Nr. 563» 38. �obtgtonp Ausgabe LS Nr. 279 Bezugspreis: VitUeljädr�W.- M., monat!. tZ- Sinei ins&cuä. voraus �ohltinr. Pol!» lewg: Monollich 12,- rvi, cinfd)!. Zu- stellungsgcduhr. Unlcr Kreiubanö tüt Sieut-iilanD.®jnj z. tae Saat- und SRemelgebipl, lomie die ehemals deui- fr e'.t Gebiete Polens Oeflerrcid), Ungarn und Luxemburg 22,- M,, für das Ubt ge Ausland 29,- M, Post» betteilungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, TlGecho- Elowa'ei, Däne- mach Holland Luxemburg. Schweden und die Schweiz, Tin„Vorwäris" mit der Sonntags- teilage»Boll und Zeit" der Unier- Hanungsbeilage„Heimwel!" und der Beilage„Sredluna und Kleingarien" ericheini wochemäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Zelegramm-Abrelse: aSozlolhemoftai BerUtt" Abend Ansgabe Bciiiucc Bolhölilatt (30 Pfennig� Anzeigenpreis: Di, zehngelpalieni Nonpareillezeile tollet 7,— üi,„kleine Anzeige«- das ellgedructte War' K,— Ni.>zu- lasllg zwei ietlgedruckte Wonel. ,edes weitere Wort l AI M. Stellengesuche und Schialllellenanzeigen das erste Wort l 19 M. iedes weitere Wort L— M. Worte Uder 15 Puchs'aben züh'en für zwei Worte. ffamilien-An- zeigen lllr Abonnenten fieile 4.— SK. Sie Preise verstehen sich einschließlich TeuerungS'uschlag Anzeigen illr die nächste Nummer müssen bis 4', Ahr vachmillags im Hauplgeschäii, Berlin SW 68, Linden- Krage 8. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr irllh bis 5 Uhr abends. Zcntralorgan der roztaldemohratirchen parte» Deutrchlands Neüaktion und Expedition:€töeS, Lindenstr. 5 Redaktion stliorii'pla!,»r>l!i5— 97 thurniyttnzti. gjlorigylnn 11753—51 Dienstag, den£9. November 19?J1 vorwärts-verlag G.in.d.h.. SW b8, Lindenstr. Z «kernivreeker- Bering. Vzvedition und Inseraten- »yrrniprenier. Moriiipiat, 11753-54 England für ein Moratorium? O o n d o n, zg. Tlovember.(6(£.) Die„Daily Mail" macht henke tuargsn folgende bemerkensiveric Miileilungen, die ihr aus gut infor- miericr Quelle zugekommen sind: Die schlc6)ke Lage der dcni'chcn Ainan�en und der jüngste Besuch von s)ugo Sllnnes in London Ha'ocn die Aufmerksamkeii der englischen Regierung aus die am 15. Januar fällige Raie der deulschen Repara'.ionszahiungNi gelenkt. Denisch- land hat an diesem Tage 25 Millionen Pfund Sterling zu zahlen. Die Eesamisumme der dcnlsdjen Rcpara'ionszahlungen beträgt 0600 Millionen Pfund, wovon England 25 Proz. erhält. Der Sturz der deutschen Mark übt aus den englischen Hendel eine zer- störende Wirkung aus und sperrt den dentschen Markt für englische Güter vollkommen. Aach dem jüngsten Besuch der R-parallonskommission in Deutschland hat ihr englisches Mitglied, Sir John B r a d b u r y, ein Memorandum ausgearbeitet, das von dem englischen Kabinett demnächst erörtert werden wird. Es wäre jedoch versrüht, schon zu sagen, da'z das Ergebnis dieses Studiums ein von der englischen Regierung aus ein bis zwei Jahre gewährtes Moratorium sein werde. Wenn dies der Fall wäre, so geschche es nur, um eine rasche Wiederaufnahme de» englischen Handels mit Deutschland zu ermöglichen. So wie die Zlngclcgenhcit jetzt steht, zahlt Deulsck)land seine Reparationen dadurch, daft es seine Vanlnotenpresse immer wieder in Bewegung seht, was ein immer weiteres Sinken der Mark zur Folge hat. Es wird deshalb eine Bedingung für ein etwaiges Zugeständnis der Alliierten sein, daß die deutsche Regierung den Banknoten- druck einstelle. Außerdem wird später eine höhere Best cuerungderdeutschen Industrie vorgenommen werden müssen. Es wäre verfrüht, eine Mitteilung über die Haltung der französischen Regierung machen zu wollen, doch kann cs nicht fraglich fein, daß die Schwierigkeiten der dentschen Lage den Franzosen nicht entgangen sind, und daß tieZcnigen. die den wirklichen Ernst der Lage In Deutschland studieren konnten, einer solchen Vereinbarung günstig seien. Deutschland wird übrigens mit den Zahlungen in natura forkzusahren habe«. Denn die Zahlungen würden ihm nicht ertasten werden, sondern es würde nur einen Zahlungsaufschub erhallen. Paris, 29. November.(WTB.)„Oeuvre" schreibt, man kündige auf ollen Seiten an, daß Lloyd George vielleicht dem Bei» spiel von Hughes folgen könnte, um seinerseits eine große diploma- tische Offenstve einzuleiten. Es handle sich um nichts weniger als eine neue Reparat ionspolitik an die Stelle der alten zu setzen, die der Friedensvertrag von VerstiUl"? vorschreibe. Das Blatt glaubt auch mitteilen zu können, daß B a l f o u r auf der letzten Dölkcrbundskonferenz in Genf einem französischen Delegier- ten die Frage vorgelegt habe, was er davon denke, wenn ein Ab- kommen geschlosien wüdre, dos Deutschland die Derpflichtung ab- nähme, die Sanktionen zu bezahlen, und zu seinen Lasten nur die Kosten für den Wiederaufbau der verwüsteten Gebiete ließe. « Paris, 29. November,(WTB.) Nach einer Meldung der„Chi- eago Tribüne" aus Washington hat Schatzminister Mellon gestern in offizieller Form die Nachricht deme,. tiert, daß die amerika- nlsche Negierung eine Herabsetzung der alliierten Schul- d e n um S9 Prozent oder um irgendeinen..«deren Satz in Erwägung ziehe. Teutschland Englands Kultnrpionker? Paris, 29. November.(EP.) Der Korrespondent des„Petit Parisien" in Berlin schreibt, daß die Reise Nathenaus nach London den Zweck verfolge, mit der englischen Regierung ein ähnliches Ab- kommen wie das Wiesbadener abzuschließen. England werde nicht auf Lieferung deutscher Waren bestehen, sondern aus größere Ar- beiten, den Bau von Eisenbahnen in Mesopotamien und Elektrisierung gewisser Eisenbahnen in Indien und anderen englischen Besitzungen in Asien. Diese Arbelten würden auf das Reparationskonto umgerechnet werden. Zlcyö George für LanAabrüstuny. In einer Reutcrnote wird festgestellt, daß Lloyd Georges Reise nach Washington noch keineswegs sicher sei: man müsse abwarten. wie sich die irische Frage in dieser Woche entwickeln werde. Fest stehe aber, daß Lloyd George das größte Gewicht darauf lege, den Weltfrieden wiederherzustellen. Die Atmosphäre in der Welt verursache große Besorgnis. Man könne weder die halb- kugeln der Welt voneinander trennen, noch zwischen Rüstungen zur See und anderen Rüstungen unterscheiden. Die Rote richtet sich offensichtlich g e g e n F r a n k r« i ch. Die bedeutungsvolle Frage, ob England seine Abrüstung zur See von der Landabrüstung Frankreichs abhängig macht, wird offengelassen. Immerhin besteht die Möglichkeit, daß man in englischen Regie- rungskreisen beabsichtigt. Frankreich gegebenenfalls für ein Scheitern der Washingtoner Konferenz verant- wortlich zu machen. Di« Nochrichten au, Washington bleiben verworren. Nach den letzten offiziösen Meldungen ist man überein. gekommen, die Abrüstung der Großtampfschiffe dort nach den ursprünglichen Dorschlägen des amerikanischen Delegierten Hughes vor sich gehen zu lassen. Japan erhalte für sein Einver- ständnis gewisse Zugeständnisse bei der Zusammensetzung der anderen Kriegsschiffeinheiten. Frankreich habe einer Herabsetzung seiner Kriegsschifftonnage von 500 000 auf 300 000 Tonnen zugestimmt, jedoch gefordert, dafür ebensoviele U-Boote unterhalten zu dürfen, wie die übrigen Großmächte. B r i a n d wird bei seiner Rückkehr aus Washington wahrschein- lich ein verschnupftes Frankreich vorfinden. So begrüßt das„Journal des Debats" den Ministerpräsidenten bereits mit einer Gardinenpredigt Es weist darauf hin, es habe Briand von vorn« herein vor einer Amerikarcise gewarnt. Briand habe die Warnungen in den Wind geschlagen und sozusagen al» Vorwort zu seiner Reise das Angora-Abkommen unterzeichnet, dessen Folgen man jetzt sehe. Das Blatt führt dann weiter aus, es sei vorzuziehen, daß an der Spitze der Regierung ein tätiger und schweigsamer Mann stehe, der die gemeinsamen Angelegenheiten zur allgemeinen Befriedigung regele. Der Platz für Artisten sei die Thealerbühne..Lournal des Debats" hält es für notwendig, daß Briand nach seiner Rückkehr vor den Kammern eine öffentlich« Erklärung abgebe. Wenn auch weiter versichert wird, die Aufgabe der Regierung nicht erschwe» ren zu wollen, ist die Unzufriedenheit mit der Kabinettsführung des Ministerpräsidenten doch deutlich zwischen den Zeilen zu lesen. In der Frage der Verwaltung Chinas haben die Per- treter, der beteiligten Mächte einer WTB.-Mcldung zufolge eine Ent- schließunq zugunsten der Aufgabe der Vorrechte der fremden Ratio- nen mit Inkrafttreten am 1. November 1923 angenommen. Der Ver- treter Japan» machte Vorbehalte über das Datum, da er erst Wei- sungen seiner Regierung einholen wolle. Au üen ftaötischen Lohnkämpfen. Der Demobllmachungskommissar hat heute morgen den von den Angestellten abgelehnten Schiedsspruch für verbindlich erklärt. Ob diese Maßnahme geeignet ist, die Streitenden in ihren Entschlüssen zu beeinflussen, steht dahin. Nach dem Bericht der V. S.-Korrespondenz sind heute etwa 500 kaufmännische An- gestellte der Elektrizitätswerte und dem Osthafen in den Streik ein- getreten. Die technischen Angestellten und die Werkmeister seien da- gegen bis zur Stunde auf ihren Posten geblieben, so daß die Kraft- werke vorläufig in gewohnter Weife arbeiten. Es entspricht dies ganz der von den Werkstcchnikern beschlossenen Taktik. Da die Arbeiter zunächst den Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses ab- warten, haben sie sich in diese rein taktischen Differenzen nicht ein- gemischt. Es ist jedoch nur eine Frage von Stunden, nicht ob, son- dem wann der Gesamtstreik der Angestellten beginnt, ganz abge- sehen von den Beschlüssen der Arbeiter. Mr die Arl-eiter wird heute der Schiedsspruch abgegeben. Das Lohnkartell der städtischen Arbeitnehmers chcsr hatte dem Magistrat den Entwurf eines neuen(achten) Lohntarifs und eines Vergütungstarifs vorgelegt. Die Derhondlungen führten bekannt- lich zur Ablehnung der Verhandlungen, da die Vorschläge der Tarif- kommission vom Magistrat nicht in voller Höhe angenommen, da die Deckung fehle. Die heutigen Verhandlungen leitet Geheimrat Delius vom WIrtschaftsminist.erlum. Als Beisitzer sind gewählt: Assessor Körner vom Demobilmachungsamt und Postdirektor Böttger. Vom Ma- gistrat waren delegiert Kämmerer K a r d i n g, Stadtrat P o e tz s ch und Stadtobersekretär L a u r i s ch. Für die kaufmännischen An- gestellten waren P osen er, für das Lohnkartell Böhmer vom Transportarbeiterverband und Dittmer vom Gemeinde- und Staats- arbeiterverband gewählt. Als Vertreter der Arbeitnehmer erläuterte P o l e n s k e vom Gemeinde- und Staatsarbeiterverband noch einmal ausführlich den Entwurf de» 8. Lohntarifs, der angesichts der fortschreitenden Teue- rung den Arbeitern kaum das Existenzminimum bringe. Der Schiedsspruch wird bis heute abend erwartet. Eine Funk- tlonärversammlung de« Lohnkartclls wird am Mittwoch abend dazu Stellung nehmen._ Die Mark sinkt wieöer. Trotz' der Steigerung des Markkurses an der gestrigen New Dorter Börse zeigte sich heut am Berliner Devisenmarkt eine ziemlich feste Tendenz kür ausländische Zahlungsmittel. In Börsenkreisen steht man allen Meldungen über das Zustandekommen eines Moratoriums oder einer internationalen Anleihe sehr skeptisch gegenüber. Man ist der Meinung, doß die Reise Hugo Stinnes nach London der Erörterung des russischen Eeschäftes gedient habe und daß die Reparationsangelegenheiten nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Dollarnoten wurden um die Mittagsstunde mit 274 bis 275 gehandelt. Obwohl heute kein« ofsizielle Effektenbörse stattfand, zeigt« sich doch wieder ein etwa» größere» Interesse für d«n Wertpapiermarkt. Entlarvte Drahtzieher. Die kommunistischen Filmregisseure sind unglücklich, weil ihre großen Veranstaltungen mit dem Hungerstreit der poli- tischen Gefangenen kläglich mißlungen sind. Ihrer russischen Einstellung entsprechend schreien sie deshalb über eine„Po- g r o m h e tz e", die angeblich von der Sozialdemokratie gegen die kommunistischen Unschuldslämmer iszeniert worden wäre. Sie wissen selbstverständlich genau, daß ihre Behauptung voll- kommen unsinnig ist. Wenn von einer„Hetze" über- Haupt die Rede sein konnte, so war sie auf der Seite der Kam- munisten, die i h r e O p f e r in den Gefängnissen zum Hunger- streik veranlaßten, dam» den wilden Lärm in der Presse. in den Parlamenten und in den industriellen Großbetrieben veranstalteten, l e d i g l i ch um den eben erst ins Amt getrete- nen sozialdemokratischen Reichsjustizminister in Verlegenheit zu bringen und. da sie auf Ablehnung ihrer Forderungen von vornherein rechnen mußten, gegen die sozialdemokratische Par- tei einen Stoß zu führen gedachten. Dieser Stoß ist daneben gelungen, weil als Antwort auf die kommunistische Provo- kation der„Vorwärts" die wirklichen Schuldigen an dem mitteldeutschen Blutvergießen endlich vor der Oeffentlichkeit entlarvte. Deswegen also„Pogromhetze"! Deswegen ein neues hysterisches Geschrei darüber, daß die„Einheitsfront" durch die Sozialdemokratie zerstört wäre! Diese Einheitsfront ist natür- lich wiederum ein kommunistisches Hirngespinst. Sie ist, wie wir wiederholt dargelegt haben, nur möglich, wenn man sich über gemeinsame Ansichten und Absichten vorher klar ge- worden ist. Die Kommunisten aber, deren Schimpflexikon gegen sozialdemokratisch« Führer geradezu unerschöpflich ist, verstehen unter„Einheitsfront" nichts anderes, als daß sie die sozio- listischen Arbeiter durch einseitige planvoll» Beeinflussung gegen die beiden sozialdemokratischen Parteien aufbringen dürfen, ohne daß man ihnen in den Arm fiele. Daß ihnen das miß- glück» ist. läßt ihren Schmerz erklärlich erscheinen. Aber selbst das größte Mitgefühl mit ihrer Verlegenheit darf uns nicht ge- statten, ihren faulen Ausreden auch nur die geringsten Kon- Zessionen zu machen. Wir haben schon im gestrigen Abendblatt einen Artikel W a l ch e r s w der„Roten Fahne" zitiert, in welchem bcbauvtet wird, dost die kommunistische Partei„frei- mutig die Fehler der Märzaktion eingestanden" und daraus die waktileben Folgerungen gezogen habe. Mr-tchgr i-hauptete wei'er, daß„wir vonAnfanganderMärz- aktion ablehnend gegenüberstanden.... Ungleich wichtiger ist. daß mit jener Auffassung, die glaubte. man könne proletarische Massen zu revolutionären Aktionen zwingen und die tatsächlich in der März- aktion vorhanden waren, in der kommunistischen Partei rück- sichtslos gebrochen wurde." Hm'te nimmt in der..Roten Fahne" eine zweiter Schwabe, Edwin Hörnte, das Wort, um ebenso wie sein Landsmann Walcher es so darzustellen, als wenn die Kommunistische Partei mit den„Fehlern einzelner Kommunisten, die längst von der Partei selbst gerügt und korrigiert sind", nichts zu tun gehabt habe. Wir dürfen nicht dulden. daß die biederen Schwaben das Verbrechen der Eberlein, Pieck und Genossen einfach hinwegdisputieren. Deswegen lassen wir Her einige Stellen aus der„Roten Fahne" folgen, die teils in A u f r u f e n der Zentrole, teils in L e i t a r t i k e l n des kommunistischen Zentralorgans während der kritischen März- tage veröffentlicht wurden: Sonntag, den 20. März 1921. Angesichts der Provokationen der Gegenrevolution, der Feld- zugpläne der Orgelch, kann sich das Prolelarlal nur wehren mit der Waffe in der Hand.... Montag, den 21. März 1921. Arbeiter! Ihr könnt nicht warten bis die Mvrdgesellen der Gegenrevolution Euch zu Tausenden hinschlachten. Haltet Euch de- reit, den Streik der mitteldeutschen Arbeiter zu unterstützen! Sorgt dafür, daß den Orgeschbanden die bewaffnete Macht des Proletarlals gcgenübersiehlt Am gleichen Tag«. ....und doch hat die KPD. mllllärische Aufgaben zu erstUleu. Diese sind aber nicht In jenes mysteriöse Dunkel gehüllt, diese mili- tärischen Ausgaben sind nicht illegaler Natur, sie müssen durch die Qrganisallon. durch die Genossen der VKPV. in aller Oesfmllichkeil betrieben werden. Dienstag, den 22. März 1021. Die mitteldeutsche Arbeiterschaft— läßt sich nicht von der anli- puischisklschen Phrase einsangen, die in der deutschen Arbeiterschaft einen Geist der Feigheit und der Passivität gezüchtet hat, der über- wunden werden muß.(In Sperrdruck. Die Red.) Der General- streik der mitteldeutschen Arbeiterschaft... ist wahrlich kein Putsch, sondern der Beginn jener Gesamlaklion, die das deutsche Proletariat braucht.... Mittwoch, den 23. März 1921. Zlichk verhandeln, handeln ist da- Gebot der Stunde! Es gilt heute die Arbeitermassen zu mobilisieren, sie zu einer allgemeinen Angrifssaklion zu gewinnen... Am Anfang war di, Tatl i Donnerstag, den 24. März 1921. &us einem Ausruf der Zentrale der KPD.: Es gibt»in Mittel, da» steigende Elend abzuwehren: da» ist der einheitliche Kampf aller Proletarier gegen diese raube- rischen und verbrecherischen neuen Gewaltmaßnahmen. Erhebt euch überall, der Kampf ist schwer, aber der Sieg ist unser! Bewaffnung. Bildung von Orlowehren aus den Kreisen der organisierten Arbeiter, Angestellten und Beamten... Sonnabend, den 2g. März 1921. Die Pflicht einer Arbeiterpartei in diesem Augenblick ist es, die Arbeiter zum Kampf aufzurufen. Au» einem Aufruf vom 27. März: � Die Dassen in die Hand der organisierten Arbeiter, Arbeiter- wehren au« organisierten Arbeitern. Angestellten und Vcamtcn, dem Icind den Daumen aus» Auge, das Knie auf die Brüsk! Mittwoch, den 30. März 1921. Kommentar zur WTB.-Meldung von der Explosion im Hause de» kommunistischen Parteibureaus: Die geheimnisvollen Bombenwerfer und Dynamitattentäter be- ginnen sich zu entlarven. Nach ihren Provokateurtaten gegen öffentliche Gebäude stürzen st« sich jetzt auf das wahre Objekt ihrer Rache, auf die Komniunisten. Am'gleichen Tage: Ein Postm ist gefallen. Die Leuna-Arbeiter mußten tapilu- lieren— laufend« ooa anderen Arbeitern müssen an ihre Sielle in den Kampf treten. Da» ist das Gebot der Stunde. Das allein... zwingt den Gegner aufs Knie. Donnerstag, den 31. März 1921. ' Au» einem Kommentar zu? Breslauer Explosion: Der Schwindel der bürgerlichen Blätter, die die Explosion in den Räumen unser» Breslau» Partelzeltung auf dort lose auf- bewahrte» Dynamit zurückführen wollten, ist entlarvt. Die Domben. die in Breslau geworfen worden stnd, sind von den Provo- kakeuren der Orgeschbanden geschleudert worden, von denselben Leuten, die die Dynamitattentate der letzten Tag« begangen haben. Man erinnere sich, daß durch die von uns wtedergegebene Enthüllung der»Freiheit" in den letzten Tagen klar geworden ist, daß die Explosion des Aborts im Brcslauer Kommunisten» bureau nicht von„Orgeschbanden", sondern von den Kommunisten selbst hervorgerufen wurde, um die Arbeiter aufzupeitschen, ja, daß man sogar das Leben der Stenotypistin dabei opfern wollte! Die Zitate können beliebig fortgesetzt werden, wenn es den kommunistischen Gewaltmenschen besonders danach ge- lüften sollte. Ruft man sich diese Ereignisse in die Erinnerung zurück, so wird die dreiste AbleugnuNgstattik der Kommunistischen Zentral« um so verabscheuungswürdiger. Es wird nicht lang» dauern� dann werden dieselben ver- brecherischen Element«, die jetzt die verfolgte Unschuld spielen, wieder an das Mitgefühl der sozialistischen Arbeiter appellieren und auch die Geschehnisse der letzten Tage wieder in die Ver» senkung verschwinden lassen wollen. Das darf ihnen nicht noch einmal glücken! Wir richten deshalb an alle unsere Parlergsnosscn in den Betrieben die dringende Mahnung, sich niemals von kommunistischer WehleidigkeU einsangen zu lassen. Es sei daran erinnert, daß vor wenigen Tagen noch eine Anzahl angeblich au» allen Arbeiterparteien zusammengesetzter Deputationen sich in Berlin als„proviso- tische Leitung" einer neuen einheitlichen Aktion gegen die sozialistischen Parteien auftat. Heute teilt nun in der„Frei» Heck" die unabhängige Abgeordnet« Luise Z i« tz mit, dag der Gedanke, diese„provisorische Leitung" zu spielen, in ihrer Gegenwart den Delegationen von dem kommunisti- chen Abgeordneten Remmele suggeriert worden ei. Sie bestätigt damit» was wir sofort dazu aussprachen, )aß diese Aktion nichts weiter als eins kommunistische Komödie darstelle. Daß dies« Komödie einen tragi» komischen Abschluß fand, ist nicht das Verdienst der Kom- munisten, sondern der Veröffentlichung des„Vorwärts" über die kommunistischen Verbrecherpläne. Wir wollen diese Tat» fachen nicht wieder au» dem Gedächtni», auch nur vorüber- gehend, verschwinden lassen. Die winterfliege. Von E. Rath- Schönholz. Es war gewiß nicht ihr Verdienst, daß sie den Sommer und ihr» Mltschwestern überlebt hatte. Außerdem hatt« sie zu solchen Reflexionen gar kein« Lust. Sie saß vielmehr gelangweilt auf dem Herdsims und wartete auf da, Abendbrot. Denn eben hatte es sechs Uhr geschlagen, und dann pflegte der Hausvater von der Arbeit zu kommen. Kritisch beobachtete die Winterflieg« dt« Borbereitungen zum Abendbrot. Di» kleine»»grämt« Frau schob fünf Teller auf den Tisch und rührt« ab und zu in einem dampfenden Brei, während ihre drei Buben gequält und hungrig um sie herumstrichen wie ver- wahrloste Katzen. Der Dunst stieg von dem Brei geradeoweg» der Flieg« in den Rüssel. Sie rümpfte ihn schnippisch: Brotsuppe ohne Zuckerl Sie stellte mit Verachtung fest, daß seit zehn Wochen weder auf dem Tisch noch in dem Küchcnschrank, in den st« sich vor zwei Nächten hatt« hineinschmuggeln lasten, ein Krümchen Zucker aufzutreiben war. Und doch hatte st» erst gestern noch auf dem Tisch gelbe, grüne, rosa und weiße Papierfetzen mit schwarzen Schnörkeln gesehen, von denen der Zweitälteste Bub mühsam das Wort„Zuckerkarte" her- unterbuchstabieri hatte! War das eine Wirtschaft! Die Tür krachte auf. Müde und schwer stapft« der Mann herein und ließ sich auf den Schemel fallen. Di« Buben sprangen. Zogen Stiefel au». Holten Pantoffel. Hängten die Mütze fori. Pflanzten sich um den Tisch. Dampfende Suppe quoll aus dem Kochtopf In die Schüssel, aus der Schüssel in die fünf Teller. Löffel klirrten. Lippen schmatzten. Hungriges Schweigen räkelte sich. Inspizierend schob die Wintersliege ihre Fozrttaugen an den Rand des Simses uick> wartet« geduldig. Die Frau sah den Mann erwartungsvoll an.„Schnieckt Dir die Suppe?" Er wiegte bedächtig das Haupt:„Ja— q— a. Nur ein wenig Zucker hättest..." Sie ward lebhaft:„Wo denkst Du hin? Zucker! Auf Karten gibt e» nicht» Un!« d«r Hand zehn Mark da, Pfund—" „Ober vielleichr»in wenig Grießsuppe mit Milch. Du weißt, ich mag es gern—" Di» Winterflieg» schwang sich erwartungsvoll auf den Küchen- rahmen, von dem Zauber de» Wörtchens Milch magnetisch ange- zogen. Die Frau nickte:„Weiß, daß Du sie gern magst. Wer ich kann nicht anstehen wie die alten Jungsern und Dienstmädchen— sonst reicht die Zeit nicht zu mein» Stickerei. Und kondensierte Milch? Unerschwinglich." D» Fliege setzt« einen Pulsschlag der Atem au»: der Mann schrumpft« förmlich zusammen und macht« rund« Augen:„Bor acht Tagen kostete die Büchse sieben Mark!" Der Vollständigkeit halber sei hier noch eine Erklärung in der„Roten Fahne" registriert, in der der gebrandmarkte Hugo E b e r l e i n. der übrigens den traurigen Mut hat, jetzt noch in einer Versammlung der Kommunisten als Redner aufzutreten, versichert, daß er sich einem öffentlichen Gerichtsverfahren nicht entziehen rverde. Man wird abwarten müssen, ob er wirklich noch zu finden ist, wenn es tatsächlich zu einem öffentlichen Gerichtsverfahren kommt, oder ob er bis dahin es nicht vorgezogen hat, seinem Freunde Brandler zu folgen. Es lohnt sich eigentlich nicht, auf einen witzlosen Scherz der„Roten Fahne" einzugehen, den sie sich in ihrer heutigen Morgenausgab« leistet. Sie veröffent- licht ein Telephongesprach, das zwischsn dem Chefredakteur des „Vorwärts", Genossen Stampfer, und dem Genossen Heilmann geführt fein soll. Lediglich in der Loraussetzung, daß neunzig Prozent der kommunistischen Leser des Blattes selbst dieses Gespräch für echt halten könnten, sei hier ausdrücklich betont, daß es völlig erfunden und nicht einmal geistreich erfunden ist. die �denunziation"' öes„Vorwärts*. Im Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtags über die Märzunruben wurde heute aus den Staatsakten Bericht er- stattet über die Dynamitsprengungen usw. Dabei stellte sich zur all- gemeinen Ueberrafchung heraus, daß bei einer Strafsache, welche dle Sprengung der Produktivgcnossenschaft betrifft, bei der der Schorn- stein in die Lust gesprengt wurde, sich schon seit dem 1 6. A u g u st die Erklärungen von L e m ck und B o w i tz k i aus dem Zetkin-Matcrial befinden. Dies« Aussagen stnd schon am IS. August vom Staatskommissar für die öffentliche Ordnung übersandt worden, weil ein Teil ihres Inhalts auf die Sprengung der Produktiv- genossenschaft Bezug hat. Hieraus ergibt sich ganz klar, daß diese Akten schon seit Monaten von den Gerichten bearbeitet wer» den, also von einer„Denunziation" durch die DeröffenUichung des „Vorwärts" nicht die Rede sein kann. Der Ausschuß beschloß ferner, den Staatskommissar Weis- mann nochmals als Zeugen zu vernehmen, und zwar über die Z« t k i n- A k t e n, die Art ihrer Auffindung und üb» die Glaub» Würdigkeit ihres Inhalts. Da» Material wird bis zur nächsten Sitzung dem Ausschuß zugänglich gemacht werden. Lanöbunöagitation auf Staatskosten. Aus Merseburg wird uns geschrieben: Im Regierungsbezirk Merseburg herrscht der deutschnationale Regierungspräsident v. Gersdorff. Sein Präsidium gleicht einem Stab deutschnationaler Agita- toren. Was von den Leuten des Herrn v. Gersdorff.möglich gemacht wird, zeigt folgendes: Anfang Oktober d. I. ging fast allen Lehrern des Regierungsbezirks von der vor» gesetzten Dienststelle folgendes Zirkular zu: Landbund, Provinz Sachsen. Halle a. d. S., Frankestr. 8. H a l l e a. d. S.. den ü. Oktober 1921. Fernsprecher 6752. Landbeamten-Tagung für den Regierunosbezirk Merseburg am Dienstag, den 18. Oktober 1921, vormittags 11 Uhr, zu Halle a. d. S.,.Stadtschützenhaus", Frankestr. 1. Tagesordnung: 1. Begrüßung der Versammlung durch Herrn Landrat«. D. Frh. o. W i l in o w s t i. Borsttzendcr ve» Londbunde». ?. Rektor Hermann- Friedrühedorf. M. d. S.:„Der gegen- wkrtijze Stand der Landbeamtenbesoldungsfragen im Parlament" (Neferat). 3. Hauptlehrsr U t h a r d t- Bergwitz:„Die Forderung der Laudbeamten, insbesondere der Landlehrer und ihre Berechtigung. Diskussion usw. Landbund, Wohlfahrteabtcilung Landbund Sachsen M o r s e r i tz, Landbotschast» Dr. B u r ch a r d t. Zu dieser deutschnationalen Parteiveranstaltimg wurde, wie gesagt, auf dem Dienstwege eingeladen. Die Ver- wendung von Dienstmarken und die Bemerkung, daß Die Frau lächelte klein:„Die amerikanischen Milchkühe liefern sie nur zu sechzehn Mark." Der Mann schob schweigend den Teller fort, auf dessen Rand sich gemächlich die Winterfliege setzte Sie tauchte vorsichtig den Rüssel in die Suppenreste und schüttelte entsetzt die Flügel. Mißmutig wischte sie den Rüssel ab. Der Jüngste rief laut:„Mutta— Mutta— die Flicje mäicht sich—" Der Mann brummte:„Jag da» Vieh fort!"— Die Frau sah ihn vorwurfsvoll an:„Gustav! Die Brotsliege I"—„Ach so."— Er nickte und vertiefte sich in die Margarmestulle. Der erste Bissen blieb ihm im Halse stecken. „Nanu? Du hast wohl die Schmierseife erwischt??!" „Schmierseife?" Ei« war gekränkt.„Das ist Margarine! 27 Mark da» Pfund!" Dem Mann entfiel das angebissene Margarinebrot.„Sieben— und— drei— Du meinst wohl Butter?" Sie lachte leise auf:„Butter? Nicht unter fünfzig—" Dem Manne blieb der Mund offen stehen. Die Winterfliege sauste oerwirrt hinein. Ward wütend ausgespien. Der Mann schrie: „Auch da» noch!" Als die Fliege die Flügel hob zu schnellst» Flucht, krachte eine ungefüge Faust und lieh nur einen dunklen Fleck und zwei dünne Flügel. Borwurfsovll sagte die Frau:„Die Brotfliegel" Der Mann lachte ingrimmig:„Die hat besser gelebt al» wir—" und wischte sich zornig den Mund. Der Wahn d» weißen Nahrung. Al« während de» Kriege» das weiße Brot von unfern Tischen verschwand und an seine Stelle dunkles trat, da hoben die Aerzte mit Recht hervor, daß dieses „Schwarzbrot" sehr viel mehr Nährwert besitze als das w e i ß e Brot. Aber bekehrt haben wir uns deswegen doch nicht, und nachdem die schlimmhcn Zeiten der Not vorbei waren, trat auch gleich wieder das Weißbrot hervor, das nun einmal für fein» und besser gilt. Daß aber diese Vorliebe für weiß« Nahrung eine der größten Sinnlosigkeiten ist, die die Mode auf dem Gewissen hat, das hebt der englische Nahrungsmittclforicher Charles P. Sisley in einem Aufsatz hervor, in dem er den„Wahn der weißen Nahrung" bekämpft. Tie unnatürliche Weiß« unseres Brotes, auf die wir so stolz sind, nimmt der Nahrung ihren Gcichmack und fast alle ihr« Nährkraft. Die Aerzte erklären das Weißbrot für so manche Krank- heit verantwortlich: die Zahnärzte betonen, daß das Schwarzbrot unfern Zähnen viel dienlicher ist. Aber das Publikum will von diesem Fetisch nicht ablassen und bringt sich um wichtige Kraftquellen. nur weil das Weißbrrt„so hübsch aussieht". Dieselbe Manie für das Weiße hat den Nährwert uns»e« Zucker» schwer geschädigt. Der alte braun« Zucker, d» unfern Urgroßeltern so gut schmeckte, ist heute au» unserm Gesichtskreis ver» schwunden. und so mancher mag glauben, daß da» Weiß dl» Na» turfarbe des Zucker» sei. Das ist st« aber keineswegs, sondern von den Kreisschulräten für diesen Tag Urlaub erteilt werde, sollten offensichtlich den Lehrern andeuten, wie un- angenehm ein Fernbleiben an„höherer Stelle" ausfallen würde. Außerdem sind Briefe, die auf Kosten der verdammten Republik in ihren Ämtsstuben geschrieben und auf ihre Kosten befördert werden, für den Landbund eine nette Ersparnis. Verantwortlich für diese Schreibstubenarbeit zugunsten des Landbundes ist der Oberregierungsrat Hake, der das kaum zu unternehmen wagen würde wenn Herr v. Gersdorff nicht einverstanden wäre. Die Tagung war nach solcher Vor- bereitung natürlich stark besucht, und groß war die Freude der Hake und Wilmowski über den gelungenen Streich. Die Referate waren Musterstücke deutschnationaler Demagogie. Ein Lehrer, der in der Diskussion es wagte, seinen hohen Vor- gesetzten Hake zu sragen, wie es möglich s«i, daß zu einer der- artigen Veranstaltung auf dem Dienstwege eingeladen werde, wurde angeschnarrt und auf den Dienstweg ver- wiesen. Im Regierungsbezirk Merseburg sind also die seligen Zeiten des wilhelminischen Regiments dank der Tätigkeit des Herrn v. Gersdorff und seiner Gehilsen für die Lehrer wieder- hergestellt: sie müssen strammstehen und konfervativ-deutsch- nationale Gesinnung wird ihnen auf dem Dienstwege vorge- schrieben. De» Beamtenkartell hat Beschwerde einge- legt, aber der„Dienstweg" der Herren v. Eersdorsf-Hake be- sorgt rasch und sicher wohl die Einladungen des Landbundes, auf Beschwerden reagiert er nicht! Darum möchten wir von dieser Stelle aus an den neuen Volksbildungsminister Dr. B o e l i tz die Frage richten, wie er über die deutschnationale Methode denkt, nach welcher im Kreis Merseburg von Kreisschulräten und Ober- regierungsräten der Amtsschimmel geritten wird. Allerdings nicht nur in Merseburg. Im Magdeburger Bezirk sitzt noch immer als Leiter des Schulwesens ein Dr. D i t t m a r. gegen den die Untersuchung über se.n Verhalten im Kapp-Putsch gar nicht vom Fleck kommen will. Dr. Voelitz wird's allein nicht schaffen können. Er sollte sich mit seinem Kollegen Severing in Verbindung setzen: denn mancherlei Dinge, die im Bezirk des Herrn v. Gersdorff vorgehen, spielen in beiden Ressorts, die Kreisfchulrüte wären bestimmt vorsichtiger, wenn sie an Oberregierungsrat Hake und Herrn v. Gersdorff nicht so verständnisvolle, manch- mal auch mehr oder minder aktive Unterstützung fänden.— Rückkehr zum Kahr-Kurs. München, 29. November.(Eigener Drahtbcricht.) Nachdem schon seit einigen Tagen in der Presse Gerücht« aufgetaucht waren, die bayerische Deutschnationale Bolkspartei, genannt Mittclpartei, bcab- sichtige, wieder in die Regierungekoalition einzutreten, bringt die Baycrische-Bolkspartei-Kcrrcspcndenz als Sprachrohr der Haupt» trägerin der bayerischen RegierungskLaliiton heute Mitteilungen, denen zufolge tatsächlich ein Wiedereintritt der bayerischen R e ch t» b o l s ch e w i st e n in die Regierung bevorsteht. Man bcab- stchtigt sogar, ihnen des Justizministerium wieder auezu- liefern. Demgegenüber möge im letzten Augenblick, bevor Graf Ler- chenfeld diesen folgenschweren Entscheid trifft, festgestellt werden, daß die Koalierung der bisherigen Regierung mit den Leuten um Kohr und P ö h n e r die bayerische Sozialdemokratie zum schärf- st e n Kampf gegen das unter neuem Namen wieder auflebende alte System auf den Plan rufen würde. Graf Lerchenfeld möge sich überlegen, ob er dem Machtbedürfnis ein» frrsstaatftindllch-n Bcvöl- terungsschicht, die Bayern seit Aueübung ihrer Macht zum Hcrt der Reaktion, des politischen Morde» und der Vorbereitung zum Bürger» krieg gemacht hat, die pclitische Zurückhaltung und Reserve der de- mokratischen Arbeiterschaft zum Opfer bringen will. Em deutschnationaler Justizminister al» Schirmherr von Nieder- s ch ö n e n f e l d, als Protektor der bayerischen„Dolksgerichte" und al» Antreiber der bayerischen politischen Polizei würde im Augenblick da» wieder zerstören, was sich in Form eine» bescheidenen Ansatzes von Vertrauen zwischen Arbeiterschaft und Regierung seit Lerchcnfeld» Amtsantritt gebildet hat. Di« Bayerische-Volkspartei-Korrcspondenz schreibt, man habe von vornherein mit einem nur vorübergehenden Ausscheiden der Deutschnationalen Partei gerechnet, was sa auch in der Nicht- dieses fleckenlose Aussehen, da» der Hausfrau so gut ge- fällt, wird nur durch eine Raffinerie hervorgebracht, die dem Zucker viel von seinen für den Menschen nützlichen Eigenschaften nimmt. Ebensowenig wie man heutzutage anderen Zucker taust als schneeweißen und ganz trockenen, fordert man auch weißen Reis. Ab» der Reis mit seiner natürlichen braunen Färbung besitzt allein die hohen Nährwerte, die zum Aufbau des menschlichen Körpers »forderlich sind. Unser weißer Reis hat verschiedene Prozesse durchgemacht, die ihn um eines leeren Vorurteile willen wichtiger Substanzen berauben. Der Reis ist fast die einzige Nahrung des Osten», aber der richtige Reis mit seiner nahrhaften braunen Hülle. Die Indiek oder Chinesen würden von dem Reis, den sie bei uns kaufen könnten, nicht das Leben fristen. So sind also drei wichtige Gegenstände unserer täglichen Nahrung ihrer besten Kräfte beraubt durch lächerliche äußer« Gründe, durch Vorliebe für eine bestimmte Farbe und für ein hübsche» Aussehen. Der Bogenschütze am Lieheusee. In d» Anlage des Liehen- sees in Charlottenburg ist dieser Tage«in monumentale» Bronze- werk von Hugo L e d e r e r, dem Berliner Meister, das schon vor Jahren erworben wurde, aufgestellt worden, ein überlebensgroßer Bogenschütze. Die Figur steht an der Ecke von Kaiserdamm und Witzlebenplatz, für den. der von Berlin her den Kaiserdamm her- unterkommt, bietet sie ihre ein« Hauptansicht, gerahmt von den Pappeln am Seeufer im Hintergrund. Ledere? bat die Anregung zu seinem Wert von einem Bogentanz Nowikoffs vom russischen Ballett bekommen, der vor 8 Jahren in Berlin war. Sein Bogen- schütze, ein Mann von herkulischer Bildung, ist im Laufen begriffen und wendet dabei den Kopf zurück, um rückwärts den Pfeil zu ent- senden. Kraftvoll« Bewegung, großzügige Form zeichnen das Werk aus. Ein Naturschutzpark Sylt. Auf der Insel Sylt gibt es hohe landschaftliche Werte, die in neuester Zeit immer mehr gefährdet werden. Es seien nur das Morsumkliff, die eben gleichfalls einzig- artige 5zühncngrSbcroruvpe auf der Morsum» Heide und die schön- sten Stellen der Halbinsel Hörnum genannt. Es wäre daher sehr zu wünschen, daß die ganze Insel außerhalb der alten Orte und der schon jetzt bestehenden Seebäder dem Spekulationsgeiste und der drohenden Verschandclunq entzogen würden. Wie In der„Zeitschrift für Vogelschuh" mitgeteilt wird, besteht um so mehr Hoffnung auf Verwirklichung dieser Pläne, ol- diese Dünen und Heidegebietc sehr gering« wirtschaftliche Werte darstellen. Der„Bund kür Bogelkchnd« veraniigltet Mlttionkj. den 30., im KÜnsllcrhauS eine» Lieder- und LortragSadenz out der Vogclwelt. Eine Stiftung kür die deutkche Zabnkieilkimde iü von dem Ztock- bolmer Univrrsitnleproscssor Sillinr zur NnterklStzung und stdOcruug r» wisscnlchastlichx, lZakmlieilkunde gemocht worden. Sti'tungen im Be roo? von je lOCOO Mark lind an eine ganze Reihe von deuischen Unloeriiläle» gegeben worden. Der Wiener Schan'plelerlkretk wurde durch Einigung zw'schcn dem?irellorenverdgnd und de» Bübnenorgaiiijationen über die Lohnsrag« »ach langwierigen Verhandlungen beendet. besetzung des Justizministeriums zum Ausdruck ge. kommen sei. De« Bedürfnis nach Besetzung dieses Postens erfordere gerade jetzt eine volle Arbeitskraft und lasse ein weitere« hinausschieben nicht angebracht«rsch-inen. Eine unverbindliche Aussprache zwischen den Froktioasfuhrern der Bayerischen volkspartel und der Bayerischen Mittelpartei Hab« bereit» stattgefunden, ebenso seien die übrigen Parteien sowie der Ministerpräsident verständigt worden. Wahlerfolg in Glüenbtirg. Rüstringen. 29. November.(Eigener Drahtbericht.) Bei der Stadtratswahl in R ü st r t n g e n in Oldenburg, die am Sonntag stattfand, erhielt die Sozialdemokratische Partei 7828, die Unabhängigen 2790. die vereinigten Bürgerlichen 6903 und die Kommunisten l229 Stimmen. Sitze erhalten: Unsere Partei 12, die Unabhängigen<, die Bürgerlichen 9, die Kommunisten t. Bisher waren vertreten: Sozialdemokraten Ist. Unabhängige 8, Bürger- liche 8, Kommunisten 0. Noröprozeß Suchholz. Lokaltermin ta der Schloßkaserue. Ein Lokaltermin bei V Grad Kälte auf den zugig-talten Korri- dvren einer cltmodisch. winkelig gebauten Kaserne au» alter Zeit. Nachdem die Geschworenen, der Borsitzende, die Staatsanwälte, der Verteidiger Dr. Alsberg und die übrigen Prozeßbrteiligten zur Stelle waren, begab man sich in die Räume der Kaserne, in welcher sich am 15. Juni d. I. die Tragödie abgespielt hat. Lendgcrichtedircktor Purlctti läßt zuerst dir Zeuaen hervor- treten, welche die Leiche unmittrlbor nach dem Ertönen de» Sck'.issk» cm Boden liegend gefunden hatten. In dem mit echt militärburcoumätziger Nüchternheit ausgestattetem Z'mMer 89 muh- ten die Zeugen auf dem blankgescheucrten Fusjboden mit Kreide ppitu die Stellen angeben, an der die Leiche des Buchholz, wo die Waffe lag und wo die abgeschossenen und au» der Sclbstladenistole cntomotisch hcrorsgeschleudcrle Patrone gelegen hatte. Zeuge M u n n y zeigt genau die Laar der Leiche, während der Ange- klagte E r r e n an dem Tisch Platz nehmen mutz, an dem er i m Augenblick der Tat telephoniert haben will. Gr starrt dabei hinaus auf den winterlich weißen Platz. Nachdem die Situoiion. wie sie dcmals gcwesen war. nach Möglichkeit reton- stmcrt worden war, kommen die Sachverständigen an die Reihe und nun fetzt»in« sehr lebhafte Debatte ein. Medizinolrat Dr. S t ö r m e r erklärt nochmals auf« bestimmteste, daß er nie und nimmer in seinem Leben an einen Selbstmord de« Biichholz glauben werde. Professor Strauch erläutert mit Hilfe einer Pistole und in einer allerding» bald an dos Schlonnenhafte streifenden Stellung, daß es sehr gut möglich sei, die Pistole In dem ausgebrcckten rechten Arm haltend, bei einer Linkswendung des Kopfes sich in den Hintertops schießen zu können. Demgegenüber weist Medizinalrat Dr. Störmer daraufhin, daß in diesem s�olle die Kugel, in gerader Richtung weitergehend, in der linken Gesichtshälfte wieder hcrausuetrcten sein müßte. Die Obduktion habt ober eraeben. daß da» Geschoß ledig» l!ch die reckte Gesichtshälfte bzw. Kosfhälste durchschlagen habe. Im Anschluß hieran kommt e» zu lebhaften Auseinandersetzungen, an denen sich die Gelchworenen und dl« beiden Staatsanwälte betei- ligen. Da mzwsichen bei den aeösfncten Türen die Räume sehr s ork ausgekühlt sind, wird der Lotoltermin abgebrochen. Tie Er» ört�runn über diele Streitfran'N, von denen da» Ergebnis des Pro» zesses abhängt, soll in dem Moabiter Schwurgerichtssoal fortgesetzt werden. Zubern akloualer Gcwerklchasksbuad und Deutsche RZerk«. Unter den Teilnehmern an der gestrigen Besichtigung der Deutschen Werke tu Spandau befand sich, wie wir nachträolich noch feststellen möchten, der Sekretär de» Internationalen(ScoerkscheuUbundes, Genosse vudegeest. der zwar an der Rundreise durch Deutsch« lond nicht teilnimmt, jedoch im Auftraz« de» Bureau» der Gewert» schaftsinternational« aus Amsterdam nach Berlin gekommen war, um sich an Ort und Stell« von der wahren Sachlage zu überzeugen. Deulsch-keinische Oppouhilfe. Da« Deutsch-Dänische Komitee zur Mselcistung für die Opfer des Oppauer Unglücks überwies dem Neichshilssausschuß für Oppau durch den deutschen Gesandten in Kopenhagen«inen weiteren Betrag von 859010.10 Mark. Das Gksamtergebni» der bisher in Dänemark eingetom- menea Spenden hat hiermit die Summ« von 8 ö 5 0 1 0. 1 0 M. erreicht. Zla'ien ohne Zeibmaca! Insolg« Buchdruckerstreiks erscheinen in ganz Italien kctne Zeitungen. WLrtsthast VerS reucherverkreter zur Teuerung und zu den Verbrauchs- fleurru. Di« am 28. November In Hamburg abgehaltene Versammlung von vertrete rnder deutschen Derbraucherkammern hat nachfolgend« Entschließungen zur Uebermittlun« an die zuständigen Regierungsstellen gefaßt: 1. DI« Versammlung von Vertretern der deutsch«» Derbraucher- kammern ersucht di« Regiervaa«» und Parlamente des Reiche« und der Länder, schleunigst all« Maßnahmen zu ergreifen, die geiegnet sind, t«r allgemeinen Teuerung enigegen�uwirken und der ''chwrren Nollaae der Bevölkerung zu steuern. 0«e Preise sür Pserdedroschten sind ganz beträchtlich in di« Höhe gegangen. Die» geschah, wie es Dorschrist ist, nach der Zustimmung de» Polizeipräsidium». Die Polizei wacht also über di« Berliner Berkehrsmiltel. Line erfreuliche Tatsache sür die Auto» und Droschkenbcsitzer. Da» Publikum aber merkt von dieser polizeilichen Fürsorge herzlich wenig. An jedem Halteplatz der Auto» und Droschken kann man Abend für Abend von 10 Uhr üb di« wildesten Kämpf» beobachten, di« sich zwischen den Wagenführern und dem Publikum abspielen. Di« Chauffeure und Kutscher treten nur dann in Aktion, wenn ihnen das Ziel des Fahrgastes genehm ist. Kein Bitten und kein Flehen hilft. Der Droschkenleltcr gibt sich in den meisten Fällen nicht ein- mal die Mühe einer Ausrede.„Wohin die Fahrt?"—„Nein!"— Es gibt keine Widerrede gegen dieses Nein, denn der Herr des Vehikels hüllt sich in verächtliche« Schweigen. Je weiter die Stunde vorrückt, desto schlimmer wird es, und wenn erst Elektrische und Hochbahn nicht mehr fahren, dann ist es nur denen möglich,«ine Droschke zu bekommen, die dicke Pelze und Brillanten tragen. Dar den Nachtlokalen stehen di« Wagen dutzendweise und warten aus di« reichen Schieber, weil bei ihnen etwa» zu verdienen ist. Dies» Zustände treffen allerdings höchstens 5 Proz. der Be- völterung. Wer kann sich von den anderen 95 Proz. eine Auto- fahrt leisten? Immerhin gibt es genug Fälle, wo in der Rocht auch einmal ein Minderbemittelter ein Auto braucht. Plötzliche Erkran- kungcn in der Familie, ZugvcrspStung und stundenlanger Heimweg und ähnliche«. Diesen Aermstcn ist r« einfach unmöglich, einen Wagen zu bekommen. Fälle, in denen Acrzte nicht zu den Kranken kommen konnten, sollen vorgekommen sein. Kürzlich war ein lahmer, kranker Mensch nach Haus« zu be- gleiten. Die Wohnung log mitten in der Stadt. Der Lahm« mußte unter größten Schmerzen zu Fuß nach Hause gehen. Kein Auto nahm ihn auf. Sie warteten auf die Herrschaften, die aus den Nacht- lokalen kamen, bei denen es mehr als die Taxe zu verdienen gibt. Wir nennen bei diesem Fall den Wagen Nr. l. A. 8886 und hoffen, daß diesem Fahrer, wie allen anderen, vom Polizeipräsidium end- llch einmal das Handwerk gelegt wird. Die Zustände sind unerträg- lich, und bei einigem guten Willen muß e» dem Polizeipräsidenten gelingen, Ordnung zu schaffen, damit in der Republik nicht nur die Schieber und Wucherer von den öffentlichen DerteHrseinrichtungen Gebrauch machen können. Tariferhöhung und Seatntenyehälter. In unserem heutigen Bericht über die Stadtverordnetenver- sammlung ist inscfern ein Irrtum unterlausen, a!» die sozialdemo- kratische Fraktion sich bei der Schlußabstimmung nicht der Stimme enthalten hat. sondern gegen die gesamten Taris- «rhöhungen gestimmt hat. Diese Stellungnahme unserer Fraktion gründet« sich aus folgend« Erwägungen: Wir glaubten, die Mitverantwortung für die schweren Lasten, die durch die neue Tariferhöhung zwcisel'.os der Vevöl- kerung aufgebürdet werden, nicht übernehmen zu können, wenn nicht vorher durch Herabsetzung der Gehälter der höchsten Beamten die Gewähr dafür oegeben wäre, daß die Stadt bereit sei. dort zu sparen, wo noä, Einschränkungen möglich sind. Die Her- absetzung der oberen Becmtengehälter im Sinn« unserer Anträge wurde leider durch di« erwartete Haltung der K o m m u n> st e n und durch die ganz unerwartet» und unverständliche Ltel- tungnahme der Unabhängigen, die für den hgroee» lichen Dertagungsantraz stimmten, vereitelt. Für unsere Anträte, di« die Spttengehälter um rund 6 Millionen kürzen wollten, wäre sonst ein« Mehrheit rorhanden gewesen, da Zentrum und Wir:» schaftsvortei bcrcir waren, dafür zu siimintn. Die Bürgerlichen verfolgten natürlich den Zweck, nach An- nahm« der Deckunosrorlaoe in einer späteren Sitzung di» HScksten Gehälter wieder hinoufzuletzen. Daraus konnte sich unsere Frak- tion nicht einlassen. C» wäre uns unter dielen Umständen ein leich- te« gewclkn, die Finanzen der Stobt völlig zu sabotieren, indem wir dir D e s ch l u ß u n s ä h i g k» i t des Hauses herdeifüdrten, da die bürgerliche„Mehrheit" wieder einmal nichtvollzähligzur Stelle war. Unser» Fraktion glaubte ober mi: Recht, diesen Weg, der zu einer Finanztotastrcvhe der Stadt hätte führen können. nickt gehen zu sollen. Sie mußte e» jedoch andererseits unter diesen Umständen den bürgerlichen Parteien allein über- lassen, die Verantwortung für die Erhöhung der Lichi- und Straßenbahntaris« ihren Wählern und der arbeiten» den Bevölkerung Berlin» gegenüber zu tragen. Der WossenfunS im StuöentenkeUer. Geheimnisvolle« verschwinden verbolener Waffen. Bor dem Amtsgericht Ehorlottenburq wird sich heuie ein interessanter Prozeß wegen Waffenhinterziehung und Waffenschie- bung abspielen und zwar werden sich drei Vertreter der Rechtspar- tcien und drei Vertreter der Linksparteien zu verantworten haben. Die Verhandlung hat folgende Vorgeschichte: In dem Heim der studentsschen Verbindung„Thuringla" in der Schillcrstrcß« zu Cherlottenburg waren im Keller in Kisten Waffen ausbewahrt, die onoeblich einer Or�esch-Dercinigung ge- körten, deren Führer drei Mitglieder der Verbindung, und z�r die Studenten Henke, Pool und Sufenius sein sollt««. Die Waffen lagerten dort lSnecre Zeit. 61»«Ines Tag«« der unabhänaine Ehar- lottendurger Stadtrat Milk'von dem Depot Kenntnis erhielt und nunmehr mit«inigen Kommunisten einen Plan ausarbeitete, um sich in den Besib der Waffen zu setzen. Eines Nachts im August d. I. fuhr ein Wogen in der Schillerstraße vor dem Heim der „Thurinpia" vor, eine Anzahl Männer begaben sich in den Keller und luden in oller Rulle die Kisten auf den vor der Tür harrenden Wagen airf. Do» Verschwinden der Waffen fiel sehr bald auf. Bei der Untersuchung durch die zuständigen Behörden ermd«» sich dann aber auch, daß die Kommunisten die Waffen an sich gebr�ck» und nach Reinickendorf üdersührt kwtten. Außer Stadtrat WIlll waren an dieser Anaelcoenlleit noch die Kommunisten Sommer und Leitner beteiligt. Alle drei gaben an. daß idnen die Waffen in Reinickendorf abhanden gekommen ieien. nachdem sie die Kisten dort Er«i"»llen jer Aufbewodr"«'' überaeben hätten Alle Nochforschunaen der Volizei und des Gerichts sind ver- gebllch gewesen, denn die entführten Waffen sind und bleiben ver- schwunden. So wurde denn oegen die Mitglieder der„Thuringla" und oeoen Stadtrot Willl sowie oeoen die oanannten beiden Kam- munisten oemeinsam Anklage erhoben. Die drei Studenten sollen sich weaen Waffenhinterziehung, die drei anderen Angeklagten wegen deslekb«n vergehen« und wegen Waffentransportes, der ebenfalls verboten ist, verantworten."__ Umsteigefahrscheine für Hochbahn und Straßenbahn. Wie von gutunterrlchteter Seite mitgeteilt wird, ist jetzt in großen Zügen zwischen der Direktion der Straßenbahn- und der Hochbahn» gesellschoft ein Abkommen fertiggestellt worden, da» eine Er- leichterung de» Publikums für die Benutzung der Straßenbahn und der Hochbahn für Groß-Berlin bedeuten würde. Es ist geplant, N eber steigkarten zum Preise von 2,60 M. auszugeben, die den Inhaber berechtigen, die Straßenbahn und die Hochbahn zu benutzen. Mer Wahrscheinlichkeit nach würde der Inhaber einer derartigen Umstelgekarte berechtigt sein, zunächst ein» der beiden Verkehrsmittel bis zu einem Anschlußpunkt und von dort dann di« ander« Lerkehremöglichkeit zu benutzen. « Auch die Berliner Omnibus-Gesellschast wird ihre Fahrpreis« für die Kraftomnibusse ab 1. Dezember 1921 wesentlich erhöhen. Unter Beibehaltung der bisherigen Teilstrecken wird einstweilen der Mindesttarif von 1 M. aus 1,50 M. und der Taris von 2 M. aus 8 M. erhöht. Außerdem tritt an Stelle de» auf der Linie �„Unter den Linden— Holensee" geltenden Höchsttarifcs(für di« ganze Streckei von 3 M. ein solcher von 4 M.— Die bisherigen Fohrscheine zu 1 M. und zu 2 M werden bis zum Verbrauch für 1,50 M. und 3 M. ausgegeben werden. Gegen die ungleichen Gehaltserhöhungen. Die Bezirtsbürger meist er und dl« besoldeten Stadt- rät« üller Parteirichtungen haben einmütig gegen die in der Ma- qistrotsvorlag« über die Crhödung der Gehälter vergenommen« Neuregelimg der Stadtratsgehälter Einspruch erhoben. Die hier- gegen gerichtete ausführlich begründete Eingab« ist von s L m t- lichen Bezirksbürgermeistern unterzeichnet. Die Bezirksbürgcrmeister betonen auch in der Eingabe ausdrücklich, daß es bei ihrem Einspruch nicht sowohl auf die absolute Höhe der Gehälter, als vielmehr auf die Aufrechterhaltung desjeni- gen Verhältnisse, zwischen den Bezirksämtern und dem Magistrat ankommt, da» bei der Bildung der Be» zirksämter bestand und für die Wahl Ihrer Miiglicdcr wie für di« Annabme dieser Wahlen grundlegend und maßgebend war. Diese» Verhältnis findet aber in der Geholtsregelung einen wesentlichen Ausdruck. Das iystematische Bestreben de» Magistrats, di« Stellung der Bezirksämter herabzudrücken, bedeute aber auch ein« volle Ver- kennung der Ziele de« Gesetze« Groß-Berlin. Ter verräterische Tclegrammlvechsel. Durch«inen verdächtigen Telegrammwech'el ist di« Kriminal- polizei auf die Spur eines ungetreuen Postbeamten und seiner Helfershelfer gelommen. Ein Hilsspostbote Erich Schröder in Schmalkalden hatte dort die ihm zur Bestellunq übergebenen Briefe auf ihren Inholt untersucht und diese, wenn sie Scheck» ent- hielten, unterschlagen. Die Scheck» sandte er dann an«inen in Berlin wohnhaften Freund namens Erich Becker, der sie wiederum durch einen Freund erheben ließ. Zwischen dem Postboten in Schmalkalden und den Berlinern war vereinbart worden, daß die Berliner einen Prozentsatz de» erhobenen Geldes für sich be- halten, den Rest aber nach Schmalkalden schicken sollten. Oer un- getreue Postbot» wartete sedoch vergeblich aus seinen Anteil und er telegraphierte deshalb nach Berlin:„Wo bleibt Geld!" Al» Antwort bekam er ein Telegramm mit dem Wortlaut:„Geld bleibt hier!" Dieser Telcgrawmwechsel erregte die Ausmert- lamkeit der Aufsichtsbehörde der Post. So kam man dem diebischen Postboten und seinen Berliner Heljcrshelfern auf die Spur. Ergrlsfene Ränder. Während e« den Räubern, die Passanten Überfallen meist gelingt, mit der Beute zu cnttcmmen, konnten gestern zwei dieser Burschen bald nach der Tat ergriffen werden. Der Ar- bcitcr S e e s e l d aus Spandau wurde in der Nacht zum Sonntag gegen 12 Uhr. als er sich auf dem Heimwege besand, von drei Männern überfallen und seiner Brieftasche mit 1800 Mk. und seiner Uhr mit Kette im Werte von 900 M. beraubt. Der Span- dauer Kriminalpolizei gelang es bald, zwei der Täter zu er- mittel» und festzunehmen. Bei der Gegenüberstellung mit dem Ueberfallenen wurden dies« von dem Beraubten wiedererkannt Gemeinsamer Tod zweier Schwester«. Zwei Schwestern. Martha und Alma F r a ß, die im Alter von 43 und 53 Jahren standen, wurden gestern nacht von dem bei ihnen wohnende» Dienstmädchen tot aufgesunden. Tie Schwester» hatten vier GashShn« geöffnet und so ihrem Leben ein End« beretUt. Die Leichen wurden beschlaznahmt und nach dem Schauhause gebracht. Aus dem verforgunaskrankeahaus Tempelhof ist un» vom Lt> trieberat ein längeres Schreiben zugegangen, das gegen den Chef» arzt dieses Lazarett», den Generalarzt a. D. und Geheimen Me« dizinalrat-Proff Colli», scharfe Vorwürfe erhebt. Da» Mit- bestlmmungsrecht. das Arbeitnehmer heut« hoben, scheint dem wohl noch an frühere Selbstherrlichkeit gewöhnten Chef unbequem zu sein. Verhandlungen mit ihm über seine Anordnungen sind schmierig, und es kann dem Betriebsrat bei entschiedener Vertretung der Arbeit- nehmerinteresscn passieren, daß der Herr Generalarzt a. D. die Form und den Ton herausfordernd findet. Die im Dersorgunoskranken- haus bestehend« Cvannung birgt die Gefahr in sich, daß Angestellte oder Patienten sich zu Unbesonnenheiten reizen lassen, so daß ein Grund zu vorzeitiger Auflö'ung der Anstalt gefunden werden könnte. Ohnedies hat der Chef das Auflösungsgespenst mitunter schon an die Wand gemalt, wenn ihm Wünsche der Arbeitnehmer vorgetragen wurden. Die Aussicht, aus die Straße gesetzt zu werden, ist doppelt schlimm in dieser Zeit allgemeinen Notstandes. Zunächst sollte aber die zustandige Behörde, das Reichsorbeitsministerium, einmal erwägen, ob der Herr Chefarzt für seinen Posten geeignet ist. Ein General Dela Kuhns als Hotcldieb. Unter dieser Spitz- marke hatten wir in Nr. 551 de»„Vorwärts" über die Vcrlwftung eines Mitglieder der ungarischen Räterepublik berichtet. Rechts» anwalt Dr. Weinberg, der Verteidiger des Verhasteten, teilt uns dazu folgende« mit: Herr Beer, der Kommissar der Ungari- schen Räterepublik war, und wegen dieser Tätigkeit von den Hortn- Gerichten zum Tode verurteilt und deshalb Im Sommer d. I. al« Flüchtling nach Deutschland gekommen ist. Er hat sich, ta er kein« ordnungsmäßigen Papiere hatte, falscher Papiere bedient, die aus den Namen K S n i g e r lauteten und ist wegen unerlaubter Einreise zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Weiterhin wird er wegen intellektueller Urkundenfälschung verfolgt, weil er sich bei Acrbüßung dieser Strafe des Namens Königer bedient hatte, auf den feine Pässe lauteien. Bei dem Versuch, sich Papier« zur Weiterreise nach Amerika zu besorgen, ist er in ten Verdacht des Diebstahls geroten und wird dccweaen am 6. Dezember 1921 vor dem hiesigen SchLffengericht Verlin-Mitt« obneurteilt. Weiter« Strofoerfohren gegen Ihn schweben nicht.— Er bestreitet auch ganz entschieden, jemals an irgendeinem Diebstahl beteiligt gewesen zu sein. Die Arbeitsgemeinschaft sossaldemokratlschcr Lehrer faßte in ihrer letzten Sitzung nach einem Referat des Genossen Haenlsch eine Ent- schlicßunn, die in der Wahl des Dr. D o e l i tz zum Kultusminister eine große Gefahr für die gesunde, freiheitliche Entwicklung de» preußischen Schulwesens sieht. Wilmersdorf. Die Beerdigung des Genossen Paul Schubert findet nicht in Stahnsdorf, sondern am Mittwoch, den 30. November, 3 Uhr nachmittags, aus dem riedbofe der Friedrich. Werderschen Kirch« in erlin SW., Bergmannstraße, statt. Mariaiirtirntlieatee de» Jugendamts Neukölln. Am t.Dezöv. crösinet da« tm Porjakn e to beliebt gewordene Dietzelche Marionettentbearer lein diesiabrige» VWipiel. Tie QvöftnunflSnorflellunq fn det am Tanners» tag. 1. Dezember, 8><, Ilbr, tn der Aula des LhzeumS. NeulZlli,, berliner Straße 10, statt. Ter Siiilrttteprri« beträgt jur Kinder 1 M. tür Er» maihiene 1 50 M. Als erste OpeinvoisteNiing siir EnvaAsene Ist»Der tapscic Ka'sian- von Nickard Slrautz in Paibercitung Auskunit bereit» wilitatl im Limmer Nr. 278 de« Neulbklner städliicken Fiigendrsiegeamts. Nathans, 9 Tieppen; dort und an den Tageskassen find auch di- Nntriits» karte»«rhäMlch._ Wetter für morgen. Verli« und Nmgegend. Bieliach nebelig, tonst trocken und zetttvess« heiter bei grihtenteiis ichwacken östlichen Winden. Nachts und Morgen« ziemlich strenger Frost, um Mittag Temperatur nahe bei Null. Oswsr�schQstsbswegung Tagung der Sehöröen-Techniker. Der Bund der technischen Angestellten und Beamten hatte für e 5)ouptgruppe„Behörden und öffentliche Betriebe" einen Be- �rden-Technikertag einberufen, der am Montag stattfand, chän- eler gab in seinem Geschäftsbericht einen Uebcrblick über die Er- alge, die der Bund in Verbindung mit dem Afa-Bund und dem ZDGB. erreichte. Er vertrat den Standpunkt, daß der Deulfchs Leamtenbund sich als f r e i g e w« r k f 6) o f t.l i ch s Organisation werde bekennen müssen. Redner begründete eine Entschließung, nach der der Bund nachdrücklichst auf den DBB. im Sinne einer Zu- lammenarbeit mit dem ADGB. einwirken soll. Sollte der DBB. vi« schwebenden Verhandlungen abbrechen, so müßten die freigewerk- schafilichcn Beamtenverbände sich zu einer eigenen Spitze zusammenfinden, um Beamtenpolitik im frcigewerkschaftlichen Sinne zu leisten. Die Entschließung wurde einstimmig gebilligt. Hierauf begründete Händeler»in frelgewerkschafiliches Deamkenprogramm. das folgende Forderungen enthält: Das B e a m t e n v e r h ä l t n i s ist für die öffentlichen Arbeit- � gebor— Reich. Staat und Kommune— als Anstellungs-' grundlage beizubehalten.— Bei der in der Verfassung vorg»-' sehenen Neuregelung der Grundlage des Beamtenverhältnisses ist; der Grundsatz zu verwirklichen, daß das Beamtenrecht nur ein Teil! eines einheitlichen Arbeitsrechts fein kann. Dem...... � � �„. Gesetzbuch der Arbeit, das in feinem ollgemeinen Tell die für alle! Hausbesitzer geben zu. daß die Forderungen der Portiers vollauf Arbeitnehmer geltenden Bestimmungen umfaßt, ist neben den be°! berechtigt siyd. SEknn sie dennoch nicht bewilligen, so angeblich des- sonderen Bestimmungen für Arbeiter und Angestellte dos aus ihren � J}?'0' weil sie dazu nicht m der Lage selsn, solang« kein höherer vesonderen Dienstverhältnissen sich ergebende Recht der Beamten an- � �®,uf° K�zu lässig sei. Man sucht so d l e Not der Por- wendigen Maßnahmen, die in der sich anschsießenden Diskussion ohne Widerspruch anerkannt wurden. Beschlossen wurde, in den Arbeitsausschuß der Hauptfachgruppe „Behörden und öffentliche Betriebe", folgende Mitglieder zu wählen: Rohr, Seidel, Tilly, Haferkorn, Lemnitz, Hille, Stock, Sauernheimer und Strubel. Q u ei ß er-Berlin hielt einen Vortrag über„Die Forderungen der technischen Beamten, an Gesetzgebung und Verwaltung", der bei- fällig aufgenommen wurde. Entsprechend den Forderungen des Bortragenden wurde drei Entschließungen zugestimmt. Diese verlang«!!, daß den Technikern die im privaten Wirtschaftsleben vollzogene Dienstleistung in vollem Umfange angerechnet werden und daß die in der Ziffer läle und 144 der Aussührungsbestim, münzen zum Pr. B. D. E. G. liegende besondere Härte beseitigt werden soll. Ferner wird Prot« st gegen die ungerechte Bewertung technischer Arbeit durch die gesetzgebenden Körperschaften und die Verwaltungen erhoben und Abänderung ge- fordert. Nach Erledigung einiger weniger wesentlichen Angelegenheiten wurde die Tagung mit einem dreifachen Hoch auf den Bund ge- schlosien.__ Zum Streik der Portiers. Zu den 127 Betrieben, deren Inhaber die Forderungen der Angestellten bswilligten. sind noch weiter« 19 Betriebe gekommen. Im Streik stehen noch etwa 7lIO Betriebe. Um 3 Uhr heute nachmittag wird vor dem Demobilmachungskommissar verhandelt. Mit diesem Streik hat es eine besondere Bewandtnis. Die zugsiedern.— Als Grundlage des Beamtenverhältnisics haben die öffentlich-rechtliche Natur des Dienstoertrages, die Pensionsbe- rechtjgung und die lebenslängliche Anstellung zu gelten.— Die Pensionsberechtigung verwirklicht die Federung des Anspruchs auf auskömmliche Alters- undHinterbliebenen- v e r s v g r u n g, die für olle Arbeitnehmer zu erheben ist. Deshalb ist das heutige Pensionsrecht der Beamten nicht nur beizubehalten, sondern weiter auszubauen und darüber hinaus auch den privaten Arbeitnehmern der gleiche Rechtsanspruch zu gewähren.— Die lebenslängliche Anstellung ist ein Ausfluß des Rechts aus Arbeit und Lebensunterhalt, das für jeden Volksgenossen zu erstreben ist.— Alle Bestimmungen des Beamtenrechts, die die freie Entfaltung der Persönlichkeit hindern, sind zu beseitigen. Die Disziplinarbefugnisse der Vor- gesetzten sind eng zu begrenzen und an die Mitwirkung der Beamten- räte zu binden. Die Disziplinargerichtsbarkeit ist in die a l l g e- meinen Arbeitsgerichte einzugliedern, in denen Kammern für Arbeiter, Angestellte und Beamte zu bilden sind. Alsdann sprach Hornbostel über„Techniker und Dermal- tungsreform". In seinen Leitsätzen bezeichnete der Redner a's Ziel der Verwaltungsreform die Erreichung des besten Wir- kungsgrades des Verwaltungsapparates, um die wirtschaftlichste und damit auch die sparsamste Arbeit zu sichern. Ferner besprach der Redner alle zur Erreichung dieses Zieles not- t ie r s a l s V o r s p a n n für höhere Mielzuschläge zu mißbrauchen. In dieser Weise wird man auch in der heutigen Verhandlung ope- rieren. Wer Persers beschäftigt, muh sie so bezahlen, daß sie existieren können. Und die hierbei in Frage kommenden Grund- eigentümer können das sehr wohl. Ihre Bestrebungen auf Er- langung höherer Mietzuschläge müssen sie schon ohne solche Umwege verfechten, als den, die Portiers erst hungern lassen, dann ihre Forderungen als berechtigt anerkennen und die Schuld dafür, daß sie nicht erfüllt werden, auf die Höchstmietenverordnung zu schieben. Wie dir deutschen Gewerkschaften aus dem Taargcbict vertrieben werden solle». Bon französischer Seite ist für die kürzlich erfolgte Einreile- Verweigerung an deutsche Vergarbeiterführer in das Saargebiet jetzt ein Schcingrund gefunden worden. Der Direktor der Saar- und Mrselgrnben, Chavanne, tritt mit der Behauptung cm die Oeffentlichkeit, der gegenwärtig in Lothringen ausgebrochl.n« Berg- arbeiterstreit sei auf deutschem Boden auf einer Konferenz des Bergarbeiterverbantes in Waldmohr beschlossen worden. Die Kon- ferenz in Waldmohr, von der hier die Rede ist, wurde von dem Bezirksverband des deutschen Bergarbciterverbandes im Saargebiet abgehalten und beschäftigte sich lediglich mit dem Lohnabbau auf den Saargrubcn. Der Ort Waldmohr war deswegen gewählt worden, weil die Saerregierung den Führern des Bergarbeiterver- bandes die Einreise verweigirt hat. Die französisch beeinflußte Saarregienmg hat neuerdings der Kampf gegen die deutschen Gewerkschaften aufgenommen, weil sie die Arbeiterschaft des Saargebiets von dem deutschen Gewerkschafts- einfluß isolieren will. Da sie aber keinerlei Rechtsgründe für ihr Vorgehen hat, bemüht sie sich krampfhaft, irgendwelche sinnlose Ve- schuldigung zu erfinden, um ihre Abwehrmoßnahmen gegen dl« deutschen Gewerkschaftsführer notdürftig rechtfertigen zu können. „Wie die Berliner Gastwirtsangestelllen betrogen wurden." Sn einem Artikel der„Roten Fahne"(Nr. 536) wurde die Behauptung aufgestellt, daß der Verbandsgauleiter G ö r r e»(Wiesbaden) in einer Versammlung in Halle, laut der Zeitung„Klassenkampf", gesagt haben soll, daß der Genosie Cohen dem bekannten Schieds- spruch im Gastwirtsgewerbe nur nach Rücksprache mit den Genossen Vollmerhaus, Schmidt und Riemann zugestimmt hat, der angeblich die Niederlage der Streikenden besiegelte,„weil diese sauberen Pa- lrone die Verantwortung für den Generalstreik nicht tragen wollten". Hierzu habe ich zu erklären, daß dies eine Verdrehung der Tat- fache» ist. Wahr ist vielmehr, daß ich gesagt habe:„Die Berliner Beiratssitzung hat unter Anhörung von Vertrauensleuten einwand- frei festgestellt, daß sowohlCohenolsauchVollmerhous, Schmidt und Riemann ihre volle Schuldigkeit getan haben und alle über jeden Zweifel erhaben sind." In der in Halle statt- gefundenen Versammlung habe ich ausdrücklich, laut der„Volks- zeitung für Halle"(Nr. 269 vom 17. November 1921) erklärt. daß nur durch Androhung des Generalstreiks die Unternehmer an den Verhandlungstisch gezwungen worden sind. Wahr ist auch, daß ich gesagt habe, daß unter den gegebenen Verhältnissen die Vertrauensleute diesem Schiedsspruch zustimmten, weil augenblicklich nicht mehr zu erreichen war und dieser Schieds- spruch durchaus keine Niederlage bedeutete. Daß es den betreffenden Genossen nicht ernst mit dem General- streik gewesen sein sollte, habe ich niemals erklärt. Auch nicht, daß der Genosse Cohen seine Stimme zum Schiedsspruch durch Zwang der Beisitzer Vollmerhaus, Schmidt und Riemann gegeben haben soll. Eigenartig berührt die Feststellung, daß der von der„Roten Fahne" in ihrem Bericht angeführte Satz in der Berichter' attung der Versammlung ihres Bruderorgans„Klassenkampf" nicht ent- halten ist. W. G S r r e s, Wiesbaden. Gewerkschastskartell Rswawes. Hierdurch fei nochmals darauf hingewiesen, daß die Meldungen zur Weihnachtsbescherung für Waisenkinder nur noch bis zum Sonnabend angenommen werden, und zwar beim Genossen Dürrl, Lindenstr. 36. Spätere Meldungen können nicht berücksichtigt werden. Fortsetzung des Streiks der Essener Straßenbahner. Die Ur- abstimmung unter den streikenden Straßenbahnern hat 1188 Stim- men gegen und 316 Stimmen für die Wiederaufnahme der Arbeit ergeben. Der Streik wird somit fortgesetzt. Außerdem haben die christlichen Gewerkschaften sowohl wie die Metallarbeiter be- schlössen, den Kampf fortzusetzen. Dutssciizr Servoelsterverbaud,»ezirlsnerew Lichtenberg. Am 2 Dezember Senera>ver'amm>ung Bortiog. Serberd der angeltellte» Dea.gstea und Helfertnuea. Sitzung Mittwoch S Uhr InfeUlratze Ecke Neue Illtobsiratze. Lerantw. iilr den redntt. Teil: Dr. Werner Deisee, Etzarlottenburg: iür An. zeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag Dorwärts-Berlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwäris-Duchdruckereiu. Verlagsanstalt Paul Einger u. Co.. Berlin. Lindenstr. S. BTJ! Haus Oranien gcwilirt verinitfe's Hoctitrequcnz, Dlatberail«, Lichtbäder, Htzhensonnen usw B» 1 l? t P A BVfl£&£4 1 V 1 1 ss I Trauring, Duk. Gold[JP _' �(sci.w.r. Ausführ 800 M ffi TO.'Sigst.v 200.400M 'p- 1 Rj., M3 gst. v 7«.2 O M. ßf — Garantiesch. f. gestzl. Goldinbalt Ankauf v. Gold-, Silber., Platlnbi ach infolge Sc!bstverwerf.z.denkb günsLPrels! L Brillanten z. AuslandsK. ü Wiese, jlrlMestr.80 H Telephon; Norden 10SO Achtuns! Verband der Graphischen Hiltsarb. ii. Arbeiterinnen Mittwoch, den SB. November, nachmsttags S Uhr Versaiftmlung der�uchdruckfunktionäre la der„Zauber stiüe-, Kommaadauteastraße 72, Eck: Veuthstratze. Tagesordnuag: BertchS von den Veidandtunsen des Tarifausschusses. Die Dichtigteit der Tagesordnung erfordert das Erscheinen aller Berlrauens'euie. 5i/IZ- Der Orlovorsfand: Otto Gloth TtnnrriA.ar' ßucSibinigereS Neukölln, Kaiser-Friedrich-Str. 36-37. 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