Nr. 570 ♦ 38. Jahrgang Ausgabe Nr. 28S BezugSvr?iS: vikrlkljähr,.'.i,— i)L, monoti. 15,-9)1. frei»>s Saus, voraus za!> bar Post- tczug MonruUch 12.— M. rinirkil. Zu- ftell»>ia»iiedU!>r. Unicr Krruüiiaud lü> Doullchlanb.?an.»g. das Eaar- und Memelpediel. owu? die edema!» deul- Ichen Gebieie Polens Oeiierreich- Ungarn und Luxemoura 25.— M.. für das Udrige Ausland 52.— M Poft- befteünngen nehmen an Oeflemich Ungarn Tlcherdo■ Slowakei, Düne- mark. Holland. Lnremdnrg. Schweden und die Schweiz � Set.Borwäns" mit der ionntogs* teilage„Poll und Zeil" der Unier- haliungsdeilage„Heimwe N und der Beilage.Siedlung und Klemgnrlen* »richeini wocheniäglich zweimal. Sonn- lag» und Moniag» einmal. Teegranun-Adresie »Sozialdemokrak?cr»n" Morgen Ansgabe �- v Bcrliucu Bolhftlilatt (SO Pfennig) Anzeigenpreis: Di» zchngeipallen, NonpareMezeile kofiei 7.— Ai.„Kleine Anzeigen- das eligedrulkie Wor> 3,— Uli.(zu- lätr« zwei longednnkie Woriel. ,ede, weiieee Wori> 50 M. 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Deznrber. tE?) wie der„Torriere della Sera" an» London meldet, hält die bntijche Regierung J rankreich über Ihre Zinsichlcn und ihr Vo haben in der Wiedergutmachungsfrage auf dem laufenden. Außerdem unternimmt ein höherer Beamter de» Schaß- Ministerium» ein« Reife nach Rom und Draffel. um auch Zlaiicn und Belgien von den Plänen der briiifchen Regierung zu unier rtchien. Die engTche Regierung trag! der Notwendigkeit Rechnung, daß jeder Plan die Z.istimmunz aller Alliierten und diejenige Deutschlands finden muffe, da nur ein einheilliches Zusammenwirken oller MSch'.e dem finanzkellen und wirtfchaf.lichen Chaos ein Ende zu machen imstande fei. Es wird betont, daß die Anregung die Revifion oller Wiedergutmachungsabkommen feit dem waffenstillstondc bezwecke. Die Pläne der englischen Regierung feien jedoch noch nicht genau bekannt. Man wisse noch nicht einmal, ob es sich um eine Anleihe oder um ein Moratorium handle. Auf jeden Fall soll für jeden Skaat das Znteilungsverfahren der Wiedergutmachungen beftimmi werden. das seinen Bedürsaisjen und Znteresfen am besten entspreche. Mahnuna üer ReparationskommWon. Paris, 2. Dezember.(<£<£.) Bei ihrer Anwesenheit in Berlin hatte die Reparalionskommlssion die deutsche Regierung aufgefordert. bi» zum 1. Dezember die Ergebnisse ihrer Berhaud lungcn zur Le- schafsung der notwendigen Mittel für die am t. Januar und am ». Februar sölligen Zahlungen bekanntzugeben. Diese Milteilung war bi» gestern noch nicht eingetroffen. Die Rcparalionskommission hat auf einstimmigen Beschluß den Reichskanzler tclegraphifch in nachdrücklicher Form auf die Zahlungen vom Januar und Februar verwielcn und erbittet gleichzeitig Mitteilungen über die Lage in Deulfchland und über die Finanzpolitik der Regierung. GleichzeUlg wurde der geschriebene Worklaut durch Eilboieo nach verlin über- mikkell. Srianü zurück. Le havre, 2. Dezsmber.(chavas.) In Beantwortung der De> grüßungsrede erklärte Briand, feine Aufgabe in Washington sei in- folge der ausgezeichneten Leweisgründe, über die er verfüge, leicht gewesen. Diese Beweisgründe hätten der Welt vorgelegt werden müssen. Frankreich habe einer Versammlung wie der von Holding einberufenen mit dem edlen Ziele der Verminderung der militärifchcn Lasten, die so schwer aus den Völkern liegen und die nach dem grau- samen Kriege vermindert werden müßten, nicht fern- bleiben können. Die Initiative Hordings sei sehr edelmütig. Nie- mal» sei Frontreich taub gegen diese Rufe gewesen. Es habe in Washington wie früher im Haag geantwortet, wo der Wille eine« Landes mit schlimmen Absichten allein die einstimmige Annahme der Vorschläge für die Wahrung des Friedens verhindert habe: Frankreich habe in der Vergangenheit alles getan, um einen Krieg zu vermeiden, es sei in dieser Hinsicht über jeden Verdacht erhaben. Dann wiederholte Briand zur Abwehr der Angrisse wegen seiner Washingtoner Rede das, was er dort über das gefährliche Deutschland und über Frankreichs Friedensliebe gesagt hatte, und schloß: Frankreich habe, da es die schrecklichsten Verwüstungen lm Kriege erleiden muhte, schwere Opfer in finanzieller 5ztnsicht zu bringen, aber es könne eine Entschädigung in dem ungeheuren Prestige finden, da» es in der Welt genieße. Briand forderte auf, die Einigkeit auch im Frieden aufrechtzuerhalten, die zum Siege geführt habe. Trotz der Schwierigkeiten wolle er auf dem Wege fortschreiten den er betreten habe. Poris, 2. Dezember.(EE.) Bei feiner Ankunft auf dem Pariser Sahnhof St. Lazcire wurde Briand von einer Menschenmenge bejubelt. Nur einige junge Monarchisten versuchten Gegentundgebungen, wurden aber zunächst jämmerlich verprügelt und dann verhaftet. Briand begab sick ins Elysee, um Millerond Bericht zu erstatten. Dann empfing er den italienischen Botschafter Bonin-Longare. New Park. 2. Dezember.(WTB.) Der Vorsitzende der Inter- national Acceptance Bank. Paul Warburg, erklärte, auf die Herabsetzung d�f Rüstungen müsse eine Aenderung der Reparakions- bedingungen fdlgen, damit Deutschland in den«Stand gesetzt werde, sie auszuführen. Parls, 2. Dezember.(TU.) Der„Matin" meldet, daß die französische Regierung den neuen Rcparotlonsplänen Lloyd George» ein französisches Projekt entgegensetzen wird, das ausgearbeitet worden ist, um den Schwierigkeiten zu begegnen, die durch den Sturz der Mark hervorgerufen worden sind. Briand und Loucheur würden im Zuge Le Havre-Paris eilte wichtige Besprechung darüber haben. London. 2. Dezember.(TU.) Der„Evening Standard* meldet, daß Briand sofort eine Besprechung mit Lloyd George anregen wird. Muß alles zerstört werüen! Das szefährliche Tpandau. Parl». 8. Dezember. Der Sonderberichterstatter de» ,.P e u p l e*. der die Delegation der Genfer Arbeitskonferenz durch Deutschland begleitet, schreibt seinem Blatte, man nehme von diesem Besuche die Ueberzeugung mit, daß es zurzeit unmöglich sei, in Spandau für militärische Zwecke zu produzieren. Man habe dort wie anderwärts nicht nur die gesamt» Ausrüstung zur Herstellung großen Material» und alle für die frühere Produttlon geschossenen Einrichtungen zerstört, sondern auch alle Maschinen, die der Fa- brikation von Waffen und Munition dienstbar gemacht werden könnten, ohne von vornherein ausschließlich dafür geeignet zu sein. Die Deutschen Werke, fährt der Berichterstatter fort, wünschten ihre Einrichtung abzuändern und zu erneuern, die Interalliierte Militär- kommission lehne das ab. Man könne sich wohl die Gründe vor- stellen, die sie zu einer solchen Haltung veranlahten, indessen be- greife man schwer, warum sie den kaufmännischen, rationellen Betrieb eines Unternehmens unmöglich mache, zu dessen B e st e h e n sie im Prinzip die Erlaubnis gegeben habe. In zahlreichen Fällen sei da» gleiche Verfahren in den verschiedenen Zweigen der Span- dauer Fabriken und in großem Maßstabe In allen Betrieben der Deutschen Werte angewandt worden. Besichtigung bei ffrnpp. Esten, 2. Dezember.(WTB) Die Genfer Kommisston bestchtigtc heute unter Führung Wistells die Kruppsche Gußstahlsabrik. Die zer- störten Maschinen und Einrichtungen zur Erzeugung von Kriegsgerät stellen Im Gewicht 27 000 Tonnen dar, deren Wert, wenn sie heute wiederhergestellt werden sollten, 800 Millionen betragen würde. Sachkoften öer MilitärmWonen. Laut Dena beiragen die Ausgaben siir die inieralliierten Militär- kommissionen in Deuischland im Monat Okiober 1 238 330,50 M. hielvon entfallen auf: Unterbringung der Ueberwackung«- ausichüsse in ihren Standorlen einschl. GeiltzäsiSliiiinier. M.• VL HeereS-UeberivochungSauSsckiusl.,, 580 993,01 Luflkabri-UebeilvacbuiigSauSsckiiß.. 1 10 942 98 Marine-UeberwachungSaueichuß... 139 724.08 831 350,07 Kraftwagen innerbalb und außerhalb ibrer Slandone einschließl. Kiastwagen- umerdaliiing. M. Heere4-U �erwachuiigSaiiSklbuß... 155 872,5? Luflfahrl-UebcrwachungeauSsii'uß.. 8l 252,75 Marine-UeberwachungSouSichuß.. 37 340 95 225 455,34 Sonstige Ausgaben. HeereS-UebcrwachungSauSsibuß... 125 145,87 Lufiiahri-UeberwachungsauSslbuß,. 2ö 131,25 Marine-UeberwachungSauSichutz.. 29 923,93 181 204,09 1 238 330,50 ' wer bezahlt Sie Nheknstaatgrünöer! Der Führer der„Rheinischen Doltspartei*. S m e e t s, hat an den gewesenen englischen Abg. Joseph King ein als„Prästdent* ge- zclchnetes Schreiben gerichtet, worin er die Errichtung der„Rheinischen Republik" ankündigt. Aus der Erwiderung, die Herr King dem Lon- doner Korrespondenten der„Franks. Nachr.* zur Verfügung gestellt hat, sei folgendes wiedergegeben: Ich bin schon vor einiger Zeit zu dem Schluß gekommen, daß eine separate rheinische Republik nicht möglich. und wenn möglich, nicht wünschenswert wäre. Ich glaube, daß das rheinische Volk viel zu gut deulsch und der Idee eines ei n I g« n Deutschlands viel zu treu ist, als daß es geneigt wäre zu einer sepa- raten Existenz zurückzukehren, die nie etwas anderes sein könnt«, als Vormundschaf« von Frankreich» Imperialismus und Gier. Ich würde immer gern hören, was man gegen dies« rein« Ueberzeugung vorbringen könnte. Auf Ihrer Konferenz würde die ganze Zeit mich die Frage beschäftigen, wieviel llnlerstühung wohl ihr Veranstalter von der französischen Besatzungsarmce erholte. Ich be- merke zum Beispiel mit Bedauern, daß Sie Ihre Konferenz In der französischen Zone und nicht in Köln, der wirklichen Hauptstadt des Rheinlandes, abhalten, die van den Brite n besetzt ist. Mein eigenes Bemühen Ist darauf gerichtet, die militärischen Sanktionen sobald als möglich zu beenden, und ich hoffe, Ihre Konferenz wird dazu bei- tragen. Run wird Herr King In Paris wohl bald zum preußischen Agenten befördert werden._ Deutscb-öäniscber vertrag. Kopenhagen, 2. Dezember.(Ritzau.) Bei den deutsch-dänischen Verhandlungen wurde vollständig« Einigkeit über den Wortlaut einer Reihe Verträge erzielt. Nach dem Vertrag über die Regelung der Waster- und Deichvcrhältnisse im Grenzgebiet sollen gemeinschast- liche deutsch-dänische Körperschaften innerhalb einer möglichst kurzen Frist Borschriften in bezug auf die Wasterläufe und deren Benutzung erlassen. Streitfragen werden durch«ine Grenz-Wasserkommission geregelt, gegen deren Entscheidung in den meisten Fällen bei einer Ober-Grenzwastertommission Berufung erhoben werden kann. Diese besteht au» je zwei von jedem Lande ernannten Mitgliedern sowie aus einem Obmann, um besten Ernennung die zwei Regierungen ersorderlichenfalls die niederländische Regierung ersuchen werden. Dr. Hermes nicht vostchasler in Rom. Wie die„Dena* hört, ist die Meldung von der in Aussicht genommenen Besetzung des vakan- ten Botschatterposten» in Rom.mit dem Reichsminister Dr. Hermes unrichtig. Eine Kandidatur Herme» für diesen Posten ist niemals beabsichtigt gewesen,..______ Wie Kühlmann fiel... und Ludendorff den Krieg verlor. Jm�Verlag von Duncker u, Humblot erscheint soeben ein 4SI Suiten starker Band:„D i e T r a g ö d i e D e u t s ch- lands. Bon einem Deutsch en." lieber das übliche Niveau der namenlosen Literatur hebt sich dieses Buch durch Anschaulichkeit der geschichtlichen Darstellung und Schärfe der Kritik weit empor Der ungenannte Verfasser steht der Sozialdemokratie offenbar fern, näher aber, wie es scheint, dem ehemaligen Staatssekretär o. K ü h l m a n n, der ini Juli 1918 von Ludendorff gestürzt wurde, weil er im Reichs- tag gesagt hatte, der Krieg sei mit militärischen Mitteln allein nicht zu beendigen. Was er über dieses Kapitel zu erzählen weiß, sei hier wiedergegeben. Red. d.„Vorm.". Ludendorff war so geblendet vom rein Militärischen (und da unter Ausschaltung der großen strategischen Gesichts- punkte), daß er selbst im Sommer 1918, als seine Offensiv» schon gescheitert war, den Versuch- einer Verständigung mit England hintertrieb. Um diese Zeit war K ü h l m a n n Staatssekretär des Aeußeren. Er hatte in England einen sehr guten Namen. Er war es, der als Botschaftsrat in London trotz der unendlichen Schwierigkeiten der Lage noch 1914 ein glänzendes Abkommen mit England zustande gebracht hatte, das Deutschland eine ihm günitige Lösung der afrikanischen und orientalischen Frage zusicherte und tatsächlich eine den Weltfrieden noch in letzter Stunde garantierende Annäherung Englands an Deutschland erreichte. Die näheren Details dieses Abkommens, das heute geradezu erschütternd wirkt, sind in Nowak,„Der Sturz der Mittelmächte", S. 159 ff: angegeben. Der große englisch-deutsche Vertrag war am 8. Luli 1914 fertiggestellt. Das Neutralitätsabkommen mit England für den Fall eines Krieges zwischen Deutschland und Frankreich» Nußland wäre die zwingende Folge dieses Vertrags gewesen, dessen Ratifikation für den 4. August 1914 vereinbart war. Küblmann halte sich, als an Stelle dieses großen Friedens- werkes tust am 4. August der Krieg entbrannte, zurückgezogen. Sein Wort bei Beginn des Krieges:„Was wir heute ver- suchen, hat ein Größerer verflicht und ist daran gescheitert— Napoleon" konnte denen, die sich so unendlich groß vorkamen, nicht gefallen. Nun hatte man ibn wieder„ausgegraben" und sein erster Schritt war...England entgegen. Küblmann wußte ganz genau, daß der K r i e g m i l i t ä r i s ch nicht zu gewinnen war, also wollte er ihn diplo- matisch in ein einigermaßen erträgliches Gleis schieben. Zlber er scheiterte, weil eben die maßgebenden Leute in Deutschland nicht Verstand oder nicht Mut oder nicht Ehrlichkeit genug hatten, sich und anderen zu sagen: Wir werden, wenn wir nicht einen Verständigungsfrieden schließen, den Krieg lata- stropbal verlieren. Man glaubte immer noch an den Sieg oder fühlte sich nicht stark genug, die Konsequenzen seines Nickitglaubens zu ziehen. Es war so ähnlich wie bei Kirchenfesten, wo die höchsten Beamten und Generale in der Fülle ihres Ilnglaubens dienstlich die Gläubigkeit zur Schau tragen. Kühlmann tat das nicht. Er streckte seine Fübler nach England schon 1917 aus. Im Frühjahr 1918 kam Echo auf seinen Ruf aus Eng- land. Auf dem«tatns mm ante(Stand vor dem Kriege. Red. d. V.) m a r ein Friede möglich. Ende Juni deutete ein« Rede des Generals Smuts in Glasgow auf die Neigung Englands, mit Küklmann zu verhandeln, ganz leise bin. Kühlmann hielt gleich darauf seine berühmte Rede im Reichstag, Cr traute dem Reichstag zuviel zu. Graf Westarp, der Deutschkonservative, stürzte sich alarmierend und mit der Plumpheit eines Bären auf Kühlmann und brüllte: Wie uns unser gutes Schwert den Frieden im Osten gebricht hat, so wird unser Schwert uns den Frieden auch im Westen bringen niüssen. Der Angriff der Alldeutschen zerstörte das feine und aus» sichtsreiche politische Gewebe Kühlmanns. Man wollte den Frieden aufdem 3tutus quo»nteselbst im Juli 1918 nicht. Man wollte der Welt den all- deutschen Frieden diktieren! Kühlmann machte nun große Fehler. Er hätte an seiner Rede nicht selbst in der nächsten Sitzung deuteln sollen, so daß es aussah, als revoziere er. Er wandte sich in letzter Not an den Kaiser, legte ihm durch einen Vertrauensmann den günstigen Verlauf der Seheimverhandlungen mit England vor. Der Kaiser, haltlos wie immer, ließ Kühlmann fallen. Kühlmann ging selbst zum Kaiser, sprach klar und deutlich zu ihm: Weltgeschlchtüch sei der Augenblick, wie kein anderer bisber, der Krieg sei verloren, wenn die Fäden zu England nicht zur Brücke würden. Da griff Ludendorff, der sich in Aoesnes befand, ein, und zwar von dem Standpunkt aus, den es charakterisiert, wenn in jenen Tagen an der Tafel des Generalquartiermeisters Kühlmann offen und laut als„Hoch- Verräter" bezeichnet wurde. Weil man„die Armee nicht halten könne"(!!), entschied Wilhelm II., das heißt Ludendorff. den Rücktritt des Staats- fekretärs von Kühlmann, entschied Ludendorff den endgültigen Verlust des Kriege». Auf Kühlmann folgte her ganz unbedeutende, geist- reichelnde und in den Augen sehr vieler charlatanartige Ad- miral von Hintze. In England hatte die Richtung des leuoeli <»it im.Kamps mit Deutschland durch den Rücktritt Kühlmanns die unbestrittene Oberhand bekommen. Und der kuode out kam... Ludendorff hatte vollkommen die Nerven verloren. Sein Einfluß auf die Reichsleitung hatte jede Möglichkeit, den Krieg mit diplomatifch-politischen Mitteln zu beenden, zerstört. Noch Mitte Juli 1918 verkannte Ludendorff selbst die mili- tärische Lage so sehr, daß er m i t Bestimmtheit erklärte, die Iulioffcnsive werde den Feind endgültig und entscheidend besiegen. Am 14. August, in einer Besprechung im Großen Hauptquartier, erklärte, ohne daß der anwesende Ludendorff ividersprocheu hätte, der Staatssekretär des Aeußeren:„Der Chef des Generalstabs hat die kriegerische Situation dahin definiert, daß wir den Kriegswillen unserer Feinde durch kriegerische Handlungen nicht mehr zu brechen baffen dürfen und daß unsere 51riegführung sich als �iel setzen muß, durch eine strategische Defensive den Kriegswillen der Feinde mählich zu lähmen." Mau wollte auf den günstigen Moment, diplomatisch han- dein zu können, warten und der Reichskanzler glaubte, daß dieser„nach den nächsten Erfolgen im Westen"(!) gekommen sein werde. Zu einer Minderung der aufgestellten Kriegsziele war die Oberste Heeresleitung am 14. August nickt zu haben. Im Gegenteil, Hindcnburg sprach gegen Ende der Besprechung plötzlich wieder die Hoffnung aus. daß es doch nach gelingen werde,„dem Feinde unseren Willen aufzuzwingen". Demzufolge lebnte der Reichskanzler Graf H e r t l i n g am 3. September 1918 ein sofortiges Friedensangebot ab. Am 19. September erklärte sich Hindenburg bereit,„die Vermittlung einer neutralen Macht zur Herbeiführung einer Auslprack»? ohne A u f s ch u b" annehmen zu wollen. Dahin gehende Versuche scheiterten jetzt natürlich. Vom 21. Scp- tember au wird der Gedanke, sich an Amerika direkt zu wenden, ventiliert. Am 29. September gehen nach Wien und Konstontiuopel Telegramme ab, in denen die Reichsregierung vorschlägt, Präsident Wilson aus Grund seiner 14 und 4 Punkte vom 8. Januar und seiner Leitsätze vom 11. Februar Frieden anzubieten und ibn einzuladen, eine Friedenskonferenz nach Washington zu berufen unter Aufforderung zu sofortigem Waffenstillstand. Hierbei wurde offiziell mitgeteilt, daß unsere militärisäie Lage schwierig sei. Diese militärische Lage wurde von jetzt an von der Obersten Heeresleitung mr so gefährlich angesehen, daß Luden- dorff, der in scinein Willen vollkommen zusammengebrochen war, die Reichsregierung bestürmt, Frieden zu schließen. Er, der jeden Gedanken an Flieden bisher zertreten hatte! Hismarck über üie �llösutstben. Im Verlag für Politik und Wirtschast erscheinen dem- Nächst Briese Bismarcks an seinen Sohn Wilhelm. Darunter befindet sich einer vom 1. August 1866 aus Nikolsburg, der folgende Stelle emhölt: Morgen früh fahre ich auch nach Brünn und bin, so Gott will, am Sonnabend über Prag in Berlin. Roch Wien kommen mir leider nicht, aus Gründen, die ich einstweilen Deinem politischen und mili- tarischen Scharfsinn zu erraten überlasse. Am Sonntag wird der "Landtag erossiiet. Da werden sie allerhand auszusetzen haben. Sah wir nicht sehr viele Länder noch, und d e s K a i s e r s Bari» n d den Mond u n s i m Frieden ausbediingen haben, und ich werde der Eündenbock für alles fein. Mcinetivegen: der Wind, der durch die Schwätzerkehlen fährt, ist mir noch gleichgültiger als das Heulen desjenigen, der augenblicklich sich hier an meinem Eckfenster austobt. Daraus darf man wohl schließen, daß Bismarck schwerlich Mitglied der Vaterlandspartei geworden wäre, wenn er das Unglück gehabt hätte,„die große Zeit" noch zu erleben? flu* der Jestung Nieöersthönenfelö. Während das Drama„M äffe Mensch" seit Wochen in immer wiederholten Aufführungen das Publikum unserer Volks- bühne erhebt und begeistert, schmachtet der Dichter, der dieses Werk schuf, als Strafgefangener in der berüchtigten bayerischen Festung Riederschönenfeld. Ernst Toller hat seine Schöpfung nicht auf der Bühne gesehen und er wstd sie nie sehen, wenn die Justiz ihren „freien Laus" nimmt. Er erfährt durch Zeltungsberichte von dem platonischen Dank, den ungezählte Menschenmassen ihm zollen, praktisch aber lernt er den Dank in der Behandlung kennen, die die bayerische Strafvollstreckung ihm widerfahren läßt. Wie es den politischen Gefangenen in Niederschönenfetd ergeht, wissen unsere Leser aus zahlreichen erschütternden Berichten. Ain morgigen Sonn- tag, abends �8 Uhr, wird in der Stadthalle(Klosterstr. 47—59) eine künstlerische Veranstaltung stattfinden, deren Ertrag dazu dienen soll, das Los der Unglücklichen ein wenig zu lindern. Als Borklang zu der Veranstaltung geben wir nachstehend einen Brief wieder, den Toller dieser Tage an unseren Mitarbeiter Hans Wesemann gerichtet hat. Zur Erklärung des Inhalts fügen wir hiuzu, daß der lungenleidende Dichter vor etwa vier Wochen um einen kurzen Urlaub gebeten hatte, der der Konsultation eines Arztes und zugleich dem Besuch seiner schwer erkrankten Mutter dienen sollte. Der Brief lautet: „Sie werden iuzwischen erfahren hoben, daß mein Urlaubs- tzesuch(trotz der Kautionsanbictung meiner Mutter) nicht bewilligt wurde. Ich, lebte in den Wochen vor der Entscheidung in einer gewissen Spannung. Sowie ich die Entscheidung„Eignet sich nicht zur Berücksichtigung" vernahm, überkam mich ein« große Ruhe. Wer wirklich Sozialist i st, der hat die seeelische Kraft, die ihm auch in Zeilen der Hast, der Demütigung, der vollkommenen äußeren Unfreiheit eine mistende, ja eine heitere Gelassenheit gibt. Ich würde mich ärmer machen als �ch bin, wenn ich nicht sagte, daß auch die Hast reiche Stunden der Ersülltheit, des Lauschens nach innen, der Hingabe an die vielen winzigen Ding« kennt, deren Bedeutung, Bewegtheit, Schönheit so recht eigentlich erst vom Menschen mönchischen Lebens geahnt, erschaut, gefühlt werden. Man flattert zu viel draußen und ist blind, so liebt man zu wenig und nicht brüderlich, hingegeben genug. In der Zelle lernt der Mensch die beglückende Fülle seiner Liedesniöglichkeiten sehen. Wie unendlich hol mich hier schon eine weiße Hauswand beschenkt, deren sanft gerundete Konturen mich im Spiel immer neu«r Lichter der Morgen, 0«r Mittage, d«c Dämmerungen, der Abende beseligen. Ich sehne mich nach Freiheit— wer sehnt sich darum nicht! Die Haft hemmt meine Schaffenskraft, aber sie hemmt sie nur! — Nicht mehr. Darum(mißverstehen Sie mich büke nicht): Ich kann kein« Hilfsbereitschaft annehmen, solange sie einzig mir gilt. Ich bin durchaus nicht der Aermst« der Gefangenen. Ich habe Stunden, in denen ich nianche„freien" Menschen draußen— bemitleide. Denken Sie an jene Beklagenswerten, deren tiefe Quellen »ine unvernünftige und bösartige Gesellschaftssorm,»Kultur" ge- der Sumpf üer �unüertschast Stennes. Der Prozeß um den ermordeten Wachtmeister Buchholz hat mit dem Freispruch der Angeklagten geendet. Dieser Freispruch beweist nur, daß den Angeklagten Erren und Meyer ihre Täterschaft nicht mit voller Sicherheit nachgewiesen werden konnte. Er widerlegt nicht, daß Buch- holz ermordet worden ist, er widerlegt nicht, daß der Mord in den Reihen der Hundertschaft vorbe- reitet und von ihren Angehörigen ausgeführt worden ist. Vor allem hat dieser Prozeß gezeigt, daß diese von reaktiv- nären Beamten hochgepriesene Hundertschaft eine äußerst un- appetitliche Einrichtung war. Der aus dem preußischen Innen- Ministerium entlassene Herr P r i e s d o r f s und der Polizei- oberst Weber konnten freilich gar nicht genug Rühmens da- von machen, daß diese Hundertschaft„wie Pech und Schwefel" zusammenhielt. Es ist erwiesen, daß die Hundertschaft entgegen dem Ge- setz und ausdrücklichen Anordnungen Waffen verborgen dat. Es ist erwiesen, daß diese Waffen, als eine Revision er- folgen sollte, in der Nacht vorher weiter ver- schoben morden sind. Es ist erwiesen, daß die Hundertschaft glatt gemeutert hat, als Oberst Kaupisch, der Berliner Kommandeur, zum Zweck der Waffensuche die Kaserne betrat. Es ist erwiesen, daß gegen die Mitglieder, die sich auf den Boden des Rechtes und des Gesetzes gestellt hatten. nächtliche Fehmgerichte veranstaltet wurden. Es ist erwiesen, daß bei dieser Hundertschaft ein Geheimbund bestand, dem sich alles zu fügen hatte. Bei solchen Zuständen iit es dann nicht weiter wunderbar, daß dos letzte Dunkel, das über der Ermordung des Wachtmeisters Buchholz liegt, nicht gelüftet werden konnte. Jedenfalls aber erfahren wir bei dieser Gelegenheit, daß von der Hundertschaft politische Agenten besoldet wurden, und daß bei nachlässigffer Buch- führung sebr beträchtliche Summen— über zwei Millionen Mark— von der Hundertschaft verausgabt wurden. Wer wirklich Ordnung im Staat wünscht, den wird die Auflösung der Hundertschaft Stennes allein noch nicht befriedigen. Es muß dafür Sorge getragen werden, daß nicht andere Teile der Schutzpolizei von diesen Elementen verseucht werden. Die Herren„Ringmannen", die ja so lebhaftes Interesse für die Auswanderung nach Japan zeigten, mögen sich in Gottes Namen dorthin begeben. I n der preußischen Schutzpolizei darf kein Platz n, ehr für sie sein. Dollar und vaterlanö. Die Zeitungen der Rechtsparteien nehmen zum Sturz des Dollars eine Stellung ein, die so recht zeigt, wie man in jenen Kreisen über den Zusammenhang von Spekulation und Deutschland denkt. Daß in der nahezu gesamten bürgerlichen Presie Finanzmänner, Interessenten und Redakteure den Kurssturz abbremsen möchten, ist verständlich aus Rück- ficht auf erhebliche Teile des Leserkreises jener Blätter. Mit derlei kleinen Beruhigungsvsrsuchen sind aber die reaktiv- nären Zeitungen nicht zufrieden. Man haßt ja das neue Deutschland, folglich darf es ihm auch nicht besser gehen, darf es nicht aus seinen großen Schwierigkeiten herauskommen. So predigt-gestern abend der„Tag" über die S ch w i e r i g- keiten des Moratoriums und meldet mit Behagen, daß für Deutschland keine direkte Anleihe geplant sei. Das wird in fetten Buchstaben und zwei Spalten breit in die Welt hinausgeschrien. Im gleichen Ton schreibt die„Deutsche Tageszeitung". Den Ungeniertesten und„patriotischsten" Ton schlägt selbstverständlich die„Deutsche Zeitung" an. Sie nimmt die Meldungen ihrer Pressefreunde und schreibt dar- über:„Mißerfolge Rathenaus und Bergmanns." Das Frage- zeichen dahinter werden die inneren Feinde Deutschlands schon richtig verstehen. Sie missen, ihre Zeitung will ihnen raten: bleibt ruhig, werdet nicht ängstlich, haltet eure Devisen und nannt, versiegen ließ, deren Familie dem proletarischen Hunger- schicksal verfallen. Ich grüße Sie herzlich! Ihr Ernst Toller. Festung Niederschönenfeld, 2ü. November 1921." Ein Mann, der so denkt und empfindet, wird von der Regierung des Freistaats Bayern hinter Kerkermauern gehalten, auf daß die Menschheit durch ihn keinen Schaden erleide! Als wir einst auf der Schulbank von den tragischen Schicksalen der gefangenen Dichter S ch u b a r t und Fritz Reuter hörten, da dampft« unsere Empörung der Gedanke: so etwas konnte nur in den Zeiten des Despotismus geschehen und diese Zeiten sind glück- licherweise für immer dahin. Was werden aber unsere Kinder und Enkelkinder sagen, wenn sie im Literaturunterricht von E r n st T o l l e r s Leben und Leiden erfahren? Wie wird ihr Urteil über uns heute Lebende lauten, die wir diese Schmach geschehen lassen, drei Jahre nach der Revolution, zu einer Zeit, da über die Häupter der reaktionären Umstürzler und Hochverräter die Gnade und verzeihende Milde der Obrigkeit in unerschöpslicher Fülle segnend sich ergießt? Was Toller der Politiker immer gesündigt haben mag, es ist gesühnt durch das Matyrium, das der Gefangene bis- her erduldete, und es ist tausendfach ausgewogen, durch die Gaben, die Toller der Dichter dem deutschen Bolke bot. Jeder Tag, den dieser Mann noch als Gefangener verleben muß, mehrt die Schande, die auf Deutschland und das deutsche Volk fällt, und jeder, der zu dieser Barborei schweigt, macht sich zum Mitschuldigen an ihr. Eine jungsoziallstisch« INonalsschrist. Im Einverständnis mit dem Parteivorstand gibt der Zentralbiidungsausschuß ab Januar 1922 unter dem Titel„Iungsozialistische Blätter" eine Monatsschrift für die Iungsozialisten heraus. Die Redaktion der Schrift wurde dem Genossen Karl B r ö g e r, Nürnberg, übertragen. Damit wird einem langgehegten Wunsche unserer jüngeren Partei- genossen entsprochen, denen das Blatt zur Vertiefung ihrer Weltan- schnuung und zur Erörterung jungsozialistischer Probleme dienen soll. Darüber hinaus wird es aber nicht nur ein Organ für die Jung- sozialisten sein, sondern für alle, die— ob jung oder alt— vom Boden der sozialistischen Erkenntnis aus zu den großen Fragen unserer Zeit Stellung nehmen wollen.— Bestellungen für die „Iungsozialistischen Blätter" sind an den Zentralbildungsausschuß der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands(R Weimann), Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, zu richten. Der Preis beträgt für das Quartal 10,50 M. und ist im voraus an die gleiche Adresse zu senden. Den Organisationen, insbesondere den Iungsozialistischen Gruppen, wird eine rege Propaganda für die neue Zeitschrift zur Pflicht ge- macht. Werbematerial ist durch den Zentralbildungsausschuß zu be- ziehen. Zur Beschlagnahme der Karikaturen von Georg Groß. Wie der Molik-Verlag festgestellt hat, beruhte seine erste Mitteilung in- sofern auf einem Irrtum, als die polizeiliche Beschlagnahme des Heftes„2>as Gesicht der herrschenden Klasse" nicht durch das Reichs- Effekten fest, treibt die Preise nicht herunter, spekuliert weiter auf zunehmendes Elend in Deutschland. Mit solchen Alarmnachricksten will man vermeiden, die Gesinnungsgcnoffen darüber zu unterrichten, daß die Repara- tionsfragen in ihrer Gesamtheit vor grundsätzlichen Umbildun« gen stehen, die Deutschlands Lage und damit die der� Weltwirtschaft in gesündere Bahnen zu leiten geeignet scheinen. Das ändert eben nichts daran, daß einem richtigen Patrioten der Dollar über dem Vaterland steht. Die Justiz lernt um. Tie reaktionäre Presse gcnicstt den«chutz des§ 103. Bis zur Revolution haben die Gerichte in konsequenler Recht- sprechung der Presse den Schutz des§ 193 abgesprochen, indem sie der Presie nicht das Recht zubilligten, öffentliche Mißstände zu rügen. Jetzt hat— nach dem Vorangang mehrerer Gerichte unterer Instanz— das Oberlandesgericht Naumburg als höchste Instanz in einer Strafsache gegen die deutschvationale„Hallesche Zeitung" dieser den Schutz des � 193 zugebilligt. Das Gericht begründet seinen Standpunkt damit, daß die Staatsumwälzung vom November 19l8 die Beziehungen des ein» zelnen zum Staat gewaltig geändert hätten. Wenn das Gericht aber behauptet, daß der einzelne nach der Revolution an den politischen Ereignissen viel inniger inte ress irrt sei als vor de? Re- volution, und dabei die Märzunruhen als Beleg anführt, so begreift man das Gequälte einer solchen Argumentation sofort, wenn man sich an den Weltkrieg erinnert, der doch unter dem ölten System ausgebrochen ist. Schließlich war durch den Weltkrieg der einzelne mindestens so in Mitleidenschast gezogen wie durch die Märzunruhen. In Wirklichkeit verhält sich die Sache so, mögen auch die Gerichte es sich innerlich nicht eingestehen wollen: Bor der Revolution kam die Opposition gegen die Regierung von links, nach der Ne- volution kommt die Opposition gegen die Regierung von rechts. Gegen das alte System zu opponieren, galt den reaktionären Richtern als unsühn barer Frevel, die Opposition gegen die Republik aber erfreut sich der richterlichen Sympathie. So und nicht anders erklärt sich die veränderte Auslegung des�Z 193, mag das Gericht auch durch feine Begründung sich selbst über diesen Sack»- verhalt hinwegtäuschen.__ Revision ües Desolöungsgesetzes. Infolge der fortschreitenden Teuerung sahen sich die gewerk- schaftlichen Spitzenorganisationen zu gemeinsamen Verhandlungen über die Gehaltsaufbesserung der Beamten veranlaßt. Die Verhandlungen kommen heute zum Abschluß, so daß bereits in den nächsten Tagen mit der Regierung Verhandlungen über die Forderungen stattfinden können. Die Gewerkschaften fordern eine Erhöhung der Grundgehälter in sbesondere der unteren Gruppen und die Beseitigung der jetzi- gen unsozialen gleichmäßigen Teuerungszu- schlage. Es handelt sich bei dem Vorschlag der Gewerkschaften im wesentlichen um Wünsche, die bereits bei der letzten Gehaltssteigc. rung der Regierung als Forderung unterbreitet oZurden und die «ine Steigerung z. B. der unteren Gehaltsklassen von 12 000 bi« 16 000 M., der höheren Klassen von 53 000 bis 80 000 M. vorsth-n. Die durch' den Borschlag der Spitzenorganisationen entstehende Mehrbelastung des Reichshaushalts erreicht keinesfalls die Höhe von 60 bis 70 Milliarden, wie von einem Teil der Presie gemeldet wird. Diese Angabe scheint von einer Seite auszugehen, deren Bestrebunaen den Wünschen der Mehrheit der Beamten wider- spricht und die lediglich auf eine Aufbesserung der sozialen Bezüge der Beamtenschaft hinauslaufen. Der Deutsche Gewerk- schaftsbund beteiligte sich an den Verhandlungen der Spitzenorgani- sationcn nicht, da seine Wünsche von denen der anderen Organisa- tionen abweichen. Zustlzrat Dr. Broh teilt uns mit. daß er bereits vor der März- oktion aus der KAPD. ausgetreten ist, als sie sich an die Moskauer Internationale sympathisierend angeschlossen hatte. Ministerium, sondern durch das preußische Ministerium des Innern veranlaßt worden ist. Ebenso wie wir vom Ge- nosien Köster überzeugt waren, daß er persönlich diesem Borgehen fernsteht, sind wir es auch vom Genossen S e v e r i n g. Unsere Aufforderung, dem schuldigen Gehcimral energisch aus die Finger zu klopfen, richtet sich jegt an ihn. BUt dem Deuffchen Boten kreuz in Rußland. Ein Mitglied der Hilfsexpedition des Deutschen Roten Kreuzes, die zur Bekamp- fung der Epidemien ins Hungergebiet nach Rußland abgegangen ist, Dr. Sauer, berichtet in der„Münchener Medizinischen Wochenschrift" aus Petersburg eingehend über die dortigen Gesundheitsvcr« hälMiffe. Die deutsche Expedition wurde von den russischen Be- Hörden, der gesamten Bevölkerung und besonders von den ärzt- lichen Kreisen auss herzlichste empfangen. Seuchen herrschen gegen- wärtig nicht in Petersburg. Die Sterblichkcitsziffer beträgt dort 30— 40 auf 1000, während in der schwersten Zeit eine Sterblichkeit von 103 auf 1000 zu oerzeichnen war. Besonders hoch ist die Sterblichkeit auch jetzt noch in den durch die Hungersnot ergriffenen Wolgagebieten, in denen amtlich eine Sterblichkeit von 700 pro 1000 bei den Säuglingen festgestellt wurde. Abgesehen von den Seuchen haben die übrigen Krankheiten auch in Petersburg durch die schlechten Ernährungsverhältnisie zugenommen, besonders die Tub«- kulose. Wie alle Familien unter dem Verfall ihrer Wohnungen und dem Mangel an Heizmaterialien leiden, so natürlich auch die Krankenhäuser und Kliniken, bei denen noch der völlige Mangel an Krankenbedarfsarliteln, Medikamenten und Verbandsstoffen hinzu. kommt. Die Verpflegung der Kranken gestaltet sich äußerst schwierig. Obwohl die Aerzte die gewöhnlichen Arbeiten des täglichen Lebens, wie Heizen, Wasiertragen usw. selbst ausführen müssen, wird doch Großes in wissenschaftlicher Arbeit geleistet. Der Bericht führt eine ganze Reihe neuartiger experimenteller Untersuchungen auf dem Gebiete der Pharmakologie, Chirurgie u. a. auf. Eine Reu- gründung ist das staatliche Röntgen- und Radiuminstitut, das mit den modernsten, fast ausschließlich deutschen Arbeiten auf» reichhaltigste ausgestattet ist. Der Andrang zum medizinischen Stu- dium ist ungeheuer. Es sind eine ganze Reihe neuer Universitäten gegründet worden. Eine imponierende Kundgebung für die Zu- sammenarbeit der deutschen und der russischen Wissenschast war die V i r ch o w- F e i er, die in einer dreitägigen Festsitzung begangen wurde. Flugleugmutterichisf und Flugzeuge ahne Mokcn. Während die Diplomaten die Möglichkeiten der Abrüstung erörtern, halten die technischen Stäbe der Seemächte keinen Augenblick im Ausbau ihrer Hilfsmittel zur höchsten Vervollkommnung inne. Die Nach- richten über Fortschritte auf diesem Gebiet überstürzen sich. Wie mit der drahtlosen Leitung von Schissen, so hat man auch mit Flugzeugen ohne Piloten, die nach dem gleichen System gelenkt werden, Erfolge erzielt. Nach englischen Blättern rechnet man damit, daß es in kurzem möglich sein wird, Flugzeug- mutterschifse auszurüsten, von denen aus eine Flottille von Flugzeugen so sicher dirigiert werden kann, als wenn sie von ge- schickten Fliegern gesteuert würde. Die Flugzeuge sind innerhalb des Schiffskörpers angebracht. Soll em Flug unternommen werden, Die kommunistiscken Verschleierungsversuche Die kommunistische Arbeitsgemeinschaft um Dr. Leoi die seinerzeit das belastende Material gegen die kommu- nistilchen Führer durch Frau Zetkin nach Moskau senden wollte, ver- öffentlicht jetzt, wie die L8.-Korrespondenz meldet, einen Aufruf an ihre Anhänger, in dem sie auf den völligen politischen und moralischen Zusammenbruch der KPD. hinweist und die Anhänger der Zentrale der KPD. auffordert, sich von ihrer Leitung zu lösen. Darüber hinaus will die Arbeitsgemeinschaft jetzt selbst in den Kampf zwischen der SPD. und KPD. eingreifen, da innerhalb der Zentrale der KPD. offenbar alles mögliche getan wird, um die jung st en Enthüllungen als Phantasie- reien zu bezeichnen. Darauf deutet wenigstens das Per- halten der Frau Zetkin, die in Remscheid in einer öffentlichen Versammlung zu den Enthüllungen des„Vorwärts" Stellung ge- nommen und die Berichte von Lemck, Bowitzki usw. als Phon- tasiegebilde bezeichnet hat. Die kommunistische Arbeitsgemein- fchaft ist der Ansicht, daß Frau Zetkin nur im Austrage der jetzigen Zentrale der SPD. in so bemerkenswerter Weise von Lemck und Dowihkl abrückt und erklärt, daß gerade sie es gewesen sei, aus deren vcronlasjung die Führer der Aufstandsbewegung zu ihren Berichten an Dr. Levi und seine Freunde veranlaßt wurden. » Diese Ausführungen liefern den Schlüssel des Perständnisies dazu, wenn jetzt plötzlich— eine volle Woche nach unseren Ver- Sffentlichungen— der Kommunist Gustav Schmidt- Halle erklärt, daß er den üuf seinen Namen lautenden Bericht nicht geschrieben habe, er sei vielmehr zustande gekommen auf Grund einer Unterredung mit einigen Anhängern der Levi-Gruppe.— Daß feine Ausführungen in dieser Besprechung etwa.falsch wiedergegeben seien, behauptet Schmidt selber nicht. Der„Roten Fahne" aber, die deswegen den„Vorwärts" als„Fälscher" entlarven möchte, möchten wir schonend zu bedenken geben, daß die Berichte nicht bei uns, sondern bei Frau Klara Zetkin gefunden wurden, die noch heute Mitglied der Kommuni st ischen Partei ist. Was die beiden wichtigsten Berichte, die von Lemck und Bowitzki, anbe- trifft, so hat übrigens Eberlein selber zugestanden, daß Lemck und Bowitzki sie verfaßt haben. Ob der Schmidtsche Bericht von Schmidt verfaßt oder ein nach seiner Aussage aufgenommenes wahrheits- gemäßes Protokoll ist, darüber wird man durch die„Arbeitsgemein- fchaft" ja bald näheres erfahren. « Die„Deutsche Tageszeitung" leitet aus der Tatsache, daß Lemck und Bowitzki flüchtig sind, allerhand Angriffe gegen die Regierung ab. Mit schlecht gespielter Entrüstung behauptet sie, daß Linkspuischisten genügend Zeit zum Entweichen gelassen würde, während man reaktionäre Geheimbündler sofort massenweise ver- hafte. Daß du die Reese... hätte Onkel Bräsig gesogt. In Wirk- tichkcit ist die ganze Notiz der„Deutschen Tageszeitung" plumpe Mache. Tie„Deutsche Tageszeitung" tut nämlich so, als glaube sie. daß Lemck und Bowitzki erst jetzt auf Grund unserer Ver- öffentlichungen flüchtig geworden seien, während doch ollgemein be- kannt ist, daß beide unmittelbar im Anschluß an den Märzauf st and flüchtig geworden sind. Urteil im Staßfurter Kommuniftenprozeß. Leipzig, 2. Dezember.(WTB.) In dem Hochoerratsprozeß gegen die Staßfurter Kommunisten, der seit dem 17. November vor dem vereinigten 2. und 3. Strafsenat des Reichsgerichts verhandell wird, wurde heute nachmittag das Urteil verkündet. Von den LS Angeklagten wurden 16 freigesprochen. Von den übrigen wurden 16 wegen Beihilfe zum Hochverrat verurteilt, darunter die Haupträdelsführer Arbeiter Otto Baucrsack aus Magdeburg zu 2 Jahren Festungshaft, ferner der schon zu lljährigem Zucht- Haus verurteilte Melker Franz Junge aus Staßfurt zu 4 Iahren Festungshaft und der Arbeiter Fritz Schley aus Atzendorf zu 3 Jahren Festungshaft, die anderen zu Festungshaft von 2 Monaten bis Iii Jahren. Die übrigen Angeklagten wurden wegen Aufruhrs, Gefangenenbefreiung, Veamtennötigung, Dieb- stahl usw. zu Gefängnis st rasen von 3 Monaten bis zu fünf- viertel Iahren verurteilt. so wird die Maschine durch einen elektrischen Aufzug an Deck ge- hoben, wo olles wie durch Zauberei verschwindet, was das Flugzeug bei feinem Aufstieg hindern könnte. Ebenso ist Vorsorge getroffen, daß e» bei der Rückkehr wieder sicher auf Deck landen kann. Außer- dem enthält dos Mutterschiff alles an Werkstätten, Lagern, Ersatz. teilen und dergl., was zu einem wohlausgestattcten Flughafen ge- hört. Die Mutterschiffe mit dem für die d r a h t lo s e Leitung der Flugzeuge nötigen Apparat auszustatten, ist das einzige, dessen es bedarf, um ihre Wirksamkeit auch auf die fliegerlosen Fluazeuge auszudehnen. Das Mutterschiff wird imstande sein, sich an jeden gewünschten Punkt zu begeben und von dort aus seine Hornissenschwärme auszusenden, die dann das Ziel ihres Angriffs mit Bomben oder Lufttorpedos belegen können. Sobald der Kapitalismus eines neuen Krieges bedarf und es der in seinem Dienste stehenden Staatsweisheit gelungen ist, die nötigen Verwicklungen herbeizuführen, können wir also mit Be- stimmtheit darauf rechnen, daß wieder die„allerneuesten Errungen- schaftcn der Wissenschaft und Technik" dem edlen Zweck zur Ver- fügung stehen werden. Es lebe der Völkerbund uno die Dummheit der Völker! herb� Goldenen Regen schüttet der Herbstwind über uns aus.— Was freudiger fei: Vergeh'» oder Werden?— Wenn ich mich ganz in dich verliere, um ganz mich wiederzufinden in dir: Eins wie das and're! Vergeh'» ist ein keimendes Werden, und so ist Werden ein reifendes Sterben. Nur die Beschränkung unser? Verstandes schafft Trauer und Freude. beides aber kennt die Natur nicht.—- Freudiges Sterben! Goldenen Regen schüttet der Herbstwind über uns aus.—_ IL 9. a 1 1 Ii ft. In, Schöneberger Neue« vtaihau» findet am Sonntag, den 4... die Eröffnung der, weiten A n s tl e l I u n g von Werken Schöneberger «nd Friedennucr Kön'tler statt. Am Eröffnungstage wird die Ausstellung von I Uhr ab. sonst täglich von tv bis S Uhr geöffnet sein.— Wie die Llusilellungsleilung mitteilt, wird jeder Bciucher das Recht haben, seine Etimnie sür das ibai nm besten gesallende Bild abzugeben und.so zur allgemeinen Bewertung beizutragen'.— Wir glauben, daß aus diese Weise zwar das Gcichmacksniveau der Besucher, nicht aber der Wer« der Kunst- »erte seltaeslellt werde» laaa, Die Scblichtungsorönung abgelehnt. Der Reichswirtschaftsrat hatte in seiner letzten Plenarsitzung den Gesetzentwurf über die Schlichtungsordnung noch- mols an den Sozialpolitischen Ausschuß zurückverwiesen, um dcr� er- neut eine Verständigung zu versuchen. Es wurde ein Unterausschuß eingesetzt, besten Bericht vom Sozialpolitischen Ausschuß cm 1. De- zember entgegenzenemmen werden konnte. Bei der anschließenden Beratung zeigte sich auch diesmal, daß die Unternehmer in der Schlichtungsordnung ein Instrument haben wollen, um o i e L o h n- kämpfe der Arbeitnehmer durch eine gesetzliche Reglementierung abzuwürgen. Die Anträge der freien Gewerkschaften wurden zwar zum Teil gegen die Stimmen der Unternehmer angenommen: dennoch stimmten die freigewerkschast- lichen Ausschußmitglieder bei der Gesamtabstimmung ge g e n das Gesetz, weil der entscheidende§ 55 eine durchaus arbeiterfeindliche Formulierung erfahren hat. Auch die von den christlichen Arbeiter- Vertretern gestellten Berbesterungsanträge mußten von unseren Freunden im Ausschuß als durchaus unzulänglich abgelehnt werden. Bei der Gesamtabstimmimg lehnten alle Ausschußmitglieder das Gesetz ab. Die Unternehmer taten es, well ihnen die Vorloge noch nicht scharfmacherisch genug ausgefallen war, die Arbeitnehmer aus der entgegengesetzten Ausfastung heraus. Die den freien Gewerkschaften angehörenden Ausschußmitglieder gaben zu der Abstimmung folgende Erklärung ab: Die den freien Gewerkschaften angehörenden Ausschußmitglieder erblicken in der vom Sozialpolitischen Ausschuß angenommenen Fassung des Z 55 der Schlichtungsordnung eine unerträgliche Einschränkung des Streikrechts. Die Arbeitnehmer- Vertreter sehen sich deshalb gezwungen, dem vom Sozialpolitischen Ausschuß beschlostenen Gesetzentwurf einer Schlichtungsordnung ihre Zustimmung versagen zu müssen. Mushöhlung üec Vermögenssteuer. Räch sechs langen Sitzungen Hot der Elfte Ausschuß des Reichs- tages am Donnerstag den Entwurf eines Vermögens- steuergesetzes in erster Lesung oerabschiedet. Die Vorlage der Regierung ging in mannigfacher Hinsicht nicht weit genug. Die bürgerlichen Parteien, die sich zur Regelung der Besitzsteuern zu einer Einheitsfront zusammenschlössen, haben das an sich schon unzulängliche Gesetz zu einem Mester ohne Heft und Klinge gemacht: den Wünschen der Interessenten, der Industrie und des Grundbesitzes ist in weitem Maße entsprochen worden. Daß es so weit kam, liegt zuletzt an dem Berhalten der Regierung und dem Verhalten des Reichsfinanzministers Dr. Hermes. Statt für die Vorlage einzutreten und sie zu verteidigen haben die Regierungs- Vertreter sie schon im ersten Augenblick fallen lasten. Das Hauptgewicht lag bei der Beratung naturgemäß in den Bestimmungen über die Einschätzung des steuerbaren Vermögens, die Wertermittlung, dann im Steuertarif und zuletzt in den zur Steuer selbst zu erhebenden Zuschlägen. Dank dem Verhalten der Regierung haben die bürgerlichen Parteien einen vollen Sieg zu oerzeichnen. Die Regierungsvorlage sah die Einschätzung nach dem gemeinen Wert vor und zielte gleichzeitig noch der Beseitigung des Zwitterzusiandes hin. daß daneben auch noch der Ertragswert zur Grundlage bei der Wertermittlung genommen werden soll. Da- mit märe der einseitigen und durch nichts begründeten Bevorzugung der Landwirtschaft einigermaßen ein Riegel vorgeschoben worden. Die bürgerlichen Parteien brachten es jedoch fertig, neben dem gemeinen Wert auch den Ertragswerl als Bewertungsgrund- saß in das Gesetz hineinzuschmuggeln und vereitelten so die Er- fassung nach dem totsächlichen Wert ganz und gar. Aber hiermit noch nicht genug! Herrn Helfferich gelang es weiter, infolge der verständnisvollen Unterstützung seiner Freunde innerhalb des Aen- trums und bei der Deutschen Volkspartei, die Millionen zählenden Vermögensbeträge für Abschreibungen und Rücklagen steuerfrei zu machen. Außerdem vermochte er den unhaltbaren-Begriff des „dauernden gemeinen Werts" in das Gesetz zu bringen. Was bei der Beratung der Novell« zum Reichsnotopfer von deutschnatio- naler Seite vergeblich versucht worden ist, gelang also bei der Be- ratunq des VernrogeNssteuergesetzes. Der Tarif wurde ebenfalls erheblich verschlechte�. Die Re- gierungsvertreter hallen kaum ein Wort für ihre Vorlage übrig! » Im Reichslagsausschuß für Verbrauchssteuern wurde am Freitag der Gesetzeniwiirf jur Abänderung de» ZuckernenergesetzeS weiter behandelt. Unter den Vertretern der vericbiedenen Ri-blnrigen der Linken fand eine AnSeinanderietzung über die Zuckersteneriätze statt. an der die Abgeordnelen Riedmüller l»oz.). Koenen s.Kom.). Henke sll•©.) teilnahmen.— Angenommen wurde idbliefelick) ein Antrag der Soziakde molraten, daß die Zuckersteuer von 100 Kilogramm Reiimewickn nur 50 M. betrage» ioll, d. h. die Hälfte der von der Regierung verlangten Steuer. Zur Lohnbewegung üer Zimmerer. In der gestern abgehaltenen Versammlung der Zimmerer, an der Delegierte, Vertrauensleute und Betriebsräte teilnahmen, be- leuchtete Repsch löger noch einmal die ganze Situation und schlug im Einverständnis mit Vorstand und Schlichtungskommission vor, einen Mindest'ohn von 13,50 M. zu fordern und in keinem Fall unter diesem Lohn zu arbeiten. Wo sich zwei Drittel der Be- legschoft dafür entscheiden, soll diese Forderung sofort dem Unter- nehmer unterbreitet werden. Zur Entlastung der Streikkasse wurde beschlosien, jeder Kollege mit einem Verdienst van 11,75 M. täglich hat 5 M. zur Unterstützung der Streikenden und bei 13,50 M. Tages- verdienst 7 M. zu zahlen.(Siehe auch Gewerkschaftliches.) Schülerkag und hIndenburg-Feier in Hannover. Zu den Mit- teilungen einiger Blätter über ein Verbot der Urlaubserteilunq an Schüler für den ersten Schülertag in Hannover schreibt der amtliche Preußische Presiedienst: Die Preußische Unterrichtsverwallung ist lediglich durch Pressenotizen erst vor einigen Tagen davon unterrichtet worden, daß in Hannooer ein Schülertag stattfinden werde, der aus allen Teilen Deutschlands besucht werden soll. Mit diesem Schülertag fällte eine Hindenburg-Feier verbunden werden. Der Oberpräsident Gen. N o s k e hat in den letzten Tagen des November die Unterrichtsverwaltung telegraphisch daraus auf- merksom gemacht, daß sich der Arbeiterschaft eine st a r k e Erregung bemächtigt habe und Störungen zu befürchten seien. Unter diesen Umständen hol sich die Unterrichtsoerwaltunq veranlaßt gesehen, die Prooinzialschulkollegien anzuweisen, Urlaub sür die Ver- treter der Schüler nicht zu erteilen, damit nicht etwa unliebsame Zusammenstöße eintreten. Die Vreslauer„Rote Fahne" geht ei». Das kommunistische Parteiorgan für Oberschlesien, die in Gleiwitz erscheinende„Rote Fahne", stellt, wie sie in ihrer letzten Ausgabe mitteilt, ihr Er- scheinen ein. Als Grund wird unter heftigen Vorwürfen angegeben, daß die Berliner Parteizentrale die Weiterunterstützung verweigert. Das kommunistische Blatt klagt vor allem, daß dadurch die Kommu- nistische Partei Polens, die in Gleiwitz Drucksachen herstellen ließ, durch die Auflösung bzw. den Verkauf der Druckerei schwer geschädigt werde. In ganz Oberschlesien besitzt nach dem Einstellen der Klei- witzer„Roten Fahne" weder die Kommunistische nock) die Unabhängige Partei sefft mehr eine selbständige Tageszeitung. Es werden hier nur noch je ein Kopfblatt der Berliner„Roten Fahne" und der Berliner„Freiheit" verbreitet, während unsere Partei ihr Zeitungs- wesen auck im letzten Jahre, wenn auch unter Opfern, weiter aus- bauen konnte, und jetzt insgesamt S Tageszeitungen und 7 Kopf- blätter in Schlesien besitzt. Der Wiener plünüerungstag. Wien, 2. Dezember.(WTB.) Bei der Beratung des vom Kreisärbeiterrat erlassenen Ausruss zur Vernnunft hob Friedrich Adler hervor, daß für die Vorfälle die organisierte Arbeiterschaft keineswegs eine Verantwortung treffen könne. Sie seien Elemen- ten zuzuschreiben, die sich nur private Vorteil« verschaffen wollten. Adler wies darauf hin, daß sich nach de» übereinstimmenden Be- richten die Wachleute geradezu bewunderungswürdig gehalten haben. Der„Arbeiter-Zeitung" zufolge wurden die gestrigen Zerstörun- gen von einem st rassorganisierten, etwa 300 Köpfe starken Trupp durchgeführt, der unmittelbar hinter dem kommunisti- s ch e n Teil der Demonstration bei den Kundgebungen mar'chierte. Die sozialdemokratischen Arbeiter im 21. Bezirk haben die Ar- bei« wieder aufgenommen, wogegen die Kommunisten weiterstreiken. Während der gestrige» Plünderungen wurden insgesamt 174 Ge- schäste und andere Unternehmungen beschädigt, zumeist solche in der inneren Stadt. Verhaftet wurden 334 Personen. 20 Sicherheitswachorgane und 26 Zivilisten erlitten Verletzungen. Wien, 2. Dezember.(Intel.) Die meisten Läden blieben heute geschloffen, da die Geschäftsinhaber eine Wiederholung der Ereig- niffe befürchteten. Auf der ganzen Ring'iraße ist kein einziges Kajseehaus zu finden, das noch eine ganze Fensterscheibe hätte. Die meisten Verhafteten wurden bei der Plünderung der Ringhotels festgenommen. Die sozialdemokratischen Abg. Dannenberg und Skarek intervenierten zugunsten der Verhafteten bei dem Polizei- Präsidenten, der die Versicherung abgab, daß eine große Anzahl Beamter ständig mit der Untersuchung beschäftigt sei und alle frei- gelaffen werden würden, denen eine direkte Teilnahme an den Plünderungen nicht nachzuweisen sei. Die„Rote Fahne" der K. P. wurde heute vormittag beschlag- nahmt. Wivtfdyaft Die französischen Eisenbahnen. Der größte Teil der französilchen Eisenbahnen befindet sich im Besitz von fünf Prioatunternehniungen. Der Staat gewährte diesen Gesellschaften eine Dividenden- bzw. Gewinngarantie, außerdem bezahlte er hohe Zuschüsse, um die Defizite der Krlegszeit und die seitherigen zu decken. Er hat des weiteren auf eine Forde- rung von P Milliarden, die die Gesellschaften ihm schuldeten, ver- zichtet. Die Kriegsschäden»nd die während des Krieges unterbliebenen Arbeiten werden auf 7 Milliarden Franks geschätzt. Das Defizit des Jahres 1920 wird auf 2 bis 3 Milliarden Franks angeschlagen. Somit ist die Lage der französischen Eisenbahnen ebenso u n- g ü n st I g wie die der deutschen. Das Defizit soll durch Erhöhung der Frachtsätze be- hoben werden, wenn die Volkswirtschaft diese zu ertragen vermag. Eine allgemeine Erhöhung würde aber den einzelnen Gesellschaften ungleichmäßig zugute kommen je nach den Verschiedenheiten ihrer Leistungsfähigkeit und Finanzkraft: der einen würde sie große Ge- wipne sichern, der anderen jedoch nicht auf die Beine helfen. Das Parlament hat nun vor kurzem ein Gesetz angenommen, demzufolge die Gewinne der Eisenbahnen in eine gemeinschaftliche Kasse fließen und gleichmäßig verteilt werden sollen. Darüber hinaus sollen den mit gutem Erfolg arbeitenden Gesellschaften be- sondere Prämien zugeteilt werden. Ein Eisenbahnrat, bestehend aus 44 Mitgliedern, darunter 6 Eisenbahner, wird als höchste Instanz in allen technischen, administrativen und finanziellen Fragen, so auch bezüglich der Feststellung der Frachtraten usw., einheitlich entscheidfp. Das neue System ist ähnlich dem, daß bei den Sozialisierungsplänen des deutschen Kohlenbergbaues als Antrag Rathenau bekannt ge- worden ist. Gelegenilich des großen Ikohlenstreiks in Englaird verlangten die Bergarbeiter dort die Einführung eines ähnlichen Systems, um eine Aiis'ffeichung der Löhne bei den einzelnen Unter- nehmungen auf diesem Wege zu erreichen. Es wird also in Frankreich eine Art von Verstaatlichung vorgenommen. Der Besitz bleibt bei den Aktionären und auch der Profit, insofern einer erzielt wird. Die Kontrolle über die Ein- nahmen und ihren Ausgleich bei den einzelnen Gesellschaften erhält der Staat. Das neue System beweist ober, daß die heutige Privat- Wirtschaft nicht mehr aufrechterhalten werden kann, und selbst das gegenwärtige reaktionäre Regime und Parlament Frankreichs konnten sich dieser Tatsache nicht verschließen. Die Vesestigiing der Devisenkurse an der gestrigen Vörie brachte der deutschen Mark wieder eine gerinae Entwertung. Roch den amtlichen Notierungen erhöhte sich der Dollar von rund 190 auf 204, 100 holländische Gulden stiegen von 6693 auf 7243, 1 Pfund Sterling von 752 auf 824. 100 französische Franken von 1408 auf 1538 und 100 Schweizer Franken von 3846 auf 4096. Immerhin stehen diese Devisenkurse hinter den in den letzten Wochen üblich ge- wordenen hohen Preisen fremder Zahlungsmittel noch erheblich zurück. Zur Frage der Enlslaallichung der Eisenbahnen bringt die „Voss. Ztg." einen interessante» Vergleich der Leistungen von Eisen- bahn und Bergbau aus der Feder des Ministerialrots im Reichsverkehrsministerium Dr. I. Tecklenburg. Es ergibt sich daraus, daß die Durchschnittsleistung eines Eisenbahners im Auaust 1921 60.6 Proz., die eines im Berobau Beschäftigten 60 Proz. der Bor- knensleistunq betrug. Obwohl also der Bergbau Privatbesitz ist, stehen die Leistungen durchschnittlich auf etwa aWcher Höhe mit denen der Eisenbabnen. Der Vergleich ist noch unzulänglich insokern, als die Kohlenpreise mit den Eisenbahntarifen nicht veralichen stnd. Hier würde sich zeigen, daß der Kohlenberabau unverhältnismäßig viel mehr seine Preise gesteigert hat, wie die Reichseisenbahn. Uebrigens dürfte ein Vergleich mit der Schwercile»industrle ebenso lehrreich sein. Auch diese Industrie arbeitet bei vermebi-ter Belea. schokt mit erheblich aeringeren Leistungen als vor dem Kriege. So ergibt sich, daß die Priootindustrie denkbar unaeeignet dazu ist, die Eisenbahnen zu„sanieren", nachdem sie noch nicht einmal in ihr-'m eigenen Herrschaftsbereich bei voller. Preisfreiheit und riesigen Ge- Winnen Ordnung zu schaffen vermochte. Selbstverständlich entheben diese Feststellungen nicht von der Pflicht, sowohl in der Privat- industrie wie in der Reichseisenbahn auf eine bedeutend e r h öch t e Wirtschaftlichkeit hinzuwirken. Das deutsche Volkseinkommen. In einer interessanten Unter- suchung hat der Frankfurter Statistiker Dr. Elsas das heutige deutsche Bolkseinkommen und den Anteil der Reparationslast an demselben berechnet. Von dem Friedenseinkommen in der Höhe von etwa 40 bis 41 Goldmilliarden sind nach Elsas zunächst 15 Proz. für die verlorenen Gebiete in Abrechnung zu bringen, so daß bei der Berechnung eine Friedensvergleichsziffer von 34,8 Goldmilliarden in Rechnung zu stellen ist. Setzt man als Steigerunasfaktor des Ein- kommens 8,4 ein— gewonnen an dem heutiaen Vapiereinkammen der Arbeiter und Angestellten gegenüber ihrem Friodens-Go'dein- kommen—, so würde das Volkseinkommen 292,74 Mil- liarden Papiermark betrogen oder 19,5 Mmiarden Gold- mark, die Goldmark zu 15 Poviermark gerechnet. Setzt man aber. wie es die jetzigen Volutooerhältnisse erfordern, an Stelle einer Go� mark 40 Papiermark, und den Einkommens-Steiaerungsfaktor glei.'' 16. so kommt man trotzdem nur auf eine Einkommenshöhe vv" 13,94 Goldmilliarden. Die 3>< Milliarden jährliche Reparation s- schulden würden vom Friedenseinkommen ein Zehntel ausmachen, heute beanspruchen sie bereits ein Viertel des Volkseinkommens. Da- mit ist die gewaltiqe Bedeutung des Wihrungsproblems für die Reparattonsftage erwiesen. GeVer�schofisbewegung Stand der Erwerbslosigkeit in Deutschland. Irot? des beginnenden Winters hat die Loge des deutschen Arbeitsmnrktes sich bisher durchaus nicht verschlechtert. Für oer- schiedene Berufsarten Überpeigt die Nachfrage nach Arbeitern das Angebot noch ganz erheblich, und selbst die ungelernten Arbeiter werden in den letzten Wochen vor Weihnachten noch reichlich De- schäftmng finden. Nach den Meldungen der Demobilmachungs. kornmissare betrug die Zahl der u n t e r ü tz t e n Erwerbslosen im ganzen Reiche am 1. November 151871 Personen gegen 361 Sil am entsprechenden Tage des Vorjahres, und zwar hat sich im Laufe des?ahres die Zahl der männlichen Erwerbslosen von 282 126 auk IIS 392 und diejenige der weiblichen von 79 185 aus 36 479 vermindert. Gleichzeitig ist die Zahl der Zuschlagscmpfänger lFamilienanqchörigen von Vollerwerbslosen) von 362 423 auf 168 214 zurückgegangen. Während im Oktober 1929 noch etwa 82 999 909 M. Unterstützungen gezahlt wurden, brauchten im Ok- tober 1921 für diesen Zweck nur rund 57 999 999 M. aufgewendet zu werden. Am 1 November 1921 entfielen in Deutschland a u f 1999 Einwohner durchschnittlich 5,3 Vollerwerbs- lose und Zuschlagsempfänger gegen 6,5 zu Beginn des Vormonars. Den höchsten Stand weist Hamburg aus mit 15,3 pro Mille._ Lohnstreitigkeiten im Berliner Bangewerbe. Nachdem die Berliner Bauarbeiter sowie die übrigen am Der- trage beteiligten Arbeitnehmcrvcrbände den Schiedsspruch des Be- zirkslohnamtes vom 23. November abgelehnt haben, nahmen die Berliner Delegierten des Deutschen Bauarbeiter- Verbandes zu den nunmehr zu unternehmenden Kampfmaß- nahmen Stellung. Kollege Thons besprach eingehend die Situation im Berliner Baugewerbe. Er sagte'„Wir sind heute zusammen- gekommen, um die zur Führung der Bewegung erforderlichen Maß- nahmen zu besprechen. Nachdem wir den Schiedsspruch abgelehnt haben, können wir nicht andauernd mit Gewehr bei Fuß stehen. Die jetzige Jahreszeit sowie die plötzlich einsetzende Frostperiode ist allerdings zu berücksichtigen. Lohnkämpfe sind Machtkämpfe, und man mutz daher erwäaen, welche Taktik im Augenblick die richtige ist. Die Eigenart des Gewerbes verbietet einen allgemeinen Kampf. Es n daher notwendig, sich auf partielle, also auf sogenannte Teilstreiks zu beschränken Arbeitseinstellungen haben nach vor- heriaer Verständigung nur mit Zustimmung der Streikleitung zu erfolgen." Der Redner ging dann noch auf die vom Reichsarbeits- Ministerium gemachten Bemühungen betr einer Verständigung ein upd sagte:„Wir sind zum Frieden bereit, aber auch zum Kampf entschlossen." Nach einer kurzen Diskussion wurde den Ausführungen des Kollegen Thöns zugestimmt._ Lohnbewegung der Zimmerer. Die Delegiertcnversammlung de» Zentralverbandes der Jim- merer, Zahlstelle Erotz-Bcrlin, nahm Dienstag zu der letzten Lohn- revision Stellung. Der Vorsitzende Repschläger führte etwa folgende, au»: Am 8. November hatte die Delegiertenoersammlunq zur Lohnreoision Stellung genommen und eine Zulage von 5,79 M. pro Stunde gefordert. Vor der Tarifschlichtungskommission lehnten die Unternehmer jedes Entgegenkommen mit der Begründung ab, daß die Forderung von 15 M. für sie undiskutabel sei. Es wurde nicht einmal ein Angebot gemacht. Das Bezirkslohnamt, welches am 23 November tagte, füllte gegen die Stimmen der Arbeitnehmer- beisitzer einen Spruch, der die wirtschaftliche Notlage der Zimmerer in keiner Weise berücksichtigt. Nach diesem Spruch sollen sich die Löhne der Zimmerer ab 23. November 1921 um 2,45 M.(von 9,39 auf 11,75 M.) und ab 23. Dezember 1921 um weitere 59 Pf.(von 11,75 aus 12,25 M.) pro Stunde erhöhen. Die Schlichtungskommission und der Vorstand haben beschlosien, unter Berücksichtigung des minimalen Resultates des Schiedsspruches und ferner, weil in verschiedenen Städten de» Reiches, wo die Lebensverhältnisse ebenfalls nicht teurer sind als in Berlin, weit höhere Löhne gezahlt werden, den Mitgliedern zu empfehlen, den- selben abzulehnen und legten der Versammlung eine dem» entsprechende Resolution vor. Nach einer Aussprache stimmten die Delegierten dieser Relolurion zu. Die Arbeitszeit für Zimmerer beträgt laut Tarifvertrag ab 1. Dezember 1921 bis 31. Januar 1922 täglich nur 7 Stun- den. Der Vorstand verpflichtet die Mitglieder, vor allem die Bau. delegierten, darauf hinzuwirken, daß diese Arbeitszeit überall ein- gehalten wird._ Krise im Hochbahnbetrieb. Am 39. November begannen die Verhandlungen mit der Hoch- bahngesellschaft wegen Lohnforderungen der Bedien st e- ten, Handwerker und Arbeiter. Sie fordern eine Er- höhung der Löhne und Gehälter um 3,59 M. pro Stunde, Bewilli- gung der Restsumme von 159 M. der geforderten Wirtschaftsbeihtlfe in Höhe von 1999 M. Die Höchstlöhne für das Schafsnerpersonal sollen in Zukunft in einem Jahr statt in 6 Jahren, bei den Angestellten des technischen Personals in 6 statt in 18 Jahren erreicht werden. Die Direktion machte in den Verhandlungen ungenügende Zu- geständnisie und war nicht dazu zu bewegen, ihr Angebot zu er- höhen. Sie bot für Handwerker 2,29 M., sür Angelernte 2 M., für Ungelernte 1,99 M. und sür Arbeiterinnen 1.35 M. für die Stunde: für das männliche Verkehrspersonal 499 M., für Fahrkartenaus- geberinnen 399 M. pro Monat, Erhöhung der Tätigkeitzulage und Verkaufsprämie für Fahrkartenausgeber. Die Funktionärversammlung, die am 39. November tagte, lehnte da» Angebot der Direktion ab, beauftragte die Verhandlungs- kommission, an der gestellten Forderung festzuhalten und beschloß, die Lohnforderung einer Schlichtungsstelle zu unterbreiten. Sollte die Schlichtungsinstanz der gestellten Forderung nicht nach- kommen, so sehen sich die Personals gezwungen, diese mit allen ge. werkschastlichen Mitteln durchzusetzen. Der'Konflikt bei Hildebrandt v. Tohn. Die Belegschaft der Firma Hildebrandt u. Sohn(Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik) hielt Freitag vormittag eine Betriebsver- sammlung ab, in der Genosse H e tz s ch o l d vom Verband der Bäcker und Konditoren referierte. Er ging aus die Vorgeschichte der Aus- Iperrung ein und bedauerte, daß weder der Betriebsrat, noch die Firma den Weg zur Organisation gesunden haben, als die Diffe- renzen entstanden. Als die Organisation von den Dingen erfuhr, habe sie sich um die Sache bemüht. Es kam dann zu einer unoer- kindlichen Besprechung, bei der der Redner zwar zugegeben hat, dah es sich um einen wilden Streik handelte, aber verlangte, daß nun- mehr die Geschichte aus der Welt geschafft werde. Darauf erklärte die Firma, daß sie den Betrieb wieder„neu ausmachen" wolle, ohne Bindung gegenüber den alten Arbeitskräften. Hetzfchold wandte sich aber entschieden dagegen Die Firma hat eine Liste derjenigen Angehörigen der Belegschaft ausgestellt, die sie wieder neu einstellen will. Nach der Zusammenrechnung eines Betriebsrates sollen nur 999 von etwa 1699 neu eingestellt werden. Die Firma erklärte, das Weihnachtsgeschäft sei gerade durch diese Woche so vcr- . pfuscht, datz sie jetzt darauf verzichten müsse und deshalb einen sgroßen Teil der Aushilfen nicht wieder einstellen j könne. Die Firma wollte aber auch diejenigen nicht wieder ein- ! stellen, die nach ibrer Meinung an den Vorgängen schuld sind. Wir verlangten neue Verhandlunaem die aus den 2. Dezember angesetzt ] wurden. Die Firma hat sich b e r e i t erklärt, am nächsten Montag den Betrieb wieder zu öffnen, wenn in irgendeiner Weise die Arbeit wieder aufgenommen wird. Darüber muß heute entschieden werden. Nach diesen Ausführungen verlangte ein Unorganisierter das Wort zur Geschäftsordnung. H e tz l ch o l d verweigerte die Wort- erteilung, weil in dieser von der Organisation nur sür freigewerkschaftlich Organisierte einberufenen Ver- sammlung Unorganisierte überhaupt nicht anwesend zu sein hätten. Da der Nichtorganisierte durchaus reden wollte, dies aber von den Einberufern nicht zugelassen wurde, entstand großer Lärm. Die Versammlung wurde auf mehrere Minuten vertagt. Da sich die Unruhe nicht legte, erteilte Hetzschold dem Detriebsobmann Fiedler das Wort. Dieser schlug vor, ohne Diskussion über Streik oder Nichtstreik abzustimmen. Der Betriebsrat wird die Abstimmung als Vertrauens- oder Mißtrauensvotum ansehen. Die geheime Abstimmung, für die die Organisation alles vor- bereitet hatte, ergab für Streit 712 Stimmen, gegen Streik 442 Stimmen. Damit ist der Streik beziehungsweije seine Fort- fetzung abgelehnt, weil die statutarische Zweidrittelmehr- heit fehlt. Am Sonnabendnachmittag 2 Uhr findet bei Feibel in der Kol- berger Straße eine neue Betriebsversammlung statt, der das E r- gebnis der Verhandlung unterbreitet werden wird. Auch sie ist von der Organisation einberufen. Gegen das neue Besoldungsgesetz. Angesichts der großen Unzufriedenheit in der Beamtenschaft über die höchst ungerechte und unzulängliche neue Besoldungsrege- lung hotte das Provinzialkartell Berlin des deutschen Beamten- roes die gesamte Berliner Beamtenschaft nach der„Neuen Welt" Bundesdirektor R« m m e r s wies in bun zur Aussprache eingeladen. seinem Re'erat nach, daß unter der zeitlich ungünstigen inner- politischen Lage kein anderes Resultat zu erzielen war. Auch die übrigen mitwirkenden Spltzcnorganisotlonen haben dies« Ansicht geteilt Es seien aber sofort Schritte unternommen, � um zu veran- lassen, daß die Beoldunasordnung zugunsten d-rr unteren Besoldungs- gruppen einer Revision unterzogen und das Gehalt dieser Be° amtcn bedeutend heraufgesetzt wurde. Vorerst werde verlangt, daß jeNnn Beamten, dessen Erhöhung vierteljährlich nicht mindestens 2999 M. betrage, die Differenz sofort nochgezahlt werde. In der Aursprach« forderten fast alle Redner,«ine Urob- ftlmmung über die Annahme oder Ablehnung des Rcgierungsangebots in den Gewerkschaften vornehmen zu lasten. Die Aeußerung eine» Redners, datz das Streik recht nicht verliehen werde, sondern daß derjenige, der es sich nimmt, es auch hat, fand to'enden Beifall. Es kann jedoch festgestellt werden, daß allgemein dem Gedanken Ausdruck gegeben wurde: Wenn auch die Führer unser Vertrauen virlo:«n haben, so darf doch an dem Weiterbestehen des Deutschen Beamtenbundes nichtgerütteltwerden. Er allein ist die gegebene Vertretung aller Beamten, Angestellten und Lohrer des Reichs, Staates und der Gemeinden. Zum Schluß gelangten Entschließungen zur Annahm«, in denen u. a.«ine sofortio« Revision der Krundgebälter noch sozialen Gesichts- punkten mit Wirkung vom 1. Oktober 1921 und die unverzügliche Auszahlung der sich hieraus ergebenden Beträge gesordert wird,(o daß unter ollen Umchständen noch vor Weihnachten»in« größere Summe in die Hände der Beamten gelangt. Sollten die Rsqierungs- stellen bei kurzfristigen Verhandlungen kein grundlegende Erklärung abgeben, so sind sofort vom Deutsrben Beamlenbund planmäßig Vorbereitungen zur Urabstimmung über einen evtl Streit vorzunehmen. Zur Revision des Besoldungsgesetzes wurden gleichzestig praktisch« Vorschläge gemacht. Kupserschmiede der SPD.! In der am Dienstag 614 Uhr Im Gewerkschaftshaus stattfinden- den außerordentlichen Mitgliederversammlung sollen unsere Kalle- gen entscheiden, nach welchen Richtlinien im kommenden Jahre die Ortsoerwaltung Berlin geführt werden soll, ob die politische Phrase und das Maulheldentum dominieren oder wie bisher nach rein gewerkschaftlichen Grundsätzen gearbeitet werden soll. Von den auf dem Boden der Amsterdamer Internationale stehenden Kollegen sind nur Kollegen als Vorstanksmitglieder vor- geschlagen worden, die langjährig« Erfahrung in ge- wertschaftlicher Arbeit haben und zum Teil schon Jahr- zehnte in unserer Ortsoerwaltung tötig sind. Gegen diese Kollegen richtet sich der Ansturm unserer Kollegen von ganz links. Man will mit allen Mitteln versuchen, unsere Ortsverwaltung in das Fahrwasser der Moskauer Internationale zu bringen. Kollegen, die Entscheidung liegt bei Euch. Pflicht eines jeden ist es, die Zeit bis zum Dienstag auszunützen, in den Betrieben für die Vorschläge der auf dem Booen der Amsterdamer Inter- nationale stehenden Kollegen zu agitieren und die Indifferenten aufmerksam zu machen auf die Gefahren, die der Organisation drohen, wenn Kollegen an die Spitze gestellt werden, die Gewerk- schaftspolitit nach parteipolitifchen Grundsätzen treiben wollen. Wenn jeder Kollege seine Pflicht tut, wird es den Mos- kauern nicht gelingen, ihre Pläne zu verwirklichen. Agitiert also sür die Liste der Amsterdamer und sorgt dafür, daß kein Kol- lege in der Versammlung fehlt. Eine neues Lohnabkommen für dle Eiuis- und Karkommgen- Industrie rvurde vom Verband der Buchbinder und Papier- verarbeiter am 1. Dezember in Erfurt abgeschlossen. Nach lang- wierigen Verhandlungen wurden zu den seitherigen Löhnen neue Zuschläge vereinbart, von denen ein Teil am 1. Dezember in Kraft tritt, der andere Teil am 15. oder 16. Devmber, je nach Beginn der Lohnwoche. Am letzten Lohntag vor Weihnachten sollen erst- malig die vollen Zulagen zur Auszahlung kommen. Diese Zulagen betragen für Berlin: kür Facharbeiter ab 1. Dezember 2,69 M. pro Stunde, ab 15. oder 16. Dezember weitere 9,65 M., so daß sich der Novemberlohn für die volle Lohnwoche vor Weih- nachten um 3,25 M. erhöht. Die Zulagen der übrigen Berufs- gruppen find in gleicher Art festgesetzt. Hilfsarbeiter erhol» ten im Spitzenlohn ab 1. Dezember 2,59 M. Zulage, ab 15. oder 16. Dezember weitere 9,69 M. Die Gesamtzulage beträgt hier 3,19 M. pro Stunde. Fachorbeiterinnen im 5. Berufs« jähr erhalten ab 1 Dezember eine Zulage von 1,55 M., ab 15. oder 16. Dezember weitere 9,35 M. Der Novemberlohn erhöht sich hier um 1,99 M. Der Spitzenlohn der Hilfsarbeiterinnen erhöht sich ab 1. Dezember«vsnfolls um 1,55 M. Zulage, ab 15. oder 16. Dezember um weitere 9,39 M., so daß deren Gcsamtzulage 1,85 M beträgt. Diese Zulagen sind nach Alter rcsp. nach der Dauer der Beruf-zugehörigkeit gestaffelt. Für die jüngsten Be- rufsangehörigen sind folgende Geiamtzulagen vereinbart worden: für Hilfsarbciterinnen im Alter von 14 bis 15 Jahren 9,85 M., für Facharbeiterinnen unter 16 Jahren im ersten Halbjahr 9,89 M,, für Hilfsarbeiter im Alter von 14 bis 15 Lahre 1,35 M. und für Fach- arbeite? im ersten Jahr nach der Ausbildung 2.29 M. Die zwischen diesen jüngsten und den oben genannten ältesten Gruppen liegen- den Alters- oder Berufsstaffeln erhalten entsprechende Zulagen. Telcphonverkehr mit dem Gewerkschastshaus.(Bitte ausschneiden!) Ab 1. Dezember sind die Telephouanschlüsie der Ge» werkschaftskommisston Berlins und Umgeaend, des Arbeitersekre- tariats, der Verwaltung des Gswerkfchoftshauses(Sasienbach), der Herberge, der Verbände der Asphalteure, Vöttcher, Fabrikarbeiter, Friseure, Glaser, Hutmachcr, Lithographen und Steindrucker, Stein- arbeite?, der Ockonomie des Gewerkschaftshauses sowie der Redaktion und Expedition des„Korrespondenzblattes' auf einer Tele- phonzentrole vereinigt. Sämtliche vorgenannten Stellen sind unter den Nummern Mnrinplatz 2297. 3733, 4997, 6189, 8641, 11443, 12 888, 15 441 und 16 299 zu erreichen. Auf Anruf meldet sich die Zentrale des Gewerkfchaftshaufes und stellt die gewünschte Verbindung her. Die Gewerlschaftspresse wird gebeten, entsprechende Notizen aufzunehmen. Saarbergarbciler In Pari». Die Vertreter der vergorbeiter» orgaiijsation des SaairevierS reiften nach Pari? ab, um mit dem Veiwailungsrat der Saargiuben wegen des Lohnabbaus zu verbandeln. Bllchbiutiee und Buibdlvdeeelarbclterlnnen I» Buchdrnckerele». Montag «Ii Uhr im Sewertschäftohauo Dersammlung. Bericht von den Lohnverhand- Iirngcn._ Arbeitersport. Sie Frei« Iarnetfi»oft Echöncierg-Berlin hat ihren Namen geändert in Freie Turnerschaft(Sroß-Äerlin. Der Verein hat Turnstätten In Berlin: Locckhslr. 17/20, Eraunstroße, Sckönfließcr Str. 8, Eonnenburger Str. 21, Petersburger Str. 1. Neukölln: Kopfstr. öl, Boddinstr. 05/S6 und Kinder- «bteilungen in diversen Turnhallen. Schönederg: Rötherstrohe, Bcrchte»- oodener Stroh» usw. L i n d e n h o f(nöhereo de: Fintel). NU Hb oll- Abteilung sDonncrsloa bei Resenthal. Bhf. Eberostrohe). Fitr Leicht- a t h I e t I k verfügen die 5 Bezirke be» Vereins Uber gut« Sportplötze. Frei» Turnrrsiloft Sroh-Beriin.(Mitglied des Arbeiter-Turn- und Sport- bundes.) Sonnabend: Delegierte zum strcisturntag. Sitzung bei Aoscnlhal, Bhf. Ebcrsstrahc, 7 Uhr.— Fuhbaii-Abt.: Wettspiel gegen Lichtenberg It. Arbeitcr-Nadfah-er-Bund„Solidarität" Berlin. Tanrcn für Sonntag, de» 4. Sczember. 1. gibt.: GrUnau(Brösel), Start 1 Uhr VUlowstr. SS. 2. Abt.: Grllnau sSvartshaus). Start 1 Uhr Planufer 08, Scke Wilmsftrahe. Z. Abt.: Wannfe« sFUrstenhof), Start 12 Uhr Laufitzer Platz sstirche). ö. Abt.: Röntgen- thal(Marx), Start 1 Uhr Comtureiplatz.«. Abt.: Wittenau, Sartofscl» und Scringstour, bei(rblechtem Detter per Bahn. Start l Uhr Kopenhagencr Strahe 20. 7. Abt.: B-rgfcld«, Start I llbr Soloniestr. 147. 8. Abt.: Wittenau ................ 1. 8. Abt.: Sibönwaldi(ftlöpfer), Start 38 bei WWW. IW______________________ Ort«- gruppe Paniow: Rartsfscl- und Heringstour nach Lindenberg, Start 1 Uhr nlorastr. 24. Mittwoch den 7. Dezember, Erscheinen aller erwUnscht.— Man» lag, den 8. Dezember, abend» 7 Uhr, gcntralfahrwartssttzung, Rungrstr. 7. Neuwahl des gentiatsahrwart». Arbeiler-Radsohrcr-Derein„Groh-Berltn". Sonntag nachmittag liZ Uhr Johannisthal, Stubenrauchstrahs bei Vota, Start Mariannenplatz. Frei« Kockey-Versinignng(Mitgl. d. A.-Z.- u. Ep.-B.). Spieltermin« am Sonntag, den 4. Dezember. Spielplatz a» der Schönhauser Allee(Goudy- strahe): Fichte-Ost— Schönholz II, 0—10)4(Preihger.Ewertt; Ftchte 1 It— Schönholz I, 10)si— 12(Rothe Lenz): Fichte 12 l— Lichtenberg II, 2— 8>4(Rirchrnonn- Winlel).— Spielplatz der Freien Turnerschaft Wilmersdorf, WUrttcmbcrgisch, Strahei Moabit I— Fichte 1 1, 2-41)4(fllaijn.ftroU).- Elödt, Spielplatz Westend: Ehorlottcnburg I— Roland l, 8)4—11(Richlcr-Duhe).— Elödt. Spielplatz Staaten: Staaten I— Fichte 8 l, 2—8�4(Harnecker). Arbeiter-Radsahrer-Bund„Solidarität", Ortsgruppe Reulölln. Sonntag, den 4. Dezember, nachm. 1 Uhr, Iabrcsgcneralversammluug in der Rosrnsc«- terrasse Britz, Ehausseestr.«9. Ab 6 Uhr Freitanz. Arbeiter. Sportkartell NenIöNn-Britz.Duckow-Rudow. Montag, den 1. De» zember, 7)4 Uhr, Dclegicrteusitzung bei grant, Ganghoferstr. l. Wichtig» Tagesordnung. Rnderriege de« Turnperclu»„Fichte�. Sonntag, den 4. Dezember, 8. Stif» tungsseft in der Reuen Philharmonie, Röpenicker Str. 88/07. Ausang 5 Uhr. Berantw. für den redakt. Dckl: Dr. Derner Pciser, Charlottenburg: für An» zeigen: Th. Slock«, Berlin. Verlag Vorwtirts-Verlog s. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts>Buchdruckerei u.B«rlaqsansta>t Paul Singer u. Co.. Perlin. Lindenstr. ll. Hierzu I Betlaar. 2)ie gute, alfe 3eii und Qroßmutfers JCaffeeiischt Crinnern Sie sich der sparsamen offen 7)ame, die immer über den teuren Bohnenkaffee klagte? damals l!— dabei wurde ihr Kaffee wegen seines kräftigen jTromas und schönen goldbraunen Jons allgemein gerühmt. Lind ihr Qeheimnis?— Webers Carlsbader Kaffeegewürz! als Schutzmarke eingetragen.•— vor Nachahmung wird gewarnt. A-G. vorm. Apotheker Richard Brandt, Schaffhaufen(Schweiz) nnd Singen a. hoheokwiel ivaden). 'XiQereite den Vorzug, die selbsf einem sehr verwöhnten Räucher Genuß bietet de bei aber Jhre Börse schont. Massaiy- caid 60*$ Kr. S7S» ZS. Jahrgang! I � � � SonnabenS, z. VeZembrr I?2l Herlins Hilöungsgüter. Ein Wegweiser durch unsere Museen. Der Berliner, der nach Dresden kommt, geht ganz bestimmt in den Zwinger, in jeder anderen Stadt sucht er die Sehenswürdig- keilen und mag ihr Wert noch so begrenzt sein. In seiner cheimat- stodt ober geht er an ihnen vorüber und überläßt es den Fremden, die Schätze zu bewundern, die mit unendlichem Fleiß hier zu- sammengetragen sind. Wenn es den arbeitenden Großstädter an den Sommersonntagen hinauszieht in Feld und Wald, so ist dos ja nur zu verständlich. Der Winter aber gibt ihm Gelegenheit, die zahl- reichen Kostbarkeiten zu betrachten, die in unseren Museen vereinigt sind und nur auf wißbegierige Augen warten. Das alle Museum ragt am Lustgarten aus. Jenes einfache Bauwerk Im Stil eines griechischen Tempels, das so wohltuend von dem prunküberladenen, protzenhaft wirkenden Dom absticht. Bor seiner großen Freitreppe steht die im Jahre 1830 vollendete granitene Riesenschale, aus der, wie Fritz Reuter so schön zu berichten wußte, die Berliner Garnison ihren Erbsbrei aß und die aus einem großen Findlinqsblock aus den Rauenschen Bergen gefertigt wurde. Die Wand der Säulenhalle ist mit Fresken geschmückt, die Sagen aus der griechischen Mytho- loche zum Gegenstand haben. Leider sind sie zum Teil zerstört. Das Museum enthält eine große Menge plastischer Bildwerke In zahl- reichen Originalen und Gipsabgüssen aus der Antike als auch aus der christlichen Epoche, oer Borballe sind Denkmäler bekannter Künstler wie Rauch, Schadow, Winckelmann, Schinkel und andere aufgestellt, vesuchszeiten täglich von 9— 3 Uhr. Einlriki Sonntag, Dienstag und Freitag frei, Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend 2 M. Das neue Museum ist durch einen Bogengang mit dem alten verbundm. Hier wird den Besucher insbesondere der in natürlicher Größe ausgejührte ägyptische Tempel interessieren, dessen Säulen mir Dar- stellungen im altägyptischen Stil bedeckt sind. Im Tempelhof stehen die Kolossalstatuen ägyptischer Herrscher, die ein Musterbeispiel für die hohe Fertigkeit jener Zeit In der Bearbeitung des harten Steines I in das hellste Licht rücken. Das reichhaltig ausgestattete ägyptische Museum gibt auch sonst einen recht guten Ueberblick über die alt- ägyptische Kultur. Das weite Treppenhaus, das von Kaulbach mit kolossalen Wandgemälden geschmückt wurde, führt hinauf zum! Kupferstichkabinett und zu einer Reihe von Sammlungen antiker Gegenstände. Die Besuchszeiten und Eintrittspreise sind die gleichen wie beim alten Museum. In der Aalionalgalerie, neben dem neuen Museum, sind insbesondere die Werke deutscher Meister des 19 Jahrhunderts vereinigt. Besuchszeiten: Sonntag, Montag. Dienstag, Mittwoch und Sonnabend von 19— 3 Uhr, Donnerstag und Freitag von II— 8 Uhr. Der Eintritt ist frei am Sonntag, Donnerstag und Freitag. Ein Eintrittsgeld von 2 M. ist am Mittwoch und Sonnabend zu entrichten, während am Montag die Besichtigung nur den Inhabern von Freikarten oder gegen Zahlung von ö M. gestattet wird. Weitere Gemäldesammlungen, darunter besonders moderne Meister, sind im ehemaligen Kronprinzen-Palais(Unter den Linden) zur Schau gestellt. Hier kommt auch die modernste Kunst durch Werke futuristischer und kubistischer Künstler zur Geltung. Besuch». Zeiten: Sonntag, Montag, Donnerstag, Freitag und Sonnabend von 19— 3 Uhr. Der Eintritt ist frei am Sonntag, Dienstag und Mitt- woch, er kostet 2 M. am Donnerstag, Freitag und Sonnabend, da» gegen ist die Sammlung am Montag nur den Inhabern von Frei» karten oder nach Zahlung von 5 M. gestattet. In dem Gebäude der tochschul« für Politik(am Schinkelplatz) sind in einigen Räumen ildnissammlungen untergebracht. Besuchszeiten täglich von 19— 3 Uhr. Sonntag. Dienstpg und Mittwoch ist der Eintritt frei. Er tostet am Donnerstag, Freitag und Sonnabend 2 M. Am Montag ist der Zutritt nur den Inhabern der Freikarten oder nach Zahlung von 5 M. gestattet. Aus der Museumsinsel wird emsig an den Neubauten gearbeitet, In denen das Pergamon-, das vorderasiatische und das deutsche Museum Unterkunft finden sollem An der Spitze der Insel liegt da» kaiser-Arledrich-ZNuseum, dessen Kuppel wie eine große Mausefalle aussieht. Hier ist die alt- christlich-byzantinischc Kunst durch zahlreiche Werke seder Stilepochc vertreten, ferner sind deutsche Skulpturen sowie Gipsabgüsse nach deutschen und italienischen Skulpturen in großer Menge zu sehen. In der islamitischen Abteilung dürfte insbesondere die mit zahl- reichen Ornamenten bedeckte Fasjade von Mphatta die Aufmerksam- keit erregen, die eines der interessantesten Baudenkmäler der nach- babylonisch-assvrischen Zeit darstellt. Freunde des Münzwrsens aber werden im Münzkabinett ihren Wisiensdurst befriedigen können. In der umfangreichen Gemäldesammlung sind Werke italienischer, spanischer, französischer, holländischer, vlämischer und deutschem Meister des 14.— 17 Jahrhunderts zu finden. Besuchszeiten täglich von 9—3 Uhr, Eintritt am Sonntag, Mittwoch und Sonnabend frei, am Montag, Donnerstag und Freitag kostet er 2 M., am Dienstag 5 M. Die Sammlungen des KunstZewerbemusevms, die früher in der Prinz-Albrecht-Straße untergebracht waren, sind jetzt i-m Schloß neu geordnet worden. Der Zustrom der Fremden. die im S ch l o ß m u s e u m Hinterlassenschaften Wilhelms des Letzten zu finden hoffen und häufig genug mit den kunstgewerblichen Arbeiten nichts anzufangen wisien, ist bemerkenswert groß. Besuchs- Zeiten täglich von 9— 3 Uhr. Der Eintritt ist nur Mittwoch frei, Sonntag kostet er 1 M., Dienstag, Donnerstag, Freitag und Sonn- abend Z M., Montag 5 M. Am Montcch, Dienstag, Donnerstag und Sonnabend werden nur die Sammlungen des 1. Stockwerks ge- zeigt. An der Ecke Königgrätzer und Prinz-Albrecht-Straße liegt das Museum für Völkerkunde, das bis unter das Dach mit Ausstellungsgegenständen gefüllt ist, die uns Kunde geben vom kulturellen Leben aller Völker der Erde. Die Sammlungen sind so reichhaltig, daß ein jahrelanges Studium dazu gehört, um halbwegs mit ihnen vertraut zu werden. Besuchszeiten täglich von 9— 3 Uhr. Der Eintritt ist Sonntag, Montag und Donnerstag frei. Mittwoch, Freitag und Sonnabend kostet er 2 M., am Dienstag 5 M. Die Sammlung für deulsche Volkskunde. Klosterstr. 32— 36, ist täglich von 9— 3 Uhr gcöffnkt, Eintritt: Sonntag, Montag und Donnerstag frei, Mittwoch, Freitag und Sonnabend 2 M., Diens- tag 5 M. Das Märkische Museum am Köllnischen Park in der Nähe der Iannowitzbrücke, das im Jahre 1874 von der Stadt Berlin gegründet wurde, wil die natür- liche und geschichtliche Entwicklung der Mark und Berkins kenn- zeichnen. Im Erdgeschoß ist hinter der großen Halle, die kirchliche Sammelstücke mthält.>ie prähistorische Abteilung untergebracht, ii der zahlreiche Funde aus der Stein-, Bronze-, Hallstedt- und La-Tene- Zeit sowie aus der römischen Kaiserzeit und der Wenden-Zeit ver- einigt sind Im oberen Stockwerk ist die Waffenhalle, ein Spree- walvzimmer, ein Rokoko- und Berliner Zimmer untergebracht, ferner enthält es alle Sammlungen, die auf die Geschichte Berlins Bezug haben. Der Eintritt ist j r e i. Das Museum ist täglich außer Sonn- abend von 19— 3 Uhr geöffnet. Die technischen Museen. Das Verkehrs- und Baumujeum in der Invalidenstr 59/31 enthält eine prachtvolle Sammlung von Lokomotiven und Eisen- bahnwagen. Stephensono»Rocket" ist ebenso oertreten wie die modernste Schnellzugmaschine. Einzigartig dürfte auch das Gleis- museum sein. Das Signalwesen wird in zahlreichen Modellen er- läutert. Nachbildungen von Kanälen, Schiffshebewerken, Schleusen, Hoch- und Tiefbauten jeder Art geben einen guten Ueberblick über den jetzigen Stand der Technik. Das Museum ist geöffnet: Sonntag von Ii— 3, Montag geschlossen, Dienstag bis Freitag von 19— 8, Sonnabend im Sommerhalbjahr von 2— 6, im Winterhalbjahr von 12— 4 Uhr. Der Eintritt ist Sonnlag und Donnerstag unentgeltlich, sonst 2 M. Geführte, rechtzeitig schriftlich angemeldete Gruppen von Schülern und Studierenden zahlen 59 Ps. pro Person. Das Museum für Meereskunde, Georgenstr. 34—36, in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße, will durch seine Sammlungen»Sinn und Berstänonis für das Meer und seine Erscheinungen, die Hilfs- mittel feiner Erforschung, den Reichtum seines Lebens und dessen wirtschaftlichen Wert sowie für die volkswirtschaftliche Bedeutung von Schiffahrt und Seeverkehr anregen und verbreiten". Es ist geöfsnet: Montag, Mittwoch und Sonnabend von 19— 3, Sonntag von 12—3 Uhr. Der Eintritt an dlejen Tagen ist unentgeltlich. Am Donnerstag ist der Eintritt von 19— 3 Uhr gestattet gegen Zahlung von 5 M. Für S ch» l k l a j j e n in Begleitung der Lehrer nur Dienstag von 19— 3 Uhr. Das Reichspofi museum. Leipziger Str. 16— 18, gibt einen um- faflcnden Ueberblick über die Entwicklung des Postwsscns. Im Lichthof sind Modelle von Flugzeugen und Lenkballons, die früher im Zeughaus standen,»ntergebracht. Der Eintritt ist s r e i. Es ist täglich, außer Mittwoch und Sonnabend, von l9— 3 Uhr geöffnet. Um 12 und 2 Uhr finden an diesen Tagen Vorführungen von Apparaten aus dem Post-, Telegraphen- und Fcrnsprechbetriebe statt. In der Technischen Hochschule, Charlottenburg, Berliner Str. 171, in der Röhe des Bahnhofs Tiergarten, sind folgende Sammlunqon unentgeltlich zu besichtigen: Architektur- und Beuth- Schintel-Museum täglich 19—3 Uhr außer Sonnabend, Keramische Sammlung Montag und Dienstag von 19— 2 Uhr, Kinematische Sammlung Dienstag und Freitag von 11—1 Uhr, Mineralogisch-Geologisches Museum tag- lich außer Sonntag nach vorheriger Anmeldung. Sammlung für Maschinen aufnahmen täglich von 11— 12 Uhr. Sammlung photographischer und photomecha- nischer Druckverfahren täglich von 9—3 Uhr. S a m m- lung von Gipsabgüssen Sonnabend von 11—1 Uhr. Die Sammlungen des Zeughauses geben einen Ueberblick über die Entwicklung der Woffentcchnik. Es ist täglich von 9— 3 Uhr geöffnet. Sonntaq, Montaa und Donnerstag unentgeltlich, Dienstag, Mittwoch, und Freitag 2 M. und Sonnabend 5 M. Naturkundliche ZNuseen. Bokanisches Museum in Dahlem, Königin-Luise-Str. 6— 8. Besuchszeit vom 1. April bis 30. September jeden Sonntag von 11—2, jeden Mittwoch von 19— 3 Uhr. Vom 1. Oktober bis 31. März jeden 1. Sonntag im Monat von 11— 2, jeden Mittwoch von 19— 3 Uhr. Dculjches Enlomolcgljches Museum, Dahlem, Geßlerstr. 29. Geöffnet für Jnscktenkundige und Zoologen wochentäglich von 9—2 Uhr. Landwirkschastüches Museum. Invalidenstr. 42, wochentäglich außer Mittwoch von 19— 3 Uhr geöffnet, außerdem Sonntag und an den zweiten Feiertaqen von 11—3 Uhr. An den ersten und übrigen Festtagen geschlossen. Eintritt frei. Museum für Naturkunde. Invalidenstr. 43. Geöffnet Montag, Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend von 19— 2, Sonntag von 12— 4 Uhr.(Im Dezember und Januar von 12— 3 Uhr.) Dienstag und Freitag geschlossen. Montag und Donnerstag 2 M. Eintritts- geld. Lessing-Museum, Brüderstr. 13, täglich außer an den gesetzlichen Feiertagen von 11— 1 Uhr geöffnet. Eintritt frei. Rauch-Museum, Klosterstr. 7t> und Neue Friedrlchstr. 83, tag- lich von 10—3 Uhr geöffnet. Eintritt frei. Sammlung alier Musikinstrumente, Charlottenburg, Fasanen- straße 1. Dienstag, Donnerstag, Sonnabend und Sonntag von 11—1 Uhr geöffnet. Eintritt wochentags 1 M., Sonntags frei. Museum für vlindenunterrichl, Steglitz, Rothenburgstr. 14. Nach vorheriger Anmeldung Montag und Donnerstag von 11 bis 1 Uhr. Eintritt frei. Der Eintritt ins Museum der Landwlrlschafllichen Hochschule, Invalidenstr. 42, ist nur noch an den Sonn» und Feiertagen frei; an den Wochentagen wird eine Gebühr von 2 M. erhoben. Schulen und sonstigen unter Führung stehenden Gruppen kann freier Eintritt gewährt werden.___ Schlafwagen dritter Klosse. Gepolsterte Liegeskätken ohne Bettwäsche. Der«rste der neuen Schlafwagen dritter Klasse, die von der Reich: bahnverwaltuwg versuchsweise in den Dienst gestellt werden sollen, ist jetzt fertiggestellt worden. Ter Schlafwagen ähnelt In seinem Aeußern einem gewähnlichen O-Zug-Wagen und hat auf den dunkelgrün gestrichenen Seitenwän.en die Bezeichnung„Schlaf- wagen" in großen Buchstaden. Die Bauart des Wagendochcs unter- . scheidet sich von den gewöhnlichen O-Zug-Wagen dadurch, daß es . h o ch g c w ö l b t ist und die bei den bisherigen Bauarten der I O-Zug-Wagen in dem kleinen Dachausbau untergebrachten' Dor- : richtungen zur Lüftung der einzelnen Abteile bei diesen neuen Wagen | an dir Seite des Wagens angebracht sind. i Betritt man den Wagen, der an beiden Enden die bei D-Zug» Wagen üblichen Balgen hat, so kommt man zunächst an den Wasch- und Aborträumen vorüber und tritt dann in den Seitengang, von dem aus Drehtüren in die 12 H a l b a b t e I l e des Wagens jühren. Kolonisten aus Weltschmerz 2} Hon Wilhelm Rheni»». Bald wateten wir fröhlich in tiefem Sande hinter unserer Gepäck-Carrete her. dem kleinen Hotel zu, welches man uns empfohlen hatte. Später, während Frau Luisa sich der wohl- verdienten Ruhe hingab, sahen wir Männer uns das Städtchen genauer an, sprachen auch bei der Äolonieverwaltung vor, wo wir die Pläne und Kaufbedingungen einsahen und uns ein Bild von unserem zukünftigen Wirkungskreis zu machen suchten. Wir sahen auch manche Landsleute, die eine mehr oder weniger beschauliche Existenz führten, und man riet uns so ziemlich allgemein ab, als Pioniere in einen halbtropischen Urwald zu gehen. Aber das hatte man schon in Buenos Aires getan, und es nötigte uns bloß ein stilles Lächeln ab; die guten Leute ahnten gar nicht, wozu ein Weltverächter fähig ist. Dann bummelten wir wieder umher, freuten uns über jede Palme, über die reichbeladenen Orgongenbäume und ge- rieten über einen kreischenden Flug wirklicher Papageien in Enthusiasmus. Das Städtchen bestand zum größeren Teil aus Lehmhütten '— Ranchos—, und diesem Bauwerk wandte der gründliche Doktor zunächst seine Aufmerksamkeit zu. Wir kamen an einem verlassenen, halbverfallenen Lokal dieser Art vorbei und gingen hinein und darum herum, um es sozusagen zu sezieren. Die Primitivität der Architektur entzückte uns, und wir suhlten, daß wir das auch könnten, wenn unsere schlummernden Fähig- leiten und„Instinkte" erst zum vollen Ausbruch kommen sollten. Später beobachtete ich, daß die Eingeborenen mit dem Bauen dieser Häuser, wie mit allem übrigen— milde ausgedrückt— sehr methodisch verfahren. Zunächst werden die Pfosten an den ausgewählton Platz gefahren und müssen etwas ablagern, oft bis Gras darüber gewachsen ist. Dann erscheinen eines Tages Leute, die sie aufstellen, den Dachstuhl herstellen und dann spurlos verschwinden. Das Gerippe steht so viele Monate, und man hart sich derartig an seinen Anblick gewöhnt, daß man förmlich erschreckt, wenn eines Tages ein Mann auf ! dem Dach« hockt und es mit Stroh deckt. In diesem Zustande i bleibt es so lang«, daß man all« Hoffnung ausgibt, daß jemals ein Mensch dort einzieht resp. es ringsherum Vicht macht. Und doch kommt schließlich ein Tag, da liegt ein Hausen von Stangen und Knüppeln da, und wenn man es nicht gar zu eilig hat, wird man es erleben, wie daraus das Skelett der Wände hergestellt wird, welche letztere so lange von innen und außen mit Lehmklößen bombardiert werden, bis sie dicht sind. Dann ist der Rancho fertig zum Beziehen— wenn nicht das Dach mittlerweil« schadhaft geworden ist. Von Möbeln scheinen, nach meinen Beobachtungen, der ärmeren Klasse zum Wohlbefinden zu genügen: eine Ochsen- haut als Bett, ein Koch- und ein Teekessel und eine Gitarre. Wir lenten in den nächsten Tagen noch manches, infor. mierten uns fleißig und erhielten gute Winke sackweise. Frau Luisa war inzwischen nicht müßig gewesen. Sie hatte schon in alle Geschäfte geguckt, mit einheimischen Damen Bekanntschaft angeknüpft und hatte das Matetrinken gelernt. Der Doktor warnte sie eindringlich, nicht dieser Leidenschaft zu frönen und schilderte ihr totalen Zusammenbruch des Nervensystems als unausbleibliche Folge. Der gute Doktor! I Wenn er geahnt hätte, daß sich seine kleine Frau mit diesem taubcrmittel später über manch« böse Stunde hinweghalf. sie oft habe ich bald danach ihr noch tränennasies Gesicht von einem matten Lächeln verklärt gesehen, wenn sie eine dieser kleinen Stärkungen zu sich nahm. Z. Ein Aufklärungsritt. Wir Männer entschlossen uns noch einigen Tagen, einen Ritt nach dem Koloniegebiet zu machen, um uns endgültig zu entscheiden. Und eines schönen Tages standen zwei gesattelte und ge- zäumte Roste, die uns unser freundlicher Wirt besorgt hatte, auf dem Hofe. Der Doktor hatte eingestandenermaßen noch nie geritten, ich einmal, aber nicht lange und nie wieder. Aber unser Wirt beschwichtigte unsere Bedenken und wir kletterten, nach einem verblüfften Blick auf die fremarttgen Sättel, hinauf. Das heißt, der Doktor wurde von einem stämmigen Peon hinauf- gerollt, da er den Schwung nicht herausbekommen konnte. Dann verabschiedeten wir uns auf das herzlichste, ich über- nahm die Führung, machte zu meiner eigenen Ueberraschung eine Schwenkung und ritt in die Küche, wo eine zahnlose Küchenfee mich mit einem Juchhe begrüßte, vor dem mein Gaul entsetzt zurückprallte. Dagegen wurde der Doktor, desten Pserd mir gefolgt war. gegen«in«n Orangenbaum gedrückt. �.... „Max," schrie Frau Luise gellend,„steig ab!" „2lch was," rief er ihr in ermutigendem Ton zu.„es wird schon gehen." Aber es ging mcht. Wir kourbettierten umher, wie zwei nervös gewordene Schutzleute bei einer Straßen- demonstration, und mit demselben Resultat, indem wir alles an die Wand drückten. Unser Wirt härte uns schon längst geholfen, wenn er vor Lachen gekonnt hätte. Schließlich raffte er sich zusammen und erklärte uns die von der heimatlichen etwas abweichende Art der Zügeihandhcibung. Dann ging es unter Frau Luifas heißen Segenswünschen auf die Straße hinaus, wo wir den uns gründlich beschriebenen Weg nach der Kolonie einschlugen. Hier will ich einschalten, daß der Doktor aus hygienischen Gründen Zllpargatas on den Füßen trug, die ihm etwas zu weit waren, und daß der Abschluß nach oben aus einem Tropenhelm bestand. Ich war mit einem grünen Jagdhut mit Spielhahnfedern gekrönt, trug lange Stiefel und eine Jagdflinte umgehängt. Diese drei Artikel stammen aus einer Zeit, wo ich einmal sehr nahe daran war, Landwirt zu werden. Der Zuckeltrab unserer Pferdchen gefiel uns ausnehmend und es faß sich so hübsch weich auf dem dicken Schafpelz. Was noch alles darunter war, mochte der Himmel wissen. Aus dem Städtchen herausgekommen, trafen wir nur ver- einzelte Ranchos und kleine Pflanzungen, dann mit Wald durchsetzten Kamp. Es war etwas heißer geworden als on den oorherge- gangenen Tagen, aber das hielt uns nicht ab, die anmutige Lanoschast zu genießen. Nach etwa zweistündigem Ritt kamen wir in einen Wald. Hier sahen wir zum ersten Male Urwaldoegetation, was uns so feflelte, daß es uns für zwei weitere Stunden über ein sich einstellendes Gefühl der Steifheit und Zerschlagenheit hinweghalf. Doch schließlich kam die Abspannung und der Durst; denn wir hatten versäumt, an dem letzten Back)«, den wir passierten, zu trinken, und es wollte kein anderer kommen. Wir hingen schweigend im Sattel und stierten auf die Pferdeohren. Die Pikade schien sich endlos hinzuziehen, und auf einmal war sie auch noch durch einen gestürzten Baumriesen gesperrt. Ein kleiner, durch das Dickicht schwach ausgetretener Pfad umging dieses Hindernis.„Kann man da durchreiten?" fragte der Doktor bestürzt. Ich trieb mein Pferd an ihm vorbei in den Pfad hinein, um ihm zu zeigen, was einer, der schon an der Landwirtschast gerochen hatte, leisten könye. ______________________________ Korks, folgtl J Das erste Abte!! ist der Dsenstraum für den Schcafwnqenschnfsner, das zweite Abteil ein 5? a l b a b t e i l für drei Reifende. Die übrikKN zehn Haibab!eile können, je zwei durch dos Öeffnen einer Tür in der Zwischenwand mit einander verbunden werden, so daß sie also ö Vollabteile mit je 6 Betten darstellen. Die obere L i e g e st a t t ist fest und bleibt auch bei Tage ungeandert. Die mittlere Liegestatt in jedem Abteil bildet bei Tage die Rücken- lehne, während die untere bei Tage die Sitzbank darstellt. Die Liegestätten sind mit regelrechten Polstern, die mit dunklem Stoff bezogen sind, ausgestattet, die auch am Tage an ihren Plätzen verbleiben. Die zu jeder Liegestatt gehörigen K o p s p o l st e r wer- den tagsüber in dem Dienstabteil ausbcwahrt und kommen erst am Abend in die Abteile. Wie schon erwähnt, werden die Schlchwaisen dritter Äloss« nicht mit Bettwäsche usw. ausgerüstet. Den Refenden bleibt es vielmehr selbst überlassen, für Decken usw. zur Nacht zu sorgen._ Schon wieder Koks- und Brikettpreiserhöhung. TaZ Kohlcuamt teilt mit: Jn'olge der mit Wirkung vom l. d MtS. eiimelretenen ProdultioiiSpreiterhöhnngen für Koks und der 50 obigen Frachisteigcrung ist eine weitere P r e i S f e st s r tz u n g der Kleiiiverkatifsvreiie erfoiderlich geworden. Ter Magiftiat Berlin bat demenlsprewend die Preise für Koks und Briketts mit Wirkung vom ö. d. M. wie folgt festgesetzt, fr ii r Kuchen- und Orenbraud: Gaskols, Grob- und Nnßkoks if.Üä M, Briketts 26 30 2)1 nli Lager, 4425 M. bzw. 27 80 M. frei Keller, stür filbreuiveife Lieferung frei Keller: Grskots und NußkokS 43,25 M, Wests, oder Lichtenba. Schmelzkols»nd Berliner Kammerofenkoks 48,10 TO.. Niederfchl. Schmelstoks 5135 M.. Ober'chl. Schmelzkoks 47,10, Sachs. Hüttenkoks 27.75 M.. ab Lager 26.80 M. Elektrizität immer noch billiger als Petroleum. Die wiederholten Tariferhöhungen der Elektrizitätswerke haben den Gndanken an die Rückkehr zur Benutzung der alten Petroleum- lnmpe äuftouchen lassen; man glaubt, daß die unbestrittenen Bor- züge der elektrischen Beleuchtung, wie Geruchlosigkeit, Zeit- und Arbeitscrsparnis und Ungesährlichkcit doch nachgerade zu teuer erkauft würden. Das ist ober nicht der Fall; man laste nur die solgenz t den nüchternen Zahlen sprechen. Eine gute P c t r o l e u m- A r-. b e i t s l a m p e ergibt ungefähr 25 Normalkerzen und verbraucht in; der Stunde etwa ein Zehntelliler Petroleum.' Bei einem Preise> von 7 M. für das Liter Petroleum Zellen sich also die Brenn-! kosten für die Stunde auf 70 Ps. Hierzu kommen noch die Ausgaben für Dochte, Zylinder, Glocken und für die Arbeits- leiftung, für das Herbeischaffen des Netrolenms und das Reinigen und Putzen der Lampen. Demgegenüber verbraucht eine moderne, sogenannte Metalldrohtlampe von gleicher Helligkeit, also von 25 Normalkerzen, in der Stunde etwa 25 Watt an elektgischem Strom. Bei einem Preise der Kilowattstunde van 5 M. beläusl sich also die Hauptausgab?, d. h. �die für den elektrischen S t ro m, aus nur 1 2, 5 P f. in der Stunde. Eine elektrische Lampe von 50 Normolkerzen würde demnach nur rund 25 Pf. in der Stunde kosten Elektrisches Li cht ist also zurzeit drei- bis viermal so billig, als Petroleum licht. Wer„eignet sich" zum Schöstcu und zum Ceschworeneu? Früher wurden Arbeitersa st niemals dazu herangezogen, dos Ehrenamt eines Schöffen oder eines Geschworenen zu über- nehmen. Dann kam das Versprechen, daß es anders werden sollte und daß auch Vertreter der Arbeiterklasse in angemessener Zahl dazu berufen werden sollten, an der Rechtsnrechung der Schöfsengsrichte und der Geschworenengerichte teilzunehmen. Will aber einer be- haupten, daß in dieser Hinsicht sich bisher wirklich so sehr viel ge- ändert hat? Aus der beim Amtsgericht Wedding von den: Wahlausschuß für die Schössen und Geschworenen aufgestellten neuen Liste wird uns mitgeteilt, daß unter 46 Personen aus Hermsdorf 3 Fabrikbesitzer, 3 Direktoren, 5 Ingenieure und Oberingenieure, 4 Prokuristen, 4 Oberlehrer. 11 Sekretäre und Obersekretär? von Post und Telegraphie, im übrigen Weinhändler, Schriftsteller, Professoren, aber keine Handwerker und keine Arbeiter zu finden sind. In den Listen für Reinickendorf und Tegel bietet sich ein ganz ähn- liches Büd, nur daß man aus diesen Industrieorten schließlich wenig- stens ein paar Gewezbetreibendc und Werkmeister als„geeignet� ausgesiebt hat._ Die nächste Skadtoerordnetenfihung am Donnerstag, 8. De- zember, weist wieder eine sehr umfangreiche Tagesordnung auf. Die Hauptpunkte sind die Berichterstattung des Ausschusses über die Gültigkeit der Stadtverordnelenwahlen und die Zuteilung der auf den Stadtlissen gewählten Stadtverordneten aus die Bezirksver- sammlungen, sowie die neue Vorlage des Magistrats über die von ihm bewilligten Lohnerhöhungen für die städtischen Arbeiter und Werksangestellten. Mit 2V0 01)0 Mark gefluchtet ist der 34 Jahre alte Kaufmann Moritz P e lecke, der bei einer Berliner Jnduslriefirma eine Ver- trouensstellung bekleidete. Pelccke benutzle eine vonibergebende Ab- wesendeii des Geichäilsiiihabers dazu, an die Bank der Firma ge- fälschte Benachricdtigliiigsichreiben zu senden und sich aus diese Weite 200 000 IN. zu ve: schassen. Hiermit sn.vte er das Weite. Der Flüchtige ist 1,60 Meter groß und schmächtig und bat eine» dunkelblonden, englisch genutzten Schnurrbart. Auf seine Er- greifung und die Wiederherbeiichastmig des Geldes ist eine hohe Be- lähnung auSgeietzt. M>iteil»iigen find an die Dienststelle D II. 1 der Berliner Kriminalpolizei, Zimmer 107 des Polizeipräsidiums, zu richte». Leere Räume, die zur Milderung des Wohnungsmangels nutz- bar gemacht iverden könnten, sind in Beilin immer wieder zu finden. In dem der A I ch i n g e r- Gesell'chafl gehörenden Hauie r a n i e n st r. 145 146 lMoritzvlatzl, ist schon ieit langer Zeil daS erste Stockwerk, das früher zu Speiieiäumen für Aschiiigers Tu'chgnnc eingerichtet war, in der ganzen Ausdehnung der sehr beträchtlichen Front nubenutzl. Würde» hier Geschäfts- oder Piireouräiline eingerichtei, so lönnten anderswo wahr'cheinlich noch Wohiiläiime frei werden, die ihrer eigentlichen Bestimmung lftsher entzogen waren. Auch in dem der Stadt Berlin gehörende» Haufe Alte I a k o b fi r. 38 gibt es unbeinitzte Ilänme. Sie sind es zwar„eist">eil zwei Monaten, aber auch das tanil einem o't abgewiesene» Wohnungssuchenden laiige genug fcheineu. AIS man dort im Sepieniber ein paar Brolkominissioilen zufanimenlegie. wurde im Erogeichoß eine Parlerrcwohuung frei— und sie ist bis heule leer aeblieben. Auf der Zugendpflcgcwoche in Reukölln, die vom 12. bis 19. De- zember d I. stattfindet, werden u. o. sprechen: Professor Wicken- Hagen vom Provinzialfchulkollegium über„Jugendpflege und Sport", Professor Kestenberg vom Ministerium sür Kunst und Voltsbildung über„Jugendpflege und Kun st", ferner Land- ggrichtsdireklor Dr. Hellwig über„Einfluß der Schund- literatur auf die Kr-ininalität der Jugendlichen". Der Dezernent des Neuköllner Jugendamts, Stadtrat Schneider, wird über die praktisch erprobten behördlichen Maßnahmen zur geistigen und körperlichen Ertüchtigung der Jugend und die dabei gemachten Erfahrungen berichten. Außerdem werden die Teil- nehmer Gelegenheit haben, die Fortschritte auf dem Gebiete der bildlichen Belehrung und der bildenden Unterhaltung unserer Jugend durch Vorführungen und Ausführungen im Städtischen Lichtspielhaus sowie in verschiedenen Aulen aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Des weiteren finden regelmäßige Führungen sowohl durch die Ausstellung als auch durch die städtischen Kinderpflege. und Jugendheime statt. Den Abschluß der Jugendpfleqewoche bildet eine Kundgebung der Neuköllner Jugend gegen die Schundliteratur aus dem Tempclhofer Felde, woselbst 30000 Schundbücher den Flammen übergeben werden. Karten, die zur Teil- nähme an sämtlichen Veranstaltungen berechtigen, sind zum Preise von 50 M. bis spätestens 5. Dezember beim Bezirksjugendamt Neukölln, Rathaus, zu entnehmen. Freisprechung im Prozeß Suchholz. Zur weiteren Begründung der Anklage nimmt nach dem Ersten Staatsanwalt Krause noch Siaatsamvall Steinbrecher das Wort. Er weist auf den„politischen Einschlag" dieser Mordsache hin. Die Hundertschaft ist, führt er aus, als r e ch t s g e- richtet bezeichnet worden. Was das im allgemeinen heißt, weiß man. Die Geschworenen dürfen sich aber durch solche Rücksichten nicht beein- flussen lassen. Die Staatsanwaltschaft ist rücksichts- los vorgegangen und hat nicht erst auf Mahnungen durch die Presse gewartet. Sie bat sofort alles g?tan. um Aufklärung her- beizuführen. Die Obduktion wurde sofort vorgenommen. Die Schwierigbeit bestand darin, daß die kriminalistisch ersah- renen Täter den Tatbestand verdunkelten und einen Selbstmord vortäuschten. Erschwerend war auch die falsche Solidariiät. von der die Kameraden erfüllt waren. Sie sind bemüht gewesen, den Toten zu verunglimpfen und den Täter zu decken. Der Gedanke an Selbstmord ist ausgeschlossen. Ich bin voll überzeugt, daß Mord vorliegt. Die Tötung ist mit so vorsätzlicher Ueber- legung ausaesührt worden, daß dieser Fall geradezu ein M u st e r b e"i s p i e l ist Der Angeklagte E r r e n soll„wc i ch l i ch" sein? Hauptmann Stennes nannte„weichlich" schon den, der nicht zusehen kann, wie einer geprügelt ist. Erren ist doch Mitglied �einer Polizeitruppe, da wird er doch nicht übertrieben weichlich sein dürfen. Als hier der präparierte Kopf des Ermordeten vor- gezeigt wurde, hatte er weiter nichts als ein zynisches Lächeln. (Bewegung im Zuhörerraum und auf der Zeugenbank; der Vor- sitzende rügt diese Kundgebung des Beifalls und des Mißfallens.) Aus wesentlich anderem Holz ist der Angeklagte Me y e r geschnitzt. Seine La n d s k n e ch t s n a Ui r hat ihre guten Seiten, aber auch ihre üblen. Das zeigte sich z. B. in seinem Verhalten bei der Waffenverheimlichung und der darauf solgenden Durchsuchung. Eine gewisse Neigung zur®,e walttätigkeit ist bei ihm vor- banden. Von Pricsdorff sagte: Mit solchen Leuten kann man den Teufel aus der Hölle holen!" Aber beachtenswert ist doch auch die Aeußenmg des Hauptmanns Stennes, daß ohne seine Führung die Leute zu Verbrechern würden. Die Ausführung der Tat ist nicht aufgeklärt worden. Es ist sehr leicht möglich, daß ein Dritter den Schuß abgegeben hat. Mindestens haben die Angeklagten bewußt und gewollt mit- gewirkt. Erren mußt? dann den Heraanq der Tat genau kennen. Ich bitte, die Fragen auf Mord bzw. Mittäterschaft zu be- jähen. Andernfalls käme Begünstigung und B e i hi l f e in Frage. Nach den Anklagereden der Staatsanwälte nimmt der Verteidiger Dr. Alsberg das Wort. Er betont, daß nach der Meinung auch der Staatsanwälte die Beweisführung nicht gelungen sei, weil in der Hundertschaft ein Kamerad den anderen gedeckt habe. Diese gegen- seitige Deckung bestreitet er, aber darin, daß nichts bewiesen sei, stimmt cr der Anklagebehörde zu. Gerade die politische Erregung dieser Zeit gabiete, sich auf die nüchternen Tatsachen zu stützen. Nicht nur Mord und Mittäterschaft durch Erren und Meyer sei ausgeschlossen, sondern auch Ermordung von dritter Hand. Bon sieben Sachverständigen haben sechs einen Selbstmord für mög- lich und einer ihn für sicher erklärt, aber die Staatsanwaltschaft bleibe bei dem achten, bei Störmer, der Mord annimmt. Dr. Als- berq versucht, das Gutachten Stürmers als irriz nachzuweisen, weil dieser Sachverständige von falschen Boraussetzungen ausgegangen sei. Selbstmord durch Schuß von hinten sei möglich— und hier sei Selbstmord gewiß. Buchholz habe wahrscheinlich den Selbst- mord verdecken und daher durch die besondere Art der Ausführung einen Mord vortäuschen wollen. Die zur Tat benutzte fremde Pistole, die früher einem Leutnant entwendet worden war. könne in Buchholz' Hände gelangt sein. Auch die subjektive Möglichkeit eines Selbstmordes ist für den Verteidiger zweifellos. Buchholz sei von der Staatsanwaltschaft mst großsm Wohlwollen behandelt worden. Die Beweisaufnahme habe gezeigt, daß er es nicht verdiene. Buchholz müsse zu Unterschtzr- gungen gegriffen haben, um so zu leben, wie er lebte. Alle seine Erzählungen über Erbschaft und ähnliche Einnahmequellen seien nur Täuschungsmanöver. Furcht vor den Folgen seiner Unterschlagun- gen und daneben die Verzweiflung über die Zwistigkeiten mit; einer Frau seien Grund genug zu einem Selbstmord gewesen. Dr. Als» berg führt dann aus. daß den Leuten der Hundertschaft z. b, B. ein Mord auch gar nicht zuzutrauen sei. Uner» hört sei der Versuch des Staatsanwalts, den Kameradenmord als Frucht des Geistes der H. z. b. V. hinzustellen. Die Art, wie der Streit um den durch Kameraden begangenen Vorrat vor dem sogenannten„Ehrengericht" ausgetragen waroe. müsse geradezu vorbildlich genannt werden. Die Staatsanw alts hat! haoe sich Argumente zu eigen gemacht, die eine blinde, der Hundertschaft feindliche Presse vorgebracht habe. Im besonderen Kicht d-r V?r- teidiger die beiden Angeklagten in das günstigste Licht zu rucken. Er ficht Errens und Meyers Unschuld als absolut e r w i e s e n an....... Das PflichtbewußtselN der Staatsanwaltschaft in diesem Prozeß ist, schließt der Verteidiger, übertrieben. Es ist diktiert aus dem Bewußtsein, daß die Staatsregierung alles zur Aufrechterhaltung der Ordnung zu tun bemüht ist. Unser ganzes Rechtsleben ist in Gefahr, politisiert zu werden. Das Gift der Polstlk droht in die Gerichtssäle einzudringen. Dank wird aber die Staats- | änwaltschaft nicht ernten. Morgen wird sie in dem Blatt, in dem ! genannt zu werden eine besondere Ehre für sie ist, eine gute Note ! bekommen. Meine Herren, geben Sie dieses Rennen auf. Die i Leute, die an den Grundfesten des Staates rütteln, indem sie gerade Ihnen sonst vorwerfen, daß Sie sich zum Hüter des Unrechts machen, �werden Sie nicht überzeugen. Sie, meine Herren Geschworenen, werden zu einem N i ch t s ch u l d i g gelangen. Erster Staatsanwalt Krause erwidert, daß nicht nur der Sach- verständige Störmer einen Selbstmord bezweifelt. Auch von den meisten der anderen Sachverständigen sei ein solcher nicht als sicher angesehen worden. Die Staatsanwaltschaft kämpfe sür keine Partei— sie bekämpfe das Verbrechen, unbekümmert darum, ob es von links kommt oder von rechts. Staatsanwalt Steinbrecher bezeichnet des Verteidigers Einfall, daß Buchholz selber einenMordvortäuschen wollte. als ungeheuerlich. Zur Kennzeichnung des Angeklagten Erren weist er hier auf dess-n Versuche, seine Aeußerungen über seine„Braut" abzustreiten. Auch Staatsanwalt Steinbrecher betont, daß er keiner Partei dient, sondern nur das Verbrechen bekämpft. Nach einer Erwiderung des Verteidigers schließen die Ange- klagten sich seinen Ausführungen an und oersichern ihre Schuld- lostgkeit. Die Beratung der Geschworenen dauerte etwa eine halbe Stunde. Sie beantworteten die Hauptsragen nach Mord sowie die Unterfragen nach Begünstigung bzw. Beihilfe sämtlich mit Nein, so daß die Angeklagten freigesprochen waren. Die vom Verteidiger beantragte Haftentlassung wurde beschlossen. « Zur Frage, ob Buchholz unterschlagen hat, legt der in dem Prozeß als Sachverständiger vernommene gerichlliche Bücher- reoisor R e t t i g Wert auf genaue Wiedergabe folgender Ausfüh- rungen seines Gutachtens: Die Frage, ob Buchholz 173 385 M. unterschlagen hat, ist abhängig von der Frage, ob B u ch h o l z die Beträge, welche den vorher genannten Betrag ausmachen, an L c h- mann tatsächlich gezahlt hat oder nicht. Daß Buchholz sie in die Ausgabe seiner Kasse gestellt und unterschlagen hat, sei deshalb ganz unwahrscheinlich, weil ein Betrüger nie einen so plumpen Betrugsversuch machen würde, dessen Aufdeckung er jeden Augenblick erwarten müßte. 1000 IN. für eine Autofahrt. In der vergangenen Nacht gegen Uhr forderte der 30 Jahre alte Ingenieur Alfred M. vor einem Weinlokal in der Iägcrstraße einen Autoführer auf, ihn nach seiner Wohnung in der Kulmstraße zu fahren. Der Chauffeur oerlangte für die Fahrt 1000 M. und als M. die Forderung eine Unverschämt- heit nannte, fielen sofort mehrere Autoführer über M. her und schlugen so lange auf ihn ein, bis er, aus mehreren Kopfwunden blutend, am Boden lag. Der übel zugerichtete M. mußte nach der Rettungswache in der Kronenstraße geschafft werden. Welche Gesichkspunkle? Die Fraktion der Deutschen Volks- Partei im Beiliiier RatbauS hat der Berliner Stodiverordnetcn- Versammlung folaende Aufragen unterbieitet:„Welchen GesschlS- punkten ist der Magiüral bei der Veileon»g deS letzten Streiks der Angestellten in den städtischen CHeklmiiäKwerkrn gefolgt? Au' wie hoch belaufen sich die Kosten für die den Streikenden i» Aussicht gestellten Zugestäildnis'e?" 3öö mal alarmiert wurde die Berliner Feuerwehr im November d. I.. darunter der 14 Löfchzng 35 mal. Die Vezirksversammlung Prenzlauer verg trat zur ersten Ver- sammlung zusammen. �Der Bürgermeister John wies einleitend aus die vielen Schwierigkeiten hin, die im verflossenen Jahre einer ordnungsgemäßen Verwaltung entgegenstanden, und beklagte vor allem auch den Mangel an Räumlichkeiten zur Unterbringung der Verwaltungsbureaus, an deren Behebung auch weiter mit allen Kräften gearbeitet werden müsse. Es müsse versucht werden, die im Bau beariffene Schule in der Danziger Straße, von der ein Teil für das Bezirksamt hergerichtet werde, ganz für das Amt zu bekommen. Dann wurden die Bezirksoerordneten von ihm durch Handschlag verpflichtet. Gegen die fe st gesetzte Tagesordnung wurde zunächst von der Dnatl. Bp. und DDP. Ein- spruch erhoben. Nachdem aber als einstimmige Auffassung festgestellt war, daß jede Fraktion entsprechend ihrer Stärke im Vorstand und den Deputationen vertreten sein und in diesem Sinne die Wahlen vorgenommen werden sollten, zogen sie ihren Einspruch zurück. Die Dem.. Wirtsch. P. und Zentrum hatten dem Bezirks- amt mitgeteilt, daß sie sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen- geschlossen hätten. Die bis dahin geltende Geschäftsordnung wurde bis auf weiteres bestätigt. In den Vorstand wurden gewählt: Als Vorsteher Kemnitz(SPD.), als Stellvertreter B ö tz e r(USP.), als Schriftführer G a r d e in i n tDnatl. Vp.), als Stellvertreter Schmidt(DVP.). Nach der Wahl wurde von der Dnatl. Vv. und der DBP. erklärt, �daß auch sie sich zu einer Fraktion der Rechten zusammengeschlossen hätten. Bon den Parteien der Linken wurde darauf die Erklärung abgegeben, daß sie die Ge. meinschaft nie als eine Fraktion anerkennen würden, daß mit dieser Erklärung aber eine neue Situation ge- aeben sei, die es nunmehr ihnen ratsam erscheinen lasse, die weiteren Wahlen auszusetzen. Dies geschah! Zum Schluß wurde nach ein Dringlichkeitsantraa angenommen dahingehend, daß der Mnaistrat ersucht werden soll, die neuen erhöhten Gaspreise erst von der nächsten Gasbestandsrechnung ab zu erheben. Thlvrster Tcböffer, das Nnweiloloenle nnter den Artisten, wickelt jetzt im U s a a I a st am Zoo eine Reibenfolge von Einzellünflen ob, die gut bie Hälile deS gongen Abends In Anspruch nebmen. Der liebens- würdige und sait immer geschmackvolle Meister de« VarictöS leistet Vortreff. liches als javanilcher Jongleur tden Ortainalen gut abgeloulcht und be- wunder uuoSwiirdia wiedergeoeben), er malt im Nu ein Oelbild. viodu,iert ficfi als Eauilibrist in einer Biedermeier! zene. reitet lonnvollendet die Hobe schule, lchtehl nls Knnilichfltze stellicher in einer Joodizene. gibt ein Viölln- iolo oui einer iehr jst'önen olien Oteioe. porodl-rt efirxn oznerikonffchen Stiaßei.uiupiaülen, uiid latzt[1 u) jch.rez!-h als Gl.idiätör, als Pacjijäl und Giiechrnbeld bewundern. Ein tibchcn viel durch inander, lozulogen in rinem'Atrm'ug; ober der Schöffer macht das fo icharmant, bleibt ohne Selbstübeibebmig bei der Voistelliing in den Grenzen deS Kiinillenichen. daß mon dem flotten Allestönner mit Vergnügen zusiebt.— Aufler einem guten Vgrietstfil zeigt dann die Uja noch einen Cbavlin-Film. Der diollige Fianzose wirbelt dicsmat durch ein VareiihouS, stellt all-S wie gewöbnlich auj den Kopf, bleibt dabei immer der Chaplin, den Filmlcute wohl kopicicn, aber niemals erjctzcn tonnen. Ein tili filerilchrs STarionettentbeoter nnd eine Slusftrllung von Ingeiitschriiirn ans dem Vorwärls-Veilag veraiiflallei der Bit- dlingsaueschufl des Kieiies W c d d i n g om Sonntag, den 4. Dezember, in der Aula d-r flädt. Fonbildiingsschule Gruntbaler S t i a fl e 5. nochmillgg» 4 Hbr:.Lilicnwcifl und Rosenrot" und„Der Prinz von Oranien'. Abends 7 Uhr:„Das Puvven piel" von Dr. Faust. Groß-öerliner parteinackrichten. Morgen, Sonnlag. den 4. Dezember: 24. Abt. Vormittags g Uhr Sitzung der Bezirksfllhrer, ttreisvertreter und Elternbeiräte bei Winzer, Christburger, Ecke Winsstratze. Wichtige Tages. ordnung. gg. Abt. Rculölla. Vormittags S>4 Uhr bei Schulz, Emscr Etr. 102, Funtttonär- I sitzung mit ltreisvcrtrctern. Wichtige Tagesordnung. 117. Äbt. Lichtenberg. Vormittags S'? Uhr beim Genossen Neumann, Leopold- strafle 17, gusammcnkunst aller Mitwirkenden zur Weihnachtsfeier. Zungsozialisteu. Heimabend ab nachmittag» 4 Uhr im Jugendheim des Osten». Grobe Franksurter Str. lg. U. a.„Moderne Arbeiterdichtungen" lDchmel, Brögcr, Bartels). Gäste willkommen. ?ugenüve�anftaltunyen. verein Arbeiter. Jugend. Sekretariat: SB. i», Lindenstr. 1, 2. Hof link», 2 Treppen recht». Telephon: Mpl. 12108-10. p�rm T 44-44-4 4-4� Achtung! Heute abend pünktlich 7 Uhr I« vefangssaal de» Real- !»ymnasiuma Weinmeifierftr. 1Z,«orfitzendentoaserenz. Erscheinen aller j Abtcilungsoorsitzenden unbedingt notwendig. Morgen, Sonntag, den 4. Dezember: Halenfe«: Besuch des Bälkerkundemuseums. Treffpunkt 9 Uhr Bhf. Halen» see.— Norden: Wanderung nach lläniaswustechaufen. Treffpunkt �7 Uhr Brunnen-, Ecke Bcrnauer Straße.— 17. Are!» fOstbahn): Schnitzeljagd im Blumenthal. Treffpunkt ldO Uhr Bhf. Strausberg.— Süden: Wanderung nach Birlcnwcrder— Bernau. Treffpunti 7 Uhr Moritzplatz. Sriefkasten der Neüaktion. ®. T. 82. stammen Sie In unsere Juristische Sprechstunde und bringen > Sie sämtliche Papiere mit.— P. H. 190. Bis 31. Dezember 1919.— Schleawig. 1 Amerika, l. Paß. 2. Bei Ihrer Polizeibchärde.— T. s. 100. 1. Nein. 2. Ja. ! 3. Bis 8 Uhr.— Geiz 13. 1. Nur der stlagewcg. 2. Sie brauchen vorläufig ! nichts zu unternehmen. Evtl. muß das Micteinigungsamt entscheiden.— Z. S. 190. l. Die Höhe der stosten richtet sich nach dem Wertgegen stand, der von dem Gericht festgesetzt wird. 2. son beiden Wortern können Sie dos eine oder das ander« Wort wählen. 3. Ja. 4. Echreibgebühren. B. 100. Wir unterlassen. Erziehungsanstalten zu nennen, in denen Sie selber den Jungen unterdringen konnten: denn wir mächten für keine die Verantwortung Ubernehmen. Vielleicht erhalten Sie Rat und Beistand bei dem Berliner Jugendamt(Neue Fciedrichstr. 80), doch müßten Sie dort von vornherein betonen, daß Sie nicht Ueberweisung des Jungen in Fürsorge- erziehung wünschen, sondern vielmehr diese Maßregel verhüten wollen. Sollte aber das Verfahren auf Ueberweisung in Fürsorgeerziehung bereits im Gong« fein, dann werden Sie tmllffen wir nach Ihrer Schilderung fürchten) wohl nicht mehr viel ausrichten.___ Wetter bis Zonntag mit ag. GröfltenteNS trocken, überwiegend bewöllt. im Nordoflcii vielfach Keiler, in den Millagsstimden mö1 iget Frost, in»er Nacht zu Sonntag ziemlich strenge Kälte bei jchaiiea lüdösUichea Winde». Soziales. Die Jlctjfe lehnen den Schiedsspruch ab. Nachdem die großen Kassenverbände den Schiedsspruch über die den Aerzten zu gewährenden Teuerungszulagen vom 31. Ok- tober 1921 abgelehnt hatten, fanden zwischen beiden Parteien am 39. November und am 1. Dezember neue Verhandlungen im Reichs- arbeitsministerium statt. Sie endigten ebenfalls mit einem Schieds- spruch, dessen Annahme die Vertreter der A e r z t e für aus- geschlossen erklärten mit der Begründung, daß er sich zu weit- gehend dem Standpunkt der Kassenverbände anschließe. Ergänzung der Lohnbeschlagnahmebestimmungen. Durch das Lohnbeschlagnahmegesetz sind die freien Arbeiter und Angestellten sichcraes'ellt, daß innerhalb einer gewisien Grenze („Existenzminimum"), ihr Lohn oder Gehalt nicht gepfändet oder beschlagnahmt werden darf. Die Gehälter der öffentlichen Beamten sind ungeschützt. Nunmehr ist im Reichsrat ein Gesetz- entwurf angenommen worden, wonach wenigstens die Pensions- anspräche von Beamten und Angehöriaen de'' Wehrmacht, die bisher schon bis zur Grenze von 2900 M. unpfändbar gewesen sind, bis zur Höhe von 3999 M. jeder Pfändung entzogen werden. Be- sonders wichtig ist— imn dadurch erhöht sich die Pfändungsgrenze ganz erheblich—, daß die Teuerungszulagen und Kinderbeihilfen für völlig unpfändbar erklärt werden. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Morgen Sonntag, den 1. Dezember: Typographische Vereinigung Berlin, tzweiter Dichterabcnd mit Damen um 7 Uhr im Klubhaus, Ohmstr. 2. Zum Vortrag gelangen Dichtungen von Arnim T. W e g n c r. Außerdem Niaviervortriig« und Lieder zur Laute. Karten nur t M. am Saaleinaang. Gäste willkommen. Ortsausschuö für Iuocndpfleg- In Rculölln. Fiihrung durch die prähisto- rische Abteilung des Miirlischcu Museums. Trefspunkt �.10 Uhr vormittags vor dem Museum, Am Köllnischcn Part sBahnhos Iannowitzbrllcke). Kumanistische Gemeinde Berlin, E. V. Nochmittags ihi Uhr Vortrag von Dr. R. P e n z i g Uber„Rabindranath Tagore" in der Aula der Friedrich» Werderschen Oberrealschulr, Niedcrwallstr. 12.. Gäste willlommen. Gine religiöse Feierstunde hält Genosse Pfarrer B l e i e r nachmittags 8 Uhr in der Trin'.tatis-Kirche zu Charlottenburg, Karl-August-Plaß, ab. Seine Predigt trägt den Text!„Das Reich der gukunft". FreireUgiöse Gemeinde. Vormittags 11 UKr im Rathaus, Königstraße, Vortrag des Herrn Dr. P. Zt r i s ch c:„Gemeinschaftskunde. Entwicklung der Faintlic". Harmonium: La Dobtmc(Puccini). Abends S Uhr, Pappelallee IS, Vortrag des Herrn Dr. C h r i st i a n:„Aus der Geburtsstunde der freireligiö» sen Gcmeinden". Gäste willlommen. Mus aller Welt. Der Schlustakt des Landru-Prozesses. Da? Gnadengesuch, das die Pariser Geschworenen im Landrn- Prozeß einstimmig imterzcicbnet haben, hat folgenden Woltlaut: „Die unierzeicbneten Geschworenen von Seine und Oise, die soeben gegen Landru ein bejahendes Urteil ohne mildernde Um- stände gefallt haben, ersuchen jedoch um Nichtausführung der Todes- straie und erbitten die Nachsicht des Präsidenten der Republik für den Verurteilten." L a n d r u hotte die Verkündung de? Urteils mit der außer« ordentlichen Ruhe vernommen, die er während des ganzen Prozesses gezeigt hat. Das unbewegliche Gesicht verriet kein Gefühl, die Vorlesung der bejahenden Antwort der Geschworenen rührte ihn nicht, im Gegenteil, als er die 48.»frage nicht vernahm, machte er seinem Verteidiger ein Zeichen und fragte ihn leise: Und die 48. Frage? Nach der UrieilSverkiindung änderte sich seine Haltung nicht. Der Verteidiger bat Landru, das G n a d e n g e s» ch zu unterzeichnen, daS er den Geschworenen unterbreitet hatte. Landru erklärte:„Niemals. Em Mann wie ich verlangt weder Gnade noch Mitleid". Er wandte sich an einen seiner Verteidiger, NelioreS, und ragte ibnr:„Sie tun nrir leid, Ihre drerfährigen An- strengiingen sind jetzt verloren". Nack Verkünduna deS Urteils wurde Landru in die Zelle zuriickgehrachl. Als seine Wächter ihn verließen. erklärte er ihnen:„Ach habe meine Perlon geopsert. Wenn ich sterben soll, so werde ich zu sterben wissen". Deutscher Adel hat'». Der Prinzessin Hohenlohe, die in einem großen Pariser Kaushause Einkäufe besorgen wollte, wurde die Handtasche mit Silber« und Schmucksachen im Werte von 500009 Franken gestohlen. Und wieder Sahnpostrisiko. Am 39. November ist kurz vor Cleve ein Gürerzug aui einen Personenzug von hinten aufge- fahren. Der am Schluß laufende Bahnpostwagen wurde zer- trnmmert. ein Bahnpostschaffner anscheinend schwer verletzt. Die Postsendungen konnten geborgen werden. Zita beurlaubt. Der Exkaiserin ist erlaubt worden, sich nach der Schweiz zu begeben, um der Operation eines ihrer Söhne beizu- wohne». Oppau wieder in Betrieb. Das Stickstoffwerk Oppau wird in diesen Tagen wieder seinen Betrieb ausnehmen und Ansang Januar bereits wieder voll im Betriebe sein. ' Lokomotiven Im Feuer. In der Lokomotivhalle der Hamburger Vulkanwerst brach Feuer aus, daS sich schnell ausbreitete. Von sechs Lokomotiven wurden zwei stark beschädigt ins Freie gebrocht, die übrigen und das Materiallager wurden niit dem Schuppen ein Raub der Flammen. Entstehungsursache noch unbekannt. — In Lüneburg ist das große Verwaltnngsgcbäude der Deutschen Evaporator A.-G. ein Raub der Flammen geworden. Es konnte nur einiges Mobiliar gerettet worden.— In den LaUbaner Eiscnbahnhauptwerkstätten nabn/ ein Brand großen Umfang an. Abends brannten bexeits 8 Schuppen, in denen sonst ungefähr 1899 Arbeiter beschäftigt sind, die Dampfkessel konnten zur Vermeidung von Explosionen noch rechtzeitig abgelassen werden» Todesurteil. Das Schwurgericht Bochum verurteilte den Berg« mann Felix Nellermann aus Hordel, der am Abend des 23. De« zembcr 1929 vor dem Bochumer Polizeipräsidium den.ihn ab- führenden Hilsswachtmeister Linguist niedergeschossen hatte, zum Tode. Todesopfer der Abrüstung. Auf dem Exerzierplatz in K a r s ch a u bei Königsberg, wo die Gesellschaft für Verwertung von Heeresgut eine Zerlegungsstätte für Munition errichtet hat, ließen Arbeiter eine Kiste mit Sprengkapseln fallen; es entstand eine Explosion, wobei drei Arbeiter zerrissen wurden.— In der Munitionszerlegungsanstalt Kelsterbach in Hessen wurde durch Explosion einer Granate ein Mann getötet, vier wurden schwer, zwei leicht oerletzt. _ sSchluß de» redaitionellca Teils.) anflavin- VaWea teel oelibüv» II» veslnfeklion der Mund- und SachenhihK besonder, des 4&rinn0 Heiserkeit, halsenlzünduttg, Set« schleimung. Erhältlich In den Apotheken u. vrogerlttl. ■ Ä? WILLIAM PRYM C.* M.* B.* H. WELTMARKE ..Jii Ui-'•• STOLBCRG RHLD BERLINC2 WIEN 1 DEinscfier MelailarLe.iei mbaniJ PerwaUungsst.Berl. Den Mitgliedern zur Nachricht, den unser College, der Gürtler Karl Klem Neukölln, Lemestr. SZ, um 28 November gp», storden ist. Ghre sein.Andenkeu! Die EinL'cherung stndesamSonnal end den Z.Dezember, nach» miitoa» Z Übe, im Krematorium Baum» schuleinmfl. Kie.holz» ftraße, Natt. Rege Beteiliguna erwartet ioa.'S Die Ortsverwaliung. AiWleilZ_ äbermäßigenFeiiat>jalt deseilil,! a unschädtichr natllrt. Art„Grazianm Ueber 30 Jahre m. hoch» Nen Ersolgen bewährt. M. IS.-. Z Päk.4Z.S0 SttosieIcheI,Ilei'!in«Z m Tiienbahnstr. 4—■ Platin W» Sold-, Sitberbr., Zähne ♦ Zinn ♦ Blei, Kupier, Queck« »Uber usw. kcmst zum Cnnrospre'fe Scharnow, Langestr. 35 am Echlestschen Bahnhol. /lus IsilialilllNs ünzüse MUOpter, Bastians Maßarbell mod Saa en Bequ., dlstr. Ratenzakt I.ki8krkottlikd ««usnaoi-.öir. 22« II.El tRäheRollend v'> Am Donnerstag, den 1 Dezember Ig2t, worgcns«'-z Uhr. verstarb ganz ptöizlich »nier guter VaterSchwie-iervaier, Großvater, Ontcl und Schwager, der HoletbestKer >VcZotL tZrumn» im 84. Lebensiahre. In tieler Trauer Hans Blrs Berlin C 2, den 2. Dezember 1321. Große Prästdenlenstraße 1. Die Beerdigung findet am Montag, den 5 Dezember,»achm 3 Uhr. von der Leichen» Halle des Thomasklrchhofe» in Neukölln, He mannfiraße, aus statt. MOb Be. ScSiwäche, Neurastiienie beiderlei Geschlechts Dr. fiolfbaners gc». gcsch. Yotiimliin-LecilhinÄ?!! Pclz-Si h.llliJSt Qoldstein, Dresd. Str. 1,1 a.Hochbahnh.Kottb.Tor1 Aus reinstem Yohimbin u dem Hühnerei •ntzogenen Nervstolf oaer Lecithin te Siehend, daher eine vollwertige Erkänzun des im Korper verbrauchten Ncrvstoffcs. Ausführliche Literatur kostenfre! Elefanten-Apoiheke, Berlin SWM Leipziger Straße H, am Dönhoffplatz Fe nsprecher Zentrum 7192 fi«—— wn imi m Maumm - Ziehung 1 ö. u. 1 6. üez.— k Königsiierger Lotterie h tu Gurßten des Ostpr. Ho'matmasoums SS 8419 Gewinne Im Gesamtwerte tob M. 8 225680 175000 f 30000 Lose zu 4 M, H. C. 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T/, U: Lsult Ferdinand Prinz von Preußen Sonnla« i'h Frühling« Erwachen V;, eouis Ftrdlnand Prinz von Preußen Kammersplele 8 U.: Der HGhnerhof Stg. 21/f: Er ist an allem schuld. Die Spieler 7/s: Der Schwierige ftr.Schauspieih. (Kanstraßel 7'/, Uhr: Götz von Bec- lichingcn Sonnt. 2V9; Die Rluber 77, Uhr: OÜU von Berilcblngen Theater I.«. Koniggrätz.Str. Heute 7.jü u Son tag Manon lescaut (Orska, Janssen, ildt Riemann, Picha, jünger. May. Rehkopt, Klupp, Appell) Eomödienhans 7�0 Die Fahrt uhf-ins Blaue (Oiassner.RIchard.Engl, Pröckl, Stieda) Berliner Theat. Täglich 7.30 Uhr: (Prfn 3 ef/in Qjfafa ���wwWww FrilziMassarya.a. Ralph Arthur Roberts. Pepl Zampa, Hb. Kiper Central-Theatar DetEklivmädel DeutschesOpsrnhaus t*/, uhr; Das klieliiglilr Frledr.-V/ilhclmst. Tb « unr.- AmepleM Girl Intimei Theater 8Uhr; Der Herr, der unverwundbar ist/ Die Spelunke, Laui doch nicht immer nackt herum Klein. Schautplelhaus r/.uhr: Reigen Lustspielhaus 8 Uhr Hnhnenkampf Slttl. Forderung Metropol-Theater ufD.Stra8ensäflgerin Neues Operetten-Th s uhr: Königin d.Ul Neues Theater am Zoo 7'/« Uhr; Raub dtr Sabinerinnea Neues Volkstheater u.; Rose Bernd , Schlllar-Th Cnarlbg. ZV, Uht; Wilhelm Teil 8 Uhr: Raub der Sa- blnerlnnen Schloßpark-Th Steglitz 7»/, uhr Jngend v Thalia-Theater u�Sebäin'Disli, Lotte Theat. am Nolienderfpl. 37, Hansel u.(tretel St Die Ehe im Kreise Theater des Westens «U.: Hinsel■.(iretel uhr Braut dioeallus Th.i.d.Kammandant.Str (Jüd Kü"St,.-rh.j T1/, Uhr Dybuk Wallner-Theater 71/, uhr Die Tanzgräfin Walhalla-Theater 3,/l;Firlefäl.Puppendoki. uJung Diiita sein MaifeMenicb Lessing-Theat. 7«/, Uhr Die Spielereien einer Kaiserin Sonntag u. Montag 7>/,' Wena wir Toten erwach. OentscIiesKIliistler-Tli Allahendiish f/, DerheiligeAmtirosIns (Max Adalbert) Residenz-Theat Heute 4 Uh:, kl. Prehe: Max und Moritz Täglich 7'/,' Uhr: Das weite Band Tnesch.Posplschil Korll ächroth. Klein, SchOn- feld, Schneider- Nissen Kleines Theater Heute 4 Uhr. kl. Preise: Sohn eewlttchon Täglich /V* Uhr: Jacqueline Carola Toeile, Bertens, J. Faikenstein. Bern. Hans Alber«. Mamelok. Trianon-Theat. Heute 4 Uhr, kl. Preise; Rotkappehen Tlgiich 7',, Uhr: Kflmmere Dich um Amelie! Lug.Bur', Olga Limburg Flink. Wasa, Bendow, Kaiser, Chandon ,u2r Theater ohr Mr. Jam. Klein Die Sensation Berlins Frau Luna | Große Ausstatt Operette von Paul LIncke mit dem iGrigolatis-l �nft-Baliett I Oskar Sahn all ElseBerna üartin Kettner Britz! Aren J Fritz Steidl M Damen- Ballett!! 1 Sonntag M ] Prau Luna Origin.-Besetzg ErrräB. preise!\ 77, Uhr: Walter Stelner Laczi& Aenni Asra& Comp. Büron Camarosa Ellen& Ella 2 Kauimanns Hann! Garden Vinzenz Prößl Etenna I.& E. Ficlds Z Riegels 2 Wahlerts Theat a Kottb.Tor TeI.Mociz.I607? SoimabinbS1/,: öaftl>. s.utjcn- Theater �KInher-MSrch.. Borst llung Der verwunschene Prinz � Kleine Preise! emeüs BUSCH Fol 7 Stga ichSU Neue Veibr.-Lensdl Morgen 2*0* 3 unb 77. Uhr Siccno Bafd) •Jim. 3 U. I Kl»» frei Vok. 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Berkavksslell. cichlei ein: U 44 L U V U 4 weneevlvertr T HBtfcr, Oertin, Lichleuhergor Str. 22(ÄoiugltQöl 1683. fOrtskpJMikenkasse der SchlosstF o. verwandt Gewerbe zu Beflin Nachdem die Neuwahl de» Aies chosses der Ods» trantenfaffc der �chlosfer becnbö: 7 gehört e« nunmehr zu t. irn Ans- gaben. ntem den Bov. ichrisien vm x 63 der Kas. feit:at>uuls und K§22— 54 der Äahh cdnung die >>nd> de» Kasfenvor» 'iandee. vorzuk ehmrn. Zn diesem Zweck zoicd hier. mit enie MUilMHlll Dienstag. 3.Zanuar.'KZr abends« Uhr, m Ro»-». thalcr Hps, Berlin T» Ziofcnthater Etr. 4L 12» anberaumt. Es sind zn wählen rjew Borstandsmitgiieder und acht Jtelloertreter au» dem Kreise der Ardeiü» geder und acht Vorstands- mügiieder und sechzehn. Stellocrtceier au» dem Kieisc der Berstchecten. Möhler sind die im 8 72 unsecec Kassensahung de» zcnchne'en Perionen Es wird zur Einreich» nng vonWahloorichlögti» mi! dem Hinweis au gefordert, dag nur solche Wah>vocld)!age bcruck»� sichtigk werden, d:e spö- iestens bis zum 19. De- zemder d I de! dem Vor» stand eingereicht werden. Jeder Wahlvorschlag muß von m icdeilens dre'iÄahi. decechiigten nnterzeich>et sein. In jedem Wahi» vocichiag Ist ein Perlrciea des'elden zu bezeichnen. Eömriichc vorliegen öe DohlvorschiLae werden mindestens eine Woche vor dem Wahltag den Ansfchußmitzli.dein nui» gelecit. Die Elimiaad» gade ist an die zugelassenen Wahlvorschi.ige gebunden. Jeder Wähler hat mir eine Stimme. Der DorNaud. Z. A: Aid Polzin, Porsihendcr. AI TS Wgemeive SrtskrükktvWe Tlenkdiin Kaflentolat Weich, etstr. 4 BckanntmachtiNA Ergänzung zum>4 Nachtrage zur Satzung der AllgemeinenOrtslranIen» taste Reukölln: Der unter dem tß Juli 1921 genehmigte Zutatz zu z I Aofatz 2 ward wieder beseitigt. 5. Der!j 2 Absatz 2 erhält soigeuden Zusatz: .. sowrii dieselben stn Ortsbezirl Neutöllu der Sladlgemcinde Beiltn ihren Beichäfligungs- ort dadett, die utt» ständig Prschättigten, ioweti ste in vielem Orisdezirt ihrcnWos.n» sitz haben 20/17 Genehmigt Ehariotteitdurg. den glooember>92i Oberoersicherunnsamt gez. von®->.cotosti. Perbsttiultcht Neulölln. I Dez IS2I. Der Kastcnvorstanh Heese, Borsitzender. Menv« | Dir. Jam. Klein Die große Revue KLEINE ANZEIGEN IzsHzsa VV r. v- 4 1 CfT Da« fettgedruckte Wort J.UO M,(zulässig «JCUC» vT ün I.SV v»s 2 tetfgedrucktc wolle».- Stellensesuche und Sehlafstellenanzelgrn das erste Wort tfcttgedruckt) I.SO M.. Jedes weitere Wert I.— M.— Worte mit mehr als 18 Buchstaben zählen für zwei Worte * cvwrvvo-rvri die für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis /chülAClgvIlI 41/, Uhr nachmittags in der Hauptezpedltiora des Vorwärts, Berlin SW. 68, Mndenstrassc Nr..1. abgegeben werden. 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