Tic. 566 ♦ ZS.�ahrgaSg Ausgabe A Nr. 28 b Bezugspreis: Vikrteljährl. 45.— M, monall. IS.— M. srei ins Sau», voraus zahlbar. Polt» bezug! Monatlich 12.— äJL einschl. Zu- Cellunqggebllhr. Unter klrruzband sllr Deutschland. Danzig. das Saar- und Memelltedtct. sonne die ehemals deutschen Gebiete Polens, Oesterreich- Ungarn und Luxemburg 25,— M. fiir das übrige Ausland 3%— M. Post- tcstellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho» Slowakei. Däne- inart. Holland. Luxemburg, Schwede» und die Schweiz. Der.BorwSrt«" mit der Sonntags- beilage.Pol! und S'U*. der Unterhaltungsbeilage �Heimwelt" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berlin- Morgen Ausgabe Derlinev VulKsblstt ( 50 Pfennig) NnzeigcnpreiS: Die zehngespalten» NonoareiUrzel'e tostet 7,— M.„Uleine Anzeige»- da» lettgedrustte Wort st.— M. lzu- lässig zwei fettgedruetle Wortes, sel»» weitere Wort I.öll M. Stellengesiuttr und Echlasstellenanzrigen das erste Won 450 M.. jede» weitere Wort I.— M. Worte Uber 15 Duchstaeen zählen iiir zwei Worte. flamilieu-A»- zeigen für Abonnenieii Zeile 4— A!. Die Preise oerliehen sich einschl>eg>!<.> Teueriing».Uschlag. Anzeigen sür die nächste Nummer müssen 61« 4'. Ahr nachniiltags n» Haiiptgeschäst. Perl in CW Ust. Linden- straße st. abgegeben werden. Geostiiei von S Uhr srüh bi» ö Uhr abend». Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands Rebaktion und Expedition: SV) 08, Lindenstr. 3 Redaktion Morinplat, ,Sli»S-»7 �erniprcmer. V�,dtti-N Wtoritivlav ll7S»— Donnerstag, den 1. Dezember 1931 Vonvarts-Verlag G.m.b.H., SV) 08, Lindenstr. 3 ■ Verlag. ti>t-prdi»jou und An'eratrn- Nt-rrisprrriirr. Morinpla» ,17»»-»4 Churchills Erkenntnis. L o« d- n. 30. November.g danach, neugierig in die etwas gemischte Welt von 1921 hineinzublicken. Ist der Dichter, der so sieht, kurz- sichtig? Ist er hellsichtig? Cs wäre schwer zu entscheiden, ob er in Armut bleibt, da er sich nur au die Gezackten und Gekrönten hält. Ihm fehlte eben der Sinn für das Bürgerliche. Ihm braucht darum nicht der Sinn für das Künstlerische zu fehlen. Er ist ein artistischer Schriftsteller, und sein neuestes Lustspiel verrät wieder seinen un- gewöhnlichen Geschmack, der nicht zu täuschen ist. Es verrät sich nicht minder das seltene Talent, einen zarten, ziselierten Dialog zu schrei- den. Uebrigens ist der Titel des Stückes mehr romanisch als deursch. „Der Schwierige", was wörtlich nach dem Pariserlschen verdeutscht scheint. Dies« Schwierig« ist ein äußerlich geschniegelter, innerlich etwas tiefer veranlagter Graf, der die Gräfin Helene als ein Wider- Parteitag öec Deutschen Volkspartei. Der vierte Parteitag der Deutschen Volkspartei, der in Stull- gart stattfindet, wurde eingeleitet durch eine Sitzung des Z e n- tralvorstandes. Der Reichsiagsabg. Dr. Hugo erstattete das Referat über die polltische Lage. Seine Ausführungen ließen ein — allerdings sehr vorsichtiges— Abrücken von den Kundgebungen des Reichsverbandex der deutschen Industrie er- kennen, für die die Deutsche Volksoartei nicht verantwort- l i ch sei. Dr. Hugo sagte weiter: Der Reichsverband der deutschen Industrie habe das Verdienst, auf die Notwendigkeit der Sanierung unserer Staatsbetriebe hingewiesen zu haben. Bei einer U m- steliung der Neichsdetriebe(also doch!) dürste» aber die Boamtenrecht« nicht geschädigt werden und das öffentliche Interesse müsse dabei Privatinteressen gegenüber gewahrt werden. Weiter bedauert« Dr. Hugo, daß die D e u t s ch n a t i o- n a l e Partei von der Koalitionsbildung ausgeschaltet fei. Die Deutsche Volkspartei sei für ihre Hineinnahme gewesen, aber Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten hätten es verhindert. — Nach Hugo sprach der preußische Unterrichtsminister Dr. B o e I i tz für die große Koalition. Nach ausgedehnter Aussprache wurde eine Vertrauens- k u n d g e b u n g für die Reichstagsfraktion und für die preußische Landtagsstaktion beschlossen. Maßnahmen gegen üie Kartoffelnot. Aus dem Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft wird uns geschrieben: Mit Rücksicht auf die lebhasten Beschwerden, die noch immer von den Verbrauchern aus den wichtigsten Bedarfsbezirken über eine unzureichende Anfuhr von Kartoffeln einlaufen, sind die Re- gierungen der Länder von dem Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft ersucht worden, in den E r z e u g e r» gebieten Verhandlungen zwischen Landwirtschaft, Handel und Verbrauchern einzuleiten mit deiii Zweck, den unmittelbaren Ab- schluß von Liefer ungsoerträgen herbeizuführen. Als Preise sollen nach Möglichkeit die in den Erzeugergebieteu von den ort- lichen Kommissionen ermittelten Angemessenheitspreise zugrunde gelegt werden. verschleierte Wohltätigkeit. In einem sehr zeitgemäßen Erlaß hat der pceußilche Minister für Volküvohlfahrl kürzlich dem Staat�kommislar für die Kriegs» Wohlfahrtspflege in Preußen und die Oberpräsidentcn beauftragt. daS Augenmerk auf jene Veranstaltungen üii richten, die unter dem Aushängeschild deS wohllätigen Zwecke? sehr oit nichls andere? ol? laute, mit Vergnügungen verschiedener Art verbundene Feste sind. bei denen wegen der hoben Kosten der.wohltätige Ziveck' meist lehr schlecht abschneidet. Der Erlaß nimmt Bezug aui da? an den Reichskanzler gerichtete Schreiben de» Reichspräsideutcn, in dem dieser auf die?!0llveiidiqkeit hinweist, den Auswüchsen g e s e I l i ch a k t l i ch e>i Lebens zu steuern und die Leben?» kühruiig dem Ernst der Zeit anzupassen. Der unwiffsnüe Staatsrechtslehrer. Prof. B o r n h a k sucht sich der Blamage, die der hier geführte Nachweis seiner Unrichrigkeiten für einen Staatsrechtslehrer be- deutet, dadurch zu entziehen, daß er sich von dem Gebiet de» Rechtes auf da» der T a t s a ch e n flüchiet. Wenn er nicht erwähnt habe, daß unter dem alten System Reichskanzler und Reichsminister schon nach zweijähriger Dienstzeit pensionsberechtigt waren, so spiele das keine Rolle, weil unter der Republik ja doch kein Minister zwei Jahre im Amte sei. Wenn er nicht erwähnt habe, daß auch unter dem alten System Minister, die gleichzeitig Abgeordnete waren, ihre Ab- geordnetendiäten neben dem Ministergehalt bezogen, so weil dieser Fall früher selten gewesen sei usw. Indem Prof. Bornhak sich auf diesen Boden stellt, beweist er nur, daß sein ganzer Artikel über Ministerpensionen gerade von seinem Standpunkt aus hinfällig war. Denn seinen mit Ge» spenstiger umwirbt. D. h. er liebäugelt mit der anderen. Er kam- promittiert sich sogar, um nicht das richtige Herz zu zeigen. Und die Explosion der Wahrheit, die darum durchaus nicht verkappte Lüge ist, vollzieht sich in geläufigem Moll. Immer nur aristokratischer Salon, märchenhafte Lakaien, die Mutter, die ihren braven Jung- ling an die Schöne bringen will, der Galle, der nicht merkt, daß ihm schon die Hörnlein angetvachsen sind. Bei alledem aber, diese schöne, anmutige und witzige Sprache Hofmamistals. Tempo wird ersetzt durch Geist, Rampeniemperament, das der Dichter nicht achtet, wird ersetzt durch enthaltsam angebrachte psychologisch« Wirkungen. Man spielt nicht immer wie man sollte. Man war nicht immer süß genug, sondern nur fade. Man oertraute z. B. Herrn E d t- h o f e r die tragende Rolle des schwierigen Lebemannes v" de- auch Weltmann sein soll. Dem Künstler sehlt aber da» Geletzte, er ist kein gelassenes Naturelll das seine Sprigigkeit ms 9Zr«i:f.i entwickeln könnte. Frau Thimlg spielte sehr aufrichtig und inner- ilch die Frau, die der reinen Liebe sähig ist. Frau Christians war sckän und überlegen als mißverstandene Äatlln, die mit großer Geste die seelische Dürftigkeit liebkast..Herr Thimig spielte in einer Person den Jüngling, der dumm und Pfiffikus zugleich ist, den liebenswürdigen, der m t rtzcrnen Gedanke i!pi::tmi«rfmitich herumwirft. Max H ochd orf. „Die Frau im Islam". Bei flackernder, schwelender Kerzen- beleuchiung— der Hörsaal mar gerade so hell, daß man die Dunkel- hell sah— sprach Dienstag abend im Orientalischen Seminar Dr. Achmed W a. l y, ein Mohammedaner, über die Stellung der Frau im Islam. Für jeden, der in seinem Leben einmal mit reaktionären Geistlichen zu tun gehabt hat, wurde dieser Vortrag zur wahren Freude. Denn jeder fortschrittlich gesinnte Politiker, jede strebende Frau, ganz gleich ob im Morgen- oder im Abendland, sie alle haben es bitter empfinden müssen, was es heißt, wenn der Rückschritt sich hinter Gottes Wort verschanzt, dem Ausstieg des Einzelnen und ganzer Volksklassen hemmend wird und reaktionär» Geistliche über- lebte Sitten und Religion miteinander verwechseln. Ruhig, ohne je aufzuflammen, ohne jedweden Angriff, rein wissenschaftlich, ganz Korankenner sprach Achmed Waly. Die Lehre des Islam macht keinen Unterschied zwischen Frau und Manif. Die Ehe ist ein Heilig- tum. Die Frau soll die Kameradin des Mannes sein. Der Mohamme- daner darf heiraten, wen er will, aber seine Frau muß eine Re- ligion haben. Folglich ist ihm auch die Ehe mit der Christin und mit der Jüdin erlaubt. Heiratet er mehrere Frauen, muß er allen die gleiche Behandlung zuteil werden lassen. Da das aber kaum durchzuführen ist, ergibt sich in der Proris die Forderung der Einehe, die auch eine Koransure erhebt. Doch sind Teilverse oft geschickt aus- genutzt und so hat man allerlei Bequemlichkeiten geschaffen und fälschlich mit dem Islam in Verbindung gebracht. Auch gebietet der Koran nicht die Verschleierung der Frau. Früher hat dieses Gebot in den islamitischen Ländern überhaupt nicht bestanden. Diese Sitte wurde von den Römern übernommen. Als die Tataren zu ihrer Zeit das arabische Reich zersplitterten, wurde der Islam wesentlich verändert. Es fanden sich später auch Gelehrte, die erklärten, die Frau darf nichts fein. Mohammedanische Länder hat man zurzeit nur dem geographischen Begriff nach, denn diese Länder sind nicht vom lebendigen Islam erfüllt. Der Islam war nie für Unmöglich. leiten, der Islam sagt auch zu der Frau: Lerne und arbeite! Zudem ist die Stellung der Frau in den verschiedenen Klassen(der Redner hässigkeiten gegen die Republik reichlich gespickten theoretischen Aus- führungen liegt nur ein einziger praktischer Fall zu- gründe, der Fall Fehrenbach. Kein einziger Sozialdemo- krat bezieht auf Grund seiner Eigenschaft als f r ü h e r e r R e i ch s m i n i st e r Pension. Die Bestimmung, daß die Tätigkeit als Rechtsanwalt usw. auf das Besoldungsalter angerechnet werden kann, ist weder von einem sozialdemokra- tischen noch demokratischen Rechtsanwalt, der Reichsminister wuri»«, jemals für sich ausgenutzt worden. Nur für Herrn Fehren- dach, der— unglücklicher Bornhak!— Präsident eines rein b ü r- gerlichen Kabinetts war, wurde eine Ausnahme gemacht, und diese auch nur wegen seines h v h e n Zl l t e r s. Es trifft eben nicht zu, was Herr Lornhak in seinem ersten Artikel behauptete, daß Fehrenbach nach Beendigung seiner Kcmzlertätizkeit ohne weiteres seine Anwaltstätigkeit wieder aufnehmen konnte, denn er hatte in- zwischen die Siebzig überschritten. Wenn Barnhak den Fall Fehren- dach als„typisch" bezeichnet, so ist dies nur typisch für seine unwahrhaftige Darstellungsmethode, denn der Fall Fehrenbach ist ein völlig isolierter Einzelfall. Diese unwahrhaftige Darstellungsmethode findet sich auch wieder in der Behauptung Bornhaks, daß das Kaisertum und preußische Königtum dem deutschen Volk„keinen Pfennig gekostet" habe. Denn wenn man ohne juristische Spitzfindigkeiten die T a t s a ch en be- trachtet, so hat Wilhelm II. gegen Schluß seiner Regierung aus öffentlichen Mitteln jährlich 21 Millioneu Marl— Goldmark— bezogen, die das Volk durch Steuern aufbringen mußte. Der heutige Reichspräsident bezieht zuzüglich seiner Aufwandsentschädigung 400 000 Papiermark jährlich, das sind nach dem Markkurs der letzten Wochen etwa 7000 Goldmark. Wilhelm hat also fast genau 3000 (dreitausend) mal soviel gekostet, als der heutige Repräsentant des Reiches. Es gehört schon die eiserne Stirn eines reaktionären Pro- fesiors dazu, um danach die Hohenzollern-Hsrrschaft als die„billigste Siaatseinrichtung" zu preisen! Die Sanktionen. London, 30. November.(Reuter.) Soviel in wohlunterrichteten Londoner Kreisen bekannt ist, ist kein Dorschtag an die Bot- schafkerkonferenz gemacht worden, die militärischen Sanktionen am Rhein aufzuheben. S in c- beginnt um 7 Uhr. wühl end die Wiederholungen, deren erste am Sonntag stattfindet, um 7Y, Uhr beginnen. Im Reuen Thearer findet heute abend 7'/, Uhr die tkrstaufsührung von„Der Raub der Sabinerinneu" statt. Bon deu Mitgliedern de? Deutschen Theater? gelaugt am Mittwoch, den 7. Dez., 3 Uhr,„Prinzessin Huichewiud'. ein Weihnachtsmärchen von Fritz Peter Buch, lNusii von Fritz Müller-Prem als Sondervorstellimg zur Urauflührung. Die Auj- jührung ist als Veranstaltung zugunsten der Kinder-WeihnachtSbescherung und bcä Schauspieler- WerSheims in Weimar gedacht. Etat»es Wohlfahrtsmmisterlltms Der Landtag hat gestern die Verordnungen über die vor- läufige Aenderung von Gerichtsbezirken anläßlich der Aus- führung des Alliicrtenvertrages debattelos angenommen. Darauf wurde die Hmishaltberatung fortgesetzt. Abg. Meyer-Solingen(Soz.): Das vom Wohlfahrtsminister gestern entwickelte Programm können wir im großen und ganzen billigen. Von unseren An- trögen zu diesem Etat hat der Hauptausschuß leider die meisten abgelehnt. Wir meinen aber, daß dies«ine falsche Spar- s a m k e i t ist und daß gerade an der B o I k s g e s u n d h e i t sich jede Vernachlässigung bitter rächt. So muß z. B. das Krüppslheim in Dahlem bei seiner großen internationalen Bedeutung unbedingt erhalten bleiben, und deshalb müssen wir die SM lXV M. Staatszuschuß bewilligen. Die Wohlfahrtsvflege und die soziale Fürjorge muß immer mehr als eine a e s c l l s ch a f tl i ch e Pflicht betrachtet werden, nickt als eine Wohltätigkeit, die In das Belieben des einzelnen gestellt ist. Auch in das Ministerium muß diese neue Auffassung einziehen. Ca gibt im Wohlfahrtsministerium noch einige Beamte des alten Systems. die stch den neuen Verhältnissen nicht recht anpassen können. So hat sich im chauptausschuß ein Ministerialdirektor gegen die Kritik, die sich unser Frakiionskollege Regimmasrat Beyer an einigen Maß- nahmen der Regierunq erlaubte, Bemerkungen erlaubt, �die wir zurückweisen müssen Geklagt wird vielfach über ein« Zurücksetzung der Krankenkassen seitens des Ministeriums. Man gibt ein- schneidende Erlasse heraus, ohne mit den Krankenkassen vorher Fühlung zu nehmen. So hat man ohne vorherige Fühlungnahme in einem Erlaß über die Gehälter der Kranken lassenangestellten in die Tarifverträge eingegrissen. Unberechtigt ist auch die Gebührenerhöhung für die Aerzte im besetzten Gebiet. Nähere Aufklärung wünschen wir über die Tättgkeik Drunuer» im Ulohlsuhrtsmiuistcrium und die Mittel, die dafür zur Verfügung stehen. Einverstanden sind wir mit dem Standpunkt des Ministers in der W o h n u n g s- frage. Auch wir glauben, daß die freie Wirtschast den Wohnungs- bau nicht fördern würde. Aber geändert werden muß die bisherige Art der Zuschußpolitik an die Gemeinden. Staatliche Woh- nungszuschüsse sollten überhaupt nicht an Private sondern nur an Gemeinden und gemcinwirtschaftliche Betriebe gezahlt werden. Die sozialen Baubetriebe sind möglichst zu fördern. Eine grundlegende Aendenmg unseres Wohnungselends kann aber nur erwartet werden, wenn man die Richtlinien annimmt, die von den Gewertschastsn und den beiden sozialistischen Parteien für einen ge- meinwirtschastlichen Betrieb der Wohnungsbeschafsung aufgestellt sind. lLebhoster Beifall bei den Soz.s Abg. Frau Dr. Lauer(Z.)c Die bisherigen Bauzufchüsse sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Verkümmerung und Verwahr- losung unserer Jugend muß mit allen Mitteln vorgebeugt werden. Abg. Stuhrmann sDnat. Vp.): An der ethischen Unterbilanz unsere» Volkslebens ist vichl die Revolution schuld. sondern es liegt ein Allgemeinverschulden vor. Denken Sie an das Wort Schenkendorfs vor 100 Jahren: Wir hoben alle ge- sündigt! Erst nach dieser Erkenntnis war die Bahn für den Stein- Hardenbergschen Aufbau frei. Diese» Aufbauprogramm v. Stein» hat noch heute Geltung. Abg. Engberding(D. Vp.): Die jetzige Wirtschastspolltik ist für den Ha us besitz unerträglich, er muß wieder zu seinem Recht krmmen. Abg. Sänig(Komm.) begründet einen Antrag auf völlige Eni- cignung des Hau»- und Grundbesitzes und Ueberjührung aus Reich, Staat und Gemeinde. Abg. Dr. weyl(U. Eoz.): Das Programm des neuen Ministers bat uns imponiert. Ich wünsche ihm nur einen eisernen Besen. Wenn ich ober höre, daß Prof. B r u n n e r Dezernent für die Lugendmohlfahrt ist. so weiß ich nicht, wen Ich mehr bedauern soll. Prof. Brunner, den Minister oder die Jugend.(Heiterkeit.) Solche Sittlichkeitsschnüfflcr gehören nicht in unseren Staat.(Zuruf rechts: Unerhört!) Das Hebammengesetz muß zeitgemäß umgearbeitet wer- den. Hoffentlich greift der Minister auf dem Gebiete des Wohnungs- wefens energisch durch. Abg. Dr. höpker- Aschhofs lDnat.) erklärt sich grundsätzlich gegen die Sozialisierung des Wohnungswesens. Abg. Quaet- Zaslen(Dnat.): Wir sind immer sozial gewesen, schon vor dem Kriege.(Lachen links.) Bei aller Bewilligungsfreudig- ksit müsien wir aber an die Deckung denken. Abg. Frau Ege(Soz.): Unter dem Minister Stegerwald ist viel versäumt worden, obwohl Stegerwald großen Einfluß hatte. Unsere Anträge bezwecken eine erhöhte Bereitstellung von Mitteln, um die Frauen stärker z.ir Mitarbeit in der Wohlfahrtspflege und sozialen Fürsorge heran- Zuziehen. Selbst Stegerwald hat anerkannt, daß es ohne die Frauen in der Wohlfahrtspflege nicht geht. Die Säuglingssterblichkeit hat in der letzte» Zeit wieder stark zugenommen. In erster Linie ist der hohe iflilchprcis daran schuld. Alle schönen Reden von .e'mer intensiven Bekämpfung der Tuberkulose sind gleichfalls bei diesem Mi'.chpreis nur Phrasen, denn jeder weiß, daß gerade Tuberkulosekranke sehr der Milch bedürfen. Wir verlangen ferner die Verwaltung der Heilbäder durch das Wohlfahrts» lninisterium. damit endlich einmal auch den Armen die Gelegenheit ergeben wird, ihre Krankheiten durch Kuren zu heilen. Die »lnzeigepflicht für ansteckende Krankheiten, ins- i rwadere von Geschlechtskrankheiten ist dringend geboten. Auf diesem Gebiete hat Preußen vollkommen oersagt, und wir haben ne Pflicht, möglichst schnell diese Versäumnisse nachzuholen.(Beifall b. d. Soz.) Nach weiteren Ausführungen der Abag. Frau P ö h l m a n n �D. Vp.) und Frau A r e n d f e e(Komm.) ergreift nochmals das Wort Volkswohlfohrtsminister hlrtfiefer: Herr Prof. Brunn er steht auf dem Etat meine, Mini- slsriums, wo er einzelne Angelegenheiten-der Jugendpflege bearbeitet. Die kriminelle Bekämpfung von Schmutz und Schund ist Gegenstand seiner Tätigkeit beim Polizeipräsidium. Sollten sich bei der Verwendung des Prof. Brunner im„Reigen"- Prozeß Schwierigkeiten ergeben haben, welche dienstliche Vorhaltungen erwünscht erscheinen ließen, so wäre dies Sache des Innenministers oder des Polizeipräsidenten ge- wesen. Es ist aber keine solche Mitteilung an mich gegangen. Mit der Theaterpolizei har das Wohlfahrtsministerium nichts zu tun und verfügt auch nicht über Mittel, die zur Störung von Theater- Vorstellungen mißbraucht werden können. Abg. Frau Christmannoch auf die Partei ausklang, wurde die Konferenz um)410 Uhr geschlossen. Schtvmöel über Schwinöel! Von der Zentrale der KPD. ist die rettende Parole heraus- gegeben worden: Lügt und schwindelt auf Teufel komm raus, damitderEindruckder Eberlein. Dokumente v e rw i s ch t wird. Diese Parole wird redlich befolgt. Hugo Eber- lein Hot seinen Getreuen erzählt, der„Spitzel" F e r r y, der Urheber des SIegcssäulenattentat», sei von der Regierung au» dem Zucht- Haus entlassen worden. Die Regierung hat hierzu bereits er- klärt, daß Ferry nach wie vor im Zuchthaus zu Rendsburg sitzt. Da die Kommunisten diese Erklärung aber bezweifeln werden, so sei die Erklärung hinzugefügt, die der Verteidiger Fcrrys, der kommunistische Justizrat Vroh(KAPD.), der B.-S.- Korrespondenz übermittelt. Vroh erklärt: Eberleins Angaben siyd aus der Luft gegriffen. Ferry ist vor kurzem aus dem Zuchthaus zu Sonnen- bürg nach dein Rendsbnrger Zuchthaus übergeführt worden. Gegen diese Ueberführung nach der dänischen Grenze hat Ferry Beschwerde erhoben, da hierdurch seinen Angehörigen Besuche zur Unmög- lichteit gemacht werden. Sollte sich Ferry wirklich nicht mehr im Zuchthaus befinden, so könne nur eine Aluchl in Frage kommen. die der Verteidiger aber auch für ausgeschlossen hält. Eine Ve- qünstigung Ferrys durch die Regierung sei vollkommen ausgeschlossen, da Ferry niemals in irgendwelcher Beziehung zur Regierung gestanden Hobe und das Attentat lediglich seinem Kopfe entsprungen sei. Mit Ferry ist es übrigens eine eigentümliche Sache. Er wird von den Kommunisten obwechselnd als„proletarischer Held" gefeiert und dann wieder als„Spitzel" beschimpft. Es ergeht ihm ähnlich wie K e m p i n, dem Aufstandsführer im Leunawerk, den die Kam- munisten im Untersuchungsausschuß für einen ehrlichen Kämpfer erklärten, dagegen im Plenum durch Zwischenrufe als Spitzel bezeichneten, je nachdem man's braucht! » Mustergültiges im Schwindel leistet sich die„Rote Fahne". Sie schreckt auch vor offensichtlichen Fälschungen nicht zurück. Ein Bei- spiel für viele: Im„V o r w ä r t s"(Abendblatt vom 29. November) heißt es unter anderem: „Daß diese Komödie(die Gründung der„provisorischen Leitung" einer neuen Betriebsrätcorganisation)«inen tragikomischen Abschluß fand, ist nicht das Verdienst der Kommunisten, sondern der Veröffentlichung des„Vorwärts". In der„Roten Fahne" wird dieser Satz so umgefälscht (Morgenm'o-irbe vom 30. November): „Dieses Verdienst," fährt der„Vorwärts" wörtlich fort,„ist nicht das Verdienst der Unabhängigen, sondern usw." Aus den„Kommunisten", gegen die sich der„Vorwärts" wandte, sind dadurch Im Handumdrehen die Unabhängigen geworden! Der Zweck des Fälschens liegt klar zutage! GewerGhastsbewegung �rieüe in üen stäütlschen Werten. Nachklänge zum AngesteNtenstreik. Der Streik der städtischen Angestellten ist endgültig be- endet. Am Mittwoch vormittag stimmte eine Dollversammlung der Streikenden den Abmachungen zu, die am Dienstag abend im Reichsarbcitsminifterium getroffen wurden. Auch der Magistrat gab in feiner Sitzung vom Mittwoch feine Einwilligung. Damit wäre die ganze Geschichte erledigt und man hätte nicht mehr nötig, sich mit ihr zu beschäftigen, wenn es nicht eine bürgerliche Presse gäbe. Von der„Morgenpost" bis zur„Deutschen Zei- tung" weih sie nichts Besseres zu tun, als über den„wilden" Streik zu schimpfen, der von einigen„siebzig Radikalinskis" vom Zaune gebrochen wurde, der Stadt ungeheuren Schaden zufügte, und end- lich bewies, daß die Arbeiter- und Angestelltenschaft kein V e r- antwortungsgefühl hat. Das„Berliner Tageblatt" läßt durch P. M. den Angestellten eine große Vorlesung über Demokratie halten und zieht zu gleicher Zeit aus dem Streik den Schluß, daß es mit den kommunalisierten Betrieben nichts ist. Die Berliner Arbeiterschaft kennt die Vorgeschichte des Streiks besser, wir können es uns daher ersparen, darauf einzugehen, was die bürgerliche Presse über diese Vorgeschichte erzählt. Wir stellen nur fest, daß die� Angestellten alle Verhandlungsmöglichkeiten vollständig erschöpft haben. Sie haben nach der Ablehnung des Schiedsspruches vom 21. November nicht sofort den Streik proklamiert, sondern sieben Tage ver st reichen lassen und waren während dieser Zeit unausgesetzt bemüht, «ine Einigung zu errei chen. Die bürgerliche Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung hat am Montag abend einen Antrag abgelehnt, der forderte, daß man sich sofort mit den Wünschen der Angestellten beschäftige. Dann er st wurde der Streik beschlossen. Es ist eine böswillige Verleumdung der Arbeiter- schaft, wenn behauptet wird, s i e habe ihn vom Zaune ge- Krochen. Nach dem, was sich gestern mit Beginn des Streikes abspielte, kann man die Vermutung nicht mehr los werden, daß Herr Oberbürgermeister Böß diesen Streik gewollt hat. Er war es, der das Angebot der Streikleitung, die auf den Straßen stehengebliebenen Straßenbahnwagen in die Depots zu führen, ob- lehnte und erst nach einer Stunde, als alle Räder stillstanden, darauf einging. Wenn die Angestellten tatsächlich so verantwortungslos gewesen wären, wie im Aeltestenrat des Stadtparlaments und der bürgerlichen Presie behauptet wurde, dann hätten sie eben diese Wagen auf der Straße stehenlassen. Sie hätten dann auch die Stromlieferung des Nordsüdbahnbaue« eingestellt und der Stadt dadurch weiteren unermeßlichen Schaden zugefügt. Aber gerade dieser Streik hat gezeigt, daß die Angestelltenschaft durchdrungen ist von einem sehr hohen Verantwortungsgefühl. Man muß es miterlebt haben, wie diese Leute in später Nachtstunde, als die Meldung von der Einigung kam, sofort in Autos losfuhren, ihre Kollegen aus den Betten holten, sie zur Arbeit brachten und so ermöglichten, daß schon um zbl Uhr nachts ganz Berlin wieder mit elektrischem Licht versorgt war. Diese Handlungsweise der Angestellten ist hoch anzuschlagen und ein glänzender Beweis dafür, daß sie nichtaus reiner Freude am Streik in diesen eintraten. Wären die leitenden Stellen In der Stadtverwaltung ebenso friedliebend gewesen wie die Ange- stellten, dann wäre der Streik vermieden worden, tmd der Magistrat hätte eine Niederlage weniger erlebt. Der Schiedsspruch für die Arbeiter angenommen. Däs Lohnkartell für die Gemeindcbetriebe hatte die Funktionäre zu gestern abend nach Kliems Lokal in der Hasenheide zusammen- berufen, um zu dem Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses Stellung zu nehmen. P o l e n s k e berichtete und gab den bereits mitgeteilten Schiedsspruch bekannt, nach dem sich folgende Zulagen ergeben würden: Für jugendliche Arbeiter von 14 Jahren 1,28, von 15. Jahren 1,43, von 16 Jahren 1,79, von 17 Jahren 1,96 und für Äiinder- erwerbsfähige 1,64 M.; für ungelernte Arbeiterinnen 1,98, ange- lernte 2,65 und qualifizierte 2,14, Arbeiterinnen von 14 Jahren 1,12, von 15 Jahren 1,26, von 16 Jahren 1,47 und von 17 Jahren 1,63, Mindercrwerbsfähige 1,55 M. pro Stunde. Der Magistrat hat diesen Schiedsspruch angenommen. Außer den genannten Zulagen auf die Stundenlöhne wird der Magistrat als Nachzahlung auf die Wirtfchaftsbei- Hilfe 366 M. gewähren. Am Schluß seiner Ausführungen teilte der Redner mit, daß Lohntartell und Tarifkommission e i n st i m- m i g zu dem Beschluß gelangt sind, den Funktionären die An- nähme des Schiedsspruches zu empfehlen.(Zustim- mung und lebhafter Widerspruch.) Bei der folgenden Aussprache verlangte Maßkuhl Urabstim- mung in den Betrieben. Krüger vom ZdA. brachte die irre- führenden Berichte der bürgerlichen Presse zur Sprache und bedauert anschließend, daß diese immer noch von vielen Gemeindearbeitcrn bezogen wird. Auf einen Antrag, den Magistrat zu veranlasien, die 366 M. Wirtschaftsbeihilfe sofort auszuzahlen, antwortete'H o ch f ch i l d, daß die Lohnkommission das unverzüglich beantragen werde. Nachdem Kammermeier den Ansichten Maßkuhls entgegengetreten war und Schaumburg erklärt hatte, daß es nutzlos sei, sich mit revolutionären Phrasen den Kopf heiß- zumachen, wurde der folgende Antrag gegen eine starke Minderheit angenommen: „Die Funktionärversammlung beschließ», den Schiedsspruch an- zunehmen, sie verzichtet aus eine Urabstimmung." Ferner wurde einem Antrage zugestimmt, daß die Kinder- beihilfe bis zu einem Verdienst von 4666 M. ge- währt werden soll. Schieüsspruch für Sie MeiallinKuftrie. Die Berliner Metallarbeiter beschlosien in ihrer Funktionär- konserenz am 26. November, für ungelernte Arbeiter eine Wirtschastsbeihilfe von 1566 M. und für gelernte von 1666 M. zu fordern. Außerdem sollten die Stunden- löhne um 5 M. erhöht werden. In den Verhandlungen er- klärten die Unternehmer, daß sie eine Wirt'chaftsbeihilfe ablehnen müssen und die Forderung bezüglich der Erhöhung der Stundenlöhne für sie undiskutabel sei. Sie erklärten sich zu einer außer- ' tariflichen Zulage bereit, konnten aber in den gesteMen Forderungen keine Berhandlungsmöglichkeit erblicken. Mit diesem Derhandlungs- ergebnis beschäftigte sich eine neue Funktionärkonferenz der Metall- arbeiter am 24. November und hieß die Anrufung des Schlich- tungsausschusses durch ihre Verhandlungskommission gut. Ein Sonder-Schlichtungsausschuß tagte am Mittwoch unter Vorsitz des Regierungsrats Dr. Caesar und fällte einstimmig folgenden Schiedsspruch: 1. Die bisher pauschal gewährte Familienzulage wird in eine Zulage auf den Stundenlohn umgewandelt, auf 1 M. die Stunde für die Ehefrau und je Kind festgesetzt und unter den bisher geltenden Voraussetzungen gezahlt. 2. Die tarifmäßigen Stundenlöhne erfahren gegen- über denen für November folgende Erhöhungen: a) Für sämtliche Arbeiter über 21 Jahre in der Klasse 1—5 um 1,96 M.: b) für männliche Arbeiter von 18 bis 21 Jahren in der Klasie 1— 5 um 1,76 M.: c) für männ- liche Arbeiter unter 18 Jahren um 1,26 M. Der Lohn bei den weiblichen Arbeitern erhöht sich sinngemäß den Be- ftimmungen unter 6 Seite 14 des geltenden Tarifvertrages vom 4. Mai 1921 mit Ausnahme der Arbeiterinnen an Maschinen und Handarbeiterinnen, deren Leistungen nicht mit den Leistungen männ- licher Arbeiter verglichen werden können und der in der Glühlampen- industrie beschäftigten Arbeiterinnen, für welche die Erhöhung von 1,35 Mk. die Stunde festgesetzt wird. Jugendliche Arbeite- rinnen von 14 bis 18 Jahren erhalten 1 M. die Stunde mehr. 3. Die neuen Löhne gelten ab 28. November. 4. Die Akkorde werden für Dezember laut Abmachung vom 29. Oktober erhöht. Da hierin für Dezember nur 6,46 M. einge- rechnet sind, wird die Differenz gegen die jetzt b�villigte Lohn- erhöhung im Dezember als Stundenlohnzuschlag gezahlt. Der bis- herige Akkordlohnzuschlag von 1 M. bis 1,26 M. die Stunde fällt dagegen fort. Heute abend 7 Uhr wird sich eine Funktionärkonferenz des Metallkartells in der Bockbrauerci, Fidicinstraße, mit diesem Schiedsspruch beschäftigen. Die Buchdrucker zum Lohnabkommen. In der Generalversammlung des Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgießer, die Mittwoch in der Neuen Welt tagte, berichtete Massini über Verhandlungen und Ergebnis der Tarifausschuß- sitzung. Wie bereits mitgeteilt, wurden für Berlin folgende Zu- schlüge auf die bestehenden Löhne ab 1. Dezember vereinbart: Für Ausgelernte 76 M., für Gehilfen bis zu 21 Jahren 86 M., von 21 bis 24 Jahren 96 M., über 24 Jahre 166 Mk. Dazu kommt für die Zeit ab 19. Dezember ein nach den Lohnklasfen abgestufter Auf- schlag, der in der höchsten Klasse— in Klasie C— 35 2DI. wöchentlich beträgt. Es wurde für das Lohnabkommen eine vierzehn- tägige Kündigungsfrist vereinbart. Es kann am 15. De- zember oder am 1. Januar gekündigt werden. In Klasie C, zu der die meisten Kollegen gehören, beträgt für Berlin ab 1 Dezember der Wochenlohn 566 M., wozu dcmn am 19. Dezember der Auf- schlag von 35 M. kommt. Für die Verhandlungen selbst hatte die Gehilfenvertretung den Standpunkt eingenommen, daß von einer Wirtschaftsbeihilfe abzusehen und aller Nachdruck dar- auf zu legen sei. in der Lohnfrage vorwärts zu kommen. Die Ge» Hilfenvertretung in ihrer Gesamtheit sprach sich dahin aus, daß eine Urabstimmung über den Vertrag nicht stattfinden soll. In der Distusiion sprach Reich für die Annahme der Der- elnbarung mit der Maßgabe, daß sie am 15. Dezember zu kündigen sei.— N a p p rügte, daß die Zulagen gestaffelt sind, und verlangte Urabstimmu n g durch die gesamt« Kollegenschaft und die Ab- lehnung des Abkommens.— S ch r e it er schloß sich Napp an und meinte, daß die Möglichkeit bestände, weniastens in Berlin eine Urabstimmung vorzunehmen.— Braun führte aus: Stolz sind wir nicht auf die erzielte Summe. Aber um sie zu erreichen, haben wir uns wacker herumschlagen müsien. Auf den. Vorwurf wegen der Staffelung der Zulage ist zu bemerken, daß die Vertretung der Gehilfenschaft die gleiche Zulage für alle oerlangt hat. Wenn wir auch nicht befriedigt sind, so liegt immerhin ein Augen- b l i ck s e r f o l g vor, der über einige Wochen hinweghilft.— Barbknecht vermißt die Schaffung eines Ausgleichs für den November. Mit dem Wegfall einer Wirtschaftsbeihilfe würden sich die Kollegen in den Betrieben nicht ohne weiteres zufrieden geben. Nach weiterer Diskussion und dem Schlußwort Massinis wurde ein Antrag Napp auf Ablehnung der Vereinbarung und auf Ur- abstimmung mit erheblicher Mehrheit abgelehnt. Auf Protest- ruse der Linken, die Auszählung verlangt, stellt Masiini fest, daß die Mehrheit gegen den Antrag eine solche von mindstens drei Vierteln gewesen sei._ Vom Streik der �Portiers. Am Dienstag nachmittag fanden vor dem Oberpräsidenten als Demobilmachungskommissar Verbandlungen zwischen dem Deutschen Portierverband, dem Heizer« und Maschinistenverband und den Verbänden der Hausbesitzer statt. Leube als Vertreter der Arbeitnebmerverbände erklärte kurz, daß sie nicht länger auf eine Erhöhung der Löhne hätte warten können und daß der Aus- stand in den GeichäitS- und Jndustriehänfern seinen Fortgang nehmen müsse. In den nächsten Stunden werde sogar eine Ver- .schnrfung de« Kampfe« iniolern eintreten, als sämtliche Vlockstationen lahmgelegt werden, ebentallS würden alle Wohn- häu'er mit Zentralheizung in den Kamst gezogen, falls eS nicht gelingen tollte, eine Einigung herbeizuführen. Die Vertreter der Grundbesitzer erkannten ebenfalls die drin- gende Notlage ihrer Angestellten an, betonten aber die Unmöglich- keit, höhere Löhne zahlen zu können. Nachdem Asiesior Wilo schriltlich erklärt hatte, dafür einzutreten, daß der Magistrat bis spätestens am 7. Dezember zu dem Antrag des Oberpräsidenten Stellung nimmt, und dem Oberpräsidenten dann nichts mehr im Wege siebe, den Forderungen der Portiers Rechnung zu tragen, erklärten die Vertreter der Arbeitnehmer bis dahin von einer Ver- schärfung de? Kampfes Abstand zu nehmen. Zulagen in der chemischen Jndnstrie. Die unerhörten Preissteigerungen für olle notwendigen Leben?- bcdüifnisic veranlagten den Ato-Bund, mildem Arbeitgeberverband der chemischen Industrie über einen Teuer ungs'ausgleich zu verhandeln. In einer Vesprechung am 29. November wurden sch'ießlich vom Arbeitgeberverband folgende außertariflichen Zulagen bewilligt: Die Verheirateten- und Kinderzukage wird von 166 M. aui 266 M. erhöht. Für November wird das Gesamt- g e b a l t mit den AlterSzulagen um 25 Proz., für Dezember m» 35 Proz. erhöht. Ueber Annahme oder Ablehnung diese? BcrhandlungSergebnisieS soll umgehend in den Betrieben der chemischen Industrie eine llr« abstimmung staltfinden. Alle Angestellten- und Betriebsräte müsien sofort eine g e h e r m e Abstimmung im Betriebe vornehmen. DaS genaue AbstimmungSresultat ist umgehend dem O r t S- lartell Groß-Berlin deS Allgemeinen freien Angestellten-- bundeS. Berlin 1�39, Reinickendorfer Str. l l8, 2. Hof H. zuzuleiten. Erwünscht ist, daß jede Berufsgruppe(kaufmännische Angestellte, Techniker und Werkmeister) gesondert abstimmt. In der Ab- stimmungSmitteilung an da? OrtSkarlell ist das Ergebnis der ein- zelnen Berufsgruppen besonders zu kennzeichnen. Afa-Ortskartell Groß-Berlin. Reichskonferenz für den Bergbau. Die Hannoversche Bergarbeiter-Reichstonferenz setzte bekannt- lich eine L o h n k o m m i s s i o n der am Bergbau interessierten freien Gewerkschaften für ganz Deutschland ein, welche in gegebenen Momenten zusammen mit den Organisationsverbänden die Lohnlage zu überprüfen hat. Schon in Hannover wurde der Vorstand des Bergarbciteroerbandes beauftragt, die Preise und Markwerhältnisse im Auge zu behalten und nötigenfalls Lohnforderungen.zu stellen. Zlnfang November wurden von den Bergarbeiterorganisa- tionen Lohnforderungen gestellt, welche zu den bekannten Erqeb- nisscn fiihrten. Die veränderte Lohnlage machte nun auch eine Aus- spräche mit der Lohnkommission notwendig. Am Sonnabend, den 26. November, trat diese in Bochum zusammen. Erschienen waren 71 Vertreter aus den verschiedensten Bcrufsgruppen und allen Re- vieren Deutschlands Vorstandsmitglied S Ä m i d t vom Berg- arbiterverband gab einen kurzen Bericht über Einleitung, Gang und Verlaus der Lohnbewegung, woraus eine anregende Diskussion ein- setzte, die in folgender Entschliesiung ihren Niederschlag fand: „Die am 26. November in Bochum tagende Reichskonferenz der am Bergbau interessierten freien Gewerkschaften stimmt den vor- liegenden Lohnverhandlungsergebnissen zu. Um aber künftighin die wirtschaftlich schwächeren Reviere besser unterstützen zu können, müsien alle Bergbaureviere und Bergbauarten in den Rahmen der zentralen Lohnverhandlungen straffer eingefügt werden. Die fortwährend steigenden Preise der in- und ausländischen Waren werden die erfolgte Lohn- erhöhung bald wieder überflügeln. Der Vorstand des Beraarbeiter- arbeiterverband gab einen kurzen Bericht über Einleitung, Gang und die Marktlage zu beobachten und nötigenfalls mit neuen Lohnforde- rungen an die Unternehmerverbände heranzutreten.", Die Karosserie- und Wagenbauer nahmen am Montag den Der- handlungsbericht betr. den Antrag auf Gewährung einer Teuerungszulage entgegen. H e n s ch e l vom DMV. refc- rierte über die wirtschaftliche Lage und die verteuerten Lebensver hältnisie der Arbeiter. Die Arbeitgeber bewilligten für alle Arbeiter und Arbeiterinnen über 17 Jahre eine Zulage von 2,56 M., für alle Jugendlichen von 14— 17 Jahren eine Zulage von 2,56 M., für alle stehenden Stundenlöhne. Der abgeschlosiene Tarif läuft weiter bis zum 15. Januar 1922. Die Versammlung beschloß gegen etwa 36 Stimmen, das Angebot der Arbeitgebet anzunehmen, mit der Begründung: daß, wenn vor Ablauf des Torifes weitere Steigerungen der Preise für Lebensmittel oder Bedarfsartikel einsetzen, das Kartell sofort in erneut« Verhandlungen mtt den Arbeitgebern einzutreten hat. Stuck- und Gipsbaubranche! Wir weisen darauf hin, daß laut Tarifvertrag mit dem 1. Dezember die verkürzte Arbeitszeit beginnt. Eine Abänderung der Arbeitszeit ist nur zu dem auf das betreffende Datum folgenden Wochenschluß zulässig, so daß innerhalb einer Arbeitswoche ein Wechsel der Arbeitszeit nicht eintreten darf. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 41& Stunden, Bezahlung. 42 Stunden. Die Sektionsleftung.- Taris im Einzelhandel. Das neue Lohnabkommen, rückwirkend:. ab 1. November d: I., geltend für die Monate November unkt:. Dezember, ist nunmehr gedruckt erschienen. Es enthält die aus-. gerechneten Sätze für männliche und weibliche Angestellte und er- möglicht eine leichte Uebersicht über die Anrechnung der Berufs- jähre. Der Tert ist im Verbandsbureau des Zentralverbondes der Angestellten, Belle-Alliance-Stt. 7/16, erhälllich. INaler! Durch Entscheidung des Haupttarifamtes im deutsche» Malergewerbe vom 24. November 1921 erhöbt sich der Stunden- lohn für Maler ab 1 Dezember 1921 um 2,56 M. und ab 1. Januar 1922 um weitere 75 Pf., so daß der Minimalstundenlohn ab 1. Dezember 1921 16,75 M., ab 1. Januar 1922 11,56 M. beträgt. Bei wesentlicher Verteuerung der Lebenshaltung hat sich das Haupt- tarifamt vorbehalten, in den letzten Dezembertagen die Lohn- erhöhung ab 1. Januar 1922 zu revidieren. Verband der Maler, Filiale Berlin. Die Arbeltslosenkommisiion des Zlkekallarbeiterverbandes fordert unter Hinweis auf ihren letzten Aufruf alle in Arbeit stehenden Kol- legen auf, die Weihnachtssammellisten nicht zu oergesien. Die bereits eingegangenen Beträge sollen sofort überwiesen werden, damit den arbeitslosen Kollegen und Kolleginnen und ihren Familien zu Weihnachten eine Freude in Form einer möglich st hohen Unter st ützung bereitet werden kann. Der Dnchdruckerslreik in 3 lallen ist beendet. In ganz Italien werden die Buchdrucker heule mittag die Arbeit wieder aufnehmen. Die Zeitungen werden am Nachmittag wieder erscheinen. Der Brüsieler Skrahcnbahnersfteik. Die Straßenbahngesell- schaften haben den Streikenden eine Frist von 48 Stunden gestellt, um die Arbeit wieder aufzunehmen. Dieses Ulti- matum hat in A'beiterkreiscn große Erregung hervorgerufen und man siebt erneut einem General st reik entgegen. Die Lage ist sehr ernst. ATG.„Kabelwerk". Heute>-4 Uhr bei Schöps, Niederschöne- weide, Grünauer Str. 8, Sitzunaaller Funktionäre der SPD. Zu- tritt nur gegen Vorzeigen des Mitgliedsbuches. g«»ttal»erdand der Hausangestellten. Heute Vk Uhr Mitgliedervers imin- luna in der Schulaulll Winterseldtstr. 16. Stellungnahme zur Beitrags» erhöhung. Deutscher Werktuelsterverband.. Berlin XI. Freitag 7 Uhr im Bereits. lokal, Frankfurter Sillee ZW, Scneralrcrsammlung. Bartrag des Staiiegeu Petcrsdorf. Sieuwaht de» Vorstaniies.— FaÄ'gruppcnoersammlung der£. und MtiKcnbranchc Freitag 7 Uhr im Schultheiß, Brllckcnstr. 6b. Tarifo-r:. — Bezirksverein Cherioltenburg l. Die Verhandlungen mit dem Besihrr>•> bisherigen Vereinslokals Hehenzollern-Sole, Berliner Straße, haben zu einer Einigung geführt und findet die nächste Generalversammlung am Freitag 6 Uhr daselbst statt. Tagesordnung: Unsere Verhandlungen und die Teuerung. Verantw. tilr den rcdakt. Teil: Dr. Werner Beiser, Eharlottenburg: sstr An» zeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei u. Verlagsanllalt Vau! Singer u. Eo., Berlin. Lindenstr. Z. Hicrz» i Beilage. KOP4 XJNOM Tochter" wieFimra xelsi; mit sichtlichem Wohlbehagen- eine gute Massafv-Roal. Sie ist dann den ganzen Tag in vorzüglicher Stimmung. RoaI 70 J Ne. 566 ❖ ZT. Jahrgang Heilage öes vorwärts Vonnerstag, 1. Dezember 192? Groß-Serün Gegen üas Hamsterunwesen. Die Leute, die es sich leisten können, sind in dieser Zeit der: überhandnehmenden Teuerung, um dem eigenen Bauch ja nichts' entgehen zu lassen, wieder tüchtig damit beschäftigt, sich ganze chamsterlager aller möglichen Gebrauchsgegenstände imd auch Lebensmittel aufzustapeln. Gegen dieses Gebaren, das für die große Masse der schassenden Bevölkerung große Gefahren im Ge- salze hat, wendet sich jetzt die Preisprüfungsstelle Berlin: Seit einiger Zeit macht sich in der Bevölkerung deullich das Bestreben bemerkbar, um jeden Preis und weit über den er-! forderlichen Bedarf hinaus Gegenstände jeder Art ein- zukaufen und zu Hamstern. Es werden etwa Streichhölzer kistenweise ausgekauft und in feuchten Räumen aufbewahrt, wodurch sie bald vollständig unbrauchbar werden. Ebenso werden auch andere unnötigerweise gehamsterte Gegenstände eingekauft und unbrauchbar, so daß sie nicht nur dem einzelnen keinen Nutzen gebracht, sondern der übrigen Bevölkerung entzogen! worden sind. Die übermäßige Beanspruchung des Marktes führt- ohne weiteres zu einer Steigerung der Preise und! schädigt die Teile der Bevölkerung, die aus volks- � wirtschaftlich begründeten Erwägungen oder aus Mangel an Mitteln sich in ihren Anschaffungen auf das notwettdigste beschränken müssen. Lähmung des heimischen Arbeits- Marktes muß eine Folge der weiteren Teuerung aller Gegenstände des täglichen Bedarfs sein, insbesondere auch der Lebensmittel; dazu sind aber auch schwere Beunruhigungen der erwerbstätigen Be- völkerung zu erwarten wie diese ja auch in der letzten Zeit bereits wiederholt zu bemerken gewesen ftnö. Die Preisprüfungsstelle hält es daher für ihre Pflicht, die Bevölkerung zur Abwendung aller dieser schädigenden Wirkungen dringend zu warnen und zu er- suchen, sich bei Einkäufen nur aus das wirklich erforderliche Maß zu beschränken und alle Äugst- und hamsterkäuse zu unterlasien. vor Morü in öer Metzer Straße. Belastendes Malerial gegen die Frau des Ermordeten. Die Kriminalpolizei nahm gestern nachmittag nach Abschluß des! Aerhörs mit dem unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft verhasteten Kaufmann Albert T i e k e eine Besichtigung der Hasenzahlschen Wohnung vor, in der dos Verbrechen ver- übt worden ist. Das Ehepaar fjasenzahl war aus Lettland zunächst nach Neu- kölln gezogen und von dort nach der M e tz e r Str. 14, wo sie ein Lebensmittelgeschäft und einen Privatmittagstisch betrieben. Trotz Einwendungen des Hauswirts wurde ihnen die Wohnung und der Laden als Flüchtlinge überlassen. Das Geschäft ging ziemlich gut, der Ehemann war außerdem noch als Reiseuder tätiz. Tieke, der bei ihnen wohnte, besorgte die Einkäufe. Schon seit längerer Zeit war den Leuten im Hause und in der Nachbar- fchaft bekannt, daß das Berhältnis zwischen den Eheleuten ein sehr gespanntes war. Wie ermittett wurde, war eine gütliche Trennung beabsichtigt. Tieke hatte im Einvernehmen mtt der Frau auch schon viele Ware fortgeschafft. Dazu hatte er einen Handwagen benutzt, den er sich bei einem Kohlenhändler in der Nähe geborgt hatte. Bon diesem enllieh er sich auch am Montagabend den Wagen und be- nutzte ihn zum Transport der Leiche. Sehr wichtige Be- kundungen machten mehrere am Tatort ermittette Zeugen. So er- klärt ein Ivjähriger Knabe, daß er in der sechste» Abendstunde beobachtet habe, wie Hasenzahl auf den Hausflur gelaufen kam und sich ein Tuch vor den Kopf hielt. Hasenzahl habe ihn ge- beten, die Polizei zu holen, da Tieke auf ihn geschossen habe. Dieser Aufforderung sei er aber nicht nachgekommen, well er ge- iehen habe, daß Frau Hasenzahl in der Tür stand. Aufgefundene Briefe, die an die Mutter und an Bekannte der Frau Hasenzahls gerichtet sind, belasten Frau Hasenzahl und deren Unter-- mieter Tieke. Einer enthält eine Darstellung der Vorgänge, die von der Schilderung des Tieke ganz wefenttich abweicht. Alle Schreiben wurden beschlagnahmt und die Untersuchung gegen die Verhafteten fortgeführt.____ Nene Erhöhung des Milchpreises. Das Mllchamt meldet eine neue Erhöhung des Milchpreises und äußert sich über die Gründe in der folgenden amtlichen Er-! klärung: Auf Grund des Abkommens mit den londwirt- Hroßemfuhr von Geftierfldfth. Ein Mittel zur Fleischverbilligung. Mit der zunehmenden Teuerung wird der Fleischgenuß mehr s eingenähte gefrorene Hammel, dann RinderviertÄ und schließlich und mehr, besonders in den Großstädten, zu einem Luxus für die die Innereien, die wie Kostbarkeiten vernäht und in Kisten verpackt an- rr. v__-------__ ct-r_____ irr•___ v fitih llpfitsrnTT ntanTirfw CVhmirtrt itrth(�liiherfßlh breite Masse der Bevölkerung. Der Fleischkonsum ist in Deutschland seit der Borkriegszeit um übix die Hälfte gesunken. Die unglückliche wirtschofttiche Lage findet in dieser Tatsache ihren Ausdruck und alles muß, um einer wetteren Entkräftung des Volkes vorzubeugen, daran gesetzt werden, hier wieder normale Verhältnisse eintreten zu lassen. Die halbe Flcischratton.muß und darf nur eine vorüber- gehende Erscheinung sein, denn In ihr kommt am allerschärfften zum sind. �11 eberall peinliche Ordnung und mustergültige Sauberkeit. Än der Speisekommcr der besten Hausfrau kann es nicht ordentlicher zugehen. Ein Schwein wird an den ausgestreckten und hartzefrore- nen Hinterbeinen hochgehoben und fallen gelassen. Es pollert, als wenn es aus Gips gegossen wäre. Dann geht es au Dord des Gefrlerdampsers Steigerwald". Er gehört der Hamburg-Amerika-Linie, hat neben «.»-».„-»MU.- Mafien Ichm-rzUch tief gedrückt ist. Die Vieh- und Fleischcinfuhr war vor dem Kriege durch gesetzliche und gesundheitspolizeiliche Vorschriften stark unter- Kunden. Die Bestimmungen waren getroffen durch den überstorken Einfluß agrarischer Produzenten, die jede Konkurrenz von Deutsch- land fern- und die Viehpreise möglichst hochhalten wollten, und sie wurden begründet mtt der bekannten Seuchengefahr. In Rücksicht auf das ausgehungerte deutsche Volk wurden die Bestimmungen nach Beendigung des Krieges vom Reichsrat abgemildert. Nunmehr aber waren Bestrebungen im Gange, die gewährten Milderungen wieder aufzuheben, ein Beginnen, das allerdings zunächst eingestellt worden ist. Da der Einfuhr von Vieh große Hindernisse im Wege stehen, hat sich ein„Fachausschuß für Fleischversorgung" die Masseneinsuhr von Gefrierfleisch aus Nord- und Südamerika und A u st r a l i e n zur Aufgabe gestellt. Die getroffenen technischen Ein- richtungen beziehen sich in der Hauptsache auf Kühl- und G e- frierhäuser, die in Hamburg, dem deutschen Aielhafen der großen Amerika- und Australiendampfer, angelegt sind. Der Reichs- tagsausschuß für Volkswirtschaft war kürzlich geladen, diefe Einrichtungen zu besichtigen: Sei den gefrorene« Schweinen. In einem riesigen Lagerschuppen der Hamburg-Amekika-Linie ist ein neuer Typ von Kühlanlage nach der Erfindung eines Hamburger Ingenieurs erbaut. Der Bau erfolgte nach dem Grundsatz: Höchste Wirtschaftlichkeit. Die üblichen Holzwände und die Ascheisolierungen sind weggefallen in den Kühlhallen zu Lande. wie auch in denen zu Schiffe. Holzbalken, Bretter und Stahlplatten sind sauber in Beton eingetteidet und dort, wo früher Fuder Asche die Wärmeeinwirkung abdämmten, sind jetzt Tausend« Lustschotten, in denen die kalte Lust ihren Kreislauf vollführt. Wir öffnen den Vorhang und treten ein in die kühle Hall«. Da liegen die Schweine zu vielen Tausenden sorgfältig auf- geschichtet und sorgfältig mit Wiegenummern versehen. Sie sind sauber ausgeschlachtet und all« tragen sie ein schönes weißes Hemd. Von einer Abteilung geht es in die andere. Hier mittlere Schweine, dort solche schweren Gewichts, dann wieder-sorgfältig können. Unten im Schiff steht ein Dutzend kräftiger Männer. Sie werfen die Brocken in die Zugnetze und ab und zu auch„einen" zu uns rauf. Immer zwanzig von den Borstentieren steten die Reise ins Kühl- haus gemeinsam an. Aus einem zweiten Schiff— einem modernen Norweger—, werden ebenfalls gefrorene Borstentiere ausgeladen. Di« Studienreise fand ihren offiziellen Abschluß.in einem Probeessen, an dem auch eine ganze Anzahl Fachleute teil- »ahmen und bei dem die verschiedensten Fleischarten im rohen und gebratenen Zustand aufgetragen wurden, und zwar je eine Sorte Frisch- und Gefrierfleisch. Ucber jedes Gericht wurde abgestimmt, das heißt geraten, welches von beiden nun eigentlich Frisch- fleisch sei. Die Reael war, daß die meisten Abstimmenden das Ge< stierflcifch als Frischfleisch bezeichneten und daß vornehmlich die Sachverständiaen einen überaus unzuverlässigen Geschmack hoben, denn im Aussehen des gekochten Fleisches war(was auch den Ver- liner Hausfrauen nicht unbekannt ist) kein Unterschied, wie er im Geschmack ja auch nur eingebildet ist. vorbeöingungen für Sie Einfuhr. Der Konsum von Gefrierfleisch hängt in erster Linie von der Güte der technischen Einrichtungen ob. Neben den Einrichtungen auj den Transportschiffen und den Kühlanlagen im Hafen werden Zuge mit eigener Kühleinrichtung und Einzelkühl- wagen benötigt. In den Zensten der dichtbevölkerten Städte, wie Berlin z. B.. werden Kühlhallen benötigt und schließlich muß die sachgemäße Kühlbehandlung bis zum Verkäufer erfolgen. Daß dazu große Geldmittel erforderlich find, liegt auf der Hand. Schließlich aber müssen auch feste Vereinbarungen getroffen werden mtt den liefernden Firmen im Ausland, damit ein günstiger Preis- stand erreicht wird. Denn der Absatz an Gefrierfleisch wird nur dann zu verzeichnen sein, wenn der Preis dafür um ein Viertel niedriger steht wie der für frisches Fleisch. Die Landwirtschaft kann den heimischen Bedarf nicht decken; sie soll und kann ihr« Produktion steigern und stotzdem erscheint es vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus dringend geboten, lieber komprimiertes Gesteide, in Form von Fleisch, als Unmenaen von Gesteide einzuführen. Den breiten Massen muß die Möglichkeit ge- schaffen werden, mehr Fleisch zu konsumieren, was heute nur durch die Einfuhr aus den Ländern möglich ist, die eine Ueberproduttiou an Fleisch aufzuweisen vermögen. schaftlichen Verbänden ist der Milchpreis für den Monat Dezember 1321 auf 4 M. frei Berlin festgesetzt worden. Mithin ergibt sich eine Erhöhung des Einfuhrpreises gegenüber dem bisherigen von rund 82 Pf. je Liter, während die Spannen für Verwaltunaskosten und Unkosten der hygienischen Konstolle die- selben, 8 Ps. je Liter, bleiben, mußten die Spannen für die molkerei- mäßige Behandlung um ein Geringes, die Ver dien st spannen für de n M i l ch h a n d e l um ein Beträchtliches erhöht werden. Sie erfordern zusammen IM M., so daß sich ein Verkaufs- preis der Milch von S.4l M. ergeben würde. Es wird im Monat Dezember mtt 240 000 Ltter ausgabefähiger Milch gerechnet. Di« für die Kinder und schwangeren Frauen benötigte Mllch wird im Monat Dezember zum Preise von 4 M. je Liter an die Bezugsberechtigten ausgegeben werden. Die Verbilligung erfordert täglich rund 100 000 M. und nötigt zu einer Er- höhung des Preises für die übrige, zum freien Verkauf gelangende Vollmilch. Die Emulsionsmilch wird wiederum in Höhe von zirka 70 000 Liter täglich im Dezember hergestellt werden. Ihr« Herstellung kostet 6,61 M. Da die wichtigen Gründe, die bisher für die Bildung eines einheillichen Abgabepreises ausschlaggebend waren, sich nicht geändert haben, so muß dieser Milchpreis für die zum freien Verkauf gelangende Frischmilch und für die Emulsionsmilch auf 6,20 M je Liter festgesetzt werden. Oer Waffenfunü in Moabit. Studenten werden freigesprochen, Arbeiter verurteilt. Vor der 4. Strafkammer des Landgerichts l wurde gegen den Lagerhalter Karl Großmonn, den Schlosser Bruno Stein, dessen Bater, den Klempnermeister und Hausverwalter August Stein, und den Arbeiter Wilhelm Hausse verhandelt, die beschuldigt waren, Im März und April 1921 nach Ablauf der im§ 1 des Entwaff- nungsgesetzes vom 7. August 1320 gesetzten Frist zur Ablieferung Mllitärwoffen unbefugt in Gewahrsam gehabt zu haben. Es wur- den nämlich in den K e l l e r r ä u m e n der von Großmann ver- walleten Filiale der Berliner Konsumgenossenschaft in der Beusselstraße bei einer polizeilichen Durchsuchung nicht unerheb- liche Mengen von Waffen aller Art vorgefunden. In der Verhandlung gab Großmann zu diese Waffen auf Ersuchen von Mttgliedern der Konsumgenossenschaft vorübergehend unterqesisllt zu haben, ohne daß er sich dabei etwas Böses dabei gedacht habe.— Es wurde dann auf Grund von Mitteilungen, die der Polizei zugegangen waren, die ganze Rostocker Straße nach Waffen durchsucht. In dem von Stein sen. verwalteten Hause Rostocker Sst. 2 fand man in«inein Keller, zu dem Stein sen. den er Aräulew. Bon Paul Enderling. (Schluß.) lind als die Uhr vom Rathaus schlug, nüchtern, klar, sachlich, ohne musikalisches Rankenwerk und ohne den Patina- glänz alter, ehrwürdiger Choräle, war es für Annemarie den- noch ein Klang, der das Herz schneller schlagen ließ, daß ihr die Arbeit aus den Händen glitt: Jetzt kam Lothar heim? Sie öffnete das Fenster und sah hinaus. Die Kinder ver- liefen sich nach Hause. Die Elektrischen kamen vollgestopft und verschwanden. Wenige Minuten lang war die Straße von Menschen überschwemmt; dann verlief die Flut in die vielen Kanäle der inneren Stadt. Die Straße war wieder leer, nüchtern, wie der Strand bei Ebbe. Annemarie zog ein Taschentuch und winkte hinaus. Da um die Ecke bog ihr Mann. Sie sah, daß er dem Briefträger begegnete und etwas abnahm. Und nun klingelte es, und er kam. „Ich bringe was mit. Rate." Aber Annemarie ließ sich nicht darauf ein: Sie unter- suchte seine Tasche. Es war ein Brief mtt dem Poststempel Danzig.„Thea schreibt!" Und noch im Stehen las Annemarie Theas Brief, der in dem krausen Durcheinander der Buchstaben so gut Theas Seele widerspiegelte: „Liebe Annemarie! Jetzt ist unser Umzug beendet, und ich kann wieder schreiben. Wir wohnen in dem kleinen Haus an der Prome- nade, nicht weit vom Hauptbahnhof. Wir hörten, wenigstens zu Anfang, alle Züge ankommen und abfahren und kriegen oft eine Portion Rauch ins Zimmer. Aber es ist ein kleiner Garten dabei, und Vater mußte fa eine andere Umgebung haben, jetzt, wo er das Geschäst abgegeben hat und nicht an die Vergangenhet erinnert werden darf. Seit seinem Schlaganfall bei Hermanns Tod hat sich Dater nicht wieder erholt. Er geht nur an Krücken und lallt mehr, als er spricht. Gott sei Dank hat ihn das Gedächtnis für vieles verlassen. Er glaubt Hermann noch immer lebend und sieht ihn nur als kleinen Jungen vor sich.„Ruf mir doch Hermannchen", btttet er dann.„Ich will ihm doch was schenken", und er sucht in allen Taschen herum. Ach, Anne- marie, wie schlimm ist es doch, schenken wollen und nicht können. Neulich abends, als er die Rosen im Garten beschnitt, die kümmerlichen drei Rosenstöcke, die jetzt sein ganzer Stolz sind, scheint ihm plötzlich sein Gedächtnis für einen Augen- blick wiedergekehrt zu sein. Er ließ die Schere fallen und sagte zu Mutter, die neben ihm stand:„Ich weiß jetzt, was sich an uns rächt: Wir haben nicht genug geliebt, Minna. Wir haben unseren Kindern nicht genug Liebe gegeben." Mutter ist ganz blaß geworden vor Schreck; denn sie fürchtete einen Ausbruch. Aber er ist gleich wieder in seinen alten Zu- stand zurückverfallen, hat wieder nach der Schere gegriffen und hat gesagt:„Ich muß mich beeilen. Wenn Hermann kommt, muß ich fertig sein". Mutter ist das Wort Vaters von der Liebe durch und: durch gegangen. Sie hat mich in die Arme genommen und! mir alles Mögliche abgebeten, wie sehr ich mich auch gesträubt! habe. Und sie hat zum ersten Male seit langer Zeit wieder i geweint. Ich schrieb es Dir ja schon: Mutter Hot bis heute keine Träne vergossen. Sie hatte soviel in ihrem Leben über Kleinigkeiten geweint, daß nun, wo es um Großes ging, keine! Träne mehr übrig war. Manchmal gehe ich heimlich zum Fischmarkt vor unser altes Haus. Ein Tuchfritze hat es mit Beschlag belegt und alle Etagen voll Kattuns und Schirting gestopft. Es ist ein gräßlicher Gedanke. Aber es ist wobl gut so. In dem alten Hause weht keine rechte Luft für Menschen: Die Luft war wohl verbraucht in den vielen, vielen Jahren, wo es gestanden hat. Aber schön ist es ttnmer noch da. Die Dampfer fahren und tuten und beulen, und die Marktweiber sind immer noch so grob, und die Fische immer noch so blank—„silbern" sagtest Du immer.— Und die Bomkes spucken immer noch ins Wasser Herman liegt nicht weit von Onkel Otto. Das Grab von Onkel Otto habe ich geschmückt, wie Du es angegeben. Es ist eine kleine Blumeninsel. Ach ja, das muß ich Dir noch er- zäblen: Tante Tinchen schwört darauf, daß Onkel Dich hotte! heiraten wollen. Und sie wundert sich mörderlich, daß Du nicht an die schöne Witwenpension gedacht hast-- Im, übrigen ist sie sehr traurig. Denn ihr Stettiner Amoroso hat> letzten Weihnachten keinen Kaffee und Zucker geschickt. Sie ist in ihrem Menschheitsglauben ein bißchen erschüttert. Man kriegt bei ihr also nicht mehr den scheußlichen Kaffee.— Pfui Pudel, mich schüttelt's, wenn ich daran denke. Nun weiß ich nichts Neues mehr und grüße Dich in alter Liebe und bitte, Deinem Mann einen freundschaftlichen Gruß zu bestellen. Und er soll einmal mit Dir herkommen, dann wollen wir hier gründlich bummeln und fidel sein und lachen. Ach, Annemarie, ich bin schon so lange nicht fidel gewesen. Ich küsse Dich, Kleines, Deine Thea. L. K. Henning hat sich nach Thorn versetzen lassen. An seinem Abfahrtstage bekam ich einen Blumenstrauß ohne Namen. Findest Du das nicht doch eigentlich nett von ihm?" Annemarie ging ins Zimmer und gab Lothar den Brief. „Darf ich?" „Ja, Liebster." Annemarie stand am offenen Fenster, während er las. Als er fertig war, trat er zu ihr. Sie wandte sich halb um und legte den Finger auf den Mund.„Leise, leise! Hörst du nicht?" „Was hörst du?" „Ich höre die Glocken," sagte sie leise.„Die Glocken der alten Stadt am Meer. Hörst du sie nicht auch?" Er nickte lächelnd.„Was läuten sie nur," „Ich kann die Melodie nicht verstehen." sagte Annemarie und horchte noch immer in die Weite.„Jetzt höre ich dunkle Akkorde wie eine Totenklage-- oh, Liebster!" Beide dachten an das zerbrochene Leben Hermanns, und beide griffen nach ihren Händen. Mitten in ihrem ersten Liebesglück war die dunkle Kunde von seinem Untergang zu ihnen gekommen: zuerst in der grellen Beleuchtung der Sen- sationsnotiz eines Allerweltsblattes. dann in einem verzwei- selten Brief Theas. „Und nun?" fragte Lothar nach einer Weile. Denn er hatte wohl bemerkt, wie Annemaries Augen ihren trüben Schimmer verloren batten und wieder hell und froh waren. „Was bör't du nun?" „Eine lichte, sonnige Melodie ringt sich los und schwebt sieghast über all den wirren Klängen. Sie ist so einfach und doch so rührend... Lothar, ich glaube: sie ist wie ein Kinder» lied..." Lothar nahm sie fest in seine Arm« und küßte sie. { Der deu sehen Kaustrau„Diuis.» aum u. ihr Wcihnachtsgeback" I retql dei Beriicri hem ranm-Verein und der Haus- ! rauen-Verein Nord-Osi vom 29. Nov. bis ft. De*. | Oed|nel v. 10blj6Uhr nur&|6X2nc!6rpSdtZ Wurstwaren Fr. Blutwurst...piun** 11" Allein- Vorverkau}: Circus Hagenbeck Leipziger Strasse, Alexnnderplatz.Frankfurter Allee Kohlrüben- � 35 ot Weisskohl.......... pi�T0 Kochbirnen...... p�2'° Mohrrüben 65»t Seilere................ � 1° EssSpfel.............. p>� 2" Prelaa•In.cMle-slleh ri-.che. Aul Walr« TOI, gfauerauactilag Fischevlläucherw. Fr. Bratfiundern pü I10 Fr. Dorsch.......... piuno 320 Fr. 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KARL BURGER Reichen berger Simse 159. vorn II Tr. Fahrverblndung Kottbuser Tor. SchlüM hatte, der auch Handwerkern zum Absetzen von Arbeits» gerät«» diente, ein« grotzc Menge Waffen und auf dem Boden de« Kaufes gleichfalls zahlreich« sehr sorgfältig verpackte und gepflegte Gewehre und andere Vchuhwaffen, chandyranaten, Sprengkapseln, Äindschnurmunition usw Bei Bruno Stein wurde außerdem eine Quantität Zyankali vorgefunden. Der alte Stxin war ob dieses Auffindens der Waffen in dem von ihm oerwalteten Hau'« voll- kommen entsetzt und trostlos, und die Polizeibeamten waren iiber- zeugt, daß der alte Mann in gar keiner Beziehung zu diesem Was- senlager stand. Dagegen hielten sie den Ste'n jun., der gleichfalls bestritt, irgendwie zu wissen, wie die Waffen in da« Haus gekommen wären, für wohlinformiert über die Herkunft t«r Waffen. Der Angekl. Hauff«, ein geistig etwas minderwertiger Mensch, gab zu, daß Ihm die in seinem Keller vorgefundenen Gewehre in einem Sack zur Aufbewahrung übergeben worden seien. Der Staatsanwalt beantragte unter Zubilligung mildernder Umstände gegen Großmann S Monate, gegen Bruno Stein 1 Jahr Gefängnis, gegen August Stein die Freifprechung und gegen Hausse vier Monate Gefängnis.— Rcchtsanw. Dr. Siegfried Weinberg vierwies darauf, daß am Tage vorher in Tharlottenburg wegen desselben Vergehens Stundenten unter Anklage gestanden hätten und freigesprochen worden seien. Cr beantragte für Großmann eine Geldstrafe, für Bruno Stein dagegen die volle Freisprechung da nicht die Spur eines Beweises dafür beigebracht worden sei, daß dieser mit dem Versteck der Waffen etwas zu tun gehabt habe. Für den Angekl. Hauffe bat Rechtsanw. Liebenau um eine milde Strafe.— Das Gericht sprach den Angekl. August Stein frei, verurteilte dagegen Bruno Stein zu K Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 2 Monaten 3 Wochen Untersuchungshaft, Großmann zu 3 Monaten Gefängnis, die durch die Unterfuchungshakt als verbüßt angerechnet wurden, Hauffe zu 2 Monaten Gefängnis, die gleichfalls als verbüßt erachtet wurden. Die Unterschlagungen beim Postamt C. 2. Gegen ungetreue Postbeamte richtete sich eine Anklag« wegen Unterschlagung, Urkundenfälschung, Betruges und Beihilfe, die vor der Z. Strafkammer des Landgerichts I gegen die Postboten Theodor Ulm, Friedrich U l b r e ch t, Eugen S z o l a, Karl Schäfer, den Kaufmann Henry Wurzel und die Ehefrauen Helene U l m und Erna U l b r e ch t verhandelt wurde. Ulm und Ulbrecht waren aus dem Postamt E. 2 als Postboten beschäftigt. Wie die Beweisaufnahme ergab, hat Ulm in Berbin- dunq mit Ulbrecht Briefe, in denen Geld vermutet wurde, unbefugt gegffnet und des Inhalts, bestehend teils aus Scheck», teil» aus anderen Wertpovieren, beraubt. In einem Fall« hat Ulm einen Scheck über 34lX> M. vorgefunden, der auf den Namen„Ullmann" lautete. Um einen Ausweis in Händen zu haben, fälschte Ulm seinen Mllitärpaß, indem er seinem Namen ei»„ann" anfügte. Die Einlösung des Schecks gelang ober nicht. Bei den weiteren Straftaten der beiden ersten Angeklagten waren die übrigen Angeklagten teil- weife als Beihelfer beteiligt. Nach den Ergebnissen der Beweisauf- nähme wurden U l m und Ulbrecht zu 2 Jahren Gefängnis, Szola zu 5 Monaten, Schäfer zu 4 Monaten, Frau U l m und Frau Ulbrechtzu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte Wurzel wurde freigesprochen. Xot aufgefunden wurde Mittwoch früh der Leiter der Z.Z-Filiale «ckerstr. 174, Genosse Mnx Menzel. Anicheinenv ist Gas- Vergiftung die Todesursache. Die Kriminalpolizei hat die Leich- beich'aanabmt. Ein Kaciser ist in der gestrigen Funktionärkonserenz verloren worden. Der ehrliche Finder wird gebeten, denselben abzugeben bei Gustav Linke. Claudius st r. Vi. Quergebäud« 4 Trp. VezirtsbtlbunkSauSIchuß Mriili.Verltn. Fieitag. den Z. Dezember. oben»».V/, Ubr. in der.N-uen Well'. Hofenbclde IVS 114. Auifüluung der Oper>«'«a'ried-. L. San au« der Si il°-,le.Der Nina de» N'delunoen- von Rickvrd Ergrer.«inlrbiitavten k 8 M obne ftlfiberoBlaae und Proaiamm«»u haben im Bu eau des Bezh föbilbnnnSnu«' rfiufle«, Linden. ftrone 8. 2. toi, 4 Trepoen. Zimmer 13. und bei den Mit gliedern der »re'ßbildunaSanS'cküsse.— Mantaq. de» 2«. T ezember(3. DcibnaitiSteiertag). nammiltag« 8'l4 Uhr. in der alten Garnssonkrche. Neue Friedrirtt ahe . K i r ch e n k o n z e r« Mitwirkende: P-of. Tbiel. Brot, ftlemmmq, baben im Bureau des S. B. A. und bei den Mitgliedern der«rei«. bUhungSauSichüsse. Die schiffbrüchigen. L!» den FolieS Cabriee gab es Eonntag nachmittag ein recht ervfteS Stück aus dem Französrichen des Herrn Brieur. Di« e-chiftinüchigen. DaS lind alle jene, die auf den Wagen de« Liebes- meeirS prrunalückt'n: die T ypbiliiikcr. Merkwürdig genug, dah von der «udne d-efeS Zbeaterct-cnS. au« der man«antt mit Eindeutiateiten un' Ptlavterteii ipiett, ernfre Warte tonten. Bei Li-tt betrachtet«it da» Stück fiaev kein Drama, cöcr Schal spiel im literarischen Sinne, sondern ein von flarem öfboi erfülltes Propaqandaltück. von de-n ma? sich vorstellen könnte, ban f* tmt Joelen chast?.ur Velämpfttng der GeschlechtSkrantbeiten auf. suhren lüixt. ES brbt den Vorhang von der»raufi�en Nachtfeire des immer nur romantiscr-ptaninstisch gesehenen LiebcStebenS. Dennoch aber lteaen in ihm fwrke dlrmat sche Akzrnte. Der g ü t i fl e, alles verstehende Slrzt wmke von Rudolf Bei al eindringlich und mit starker Wirkung gegeben. Die schauspieleUsch stärkste Leistung gab Stlh Hoffman mit ihrer Pkostiwieuen. Auur S u g e n s. Marie Ärünecker. Anny We n d r ick unp Mila Bland-Dti obel taten mit bestem Hemühen daS ihre zum Seimgen. DaS Gesamtjpiel mutz noch mehr gesellt werden. Groft-Serliner parteinachrichten. heute, Dounersteg, dpa l. Dezember: ?!'""'ÜSüS: JA4 llhr ffunlttonätfikung bei Warnte, Sanftnftt. U ejD.-aitttrnbeliB«! 7-4 Uhr bti SchSp». Ni.delschitneweU,«. Orünauet 6tt. 8, Sitzung. Tagesordnung: X. Stellungnahme jut Schaffung «in« mtbeitsgemcinkchaft der SPD... IISPD.. und«PD..Sl,-rntelrät-. i. Bericht über dl« Arbeit des Zentralbeirates. Ä??!?.''"'pp- Spandau: Ti Uhr im Jugendheim R-u-nbarfer Straß, SS, Vartrag Uber..Proletarisch« ftrühzrit. Referent Robert �cller.-»euppe Srlrdr.chchalU! 7V, Uhr in der Gemeindeschul- Straß. -nannstr.« Vortrag Uber„ÄnfUhrung tn die Philosophie". Referent G-. nasse«elnlauf.-- Gruppen Beiß r.sb R-u»«-! 7(4 Uhr im Brltzer IugOndheim, ü.hausseeftr. 48, gemeinsamer Vortragsabend über„Die Zei- iun». R-fer-nt Arthur Zickl-r.— Gruppe Treptow: 7% Uhr Im Jugend- *5 gemernsamer Mädchcnabend. Vortrog der Genossin Dr� Richtenhausen.- Gruppe zUediichohag--.- 7)4 Uhr Im Zugendhelm Scharnweberstr. 105, Schach, und Brettsptelabend. Morgen. Freitag, den 2. Dezember: '«empelhal. 1 Uhr im Marlendarf, tn der Aula der 2. Gemeinde» schnlc ttSnigstraß«,«reisvertreterpersammlunz. Die Mitglieder des Treis. narllendes treffen üch ein« holde Stunde früher. ltrüher 15.). 7% Uhr Porstandssttzuna bei ße 10. Dl« BarstSnde, Bcglrt». und Grup ,— Schwär«, Blankenfelder Gruppenführer samt« Slterü. Vorstandes 4-«bt.(früh Straße 11. beiriite mllssen erscheinen. � Pünktlich 7)4 Uhr Sitzung sümtlicher FunktianUre bei«aldschmidt, », Ä? ülicheStr. SS. Wichtige Tagesordnung. All« Senassen willkommen. SS.«bt.«eullllu. 7 Uhr tzuntiianarversammlung bei«entee,«aiser.Friedrich., LA? Teupitzer Straße. »5.«bt.»eukWu. 7)4 Uhr«ankeren« de» Barstande» und der Bezirksfohrer bei Sempe, Lesstng., Ecke Prln«.Handsern.Straßi. Wichtig, Tagesordnung. «chtung, Beamte nnd Anacll-llt« der R-Ichspost! S Uhr in der Aula des Saphi-n-Symnastum«. Wemmeisterstr. 1». Versammlung aller Beamten und Angestellten der Reichspaft. Thema:„Die Privauüerung der Reichs» «?...�«k'rent Direktor Maz Sange, Mitgl. d. Reichswirtschastsrates. yttit Aussprache» ?uaenüveranstaltungen. Btnbl«etzelter.Zug.nd. Selretari-t- S«.«. Si-denstr. t, K», tiwl*, 2 Treppen-«che». T-lephou- SStpl 121 08-10. Mitgliederversammlungen am Donnerstag, den t. Dezember: «lauk-udurg: Zugendhei» Schul« Triftstraß-.-»rstuau.FaNeuberg! Jugendheim Sartenftadtftraße IBaubude).— Zphanalsthal: Jugendheim Iohannes.Wern«r.Siraß-.- RenkII,.«ordt Jugendheim Schule«alser.Fried. rtch-Straße«. Diskussion: ,.Wl, denk, Ich mir den Beihnachtsadend»- «iedersch luevwid«! Zug-ndde-m Schul, Berliner Straß,.-«ardeni Schule Pu«d>>s-r Str.»G.— Stralauer Viertel-. Jugendheim Schule Raglerstr. tz.— Retulckenbalk-West! Jugendheim Boll, hau» Kcharnwederstraße.— Schiluhausee Larstadi I: Schute Sannendurger Str. 20.- Süden: Jugendheim Schule Stall» schreiderstr. 54.- R-Ichcn5-rger Viertel! Schul, Slazauer Str. 12/16.- 14.«reu sReulZlln-Britz)- Zm Jugendheim Reukllln. Bartrag Uber„Wie«in« Zeitung entsteht und wie fie wirkt?"- Treptow: Jugendheim Elsenstr. g, «litdchenabend. vartrag:„Die Kunst zu leben. WiPtfdyafi Warenaustausch zwischen Industrie und Landwiilschaft. Wir erhalten folgende Zuschrift: Die zunehmenden Schwierigkeiten in der Bersorgung der Be- völkerung mit Nahrungsmitteln zu erträglichen Preisen, reizen die Volkswirte, neue Wege zu' suchen, um dieses schwierige Bcrsorgungs- Problem zu läsen. Für die Industrie handelt es sich in der Hauptsache um die Versorgung der Arbeiter mit landwirtschaftlichen Produkten. Heute freilich ist es viel zu spät, von der diesjährigen Ernte noch viel zu erfassen. Anderseits leidet die Landwirtschaft unter den Folgen der Ausfuhr an Stickstoff und Kali, ja, Sachverständige befürchten. daß im kommenden Jahre Schwierigkeiten in der Berfor- gung der deutschen Landwirtschaft mit Düngemitteln eintreten. Die Profitwlrtschast auf beiden Seiten mit ihren unglaublichen Ge- Winnen für Wenige und fürchterlichen Folgen für die gesamte Be> völkerung, treibt grauenvollen Zuständen zu, die— und da» ist das Schlimmste— von einsichtigen Leuten auf beiden Seiten schon er- kannt werden, aber trotzdem will man, solange e» noch möglich ist, mit profitieren. Um«ine Katastrophe zu verhüten und sich wenigstens gegen- feitig noch zu versorgen, wollen jetzt Industrie und Landwirtschaft Teile des Restes der diesjährigen Ernte und der Jndustrieprodukte sich gegenseitig auf dem Weg« des Austauschverfahrens zuführen. Der Anfang soll in Mitteldeutschland gemacht werden. Zu diesem Zweck« hatte der L a n d b u n d die beteiligten Kreise am 28. November zu einer Sitzung nach Holle geladen. Beteiligt waren Vertreter der Stick st off-, Kali- und Braunkohlengebiete einerseits, der Landbund anderseits. Aber auch die Gewerkschaftsvertreter waren geladen, um Stellung zu nehmen zu dem so schnell als möglich durchzuführenden Plane. Die Durchführung ist etwa folgendermaßen gedacht: Stickstoff, Kohle und Kall sollen in bestimmten Mengen dem Landbund offcrten- mäßig angeboten werden, und man hofft, daß auf dieses Produkten- anaebot die Landwirtschaft mit gleichwertigem Angebot von Kar- toffeln, Getreide und Hülsenfrüchten reagiert. Der Geldverkehr wird ausgeschaltet: damit will man auch der Papierinflaiion steuern. Bon einer Zentralstelle soll ein den Valutaschwankungen nicht unterworfener gegenseitig konstant bleibender.Gleichungspreis' festgelegt werden. Die Landwirtschaft will sich also für ihren Betrieb notwendige Produkte sichern. Die Industrie will die in Zahlung genommenen Lebensmkitel den Arbeitern und Angestellten als Naturallohn in Zahlung geben. Dazu macht der deutschnationale Reichstags- abgeordnete Bergwerksdirektor Leopold den Vorschlag: man müsse die Soziallöhne(Hausstands- und Kindergeld) nicht in bar, sondern in Naturalien abgeben. Diese Regelung müsse aber tarifmäßig erfolgen Damit würden auch die lästigen Lohn- Verhandlungen eingeschränkt, da die Lebcnsmittelpreisbewegung der Hauptgrund der Lohnbewegungen sei, dieser Grund aber be- seitigt wäre, wenn ein Teil des Lohnes in Naturalien bezahlt würde. Im übrigen könne er es der Landwirtschast nicht oerdenken, wenn sie einen Teil ihrer Produkte zurückhielt, sie habe nur einmal Einnahmen im Jahre und müsse auf künftige Ausgaben bedacht sein, um nicht von Haus und Hof zu müssen. Von den Vertretern des ADGB. wurde geltend ge- macht, daß e« sich bei- diesem Abschluß um ein glattes Kauf- g e s ch ä f t zwischen Industrie und Landwirtschaft handele, wobei den Gewerkschaften jedes rechtswirksame Eingreifen unmöglich sei. Dies fei nur auf dem Tarifwege möglich: hierbei würden sich in der Preisfestsetzung für Naturalien aber unüberwindliche Hindernisse ergeben. Auch die Mitwirkung der Betriebsräte fei außerordentlich beschrankt, aber au» gewissen Gründen auch gar nicht gewünscht. Auch sei gor nicht zu übersehen, welche Produttenmengen gegenseitig zur Verfügung ständen. Durch ihr Angebot gebe die Landwirtschaft das Doryandenfein noch größerer Be- stände zu. sie wolle diese einfach auf den Markt bringen. Dieser Einwand wurde seitens der Landwirtschaft mit dem Hinweife wider- legt, daß wohl noch Borräte da seien, aber mit Zwangsmitteln sei gar nichts zu erreichen. Die Arbeitervertreter wiesen weiter darauf hin. daß bei der Durchführung dieses Planes, nur die in den beteiligten Austauschindustrien beschäftigten Arbeiter und Angestellten in den Genuß der Lebensmittel kämen, große Ar- beitcr-, Angestellten- und Beamtenkreise aber ausgeschaltet würden. Die Jndustrievertreter wandten auf dies« Ansicht ein, daß in- direkt auch Lußenstebende Borteile insofern hätten, als die großen Aufkäufer— die Industrie— als Käufer vom Markte verfchwän- den, und übrigens das Produktenaustauschverfahren auch eine Stabilität der Preise nach sich ziehe. Soweit die gepflogenen Vorhandlungen. Es läßt sich heute noch nicht übersehen, ob der Plan gelingt, ob Industrie und Landwirt- schaftsorganisationen ihre Mitglleder hinter sich hoben werden. Man weiß auch nicht, ob und wieviel Produkte gegenseitig angeboten werden. Man kann aber auch ohne weiteres nicht die Folgen über- sehen, die sich bei der Verwirklichung für die Arbeiter ergeben. Eine bezirkliche Regelung wird kaum durchführbar sein, eine Lösung für das ganze Reich aber politischen Widerständen begegnen. Boraus- gesetzt aber, beide Teile, Industrie und Landwirtschaft haben in ihren Leitungen den ehrlichen Willen, etwas zu tun, so haben sie schon fetzt Gelegenheit im Ueberfluß, diesen guten Willen zu be- künden. E» wird nötig sein, daß zu diesen hier aufgeworfenen Fragen nicht nur die mitteldeutsche, sondern die ganze deutsche Ar- beiter» und Angestelltenschaft Stellung nimmt. Mitte Dezember werden die Verhandlungen fortgesetzt; bis da- hin müssen wir wissen, wie die Arbeiter und Angestellten über den Plan denken, ob andere gangbare Lorschläge zu mcchen sind. W. Hesse, Halle. « Indem wir un» vorbehalten, auf die Angelegenheit zurück- zukommen, wollen wir uns hem« auf folgende Feststellungen be- schränken: Der Noturaltausch von verschiedenen Erwerbsgruppen bedeutet die Gefahr der Bildung von Wirtschaftsprovinzen, die ganz besonder» erhöht wird, wenn die Arbeiter daran durch Naturallöhne beteiligt werden sollten. Im vorliegenden Falle handelt es sich um eine für die Förderung der landwirtschaktlichen Produktion und damit für die gesamte Volkswirtschaft äußerst wich- tige Frage. Die Reichsregierung hat hier bereit» im Kohlenbergbau den Arbeltern ein Borzugsrecht auf Lebensmittellieferungen ge- geben, es wäre also sehr gut denkbar, daß sie in ähnlicher Weife der Kali- und Stickstofferzeugung einen Anreiz gibt. Daß sich gerade Exportindustrien— Stickstoff und Kali— in erster Linie in die un- zureichende landwirtschaftliche Produktion des Inlands aufteilen, kann leicht zur Folg« haben, daß die durch den Export herein- gebrachten Devisen zur Beschaffung von Lebensmitteln im Ausland für andere Erwerbsgruppen fehlen. Es wäre also ein« zentrale Regelung unter allen Umständen anzustreben, sei es auch nur in der Weife, daß Reich oder JSemeinwirtschaftskörper(Reichswirt- fchaftsrat) die Kontrolle über den Umfang der> so zustande- kommenden Geschäfte ausüben. Die Bedenken gegen rein private Abmachungen des Natural- tausche« im großen werden unterstützt durch die Tatsache, daß auf der Sitzung in Halle offenbar auch ganz unzutreffende Beweisgründe" für die Notwendigkeit dieses Geschäfts vor- gebracht wurden, so u. a die Behauptung, daß die englischen Läger mit deutschen Kartoffeln überfüllt seien(!), und daß täglich weit über tausend Fässer deutsche Butter ins Ausland transportiert werden. Das sind Uebertreibungen, deren Unsinnigkeit ja geradezu in die Augen springt, die aber den Arbeitern vorgettscht werden, die sie nicht nachprüfen können. Es wäre gut. wenn die Regierung sich hierzu äußerte. Auch der Einwand, daß durch den Naturaltausch einzelner Gebiete die Geldaufblähung eingedämmt würde, ist unrichtig, 1 1 ihre wichtigsten Ursachen auf ganz anderem Gebiete liegen— der allger.»nen Preistreiberei und dem Defizit des Reiches, zu dessen Deckung immer wieder die Notenpresse her- halten muß._ Beschränkung des Brösenbesuches. Wie der Börsenvorstand mitteilt, zeigt es sich immer deutlicher. daß die Ueberfüllung der Börsensäle größtenteils ihre Ursache darin j hat, daß sich Personen, die nicht zum Börsenbesuch zugelassen sind, I Eintritt oerschaffen. Der Börsenvorstand hat deshalb angeordnet. daß vom 12. Dezember ab nur gegen Dorzeigung der Börsen- oder Eintrittskarte beim Eingange der Eintritt gestattet wird. Außerdem hat der Börsenvorstand beschlossen, von Zeit zu Zeit eine Nachprüfung beim Verlassen der Börse vornehmen zu lassen. Personen, die unbefugt die Börs-nsäl« betreten, haben straf- rechtliche Verfolgung zu gewärtigen. Sprovghafie Besser rnig der Mark. An de? gestrigen Börse ging 1 die Mark sprunghaft in die Höhe. Die Verhandlungen Dr. Rathenaus in London über einen Zahlungsaufschub werden günstig beurteilt. i und dieses Stimmungsmoment hat dem Km» der deutschen Mark � nrößeren Vorteil geb,a/«— 8 Uhr II C. Schlltermnen- adteltung, 8—10 Uhr Frauenabteilung, Sannabend» 8— 10 Iungmädchenab- tcilung, Dienstags und Freitag« 0—8 Uhr ItC. SchtUerabtellung. Den Genosse» nördlich der Franlfurter Allee zur Kenntnis, dah unser« II Ä u. B» Schiller- und II A u. B-Echlllerinnenabteilungen in den alten Turnhallen Part» . aue bzw. Bllrgerheimstrahe bleiben. Die Genossen werden gebeten, ihre Kinder i in unsere Ihnen nächstliegende Turnhalle zu schicken.— Heute Dannerstag, | 1. Dezember, in der Schulaula Partaue, Elternobenh. Die lurnerischeu I AuffUhrunaen, her Ehargesang, Mussksillcke und eine Theaterautillhrung werben ausnahmsla»»an Kindern des 2. Bezirt» ausgeführt. Einlritl 2 Sc Set Ertrag fließt in die Kinderwandertasse. Sriefkasten üer Reüaktion. K. PflSzerstr. 51. Wegen de» Lärm», fofern er da» Maß der gulSssiz» teil übersieigt. tonnen Sit Klag, auf Beseitigung der StSrung gegen den Wirt sowie gegen den Mieler erheben.- F. Wenden Sie sich an da» Reichswande» rungsaml. Luisensir. 81b sAustunftsslelle).- 2. E. Die Renten werde» g«. sondert berechnet. S» empsiehll sich, die Znaalidenmarten weiter zu kleben.— S. B.>000. Werbungstoslen und Kirchensteuern. Erheben Sie Einspruch.— K. E. 444. 1. Nicht bekannt. 2. Ja.— E. 23. 100. 1. Zweifelhaft. Versuchen Sie e«. Eotl. nehmen Sie den Landwirt In Anspruch. 2. Rein. 8. An da» Bezirksamt.— G. 20. Bis zum 80. Juni ISA. ErHeden Sie Einspruch.— J. B. 17. 1. B!» 80. September 1020. 2. Rein. Wenden Sie stch aber an Ihr Bezirksamt(Wahlfahrtsamt).— Z. S. 11. 1. bis 8. Nicht belonut. 7. Bankgeschäft. S. Wenden Sie stch an ein Laltcriezeschäft. B. Nichts.— M. 8. 42. Ja. Ucder die Bähe und Dauer mllssen Sie sich mit dem Hauswirt verständigen. Kommt eine Verständigung nicht zustand«, so entscheidet da, Mieteinigungsamt.— Otto 40. Zunächst ist der Vertrag maßgebend. Evtl. müssen Sie mit dem Wirt Rllckspreche nehmen. Die Reinigung muß von den Beleiligten abwechselnd erfolgen.— S. D. 30. Zweifelhaft. Bevor Sie aber die Reparaturen vornehmen lassen, müssen Sie dem Wirt nochmal» ein« Frist setzen.-__ tzlVetter bis ftreflrtfl millofl. Zeitweise aiifflorenb, fedach überwiegend trübe und nebelig,>m Binneniande vielfach leichie Schneefälle, überall mätziger Frost. Todesanzeige. Am 27. November oerstarb der Mttbe- grllnder u. treue Mit- arbetter unserer Se- nossenschai», d. Bäcker Karl Schmidt nachdem er kurz zu- vor sein 2Zji»>rigee Arbeitojubilaum bei uns deqehen konnte Erat Andenlen wer- 1 den wir in Ehren de- wahren. Bctlloet ?,!«. ILSS,« KttlrKsvervanck Keelin SPD. (6. früher 27. Abteil.) Am 25. November verstarb nach schwe- rem Leiden unsere »reue Genossin Klara Tambach Blumenstr. 146. Ehre ihremAndeaken Dir Einäscherung sindet Freitag, den 2. Dezember, vorm, S1. Uhr, im Kremai, Serichlstraße siatt. Rege Beteiligung erwarte» b4?,ig Tie Adteilungsleitg. Lssüdiel !ie!z!I,sl.s!l»,s«sd»isi VerwaIIung»st.Berl. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollegin Marie Spritzer Berlin, Ntidersdorker Elraße 62, am 24. No- oemder gestorben ist. Ehre ihremAndrnken Die Einäscherung findet am Freitag, den 2. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, im Krematorium Baum- schulcnweg, Klesholz- strgße statt. Rege Beteiligung er- wartet Die Ortsverwaltiing Tanksagung. Für die vielen Beweise «usrichttgerZeilnahme bei der Bestattung meines lieben Mannes, un'eres guten Baters, Schwirger- vrter« und Grohoater» Bella Xoseleovnstx lagen wir allen lieben Freunden und Bekannleu unseren herzlichsten Dank, Mari« Kosatowatq, geb. Schier. Ernst»näpnadel u. Frau geb. Kosakowsky nebst Kindern. Richard Kosakowstq liebst Frau und Tochter tlik leilAilillllg Anzüge üduopier, Boitians Maßarbeit mod Sachen Bega., diskr. Rat e nzadl Itkizerkottlleh stoUettckeirl»»?. 22 a ».Et. sNäHeNollendvl) Strausberger Str. t I Kupfer 44 Stets höchste Preise sstr sämtl, Altmetalle zahlt BoekrrlD. M.-V,-Mitgl), Strausberger Str. 4t. heute Donnerstag, den 1. Dezember. abend» 7 Uhr. in der Lockbrauerei. Fidicinflraße 2: Msmoilm«»II. MMslSie des Mlalllüttells soweit st« In den Betrieben Oes 8. B. 8t. 3. befchailigt sind. Tagesordnung: I. Bericht der Berhnndlnngatonrmtsston Aber den Schied, sgrnch. 2 Stellnngnahme zum Schiedsspruch. Zutritt nur gegen Funttlonärkorte undBerdandsduch einer zum Metallkarlell gehörenden Sewertschaft, Da» Liet-'llkartell. 3. St.: ventscher BtelaOacbelletoetbanb. Ort Verwaltung Berlin. iSh? —Ziehung 1 5. u. 1 6. Dez.— � Königsberger Lotterie■ bu Gönnten des Ostpr. He-'m&traaseum« S 8410 Gewinn« im Gesamtwerte von hl.■■ 225000 175000 130000 Lose zu 4 M, ÄuukÄ| LeoWolffKSn,85ber9lPr 1 Kantstr. 2, n. in»N. d. Plakat kenntl. Verkaufsst. Pfandscheine, Irll lanten, Gold, Silber(Bmeh) PSatin Zahngebisse Zehn 10 bis 150 Mark Prismen- Feldstecher Ankauf zum Auslandskurs Einwechseln von ausländisch. Gold- u. 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