scarlaiti, Cestir Frank, Saint-Saens und Debusiy zu tanzen, noch dazu zum Hormonium, ober diese I Frau vermag es: einen..tanzenden Engel" etwa oder einen„primi- � iiven Tanz" oder. Maria in Schmerzen" oder einen„ägyptischen j Tanz". Java, Orient. Antike kommt dazu. Also sozusagen eine j Geschichte der Stile. � Begabtes Alexandrinertum? Rein Denn i sie hat den Einheitsp'umt in sich: die Gotik ihres Atisdrucksoer- > mögens, die hin und wieder, wie in den„Armseligen" und dem I„Totenianz", in ein Barock- ansfchweift. Antlitz— dies edle Wort sei hier gestattet— und Hände sind mehr Werkzeug als der übrige Körner, der da oersagt, wo es. wirklich einmal„Tanz" gibt. Das Antlitz ist tierhaft schön: die Unbewußtheit des Auges verbietet, diese Frau unter die Intellektuellen zu werten, und erlaubt ibr diesen Drang zum Tragischen, Kultischen und Mvthiichen zu glauben. Ver- läßt man sonst meist mit iader Ernüchterung solche Tanzoorführun- gen, nimmt man hier ein Erlebnis mit. das Bestand hat.' O. E. H. Das Staatliche Bauhaus in Weimar, die erste staatliche Pflege- stätte, an der Form- und Handwerkslehre als un- trennbare Grundlagen der schöpferischen Arbeit wieder zur Einheit zusammengeschlossen werden sollen, hat in den zwei ersten Iahren seines Bestehens die Grundlagen der Arbeit fern von der Oeffentlichkcit gelegt. Run wollen die Meister oes Bauhauses hervortreten, um mit mehreren Unternehmungen ihrer Anstalt Mittel zuzuführen. Feininaer, Ilten, Klee. Muche, Schlemmer und Schreyer veranstalten am 16. Dezember in der Berliner Kunst- ausstellung„Der Sturm" eine Versteigerung eigener Werke, deren gesamter Erlös den gemeinnützigen Zwecken des Bauhauses gewidmet ist. Die A u s st e i l u n g dieser Werke wird am 27. N o- l v e m b e r eröffnet. Ferner haben eine Anzahl von Künstlern aller Länder sich zur Herausgabe der Bauhausdrucke„Neue Euro- ipäische Graphik" zusammengefunden. Es soll hier die Mög» lichkeit geboten werden,- eine internationale Sammlung graphischer Werke von grundlegender Wichtigkeit, in der Deutschland, Frankreich, Holland, Italien, Rußland durch ihre bedeutenden Künstler vertreten sind, zu erwerben. Genannt seien davon Archipenko, Bocciom, Campendonk. Chagall, Feininger, Fiori, Groß, Hecket. Kandinsky, Kirchner, Kokoschka, Klee. Lehm- brück, Leger, Macke, der letzte unveröffentlichte Holzschnitt aus dem' Nachsaß von Franz Marc, Matisse, Mcidner, Münch, Pechstein, Picasso, Rohlss, Schmidt-Rottlufs, Seoerini und deren Gesinnungs- genossen. Neben einer Mappe der Meister vom Rauhaus und zwei Moppen deutscher Künstler erscheint je eine Mappe von Werken romanischer und slawischer Künstler. Sie all» oder ihre Witwen haben diese unverösfentlichten Beiträge dem Bauhaus geschenkt, das' den gesamten Erlös seinen gemeinnützigen Zwecken zuführt. Vegelbeobachtung im Flugzeug. Die Erforschung des Bogel» zuges, die zu den schwierigsten und anziehendsten Themen der OrnI- thologie gehört, kann durch die Benutzung des Flugzeuges wesentlich gefördert werden. Wie W. Sunkel im„St. Hubertus" berichtet, hat der Hclgoländer Vogelwart Dr. Hugo Wcigold verschiedene solcher Dogelbeobachtungsfahrten mit dem Flugzeug unternommen. Be- sonders ergebnisreich war ein Herbstflug über das Wattenmeer Kiei Sylt. Große Enten- und Ringcltoubenflüge. ganze Wolken von Strandläufern überraschte er mit seinem Flugzeug und konnte sich auf diese Weise Vogelschwärmen nähern, die vor dem Beobachter zu Wasser und zu Lande schon von weitem fliehen. Der Vogel- forscher darf natürlich aus dem Flugzeug nicht immer mitten in die Schwärme Hineinsliegen, weil das die Vögel scheu macht, sondern das Flugzeug muß den Vögeln in größerer Entfernung folgen. Dabei besteht vorläufig noch die große Schwierigkeit, daß der Fiieger s schneller fliegt gls jeder Vogel: es müßte also erst noch das Long- samslieqen erfunden werden, ehe eine ganz genaue Beobachtung vom Flugzeug aus möalich ist. Sehr wichtig wäre, wie Dr. Kurt Floericke anregt, die Ornithologsnflüge auf di» Kurifche Nehrung aus- zudchncn, die ja die beste Gelegenheit zur Beobachtung des Vogel- fluges bietet. Dort liegen die Verbältnisie auch noch günstiger als -auf Helgoland, weil die Flugpost Königsberg— Memel diese wichtigste Vogclzugstrahe Deutschlands täglich zweimal«ntlangsliegt. Ter Preis der Kleist. Ttiftnng Iii für diele? Jade dem Dichter Paul Gni t uinfnnni worden. dc>. bereit» üb.r-10 Iabre alt i>I und Dramen gelchrleben bat, von deuen biSber(eine» int Druck cilch-encn und eines erst vor kurzem in Braunjch.-veig aus die Bühne gelangt ist. Kleines Tbcater. Tic Erstaufführung von„Die Liebe wacht" findet am Donnerstag, 24. November, abends 7 Uhr statt. Ludwig Hardt gibt Sonntag, den 27.,'!ß Uhr im Kllndwortb» Scharivenka-Saol scmcn letzten sroh»e«t-benb mit neue» Stücke» und verwehrte» Schauspieterporlrät». Die �brüstungsreife üurch Deutschlanü. München; 22. November. tWTB.) Eine Reihe hervorragender Vertreter her Regierungen, wirtschaftlicher Organisationen und der Presse, die an der soeben beendeten internationalen Ar- b e i t s.to n s e r e n z in Gens teilgenommen haben, sind unter Füh- rung des früheren Reichswirtschastsministers Wissel! in München eingetroffen. Sie werden eine mehrwöchige Studienreise durch Deutschland unternehmen. Die Reise ersolgt auf Einladung der deutschen Gewerkschaften, um den maßgebenden Der- tretern der Oesfentlichkeit des Auslandes einen Einblick in die Der- hältnisf« Deutschlands und den Erfüllungswillen des deutschen Volkes zu geben. Vertreter aus Brasilien, Kanada, England, Frankreich, Japan, Schweden, der Schweiz, Spanien. Südafrika und den Der- «inigten Staaten von Nordamerika nehmen an der Reise teil. Der kommunistische Unfug. Während die„Rote Fa1)ne* an Stelle einer sachlichen BeHand- hing der Vorgänge in Lichtenburg das hysterische Geschrei gesetzt hat, wird sie heute— wie wiederholt in den letzten Tagen— von einem ihrer eigenen Parteigcnosien aufs schwerste desavouiert. In der„Freiheit" nämlich wird der Bericht zweier Mitglieder der Untcrsuchungskommission, die sich nach Lichtenburg zur Feststellung der tatsächlichen Vorgänge begeben hat, abgedruckt, und zwar des Unabhängigen Kurt Rosenfeld sowie des Kommunisten Sjerz- feld. In dem Bericht heißt es: In Lebensgesahr war anscheinend niemand von den Gefangenen. Das ärztliche Mitglied des Untersuchungsausschusses Abg Grotjahn(SPD.) l,ot dies festgestellt. Die Streikenden waren zum Teil allerdings itart geschwächt. Aber jeder, den wir sprachen, war in der Lage, zusammenhängend und ohne Schwierigkeit seine Situation zu schildern und seine Sache zu vertreten. Schmucklos und einjach war ihre Rede. Um so ergreifender wirkte, wie uns schien, selbst auf das am weitesten rechts st ehende Mitglied des Unterfuch�ngasusschusses, das traurige Los der Gefangenen. Mit keinem Wort ist also von dem„Todeskampf" der Ge- fangenen die Red«, den die„Rote Fahne" in sensationeller Aus- machung zu schildern wußte..Wie die Mitteilung der beiden, Kom- missionsmitglieder hervorhebt, ist das Mitleid mit den Gefangenen, die in irregeleitetem Idealismus den Hungerstreik begannen, all gemein. Durch ihre falsche und tendenziöse Berichterstattung erweist dl« kommunistische Presse den Gefangenen nur schlechte Dienste. Ein« exakte Durchführung der Untersuchung ist nur dann möglich, wenn da» Bild, das die Oefsentlichkeit erhält, in jedem Punkte der Wahrheit volliomm«n entspricht. Auch der Resolutionssturm, der von den Kommunisten künstlich in einer Reihe von Berliner Betrieben in Szene gesetzt wird, ent- springt weniger der Fürsorge für die Gefangenen als agitatorischen Bedürfnisien. Dies ersah man aus dem bezeichnenden Vorgang in der Berliner Konferenz der Funktionäre der Metallarbeiter, wo be- kanntlich eine Entschließung unserer Genossen, die u. a. die Hast- entlassung der politischen Gefangenen in Rußland forderte, unter großem Jubel der Kommunisten abgelehnt wurde. Vollkommener Schwindel ist es, wenn die„Rote Fahne" es so darzustellen sucht, als ob unsere Parteigenossen in den Betrieben überall Mißtrauensvoten gegen die sozialdemokro- tischen M i n i st e r beschließen helfen..Sie denken gar nicht daran. Und wenn sie aus begreiflichem Mitleid mit den Gefangenen sich zuerst passiv gegenüber den kommunistischen Schreihälsen ver- hielten, so werden sie deren Spiel doch bald durchschauen und— durchkrevzenl Tie SPT.-Arbeiter gegen den Generalstreik. halle a. d. S„ 22. November.(Eigener DraHtbericht.� Am gestrigen Montag nahmen in Halle die Betriebsvertraucnsleute der SPD. Stellung zu der neuen Gcneralstrcikpropaganda der Kommu- nisten. Uebereinstimmcnd lauteten die Berichte aus den Betrieben dahin, daß nicht die geringste Neigung besteht, das ungewiße Ex- periment eines Generalstreiks mitzumachen Einstimmig wurde-ine Entschließung bekannt gegeben, die jede Beteiligung daran, sogar die Beteiligung an einer A b st i m m u n g, mit Entschiedenheit ab- lehnt. Die Schädigung der gesamten Arbeiterbewegung, wie sie im Frühjahr durch die kommunistische M ä r z o k t i o n stattgesunden habe, dürfe nicht weiter fortgesetzt werden. Alle Kräfte seien viel- mehr darauf zu konzentrieren, den gemeinsamen Ansturm der In» dustriellen und Reaktionäre abzuschlagen. Sie prolestie- ren gegen die Handlungsweise der KPD., eigenmächtig eine Sitzung der Vertrauensleute aller Richtungen einzuberufen. Sie sprechen dieser Sitzung das Mandat ab, zm Namen aller Organisationen Be- fchlüsie zu fassen. Für heute abend haben die Kommunisten eine Versammlung nach dem Volkspork«inberufen, in der es sich entscheiden wird, ob sie wirklich den Generalstreik auszurufen gedenken. /luslänöerbefuch in öen deutschen werken. Unabhängig von dem gestrigen Desuch des Generals Nollet. besichtigten gestern in Begleitung von 5)erren des Auswärtigen Amts Vertreter der auslandischen Presse, und zwar Amerikaner, Holländer, Schweden, Russen, Italiener, Engländer, Rumänen, Dänen, Chinesen und Japaner die Fabriken der Deutschen Werk« in Spandau und Haselhorst. Unter Führung leitender Herren der Werke wurde den Pressevertretern Einblick sowohl in die verschie- denen Fabrikationszweige der Werke als auch in die von der Entente angeordneten Zerstorunzsmahnahmen gegeben. Die Herren konnten sich an Ort und Stelle überzeugen, daß die Werk« mit der Herstellung von Kriegswafien nicht mehr das ge- ringst« zu tun hab'en, daß die angeordneten Zcrstörungsmaßnahmen jeder sachlichen Begründung entbehren und daß die Zurück« nähme der betreffenden Entcntenote unbedingt erforderlich sei, wenn nicht schwere wirtschaftliche Schädigungen, insbesondere Ent- lasiungen von Tausenden von Angestellten und Arbeitern die Folge sein soll. Nach Abschluß der Besichtigung dankte im Namen der Besucher der Vertreter eines maßgebenden holländischen Blattes für die«in- gehende und lehrreiche Orientierung. Er glaubte sagen zu können. daß die Besichtigung dazu beitragen würde, das Ausland durch die anwesenden Pressevertreter über die friedlichen Absichten der Deutschen Werke und die Notwendigkeit ihrer Erhaltung im allge- meinen wirtschaftlichen Interesse zu unterrichten. k dem Kabinett D l r t h was um so verständlicher ist, al« vor ! kurzem gegen Stadller wegen einer gemeinen Denunziation gegen � den Reichskanzler Strvfantrag gestellt wurde. Die Tiefe seines i politischen Verständnisses und seiner Eignung zum„Führer" zeigte . einer der Schlußsätze seiner Rede, der lautete:„Was haben wir zu tun?— Eine Frage, die nicht zu beantworten ist." ; Seine bürgerlichen Zuhörer aber waren zufrieden und freuten sich der Weisheiten dieses anlibolschewistischen Helden. Groß'�erlln versammiungsverbot. Umzüge und' Straßendemonstrationen untersagt.. Der Berliner Polizeipräsident erläßt heute' mittag folgende amtliche Bekannnnachung: Unlaulore Elemente haben in den letzten Tagen Versammlungen unter freiem Himmel. Straßenumzüge und Straßendemonstrationen dazu benutzt, um zu allgemeinen Plünderungen aufzuhetzen. Sinnlose Zerstörung und Plünderung von Läden oller Art. Gefährdung der Lebenomittelverforgung von Berlin und Festnahme von bisher über llio Personen, zum größten Teil unrelser halbwüchsiger Burschen, die jetzi schwerer Bestrasung entgegensehen, sind der Erfolg diefer verbreche- rischen Tätigkeil. Ich verbiete daher wegen unmittelbarer Gefahr für die öffentliche Sicherheit auf Grund des Artikels lZZ der Peichsvcrfassung bis auf weiteres alle Verlammlungen unter freiem Himmel, also auch alle S i r a~ e n- umzüge und Skraßendemonslrativnen. Der Polizeipräsident, gez. Richter. llm ähnlichen Ausschreitungen verhetzter Elemente, wie sie sich gestern in der König» und Gertraudtcnstraße ereigneten, schon im Keime zu begegnen, hat das Polizeipräsidium für heut««inen e r» höhten Bereitschaftsdienst der Schupo, d. p. ver« stärkt« Streifen und in den besonders bedrohten Stadtteilen Alarmbereitschaft der Beamten angeordnet. Ilächkliche Plüriderungen in Neukölln. Am gestrigen Abend ist es in später Abendstunde in Neukölln wieder zu neuen Plünderungen gekommen. In K l i e m» F e st- s ä l e n in der Hornheide hatte eine Versammlung der Kommu- nistischen Partei geragt, in der sich der Referent mit der politischen und wirtschaftlichen Lage beschäftigte und im Hinblick aus die letzten Vorkommnisse die Anwesenden dringend aufforderte, sich nicht an derartigen Ausschreitungen zu be- t e i l i g e n, die auf die Entwicklung der Dinge doch ohne Ein- fluß feien. Ohne die Mahnung zu berücksichtigen, bildete ssch im Anschluß an die Versammlung ein Demonstratlonszug von etwa S0l> Personen, der singend und unter Drohungen durch die Berliner Straße zog. Bor dem Schuhwarenhaus„N e p- tun" in der Berliner Straße 43, dessen Auslagen nicht gesichert waren, machte die Menge halt, zertrümmerte die Schau- s e n st e r und raubte die Schuhe. Ein zweites Geschäft in der Ritterstraße 68 in Neukölln wurde ebenfalls beraubt. Die erst später eintreffend« Schutzpolizei konnte die Plünderer nicht mehr festnehmen. Eine kleinere Ansammlung junger Burschen auf dem � Hermannplatz wurde vom Uebcrfallkommando Neukölln zerstreut. In Groß-Berlin waren bis zum Schluß des Blattes neue Plünderungen nicht zu verzeichnen. Staütler spricht. Im Meistersoal hielt gestern der bekannte nationalistische Agitator Stadtler vor einem kleinen Kreise seiner Gläubigen zum Thema „Kotastrophenpolitik" einen Dorlrag. Stodtler hat verschiedene Ent- Wicklungen durchgemacht und betätigt sich seit Ausbrüch.der Revo- lution in ontibolschewistischer Propaganda. Daß er vom Wesen der Revolution, ihrem Inhalt und ihrem Ziel nichts versteht, ist unter diesen Umständen kein Wunder. So. setzte er die deutsche Revolution gleich Spießertum. Geniehertum. Schiebertum, Ge-„ dankenlosigkeit und Hilflosigkeit. Sem besonderer Haß gilt natürlich j enischiedensie btslritlen. die neue Tariferhöhung. . Der Magistrat hält nicht nur die neue Erhöhung der Tarif« für Straßenbahn, Gaslieferung usw. für unvermeidlich) ssondern'möchte | auch eine allerschleunigfte Einführung der erhöhten Tarif« durch- drücken. In einer Besprechung mit Führern der Fraktionen dräng- ten Oberbürgermeister Böß und Kämmerer Karding zu größter Eile, und diese Magistratsvertrcter äußerten sogar den Wunsch, die Tarif- crhöhungcn ohne vorherigen Beschluß der Stadloerordnetenvcrsamm- lung sofort in Kraft zu fetzen. SelbstverftLnd'ich-k a n n davon keine Rede sein, daß die Stadtoerordnetenorrsammiung sich ausschalten läßt. « Wie uns vom Nachrichtenamt des Berliner Magistrats kurz vor Schluß des Blattes mitgeteilt wird, ist gar nicht daran zu denken, daß die neue Tariferhöhung, entgegen der Annahme in einem Mittagsblatt, der Straßenbahn bereits morgen in K r a f t t r i t t. Die dringliche Deckungsvorlage dürste erst Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung zur Beratung gelangen. Sie wird dann voraussichtlich einem Ausschuß überwiesen werden, so daß die Schlußberatung auf keinen Fall vor der in der nächsten Woche stattfindenden Stadtverordnetenversammlung erledigt werden kann., Erweiterung öes flutobusoerkehcs. Ein« Aufsichtsratssitzung der Allgemeinen Berliner Omnibus- A.-G. beschloß, einer auf den 19. Dezember einzuberufenden außer- ordentlichen Gcneralveriammlung die Erhöhung des Aktien- kapitais um 9,45 Millionen(zu 12,6 Mcll.) vorzuschlagen. Dem Aufsichtsrat gehören neben Vertretern der beteiligten Banken, Dircb- tionsmitgliedcr der Hochbahn und der Berliner Straßenbahn sowie Magistratsmitglieder an, unter diesen der Leiter des Verkehreamtes Dr. Adler. Da Hochbahn und Stadt je über ein Drittel des Aktienkapitals verfügen, so handelt es sich bei der Genehmigung durch die außerordentliche Generalversammlung nur um eine Form- fache, und die jetzigen Besitzer werden ihr Bezugsrecht(drei neue auf vier alte Aktien) zweifellos in vollem Umfange ausüben. Für den Berliner Verkehr bedeutet dies, daß zwischen Hochbahn und Stadt eine grundsätzliche Verständigung über den Wiederaufbov des Auloh.« triebe» erzielt ist. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß es für diese Betriebscrweite- rung lediglich einer entsprechenden Anzahl van Autobussen bedarf, deren Einzelpreis weit unter dem eines Straßen-babnwagens bleibt, fo kann man diesen Beschluß, der entschieden einer Verbesserung des Verkehrs zugute kommt, nur begrüßen. Ein hartna Die ganze Gesellschaft steht im dringenden Verdacht, gewerbs« mäßig Diebstähle und Raub Überfälle verübt zu haben. So wurde Königer schon vorher mit einem gewissen Pukorus, der ebenfalls zur Bela-Khunfchen Regierung gehörte und hier unter dem i Namen Stiffhäufer austrat, wegen eines Raubübersalle» auf ein Geschäft in der Münzstraße festgenommen. Königer wurde unter j dem Namen Bär festgenommen und eingeliefert, vom Untersuchung»-« richte? jedoch wieder entlassen, weil die Beteiligung an dem Ueber-- sali ihm nicht einwandfrei nachgewiesen werden konnte. Nach seiner Entlarvung wurde er jetzt von neuem dem Untersuch-ungsrichter vor- geführt.____ Tchulfeierrag für die Reaktio». � Durch einen Erlaß des Kultusministers Becker wurden di« s Schulleiter ermächtigt, die Schüler und Schülerinnen zwecks Teil« nähme am 10. Stiftungsfest de« erzreaklionären Jungdeutschland«' bundes vom Unterricht zu detreien! Was bei diesem Stistungsfest geschah, gibt die reaktionäre Presse kund in folgenden Worten: dabei warf man„olle gesellschaftlichen und kulturellen Be« denken über Bord" und brach in den Nuf aus:„Schwarz« weißrot ist wieder Trumpf, Raus aus d e'm sozialistischen Sumpfl"— An der„erhebenden Ver» ansraltung" nahm alles teil, was reaktionär im Lande ist, vom „Naiionaien" Arbeilerbund bis zum.Deutschnationalen" Jugend« bund. Ein Oberregiernngsrat überbrachte in einer Ansprache als Vertreter des Oberpräsidenten dessen Grüße, ein. Oberlehrer aus München— der offenbar fest auf dem Boden i der Verfassung steht— erläuterte„Jungdeutschlands Aufgabe zur Erhaltung der Volkskrakt"— was die Militaristen darunter ver» stehen, ist ja bekannr. kkurzum, das übliche Trara nach dem Muster der wilhelniinischen Maskeraden. Und derartige Veranstaltungen wurden von Becker als Kultusminister amtlich gefördert. „Siedlung und Kleingarten", unsere illustrierte Beilage, liegt der heutigen Postaufiage bei. Veruntreuungen bei der Ouäkeespeisung in Weißensee lagen einer Anklage zugrunde, die die Beru�uilgsstraskammer des Land» gerichtS lll beschäftigte, ikingellagt war der Kaufmann Alfred Schärtler.— Der Angeliagte war im Felde scbwcr verwundet worden, sodaß ihm svätcr neunmal der Schädel aufgemeißelt werden mußte. AIS Scbwerkriegsbeschädiater erhielt er eine Anstellung als Hilfsarbeiter bei der Gemeinde Weißensee und hatte als solcher die von den einzelnen Schulleitern eingesammelten Gelder, die dia Kinder für die Quäkeripeuung bezahlen mußten, zu vereinnahmen und an die Gemeindekasse abzuführen. Als Krankheiten in der Familie eintraten, geriet Sch. in Not und er ließ sich verleiten, sich an den cingegangencn Ouälergeldern zu vergreifen. Um den schaden wieder gulmachen zu können, kam er auf den unglücklichen Gedanken, sich an dem Wettlonzern K l a n t e' zu beteiligen, sodaß er schließlich Unterswlagnngen in Höhe von 37 000 M. begangen hatte. Das Genckit erkannte auf nur sechs Monate Gefängnis unter Anrechnung von drei Monaten der Unter» smbungShaft, entließ den Angellagten sofort aus der Haft und billigte ihm auch die bedingte Begnadigung zu. Die Taube auf dem Dache ist nicht so viel wert, wie der Sper» ling in der Hand. Das weiß ein jeder und doch ahnt man nicht, wieviel Tauben in Berlin auf den Dächern oder, richtiger gesagt, aus den Böden gehalten werden. Darüber war man nämlich wirklich erstaunt, wenn man(schon wieder) eine Taubcn-Bezirksausstellung besuchte, die in der Ausstellungshalle des Neuen Rathauses in Schöneberg abgehalten wurde. Die Vereine„Gut Flug Wiimers- dorf",„Schöneberger Taubenzüchtcr" und..Westen und Umgegend" hatten 650 Tauben der verschiedensten Rassen geschickt. Aus dieser Menge, all? Rassen waren so vertreten, daß man die helle Freude haben konnte, seien nur die„Gimpel" erwähnt.. Sie sind eigentlich Felsentouben und man sieht sie selten: es ist eine gewisse Liebhaberei. sie zu züchten. Sie werden auf Farbe prämiiert. Ferner sah man sehr schöne lange Berliner, diese geeignete Tbube für den Boden, und die kurze, streifige Taube, die so recht in Schöneberg der Stamm ist. Viel Abwechslung bieten auch die Brieftauben, die leicht zu ziehen sind, aber Training erfordern. Die hiesigen Vereine lassen meistens„Rund um Berlin" fliegen, doch können gute Brieftauben ganz erstaunliche Leistungen vollbringen: so sind Tiere schon 1000 Kilometer gereist. Nach dem Kriege hat man auch bereits wieder mit der Zucht von Schönheitsbrieftaubcn begonnen, wie die Aus» ftellung bewies. Mitgltederv�rsammlung der 141. VerkauiSiiellc der«onln«. gevosienschaft(Pannierürnße Neukölln) am Milkwvch, 23. November, cibcnds'/,8 Uhr, bei Krüger. Reiibenberzer Straße 86, Ecke Gloaauer Straße. Erscheinen aller ist notwendigl Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Ein wenig kälter, zeitweise aufklarend, aber noch Lbcrrr irgend trübe und nebelig, ohne wesentliche Niederschläge: mäßige östliche Winde._____ Sroß-Serttner parteinachnchten. Morgen, Mittwoch, den 2Z. November: WahUrei« Wedding. 6 Uhr Bezirksverorbnetenversammlung im Ledigenheim. Die Stadt- und Bezir soerordneten immen viinktiich«>?, Uhr im Sitzung». Zimmer I. Stock zu einer wichtigen Fraktionssitzung zusammen 82. Abt, Steglig.?ldend 8 Uhr im tziestourant Thieiecke, Lehndachstraße 8, Ecke Kalu.sitrabe. außerordentliche Borstandsiiguug. Ertchewen aller Bezirksflldrer «id FuiMwNitre Pflicht! OewerHihsstsbeVegung Gebot öer Stunüe." In der„F r e I h e i t" Nr. 544 beschäftigt sich der u n a b- h ä n g i g e Stadtrat S ch ü n i n g mit der„Arbeiterfrage In der Kommune". Der Artikel erscheint uns so beachtenswert, daß wir nachstehend den wichtigsten Teil zum Wdruck bringen: Man kann nicht den Kommunalbetrieb mit dem privatkapita- listischen Betrieb auf gleiche Stufe stellen.■ Der Prwalkapitalist produziert, um Profit zu erzielen: wird er zu Lohn« erhö Hungen gezwungen, so wälzt er diese rücksichtslos auf die Konsumenten ab. Der Kommunalbetrieb hingegen dient nicht der Profiterzeugung, sondern den Interessen der Allge« meinheit. Er kann nicht rücksichtslos abwälzen, sondern muß wiederum auf die Allgemeinheit und insbesondere auf die übrige arbeitende und arbeitslose Bevölkerung Rücksicht nehmen. Cs ist sehr bequem, den Magistrat mit einem privatkapitalistischen Direk- torium auf eine Stufe zu stellen, zeugt aber von einer V e r- antwortungolosigkeit, die kaum noch zu überbieten ist. Die ständige Streikgefahr muß durch gegenseitig« Ber- ständigung unter allen Umständen behoben werden. Wollen wir die Kommunalbetriebe als solche halten und in der Kommunalisierung vorwärts marschieren, so müsien die Be- triebe auch vonwirtlichsozialistischem Sei st erfüllt sein. Die Kommunalbetriebe sind nicht um ihrer selbst willen .vorhanden, sondern sie sollen den Znteresien der Allgemeinheit dienen. Wer in einem Kommunalbetrieb beschäftigt ist, hat gegen- über der Allgemeinheit eine größere Verantwortung als derjenige, der in einem Privatbetrieb« tätig ist. Sin erhähkes Pflichtbewußtsein mutz demnach die Voraussetzung zur Vefchäsllgung in einem Äommunalbetriebe sein. Werden diese Voraussetzungen erfüllt, so wäre auch die Wirtschaftlichkeit der Kommunalbetriebe gesichert. Leider ist dies n i ch t der Fall, und es ist durchaus falsch, die UnWirtschaftlichkeit einseitig der bureaukratischen Verwaltung zuzuschreiben. Neben einer Reorganisation der Verwaltung ist eine andere Einstellung der Lclegjchasicn unbedingt erforderlich. Wenn dies geschieht, können die städtischen Betriebe sowohl mit ihren Lohn» und Arbeitsbedingungen als auch mit den sozialen Einrichtungen bahnbrechend wirken. Dieses Ziel kann aber nur erreicht werden, wenn die sozia- listischen Parteien in Berbindung mit den Gewerkschaften sich von vornherein über Lohn, und Arbeitsfragen verständigen, damit an .Stelle des Gegenetnander-Ankämpfens soziakistische Er» ziehungsarbeit geleistet werden kann. Dies auszusprechen ist ein Gebot der Stunde. Wir haben diesen ausgezeichneten Worten nichts hinzu» zufügen. Wir möchten nur wünschen, daß sie von allen Gemeinde. arbeitern, die nach Schüning vor der Revolution„den d u l d» somsten Teil der Berliner Arbeiterschaft" bildeten, bei denen„Klassenbewußtsein und Solidaritäts» gefühl nur gering ausgeprägt" waren, beherzigt werden. Zu bedauern ist höchstens noch, daß die Vernunft bei den Unabhängigen nicht schon vor Jahren zum Durchbruch kam und in letzter Zeit wieder so bedauerlich oft schweigen muh. Aus dem OmnibuS« und Hochbahnbetrieb. In Anbetracht der riesigen Geldentwertung forderten die Im Omnibus- und chochbahnbetrieb beschäftigten Handwerter und Ar» bester außer dem Rahmen des Lohnvertrags, der am 30. November abläuft, eine Wirtschaftsbeihilfe von 1000 M. und ab 1. Dezember eine Zulage zu den bestehenden Stundenlöhnen von 3,50 M. Das Lohnabkommen mit der Omnibusdircktion konnte nach kurzer Verhandlung bis zum 31. Dezember verlängert werden. Als Ausgleich für die gesorder:« Wirtschaftsbeihilfe und die Lohn- Zulage sowie für die Weihnachtsgratifikation wurde eine Summe von 1200 M. vereinbart. Diejenigen, die erst im Oktober eintraten, bekamen 850 M., die im November und Dezember eintreten, 850 Mark. Diese Vereinbarung wurde von den Beschäftigten de. Omni- busbctriebes angenommen. Di« Hochbahndirettion lehnte die Forderung der Wirtschafts- beihilse ab. Die Verhandlungskommission sucht« der Direktwn Nor» zumachen, daß das Hochbahnpersonal eine Regelung wie bei der Stadt Berlin, d. h. eine Gruppierung, ablehne. Auch die Regelung wie bei der Omnibusgesellschaft käme hier nicht in Betracht. Die Direktion bot als Ausgleich für die Männlichen 850 M., die Weib- liehen 500 M. und kür die Jugendlichen 300 M. Für den Fall, daß die Arbeiterschaft die Forderungen ab 1. Dezember fallen laste, sollen insgesamt den Männlichen 1000 M.. den Weiblichen 750 M. und den Jugendlichen 400 M gezahlt werden. Ab 10. Dezember sollte außerdem eine Weihnachtsgratifikation von 200, 150 und 180 M. gezahlt werden. Am 17. November wurde erneut ver- handelt, ohne jedoch zu einer Einigung zu kommen. Die Direktion jagte zu, die Forderung auf Lohnzuloge ab 1. Dezember weiteren Verhandlungen zu überlassen und die Wirtschastsveihilfe mit der Gratifikation zusammen auszuzahlen. Am Abend nahm das Personal der Hochbahn dazu Stellung. Nach längerer stürmischer Debatte wiesen die Versammelten das Angebot entrüstet zurück und wollten am 18. November mittags 12 Uhr die Arbeit einstellen Die Betriebsoertretuiig versuchte den Versammelten klarzumachen, ozß jetzt besondere Besonnenheit am Platze sei und Disziplin gewahrt werden müsse, da nur dann die Lohnbewegung am 1. Dezember mit Erfolg geführt werden kann. Die Versammelten sahen den empfohlenen Weg als den richtigen an und beschlosten, die restlichen 150 M. von den 1000 M. bei der nächsten Verhandlung nachzufordern. Lohnerhöhung in den Berliner Brauereien. Durch Verhandlung der Arbeitrehmerorganisationen mit dem Arbeitgcberoerband dcs Vereins der Brauereien Berlins und der Umgegend wurde für die in den Brauereien beschäftigten gcwerb- lichen Arbeitnehmsr eine wöchentliche Zulage von 100 M. erzielt. In einer am Donntag stattxefundenen Ftinktionärversammlung der Vertrauensleute und Arbeiterrätc gab Hodapp vom- Der- band der Brauerei- und Mühlenarbeiter den Bericht über die statt- gefundene Verhandlung Trotzdem daß das Lohnabkommen nach bis zum 31. Dezember 1321 vertraglich geregelt ist, konnten die Brauereien der Erhöhung der Löhne»on einem früheren Zeit- punkt ab nicht widersprechen Die � erhöhten Löhne sollen vom 10. November ab gelten. Abgelehnt wurde von den Arbeit- geben, die Gewährung einer Teuerungszulage. Die Löhne betrogen jetzt flir Gelernte, Maschinisten. Heizer und Fahr. personal einschließlich Reservefahrer wöchentlich 480 M., für alle ungelernten Arbdter einschließlich Portiers und Wächter 475 M. Entsprechend der Erhöhung der Löhne für männliche Arbeitnehmer sollen die Löhn« der Frauen erhöht werden. Ebenfalls werden die Bezüge aus der Vereinbarung zu F 818 des BGB. erhöht. Gegen wenige Stimmen wurde diesem Abkommen zugestimmt. Die Kehrseite der f�rankenlöhnung. Im Saorgebiet sollen den Bergarbeitern ab 1. Dezem» ber 3 Franken vom Schichtlohn„abgebaut" werden, und zwar laut Verordnung der Grubenverwaltung, ohne deswegen mit den Bergorbeitercrganisationen Fühlung zu nehmen. Dagegen wandte sich eine Revierkonferenz der christlichen Bergarbeiter, die einen solchen Lohnobbau für ungerechtfertigt erklärte und beschloh, gemeinsam mit der Leitung des alten Bcrgarbeitcrverbandes beim Verwaltungsrat der Saargrubcn um Verhandlungen nachzusuchen, j Es sei möglich, den Absatz zu hoben, die Rentabilität der Gruben zu! fördern und die bisherigen Löhne weiterzuzahlen. Die Organi- satlon le�te Wert aus die Feststellung, daß sie die Einführung der Frantenlohnung stets bekämpft und die Nachteile vorausgesehen habe. sientratoer'-and tierBnM�illl««. Vel-aiertoiivertammlung beute? Uhr in den Sophtensiiien 17 18. Berich! VIM der Beiräletonferenz. Z. Beitrag»erhi!hung Deutsche Ftlmgewerlichast. Donnereiaft 2 Ubr im„AU. n Aotanier", Anhalt» str«be U, Bcrja«m«ng dir Bmnegruppe Kino Theater-Angestellte öer Setnebsrate-Praxis. § 35 BKO. Enllllhnung des vekriebsrakes bei Arbeitsstreckung. Ver Schlichtungsausschuß Kiel hat in seiner Sitzung vom 23. Juni den Antrag eines Betriebsverlrelungsmitgliedes abgelehnt. Aus der Begründung geben wir nachstehenden Absatz, weil derselbe von prinzipieller Bedeutung ist, wieder: „Der Schlichwngsausschuß Kiel hat bereits wiederholt entfchie- den, daß Betriebsratsmitglieder außer den in§ 38 BRG. vorhandenen Schutzrechten und der sich aus ihrer Tätigkeit ergebenden notwendigen Freistellung von der Arbeit keinerlei Vorteil« vor den übrigen Arbeitnehmern haben sollen. Ihr Amt ist, wie es in � 35 BRG. ausdrücklich heißt, ein Ehrenamt. Sie sind und bleiben »n erster Linie Arbeitnehmer ihres Betriebes mit allen Rechten, Pflichten und Nachteilen, die sich aus ihrem Arbeitsverträge er- geben. Sie erhalten, worüber nirgends in Rechtsprechung und Schrifttum Streit besteht, die Entlohnung ihrer Kategorie. Erhält die Gesamthoit ihrer Arbeitskollegen bei Arbeitsstreckung oder aus sonstigen Gründen weniger, so wäre es eine ungerechtfertigte Be- vorzugung des Betriebsratsmitgliedes, diesem höheren Lohn zuteil werden zu lassen. Eine solche Entscheidung würde ein« Prämie für die Wahl zum Bctriebsratsmitglied bedeuten, die bei der Jagd nach einem solchen Posten sehr leicht zu unlauteren Machenschaften vor und bei der Wahl führen könnte. Es würde also—, und das muß im Anschluß an Z 85 des BRG. ausdrücklich betont werden, — eine Entlohnung für die Tätigkeit des B-otricbsratsmttgliedes als solchem darstellen, ein Grundsatz, der im krassen Widerspruch mit dem Gesetz stehen würde.— Ohne Einfluß aus die ergangene Entscheidung muß es bleiben, wenn andere Arbeitnehmer als diejenigen der Kategorie, der das betreffende Betriebsrotsmitglted angehört, voll beschäftigt und be- zahlt werden. Es fehlt hier an jeder Unterlage, aus dieser Tat- fache einen Rechtsanspruch des einer anderen Arbeitnehmerkategorie angehörenden Betriebsralsmitgliedes herzuleiten.—" Es kann sich auch gegenüber Delriebsvlrtretungsmitgltedern natürlich immer nur darum handeln, daß dieselben nicht wegen Ausübung ihrer Funktionen benachteiligt werden, im übrigen hat- ten wir die Auffassung des Schlichtungsausschusics grundsätzlich für richtig, da die Betriebsvertretungen gegenüber ihren Belegschafts- kollegen im Interesse der Solidarität aller Arbeitnehmer auch nicht den Verdacht aufkommen lasten dürfen, als wenn sie ihr Amt per- sönlicher Vorteile wegen ausüben. Wiptfdyaft Englands ungünstige Zahlungsbilanz. In diesem Jahre wird das Ntegeglaubte eintreten— die Zahlungsbilanz England» für das Jahr 1921 wird un- günstig abschließen. Die Handelsbilanz Englands, die Gegen» Überstellung der ein- und ausgeführten Waren, war von>eher pafsiox es hat mehr Waren ein- als ausgeführt. Dies war aber ein Zeichen» des Wohlstandes. Seine Guthaben vom Ausland, Dividenden, Zinsen von seinen ausländischen Kapitalanlagen, Einkünfte yu» der Schiffahrt usw., sind in Form von Waren ins Land geströmt und haben dort eine hohe Lebenshaltung der Bevölkerung gestattet. Di« Passivität der Handelsbilanz bot so lange ein günstiges' Bild, als die Mehreinfuhr durch die erwähnten und andere Guchaben ge» deckt war, solange also die Zahlungsbilanz, welche sämtliche Forde- rungen und Schulden dem Ausland gegenüber darstellt, jind in welcher der in der Handelsbilanz enthaltene Warenverkehr nur ejnen. wenn auch sehr wichtigen, Posten bildet, aktiv war. Die wähnend- de? Krieges erfolgten wirtlchaftlichen Verschiebungen und die gegen- wärtige Wirtschaftskrise hoben jetzt der bisherigen günstigen Zahlungsbilanz ein Ende gemacht. Die Tatsache ist um so aus» fälliger, da die Handelsbilanz in diesem Jahre günstiger abschließen wird als 1320, und zwar infolge der großen EinschränkpnA in der Einfuhr und des Preissturzes für die Rollstoffe, welche ling- lond in erster Linie einführt. Während der Ueberschuß der Einsuhr über die Aussuhr der englischen Handelsbilanz im vorigen Jahre 380 Millionen Pfund betrug, wird es 1321 nach Schätzungen des „Manche st er Guardian" nur 280 Millionen Pfund betragen. Daß die Zahlungsbilanz sich trotz dieser Tatsache ungünstig gestaltet. liegt an den Forderungen der englischen Vclkswirtschaft an da»' Ausland, die ganz gewaltig eingeschrumpft find. Die Forde» rungen rühren teils von den englischen Kapitalanlagen Im Auslande her, daneben aber von Leistungen, welche England als Frachtsahret und als Bankier wie als Handelsvermittler der Welt sich bezahlen läßt Infolge des Borsprungs Amerika» in der Schissahrt und der Wirtschaftskrise werden die Einkünfte der englischen S ch I s f a h r t in diesem Iehre voraussichtlich 70 Millionen Pfund nickt übersteigen. während 1320 aus dieser Quelle nock mehr als 340 Millionen Pfund der Vqlkswirtschcst zuflössen. Die Einkünfte au» den Kapitalanlagen und die Erträanisie aus der Vermittlunostgtigkeit des englischen Handele- und Bankwesens dürften in diesem Jahre auch sehr wesent- sich zurückgehen. So wird die Zahlungsbilanz, welche im vorigen Jahre noch mit 185 Millionen Pfund für England günstig war, in diesem Jahre nach den vorhandenen Schäbunaen um 5 5 M i.Ilio» nen Pfund passiv werden.(Die Zahlungsbilanz kann nur schätzungsweise angegeben werden, doch find die Methoden der Schätzung in letzter Zeit erheblich verbessert worden.) Die passive Zahlungsbilanz England» rührt also von der un» aedeckten Wareneinfuhr, in erster Linie Lebensmittel, her. In der Beurteilung der Passivität einer Handelsbilanz ist dieser Fall der ungünstigste, weil er ein Anzeichen dafür ist, daß Im Land mehr verbraucht, als erzeugt, daß also vom Kapital gezehrt wird. Immerhin bietet der noch vorhandene Reichtum Englands eine ge- nüaend« Unterlage dafür. Das Nachdenken über die Ursachen der ungünstigen Zodlungsbilnnz wird sedoch voraussichtlich die bereit» dämmernde Einsicht von der Unvernunft der gegenwärtigen Handel»» politit fördern._ Sleigerung der Ruhrkohlen fördening. Die Kohlenförderung des Ruhrkohlenbeckens(einschl. der link»» rheinischen Zechen) hat im Monat Oktober 1321 betragen: Aeiamt» Arbeit«» Arbeit«» törderung tage täal. Förderung Oktober 1321.. 8 047 843 Tonne« 28 309 514 Tonnen Scvtbr. 1321.. 7 853 87t. LS 802 072, Februar 192t.. 8,74 80«, 24 810 809, Oliober IS'1...9 895 090. 27 886 484 Die arbettstägsiche Förderung Ist mithin von 302 072 Tonnen Im September auf 303 514 Tonnen lm Ottober gestlegen. Die Minder- förderung beträgt im Vergleich zum Februar(dem letzten Ueber- schichtenmonat) rund 31 000 Tonnen. Die Lagerbestände sind von 358 104 Tonnen Ende September auf 834 834 Tonnen Ende Ottober gestiegen._ veuksche Kabelwerke A-S„ verNn-cichlenberg._ Die außer» ordentlilve Generalveriammlung geuebmigie die Eiböhung de« Aktienkapital« um 21 auf 4t Millionen Mark. Neber die Geschäftslage wurde berichtet: Während da» Geschäft in der ersten Hälii« de» Jahre« nicht gut ging, sind seit August trotz großer Preissteigerung namhafte Aufträge eingegangen, so daß die Gestll'chait voll beschäftigt ist. Das schon lange vor» bereitete Dauvrojekl in Kelichendori a. d. Tvree soll zur Aueslibrung komnieu. Die Mittel au» der Liqnidalion der englischen Werk« kommen den Neubauten restlo».r»g«iie. Im Verein mit der Mär» tischen S>edluiig4>A. m. b. H. find SiedlungSbauten für Arbeiter und Angestellie geplant. Auch die Tochtergesellschaft, die Cyclonen Maschinenfabrik, ist vollauf beschäsligt, so daß mit einer guien Dividende gerechnet werden kann. Deranlw. wr den redatt. Zeil! Dr. Werner Vriser, Ztzorlotlendur«! fgr An- >ej««n: Zh. Kiolte, Stenn. Verlag Vorreiirie.Bcrlag S. in. d. H.. Berlin. Druck! Vorwärta.Suchdruckcrei n.Verlagsanslali Paul Singer u. So.. Berlin, Lindenslr. S. Haus Orasiien gewährt vermittels Höhensonnen, Diathermie, Lieht«, Viei xetlenbäder usw gröBte Heilerfolge geren Erkflliunkrskrankhclten, Grippe, Rheuma, lecblaa, Lähmungen, Scbrelbkrampf, Schlailoslgkeif, Blutarmut, Nervenleiden u. a. 15 Behandfungen von M.-ßO,— an— Prosne te und Auskünfte kostenlos,------- Allgemeine Getskrankenkaye ss=~ für Serlin- Steglitz Bekanntmachung .,«rund der BrrSffentiichmrg wm 20. Od tober 1921 dele. die Drrlrelrnvaiil«,-irr Orr»- trantenlass« BtrUn-Eleglitz wird hiermi! bekannt. gegeben., daß jenen» der Versicherten»nr«in gegeben, d Wahloorsch nn AussN' Vorschlag_..._____|______ P...... beginnend mit dem Namen Karl Liehe und endend W-Hwarschla» fUr die Vertreter dza>. i!rsa,pecso»en MI«usschull der g-sse ctnge,an,,en ist Der Wahl. — tft eingereicht von S-rrn Alol»«ierschenk. mit dem R-men Rudolf Dumm. Der Wohlv.r .chlag ist als gllliig anerkannt worden und sind («mit die aus den Wahl»»rschl»g benannten Vir- Ireter bzw. ikrsaßpers-nen ,«»>>».»i« aus den ?• 5- fttzl's'ß-e Stimmabgabe ist somit hrnsSllig. «rbeltgeber Im Au» Auß liegen zwei Wahlv-rschlug«»er. Wabloar. schlag 1 eingereicht von Serrn Malermeister S. Linke. beginnend mit dem Namen des Suiicich-r» und endend mit dem Namen Erich Voigt Wahlvrrschlaa 2 eingereicht»on Serrn 3»ituna»lvidi«»ur Hermann Sernsee. beginnend mit dem Ramm Hugo Peterien und endend mit dem Namen Helen« Feldmann Beide Wahlvorschldge und al» gültig anerkanm worden und hat demnach die auf dm b. Dezimber d. 3-, nachmittags 3 bis 8 Uhr, im Lasiem-ial. «Srnerltr. SS, seitgesetzte Stimmabgabe ftattzustnben. Berlin-Slegliß. den 22. Neocmder 1821. IS so ver Vorst«»»»! NarILlehr. Wahlleiter mm I Silber- Platin- l kauft ! ' i\ 4 «#»-,«Uderir.. gaha. lauft zum Engrasvre sr Sclorno«, Langektr. 85, am Schlestschen Sahnhos. Tapete». Wachstuch«, Linoleum. Daucrwäsche vertaufi Szillst,«olomeltraß, 9, Wer zatiiiÜirColi]-, Silber- and Plaliu- Bmciiü.GegeFSlänöe die böeteten Preise? nur ELEKTROMED8ZINISCHE ANSTALT ORANiENSTR. 37. und Höhrnsonner tiad ersten Ranpes unter Leilun« ton Aernen, auch einer Acziln SolleDdcrlstraSe S9 Platin Brillanten i CJ to (U EW bä Zahngebrsse Quecksilber verkaufen Händler und Private am besten und reellsten an die handelsgerichtlich eingetragene Firma HEINRICH TRAPP Edelmetall- und Juwelengroßhandlung B�UttlStr. to(Laden), am Splttelmarkt Telephon: Zentrüm 1873 ro co «a 3! Zinn, Blei Lagermetall uiidaiimllcheAltmetalle kauf'* Metallschmelzwerk Waldemaratrulic 74. Telephon Moriupi 9055 Ankauf Gold-, Silber-, Plsiln- ■Bruch Neparaior«» Jtf etatbc'.ten, Dergo!- den, OetfUbecn. Schvielmelegenhen lüt Hlndier. Joh. SpaitKcnberg, SO. Ii). Mrlchiorltr. Ä». Waren n solid. 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