Nr. SSI ♦ Z6. Jahrgang ?wsgade IS Nr. 27$ Bezugspreis» »iert»Iiat|rL3a- SDt, monatl. II— SR. kei ins Sau», ooraa»»ohlbar. Postbezug: Monatlich 12,- M. einschl. Zu» slk!I»»g«gediil,r. Unter»reiizdanb tllr Steutschland. D in» g. da« Saar- und ILemelgebiet, sowie die ehemal» deutschen fficblete Polen» Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 22,- SM., füt da» übrige Ausland 2»,- SDl Post- destellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho- Slowakei. Däne» mark. Kolland Luxemburg. Schweden und die Schwei». Der.Borwärt»" mit der Sonntag»- beilag».Boll und Zeit- der Unter» ha.tungsbeilag».Heimwelt- und der Beilage.Siedlung und«leingarten- erjchem» wocheniiiglich zweimal. Sonn» tag» und Montag« einmal. Telegramm-Adrege: «Jazia.demolrat Berlin- Abend Ansqnbe Oerlinev DoIItölilatt ( 30 Pfennig) SlnzeigenpretS: Die zehngespallene Nonpareillezetle lastet 7.- M.„ftlelne Anzeigen" da»>ellgedrulite Wort 3,— Üli.(»u» lässig zwei setigedruckte Wortes, jede« «eitere Wort 1,30 M. Stellengesuche und Echiatstellenanzeigen da, erste Won 1.30 SM. itdc* weiter» Wort L— M. Worte übet 15 Buchstaben jälslen silr zwei Wort». flamtlien-An» zeigen für Abonnenten Reil» 4— SM. Die Preise verstehen sich»inschUesjlich Teuerung».Uschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bi« 4'/, Ahr nachmittag« im Houptgeschäst. Berlin SW W. Linden- straste st. abgegeben werden. Deossnet von 9 Uhr iriih vi» 3 Uhr abend». Zentralorgan der fozfaldemoltratirchen partei Deutfchlands Neöaktion und Expedition: CW 6$, Lindenstr. 3 Se-rnthrerfie-p- Redaktiou Moribplav 151115—97 ,hcrn,prrn,er.(j.Jct,f6üil,1, �orißpiati 11753-54 vorwärts»verlag G.m.b.H., SW 08, Lindenstr. 3 Zke-e-eetmu�etH-rt- Verlag,«rvedition»nd Inseraten» ,>rrn,prrn,rr. Morinpla» 11753-54 Englanü prüft öle Reparationen. Varl». ZS. November.(WTV.) Dem„Jourtiol" wird aus London berlchket, man erwarl- dort in der kommenden Woche den englischen Botschafter in BerNn, Lord d'Abernon, nnd den Berlrekcr Englands der Reparalionskommission. Bradbury, sowie zwei Sachverständige, die an Ort und Steile die deutsche Aimmz- tage studiert hätten. Der D.'rlchterstatker sagt, wenn er gut unterrichtet sei, wolle die englische Regierung die Mittel prüfen, durch die man Deutschland für die Regelung der Reparationssrage bei- stehen könne. London, 2S. Rovember.(WTB.)„Morningpost" berichtet, dah Dr. R a t h e n a u und Dr. Simons heute in London eingetroffen sind..Downing Street" stellt die Metdung eines Der- liner Blattes, wonach Lloyd George mit Stlnnes zusammengekom- wen sei. in Abrede. Gberscblesien üem Entente-Kapital! London, ZS. Rovember." Zeninm,....... 78914 95 000 Temotroten...... 83660 83000 reutlcbe Bolttpartri... 68 903 94 000 Denlicbnotiovale.... 249 66 83 000 Drlsilcher Baurrnbund.. 84 281— Die Mandate verteilen sich demnach sc>: Sazialdemo» k raten 21, Zentrum 12. Demokraten S, US?. 2, KPD.?, Deuts'be Volkspartei 11, Deutschnasionale 1, Vauernbund 19. Die alte Regicrun.-.zkaalition hat also mit 49 Mandaten gegen- über 39 der Opposition immer noch eine Mehrheit von 19 Sitzen. Bei Betrachtung der Wahlziffern fällt, wie schon andernorts, der katastrophale Zusammenbruch der Unab- hängigen auf. Im Juni 1929 zählten sie für sich 73 909, mit den Kommunisten 76 999 Ssimmen. Heute haben die Un- abhängigen nur noch 15 797, die Kommunisten 18 384 Ssim- men! Sie haben also beide zusammen weitmehr alsdie Hälfte der Wähler abgeben müssen, die wieder ins Lager der Indifferenten zurückgesunken sind. Die Sozialdemo- k r a t i e marschiert immer noch bei weitem an der Spitze der Parteien. Unsere Genossen hatten ihre Kandidatenlisten nach den Hessssiben Provinzen aufgestellt, während Unabhängige und Kommunisten Landeslilten aufgestellt hatten. Van den saziaOemokratischen Abgeorbneten entfallen auf He Provinz Stakayhur� 1Z, auf Rheinhessen 6 und auf Oberhessen 4. Die beiden Nechtsvarteien hoben eine dritte Konkurrentin in der sogenannten„dreien Da"crnsihast"«rb-Uen, die eine Mirtschaftlick'e Absplitterung von den Deutschnationalen ist. Diese ne"e Gri'pps hat über 64 999 Ssimmen von den insge- samt 85 990 erhalten, die die Rechtsparteien einbüßten. Sozialistischer Wahlerfolg in Zwickau. Zwickau, 28. November.(Eigener Drahtbericht.) Bei den Stadtverordneten wählen am Sonntag haben die B ü r- gerlichen im Gegensatz zu den Wahlen in anderen sächsischen Großstädten eine empfindliche Niederlage erlitten. Zhre bisherige Mehrheit von 19 gegen 17 Stimmen, die sie feit der Re- oolution unerschütterlich behalten haben, ist gebrochen worden. Lei den Sladloerordnetenwahlen am Sonntag wurden 19 102 fozlaidemo- kratische und 18 652 bürgerliche Siimmen abgegeben. Die Rechls- und Linksparteien bekommen je 18 Mandate. Gegenüber der am 14. Dezember 1920 staltgefnndenen Landlagswahl haben die bürger- lichen Parieien infoig« fiärlercr Wahlbeteiligung zusammen 896 Stim- mcn gewonnen, die soziallstischen Parieien aber 3505 Stimmen. Besonders gut hat die Sozialdemokratie abgeschnitten; sie erhält 12 Mandate nnd 12603 Stimmen; das sind 1400 mehr als bei der Landlagswahl und 2500 Stimmen mehr als bei der Reichstags- wähl am 6. Zuni 1920. Besonders bemerkensweri ist dieses Ergebnis insofern, daß diesmal noch 100 Stimmen mehr auf die Sozialdemo- kraNe fielen als bei den Stadtverordnelenwahlen anfangs 1919, wo nach der Revolution in einem gewissen Rauschzustände säst alles sozialistisch wählte. Wah!en in Mecklenbura. Rostock. 28. November.(Eigener Drahtbcricht.) Bei den Stadtverordnetenwohlen in Rostock wurde der B e st a n d der Sozioldemokrotie behauptet. Es erhielten Stimmen: SPD. 10 795(ooraussichtlich IS Mandate), USP 443 — früher 7—(kein Mandat), KPD. 3212(5), Mieterverein 2796 (5), Hausbesitzer 2115(3—4), Wirtschaftsbund 1335(2), Demo- kroten 1154(2), Deutsche Dolkspartci 3315(14—15), Deutschnatio- nalen 5275(S). In Warnemünde wurden 3 Sozialdemokraten und 3 Bür- gerliche gewählt. Neues Zeitungsverbot. Der preußische Minister des Innern Severing hat das tn Berlin erscheinende Organ der KAPD. ,di«„Kommunistische Arbeiterzeitung", für die Dauer einer Wache und die Wochenschrift„Der Kampfruf" für zwei Wochen, das heißt für die Zeit com 27� November bis zum 10. Dezember einschließ'ich. verbolen. Anlaß zu dem Verbot der beidrn kommunistischen Organe ist ein„Aufruf an die Protelarier". in dam offen zur Gewalt aufgerufen wurde. Außerdem soll nach 8 130 des Rsichsstrafaefetzbuches die gericht- liche S�rafveriolgung in die Wege geleitet werden, da durch die be- anstandet«« Zeltungsau�nife in einer den öffentlichen Frieden gs« fähriOenden Weise verschiedene Klassen der Berölke'ung zu Gewalttätigkeiten gegen«inander öffentlich aufgereizt werden. Die kpd. verurteilt... Geständnis und Versprechen der Besserung. Es gibt noch Ueberraschungen. Die„Rote Fahne", die vorgestern log, die Behörden hätten die Märzaktion angezettelt, und die sich gestern mit E b e r l e i n identifizierte, bringt jetzt, am Sonntag, einen Leitartikel von I. W a l ch e r, der folgen- des reumütiges Bekenntnis enthält? Die Kommunistische Partei wird schon deswegen durch die Der- öffentlichungen des„Borwärts" keinen Schaden leiden, weil sie frei- mütig die Fehler der Märzaktion eingestanden und in zähem und leidenschaftlichem Ringen daraus die praktischen Folgerun- gen gezogen hat. Wir dürfen da» um so befriedigender feststellen, als wir von Anfang an der Märzaktion ablehnend gegenüberstanden. Darüber, daß es sich in den verössentlichten Berichten um phantastische Uebertrcibunqen handelt, ist kein Wort zu verlieren. Un- gleich wichtiger ist, daß mit jener Ausfassung, die glaubte, man könne proletarische Massen zu revolutionären Aktionen zwingen und die tatsächlich tn der Märzaklion vorhanden war, in der Kommunistischen Partei rücksichtslos gebrochen wurde. Das ist einmal etwas ganz Neues. Bis jetzt wußte man nur, daß Levi und Konsorten als„Sozialverräter" aus der Partei ausgeschlossen worden waren, weil sie an der ver- brecherischen Märzpolitik der KPD.-Zentrale und der„Roten Fahne" Kritik zu üben wagten. Jetzt aber hat die Zentrale ihre Fehler„freimütig eingestanden" und mit ihnen„rücksichts- los gebrochen". Jetzt gibt man zu, daß man im März den Versuch gemacht hat, die Arbeiter in den Bürgerkrieg zu zwingen und verspricht, es nicht wieder tun zu wollen. Ob dieses Geständnis und dieses Versprechen der Besse- rung mehr ist als ein neuer Schwindel, wird man ja bald sehen. Man wird bald sehen, ob die„Rote Fahne" jetzt die durch und durch verlogene Hungerstreikhetze und die systema- tische Verleumdung aller putschfeindlichen Elemente in der Ar- beiterbewegung aufgeben wird. Wahrscheinlich ist das nicht. Lügt sie doch in derselben Sonntagnummer, indem sie ihr Mter peceavi spricht, infolge der„Denunziationen" des „Vorwärts" stünden neue gerichtliche Kommunistenverfolgun- gen bevor. Dabei weiß doch heute jeder Mensch, daß das Ver- fahren nicht infolge untrer Veröffentlichungen eingeleitet worden ist, sondern daß diese aus dem Material stammen, auf das sich das längst eingeleitete Verfahren gründet. Im übrigen haben unsere Veröffentlichungen den Erfolg gehabt, daß sich in der ganzen Presse, bis weit nach rechts, der Ruf nach einer Amnestierung der irregeführten Opfer erhebt. Diesen ist durch unsere Veröffentlichungen ein wirklicher Dienst geleistet worden, während die Hunger- streikbetze der Kommunisten ihr Elend nur noch vermehrt hat. Material haben w i r dem Staatsanwalt nicht geliefert. Was wir brachten, kannte er längst. Das Geständnis der „Roten Fahne", man habe im März die Massen zu„revo- lutionären Aktionen" zu zwingen versucht, ist das erste neue Belastungsmaterial, das ihm feit Beginn un- serer Beröffentlichungen zugewachsen ist. 9 Während die Kommunisten sich weiter mit der Behauptung lächerlich machen, daß wir die Begnadigung der Gefangenen aus der mitteldeutschen Märzaktion hintertreiben wollten, können wir in immer stärkerem Moße feststellen, daß wir mit unserer Beröffent- lichung, wie vorauszusehen, den Gefangenen den größten Dienst erwiesen haben. Nachdem schon der deutschnationale „Tag" auf Grund der Eberlein-Dokument« für die Begnadigung der verführten Opfer eingetreten ist, nachdem sich welter dos bürgerlich- demokratische„Berliner Tageblatt" diesen Ausführungen angeschlossen hat, schreibt jetzt die deutschnational-volksparteilich«„Tägliche R.u n d s ch a u": Kein Zweifel: nachdem die Hauptschuld der Rädelsführer der- artig an den Tag gekommen, erscheinen die Verfehlungen und Ausschreitungen der Mitläufer tn milderem Lichte. Be- trachtet man die Dinge rein menschlich, so wird man die blutigen Taten manches beteiligten Rotgardisten weniger scharf beurteilen, wird das Schicksal manches Eingekerkerten in gewissem Sinne tragisch nennen müssen. So dient eine derartige Enthüllung end- lich einmal letzten Endes einem humanen Zweck. Der Regierung erwächst die Pflicht, die einzelnen Fälle der Verfehlungen genau iu prüfen und dort Gnade vor Recht ergehen zu lassen, wo die Rtilschuld an der Märzaktion ans unmittelbarer Verführung durch jene verbrecherischen Hetzer beruht.... Danach können wir feststellen: Die Cberlein und Genossen hätten die Begnadigung der Gefangenen läng st erzielen können, wenn sie den Mut gehabt hätten, öffentlich ihre Schuld einzu- g e st e h e n und sich als die wirklichen B e r fü h r e r statt der Verführten zur Bersügung zu stellen. Aber dazu langt es bei den Herrschaften nicht, die von der wirklichen Verantwortlichkeit politi- scher Führer nichts wissen. Ein bißchen auf Trillerpfeifen spektakeln — das ist freilich angenehmer und bequemer! » In ihrer grenzenlosen Verlegenheit sucht die„Rate Fahne" sogar die Erklärung der Regierung über die bisherige Zurückhaltung des Ebcrlcin-Materiols zu der Beschuldigung gegen den„Vorwärts" aus- zunutzen, daß wir die Führer der KPD.„denunziert" hätten. Dabei ergibt die ErNärung der Regierung folgendes: Der Staatskommissar Hot das Material bereits o m 8. Juli d. I. in Händen gehabt. Am l 6. A u g u st ist es dem Oberreichsanwalt zur weiteren Veranlassung übergeben worden. Die Behörden wissen also seit Mo- naten alles, das Strafverfahren ist seit mehr als einem Vierteljahr in Gang. Nun behauptet die„Rote Fahne", das Verfahren fei erst jetzt eingeleitet worden, um den Veröffentlichungen des„Vorwärts" einig«.Existenzberechtigung" zu geben. Aber auch hier verhält sich die Sache genau umgekehrt: der Oberreichs- anwalt hat die Veröffentlichung des Materials gestattet, als er eine Gefährdung des schwebenden Strafverfahrens in der Veröffentlichung nicht mehr erblickte. Das Verfahren ist nicht in Fluß gekommen, weil das Material veröffentlicht worden war, sondern das Material ist veröffentlicht worden, weil das Material in Fluß gekommen war. Die sinnlose Verlogenheit der„Roten Fahne" zeigt sich am besten darin, daß sie im Anschluß an die Regierungserklärung, in der aus- drücklich steht, daß da» Material dem Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtag» noch nicht vorgelegt werden konnte, als Tat- fache behauptet, daß da« Material dem Untersuchungsausschuß freigegeben worden seil Welche Bestürzung muß in der Re° daktion der„Roten Fahne" herrschen, daß so etwas möglich ist. Die Keutschvölkiscken deutschimtioncdeti. Die Parteivertretung der Deutschnationalen Volkspartei beschäftigte sich dieser Tage mit Anträgen, die sich auf die Stellung der Partei zur„völkischen Frage" bezogen und der Parteivertrewng von dem Münchsner Parteitag zur Beratung überwiesen waren. Folgender Beschluß wurde gefaßt: „Unter Abstandnahme von Aenderungen der Satzung und der Grundsätze der Partei ist der Vertretertag überzeugt, daß sowohl die Parteileitung wie die Fraktionen und Landesverbände in der praktischen Arbeit klar und mit aller Eukschiedenheit auf dem Boden de» deutschvölNscheu Bekenntnisses stehen und, wie bisher, so auch ferner, die Partei von jedem jüdischen Einfluß srei halten werden." Dies« Entschließung bedeutet einen glatten Sieg des extremen r e ch l e n Flügels der Partei, der unter dem Namen der„De'.ttschnölkischen" eine besondere Gruppe bildet. Indem sich die ganze Partei dem deutschoölkischen Be- kenntnis anschließt, dokumentiert sie. daß die Extremisten um Wulle, Reventiow und Genossen völlig die Oberhand in ihr gewonnen haben. Kulturarbeit und Natwnalitätenkampf. Unser Aufsatz„Dänische Kulturarbeit" hat in der schles- wigschen Presse einige Verwirrung angerichtet. Erfreulicher- weise wird auch in der rechtsgerichteten Presse Schleswigs, soweit sie ernst zu nehmen ist, anerkannt, daß Dänemark in Rordichleswig wirklich Kulturarbeit leistet. Doch dann kommt der Pferdesuß.„Di« Dänen, so heißt es, leisten diese Kultur- arbeit gar nicht um ihrer selbst, sondern um der Auf- saugung de« Deutschtums willen? Das ist von uns auch gar nicht bestritten worden. Im Gegenteil, diese Frage ist der Angelpunkt des Problems. In unserem Aufsatz hieß es ausdrücklich, daß es sich bei der dänischen Kultur» arbeit in Nordschleswig um einen Nationalitäten- k a m p f handelt. Wir halten die dänischen Kampfmethoden für weitaus gefährlicher als jene Mittel brutalen Zwanges und nationalistischer Scharaden, wir halten es aber deshalb auch für unsere Pflicht, die Oeffentlichreit darauf aufmerksam zu machen. Wir wissen, daß dasDeutschtuminSchles� w i g, das unter dem Balutastand ungleich schwerer leidet als die Vinnendeutschen, den Dünen gegenüber einen ichweren Stand hat. Im Kampf mit den Waffen des Geldes sind wir unterlegen, das ist richtig; im Kampf mit den geistigen Waffen hingegen können wir Sieger bleiben, wenn wir den Blick auf das Ganze richten und unsere Kräfte nicht im K l e i n k r i e g über Grenzplackereien verzetteln. Und hier können wir unserem Flensburger Bruderorgan nicht recht geben, wenn es meint, die dänischen Erfolge seien in Wirk- lichkeit Erfolge der dänischen Valuta. Ohne Zielbe- wußtsein. Kultur- und Stammesgefühl, ohne Arbeit des Geistes leistet man derartiges nicht. Das aber ist Aufgabe Stuöentisthe?ugenö von heute. Die letzte Exzesse deutscher Korpsstudenten in Hamburg und Dresden, die in einem Herabholen und Besudeln der Reichsflagge gipfelten, haben Hermann Wendel in der„Glocke" zu einer kräftigen Gegenoffensive veranlaßt. Er, der selber einmal fröhlicher Bursch gewesen ist, erinnert an die große Vergangenheit der deutschen Studentenschaft, die einst für freiheitliche Ideen kämpfte und litt, und stellt ihr dann die armselige, entartete Nachkommenschaft von heute gegenüber. Erbärmlicher find nie große geschichtliche Ueberliefrnrngen verleugnet worden, schreibt Wendel, und kläglicher ist nie im Lauf« eines kurzen Jahrhunderts ein« anfangs durch Jdeenmacht zusammen- gehaltene Gemeinschaft auf den Hund gekommen. Die Urenkel, die jetzt da« schwarzrotgoldene Band tragen, stehen stramm auf der Seite der Metternich und Kotzebue, und der oermuffte Wachtstuben- grist der„Kamptz- und Schmalzgesellen", deren Elendigkeit die Ur- großväter Pcreai um Percat gebrocht hatten, ist ihr Geist; von diesen faden Gesichtern liest man auch nach dem aufwühlendsten und umwälzendsten Erlebnis aller Menschheitsgeschichte dos furchtbare Wort ab: Nichts gelernt und nichts vergessenl Erdteile sind wider einandergeprallt, Reich« haben sich aufgelöst, eine alle Gesellschasts- ordnung liegt im Sterben, die Welt ist ganz und gar aus den Fugen, ober daß ein Verbindungsstudent fein« Ehre schändet, wenn er in „Couleur"«in Paketchen über die Straße trägt oder eine Bedürfnis- anstalt aussucht, ist unerschüttertes Gesetz. Unberührt und ver- stöndmslos gehen die Urenkel der Freiheitskämpfer von einst durch diese Zeit; sie wälzen sich, namenllich auf den Korpsfesten, in üppiger Schlemmerei, während Deutschland hungert und darbt; sie erproben mit Schlägergefuchtel ihren männlichen Mut, während Mit- lionsn von„satisfakttonsunfähigen" Proletariern vier Jahre lang im Schützengraben gegen ganz andere Waffen„auf Mensur" ge° standen haben; sie machen— sieh«„Allgemeiner Deutscher Waffen- ring" und dl» ihm angeschlossenen 368„deutschoölkischen" Korpo- ratione»— in blöder Jubenhetze; sie haben bei jeder offenen und geheimen reaktionären Organisation ihre Hand mit im Spiel, und die grauenvolle Tat von Mechterstädt ist nur ein Ausfluß des verbissenen und hochfahrenden Geistes, der in der Masse des Volkes den Feind erblickt. Wer angesichts dtefer Erscheinungen von einem in die Irre gegangenen Idealismus spricht, hat nie in das Innere dieser blo- fierten unjungen Jugend geschaut, bei der statt überschäumenden Drangs die Korrektheit mit durchgezogenem Scheitel Prinzip ist. Idealismus heißt Hingab» an«in Ideal Aber was für etn Ideal pflegen die bunten Mützen und die ihnen nachäffen? Den Ludendorfs- geist, alfo die seelenloseste, geistörmste, platteste Feldwebelgesinnung und Gvvoltanbetung, die sich überhaupt denken läßtl Was wissen sie von der Monarchie? Daß unter ihr„gute Beziehungen" durch eines ganzen Lölkes, das feine Grenzland genossen nicht im Stiche lassen darf. Uebelgenommen hat man es uns, daß wir mit den Licht- nicht auch die Schattenseiten der dänischen Durchdrin- gungspolitik in Schleswig erwähnt haben. Uns sind die ein- zelnen Fälle von Ausweisungen, Beamtenbedrängungen, Un- gerechtigkeiten in Schulfragen und um was es sich sonst handeln mag. sehr gut bekannt. Sie sollen keineswegs beschönigt werden. Aber diese Fälle liegen teils weit zurück und sind im allgemeinen auf den Unverstand untergeordneter Stellen zurückzuführen, so daß man sie in die große Linie der däni- schen Politik nicht mit einbeziehen kann. Allerdings ist es die Aufgabe der dänischen Regierung, alle diese Fällescharfzuverfolgen. umzu verhindern, daß die Achtung vor dem dänischen Kulturwerk verringert wird. Die Ausführungen des Abg. Schmidt-Wodder im Folke- thing verdienen in dieser Hinsicht ernste Beachtung. Im übrigen ist es empfehlenswert, sich bei derartigen Gelegen» Helten mit dem dänischen Bolke unmittelbar in Verbindung zu setzen. Der Führer der dänischen Sozialdemokratie Stau- n i n g hat sich z. B. bereit erklärt, sich der deutschen Minder- heit anzunehmen, wo immer ihr ein Unrecht geschieht. Ein Hand-in-Hand-arbeiten zwischen zwei Bölkern braucht durch- aus keine Aufgabe des eigenen Volkstums zu bedeuten; ein friedliches Nebeneinanderleben ist beiden Parteien auf die Dauer am dienlichsten._ Wtttfchaftsreferenten bei üeaGberpräjlüien Wie die PPR.melden, hat der preußische Innenminister S e v e- r i n g im Anschluß an seinen kürzlich ergangenen Erlaß an die Ober- Präsidenten der preußischen Provinzen ein Rundschreiben gerichtet, in dem unter Bezugnahme auf den Erlaß vom 14. September d. I. ersucht wird, soweit dies nicht schon geschehen sei, einen der Re- ferenten bei jedem Oberpräsidenten„tunlichst mit der ausschließlichen Bearbeitung der Wirtschaftsangelegenheiten zu be- trauen und durch diesen unter Gewährleistung einheitlichen Ber- fahren? in der Provinz bei allen grundsätzlichen Maßnahmen ständig Fühlung mit Vertretern der Landwirtschast, des Handels, der Ge- nossenschaften und der Derbraucherkreise halten zu lassen". Rückschlag am Devisenmarkt. An der heutigen Börse zeigte sich am Devisenmarkt eine deutliche Reaktion auf die Vorschläge der Ameri- kaner, auch in der Washingtoner Konferenz die Alliiertenschul» den herabzusetzen, Deutschland zur Konferenz einzuladen und das internationale Finanzproblsm demnächst zur Erörterung zu bringen. Außerdem kursierten Gerüchte über eine bevor- stehende Freigabe der Hälfte der deutschen Guthaben in Ame- riko. Infolgedessen verkehrte der Devisenmarkt in großer Zu- rückHaltung. Das Angebot überwog. Ueber Mittag wurden Dollarnoten etwa mir 278 gehandelt. An der Effektenbörse war man sehr verstimmt über den Antrag Irl im Reichswirt- schaftsrat, der auf eine Erfassung der Börsengewinne an der Quelle hinzielt. Infolgedessen überwogen auch hier die Kurs- aussebungen und besonders stark angeboten wurden ober- fchlesische Papiere._ Gefterrelchs Sozlalifteatag. DaS f�manzprogramm der Arbeiter. Wien. 27. November.(Intel) Die Sonntagssitzung des sozial» demokratischen Parteitage» eröffnete ein Referat E l d e r s ch« über die wirtschastllche Lage und die Finanzpolitik de? Repu- blik. an da» sich Ausführungen von Dannenberg. Freundlich und Otto Bauer zum Steuerprogromm anschlössen. Folgend« Resolution gelangt« zur Annohme: Angesichts der Geldentwertung, welche die Bolkswirtschaft der Katastrophe zutreibt, haben die Organisationen der Arbeiterschaft beschlossen,«inen Finanzplan auszuarbeiten. Cr ist kein Programm einer sozialistischen Finanzpolitik, iias unter den gegenwärtigen Machtverhältnissen unausführbar wäre, sondern enthält eine Reihe von Vorschlägen, welche im Rahmen der bürgerlichen Gesellschaft durchführbar sind und welch« die Wir- kung hätten, die B anknoteninflation, die Haupturfache de? Zugehörigkeit zu einer Verbindung für den Aufstieg zu den Staats» ämtern und-würden wichtiger waren als olle Begabung und Eig- nungl Was wissen sie von der Republik? Daß die„alten Herren" der Bonner Borussen und Heidelberger Saxoborussen nicht mehr das Monopol auf die Ministerposten haben und Leute ohne Assessoren- Prüfung in die Verwaltung gelangen! Dos genügt ihnen, um diese Staatsform zu verabscheuen und jene zurückzuwünschen. Weil sie im Gegensatz zu ihren Urgroßvätern Söhne einer fattgewordenen Klasse sind, die ihren ererbten Platz am Futtertrog behaupten wollen, deshalb sind sie monarchistisch und kaisertreu, deshalb bilden sie einen gefährlichen Stoßtrupp der Gegenrevolution, deshalb reißen sie unter Schimpf- und Schmähreden die schwarzrotgoldenen Fahnen herunter._ Trianonlheater. Auf der Suche nach einem französischen Schwank — wo wurde er gerade jetzt auf deutschen Bühnen nicht gesucht?— Ist das Trianontheater auf den nicht mehr ganz jugendlichen Bier- akter von Georges Fcydeau verfallen:, Kümmere dich um A m e l i e!" Dieser kategorische Imperativ hat schon vor einem Jahrzehnt im Residenztheater Triumphe gefeiert, die jetzt im Trianon erneuert werden. Die Erstaufführung unter Leitung von Eugen Burg war von so quirlender Beweglichkeit, so voll innerer Lustigkeit, daß'die Beziehung zwischen Bühne und Hörer im Augenblick her- gestellt wurde. Der Inhalt? Französisch. Amelie ist die„Freundin" ihres Freundes, der sie seinem Freunde zur Obhut anvertraut, als er für wenige Wochen den Zivilrock des Wechselmaklers mit der Uniform des Reserveoffiziers vertauschen muß. Der Freund des Freundes ist zudem in Nöten. Er will die Erbsumme abheben, die ihm sein Vater hinterlassen hat. Aber der Onkel aus Holland wacht über den Depotschein. Er muh also heiraten oder dem Onkel die Braut und die Heirat vortäuschen. Dabei muß Amelie ihm helfen. Wie diese Scheinehe zur wirklichen Che wird, von ihr dann gleich wieder die Scheidungsklage folgt— das alles ist von so drastischer Komik, umrankt von oft erschütternd unsinnigen Episoden. Spiel- leiter Burg gab den glücklichen Scheinorautigom und unglücklichen Ehegatten, Olga Limburg die Amelie. Beide tragen die Auf- iührung, ibr Zusammenspiel bietet feinste Nuancen. Aus der großen Zahl der Mitwirkenden ragen F. W. Kaiser, Huoo Flink und Erich Sandt hervor, nicht zu vergessen Wilhelm Bendow, der einen trefflichen Dümmling auf die Bühne stellt«. K. Das ßehelmnisvollfle Tier der Welt. Als das größte Geheimnis der heutigen Tierwelt hat der australische P l a t n p u s zu gelten, der nur im Innern dieses Erdteils vorkommt und von dem zum ersten Male vor kurzem zwei Junge nach Sydney gebracht wurden. Der Direktor des Gndncner Zoologischen Gartens A. S. Le Souef macht Miteilungen über dieses merkwürdige Tier. Wie merkwürdig es ist, geht schon aus der Beschreibung her. vor, nach der es Eier l-rt wie ein Vogel, in einem Beutel groß. gezogen wird wie das Känguruh, einen breiten Schnabel hat wie eine Ente, mit einem prachtvollen Velz bekleidet ist und Klauen mit Schwimmhäuten hat, die bei den Männchen mit Giftdrüsen bewehrt sind. Ein« überraschend« Entdeckung ist die, daß der männlich« Pla- Geldentwertung, einzudämmen. Alle Organisallouen der Arbeiterbewegung Deuisch-Oeslerreichs sind verpflichfet, liefe Akllon in ihrem Wirkungskreis tatkräftig zu unterstützen. Es werden gefordert: 1. Die Reallöhne der Arbeiter und Angestellten dürfen durch den Abbau der Lebensmittelzuschüsse, die die Regierung bis- her geleistet hat, keine Kürzung erfahren. 2. Die Entschädigung der Arbeiter und Angestellten für den gegenwärtig an ihre Kinder geleisteten Staatszuschuß zur Ber- billigung de? Lebensmittel ist durch eine im Anschluß an die Kran- kenoersicherung zu organisierende Kinderoersicherung sicher zu stellen. 3. Für die Dauer der Unbeständigkeit des Geldwertes find die flaallichen Lebcnsmillelverteiluugsorganisallonen unbedingt aus- rechlzuerhalkeu. um die Derleiluug der Aliudestralloueu zu gewährleisten. Zum fünften Punkt der Tagesordnung referiert» Friedrich Adler. Er führte aus, die Internationale Arbeitsgemein- s ch a s t Sozialistischer Parteien habe sich seit ihrem ersten Kongreß konsolidiert. Neue Parteien strömen uns zu. So hat sich jetzt in Polen eine USP. gebildet. Die Dritte Internationale hat es verstanden, ihren Einfluß aus die Massen ebenso rasch zu verlieren, wie sie ihn gewonnen hatte. Wir sind eingekeilt zwischen dem Reformismus der Zweiten und dem Revolutionarismus der Dritten Internationale. Die Zweite Internationale hat demokratische Illusionen, die Dritte neigt zum Putschismus. Was uns von der Dritten Internationale trennt, sind nicht Fragen der Taktik, sondern die Perspektive. Nicht alles, was die Dritte Intcr- nationale sagt, ist falsch, so wie nicht alles richtig ist was die Zweite sagt. Wir wollen eine allumfassende Internationale, einen Ueber- bau, eine Akttonsgemcinschast. einen Aktionsausschuß aller sozial! flifchen Parteien. Die italienische Partei und die sozialistische Partei Amerika« wollen dasselbe. Wir müssen uns aber gegen die Ungeduld der Zweiten Internationale(?) wenden. Wenn wir uns heute mit der Zweiten Internationale verbinden würden, so hätten wir damit nichts erreicht. Eine Entschließung, die den Beitritt der Sozialdemokratischen Partei Deutsch-Oesterreichs zur Internationalen Arbeitsgemeinschaft billigt, wurde angenommen. In den P a r t e i v o r st a n d werden gewählt: Adler, Bauer, Eldersch, Ellenbogen, Renner. Reumann, Seih, Skaret. Um 6 Uhr nachmitags wird der Parteitag von Eeitz für geschlossen erklärt. Jascistenterror. Generalstreik der italienischen Tetzer« Mailand, 27. November. Infolge heuchlerischer Ermordung zweier Schriftsetzer durch Fa fristen in Trieft hat der italienische Typographenbund einen vorläufig 2 4 st ü n- digen Proteststreik in ganz Italien beschlossen. Der Zentraloorstand befindet sich in Rom, um vom Ministerpräsidenten Zusicherungen für den Schutz der Mitglieder zu erlangen. Bon den Erklärungen Lonomis wird die Dauer des Streiks abhängig gemacht werden. Der Ausstand beginnt Montag früh, weshalb bis Dienstag Mittag keine Zeitungen erscheinen werden. Mussolini hat die grausame Tat der Fascisten in Trieft selbst bedauert und durch den Borstand der Fascistenpartei eine Untersuchung angeordnet. Kommunistischer Schwindel, vom Bezirksparteisekretariat Iör- litz wird uns geschrieben: Die„Rote Fahne' meldete in Nr. 53o, Morgenausgabe vcm 23. November, einmal wieder einen großen Erfolg. In einem kleinen Dorf« Krauschwitz(Ober-Lausitz) sol- ten anläßlich einer KPD.-Derfamnttuna von 46 Mitgliedern der SPD. 42 ihren Austritt erklärt haben! Weiter wird g-schlußfo'qert, daß nunmehr an Stelle der SPD.-Ortsgruppe eine KPD.-Orts« gruppe treten wird.— Wahrheit ist. daß in einer kommunistischen Lersammlung am 17. November in Krauschwitz SS Personen an- wesend waren. Unsere SPD.»Ortsgruppe hott« 7 6 M i t g l i e der, davon 12 Frauen. Nach der eingegangenen Abrechnung sind S Ab- Meldungen und 14 Neuaufnahmen zu verzeichnen, so daß die Mit- gliedschaft seht»4 beträgt. Eine KPD.-Ort-grupp« ist b l» h e u t a nicht vorhanden und von einer Neugründung auch nichts he- könnt. Im Orte befinden sich einige Querulanten, die sich als Anhänger der Kommunisten bezeichnen, aber keine Beiträge zahlen, also indifferent sind. Wer unseren niederschlesischen Be- zirk kennt, weiß, daß KPD. und USP. hier gänzlich abge- wirtschaftet haben, und besonders das zeitweilig« Auftreten der KPD. nur noch humoristisch genommen wird._ typus das Gift seiner Klauen niemals gegen den Menschen ver- wendet, sosehr er auch von diesem gereizt werden mag; diese Waffen scheinen allein für den Kampf der Männchen untereinander vor- gesehen zu sein. Die Tier« schwimmen unter Wasser und legen sehr seltsame Bauten an, die von den Weibchen gemacht werden und ihre Anlage augenscheinlich der Absicht des Tieres verdanken, sedcn Feind zu täuschen und in die Irre zu führen. Bor dem Eingang in den Bau geht zunächst ein Erdtunnel ins Innere und von diesem zweigt sich ein blinder Gang, eine Art Sackgasse, ab, die in einem kleine" Raum endet. Ueber dem Eingang in diese Sackgasse ist der Tunnel mit einem Lehmpflock verschlossen, der den Fortgang des Baues ver- birgt und dem eindringenden fremden Tie? vortäuscht, der Bau sei hier zu Ende. Entfernt man diesen Verschluß, so geht der Tunnel fort und zweigt dann wieder in eine Sackgasse ab. hinter der der Tunnel wieder mit einein Lehißpflock verschlossen ist. Entfernt man dielen und bringt im Hauptgang weiter vor, dann kommt man wieder an einen Pflock, den dritten und letzten. Und dieser ist die Tür zu dem eigentlichen Nest des Platypus, in dem�er feine Eier ablegt. Die Lehmpflöcke, die die verschiedenen Teile des Baues ver- schließen, werden von dem Platypus jederzeit, wenn er hineingeht oder herauskommt, entfernt und wieder an die alte Stelle gesetzt. Dem Transport dieser Tiere noch Europa stehen große Hindernisse entgegen, doch hofft man, sie allmählich uberwinden, und es sind bereits riesige Summen für lebendige Exemplare geboten worden. Dostosewski-Feier im Schauspielhause. Die Künstlerhilfe für die Hungernden in Rußland veranstaltete am Sonntag im Staatstheate? eine Morgenfeier, die Rußlands größtem Sohne Dostojewski gewid- met war. Stefan Zweig feiert« den Dichter und Menschen als..An- wall des Leidens und zeichnet« mit größter Ehrfurcht das Wesen dieser flämischen Seele, deren Unruhe in einer Hingabe an das Leid als das einzig Schöpferische dieser Welt ihre Ruhe fand. Fritz Korr- ner las mit hoher Kunst aus den„Brüdern Karamafofi". Tills Du- rieux mit ihrer bekannten Virtuosität ein Gedicht Zweig» zum 100. Geburtstag des Dichters und den Schluß der nun schon wirk- lich oft gehörten„Ballade der Zwölf", von Alexander Block. Das Hauvtinteresse fand naturgemäß Waffily Katfchalow vom Moskauer Künstlertheater, der in seiner wohllautenden Sprache einen Hamlet- Monolog und eine Dichtung Dostojewskis sprach— mit prachtvollem Ton und. soweit man von Mimik und Stimme auf den Inhalt zu- rückschließen konnte, mit großer Hingabe und Lebensglut. Do» Ba° lalaika-Orchester Romanoff schloß mit russischen Volksweisen den stimmungsreichen Vormittag. K. Die Trechslerkuul:a«t>!teIIuna im Kmiltgewirle- Muleum. Prinz« Albrccht-Zlraize 7, wird noch bis«intchlietziich Sonntag, den 4. Dezember. geöffnet sein. wros,« volkSoper Berlin. Der ITT. Overnabend im Marmorsaal am Donnerstag, den l. Dezember, ist ein Berdi-Abend. Kentert im Ktrglifter Tchloßvart-Dheater. Hermann Jadlowker gibt am Donnerstag abend einen Lieder- und Arien-Abend. «crictiarfung des Wiener DdeaieritreikS. Der Streit in den Wiener Tbecrte�n dauert fort und bat sich auf das Apollo'Tbkater ausaedehnt. Ein vcrmiUIungSoorichlag der Schauspieler wurde von den Diretlnen ab- gell Hut. Robert Schmidt über die Teuerung. Im großen Saal der Schultheiß-Brauerei(�asenheide) sprach am Sonntag vor einer dicht gedrängten Zuhörerschaft Genosse Robert Schmidt, unser Reichswirtschaftsminister, über die brennende Frage der Zeit, die T e u e r u n g. Es mochten etwa 8500 Personen anwesend sein: bedauern muß man nur, daß die Frauen, die doch das größte Interesse an diesen Fragen haben tollten, gegenüber den Männern recht spärlich vertreten waren. Die Rede Robert Schmidts gestaltete sich zu einer flammenden Anklagerede gegen die Schuldigen an der Not des deutschen Volkes. Schuld sind vor allem auch die alliierten Mächte, die dem deutschen Volk ihren Siegerwillen aufgezwungen haben und es durch zahllose Kommissionen, unter denen sie sich wohl selber kaum zurechtfinden, schikanieren. Die vielgerühmte Kultur des Westens, die sie uns auf ihren Bajonetten bringen wollen, entpuppt sich als die Kultur des uncingeschränklon französischen Mtiiarismus. Und während Frankreich in Waffen starrt, Deutschland enrwaffnet rl, operiert ficrr Driand in Washington mit dem Phantom des „deutschen Schreckens'. Wir aber wissen, daß das deutsche Volk n i ch t q e n e i g t ist, sich abermals durch gewisscnlose Leute in Aben- teuer hineinheßen zu lassen, wie sie einem Briand vorschweben. Aller- dings hat die deutschnotionale Bewegung keit einem Jahr mehr zugenommen, als dies der internationalen Stellung Deutschlands dienlich ist. Aber gerade die Deutschnotionalen sind neben der Entente, die durch ihre Reporotionsforderungen den Kurs der Mark hinabtreibt, die anderen Schuldigen an dem jetzigen wirt- schaktlichen Elend. In treffender Weise fertigt der Redner die heuch- lerischen Versicherungen der Deutschnationalen ab, daß sie das Beste �ms Volkes wollten. Unter slürmsichem Beifall ruft er aus: Die- selben Leute, die schon vor 1914 das„S t a h l b a d" eines kom- wenden Krieges priesen und unermüdlich das Verlangen nach beut- icher Mochtentfaltunq stellten, sie sind es. die unfern Besitz zerschlagen und de» deutschen Volkes Vermögen vertan haben! Auf den Trümmern dieses Besitzes klagen wir sie ciu wir, die mir aus den Trümmern heraus den neuen Aufbau vor- uelimen sollen. Auf der anderen Seite kommen die Sieger des t rieges und behaupten' Trotz eures Zusammenbruchs körnt ihr die Krieoskosten sämtlicher Länder bezahlen. Wir verstehen es, wenn ogoesichts der verwüsteten Kulturstätten m Nordfrankreich ein herbes Gefühl drüben bestehen bleibt. Aber eine Gefühlspolitit des chasses wird zur Torheit, wenn wir vor einer Entwicklung stehen, die nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa in seinen Grundsesien zu erschüttern droht. Wir haben uns nach besten Kräften bemüht, die Vervflichtunaen des Londoner Ultimatum» zu erfüllen. Der to- lossale Marksturz war die Folae. die den deutschen Arbeiter zum Lohndrücker der Welt, den englischen und amerikanischen Ar- b-iter z"m Arbeitslosen mackt. Neben dem Druck der Entente i» der Wucher im Unlande eine Hauptursache unserer unglücklichen Wirtschaftslage. Die versrühke Aufhebung der Zwangswirkschast hat zwar die Waren aus den Markt gebrocht, aber den Nichtbe- sitzenden zur Ralioni-rung durch die Grenzen seiner Kaufkraft ge- zwunqen. Bei den Waren, die ans dem Auslande bezogen oder aus ausländischen Rohstoffen hergestellt werden, ist die Preissteigerung v!rch den Dolutasturz immerhin erklärlich. Aber es gibt auch "ebcnsmittel, bei denen dies nicht in Fraae kommt. So sind die �arloffeln auf das vierzigfache gegenüber dem Vreile in der Vor- leiorszeit acstiegen, ohne daß sich dies mit dem Wertsturz der Mark in irgendeinen direkten Zusammenhang bringen ließe. Hier liegt vielmehr eine rücksichtslose Ausnutzung der Konsouktur vor.?m verflossenen Jahre Koben die Wucheraerichte 24 Personen zu Zuchtbaus und 7009 zu sonstigen Freiheitsstrafen verurteilt. Aber mit Strolmaßnahmen allein lassen sich die Folaen de» freien HanMs nicht bekämpfen. Falsch Ist die oft von Ausländern oufgestellte Be> baupwna, daß in Deutschland keine Rot herrsche. Nach den Berech- l-:ngen der Reichsämt-r beträgt die Jnjzerziffer der Lebensmittel- runrmw. wenn man für 1914 die Zahl 100 amrdmnt. jetzt nahezu Gegen 1914 ist der deutsche Fleifchkoufum um 60 Prozent gesunken. die Sknsuhr von Kolonialwaren aus«entger als die Hälfte zurück- gegangen, die von Eiern auf ein viertel usw. Der Redner kritisiert das unverständige planlos« Auskaufen, da« den Zustand noch verschlimmert und verweist auf die Selbsthilfe der o r g a n i- s i e r t«n Konsumenten. Als der Redner vor wilden Aktionen warnt und in diesem Zusammenhang der Enthüllung der kommunistischen Führer durch den„Dorwärts* gedenkt, regen sich die im Saal anwesenden Kommunisten und machen lär- welche Zwischenrufe. Besonders erzürnt sind sie, als Genosse Schmidt die Putschtaktik der Eberlein und Genossen mit scharfen Worten l'-ondmarkt. Wohl aibt es auch Idealisten in der KPD., ober diese "übrer treiben eine Politik, die kein anständiger Arbeiter mitmachen ' mf. Genosse Schmidt ruft die Arbeiter auf. treu zur Sache des Voltes zu halten und das Ziel im Auge zu behalten! den S i e q d e r igzialdemokratifchen Ideen.(Stürmischer, anhaltender Beifoll.) In der Diskussion sprach erst ein Geheimer Realerungsrat Barenthin, der sich als„deutscher Wirtschaftsanwnlt' vorstellte, ebne aber irgendwelche brauchbaren Ideen zu entwickeln. Dann sprach — anffällia kleinlaut— der Kummuntst Thalmann, dem d>e Genossen Schäfer und G r o ge r treffend erwiderten, wobei sie auch auf die russischen Z u st ä n d e hinwiesen. In seinem Schlußwort betonte Genosse Schmidt, daß ein Zusammengehen mit den Unabhängigen zwar angebracht erscheine, mit Leuten aber, die so gewissenlos handeln wie die E k> e r l e i n und N i e ck, aibt es kein Zusammenaeben. Wenn Cberlein auch nur einen Funken von Edre und Anstand im Leibe hätte, müßte er setzt sofort von der politischen Bühne verschwinden. • In den Konkordia-Festsälen sprach Genosse K u t t n e r über die Teuerung. Als er am Schlüsse seiner Ausführungen vor den pvt'chistischen Treibereien der Kommunisten warnt« und in d'csem Zusommenhana auf die Eberlcin-Dvkumente einging, suchten eine Anzahl Kommunisten durch Lärm diese Ausführungen un» möglich zu machen. Die Störenfriede wurden jedoch zur Ruhe gebracht, und unter stürmifck'em Bcilall konnte der Referent der Versammlung darlegen, daß Kommunisten diese Ausführungen aller- dinas sehr unangenehm sein müßten, daß ihnen aber außer Gebrüll keine Widerleoungsmethode zur Verfügung fi->ht da die Echtheit der Dokumente von Ebcrlein und der istoten Fahne" nicht bestritten wird. AbaesSgk! In der„Roten Fahne" fand sich, wie wir schon er- wähnten, ein«"fri'f. der„vroviforischen Körperschaft", nämli» der von den zum Reichssustizminister gesandten„Delegationen" gewählten 'lommiMon. Unterzeichnet war dieser Aufruf u. o. a"ch von einem ..Ernst Mehrmann. Reinickendorf(KAPD.Z". Die„Kommuni'ische Arbeiterzeitung" erklärt nun, daß„unsere Partei mitdieserKo- mödie nichts zu tun hat und der betreffende Genosse mit dielen' Moment sedenfalls aufgehört hat. Mitglied der K A P D. zu sein". Aevifion verworfen. Hauptmann a. D. von K-ss-k, der im März vom Schwurgericht beim Landgericht I in Berlin von der Anklage des Meineids und des Mißbrauchs der Amtsgewalt freigesprochen und nur megen Herausforderung zum Zweikampf zu einer Wache Fe�ungshast verurteilt worden war. hatte gegen das Urteil R e. vision eingelegt. Das Reichsgericht verwarf gestern diese als unbegründet. Aufhebung der ArbeilsdiensspilUN In Rußland. Nach einer Londoner Drahtung des..Temps" traf au« Moskau über Reoal die Nachricht ein. daß die ArbeiispMcht in Rußland durch Erlaß der Volkskommissar» aufgehoben wurde. Der Moröprozeß um! Zu Beginn der heutigen Sitzung legt Staatsanwalt Krause ein anonymes Schreiben vor, das dem Zeugen, Wachtmeister M u n n i, mit der Unterschrift„Ein politischer Agent" zugegangen ist. Darin wird Munni als„Vaterlandsverräter" bezeichnet und ihm angedroht, daß er seine Aussage. Buchholz habe nicht Selbstmord begangen, mit dem Leben zu büßen haben werde. Munni hat keine Vermutung darüber, wer der Schreiber des Briefes fein könnte. Wachtmeister S t o r k e b a u m hat bei Buchholz im Bureau gearbeitet. Er hörte Telephongespräche mit an, in denen Buch» holz um beschleunigte Erledigung seines Antrages auf Zurück- nahm« seiner Entlassung bat. Buchholz äußerte gegen- über dem Zeugen die Hoffnung, daß die Zurücknahme erfolgen werde. Buchholz habe als Kossenführer verschiedentlich aus Ab- rechnung mit Lehmann gedrungen, der für die von ihm zu leistenden Ausgaben immer zu Manatsbeginn einen Vorschuß erhielt. Lehmann aber habe weoen Zeltmangel die Abrechnung oerschoben. Storkebaum hat n'.chf an rinen Selbstmord oeglaubk, weil Vuchholz dazu gar keinen Grund gehabt hätte. Buchholz selber bade nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft gesagt, jetzt würden andere hlneinmarjchieren. Zu Hauptmann Stenn« hat Zeuge gesagt, wenn man gegen Buchholz zu sehr vor- ginge, werde er mit volitischen Sachen kommen, mit den A g e n- tengeschäften. Tarauf bemerkte der Angeklagte Meyer: „Denn vuchholz mit polillschev Sachen kommt, ist er erledigt!" Meyer erNört, mit dem Ausdruck„erlediat" sei nur gemeint gewesen, daß Buchholz dann nicht mehr bei der Schutzpolizei bleiben könnte. Storkebaum kann über die Tätigkeit der politischen Agenten nichts bekunden. Er weiß nur. daß sie regelmäßig ihr Geld bekamen. Sodann wird Hauptmann Skenaes als Zeug« vernommen. Ihm hat B u ch h o l z nach seiner Entlassung aus der Untersuchunosbaft gesagt, daß er in der Kaserne bleiben und a n der Aufklärung der Kassensache arbeiten wolle. Als Endcrlein dem Buchholz die doppelte Buchung eines Postens von 60000 M. vorhielt, wurde er sehr aufgeregt und erklärte sich für kassentechnisch nicht vorgebildet. Er behauptete, selber den Posten GroßGerlw Sängerkrieg auf Kanarienburg. „Wie könnte man die Menschen ertragen, wenn man die Tiere nicht hätte." Dieser Satz enthält zur Hälfte Bitterkeit und zur Hälfte Wahrheit. Das hat schon mancher erfahren. Denn sehr rft ist da» Tier dem Menschen nicht nur Ausbeutungeobjekt und Per- dienstmöglichkeit, sondern auch Freund. Eo haben viele unserer Kriegsinvasiden an einem munteren Kanarienvogel ihre Freude und für etliche wurde die Aufzucht dieser Vögel zu einem bescheidenen Nebenverdienst. Sie und viele andere hatten eine Große Allgemeine Kanarien-Ausstellung in Peters Fest- sälen, Große Frankfurter Straße Nr. 41/42, beschickt, die sich im wahrsten Sinne des Wortes als«ine zwitschernde.Lanarienburg" präsenticr.e. 41 Kollektionen von je vier Vögeln waren vertreten. Die Selbst« zuchtklasse wies prächtig: Exemplare auf. Mancher Vogel stellt heute tatsächlich ein kleines Vermögen dar, denn er ist für 500 Mark wohl kaum käuflich. Um die Allgemeine Klasse zu vervollständigen. waren auch Bogel auf die Reife geschickt worden. Eo kamen Tiere au» Hameln, mit denen der Züchter große Ehr« einlegte, und die den Lichtenbergern fast ebenbürtig waren. Unter diesen gab es Kollek- tionen, welchen die Richter 542 Punkte zuerkannten. Was die Farbe anbetrifft, so treten die Grünen jetzt immer mehr in den Vorder- grund. Unter den ausgestellten sah man in der Mehrzahl Grüne. Grasgrüne sogar, dann folgten Bunte und die Hochgelben. Alle Sorten und Weibchen sowohl wie Hähne, konnte man aber in der Lotterie gewinnen. Die Lose fanden deshalb reichen Zuspruch. In demselben Raum, in dem die Gewinnvögel lockten, waren auch Vogel- bauer ausgestellt. Man suchte praktischen Einrichtungen schöne For» men zu geben. Zudem wird durch die Materialverwendung erstrebt. die Bauer milbenfrei zu halten. Interessant sind die Gesangs kästen. Sie sind die Schule für die kleinen Sänger. Und der Lehrer ist der sogenannte Dorschlä- ger, der das Kommando über die ganze Scha» übernimmt. Am Sonntagabend war sogar ein offizielles Abhören der besten Sänger, mancher Stern von Kanarienburg erschien da am Gesangshimmel, und unter den Grünen waren wahre Kanonen. Die gekränkten kartoffelgroßhänöler. DerVereinBerlinerKartoffelgroßhändler nahm in einer Sitzung am letzten Sonnabend im Lehrervereinshaus folgende Entschließung an: „Die tiefeinschneidenden behördlichen Borschriften und Drang» sasierunaen haben den legitimen Handel mit Speisekartokfeln außer- ordentlich beunruhigt und die Kartoffelverlorgunq der Reichshaupi- stadt aufs schwerste gefährde:. Der Berliner Kartoffelgroßhandel sieht sich in seiner für die Bolksernährung notwendigen Tätiakeit wesentlich behindert. Die Ungewißheit, welche Preise von behörd- lieber Stelle als maßgebend anoefehen werden, belebränkt den Kor- toffelgroßhöndler in seiner Arbelt. da er sich täglich und stündlich durch Strakmaßnahmen und behördliche Eingriffe in seiner Existenz und Ehre bedroht sieht. Die Vereinigten Kartoffelgroßhändler werden sich bei einem Weiterbestehen dieser unerträglichen Zustände mit Bedauern gezwungen sehen/ ihre Tätigkeit solange einzustellen, bis klare Vorschriften und Gesetze die Verhältnisse im Kortoffelgroß- Handel regeln. Sie verdammen mit vol'er Schärte Wucher und Preistreiberei mit Kartoffeln, sind ober vollkommen lchuldlo, an den hohen Breiten. Die Berliner Bevölkerung ist bisher vom Groß- Handel mit Kartoffeln ausreichend versorgt worden, und die Reichs- Hauptstadt ist nachweislich auch von ollen Großstädten am billigsten mft Kartoffeln beliefert worden. Die unberechttoten Angriffe auf den Berliner Kartoffelgroßhandel müssen deshalb ganz energisch zurückgewiesen werden." Es ist nur schade, daß die Kartoffelaroklbändler sich so soät darauf besonnen baben, daß Wucher und Preistreiberei„verdammt" worden müssen. Auch genügt die bloße Verdammung nicht, man muß zur Bekämpfung schreiten, und weil da, die Kortofselhändler bisher nicht getan haben, darum nimmt jetzt die Behörde(spät genug) die Rechte der Verbraucher wabr. Sie wird dergleichen äußerst selbst- bewußt auftretende Beweisäußerungen der Kartoffelhändlermoral als Drohung hoffentlich nicht allzu ernst nehmen. die stäütlsthen deckungsverhanülongen. Herabsetzung der Wagislraisgehäller.— Erhöhung der Tarife. Der 2Zer Stadtverordnetenausschuß, der zur Dorberatung der Gehalts» und Lohnerhöhungen sowie der Deckungsvorlage«ingesetzt worden war, hat am Sonnabend fast den ganzen Tag über getagt und seine Beratungen bis auf die notwendige zweite Lesung der Geholtsfragen und die Erhöhung der Gewerbesteuer beendet. Am Vormittag beriet zunächst der Unterausschuß für die Er- Vachtmeister Suchholz. ausgezahlt zu hatzm. während ihn nur Lehmann ausgezahlt hatte. Meyers Aeußerung, daß Buchholz, wenn er„politische Sachen" vor- brächte,„erledigt" sei, wird von Stennes bestätigt. Ernst habe er sie nicht aufgefaßt, höchstens könne er diese Aeußerung des sehr impulsiven Meyer so deuten, daß Buchholz dann aus der Hundertschaft ausscheiden müßte. Die Agenten, die mit den „politischen Sachen" gemeint seien, hätten regelrecht ihr Geld er- halten. Nicht etwa Unterschlagung von Agentengeldern habe man verdecken wollen, sondern es fei ihm. dem Hauptmann Stennes, ledig- lich darum zu tun gewesen, die Tatsache der Beschäftigung von Agenten nicht bekannt werden zu lassen. Die Meldung vom Tod« Buch holz' sei ihm durch Wachtmeister Heise überbrocht worden. Daß der Schuß von hinten gekommen fei. habe man ihm nicht schon damals gemeldet. Beiden Angeklagten gibt Stennes das beste Zeugnis. An Meyer bemängelt er nur, daß er manchmal mehr sagt, als er verantworten kann. Mit dem verstorbenen Buchholz war er anlangs zufrieden. Auch als er von leiner Vorstrafe wegen Unterschlagung erfuhr, ließ er ihn in seiner Zahlmeisterstelle. Mißtrauen hatte er damals nicht: im Kriege habe er mit Vorbestraften die besten Erfahrungen gemacht. Buchholz sei dann durch große Ausgaben aufgefallen, doch habe er erklärt, daß er g e e r b t habe. Frau Buchholz bestätigt, ihr Mann habe aus der Hinterlassenschaft seiner verstorbenen Mutter 9000 M. erhalten. Staatsanwalt Steinbrecher fragt den Zeugen Stennes, ob er einmal bei der Parole gesagt habe, daß Leute, die nicht sehen können, wie jemand geschlagen wird, zu weichlich seien. Es soll sich um die Mißhandlung eines Wachtmeisters Stolzenburg handeln, den- feine eigenen Kameroden schlugen. Stennes kann sich nichter- i n n e r n, fügt aber hinzu: „Wenn das einer beschwört, wird e» wohl fein." Auf die Frage, weshalb H e l b i n g aus der Hundertschaft ausschied, antwortete er zunächst, das wisse er nicht, weil er da auf Urlaub wer. Dann vermutet er eine„Geldgeschichte". 5zelbing sei auf eigenen Wunsch ausgeschieden. Wachtmeister Müller bekundet, wegen einer„Damenaeschichte" sei Helbing„der Boden zu heiß" geworden. Oberleutnant Malwitz weiß auch von Schulden, die Helbing ge- macht habe. höhung der Magistrats- und Bezirksamtsgehälter. Auf Grund seiner Borschläge, die ohnehin ein Kompromiß waren und auch im Ausschuß nicht befriedigten, wurden in der ersten Lesung die Ge- hälter sowohl der Magistratsmitglieder als auch der Bezirksamts« Mitglieder gegenüber den in der Oeffentlichkeit schon lebhaft kriti- sterten Anträgen des Magistrits erheblich herabgesetzt. U. a. wurde das Gehali des Oberbürgermeisters auf 125 000 M. und 20 000 M. Aufwandsentschädigung, zusammen 145 000 M. fest- gesetzt(gegenüber dem Magistratsantrag von 180 000-i- 20 000 M), das Gehalt des Bürgermeisters auf 90 000-f 10 000 M.— 100 000 Mark, da» Gehalt der Berliner Stadträte nach Gruppe 15(58 000 bis 80 000 M.), dabei aber eine Besserstellung der Fachlladttäte mit Stimmengleichheit abgelehnt. Die Bezirksbürgermeister wurden ebenfalls nach Gruppe 15 verwcefen, die stellvertretenden Bezirks- bürgermeister ebenso wie die Bezirksstadträte nach Gruppe 1Z! (38 000 bis 57 000 M). Zur Deckungsvorlage wurden eine Reihe von Beschlüssen und Entschließungen gefaßt. Nach längerer Aussprache wurde der Erhöhung des Straßenbohntarifs auf 1.50 Mark zugestimmt, dagegen der Preis für elektrisch«» Licht über den Magistratsantrag(4,60 M.) hinaus auf 5 M. und für Kraft auf 2,20 M. erhöht, während der Preis für Gas, den der Magistrat auf 2.60 M. erhöhen wollte, auf 2,50 M. festgesetzt. Für das Wasser wurde sowobl ein im Ausschuß gestellter An- trag auf 1.50 M. als auch der Magistratsantrag auf 1.10 M. abgelehnt. Dl« weiteren Verhnndlunqen wurden auf Montag von- mittag vertagt. Der Aus'chuß will bann fein« Beratungen ab- schließen und am Montag nachmittag in der außerordentlichen Stadtverordnetensitzung durch den Borfitzenden. Stadtverordneten Dr. Kirchner, Bericht erstatten. €lit Gefangenenaufseher im Gunöe mit Verbrechern Der vergrabene ZNilllonenraub. Durch die Entlarvung eines bestechlichen Gefangenenaufsehers in Münster in Westfalen und seine Festnahme durch die Berliner Kriminalpolizei in Treptow ist ein von dem zum Tod« verurteilten Bochumer Raubmörder geplanter Fluchtversuch in letzter Stund« vereitelt worden. Es handelt sich um die Verbrecher August und Heinz Hen- f e l e r. Franz Heising, Alex Kley und Wilhelm Müller, die am 24. August 1920 auf der Hernberger Straß« zu Erkerschwick in Westfalen einen Lohngeldwagen" der Zeche Emscher-Lippe überfielen, den Bureauoorsteher Friedrich, den Bureaubeamten Bach- winket und den Kutscher Fritz Bruchmänn erschossen und den Buchhalter Koch durch einen Armschuß verletzten und dann mit dem Millionenraub oerschwanden. Der verhaftete Aufseher ist ein 22 Jahre alter aus Landshut In Schlesien stammender früherer Elektrotechniker Audolf S a l p a u s, der sich schon nach kurzer Zeit bestechen ließ und, wie für andere Gefangene, so auch für die Bochumer Raubmörder Kassiber In einer nur aus Strichen be- stehenden Geheimschrift besorgte. Salpaus ließ sich von seiner Be- Hörde beurlauben und fuhr zunächst zu der Mutter der Gebrüder Henseler, um sich durch Erpressung von 5000 M. Bewegungsgelder zu verschaffen, und kam dann nach Berlin, um in Treptow-Baum- schulenweg einen angeblich dort vergrabenen Schatz zu heben. Bei dem Verhafteten fanden die Beamten einen Kassiber, der aus einer Geheimschrift in Strichen und einer Skizze bestand. Salpius wollte zunächst nicht wissen, was diese Zeichen bedeuteten, und legte erst ein G e st ä n d n i s ab, als es der Kriminalpolizei mft vieler Mühe gelungen war, die Geheimschrift zu entziffern. Es ergab sich, daß es sich um eine Anweisung und eine Skizze zur Er- mittlung des geraubten und vergrabenen Geldes handelle. Derzweislungslal einer Mutter. Die S2jährige Frau Erna Wenzel versuchte gestern nachmittag mit ihren drei Kindern in den Tod zu gehen. Sie öffnete in dieser Absicht in ihrer Woh» nung im Hause Stargarder Straße 18 die G a e h ä h n e und erwartete mit ihren drei Kindern den Tod. Nachbarn, durch den Gas» geruch aufmerksam gemacht, riefen die Feuerwehr herbei, die Mutter und Kinder bereits bewußtlos auffand. Den vereinten Bemühun- gen gelang es. alle vier Personen wieder ins Leben zurückzurufen. Der Beweggrund zu der Tat konnte bisher nicht ermittelt werden, wahrscheinlich liegen Nahrungssorgen bor. Die wilmeredorfer Genossen sind durch den unerwartet einge- tretenen Tod ihres Parteifreundes Paul Schubert, Wilhelms- aue 27, in Trauer versetzt worden. Mit ihm ist ein Mann dahin- gegangen, der im wahren Sinne des Wortes ein Pionier des sozio- listischen Gedankens gewesen ist: ein braver Kämpfer, der Wind und Wetter nicht scheute, und manchem neuzeitigen Sturmer und Dränqer ein leuchtendes Beispiel treuester Pflichterfüllung gegeben hat. Erst 42iährig. im Vollbesitz seiner Manneskraft, wurde er seiner in dürf« tigen Verhältnissen zurückbleibenden Familie entrissen. Die Wil- mersdorfer Parteigenossen werden gebeten, bei der Beerdigung, die am Mittwoch, den 80. November, mittags 12 Uhr, In S t o h n s» darf stattfindet, möglichst zahlreich zu erscheinen. Schubert gehörte seit 1902 der Partei an._____ Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Zeilweiie neb-leg. tonst trocken und größten« ttl'8 heilet hfl tchwachen Illdösllichen Binden. Nackt« und morgeu» ziem» lich strenger Frost und mittag» Temperatur etwa» über Null. OewerLschoDbewegung Zur Situation in üen stäötischen Seteieben. Der LSer Äusschuß der Stadtverordneten befaßte sich am Sonn- abend nachmittag mit den Lohnerhöhungen und der Deckungsvorloge. Ein sozialdemokratischer Antrag, alle» Arbeitern und nicht ständig Angestellten eme einmalig« Teuerungszulage von einheitlich 1000 M. für dl« Monat« Oktober und November unter Anrechnung der bereits gezahlten Lohnerhöhungen für diese beiden Monate zu gewähren, wurde abgelehnt, da man dem Schiedsspruch des Schlichtungsaurfchuifez nicht vor- greifen könne. Dagegen wurde auf bürgerlichen Antrag nach längerem verhandeln einstimmig beschlossen, zur Linde- rung der Not den städtischen Arbeitern usw. eine einmalige Beihilfe von ZOO M. zu zahle», was«w« Mehrausgabc von 22$ Millionen ausmacht. Darauf wurde der Dringlichkeltsvorloa« des Magistrats über die bereits gezahlten Lohnerhöhungen für Oktober und November einhellig zugestimmt. Heute fällt die Entscheidung darüber, ob die Stadtvero�neten» Versammlung über die Zugestänniss« des Magistrats hinaus oen An- gestellten entgegenkommen wird. Führen die Versuch« in dieser Richtung zu keinem Erfolg, dann ist zu befürchten, daß die Zlnge- stellten der städtischen Werk« den Streik proklamieren. Die Provinzialbeamten zur Besolduugsfrage. > Ein» außerordentlich stark besuchte Versammlung der Bereini- gung der Beamten und Angestellten in der Provinzialoerwoltung Brandenburgs tagte am Freitag im Provinzial-Landtagssaal, um zu den vorliegenden Dorschlägen der Besoldungskommisston Stellung zu nehmen. Außerdem war der Bund der technischen Angestellten und Beamten vertreten. Das Referat hatte K a n s ch o w, Vorsitzender der Ortsgruppe Berlin. Der Redner führte aus, daß die Besoldungskommissio» des Prormziallandtages einen Vorschlag ausgearbeitet habe, der seiner rechtlichen Bestimmunzen wegen den schärfsten Widerspruch heraus- fordern müsse. Für die Gruppen 1 bis S soll« eine lebenslängliche Anstellung überhaupt nicht mehr erfolgen. Von Gruppe ö o» auswärts kann die dauernde Anstellung zwar erfolgen, aber unter Bedingungen, di« nicht so leicht zu erfüllen sind. Rit dem Artikel 129 der Verfassung werde sich das nicht gut in Einklang bringen lassen. Auch in den übrigen Bestimmungen finden die be- rechtigten Wünsche der Beamten und Angestellten kein« Berücksichri- gung. Hornbostel vom Bund der technischen Beamten und An- gestellten betonte, daß die Aufrückung zur lebenslänglichen Anstellung von Gruppe K an auch nur dann zulässig sein solle, wenn der Be- treffende obrigkeitliche Befugnisse habe. Die Möglichkeit zum Aus- rücken ist in ganz unbefriedigender Weise geregelt. Die Anhörung der Organisationen bleibe nach dieser Vorlag« nur eine Formsache. Nicht«in einziger Wunsch der Beamten sei erfüllt worden. Eine Vorlage mit solchen Rechtsgrundsätzen sei gewiß nicht geelgne». di« Arbeitsfreudigkeit der Beamten und Angestellten zu steigern. Martin vom Zentralverband der preußischen Provinzial- boomten erklärte, daß dieser, sowie der Deutsche Beamtenbund sich mit den Versammelten solidarisch fühlen. Vertreter des Deutschen Werkmeisternerbandes und des Bundes Deutscher Militäranwärter Haben gleich« Erklärungen ab. Die einstimmig gefaßte Entschließung besagt, di« Ber- sammelten erblicken i eine Abänderung der der Beamtenschaft mit iums anzubahnen und damit ein« Verletzung des ihnen durch di« 1 Reichs» erfasiung gewährleisteten Grundrechts lebenslänglicher An- i stelluna. Bei der einfchneioenden Bedeutung der geplanten Aende- rung sei darauf zu dringen, daß mit den Gewerkschaften über die Vorschläge der Besoldungskommijston in mündliche Verhandlungen eingetreten wird. Die nur schriftlich und bei der Kürze de: verfüg- baren Zeit nur in großen Zügen niedergelegte Erwiderung könne nicht als genügend« Anhörung der Beamkenvertretungen im Sinne des Gesetzes vom g. Juli 1920 gelten. Differenzen ii» Berliner Baugewerbe. Die gestrige Versammlung der Delegierten des Deutschen Bau- arbeiterverbandeg hat den Schiedsspruch des Bezirkswhnamtes ab- gelehnt.„Da nnumehr anzunehmen ist, daß all« friedlichen Mittel erschöpft sind, werden stch die Berliner Bauarbeiter ihre berechtigten Forderungen mit allen gewerkschaftlichen Mitteln erkämpfen, heißt es am Schlüsse der gefaßten Entschließung. Versammlungsbericht, folgt in der Morgenausgab«.____ Lohnerhöhung in Berliner Wurstfabriken. Die steigende Teuerung veranlaßt« auch die Flcischergesellen, an die Erhöhung ihres Einkommens zu denken. Eine Versammlung der Vertrauensleute und Betriebsräte beauftragte den Zentralver- band der Fleischer und die Torifkommtssion, mit den Arbeitgebern Verhandlungen über einen Tarifausgleich einzuleiten. Gefordert wurde einmalige Lohnbcthilse von 500 M., für November und Dezember laufend pro Woche 75 M. bis zum 31. Dezember 1921. Dann sollte zu einer Toriferneuerung geschritten werden. Aus feiten der Arbeitgeber war für eine Lohnbeihils« kein Ver- stöndnis zu finden, dagegen waren dieselben bereit, sofort eine Er- höhung der Tariflöhne ohne Kündigung des Tarifs vorzunehmen. Noch längerer Aussprach« kam eine Verständigung zum Ab- schluß, dahingehend, daß ab 14. November in allen Lohn- klaffen ein Zuschlag von 2,80 M. pro Stunde zu erfolgen hat. Dies bedeutet ein« wöchentlich« Zulage von 105.60 M. Die Stundenlöhne betragen jetzt 9,03 M., 10 TL und 10,65 M. Mit diesem Nerhandlungsergebnis beschäftigt« sich ein« Ver- sammlung der in den Wurstfabriken tätigen Gesellen, in der G a e b l e r den Bericht gab und empfahl, das Gebotene anzuneh- m e n. Die Zeit wurde es lehren, wie lang« diese Zulage den Ver- hältmsien entspricht. Nach kurzer Diskussion wurde dem Borschlage der Tarifkom- Mission zugestimmt Muffterbewegung i« Kinogewerbe. In einer von der Ortsverwaltung Verlin des Deutschen Musiber- Verbandes einberufenen Versammlung der Ensenfbiemusiker erstattete Kollege Schie m en tz Bericht über die Lohnbewegung im Kinogewerbe.. Die Kinobesitzer lehnen es nach wie vor ob. den mi:. dem Wirtlchastebund deutscher Filmtheater abgeschlossenen Tarii- vertrag anzuerkennen, trotzdem die Geschäft« glänzend gehen. Wochenlöhn« von 300— 350 M. sind immer noch die Regel. Ge- gen die Einführung iazialer Bedingungen wie Sommerurlaub, Krankheitsparagraph usw. sträuben sich die Mitglieder des Lichtbild- theotcrbcsitzervereins mit allen Mitteln, und sie haben die Parole ausgegeben, mit dem Musikerverbanb nicht zu verhandeln, um sich selbst ein gelbes Organisatiönch-en zu züchten. Di« Arbeiterschost sollte sich diese' Arbciterfeindschost gelegentlich merken. Tie Musiker beschlossen nochmals den Schlichtungsaus- fch u ß anzurulen, um auf diesem Wege zum Tarifvertrag zu g«- langen. Sollten die Arbeitgeber sich auch dann wieder ablehnend verhalten und ihre berühmt« Verlchlerwungstoktik verfolgen, müßten wir versuchen, mir ollen gewerkschaftlichen Mitteln zum Ziel« zu gelangen. ver Zentral»erband der 5Nm- uud KInaan gehörigen berichtet, daß die Sperre über die Proter-Lichtspiele, Kastanien-Alle« 7/9, aufgehoben ist. 3m lolhriu zische» Lohlengebiek proklamierte der Bergarbeiter- verband den Generalstreik. Die Gruben Kleinrosseln und Merken- dach sind bereits stillgelegt Die Streikbewegung schreitet zweiter fort; die Kommunisten agitieren für ein Uebergreisen des Streiks auf den französischen Gesamtbergbou. Der Straßen- und Slcinbahnenstreik in Brüsiel dauert fort. Eine bürgerliche Nothilfe hat eingegriffen, bei der die Stuben- t e n des Polytechnikums die Hauptrolle stielen. Die Arbeitgeber- verbände lehnen die Vermittlung eines«chiedsgerichtes ab. Sie stehen der Forderung auf Daueranstellung der Beamten und Ange- stellten gegenüber auf dem Standpunkt, daß es jedem Arbeitgeber freistehen müffe, die unbrauchbaren Ardeiter und Angestellten obzu- schaffen. Die syndikalistischen Gewerk'chaften beschlossen in ihrer gestrigen Versammlung, angesichts der Haltung der Arbeitgeber den Streik über Brüssel hinaus auszudehnen. Einig« Blätter sprechen sogar von einem geplanten Generalstreik in ganz Belgien. Grofl-Serüner Partemachrichten. Heute, Montag, den 28. Jtooembet: HS.«ttt. strLh» 23.)»« Frauen-denb füllt au»,(ibenfa für Dezember. «7.«br. TU, Uhr strauenabend bei Kuhnert, Muswucr«trage Ii Thema: „Proletarische Weltanschauung". Referent: Sustao Wenk. Vorträge. Vereine anö Versammlungen. TtenStag. den SN. November, Bmintguog»er Freu»»«»vn»cNgton und Nöllerfrtrben. Menbs 7H Übe Äolfer-prriebcicb-Sctmle, Charlottenburg. Kn-sedectslrak- 34. am SaüiflnbSIa», Sffentlicher«ortragsabend...ChrütuSlegenben". R-ierent Pfarrer vleier. Frei« Aussprache, kintrttt 50 Pf. Mitglieder frei. Sport. De« ErSssnungSradrenneu tm Spartpalast war der gewohnte .yfafsenbesuch der Tommcrbahnen noch nicht betchert. MS Altiailio» lani ein Etunden-Pi Äinienfahren zum AuSIrag. Neunzehn Fohier itellten sich dem Starter. Nach zahlreichen Piämienkämpstn gewann daö Rennen Olio Pawle mit BierteUänge vor dem Italiener Carlaita; Schul,. Behren» un» Stolz belegten die nächsten Ptähe. Die zurückgelegte Strecke beträgt 87.720 Kilometer. Ten E'.össnungSvreiS über 10 Runden gewann Max Münzner vor Stolz und Lewanow; Hoffmann liürzte infolge Bruch» de» Hinter- irisen». Au» einem kurzen PiSmiensahren über äö Runden ging Hehn vor Krahner, Amoit und Dadnte al» leichter Sieger hervor und in einem Vorgabefahren Über g Runden ftellls Schlottte(95) den Sieger vor Kendel- bacher<5ä). Zwuiz(60),«ehrend(45) und Ostac Tie»(20 Meter Vorgabe). Da« den Schlug bildende Enlschädigungssadren über 10 Runden brachte dann Cito Tietz aus sei» Konto vor Paul Rüuzner. Weranlw. für den r-datt. Teil:«r. Weener P-is-r. Charlotteuburg: für Sn- zeigen: Th. SUcke. Derliu. Verlag«arwürta-Verlag G. m. b.§., Berlin. Druck: Börwärts-Buchdructerei u. Berlogsanitalt Paul Einger u. Co., Berlin. Lmdenstc. 8. MsiWiN- VsWe« (gel. oe'chü»« jm veeinfektion der Mund- und Aachenhöhk« besonder» bei rftaitma heiseckeit. halientzSndllng, v«- VliW?» lchlelmunz. Erhältlich tu de» Apotheken u. 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Das Elend der deutschen Arbeiterklasse macht die denteche Industrie auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig. 7. Die Krise der kapitalistischen Gesellschaft, in DentEchland. 8. Dos BeparatioDEproblero. H Teil. DI« Fisaar- krlse»es Oeottchsn Relehsc 9. Alte Sünden. 10. Die Ergebnisse der rerfehlten Finanzpolitik, o) Das Defizit des Stastsbaur- halteE. b) Die Entwertung des Geldes, c» Die Verschiebung in der Vermögens- und EinkommenETerteihmg. 11. Das Steuer- Problem im Klasse nstaat. 13. Verteilung der Steuern auf die Einkommensarten. 18. Hio Rhodus, hio salta. 14 Was die ror- nehmen Ausländer raten. 15. Die.Studien'' der Gelben Internationale. 15. Der Lösnngsrergach der Regierung. 17. Die Agrarier im Klassenkampf. 18. Die Ohnmacht der Bjurgcoirio. 11). Die Verantwortlichkeit der Sozialdemokratie. 20. Die Steuerlast des Arbeiters. 21. Herr Parvus als Retter in der Not; 22. Dem Zusammenbruch entgegen. 23. Unsere Steuerpolitik und der Staatskapitalismus. 189 Seiten. Preis M. 2.50, eebonflen M. Ö.— Zn beriehen durch Carl Hojffl Naebf. Leois Cabnblef, Hambspg 11 Such« zur«elhlto.rwertnng «We U. EoeUurlall« zn Höchst Prellen O.ScHllaptiacke Zuwelier• Frt.-drichliraH« 210 Ecke SschstraHe j 1 jedes iQuan- • lum, keult Metall• Kontor John. Altejakobstr. 130 genttöiöjrböüD m JzsiSUsie»«aö SM:: GelchüslSskeiie(SroB-Beiliß Am Diensten, den 2».«avimber, abend»« Uhr, findet det Bdier. Wederstr. l7, unsere fluZerorüentliche. Generalversammlung statt Tagessrdnung: 1. Kaffenberlcht. 2. Beliragserhohung. 9. Perschiedenes. 152,5 (Es ist Pflicht eine» jeden dienstsrei-» Kollegen pünlilich zn erscheinen Sie Qrtsoeriooltnng. VerilSllks chelegenheltskans! Kreilzsllchse. selten groß. l2b~S75, Stunksseb. Kragen 225,—, hochmoderne» Antopelz. spottbillig. Badeniche- stroSe 10 N, Rah« Baiierischervlah. AnzSg«, Schlüpfer, Eutamags. Paletots ans erhklalligen Mahstasfen, p.ima Berarbeitnuz. sehr»-r»nierl. Mal» kinbsohn. 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