Nr.SHS ♦ 38. Jahrgang Ausgabe A Nr. 287 Bezue�SprriS: Bicrteljähr.. IS,— SR., monall 15,— M. frei ms Saus, voraus zahlbar Post- bezug Monallich 12,— M.-mschLgu- �trUungsqebiihr Unter RrembaitD lüt Deutschland, Danzist, da« Saat- und Memetgebiet. owie dre edemat» deut- jchen(ßebtete Polens. Otftetreich. Ungarn und Luxemdurg 25,— M., für das'senge Tusland 32,— M Post- fceftef.uagcn nrhmrv«' Crfle'sti-i). Ungarn' Tichetdo» Slowalei, Tane- matt SoUand. Luremburg, Schweden und die Smwet» Set„Borwiirts" mit der Sonntags- beitage.Volt und Reit*, der Unier» haltungsbeilage �»eimwe't* und der Beilage..Siedlung und f.lemgartetr"' »richeint wochentägtich Meitnal, Sonntags und Montags einrnat Sei eatamm» Adresse: �Sazialdematrat Berlin- Morgen Ansyabe � S0 pksnnig J r � � � D berliner Anzeigenpreis: Sie jeijngeipalteni Sionpatelllejeile lostet 7,— SR.„ftleiu« Anzeigen- das ellgetiruttle Dot' 3.— S)l.(ju- lässig zwe»•ettgedniite Worte!, jedes weitere Won I 50 M. Stellengesuche und StltlaffteUenangcigen das erüe Wort 1 50 3JL etic« wettere Bort L— M. Worte übet 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. ssotnilien-An» zeigen für Abonnenten Reite 4.— M. Die Preise oerstehen si-b einschließlich Seuetuugs'ufchiKs. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4', Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW iL, Linden- ftraße 2, abgegeben werden, keoffnei von S Uhr jrüh bis S Uhr abends. �entralorgan der rozialdemokratifcben parte! Deutfchlanda BP Redaktion und Expedition: Sv) 08, Linöenstr. Z S.--rr.i»,r->r»,-e>- Redaktion Mortyplan ISIt,S-»7 �ernsprcllier. �„,.„�011 Morihplav ,,7S»— S» Freitag, den Ä. Dezember vorwärts-verlag G.m.b.H., SW dS, Lindenstr. Z Kernkt,re-�>«-r» Arrlgg. hexziedition und Inseraten. Abteilung Morifpiah lI7S» K» Die Reparationsverhanölungen. der Währungstaumel. London, 1. Dezember.(MTV.) wie das Reuiersche Eurem« erfährt, ist man im Schahamt noch immer mit der Frage der Re- parationszahlungen Deutschland» befchästigt.' Sobald der seht der Erwägung unterliegende Plan, der ein Moratorium und einen dem Termeulenschen Schema ähnlichen Vorschlag ein- schließt, in endgültiger Fassung ausgeseht und für die Beratung fertig ist, wird das Kabinett zusammentreten, um die Vorschläge eingehend zu erörtern. Lloyd George nimmt an den ve- mühungen zur Herbeiführung einer befriedigenden Lösung der Schwierigkeit regen Anteil; wenn es ihm möglich ist, ungefähr Mitte Dezember nach Washington zu reisen, hofft er, dann m l t h a r d> n g v e r h a n d el n und ihm da» Ergebnis der Erwägungen der Regierung und auch da» Ergebnis der Besprechungen der letzten Tage in greifbarer Form vorlegen zu können, wie verlautet, ist nur darum die Kabinettsitzung verschoben worden, weil gewisse Einzelheiten des Planes noch nicht fertig sind. Es ist jetzt nicht un- wahrscheinlich, daß LloydSeorge mitRathenau �usammen- tressen wird, obwohl der Ministerpräsident mit den Ansichten Ralhenaus schon durch Vermittlung de» Schahkanzlers hörne ge- uügcnd bekannt geworden ist. » Pari», 1. Dezember. lDTV.) Räch dem.Zntransigeanl- hatte Präsident M i l l e r a n d heute nachmittag mit dem'ranzösifch- sitzen Vertreter Im Reparalionsausschuh Dnbols eine A.iierredung über die Frage des deutschen Moratoriums. DeutjchlanS muß öas Moratorium beantragen. Paris, l. Dezember. n j st- r r a t hat, wenn Ost-Expreß richtig unterrichtet ist, erst letzthin wieder und offenbar auf die erwähnte Eingabe des Deutschtumsbundes hin, den Beschluß gefaßt, die bis- herige Richtung rücksichtslos durchzuführen und in die aufgehobenen deutschen Siedlungen polnische Krieger und Rückwanderer einzusetzen. Uns scheint es geboten, einmal wieder an die richtige JEüre anzuklopfen. Die deutsch-polnischen Unter- st e i g e r u n g. Rur auf diesem Wege erwartet man neben der im Vordergrund des Jnteresies stehenden Devisenersparnis eine für die Allgemeinheit erträgliche Preisgestaltung und Besserung der Lebenshaltung der arbeitenden Bevölkerung. So- dann wurde neben der Beschaffung großer Mittel aus der Land- Wirtschaft selbst zur Hebung der Ertragssähigkeit und einer sofort einzuleitenden umfassenden Moorkultur mit stoallichen Krediten die in fremder Währung erzielten Erlöse zurückgegangen. Eine Summe ökonomischer Wechselwirkungen von größter Trag- weite schließt sich an die Tatsache, daß plötzlich und unvermittelt die Mark ihren Stand verbessert hat. Wie schnell die Be- wegung vor sich ging, ersieht man daraus, daß noch am Diens- tag der Dollar mit 27tz notiert wurde, daß also die Desierung in großen Sprüngen erfolgte ähnlich wie am Anfang No- vember und Mitte Oktober die Kurse fremder Zahlungsmittel sprunghaft gestiegen waren. An einem einzigen Tage, nämlich gestern, gewann die Mark 25 Proz. ihrer verlorenen Kaufkraft. Das ist der Tatbestand. Man fragt nach den Ursachen. Der frühere Wiederaufbauministcr Dr. Raihenau weilt in London. Er hat in einigen Besprechungen die Lage soweit klären können, daß die englische Oeffenrlichkeit sich in steigen- dem Maße für den Aufschub der deutschen Reparations- Zahlungen einsetzt. Das ist alles, was man positiv weiß. Möglich, daß englische Bankkreise oder deutsche Banken, die mit England in engerer Fühlung arbeiten, eingehender unter- richtet sind. Aber genaues weiß außerhalb dieser Kreise kein Mensch. Die Notenpresse arbeitet weiter, die schweben» den Schulden nehmen zu, der Einsuhrüberschuß der Handels- bllanz besteht unverändert— und alle diese Gründe, die man immer für die Unterbewertung der Mark ins Treffen geführt hat, sie zerstieben in Dunst, denn die Londoner Zeitungen schreiben, Deutschland brauche ein Moratorium. Ob es das erhält, weiß wie gesagt niemand. Ein S t i m m u n g s- Moment entscheidet, ob das Schmalz 42 oder 36 Mark kosten soll, ob die Industrie noch ihre Rohstoffe kaufen kann. Ein Stimmungsmoment, �ine Kombination beteiligter Kreise be- stimmt, ob hunderte von Arbeitskämpsen notwendig werden, ob viele tausend Deutsche in Rot und Elend geraten, ob die Finanzmlsere des Reiches gemildert wird oder ob Foch aufs neue mit der Säbelklinge nach dem Ruhrgebiet zeigt. Ist es so erstaunlich, daß Stimmungsmomcnte für den Stand der Mark entscheidend sind?— Soweit der internationale Markt in Frage kommt, gewiß nicht. Ueber 166 Milliarden deutscher Papiermarkbeträge und-guthaben schwimmen im Ausland herum, große Summen von ihnen kommen zum Verkauf, sobald das Vertrauen in Deutschlands Wirtschaftslage� schwindet, oder sie werden gesucht, wenn man WMWWMMWWM Aber der internationale Markt kümmert die deutschen Interessenten wenig. Ebenso wie früher, als die Mark im Wert sank, die heimischen Treiber zuerst am Geschäft waren und die Berliner Börse mit Preiserhöhungen fremder Zahlungsmittel viel rascher arbeitete als dos Ausland mit der Herabsetzung des Markki.rses, hat auch diesmal die deutsche Mark der Meinung der übrigen Devisenplätze vorgegriffen und die Mark stark her- aufgesetzt. Woran liegt das? Doch einfach daran, daß sich die Devisenspekulation in Deutschland wie übrigens auch iy anderen valutaschwachen Ländern ungesund ent- wickelt hat. Gemeint ist hier viel weniger die Tagesspekulation an der Börse, denn diese oerdient an allen Kursschwan- kungen, ganz gleich, ob die Mark steigt oder fällt. In Frage kommt hier vielmehr die große Zahl der Leute, die an dem Stand der Devisen durch die Art ihrer Geschäftstätigkeit weit- gehend interessiert sind, Importeure, Exporteure, Industrien, die ihre Rohstoffe aus dem Ausland beziehen und solche. die exportieren und schließlich das gkoße Heer der Ge- legenheitsspckulanten und Hamsterer, die je nach der Richtung der Devisenkurse als Käufer und Verkäufer austreten. Nun wußte jedes Kind, daß die Erfüllung des Londoner Ultimatums die deutsche Wirtschaft und die deutschen Finanzen einem Ader- laß aussetzte, der letzten Endes ein stetiges Sinken der Mark nach sich ziehen mußte. Da meldeten sich die Leute, die sonst immer verlangen, man solle der Wirtschaft freien Lauf lasten, und machten ihr Geschäft. Sie kauften Devisen, wenn sie keine hatten, oder behielten sie, wenn sie welche besaßen. So wurde die Nachfrage nach Devisen groß, das Angebot knapp, die Kurse stiegen, zuweilen sprunghaft, zuweilen langsamer, jedenfalls bedeutend schneller, als es nach dem Stand der Wirtschafts- und Finanzlage Deutschlands berechtigt gewesen wäre. Die Entwickelung eilt den wirtschaftlichen Tatsachen um viele M 0- nate voraus. Einsichtige wiesen darauf hin. daß es doch unmöglich gesund sein kann, wenn die Mark im Ausland« ein Sechzigstel, im Inland« aber mindestens ein Zwanzigstel des Vorkriegsstandes gilt. Man achtete ihrer nicht. Die Mark mußte eben fallen: gleichzeitig stiegen die Aktienkurse. Und es bedurfte nur eines Lufthauches, um das Gebäude umzu- blasen. Hoffentlich— man muß es diesen Marodeuren der Wirtschaft ehrlich, und nicht aus Schadenfreude wünschen— baben sich recht viele daran die Finger verbrannt. Jedenfalls Stickstoffrage besprochen. Dem Vernehmen nach sollen die Oppauer Werte im Januar wieder voll leistungsfähig fein, sind einige Firmen in Schwierigkeiten geraten, und man berät Damit sind der Landwirtschaft SSV 000 Tonnen Etickstosf sicher. j über die mit Recht so wenig beliebten«Stützungsaktionen!". r Dieses tolle Treiben am Devisenmarkt hat aber auch seine bedenklichen innen- und außenpolitischen Seiten. Daß die letzte Markhausse das Gleichgewicht zwischen der inländischen und der ausländischen Kaufkraft der Mark immer noch nicht her- gestellt hat, sieht man daraus, daß ein Dollarstand von 190 immer noch den 4ä,2f eichen Vorkriegsstand bedeutet, daß also die Mark, im Ausland an den Kleinhandelspreisen gemessen, etwa halb soviel wert ist wie im Inland. Aber wohin soll es führen, wenn innerhalb von fünf Tagen die Mark einmal mehr als 2, einmal noch nicht Ih-, Pfennige wert ist, wenn der Geldwert um 33 Proz. schwankt, je nachdem die Sursmacher gerade gesonnen sind? Die Devisenspekulation findet nirgends ein Gegengewicht, weil das Interesse der Welt an Deutschland gering ist. Es wird gering bleiben, solange die Reparations- lasten in ihrer vollen Schwere auf Deutschland lasten— hier scheint sich ja eine Neuorientierung anzubahnen— und solange die N o t e n p r e s s e jedes erwachende Interesie an der Mark, jede Spur erwachenden Vertrauens auf die deutschen Finanzen im Keime erstickt. Mit Recht fordern nach den vorliegenden Presseäußerungen die Engländer eine gesunde Finanzpolitik und die Einstellung des Druckes neuer Noten als Voraussetzung für jede Stützungsaktion. Wie soll aber die Nolenpresse zum Stillstand kommen, wenn das Reich bei dem Papiermarktaumel und bei den Wertschwankungen der Mark niemals seinen Steueretat, ins Gleichgewicht bringen kann? Der Reichstagsausschuß für Steuerfragen doktert mit einer verzweifelten Beharrlichkeit daran herum, für Ver- mögensabgaben den Begriff der Goldsteuer herauszubilden, wobei die Rechtsmänner natürlich den Besitz schonen möchten. Zu gleicher Zeit gehen Industrie und Handel schon vereinzelt dazu über, auch im Inland infremderWährungzu ver- kaufen, um sich vor den Kursverlusten der deutschen Währungs- fchwankungen zu schützen. Diese Tatsache ist tief bedauerlich und in ihren Endwirkungen geradezu erschreckend. Schreitet nämlich der Prozeß fort, so wird die deutsche Mark immer mehr als Zahlungsmittel ausgeschaltet und muß ihre Kauf- kraft gänzlich einbüßen. Der Vorgang ist aber auch bezeich- ncnd für die Lage der Reichsfinanzen. Welcher Steuertarif kann so starken Wertschwankungen gerecht werden? Niemals wird eine Finanzgesundung möglich sein, wenn das Reich nicht die Sachwerte entsprechend ihrer Leistungs- fähigkeit steuerlich erfaßt. Dies ist und bleibt der einzige Aus- weg, weil bei so unsinnigen Kursschwankungen der Mark das Reich und die breite Masse die Leidtragenden sind. Soll es seinen fsaushalt in Ordnung bringen, so muß es auf diejenigen Werte zurückgreifen, die wie Felsen von Erz inmitten der Brandung des Geldtaumels stehen, es muß sich am Ertrag der Produktionsmittel unmittelbar beteiligen. Andernfalls zahlt das Reich die Zeche, bei anhaltender Valuta- best e r u n g durch die Verminderung der Warenausfuhr und geringeren Steuereingänge, bei anhaltender Verschlechte- rung durch die steigende Not der Lohn» und Gehalts- empfänger, durch steigende Lebensmittel- und Materialpreise. Das ist der verderbliche Kreislauf. Es ist höchste Zeit, daß er unterbrochen wird!_ Teuerungskunügebungen in Men. Wien, 1. Dezember. tTigener Drahlbaricht.) heute früh sind die Arbeiter von Zloridsdorf, der größten wiener Betriebe, in den Streik getreten als Protest zegen die wahnsinnige Teuerung und gegen die Untätigkeit der Regierung. Sie haben als Forderung lediglich die Verwirklichung des sozial- demokratischen Finanzplans aufgestevl, insbesondere die Anforderung der aoslandischcn Valuten und alles Goldes. Gegen mittag sind die Arbeiter in großen Zügen vor da» Parlament ge- zogen, wohin auch die Arbeiter aus zahlreichen anderen Bezirken kamen. Es war ein« riesige D e m o a st r a l i o n. Eine Deputation der Arbeiter überbrachte unter Führung der sozialdemokratischen Abgeordneten die Forderungen den Ministern. Genosse Seih hielt eine Ansprache, woraus sich der Zug auslöste. Danach haben größere und kleinere Gruppen oou Kommunisten und jugendlichen pcogramm-Zehler. Konzerti, m schau von Kurt Singer. Ks ist immer dankenswert, wenn ein neuer Ton in die klin- «enden Programm» unserer Solisten hineingerät. Der berühmte Physiologe Karl L a n g e hat an die Spitze der allgemeinen Lektoren, die Kunstgenuß Heroorbringen, die Abwechslung gesetzt. Daneben nennt er, soft gleich wichtig, die sympathische Stimmungserregung und die Auslösung der Bewunderung, der Ekstase, die aber schon ein besonderer Zustand des Gemiffes selbst ist. Größter Feind des Kunftgenießens ist jedenfalls die Monotonie, das ermüdende Gleich- maß. In der Betonung des Abwechselnden kann aber auch eine Gefahr liegen, und gerade die moderne Musik leistet sich in der Ver- schiebung und Aufhebung des Rhythmus, der Tonlage, der Gesamt- architettonik sträflich viel. Bei der Aufstellung von Programmen ist die Vielseitigkeit der Etile, der dichterischen Vorwürfe, der Koni- positionstechnik nicht immer Genuß weckend, und selbst ganz großen Darstellern gelingt das Abwägen, Differenzieren, Ausgleichen und heraussuchen der Kontraste ost nur bei einem einzigen Meister, dem sie in ganzer Tiefe und Ueberlegtheit hingegeben sind. Die Einheitlichkeit des Programms ist dem Durcheinander vorzuziehen. Und Agnes Schulz hätte gut getan, statt neuer Lieder von acht Kam- ponisten, die sich in kurzen Stimm» ngsbildchen nicht ausgeben können,' lieber nur drei oder vier, diese aber mit entscheidenderen, bezeichnenderen Schöpfungen vorzuführen. Acht Seelchen aus einer einzigen Seele herauszutragen, daß jede ihren Wert enthüllt, das gelingt in XYi Stunden nicht; und selbst die erquickenden Themata der Liebe, Jugend, Hoffnung, des Abends und des Frühlings be- kommt man einmal fatl. Und glauben tut man sie in der Unter- streichung schon gar nicht. Ein Kern, ein halt, ein ruhender Pol muh im Programm sein. Dies alles für alle, die es angeht, und nebenbei: Das liebe Bild der Agnes Schulz zerreißt man nicht, auch wenn ein Fehlerchen daran stört. Die stille Andacht und das warme Empiindungszeichnen, das sie mit der selten schönen Sopran- höhe ihren Liedern angedeihen läßt, heb: sie weit über das All- tägliche. Ist auch in dem Konoolut vom Liedgesang nicht alles menschlich durchlebt, so scheint es und klingt es doch so. Und des wollen wir dankbar gedenken, auch wenn die hübschen Einfälle Krügers und Slraeßers, hie gehalwollercn Lieder von Haas und Trunk schon vergessen sind. Alles ist im Zeitalter Einsteins relativ. Und wenn man Felix Reuter fingen hört, so ist Agnes Schulz eine Onegin geworden. Bei dem Bassisten mißlingt der Versuch, Erlebnis vorzutäuschen. vollkommen. Die spröde, unergiebige Stimme sitzt irgendwo tief im hals, die Intonation ist unsicher und unstet, die Aussprache der Vokale gaumig, gepreßt(oi statt ei, a statt e). Reuter wird das vorhandene und bildungsfähige Stimmaterial erst in gründliche Pflege geben müsien, bis er wieder öffentlich singt; für das Haus und für eine Gedenkfeier reicht es schon aus. Aber dahinter steckt ein großer Ehrgeiz. Relativ gut ist Otto M e l l n i tz ens Klavierspiel, wenn er aus der Wochcnumgebung herausgelöst wird. Es wird winzig, wenn Frederic Lamond die Erinnerung auffrischt Mellnitz arbeitet «och am Vortrag, Lamond beherrscht ihn, Mellnitz tüftelt und ver» Arbeitern auf der Ringstraße in EafehSusern und in großen Geschäften die Fensterscheiben eingeschlagen und auch Waren ver- schleppt. Die Einrichtungsgegenstände wurden demoliert. Rachmittags hat zwischen den sozialdemokratifchen Abgeordneten sowie S0 Vertrauensmännern aus den größten Wiener Betrieben mit der Regierung eine Besprechung stattgefunden, woraus der Finanzminister Dr. Günther zusagte, daß noch im Laufe dieses Monats eine Börsengewinn st euer beantragt würde. Auch weitergehende Finanzmaßnohmen, insbesondere die ver- schärfte Besteuerung der Luxuswaren wurde angekündigt. Minister Schmidt im tzanüwerkerbeirat. Am 2S. Februar fand im Reichswirtschaftsmini- st e r i u m die erste Sitzung des Handwerkerbeirats statt, in der Reichswirtschaftsminister Genosse Schmidt eine längere Ansprache hielt. Er wies auf die Wünsche aus den Kreisen des Handwerks hin, eine engere Fühlungnahme zwischen dem Reichs- wirtschaftsministerium und dem Handwerk zu erzielen. Diesen Wün- schen sei er nachgekommen. Im Vordergrund der Beratungen des hondwerksbeirats werde der vom Rcichsverband des deutschen Handwerks ausgearbeitete Entwurf eines Reichsrahmengesetzes über die Berufsvertretung des Handwerks stehen, durch den das Handwerk gesetzliche Anerkennung als selbständigen Berufsstand erlange. Einen weiteren wichtigen Gegenstand der kommenden Beratungen werde die Ausbildung der handwerklichen Lehrlinge bilden. Um den Absatz von Qualitätsware zu. fördern, sei er, der Minister, mit den beteiligten Verbänden— auch denen des Kunstgewerbes— in Verbindung getreten, um eine möglichst starke Beteiligung des Handwerks an Messen und Ausstellungen zu ermöglichen. Zum Schluß feiner Ausführungen sprach Genosse Schmidt die Hoffnung aus, daß sich künftig das Zusammenarbeiten zwischen Ministerium und Handwerk durch die Bildung des Hand- wcr'erbeirats verstärken und oertiefen werde. Wilhelms Kofferüame. Unser Parteiblatt für den Bezirk Osnabrück-Bentheim veröffentlicht folgendes Dokument; hpfmarschallamt Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II. Bescheinigung. Frau Hanna Harms, geb. Laux, reist heute nach Deutschland und kehrt danach wieder hierher zurück. Es wird gebeten, ihr auf der hin- und Rückreise bei der Grenzkontrolle tunlichste Erleichterung zu gewähren. haus Doorn, den 12. Oktober 1921. (Stempel) Hofmarschallamt.(Name unleserlich) Hosrat. Wie die Osnabrücker„Freie Presie" zu diesem Schreiben weiter mitteilt, reist Frau Harms allwöchentlich mit großem Gepäck über Bentheim nach Deutschland und kehrt jedesmal mit noch schwereren Koffern über Bentheim nach Doorn zurück. Es wird notwendig fein, daß die Regierung feststellt, ob tatsächlich die Grenzkontrolle in Bentheim auf Grund eines hofrätlichen Empfehlungsschreibens dem weiblichen Hohenzollernkurier bei der Grenzkontrolle „tunlichste Erleichterung" gewährt. Das Loch im Westen, aufgemacht drei Jahre nach der Revolution, auf Grund wil- helminischen Befehls, wäre in der Tat eine starke Verhöhnung der Republik._ verbotener tzinöenburg-Rummel.' Wie wir kürzlich meldeten, ergingen von deutschnationalen Schülerorganisationen Hannovers an sämtliche höheren Schulen im Reich Einladungen zur Beteiligung gn einer großen hindenburg- Kundgebung für den 3. und 4. Dezember d. I. Wir knüpften an diesen Aufruf die Frage, ob es zulässig sei, während des Schul- jahres auswärtige Schüler für eine derartige Demonstration zu beurlauben. Wie die TU. mitteilt, hat nunmehr das Preußische Kultsministerium am Mittwoch in einem eiligen Runderlaß an sämtliche Schulleiter die Teilnahme an der hannoverschen Feier verboten. Die Hannoverschen Einberufer erklären hierzu, die irrt sich im Geschmack(bei Atempausen der Brahms-Walzer, beim dozierenden Ton der Lisztschen Dante-Sonate). Dem Solonstück (Grieg) wird er mit behutsamem Finger und zärtlicher Traum- stimmung freundlich gerecht. Lamond wirft sich auf die Paganini- Variationen Brahms' mit überlegener Kraft und einer wahrhaft phänomenalen Anschlagsfertigkeit. Alles sitzt und klingt und scheint doch wie improvisiert. Der große Beethoven-Interpret ist auch ein Brahms-Spieler von Rang: und die ganze Spezialisiererei scheint ein Unsinn. Ein rechter Architekt baut seine Häuser aus mancherlei Material. Unter den Geigern ist Max Rosen einer, besten Spiel schon kn kurzem Anlauf gesangen nimmt. Er kommt aus Amerika, ist also im umgekehrten Sinne ein Austauschkünstler als wie unsere sonstigen Stars. Man kann mit diesem Tausch zufrieden sein. Er betreut und bezärtelt das Tschaikowsky-Konzert mit jugendlicher Schwärmerei, nicht sehr slavisch, dennoch temperamentvoll. Einen silbernen Ton zieht der behende und in allen Stricharten parierende Bogen aus edlem Instrument. Die steigende Sicherheit der Griffe scheitert nur an ein paar Flageolets, und ab und'zu verliert sich die Schönheit des Ton» in luftdünne Verflüchtigung. Sonst aber: ein Geiger von Format, den man bei ganz großen Aufgaben sehen möchte. Louis van Laar scheitert an mehr als einer Stelle, Nervo- sität hindert ruhigen Ausgleich am Wollen und Vollbringen. Was aber bleibt, ist eine vornehme, unaufdringliche Art, Kantllene zu singen und dem nicht großen Ton Seele, Sinnlichkeit einzuhauchen. Das kam dem Schubertfchen Konzertstück gut zustatten. Oskar Fried änderte, sichtlich unter dem Zwagg der Probenkürze, sein Programm. Scriabine und Schönberg sind doch nicht etwa auch schon gel calcmlas graecas vertagt? Schade wär's und war doch halt versprochen. Abwechslung in den Programmen tut not(s. oben), und Fried ist berufen. Neues zu bringen. Der„Don Juan" Richard des Zweiten(Wagner war der erste) gehört schon zum Alten; seine Wirkung bleibt blendend, auch wenn die Instrument« so auseinanderfallen wie in der kühlen Skala, deren Name so musikalisch klingt und die doch ein so amusisches Lokal bleibt. Kriegs- gewinner, baut endlich einen Konzertsaal, der würdig ist deutscher Musik: Hermes und Apoll würden einträchtig miteinander lust- wandeln. Und Hand in Hand mit besten Geigern schreitet Rudolf Poll langsam aufwärts, Hand in Hand mit gestaltungssicheren Sängerinnen Ieanne K o e t s i e r. Roch eine neue Premiere.' Das Deutsche Opernhaus kann es sich leisten, die„B o h c m e" mit eigenen Kräften dopvelt zu besetzen. Das ist hoch achtbar für die Regie dieses Hauses. Sie bietet ein paar sehr hübsche Bühnenbilder, läßt ein gutes Orchester von W a g h a l t e r, dem feurigen und kenntnisreichen Puccini- Dirigenten, lebhaft und zart spielen, rüstet ein gutes Männer- Quartett— und es kommt doch nur ein Abglanz des Werkes zu- stände. Es liegt zunächst an Herta Stolzenberg, die für die Mimi-so gar nichts Zierliches, Naives. Unbemühtes mitbringt. Ihr Lächeln ist versteinert, ihr Singen ein ewiges Wechseln von Kopf- und Brustton, von großem Ausschwingen der Kantilene und Säuseln, sie ist nirgends ganz frei von Bewußtheit, nirgends voll von der zarten, kränkelnden Liebessehnsucht der Schwindsüchtigen. Man Feier ohne Aenderung des Programms dennoch durchführen zu wollen. Wir erwarten, daß der preußische Kultusminister streng darauf achten wird, seine Autorität von ein paar deutschnationalen Jünglingen nicht auf das schwerste kompromittieren zu lassen. Kapitaliftische vaterlanösliebe. Die Tatsache, daß die Industriellen des an Polen fallenden ober» fchlesischen Gebietsteils sich beeilt haben, den polnischen Machthabcrn ihre Dienste anzubieten, während sie den deutschen Bevollmächtigten ihre Sachkunde versagten, ist hier schon besprochen worden. Die Bres- lauer„Volkswocht" ist in der Lage, die kapitalistische Vaterlandsliebe an einem Spezialfall noch deutlicher zu kennzeichnen. Sie schreibt: „Die L i g n o s e A.-G. besitzt in Oberschlesien drei große Werke, von denen noch Genfer Entscheidung zwei auf polnisches Gebiet fallen, dagegen die Kruppamühle deutsch bleibt. Anläßlich dieser Totsachen ist der Generaldirektor der Firma, Dr. Geldermann(Berlin), vor wenigen Tagen in Warschau gewesen und hat dahin gewirkt, daß die polnische Regierung alles unternimmt, um die Kruppa- mühle aus. angeblich wirtschaftlichen Gründen für Polen zu sichern. Selbstverständlich war dieses Angebot von der deutschen Industrie ein angenehmes Angebot für Polen und die polnische Regierung hat sofort die notwendigen Schritte in die Wege geleitet, Beauftragte— deren Namen wir gegebenenfalls nenncn können— nach Berlin gesandt, um dort nicht an offizieller Stelle, sondern hinter den Kulissen die Regelung der Angelegenheit zugunsten Polens anzustrengen. Inwieweit ihnen dieses gelungen ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Es ist Aufgabe der deutschen Oeffentlichkeit, derartige von beut- scher Seite angezettelte Treibereien festzustellen und unsere Unter» Händler so auf eventuelle Ueberrumpelungen von polnischer«eite aufmerksam zu machen. Zweifellos ist Gefahr im Verzuge, denn die deutsche Industrie in Oberschlesien, die v o r g e st e r n anqeb. lich noch deutsch gesinnt war. hat plötzlich aus Geldsackinteresscn ihr p o l n i s ch e s h e r z e n t d c ck t. Die Regierutig muß auf der Hut fein und Vorkehrungen treffen, um neue Schicksalsschläge, die uns drohen, abzuwenden."_ Steuerarbelt und Regierungsvertreter. Von einem Reiöbsiog�abgeordneten, der an den Steuer» beratimgen teilnimmt, wird uns geschrieben: „Der Morlsturz der letzlen Wölben hätte Veranlostung sein müsien. in den Vorlagen der Regierung die einzelnen Steueriätze zu erhöhen, um die finanziellen Erträgnisse der Entwertung der Mark anznpasien. Was hat man versäumt. Im Gegenieil: Die Parteien, die Opposition machen um der Opposition willen, stellen bei jeder Gelegenheit Abichwä-hungSanträge. verzögern die Verabschiedung der Vorlagen, wie eS speziell im Ausschuß für Be» sitzsteuein in Erscheinung getreten ist. Zum mindesten müßten nun die Regierungsvertreter alles aufbieten, daß an den vorgesehenen Sätzen festgebalien wird. Leider ist dies nickt der Fall. Es macht sich hier bemerkbar, daß wir keinen voll vor» antwortlichen Finanzminister haben. Bei den Beratungen des Branntweinmonopols forderte unter Zustimmung der Sozialdemokraten und der USP. der Demokrat D i e t r i ch- Bade» die Regierungsvertreter auf, doch nicht bei jedem Abänderungsantrag sofort zurückzuweichen, sondern zunächst die Fassung des Entwurfs zu verleidigen, zum mindesten zu erklären, welche Gründe für die Fassung des Entwurfs maßgebend ge» Wesen sind" Im 3ö. AuSickuß hörten bei der Beralung deS Renn» weit- und Lotteriegesetzes die Regierungsvertreter seelenruhig der» Aussprüche zu. bis der demokratische Abg. Pachnicke klagte „die Regierungsverlreker machen uns die Vertretung der Vorlage nicht gerode leicht, sie äußern sich überhaupt nicht." Dies Verhalten der?tegier»liigSvertreter mutet wie«ine Ergänzung der stillen Obstruktion der Opposition a n. ES ist kein Zufall, daß bei einigen vorlagen wesentliche Abschwächungen erfolgt find, einige ganz abgelehnt w u r d e n. Zu der relativen Minderung der Einnahmen durch die Geld- «ntwertung kommen jetzt noch die tatsächlichen Abstriche in den Kommiistonen. Für die Koalitionsparteien und die Regierung erwäckst die Pflicht, sich mit diesen Erscheinungen einmal ernstlich zu beichäfligen. hätte dieser begabten Frau eine solche Rolle gar nicht zuteilen sollen. L a u b e n t h a l hat seine alte Photographierpose, sieht aus wie Feuerbach, bewegt sich leidlich flott und bringt stimmlich für die Portie viel Glanz und Seele mit. Die Musette der Lizzi Fink würde zwar nicht, wie sie sagt, in Paris Aufsehen erregen, sie spielt übertrieben nervös, singt aber immer noch hell und gut. Scheidt ist behäbig, gut gelaunt, bürgerlich. Das erste Bild darf nicht an der Tür spielen, das Schlüssclsuchen im Zimmer ist sonst sinnlos. Im zweiten Bilde könnte alles um zwei Meter rückwärts verschoben werden, die Szene war entweder ganz leer oder ganz gefüllt. Das immer dankbare Publikum war auch diesmal entzückt. Die wirtschaftliche Lage der deutschen Künstler. In Frankfurt am Main hat am 26.' und 27. November die e r st e M i t g l i e d e r- Versammlung des Reichswirtschaftsverbandes bil» denderKünftler stattgefunden. Der Verband, im Januar dieses Jahres gegründet, verwirklicht den lange gehegten Wunsch der deut- scheu Künsrlerschast, wieder wie in früheren Iahren eine festge» schlossene Einheit zu bilden. Die Einheit war im Kampf der Kunst- onschauungen verloren gegangen und hat sich nur wieder herstellen lassen durch B e f ch r ä n k u n g auf die allen Künsllern gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen. Die im Reichsverband vereinigten 12 wirtschafllichen Verbände der verschiedenen Gaue Deutschlands lassen den anderen Kunstvereinigungen volle Freiheit in der Ver- fechtung ihrer künsllerischen Ideale. Dafür stützen diese alle die wirt- schaftlichen Verbände und den Reichsoerband, der 6 0 9 l) Künstler als Mitglieder zählt. Welch große Bedeutung das Wirtschaftliche auch beim Künstler oder gerade beim Künstler heutzutage annimmt, braucht kaum gesagt zu werden und ergibt sich aus der umfangreichen Tagesordnung, welche die Künstler in zwei Tagen zu bewältigen hatten. Die er» folgrciche Abwehr gegen das L u x u s st e u e r g e f e tz, das ein Aus- nahmegefetz gegen die bildende Kunst war, hat viel zur Einigung der Künstlerfchafl beigetragen. Noch leiden alle kunft» gewerblich tätigen Künstler unter diesem Gesetz. Abhilfe gegen die bittere Not in weiten Kreisen der Künstlerschoft muß geschaffen werden. Beschaffenheit und Preise des Farbmaterials spielen eine große Rolle. Die Wirkung aller unserer so ungemein reichhaltigen Steuergesetze auf die Künstler muß geprüft und die Beziehungen zu Behörden und Interessenten, Kunsthändlern und Kunst Verlegern müssen geregelt werden. Ein Verlags» gefetz ist in Beratung. Enge Beziehungen bestehen zu Tonsetzern und Schriftstellern und finden in der gemeinsamen Forderung einer Kulturabgabe ihren Ausdruck. Unter den wenigen den freien Berufen zugestandenen Sitzen im Reichswirtschaftsrat nehmen die bildenden Künstler zwei ein. Der Einfluß des Künstlers auf unsere ganze Qualitätsindustrie steigt erfreulicherweise immer mehr und zwingt auch den Künstler zu reger Anteilnahme an der Entwicklung und dem Schicksal unseres ganzen Wirtfchafts» lebens. Die Verhandlungen in Frankfurt a. M. gingen lebhaft vor sich. aber die Einigkeit kam niemals in Gefahr. Den Bericht über die gesamte Tätigkeit des Reichsverbandes erstattete der zum General» fetretär eingesetzte Maler O t t o M a r c u s. Die schwierigen Rechts- fragen wurden von dem Syndikus Rechtsanwalt Kodlln in Der Schieüsspruch für die Netallinöuftne angenommen. Eine überfüllte Versanimlung der Funktionäre des Metall- kartslls nahm am Donnerstag zu dem Schiedsspruch Stellung, den wir gestern im Morgcnblatt veröffentlicht haben. Meißner berichtete über die Verhandlungen vor dem Schiedsgericht und Bcvoll- mächtizter U r i ch gab Erläuterungen zu einzelnen Sätzen des Schiedsspruchs. Auf eine Anfrage stellte U r i ch fest, daß auch bei den Lohnarbeitern in den für den Dezember zugestandenen Zu- schlagen zu den Novemberlöhnen die Sätze mitenthalten sind, die das letzte Lohnobkommen als Zusatz für den Dezember vorsah. Es sind also z. B. in der Zulage von 1,90 M. für Arbeiter über 21 Jahre die 40 Pf. mitenthalten, die ihnen nach dem letzten Lohnabkommen sowieso für den Dezember zustanden. In der Diskussion machte Pos seit, ein Arbeitnehmermitglied des Schiedsgerichts, Mitteilungen über das Zustandekommen des Schiedsspruchs überhaupt und speziell über das Zustandekommen der Einstimmigkeit. Danach haben die Arbeitnehmerbeisitzer ihre Zustimmung zur endgültigen Fassung nur aus Zweckmäßig- keitsgründen gegeben. Es habe den Anschein gehabt, als würde das Schiedsgericht sonst ouseinanderfallen. So habe man geglaubt, schließlich zustimmen zu sollen. Dabei habe man erwogen, daß es die Kollegenschaft ja imnier noch in der chand habe, den Schiedsspruch abzulehnen. Verschiedene Diskussionsredner verlangten Ablehnung des Schiedsspruchs und eine Urabstimmung. Der Kommunist S ch i e v e l b e i n, ein Mitglied des Schiedsgerichts, erklärte seine Zustimmung ebenfalls aus Zweckmähigkeitsgründen, wobei er hervorhob, daß man so eine Klassifiizerung verhindert habe.(Zurufe: Schieber!)— Richter meinte: Durch den Schiedsspruch ist zwar keiner von uns befriedigt, es ist aber wegen der Kürze der Zeit die Annohme zu empfehlen. Unsere Forderungen können bei den in kürzester Zeit stattfindenden Verhandlungen für Januar wieder ausgestellt werden. Meißner riet in seinem Schlußwort ebenfalls zur Annahme, weil der Schiedsspruch nur eine Geltungsdauer von 4 Wochen habe und die Vertreter der Kollegenschaft schon in den nächsten Tagen über die Tarifgestaltung ab 1. Januar verhandeln würden. Mit großer Mehrheit wurde darauf der Schiedsspruch a n- genommen. « Die neugewählten S P D.- D e l e g i« t e n zur Generalversammlung der Metallarbeiter und zum Leipziger Bctriebsrätekongreß treffen sich Sonnabend S Uhr in der Schulaula am Koppenplatz. Revision üer öeamtengehälter. In der Frage der Revision der V'nmtenbezüge fand am Donnerstag eine Besprechung' ,�en dem 23. Ausschuß des Reichstages und den Spitzenorgumsationen statt. Ein positives Er- gebnis wurde nicht erzielt. Erneute Besprechungen sollen alsbald herbeigeführt werden. Die Fuckersieuer. Der 33. Ausschuß des Reichstages begann am Donnerstag mit der Beratung des Zucker st euergcfetzes. Der Regicrungs- entwurf sieht eine Erhöhung der Zuckersteuer von 14 auf 100 M. pro Doppelzentner vor. Eine seinerzeit der Rationawersammlung zugegangene, aber unerledigt gebliebene Vorlage wollte die Steuer auf 30 M. festsetzen. Die sozialdemokratischen Mitglieder des Ausschusses verkennen angesichts der Geldentwertung und der Geldnot des Reiches nicht die Berechtigung einer Erhöhung der Steuer. Sie wollen sie anstatt auf 100 M. auf 5 0 M. steigern. Die Beratung wird am Freitag fortgesetzt werden. Der Parteitag öer Deutsiben Volkspartei. In Stuttgart wurde gestern der vierte Parteitag der Deut- scheu Bolkspartei eröffnet. Der Sitzungssaal war mit schwarz-weiß- roten Fahnen geschmückt. Es sind eine Reihe ausländischer Gäste erschienen. Fast vollzählig sind die Fraktionen des Reichstags und der Länder vertreten. Streseniann eröffnete den Parteitag mit einem choch auf das deutsck: bleich und Volk. Auf seinen Dorschlag wurde Geheimer Rat Kahl zum Borsitzenden des Parteitages gewählt, der eine Be- grüßungsansprache an die Versammelten richtete. Seine Aus- sührungcn gipfelten in einer heftigen Anklage gegen den Bersailler Vertrag und in einer Ablehnung des Gedankens vom Völker- klarer Weise erläutert. Laufend waren die Mitglieder durch das Verbandsblatt„Kunst und Wirtschaft", desien Schriftleiter Fritz chellwag ist, über alle die Künstler angehenden Fragen unterrichtet. Auch ein»Filmdrama". Folgendes fast unglaubliche Vorkomm- nis hat sich, wenn man amerikanischen Zeitungsmeldungen glauben darf, kürzlich in New Park zugetragen: Zur lebhaftesten Verkehrs- zeit kamen zwei gewaltige Automobile durch eine der vornehmsten Straßen der Riesenstadt gesaust und hielten vor einem Juwelier- laden. Aus dipn ersten Auto stiegen zwei Schutzleute und sperrten den Bürgersteig ab, und ihnen folgten einige als Banditen ver- kleidete und mit Revolvern bewaffnete Männer, die sich sofort daran machten, die Schaufenster und Schaukästen des Ladens zu be- arbeiten. Die Sache hätte etwas bedenklich scheinen können, wenn nicht ein Kinoopcrateur und sein wohlbekannter Aufnahmeapparat in dem zweiten Auto gewesen wären und ununterbrochen die Szenen aufgenommen hätten, während ein andeer Filmmann den Gang der Handlung leitete. Die Apachen führten— vor den er- staunten und bewundernden Blicken einer großen Volksmenge— schneidig und sicher ihre Arbeit aus. Sie schlugen die großen Schau- fenster ein und rafften alle Schmuckstücke und Wertgcgenstände zusammen, die sie erreichen konnten. Der Inhaber des Geschäfts, der erschrocken herausstürzte, begegnete einem erhobenen Revolver. Er wurde bald übermannt und neben seinen sämtlichen Angestellten gebunden. In einigen Minuten war der ganze„Film" aufgenom- men, worauf sämtliche Mitspieler rasch in ihre Autos stiegen und davonfuhren. Nur eins wirkte ein wenig sonderbar: daß man näm- lich den Iuwilier und seine Angestellten mit gebundenen Händen und Füßen auf der Straße liegen ließ. Schließlich erbarmte man sich ihrer und befreit« sie von den Stricken. Nun endlich konnte der arme Juwelier erklären, daß die ganze Geschichte ein schändliches Verbrechen fei. Die Banditen waren überhaupt keine verkleideten Filmschauspieler, fondern eine Gesellschaft äußerst verschlagener Ber- brechcr, die auf diesen„Filmtrick" gekommen waren um in Ruhe das Geschäft plündern zu können. Die gestohlenen Juwelen' sollen nicht weniger als eine halb« Million Dollar wert sein. Wisienickiaftliche Muieumsführungcn durch Direktorialbeamte finden am Sonntag übr im Katjer-szri edrich-Muieum tHolländi che Gemälde), im Alten M u t e u m.(Antike Kleinkunst) und im Neuen Museum(Aegyp'ilche Abtdiunqi statt.— Zulatzkarten(1 M.) vor Beginn am Eingang der Museen erbältlich. Iugnusten der polttischen Gefangenen auf Festung Stteder- schänenseld spricht Ern st Friedrich«onntag, den 4.. 7>s, Ubr abends, i» der S t a d t b a I l e. Klostrrftr. 47/zg. Szenen aus T o l l e r s.Wand- lung» und»Masse Mensch" sowie revolutionäre Dichtungen von Erich Mo�Iaut. Ferner: Sprechchor.Der Tag de? Broletariat«' und Masiengesänae. Karlen in der VortvärtS-Buchhandlung, Linden- Praxe 3. und an der Abendkasse. „Das dritte ffi* beitzt in diesem Jabre da« sreie KUnlllerkostilmIest der radikalen Novembergruppe. E« findet im Kaisersaal de« Zoo (Eingang Lichlenslein-Portal) am Sonnabend, den 3.(von S'/, Uhr «n) statt. .Tas Gciickit der berrscbenden«lasse«. Unter diesem Titel findet Sonnabend, den 3, abend« 7 Uhr, M der Schulau la Werder st raste (Tempelhos) ein L i ch t b i t d e r- V o r t r a g mit Rezitationen statt. Licht- bilder noch Zeichnungen von George Droh und Originalausnahmen «u« de« rusfischen Hungergebiet. 1 frieden. Seine Drohung, es werde eine Stunde der Abrechnung kommen, fand stürmischen Beifall.— Auf diese Ausführungen erfolgte eine Begrüßung der auswärtigen Gäste, die von Dr. H a m- p e l- Wien erwidert wurde. Der Abg. Mittelmann sprach die Hoffnung aus baldige Vereinigung des Reiches mit Deutschösterreich aus. Hierauf berichtete Stresemann über Sie politische Lage. Er führte u a. aus: Auch diejenigen, die sich Sieger nennen, befinden sich in einem Zustand der völligen Unsicherheit"des Gegen- wärtiqen und des Kommenden. Der Friede von Versailles fei auf einem Rechtsbuich aufgebaut', die Deutschland auserlegte Kriegs- schuld finde in den Bedingungen des Waffenstillstandes keinerlei Be- gründung. Die Männer, deren Namen in der Welt internationale Bedeutung habe, und die„von moralischer Abrüstung Deutschlands" sprächen, sollten angesichts dieses Rechtsbruchs ihre eigene Moral erst einer Prüfung unterziehen. Strcsemann verweist in diesem Zusammenhang auf die A r b e i t s l o s i g k e i t in den anderen Ländern. Die bochwertige Valuta bedeute für die neutralen Staaten eine Herabsetzung ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Alle diel? Dinge beweisen, daß der Frieden von Versailles ein well- wirtschaftliches Ehaos zurückaelosien habe Deutschland sei das Land der geringsten Arbeitslosigkeit: jedoch müsie man sich darüber klar fein, daß diese Blüte nur eine Scheinblüte sei, herbeigeführt durch den Zusammenbruch unserer Valuta. Unsere gesamte Güter- Produktion stehe hinter der von 1913 um mehr als 30 Proz. zurück. Dies fei zum Teil eine Folge des ganzen oder teilweise» Verlustes des Saargebietes und Oberlchlesiens. Nach längeren wirtschaftspolitischen Erörterungen kommt Strese- mann auf Skinne» zu sprechen,„den wir"— wie er bemerkt—„mit Freuden den unseren nennen". Er weist die Vorwürfe zurück, die gegen Stinnes' provokatorische Benennung der aus seinen Reedereien hcrvorgc- gangenen Schiffe erhoben worden seien. Auck, im Ausland seien die Schiffe mit Jubel begrüßr worden. Auf die Angriff« der Linken genen die politisierenden Heerführer babe er zu er- widern, der Feldherr führe dann das Wort im ftaatsmännifchen Kolleg, wenn auf der anderen Seite keine Staatsmänner sitzen. Besser könne es in der Welt nur durch die deutsche Wirtschaft und ihre wellwirtschaftliche Auswirkung werden. Die Frage, ob die Reichsregierung ein deutsches Programm vorzulegen habe, vermöge er nicht zu beantworten, da aerade in diesen Stunden alle Dinge in Fluß seien. Das wichtigste Problem sei das der Kriegs- e n t f ch ä d i g u n g. Zstii der Redensart»wir zablcn keinen Pfennig" sei es nicht;n machen. Wir muffen bis an die Grenze unserer Kraft dem Feinde geben, was wir können. Das muß jede Regierung anerkennen. Aber wir lehnen es ab. einen W e ch f e l zu unterschreiben, den zu erfüllen wir nicht in der Laae sind. Und ferner: ein M o r a- t o r i u m, eine Stundung ohne Herabsetzung der Kriegsentschädi- gung, bringt die Weltwirtschaft nicht aus dem jetzigen Zustand heraus. Es hat gar keinen Sinn, im Jahre 1921 etwas Unmäaliches zu stunden bis zum Jabre 1923. Wir können nur mit S a ch- l e i st u n g e n bezahlen. Man müsie sich fragen, ob nicht der Weg einer Internationalen Anleihe gegeben fei, um für die nächste Zeit überbaupt einen Ueberoang zu schallen. Die Staatseisenbabnen dürlen nicht dem Prwatknpital ausgeliefert werden. Er begrüße die Industrieoorschläge, wie die Erklärung der Arbeitnehmer, sie zu prüfen. Nach einer scharfen Kritik an der imveriolistischen Politik Frankreichs betont Strefemann den deutschen Einbeits- gedanken und bittet seine süddeutschen Freunde, diesen Gedanken unter dem großen außenpolitischen Gesichtspunkt zu betrachten. Wer jetzt eine aktuelle Lösung der monarchischen Frage In SüddnilkHand anstrebe, der müsse sich die Frag? vorlegen, ob er nicht an die Einheit des Deutschen Reiches die Axt lege. In diesem Zusammenhang behandelt Strefemann die Frage der parlamentarischen Arbeitsgemeinschaft innerhalb der Großen Soalilion. „Wenn Sie jemand an die Spitze einer Partei stellen, dann dürfen Sie ihn nicht nach ollen Seiten praktisch einengen, sondern müssen ihm die Möglichkeit lassen, seine Persönlichkeit einzusetzen und seine Ideen durchzubringen.(Lebhafter Beifall.) Der Führer darf nicht zusehen, wie andere für ihn Politik treiben, und es nachher der Mehrheit überlassen, hinter dieser Politik herzutrcten. Wir haben eine viel zu nachgiebige Politik gegenüber den Konservativen betrieben. Die Republik hat noch keine moralischen Eroberun- gen gemacht. Ueberall, wo es sich um das Bekenntnis von Deutsch- tum handelt, hat jeder Arbeiter seine Pflicht getan. Ist cur« rein bürgerliche Regierung in der jetzigen Zeit wünschenswert.''» Wenn man uns zu einer Politik des Rechtsblocks führt, so werden wir uns ibrer nicht entziehen, aber wünschenswert ist sie nicht." Strefemann schließt mit einem begeistert aufge- nommenen Bekenntnis zum Deutschtum.— Nach einer Paufe hält Professor kahl das Referat über die Reform der Rechtspflege. Die Deutsche Volkspartei werde alle Angriffe auf die Unabfetzbarkeit der Richter abwehren. Es müsie allen Bestrebungen entgegenge- treten werden, die für das Lcrussrichterlum eine Auslese nach politischen Gesichtspunkten eintreten lasten wollen. Kahl wendet sich gegen eine direkte Dolkswabl der Laienrichter und hält die Frage der Hinzuziehung der Frauen zum Schöffen- und Ge- fchworenenamt im Augenblick nicht für spruchreif. Die Zulasiuntz der Frauen zum B e r u f s r i ch t e r t u m sei gleichfalls abzulehnen Weiter wendet sich Kahl gegen die Abschaffung der Todes. st r a f e und fordert hierfür alternative Strafandrohung. Bor allem müßten die Arbeitswilligen gefchützt werden! Es folgte eine ausgedehnte Aussprache. Bei der Abstimmung wird ein Vertrauensvotum für die Reichstags- und preußische Landtagsfraktiou unter lebhaftem Beifall angenommen.— Einstimmig angenommen wird ein Antrag Becker über die Unabhängigkeit der Richter, ferner Entschließungen Berlin, die die Veröffentlichung einer Gegenliste der Kriegsverbrecher und Schaffung eines Denkmals für Ober- fchlesien und die entrissenen Gebiete verlangten. Um 7 Uhr wurden die Verhandlungen auf Freitag vertagt. Eine Anfrage an Boelih. Der Abgeordnete H a e n i s ch(Soz.) hat im Landtag eine Anfrage eingebracht, ob die Regierung bereit ist, zur Bekämpfung der Dolchstoßlegende Schriften, wie.Konnten wir im Herbst 1918 weiter kämpfen?" von Dr. Adolf Köster und„Der Sieg war zum Greifen nahe!" amtlich jedem Schüler der höheren Lehran st alten und der oberen Klassen der Volksschulen zur Verfügung zu stellen. Ferner wird verlangt, den Schüler- und Lehrbibliotheken amtliches Auf- klärungsmaterial über Porgefchicht« und Ausgang des Krieges ein- zureihen.' Die kommend« Erhöhung der Perfonenlarlfe. In einem Ber- liner Blatt ist die Mitteilung enthalten, daß die Reichsbahn beabsichtig«, die Perfonentarife am 1. Februar n. I. um 75 Proz. zu erhöhen. Diese Nachricht, der das Reichsverkehrsministerium fernsteht, eilt den Tatsachen voraus. Die fortgesetzten Preissteigerungen der letzten Monate belasten den Haushall der Reichsbahn so sehr, daß mit einer weiteren Steigerung der Perfonentarife zu rechnen ist. Zurzeit finden deshalb, und zwar zunächst lediglich innerhalb der Verwaltung, hierüber Ermitt- lungen statt. Ob eine Erhöhung um 75 Proz. nötig fein wird, hängt von der gesamten Preisentwicklung ab. Presse und Auswärtiger Ausschuß. Herr Reichstagsabgeordneter Julius Kopsch schreibt uns: „Der Erklärung des Kollegen Conrad Haußmann im Morgenblatt des„Vorwärts" vom 30. November schließe ich mich vollinhaltlich an. Auch ich habe mit keinem Menschen ein Wort über den Inhalt der Ausschußsitzung am 28. November gesprochen, »och ein Wort darüber geschrieben." Wivtfdyaft Die Arbeitslage der deukschen Industrie. Unser Kasseler Berichterstatter schreibt uns: Am Dienstag abend sprach in der überfüllten Stadthalle zu Kassel der Reichswirtfchafts- minister Genosse Robert Schmidt über die deutsche Wirtschasts- läge. Das Interessanteste an seinen Ausführungen waren die Zahlen über die Arbeitslage der deutschen Industrie So be- schäftigt die Textilindustrie immer erst 80 Proz. ihrer Spin- deln, genau so sind die Webereien noch nicht ausgenutzt. Der Grund liegt in der mangelhaften Belieferung mit Kohlen. Der Bau- markt ist volllemmcn unbefriedigend. Auch in der Eisen- Industrie sind eine große Anzahl von Hochöfen noch nicht in Tätigkeit, trotzdem wir doch in Elsaß-Lothringen den größten Teil unserer Hüttenindustrie verloren haben. Unser sortgesetzter Mangel an Kohlen geht auf unsere Zwangslieserungen an die Entente zurück, die wir halb geschenkt liefern müssen. Wir be- kommen bloß 5 Goldmark für die Tonne, während die englische Kohle das Bierfache kostet, alles daher, weil wir im Friedensvertrag oerpflichtet werden, die Reparationskohle zum deutschen Inlands- preis zu liefern. Der Kohlenmangel behindert auch die vollkommene Ausnutzung der Konjunktur z. B. in der Zement- und Kalkinduftrie, für die heimische Rohstoffe genügend vorhanden sind. Wie trüge- risch das Bild unserer Wirtschaft ist, wird durch die Tatsache erhellt, daß wir ein steigendes Pafsivum unsere r Hondels- b i l a n z haben. Während der Einfuhrüberschuß in den beiden Mo- naten Juni und Juli zusammen 1 Milliarde Papier- mark ausmacht«, haben wir im September allein 2% Milliarden Einfuhrüberschuß! Daraus ergibt sich, daß es in mancher Beziehung nicht auf Erhöhung der Produktion, sondern darauf an- kommt, neue dauerndeAbsatzmärktezu finden. Die deutsche chemische Industrie leidet unter der Konkurrenz im Auslande, die während des Krieges stark geworden ist. Die L a n d w i r t f ch a f t hat sich wieder erhall. Wir haben vor dem allzu unvermittelten. Uebergang zur freien Wirtschaft leider vergeblich gewarnt. Die Hauptursache der Preissteigerung liegt in der Entwertung der Mark. Der Grund zu dem Valutasturz beruht u. a. an der bisherigen Unterlassung der Erfassung der Sachwerte. Der Tiefstand der Mark wirkt katastrophal. Die Tonne amerikanischer Weizen kostet 14 000 M. gegen 240 M. vor dem Kriege. Der jetzige Inlandspreis beträgt 7000 M. und ist in seiner wucherischen Ausnutzung der Konjunktur nicht zu verteidigen. Auch die Preise für Butter und Milch sind ungerechtfertigt. Die Teuerung in Deutschland ist am größten, von Rußland, Polen und Oesterreich ab- gesehen. Das beweisen folgende Indexzahlen: Amerika 129, England i 183, Frankreich 331, Italien 580, Deutschland 1949! Für die Besitzer guter Valuten ist Deutschland allerdings spott- billig. Im Grenzverkehr kamen während des Oktober 121 000 Personen aus Dänemark, um in Deutschland zu hamstern. Wir mußten daher den Grenzverkehr unterbinden. Sehr wichtig wäre es, daß man den Eisenmarkt ebenso binden würde, wie man die Preisgestaltung der Kohle gebunden hat. Wür- den wir die Kohle freigeben, es gäbe Preisentwicklungen, die alles bisherige in den Schatten stellen würden. Devisenkurse. Die Kursbewegung der fiemden Zahlungsmittel in den letzten Tagen gebt au» iolgender Ziilanimenstellung amtlickier Notierungen der wichtigsten Devisen hervor: 100 Holl. Gulden... 100 belg. Franc«... 1 schweb. Kronen.. 100 Lire...... 1 Pfd. Srerlivg... 1 Dollar...... 100 lroiM. Francs.. 100 Schweiz. Franken. 100 Liter. Kronen abgest. 100 lschech. Kronen Die Besserung beträgt also nin?''4— 1 In demselben Äuemaße hat der Kurse vom Dienstag. sich die'Kauttraft der Mark gebessert. Die velriebslage ter Eisenbahnen. Das Reichsverkehrsministerium gibt zusammen mit dem Reichskohlenkommissar über die augenblickliche Eisenbahnbetriebs- und Kohlcnlage folgende Mitteilung bekannt: Die Beiriebslage der Eisenbahn ist zurzeit äußerst ge- spannt. Schon seit Monaten versagt ein großer Teil der Wasser- straßen: die starke Külte der letzten Tage hat den Verkehr auf den für den Kohlenveriand wichtigsten Kanälen, dem Rhein-Herne-Kanal und dem Dortmund-Ems-Kanal völlig zum Erliegen gebracht. Der Güterandrang auf die Eisenbahn erfuhr serner durch die äugen- blickliche Hochkonjunktur, die eine Folge des Valutasturzes der Mark war, eine starke Verschärfung. Auch das Bestreben der Versender, möglichst noch vor der am 1. Dezember eingetreteneu Frachtcrhöhung ihre Waren zum Versand zu bringen, brachte einen ungewönlichen Ansturm auf die Bahn. Das seit über 8 Tagen ein- getretene Frost- und Nebelwetter bringt nunmehr den aufs höchste angespannten Eisenbahnbetrieb in solche Schwierigkeiten, daß nament- lich auf den Rangierbahnhösen Stockungen bereits an den verschiedensten Stellen eingetreten sind, und daß vor allem der Wagenmangel scharfe Formen annimmt. Die Durchführung des Eisenbahnbetriebs hat eine vorüber- gehende Verkehrsdrosselung durch Güterannahmesperren erforderlich gemacht, damit die lebenswichtigen Güter, vor allem die Kohle, in erster Linie gefahren werden könne. Eine Besse- rung ist erst zu erwarten, wenn die für den Eisenbahnbetrieb an vielen Stellen außerordentlich ungünstigen Witterungsoerhältnisse (Frost und Nebel) sich ändern. Die Witterungseinfliisie führtest be- kanntlich auch in der Vorkriegszeit zu teilweise empfindlichen Stö- rungen des Eisenbahnbetriebs. Daß sie heute das Wirtschaftsleben in stärkste Mitleidenschaft ziehen, und daß vor allem das Stocken in der Kohlenversorgung, zu vorübergehender Arbeitslosigkeit und zu Störungen in den Gas- und Elektrizitätswerken führen kann, hängt mit dem Fehlen von Kohlenvorräten bei Verbrauchern und Händlern zusammen, während man vor dem Kriege eine Vorrats- Wirtschaft im starken Umfang betrieb. Solange der Bergbau nicht in der für die Kohlenabfuhr günstigen Jahreszeit zu einer gestei- gerten Leistung kommt, und sdlange nicht die Entente bei der Durch- führung unserer Kohlenlieferungsverpflichtungen auf die Schwierig- ketten unserer Lage Rücksicht nimmt, werden wir weiter von der Hand in den Mund leben und uns mit plötzlich entstehenden wirt- schaftlichen Stockungen abfinden müssen. Daß Eisenbahnverwal- tung und Reichskohlenkommissor alles daran setzen, upi der Schmie- rigkeiten 5)err zu werden und sie auf ein Mindestmaß zurückzu- führen, braucht nicht besonders gesagt zu werden. Erhöhung der Rohcisenpreise. Die Preise für Roheisen wurden mit Wirkung vom 1. Dezember ganz bedeutend erhöht. Die Preis- steigerung wird mit der Kohlenpreiserhöhung, der Frachtpreissteige- rung, den gestiegenen Löhnen und ausländischen Erzpreisen be- gründet. Hämatit stellt sich nach den neuen Festsetzungen auf 3891 Mark(um 1191 M. höher), Gießereirobeisen l aus 3326 M.(um 1126 M. höher) und Gietzereirobeisen lll auf 3250 M.(1126 M. höher), Die Preiserhöhungen betragen also 45—50 Proz. Weitere Steigerungen der Rvheisenpreise werden angekündigt im Hinblick auf die Verteuerung der Siegerländer Eisensteinerze, deren Umfang noch nicht feststeht. ' GeVsrLsthQjwbewegung Ksin Setriebsvertreterkongreß. Die Antwort der Spihenverbände. DI« von dem Friscrirgeschästsinhaber Wallsmb aus Stahfurt gelettete Dersammlung von Betriebsvertretern und sonstigen Teilnehmern am 2-1 November in Berlin hat bekanntlich eine Scr�nM� aufmerksam zu machen, praktische SolidarttSt den Zn» hoftierten und deren Familien gegenüber zu üben Zu diesem Zwecke beauftragte er seine kommunistischen Mitglieder, mit der alten Unler- hühungskommission in Verhandlungen zu treten und die Liquidation derselben herbeizuführen. Diese Verhandlungen fanden statt. Die Liquidation wird schnellstens erfolgen, so daß dann die neue Unter- stüßungskommission, über deren Zusammensetzung Einverständnis erzielt wurde, mit einem Zlpvell an die Arbeiterschaft zur Unter- stützung der bedauernswerten Dpfer der Justiz herantreten kann. Die längere Entschließung gefaßt, die vor allem vom ADGB und der Afo die Einberufung eine» allgemeinen deutschen Betriebsvertreterkonqrcsses innerhalb 14 Tagen verlangt. Die Versammlung wählte eine Kommission zur Uebcrwachin.g der Durchführung dieser Resolution. Dem Beauftragten tiefer Kom- Mission, Louis F l e s ch, bei der Allgemeinen Berliner Ortstranken- stattfindende Generalversammlung der Betriebsräte in dieser Frage endgültige Beschlüsse zu fassen vermag, um dann durch ch e r a u s- gäbe von Sammellisten zur wirklichen Solidarität aulzu- rufen Wir bitten also die gesamten Arbeiter und Angestellten, schon ____________...................................'eW>n den Betrieben mit«iaenen Listen die Sammeltätigkeit kassc, haben die Vorstände des ADGB. und des Afa-Bundes sowie � G-neralversammlung die neue Unter die Betriebsrätezentrale unterm 1. Dezember folgenden Bescheid gegeben: In Beantwortung Ihres Schreibens vom 25. November kännen wir Ihnen mitteilen, daß die Gewerkschaften sich des Ernstes unserer gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Lage aurchaus be- wüßt sind, es aber gerade im Interesse der Erhaltung einer ge- schlossenen gewerkschaftlichen Kainpfesfront für bedenklich halten, wenn immer wieder versucht wird, im Augenblick der schärfsten wirtschaftlichen Krise neue und willkürlich zusammengesetzte Vertretungen stüstnngskammission gebildet hat, ihr die unbedingt notwendigen Gelder so zufließen können, daß zu Weihnachten diesen Familien noch eine Freude bereitet werden kann. Freigewerkschaftliche Betrlebsrätezentrale. Generalversammlung öer Transportarbeiter. Die Bezirksverwoltung Groß-Berlin des Deutschen Transport- arbeiterverbandes hatte zu Montag ihre ordentliche Generalver- fammlung einberufen, um zu dem Geschäfts- und Kassen- ..._ bericht vom 3. Quartal Stellung zu nehmen. Der Bericht lag der Arbeitnehmer zu bilden. Die gewerkschaftlichen Organisationen Versammlung gedruckt vor und fand durch den Bezirksleiter Ort- und ihre gewählten Körperschaften müssen es ablehnen, die Ver-, ,r,an2, Un�"ossicrer B r e tz k e eingehende Erläuterung. antwortung für Aktionen zu tragen, die von irgendwelchen fliegen- s.„')sm.»bricht ist zu entnehmen, daß im verflossenen Quartal den Kommissionen eingeleitet werden. Bei den Betriebsräten ist ein solches Vorgehen um so weniger zu billigen, als der erste Retchsbetriebsrätekongreß eine mit dem ADGB. und Afa-Bund organisch verbundene Betriebsräteorgoni- sation geschaffen hat. Es kann von uns nicht erwartet werden, daß wir unter Ausschaltung der Innerhalb der freien Gewerkschafken bestehenden Vetriebsräteorganisation nunmehr Direktiven einer völlig systemlos zusammengesetzten Kommission einzelner Betriebs- rate entgegennehmen sollen. Gleichwohl haben die beiden unterzeichneten Vorstände die fach- liche Notwendigkeit des von Ihnen angeregten Reichsbetriebsräte 133 Angriffsbewegungen ohne Streik un.d 7 Be wegungen mit Streik geführt worden sind. An diesen Bewegungen waren beteiligt llllvä Betriebe mit 100 665 Beschäftigten. Der hierdurch erzielte Mehrlohn beträgt pro Woche 4 8S2 775.09 M. Die agitatorische Tätigkeit fand ihren Ausdruck in der steigenden Zahl der Sitzungen und Versammlungen. Soweit solche durch an- gestellte Funktionäre wahrgenommen worden sind, haben stattge- funden: Versammlungen 917. Vctriebsbcsprechungcn 1803, Funktio- närkonferenzen 522, Verbandstingen 2S02. An N e u a u f n a h m e n ! sind vollzogen worden: Männliche 4613, Weibliche 2175, Jugendliche 583, zusammen 7371. An Nebertritten aus anderen Organisationen sind vollzogen worden 1390. Der Arbeitsnachweisbcricht enthält kongresfes geprüft. Wir-sind zu dem Ergebnis gekommen, daß sich folgende Zahlen: Stellungsnchende 20 047.'pemeldete' SV-llen 12 563, die Aktivität der organisierten Arbeiter und Angestellten, wie sie besetzte Stellen für fest 5142. für Aushilfe 6092.— Der Kassen- Airvrfc>.irt Ons,* 1 t, S 1 4- itl /«<•»*«.*.<*/> Im S /»w PO 1 r....•,...«,.,._._.. J.' durch die wirtschaftliche Lage jetzt bedingt ist, keineswegs in der Der anstaltung von Vetriebsrätekonarcssen auswirken müßte. Die Gewerkschaften haben ein wirtschaftliches Programm zur Sanierung der Relchsfinanzea und damit auch zur Milderung der bestehenden Teuerung heraus- gebracht, für dessen Erfüllung sie kämpfen werden. Wir rechnen In diesem schweren Kampf auch auf die Unterstützung der Betriebs- rät«, denn es kommt darauf an, daß die von uns«ingeleitete Be- wegung vor allem auch örtlich von den breiten Schichten der Arbeit- bericht ergibt eine Einnahme inklusive des Oriskassenbestandes vom Vorquartal von 6 944 881,97 M. Demgegenüber steht eine Ausgabe von 1 532 746.75 M. Der Ortskassenbestand ist von 2 533 078,45 M. auf 2 677 824.16 M. gestiegen. An die Dauptkaffe wurden abgeführt 2 734 510,25 M,. und zwar in bar 1 879 424,45 M.. an Belegen für Arbeitslosen unter st ützuna 172 8M.gs Mark, an Kranken unter st ützunq 212 612.45 M., an Unterstützung In Todesfällen 23178,— M.. an Notfallunterstützung Ivruun» vor auem uuly ornicy von oen oreuen«cymircn oer«rveii- 5�"�'' I E' JL'""P.® f ni Q f) r e g e l t c n n nt e r• nehmer getragen wird. Es wird also Ausgabe der Betriebsräte 422--88,15 M., an diversen Belegen 18 310,25 M. sein müssen, besonders dahin aufklärend zu wirken, daß es nicht der Diskussion wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Lohn- WWWWWM■, genügt, Lohnbewegungen zu machen, sondern daß die Belegschaften die Gewerkschaften darin unterstützen müssen, die Ursachen der anhaltenden Teuerung und der Not zu beseitigen. Diese aufklärende Kleinarbelt, in der die wesentliche Voraus- setzung für eine Steigerung unserer Aktionskrast liegt, kann auf keinen Fall durch die dauernde Veranstaltung von Betriebsräte- kongressen ersetzt werben, und es muß auch einmal erklärt werden, daß die Inanspruchnahme der von der organisierten Arbeitnerhmer- schaft aufgebrachten Organisationsmittel für Kongresse nicht unbe- grenzt fein kann. Es findet u. a. am 5. Dezember ein großer Reich vbetrlcbsräkekongreß für die MekaMndusi'rie beweaungen künftighin einheitlicher zn führen sind und daß die größeren Gruppen und Draneben die Bewegungen zusammen- fassen, um die gewerkschaftliche Stoßkraft zu erhöhen. Kritisiert wurde, daß der Beschluß der letzten Generalversammlung, den 9. November durch Arbeitsruhe zu feiern, nicht aus- geführt worden Ist. Bezüglich der Beistwqseinkalstcrung wurde ge- wünscht, daß diese mehr auszubauen sei damit die Beiträge pünkt- licher eingezogen werden. Von der Leitung wurde zugesaqs, daß ab 1. Dezember d I. die wöchentliche Kassierung durchgeführt wird. Ferner wurde auf die ab 1. November d. I. geltenden neuen Beitragssätze dinqewlesen und die Erwartung ausgesprochen, daß jede» Mitglied sich entsprechend seinem Verdienst einschätzt und W, den für lein Lohneinkommen fälligen Bestrag-fatz entrichtet. Van in Leipzig statt, der rund 1000 Teilnehmer umfassen dürfte, und es' de» Funktionären wird erwartet, daß sie in allen Bettieben scharfe Buchkonttollen ausüben, um der Organisation die erforderlichen finanziellen Mittel zuzuführen. Dem Kassierer wurde auf Anttog der Revisoren einstimmig Entlastung erteilt. Die noch aus der Tagesorbnimg stehenden Anträge wurden in- folge des Elekttlzirätsaugestelltenstreikz bis zur nächsten General» Versammlung zurückgestellt._ ist wirklich nicht zu rechtfertigen, nun zu gleicher Zeit einen zweiten Kongreß im Sinne Ihres Borschlages abzuhalten, der sich weder im Umfang noch in der Auswirkung von der Leipziger Tagung unter- scheiden könnte. Es wird in nächster Z»it Gelegenheit gegeben sein, auf den großen Ausschußtagen des ADBB. und des Afa-Bundes das Slcuerprogramm der Spihenverbände weiter zu behandeln und die erforderlichen Beschlüsse zu fassen, und Verscnenlieit der Vranerelbessber es besteht daneben noch die Möglichkeit, auch durch Einberufung des..„ grauere, veMer. gewählten Beirates der Gewerkschaftlichen Betriebsrätezentrale dessen.. Brouereibcsitzer lehnen es ab, den Niederlagsarbeitern Mitwirkung zu dieser Bewegung zu sichern.- gleiche Zulage von wöchentlich 100 M. zu zahlen, wie sie die Wir bemerken schließlich noch, daß die von Ihnen neben den Brguereiarbeiter bekommen. Zur Begründung ihres Verhaltens wirtschaftlichen Fragen angeschnittene Forderung der Amnestie für!�st™i si« an, unternefjmer n u s de r V r e v in z hätten sich die politischen Gefangenen in erster Linie Zuschriften an den Arbeitgeberverband des Vereins der Brauereien tWKiM,-.,,»frtuifjr.inrfai«.. darüber beschwert, daß die auf den Bierniederlagen beschäftigten ." polifisilj«. Arbcilerparkeieu Arbeitnehmer gegenüber den anderen Jndustriearuppen viel fem muß. Wir verkennen keineswegs die Zusammenhange von v e r d i e n t e n. Um nicht noch mehr Acrger bei den Beschwerde- Politik und Wirtschaft, können aber nicht zugeben, daß nun durch führern zu erregen, könne man den Niehorlagsarbeitern die Zulage Vermittlung einzelner Betriebsräte der Aufgabenkreis von Parteien! nicht machen. Da man die Forderung nicht als übettrieben oder un und Gewerkschaften völlig verwischt werden soll. Indem wir Ihnen unsere sachliche Auffassung zu dem«Inge- reichten Vorschlag mitteilen, muß auch von den Betriebsräten er- wartet werden, daß ihr Verkehr mit den Gewerkschaften künftig im Rahmen der selbst geschaffenen Betriebsräteorganisation vor sich geht. Mit gewerkschaftlichem Grußl Allg. Deutscher Gewerkschaftsbund. Der Vorstand, gez. T h. L e I p a r t. Allgemeiner Freier Angestelltenbund. Der Vorstand, gez. B. Süß. Gewerkschaftliche Betriebsrätezentrale. gez. Brolat. Nörpel. Hilfsaktion für öle Inhaftierten. Der Zentralrat der Freigewerkschaftlichen Be- triebsrätezentrale tagte unlängst, um Stellung zu nehmen zu der rapide fortschreitenden sozialen Verelendung der Massen und zu der durch die Hungerstreiks der politischen Ge- fangencn in den verschiedenen Zuchthäusern und Gefängnissen akut gewordenen Frage der Amnestie. Zu den Wirtschaftssragen beschloß der Jeutralrat, im Laufe der näch'ien Wochen eine General- Versammlung der Betriebsräte einzuberufen, die sich eingehend mit diesen Fragen besä, ästigen soll. In der Amnestiefrage kam der Zen- tralrat zu der Auffassung, daß es nicht opportun erscheine, eine Generalversammlung der Betriebsräte für den Wirtschaftsbezirk Groß-Berlin wegen dieser Frage einzuberufen. Er ist der Meinung, daß es unbedingt notwendig ist, das Proletariat auf seine Pflicht berechtigt hinstellen kann, kommt man mit solchen Argumenten, stellt die Rücksicht auf die Poltttt schlechterer Lohnzahler höher als die Rücksicht auf die Eyistenz der eigenen Arbeiter, wobei zugegeben werden soll, daß der eingenommene Standpunkt dem Profitinteresse besser angepaßt ist. Selbst wenn die Lohnforderungen von 440 M. in Gruppe 1 420 und 400 M. in den Gruppen 2 und 3 voll bewilligt werden, reichen diese Löhne nicht aus, um bei der gegenwärtigen, sich noch weiter verschlimmernden Teuerung auch nur eine sehr be- scheiden« Existenz zu fristen. Wer wollte behaupten, daß In Städten, um einige aus der Gruppe 1 herauszugreifen, wie Bernau, Oranienburg, Nauen, Zossen, Brandenburg, Potsdam. Forst, Fürstenwolde, Eberswalde. Frank- fnrl a. d. O. usw., man mit einem Lohn von 440 M. anständig leben kann. Nachdem der Versuch der Brauereien abgewehrt war, noch eine weitere Klassifizierung der einzelnen Lohngruppen eintreten zu lassen, erklärten ssch die Brauerelen nach mebrstündtger Derhoudlung d-reit, eine einheitliche Erhöhung in allen Gruppen von 90 M. die Wach« eintreten zu lassen. Demnach soll der Lobn in der Gruppe 1 430 M, und in den beiden anderen 410 M und 390 M. betragen. Die Verhandlungskommission hat es n b a e l e h n t, diesem An- gebot zuzustimmen. Es werden nun die Arbeitnehmer auf den einzelnen Niederlagen darüber entscheiden, ob es angenommen werden soll. Sollten sich erneut Lohnverhandlungen ergeben, wäre e« schon notwendig, daß die Arbeitgeber mehr die Notlage der Arbeitnehmer, als die„Not" der rückständigen Industrieunternehmen berücksichtigen. Steekksthluft in VüsselSorf. Düsseldorf, I. Dezember.(Eig. Drahtber.) Seit drei Wochen tobte in Düsseldorf der Streik der 60 000 Metallarbeiter um bessere Existenzbedingungen. Der Dortmunder Schiedsspruch war derart, daß auch der Reichsarbeitsminister seine Verbindlich- keitserklärung ablehnte. Eine Wendung trat ein, als ein Vertreter des Rcichsarbeitsministeriums bei den Derhandlungen in Köln den Vorschlag machte, daß der Lohn der gelernten Fach- a r b e i t e r zuzüglich der sozialen Zulagen mindestens 13,50 M. für die Stunde betragen soll. Dazu soll für alle Hüttenarbeiter dt« sogenannte Hüttenzulage von IM. pro Stunde treten. Es sollen kein« Maßregelungen durchgeführt werden, mit Ausnahme gegen Leute, die sich etwaige Terrorakte zu« schulden kommen ließen. Hierüber soll von einem besonderen Schlichtungsausschuß entschieden werden. Hierauf sagten die Ar- beitervertreter einer Urabstimmung zu, die am Montag und Dienstag statfand. Das Ergebnis war, daß die christlichen Metallarbeiter mit 79 Proz. für die Wiederaufnahme der Arbeit stimmten. Bei den Hirsch-Dunckerschen ergab sich gleichfalls eine Mehrheit für die Wiederaufnahme der Arbeit. Bei den freigewerkschaftlichen Arbeitern aber stimmten 83 Proz. für die Weitersührung des Streiks. Der Bezirk Gerresheim, der sehr stark ist, lehnte eine Abstimmung überhaupt ab, sprach sich aber auch für die Weiter- führung des Streiks aus. Dadurch, daß die Christlichen und die Hirsch-Dunckerschen den Streik als erledigt betrachten und die Parole ausgaben, wieder in die Dettiebe zu gehen, sahen sich die Funktionäre des Deutschen Metallarbeiterverbandes gezwungen, auch ihrerseits einen Abbruch des Kampfes zu empfehlen. D i e A r b e i t soll Freitagmorgen wieder ausgenommen werden. Selten Ist ein Stteik mit soviel Entschiedenheit geführt worden als dieser. Die Unternehmer wandten alle Mittel an, um die Ar- beiter auf die Knie zu zwingen. Aus diesem Grund« stiften sie einen 20.Millionen-Fonds zur Bekämpfung der Streikenden. Zur Unterstützung der Streikenden hat das Ge- werkschaftskartell eine großzügige Kinderspeisung eingerichtet. Täglich wurden 5000 Kinder mit kräftige? Nahrung aus Gulaschkanonen gespeist. Die Speisung soll auch noch mehrere Wochen nach Wieder- aufnahm« der Arbeit fortgesetzt werden. Ein Inlern allonaler yolzarbeikerkongreh wird im Juni 1922 itt Wien tagen. Der lothringische vergarbeilerstreik ist zusammengebrochen und die Arbeitsausnahme im Saargebiet ist allgemein durchgeführt. Der Streik hatte von vornherein nur wenig Aussicht aus� Erfolg, weu sämtliche Gruben noch über starke Haldenvorräte verfügten. zcotrulvHba»» der Maschinist««»nd 8«ij«. fforisttzun« der auh«r»rd«nt- Nchin©cnfralncrsommUmg Sonntag 10 Uhr b«i Soeler, 17. SPD.-Buchbillb-r. r-cutr 5 Uhr Versammlung der SPD..Buchbinder NN» Vertrauensleute im Graphischen Vereinshaus, Älcxandrinenstr. 44. Tages» ordnung: Stellungnahme zur Generalversammlung. Deutscher Werkmcisterrcrband,«czirt.ocre n 1«. FachgruPpi P-vi»« Generalversammlung Zreltag 5 Uhr im Schul lhilb. Neue Zaiodstr.*4. j. Vor» slandswahl._ /ius öer Partei. Aufwärisenkwicklung in Schleswig. Unsere Genossen ln Schlewig» hiesten kürzlich ihren dies« jährigen Bezirksparteitag ab. Wie aus dem Bericht zu ersehen war, kann der Bezirk mit der Entwicklung im letzten Jahr durchaus zufrieden fein. Di« M i t g l i e d e r z a h l ist vom 82 064 auf 86 287 gestiegen. Die Ortsvereine haben sich von 282 aus 304 vermehrt. 7 Ortsverein« wurden außerdem an die dänische Bruder- Partei abgetreten. Sehr bemerkenswert ist es, daß gerade in den Landbezirken die Stimmenzahl erheblich gewachsen ist, so daß das Land heute die Hauptstärke der Arbeiterbewegung in Schleswig ist. Die Schlcswiger Arbeiterjugend vermochte ihre Mitgllederzahl von 1600 auf 2105 zu steigern. Mit Genug. tuung wurde die Mitteilung des Vorstandes aufgenommen, daß gegen einen zweiten Putsch nach dem Muster Kopps allch Lowehrmaßr»geln getroffen sind., Die Werbewockze im Bezirk hannooer-vraunschweig brachte nach den bisher aemeldeten Ergebnissen eine Zunahme von rund 3400 mannlichen und 1000 weiblichen Mit- gliedern. Außerdem wurden noch gewonnen 3500 neue Zeitunasleser. Von vielen Ortslxreinen ist eine Meldung bisher nicht eingelaufen. Es wird sich also die Zahl der neu ge- monnenen Mitglieder und Zeitungsleser noch erheblich erhöhen. Trotz der ungeheuren wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die zurzeit die Arbeiterschaft besonders auch in den größeren Orten dieses Be- zirks bedrücken und trotz der Hetze, die besonders von den ganz Linksradikalcn gegen uns geführt wurde, ist dieser schöne Erfolg er- rungen. Die Genossen im Bezirk Hannooer-Braunschweig dürfen stolz sein auf dieses Ergebnis. Möge es ein Ansporn zu weiterer pflichtgetteuer Arbeit in der Partei sein. In der Werbewoche des Bezirks Rlcderrhein, die in der Zeit vom 13. bis 2Q. November stattfand, veranstaltete die Partei 62 öffentliche Versammlungen mit dem Thema:„Drei Jahre Re- publik", die in den Umerbezirkcn Elberfeld, Solingen. Düsseldorf, Essen, Duisburg und dem Bezirk Krefeld stattfanden. Es referierten die Berliner Genossen Otto Braun, H, Lüdemann, Ernst Heilmann. Dr. Richard Lohmann, Franz Krüger und der Genosse Leinert; Polizeipräsident Runge-Köln, Reichstagsabg. Sollmann und eine Anzahl Abgeordneten und Sekretäre des Bezirks. Die Versamm- lunqen waren allgemein gut besucht und zeitigten überall agita- torische Erfolge, Die USP. trat in der Diskussion über- Haupt nicht mehr in Erscheinung, während hier und da ein Kommunist die bekannten Phrasen drosch, jedoch nirgends An- klang fand. Alle Versammlungen oerliefen ungestört, ein Zeichen dafür, daß der Gesundungsprozeß in der Arbeiterbewegung sich in dem bisher sehr stark unabhängig und kommunistisch durch- setzten industriellen Westen zu unseren Gunsten vollzogen hat. verantw. Kit den redakt. Teil: Dr. Werner Pciser, Cbarlotlenbnrg: sllr An- »elften: Th. wlvite, Berlin. Verlag Vorwärts. Verlag G. m. b. Berlin. Druckt LorwSrls.Buchdruckerei u. Verlagsanll-Ut Paul Singer u. Co., Berlin. Lindenstr. S. Hirrzu I vetlafte. Stoffs für Herren- u.Damen-Oeklcidunj* bäte Fablsiale, q rofle iusf aichVartaaf raetcnalai Koch& Seeland Gertraudtenstre ße 20—21» KON Uno* m ja owE i" Ui t. eu f die gelben wellenförmigen streiten der FBcKung, 2,äuf die sdireiöung ciässe mit C in Verbindung mit unserem FäbriKndwenf S.äufdie geflügelten Worte.Urteilen Sie selbst" Dann erhalten sie die richitie. die Massafy- Classe zu so**. ne.,»»»z«.7chrg Gute, ahnungslose Seele, dachte ich im Innern. „Liebes Kind," sagte der Doktor,„wir olle fangen ein uns neues Leben an und müssen also auch wohl alle anfangen wieder zu lernen. Aber ich hoffe, daß uns von dem unfern Vorfahren innewohnenden Instinkt noch etwas geblieben ist, um uns die p r i m i t i v e Existenz zu erleichtern. Unsesiger Schulmeister, wenn du gcabnt hättest! „Gekauft wird nichts," rief Frau Luisa mit leuchtenden Augen.„Wie herrlich, sich alles selbst herzustellen, von Jagd, Fischerei und Ackerbau zu leben. Uebrigens," wandte sie sich an mich,„verstehen Sie etwas von Landwirtschaft?" „Ein wenig," sagte icki, und das war die Wahrheit. Hatte ich doch einen Onkel, der Gutsbesitzer war und uns jede Weih- nachten eine Gans und einen geräucherten Schinken zu schicken pflegte. Im übrigen war mir die Landwirtschaft immer ein snmpathischer Beruf gewesen, weil ich für Iagdfrühstücke eine Schwäche hatte. „Wir werden," sagte der Doktor, den Blick sinnend nach Süden gerichtet,„manches entbehren müssen.. „Das wollen wir ja gerade." warf ich ein. „Aber," fuhr jener fort,»wenn wir das gelernt haben, ltg beim Schularzt. — Elternlos und ohne Heim. ihm, um das Prcletoriat festzustellen. Mit schwenden Worten sucht er ausi die Mutter einzuwirken: „Wieviel Kinder besitzen Sie noch?" „Nur diesen einen, Herr Schularzt!" „Na, ist es Ihnen nicht möglich, dieses eine Kind Keffer zu ernähren?" Die Frau zuckt mit den Achsein, sie schämt sich zu sagen, daß sie von ihrem Mann verlassen ist und den ganzen Tag Aus- Wartungen machen muß, während ihr kleiner Wicht ohne Aufsicht bleibt. Mit anderen Frauen unterhält er sich über die Pflege der Zähne. Eine vom Land zugereiste Frau kennt die Ein- richtung einer Zahnbürste nicht und hofft zuletzt, daß die G e- meinde ihr eine solche besorgt. Unfer Obhut der Dreizehnjährigen. Dann tritt ein etwa 13jähriges Mädchen mit einem kleinen Knaben vor den Arzt.„Bist Du die Schwester?" fragt der Arzt das in dürftige Lumpen gekleidete Kind. Sie antwortet mit „Rein!" Auf die Erkundigungen hin erfährt er, daß der Knabe elternlos ist. Der Vater im Krieg gefallen, die Mutter 1913 an Herzleiden gestorben. Die allein st ehe» be Großmutter im Alter von 62 Jahren muß vier noch schulpflichtige Kinder ver- sorgen. Sie wohnen m>t anderen fremden Leuten ,n einem einzigen Zimmer beisammen. Eine Be- wegung geht durch die Reihen der Frauen bei diesen Fcststellun- gen, manche arme Frau hält in diesem Augenblick ihr Los noch beneidenswert gegen das dieser armen Familie. Und der Arzt gibt wieder seine Anweisungen zu Protokoll, so daß zu hoffen ist, auch in diesem Falle wird durch die Gemeinde Wandel geschaffen werden. Unberufen war es ein gesunder kräftiger Knabe, nur die Frage frißt sich ins Gehirn: Was soll aus einem solchen orincn Menschen ohne Erziehung einmal werden? Wolltet ihr doch, ihr Gesetzgeber, statt weiterhin Zuchthäuser zu bauen, jetzt noch, wo es noch Zeit ist, Kinderheime und freundliche Stätten sür die Kinder der Armen bereiten! Eins noch fällt auf, etwas Erfreuliches. Ganz selbstbewußt find diese kleinen sechsjährigen Abc-Schützen bereits. Sie stehen elbständiz vor dem Arzt folgen seinen Anordnungen, antwonen mit klarer Stimm«. Es ist dos Zeichen der großen Stadt, die ihre Menschen schon früh entwickelt und sie lehrt, bald auf eigenen Beinen zu stehen. sein, mit der Hand den Türrahmen zu soffen, um sich festzuhalten. Dieser Klage auf Schadenersatz durch den Eisenbahnfiskus gaben Landgericht und Kammergericht nur teilweise statt, weil beide In- stanzen ein Mitverschulden des Klägers annahmen. Dos Reichs- gericht hat die Vorentscheidung aufgehoben und, wie der Rechts- anmalt beim Reichsgericht Justizrat Gentebruck in der„Deutschen Juristenzeitung" mitteilt, den Anspruch in vollem Umfange für b e- rechtigt erklärt. Die Enge des Raumes in den Eisenbahnabteilen stelle eine dem Eisenbahnbetriebe eigentümliche Gefahr dar. Der außerordentliche Andrang zum Zuge und das Drängen und Stoßen in den Abteilen bilde eine Erhöhung der Betriebsgefahr. Ein Fahrgast, der ein übersülltes Abteil besteige, handele allerding» regelmäßig schuldhaft, nicht dagegen, wenn der g a n z e Z u g überfüllt iei, oder das Besteigen des überfüllten Ab- teils gerade ein» besondere Eile veranlass». Ter Mord t« der Me�er Straße. Die Öcicfic de« Ingenieur« H a s e n z a h l, wurde gestern von der M o r d i o m m i s s i o n und den G e r i ch t S ä r z t e n be« sichügt. Dabei ergab sich, daß der Kops nur eine Schuß« wunde aufweist. Die Kugel ist über dem rechten Auge in die Stirn eingedrungen und am Hinterkopf wieder ou?ge!relcn. Zu« nächst wurde angenommen, daß diele Wunde von einem zweiten Schuß hcrrübre. Trotzdem scheint der Schuß nicht tödlich gewirkt zu haben. Erst der Knebel hat allem llnschein nach den Tod berbeigcführt. An dem Neisekorb besindet sich noch eine Schnur, mir der ein Zettel befestigt war, den T i e k e anbringen mußte, als er ibn als Paiiagiergur aufgegeben und auf den er seinen Namen und die Eberswalder Adresse angegeben halte. Frau H a se n z a h l hatte ihm deswegen Vorwürfe nemachl und ihm gesagt, daß er leichtsinnig gehandelt habe, weil sie befürchtete, daß man dadurch auf die Spur der Leiche kommen könne. In Eberswalde ist der Zettel dann auch sofort wieder abgeschnitten worden. Der Tatort ist, wie jetzi sowohl werden wir wahrhaft glücklich fein, denn entbehren können, ist Glück." Und so bauten wir welter auf der durch nichts gestörten weiteren Reise an unserem Luftschloß aus Urwaldstän-unen, und waren froh und guter Dinge. Ratz, der Pintscher, wurde angesteckt und raste auf dem Deck umher, und der Kanarien- vogel zeigte, wa» ein echter Harzer Klingelroller ist, 2. An der Grenze der Zivilisation. Nachdem wir die Landungs formalitäten in Buenos Aires ohne Schwierigkeiten durchgemacht hatten, schifften wir uns nach kurzem Aufenthalte in der prächtigen Metropole auf einem Flußdampfer ein, welcher uns nach einer Fahrt von mehreren Tagen den Paranä hinauf in einem Städtchen ans Land setzte, das gewissermaßen als Grenzposten der Zivilisation �zu betrachten war. In einer etwa eine Tagesreise davon entfernten, neugegründeten Ko« lonie hofften wir alles das zu finden, was wir suchten, nämlich nichts außer unverfälschter Natur. Es war ein herrlicher, klarer, frischer Augusttag, als wir dort landeten, ein Wetter, welches dem ärgsten Griesgram ein Lächeln abgenötigt hätte. Aber hier schien es keinen Gries« gram zu geben. Ein harmloses, fröhliches, sorgloses, lebens- lustiges, allem Vorwärtsstreben und der Arbeit abholdes Völkchen schien hier zu wohnen. Wir wurden mit kindlicher Neugier angestarrt, als wir über einen schwankenden Steg ans Land balancierten, und als Ratz dabei ins Wasser fiel, erhoben die Zuschauer einen Jauchzer, der die Mitte hielt zwischen einem Irokesengeheul und einem Tiroler Jodler erster Güte. Aber es kam so naturfrisch heraus, daß wir es nicht übel nahmen. Frau Luisa lachte herzlich mit. als man ihr den triefenden Pintscher wieder hsrausnschte. obgleich sie noch etwas blaß war. und auf des Doktors Zügen lag der Abglanz inneren Seelenfriedens, trotzdem er mit einem Dein einen halben Meter ins Waffer getreten war. Hier muß ich einschalten, daß wir schon auf der Reise spanisch« Studien getrieben batten. In der Tat glaubte ich, daß der Doktor, als er fein Fußbad nahm, gerade dabei war, sich einige Phrasen zurecht zu legen, die uns im Verkehr mit dem Carretero usw. von Nöten waren. Was er an Sprach. kenntniffen nicht im Kopf hatte, quoll ihm in Gestalt eine» knallrot gebundenen Wörterbuches aus der linken Rocktasche hervor...(vorts. folgt.) S'tcTe wie Frcm Hasenzahl angeben, ein kleiner Raum, der als Kleiderablage benutzt wird und so schalldicht rst, daß die Schüsse in den anderen Räumen nicht gehört werden konnten. Von den Kriininalkommissaren wurden gestern auch noch einige Zeugen vernommen, die wichtige Angaben über das Eheleben Hasen�ahls und auch die engen Beziehungen TieieS zu dessen Frau machten. Auf der Flucht angeschossen. Von der Berliner Polizei wurde, wie die PPN. melden, am Donnerstag nachmittag ein K o m m u n i st L o h s e unter dem Verdacht verhaftet, an dem Attentat aul die Sechsund« fechzig-Pfeilerbrücke in Charlottenburg im März d. I. beteiligt gewesen zu sein. Am Eingang zum Polizeipräsidium in Tbailoltenburg riß sich Lohse, ein besonders großer und kräftkger Mann, los und schlug die beiden Beamten zu Boden, worauf er die Flucht ergriff. Die Beamten feuerten zwei Schüsse nach, durch die er am Bein und im Rücken schwer verletzt wurde. Der zufällig im Piästdinm anwesende Kreisarzt leistete sofort ärztliche Hilfe und veronlaßte die Neberkührung des Schwerverletzten in die Gefarrgenenabteilung der Ehaülö._ Inj Staatliche Schaukvielhaus iu Neukölln. Am Freitag, den 2, Dezember 1921, udend-Z'1,8 Ubr. veranstaltet das BolksbildungSamt in Oiernemlchaft mit dem Staatlichen SchausvielhauS im neuen Saal der.Neuen Welt", Hasenbeide, eine Aufführnug von Hermann Sudermanns„Hei- öiat". Eintrittskarten zum Einheitspreise von S M. sind ,n solgenden PerkaufSstellen erhältlich: Bureau de» VolkSbildungsamteZ, Zimmer 257 des Rathauses Neulölln i Restaurant Reue Welt. Haienheide; Konzertkasse Badinq, Bergslr. 43• städt. Weltpanorama. Kaiser-Friedrich- Slrasie dt Stadt. �nstallationSgeschäst, Hermannstr. 95/9«: Ztalhaus Britz, Zimmer 3, und Buchhandlung Henkel, Stuttgarter str. 49. Beztrksbtldiingsausfchiis! Grofs-Berlin. Heute abend 5'/, Mr »Siegsried", von Richard Wagner, im Tbeatersaal der Neuen Welt. Hatenheide t9d/lt4. Eine kleine Anzahl Karten sind noch beim Genossen Herlitz am Eingang des Saales zu haben. Der Morüprozeß um Wachtmeister Suchholz. Hrost-Serliner parteknackrichtea. Heule. Freitag, den 2. Dezember: 23. Bit. Sie Knaben und Mädchen der Genossen kommen Sonntag und ssrertag von s— 7 Uhr bei tbrunewald zusammen, um die/i Uhr im Cäeilie». Lyzeum, Berlin. Lichtenberg. Raihausstraße, einen Vortragsabend. Mitwirkende: Orgelspiel: Frau Vtahlberg: Sologesang: Frau». Arnim: Rezitationen: Herr Emil Kühne: Ehorgesang: M e i n e k e scher Sängerchor unter Leitung seines Ehormeisters Herrn Josef. Am Flügel: Herr A. S t e n z e l. Ansprachen: O. Ritsch, Hörervertreter: Fritz Fricke, Leiter der Räteschule. Eintrittskarten sind zum Preise von 2.30 M. im Bureau der Freigewerkschastlichen Betriebs- rätezentrale. Engeluser 24125, 2. 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Kommandant Str (JQd Küi sti.-Th.) 7'/.: danket der Schmied Wallnor-Theafer "/, Uhr| Walhalla Thealer aMung muß man sein Casino-Theater L0thrinE.Str.37 Tägl.?«� Der neue Schlager! Ccriegziil i/olksstück in 4 Aulz. Sonntag 3V,; Martins Abenteuer FOLIES GAPRICE Linlenstr. 132, am Oranienburger Tor Täglich 8 Uhr: Die Dame Im Bell mit Perd« Qruneckev Tel Norden h65o Karietd-Spielplao Rauchen gestaUet i�operr/t | Dir. Jam. Klein Die große Revue CIRCDS BÜSCH TgLT'/t. Stg.oii(f)3U. Am Sonntag! 1. 1 eib Borstellungen 8 Dezember»£ Uederraschungen� Nachm. 3 Uhr 1 Kind frei! VvL Werlh.u T!rr.R Keine Bühne der! Mhleiel sei- Admirals Palast ?>/,: Die roten Sehnhe che Prachtans- statt. n.Kam.he- rirnt. Darstell. { llax Landa Bruno Kastner Sascha Gura I Wüti. Hartstein | Franz Groß P.Westermeyer] iL. Werkmeisterl Damen-! Ballett!! 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Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langiithng. Mitglied, der Kollege Paul Scholz am Montag, d. 28. No» vember, plötzlich per» itorden ist 74/18 Ehre sein.Andeufen I Die Beerdigung ssn» det Sonnabend, den 8. Dez, nachm. 2>/zUhr, ans dem 2. städtischen Frtedhos Schöneberg (Blaitfe Hölle) statt. Um zahlreiche Be» teiiigting ersticht Der Vorstand. Z. A.: Bi nst Obst. 'f t s V.'» t«»"'«. v? 4 T W.t TT A.Hät' »�i'riSr—''« t.täÄSti&L- .t's... ömgm'/foj. ■Ife äiuatilätsmerfen cuperöftn brsikbn Weinbrand Schärtädt&eig ißokö Weinbrand Ödiarfochbeig Kusleje Vertreter- E. H. Bitzenhofer, Berltn°W 50, Sürt�ec Str. 3. MtBP UnN?.rh" Leihhaus HoriUpl. 58a verlaust staunend billig Hemd., Beintteid., Bett» deziiae, große Teppiche, Kiinstl.-Gard., Etepii- u Ditvandecken, Daunen» dett. Nur Gelegenheit»» 'iiu ie. Keine Lomhardw Ansteek., nachts unerträgl jvchelläö Bsat- ansschiäge mit wössrigen Bläschen tt.(leinen roten Punftcn verschwinden in wenig Tag durch Reichels kirühebnfsnrn 19,50. 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Beschluß. faffung Uber die sich hteiau« ergebenden Blaßnahmen Sonntag, den 4. Ottembtt, vormittag» S Ahr im Caial von Wollschtilger,«dalbertftr. 21: Branchenversamm!»on� ' Ver Trahtarbeiter Grotz-Bcrlins. Tagesordnung: 1. Iahreobericht t Neu- . awhl der Bronchenl-mmiwon. 8. Branchenange» - legcnheiten. 4. Berlchiede»»«. Ohne Btitgliedsbnch kein Zutritt. Di» Sonntag in L den 4 Ds,ember, vorm. 10 Ahr ikero Seflifiten. Ivebcrslr. IT: Versanimlttng der Zunungsschmiede Groh-verlin». Tagesordnung: I. Bericht über die Lohn» »erhandliingen. 2. Hiskullion. Sonntag, den 4. Dezember, vorm. 9'l, Ahr im Lokal von Erauman» iIxh.Seqcr), Naunyustr.2? WG" Versammlung"WW aller in Hütten- u. Messingwerken bcschäft. Schmelzer, Ofcnarbeiter, (Kiesier, Hilfsarbeiter usw. Tagesordnung: 1. Verbands» und Branchcnangelegenheiten s Wahl der Sern, missionsmitglieder 3. Perschiedene«� lOW Die Ortsvsrmaltvng. Bekanntmachunls Wir machen hierdurch bekannt, daß in »arlin Aeritn-Dahlem ?riedena» Srvnewald Lankwth Öichierfclde lUariondorf "lorienscld« - Sri m Gr Ouikow Groh-Zlothem Grvne>oald.?orst «leln-Machnow Lichtenrade Z,cntöl!n(yasenhei»r) Aitolasle« Andom un�aewaltigeii Vorräte �ehiapfem Schlüpfer Schlüpfer Schlüpfer . Jtlederfchdne- Schenefeld meide Selchow » Schrnlirgsn- Stahnsdorf dort Teltow .. SchSnebor» ILaiirixnnsdorf » Steglitz Zehleadorf » Temgethof „»ilmerodorf »«l dem Tace ab, au dem im Monat Segeniber JWl die lausenden Sasmesserfilind» au>genommen »erden. der vrei» ivr das Nudllmetrr Gos dl» auf mellere» 2,30 AI. rmschUßlich Kohlen- und Umsaßsieuer beträgt. Für da» durch MUnzgaameffer entnommene Gas erhöht hch dieser Preis um die Kasmesser- Sinrtchtungsmicle. Der Unterschied Milchen diesem neue» Breite und dem, aui den der Miinzapparat noch eingestellt ist, wird bei der iknlieerung der Pklinzeasmesser durch die Beaustragten der De- fcllsa ast gegen Emxsangsbeschctnigüng besonder» eingezogen Berlin, den A November 1S21. LZasbstZ'iebLxeseüsokatt Aktiengeiellschatt. Der Vorstand; E. Zlbrtwg, Bekanntmachung Bus Drand de» 8 48 der jbassrnsaßungen find Mr die l. ahizrit K>2Z/» die Mitglleder zum Äassen- vorstand zu wählen und zwar: Z Arheitgederoerteeter»nb S Srsaßmllnnor und » Verstcherlen-er-reter und 12 Drsaßmänner.! Die Wahlm finden am Frellag. den 13. z». »aar 1027, in unsere» Kaffeuburea« Nene\ Hochslr. 39 fiatl nnd s»«t für die«erflcherten. «crireler n«ch«„n b~7 U!>r und sllr die Arbeit. gcberoertreter abend« von 7-# Uhr. Die«»dien find geHelm: gewählt wird noch den Slnindiäoen der Verhältniswahl nach Maß. gäbe der Wahlordnung. Das Wahlrecht ist in Per>on auszuilben Wahiberechligt find alle Ausschußmitglieder. Di« Wahlberechtigten werden hiermtl ausgeiordert, dsm Unterzeichnern Vorstand spätesten»' di« zum i?' D#z#wder 1921 Wahlvorschläge einzureichen Die Wahkvor/chlllge müssen von mindesten» drei Wahlberechtigten der beir. Wruppe unterzeichnet sein. Sie zugelassenen Wahlvorschläge werden eine Woche»or der Wahl den Ler! retern der Arbeil» geder nnd den Derstcherten schriftlich mitgekeilt. Sttminzetiel enthält die Namen dcrlentgen Bewerber, welchen der Wähler seine Stimme geben null. Cr darf höchsten« dre>mal soviel Namen ent» "l* Mitglieder zum Kassenxorsland zu wählen find: an Stelle der Auszählung der Namen genügt der Hinweis auf die Ordnungsliummer des Biahloorfchlage». Der Wähler kann nur eine solche Stimme abgebe,� die mit einem der zugelassenrn Wahlvorfchläge vollständig iibcrelnstlmmt. Die Stimmzer.el mitfsen von weißer Farbe sei». Berlin, den 29. November 1921. Der YorstanU der Krankenkasse der Personen-Lobnfnhnverks-Innung zo Berlin. 20/13 Ludwig Strei«. --bieten Jh.nen. eine peichhalt ige Tiasmahl z.U. iramee noch rvipklich billigen Preisen..' dunk e, chicke Farben..., aparte Dessins mitangewebtem Futter.... in PiscPgrat- und Diap.-Musier mit Ableite.... 825.- 950.- 1450.- Herrenanzüge Herrenanzüge Herrenanzüge neue Dess. au.Talile m. Hakenschi. SPORTPELZE in verschiedenen Reliarien: Hamster mit Opossum, Nerzmurmel mit chinesischem Marder usw. 1 Farbige Westen Ij Gestreifte Hosen 3BrtichenstE.ll Sehe Tlungests. SchonebergTfaaptslrlO Sehe Vorhepgs tE 5PEZIAiHÄU/ERfürHERRENu.KNA3ENDEKLEIDUNG WAU(Si Qp.TbankfSiE. ZO Sehe bioppenstz?. Tnlliurte« i tnmriüp Uhren. Platin, tlold l DroiSViert u. Silber-Bruch sowie!»»ro.vMcr. MDozen- Sammlungen kauft jedes Quantum zum h Sch»t en Auslandspreise Ouk..Qold 900 gest 14 karat 883„ « 333„ in jed. Grolle u. Preis). am Laper fifinse Ä. 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Uuliaeig OwtlC9 v v OäI. ifl« 2 fett seü ruckte Woi let»— Stellengesuche and SchlafstellenanzeiKcn das erste Wort«fettgedrockt) l.ÄO Jedes weitere Wort I.- M.— Won» mit.nehr als 18 Buehslabea-Stilen tur zwei IN orte A n 7 tur die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 9 Tit,r aachmUlas' In der Haupt-Bxpedltion des Vorwlns» Berlin SW. 68, Mndenstrasse Nr. 3, abgesehen werden. Dieselbe Ist wochen» tax« von vorn»tttaxs 9 Uhr bis nachmittags S Uhr ununterbrochen geöffnet EU | Teriäpfe 1 verkaufe I Pfanats Neu! arberobe und errenunzstgi, Mmkioe SttsklMeolafse för VeHMSWelOe Bekanntmachung Auf Stunk ber Sekanntmachang vom»4. Skto- dev>92t betr PertretenvaHien zur obigen Rasse wird biermit detannigegeben, daß filr die Vertreter der Ardeltgeber nur»in"" gangen ist. Dieser Wo von Herrn Mag Lengenkeid und beginnt Siame» Wilhelm Engelmann und schließt mit dem Namen Meorg E-ter. Der Wahlvor,chlag ist-I» gültig anertannt worden und gelten somit die auf diesem Wahivorschiag denannien Vertreter be,w Ersaßmänner als gewählt. Di- auf den Ii. De- »ember 1921 leftgeletzle Wahl findet daher nicht stall. „ 5'h die«erfreter der V-rsich-rt-n im«»». lchuß siud zwei Wahlvorschläge eingereicht. Wahl. norschlag l ist emgemcht von Herrn ibuftao Till-k. beginnt mit bem Namen. bes Einreicher» nnb endet mit bem Namen Wilhelm Rosche!. Der Borschlag II ist eingereicht von Herrn Gustav Elich, deginnt ...—-r* 1 1■ v�nnuu cuai, ucgmnr ebenfall»»>« dem Namen de» Einreichers und schii-ßt mit dem Namen Wilhelm Zlliger. Beide Wahlvorschläge find ai» gültig anerkannt und findet demnach die auf den>6. Dezember l»2l von nachmittag» 2 b>» 8 Uhr im Restaurant Fleischer, Saekcstraße 7, angesetzte Stimmabgabe statt. Beritn-Stchtcrseide, den L Dezember 192L Der Vorstand der«Agemeinen Qrtskrauk.akaife ffir BeeNn» Lichterselde. Ott» Gebert, Borsiacnder Z l/lS Larüerode Iför Herren, Damen u. 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