flg. 556>Z8. Jahrgang Ausgabe A Nr. 2SI Bezugspreis: Viert«IjährI.W.- M.. monatl. lZ.— M- frei ins Saus, voraus zahlbar. Postbezug: Monatlich 12,- M, einschl. Sa- stellunzsgebilhr. Unter Kreuzband tlir Deutschland, Danz g, da« Saar- und Memelgebiet, sowie die ehemals beul- sehen Gebiete Polens Oesterreich, Ungarn und Lurembura 22,- 3!., für da« übrige Ausland 2S,— M Pos:- de stell ungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tschecho- Elowatei, Däne- Marl. Kolland, Luxemburg. Schweden und die Schwerz. Der.Vorwärts� mit der Sonntagsbeilage»Voll und Seih" der Unter. bartungsdeilage»Heimwelt" und der Beilage»Siedlung und Kleingarten" erscheint wochemäglich zweimal, Sonntag« und Montag« einmal. Telegramm-Adresse: »Sozialdemokral verlin» Morgen-Ansgabe berliner Volksblstt (40pksnnig) AnzrigenpreiS: Die zehngespaltene NonpennlUdeile kostet 7,— 31„Steine Zlnzeixen" das irttgedrnrkte Wort Z,— 3!i lzn- lässig zwei settpedructte Wortel, ieke.r weitere Wort I.Zv M, Stellengesuche und Echlasitellenanzerge» das erste Wort l.ZO 3J» sede« weitere Tori l.— 3!. Worte Uber lä Buchstade» zählen für zwei Wone, Familien-?! n- zeigen für Abonnenten Seil« 4.— M. Die Preise verstehen sich einlchließlich Teuerunas>uschlag. Anzeigen litt lue nächst» Slumwer müssen bis<'/. AH« nachmittag« hin HanptgeschSst, Berlin EW siS, Linden- straße'i, abgegeben werben Geäsinel van S Uhr sriih bis b Uhr abend». Zentralorgan der rozialdetnokrattfchen parte» Deutrchlands Neöaktion und Expedition: CW 68, Lindenstr. Z Rebartion Mortt-plaq 151«5—07 tt?t)C6itiölJ®jori�öiaö 11755-54 Freitag, den Ä». November 1921 vorwärts-verlag G.m.b.H., SV 68, Lindenstr. Z 0r«ernt»,r«>>4,i»r• Verlag,(«xuedition an» Ynsrratr». ,>rrii,prrnilr. Morippla« 11755-5» Die Opfer öer Kommunisten. von dem Hungerstreik in Lichtenburg ausgehend habeil die Kommunisten eine Aktion für die Opfer ihres Märzauf- standes, die in den Gefängnissen sitzen, inszeniert. Wenn nicht alles täuscht, so soll aus dieser Aktion eine neue Aktion er- wachsen, die der Justiz neue Opfer in den Rachen treiben wird. Wir haben stets die I u st i z verurteilt, die verführte Ar- beiter mit barbarischer Strenge für die Sünden ihrer unfähigen und gewissenlosen Führer büßen ließ. Aber auf der anderen Seite müssen wir mit größter Deutlichkeit hervorheben, daß die ursprüngliche Schuld an dem Elend der politischen Ge- fangenen die kommunistischen Führer tragen, die ihre Gefolg- schast mit einer Hinterhältigkeit in das Ver- derbengelockthaben, dieinverWeltg«schichte ihresgleichen sucht. In ihrer gestrigen Abendausgabc versucht die»Rote tjihne" erneut, ihren alten Schwindel auf- zuwärmen, daß Seoering und Hörsing den Aufstand»provo- ziert" hätten. Sie schreibt: Der„Vorwärts" verbindet mit seinen ZerspNtierungsverluchen eine schamlose Kommunistcnhetze. Wir werden durch die Lüzen des „Vorwärts" nicht betroffen. Wir weisen aber auch die sozialdemo- tratische Arbeiterschaft darauf hin, daß feststeht, daß Seoering und Hörsing die sogenannte Märzaktion heimtückisch provoziert haben, um. hinterher«ine Möglichkeit zu besitzen, revolutionäre Arbeiter und � Funktionäre der Kommunistischen Parlei in die Zuchthäuser zu wer- fen und unsere Partei in den wichtigsten Industriedezirken zu des- organisieren. Demgegenüber wollen wir nun einmal auf die Gefahr hin, daß der„Roten Fahne" die Augen übergehen, die w i r k l i ch e hi st arische Wahrheit an den Tag bringen, und zwar an der Hand von unwiderleglichen Dokumenten kommunistischer Führer. Wir werden beweisen, daß in der frivolsten Weise die mitteldeutschen Arbeiter von ihren Füh- rern belogen und betrogen worden sind, daß man sie m i t verbundenen Augen in das Verderben gehetzt hat, daß man durch ein System von Schwindeleien und Pro- vokationen die Massen in fiebernde Erregung versetzt hat, aus dem selbst ein Kriegspresieamt hätte lernen können. Wir bringen im nachstehenden die Berichte, die die F ü h- rer der kommunistischen Märzaktion über ihre Tätigkeit verfaßt haben. Schon Paul Levi hat in leiner de- kannten Broschüre über den Märzaufstand darauf hingewiesen, daß es im Plan der kommunistischen Kompfleitung gelegen i hat, die Schutzpolizei zu reizen und dann die Ausschreitun-! gen der gereizten Polizei als A g i t a t i o n s st o f f in der' Arbeiterbeoölkerung zu verwenden. Levi betont aber an an- derer Stelle seiner Broschüre, daß er sich in seinen tatsächlichen Angaben mit Rücksicht auf seine bisherige Partei zugehörig- keit große Zurückhaltung auferlegt habe. Wir können ihm das bestätigen. Seine Angabe ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem System gerisienster Provokationen, mit dem die kommunistische Kampfleitung arbeitete. Wir wollen mif die Quellen dieser Behauptung zurückgehen. Die Aufstandsleitung in Halle lag bekanntlich in den Händen der Kommunisten L e m ck und B o w i tz k y. Beide haben nach übereinstimmenden Aussagen Organisation und Leitung der Märzaktion in Händen gehabt. Ihre Berichte an die Zentrale sollen nunmehr zeigen, wo die w i r k l i che n Angreifer und Provoko- teure gesessen haben. Beide können nicht von der KPD wie � Levi als Ueberlägfer verdächtigt werden, sondern sie sind der! KPD- bis zum Schluß treu geblieben. Aus ihren eigenen Be°■ richten soll die Arbeiterschaft nunmehr erfahren, wie sie von diesen beiden und der gesamten kommunistischen Zentrale hei ni tückisch ins Unglück gerissen worden ist. Aus dem Bericht Semds. Am 19. März tagte die Bezirksausschutzsitzung in Halle. Dort wurde vereinbart, welche Haltung die Partei für Halle-Merfeburg einnehmen sollte.... Mr waren uns Nor. daß eine Aktion in Deutschland niemals auslösen würde der Hörsingsche Trlaß. sondern eine Provokation herbeigeführt werden muß. und daß der erste, der berüchligte erste Schuß von der gegnerischen Seite fallen müßte Schneider, der teünahm, war mächtig impulsiv und wollt« los- hauen. Ihm wurde erklärt, daß er erhöht« Alarmbereitschaft vor- bereiten solle für die Generalstreikparole, daß er sich jeder anderen Handlung enthalten solle Dos war bis mittags 1 Uhr. Nachmit- tags erfuhr ich, daß der Hölz bereits am Freitag in Halle war. Er hat geschlafen bei Paul Muschka. Das war also am 18. Georg Schumann hat mir am 4. April erzählt, daß er schon seit längerer Zeit»inen Auftrog vm der Zentrale hat. Hölz mit der Zentrale in Verbindung zu bringen.> Am 18. fuhr Hölz abends gegen 6 Uhr 12 Min. nach Eislebe»... Nachdem Schumann Muschka mitteilte, daß er Hölz mit der Z e n- tralc in Verbindung bringen solle.(Es folgen noch, weitere Angaben über die Rolle Hätz', die in diesem Zusammen- hang weniger interesticren. Ned. d.»Vorw.") Schon am Montag waren seitens der KAP. die ersten Schüsse � gewechselt, nicht von der anderen, sondern von unserer Seite Das waren aber nur alles Plänkeleien.(Folgt Bericht über mehrere' Sitzungen. Red.) Am 20. fand in Halle eine Sitzung der Oberbezirksleitung statt. Anwesend waren Vertreter aus sämtlichen Bezirken Mitteldeutschlands und M.-P.-Leiter. Dort wurde Bericht erstattet aus den einzelnen Bezirken. Die Stimmung war so schlecht und m i e ß, dnß man der Meinung war, es bedürfe künstlicher Mittel. Aus dem Bericht Botointys. O., den t2. April»921. Offizier M. P. und politischer Kommissar für Mansfeld. Da über die Einleitung'der Attion meiner Zentrale eine ganz falsche Ansicht vorherrscht, so sehe ich mich veranlaßt, der Zentrale einen Bericht zu übermitteln, wie er mir noch im Gedächnis ist. Es war am Freitag, den 18. März, als der Genosse Oelsner und der Genosse Schumann- Halle mit dem direkten Auftrag der parleizentrale in Halle erschienen, die Aktion unverzüglich einzuleiten. Den Anlaß hierzu sollte die Besetzung Mttteldeutfchiauds mit Sipo und Schupo abgeben.... Man war sich im großen und ganzen | darüber einig, daß die Attion unter allen Umständen eingeleitet werden müsse. Von einigen Genossen jedoch wurden Bedenken dar- ! über geltend gemacht, daß gerade Milteldeutschland mit der Kern- truppe des revolutionären Proletariats den ersten Anstoß nnter- um die Sache hochzubringen.(Folgen weitere Sitzungs- � nehmen solle.(Folgt ein« Schilderung, wie dies« Bedenken widerberichte. Red.)> wurden. Red.) Arn Mittwoch, den 23., nachmittags, mar Eberlein(der, Am Dienstag, den 22., erschien dann der Genosse Hugo(Hugo kommunistische Landtagsabgcordnete. Red.) in Halle. Es fand eine. Cbertein. Red.) aus Berlin als Beauftragter der Zentrale, um die Sitzung statt. Anwesend: Die Oberbezirksleitung, die beiden Ge- � Aktion In Mitteldeutschland oorwanszutreiben und zu leiten. E noffen, Eberlein und ich. Es wnrde die Aktion durchgesprochen. � machte nunmehr über die Durchführung der Atlwn ganz ton Hugo Eberlein machte den Lorschlag. wenn wlr keine Parole finden, trete Vorschläge Und brachte den Austrag der Zentrale, untt dann sollen im Lause der nächsten lag» die Genossen Lernck und allen Umständen in Mtteidrutschland ein» Parole zu schassen, d Bowihky verhaftet werden, um so die Hallesche Arbeiterschaft her- � durchschlagend für das ganze Reich in Frage kommen könnte. Dies auszulocken. Die populärsten Führer jollien verschwinden. Es war insofern außerordentlich schwer, weil die zur Besetzung erschie- sollten Märchen aufgebracht werden, wie man sie befreit hat, und � neuen Sipoinannschaflen sich trotz aller Provokationen außer- ordentlich zurückhielten. Es war selbst im Mänsseldsche» nicht möglich geworden, sie irgendwie, selbst durch Beschimpfungen aus ihrer Reserve herauszulocken. Sie spielten Karten, rauchten ihre Pfeife und brachten ihre Freude über die Zurückhaltung unver- holen zum Ausdruck. Dies waren die Berichte dos Genossen versucht werden, durch Akkeakate dle Stimmung der Arbeiterschaft so aufzuputschen, daß sie in den Kamps zieht. Mir war einige Tage vorher die Mit- teilung geworden, daß aus dem Thüringer Bahnhof in Holle ein Waggon IS-Zentimeter-Granaten, deklariert als—. o- V. v~ m- Sauerbunnen" nach Wildpark bei Potsdam, angekommen wäre,! �° wurde dann oon tKrnOknoffcn M.< inb ein Wann nn Knsanteriem.mition Sil« ick, diele« mitteilte, mock.e! Muller 7 Red der Vorschlag gemacht, dann doch ,n sreund. scha s tl icher Weise sich mit den Slpomannschaften zu unterhalten, einzudringen in ihre Wachtlotale oder Unterkünfte, sie entweder da- durch zur Abwehr zu reizen, und falls dies nicht gelänge, ihnen ein- Mörcker erhielt den Auftrag, in Eisleben ewe Versammlung unter freiem Himmel zu | veranstalten und bei dieser Gelegenheit in der vorbezeichneten Weise und ein Waggon Infcmteriemtmition. Als ich dieses mitteilte, machte Ed e r i e i n den Vorschlag, wenn die Sachen noch da sind, dann werden beide Waggons in die Lust gesprengt. Wir bringen dann morgen im»K l a s s e n k a m p s"(das kommunistische Blatt in-,.. u-m i- Halle. Red.) noch den Bericht: Durch Unvorsichtigkeit die! oen�fiam�enireihen Munition der Konterrevolution in die Luft gefiogen, die W o h- n uugenderArbeiterzusammenge stürzt, hundert. Arbeiter sind tot. Wenn das nicht wahr ist, w i d e r- � einen koastikt zu schassen. rufen wir es nach einigen Togen. Ich wurde sofort von Cbertein� Bw dahin war in Mitleldeutichland auch noch nicht ein Be- beauftragt, mit den führenden Genossen unserer Spreng-�"'"''* i— v vi«»— k o l o n n e in Verbindung zu treten und dann in der Rächt die Sachen hochgehen zu lassen. Abends 7 Uhr war die Sitzung der Bezirksleitung in Anwesenheit von Eberlein. Teilnehmer: Borsitz Oelsner, die gesamte Bezirksleitung, Bowitzky, von Halle einige Genossen und Eberlein. Da wurde über die ganze Lage Bericht erstattet, und war Schumann derjenige, der abriet, die Aktion weiterzutreiben. Siebenmüller und Schumann sagten, daß wir noch Zeit hätten, den Generalstreik abzublasen.�. Eberiein sagte wir müssen dle Sache writerlreiben, die Rlunmon müsse in die Lnsl fliegen, oder man macht eine andere Sache, es passiert eine Ex- plosion, so daß die Arbeiterschaft aufgerüttelt wird. Genossen waren damit einverstanden, auch Oelsner. Auf Antrag der Bezirksleitung mußt sich Eberlein, Rodert Eiebenmüller, Lemck und Schneidewind in die Küche zurückziehen und Attentate für die kommende Rachi beraten. Da wurde der Dorschlag von Eberlein und Siebenmüller gemacht, in der Mittwoch- Nacht unser heim krachen gehen zu lassen, weil wir sagten, das würde die Arbeiter am me i'st e n aufregen, wenn man ihnen sagt, sie beschädigen Euer Eigentum. Ich sprach dagegen und sagte, sprengt lieber die Munitionsanstalt. Es wurde beschlossen, 2 Uhr nachts die Munitionsonflalt hochgehen zu lassen und t-3 Uhr die produktiv- genosseufchaft. Schneidewind wurde damit beauftragt. Eberlein, Siebenmüller und Schneidewind gingen dann um liO Uhr weg, um die Leute zusammenzukriegen. Das war am 13. In der ersten Nacht hat die Sache versagt. In der nächsten Nacht glückte es auch nicht— (Der Bericht Lemcks, der das Datum des 8. Aprll 1921 trägt, geht noch sehr ausführlich weiter. Lemck schildert hauptsächlich seine Kampftötigkeit während der Unruhen. Mit Max Hölz hat er heftige Differenzen gehabt. In einer der Auseinandersetzungen mit Hölz wird betont, daß von der Zentralleitung Bowitzky als politischer Kommissar, Lemck als militärischer Oberbefehlshaber eingesetzt war. Auf Hölz ist Lemck sehr schlecht zu sprechen, er erttärt ihn für einen Schinderhannes und R ä ii b e r h a u p t m a n n. der für sich Geld machen walle. Wir behalten uns die Wiedergabe einzelner Teile dieses Berichts für- einen späteren Zeitpunkt vor. Zunächst wollen wir einiges aus dem Bericht B ow i tz k y s wiedergeben, der die Angaben Lemcks, so unglaubllch diese klingen, vollinhaltlich bestätigt. trieb von der Sipo besetzt worden, und die gegenteiligen Berichte, wonach die Leuna-Werke von Sipoleuten besetzt gewesen seien, entbehren jeder Grundlage. Das Leunawerk ist durch Sipo erst besetzt worden nach der Beschießung am Mittwoch, den 30. März. Genosse Hugo machte nunmehr den Genossen der Illegalen verschiedene Vorschläge, wie eine wirksame Parole unter den gegebenen Verhältnissen geschaffen werden könne. Er gab den offiziellen Auftrag, das Munllionsdepot ta Seesen und einige Stunden darauf, um die Wechselwirkung glaubhaft zu machen, das neuer wordene Grundstück der prodattivgenosjenschask in die Luft zu sprengen. Die meisten � Einigen Zufällen ist es zuzuschreiben, daß beide Austräge nicht zur Durchfü hru ng gelangen konnten. Ferner wurde folgender Plan in Erwägrung gezogen: Der Genosse Lemck und ich sollten uns bereithalten, um für einige Zeit von Halle spurlos zu ver- schwinden. Der Plan war svigendermaßen gedacht: Es sollte in der Nacht durch einige Stoßtrupps eine lrbhoste Schießerei, möglichst auch mit Handgranaten, an einigen Punkten der Stadt einsetzen. Es sollte dann die Alelbung verbreitet werden, der Genosse Lemck sei bei den kämpfen schwer verwundet und durch Sipooder Orgesch-Lcute im Aalo verschleppt worden, unbekannt ivohin. Eine ähnliche Komödie sollte mit meiner Wenigkeit aufgeführt werden. Da unsere Namen bei der Arbeiterschaft einen guten Klang habxn, so erhoffte man dadurch ein gutes Ansteigen der Empörung und einen s po n t a n en Ausbruch des Generalstreiks. Von der Durchführung dieses Planes kam man durch die Weiterentwicklung der Verhältnisse ab. Am anderen Morgen gab der Genosse Hugo in einer Zusammen- kunft in der»Stadt Dresden" feiner Entrüstung darüber Ausdruck, daß in Halle nicht das geringste klappe. Die Illegale wäre vollkommen versaut, es wäre geradezu unerhört, daß noch nicht einmal ein anständiges Stück Zündschnur vorhanden wäre, mit dem zuverlässig ein solcher Austrag durchgeführt werden könne. Gemeint war damit der A n s ch l a g auf d a s G e- nossenschastsgebäude, weil dort die Zündung versägt hotte. Er gab den direkten Auftrag, beide Befehle in der folgenden Rocht unbedingt auszuführen. Ich äußerte meine Bedenken in bezug auf das Munitionsdepot und wies den Genossen Hugo ziemlich energisch zurück, well er scheinbar nur einen Sündenbock suche für die übereilte Aktion der Zentrale... Meine Einwände wurden zuriZFgewiesen, und der Befehl blieb bestehen. Inder ?!acht noch wurde der Auftrag gegeben, von welcher Seite weih ich nichl, da der erneute Anschlag wieder nicht geklappt hatte, das Gebäude der Produkltonsgenosfcnschaft unter allen llmsiänden zu fpreilgc», ganz gleich ob am Tage oder' in der Zlachk. Die Bezirks- lejtung hat sich jedoch im letzten Augenblick ganz energisch gegen die- sen Wahnsinn oerwahrt, und ich erhielt persönlich den Auftrag, durch Lennittlung des Genossen Schncidewind, den mit der Durchführung beauftragten Genossen abzufangen und dieselbe zu verhindern. Dies gelang mir auch. Bei der Durchführung am Tage wären un- gefähr zwanzig unjerer besten Genossen ein Opfer dieses Anschlages geworden, welche Bedenken aber von dem Genossen Hugo in der Nacht vorher mit einer Handbewegung abgetan wurden.(Der Be- richt Bowitzkis geht noch weiter, wir behalten uns auch hier weitere Beröffentlichungen vor. Red.) So also sehen die Leiter der KPD. aus, die jetzt vor der Oeffentlichkeit ungezählte Krokodilstränen über die armen Opfer vergießen. Diese Leute, die mit der größten Kalt- blütigkeit über die Leichen ihrer eigenen Genossen gehen, haben mit niederträchtiger Hinterlist die' Ar- beiter in den Kampf gehetzt. Jetzt spielen sie die Unschulds- lämmer, sie, die ihre eigenen Anhänger indieLuftgehen lassen wollten, um Provokationen zu schaffen. Ein Wort über die Dokumente. Die Kommunisten werden natürlich versuchen, ihre Echtheit zu bezweifeln. Das können sie aber nicht. Die Echtheit dieser Berichte, die wir auch noch durch wettere erganzen können und bei Gelegen- hcit ergänzen werden, steht unwiderleglich fest. Diese Berichte sollten nämlich von den Anhängern der Richtung Levi dem ExekutivkomiteederDrittcnJnternatio- n Q l e in Moskau unterbreitet werden, um als Unterlage für ihre Anklagen gegen die Kommunistische Zentrale Deutsch- lands zu dienen. Sie waren Frau Klara Zetkin anver- traut worden, bei der sie gefunden wurden, als sie die Grenze überschritt. Die Person Klara Zetkins, in deren Besitz die Papiere waren, bürgt dafür, daß es sich nicht um irgendwelche Spitzelarbeit handeln kann. Sondern hier sind durch einen günstigen Zufall die Interna der Kommunistischen Partei an den Tag gekommen, und die ganze Arbeiterklasse hat ein Recht, diese kennen zu lernen, ebenso wie wir die Pflicht haben, sie der Arbeiterschaft zugänglich zu machen damit dieArbeitergewarntwerdenvordenLeuten, die kaltblütig die Arbeiterklasse:ns Verderben Hetzen. die Reparationen im Reichskabinett. Nene Maßnahmen gegen den Wucher. Das Reichskabinett beschäftigte sich am Donnerstagabend mit der Erledigung der Reparatlonsoerpflichtungen am 1. De- zember. Es wurden, die Schwierigkeiten der Zahlungsver- pflichtungen besprochen; im übrigen wurde dieser Teil der Bs- ratungen als streng vertraulich behandeU. Weiter wurde die Zuschußleistung von 100 Millionen Mark an die Quäker- st i s t u n g besprochen. Die Quäker haben für bedürftige deutsche Kinder und Frauen neuerdings 3 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt, jedoch unter der Voraussetzung, daß auch die Reichsregierung den genannten Zuschuß bewilligt und dafür Sorge trägt, daß die Speisen nur an Bedürftige aus- gegeben werden. Die Regierung stimmte einer Bewilligung von 100 Millionen Mark zu. Eine Notstandsaktion zur Milchversorgung der Städte und weitere Maßnahmen zur Bekämpfung des L e- bensmittelwuchers wurden gleichfalls beraten. Die Regierung kam überein. diese Fragen am Sonnabend noch- mals mit der preußischen Regierung zu besprechen. Immerhin steht aber schon heute fest, daß die Notaktion zur Milchversor- gung durchgeführt, und daß in den nächsten Tagen neue Maßnahmen zur Bekämpfung des Wuchers bekannt- gegeben werden. Ein republikanischer Erzieher. Aon(k r i ch Witt«. Rousseau enipsiehit in seinem weltberühmten pädagogischen Roman„Emil" den Lehrern, mit ihren Schülern Heilanstalten, in Syphiliskranke behandelt werden, und Bordelle zu desichtigen. Er meint, dieser Besuch würde eine abschreckende Wirkung auf die Knaben ausüben. Aus demselben Grunde könnte man die Schud jugcnd in Trinkerheilanstalten führen. Was soll man aber tun, um die Kinder mit Abscheu gegen die monarchische Staatsform zu er- füllen? Man lese mit ihnen ein Buch über den schlechtesten Mon- orchen der Welt. Solange es dies aber nicht gibt, empfehle ich als Jugendbuch den dritten Band der„Gedanken und Erinnerungen" des einflußreichsten monarchischen Staatsmannes, den Deutschland im lg. Jahrhundert gehabt hat, nämlich Bismarcks. Darin ist ein Brief.Kailer Friedrichs abgedruckt, worin dieser im Jahre l886 über seinen Sohn Wilhelm schreibt:„Angesichts der mangelnden Reife und der Unerfahrenheit meines ältesten Sohnes, verbunden mit einem Hang zur Ueberhebung wie zur Ueberschätzimg, muß ich es geradezu für gefährlich bezeichnen, ihn jetzt schon mit auswärtigen Fragen in Berühküng zu bringen." Zwei Jahre später war derselbe unerfahren« Mensch als deutscher Kaiser der Leiter der auswärtigen Politik und hatte die Macht, einen Krieg herbeizuführen oder durch falsche Politik zu verschulden, in dem Millionen von Menschen das Leben verlieren konnten. Dabei wurde derselbe junge Herr, den Bismarck vergebens dem„beschränkten Kreise des Potsdamer Regimentsdienstes zu entziehen" sich bemüht hatte, ein bis zwei Jahr» vor seiner Thronbesteigung von seinrni Großvater noch für zu jung für eine militärische Beförderung ge- halten, die Wilhelm I. selbst m demselben Alter bereits innehatte. Nach dem Urteil Bismarcks hatte der letzte deutsche Kaiser von den Eigenschaften seiner Borgänger„eine gewisse Ma n n i g s a l t i g k e i t zur Mitgift erhalten": Bon Friedrich I. die Prachtliebe: von Friedrich Wilhelm I.„die Borliebe für lange Kerls"; von diesem und von Friedrich ll.„die Neigung zu selbstherrlicher Leitung der Regierungsgeschäste"; von dem letzteren überdies die Vorliebe zu Randbemerkungen drastischer Art in die von ihm gelesenen Aktenstücke(Deutschland hat ia kürzlich zu seinem Schrecken davon Kenntnis erhalten; in die über den öfter- reichisch-serbischeu Konflitt 1Ö14 schrieb dieser„Friedenskaiser" be- kanntlich:„Immer feste dem Gesindel auf die Füße trampeln." Der Verfasser); von Friedrich Wilhelm II.„die starke sexuelle Entwick- lung"(!!!) und„eine gewisse Empfänglichkeit für mystische Ein- slüsie"7 von Friedrich Wilhelm lV. die Gabe der Beredsamkeit und „das Bedürfnis, sich ihrer öfter als geboten zu bedienen", wenn auch sein Großonkel„vorsichtiger in der Wahl der Worte" gewesen war; ferner hatte Wilhelm II. mit diesem letzteren König nach Bis- marck darin»eine Aehnlichkeit, daß die Grundlage ihrer Politik in der Vorstellung wurzelte, daß der. König, und er allein, den Willen Sachwerte statt Zahlungen. Tic Engländer wollen Beteiligung am Produktionsertrag. tondon, 24. November.(MTB.) Aus der Denkschrift des Sonderausschusses des Bundes britischer In- d�ustrieller sind noch einige Ausführungen hervorzuheben. Die Schädigung der Industrien anderer Länder durch die starke deutsche Aussuhr sei von besonderer Wichtigkeit für die Fabrikanten und Arbeiter Englands, die zum größten Teil ähnliche Waren erzeugten wie die Deutschen und sie nach denselben Märkten ausführten. Deshalb sei es von größter Wichtigkeit, daß der Charakter und der Umsatz der deutschen Fertigfabrikate zur Bezahlung der Repa- rationen den Bedürfnissen der alliierten Industrien angepaßt werde und ihre Entwicklung fördere. Es sei wesentlich, daß die Aezah- lungen über einen weit längeren Zeitraum verteilt würden, als in dem augenblicklichen Abkommen vorgesehen sei. Das Memorandum der britischen Industriellen schlägt eine Revision der Reparationsabkonimen aus folgender Grundlage vor: l. Stellung von Forderungen an die deuische In- dustrie und Unternehmungen an Stelle der augenblicklichen Der- Kindlichkeiten Deutschlands gegenüber den Ententeregierungen. 2. Schärfere Umgrenzung der Klassen vo.n Waren und Arbeitsleistungen, die Deutschland zu liefern hat. Da- durch soll soweit wie möglich eine Schädigung der alliierten In- dustrien vermieden werden. Zum ersten Punkt wird vorgeschlagen: Alle deutschen industri- ellen Unternehmungen könnten beispielsweise angewiesen werden, eine besondere Klasse von Borzugsarbetten zu Massen. Bon den Inhabern von Grundbesitz könnte verlangt werden, daß sie e rst e Forderungen bis zu einem festgesetzlen Verhältnisse des Wertes ihres Besitzes übernehmen. Dringliche Hypotheken oder Borzugsaktien sollten geschaffen werden für Unternehmungen, wie deutsche Eisenbahnen, Kanäle, Schiffahrislinien usw. und möglicherweise sogar für die deutschen Banken und Großhandelsuntcr- nehmungen. Diese Sicherheiten sollten dann von der deutschen Re- gierung den alliierten Regierungen ausgehändigt werden, die sie, wenn sie es wünschten, Privatpersonen verkaufen könnten. Di? vorgeschlagene Maßnahme würde den Alliierten eine gewisse Kontrolle über die deutschen Industrien geben, die groß genug wäre, um sie in den Stand zu setzen, einen beträchtlichen Einfluß auf die Entwicklung und Leistungen des deutschen Handels auszuüben. Schließlich würde, wie in dem Me- morandum hervorgehoben wird, eine weit bessere Sicherheit für die Bezahlung der deutschen Schuld geschaffen werden, wenn eine Vereinbarung zwischen den Regierungen, die letzten Endes von der Fähigkeit der Alliierten abhänge, ihre Forderungen durch mili- tärischc Mittel zu erzwingen, durch eine große Zahl von geringeren Verpflichtungen zwischen Privatpersonen, Deutschen, Alliierten und Neutralen, erzielt werde. Das Memorandum fährt fort, es sei klar, daß, selbst wenn durch die Annahme dieses Verfahrens die jährlichen Zahlungen wesent- licb oerminder: werden könnten, Deutschland imnier noch beträcht- liche Iahreszahlungen zu entrichten habe und Waren ausführen müsse, deshalb sei es sehr wichtig, daß die deutsche Produktions- kraft soweit wie möglich in einer Richtung gefördert werde, die sie entweder für die britische Industrie unschädlich oder ihr dienlich mache. Deutschland könne den Alliierten liesern: Stosse, die nützlich seien zur Entwicklung der Industrie oder Landwirtschaft in den alliierten Ländern, wie z. B. Kall, Hol» und Kohle. Außerdem könne der tatsächliche Wiederousbau des zerstörten Gebietes Deutsch- land überlassen werden. Das Memorandum schlägt als weitere Art der Bezahlung die Ausführung von Souwerken in den alliierten Ländern unter alliierter Leitung vor. Diese Bauten müßten selbstverständlich unter der Gewähr ausgeführt werden, daß Deutschland sie nicht dazu benutze, um die Länder, in denen sie unternommen werden, friedlich zu durchdringen. Zu diesem Zweck müßten sie unter ausschließlicher Leitung und Aussicht von Ingenieuren und anderen technischen Sachverständigen der A l l i- i c r t e n ausgeführt werden. Als Beispiel für eine deutsche Konstruktionsarbeit führt das Memorandum an erster Stelle an: die Wiederherstellung der Eisen- bahnen und anderer Verbindungswege in Europa und möglicher- weise in Zukunft auch in Rußland. Wenn nicht Deutschland diese Arbeit verrichte, so bestehe keinerlei Aussicht, daß irgend Gottes näher kenne als andere/ nach demselben regiere und dcshalo vertrauensvollen Gehorsam verlange, ohne sein Ziel mit den Unter- tanen zu diskutieren oder denselben kundzutun". Wie richtig Bismarck den letzten deutschen Kaiser schon vor fast 30 Iahren beurteilt hat, braucht nicht erst dargelegt zu werden. Er- wähnt sei nur, daß nach Bismarck Wilhelm II. zu Caprivi, als dieser Bedenken gegen die Ucbernahme des Rrichskanzleromtes äußerte, sagte:„Seien Sie ohne Sorg«; Sie kochen alles mit Wasser, und ich werde die Veranttvortlichkeik für dir Geschichte übernehmen." Anstalt sich von seinen Mitüstern beraten zu lassen, wählt« er zu seinen Ratgebern Männer wie den Bergwerksspekulanten Graf Dvtttzlas, der nach Bismarck das Ansehen, das ein großes Vermögen verleiht, durch den Gianz einer einflußreichen Stellung bei dem Souverän zu erhöhen bestrebt ist, und den Maler und Bergwerks- beamten v. Heyden, der„in den bergmännischen Fachkreisen für einen Maler und in deij künstlerischen für einen Bergmann gehalten" wurde. Es gibt in der Tai keinen besseren Beweis für die alleinige Berechtigung der republikanischen Staittsform als die Kritik Bis» marcks an dem letzten deutschen Kaiser. Trotzdem wollen Millionen von Deutschen die Wiedereinführung der Monarchie, in der der größte Berbrecher und der größte Dummkopf zu regieren hat, ohne das Vertrauen eines einzigen Menschen zu besitzen, wenn er nur der älteste Sohn des letzten Herrscher» ist. Die Toten des Tages. In Berlin starb Felix Philipp i. 70 Jahre ist er alt geworden. Zu Zeiten wurden seine heute ver- gessenen Dramen auf den Bühnen viel gespielt, da er eine gewissere äußere Routine besaß und ein Stück zu machen verstand. Kam dann noch eine Sensation, eine Aktualität dazu, so war Philipp! der Held des Tages, so als er den Konflitt zwischen Bismarck und SM. auf die Bretter brachte(„Das Erbe"), oder als Matkowsky die Hauptrolle in seiner Tragödie„Das große Licht" spielte. Später wandte sich Philippi, der im Grund« ein Journalist war und blieb, der Roman- schriftstellerei zu und versorgte Jahre hindurch die Scherl-Blätter mit Lessfutter. Sein Bestes sind feine Plaudereien aus AU-Berlin. Die biologische Wissenschaft hat einen herben Berlust zu beklagen: Max Verwarn ist im S9. Jahre in Bonn, wo er Professor für Phnsiologie war, gesterben. Als Lehrer seines Faches— seine „Allgemeine Physiologie" galt als bestes Lehrbuch— und Spezial- sorscher, als Herausgeber der führenden physiologischen Zeisschristen war er tonangebend. Darüber hinaus befruchtete er die allgemeine Lehre vom Leben und ihren Gesetzen und erhellte mit seiner biologi- schen Methode auch andere Wissenschaften. Seine Bücher:„Natur- Wissenschaft und Weltanschauung",„Die Mechanik des Geisteslebens" (in Teubners billiger Sammlung„Aus Natur und Geisteswelt"). „Die Entwicklung des menschlichen Geistes" gehören zu den besten Werken naturwissenschaftlicher, populärer Darstellung. Wiederhol! hat sich Verwarn auch mit den Anfängen der Kunst beschäftigt und auch hier statt des üblichen ästhetischen Geschwätzes Tatsachen und Zusammenhänge erschlossen. jemand in den anderen Ländern diese Aufgabe in unmittelbarer Zukunft erfüllen könnte. Dies seien vor dem Kriege die wichtigsten Märkte Deutschlands gewesen, und deshalb würde der größte Teil des Handels, den Deutschland vielleicht beginnen würde, in Wirklich- keit nicht auf Kosten Englands gehen. Dies Verfahren würde außerdem dazu dienen, den deutschen standel von den Platzen abzuleiten, die in der Hauptsache die Märkte Englands feien. Deutschland könne außerdem in den nickt entwickelten Teilen der Welt Bauten vornehmen, die sonst nicht rentabel unternommen werden könnten, wie z. B. Eisenbahnen, Häfen usw. in Afrika, Südamerika oder Asien. Die deutsche Energie und Industrie müßten zur Entwicklung neuer Märkte und neuer Quellen für Rohstoffe und Lebensmittel auf die nicht ent- wickelten Teile der Welt abgelenkt werden. Die Durchführung dieser Vorschläge würde bedingen Abände- rung des Friedensvertrages unter Mitwirkung Deutschlands. Wenn ein solches Ucbereinkommen eine dauernde Ermäßigung der alli- ierten Forderungen an Deutschland einschließe, so wäre die not- wendige Berzichtleistung gerechtfertigt, wenn sie zu einer rasche- ren Rückkehr der Welt zu annehmbaren Verhält- nissen beitrage. Um jedoch diese Ergebnisse zu erzielen, sei es wesentlich, daß jeder derartige Ausgleich geschehe unter der nach- drücklichen Bedingung, daß die deutschen Finanzen in Ordnung gehalten würden, und daß Deutschland Verpflichtungen auferlegt würden, die die fortgesetzte Inflation und die daraus folgende Ent- wertung der Mark unmöglich machten. Dem Einwand, daß durch ihre Annahme denjenigen Alliierten Englands nicht genügend Rech- nung getragen werde, die dringend baldiger Zahlung bedürften, tritt die Denkschrift entgegen. * Zweck und Ziel der englischen Dorschläge ist also, die Reparationen durch eine Belastung der Sachwerte abzulösen. Dieser Plan, der schon unter der Regierung Fehrenbach-Simons leb- Haft erörtert wurde— man dachte damals daran, Genußscheine oder Aknen auf industrielle Unternehmungen in Zahlung zu geben— ist gangbar und kann nicht gut abgelehnt werden, wenn man einmal di'e Notwendigkeit anerkannt hat. daß deutsche Bermögenssubstcu,; zur Zahlung mobil gemacht werden muß. Die deutsche Industrie, selbst ihr rechter Flügel, hat mit dem Borschlag einer Kredithilfe sich diese Einsicht zu eigen gemacht. Bedenklich ist nur die von den britischen Industriellen ausgc- sprochenc Absicht, mit diesem Verfahren einen maßgebenden Em- fluß aus die deutsche Wirtschaft zu gewinnen. Die Engländer haben hier dag Verdienst, zu Ende gedacht und in wirtschaftliche Formeln gebracht zu haben, was das Versailler Diktat zu bemänteln versucht hat. Deutschland wird zum Kuli der Welt degradiert. Man über- läßt ihm freundlichst die Erschließung Rußlands, den Bau von Hottentotten- und Malayenbahnen, will im übrigen seine Tätigkeit aus den Märkten der zivilisierten Welt einschränken und ihm hier hauptsächlich außer dem Wiederausbau Rordfrantreichs nur noch Rohstofflieferunaen zuweisen. Daß der ganze Charakter der beut- schen Industrie so weitgehende Beschränkungen des deutschen Markts nicht zuläßt, liegt aus der Hand. Mindestens ist daran zu zweifeln, daß die hochwertigen Erzeugnisse deutscher Technik in Rußland, Zenttalasien, Südamerika und Südafrika denjenigen Absatz finden werden, der der Größe der Industrie entspricht. Immerhin legt der britische Plan in die Forderungen des Ver- failler Diktats eine Bresche. Die deutschen Industriellen sollten zum mindesten versuchen, seinem gefunden Grundgedanken nachzugehein Es ist das erstemal, daß eine Kundgebung eines großen Unter- nehmerverbandes eines Ententestaates sich entschieden für die Revision des Ultimatums einsetzt, nachdem früher die Dar- legungen der Arbeiterorganisationen der Welt so gut wie ungehört oerhallt sind. Das ist ein Zeichen dafür, daß die Verständigung heute wesentlich nähergerückt ist. Wohl arbeitet die Zelt mit dem Fortschreiten der Weltkrise für uns. Aber auch wir haben kein« Zeit zu verlieren, sollen die Zahlungen uns nicht über den Kopf wachsen. 3m Veamtenausschuh des Reichstages erstattete am Donnerstag Berichterstatter Abg. S t e i n k o p s(Soz.) sein Referat über den Entwurf eines Gesetzes über Beamtenoertretungen: Auch der Beamte ist Arbeitnehmer. Diese Erkenntnis führte nach der Revolution zur Forderung einer gesetzlichen Regelung der Ver- tretung ihrer Interessen. Nach dem Zusammenbruck entstanden für die Beamten jene Vertretungen, welche die Arbeiter längst hatten. Der Entwurf bringt nun die gesetzliche Grundlag« für sie in Aus- Wirkung des Artikels 165 der Reichsoerfassung. In seinen wetteren Ausführungen übt Gen. Steinkops stärkste Kritik an dem Entwurf. Das Äed vom Dollar. Kennt ihr noch nicht das neue Lied, das bald die ganze Welt durchzieht? Der Dollar steht dreibuudertl Berlin zieht an. New York rückt nack. Graf Rebentlow schreibt über Schmach. Der Dollar steht dreihundert. King Stinne« tragt bescheiden an: Wo« kost' die Welt? Di« Eisenbahn? Der Dollar steht dreihundert. Der Reiche kauft auf lange Zeit. Die Schupo steht alarmbereit. Der Dollar steht dreihundert. Da« Brot zu teuer. Die Milch zu knapp. Di« Vörie voll. Der Beuiel schlapp. Der Dollar steht dreihundert. Rußland ist dein Verhungern nah. Mit Reizen heizt Amerika. Der Dollar steht dreihundert. Der Arme hat am Leib kein Hemd, indeZ die Kurthyäne schlemmt. Der Dollar steht dreihundert. Und einer, der nach Schweden kroch, hat wieder Mut. spricht immer noch.— Der Dollar steht dreihundert. O Mann der Arbeit, ausgewacht, erkenne endlich deine Macht! Der Dollar steht dreihundert! Faß deinen Hammer um den Schaft und schlag die Münze deiner Kraft, daß sich der Erdball wundert! Strampedcrni. .Ligaros Hochzeit" in der Staalsoper. Die gefttige„Figaro"- Aufführung bot deswegen eine Ueberra'chung, well neben der Gastin Elisabeth Rechberg vom Landestheater in Dresden auch die Susanne und der Eherubin vollwertig waren, was bei der Mozartferne un- serer Oper besonders dankbar gebucht werden muß. Frau Ar tot und Frau C a t o p o l wetteiferten im Berein mit einem guten Grafen(Z i e g l e r) und einem höchst durchschnittlich agierenden Figaro(S ch ü tz e n d o r f) um den strengen, den sanften und glei- tenden Mozartstil sowohl im Rezttativ wie im Arioso. Frau Reih- b e r g ist nicht nur intelligent, wie schon ihre„Madame Schmetter- ling" bewies, sondern auch eine überlegen«, vornehme. stUsichere und charaktervolle Gräfin. Für den Schmerz und für den Scherz findet sie den rechten Ton. Boa der Kopfsiimrne macht sie auagiedigei? Ge- brauck. der süße Schmelz ihres gulsitzenden und immer frisch ksin- gendeu Soprans aber bleibt hasten. Ein schöner Spielabend, an dem die Frauen den Hauptanteil hatten und den Stiedry anmutig leitete.. L, Auflösung militärischer Geheimbünöe. Zlmklich wird gemeldet: Die Rcichsregierung hat auf Grund des Gefehee vom 22. Dtür, 1921 die Auslösung der Organisationen Rohbach. Hubertus, Aulock. heydevreck und Oberland ausgesprochen. Die Auflösung war von der interalliierien RlililLr-Kontrollkom- Mission aus Grund des Ultimatums vom 5. Rlai d. 3. wiederholt und insbesondere durch Roten vom 9. und 2S. September und vom 12. Rooember 1921 nachdrücklich verlangt worden. Die Reichsregierung mutzte der Forderung entsprechen, wenn der R achweis erbrach! wurde, dntz diese Verbünde nach ihrer Däligkeil unter das Gesetz vom 22. März in Verbindung mit dem Ultimatum fallen. Die Erhebungen. Insbesondere die Berichte der letzten Wochen, haben diesen Rachweis erbrocht. Es fleht nunmehr insbesondere fest, datz die Verbünde, wenn sie auch zum Teil gleich- zeitig wirtschaftliche Zwecke verfolgen, militärisch geglle- d e r t sind, und doh ihre vefehlsgewalt nach Ar! militärischer Vorschriften geregelt ist. Die verbände erstrecken sich sowohl ollein wie in Verbindung miteinander über grohe Teile des Reichs. Sic Reichsregierung war auf Grund des von ihr angenommenen Ultimatums verpflichtet, die Auflösung der Verbünde auszusprechen. Die Auflösung trifft auch alle an Stelle der aufgelösten Organisastonen etwa gebildeten verbände, die sich als deren Fortsetzung darstellen. Soweit einwandfreie wirtschaftliche Tendenzen der Ar- beitsgemeinschaften durch die Auslösung betrossen werden, hat die Reichsregierung besondere RIatznahmen eingeleitet, die aber an der vollständigen Auflösung der oben genannten Verbände nichts ändern. fiiif üer Mörüersuche. Wie die T. U. auS Breslau meldet, wurden am DienSrog in Breslau die Studenten UllriS Koppe, Friedrich Koppe Bernhard und Kusche am frühen Morgen in ihren Wohnungen verhaftet. Diese Verhaftungen sollen mit der Fahndung nach den Mördern ErzbergerS und den vor einiger Ieit in München erfolgten Verhaftungen in Zusammenhang stehen. Das kommende Grunüsteuergesetz. Der preutzische Grundsteuergesetzentwurf wird in diesen Tagen dem Landrage jzugehen. Da die Lage der Staatsfinanzen ein langes Zögern nicht geraten erscheinen läßt, hat sich das Staatsministerium entschlosien, den früheren Gesetzentwurf zur vorläufigen Rege- lung der Frage einzubringen� Ob dadurch Schwierigkeiten mit dem Reiche entstehen, das ebenfalls auf eine steuerliche Erfassung be- sonders des landwirtschaftlichen Grundbesitzes nicht glaubt verzichten zu können, ist heute noch nicht zu sagen. Heber den Inhalt des preutzischcn Gesetzentwurses erfahren wir, datz für die Steuer der staatliche Ergänzungssteuerwert von 1317 bis 1313 zugrunde gelegt werden soll. Den neuen Verhältnissen soll dadurch Rechnung ge- tragen werden, daß der eineinhalb- bis dreifache Betrag des F r i«- densertragswertes zugrunde gelegt wird. Von dem so er- mittelten Ertragswert sollen vier vom Tausend als Steuer erhoben «erden. Es ist vorauszusehen, datz eine Abwälzung der Steuer In mehr oder minder großem Umfang auf landwirtschaftliche Produkte und auf die Mieten eintritt. Um dies« Verteuerung in möglichst geringen Grenzen zu halten, sind besondere Maß- nahmen geplant, Regierungskrise in Selgraü. Räch einer stürmischen Fraktionssitzung der radikalen Partei wurde P a t s ch i t s ch von seinen Parteigenossen aufgefordert, seine Demission dem König zu überreichen, was er auch tot. Die Demission wurde vom König angenommen. verbot der„Täglichen Rundschau". Der preußische Minister des Innern hat das Encheinen der„Täglichen Rundschau" für drei Tage verboten, well in ihr„die Person des Reichskanzlers in eurer den inneren Frieden des Reiches gefährdenden Weise o e r- ä ch t l i ch" gemacht wurde. Grillparzers„Rlebea" im Steglitzer Schlotzparklhealer. Eine unscheinbare Begebenheit,«in Durchschnittscharakter kann die große Vorlage eines Dramas sein. Auf die Gestaltung kommt es an. We- ienllich ist allein der lebendige Eindruck, der auf uns ausgeübt wird. Dabei ist nicht etwa nötig, daß die Vorgänge uns naheliegen, daß sie unserer Zeit und unserem Milieu entstammen.„Medea" spielt in grauer Vorzeit, und in den ersten drei Akten werden wir gepackt, stehen wir im Bann des Dichters, weil er Menschen schafft und Cha- rattere ausbaut. Wir möchten in die Handlung eingreifen, wir zittern:..Jason, tu es nicht!" Aber im vierten Akt werden die Vor» gange so gigantisch, zeigen sich die Menschen so außerhalb Unsens Aorstellungstreises, daß wir uns erinnern, im Theater zu sitzO». „Was sind wir töricht, daß vorhin unser Herzschlag gestockt hat. Es ist ja nur Spiel, was wir da sehen."— Die Aufführung war mi' Liebe und Fleiß vorbereitet. Die Medea der N o n a R e m o n d ist eine große Leistung. Wenn sie nicht ganz frei von Pathos ist und am Schluß aus dem Rahmen des Menschlichen herausfällt, so ist es nicht ihre, sondern der Dichtung Schuld. Kurt Eggers-K-tt- ner verkörpert den Jason. Er vor allen läßt vergessen, daß retr Theater sehen: Spiel, Sprach« und Gestalt stellen einen M.'iiichen hin. soweit es das Drama zuläßt.— Mit feinen expressionsstsichen Bühnenbildern erweist sich Gerull als Künstler. Wer R»g>� und Schauspielkunst bewundern will, sehe sich„Medea" an! S. D—r. Ivos sie nicht kansen. Wir sind bekanntlich in Berlin ausverkauft. „Ratzekahl" haben sie uns gefressen, die Ausländer. Vom Strumpf bis zum Klavier, vom Hosenträger bis zum Gehpelz, alles haben sie gegen Franken und nordische oder andere, nur nicht deutsch-öster- reichische Kronen getauscht. Es wird zwar ein ganz klein bißchen mehr Geschrei davon hergemacht, als es in Wirklichkeit ist! aber schlimm genug ist's doch, und die Geschichte vom ausverkauften Berlin ist leider kein Märchen. Jedenfalls kann einem der Humor dabei gründlich vergeben. Und doch gibt's einen Mann in Berlin, der dem Ausverkauf durch die Ausländer eine sehr heitere Seite abzu- gewinnen oermochte. Der Mann ist seines Zeichens Sarghändler. Mitten unter seine schönen Särge, eine Ware, für die man doch keine freiwilligen Käufer findet, hat er ein Plakat gestellt, auf dem steht zu lesen:„Achtung! Särge in bester Ausführung zu soliden Preisen. Kein Ausverkauf durch Ausländer!" Dem Manne müßte geholfen werden. Wenn sich die Ausländer ganz rasch bei ihm eindecken wollten? iviffrnschaktlichc MuleuniSsuhrun�r,, ftnden Sonntag, 27. Nov. Vi, Uhr. durch Dircktorialdkamte im Kaücr.striediich-Musrum sVlämilche Ma'erei), im Neuen Museum?lr uns einer un- verhällnismätzigen Gefahr ausgesetzt haben. Nach einem WTB.-Bericht sagte Curzon: Der Friede werde nie- mals erzielt werden, wenn eine Macht versuche, einer anderen Macht zuvorzukommen und ans eigene Rechnung ein Uebereinkommen ab- zuschließen. Wenn Frankreich eine isolierte und besondere Po'üiii oerfolge, so würde es auf die Dauer nicht Deutschland Schaden zu- fügen, sondern sich selbst. Frankreichs Schutz bestehe darin, daß die Welt die Wiederkehr, einer großen und gefährlichen Macht im Herzen Europos, die fortwährend mit dem Schwerte in der Scheide raffele (wer rasselt seit Jahren? Red.), zur Bedrohung des Friedens der Welt nicht dulden werde. Wir werden, sagte Curzon, Deutsch- land in ein friedliche« Mitglied des internationalen euro- päischen Hofes nur umbilden, wenn die Großmächte sich vereinigen, nicht nur um den Friedencvertrag zu erzwingen, sondern um es klar zu machen, daß keine Politik der Wiedervergeltung oder Rache ge. duldet werden wird, und daß sie Deutschland beistehen werden, seine Rolle zn spielen, vorausgesetzt, daß es Aufrichtigkeit an den Tag legt. Srianös �bjchieüsreüe. Washington, 24. November.(5)aoas.) Am Schlüsse der gestri- gen letzten der von den fünf Großmächten abgehaltenen Sitzungen erklärte B r i a n d, er sei sicher, daß der Austausch freundschaftlicher Beratungen, der vor der ganzen Welt stattgefunden habe, Europa auf dem Wege zu Frieden einen großen Schritt vorwärts gebracht (? Seine eigene Rede bedeutete jedenfalls einen großen Schritt rück- w ä r t s. Red.) habe. Die Konferenz habe in der Tat eine mora- tische Wirkung gehabt, ohne die es sehr schwer wäre, entscheidende Arbeit zu leisten. Nunmehr würden Regierung und Parlament in Frankreich an die Prüfung des militärischen Problems herantreten, wie es sich nach dem Kriege darstelle. Sie würden an dieses Pro- blem herantreten mit dem Wunsch«, zum Höchstmaß der mögstchen Verminderuiuz militärischer Lasten zu gelangen. Die Dienstzeit werde voraus- sichtlich aus die hälst« abgekürzt werden. Dank der in Washington gesprochenen Wort» werde die Entscheidung in einer Atmosphäre der Sicherheit getroffen werden. Briand setzte hinzu, er reise ohne Sorge ab, da er seinen Platz V i v t a n! überlassen könne. Paris» 24. November.(WTB.) Wie der Sonderberichterstatter der Agence Hava» au» Washington meldet, verabschiedete sich Staat»- sekrelär Hughes Mit einigen herzlichen Worten von Briand, wobei er gesagt haben soll, alle Delegierten seien überzeugt, daß Frank- reich von dem ausrichttgen Wunsch beseelt sei, in vollem Ausmaß de» Möglichen die Lasten zu vermindern, die infolge de» Krieges auf den Der ostkarettsch« Aasstaad scheint Moskau doch Sorgen zu machen. Eine Protestnote an Finnland gegen seine angebliche Fvrdernng des Unternehmens wurde mit dem Hinweis zurückgewiesen, daß MoSkau sein Autonomieversprechen im Dorpater Frieden gc- brachen habe. Wivtfäyaß Tabak- und kohlen steuer im Reichswirlschafksrai. Der Reparationsausschuh des Vorläufigen Rcichswirt- schaftsrates beschäftigte sich mit dem Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Tabak st euergesetzes. Der Entwurf soll den Reichsfinanzminister ermächtigen, den Zollsatz für Tabakblätter für die Zeit eines wirtschafllichen Bedürfnisses bis auf S v M. herabzusetzen. Die Herabsetzung soll vom 1. Oktober 1321 gellen. Der Ausschuß stimmte dem Gesetzentwurf nach längerer Erörterung zu. Weiter stand der Entwurf eines Gesetzes über eine Aenderung des K o h l e n st e u e r g e s e tz e s zur Beratung. Der Regierungs- entwurf steht einen Steuersatz von 40 Proz. vor, der jedoch nicht gleichmäßig In voller Höhe, sondern nach den Eigenheiten der ein- zelnen Bergbaugebiete in bestimmten Hundertsätzen, die in Ueber- einstimmung mit dem Reichskohlenrat festgesetzt worden sind, erhoben werden sollen. Der zur Behandlung der Steuer eingesetzte Arbells- ausschuß schlug stall dessen einen Satz von 30 Proz. vor. Nach län- geren Ausführungen des Staatssekretär« im Reichswirlschasts- ministerimn Dr. Hirsch und nach längerer Erörterung stimmte der Ausschuß dem Regierungsentwurf mit 14 gegen 2 Stimmen, bei 2 Stimmenthaltungen, z u und nahm dazu folgende vom Arbeltsausschuß«orgeschlagene Entschließung an: lg an Irankreich. Schultern seines Volkes ruhten, dabei aber aus seine naticem!« Sicherheit bedacht sein wolle. Frankreich könne versichert sein, daß es, weit davon entfernt, die moralische Isolierung fürchten zu müssen, Freunde und Parteigänger habe, die ihm nur wohlwollten. » Die bayerische Regierung erklärt halbamtlich zu der Be- hauptung Briands in Washington, der bayerische Ministerpräiident Hobe sich gerühmt, über ein Heer von 300 000 Mann samt Ausrüstungen zu verfügen, niemals habe ein bayerischer Mini'W- Präsident eine solche oder ähnliche Aeußerung getan. Frankreich sabotiert jeden Vorschlag. Paris, 24. November.(WTB.) Wie Havas aus Washington meldet, machte sich heute im Ausschuß der Konferenz eine gewisse Sttmmung zur Wiederaufnahme der Einzelheiten der E n t w a f s- nungsfrage zu Lande geltend mit dem Wunsche, zu einem. b e st i m m t e n Plan zu kommen Diese Stimmung tauchte Plötz- lich besonders bei der italienischen Abordnung auf, die in An- betracht der Erfordernisse bei der inneren und äußeren Politik und der Sorgen, die ihr die jugoslawische Armee und 180 000 Mann verursacht, gewünscht hätte, daß man zuerst eine Art En t- w u r f der Rüstungsbeschränkungen ausarbeite, dem sich F r?n k- reich später angeschlossen hätte, wenn es die Verhältnisse erlaubt hätten. Dieses Vorgehen würde den Rachteil gehabt haben, indirekt Frankreich als den einzigen europäischen Staat erscheinen zu lassen, der sich weigere, abzurüsten. Briand habe daher den Gedanken be- kämpft. Er erinnerte an die jüngsten Demonstrationen in Frank- reich. Frankreich müsse mit der doppelten Ungewißheit, der Deutschlands und Rußlands rechnen. Wenn die Mi- irrten und Assoziierten die Gefahr seiner Lage teilen und durch einen bündigen verlrag ihm positive Sicherheiten geben wollten, so seien seine Vertreter zu jedem Opfer betreffs der Rüstung bereit, aber ohne diese Gegenleistung könnten sie nicht zu- stimmen. Aus etliche Bemerkungen Sir Robert Bordens, des Ber- trelers Kanadas, antwortete Briand: Die Flottenabrüstung, wie sie vorgesehen ist, trifst die großen Schlachtschiffe mit 33 Proz. der Tonnage. Frankreich hat lediglich für die Verminderung der Dienst- daucr auf zwei Jahre seine Mannschastsbestände um 33 Proz. ver- mindert. Run sind die drei großen Seemächte Alliierte, während Frankreich an seiner Seite immer die deutsche Bedrohung hat. D� Vergleich zwischen den beiden Derhältniszahlen falle deutlich gunsten der Abrüstung zu Lande aus. B a l s o u r erklärt« in dem Ausschuß die vollständige Auler- siähung Englands für die srnazäsische Avgelegenheit. Es wurde zu- letzt beschlossen, daß die Fragen der Mannschastsbestände und des Kriegsmaterials nicht von der Konferenz be- sprachen werden sollen. Die Rüstung zu Lande ist infolgedessen aus drei bestimmte Fragen beschränkt, die, wie bereits gemeldet, von einer Sonderkommission geprüft werden. Alle dialektischen Kniffe Briands und seines offiziösen Sprachrohrs, der Havas-Agentur, werden die Tatsachs nicht aus der Welt schaffen können, daß Frankreich tatsächlich das einzige Land i st, das sich weigert, abzurüsten. Schon nach der großen Rede Briands am Montag stand es fest, daß Frank- reich die Washingloner Abrüstungskonferenz ebenso sabotieren würde, wie das wilhelminische Deutschland im Jahre löst? den Haager Frledenskongreh sabotiert hat. Dieses zweite Austreten des französischen Ministerpräsidenten ist nur ge- eignet, diese Ueberzeugung, die auch alle wahren Friedens- freunde in Frankreich selbst teilen, zu verstärken. Der italienische Vorschlag war ein letzter Versuch, noch etwas für die Abrüstung zu Lande herauszuholen. Nun ist auch dieser Bor- schlag an Briands Widerstand gescheitert! Wenn man das deutsche Proletariat fragen würde, wie es sich zu den letzten von Briand ausgesprochenen Gedanken stellt, so glauben wir, daß die Antwort lauten würde:„In Gottes Namen, schließt doch endlich, Ihr Engländer, Ameri- kaner, Italiener, Japaner, Portugiesen, ein Schutz- und Trutz- bündns mit Frankreich ab, ähnlich den offenen und geheimen Bündnissen, die es bereits mit Belgien und Polen abgeschlossen hat! Nur möge dann aber der unerträgliche militärische Druck aushören, den Frankreich auf uns lasten läßt, der uns und noch viel mehr die Franzosen selbst, Milliarden und aber Milliarden kostet, die so gut für den W i e d e r a u s b a u d e r zerstörten Gebiete und für die Unterstützung der Kriegswaisen und-krüppel verwendet werden könnten!" Aber wir sind überzeugt, daß auch wenn sämtliche früheren Bundesgenossen Frankreichs mit ihm einen solchen Defenstvvertrag abschlössen, Briand immer neue Borwänd? finden würde, um weiter ,zu rüsten, seine Farbigenarmee auszubauen und in deutschen Städten links und rechts des Rheins ausbilden zu lassen. Das heutige Frankreich i st, allen Ab- machungen und schönen Phrasen zum Trotz, militaristisch und imperialistisch, und wir können mit Genugtuung feststellen, daß diese Erkenntnis sich in immer weiteren Kreisen des Auslandes Bahn bricht. „Die Ermächtigung des Reichsministers der Finanzen, den Steuersatz zu ermäßigen, soll nicht nur an die Zustimmung des Reichskohlenrates und des Reichsrates, sondern auch an die gutacht- liche Anhörung des Reichswirtschaftsrates gebunden sein." Der Stand der Mark hat sich an der gestrigen Börse wieder ver- schlechtert. Die amtlichen Notienmgen für fremde Zahlungsmittel erhöhten sich nicht unbeträchtlich. So kostete der Dollar 284 gegen vorgestern 278 Mark, 100 holländische Gulden stiegen von 3840 aus 10115, ein Pfund Sterling von 1111 auf 1134, 100 französische Franken von 1363 ans 1983 und 100 Schweizer Franken von 8252 auf 5404,55 Mark.— Am Effekienmarkt, wo anfangs eine geteilt« Stimmung geherrscht hatte, befesitigten sich später die Kurse, wie meist, wenn die Mark zurückgeht. Die Rolle des Zwischenhandels in der Teuerung. Eine amerika- nische Untersuchungskrmmiffion, eingesetzt von der jüngst gegründeten panamerikanischen Genossenschaftszentrale, behauptet aus Grund ihrer Untersuchungen, daß von einem jeden vom Verbraucher oerausgabten Dollar nur 3 7 Proz. auf die Produzenten der Waren entfallen, während die übrigen 6 3 Proz. von der Verteilung in Anspruch genommen werden. Diese 63 Proz. enhalten außer dem Handelsgewinn die Transport», Reklame» und andere im Handel üblichen Geschäftsunkosten. Ein anderer Sachverständiger stellt die» Verhältnis sogar mit 80 Proz. zu 70 Pro.z. fest, und zwar sowohl für die Landwirtschaft als für die Industrj-. obwohl die letztere infolge ihrer besseren Organisation einen größeren Teil des Ertrages für sich zu behalten nermog.— Es wäre gerade in der gegenwärtigen Periode der durch die Dolutaverschlechterur' bedingten wilden Preisbewegung wichtig, wenn auch in Deutschla» die Haltung des Zwischenhandels bei der Warenverteuerung ein-" genauen Untersuchung unterzogen würde. EewerFschlzstsbewegung Gemeinüearbelter und Alagistratsbefchluß. Das Lohnkartell für die Gemeindebetriebe Groß-Berlins hatte zum Donnerstag abend eine Funktionärversammlung einberufen, in der yolenske über den ablehnenden Beschluß des Magistrats, be- treffend die einmalige Wirtschaftsbeihilfe, berichtete. Nach der Ab- lehnung habe sich bekanntlich die Stadtverordnetenversammlung mit der Forderung beschäftigt. Von den Stadtverordneten Franz K r ü- g e r und Schumacher wurden in der betreffenden Sitzung An- trüge gestellt, die sich gegen die Ablehnung richteten und auf Be- schluß dem Ausschuß überwiesen wurden. Ueber die Anträge werde der Ausschuß heute entscheiden. Heute werde auch das Lohnkartell seine Verhandlungen über den neuen(achten) Lohntarif mit der Magistratskommission beginnen. Das Kartell sei sich über das Vorgehen völlig einig geworden und hoffe, daß es gelingen werde, die Verhandlungen schnell zu beendigen, da eine Begründung der aufgestellten Forde- rungen nicht mehr notwendig erscheine. Sollte die Ablehnung er- folgen, so würde unverzüglich das Schiedsgericht angerufen und anschließend sofort die erforderlichen weiteren Schritte unter- nommen werden, so daß die ganze Sache wohl in einer Woche er- ledigt werden könne. Die Kollegenschast möge aber dafür Sorge tragen, daß bei der nächsten Urabstimmung eine bessere Beteiligung stattfinde. In der folgenden kurzen Aussprache wurden wesenlliche Ein- Wendungen gegen die vorgebrachten Schritte des Lohnkartells nicht erhoben. �'_ Gegen Uebcrstunden in der Textilindnstrie. Infolge de? Valutaausverkaufs haben fast alle Betriebe der Textilindustrie Hochkonjunktur. Die Unternehmer suchen sie aus- zunützen, zumal sie die Preise für ihre Fabrikate nach Herzenslust hochschrauben können. Bereitet sich doch schon jetzt der Handel auf die neuen Preise vor durch höhere Preisauszeichnungen seiner Rest- bestände. Um die Arbeiter und insbesondere die hier ja hauptsächlich in Betrocht kommenden Arbeiterinnen geneigter zu machen, den Achtstundentag preiszugeben und Ueber st un- den über Ueberstunden zu machen, wird auf der einen Seite ein unerhörter Druck ausgeübt, auf der anderen Seite eine Ueberstunden- zutage(von 50 Pf. wie in Brandenburg) geboten, um dadurch die Arbeiterinnen glauben zu machen, sie hätten es selber in der Hand, ihrer Not abzuhelfen, indem sie die Gelegenheit zum Ueberstunden- machen gehörig ausnützen müßten. Die winzige Zulage schlagen die Unternehmer mindestens zwanzigfach auf die Preise, außer den Konjunkturzuschlägen. Da ist es denn erfreulich, wenn die Belegschaften sich ihres ge- � �erkschaftlichen Standpunktes bewußt sind. In einer Betriebsver- ' �unmlung der Jutespinnerei in Brandenburg trat deren Direktor Linke für die Leistung von Ueberstunden ein, der Geschäftsführer Drescher vom Textilarbeiterverband dagegen, worauf eine Abstim- mung vorgenommen wurde, die nur 27 Stimmen s ü r Ueberstunden ergab, dagegen i20 gegen Ueberstunden. Systematische Ueberstunden- leistung führt nicht zur Berbesserung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter und Arbeiterinnen, sondern dazu, daß der Achtstundentag zum Zehnslundentag wird bei gleichem Arbeitsverdienst. Die Ar- oeiterschast darf nicht ihr Erstgeburtsrecht des Achtstundentages um das Linsengericht vorübergehender Ueberstundenbezahlung verkaufen. ArVeitSnachweiS-BurcaurratiSmuS. Darüber wird nnS von einem gelernten Kaufmann geklagt. der sen ellva 1b Jahren als Kalkulator in rechniickier Täligkeit war. Er meldete nck beim städtischen Arbeitsnachweis und wollte sich als Kaufmann und zugleich als Techniker eintragen last«»». Ihm wurde jedoch bedeutet, daß dies aus statistischen Grün- den nicht angängig seif er könne sich vielmehr nur als stellung- suchender Kaufmann oder als Techniker eintragen lasten. Zweck der Arbeitsvermittlung ist unseres Erachten?, den be- schähigungsloien Arbeitnehmern möglichst rasch geeignete Be- schäfligung nachzuweisen und den ArbeitSkläfte suchenden Unter- nebmern solche sobald als möglich zu vermitteln. Alle Achtung vor der Statistik, die auf dcni Arbeitsmarkt gewiß eine wichtige Rolle mit spielt. Trotzdem darf sie nicht Selb st zweck werden. Da? Leben ist so vielgestaltig, daß eS sich nicht immer nach Schema? registrieren läßt. In solchen Fällen muß der Statistiker sich zu helfen wissen. Auch in dem vorliegenden Falle war das möglich durch Ausfertigung einer Neben- oder Hilsskarte. Selbst oiii die Gefahr einer Doppelzählung oder einer Fori lastung bei der Zählung hin muß Gelegenheit gegeben werden, daß der Arbeit» suchende möglichst bald wieder in Stellung kommt. Darauf kommt es doch an!_ praktische Gewerkschaftsarbeit. Wie die Gewerkschaften die Jnteresten der Arbeiter.oerraten, verschachern, oerkaufen", oder wie die Kommunisten sich sonst aus- zudrücke» belieben, zeigt ein Bericht des Zentralverbandes der Fleischer über leine Arbeit in den letzten zehn Monaten. Danach wurden in 13 229 Betrieben Lohnbewegungen geführt, an denen 23 170 Personen beteiligt waren. Für 2330 Beschäftigte wurden pro Woche 3 4 ö?3 Stunden Arbeitszeitverkürzung erreicht, das sind im Durchschnitt rund 15 Stunden pro Person und Woche. Für 21 580 Beschäftigte wurden pro Woche 1 277 113 Mark Lohnerhöhung erreicht, das sind im Durchschnitt rund vv M. pro Person und Woche. Für das Jahr macht das für alle in Frage kommenden 21 580 Beschäftigten die Summe von 67 329 600 M. im Jahresdurchnitt aus. Für 10 712 Be- schäftigte ist die B e z a h l u n g oder höhere Bezahlung der Ueber- st u n d e n erreicht. Für 9754 muß die eventuell notwendige Sonn- tagsarbeit extra mit besonderem Aufschlag bezahlt werden, desgleichen für 4436 Beschäftigte eventuell notwendige Nachtarbeit. Für 12 795 Beschäftigte wurden sonstige Vorteile, wie Ferien bei Fort- bezahlung des vollen Lohnes, erreicht, bis zu 4 Wochen. Fortbe- Zahlung de» Lohnes bzw. der Differenz zwischen Lohn und Kranken- gell» in Krankheitsfällen und Weiterzahlung des Lohnes in Fällen, auf die der Z 616 des BGB. anwendbar ist. DerLogiszwang beim Arbeitgeber ist vielfach beseitigt, wodurch die Arbeitnehmer nicht mehr unbeschränkt an die Arbeitsstätte gebunden sind. Das bedeutet einen großen Fortschritt in der freiheitlichen Ent- wicklnng der Arbeitnehmer. Bei fast allen Verhandlungen gelang es, Tarifverträge oder Nachträge zu bereits bestehenden Tarifverträgen abzuschließen, die Arbeitsvermittlung zu regeln durch Benutzung der kommimalen bzw. paritätischen Arbeits- nachweise. So sieht der»Arbeiterverrat der Gewerkschaftsbonzen" aus. Wir gestehen, daß sich diese Leistungen sehr klein ausnehmen gegen- über der Versorgung der Arbeiterschaft mit--- Phrasen durch die kommunistischen Allerwellskerle. Maschinisten«nd Heizer. Eine Versammlung der Funktionäre und Beitragskassierer am 21. November im Gewcrkichafsbous nahm Stellung zur Beitrags- erhöhung. Nach kurzer Begründung der Vorloge des Verbands- voistandes und einer regen Diskussion winde beschlossen, mit allen Kräften dafür eintreten, daß die Vorlage deS Verbandsvorstandes ab 1. Januar für Groß-Berlin Gültigkeit erdäit, und daß für Groß-Berlin voni obigen Tage ab ein Wochenbeilrag von sieben Mark erhoben wird. Die Verwaltung wurde beauftragt, bei dem Hanptvorsiand und dem ADGB. dahin zu wirken, daß die seinerzeit veröffentlichten Hezirtsverbanö Herlin SPD. heute, 5 r e i t a g, den 25. November, abenSs 7 Uhr in folgenden Lokalen: Paheuhofer-Ausschank, Fidldnstr. 2 3. Brauerei königstadk, Schönhauser Allee 10 11. Krieger-Vereinshaus, Thaufseestr. 94. Arminius-Hallen, Bremer Straße 73 74. Wilmersdorf: vikioriagarten, wiihelmsaue 114/116. Lichtenberg: Cäcilien-Lyzeum, Rathausstroße. Biederschöncweidc: Schulaula, Berliner Straße 31. Spandau: Metropolsäie, Schönewalver Straße 9«. Tagesordnung: Teuerung Steuern— Lohnbewegungen. Referenten: Erwin Barth, Robert Breuer, Ernst Heilmann, Marie Zuchacz M. d. R., Franz klüger, Hermann Lüdemaun, Limberh-Effen, Heimich Ströbel. Sonntag, öen 27. November, vormittags 10 Uhr: Reukölln: Schultheiß-Ausschank swinkergorlen), Hasenheide. Ref.: Reichswirlschaslsminisker Robert Schmidt. Fdedrichshain: Konkordia-Festsäle, Andreasskr. 64. Ref.: Abgeordneter Ernst heilmann. Pankow: Lindners Sonzertgarten, Breitestr. 30. Ref.: Abgeordneter Hermann Lüdemaun. die deutschen Reeder ihren Seeleuten zahlen, Nutzen ziehen würde« und so die Löhne der Seeleute in ihren eigenen Ländern in solchem Maße berabdrücken. daß, falls dieien Bestrebungen nicht Einbalt geboten w>rd, die Löhne bald auf weniger als die Häljte der be» stehenden Ansäge sinken werden." Folgende Punkte wurden auf die Tagesordnung geletzt: 1. Be- sprechung der Weltlage, soweit die Seeleute an ihr iniereisiert sind.— 2. Die gegenwärtigen Löhne und Arbeitsbedingungen.— 3. Jnier- nationale Richtlinien.— 4. Vorschläge für Maßnahmen zu Punkt 3. Elektro-Einzelhandel. Der Tarifvertrag für die kaufmännischen Angestellten im Einzelhandel Groß-Berlin vom l. Mai 1921 ist nach- träglich vom Reichsarbeitsministerium auch für den Elektro-Einzel- Handel für ollgemein verbindlich erklärt worden. Die in Geschäften des Verbandes der Beleuchtungsgeschäste bzw. im Elektro-Einzel- Handel tätigen kaufmännischen Angestellten, die die tariflichen Ge- haltssätze nicht erholten haben, können jetzt noch ihre Ansprüche geltend machen. Nähere Auskunft erteilt der Zentralverband der Angestellten Ueber einen neuen Tarifvertrag ichweben VerHand- lungen, über deren Verlauf in Kürze berichtet wird. Bei der Firma David Grave A.-G. in Eharlottenburg und ihren Tochterunieniehniiingen sind die Arbeiter und Angestellien in den Sireik eingetielen. da ibrer Forderung aur Zabluna einer Wirslbailsbeihilie nicht«ntiprochen wurde. Mit den Angestellien allein wollte die Firma verhandeln, was jedocki abgelehnt wurde. Die Transporkarbeiler von Barmen-Elberseld und Vohwinkel streiken, weil die Arbeitgeber anstatt des seit drei Jahren geltenden Transportarbeitertarifs den Tarif für Handelshilfsarbeiter einführen wollen. Der Skrelk in den pfalzwerken in Homburg(Rheinpfalz) wurde Mittwoch abend beigelegt. Die Stromversorgung der Pfalz ist wiederhergestellt. Berkehrssireik in Brüffel. Die Beamten und Angestellten der Straßen» und Kleinbahnen traten gestern in den Streik, weil ihre Forderung auf Daueranstellung der Beamten und Angestellten von den Arbeitgeberverbänden abgelehnt wird. Bon den Streiks in Ülallen geht auch der Generalstreik in Julisch-Venetien seinem Ende entgegen. Punkie so schnell wie möglicki durchgeführl werden. Weiter wurde beschlossen, daß für die arbeiiSIoie» und die invaliden Kollegen zwei Marlen a 3 M. alS Pflichlbeilrag bis Weihnachren zu kleben sind. Der Ertrag soll den genannten Kollegen vollauf ausgezahlt werden._ Lohnbewegung der SpritreiniguugSarbeiter. Zwischen dem Arbeitgeberverband der Getränkeindustrie Groß- Berlin und dem verband der Brauerei- und Mühlen- arbeiter und verwandter Berufsgenoffen, Berlin, besteht für die in den Betrieben der Reichsmonopolverwaltung für Branntwein Berlin«in Lohnabkommen bis zum 31. Dezember 1921. Infolge der einsetzenden Teuerung nahm die Organisation Ber- anlassung, an den Arbeitgeberoerband heranzutreten, um die Er- höhung der Löhne resp. Bewilligung einer Teuerungszulage vor Ablauf des Verlrages zu erreichen. Ueber das Ergebnis der Verhandlung berichtete Schmitz im Austrage der Verhandlungskommission in einer am Dieristag einberufenen Branchenversammlung: Es soll für die Zeit bis einschließlich 24. November 1921 den Arbeitnehmern eine einmalige Teuerungszulage von 600 M. gewährt werden unter der Boraussetzung, daß sie sich am 1. No- oember 1921 in den Diensten der Verwertungsstelle befanden. Vom 25. November ab erhalten die männlichen Arbeitnehmer eine wöchentliche Teuerungszulage(Lohnzulage) von 120 M., die weiblichen von 100 M. Arbeitnehmer, die erst nach dem 1. November in den Dienst der Verwertungsslelle traten, erhalten die wöchentliche Teuerungs- zutage(Lohnerhöhung) von dem Tage ihres Arbeitsantritts ab gezahlt. Demnach betragen die Löhne jetzt für gelernte Arbeitnehmer die Woche 500 M., für ungelernte 490 M. und für Frauen 370 M. Nach lebhafter und teilweise erregter Diskussion wurde gegen wenige Stimmen dem getroffenen Abkommen zugestimmt. Die Or- ganisation wurde weiter beauftragt, das Lohnabkommen zum 31. De- zember sofort zu kündigen._ internationale Konferenz öer Seeleute. Aus Wunsch angesckiloffener Organisationen hat der Vorstand der Jnlernationalen Transportarbeiter» Föderation tJTF.) be- schloffen, für den 29. November in Antwerpen eine Konferenz von Vertretern der Seeleute-Organisationen einzuberufen. Im Ein- ladungSschreiben heißt es u. a.: .Alle? deutet zurzeit dorauf hin, daß die Kraft der Jnter- national SeafarerS' Federation(Jnlernaiionate See- leutr-Födcration) erschöpft»nd diese nicht mehr in der Lage ist, die Jnleresien der Seeleute in irgendeiner Weise zu verirrten. Der Generalrat der JTF., der sich der Ausgabe, die ihm die Währung der wirlschasitichen Jnleresien der Seeleul« auferlegt, be- wüßt ist. hat den weiteren Ausbau der Gruppe der Seeleute be» schloffen, di« innerhalb der JTF. die Interessen der Arbeiter zur See in entsprechender Weise vertreten wird.' Angesicht? der großen Arbeitslosigkeit werden von den Ber- banden der Seeleute nun separate Anstrengungen gemacht, mn ihren Lebensstandard zu verteidigen. Die international organi- sterten Reeder benützen andererieil« die allgemein herrschende Ar- beitSIosigkeit. um die Löhne der Seelenie immer tiefer her- abzudrücken. Die einzelnen Verbände können jedoch nicht isoliert gegen die international organisierten Reeder vorgehen. Immer mebr und mehr Schiffe finden ihren Weg nach Deutschland und tragen die deuiich« Flagge, und eS ist sehr leicht möglich, daß Deuischland eS feriigbringt, eine Handelsflotte zuiomnienzllstcllen. welche sich mit derjenigen vergleichen läßt, die es vor dem Kriege besaß. Es würde'iir die JTF kein Grund vorliegen, dreier Tat- fache ihre besondere Anfmeiliamkeit zu schenken, wenn nicht die Arbeitgeber aus den im Vergleich mit den europäischen»nd amerika- niicheir Valuien b o i l n n n g S I o S niedrigen Löbnen.die Mus öer öetriebsräte-Vraxis. % 35 BRG. Notwendige Versäumnis von Arbeitszeit zur Ber» lretung der Arbeitersckzasl. Das Gewerbegericht Bremen hat am 9. Juli 1921 die Klage von zwei Betriebsvertretungsmitgliedern gegen einen ihnen gemachten Lohnabzug für Teilnahme an einer Verhandlung vor dem Schlichtungsausschuß abgelehnt, da nach§ 28 des BRG. nur der Borsitzende oder sein Stellvertreter gesetzliche Vertretungsbefugnis besitzen. In der Begründung wird hierzu u. a. angeführt: „Es was zu prüfen, ob tatsächlich die Anwesenheit der Kläger in der Berhandlung vor dem Schlichtungsausschuß erforderlich war und die dadurch eingetretene Versäumnis von Arbeitszeit als eine notwendige angesehen werden muß Das Gewerbegericht hat diese Frage verneint. Freilich besteht darüber kein Zweifel, daß der Be- triebsrat berechtigt ist, Lohnforderungen vor dem Schlichtungsaus- schuh neben den Derbänden, die ctwa'hierfür eintreten, zu vertreten. In erster Linie wird die» Aufgabe des Vorsitzenden des Betriebs- rotes oder seines Stellvertreters sein, da er nach Z 28 BRG. als gesetzlicher Vertreter des Betriebsrates gegenüber dem Schlichtungs- ausschuß anzusehen ist. Selbstverständlich kann die Vertretung vor dem Schlichtungsausschuß auch durch andere Mitglieder des Betriebsrates erfolgen. Ob es aber erforderlich ist, daß mehrere Mit- glieder des Betriebsrates oder gor der ganze Betriebsrat vor dem Schlichtungsausschuß erscheinen, ist von Fall zu Fall zu prüfen. Hier handelt es sich um eine Lohnforderung der Arbeiterschaft. Der Arbeiterrat mußte also bei ihrer Vertretung zugegen sein. Dieser l besteht aus fünf Mitgliedern. Vier von diesen sind in der Berhand- lung vor dem Schlschtungsausschuß anwesend gewesen, nämlich der � Vorsitzende, ein Vertreter der Mühlenarbeiter und die beiden Kläger � als Vertreter der Handwerker und Speicherarbeiter. Außer dem Vorsitzenden hat in der Verhandlung keiner das � W o r t e r g r i f f e n. Die Lohnforderung war eine ganz allgemeine, in der für sämtliche Arbeiter eine Lohnerhöhung gefordert wurde. > Ein Unterschied nach der Art der Beschäftigung, etwa als Mühlen- ' arbeiter, Speicherarbeiter oder Handwerker, ist bei der Lohnforderung nicht gemacht. Eingereicht ist die Forderung von dem Ver- bände. Eine Ladung des Betriebsrates zur Verhandlung ist Iweder beantragt noch erfolgt. Wenn jetzt die Kläger be- haupten, daß ihre Anwesenheit in der Verhandlung erforderlich ge- wesen sei, weil möglicherweise spezielle Fragen bezüglich der van ihnen vertretenen Arbeitergruppen hätten zur Erörterung kommen � können, so kann dem nicht zugestimmt werden. Daß bei einer ganz ' allgemeinen Lohnforderung die besonderen Verhältnisse einzelner Aroeitergruppen zur Sprache kamen, ist durchaus unwahrscheinlich, zumal ein Unterschied in der Lohnbcrechnung zwischen diesen ein- zelnen Gruppen nicht besteht, da die Arbeiter lediglich nach dem Alter verschieden bezahlt werden. Es erscheint völlig aus- reichend, wenn bei einer solchen Verhandlung die Arbeiterschaft durch den Verband, der in erster Linie ihre Forderungen vertritt, und ein Mitglied, iMerster Linie den Vorsitzend e�n des Betriebsrats, vertreten wird." Es ist in derartigen Fällen zu empfehlen, daß tatsächlich die Vertretung vor dem Schlichtungeausschuß auf das notwendige und vernünftige Maß beschränkt wird, da doch die bloße Teilnahme an Verhandlungen ohne die Absicht, in dieselben einzugreifen, auch nicht im Sinne der von uns zu fördernden Bestrebungen liegen kann. »»«tsch«?>raasporteigt stch w der Tat an den Schaltern unseres Unternehmens in ganz besonderem Maße, weU die Fahr- preise nicht, wie z. B. bei der Straßenbahn, eine volle Mark betra- gen, fondern zum großen Teil wenin darunter und darüber liegen, nämlich OLO M., 1,10 M. und 130 M Es bedark keiner Stotiltik, um zu beweisen, daß nur ein Bruchteil der Fahrgäste richtig abgc- zähltes Fahrgeld bereithält, ja, die Erfahrung zeigt, daß erder oLzu viel» die Schalter der Bahn als bequeme Gelegenheit be- trachten, um größere Scheine zu wechseln. Obgleich die Scholterbediensteten nach den geltenden Bestimmungen berechtigt sind, ein derartiges Vcrlannen zurückzuweisen, werden sie doch, um Aerger zu vermeiden, nach Möglichkeit der Bitte entsprechen, und so berauben die fraglichen Fahrgäste die nach ihnen kommenden nicht nur des Wechselgeldes, sondern auch ihrer Zeit. Für den Fall, daß das Kleingeld völlig ausging, hatten wir schon früher Anweisung erteilt, die bei uns zur Nachzahlung von Entgelt eingeführten Zuschlagkarten zu benutzen, was für unsere stän- digen Fahrgäste ein sehr bequemes Notgeld bedeutete. Für das Publikum dagegen, das die Hochbahn nur vorübergehend benutzt, wurden die überall gebräuchlichen Briefmarken vorrätig gehal- ten, die in den bekannten durchlochten Kartonpapier-Täschchen stecken und sich im Verkehr bewährt hoben. Während die ausgegebenen Zuschlagkarten von uns als Zahlungsmittel wieder entgegengenom- men wcrden, kann dies im Jntercsse des Publikums bei den Brief- marken trotz Ihrer Umhüllung nicht geschehen, weil nur dadurch die Gewähr geboten ist, daß stets saubere Marken ausgegeben werden. dt» ja vom Publikum jederzeit verwandt werden können. Das Brief- morken-Notoeld wird ausgobefertig von einer auswärtigen Fabrik bezogen. Die erheblichen Kosten der Markenumhüllung werden durch die Reklame, mit der neuerdings die Täschchen bedruckt sind, bei weitem nicht gedeckt. Wir haben deshalb ein großes Jnter- «sie an der möglichsten Einschränkung des Markenoerbrouches und NN der Verwendung von Kleingeld. Unsere Fabrkartenausqebe- rinnen, die stch einer Zurückhaltung des Kleingeldes nachgewiesenermaßen schuldig machen, werden zur Derantwor» tun g gezogen."__ Für Reform öes Staötbahnverkehrs. Di« Zustände auf dem Bahnhof Strolau-Rummelsburg haben zu einer Reih« von Klogen seitens des die Ringbahn benutzenden Publikums geführt. von den verschiedensten Seiten sind Ailträge und Anfragen an die Eisenbahirdirektion gelangt, die darauf hinzielten, die durch das Umsteigen aus den Ringbahnzügen in hie Züge, die nach der Stadtbahn fahren und umgekehrt, erforderlich werdenden Wege auf dem Bahnhos Stralau-Rummelsburg zu oer- kürzen oder das Umsteigen selbst bequemer zu gestalten, wenn die Wiedercinlegung von Nord- und Südringzügcn nicht möglich ist. Die Durchführung eines Verkehrs der Nord- und Südringzüge über die Stadtbahn ist jedoch wegen der außervrdenUichen Uederlastung der Stadtbahn nicht möglich. Es wird nun von seilen der Eisenbahnoerwoltung zwar eine grundlegende �Aenderung und Verbesserung dieser Berhältnisie ge- §lant, die ober den einen Nachteil hat,, daß sie nicht sofort zur Ausführung gelangen kann, wiewohl sie schon in Angriff genommen worden ist. Bekanntlich wird beim Bahnhos Warschauer Straße ein neuer Bahnsteig für die Erkner-Züg« angebaut. Neben diesen neuen Bahnsteig toll dann auch der alte jetzt bestehende Bahnsteig gelegt werden. Ln den dadurch srei werdenden Raum w'rd ein Kehtgleis für die Nord- und Südringzüge eingebaut wcrden. So- bald das geschehen ist, wird sich der Verkehr wie folgt abspielen: Der Ningbahnzug fährt ein, entläßt seine Fahrgäste und fährt auf das Kehr gl eis. Sodann fährt«in von Kaulsdorf, Grünau usw. kommender Zug ein, hall vor demselben Bahnsteig und nimmt die Fahrgäste auf. die über die Stadtbahn wollen. Die zweite Maßnahme trifft den Bahnhcf Stralau-Rummels- bürg selbst. Durch die Derlegung eines Gleises bei der Einfahrt in den Bahnhof, wird der erforderliche Platz geschaffen, um die vom Bahnsteig V(für Züge nach und von Lichtenberg usw.) nach dem Bahnsteig f fDollringbehnsteig) führende Treppe verbreitern zu rönnen, die ebenso wie die auf dem Bahnstcig E befindliche Trenne fcimn zwei Aufgänge zum Vollringbahnsteig erhallen wird. Mit der Ausführung der Bauarbellen soll demnächst begonnen werden. Lerüinanü Cwalü. Sin AünfundsicbzIgjShr'ger. Unser alter Gcnosie Ferdinand Ewald vollenkat gm 26. N o- vember sein 7ö. Lebensjahr. Der Name blefes Partei- Veteranen ist bei der älteren Generation der Sozialdemokratischen Partei in guter Erinnerung. Sein« Tätigkeit im Dienst der Ar- beiterklasie reicht zurück bis In die Zell vor dem Soza'istengefetz. Erpald, der in Berlin geboren wurde und auf dem Gesund- brunnen aufwuchs, erlernte das Bergolderhandwsrk. Nachdem er den Krieg von 1670 71 mitgemacht bellte, schloß er sich der Arbeiter- hewegung an. Als dann 1878 das Sozialistengesetz kam, setzte «r pflichtgeireu seine Werbearbeit fort. Er gehör!« zu denen, die dem vom �ofpredigsr Stöcker betriebenen„christlich-sozialen" Av- beiterfang in desien Versammlungen«ntgegentro!«iu Äm Herbst 1883, wo die Berliner Sozialdemokralen einen kralligen Vorstoß zu einer Beteiligung an den Stadtoerordnetenwahlen machten, wurde Genosse Ewald zusammen mit«Inigen anderen Genosien(Singer, Tutzouer usw.) zum Stadtverordneten ge- mähll. Er trat im Fanuar 1881 in die Siodlvcrordnelenrer'amm- lutzg ein und ist heute der letzte Ueberlebende aus der kleinen Gruppe jener ersten soztaldemokratl- lchen Stadtverordneten Berlins. Im Frühjahr 1884 übernahm Ewald bei dem damals gegründeten„Berliner B o 1 k s b l o t t", dem heutigen„vorwärts", die Leitung der Ex- pedit'vn. Aber schon End« 1884 ereilte ihn die Roche der Herr- schendem Kurz vor Weihnachten, am 13. Dezember,«hielt er die A u e w« I su n g s o r d e r mit der verschärfenden Beigab«, daß er Berlin Innerhalb drei Stunden verlassen mußte. Für Ewald, der«ine Frau und vier Kinder von 8 bis 10 Jahren zu«'näbren hatte, war das ein harter Seb'ag. Cr ließ sich darauf in Brandenburg o. d. Havel nieder und eröffnet« zunächst«in kleines Zigarrengsfchäft. Soä'er übenmhm der die„Brandenburger Zeitung" als Verleger und Redalieur. Im Jahre 1803 kebr«« er noch Berlin zurück. 1900 wurde er aufs neue von unseren Berliner Genosien in die Stadtverord- netenoeriammlvna entsandt, in der er nach mehrmaliger Wiederwahl bis 1920 blieb. Im Jahre 1914, vor Kriegsausbruch, trat Emold noch in den Reichstag ein a's Abgeordneter des Krei'e« Jüterbog-Zauch-Belzig, der in einer Nachwahl ihm die Mehr- h>?tt bracht«. 1920 zog der greife Ewald sich au? dem volitlfchsn Leben zurück und verlegte seinen Wohnsitz nach Köpenick-Uhkenhorst. Mit tiNs werden viele Tausends Genosien und Genossinnen sich an dem 78. Geburtstag des wackcren Kämpfers zu den herzlichsten Glückwünschen oereinen.__ Letzter Termin für brauue SO-Metrk-Dcheine. Tie Reich�bankvoten zn oOV?. vom 80. November 1018 lkennt- lich an dem Oval an! der Borderfeite»nd an der bellbrauuen staibe-— sogenannte Bilderrahmcnnote—) sollten von den Reichs- bankstellen bi« zum VI. Zanuar 1921»nd von der Reichtbank- baiivtkoll« in Verlin noch bis zum 81. Juli 1921 eingelöst werden. Trotzdem die Reichdbank ieit letzlerem Taoe zur EinlZ'ung dieser Banknoten in keiner Beziehung mehr verpflichtet ist. hat sie doch noch i» besonderen Ausnahmefällen, in denen die Un- mäglichleit einer reebtzeiiigen Sorlegung der Note»— wie z. B. in ErbichailSaugklegenheilen— nachgewicicn wurde, einen Um» tausch' dreier verfallenen SO-Marl-Noten bei ihrer Berliner Haupi- kasie vorgenommen. Sie mawi nunmehr darauf aumrerliam. daß auf eine Forisetzung diese« EillgegenkonrmevS über den 31. Dezember 1921 hinan« nicht zu rechnen sein dürfte, und cnrp- fieblt dringend, die Gcldbcständc iwgiäliig nachzuprüfen und cnva noch vorhandene 50-Mark-Noien genannter Art unveiziiaUch der Reich«ba»kha»ptkasie in Beil!» unter Nachwersung der Umnögbchleit einer rechtzeitigen Vorlegung zum Umlausch«»»zureichen. BezirkSversammlung Wedding, Der am stärksten proletarisch durchsitzt« Verwaltungsbezirk W e d d i n g trat am Mittwoch zur ersten Versammlung zusammen. Bürgcrmelster Leid führte die Gewählten durch Handschlag in ihr Aull ein. Die Gesamtstärke der Versammlung ist KS und verteill sich so: UTPD. 22. SPD. 13, KPD. 12, die Bürgerlichen haben von den Deutschnationalen biz zur Wirtschoftspartei einen Block gebildet un'' zählen 15 Sitze. 3 Demokraten hoben sich dem deutsch- nationalen Block nicht ongeschlosien. Gleich nach dem Berpflich- tungsakt setzt« ein starker Vorstoß der Bereinigten Deutschnatio- nolen«in. Stadtv. Troll bestritt der Versammlung die„Rechts- grundlag«" und erhebt„formellen Protest" gegen die Ein- berufung dieser ersten Bersammlung durch den Bürgermeister. Urich(USPD.), Dorr(KPD.) und besonders wirkungsvoll der Bürgermeister wiesen den Prolest energisch zurück. Ein Antrag unseres Genossen Fuß aus Uebergang zur Tagesordnung wurde einstimmig angenommen.(Stürmische Heiterkeit, da auch die Pro- teftfraktio» für den Antrag stimmt.) In dos Bureau wurden ge- wählt Knasch(USPD.) erster, Fendel(SPD.) zweiter Bor- sitzender, Mecklenburg(KPD.) erster und H a u s d o r s(Dem.) zweiter Schriftführer. D'e Dereinigten Deut'chnationalen weigerten sich, einen Vertreter ine Bureau hmeiozuschicken, da die drei sozio. listischen Parteien es ablehnten, sie als einheitliche bürgerliche Frak- tion— also als zwellstärkste Fraktion— anzuerkennen. Nach Erledigung einiger Ausschußwahlen war die Tagesordnung«r- schöpft.____ fine ösn Kreisen. Di« Partcigenpsien des 7. Kreises(Charlollenburg) be- faßten sich in einer Versammlung vom 15. November mit der preußischen Regierungsbildung. Der Redner G«- nosic H a e n i s ch bekannte sich als Angehöriger der Fraktions- Minderheit, forderte aber, nachdem die Mehrheit entschieden hat, auf, deren Spruch hinzanehmen und dt« Ergebnisie der neuen Koalition, an deren Dauer er nicht glauben könne, ab- zuwarten. Die Aussprache bewegte sich mit einer Ausnahme im Sinne des Redners, durch«ine scharse Protesterklärung der Funktionäre einer Gruppe wirksam eingeleitet. Folgende vom Genossen Katzen» stein vorgelegte Entschließung wurde gegen 2 Stimmen angenommen:„Die Bersammlung der SPD. des Berliner Kreises (Charlottenburg) steht, unter Ancekcnming der vom Görlitzer Par- teitag beschlossenen Bedingungen, dem Regierungsbündnis mit der Deutschen Volkspartci, bisher Vorkäinpferin der Reaktion und rück- stchtelollr Kapitalointeresien, mit ernsten Bedenken gegenüber. Sie zweifell an der Möglichkeit fruchtbaren Zusammenwirkens mll einer Partei, deren wirtschaftliche Führer die Notlage des Reichs zur Eni- eignung der Reichseiscnbahn durch dos Großkapital auezunützen suchen. Insbesondere kann die Versam.mlung dem Unterrichts- minister Dr. B o e l i tz, der sich bisher als Schulreaktio- när schlimmster Sorte betätigt hat, nur mit schärfster Ablsh- nung gegenüberstehen und seinen Erklärungen keinerlei Vertrauen cnt- gegenbringen. Die Peisamm'ung steht in der Entwicklung der Cr« nährungs,. Wchnungs- und Finanzoerhättnisie die zwingende Not- wgndigkell ungebeugter und rücksichtsloser sozialistischer Politik, hie allein dem völligen Verfall des Staats sowie der Svzialdemokrati'chen Partei entgegenzuwirken vermag." Fernex wurde auf Antrag Mehner b<> s ch i o s s« n: Die Versammlung erwartet von der Landtags froktion und Partei schärfste Ueberwachung der Amtstätiokell he? Ministers Dr. B o e i t tz. Sie fordert die Par- t« i p r« s s e auf, durch sorgsam« Feststellung der Tatsachen dazu Hilfe zu leisten. In dgr Mitgliederversammlung dqs Kreises Wedding sprach her Landtagsabgeordnete Genosi« Bartels über die Regierungsbildung in Preußen. Noch lebhafter Debatte, in der besonders die Genossen Scheiler, Jobbte und Dan- nenberaer in sachlich würdiger Schärfe ihr« Gegnerschaft zum Ausdruck brachten, wurde mit großer Mehrhell folgende R e f o l u- tion angenommen: Di« Mitgliederversammlung des Kreises Wed- ding sieht die Koalition mll der Deutschen Dolkepartei nicht als ein Ideal an. Sie erblickt darin nur einen durch die Zerrissen- h e i t der Arbeiter'chast hervorgerufenen N o t b e h l i. Die Mll- glieder geloben, durch weitere intensive Agitation die Partei so zu stärken und zu kräftigen, daß es nicht mehr nötig ist, mit bürger- lichen Partien eine Koalition einzugehen. Die Versammlung er- wartet, daß h«! den nächst non uns stehendmi Parteien sich endlich die Ucberzeugung durchringt, daß nicht durch Spalten und Zer- reißen die Arbeiterschafll stark gemacht werden kann, sondern durch gten Zusammenschluß in einer großen geelnigten sozialistischen beiterpartet._ Aushebung einer Schlemmerstäkte. In der vergangenen Nacht durchsuchten die Stieiikn des Krimi nol komm siar« Engelbrech» mehrere Lokal« des Westens. Unter anderem konnte in einer Wohnung am K u r f ü r st e n d a m m ein eleganter Nachlbettirb geichlosien werden, dem die Gäste von Spannern am Zoo durch ÄutoS zugeführt wurdein Ein Rest von süni Flaschen Sekt. die zum Preiie von 480 M. pro Flaiche»och zu haben waien, wurde beschlagnahmt und der Krankeniüriorge über- wiesen. Da der Inhaber der Wohnung sich sehr renitent be- nahm, wurde er zur nächsten Wache abgeinhrt. Tie Siälte des Vergnügen« wurde verriegelt und dem Wohnungsamt zur Ver- iüming gestellt. Ein anderes Lokal in der Pestalozzistraße, das um 4 Uhr morgen« noch Gäste versorgte, wurde geimimt. Die Vollmilchkarle» für Januar 1922 werden in sSmtlichen Aroß-Berliner VerwaltiingSbezirkeii in den nächsten Tagen au«- gegeben,»nd zwar in All-Berlin für die Kinder im l. und'2. Leben«- jähr am Moniag. den 12, Dienstag, den 18. und Mittwoch, den 14., iiir die Kinder im 3. und 4. LelienSjahre am TonnerSlag. de» 18, Freilog. den 10. und Solinabeno, den 17. Tezeniber 1921. Ferner gelangen �-Knric»(Karren für werdende Müller) zur Airs- gäbe. Die ZI- und ZII-Krndetkalten erhalten je 3I4i Liier und die BI- und BII-Kiiideikalten sowie die Z-Karien(Karlen für werdende Mütter) je'/z Liier Frischmilch täglich. Die au? Milchkarten zu verabfolgende'Milch wird zum veibilliglrn Preise an die Bezugs- berechtigten abgegeben. Tie Inhaber von Mück-kanen haben die Ianuar-Milchkarten bis zum 2i. Dezember einschließlich dem Klein- Händler vorzulegen. Die Milchkarten tönneil in allen Z- und B- Milchgetchäsien und in sämtlichen Kuhstöllen zur Anmeldung ge- bracht werden. Alle Äisicnmacher. die nach wie vor Mitglieder des Deutsche» Holzarbeiter-Perbandes bleiben wollen. müssen in der am Sonnabend abend 6 Uhr, Arbeitslosen- saal, Rungestraße Sp stattfindenden Kistcnmachcr. Versammlung, einberufen von der prtsoerwaltung. zwecks Registrierung der Mit- asiedscbaft erscheinen Wir mnchen die Kollegen der Kistenbranche m letzter Stunde darauf aufmerk'am, daß nach§ 94 des Verbands- stotutp jedes M! t gl i e d seine Rechte einbüßt, wenn es acht Wochen mll seinen Beitägen im Rückstand« ist, yhne um Stun- düng nochgcjucht zu haben. Kollegen, laßt euch von den Quer- treibern nicht«inschüchtern und erscheint in dieser Versammlung! Perbandsbuch legitimiert. Die Ortsvcrwaltung. ESetier bitz Sonnabend mittag. Ti ecken und zeitweise heiter etwa« milder bei mätzigen südöstlichen Äindetr. Gro�-Sedrner partemachnchlen. Eezsrks¥eriba?!dl Berlin SP®, Auf einstimmigen Besch uß des Bezirksvorstandes findet am Sonnlag. den 11. Dezember, vormittags 9 Uhr. im Datzenhofer-Ausschaok lsrühere Bockörauecei), Fidicinstc. 2/3, eia /iußerorüentlicher öezirkstag mit folgender Tagesordnung statt: t. Die politische Lage. 2. Leschluhfassaug über die Erhöhung der BeilrZge. Die Zahl der Delegierten, die von den einzelnen Abteilungen zu entirnden sind, Ist nach den Satzungen des Bezlrksverbaade« lür das laufende Geschäflsjabr lestoelegt und in der Zunluummer der .SPD.Mitteilungen" verössetitticht Es steht den Abteilungen srel. neue Delegietle zu wühlen oder die bishe>Igen Delegierten wieder zu entsenden. Delegiertenkarten und Gasttarteu«erden wir den Abteilungen rechtzeitig zust.lleu. Lezirkssekretariat. Th. Fischer. Heute. Zreitag. den 25. November: lt.«ui». echSncbtio-g.icbfuim. Thi Uhr d-i Will(lrllhrr 0bM. SchSn-b«g. Martin-Lulher-Str. 60. Litzung de»«r-i»vorstande». d«r Abt«ilung»leUer und Kassierer.. � �«-. 12. Srei«. Steglift. Kursus Dr. Borchardt bei Stowasser, Stefan str. 1, abends A. Rici»! 9!ctnidt> der Brauerei tliinlastadt. 3«. Abt. ttrlNicr l«.).» Uhr Areismitgliederv-r'ammlung,—«t Uhr»ti Thi-dke, Littaurr, 0 Uhr zur öffentlichen Per- fammlung nach dem Schultheih-Ausschanl, Hasenbeid«. 90. Abt. 38. Bezirk. 8 Uhr Bersammlung im Lokal Schöttler, Donau, eck« Weichselstrrge. �„ 81. Ab«. SleakäBn. 7 Uhr Funktionärstdung bei ZMUler, Renterstr. U. Aus- gab« der Flugblätter......... Zunalezialisten. Srnpr« Borden, 71b Uhr Semeindefchul« Putbufor Sir, S—v. Unierhaitungsobend.— Seuppe Lickteifeld«. llZ Ubr Iugendhetm Albrecht- '"iratze 1t-, Bortra-i«lbend.— Arbeitegemelufchaft LoudsaemeindehMl», Zoghienstr. 28, Bortraaeabenb.—»rupp« Rorde». Di««eranstaltung fällt au».— Die Krupp« beteiligt stch an der öfsenllichen Versammlung des Sreifes Berlin-Mltie. Morgen, Sonnabend, den 26. Ilovember: 14. tzreis. Di« Mitglieder der 8-itunaskommission(g-hlabendbezirke) treffau stch zur Borwärlsdcsichtiguna am Sonnabrnd, den 2«. Rovember, abend» lihr, im Konferenssaal der Dorwärtsredaktion, Lindenstr. 8, 4. Haf, 4. Ab� ttrsth-r Ib.). 7«, Uhr Bei«rosse, Blumen Nr. 88, Borstandssttzung. Alle Bczirke'iihrer und BctrieBsvertraueneleute mllssen erscheinen. 24. Abt. ly, Uhr Sitzuua der Bergniiqungstommission und aller an unserer Wcihnccktsfeier Imercilicri-n Kenossrn bei Rboner, Immonuelkirchstr. 2b. 10«. Abt. Zohonnisthol. IVi Uhr crw-it°rte BorNandsstdung bei Kobin, Roon- strohe. Srlcheinrn aller Funktionär« notrocndig. � 131. Abt. Ri-derschönhaufen. 7-4 Uhr bei Denkert. Uhland-, Ecke Tresrkow. graste, wichtige Sitzung sämtlicher Funktionär« de» engeren Borstandes. Borstandsmitglieder eine halbe Stunde fellher.,„„ 123a Abt. ttaul-dois-sild, 7VSi Uhr im Lokal Sanssouci gahlabenb. Bortrag: „Die Beickswiriichaft-krise"...— m... BbteUung WiNirlmehagen-Keff-«oInk«l. Jeden Sonnabend Im Monat, abends 8 Uhr, gahlabend deim Senossrn Sturm in Dilhclmshagen. » tzönigswusterhause». Sonntag, den 27. Rovember, n-chmittog« 2 Uhr, äfsent- Iiche Bollsversammlung im Bahnhasshotel. Thema:«Boll und Rapublik. Ref. Erich Äuttner, Berlin.________ �uaenöveranstaltunaen. Bvroin Arbeiter-? Sekictarial: SB. M.«»bevtz». 8, 2. Auf«»2». er-?»?-»».------—------.,.. 2 Treppen rechts. Telephon: Mpl. 121 C«— 16. Ei, Elt«r»ab»nd ssndet a» Sonntag, den 27. Rovember, abend« 0 Übe. SOS der«btr Iburg s-önebe:g i» der Anl» der>lh>o»».«ck«le, K-lonn-nU'a>> Nr. 21—28, statt! bed-bend aus: JRuRtoott-öoett, Zuaendchoe, Rezltativu-N, R-laentänz-, tzano-Sacks-Sptel und Frstred« van der St«g»»Isi» tzlar« Bvhm- Dchvch. Eintritt 1,50 SB.- Heute, Arelkog. den 25. Ztovember: Britz. Zugendbelm Ehausseestr. 48, Bvrtrag:„Bara-schichte der Mark".— Adler s�os. ZugenlHein _____....______ ,.,m Semeindebarack» Kackenbergstrane, Bortrog:„Fremden- leaion.— Mahlsdorf. Zugendheim S-m-lndeschul« Woldeeseestratz«, Bortraa: .Lumor lv der Literatur.— Moabit. Zugenddeim W-Idens-rstr. 21,«ortrag? .Zoolog!-".— Neultzlln-Süd. Zugendheim Rogatftr. W. Bortrog:„zieform. kletbung".— Rlod-rschö-h-us-n. Zugendheim Kemeindeschule Blanlcndurge, Siroste 60—70, Bortrag:„Kemeinschafteerziehung".— R O'doste». Jugendheim Reolschule Posteurstr. 43, Bortrag:„Kemeinschoftserziehung".— Pete'«. bnrger Viertel. Iugendhetm Kemeindeschule Strahmannstr. s, Diskussion: „Seruelle Fragen".._ Mus aller Welt. Zm strafbesehle» Duisburg kam es Montag abend am Bahnhof zii Ausschreitungen französischer Soldaten, die im Bohnhofsgebäude Personen belästigten. Auf der Straße angekommen, fielen vi« Rohlinge, von denen zwei schwer betrunken waren, über einen alten Mann her. Einer der Soldaten schlug diesen derart mit der Faust ins Gesicht, daß er längere Zeit bewußtlos liegen blieb. Durch diese Heldentat ermutigt, zogen sie durch die Straßen und überfielen eine Anzahl Passanten, u a. auch vier Frauen, die sich nur durch die Flucht den Belästigungen der Trunkenbold« entziehen tonnten. In der Hohe Straße fiel ihnen«in einzelner Mann zum Opfer. Er wurde schwer mißhandelt, bis es ihm gelang, die Flucht zu ergreifen. Der Auskauf der Aachener Gefchäfle veranlaßt« Straßenkund- gedungen! es wurden auch Scheiben eingeschlagen und Waren mit- genommen. Als belgisches Militär erschien, ging die Meng« aus- einander. Ein Attentat In Pari». Donnerstag morgen versuchte ein gewisser Bonii» de» Depolwef de».Petit Parisien' in der Zeitung- strotze Rue Greisiant durch einen Revolver-chntz zu löten, tiof ihn aber nicht. Boulin, der ver hastet wurde, erliärte, er sei Kommunist. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Tvuristea-V««!,„Die Ratuisreuirb«'. Abt.«lbarlattesbura. Bis ans weiteres Zusommenkunst im Keim, Berlin, Stallschrelberstr. 02 lMorltzplatzl.— Arbeite r.tibstiir-ntev-Buvd. Sonnrbend. den 20. November. LichtbilBervortrca Uber die Alloholgefahr. Res. Ken. Dr. s. Drucker. Sophienschule. Weiumeist--. ftrast« lO— 17. 7Vi Uhr. Eintritt frei.— Aebeiter-Samartter-golonne A-rlis. E. B. Abteiluna filr Besonberrs. Sonntag, ben 2?., vorm. ZilO Uhr, Bortrag in der Schule Hinler der Garnnoolirch«. ehema:„Rechte und Pshchtrn eine« eingetragenen Vereins".— Abteilung S-röneberg. R itgltederverfammlp ng heute Freitag 7 Uhr hei Händel, Schöneberg, Borbergstr. 11. Arbeitersport. Ei, Hallessvoristst veranstaltet am Sonntag, ben 27. November, nachmit- tags 0 Uhr, der 1. ftteis des Arbeiter-Turn- und Eportbunde» in der Stiidti- scheu Turnhalle. Prlnzenstr. 70. Ein« besondere Rot» erhält das Fest durch die Teilnobme der Bunbesschule au» Leipzig. Freie Tnrnersckaft Echburberg-Berlin. Sonnabend! Bercins-Biortlljahrrs- Versammlung Schule Nieberwallstr. 12(Spittelmarkt), 7 Uhr. Brbetter-Radsohrcr.Buud„Solidarität'. Touren für Sonniaa, den 27. Np. vomber. Sämtlich« Abiellungen nach Zohannisthal. Dota» Parkrestaurant. Lichtbilderreis« durch Mecklenburg. Start I Uhr an den bekannten Stellen. Arbeiter. Radsahrer-Bcreiu„Kroß- Berlin'. Sonntag nachmittag IZH Uhr Buchholz(Sähne). Start Mariannenplatz vriefkaften öer Keöaktion. L. Tausend. 1. Die Hälsie des Erbteil». 2. Wen» nur ein Sind vor- henden ist. so betrögt der gesetzliche Erbteil drei Viertel der Erbschaft. 9. Die ......—„-'----- j» niz,j erforderlich. 4. Nein. _ il T—" Antrag ist zwecklos.— Flarchev ejuUchung von 3 äugen ober ein» Beglaubigung ist nicht eri — A. Z. 78. l. Ja. 2. Zagdordnung vom 15. Juli ISO?.— Leider nein. 4. El» Antrag ist zwecklos.— Florchen SS. 1. - P. ich. 75. 1. bis 3. WM 1. Za. 2. Die Entbin- dungskosten und die Unterhaltsrent« fstr das Slnd.— F. S. 106. t. Das Amisgericht. 2. Keburisnrkunde. 3. Rein.— Z. R. iL. Ja.— Fr. M». 32. Die Witwenrente, wenn Sie invalide stnd. ftue der Partei. Bon der bulgarischen Arbeiterbewegung. •r �� 5 Lahre5bericht der Rulgarischen so�iatdemokrarischen Arbeiterpartei zeigt«inen erfreulichen Ausschwung. Im Bericht:- Jfftire 1910;1911 befaß die Part«, 99 Organisationen und Gruppen mit 3102 Mitgliedern; im Jahre 1913 1914 waren bereit» 202 Orgonifaiionen und Gruppen mit 4885 Mit- gliedern vorhanden, die sich bi» zum Jahre 1918-1919 aus 353 und 11559 erhöhten. Im folgenden Jahre wurden bereit- 493 Organi- sationen und Gtuppm mit 17 749 Mitq iedern und bei Ab chluß de- vorliegenden Berichts ssir 1920 1921 552 Organisationen und Gruppen mit 20 485 Mbgliedern gezählt. Im Verlauf der letzten 10 Jahr- hat sich die Mitgliederzahl der Part«! fast v e r s i« b e n f a ch t. Zu Beginn d-s vorigen Jahres mußt« die Partei durch«ine innere Krise. Ein« Anzahl Mitglieder versuchte die Parjei an die Sektion d«r Kammunisien in Bulgarien anzugliedern. Di« aus diesem An» lasse entstandenen Ltrei igkei.en wurden durch ein Referendum be- endigt. Mit fast absoluter Mehrheit sprach sich die Partei gegen die Dritte International« au» und blieb treu den Prinzipien der Sozialdemotratie. Aus der Partei traten aus diesem Grund« 550 Mitglieder aus. Im vergangenen Jahr« wurden„Der Bund der Sozialdemokratischen Frauen" und„Der Bund der Sozialdemokratischen Jugend" gebildet. Der Bund der Sozialdemokrotifchen Frauen hat vor drei Monaten mit der Herausgabe einer eigenen Zeitschrift„Blagödenstvie"(Wohlfahrt) begonnen, d:« zweimal wöchentlich in rund 4000 Exemxlaren verbreitet wird. i Inzwi chsn hat auch der Bund der Sozialdemokratischen Jugend«Ine- ' eigene Zeitung herausgegeben. In sehr regelmäßigen und brüd«rlichen Beziehungen mit der Sozialdemokratischen Partei steht die„Konföderation der Arbeit". Die letzter« umfaßt rund 25 000 Arbeiter und Arbeite- rinnen, die in 10 Berufsverbänden organisiert sind. Nach dem er- folglosen Eisenbahner st reik im vorigen Jahre waren die Bemühungen der Arbeitskonföderation darauf gerich.et, die Koa» litionsrecht« der Staatsbeamten zu wahren. Alle Verbände geben eigene Zeimngsorgan« heraus, die in rund 32 000 Exemplaren verbreitet werden. Bedeutend« Erfolg« hat die sozialdemokratisch? Konsum- Genossenschastsbewegung aufzuweisen. Die Arbeiter- Genossenschaftszentral«„Naprsd" umfaßt 110 Konsumgenossenlchasien mit 53 000 Mitglieder, 12 000 000 Leoa» Grundkapital und hatte einen Umsatz, der sich auf 177 541 000 Levas belief. Nur die Arbeiter» Konsumgenosienschast in Sofia hat in der Hauptstadt 12 Läden und 2 Brotbäckereien. Auster dem zentralen Partelorgan„Narod" und der Parteizeit- schrist„Socialdemokrat� erscheinen im Land« 8 sozialdemo- kratische Parteizeitungen. Die Partei besitzt in Sofia eigene Gebäude, Druckerei und Buchhandlung. KXJO'««XJOUUCXXXOOOOO § liiealer, Lidilsplelc im, k QOOCy'-edOJOCCW«1*,«»JL» 000000000- oo''—'"' Opernhans Das Cnrist-EiileiB Sciianspielhans Othello _ 7'/, Uhr Deutsch. Tbeat. l'/i U: Louis Fcrdlr.and Prlni»On Preußen So. 7", LOulsFerdlniod Prinz ton Preußen Eammerspiele 8 U.: Der Huiinerhof So. 8; Der Hühner hof ör.Schauspielh. (KansnaUei 7,/|U.: Die Bfiuber So 7 LI; Götz Ton Her- 'Ichinnen i Deater I. d. KG]iiggrätz.Str. 7'/, Uhr: Manon Lescaut (Orska, Janssen. Hie- mann, Dlldt, Brandl, Plctia, r. Twardowskl, Rebkopf, Appell, Klupp) So. Hldalla Stg: Manon Lcscaut Komödienhans läijlic 1 7.30 Uhr: Die Fahrt ins Blaue (Qiassncr,Rlchard.Engl, PrOckl, Sileda) Berliner Theat. Täglich 7J0 Uhr; tyvtnsQffin Smm FfiiziMassary.o. Raloh Arthur Roberts. Pepl Zampa, Hb. Klpei Cfentrai-Theater w. u.: DetektirmSdei DeutsehoaOpernhaus t.u Fledermans Frledr. Wllhelmst. Tb. g ubn Ämerican Girl Intimes Tbeater 8 U: DI« Spelunke Laut doch nicht Immer nackt hemm Klein. Schauspielhaus ?>/, u. Reigen Lustsnlelhaus 8 uhr: Eatüicnkampl Metropol-Theater IouD.SträISeDSängerlD Roues Operetten-Tb s uhr ifönigin macht Neues Theator am Zoo T/.uhi.DcrDL'innikopl 10 U.: Pcti-Kalncr-fiall. Neues Volkstheater 7«/, uhr. Hose Bernil Schlller-Th. Cnarlbg. 8 U: Meine Prnn. die nofschaaeplclerln SohloBpark-Th Stegtitz t/, u.-. Medea Thalia-Theater Schäm' Dich, Lotte Theat. am Nollendorfpl. 4: Schneeweiß u.Roscnr. Die Ehe Im Kreise Theater des Westens uhr1 Braut iL LucdIIüs So ♦: Hänse, u. Qre et Th.l d Kommandant Str (JUd. Künsrler-Th.) T/t Uhr Dybuk Wallner-Theater T/t uhr Nixchen Walhalla- Theater 8 U.: Casiuo-Theater Lot bring. Str. 37 Tigl-T/. Der neue Sclilager tMcpJii VolKsstflck in ♦ Au'z. Stg 3'/,. Tante Bella Sonnt.S® r zu halb. Preis, d.volloPro.'ramm> Jl MtiiUiftruf�ij Vöihsljülme rtieatei a Uuiowpiat/ vuhr KSniq lear Lessing-Theat. 7>i, Uhr Der lantophafte Herr Twclia -onnab. u. Sonnt. 7> t: DIp Sptclerelen plncr Kaiserin (Duricux, StelnrQck, Sternbrrg) Montag 7. Peer Gpnt Deutsches Kflnsller-Tli Allabend ich 7J/S; Der helilse Ambrosius (Maz Adalbert) Täglich 7'/, Uhr: Das weite Land von schnlizler. Trlesch, Benens, Korlt Schroth, Welc«er Sonnab. 4 U„ kl. Preise: Max and Merlts. Kleines Theater Heute 7'/, Uhr: Falkenstein. Albers In Frl. Josette - meine Fran Sonnab. 4 U-, kl Preise: Sclmeewltfctien Trianon-Theat. Heute'/»S Uhr letzt« Aufführung I MeiD FretiBil leih Sonnab 4 u„ kl Preise Rotkäppchen onnab 7, /um I. Ma'e: XBiuniere Dich um Uraeliel r/i I Dir Jat». Klein Die große Revue feine Urne der Welt bietet solche Pracntaus- statt. n.Ram.be- riibmt. Darstell. ffiax Landa Bruno Kästner Sascha Gura WühJartsteini Franz GroS P-Westermeyer! L. Werkmeister! Äibert Pauilg Damen- j Ballett! Vorverkaut unnnterb ochen tater Oslens (Rose. Theater, ».Uhr Heues Opepetlen-Tb. Schönebcrg HauptftraOe 144. Tätlich 8 Uhr ❖❖ Einmal kommt die Stunde mit Elise Balzcr-Lichtenstein, Agni Wllke, Georg Baselt, Max Wilberg, Josef Cornum u. a. FOLIES GAPRICE Lln.enstr, 132, am Oianienburger Tor Täglich 8'jhr: mit Perd. Qr&neckei Tel. Norden>650 ••••••••••••••••••••••«• lAissage- j| Theater j t Unter bca Stoben 22-23; : Dir.: M. bollman ;2 Uraufführungen 2; -Sie(8fDe tnnldei | cor Benin N- II Teil ; Die buHfle: :(S r o f} ft o b I- : Der Ringe Schlager; ; der Zeit.: ; Jn 8 Alien- jthiglf: Arthur Teuber; ; Haupt bnrneller:» ; Josef Rehberrer: tCarlüeppe/ Erl Er- i ! wosUZlltd! Cultfoirl in 2 Alien eine Prohe- Schachtel Um jedermann Gelegenheit zu geben, unser Präparat L,axln- Kontekt. das seit 20 Jahren bewährte und ärztlich empfohlene Mittel zur Regelung des Stuhlganges, kennen zu lernen, übersenden wir auf Wunsch vollständig kostenlos ein. Probe lUnxln- Konfekt mit ärztlichen Gutachten. S Ulir 11 Sensationen farielfi-Spieiplaii Rauch«!! gestattat iDlseo-Tlieater RcIehenhergEr Sir. 84. Fünscij» BDbncnscItao 28. Nov. bis 1. Dez. 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Appetitlosigkeit, Kopfschmerz, allgemeine Mattigkeit u. Nervosität sind mit die Folgeorsclieinungeii von Verdauungsstörungen. Aus diesem Grunde sollte jedermann der Funktion seines Darmes die größte Aufmerksamkeit schenken, da eine regelmäßige und besonders ausreichende Entleerung des Darmes in hohem Grad mitbestimmend ist für den allgemeinen Gesundheitszustand des Menschen. 17ßt*QfnnfaiMlt 9 allen Verdauungsstörungen sowie ehr» ••»IIHIJ• nisoher Verstopfung und Hämorrhoiden wird mit bestem Erfolg Izizxln-Kontekt besonders als Vorbeugungsmittel angewandt Seine hauptsächlichsten Vorzüge sind: Ange- nehmster Fruoht-Bonbon-Gesohmack. deshalb besonders für empfindliche Personen u. Kinder geeignet! Zuver- IfeSaMAMMltAtdaM 9 lässige, milde u. dennoch sichere Wirkung!(fflällKsüVl IlvlUBll I Absolute Unschädlichkeit auch bei längerem Gebrauch! Der Gebrauch von I-axIn-Konfekt gcwikhrlelktct eine regelmniitge Verdauung. Man achte jedoch beim Kant auf den ges. gesch. 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Zn Berliner Läden tauchen neuerdings Fälschungen von Neichardt- Schokoladen auf; bis jetzt sind solche der beiden besten Marken �Blaukreuz" und„Schwertschlag" festgestellt. Schwarzkünstler, wie sie sonst Geldscheine fälschten, verfallen auf den jetzt weit lohnenderen Gedanken, die Llmhüllungen von Reichardt-Marken nachzudrucken in der richtigen Erkenntnis, daß sie die Reichardt-Schokoladen selbst nicht nachzuahmen vermögen. Ihnen kommt der Umstand zu statten, daß wir trotz Tag- und Nachtbetrieb nicht soviel liefern können, wie verlangt wird. Geschädigt werden zunächst die deutschen Verbraucher, und dies leider in einem Grade, der alle Vorstellungen übersteigt. Daher setzen wir U die Ermittelung der Fdlscher die obige Belohnung aus. Denn die Qualitäten dieser Fälschungen sind der größte Schund, wie ihn nur Winkelfabriken fertig bekommen. Die Schokoladenmasse besteht aus schlechtestem Material, die Verarbeitung ist eine ganz oberflächliche, sodaß die Tafeln oft Löcher wie Schweizerkäse aufweisen. Der Geschmack ist überwiegend muffig. Statt Vollmuch- ist Magermilch-Pulver verwendet worden. Nachstehend die äußerlichen Unterscheidungsmerkmale der Fälschungen ven Reicliardt-Scliokolade. Die echte Blaukreuz und Schwerlfchlag hat eine Tafelgröße von 155X90 mm. Bei den echten Tafeln haben die Worte„Blaukreuz" und„Schwertschlag" auf den kurzen Kanten ihren Platz gefunden. Die echte hat 30 Teile, und zwar fühlt man deutlich durch das Papier 6 in der Länge und 5 in der Breite. Die Färbung des Einschlagpapiers ist bei der echten„Blaukreuz" stets weiß mit einem gelblichen Ton, bei der echten„Schwertschlag" stets weiß mit bläulichem Ton, Der blaue Aufdruck der Vorderseite ist bei Reichardl-Blaukreuz in einem völlig satten Blau gehalten, Der violette Druck ist bei der echten„Schwertschlag" dunkel und kräftig, Der Brvnzedruck ist bei der echten Blaukrem rotgold und dick aufgetragen, was besonders im Namenszuge Neichardt auffällt. Der Namenszug Neichardt ist auf allen Tafeln, welche auf der schmalen Rückseite zugeklebt sind, geprägt. Die echte Blaukreuz ohne Prägung ist Maschinenpackung und daher sind nicht die schmalen Seiten, sondern die breiten Längsseiten zugeklebt. Die Fälschungen sind etwa 165 X 85 mm groß. Bei den falschen Tafeln sind diese Worte entweder nach links oder nach rechts auf die breite Oberfläche verschoben. Bei der falschen fühlt man entweder 24 oder 50 Teile, und zwar in der Länge 8 oder 10, in der Breite 3 oder 5 Teile. bei der Blaukreuz-Fälschung meist weiß mit einem bläulichen Ton, bei der Schwertschlag-Fälschung meist weiß mit schwach gelblicher Tönung. bei der Blaukreuz-Fälschung in einem gesprenkelten Blau. bei der Fälschung dagegen blaß und gesprenkelt. Der Bronzeaufdruck der Fälschung erscheint gelbgold und läßt sich leicht abwischen. Bei den Fälschungen fehlt jegliche Kochprägung, und bei allen Tafel» sind nur die schmalen Seiten zugeklebt. Man achte also zunächst darauf, ob man eine an der schmalen Seite zugeklebte Tafel mit oder ohne Prägung erhält. Die geprägte ist echt, die ungeprägte falsch. Im Kreuzring der echten Blaukreuz-Schokolade stoßen bei dem Worte Neichardt die Buchstaben„kl�stll" am Fuße zusammen. Bei der echten Schwertschlag sind die in Gold ausgeführten llmrisse und Schattenlinien des Ambosses stark gewellt. Bei der echten Schwertschlag-Packung umfaßt der Schwertgriff nur die oberste Linie deS Schwertes. Die Rückseite der echten Neichardt-Packung hat enge, kleine Schrift, das Verzeichnis der Verkaufsabteilungen ist infolgedessen mit Aeberschrift nur 4 cm hoch und äußerst 10�/« cm breit. Das Gewicht der echten Tafeln hält sich ziemlich gleichmäßig zwischen 98 und 102 Gramm. Die nackten Tafeln zeigen, daß in jedem Teilchen der echten Schokolade das Wort„Neichardt" oder„Golf" eingeprägt ist. Bei der Fälschung stehen diese Buchstaben einzeln für sich. Bei der Fälschung sind sie ruhiger gezogen und fast gerade. Bei der Fälschung führt der Schwertgriff bis zur Mittellinie deS Schwertes. Die Rückseite der Fälschungen besteht auS größerer Schrift, daher ist das Verzeichnis der Verkaufsabteilungen mit Deberschrift reichlich 5 cm choch und äußerst 12�/- cm breit. Die Gewichte der gefälschten Tafeln schwanken zwischen 88 und 1 12 Gramm. Auf den gefälschten Tafeln fehlt jegliche Inschrift. Als Äerftellungsmonat ist bei den bis jetzt vorgefundenen Fälschungen auf der Rückseite durchweg angegeben: Bei„Blaukreuz" Juli/August, bei„Schwertjchlag" September/Oktober 1921. Das einfachste Mittel gegen die Fälschungen ist, nur in soliden Geschäften zu kaufen, die an unseren bekannten Schildern mit dem NamenSzuge „Neichardt" kenntlich sind. In solchen Geschäften sind Fälschungen bisher nicht aufgetaucht, sondern nur bei Geschäftsleuten, deren Belieferung wir ablehnen mußten, weil sie uns nicht die Gewähr für hinreichend sorgsame Pflege von Eddfabrikaten bieten. Die Wiederverkäufer sind vollständig gesichert, wenn sie nicht von irgend welchen, plötzlich aus dem Dunkel auftauchenden unbekannten Grossisten, jondern von unseren altbekannten Bezirks- Vertretern- beziehen. In unseren eigenen Filialen läuft man natürlich nicht die geringste Gefahr, Fälschungen zu erhalten. Obige Belohnung wird ausgesetzt für diejenigen Personen, welche den Drucker der falschen Etiketts, den Fabrikanten der Schokolade und die Anternehmer des Ganzen, die den Großverttieb ins Werk gesetzt haben, als erste so nachweisen, daß deren gerichtliche Bestrafung erfolgen kann. Teilermittlungen werden von einem Notar unter Kontrolle der Kakaowirtschastsstelle bewertet. Alle Meldungen erbitten wir an die Detektei Naber t, Berlin, Potsdamer Stt. 14l, Fernsprecher Nollendorf 875, oder deren Zweigbureau Kamburg, Große Bäckerstr. 12, Fernsprecher Vulkan 766. Kskso-llompsxnie Theodor Reichardt Deufsthlands grötfes liakaowerh, Wandsbek-Hamburg ttr. 556 ♦ 38. Jahrgang 2. Heilage öes Vorwärts Ireitag, 25. November 1921 ™Äi!!a ÄÄ«™. Der Moröprozeß um Wachtmeister Suchhotz. Bor Eintritt in die Tagesordnung der gestrigen Landtagssitzung beantragt Abg. Kilian(Komm.), den am Mittwoch von ihm ver- lesenen Antrag aus Amnestieerlah und Einsetzung eines Nach- Prüfungsausschusses über die Urteile auf die Tagesordnung zu setzen. Präsident Leinert: Da der Antrag noch nicht schriftlich vorlieot, kann er noch nicht behandelt werden. Das chaus setzt darauf die zweite Beratung des fort. Aorstverwaltungseiais Landwirtschaftsminister Dr. Wendorf: Die Verwaltung der Forsten darf nicht den Bestand, das Kapital der Forsten angreisen. Für die Forsttultur sind 8 Millionen Mark in den Etat eingestellt. Das Forstkulturgesetz kann erst nach Erlaß des Reichs- ermächtigungsgesetzes in Angriff genommen werden. Wir brauchen einen technisch-wissenschaftlich gebildeten Beamtenkörper. Der Haupt- ausschuß will erfreulicherweise auch die Dienstaufwandsentschädi- gungen neu regeln. Die Förster und Anwärter, die durch den Krieg in ihrem Besoldungsdienstalter zurückblieben, dürfen nicht schlechter gestellt werden als ihre Altersgenossen. Hoffentlich kann noch in diesem Kalenderjahr der Ausschuß zur Prüfung der Aus- bildungsverhältnisse zusammentreten. Der Mangel an Mitteln ver- bietet die dauernde Beschäftigung der Forstarbeiter, doch sind die betreffenden Etatsummen erhöht worden. Der Arbeiter- Wohnungsbau findet unsere ganze Aufmerksamkeit, die Ber- waltung wird den Kleinbauern entgegenkommen, doch verbietet eine geordnete Forstkultur eine zu starke Freigabe der Waldweide. Abg. Klausner(U. Soz.): Trotz des deutschnationalen Antrages zugunsten des Koalition- rechts ist das Koalitionerecht der Waldarbeiter keineswegs so sicher, als es den Anschein hat. Bon der Forstverwaltung wünschen wir eine raschere Arbeit, damit An- fragen und Klagen schneller erledigt werden. Der Privatforstbetrieb müsse in den Staatsbetrieb übergeführt werden. Abg. Wcißermel(Dnat.) begründet den Antrag, das vom früheren Landwirtschastsminister Braun auf den Forstakademien Eberswalde und Hannov.-Münden eingeführte Rektoratssystem wieder abzuschaffen. Abg. Dr. Bendiner(Soz.): Der Abg. Weißermcl würde nicht so starte Töne angeschlagen haben, wenn es sich nicht um den ver- haßten Braun gehandelt hätte. Wir können den Deutschnationalen aus der Zeit ihrer Herrschaft verschiedene Verletzungen des Etatsrechtes nachweisen. Brauns Maßnahmen waren fein gutes Recht, es handelte sich um«in« interne Angelegenheit. Das alte militärische Softem war nicht mehr zeitgemäß, das Direktorial- system mußte verschwinden. Auch unter dem neuen System werden die Anwärter zu brauchbaren Forstbeamten erzogen werden. Ein Regierungsvertreter warnt vor Ueberspannung der Daucrwaldidee. Damit ist die Aussprache geschloffen. Bei der Abstimmung werden eine Reihe von Ausschußanträgen angenommen. II. a. wird die Summe für Beschaffung von Inst- Häusern für Arbeiter auf 6 Millionen Mark erhöht, auch die Dienst- aufwandsentfchädigungen für Förster aller Rangklaffen werden erhöht. Den Forsthochschulen in Eberswalde und Hannov.-Münden wird das Promotionsrecht verlieben. Bei dem Antrag, bei diesen Forstakademien die am I. April eingeführte Rektoratsverfaffung aufrechtzuerhalten, ergibt sich die B e s ch l u ß u n f S h i g k e i t des Hauses. Das Haus vertagt sich auf Freitag 11 Uhr: Rest der Ab- stimmungen zum Forstetat. Ministerium des Innern. Schluß 'AI Uhr._____ Vor dem Streik öer Elektrizitätswerke. Bon beteiligter Seite wird uns geschrieben: Der drohende zweite Ange st eilten st reik bei den Berliner Elektrizitätswerken geht dieses Mal nicht, wie das erstemal um ideelle, sondern um materielle Ziele. Trotz- dem ist e» verhältnismäßig schwierig, eine klare Umgrenzung des Kampfziels der Angestellten anzugeben, da sich dix Forderung nicht so glatt in Mark und Pfennigen ausdrücken läßt, wie die der Ar- bciter. Die Tarifverhandlungen für die Angestellten der Werke, die nach dem ersten Streik am 12. September sofort aufgenommen sind, baben bis heute noch nicht zum Abschluß des Vertrages geführt. Wenn keine gütliche Einigung erreicht werden konnte, so liegt das nicht zum wenigsten mit daran, daß der Magistrat sich zu engherzig an den B e s o l d u n g s p l a n der Beamten klammert, obschon die Angestellten der städtischen Werke Kauf- leute und Techniker sind, deren Stellung und Tätigkeit nicht so ohne weiteres verglichen werden kann mit der Stellung der Beamten und Angestellten der Verwaltungsbetrieb«. Es ist ein Krebsschaden unserer ganzen wirtschaftlichen Betriebe, auch der des Staats und Reichs, daß die Behörden aus einer gewiffen Bequem- lichkeit heraus immer wieder die Tendenz bekunden, auch die wirtschaftlichen Betriebe nach dem Grundsatze der allgemeinen Verwaltung, also der obrigkeitlichen Auf- gaben, zu behandeln. Unser Besoldunassystem für die Beamten krankt nämlich daran, daß es sich lediglich aufbaut auf Tätigkeit-- gruppen, in die der Beamte nicht ausschließlich wegen seiner L e i st u n g, sondern in erster Linie wegen seiner Vordil- d u n g, also der abgelegten Examina und seine» Dienstalters gelangt. Für Leistungsgruppierung Ist in dem Besoldungsplan nur sehr wenig Platz vorhanden, und sie wird noch erschwert durch die stark bureaukrattsche Handhabung des Sperr- g e s e tz e s durch den Reichsfinanzminister und die vorgesetzten Staatsbehörden. Gerade die Angestellten der Städtischen Elektrizi- tätswerke können es nicht verstehen, daß ein Betrieb, der ganz nach kaufmännischen und technisch-wirtschastlichen Gesichtspunkten aufge- baut ist, und der gerade durch diesen Aufbau der Stadt im letzten Jahr einen Ueberschuß von Ol) Millionen Mark erbracht hat, auch nach den starren Grundsätzen der Beamten- b e s o l d u n g behandelt werden muß. Die Tätigkeit des Magistrats führt dazu, daß gerade die besten Kräfte, die in einer guten Bezah« lung auch den Ansporn zu höchster Leistung erblicken, sich aus den Gemeindebetrieben fortsehnen und in der Privatindustrie Stellungen übernehmen, die eine wesentlich beffere Bezahlung garantieren. Das angerufene Schiedsgericht hatte diesen Erwägungen in seinem ersten Spruch vom 29. Oktober zu einem erheblichen Teil Rechnung getragen. Es war zwar eine Anlehnung an die Be- soldungsordnung vorgesehen, da der Magistrat glaubte, in keinem Fall hiervon abweichen zu können. Die schlechte Eingruppierung war jedoch wesentlich gemildert durch die frühere Festsetzung des Be- foldungsdienstalters. nämlich vom 25. auf das 21. Lebensjahr. Außer- dem war eine Zusammenrückung der im Besoldungsplan IS Jahre betragenden Altersstufen auf 13 Jahr« erfolgt, wobei das Schwer- 1 gewicht der Alterszulage auf die ersten Jahre verlegt wurde. Mit! dieser Regelung konnten sich die Angestellten einverstanden erklären. wenn nicht der Schiedsspruch gleichzeitig für die Zeit vom 1. Oktober, bis 39. Dezember Zulagen vorgesehen hätte, die als vollkommen un- 1 genügend bezeichnet werden muhten. Der Schiedsspruch bestimmte, daß>m Monat Oktober die Angestellten«ine Zulage von 190 M.,' im Monat November von 299 M. und im Monat Dezember von 399 M. erhalten sollten. Da- war auch unter Berücksichtigung der kurz nach dem Schiedsspruch bekannt werdenden wesentlich erhöhten Sätze der Beamtenbesoldung in keiner Weise em Ausgleich für die herrschende Teuerung. Da es aber nicht möglich war, Teile des Sckiedsspruche« anzunehmen, mußten die Angestellten den gesamten Schiedsspruch ablehnen und versuchen, für die Zeit nach dem t., Oktober ein« andere Regelung zu erhalten. E« wurd« daher am Warum Bnchholz Selbstmord begangen haben soll. In der Zeugenvernehmung wird immer wieder die Frage erörtert, ob bei Buchholz wegen der Unterschlagun- gen ein Selbstmord anzunehmen sei. Er selber soll seine Schuldlosigkeit beteuert und keine Selbstmordneigung gezeigt haben. Angeklagter Erren sagt, kurz vor dem Selbstmord sei noch doppelte Buchung nachgewiesen worden. Staatsanwalt Dr. Steinbrecher beantragt sofortige Ladung eines Kaufmanns Möhr, dem ein Mitgliedschaft der Hundertschaft erzählt habe, „ den Täler zu kennen. Die Ladung wird bcschloffen. Wachtmeister M u n n i hat die Schüffe gehört, die Wachtmeister Hinderlich auf dem Hof abgab, um einen verrosteten Revolver zu erproben Etwa 19 Minuten später habe er aus Zimmer 39 einen dumpfen Schuh gehört und Erren schon auf dem Korridor gesehen, worauf er selber als erster hineingegangen sei. Neben Duchholz lag der Revolver, in einiaer Entfernung bemerkte er später die herausgestoßenc Patronenhülse. Er habe sich sofort gesogt, daß die Wunde am Hinterkopf, weil sie nur so groß wie das Geschoß war, der Einschuß sein müsse. Als ihm dann erzählt wurde, daß der Revolver nicht Duchholz gehörte, habe er anqenommen, es könne kein Selbstmord sein. Daß Buchholz 175 999 Mk. unterschlagen haben sollte, sei ihm bekannt gewesen. Verdacht gegen Erren oder Meyer habe er nicht. An den Wachtmeister Heise, auf den die Untersuchung sich gleichfalls erstreckt hat, richtet der Vorsitzende eine eindringliche Bermahnung. Heise hat kurz vor der Tat im Zimmer 39 und benachbarten Zim- mern nach einer Schere gesucht und war, als der Schuß fiel, in der Nähe auf dem Korridor. Er habe, als er ihn hörte, sofort gemeint, daß Buchholz wegen der Unterschlagungen sich erschaffen habe. Wachtmeister Müller hat Buchholz auf dem Korridor getrof- fen und glaubt, Niedergeschlagenheit an ihm bemerkt zu haben, Nachher habe er durch die offene Tür von Zimmer 39 Buchholz gesehen, wie er an dem Kraben seines Mantels zog. Kurz darauf habe er den Schuß fallen hören und Buchholz sinken sehen. Daß jemand sich erschießt, nachdem er soeben seinen Mantel angezogen hat, findet er nicht auffällig, Beidest Angeklagten traut Oberleutnant M a l w i tz die Tot nicht zu. Dem Wachtmeister Buchholz hat er bei dessen zehn Tage vorher erfolgten Verhaftung seinen Revolver abgenommen. Die später in Buchholz Verwahrung gefundenen Patronen paßten zu diesem Revolver, nicht zu dem bei der Leiche liegenden, in dem noch fünf Schuß waren. Selbstmord hält er für glaubhaft. Als dem Buchholz am Abend vor seinem Tode nochmals die doppelte Buchung eines Ausgabepostens von 69 999 M. vorgehalten wurde, sei er sehr aufgeregt gewesen. Er habe sich damit cntschul- digt, daß er nicht kassenmäßig vorgebildet sei. Leut- nant E n d e r l e i n berichtet über mangelhafte Buchfübrung, die er für Absicht hält. Buchholz sei, als ihm die doppelte Buchung vor- geHallen wurde, zusammengebrochen. Auf eine Frage des Staatsanwalts Krause schränkt Zeuge die Bestimmtheit seiner Mei- nung über die angebliche Unterschlagung ein. Die Untsrschlagungs- ossäre soll durch Vernehmung anderer Zeugen noch aufgeklärt werden. Nach Aussage des Friseurs Piper hat Buchholz sich wenige Minuten vor seinem Tode rasieren lasten und ein Witz- blatt gelesen. Kaum war er von dem Friseur weggegangen, als dieser schon die Schreckensnachricht erhielt, daß„Buchholz sich erschaffen" habe. Die Zeugenvernehmungen werden heute sortgesetzt. Bisher ist hauptsächlich nach Motiven eines Selbstmordes geforscht worden. Die weiteren Vernehmungen werden sich vermutlich mehr aus die Frage noch den Motiven eines Mordes erstrecken. 21. November einem neu angerufenen Schlichtungsausfchuß im Reichsarbeitsministerium der Antrag unterbreitet, den Schieds- spruch vom 29. Oktober nur bis 39. September gellen zu lasten und für die Zeit nach dem 1. Oktober eine wesentliche Erhöhung der Sätze eintreten zu lasten, entsprechend der auch den Staatsbeamten gewährten Erhöhung. Das Schiedsgericht hat nun dem Antrage der Ange st eilten nicht statt- gegeben, sondern in vollkommener Verkennung der Sachlage das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und einen Spruch gefällt, der die Beamtenbesoldung in allen ihren Kons«- quenzen ab 1. April den Angestellten der Städtischen Elektrizi- tätswerke zusprach. Dieser Spruch bedeutet eine glatte Ab- Weisung der gesamten Wünsche der Ange st eilten- s ch a f t, um die jetzt sieben Monate verhandell wird, denn nach dem Grundsatz der Leamtenbeloldunq erfolgte die Bezahlung bereits fett 1919, und gerade dieser Grundsatz mar es, der aus den oben ange- führten Gründen eine tiefgehende Mißstimmung erzeugt und schließ- lich dazu geführt hat, daß im September der Streik um den Tarifvertrag ausbrach. Er bedeutet aber weiterhin eine Benachteiligung der Angestellten gegenüber den Bcamtengruppen beim Magistrat Berlin, denn die Nachzahlung aus der Revision des Gruppenplanes muß nach den gesetzlichen Borschristen für die Beamten rück- wirkend ab 1. April 1929 sein, während die Ange st eilten infolge ihres Tarifvertrages nur Ansprüche ab 1. April 1921 geltend machen könnten. Diese Tatsachen machten die Annahme des Schieds- spruches vom 21. November zu einer glatten Unmöglichkeit. Die An- gestelltenverbände haben dann am 22. November nochmals versucht, das drohende Unheil abzuwenden. Sie haben in persönlicher Rück- spräche mit Herrn Oberbürgermeister B ö ß die bekannten vier Punkte unterbreitet. Sie wollten dadurch dem Magistrat einen Weg der Verständigung im letzten Augenblick zeigen. Der Magisttat hat aber sämtliche Auttäge der Gewerkschaften abgelehnt und da- durch den Verbänden es unmöglich gemacht, für die Annahme des Schiedsspruches einzutreten. Die Gewerkschaften sind sich aller Folgen bewußt, die ein Streik der städtischen Angestellten gerade in diesem Moment der wirtschaftlichen Unruhen im Gefolae haben kann, sie sehen aber durch die starre Haltung des Mag! st r als jeden Weg zu einer Verhinderung dieses Kon- fliktes verriegelt, und so konnte die Vollversammlung der Angestellten am 23. November nicht anders beschließen, als daß eine sofortige Urabstimmung geheim und gettennt nach Gewerk- schasten vorgenommen soll, die allerdings gleichzeitig die Abstimmung über den Streit bedeutet, da eine Der- handlungsmöglichkeit nicht mehr vorhanden ist, nachdem das Schiedsgericht im Arbcitsministerium entschieden hat. Es steht zu hoffen, daß noch in letzter Stunde die Stadtoer. ordneten Versammlung versuchen wird, den Magistrat zv einem Teach- geben zu beweaen. Es ist nämlich geradezu unverständlich, wie der Magistrat die"Vewillissimg der strittigen vier Punkte verweigern konnte, nachdem die Magistratskommission in monale- langen Verhandlungen und noch eine Sttinde vor Fallung des Schiedsspruches die Berechtigung der Ford e r u n q e n a n- erkannt batte und ihre Gewährung bereits beschlosten hatte. Sollten die Angestellten zum Streik gezwungen werden, so wurde dieses wahrscheinlich der Stadt Berlin mehr Schaben verursachen, wie die Bewilligung der Forderungen ergeben würde. » Man mag zu den ständigen Lohnkämpfen Zwischen den An- gestellten und Arbeltern der städtischen Betriebe s-rhen wie man will, dos Schauspiel, das sie in den letzten Monaten bieten, ist eines Gemeinwesens wie Berlin einfach un- würdig. Mögen auch die Extremen von links und rechts ihre helle Freude daran haben, so ist und bleibt es ein auf die Dauer ganz unhaltbarer Zustand, daß das direkt unbeteiligte Publikum, das auf das Master, auf die Deleuchtung, die Straßenbahnen u.a. m. angewiesen ist, fortgesetzt beunruhigt wird und die Konflikte aus- zubadcn hat. In Betrieben, die nicht der Plusmacherei. sondern in erster Linie dem Wohle der Allgemeinheit zu dienen haben, muß es möglich sein, die Lohn- und Arbeitsbedingungen auf friedlichem Wege zu regeln. Fehlt es an der nötigen Einrichtung zur Ver- ständigunq, dann muß sie unverzüglich geschaffen werden. Auch der Konkurrenzstreit zwischen den beteiligten Slngestelltenverbanden und dem„Komba" muß ausaescbaltet werden. Aus beiden Sellen muß der gute Wille zu einträchtiger Zusammenarbeit und zur Ber- ständigung vorhanden sein. Das richtige Auaenmaß kür dos un- bedingt zu Gewährende rnii der einen und für das möglichst Er- reichbare ans der anderen S-ite darf nicht beseite gelassen werden. Für b-ids Teile wäre es höchst beschämend, wenn sich ergeben würde, daß eine dauernd geordnete Wcrkiühruna Im Eiaenbetriebc der Stadt nicht möglich ist. Zuviel steht auf dem Spiele, um nicht alles daranzusetzen, dem fortwährenden Streit ein Ende zu machen, sei es durch den Ausbau der Tarifkommission zu einer Arbeits- aemeinslbaft oder sonstwie. Bor allem weniger Bureaukratte, die für die Amts�vben gut sein mag, für die Werke jedoch verfehlt ist. Auch den direkt Beteiligten dürfte allmählich klar geworden sein, daß schleunigste Umkehr geboten ist. So wie bisher, geht es nicht gut weiter. Die gewerkschastliche Warenversorgung. Als zu Ende des vergangenen Jahres infolge Arbeitslosigkeit und mangelnder Kaufkraft der breiten Moste des Volkes das ganze Wirtschaftsleben zusammenzubrechen drohte, haben die Gewerkschaften die Warenoersorgungsstelle ins Leben gerufen, um der Krise aus dein Gebiete der gesamten Bekleidungsindustrie, wo die Not besonders groß war, abzuhelfen. Das Neich stellte aus Mitteln der produktiven Erwerbslosen- sürsorge den Gewerkschaften ein Darlehen von 25 Millionen Mark zur Verfügung. Die Organisation setzte es sich zur Aufgabe, durch Vermittelung von Aufträgen an die beschäftigungslosen Industrien die Produktion zu heben und Arbeitsgelegenheit zu schaffen und auf der anderen Seite die zu erschwinglichen Preisen hergestellten Gegen- stände an die organisterten Mitglieder abzugeben. Während der ganzen Zell der Depression in der Bekleidungsindustrie vergab die Warenversorgungsstelle ein« große Anzahl von Aufträgen an die- jenigen Unternehmungen, welche ihr vom Reichsamt für Arbeits- vermittelung bezeichnet wurden. Es war schon bei Gründung der Warenversorgungsstelle voraus- zusehen, daß der freie Handel, der sich durch die Tätigkeit einer Or- ganisation, welche die Versorgung von Millionen von Mitgliedern in die Wege leiten konnte, in seinen Gewinnmöglichkeiten bedroht sah, nicht untätig bleiben würde. Bereits zu Anfang appellierte er an die Solidarität der Unternehmer mit dem Handel, versuchte die Fa- brikanten von der Lieferung an die Warenoersorgung abzuhallen, machte ihnen in seinen Fachzeitschriften schwere Vorwürfe, daß sie sich der Kontrolle der Gewerkschaften unterwerfen und Bedingungen eingegangen seien, die sie selbst nie hätten erreichen können. Fabri- kanten, welche an die Warenversorgungsstelle lieferten, wurden auf die schwarze Liste gesetzt, um sie zu boykottieren. Die Fabrikanten ober waren bei der schlechten Konjunktur aus dem Bekleidungsmarkt« sehr froh, sich durch das Reich Aufträge vermitteln zu lassen,»m so ihren Betrieb aufrecht erhalten zu können. Mit dem weiteren Fallen der Mark und dem damit einsetzenden Export, welcher relativ gute Absatzmöglichkeiten für die Industrie schuf, schwand jedoch ihr Inier- esse an einer planwirtjchaftlichen Regelung der Produktion, und s i e schlössen sich dem Kampf des Handels gegen die Warenversorgung der Gewerkschaften an. Mit Ei»- gaben an Regierung und Parlament, mit Irreführung der öfsentlichen Meinung in Zeitungen und Fachzeitschristen über die Tätigkeit der Warenoersorgung, besonders über die Kreditgewährung, wurde auf das Rcichsarbeitsministerium eingewirkt, um es zu einer Abkehr von dem Unternehmen zu veranlasten. Man fürchtete direkt eine Gefahr- dunq seiner Profitmöglichkeiten, indirekt die Erbringung des Be- weises, daß eine Planwirtschaft möglich ist, und sah mit größtem Unbehagen auf dir Sache als auf einen'Versuch, die Möglichkeit einer Sozialisierunq praktisch zu beweisen. Besonders der Kredit des Reiches war dem freien Unternehmertum ein Dorn im Auge. Man machte die rechtsstehenden Parteien, vor allem die Deutsche Volks- partes gegen das Reichsarbeitsministerium scharf. Dieselbe R e- g i e r u n g aber, mit deren Hilse seinerzeit die Warenoersorgung geschaffen wurde, brachte nicht soviel Konsequenz aus, um diesen Beeinslustungsversuchen gegenüber seit zu bleiben. Sie verlangt heute die Rückzahlung des Kredites und zwar mit der sehr merkwürdigen Begründung, daß gegenwärtig«ine Arbeitslosigkeit nicht mehr bestehe und infolgedessen ein Kredit aus Mitteln der pro- duktioen Erwerbslosenfürsorge nicht mehr gewährt werden könne. Und das tut das Reichsarbeitsministerium in demselben Augenblick, wo der gleiche Referent, der für die ganze Frage zuständig ist, Mini- steriolrat Dr. Weigert, iyr Beiblatt zur Nr. 258 des„8-Uhr-Abend- blattes" unter der Ueberschrift„Rüsten wir uns gegen die kom- mend« Arbeitslosigtett" die gleiche Ansicht vertritt, welche die Ge- werkschasteu der Regierung gegenüber immer geltend gemacht haben, daß nämlich die gegenwärtige Hochkonjunktur nur eine vorüber- gehende krankhafte Erscheinung ist und daß ihr sehr bald eine Zell größter Depression folgen muh. Man gibt also auf der einen Seite zu, daß das. was die Gewerkschaften voraussahen und verfolgen, richtig ist und stellt sich auf der anderen Seite derselben Organi- sation gegenüber, die ein Jahr lang als eine solche Rüstung gegen die Arbeitslosigkeit gedient hat. auf den rein formalen Standvunkt. Die Gewerkschaften werden sich aber dem Druck der Inter- estentenoerbände auf die Regierung aegenüber nicht passiv verhalten, sondern verlangen, daß eine Einrichtung, die sich als notwendig und segensrsick erwiesen hat, nicht dem schrankenlosen Gewinnma-ben einzelner geopfert wird. Von allen Teilen drs Reiches laufen Be- schlüsie ein, in denen sich die Gewcrksckiasten aller Richtungen, nicht nur die freien, lchars gegen das Verhalten der Regie- r u n g wenden, deren Vorgehen sie ücki nur durch kapttalisiischen Einfluß erklären können. Auch die sozialistischen Reichstagssraktionen haben sich mit der Angelegenheit besaßt und der Abgcordn. Krätzig stellte vor einigen Tagen im Reichstag die Forderung auf, daß die gewerkschaftliche Warenversorgung von selten der Regierung keines- falls durch Kreditentziehung lahmgelegt werden dürfe, am aller- wenigsten zu einer Zeit, wo sie sich bei der allgemeinen Preistreiberei als Preisregulator erweist uud wo man bereits mit Sicherheit vor- aussieht, daß dt« Tage der gegenwärtigen Hochkonjunktur gezählt sind. F- buber. Line unangenehme Ueberraschung! sind von unseren Liefemnlen durch ganz unglaublich« PreisauflchlSge AI} überrascht morben. So kostet uns jetzt z. B. eine Eold-Doublöbrille, wenn wir sie beziehen, M. 81.— selbst. Wir verkaufen sie augenblicklich noch mit M. 7S.— ohne Gläser. Wir müssen also noch bares Geld darauf zahlen, um das Lager durch die verkaufte Brille zu ergänzen. Allerdings müssen wir zugeben, daß die Aufschläge, soweit sie Gold und Gold-DoublS betreffen, berechtigt sind, da der Feingoldpreis innerhalb sechs Monaten von M. 4l).— auf M. 220.— pro Gramm emporgeschnellt ist. Trotzdem wollen wir unsere werte Kundschaft nicht in gleich unangenehmer Weise überraschen. Wir kündigen daher unsere Preiserhöhung schon jetzt an. Sie tritt am 1. Dezember in Kraft. Bis dahin kaufen Sie bei uns noch zu den bisherigen Preisen, das he ßt also vielfach unter unseren Einkaufspreisen. Für Neuanfertigungen und sür neu hereinkommende Ware müss.n aber schon heute die erhöhten Preise in Anrechnung kommen. Unsere Preise für Gläser pro Paar! jetzt: ab 1 Dezember: bi-Gläser.......... M. 12.— M. 18.— Optal-Gläser......... 19.—, 24.— Punktorik-Gläser.....„ 24.—, 32.— Sanoskop.........., 32.—, 42.— Optiker �uhnke 3ButtGli.Meta lirbeiter-S »erband BerwaUungest. aäecL| Den Mitglied ernzur l Nachricht, daß unter I Kollege, der Dreher Adolf Krüger Schlesische Str� ZI, II am 21. November gc- storben ist. Die Einätcherung findet amFreiiag den 2Z. November, nachm i Uhr, im Krematorium Vaumichuien- a>eg,AteshoIzstr. statt. Ferner starb unser Kollege, der Schlosser Ssniliard slnrniazolieolt Wilmerodors, West» i, fältfche Sit. 83, am ■ 1 21. November. r| Die Einäscherung • j findet amSonnadend ,;1 den 26. November, :•. nachmittags.V/. Uhr, ■; in der großen Halle v ocs Krematoriums ;; Derichtstraße statt. f. Ehre Ihrem Andtnksa 1 'i RegeD-tetligung er- :• wartet 102/10 .j Dtevrt»vern>altung njBHnwoBiaBKtw ? ;£i2lrli)verb. Bert. SPD. 20. Abteilung. Am 18. Novdr. verschied plbgltch durch Unfallunscresvenossin Anna Staecker im 83. Lebensjahre. Wir werden ihr ein dauerndes Andenien bewahren. Di« Einäscherung ersolgt am Sonn- abend, den 26. Nov., nachm. ZV, Uhr, im Krematorium Baum- tchuienwcg. 217/17 fiahireiche Beteiligung erwartet Der««.-Führer. Meislie ..ault zu hohen Prellen Qehllaar,* O, Waldemariti aBt AI. r* Spiltelmorkt Ecke Wallftr. Llexander-Platz mAsching. VX/' Friedrich. Sir. 193- Ecke Leipziger Str. Leipziger Str. 113 Ecke Mauer-Str. Link-Str. 1 «cke Potsdamer Str. Einladung »ur ordentlichen AMllWWS der Allgemeinen Orts» Irankcntaste Slteder- barnim am Sonnabend. dem 3. Dezember 1921, um 3 Uhr nachmittags im Kreishanse in Ber» lin, Friede.- Karl-Ufer 8, Kreisausschuß- sttzungssaal. Tagesordnung: I. Aendernng der§z 20, 30 a und 31a der Sahung. 2. Festsetzung des Dar anschlage» sür das Jahr 1922 3. Wahl de« Rechnunas- ausichusse» sür die Prüfung der Jahres- rrchnung sür da» Jahr 192 1. t Verschiedenes. Die Herren Ausschuß- Mitglieder werden zur Teilnahme an dieser Sitzung ergebenst einge- laden. 20 9 B' r I! n, den 22 Ro- oember 1921. All*?. Ortakrankenkaise Niederbarnim. Reubecker. Borsitzender. C\Y/B€tte-3ananc«.S{c4 O W nahe Janborf M\Y/ Iriedrich-Slr. 150 IN W Ecke Dorotheeu-Str. N Chaussee-Str. 72 nahe Müller-Str. Schönhauser Allee 81 am Bdi Nvrdring N Friedrich- Str. 10L Eck- Ziegel- Str. 2uvaliden-Str. 1S4 Ecke Lrunnea-Stn Invaliden-Slr. 117 am Slctiiner Bhf. Frankfurter Allee 14 nahe lift- Orauien-Skr. 44 zwischen Moritz, unv Oranen-Platz ? Koltbuser Damm 10 nahe Januars Neukölln- verg-SIr. 4. Ecke Jieihsn-Stt. Friedenau: Rbela-Stt l». Scke Kir».Str. Charlolkenburgi kauetzh ea- Sir 18 Ecke Morduroer Str. ZeachimsidalerSK 2 aoheBhiZoo Schiaeberg: YMtpt.Slr.2t Ecke Ata, len-Stt Wilmersdorf- BerllaerStt 1 U-ZZ tzabtUHIaudsir Seaadou: Breit» Str>8 nahe Markt LS» VeneiiliiiigiZlelld Serll» B S4, UnlenstraBe 83/85. Geschäftszeit von»orm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr Telephon! Amt Norden 185, 1230,»087, 0714. Sonntag, den 22. Itooembee 1921, vormittags S Ahr In der Schnlnala, wcinmetstcrslr. 10 12: Kranchenversammlung aller im DMV. organisierten Kollegen der Eisenkonstruktions-, Kran-, Aufzugs- und Metallwcrks- betriebe Togesordnnna: 1. Die wirtschaftliche Loge. 2 Bericht der Verhandlungstommisston Mitgliedsbuch de» Deutschen Metallarbeiter- Verbandes legitimiert. 102/7 Die Orksvertoalknng. Ägs�ttxWijwieksi'le!! W GroS-Berlin Sonnabend, den 26. Hönde., mittags 1 Ahr im Wintergarten der Schnltheih- Brauerei Hasenhetde 21—31: Große Versammlung aller In der2iaaretten)ndu(trle llMSttlgke» Tagesordnung: L Entscheidung über die bewilligie Teuerungszulage. 2. Bericht und Stellungnahme zum ad 1. Oktober geltenden Neichsmanteitarif. 8. Stellungnahme zur versuchten zwangsweisen Ein- lührung der Arbeitsordnung. 102/18 Oos ftorfeD. ISvert k Kütelmannj -r—> Bankgeschäft-- 1875* Berlin C 19, Petripl. 4 isfs' — gegenüber d-Petriklrche— [Femspr.: Zentrum 2373, 7103 u. 11541! Uo-üMaufv. Effektes u.Coupßos! Geschfiftszeit 9—3 Verpachtung Polizeiabteilung Hallesche« Tor, Friesen- straße 16, verpachtet«itlchenabstMe. Kartvsfei- schalen, Speisereste usw. Angebote an oben- genannte Adresse bis 28. November 1021 erbelen, _ Berwaltnagsabtetlung. 73htia... v AI. TciUaliig. 5J. Gar. Kranen /«ullllv'OD O an I8M, Zahnz m. Einipr. h. schmerzld. Umarb. scblcchMitz.(ich. Rep. so( Zabna�t Dr. Wolf, potsd.st.S5.Hoehh-stSDrz.9 7 dardetroben für Herren und Damen vom einfachsten bis zum feinstenGenreauf TeUzahlung ßrebler D erzielt durch Inserate im„Vorwärts" höheren Umsatz und damit größeren Nutzen V». Folifelinik f. nnentgeltiicrie SeratnnB für alle Haut, üeschlechtakrankbeiten, Syphilis, HarnrSlirenlelden, fnsen u. besonders veraliet, etc. nervSse StSrungen, MannesschwHche. Haarauskall usw. jeden üiensiack u. Donnerstag II— I. 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Kennwort:»Für die Opier", Verfasser: Arch. WMIeno und Sladtdaumeistcr Nnßdaum, Köln Ferner emvfahl das Preisgericht den Anlauf folgender Entwürfe zum erhöhten Prelle von st 1000 M.: L Kennwort!„Mutter. Heimat", Verfasser: Vlldhaucr Pros. Emil Eauer und Bildhauer Rodert Laake, Berlin. 2, Kenn- wart:.Der Dank", Verfasser: Bildhauer Paul Kuhnie und Architekt H, Hein, Barmen. 3, Kenn- wort:„Walhall", Bcriasser: Arch. Hans Müller, Paderborn. Alle Entwiirie werden vom 23. No- oember bis 10. Dezember 1921 im Stadtverordnelen- sitzungslaal des neuen Rathaust« in Bielefeld össentiich ausgestellt. Die Verfasser der nicht preis- gekrönten oder angckausten Eniwiirfe weiden gebeten, bis 10. Derember dem Magistrat Bielsield anzugeben, an welche Anschrift sie ihre Eittwllrse tick haben wollen. Das Preisgerlchk. Der Porsttzende: vberbürgermeister Dr. Stapruhorst. zur: \r Wäsche-Kof iioLelbhausliorllzpLSea verkauft staunend billig Semd,, Beinkleid., Betl- dezllae, große Teppiche, Nwlstl.-«ard,, Stepp, u Diwandecken, Daunen- dett. Nur Geiegenbeits. tiiilke, KeliieLvmbardw Loedea erscllienea! Soeben erschienen! Als Heft 10 der Flugschriften der Kommunistischen Internationale E. VARGA Sleuerfraaen und Steuerpolitik Inhalt: Steuern und Gesellschaftsformen./ Die Grundbegriffe der Steuerlehre. Die Frage der Abwälzbarkeit von Steuern./ Die Steuerpolitik der Sozialdemokratie./ Die Grundlagen der Steuerpolitik der kommunistischen Parteien, 24 Seiten. Zu beziehen durch Preis 30 Pf. Carl ffoym Nachf. Louis Cahnbley, HAMBURG 11 anliaiitistelie Osten GrQnerW!] SO zahlt Taaesoreise für Rapier, Messinu Biel Zink etc. Aui Teilzablnngl Z Anzlige a. Paleiols in moderner Ausführung für Herren DnäßiirsEben Prima Verarbeitung! Slolzmann Belle-Alliance-oir 100 Eing. i. 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