Nr. SS2 ♦ 5». Jahrgang Ausgabe ßk Nr. 294 Morgen Ausgabe Bezugspreis: j,— i'l., monatl. 1 5,— TL ttet ins Haus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich 12,— M. einschl. Fu- stellungsHebllhr. Unter Kreuzband stir ?culsö Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien-A». zeigen für Abonnenten Zelle».— ZU. Die Preise verstehen sich einschließlich Tcuerungszuschlag. Anzeigen für die nächst« Nummer müssen bis<>/- Ahr nachmlltazs im Hauptgeschäft. Berlin TW KS. Linden- ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr jrüh bis 5 Uhr alicnds. Zentralorgan der fozialdemokratirchen parte» Deutfchlands Neöaktion und Expedition: SW bs, Ltndenstr. Z Rcdakti»« MorthPlah lSli»»—«7 ,Vern,prrrnrr. Morinpla« Ii7sa— S» Sonnabend, den 10. Dezember INÄI vonoärts.verlag G.m.d.h., SW bS, Lindenstr. 3 • Verlag,«Sxvediltou und Inseraten- Morihplatz»l7S»-S« Rheinlanökommisilon gegen Rechtspflege. Deutschland protestiert. WTV. hört, daß das Auswärtige Amt die deutschen Akissionen in Paris, London und Brüssel angewiesen hat. Prolest einzulegen wegen der auf Anordnung der Rhcinlandkommission erfolgten Haftentlassung des Redakteurs Smeets in Köln, der wegen Nichterscheinens in einem gegen ihn wegen Beleidigung anstehenden Straf- termin verHaftel worden war. Die Rechtslage. Im Artikel Z des Rheinlandabkommcns vom Z8. Juli 1919 wird bestimmtl»Die deutschen Gerichte üben ihre Gerichtsbarkeit in bürgerlichen und Strafsachen, abgesehen von den in den nach- stehenden Absätzen erwähnten Ausnahmefällen, weiter aus." Diese Ausnahmefälle betresfen die Streitkräfte der Besatzungsarmeen und die ihnen zugeteilten Personen, sowie sämtliche von diesen Truppen angestellten und in ihren Diensten befindlichen Personen. Gehört Herr Smeete zu diesen Personen? Smeet» hatte sich bereits in früheren Terminen der Berhand- lung durch Anträge, in denen er die Richter als befangen erklärte, entzogen. Zum Termin vom 5. Dezember hatte die Strafkammer einen au» nichtigen Gründen gestellten Dertagungsantrag bereits am 3. Dezember durch formellen Beschluß verworfen und ihn Smeets in seiner Wohnung zustellen lassen. Gleichwohl blieb Smeets am 5. Dezember ohne Entschuldigung aus. Gemäß§ 229 der Straf- Prozeßordnung, welcher besagt, daß gegen einen ohne genügende Entschuldigung im Verhandlimgstermin ausbleibenden Angeklagten Haftbefehl zu erlassen ist, ordnete die Strafkammer daher seine Festnahme an. Wie eine Berordnung, die nur aus die Waffen- st i l l st a n d s z e i t Bezug hat, ein Eingreifen in diesem Falle, wo es sich um Äergehen aus jüngster Zeit handelt, nötig machen soll, ist unerfindlich. Rheinischer Richterprotcst. Der bereits angekündigte Beschluß des Wucher- gerichts Köln lautet: Nach dem Gericht gewordenen Mitteilungen Hot die Bcsatzungs- behörde die Bollftreckung eines durch eine hiesige Strafkammer erlassenen Haftbefehls verhindert. Dieses Vorgehen enthält nach der Auffassung des Gerichts einen unzulässigen Eingriff in die Rechtsprechung. die den geltenden Bestimmungen nicht entspricht. Unter diesen Uni- ständen ist für das erkennende Gericht nicht die Gewähr für eine unparteiische, unbeeinflußte und unabhängige, in voller Freiheit sich vollziehende Rechtspflege geboten, die für die Fassung seiner Entscheidungen unbedingt erforderlich ist. Das Gericht lehnt deshalb ein Verhandeln aller anstehenden Prozesse bis zur A e n d e- r u n g dieses Zustandcs ab und hebt hervor, daß es in gleicher Weise verfahren würde, wenn eine einheimische Behörde sich eines gleichen Eingriffes schuldig machen würde. Der Beschluß wurde einstimmig von dem mit berufenen und Laienrichtern besetzten Wuchergericht befaßt und den anderen Gerichten mitgeteilt. Daß gerade die Wucherkammer diese Maßnahme ergriffen hat, ist begreiflich: sind doch so manche ihrer.Klienten" Entente- b ü r g e r und es könnte ja der Tirard-Kommission gefallen, solch« Herren der Justiz zu entziehen. Der Haftentlaffungsbefehl. (MTB.) Die Interalliierte Rheinlandkommission hat durch den Beschluß vom 8. Dezember verfügt, daß der auf Grund eines 5iaft- befehls der Strafkammer des Landgerichts Köln festgenommene her- ausgeber der Zeitung.Rheinische Republik" auf Grund der Ver- vrdnung 70 Artikel 1§ 5 letzter Absatz bis zur endgültigen Ent- lchcidung in Freiheit zu setzen sei, nachdem sein Verteidiger sich bei der Rheintandkommission auf die Bestimmung der Verordnung berufen hatte. Die vertagte Verhandlung. Köln, 9. Dezember.(MTB.) Gegen Smeets sollte heute morgen 9 Uhr vor Gericht verhandelt werden. Der Angeklagte erschien um»11 Uhr. Verteidiger Wolf- Düsseldorf beantragte gemäß Ordonnanz 70 Artikel 3 der Rheinlandkommission zunächst Aussetzung des Verfahrens, da das Verfahren wegen politischer Ver- gehen, die während des W a s f e n st i l l st a n d s verübt worden sind, nicht durchgeführt werden könne. Die unter Anklage stehenden Be- leidigungen des Reichspräsidenten, des Kriminalkommissars Psttze und des Postsekretärs G c r t e s aus Mörs feien der einheitliche Ausfluß der politischen Haltung des Angeklagten, der seine Zeitung während des Waffenstillstandes gründete, in der er fortgesetzt die deutschen und preußischen Staatsbeamten angegriffen habe. Die Be° leidigungen fielen asso unter die Bestimmungen über straflose polltische Handlungen während des Waffenstillstandes. Der Verteidiger lehnte unter Berufung auf Ordonnanz 2 Artikel 13 und 17 die Zuständigkeit der deutschen Gerichte in diesem Falle ab, bis eine Entscheidung der Rheinlandkammission ergangen fei dar- über, ob die Sache, entsprechend dem Antrage des Angeklagten, vor dein Gericht der R h e i n l a» d k o m in i f f i o n zu verhandeln fei. Staatsanwalt Dohm erklärte, es handle fich um Einzeistille und nicht un> eine fortgesetzte Handlung. Die Beleidigungen seien in den Jahren 1920 und 1921 ersolgt. Der Verteidiger erwiderte, schon aus der Tatsache, daß die Rheinlandkommission eingegriffen habe, gehe hervor, daß es sich hier um eine.politischc. Handlung, drehe, die sich auf die Zeit des.Waffenstillstandes beziehe. Das Gericht verkündete nach einstündiger Beratung den Beschluß, es sei zu der Neberzeugung gelangt, daß nicht die Rede davon sein könne, daß die Voraussetzungen der Bestimmungen der Rhelnlandkom- niission vorliegen, nach denen wegen politischer Handlungen während des wasfenstitlstandcs Verhaftungen oder Gerichtsverhandlungen nicht vorgenommen wer- den dürfen. Der Angeklagte habe als Redakteur der.Rheinischen Republik" in den branftnndelen Artikeln dem Reichspräsidenten Eberl vorgeworfen, daß er sich durch Schiebungen Lebensmittel ver- schafft habe. Gegen den Kriminalkommissar Pfitze-Köin habe er den Vorwurf des Meineides und der Unehrlichkeit erhoben. Den Postsekretär Gertee aus Mörs Hube er aus Anlaß des Streike am Niederrhein als Banditen bezeichnet. Es könne hier von keiner politischen Handlung die Rede sein und die sachlichen Voraus- setzungeu der nugezogeuen Verordnungen lügen nicht vor. Das Gericht habe daher beschlossen, alte Einwendungen zurückzuweisen. Der Verteidiger erklärte darauf, daß er sich das Recht der Beschwerde gegen diesen Beschluß innerhalb 8 Tagen vorbehalte. Der Staats- anmalt betont« noch, daß die 5)ast?nt!assungsvcrsügung auf Bei- ordnung 70 der Rbeinlandkummisfion Bezug nehme. Es entziehe sich seiner Kenntnis, aiif Grund welcher Mitteilungen die Rheinland- kommissian zu dieser Entscheidung gekommen sei. Der Vorsitzende verkündete darauf den Beschluß, die Verhandlung eicksprechend dem Antrage des Verteidigers vorläufig auszusetzen. Irgendwelche politischen Gründe seien sür diesen Beschluß nicht maßgebend gewesen. Das Rätsel von Lonüon. Ueber die Besprechunaen, die in den zwei letzten Tagen zwischen dem englischen Schatzminister Sir Robert f) o r n e, dem iranzäsischen Wiederaufbauminister L o u ch e u r und dem offiziösen deutschen Abgesandten R a t h e n a u in London stattgefunden haben, ist bisher nichts Positives gemeldet war- den. Doch geht aus verschiedenen Pariser Blätterstimmen her- vor, daß Frankreich an seinem ursprünglichen glatten Beto gegen ein Moratorium nicht mehr unbedingt festhält. Es will■ aber anscheinend dennoch am 15. Januar seinen Reparations- anteil erhalten und schlägt zu diesem Zweck die Gewährung einer kurzfristigen Ententeanleihe an Deutschland vor. Ueber die Bedingungen, die an die Gewährung des Moratoriums bzw. der Anleihe geknüpft werden sollen, herrscht allerdings noch absolute Ungewißheit. Auch hierin ist man auf franzü- sische Gerüchte angewiesen und diese lauten, wie nickt anders zu erwarten, recht ungünstig: danach würden die Alliierten eine Art Finanztontrolle über Deutschland planen und namentlich dafür sorgen, daß unser Etat in Ordnung gebracht wird und daß unsere Rvtenprefse ihre Tätigkeit einstellt. An- derersests würden sie für die zu gewährende Anleihe irgend- welche Garantie von der deutschen Industrie verlangen. Das alles eröffnet uns wenig rosige Perspektiven und dennoch ist ein Abkommen, durch das Deutschland eine genü- gende Erholungspause erhalten würde, immer noch besser alz jeue wirtschaftliche und politische 5lotastrophe, die � unfehlbar eintreten müßte, wenn die Entente auf ihrem Schein, bestünde. In Ermangelung sicherer Nachrichten über die bisherigen Ergebnisse der Besprechungen von Hörne, Rathenau und Lou- cheur ist man zur Beurteilung der Lage wesentlich auf das Bild angewiesen, das der internationale Finanz-' markt seit einigen Tagen bietet. Tatsächlich wird aus allen Börsen in Europa und Amerika aus der Grundlage der inut- maßlichen Ergebnisse der Londoner Verhandlungen spekuliert. Und überall, ob in der New Porter Wall-Street oder am Londoner Stock Erchanae oder in der Berliner Burgstraße, herrscht offenbar die Auslassung, daß die Verhandlungen s ü r Deutschland günstig stehen: überall ist seit drei Tagen � eine ständige Erholung der deutschen Mark-ingetreten. In i dieser Hinfielst geht New Port stets voran und die europäischen � Märkte reagieren prompt darauf in gleicher Weise. So hat am gestrigen Tage die Berliner Börse etwa den gleichen „schwachen" Dollarkurs erreicht, wie am 1. Dezember, an jenem„schwarzen Donnerstag", wo Zehntausende von beut- schen Spekulanten sich das Genick brachen. London, 9. Dezember.(WIB.) Amklich wird mitgeieitt: Schahkanzler Sir Robert hörne und Minister L o u ch e u r fehlen Lloyd George heule von dem llnhalk ihrer geflrigen Besprechungen über das Wiesbadener Abkommen und allgemein über die Reparationen in waren in Kenntnis. Man tam zu dem Schluß. daß ein informeller weinungsanslausch zwischen Briand und Lloyd George wünschenswert fei. wie»cuter vernimmt, wurde vereinbart, daß Briand noch vor weinachlen zu einer Besprechung mit Lloyd George nach London kommen soll. Loucheur ist heute abend nach Paris a b g e r ei st. London, 9. Dezember.(MTB.) Der politische Berichterstatter der„Evening News" schreibt, die Regierung, die für eine Ver- schiebung der Reparationszahlungen sei, wäre durch nachträgliche Vorstellungen von feiten der Londoner City oeranlaßt worden, die dafür eintrete, daß Deutschland eine Atempause gewährt werde. Lloyd George habe Rathenau bisher noch nicht gesehen, es fei wahrscheinlich, daß eine Zusammenkunft zwischen beiden statt- finden werde... Sankkrach und öörsenangst. In den Redaktionen vieler bürgerlicher Blätter läutet es Alarm: der Dollar sinkt! Man könnte meinen, es nahe der Untergang der Welt oder doch zum mindesten Deutsch- lands. Die„Tägliche Rundschau" z. B. hat gestern ihren Abonnenten den Appetit aufs Abendbrot verdorben. Meldet sie doch auf der ersten Seite obenan in fettem Druck: Börsenkrach. Der Zusamm-enbruch der Pfälzischen Bank hat trotz der Jntcr- oention der Deutschen Bant im Publikum große Bestürzung hervor- gerufen. Das Vertrauen zur Börse ist erschüttert. Die Banken mahnen ihre Kundschaft zur Abwicklung schwebender Verbindlichkeiten. Die Besitzer von Wertpapieren suchen ihre Be- stände abzustoßen und Kursgewinne mitzunehmen, die etwa noch vorhanden sind. Bei starkem Angebot gingen die Kurse heute aber- mals stark zurück. In vielen Sonderwerten beliefen sich die Ver- luste gegen die vorgestrigen Rotirrunyen ans hunderte von Pro- zenten. Auch der Devisenmarkt war matt. Wechsel auf Holland gingen um 000 M. auf 0750 M. zurück. Der Dollar wurde bei scharfen Schwankungen mit etwa lS81a M. angeboten. Uns scheint, der Anlaß zur sich weiter fortsetzenden Sen- kung der fremden Devisen und der heimischen Esfektenkurse ist etwas eng gesehen, wenn man ihn vorwiegend im Zusammenbruch der Pfälzischen Bank sucht. Er ist ja selbst nur ein Symptom. Dennoch verdient der Zusammenbruch der Pfälzi- schen Bank nach mehr als einer Seit� recht eingehende Bs- leuchtung. Borerst muß sestgestellt.»erden, daß die Pfälzische Bank nicht 340 Millionen und damit Aktienkapitol. offene und stille Reserven dadurch verlor, daß einer ihrer Münchener Filial- leiter zu wild auf das zunehmende. Elend Deutschlands speku- lierte, ein Engagement über das andere türmte, um sich zu retten, während er damit doch nur hie Lawine entfesselte, die ihn begrub. Der Krach entstand dadurch, daß die eigentlich Schuldigen einige Wochen zu früh auf eine Steigerung der Mark rechneten. In Voraussicht dieser Entwicklung v e r k a u f t e der Münchener Filial-Mitdirektor im besonderen Schweizer Franken für späteren Termin blanko. Das beißt, er schloß Geschäfte ab, die ihn dazu verpilichteteu, zu be- stimmten Terminen und zu festgelegtem Preis Schweizer Fran- ken zu liefern. Er hoffte auf eine Besserung der Lage Deutsch- lands, aufeinSteigenderMark und ein Fallen der ausländischen Valuten. Das Geschäft bätte dann darin gelegen. daß er am Liefertage Schweizer Franken geben konnte, die er billiger eingekauft batte, als sie der Nehmer zahlen mußte. In die Zeit dieser lausenden Engagements fiel aber der Kurssturz der deutschen Mark: so kam der Zusammen- brück: es mußten die Franken viel billiger geliefert werden, als sie eingekauft werden konnten. Der normale Bürger entrüstet sich über den Mann, der so unverantwortlich, ja verbrecherisch gehandelt habe. Das lagt man von jedem, der stiehlt u n d s i ch e r m i s ch e n l ä ß t. Wir müssen demgegenüber feststellen, daß die gesamte Deoistn- spekulation zu 90 Proz. heute mit wirtschaftlichen Notwendig- keiten nichts zu tun hat. Der Terminhandel, der in seinem Wesen bedeutet, eine gewisse Preissesrigkeit und Kalkuintions- sickerheit sür diejenigen zu schassen, die mit dem Ausland in geschäftlicher Verbindung stehen, ist heute mit das raffinierteste und ausgedehnteste Wettgesdxist. das man sich nur denken kann. Es wird, wie man im Därseusargnu lagt...geiirt", nicht aus einer wirtschastticken oder sonstigen Notwendigkeit heraus und auch nickt, um am Tage der Fälligkeit das eingegangene Gesckäst wirklich auszuführen, sondern nur zu dem Zweck, um bei Ablauf des Termingeschäftes die D i f f e r e n z zu ge- Minnen oder zu— verlieren. Aus diesem Grunde ist die allgemeine Entrüiftnig der bürgerlichen Handelspreise reichlich unangebracht. Was der Mann in München tat, das tun ja jetzt sämtliche oder doch ia gut wie sämtliche Banken und Bankiers. Dabei bandelt es sich durchaus nicht um kleine. Summen. Man bedenke doch, daß allein die Münchener Filiale der verkrachten Pfälzischen Bank zeitweise bis zu 600 Millionen Mark losther Enaage- ments laufen hatte. Der Zusammenbruch der Pfälzischen Bank beleuchtet blitzartig eine der gefährlichsten Auswirkungen unsc- /rer schwierigen Markoerhältnisse. Beachtet man den eben geschilderten Tatbestand, dann wirkt der Notschrei: man hat das„Vertrauen zur Börle" ver- loren, ungefähr so, als ob ein Mann, der Wasser kocht und zugleich mit Eisstücken abkühlt, über den Thermometer wütend wird, der seinen Unsinn registriert. In Wirklichkeit liegen die Dinge dach so, daß das spekulierende Publikum— und das ist heute alle Welt, soweit sie Geld hat— durck die Tatsachen zwangsweise davon überzeugt wird, daß die Spekulation aus Deutschlands Elend nickt so glatt und ergebnisreick oerlavst, als bisher aehafft wurde. Und die Banken, die zugleick Ks- sckobene und Schiebende sind, sie steben bei diesem plübstchen Witterungsumschlag unter einem Druck, den manche nicht ohne weiteres vertragen kann. Zu bewundern ist, mit welcher Schnelligkeit und Sicher- Heft die Banken, im besonderen die Deutsche Bank, die mit dem Zusammenbruch der Pfälzischen Bank drohende Zer- rüttung der gesamten pfälzischen industriellen und gewerb- lichcn Kreditverhältnisie verhindert haben. Die Pfälzische Bank hat in etwa SV Orten Filialen und Depositenkassen, so in Mün- chen, Frankfurt a. M., Bamberg, Augsburg» Nürnberg und Fürth rechts des Rheines. Auf linksrheinischem Gebiet ist sie bis in die kleineren Städte vorgedrungen; sie spielte in Mann- heim, Pirmasens, Neustadt a. d. H., Zweibrücken usw. eine große Rolle. Kam der Pfälzischen Bank keine chilfe, so brach mit ihr Rondel und Gewerbe in ihrem gesamten Ausbreitungs- gebiet zu einem erheblichen Teil zusammen; hatte doch Mün- chen die Geldvorräte aller Filialen an sich gesaugt. Ende 1S2V betrugen die bei der Pfälzischen Bank und ihren Filialen lie- genden fremden Gelder rund 11VV Millionen! Seither war diese Summe wesentlich gestregen. Die Sanierung geht nach einen? einfachen und doch genialen Plan vorsich. Die Filialen rechts des Rheines übernimmt die Deutsche Bank, die links des Rheines die Rheinische Credit- bank, ein Unternehmen, das zum Konzern der Deutschen Bank gehört und der Pfälzischen Bank geschäftlich nahestand. Die Deutsche Bank steckt also in Wirklichkeit das Gesamtgeschäft der Pfälzischen Bank ein. Damit hat sich unsere größte deutsche Bank mit einem Ruck wieder erheblich weiter ausgedehnt. Mit dieser Ausdehnung sicherte die Deutsche Bank zu- gleich die Deckung der gesamten Verluste der Pfälzischen Bank zu, soweit deren Aktienkapital» ausgewiesenen und geheimen Reserven nicht ausreichen. Es handelt sich um einen offen bleibenden Betrag, der wohl über 2VY Millionen Mark ausmacht. Die R Heinis cheCreditbank erhöht fetzt auf Grund der plötzlichen Ausdehnung ihres Geschäfts ihr Kapital um 120 Millionen Mark. Die Deutsche Bank erhätt von den jungen Aktien vvMillionepMark zumNennwert, zu pari. � Dabei wird sie, da die Aktien der Rheinischen Creditbank er-: heblich übet 300 stehen, einen Kursgew inn von— über 200 Millionen Mark erzielen. Es wird sich wohl um< einen Betrag handeln» der ausreicht, um die Kosten der über- � nommenen Drckungsverpflichtung wieder einzubringen. So, dehnt sich unser größtes Bankinstitut erheblich aus und zahlt. dafür eigentlich'einen Pfennig. Man sieht att diesem praktischen Beispiel, welche Elastizität und welche Widerstandskraft im großen Finanzkapital stecken, wie es verdient und wie es sich auszudehnen versteht. Es wird jetzt ganz allgemein die Deutsche Bank wegen ihrer groß- zügigen Hilfe gelobt. Uns scheint, das Lob müßte mehr ihrer Organisations- und Dispositionsfähigkeit gelten und man sollte etwas genauer hinsehen. Dabei würde bald zu verstehen sein, warum die Deutsche Bank so freundlich geholfen hat. Der Bankkrach selbst, der doch nur ein Symptom ist, sollte aber der Reichsregierung ein letzter Wink sein, den Devisen- Handel schleunigst in geordnete Bahnen zu bringen. Da ge» nügt durchaus nicht dieeidesstattlicheBersicherung über Devisenbesitz in so einfacher Form, wie sie jetzt verschiedentlich debattiert wird. Das Reich muß dos Recht bekommen, die van Banken und Privaten im Inland und im Ausland gehandelten Devisen vorerst jederzeit statistisch klar erkennen zu können. Es bleibt dabei die Frage zu erwägen, ob man dann nicht unter Rückendeckung gegen in- oder pleudo-ausländischen schwarzen Devisenhandel für die Devisen den gleichen Depotzwang wie für die Effekten einführen soll. Sobald die Reichsregieruna erst ein- mal erkennt, welche Mengen von Devisen in Deutschland und hei Deutschen auch auf ausländischen Konten dauernd „schwimmen", dann wird sie, durch den Umfang der sich dabei ergebenden Zahlen erstaunt, gar nicht anders können, als daß sie zufaßt. Man komme uns nicht mit der Behaup- hing, daß sich das nicht kontrollieren lasie. Es erscheint ganz ausgeschlossen, daß die chundermillionen-Engagements der Münchener Filiale der Pfälzischen Bank in den Büchern un- sichtbar gewesen sind. Liefen sie doch in ihrer Mehrheit z. B. auch über die Konten Berliner Banken und hier mußten sie auch wieder sichtbar werden. Wo ekn Wille ist, da ist auch ein Weg. Und wenn der Zusammenbruch der Pfälzischen Bank, der überdies durchaus nicht der einzige zu bleiben braucht, diesen Willen stärkt, weil er eine Gefahr für das gesamte deutsche Wirtschafts- leben signalisiert hat, dann hat auch er etwas genützt. Der Zoll Schellen. Ztlunchen. 9. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Die Meldung daß der preußische Eeschöststräger in München, Ministerialrat Schellen, einen mehrwöchigen Urlaub angetreten, hat in der bayerischen Presse den Streit um diesen Mann wieder neu aufleben lassen. Die sozialdemokratische und demokratische Presie erneuert ihre Anklagen, daß Schellen durch seine deutschnationalen Zllachen- schasken lediglich Konflikte zwischen Bayern und dem Reich Herbei� führen und den Wiedereintritt der Deutschnationalen in die Regie- rung erreichen wollte. Jetzt geben selbst rechtsstehende Blätter zu, daß Schellen vor einem Bierteljahr den preußischen Ministerprasi- denten Stegerwald veranlaßt hat, im Berfa ssungsstreit zwischen Bayern und dem Reich dem Reichskanzler Dr. WirtH in den Rücken zu fallen. Erfreulicherweise warnt das führende Organ des linken Flügels der bayerischen Bolkspartel, die„Augsburger Postzeitung", dringend davor,„preußischen Kastengeist und preußische herrsch- sucht mit dem berechtigten bayerischen Föderalismus zu verwechseln". „Die Interessen Bayerns", schreibt sie,„fallen immer noch mehr mit denen des Reiches zusammen wie mit denen des A k t p r e u- ßentums. hier kann allerdings die Person, die Preußen bei uns vertritt, von großer Bedeutung werden". Im übrigen benutzt die bayerische Rechtspresse die Beurlaubung Schellens zu scharfen An- griffen gegen den Genossen S ü d e k u m. Sie behauptet, daß seine Berufung als Staatskommissar für die Groß-Hamburger Frage der Dank der Reichsregierung für feine ihr in München geleisteten Dienste sei. H» Im bayerischen Landtag gab es wieder eine Lärmszene. Die Sozialdemokratische Partei hatte einen Antrag der USP. auf sofortige Entlassung der in Niedcrschönenfeld eingesperrten Land- tagsabgeordneten gegen die Front der bürgerlichen Parteien durch- zubringen versucht. Der Antragsteller führte u. a. aus:„als kürzlich die Genfer Kommission in München war, habe sie sich sofort nach dem Abg. Toller erkundigt. Die Dramen Tollers, die im Aus- lande auf di e Bühne kommen, hätten viel mehr zur Achtung des»deutschen Namens beigetragen, als alle Reden der Abgeordneten! der Bayerische» Dolkspartei". Hierauf erhob sich ein großer Sturm � der Entrüstung auf der Rechten. Der Präsident schloß mit einer � Rüge für den Redner die Sitzung., Natlonalüeutsche Iuüen. Der„Verband nationaldeutscher Juden", der von Dr. Max Naumann geleitet wird, hatte unlängst eine Bersammlung einberufen, zu der auch„nichtjüdisch« Deutsche" aus allen Lagern geladen und erschienen waren. Der Vorsitzende wetterte„gegen alles undeutsche Wesen auch im jüdischen Lager" und forderte eine deutsche Einheitsfront aller national empfindenden Elemente. In der Debatte sprach der deutschnationale Herr v. Oppeln-Broni- k o w s k i. Er sagte, seine Partoi gelte und s e i zum großen Teil antisemitisch, doch befinde sich In ihr eine st arte Minderheit, die den antisemitischen Rummel nicht mitmache. Staatemlnistcr v. Posadowstn- Wehner, die Abgeordneten Ritter und Del- brück seien keine Antisemiten und kämpften energisch gegen den in der Partei herrschenden Unfug. Es fei zu hoffen, daß die Partei sich nicht länger von einer kleinen Gruppe Deutschvölkischcr tyrannisieren lassen werde. Der deutschnationale Redner wandte sich dann scharf gegen Ludendorff. Für die Deutsche Lolkspartei sprach der Abg. K e m p k e s fein Einverständnis mit den Zielen des Verbandes aus, an denen ihm das„bestimmt- Auftreten gegen das Oftjudentum" besonders gut gefällt. Bon den Demokraten sprach Abg. H e l m ck e, von der So- zlaldemokratle unser Genosse Erwin Barth gegen den Antsemitis- mus. Der Chefredakteur des„Berliner Lokal-Anzeigers"(der mit jüdischen Redakteuren stramm deutschnationale Polin? treibt), Herr Dr. O e st r e i ch, schloß sich ihnen an. Die ganze Veranstaltung, die jetzt seit Tagen in der rechts- stehenden Presse ausführlich kommentiert wird, nimmt sich recht seltsam aus. Denn unter vernünftigen Leuten sollte es doch ganz selbstverständlich sein, daß Menschen, die unter Deutschen in beut- scher Sprache und Kultur erzogen sind, eben nichts anderes fein können als Deutsche. Wenn sie zufälligerweise Juden sind, so haben sie allerdings neben den hundert Gründen, die für andere gelten, noch einen hundertsten, keine Antisemiten zu sein. Durch ein Kokettieren mit Parteien, in denen sie nicht geduldet oder wegen ihrer Abstammung über die Achsel angesehen werden, könnten sie sich nur verächtlich machen. Gerade wer von deutscher Kultur eine hohe Darstellung hat, wird in der antisemitischen Rassenhetze etwas ganz Undeutsches er- blicken. Und vom Standpunkt einer klugen deutschen Politik aus gibt es auch nichts Dümmeres als sie. Denn der größte Teil der in der Well verstreut lebenden Juden hat starke innere Beziehungen zum Deutschtum und kann nützlich wirken. Bekämen wir aber in Deutsch- land Zustände, wie sie in Rußland unter dem Zarismus herrschten, so würden sich diese Freunde zu Feinden verwandeln. Das ist, wenn man schon Gesichtspunkte der Jnternationalität und der Mensch- llchkeit nicht unmittelbar gelten lassen will, ein Grund, auch das oft jüdische Problem mit einiger Borsicht zu behandeln. Da die deutschnationale Politik nie etwas anderes gewußt� hat, als di« ganze Welt zum Haß gegen Deutschland zu erziehen, ist sie konsequenterweise auch antisemitisch. Das geistige Wesen der Deutsch- nationalen wird darum auch nicht von Delbrück und Posadowsky repräsentiert, sondern von Mulle. Der kommunistische Spitzelsumpf. Ein Hilferuf an die Sozialdemokratie. Die Zentrale der KPD. richtet an den Parteioorstand die öffentliche Aufforderung, dahin zu wirken, daß die der Sozialdemokrati- schon Partei angehörigen Beamten alle i n d e r KPD. wirkenden Spitzel öffentlich entlarven sollen. Wir müssen es dem Partei- vorstand überlassen, ob er sich zu dieser Anregung äußern will, möch- ten aber von uns aus dazu folgendes bemerken: Die Aufforderung der KPD.-Zentrale entspringt der Derzweif- lung über die Tatsache, daß die KPD. bis oben hinaus mit Spitzeln durchseucht ist. Wenn aber die Zentrale eine Parallele zieht zwischen dieser Erscheinung und ähnlichen in der Zeit des Sozialistengesetzes, so geht sie vollständig fehl. Damals handelte es sich um Nichtgenlle- men, die von den Behörden dafür bezahlt wurden, daß sie sich in die Organisationen einschlichen, um dort Spionage zu treiben. Ein ähnliches System besteht heute nicht mehr, würden sich Anzeichen von ihm zeigen, so würden wir dafür eintreten, daß e« mit Stumps und Stil ausgerottet wird. Heute aber, bei der KPD. handelt es sich um eine Partei, in der sich moralisch nicht einwandfreie Elemente haufenweise zusammen- gefunden haben, um Leute, die zu jeder Lumperei fähig sind, heute zur Anstiftung gemeiner Derbrechen, morgen zur Anzeige ihrer Kameroden bei den Behörden. Kommen Anzeigen über ge- plante Gesetzwidrigkeiten, so sind die Behörden ver- pflichtet, sie nachzuprüfen. Das muß natürlich mit der allergrößten Vorsicht und mit richtiger Einschätzung des Eharakters der Anzeiger geschehen, aber es darf nicht unterlassen werden, weil sich die Behör- den sonst, wenn es wirklich zu Gewalltätigteiten und Blutvergießen kommt, den schwersten Borwürfen aussetzen würden. Darum wtrd die KPD. für ihre moraNsche Reinigung, die wir nicht für weniger notwendig halten als sie selbst, in erster Linie s e'l- der sorgen müssen. Der Versuch, die Spitzel auszumerzen, wird ver- geblich bleiben, solange die moralische Minderwertigkeit in der KPD. so wie bisher dominiert. Hat die KPD. einmal endgültig Schluß ge- macht mit dem illegalen Schwindel und den Putschverfchwörungcn, hat sie endlich ausgehört,«ine Zufluchtsstätte zweifelhafter Elemente verschiedenster Art zu sein, dann wird sich auch ihre Reinigung vom Spitzelwesen unschwer durchführen lassen, und die Sozialdemokra- tische Partei wird ihr gern dabei helfen. Denn eine so schmutzige Einrichtung, wie die berüchtigte T s ch e k a, die sowjetrussische Geheimpolizei, wollen wir bei uns nicht dulden! Die Geeistn mit öer Spieluhr. Aon Max Hochdorf. Jede Nacht, wenn ich heimkomme, sitzt die Greisin auf dem tragenden Granit des Gartengitters und läßt die Spieluhr gehen. Jede Nacht werfe ich ihr einiges in den Schoß, und dann fängt sie on, mit leiser Stimme die Melodie der Musik mitzusingen. Sie mag fünfzig Jahr« sein, sie mag auch schon achtzig Jahne zählen. Jedes. mal will ich sie fragen, wie das sei und wie«s um sie stehe. Aber jedesmal'schlägt sie die Augen zur Erde, und es ist noch niemals möglich gewesen, ein Gespräch mit ihr zu führen. Sie hat im Hoch- sommer schon auf ihrem Sockel gelauert; der frostige Ostwind hat sie noch nicht vertrieben. So bleibt sie geheimmsvoll und traurig, und während der fünf Minuten, die der Heimweg noch dauert, füllt sie die Bedanken des Heimkehrenden aus. Sie muß doch eine Häufung haben» sie muß doch leben, obwohl sie halbtot scheint, es muß sich doch einer um sie kümmern, ein anderer als alle Menschen, die wvhloerpackt und fröhlich an ihr vorbeikommen. Manchmal stellte ich mich zu ihr. Ich wartete, sie sollte sprechen. Sie sprach niemals, sie fang nur, sie fang zirpend und eintönig:„Das schönste Grab, das ich auf Erden Hab..." Das Leierkastenlied wurde nicht für di« Greisin gedichtet. Sie aber hat es ins Herz genommen, und es scheint, daß sie mit diesem wehmütigen, erschreckend trübseligen Singsang das Einzige verrät, was sie zu beichten hat. Das Grab, das Grab, das irgend- wo liegende, unbekannte mit vermodertem Grün bedeckte Grab ist ihre einzige Erinnerung. Ein Mensch, der jetzt nächtelang auf dem Steine sitzt, müßte krank werden, und wären feine Knochen auch kerngesund. Die Bettlerin mit der Spieluhr übersteht alles. Sie ist so schwach und doch stärker als die frischeste Jugend. Sie Ist ein rätsel« Haftes Wesen. Man staunt sie an wie irgendein vom Schicksal ab- geschieudcrtes Splitterlein. Man beklagt sie und fragt, warum die Obrigkeit sich um die bettelnde Greisin nicht kümmert. Rätsel über Rätsel und keines zu lösen. Ich habe beobachtet, daß auch ander« Leute neugierig waren und an die bettelnd! Sängerin«in freundlich fragendes Wort richteten. Sie hat niemals geantwortet. Sie hat immer nur ihre klapprige Spieluhr gedreht und gesungen. Da sie keine Antwort geben will, ist es nutzlos; weiter in sie zu dringen. Die Greisin ist vielleicht«in sehr irdisches Stücklein Unglück. Sie ist vielleich auch ein sehr irdisches eigensinniges und verstocktes Landstreichergemüt. Sie ist vielleicht aus allen diesen Gründen ein sehr seltsames, über die Erde emporgehobenes Seelchen. Sie ist, we»» sie so bewegungslos hockt, beleuchtet nur von nebligem Later- nenlicht. die Augen niederschlagend und das Gesicht in ein schwarzes Tuch einhüllend, anzusehen wie ein steinernes Denkmal. Wer mit einem Gewissen vor das Bildnis tritt, wird den Zeigefinger auf di« rnanchmal�taumelnden. Nachtwandler, ausstrecken, und ritten:„Eure. *•»e'-»—■-» SchuldI" Wer in Leichtfertigkeit vor das Bildnis tritt, wird die Achseln zucken und ssch brüsten:„Gott sei Dank, daß ich..." Vielleicht hat der Gewissenhafte allein recht. Es ist möglich, daß der im Leichtsinn die Gedanken Abschüttelnde nicht minder auf sein Recht pochen darf. Die Greisin auf dem Gariengittrr löst von sich aus und durch ihr« Deutung das Rätsel nicht. Sie dreht mir ihr Spielwerk und singt dazu: „Das schönste Grab, das ich auf Erden Hab..." Der Name der Slawen. Ueber die Bedeutung des Wortes „Slawen", der Bezeichnung der großen osteuropäischen Völkerfamili«, die jetzt mit neuen Staatenbildungen auf den Plan tritt, Ist viel gestritten worden, wohl ebenso viel wie über die Herkunft des Wortes „Germanen". Alle diese Volks- und Rassennamen verlieren sich im Dunkel der Urgeschichte. Die Russen leiteten den Stammesnamen gern von dem Worte„Slawa" ab, was„Ruhm" bedeutet. Die Slawen wären also die„Berühmten". Aber diese dem nationalen Chauvinismus entsprungene Deutung ist nie ernst genommen wor» den. Eher schien ein« andere Ableitung Sinn zu haben. All« slawi» schen»ölker bezeichnen bekanntlich die Deutschen als �Nemetz" oder ,Mlemci" oder dgl., je nach dem Dialekt. Das Wort bedeutet „stumm". Die Deutschen wurden als Stumme bezeichnet, weil man sich mit ihnen nicht verständigen tonnte. Im Gegensatz dazu würden die Slawen als oie.Fiedenden" zu denken fein,„Slovo" bedeutet „das Wort". Neuerdings ist eine andere Erklärung aufgetaucht, die das Wort Slawen von einem gotischen Stamm„Slawan" herleiten will. Dies Wort bedeutet„Schweigen", es wäre also das gerade Gegenteil von den„Redenden". Man hätte also zu denken, daß die alten Goten ihre slawischen Nachbarn, mit denen sie sich schwer unter» halten konnten, ebenso als„Schweiger" aufgefaßt hätten, wie diese ihrerseits aus demselben Grunde in den Germanen„Stumme" sahen. Ob dieser Erklärungsversuch mehr Wahrscheinlichkeit enthält als die anderen, wagen wir nicht zu entscheiden. Dieselbe Unsicherheit wiederholt sich bei den Namen der einzelnen Slawenvölter, den Tschechen, Polen, Wenden usw. Den Namen der Kroaten beispiels» weife hatten ältere Gelehrte von den Karpathen abgeleitet, was aller- dings unwahrscheinlich klingt. Ein neuerer Forscher, Basmer in Leipzig, denkt an das iraniicye Wort„Haurvatar". zu deutsch„Vieh- Hüter", da sich die östlichen Slawen sicher mit iranischen Stämmen im Kaukasus berührt haben, wäre ein solcher Zusammenhang nicht aus- geschloffen. Es ist indessen zu bemerken, daß die Kroaten ziemlich die am meisten westlich vorgeMwbenen Slawen sind. Das Wort würde also dann aus einer Urzeit stammen, als die Slawen noch fern im Osten vereinigt waren. rn. »Die Reichsfchulkonferenz 1920, ihre Borgeschichte und Barbe- reihrng und ihre Verhandlungen" heißt der Titel eines 1100 Seiten starken Bandes, den soeben— endlich!— das Reichsministerium des Innern herausgibt.(Verlag von Quelle u. Meyer, Leipzig.) Dieser amtliche Bericht wird in Zukunft ein Nachschlagewerk wich- tigster Art sein, aus dem sich jeder an pädagogischen Fragen Jnter- essierte an der Hand eines oortresfllchen Registers schnell über di« wichtigsten Gesichtspunkte fast aller in. Deutschland irgendwie führenden Schulleute unterrichten kann. Die Reichsschulkonfcrcnz führte Menscken und Metnungen zusammen. Das bedeutet für die Zukunitsarbeit sehr viel, auch wenn die Kampfftagen des Tages— wellliche Schule, sittliche Erziehung, Geschichtsunterricht usw.— absichtlich ausgeschieden wurden und damit der aktuelle Lüsungswert der Konferenz fast ganz verloren ging. Es war eine große Heer- lchau des Geistes, an die nur diejenigen ohne Genugtuung zurück- denken müssen, die unter falscher Flagge fochten oder die seitdem scho» da» Lager wechselten. Dies Buch hat also den Wert eines zeitgesajich Jüchen Ouellenwerkes. P. De. Die Entdeckang eiaer Nebelstraße am Himmel. Di« Erkenntnis einer Straße von dunkle» Nebeln, die sich außerhalb der Milch- straße über den ganzen Himmel erstreckt, ist dos Ergebnis von astronomischen Beobachtungen auf der vatikanischen Sternwarte in Rom, über die I. G. Hagen in den„Naturwissenschaften" berichtet. Einzelne dunkle Felder am Himmelsgewölbe waren schon früh aufgezeichnet, aber zunächst wenig beobachtet worden. Je genauer man die Himmelsräume erforschte, desto häufiger wurde dann aus dunkle Felder am Himmel hingewiesen, aber es fehlte noch die Ein- ficht, daß dies« kosmischen Wolken ein zusammenhängendes Ge- bilde sind. Erst als di« Nachtbeleucktung der Stadt Rom infolge der Kriegonöre verschwand, wurde aus der Sternwarte des Vatikans der Zusammenhang der dunklen Nebel diesseits und jenseits der Milchstraße eaügüuig festgestellt. Die neuen Erkenntnisse, die sich auf Grund von zehnjährigen Beobachtungen ergeben, lassen sich da- hin zusammenfassen, daß der ganz« für uns sichtbare Himmel init nichtleuchtendsn Nebelmassen überzogen ist. Innerhalb der Milch- straße sind die Nebelschleier dünner und liegen weiter auseinander, doch wird ganz klarer Himmel nur in der Näh« von dichten Stern- Haufen angetroffen.� Die nichtleuchtenden kosmischen Nebel sind um so dichter» je sternärmer die betreffende Himmelsgegend ist. Die tieinen selbstleuchtenden Nebelflecke, die bereits früher festgestellt wurden, finden sich gerade da am häufigsten, wo die dunklen Wolken am dichtesten sind. Noch viel auffallender aber ist die Tat- fache, daß dies« Nebelslecke sich mit Vorliebe an den Rändern der nichtleuchtenden Wolken aufhalten und das Innere dunkler Flächen- räume zu vermeiden scheinen. Aber nicht nur die hellen Nebel- flecke, sondern auch die Sterne zeigen ein besonderes«erhalten den kosmischen Wolken gegenüber. Der Rand einer dichten Nebelwolke ist sehr häufig von Sternen, meistens von solchen der 8.«der 9. Größenklasse, wie von einer Perlenschnur eingefaßt. Aus der Entdeckung dieser Nebclstraße lassen sich nun sehr wichtige Schluß- solgerungen ziehen, vor ollem die, daß die dunklen Nebelmassen der Stoff sind, aus dem sich die Sterne gebildet haben. Das Bild. da» wir uns nach diezen neuesten Beobachtungen vom Weltall zu bilden haben, ist dieses, daß der Weltraum bis zu einer Grenze mit nichtleuchtenden Massen angefüllt ist und daß das Cternensystem der Milchstraße sich innerhalb dieser Massen gebildet hat. also von dunklen Wolken allseitig umhüllt wird. Eine neue Privatdozentia an der UniversitSt. her philo- wird ein lehr»eilgemätze» Thema behauSela! der deutsches Lsdustrie.| Die * Der Streik bei üer Hochbahn. Die Direktion lehnt den SchlichtunflSausschuft ab. Der Streit bei der Hoch» und Untergrundbahn belchäftigte am Freitag den Schlichtungsausschuß Groh-Berlin. Die Hoch- bahn-Gesellschaft ließ sich vertreten durch den Arbeitgebervcrband der Straßen- und Kleinbahnen. Jede Erhöhung der am 3. De- zember mit Hilfe des Neichscrbeitsministeriums vereinbarten Lohnsätze l e h n t e s i e a b. Der Deutsche Vertehrsbund forderte als Vertreter des Hochbahnpersonals die Erhöhung sämtlicher Lohn- sätze und eine höhere Eingruppierung der Fahr- tartenverkäuserinnen. Diese Forderung sowie der Vor- schlag der Arbeitervcrtreter, statt eine Erhöhung der Löhne eine Wirtschaftsbeihilfe zu gewähren, wurde von den Der- tretern der Direktion abgelehnt. Nachdem alle Einigungsmöglichkeiten geschwunden wareu, er- NSrte sich der Schlichtungsausschuß für zuständig und fällte einstimmig einen Schiedsspruch. Dieser sieht die in der Vereinbarung vom 3. Dezember festgesetzten Löhne vor. Außerdem wird dem Personal eine Wirtschaftsbeihilfe zugesprochen. die 100 Mark für Jugendliche, 225 Mark für Verheiratete ohne Sind. 250 Mark für solche mit einem Sind und 300 Mark für Arbeitnehmer mit zwei und mehr Sindern beträgt. Bis heute abend sollen die Parteien erklären, ob sie diesen Schiedsspruch annehmen oder ablehnen. Schon vor der VcrtünZung des Spruches verließen die Otrektionsvertreter das Beratungszimmer. Sie begründen ihr Verhalten In einem an die Presse oersandten Wasch- zettel damit,„daß der Schlichtungsausschuß Groß-Berlin u n z u- st ä n d i g sei, vielmehr komme nur die im Tarifvertrag vorgesehene Schlichtungsstelle in Betrocht: diese sei bereits zur Entscheidung auf- gefordert. Im übrigen wurde nachgewiesen, daß der Schlichtungs- ausschuh ganz abweichend von den gesetzlichen Vor- schriften gebildet und besetzt sei. Nachdem sich der Schlichtungsausschuß trotzdem für zuständig erklärt hatte, mußte der Arbeitzeberverband eine Verhandlung zur Cache ablehnen. Der zuständige tarifliche Schlichtungsausschuß tritt bereits am Sonnabend 10 Uhr zusammen." « Die Vertreter der Unternehmer haben durch ihr Verhalten vor dem Schlichtungsausschuß erneut bekundet, daß sie nicht gewillt sind, auch die bescheidensten Forderungen anzunehmen und dadurch eine Einigung herbeizuführen. In einem erfreulichen Gegensatz dazu befinden sich die Arbeiter, die durch ihren Langmut und die immer wieder unternommenen Versuche, zu einer Eini- gung zu gelangen, bewiesen haben, daß sie nicht den Kampf, aber ihr Recht wollen. Jetzt, nachdem die Unternehmer ihnen erneut den Krieg erklärt haben, werden sie den Kampf aufnehmen und ihn durchführen. Die bereits mitgeteilte Sympathiekundgebung der Straßenbahner beweist, daß die Hochbahnangestellten nicht allein stehen. Aber nicht nur ihre engeren Berufskollegen, die gesamte Berliner Arbeiterschaft wird den Kampf der Hochbahner gegen ein brutales Unternehmertum nach besten Kräften unterstützen._ Die Zimmererbewegung. In einer Versammlung der Zimmerer am Freitag abend wurde folgende Entschließung angenommen:„Alle Verbondskameraden werden hierdurch verpflichtet, überall dort, wo von den Arbeit- gebern«in Stundenlohn von mindestens 13,50 M. nicht schriftlich anerkannt wird, von Montag, den 12. Dezember ab die Arbeit einzustellen. Alle in Arbeit bleibenden Kameraden ver- pflichten sich, die im Kampfe stehenden Kameraden mit allen Mit- teln zu unterstützen." Während der Tagung wurde unter den Anwesenden die Nach- richt oerbreitet, daß die Arbeitgeber die Aussperrung mit Wirkung von Montag ob beschlossen hätten. Etwas Bestimmtes war hierüber nicht zu erfahren._ Ein besouderer Slaalskommissar für die Groß-Hamburger Frage. Wie mitgeteilt wird, ist Genosse Dr. Südekum zum be- sonderen Staatskommissar zur Bearbeitung d-r Groß-Hamburger Frage ernannt worden. Südekum wird in den nächsten Tagen seme Tätigkeit aufnehmen. Die feudale Ecke. Ich bin heute zwischen 0 und 7 Uhr um das Brandenburger Tor herumspaziert, um nachzusehen, ob Ludendorsf, Jagow und Wangenheim dort alle Tage um diese Zeit pazieren gehen. Denn nach ihrer Aussage vor dem Reichsgericht lzaben sie sich ja au� am 13. März beim Einmarsch der Kapp-Lutt- coitz-Truppen rein zufällig um diese frühe Morgenstunde dort ein- zefunden. Heute habe ich dort keinen einzigen Politiker getroffen, und es fiel mir zu spät ein, daß die Herren ja jetzt in Leipzig be- chäftigt sind. Aber wenn der Kapp-Prozeß vor dem Reichsgericht wieder zu Ende ist, kann man die Unschuldslämmer sicher wieder !eden Morgen zwischen ü und 7 Uhr früh am Brandenburger Tor pazieren gehen seyen. Diese Pilgerfahrt ersetzt ihnen den Hosgang, täuscht Ihnen einen Einzug(mit Wilhelm) vor und der Aerger über die Republik dient stall einer Karlsbader Kur. Die Republik sollte generös sein, und zen um uns so wohlverdienten Herren einige Bequemlichkeiten dort ansetzen, darunter auch ein pnr kleine Häuschen. Salvarfangefahren und deren Bekämpfung. Die Todesfälle Zurch Salvarsan mehren sich. Nachdem Prozessor Arndt-Berlin i Salvarsan-Tote in 5 Monaten beschrieben hat, wird soeben wieder iiekannt, daß Professor Kronmeyer im Ostkrankenhaus Berlin unter 183 mit Salvarsan behandelten Patienten wiederum 2 Salvarsan- Zote, darunter eine schwangere Frau, zu verzeichnen hat. Die An- irifke gegen die Salvarsanbehandlung haben die Medizinalabtcilung zes preußischen Wohlfahrtsminisleriums veranlaßt, die Abteilung zes Landesgesundheitsomtes für Seuchenbekämpfung zu einer Sitzung am 14. Dezember zusammenzurufen, wo von den Herren Brosesioren Iadassobn, Heßter, Buschke und Levin über die Heil- «wkungen und Schädigungen des Salvarsans und über die zur Der- bütung der schädlichen Wirkungen erforderlichen Maßnahmen vor- iräae aehalten werden sollen. Andererseits ist auffällig, daß die vom Preußischen Landtag fast »inltimwia beschlosiene paritätische Ealoarsanprüfungskommission, die der bekannte Ealvarsangegner Dr. Drews seinerzeit beantragt hatte Immer noch nicht-ingesetzt Ist. Dielleicht sieht hier und im Land'esaclrndheitsrat, dem eine objektive Prüfung dieser Statze ebenfalls obliegt, der neue preußische Minister für Volkswohlfahrt einmal nach dem Rechten._ TtloirnrnSfübrungett für Sonntaa. den lt. Dezember, 9'/, Nbr. durch Dircttarialbramlc im tiaiier-iZnedrich-Muscum sVorderusintilche Abteiliinal, im 9;;uen rnjuimm.?l-ant»i'che Abteilung) und im Museum für Völler- toide(Cliafioli'chc Ablellmig). (rtnc Svctlmackitsv-rsiellung für Waise. Da« Eentral. Ebeater tft duich die Etilwnq eine» DönnerS in die Eaae veiiicht. 700 WailenNndern eine«etbnacht«b»schenmg und»eihnachtZvorstellung ,u orran ballen Diese Lorstellung findet am 20. Dezember, nachmittags Z-/, Ulm. statt Die Baukunst unserer Zeit im Slchtllild will die Deutsche Ke- werbeschau München 1022 im Zusaminendang mit der Borluhrun-, von »ullurfilmen in einer AuSwabl der bellen seit 1300 entstandenen Bauten Alle Archilcttcn SehSrden und-nlwersenden Firmen find zur Em- jiuiduug von AbbUdungen bi» 1. Januar 1322 ausgesordert Ter Bund entschiedener Schulreformer wird in der Feit vom IS. Januar bis 22. März im Zentraimstttut sür Erzlchuuq und Unterricht eine LortraaSrcibe(jeweils am Mittwoch) verandalten. Teilnehmerkarten zu 25 M.(SM. für dar emzctatn Lopllgg) IftJnstitM, Potsdamer 120. Zur Durchführung üer Lohnsteuer. Tie neuen Steuerbücher. Zum 1. Januar 1922 gelangen die für die Entrichtung der Lohn- fteuer bestimmten neuen Steuerbücher(statt der bisherigen Steuerkarten) zur Ausgabe. Die Bücher werden den Arbeitnehmern gegen' Ende des Jahres 1921 zugestellt werden. Ueber die Art der Zustellung erfolg: noch besondere Bekannt- m a ch u n g. Das Steuerbuch besteht aus einem Umschlag und Einlage- bogen. Die vordere Umfchlagseite enthält eine Bescheinigung der Gemeindebehörde über die Höhe der Ermäßigungen sür Familien- angehörige und W e r b u n g s k o st e n, um die sich der zehn- prozentige Lohnabzug mindert, und zwar auf das Jahr bezogen, während«uf der letzten Umfchlagseite die Umrechnung des Ermäßi- gungsbetroges auf die einzelne Lohnzahlungsperiode abzulesen ist. Für die im Bezirk des Landesfinanzamts Groß-Berlin zur Ausgab» gelangenden Steuerbücher ist auf den beiden Innen- feiten zur Aufklärung der beteiligten Kreise eine Zusammenstellung der wichtigsten Bestimmungen über die Besteuerung des Arbeits- lohnes gegeben. Somit ist jeder Arbeitgeber jetzt in der Lage, sofort den vorschriftsmäßig abzuziehenden Steucrbetrag zu er- kennen: der Arbeitnehmer kann ohne weiteres sich davon überzeugen, ob der Arbeitgeber ihm nicht zuviel einbehalten hat. Die Ausstellung des Steuerbuches(Ausfüllung des Umschlages) für das Kalenderjahr 1922 erfolgt durch die Gemeindebehörden für sämtliche im Zeitpunkte der Personcnstandsaufnahme in ihrem Bezirke wohn- haften oder sich aufhaltenden Arbeitnehmer, gleichgültig ob diese im Zeitpunkte der Personcnstandsaufnahme in einem Arbeitsver- hältnis gestanden haben oder nicht und ob der Steuerabzug durch Verwendung von Steuermarken, purch Barabführung oder Ueber- Weisung oder bei Beamten Im Wege des vereinfachten Behörden- Verfahrens bewirkt wird. Wird ein Steuerbuch für einen Arbeit- nehmer beantragt, der im Pcrsonenverzeichnis noch nicht als Arbeit- nehmer oder überhaupt nicht vermerkt war, so ist die Gemeinde- behörde auch in diesem Falle zur Ausfüllung eines Steuerbuches verpflichtet. Steht die Ehefrau des Arbeitnehmers, dem ein Steuer- buch ausgestellt ist, in einem Arbeitsverhältnis, so ist ihr ebenfalls ein Steuerbuch auszustellen. Steht ein minderjähriges Kind, das zur Haushaltung eines Arbeitnehmers zählt, selbst in einem Arbeits- Verhältnis, so ist ihm ein Steuerbuch auszustellen. Das gleiche gilt auch für volljährige Kinder, die zur Haushaltung eines Arbeitnehmers zählen und in einem Arbeitsverhältnis stehen. Ist jemand nach der letzten Personenstandsaufnahme am 20. Oktober 1921 ver- zogen, so kann Ihm nur dringend geraten werden, unverzüglich die Nachscndung seines Steuerbuches von der früheren Gemeindebehörde zu veranlassen. Die Steuerbücher sind vom Arbeitnehmer bei der Lohnzahlung vom 1. Januar 1922 ab dem Arbeitgeber vorzulegen. Es ist besonders darauf zu achten, daß die Einlogebogen nicht in Verlust geraten. �usfchußberatungen. Notgcsetz für die Krankenversicherung. .Im Neichstagsausschuß sür soziale Angelegen- h e i t e n wiesen unsere Genossen darauf hin, daß die Kranken- lassen mit der setzt geltenden Beschränkung des Grundlahne» nicht mehr auskommen können: Die baren Leistungen der Kassen werden nämlich nach einem Grundlohn bemessen. W» solchen bestimmt die Satzung entweder den durchschnittliche» Tagesentgelt der Mitglieder oder den wirklichen Arbeitsverdienst der einzelnen Bersicherten. Bei der Festsetzung des Grundlohnes muß der Entgelt berücksichtigt werden, soweit er 24 Mk. für den Arbeitstag nicht übersteigt: die Satzung kann ihn darüber hinaus berücksichtigen, soweit er 30 Mk. für den Arbeitstag nicht übersteigt. Unsere Genosien beantragten, daß die Beträge 24 und 30 Mk. erhöht werden. Das Reichsarbeits- Ministerium antwortete, daß es bereits einen Entwurf für diese Verbesserung ausgearbeitet hat, daß aber der Entwurf vorläufig noch nicht an den Reichstag gelangen kann. Der Ausschuß legte den Entwurf des Ministeriums den Be- ratungen zugrunde. Danach sollen jene Deträge auf 40 und 80 M. erhöht«erden. Die Sozialdemokraten schlugen die Beträge 60 und 100 M. vor. Das lehnten aber die Bürgerlichen ab, worauf der Borschlag des Ministerialentwurfe» angenommen wurde. Dann wurde die Lohngrenze für die Versicherungspslicht ge- ändert. Die Angestellten sind»ur dann versicherungspflichtig, wenn nicht ihr regelmäßige» Jahresirbeitsverdienst 15 000 M. an Entgelt übersteigt. Das Ministerium schlug die Erhöhung, auf 30 000 M. vor, die Sozialdemokraten aus 50 000 M., da« Zentrum auf 40 000 M. Der Antrag der Sozialdemokraten wurde abgelehnt und dann der Antrag des Zentrum» angenommen. Reu gerogelt wurde endlich die Fortsetzung der ver- sicherung nach dem Ausscheiden des Versicherten au» der Der- sicherungsxrlicht Donach kann da» Mitglied bei Beginn oder wäh- rend der Weitervetficherung entsprechend seinen Einkommenever- hältnissen mit Zustimmung des Kosienvorstandes in eine andere Klosse oder Lohnstuse übertreten. Wird die Zustimmung versagt, so steht dem Mitglied binnen einem Monat die Beschwerde an das Versicherungsamt zu: diese» entscheidet endgültig. Der Kassenvorstand kann den Weiterversicherten auch ohne seine Zustimmung in ein« höhere Klasi» oder Lohnstufe versetzen, wenn dessen Beiträge im erheblichen Mißverhältnis zu seinem Gesamt- eintommen und zu den ihn, im Krankheitsfall zu gewährenden Kassenleistungen stehen. Gegen eine solche Anordnung steht dem Mit- glied binnen einem Monat die Beschwerde an das Berflcherungsamt zu: dieses entscheidet endgültig. Ter Uutersuchuugsausschuft über Niederschönenfcld. Im Untersuchungsausschuß für Strafvollzug stand die Frage, ob eine Besichtigung von Nlederschönenseld überhaupt beschlossen worden sei, im Mittelpunkt einer langen Debatte. Es wurde festgestellt, daß man den Reichstag darum ersucht Hab«, zu beschließen, daß das Reichsjustizministerium sich mit Bayern wegen des Strafvollzugs in Niod-erschönenfeld In Verbindung setze. Dennoch ritt der bayerische Gesandte von P r e g e r gegen die Absicht, In die Nederjchönenfelder Verhältnisse hineinzuschauen, eine so abweisende Rede, daß sogar der Vertreter des Reichsjustizministeriums dagegen das Wort nahm. Er micme dann, ein Anlaß, auf die Durchführung dieses Beschlusses zu bestehen, liege für den Ausschuß um so weniger vor, als die Verhält- nisse in Riedcrschönenseld, wie bekannt, zurzeit den Gegenstand von Verhandlungen des Reichsjustizministeriums mit Bayern bildeten, die noch nicht abgeschlossen seien. Abg G r o t j a h n(Soz.) erklärte, daran festhalten zu müssen, daß nach den Bestimmungen der Verfassung ein Aulsichisrecht des Reiches über den Strafvollzug bestände. Es s«i bedauerlich, daß Beyern nicht die Gelegenheit wahrnehme, die Beunruhigung der Oefsentlichkeit durch einen Besuch des Untersuchungsausschusses beseitigen zu lasten, wie da» durch den Besuch der pneußischen Straf- anstalt LIchtenburg geschehen sei. Immerhin seien sich die Juristen nicht einig. Es hätten daher zunächst diejenigen Instanzen zu sprechen, die über bisse Zuständigkeit zu urteilen haben. Abg. Merck(Bayr. Vp.) brachte folgenden Antrag ein: Der Ausschuß wolle beschließen, daß von dem Bollzuge des Ausschußbeschlusies vom 22. November mit Rücksicht ans die strittige Rechts- rag« Abstand genommen werden solle. Dieser Antrag wurde von dem deutschnationalen Vertreter imd den Vertretern der Deutschen DoUspartei. des Zentrums und der Demokraten angenommen. Der Düffelüorfer waffsnfun). Versin. 9. Dezember.(WTB) Der„Vorwärts" llnngt in seiner heutigen Abendausgabe eine Meldung aus Düsseldorf, nacy welcher die dortige Bcsatzungsbehörd» ein größeres Waffenlager aufgedeckt habe. Es sollen zwei schwere und sechs leichte Maschinen- gewehre, 147 Gewehre und 30 000 Stück Jnsanteriemunilion ge- sunden worden sein. Die Meldung trifft, soweit bisher festgestellt werden konnte, im allgemeinen zu. Die Waffen wurden in einer Käsern« gefunden, welche gegenwärtig mit französischen Truppen belegt ist. Die Gewehre usw. waren unter dem Fußboden v-r- borgen. Eine Untersuchung ergab, daß die Waffen bei den lehren großen Unruhen dort von der Roten Armee untergebracht worden sind. Die Franzosen haben die Waffen beschlagnähmt Die Zwangsherrschast am Rhein. Homburg(Pfalz), 9. Dezember.(MTB.) Als die Arbeiter der Ueberlandzentrale Homburg nach einem Streik wieder zur Arbeit antraten, erschien plötzlich ein Zug farbiger Soldaten unter Führung eines Feldwebels im Werk, in dem die Soldaten so als Posten ver- teilt wurden, daß beinahe auf jeden Arbeiter ein Posten kam. Die Arbeiter, die sich durch Afrikaner nicht zur Arbeit zwingen lassen wollten, erklärten, die Arbeit wieder einzustellen, wenn die Soi- baten nicht sofort aus dem Werk zurückgezogen würden. Während der Verhandlungen platzte an einem Dampfkessel plötzlich ein Dampf- rohr, und der ausströmende Dampf füllte sämtlich« Räume des Werkes. Als der Schaden behoben war und der Dampf sich verzogen hatte, sahen die Arbeiter, daß mit dem Dampf auch fämLich« Marokkaner verschwunden waren, die sich erst ganz allmählich wieder im Fabrikhofe einfanden. Beim Appell ergab sich, daß kein Mo- rokkaner fehlte, ober acht Gewehre verschwunden waren, welche ver- mutlich die Soldaten bei ihrer kopflosen Flucht weggeworfen haben. Ihre Furcht vor der Fabrik war so groß, daß sie nicht mehr wagten, die Fabrikräume zu betreten: sie bezogen ein in der Nähe der Fabrik stehendes Haus und rückten nach einigen Tagen ab. Wirtschaftsspionage. Die„Essener Allgemeine Zeitung" schreibt, daß die französische Spionage sich die deutsche Geldentwertung immer mehr zu Nutzen macht. Der Westen Deutschlands wird mit französischen Agenten überschwemmt, die die Stärke und Bewaffnung der Reichswehr und Polizei sowie der angeblich bestehenden bewaffneten Geheim» bünde- und-organifationen nachzuprüfen haben. Allein in den letzten Tagen ist es gelungen, insgesamt 11 Spion« festzu- nehmen: so vier in Münster, drei in Bochum und vier in Essen. Das beschlagnahmte Material belastet Deutsche als Lieferanten von Nachrichten. Die Rußlanöhilfe. Moskau, 9. Dezember.(OE.) ja Baronfk(Gouv. Sjamoro) ist Fritjof Nansen in Begleitung Webster» und Ferrar» zum Studium der Lage der hnngernden Wolgadeutschen eingetroffen. Ferrar erklärte Presieverlrelern, daß das Bild des Hungerelends in den deutschen Wolgakolonien alle» Überkresse, wo» er seinerzeit in Indien während der dortigen von ihm geleiteten kam- pagne gegen den Hunger gesehen habe. Nansen lieh kinemalogra- phische Aufnahmen der abgezehrten und verstorbenen Kinder machen und ordneke die Eröffnung neuer Kinderspeischallen für die Verpflegung weiterer 10 000 Kinder an. Eine Konserenz sozialistischer Parteien, die jüngst in Berlin getagt hat, appelliert an olle Einsichtsvollen, die Frage der Kredit- Hilfe für da» hungernde Rußland m den Mittelpunkt ihre» öffent- llchen Wirkens zu stellen. Die Sowjetregierung habe alle ihr ge- stellten Bedingungen angenommen, e« geschehe aber nichts, Ruß- land gehe zugrunde und die ganze Welt werde die Folgen spüren. » Nach einer Moskauer qt-Meldung wendet sich das Programm der unter der Leitung Bucharins und Bogdanows stehenden„low- munistisch-kolletioistischen Gruppe" gegen Lenins wirtschaftliche Kompromißpolitit und fordert die Sammlung oller oppositionellen Elemente für den Augenblick, in welchem eine Spaltung der KPR. nicht mehr zu umgehen sein werde. Diese umfasse Arbeiter wie Bauern, wie vor allem auch Intellektuelle und es sei den Intellektuellen mehr und mehr gelungen, die Regierungs- gewalt für sich allein in Anspruch zu nehmen. Deshalb müßten die Arbeiter erneut zusammengefaßt werden, um zu einer wirklich proletarischen Revolution zu kommen. Die Not üer Zeitungen. Die Vereinigung Großstädtischer Zeitungsoerleger schreibt: An unsere Leserl Biele Jahre lang war der Bürger gewöhnt, sein« Zeitung fast umsonst zu bekommen und für 10 Pf. durch ganz Berlin von einem Ende bi» zum anderen mit der Straßenbahn zu fahren. Diese Zelten sind, darüber darf man sich keinem Zweifel hingeben,«nd- gültig vorbei. Die Preisreoolution hat die Bewertung oller not- wendigen und überflüssigen Dinge ergriffen. Löhne und Gehälter, alle Preise sür Rohstoff«, Halbfabrikate, von den Fertigfabrikaten gar nicht zu reden, haben sich der Umwertung aller wirtschaftlichen Dinge angepaßt. Weit zurückgeblieben hinter der allgemeinen Preissteigerung sind fast allein in der Welt die Abonne- mentspreise der Zeitungen. Der Papierpreis einschließ- lich der Zusuhrkosten beträgt zurzeit mehr als das 21fach« des Vor- kriegspreifes, die Löhne sind etwa auf das Itzfache gestiegen, während der Leser für seine Zeltung noch immer einen Preis zahlt, der nicht im entferntesten einen Ausgleich mit allen übrigen Preiserhöhungen bietet. Ein« lange Zeit haben es die Verleger als ihr« Pflicht be- trachtet, selbst unter schweren Opfern mit einer Erhöhung der De- zugspreise zurückzuhalten. Jetzt geht es einfach nicht mehr, soll nicht das Zeitungswesen in schwerste Bedrängnis kommen und die Presse der Gefahr des Unterganges oder der Korruption ausgesetzt werden. Die Groß-Berliner Zeitungsverlage sind daher, ohne Unterschied der Parteirichtung, vor einigen Tägcn zu einer Beratung über ihre ver- zweifelt« Lage zusammengetreten. Die offenherzige Aussprache aller Kollegen ergab, daß es ganz unmöglich für die Verleger Ist, die bisher befolgte Preispolittt fortzusetzen, und daß auch bei beschei- denster Beschränkung aus das absolut Notwendige erhebliche Erhöhungen der Bezugsgebühren sich nicht umgehen lasten. Um lo zwingender erwies sich die Notwendigkeit, als ollgemein festgestellt wurde, daß die Inseratenteile der Zeitungen Infolge de» allgemei- neu Ausverkaufs und des zurzeit bestehenden Warenmangels erheb- lich zurückgegangen sind und daher ein« ausreichend« Ergänzung der Bezugspreise aus den Anzeigeneinnahmen unmöglich sei. Wir dürfen der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Leser samt- licher Taa??z?itrna?n die Notwendigkeit unsere» Schrittes einsehen werden und die erbeten« Erhöhung, mag sie dem einzelnen auch noch so schwer sollen, aui sich nehmen werden. Wir Verleg-rr können demgegenüber nur versichern, daß wir alle Zeit bereit'ein werden, das Ansehen der deutschen Presse hochzuhalten und die Interessen der Gesamtheit, jeder von seinem politischen Standpunkt aus, un- abläffig zu jörderu. GewerMQfisbewegung Setriebsrätekongreß der Metallarbeiter. Dritter Tag. k. Leipzig. 7. Dezember. In der Nachmittagssitzung beginnt die Aussprache Dr. Stein- Wien. Als beim Zusammenbruch der Kriegs- front sich unsere Bourgeoisie feige oerkroch, haben sich unsere Fabrikausschüsse schützend vor die Betriebe gestellt, um die Wirtschaft zu retten. In dieser tragischen Stunde forderten wir — nicht das Mitbestimmungsrecht, sondern— das Bestim- mungsrecht. Bestimmen sollte nur der, der arbeitet. Das setzten wir durch. Unser Betriebsrätegesetz trägt das Merkmal der Revo- lution, das deutsche Betriebsrätegesetz das Merkmal des Bruder- kampfes. Wäret Ihr. deutsche Kollegen, damals einig gewesen. Euer Gesetz wäre auch revolutionärer geworden(Stürm. Zustimmung), es trüge nicht das Merkmal eines Hilfsmittels für das Unternehmen. Die Betriebsräte haben in Oesterreich gewaltig zur Festigung der Gewerkschaften beigetragen. Wir sind vollständig organisiert. Anderer- seits haben die Betriebsräte dank solch starker Gewerkschaften in den Betrieben überaus viel erreicht. Die hier vorgeschlagene Llldungssteuer ist in Oesterreich schon eingerichtet. Ueber das ganze Land erstrecken sich bei uns die Betriebsräteschulen. Auch wir werden unser Be triebsrätewesen verteidigen, wenn es sein muß, mit dem letzten Bluts tropfen.(Großer Beifall.) Hesse(Angestellter): Ueber die Notwendigkeit der Zusammenarbeit der Arbeiter und Angestellten herrscht hier nur eine Meinung. Aber in der Praxis sieht es noch trübe aus. Man darf nicht vergessen, daß die Angestelltenorgani- sationen noch sehr jung sind. Daraus ergibt sich manche Mißhellig- keit. Seht nicht in dem Werkmeister den Aufpasier! Er ist von oben noch mehr gedrückt, als der Arbeiter. Viele der Betriebs- ingenieure und kaufmännischen Angestellten sind noch nicht bis zum Sozialismus vorgedrungen. Andererseits aber sind vielfach die Kinder unserer handarbeitenden Kollegen nicht bei uns, sondern im Deutschnationalen Handlungsgehilfenoerband organiöert. Wenn sie zurückkehren, dann klären Sie hierüber Ihre Kollegen und Kinder auf, damit das Verhältnis zwischen Hand- und Kopfarbeiter ein besseres wird. S i t t i n g e r- Ludwigshafen: Eine große Gefahr für die Be- triebsräte besteht darin, daß sie zu Handelsjuden gemacht werden. Denn dadurch werden sie ihrer Aufgabe entzogen und dann wegen der gelieferten Waren von ihren Wählern angegriffen. Schmidt-Nürnberg: Theoretische Borträge haben wir genug gehört, aber praktische Richtlinien haben wir nicht bekommen. V r o l a t(Betriebsrätezentrale): Es wäre besser gewesen, wenn der Vorstand des Metallarbeiterverbandes das Betriebsrätewesen mehr im Einklang mit den anderen Verbänden regelte. Es geht auf die Dauer nicht an, daß getrennte Kongresse veranstaltet werden. Die Berichte über die Zusammenarbeit der Arbeiter und Angestellten sind recht trübe. Der Betriebsrot darf in der Werkstatt nicht der Antreiber seiner Kollegen sein. Er ist Funktionär seiner G e w e r k» schaftskollegen, nicht des Unternehmers. Parakenings- Essen polemisiert gegen Ausführungen Dißmanns. Er wünscht, daß die Betriebsräte über die Taktik der Lohnkämpfe mit zu bestimmen haben. Sie sollten größere Rechte haben als die Gewerkschafter.. lWiderspruch.) Dann ist weder in den Entschließungen noch in den Referaten gesagt, wie die iv Punkte des ADGL. durchzuführen sind. Von hier müssen die Wege und Mittel angegeben werden. An der Aussprache beteiligen sich weiter I f l a n d- Eisenach, Heine- Jena, H a a ck- Hamburg, Linke- Berlin(Technische Be- amte). Es erfolgt Schluß der Debatte. Als erster der Referenten erhält Graf das Schlußwort: Die Bildungssache wäre sicherlich Aufgabe des Gewerkschaftsbundes, aber solange der Bund zentral nichts tut, müssen wir von unserer Seite damit be- f[innen. Aber warten Sie nicht, bis der Lehrer bei Ihnen erscheint, andern beginnen Sie gleich selbst mit Ihrer eigenen Bildung. (Beifall.) D i ß m a n n geht im Schlußwort auf die Einwände der Dis- kufsionsredner ein. Ein Verband von der Größe des Metallarbeiter- Verbandes kann in der Bildungssache nicht daraus verzichten, ein Eigenleben zu führen. Wir können in der Ausbildung der Mit- gliedcr nicht genug tun. Es hat sich schon eine Liga gegen die Betriebsräte gebildet. In einem ihrer Rundschreiben heißt es, daß das Betriebs- rätegesetz ein K l a s s e n g e s e tz sei. Die Arbeiter maßten sich Rechte an, die ihnen gar nicht zustehen. Durch die R ä t e b e w e- g u n g werden die Arbeiter nicht aufgeklärt, sondern verdummt. Die Arbeitgeber müssen sich aus ihrer Gleichgültigkeit, aus ihrer Verzweiflung herausraffen.»Den Betriebsräten muß der Boden entzogen werden. Sie betrachten sich schon als Diktatoren. Daher geht an die Arbeitgeber der Aufruf, sich der Liga anzu- schließen zum Schutz gegen die Anmaßung der Betriebs- rate". Das sind, führt Dißmann fort, nur einige Perlen aus dem Zirkular. Es sind dies Beweise mehr für die Pläne des Unter- nehmertums gegen die Arbeiterklasse. Wir hoben zu trachten, daß diesen Herrschaften das Handwerk gelegt wird. Die Stunde muß kommen, wo wir sagen, wir sind der Drohnen satt, für euch ist kein Platz mehr in der menschlichen Gesellschaft.(Sturmi- scher Beifall.) Es folgt die Abstimmung. Einstimmig wird die folgende Ent- schließung angenommen: Der Kongreß fordert eine Erweiterung der Rechte der Betriebs- räte durch: I. Gewährung des Rechtes auf Einsicht in sämtliche Rechnungsunter- lagen, Korrespondenzen, Ein- und Derkaufsverträge und sonstige Dokumente des Unternehmens, 2. Aushebung des Geschäftsgeheimnisses gegenüber dem Betriebsrat. 3. Gewährung des Kontrollrechtes über die Kalkulation unter Be- reitstellung aller hierfür nötioen Unterlagen und Auskünfte, 4. Gewährung des Rechts der Zuziehung und Befragung von Be- amten und deren Pflicht zur Aussage, K. Des Kontrollrechtes über die in- und ausländischen Deoisengut- haben, «. de» Kontrollrechts über die Steuererklärungen und Leistunoen der Unternehmungen, 7. des Einspruchsrechts gegen die unzureichende Betriebsleitung, 8. des Rechts zur Feststellung und Erfahrungsaustausches der Pro- duktionsmethoden im Industriezweig zwecks allmählicher allge- meiner Einsührung der rationellsten und modernsten Einrich- wngen. Als Voraussetzung zur praktischen Auswirkung dieser einzu- räumenden Rechte fordert der Kongreß die Umwandlung des im Z SS BRG. borgesehenen Veratungsrechtes in ein Witbestimmungsrechl. Der Artikel ISS der Reichsverfassung sichert den Arbeitnehmern zu, gleichberechtigt an der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung der produktiven Kräfte mitzuwirken. Diesem verfassungsmäßigen Recht ist im BRG. nicht entsprochen. Wohl aber legt der 8 68 des BRG. dem Betriebsrat die Pflicht auf,„dahin zu wirken, daß von beiden Seiten Forderungen und Maßnahmen unterlassen werden, die das Gemeininteresse schädigen". Pflichten kann indes nur nachgekommen werden, wenn durch Einräumen von Rechten die Möglichkeit dazu geboten wird. Nur dann auch kann die Verantwortung für erstere getragen werden. Die Betriebsräte sind erfüllt von dem ernsten Willen, durch ihre Tätigkeit dem Wohl der schaffenden Gemeinschaft zu dienen und darum jedem das Gemeinwohl schädigenden egoistischen und profit- süchtigen Einzelwillen entgegenzuwirken. Durch stete und planmäßige Erziehungsarbeit sollen die Be- triebsräte auf ihre wichtigsten Aufgaben vorbereitet werden: Organe der sozialistischen Wirtschaft, Förderer des Gemeininteresses festen Solidaritäts- und Verantwortungsgefühls zu werden. Zur Erfüllung ihrer umfassenden Ausgaben fordern die Be- triebsräte den beschleunigten Ausbau des Rätesystems, der zur Wahrung des notwendigen Zusammenhanges zwischen Einzelunter- nehmer und Industriezweig resp. Gesamtwirtschoft auf der Grund- läge der Betriebsräte erfolgen muß. Der Kongreß ist sich bewußt, daß die Erfüllung dieser Forde- rungen nicht lediglich durch den parlamentarischen Kamps oder den der Betriebsräte allein, sondern nur im engsten Zusammenwirken mit den gewerkschaftlichen Organisationen und im harten, opfer- bereiten, planmäßigen Kampf der gesamten Hand- und Kopfarbeiter durchgesetzt werden kann. Der Vertreter der Tschechoslowakei, Belina, dankt namens der ausländischen Gäste dem Kongreß für die gebotenen Erfahrungen und Gastfreundschaft. Der Vorsitzende Reichel schließt sodann mit Dank an die Leipziger Gastgeber und einem nachdrücklichen Mahnruf zu weiterer Arbeit den Betriebsrätekongreß um 7 Uhr. Neichskonferenz See GemeinSe-Straßenbahner. Der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter hielt am 3. De- zember im Berliner Gewerkschaftshaus eine Konferenz des gemeind- lichen Straßenbahnpersonals ab, soweit es in seinen Reihen organi- siert ist. Es waren 24 Delegierte aus allen Teilen des Reiches ver- treten. Den Bericht über die Manteltarifvertragsver- Handlungen gab Kollege P. Schulz vom Verbandsvorstand. Er wies zunächst auf die irreführenden Berichte über den Tarif- vertrag für die Straßenbahner in der Presse hin, wonach die Ver- Handlungen zu einer Einigung geführt hätten. Redner schildert ein- gehend den Verlauf der Verhandlungen und das Ergebnis, das den Delegierten zur Beschlußfassung unterbreitet wurde. Bereits vor den Verhandlungen fand eine Auseinandersetzung mit dem Deutschen Iransportarbeiterverband statt über die Zuständigkeit unserer Organisation in dieser Frage. Da aber in unserem Reichs- manteltarif die besonderen Verhältnisse des Straßenbahnpersonals insoweit einbegriffen sind und wir weit über ISlXX) Verbandsmitglieder unter den Straßenbahnern haben, ergibt sich daraus auch unsere Zuständigkeit zur Mitberatung an dem Manteltarifoertrag. Unsere Verhandlung im Februar 1921 scheiterte daran, daß unsere Forderung„keine Zurücksetzung gegenüber den städti- schen Arbeitern" vom Arbeitgeberverband nicht anerkannt wurde. Jetzt sind wir annähernd in der gleichen Situation. Der Referent erörterte dann die einzelnen Anträge und Vorschläge und empfahl eine Entschließung, die nach eingehender Diskussion ein- stimmig angenommen wurde. In der Entschließung wird Protest erhoben gegen die vom Reichsarbeitgeberverband Deutscher Gemeinde- und Kommunalver- bände beabsichtigten Verschlechterungen der Arbeitsverhältnisse, wie sie das am 14. und IS. November gezeitigte Verhandlungsergebnis klar erkennen lasse. Die Arbeitszeit soll durch Beseitigung der fast überall bestehenden besseren Verhältnisse wesentlich heraufgesetzt werden. Die im Reichsmanteltarisoertrag für die Gemeindearbeiter gewährte bessere Bezahlung der Sonntagsarbeit und der in die Woche fallenden Feiertage soll nicht gewährt werden. Im 8 3 Abs. 8 liegt die Gefahr vor, daß die Straßenbahner stets zu einer teilweisen Beschäftigung an ihren dienstfreien Tagen herangezogen werden können, ohne daß hierfür ein anderer dienstfreier Tag ge- währt werden braucht. Man mutet also der vertragschließenden Partei— dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter— zu, den von den Arbeitgebern propagierten Tarifbruch zu sanktionieren. Die Konferenz beschließt deshalb einstimmig, das Nerhandlungs- ergebnis als völlig unzureichend abzulehnen. Sie verlangt, abgesehen von den durch den Betrieb bedingten Abänderungen, daß die be- stehenden zentralen bzw. örtlichen tariflichen Regelungen für die Gemeindearbeiter vollinhaltlich für das Straßenbahnperfonal zur Anwendung kommen. - Zur Erreichung dieses Zieles fei die einheitliche Organisation aller im Gemeindedienst stehenden Arbeiter im Verband der Ge- meinde- und Staatsarbeiter als dringendste Notwendigkeit anzu- streben und mit allen Mitteln durchzusetzen. Ueber Organisationsfragen referierte Kollege Becker vom Verbandsvorstaad. Durch den Nürnberger Gewerkschaft»- kongreß ist unsere Organisationsform anerkannt worden. Wenn auch die Grundsätze der Berbandsvorstände über die Berufsorganisation bestehen bleiben, so liegt»« doch im Zuge der Zeit, daß sich die Entwicklung zu Industrieverbänden mehr und mehr vollzieht. Diese Entwicklung entspricht aber in vieler Beziehung unserer bereits seit 25 Iahren bestehenden Organisationsform. Nun sind durch den Abschluß des Reichsmanteltarifs und der örtlichen Tarifabschlüsse hie und. da Differenzen entstanden, die zu unange- nehmen Grenz st reitigkeiten geführt haben. Inzwischen ist jedoch mit dem Verband der Maschini st en und Heizer eine Vereinbarung getroffen worden, die ein erträgliches Zusammen- arbeiten gewährleistet. Die Frage der Organisierung der Straßen- bahner muß vom Standpunkte der Zweckmäßigkeit angesehen wer- den und es erscheint überaus schwierig, die Straßenbahner aus dem Reichsmanteltarif herauszunehmen und sie besonders zu behandeln. Eine planmäßige Aufklärungsarbeit müßte dafür sorgen, daß alle unsere Mitglieder hinter unserer Tarifpclitik stehen. In' fast vierstündiger Diskussion wurde von allen Seiten hervor- gehoben, daß es notwendig ist, die Einheitsorganisation der Gemeinde- und Staatsarbelter aufrechtzuerhalten, doch müsse versucht werden, die Grenzstreitigkeiten durch gegenseitige Verständigung auszugleichen. Die Diskussion über den Tarifvertrag ergab entsprechend der obigen Resolution einen allgemein ablehnenden Standpunkt. Alle Vertreter waren der Ansicht, daß es genügen müsse, einen Anhang zum Reichsmanteltarif zu schaffen, der die besonderen Der- hältnisse der Straßenbahner berücksichtigt. In keinem Fall dürfte einer schlechteren Regelung zugestimmt werden, als sie unser Reichs- manteltarif hat. Die Konferenz wurde gegen S Uhr abends ge- schlössen._ verschärfter Kampf im tzochbaagewerbe. Drohender Streik und Aussperrung. Die Delegierten-Generalversammlung des Deutschen Bau- arbeitcrverbandes nahm gestern abend erneut Stellung zur Lohn- bewegung. T h ö n s verwies auf die Beschlüsse der letzten Gene- ralverfammlung, wonach während der Frostperiode zunächst nur Einzelbewegungen zur Durchführung der Lohnforderungen unter- nommen, bei Eintritt günstiger Witterung jedoch� weitere Mahnahmen ergriffen werden sollen. Aus taktischen Gründen sei bisber vermieden worden, die Oefientlichkeit über den Verlauf der Be- wegung zu unterrichten. Inzwischen wurden Aeußerungen der lsnternehmer laut, durch die eine Aussperrung angedeutet wurde. Am 7. Dezember ist den beteiligten Arbeiterorganisationen ein Schreiben des Verbandes der Baugeschäfte zugegangen, worin die Erklärung gefordert wird, daß die Teilstreiks bis Frei- tag abend beendet werden, da sonst die Unternehmer in ihrer— gestern ebenfalls abgehaltenen— Generalversammlung zu A b- webrmahnahmen greifen würden. Bei 162 Firmen mit 215 Betrieben waren bis Donnerstag be- reits 3115 Kollegen am Streik beteiligt, deren Zabl ssch mittlerweile noch vermehrt hat. 4 2 Firmen mit rund 1566 Beschäftigten haben bewilligt, darunter die Stadt-Baugeselllchaft Neu- kölln und die Bauhütte, wovon 36 Firmen die Forderungen unterschriftlich anerkannten und 13.50 M. Stundenlohn zahlen. Der plötzliche Witterunosumschlag am Mittwoch veranlaßte die vier in Frage kommenden Organisationsleitungen zu beraten. Sie lehnten es ab. auf das Ansinnen des Verbandes der Baugelchäsh- einzugehen, die Teilstreiks aufzuheben. Vielmehr müsse der Kampf jetzt in verschärftem Maße aufgenommen werden. Beschlossen wurde. heute in ollen Betrieben die Forderung auf 13,50 M. Mindestlohn zu stellen und im Falle der Ablehnung am Montag in den Streik ein- zutreten. Ueberall da, wo die Forderungen bewilligt werden, wird die Arbeit fortgesetzt. Nur soll nicht auf Bewilligungen durch Zwischenunternehmer eingegangen, sondern diese von den organi- sierten Unternehmern gefordert werden. Möglicherweise werde der Streik am Montag von den Unternehmern mit der A u s s p e r- r u n g beantwortet. Der Referent venueist auf den Charakter des Baugewerbes als Soifongewerbe. Die Forderungen feien durchaus berechtigt, wie die Lohnvereinbarungen in Sachsen z. B. bewiesen, wo ab 16. Dezember 13 M. gezahlt werden. Dort betrage die Spanne zwischen den Löhnen der oelemten und der ungelernten Bauarbeit''rn nur 45 Pf., in Berlin 65 Pf. Von Montag ab erfolgt die Kontra llmeldung in den einzelnen Bezirken, die heute noch in der Arbeiterpresse bekanntgegeben«erden. Nach, kurzer Ausspräche, wödrend der nochmals darauf hingewiesen wurde, daß unter dem Mindestlohn von 13.50 M. nicht gearbeitet werden darf, schloß die mustergültig verlaufene Versammlung. Das Tiefbaugewerbe wird durch die Bewegung nicht berührt. Ei» Bauqewerksbnnd. Der Bundesausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschasts- bun'des hat vor Jahre- frift eine Kommifsson eingesetzt zur Prüfung der Frage, inwieweit die bestehenden gewerkschaftlichen Berussver- bände zu großen, leistungsfähiaeu Jndustricornamsationen verbunden werden können. In zwei Sitzungen hat diese Kommission grundsätzliche Organisationsfragen besprochen und sich über einige allgemeine Gesichtspunkte geeinigt. Neuerdings befaßte sich die Kam- Mission mit der Schaffung einer Einbeitsorganisation für das Baugewerbe in einer Sitzung, zu der Vertreter aller baugewerbiichen Berbände geladen waren, die für einen etwaigen Zusammenschluß in erster Linie in Frage kommen. Mit 12 gegen die zwei Stimmen der Fabrikarbeiter und der Zimmerer wurde beschlossen:„Die K o m- Mission ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Schaffung eines B a u g e w e r k s b u n d e s möglich und zweckmäßig ist. Sie empfiehlt den Verbänden des Baugewerbes, den Baugewertschaftsbund f o- bald als möglich zu gründen." Reichstagung der Meiereiangestellten. Am Montag findet in Berlin eine ReickSlagung der Meierei» angestellten start. die vom Verband land- und iorstwirtschafllicher Angestellter, Seklion Molkereifachleute, einberufen ist und von Delegierten aus ganz Deut'chland beschickt wird. Die Arbeitnehmer dieses Gewerbes, dessen Bedeutung heute, in Anbetiacht der Milch- knoppbeit, au» dem Fernstehenden klar fein mutz, befinden sich durch den von den Arbeitgebern ausgeübten Terror in einer ganz außer- ordentlichen Notlage. Die Tagung, zu der auch die zuständigen Ministerien geladen sind, soll dazu beitragen, die Aufmertiamkeil der Oesfentli-bkeit und der Behörden auf die vorhandenen unglaublichen Zustände zu lenken, damit beizeiten Abhilfe geschaffen wird, ehe«S hier zu schweren Erichüiieriingen kommt, unter denen die gesanite Volksernähiung zu leiden haben würde. Wir werden Über die Tagung berichten. Deutscher Metollarbeiter- verband. Der Schiedsspruch vom 80. November mit Wirkung ab 2». November d. I. ist von beiden Tarifkontrahenten angenommen worden. S?».'B«N»id-ll»,arbeiter. Heute 7 Uhr Sitzun» des Zraklieneversiilnde» Verband der Maler, Lackierer. DI« Lekrianoaersammlunz der Lackierer findet bereits Sonnta, Uhr bei Feysara, Melchiorstr. IS, statt. Verband der»ortner und«nrtncreiaebriter.»rupve LandtcstactsgSrtnerei. Montag 7 Uhr im Gemkrtschaftshaus, Engelufer?<—?», Caal 5, Sruppcnvev sammluna:„Unsere Lolinfordernngen fiir das Fnihj-lir». Deutscher Transportarbeiter-rerband. Vertrauensleute, Betriebsräte WO Delegierte. Montag 7 Ubr Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain l'!. allgemeine Funrtlonarveriamml'.tng:„Stellungnahme zu wichtigen Organiftk- tionsfraaen". Mitgltedsbuck und Lcgitimationskartcn iind vorzulegen..„ Deutscher Wcrlmcister. Verband. Dczirisverein 20. Fachgruppe Metall- schraubcn.gndustrie. Montag 7 Uhr cSencralversammIuna n der„Schlcflschcn Heimat", Neue Friednchstr, L" Eiienbahner-Betriebsräte. Dienstag 6 Uhr im Lehrerv-r-inshau», Sitzung sämtlicher Betriebsrate des Eiseudahndircktwnsbezirts Berlin. Betriebsräte- ausweis legitimiert._ Dee-rlsb-triebsr-t. Derantw. für den redakt. Teil: Dr.«erner Pciler, Charlottenburg: für An- «eigen: Th»lscke. Berlin. Verlag Varwärts-Verlag D, m. b. t- Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruck-rn u. Berlaqsanstal, Vaul Singer u. Co.. Berlin. LlNdeagr. Z. _ vier«-? Brliaaen uhoh UrieüenSieselbsl! j Ur werden mch wie vordem Verprechen. des in unserer ScJiuiv- WärKe xum AuscirucK Kommt redlich nachkommen. Folgen sie Jdrerseife der gleidi falls därin eniholienen Aufforderung: titteilen Sie selbst f Nr. 582 ❖ 38. Jahrgang 1. Heilage ües Vorwärts Sonnabenö. 10. Dezember 1921 die kohlenfrage. Der Landtag setzte am Freitag die zweite Beratung des Haushalts der Bergverwaltung fort. Abg. Hue(Soz.): Wir müssen angesichts der traurigen Verhältnisse zufrieden sein, wenn in der Belgverwaltung eine lebhaftere Aktivität Plag greift. Die Verwaltung muß beweglicher geniacht werden durch ein Zusammenwirken von Persönlichkeiten, die weder in kapitalistischen noch in bureaukratischen Bahnen wandeln. In den Aufsichtsrat Hibernia müssen nicht nur, wie der Aus. schuß beantragt, Landtagsmitglieder, sondern auch Betriebs- ratsmitglieder hineinkommen. Der Minister muß den Landtag fortlaufend über die wirtschaftlichen Ergebnisse unter- richten. Wir sind doch für die Betriebsverwaltung verantwortlich. Die Exzesse deutschnationaler Monarchisten im Bad Oeyn- hausen sind«in Skandal. Wenn das nicht anders wird, so wird die Arbeiterschaft selbst Ordnung schaffen.(Große Unruhe und Lärm b. d. Dnat.) Der unfähige Badedirektor muß verschwin- den, denn Oeynhausen soll ein Kurort sein und nicht ein Tummel- platz deutschnationaler Demonstranten. Der Verlust Oberschlesiens ist eine Folge der alten preußischen Politik und auch im Saarrevier lebt die französische Propaganda von den groben Fehlern der alten preußischen Verwaltung. Die größten Leuteschinder befinden sich unter den früheren preußischen Beamten, die jetzt in französische Dienste g«treten sind. In Oberschlesien liebäugeln die Träger der alten hakatistischen Ost- markenpolitik am offenkundigsten mit den Polen.(Pfuirufe links.) Eine deutschnationale Zeitung forderte direkt dazu auf, das .Kapital im Ausfand anzulegen, da es sich im Inlands nicht verzinse. Eine zynischere Verneinung des Staatsgedankens ist nicht denkbar. Dergleichen wäre unter der Arbeiterschaft nicht möglich und ewig richtig bleibt das Wort Karl Brögers. daß Deutschlands ärmster Sohn auch sein getreuster war. Wie war es möglich, daß in Duisburg der Oberpräsident eine Aktion unterstützt hat, die darauf abzielte, wichtige Verkehrsanlagen in Privatbesitz überzuführen? Die Steigerung des Kohlenpreises aus 200 M. pro Tonne wurde mit den höheren Arbeiterlöhnen begründet. Ich stelle ausdrücklich fest, daß ab 1 Oktober lediglich eine Mehrausgabe von '6g M. pro Tonne für Arbciterlöhne eingetreten ist. Der Staat muß dafür sorgen, daß nicht in kapitalistischem Interesse, wie es jetzt vielfach geschieht, Betriebe eingeschränkt und Arbeiter ent> lassen werden. Gewiß ist die Lieferung von Oualitätskohle an die Entente recht drückend, von einer allgemeinen Kohlennot kann man aber nicht sprechen. In der Braunkohlenindustrie gab es bis zum Herbst Ueberproduktion, dann hat am 1. Oktober auf Drängen der Unternehmer die freie Wirtschaft eingesetzt; sie wurde gegen den Wider'pruch der Arbeiter mit dem bestehenden Ueberfluß begrün- dct. 6 Wochen danach gab es Braunkohlen und Koks plötzlich nicht mehr. Was ist das für ein Zustand, wenn ein westfälisches Elek- trizitätswerk, das dicht neben ergiebigsten Kohlenfeldern liegt, aus Kohlenmangel seinen Betrieb einschränkt und ein anderes in der Nähe Ueberfluß hat? Wenn wir Mangel haben sollen, können wir doch nicht noch ausführen! In England sieht man schon, wie durch die deutsche Repaiationskohle die Arbeitslosigkeit ver- mehrt wird. In Hessen hat der Fiskus von den Deutschen Kali- werken für 7)4 Millionen Mark ein großes Braunkohlenfcld er- worden, und ist dabei sicherlich angeführt worden. Jetzt Hetzen die Unternehmer wieder gegen die Arbeiter wegen angeblicher Faul» hat. Aber das Rezept eines preußischen Handclsministers aus der Gründerzeit von 1873— Verlängerung der Schichten und Kürzung der Löhne— darf nicht wieder angewendet werden. Die Arbeiter erkennen immer deutlicher die Verneinung des Staatsgedankens durch die Industrie. Wir sii.d bereit, zu leisten, was im Staats- interesse notwendig ist. aber wir sind nicht bereit, die Privatunter- nehmer noch stärker und zynischer zu machen. Aus dem ganzen Elend kommen wir nicht eher heraus, eh« wir nicht Schluß machen mit der privattapitaliflischen Wirtschaft. Darum treten wir ein für die Forderung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes auf Sozlalisierung des Kohlenbergbaus. Nur so wird ein gcmeinwirtschaftliches Arbeiten im Interesse des Staates ermöglicht!(Lebhafter Beifall b. d. Soz.) Abg. Steger(Z.) verlangt, daß der Minister der Reform des Bergbaues in techni'cher und kaufmännischer Hinsicht seine Auf. merFamkeit zuwendet. Nicht die Leistungen der Arbeiter sind znrückgegongen, sondern die produktiv-arbeitenden Arbeitskräfte. Ätehr Hauer sind notwendig. Für die Sicherheit der Graben muß olles getan werden, was in unseren Kräften steht.(Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. v. Waldhausen(Dnat.): Es fehlt cheute nicht nur Oualitätskohle, der Kohlenmangel ist allgemein. Freilich ist zu prüfen, wie weit die Fehler in der Wagengestellung die Kohlen- nüsere verschärfen. Mir ist nicht bekannt, daß in Arbeitgeber- kreisen über ein Sinken der Arbeitslust geklagt wird. Abg. Seidel(D. Vp.): Nach den französischen Angaben hat Frankreich einen Kohlenüberfluß, aber keine Verwendung dafür. Das Spo-Abkommen sollte aber lediglich einen Ersatz bringen für den Ausfall aus der Zerstörung französischer Hütten und Zechen. Nach weiteren Reden wird zwischendurch der Haushalt der land- wirtschaftlichen Verwaltung angenommen. Es werden hinzugefügt 1 700 000 M. für Meliorationen, Umlegungen und Wasierleitungen. sowie eine Anzahl Resolutionen. In der Weiterberatung des Bergerat» spricht auch Handelsminister Si»ring: Die Wirtschaftsverhandlungen über Oberschlesien sollten von hier aus nicht gestört werden. Es wird geprüft, wie die Derwal- tung der Hafenanlogen in Duisburg-Ruhrort beweglicher gestaltet werden kann. Die Staatsregierung beabsichtigt, die Angelegenheit mit einer Reihe von Sachverständigen, u. a. auch dem Abg. Hue durchzuberaten. Ich werde nicht dulden, daß dem Staate Besitztümer entzogen werden. Es herrscht eine große Kohlennot. So hat der Kohlenkommisiar den notleidenden Eisenbahndirektionen, z. B. Frankfurt, für eine gewisse Zeit gestatten müssen, Kohlentransporte zu beschlagnahmen. Nach dem kartoffclarmen Ruhrreoier werden z. 58. aus Mecklenburg Kartoffelzüge abgehen. Der Reichsvcrkehrsminister hat ver- sprachen zur Behebung der Schwierigkeiten das Menschenmögliche Zu tun.' Gegen den Abbau der Kohlenstcllen hege ich ernste Be- denken. Die Entsendung von MKgliedcrn des Betriebsrats in den Aufsichtsrat der Hibernia hatte ich für erwünscht. Die Vorgänge in Oeynhausen sind höchst beklagenswert. Aber man kann nicht die Benutzung der Bäder von amtlichen Ausweisen abhängig machen, wie es ein Antrag Otter verlangt. Das einzige staatliche Eisenwert, das der Abg. Seidel e n t staatlichen will, bringt jetzt erhebliche Ueberschüste Abg. husemann(Soz.): Die Debatte über die Kohlenförderung ist der Mehrförderung kaum dienlich gewesen. Es steht fest, daß die geforderten Kohlen wegen Wagenmangel zum großen Teil nicht abtran sortiert werden können und daß Feierschichten eingelegt werden müssen. Die Kommunisten sollten sich nicht über die Ueberschichten aufregen, denn tatsächlich werden die meisten Ueberstunden dort gemacht, wo die Kommunisten im Betriebsrat das Zepter führen Ueber den Duisburger Fall haben wir noch keine völlige Aufklärung erhalten. Schon jetzt be- steht die Möglichkeit, Betriebsratsmitglieder zur Berechnung der Selbstkosten heranzuziehen, in der Praxis aber werden immer Schwierigkeiten gemacht. Der Minister sollte strenge Anweisungen ergehen lassen, die Betriebsräte nicht auszuschalten und ein inniges Zusammenarbeiten zwischen Verwaltung und Betriebsrat herbeizu- führen. Bei der Geltendmachung von Schiedssprüchen sollten die Vertreter der Staatswerke nicht für den Prioatkapitalismus ein- treten, wie es mehrfach geschehen ist, sondern für Ausführung der Schiedssprüche und gerechten Ausgleich sorgen. Ein einheitliches Bergrecht für ganz Deutschland liegt im Intcresie der Arbeiter und Angestellten. Dadurch würde sich auch eine besondere Reform des Knappschaftsgesetzes in Preußen teilweise erübrigen. Schikane und Konflikte, die infolge der Verständnislcsigkeit mancher Verwaltungsbeamten noch stattfinden, müssen aus dem staatlichen Bergbau verschwinden. Die Verwal- tung muß sich die besten Kräfte als Beamte sichern und, wie unsere Anträge verlangen, auch entsprechend bezahlen.(Beifall b. d. Soz.) Abg. Harsch(Z.) fordert, daß sich bei dem Siedlungsbau nicht die Siedlungsgesellschasten die Taschen füllen. Das Verhältnis- Wahlsystem im Knappschastswesen billigen wir. Ein Regierungsverlreker: Eine neue preußische Berggesetz- gebung ist erst zweckmäßig, wenn das Reichsberggesetz vor- liegt. Die Erfahrungen mit dem Verhältniswahlsystem im Knapp- schaftswesen sind nicht überall günstig ausgefallen. Abg: Martin(Dnat.) bestreitet, daß in Oeynhausen von Deutschnationalen Ausschreitungen begangen worden sind. Die Stillegung der Zeche Bergmann bei Witten ist lediglich auf die ungünstigen Abbauverhältnisse zurückzuführen. Sonnabend 11 Uhr: Fortsetzung der zweiten Lesung des Bergbauetats. Kleine Vorlagen, Kultusctat. Schluß gegen 10 Uhr. Der Landtag vor stürmischen Tagen. Der Preußische Landtag hat mit großer Kraftanstrengung die durch die häusigen Regierungskrisen stark verzögerte Etatberatung soweit gefördert, daß jetzt mit Sicherheit gesagt werden kann, daß sie vor Weihnachten zum Abschluß kommt. Am Sonnabend werden die Finanzetats, am Di.enstag und Mittwoch der Kultusetnt, am Donnerstag der Rest der Etats in zweiter Lesung und am Freitag die dritte Etatberatung vorgenommen werden. Daneben sind noch einige kleinere Gesetze zu verabschieden. Stürmisch dürfte die Beratung voraussichtlich am Dienstag und am Donnerstag werden, wenn die schwebende Geschästsordnungs- frage zur Verhandlung kommt. Am Dienstag wird ein gemein- samer Antrag der Regierungsparteien zur Beratung stehen, der in Ausführung der neuen Geschäftsordnung festsetzt, daß vom Prä- sidenten ausgeschlossene Abgeordnete ihre Aufwandsentschädigung für die Tage des Ausschlusses verlieren. Am Donnerstag dürsten die Anträge des Geschäftsordnungsaus'chusscs auf Freigabe der Straf- Verfolgung gegen den kommunistischen Abgeordneten Ziegler r�d Freigabe von Strafverfolgung und Verhaftung des kommunistischen Abgeordneten Eberlein zur Beratung stehen. Gegen die Inhaft- nähme Ebcrleins hatte im Ausschuß auch der Zentrumsabgeordneie Dinslage gesprochen, ober seine lpartei hatte dann geschlossen dafür gestimmt. Wie das Plenum in dieser Frage entscheiden ird, ist noch ungewiß. « Die Strafverfolgung de» Abgeordneken Eberleln genebmigt. Der Geicdäslsordnuugsouchsck'nß des Prcunisckien Landtages erteilte in der Sitzung am Freilagvormitiag die Genehmigung zur Straf- Verfolgung und Inhaftnahme des Abg. Eberlem wegen Verbre.venS. Der Ausschuß sprach sich mit zehn gegen neun Stimmen für die sofortige Jnhasmahme aus. Kappistijche Zeugen. kl. K.. Leipzig, 9. Dezember. Nach Ludendorff werden noch zwölf Zeugen vernommen. Ihre Aussagen sind von ungleichem Interesse. Mehrere Marineoffiziere bemüben sich, eine Kommandantenbesprechung, die um den 29. Januar stattfand, als harmlos hinzustellen. Merkwürdigerweise fand der Admiral v. L e v e tz o w ein Haar darin, noch merkwürdiger ist, daß Herr v Levetzow einer der ersten war, die zu Kapp übergingen. Aehnlich schwan- kende Offiziersgestalten hat es ja in Hülle und Fülle beim Kapp-Putsch gegeben, z. B. Levetzows Kollegen, den Admiral v. Trotha. Doch auch dieser verblaßt neben der Gestalt seines VeFers, des Gardekavallerie-Offiziers v. Trotha, der Ehrhardts Adjutant war und der letzte Zeuge des heutigen Tages ist. Dieser jüngere Trotha macht als„reiner Tor" selbst Parsifal Konkurrenz. Er hat den Zug Ehrhardts von Anfang bis Ende mitgemackt, aber erst nach Schluß des Ganzen erfahren, worum es sich eigentlich handelte. Von dem geplanten Sturz der Reaierung hat er nie etwas oebört, ebensowenig von der Durchführung dieses Stoßes im März! Selbst als er im Reichswebrministerium Offiziere festsetzte, hat er immer nur gedankenlos Befehlen gehorcht. Dieser Unschulds- engel wird vom Oberreichsanwalt böse ins Gedränge gebracht; denn es stellt sich heraus, daß dieser letzte Befehl von dem Oberst Bauer ausging, der längst verabschiedet war. „Aber Ba"er". so sagt Trotba,„hatte Vollmacht durch Lütt- w i tz." Der Oberreicbsanwalt fragt nun:„Zwei Tage vorher war doch die Brigade dem Befehlsbereich Lüttwitz' e n t- zogen und dem Admiral v. Trotha unterstellt worden." Der Adjutant Ehrhardts weiß von allem nichts. Der Anklagever- treter erinnert daran, daß drei Unteroffiziere der Brigade sich geäußert haben, den Zug auf Berlin nicht mitzumachen. Der Zeuge meint:„Sie werden wobl nicht Bescheid gewußt baben."„NeiVi, gerade weil sie Bescheid wußten", versetzt der Oberreichsanwalt unter großer Heiterkeit. Das Gericht er- spart auch Herrn v. Trotha, weil er der Mittäterschaft ver- dächtig ist. die peinliche Vsticht, diese Aussage zu beeiden. Vereidigt daaegen wird ein zweiter, nicht minder kurioser Zeuge, Herr v. Dewitz, der Geschästsfübrer des Pommer- schen Landbundes. Er ist es, der den Marnunqsbrief an L"dendnrff Anfang März geschrieben bat und sich dazu äußern soll. Stammelnd und stotternd sucht der Zeuge den klaren Sinn des Brietes umzudeuten. Aber der Oberreichsanwalt. der beute scharf auf dem Basten ist, hakt fest bei den Wider- sprfichen ein. Da stebt z. B. der.klare Satz iip Brief:„Kapp bat sich über den Zeitpunkt des Losschluqens im März unuor- stchtig geäußert." Dewitz sagt jetzt:„Das Losschlagen sollte die Autwort auf den erwarteten kommunistischen Butsch sein." Der Oberreichsanwalt:„Wie kann man denn den Termin zum Losschlagen bestimmen, wo doch der Putsch noch gar nicht n o r l a g?" Der Zeuae bleibt dabei, daß das Losschlagen der Kommunisten abgewartet werben sollte. Der Oberreichsanwalt: ..Aber man hat es dach tatsächlich nicht abgewartet!" Der Zenas mit venwcifesten Hondbem->a"ngen:„Ja davon w e i ß i ch n i ch t s." Es kommt die Rede auf die im Dewitz- schen Briefe erwäbnte Verschwörersttzunq im Hause Viktoria- straße 20. Der Oberreichsanwalt:„Wer war außer Ibnen dabei?" Zeuge:„Ich kannte die Herren nicht." Oberreichsanwalt:„Wer wobnte denn Viktorialtr. 2(1?" Zeuge:„Ich weiß nicht. Ich glaube niemand." Es wird festa-stellt, daß Biktoriastr. 20 das Bitremi des Generallandschaftsdirektors Kapp sich befand. Der Oberreichsanwalt hat von dielem Zeua-n genug. Aber der Verteidiger Wangen- beims gibt dem Zeuaen noch Gelegenbeit. eine, große Stand- rede gegen den Miniller Otto Braun und gegen den Land- arbesternerbond zu basten. Das ist überbaupt b-i allen kapvi- sti schen Zeugen das gleiche. Die wichtigsten Dinge, welche die Verschwörung betreffen, haben sie be"te v e r a e s s e n. Aber wo sich eine Gelegenheit bietst, tendenziöse Anklagen gegen die Regierung zu erbeben, werben sie unendstch ae- fchwäßig und der Vorsitzende bemmt selten ihren Redefluß. Doch dw Blamage des Zeugen Dewitz tristt leßt»n Endes Ludendars f. denn er ist es ia. der durch den Dewißsiben Brief llNitnuller und V�rfchmörer des Putfches entlarvt wird. An dieler Enllarvung ändert es nichts, daß das Gericht Ludendorffs Vereidigung beschsießt, ohne daß der Oberreichsanwalt Widerspruch erbebt. Ludendorffs schwört, Dewitz schwört— gestern Verschwörer, heute Schwörer. Zenqe Ludendarff erklärt noch, daß er die verlesenen Briefe von Dewitz und Trebitlch-Lineoln nicht erholten habe. Weiter stich er. er habe am 13. März aus olle Fälle ein Bluwergießen verhüten wollen, deshalb sei er in der Frühe am Brandenburger Tor ge- wesen. Nach der Reichskanzlei sei er am 13. März aus freien Stücken gegangen. Mit dem Kampf gegen den Bolschewismus sei es ihm vnd den anderen heiliger Ernst gewesen. Dieser Kampf sei nicht als Aushängeschild für das Kapp-Unternehmen benutzt worden. Am 15. März hatte Ludendorfs die Befürchtung, daß die Truppen nicht mehr hinter den Führern stehen würden, und daß ein Kampf gegen die Truppen drohe. Die Zeugen Harnisch und Ludendorff werden zunächst nicht ver- eidigt.. Generalmajor Heye wird vereidigt und erklärt, er habe seiner- zeit zunächst den Eindruck gehabt, daß die Regierung in Weimar es stillschweigend dulden würde, wenn der Krieg gegen Polen weiter ginge. Die ganze Bevölkerung Ost- und Westpreußens fei dafür ge- wefen. Aber man habe bei der Regierung und dem in Weimar ta- genden Ostparlament schließlich kein Verständnis für den Kampf gegen Polen gefunden. Die Bewegung mußte deshalb abgeblasen werden. Er habe zwar für die ostpreußischen Pläne Kopps Verständnis gehabt, sie jedoch für undurchführbar gehalten, eine Absage gegeben und ihn gebeten, von diesem Abenteuer abzulassen. Kapp wollte Ost- preuhen zu einem Asyl für die sog. deutschen Kriegsverbrecher machen. Kapp habe die gesetzgebende Körperschaft nicht entfernen, sondern nur umstimmen wollen. Rittergutsbesitzer Slubbendorf äußert sich über die Nationale Vereinigung: daß in derselben über einen Rechtsputsch gesprochen worden sei, sei ihm n i ch-t bekannt. Er sei am 13. März, abends, nach Berlin gekommen und habe die Aufforderung erhalten, sich zu Pabst zu begeben. Er habe gewisse Verhandlungen mit den Ge- wcrkschaftsführern geführt(lies: zu führen versucht! Red.), um die Verwirrung möglichst zu beseitigen. Kapp habe ihm eine Legitima- tion ausgestellt. Die Untersuchung gegen den Zeugen sei infolge der Amnestie eingestellt worden. Iagow habe abgelehnt, die Leitung der Nationalen Bereinigung für die Provinz Brandenburg zu über- nehmen. Der Zeuge wird nicht vereidigt. � Hierauf wird dos Protokoll über die kommisiarische Bernehmung des Staatssekretärs R a u m e r verlesen. Raumer hat am 16. März einen Brief erhalten, der ihn veranlaßte, den Beamten des Mini- fteriums Widerstand gegen das Kapp-Reaiment zu empfehlen. v. Iagow erklärt, er habe mit der Berufung Stubbendorfs in die Reichskanzlei nichts zu tun gehabt. Oberst von Stockhaufcn: Lüttwitz war Führer der Truppe, welche kommunistische Aufstände in verschiedenen Gegenden niederschlug. Er sprach mit wir, was geschehen könnte, wenn dies einmal nicht mehr gelingen werde. Lüttwitz hatte nach meiner Ueberzeugung nur die Absicht, eine starke Regierung zu ermöglichen. Mit seinen patriotischen Absichten stimmte ich nicht immer überein. Wie er dazu gekommen ist, zu eigener Aktivität überzuaehen, entzieht sich meiner Kenntnis. Seine politischen Pläne habe ich mit einer gewissen ner- vösen Sorge gesehen. Pabst hatte ebensowenig etwas von prakti- scher Idee wie Lüttwitz. Daß zwischen Ehrhardt und Lüttwitz eine Verbindung bestand, wußte ich nicht aus eigener Erfahrung. Die Marinebrigade sollte aufgelöst werden; von der Aktion Ehrhardt habe ich erst am 12. März Kenntnis erhalten. Das Verhältnis Lütt- witz' zur Regierung, insbesondere zu Noske, war das denkbar beste. Am 0. März habe ich Admiral von Trotha gebeten, auf Ehrhardt ein- zuwirken, daß keine Unbesonnenheit unternommen würde. Konsul a. D. Marx: Kapp hat mit mir 1919 über seine allge- meinen Pläne gesprochen, nicht ober davon, daß er die Regierung ergreifen wolle. Das Wort„Diktator" ist damals öfter gefallen, aber ich dachte nicht, daß Kapp dabei in Frage kommen könne. Das Ziel Kopps war die Etablierung einer strafferen Regierung, in der Fachleute aufgenommen werden sollten. Die kommanüeurversammlung. Konteradmiral Heinrich bestreitet, mit in der Kommandeurver- sammlung im Januar 1920 in Berlin darüber beraten zu haben. o. Trotha abzusetzen und ihn an seine Stelle zu bringen. Putsch- abstckten habe er nicht gehabt. Kapitän zur See von Rosenberg: Mehrere Male ist in der Kam. mandeuroersammlung davon gesprochen worden, daß lediglich die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in Betracht komme. Es wurde bestritten, daß ein Rcchtsputfch beabsichtigt sei. Kontrcadmiral von Gagern hat auch davon gehört, daß Admiral Trotha ein Telegramm gcsand: habe, daß sich die Marine der neuen Regierung zur Verfügung stelle. Es folgt die schon in der Einleitung gekennzeichnete Aussage des Zeugen Dewitz. Rechtsanwalt Reumann: In dem Brief sagen Sie:„Unsere Kreise können nur noch kurze Zeit warten". Zeuge: Wir warteten auf den Kommunistenaufstand. Wenn er nicht kam, so erlahmte die Bereitschaft der Einwohnerschaft zur Abwehr. Das Gebot der Selbsthilfe mußte der Landbevölkerung lmmer mehr klar gemacht werden. Der damalige Landwirtschaftsminister Braun, der erklärt hatte, er sei stolz, ein iMinister der Landarbeiter zu sein, hatte eine Haussuchung bei mir vornehmen lassen, weil er uns Putjchabsichten unterjchob. Der Zeuge wird nicht vereidigt. Rittmeister a. D. Iitzewitz-B erlin: Im Jahre 1319 ist mir ein Verhandeln zwischen Liülwitz und Bauer aufgefallen. Lüttwitz dachte darüber nach, wie der Verfassung Geltung verschafft wer- den könne. Lüttwitz hat mich wiederhalt nach der Stimmung der Truppe gefragt, im Sommer und fjerbft 1919 und Ansang 1920. Di« Ausfassung der älteren Offiziere war, daß sie sich in politische Dinge nicht einzumischen hätten. Major Kurt Aleischer: Kapp ging oft zu Lüttwitz ins Ministe- rium von Oktober oder November 1919 bis zum Kapp-Putsch. Am Kapp-Putsch war ich nicht beteiligt. Ich habe am Morgen des 13. März meinen Dienst niedergelegt. Lllttwitz hat sich über die Stimmung der Truppe g e t L u f ch t, indem er glaubte, sie wäre bereit ihm zu folgen, auch in denen, die vielleicht zu einem Druck auf die Regierung dienen sollten. Zeuge Konteradmiral Reimann ipurde von Admiral v. Levetzow zu der Kommandeurversammlung nach Berlin gesandt, um zu er» klären, daß eine Heranziehung der Offiziere zu politischen Zwecken bedenklich sei. Nach der schon oben gewürdigten Bekundung des ahnungslosen Ehrhardt-Adjutanten Trotha verkündet das Gericht die A b l e h- n u n g des von der Verteidigung gestellten Antrags, den Grafen Brockdorff-Rantzau als Zeugen zu laden, als für die Beweiserhebung unerheblich. Ludendorff, v. Dewitz und Harnisch werden nachträglich ver- eidigt. während v. Trotha und v. Stubbendorf unvereidigt bleiben, w«l bei letzteren beiden der Verdacht der Teilnahme nicht völlig be- seitigt ist. Sämtliche heute vernommenen Zeugen werden sodann entlasten. Weiterverhandlung Sonnabend vormittags 914 Uhr. Schluß nach 3 Uhr._ WLrtflHclft Ursachen der Kohlennot. Der deutschen Wirtschaft droht die schlimmste Gefahr: ein« weitere Verschärfung des ohnehin schon seit Monaten fühlbaren Kohlenmangcls. Die R e i ch s e i s« n b a h n rechnet bereits mit der Notwendigkeit, Schnellzüge in den nächsten Tagen aus- fallen zu losten, und die Berliner Zeitungen machen ihre Leser daraus aufmerksam, daß infolge unzureichender Belieferung mit Koble verschiedene sächsisch« Papierfabriken ihren Betrieb bereits eingestellt haben oder- sehr bald einstellen müssen. Die deutsche Roheisenerzeugung entspricht ebenfalls nicht mehr dem Bedarf« der weiterveracbeitenden Industrien. Ungefähr 20 Hochöfen, die für ihre Erzeugniste glatt Absatz finden würden, können wegen Mangels an Kohl« und Koks nicht angeblasen werden. Bei den Garwerken wie bei der Reichsbahn und anderen lebenswichti- gen Betrieben sind nur ganz geringe Vorräte vor- Händen. In einzelnen Betrieben verfügt die Eisenbahn nur noch über Vorrät« sür drei Tage. Welches sind die Ursachen dieser vor allem für den Arbeitsmarkt und die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln so bedrohlichen Situation? Der deutschz Bergbau hat schon seit längerer Zeit, um den Forderungen der Enten!« ent- sprechen zu können, die Belegschaften der Zechen nach Mög- lichteit oermehrt. Im Ruhrgebiet werden gegenwärtig etwa SSOOOO Bergarbeiter beschäftigt gegen 533 000 im Dezember 1920 und 390 000 im Jahre 1913. Die Arbeitsleistung des Untertagarbeiters pro Kopf und Stunde betrug im August 1921 116,4 Kilogramm gegen 113 Kilogramm im entsprechenden Monat des Vorjalpes. Im Jahre 1913 betrug die entsprechend« Leistung durchschnit'lich 136,5 Kilogramm. Der in der Nachkriegszeit eingetreten« Rückgang in der Förderleistung des einzelnen Untertag:rs erklärt sich daraus, daß während des Krieges in den Gruben Roubabbau ge- trieben wurde und daß jetzt notwendigerweis« die stehengebliebenen geringwertigen Flöze abgebaut werden müssen. Der Äermehrung der Belegschaft stößt auf verschiedene Schwierigkeiten. Di« Arbeit des Bergmanns, insbesondere des Untertagarbeiters, ist eine so schwere, daß man nicht beliebige Arbeitslos« einstellen kann. Ferner ist bei dem jetzigen Wohnungsmangel in den Industrie- revieren die Unterbringung von Dergarbeiteriamilien nur da- durch möglich, daß in der Näh« der Zechen entsprechende Wohn- räum« neu errichtet werden. In verschiedenen Bezirken Hausen vor- läufig noch zahlreiche Dergarbeitersamilien in Notbaracken, so daß an die Einstellung weiterer Kräfte erst gedacht werden kann, wenn für jene reguläre Wohnungen hergestellt sind. Einen schweren Krebsschaden der deutschen Kohlenversorgung bilden die immer weitergehenden Sortenansprüche der Entente. Für den Inlandsmarkt bleiben In der Hauptsache nur geringwertig« Kohlen. wodurch natürlich der Nutzeffekt bedeutend herabgemindert wird. Ganz welentlich zur Verschlechterung der Lag« hat natürlich auch der oberschlesische Aufstand im Mai und Juni dieses Jahres beigetragen. Hierdurch wurde das Ruhrrevier genötigt, die Ausfäll« der ober- schlesischen Produktion für die Dauer von etwa 10 Wochen zu decken. Infolgedessen ist besonders die Ansammlung von Vorräten sür den Winter fast ganz unmöglich geworden. Die starke Inanspruchnahme des Wagenparks der Eisenbahnen und der niedrige Wasserstand der deutschen Flüsse haben ein« ungewöhnliche Belastung der Eisenbahn und damit einen sehr langsamen Abtransport der Kohle von den Zechen zur Folge gehabt. In Sachsen trat ein besonderer Mangel dadurch ein. daß die böhmischen B r a u n k o h l e n l i« s e r u n- p e n ein« Zeillang in tschechisäM Valuta fakturiert wurden. Dia Einfuhr stockte infolgedessen längere Zeit vollständig, und der Aus- fall mußte durch Lieferungen von mitteldeutscher Braunkohl« gedeckt werden. Für Nordostdeutschland und besondes für Berlin ist noch der Umstand von Bedeutung, daß die oberschlesische Kohle schon jetzt vorzugsweise nach den an Polen fallen- den Bezirken geht. Die Ursachen der augenblicklichen Kohlennot sind also recht mannigfacher Art, und es wird im Hin- blick auf den gegenwärtig sehr hohen Bedarf'der gesamten In- dustrie und geringen Vorräte bei den Verbrauchern aller Anstren» gungen bedürfen, um ein« weitere Verschlechterung der Lage hint- anzuhalten._ Die anhallende Dessernnq der Mark führte an der gestrigen Berliner Börse zu folgenden Ermäßigungen der amtlichen Devisen- kurs«: 1 Dollar 188,31(gegen vorgestern 202,79). 100 holländ. Dulden 6743.25(7343.43), 1 Pfund Sterling 771.70(824.15). 100 französische Frank 1483,50(1523.45) und 100 schweizer Frank 3671,30(3921,05) Mark. Di« Effektenkurse waren ebenfalls rückgängig, doch blieben die Kurseinbußen, von Ausnahmen abgesehen, in Grenzen von 100 Proz., zumal im weiteren Verlauf der Börse nach mattem Be- ginn«ine leich'e Befestigung Platz griff. Für einzeln« Anleihe- werte machte sich Interesse gellend. Soziales. weibliche Beisitzer für Gewerbegerichke. Dem Reichstage ist ein Gesetzentwurf zugegangen, der es Per- fönen weiblichen Geschlechts ermöglichen soll, als Beisitzer in Ge- werbegerichte und Kaufmannsgerichte berufen zu werden. In der Begründung führt die Reichsregierung aus: „Die Wählbarkeit der Frauen zu Mitgliedern der Dewerbege- richte und der Kaufmannsgerichte stellt eine alte Forderung aller wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeitnehmer, dar. die seit dem Inkrafttreten der neuen Verfassung des Deutschen Reiches unter Be- rusung auf deren Artikel 109 und 128 erneut und dringend erhoben wurde. Der Reichstag' hat sich diese Forderung In einem beinahe einstimmig beschlossenen Ersuchen an die Reichsregierung vom 3. März 1921 zu eigen macht.''_ WILLIAMS PRYM C.� M.* B.* H. fsclier Meli Vervatungsstelle Berlin N 54, LlnlenstraBe S3/8S. Seschättezsit con vorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr. Telephon: Amt Norden 833, 834, 833, 836. ntonlag. den 12. Sejcmbec, nachm. 9 Ahr, im„SUesa«»Ötinee",911ejBnßcmen(lt.S7a(Saale) IW" Versammlung aller in den Betriebe»„Berliner Kunstgewerbe" beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen. Taaesvrdnuna: I. Bericht von der Torifverhandiuvg am 7. Dezember. 2. Diskussion 104/13 vi« Ortsoerwalkung. lUlmelslle sn gros von Fabrikanten und Händlern Femsprecher: Montzpl 667 c Mariannenplatz 22 Vertreterbesuch- Freie Abholung Setriebswerhstatt für«onfettion zu taufen oder mieten gesucht Angeb mit oder ohne Inventar. 8plelikr& Co. Ä"«« Auf Grund des bei den unterzeichneten Banken erhüitlichen Prospekte sind der Ilse. SWN-WMM in Grube Ilse N.-L. AU 20 OCO ildkl je i. lOOD U. 30001-50000 zum Handel und zur Notiz an der Berliner Börse zugelassen worden. Berlin. Frankfurt o. M., SU In, Hamburg, im Dezember 1921. Mitteldeutsche Crcditbank. Gebrüder Sulzback. A. Schaaffhansen'scher Bankverein A. 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Etage geöffnet von Vj9— 6 Uhr Versand nach außerhalb per Nachnahme Prelslrte Nr. 11 wird auf Wunsch rugosandt der vertriebenen Elsaß-Lothringer, OstniSrker, Auslandsdeutschen und Kolonialdeutschen; »Gegen die Vei*sch8eppung der Entschädigung" am Sonntag, 11. Dezember, punktiicti II Uhr vorm., in der Brauerei Friedrichshaln, Es handelt sich um Eure eigene Sache! Es ist Pflicht eines jeden zu erscheinen! Vorsitz; Herr v. Tilly, Redner: Die Herren Qadomski, Ginschel, Grosse, Hahl, Lauchert. Verbindung: Stadtbahnhof und Untergrundbahnhof Alexanderplatz. Straßenbahnnummern 1, 2, 3, 10, 60, 74, 80, 162, Q. Der Saal ist geheizt! Hilfsbund der Elsaß-Lothringer im Reich E.V. Deutscher Ostbund E.V. Bund der Auslandsdeutschen E.V. Reichsverband der Kolonialdeutschen und Kolonialinteressenten E.V. unm • J-t'h-l'l-t't-lt-l» .Excedor Oeselisch f. Hersrlp. pharmfrdPdrdtem.lxH Berlin\l/.5TßulovstT.66 Spezi/icum do1' c bei A rteri oskferdsc „Exce d o! GeseHschd/T f.hersMQ. pharm. Präpdrarem.b.h. 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VU: Louis Ferdinand Prinz ron Freuden Sonnlad 2V« Uhr: Die deutschen KIcinsiadicr V'/a U.t Louis Ferdinand Friiu von Freuden Kammerspiele SU.: Der Hfihnerhof Sonnlad 2'l,: Frühlings Erwachen SUhr: DerHühnerhot Gr.Schauspielh. (KarlstraBe) 3 Uhr: Uöiz von Oer- llchlngen Sonntag d'/jU.: Gütz von Berlichlntri 7 Uhr: Die Theater am Biilowpiatz 3 Uhr: Die Gunsemnsrd u.iMaifeMenfch ngen : Rüuber Theater 1.<2. Koniggrätz.Str. Moskauer Künsiler-Th. Heute u. Sonntag 7 30: Manon Lescaut (Orska, Janssen, RIc mann, Bildt, Picha, JUnger. May, Rehkopf, Klupp, Appell) Eomödieohaus 7.30 Die Fahrt i"" litis Blaue Glassner, Richard, Engl, Prikkl, Stleda, Dernhurg Berliner Theat. Täglich 7.30 Uhr: (Pr/nse/fin QMa ���%rWWwW FritzIMassaryao. Ralph Arthur Roberts. Pepi Zampa, Hb. Kiper Lessing-Theat. 3'/, Uhr: PitzlliiU 7'/, Uhr: Wenn wlrToten erwachen Sonntac VI, Uhr: Spielereien ein. Kaiserin Montag?>/,: Wenn wir Toten erwachen OeatsehesKOnstler-Th Allabend ich 71/,: Der heilige Anihposiiis (Max Adalbert) Residenz-Tbeat Täglich?>/, Uhr: Das weite Land Triesch, Korit, Schroth, Klein, Schön- feld, Schneider Nissen. Heute S'/iUhr, kLPreise: Max und Moritz Cenlral-Theator k/.u.: DelektivmailEl Deutsches Opernhaus vi, u. DieFledeFDiaus Friede.-Wilhelmsl. Th s uhr: ÄmEriEan Girl Intimes Theater SUhr; OroBe Stadt— Der Schleier Klein. Schauspielhaus 7V,Uhr: Reigen Lustspielhaus S Uhr: Hahnenkampf Slttl. Forderung Metropol-Thcater afD-Siraßensängerln Neues Operetten-Th 3 uhr Königin d.Naeiit Neues Operettenhaus Schönebg., Mauptstr. 144 SUhr; Einmal kommt die Stunde Neues Theater am Zoo Direktion Ulliich Haupt vi, u.; Das große Leid Neues Volkstheaier �uhrJugendireunde Schiller-Th. Charlbg. 8 Uhn Die Schmetter. Ilngsschlacnt SchloEpark-Th Steglitz vi, uhr Extemporale Thalia-Theater uh�SEiiäm'DiEii.Lotte Theat. am Nollendorfpl. 4; Schneeweiß u.Roscnr. Die Ehe im Kreise Theater des Westens 4 U.: Hansel u. Grctel uhr Draotdlucollos Th. i d. Kommandant Sir (Md. Künsti.-Th.) VI, Uhr Dybuk Wallner-Theater vi, uhr: DieTanzgrälio Walhalla-Theater 3«/j:Firiel.d.Puppendoki. aJung muß man sein Brandenhurgisetie Provinzial- Geliiigel- mi KaniDeLi-ÄüssteilDng 8. bis 11. Dezember 1921 Geöffnet bis 8 Uhr abends Eintritt 3 u. 2 M. Magerviehhof Berlin- Friedrichsteide Fahrverbindg.: Stadibahn Friedrlchsfelde- Ost und Straßenb hnlinie 69. Ofinstitro Kanfeelegenhelt. am Kanittrafie ISS tssilev 7S Dbr Sonnla�s 2 Vorsfellunöen: 3'/. und 1' 2 Dlir chmittaeshei vollem Anend-rogramm - I Kind frei I SMe MNchHAnbierin Minna Szambln, Ber- lin-Schönebtrg. Auosiei- Puiiius-Str. l, ist wogen Müchoorfiilschung am 21 Juli Igßi zu 600 M. Geibsirafe. an deren Eielle im Ntchtdeiiretbungslaile für je 10 M ein Tag Gefängnis triff, iosten- vfiichiig»erurteilt war ben. Dies wirb Hiermit dekannf gemacht. M>>> Berlin. LZ. Oifober 1921 Amtsgericht Seeiin- Schönebecg Abt 35 Farielß-Spielplan I Gauchen gestattet Trianon-Theat. Täglich Vi, Uhr: KQmmere Dich um Amelie! Eug.Bure, OlgaLiniburp, Flink, Wasa, Bendow Heut« 4 Uhr, kleine Pr: Rotkäppchen Kleines Theater Täglich Vi, Uhr: Jaqueiine (Die Liebe wacht) Carola Toelle. Bertens, J. Falkenstein, Bern, Hans Albers. Mamelok. Sbd. 4: Schnecwiltchen Rose- Theater) i'l,: Goldhirl. Himmelt. '■/, Uhr Biederleute dazu D. Mädchen v.EiizcndOi FOLIES CAPRICEj Linienstr. 132 Täglich 8 Uhr: ei Sonntag'/jt Uhr: Die Schiffbrüchigen (zu kleinen Preisen) Casino-Theater Lothring.Str.37 Tägl.T8/« Der neue Schlager! Der Weg ziil! Volksstück in 4 Aufz Sonntag 3",: Martins Abentener Neoes Operett8D-Tö. ScbOneberjc HanptstraBc 144. Täglich 8 Uhr ♦♦ Einmal ❖❖ kommt die Stunde mit Elise Balzcr■ Llchten- steln, Agni Wllke, Georg Baselt, Max Wilberg. Jose! Cammer u. a. Admirais-Palast iv, uhr Aiirakadaiira Moigen 3'/,: Die roten Schuhe Morgen 7'', Uhr: Abrakadabra Theat. a. 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Gemäß K 97 ber Sagunz ber aufnehmenden Allgemeinen Oriskrantenlasse Reukölln«-r-,— hnen de Personen am str die bei HItage an Scharnow. am Echiestschen Bahnhof. w______________ P..__,___.._ eine ber beiden vereinigten Allgemeinen vrls- Silber usw. krankenkassen die Beiträge zu zahleu haben, vor- kauft zum Engrasvreise ausgesetzt, baß sie nicht selbst zu den Bersicherien —— Lanaestr. 35 zahlen. Wahlberechtigt sinb alle volljährigen Versicherten beiderlei Geschlechis, welche am Wahltage bei einer der vereinigten Allgemeinen Ort»- krankeniassen Neukölln und Britz versicheri sind. Jeder wahlberechtigte Bersicherte hat eine Stimme. Wahlberechtigte Arbeitgeber führen bis zu 100 versicherungspflichtig Beschäfiigi« für je an- 'fl | gefangene 10 und wegen der Über l00 lehenvl iinau». Kriegsbeschädigte Hinterbliebene,»Ire u. neue Heeresancehör. und Behörden finden zuvenässg Rat und Auskunft In den schwierigen Fragen d. Militärvei sorgung. Kommentar zum Reichsversor- tungsgesetzvon Her- 1 mann MQI.er. der alle einsch äglgenGesetze| U.Verordnungen um laßt Preis 7.— Mark DiMiilg. Vorwärts Berlins W..LIndenstr.2 !ahl für je angefangene 29 Befchäf- vtimme. Mehr als 30 Siimmen kann � ketn�Arbeilgeber führen. ''zte, die aus Irgendeinem n die Wählerliste(Arbeitgeber- ober Mitglieberverzeichni») ausgenommen sind. werben zur Wahl nur zugelassen, wenn ste C*e..- des Wohlousschusses ihre Wolilderechtigung in überzeugender Weis« noch- ollen zur Mitgliedern weisen. Das Wahlrecht ist in Person auszuüben. Die Wahlberechtigten werden hiermit aufge- fordert. Wahlvorschlage gesondert für die de» ieiligien Arbeltgeber und Bersicherien aufzu- stellen und dem Bahlbureau der Allgemeinen Ortskrankenkasse Neukölln, Weichselstr. 8, Zjdeal» Passage 12, I, Schalter Nr. 2829, einzureichen. 1, können nur solche Wablvorschläge berliekstch. eschläge I tigt werden, die spätesten» 4 Bochen vor dem Wahltage bei dem Borstaad« eingereichi werd Die Stirnmabgade ist an diese Wohlvorschläge KLEINE ANZEIGEN lesgtzfsa| CA M Dos fettgedruckte Wort 3.00 M.(zulässig _ I»i>U JTI» 2 fettgedruckte Worte).-.Sfellen»e...rh5 VVorf ihlaMtel,CwnZe,*e? erste Wo'rf rtettge'drackt) iüo M-fiedes�veitere Wort 1— M-— Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen für zwei Worte A n'y . Uistez, Raglan, Schlüpfer, große Auswahl, von 250,— an. Anzüge sehr preiswert. Bionber, Alrxanbrinenstraße 62. Ecke Dresbrnerstraße.' KreuziSchse 100�! Alaslasüchse! Zobel' füchse! Silberfüchse! Skunks! Opossum! Serrentragenl Anzüge! Uhren! 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Die zugelassenen Wahivorschläge weiden eine Woche vor der Wahl veröfsentlichi, nachdem ..— Hnfländ«, die sich bei der Prllsung der chläae ergeben, bis fpätesien, 2 Wock Wahl bejeftigi sind. Außerdem kö neu dl« Wahivorschläge nach ihrer Zulassung etwaige Anstände, die..... Wahivorschläge ergeben, bis vor der.......| äiestens 2 Wocken Außerdem tön- von den Wählern im«assenlokal, Zbeal-I ilich in der EaergWer. ersayregsr Meister für verzinkerei von Blechen und Eisen- waren aller Art in größerem Beiried gesucht. Zeuanisabschriifrn. Dehailsiordrrung. Zeil de» Einlritt» u. F. 34 a b. Exp. d Bi erdeirn Ardellsmsrkl Silberfüchse 400,. Kreuzfllchse»00.—, Wöl- fe 40«.—. Weißfüchse. Zobel-, Alaskafüchse. Skunk». Marder enorm billig. Pelzmäntel 2000,—, Svorivelze 800,—, Gehpelze. Fer- ner: Herrenanzüge. Ul- ster, Eutawans.?o. stüme, Mäntel. Tepii piche, Gardinen, Daiche verkauft Leihhaus Moritzplatz 58». Keine Lombarbwara. 121Ä» Unlerrledl Rsusgesuede z-- Silbcrschmclze Ebri. stlonat. 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Die Arbeftaeber- und Milaliederverzeichnisse ber bei der Allgemeinen Orlskrankenkasse Neukllln ein- eiraqenen wahlberechtigten Arbeftgeber mib letsicherlen können im Rassenlokai, Ideal-Pal- sage 12. I. Schafter Nr. 28/29. die Arbeftaeber. und Mitaliederverzeichnisse der bei der Allge. meinen Oriskrankenkasse Berlin-Britz eingcira- genen wahlberechtigten Arbeftgeber und wohl- berechtiglen Bersickierlen im Rassenlokal zu Ber- lin-Britz, Iahnstraße 32, werktäglich von 8 bis 3 Uhr, eingesehen werden. Etwaige Einsprüche gen die Richügkeft der sich au» diesen Ber- chnissen ergebenden Wahl- und Siimmderech- tigung sind bei Vermeidung de,«usschlussc, spätesten» 4 Wochen vor dem Wahltage unier Beifügung von Beweismitteln bei dem Bvrstonb der Allgemeinen Orlskrankenkasse Reuköllu ein- zulegen. .. Der Wahlausschuß ist befugt, die Wahl- und «iimmberechiiguna jedes Wählers dB der Wahl- Handlung zu prllfen. Es empfiehtt stch daher, die Wahlberechtigung durch die Wählerkarte nach- zuweisen, welche in den Rassenlakolen der All- gemeinen Orlskrankenkasse Reulölln und Britz den Betelliglen auf ihren Antrag gegen Bor- zeigung der Beftragsoulltnng sllr die Arbeft- zober und de» Milaliedsausweise» bzw. einer Bescheinigung des Arbeitgeber» für die Bor- sicherten ausgefertigt werden._ Die Serren Arbeitgeber im Ortsbezirk Neu- föüti müssen sich in der Zeit vom 15. Januar 1922 ab bi» zu dem Tage, welcher der Wahl vor- angeht, im Rassenlokal der Allgemeinen Orts» krankcnkasse Neukölln, Weichselstr.». Aufgang Nr. 12. I. Schafter Nr. 28129. während der Dienstswnden bescheinigen lassen, wieviel Slim- men sie führen. Die Herren Arbeitgeber � im Orlsbezirk BetAn-Britz erhalten diese Bescheini. gung im Rassenlokal der Allgemeinen Ortskran- keukosse Berlin-Britz ausgesselll. weil dl» bei der Wahl nicht festgestelll'werden kann. Im übrigen wird auf dle Wahlordnung der Allgemeinen Orlskrankenkasse Neukölln verwie» sen, die für alle Beleiliglen im Rassenlvkul. Weichselstr. 8. Aufgang>2, wäbrenb der Ge- schösisstunden kostenlos zur Verfügung ftehL Neukölln, den». Dezember l92L »er Vorstand drr Allgemeinen Ortskrankevk-ffe»enköln. Sees«. Ritter, Vorsitzender. echristführer. ' tum, � W i kauft Met. II- Kontor j/■ John. Altnakn��lljjl� J j nserate � «m vorwärts llchentEr�o�j Nr. 582 ♦ 38. Fahrgakg 2. Seilage öes vorwärts Sonnabenö, 10. Vezember 1921 GroßSerlw Ein„Knacks� im Sürgerblock. Das Zentrum als»unzuverlässiger" Dundesgenosse! In der Stadtverordnetenversammlung, über die wir am Freitag berichtet haben, unterlag der Bürgerblock den drei Fraktionen der Linken bei der Abstimmung über die Erhöhung von Löhnen und Vergütungen der Arbeiter und uichtständig Angestellten und über die Vereinbarung neuer Gehaltssätze mit den in Streik getretenen Werk- a n g e st e l l t e n. Daß mit den Sozialdemokraten, Unabhängigen und Kommunisten, die geschlossen für diese Vorlagen des Magistrats eintraten, auch mehrere Mitglieder der kleinen Zentrumsfrattion stimmten, erregte begreiflicherweise den Zorn der weiter rechts stehenden Fraktionen. Durch die Absplitterung der paar Zentrumsleute wurde die nur auf einem lächerlich geringen Stimmenplus beruhende bürgerliche„Mehrheit" in eine Minderheit verwandelt, so daß der Bürgerblock einen „Knacks" erlitt. Ein Stadwerordaeter der Deutschen Volkspartei, der eine Zeitungskorrespondenz herausgibt, putzt jetzt die Abtrünnigen tüchtig herunter. Er schimpft: „Don der Zentrumsfraktion waren es die 3 Vertreter der christlichen Gewerkschaften sowie der Vorsitzende der Frak- tton, Stadtv. Lange, die mit ihren Stimmen den bürgerlichen An- trag auf Ausschußberatung zu Fall und damit die Ma- gistratsvorlage zur sofortigen Annahme brachten. Der im Zentrum vorhandene Vertreter des Mittelstandes, Stadt- verordneter Obermeister Bieten, stimmte gegen die Ma- gistratsvorlage. Der rechte Flügel des Zentrums war bei der entscheidenden Abstimmung nicht anwesend. Nur dadurch kam die sozialdemokratische Mehrheit zustande. Mit dieser Haltung seines linken Flügels, die in den bürgerlichen Reihen des Stadtparlaments lebhaftes Befremden und erregte Zurufe an die Adresse des Zentrums auslöste, hat das Zentrum seine StellunginnerhalbderbürgerlichenFraktionen des Stadtparlaments aufs schwerste erschüttert, und es muß abgewartet werden, ob die demokratische Fraktion und die Wirtschaftspartei, die bisher eine Art von Arbeitsgemeinschaft mit dem Zentrum eingegangen waren, diese Gemeinschaft ange- sichts der gestrigen Abstimmung des Zenttums und seiner Hilfe für den sozialistischen Magistrat aufrechterhalten." Auch die Abstimmung des Zentrums über die Zuweisung der aus der Stadtliste gewählten Stadtverordneten an die Vezirksversammlungen findet nicht den Beifall der Deutschen Boltspartei. Der ihr als Sprachrohr dienende Stadwerordnete tadelt in seiner Korrespondenz, daß die Z e n t r u in s l e u t e, weil sie die Zuweisung eines der Ihrigen an den Bezirk Mitte wünschten, mtt den drei Frakttonen der Linken für Zuweisung des Un> abhängigen Dittmann an den Bezirk Wilmersdorf und gegen Zuweisung des Deutschnational.en Pfarrer K o ch an Bezirk Krcuzberg stimmten. Dazu sagt er: .Das alles der Sozialdemokratie zuliebe. Zum eigenen vor- teil benutzt das Zentrum, wie man sieht, alle aesetzlich gebotenen Mittel, zur Durchführung einer gemeinsamen Polittk der bürger- lichen Mehrheit, die auch gestern vorhanden gewesen wäre, ist es aber in entscheidenden Fällen nicht zu haben. Das Zenttum hat sich als ein höchst unzuverlässiger Bundesgenosse in der Kommunalpolitik erwiesen. Die Richtung Erz- berger-Wirth hat bei ihm die Oberhand." Man wird nicht fehl gegen, wenn man in dieser heftigen Ab- kanzelung des Zenttums nicht eine private Stilübung des betteffenden Stadwerordnete», sondern einen Ausdruck der- Mißstimmung sieht, die bei der Deutschen Dolkspartei gegenüber der Zenttums- fraktion infolge ihrer„Unzuverläfsigkeit" entstanden ist. Die Drohung. daß die Zentrumsfraktion ihre Stellung innerhalb der bürgerlichen Fraktionen des Stadtparlaments„aufs schwerste erschüttert" habe, kann nur erheiternd wirken. Aufs schwerste erschüttert ist die Standfestigkeit des Bürgerblocks, der als„Mehrheit" schon bei Verlust der paar Zenttumsleute erledigt wäre. Die Sätze öer Schulgelöftaffelung. Zur ZNinderbemitkelte völlige Schulgeldbefreiung. Der Berliner Magisttat hat, wie wir am Donnerstag meldeten, endlich deschlosien, die durch die Stadwerordnetenversammlung schon Das Haus ohne Jrauen. Wie die Junggesellen im Ledigenheim wohnen. Wenn man die Chausiee. und Müllerstraße hinauswandert und hinter dem Ringbahnhof Gesundbrunnen in die Pankstraße einbiegt, so begleiten einen noch immer getreulich die Häuser, die man nicht mit Unrecht Mietskasernen getauft hat, aber nach einiger Zeit schließt sich einem die machtvolle Weite eines freien Platzes auf und gestattet dem Auge ungehindertes Schweifen. Es ist der Brunnenplatz, begrenzt von der Schönstedt-, Thurneysser-, Pank- und Orthsttaße. Mitten aus dem Platz steht, trotz aller lächerlichen Zierrate imposant genug, das Amtsgericht Wedding. An der Ecke der Pank- und Böttgersttaße erhebt sich ein Schulbau in dem charakteristischen Rot der Hoffmannschen Ziegelbauten, das Schiller-Lyzeum mit einem merkwürdig weit ausladenden Turm. An der Ecke der Schönstedt- und Orthstraße aber reckt sich ein schlichter Putzbau achtunggebietend aus, daß größte und schönste Ledigenheim Groß-Berlins. Nun sagt ein Wort WUhelm Büschs:„Bestecheich ist der äußere Schein der Weise dringet tiefer ein." Und da die meisten kaum eine Vorstellung haben, wie es in einem solchen Iunggesellenheim aussieht und Zugeht, so sei ein Gang durch diese» Riesenheim geschildert, das 500 Personen zur Wohnung dient. ficht thuaöratmeter mit Komfort. Im Vestibül des Heimes wird man sofort eine bestimmte Einteilung gewahr, die für das ganze Heim gilt. Der eine Flügel ist ein Studentenheim, der andere das eigentliche Ledigenheim. nehmigen, denn Fußbadewannen find eingebaut. Sochgas steht gleichfalls zur Verfügung und wer eine gute Nase hat, kann über Mittag die verjchicdensten Düfte unterscheiden: Äinderschmorfleisch, Kotelett, Pökelfleisch, Spiegelei, Bralkartoffeln. So ein richtiger Junggeselle versteht sich auf die Zubereitung wunderbarster kuiina. rischer Genüsse. Er muß freilich das Geld dazu haben. Hat er es, wenig oder viel, so steht ihm außerdem auch im-Erdgeschoß ein trefflich geleitetts Speisehaus zur Verfügung. Für Z.M) IR. gibt es eine reichliche Portion nahrhafte Erbssuppe. Das höchste der Ge- fühle, ein saftiges Kotelett, ist für 10 M. zu haben. Mehlspeise mit Saft für 1 M. kann der Wirt gar nicht so viel herbeischaffen als verlangt wird. In dem Flügel an der Orthslraße befindet sich ein gut geleitetes Wannenbad, wo die 5)eiminlassen für 2 M., Fremde für 3 M. baden können Eine Bücherei sorgt für die geistigen Bedürfnisie. Uebersieht man das Ganze und vergleicht damit die trostlosen und unwürdigen Spelunken, in den wackere Männer der Arbeit mit einer zahlreichen Familie zu zehntausend«» in Berlin Hausen müssen, Wohnungen, die von all dem Komfort, der den Insassen des Ledigenheims zur Verfügung, nichts, aber auch gar nichts aufweist, so sollte man annehmen, daß die Ledigen- heimer, verglichen mit diesen Familien, sich wie im Paradies vor- kommen müssen. Kritiker am Zimmerpceis. Das ist aber nun keineswegs der Fall. In dem Heim ist eine große Unruhe darüber entstanden, daß die Mietspreije in der letzten Zeit erhöht worden sind, und zwar soll das Zimmer, je nach seiner age, zwischen IIS und 135 W. monatlich kosten. Dieser Preis dessen Insassen sich aus Arbeitern. Angestellten. Beamten. Hand- wird wie folgt errechnet: Grundmiete 33 M., Heizung 27 M stäg- werkern und Invalidenrentnern zusammensetzt. Die Verteilung des> lich 90 Pf. Wer kann sich das ir ein warmes Zimmer machen H, Raumes hat etwa zu gleichen Teilen staltgefunden, so daß die Licht 1,KS M.(monallich), Jochgas 4,20 M., Wäsche 9 M., Wasser- -''"' lieferung. warm und kalt, 4.70 M.. Benutzung der Möbel 5,15 M. und Reinigung 37,80 M., zusammen als Durchschnitt 122,50 M. monatlich. Befremdend wirkt bei diesen Zahlen die Höhe der Reinigung, doch mußten dazu vollberuslich tätige Frauen angestellt werden, die natürlich tariflich bezahlt werden müssen. Do eine gründliche Reinigung zweimal in der Woche stattsindet, so kostet jede Reinigung durchschnittlich 3 M. Bon den Kritikern wird nun darauf hingewiesen, daß Sriegsrenlner und Arbeilsiose diese Sähe Studenten nicht mehr Zimmer zur Verfügung haben als die übri gen. Das Riescngebäude besteht aus zwei Vorder-, zwei Hinter- und zwei Ouerflllgeln. Di« Innen, bzw. Hinterzimmer gruppieren sich um zwei helle Höfe. Auf dem Dach der Ouergebäude befindet sich ein geräumiges Sonnenbad, das im Sommer in ausgiebigster Weise benutzt wird. Jedes Zimmer hat einen Flächeninhalt von S Quadratmetern, find mit Linoleum ausgelegt, haben einen bellen, freundlichen Anstrich, Warmwasserheizung, elektrische Beleuchtung. Das Inventar eines jeden Zimmers, das von dem Heim selbst ge- nicht bezahlen könneu. Doch wurde uns initgeteilt, daß auf derart stellt wird, besteht aus Bett. Schrank. Tisch. Stuhl. Waschtisch und j Unbemittelte die denkbor größte Rücksicht genommen wird, Bücherbort. Außerdem ist es den Bewohnern überlassen, sich das' während die Erhöhung notwendig war. um die Unkosten des Heimes Zimmer nach Belieben gemütlich zu gestalten. Der eine hat sich � einigermaßen zu decken. Eine weit größere Erhöhung aber wäre einen alten Regulator mitgebracht, dessen Tick-Tack traulich durch die Stille singt. Ein anderer ist im Besitz eines Faul t e u i l s. dem zwar die Beine fehlen, das ober gerade dadurch außerordenttich gemütlich und kuschlig wirkt. Ein dritter ist Kunst- freund und hat Bilder und Büsten. Ein vierter p h o t o g r a- p h i e r t und hat alles mit den Produkten seiner Kunst aus- tapeziert. Ein fünfter ist eifriger„Studiker"— nicht Student — und die Werke von Marx und Lassalle, dazu Sombart, Wil- brandt und andere grüßen den Beschauer. Ein sechster wieder ist ein Schönheitssucher, denn über seinem Tisch hängt dos Bild eines wunderschönen Mädchens auf einem Prachtpferd reitend. Lad und Mikkagstisch im Hause. Erhebt sich der Insasse früh um sieben, so ist sein Zimmer bereits warm, denn der Hauswart muß die Zentralheizung bereits um 5 Uhr in Gang bringen. Ueber den Flur kommt der Insasse zum Toilettenraum. Dort ist fließendes, heißes Wasser. Wenn er will, kann er auch ein wohliges warmes oder heißes Fußbad ge- notwendig geworden, wenn nicht das Bezirksamt eine Anzahl Räume des Heimes notwendigerweise in Benutzung nehmen mußte — auch das hat Unwillen erregt— mit einer jährlichen Mete von 80 000 M. bezahlt. Durch diesen Bettag können die Mieten der Heiminsassen niedriger gehalten werden als es sonst der Fall war. Der Eindruck des Ganzen ist ein so durchaus erfreulicher, daß man wünschen muß, es möge den Insassen gelingen, in Berück- sichtigung ihrer an sich tadellosen Wohngelegenhcit ihrer Kritik und ihrer Unzufriedenheit die Form zu geben, die es dem Bezirksamt ermöglicht, den Wünschen der Insassen nach Maßgabe der Umständs zu entsprechen. Man mag den Kritikern das Recht zugestehen, die Verhältnisse noch immer mehr zu bessern, aber man muß auch an ihr soziales Empfinden appellieren und sie auf jene trostlosen und entsetzlichen Wohnverhältnisse hinweisen, in denen zehntausende ihrer Klassengenossen schmachten müssen. Diese Verhältnisse zu bessern ist die nächste große Aufgabe und dringendste Notwendigkeit. im Juni d. I. geforderte Staffelung des Schulgeldes der höheren Schulen durchzuführen. Ueber die Sätze der Staffelung, die nach unten bis zur völligen Schulgeldbefreiung gehen wird, verbreitet jetzt das Nachrichtenamt der Stadt folgende Mit- tcilung: Der Magistrat hat den Grundsäßen, die die Deputation für Schulwesen für die Ermäßigung des ischulgeldes aufgestellt hat, im wesentlichen zugestimmt. Entsprechend dem Beschlüsse der Stadt- vcrordnetenversammlung bei der Aufstellung des Haushalts ttitt-eine Ermäßigung bis zur völligen Schulgeldbefteiung je nach Einkommen der Eltern und der Anzahl der Kinder ein. Die vom Magisttat vor- geschlagene Staffelung weicht nur insofern von den Dorschlägen der Deputation ab, als sie den heutigen W ä h r u n g s v er h ö l t- nissen Rechnung zu tragen versucht. Beschlossen wurde: bei einem steuerpflichtigen Einkommen bis zu 14 000 M. fchulgeldftei, über 14 000 bis 18 000 M. für das erste Kind 250 M., für das zweite Kind 125 M., die übrigen Kinder frei: über 18 000. bis 24 000 M. für das erste Kind 375 M., für das zweite Kino 250 M., für das dritte Kind 125 M.; über 24 000 bis 40 000 M. für das erste Kind 500 M., für das zweite Kind 375 M.. für das dritte Kind 250 M., für das vierte Kind 125 M.: über 40 000 M. für jedes Kind 500 M. Eine wesentliche Erleichterung für die schulgeldpflichtigen Eltern tritt dadurch ein, daß das steuerpflichtige Einkommen nach der Steuerveranlagung von 1920 erfolgt. Nach Mitteilung der Finanzbehörden ist diese im Laufe des Frühjahrs bestimmt zu erwarten. Die zwangsweise Einziehung von Schul» geld läßt sich nicht völlig umgehen, doch soll in allen begründeten Fällen ein weites Entgegenkommen geübt und Stundung der Zahlung des noch nicht ermäßigten Schulgeldes gewährt werden. Kolonisten aus Weltschmerz 8s Bon Wilhelm Rhenius. 18. September. Pedro sitzt auf dem Dache und deckt. Ich bin Handlanger, der Doktor liegt und schüttelt sich. Wir haben uns schon darin ergeben, daß letzteres einen Tag um den andern auf dem Programm steht. Frau Luiia humpelt mit ihren wehen Füßen umher und pflegt ihn. Sie klagt nicht, aber ein vergrämter Zug liegt aus ihrem Gesicht. Es ist sehr heiß und die Fliegen sind unausstehlich. Pedro scheint verstimmt. Die Arbeit geht ihm nicht recht von der Hand. Hat etwas auf dem Heiden. Am Abend kommt es heraus. Er will für drei bis vier Tage nach Hause, angeb- lich, um irgendein. Fest mitzumachen, bei dem er aus einem Dutzend Gründen nicht fehlen darf. Wir haben alle den Per- dacht, daß er sich drücken will. Er hat sich wahrscheinlich aus- gerechnet, daß er seinen landesüblichen Vorschuß ungefähr abgearbeitet hat, und als lebenslustiger Bursche sehnt er sich aus dem Walde und unserer melancholischen Gesellschaft fort. Ilnlcr Verdacht gründet sich hauptsächlich darauf, daß er. hätte er die Absicht wiederzukommen, sicher einen neuen Vorschuß verlangt hätte. Das Dach ist kaum zum vierten Teil gedeckt. 9. verlassen.— Dachdeckereiarbeit.— Indianer. 19. September. Als wir uns erheben, ist Pedro schon verschwunden. Wir geben uns beinahe mit keinem Gedanken der Hoffnung hin. daß er wiederkehren wird. Obgleich wir ihm das ein wenig verdenken, ist's uns doch, als sei eine lieb gewordene Einquartierung, bestehend aus einem ganzen Re- giment, ohne Sang und Klang abmarschiert. In der Früh- stücksstunde gähnt ein riesiges Loch an der Stelle, wo er zu sitzen und zu plaudern pflegte. Wir fühlten uns verlassen! Jeremias fühlt sich verlassen, und über die Verlassenheit des Hahnes bestand schon längst kein Zweifel mehr. Ä � Ich überrede den Doktor, mst mir ans Dachdecken zu gehen. Habe Pedro ein wenig von dieser Kunst abgesehen, leider ein wenig zu wenig. Trotzdem wir genug loses Stroh zwischen den Sparren durchfallen lassen, um alle Spatzen der Welt mit Niststoff zu versorgen, behalten wir doch, nachdem über die Hälfte des Daches am Abend gedeckt ist, nach unserer Schätzung genug Stroh übrig, um eine Scheune zu decken. 20. September. Der Doktor will einen Versuch machen, das Fieber durch einen Gewaltmarsch zu brechen, und läuft nach einer Tasse Kaffee in den Wald hinein, der verwachsenen Pikade folgend. Frau Luisa fleht mich an, mit ihm zu gehen, was ich natürlich tue— Dach Dach sein lassend. Vielleicht be- fürchtet sie, daß ihr Gatte in seinen Fieberphantasien den Wald so lange nach seinen Skatkollegen durchsucht, bis er sich nicht mehr herausfindet. Wir sind wohl eine Viertelstunde unterwegs, als lautes, angstvolles Rufen von unserem Lager der uns mit einem Ruck stehen bleiben, dann umwenden und im Dauerlauf zurück- eilen läßt. Es ist Frau Luifas Stimme. Sie kommt uns auf halbem Weg atemlos entgegen. Indianer! stammelt sie bloß. Wir laufen weiter, sie hinter uns her. Da vor dem Zelt stehen richtig drei dieser Naturkinder— kleine Gestalten, uns mit einem breiten Lächeln begrüßend. Ihre Toilettengegen- stände konnte man in einer Westentasche unterbringen. Jeder hat einen mächtigen, sechs Fuß langen Bogen und eine hübsche Kollektion vier Fuß langer Pfeile. Einer von ihnen scheint eine höhere Würde zu betleiden, da ihm ein kleines Ton- pfeifchen um den Hals hängt. Wo er den dazu gehörigen Tabak trägt, ist uns ein Rätsel. Sie betrachten mit kindlicher Neugier alles ihnen Fremd- artige. Der Doktor, den es schon wieder schüttelt, kann es sich nicht versagen, ihnen aus einer kleinen Musikdosc etwas vor- zuspie'en. Sie sind aus dem Häuschen und schlagen panto- mimisch Tmischgelchäfte vor. Natürlich wollen sie die Musik- dose. Indem wir olle beisteuern, geben wir statt dessen dem Häuptling ein Nachthemd, dos ibm etwa einen Fuß zu lang ist. und ein« Reisemütze. Den übrigen ein Stückchen Zeug und außerdem einem jeden einen der vom Frühstück übrig- gebliebenen Maiskuchen. Dafür erhalten wir einen Bogen nebst Pfeilen und das Tonvfeifchen. Sie sind seelenvergnügt, schnuppern noch ein Weilchen umher und trollen dann ab, an den Maiskuchen knabbernd. Se. Majestät, mit Nachthemd und Reifemütze bekleidet, verschwindet als letzter im Waldes- dunkel...». Der Doktor schüttelt sich jetzt ungestört unter seinen Decken. Frau Luisa betastet ängstlich Pfeil und Bogen der Indianer. Sie hatte ihre Furcht noch nicht überwunden und besorgt vielleicht, daß sich die Indianer bei ihrem nächsten Besuch keiner Formalitäten bedienen werden. Ich suche sie von der Harmlosigkeit dieser Wilden zu überzeugen und klettere dann auf das Dach, fest entschlossen, heute noch damit fertig zu werden. Es gelingt mir, und es bleibt ein Haufen Stroh übrig. Da der Kranke im Zelt liegt und die Palmhütte ein etwas enger und dumpfer Schlafplatz ist, so schlage ich mein Nachtlager in dem Neubau auf. Er hat zwar noch keine Wände, aber ein Dach, für das ich zum größten Teil verantwortlich bin. Und wie ich da vor dem Einschlafen noch eine Weile da- liege, beim matten Sckjein einer Laterne mein Tagebuch führe und sinnend nach oben blicke, da sehe ich einen Stern mit mildem Glanz auf mich herniederstrahlen. Es ist ein Steril erster Größe und ich überlege, was es wohl für einer sein mag. Dabei werde ich mir bewußt, daß es selbst für Sterne erster Größe eine ungewöhnliche Leistung ist, durch Dächer hindurchzuscheinen. Und ich schicke durch mein transparentes Dach ein in- brünstiges Stoßgebet nach oben, daß es wenigstens diese Nacht noch nicht regnen möge. 1V. Eine böse Entdeckung und ein ver- zweifelter Schritt. 20. bis 22. September. Frau Luisa macht beim Füttern ihres Kanarienvogels eine schreckliche Entdeckung. Ihr Bor, rat an Kanarienlamen ist beinahe ganz von Mäusen oder sonstigen: Ungeziefer geiresscn. Auch wenn sie die Nationen sehr beschneidet, muß ihr Liebling ba!d ohne sein gewöhn- liches Futter sein. Sie ist ganz untröstlick. In der Tat dörte sie kaum geknickter sein können, wenn sie ein Flaschenkind ihr eigen genannt und vor der Leiche chrer einzigen Milchkuh gestanden hätte. In meiner Unschuld schlage ich Maiskörner als Ersatz- futter vor. was sie für einen plumpen Scherz hält und erst ! recht weint. Das ist zu viel für mich. Ich erkläre mit fester Stimme, daß ich mit Jeremias nach gemischtem Hanfsamen ausreiten werde, und sollte ich bei dem Versuch zugrunde gehen. Sie sieht mich halb zweifelnd, halb glücklich an:„Im Städtchen gibt es welchen." jagt sie zögernd. (Forts, folgt.) lOO Fahre postzettungsamt. Demnächst wird das Postzeitungsamt in Berlin auf ein hundert- jähriges Bestehen zurückblicken. Als„Zeitungs-Komptoir" am IS. Dezember 1821 errichtet, nahm es den Zeitungsoertrieb mit 474 Zeitungen und einem Personal von k Beamten auf. Be» liefert wurden damals 1l)1l) Absatz-Postanftalten. Das Ausblühen des Zeitungsgewerbes hat auch aus die Entwicklung des Postzeitungs- nmtes, das diesen Namen seit dem Jahre 1871 trägt, einen starken Einfluß ausgeübt. Heute sind beim Postzoitungsamt 1 1 8 3 S Z e i- lungen und Zeitschriften, darunter allein 1SS1 in Berlin erscheinende, zum Postvertriebe angemeldet, die mit 628 882 448 jährlich zu befördernden Zeitunqsnummern an 16 SSV verschiedene Post- orte abgesetzt werden. Nach dem Vertrieb der Zeitungen und Zeit« schriften sind dem mit dem Postzeitungsamt verbundenen Gesetz» sammlungsamt die Berlagsaeschäfte und der Vertrieb des Reichs- Gesetzblatts und der Preußischen Gesetzsammlung übertragen. Sehr wichtig sind auch die Geschäfte des Postzeitungsamts als Aus- wechselungs-Postanstalt im Zeitungsocrkehr mit dem Auslande. Außerdem liegt dem Amte noch die Herausgabe der Zeitungs- Preisliste ob. Zugelnstellungen infolge Kohlennot. Der Verkehr Berlin— Hannover beeinträchtigt. Als die am meisten betroffenen Großverbraucher haben die Eisenbahnen unter der augenblicklich bestehenden Kohlennot erheblich zu leiden. Die Eisenbahndirektion Magdeburg hat bereits vor einigen Tagen Maßnahmen zur Durchführung gebracht, die darauf hinzielen, den Kohlenverbrauch im Direktionsbezirt zu verringern. Die Eisenbahndirettion Kassel kündigt Zugeinschränkun- gen auf den Lokal- und Nebenbahnen ihres Direktions- bezirkes an. Am schlimmsten scheint von dem augenblicklich herrschen- den Kohlenmangel oie Eisenbahndirektion Hannover betroffen zu sein, die heute eine wesenlliche Einschränkung des gesamten Per- sonenzugfahrplans( auf 25 Proz.) ankündigt." Es soll versucht wer- den, den Arbeiter- und Berufsverkehr nach Möglichkeit ausrechtzu- erhalten, doch werden auf allen Strecken des Bezirkes erhebliche Fahrplaneinschränkungen bis auf weiteres zur Durchführung kommen müssen. Auf der Strecke Berlin— Hannover wird nur noch ein Teil der fahrplanmäßigen Züge gefahren werden. Angesichts dieser Einschränkungen, die ohne eine durchaus zwingende Notwendigkeit nicht vorgenommen werden würden, wird sich der diesjährige Weihnachtsreiseverkehr wohl nicht in der ge- planten Weise abwickeln können, da in Anbetracht der mißlichen Transportlage von jeder Mehrleistung Abstand genommen werden muh._ Nächtliche Polizetfahrten. Die Berliner Kriminalpolizei ist jetzt dem nächtlichen Schlemmer- und Spielerleben Berlin« scharf aus der Fährte. Gestern abend staltete Kriminalkommissar Engelbrecht dem Kaffeelokal von Biro, Alle S ch n tz e n st r. 1, einen überraschenden Besuch ab. In einein großen Hinterraum traf er etwa 100 Personen, die eifrig beim Glückspiel saßen, 1S inderjährige M ä d ch e n mußten nach dem Polizeiprästdiiim geführt, werden. oie übrigen wurden entlasien. Gegen den Reichsschtilgesetzeutumrf. Die zweite diesjährige D o l l v e r s a m m l u n g der SPD.» Elternbeiräte Groß-Berlins nahm»ach einem Referat der Genossin Dr. Wegscheider-Ziegler folgende E n t- s ch l i e ß u n g an:„Schon iin Schulkompromiß hat die Sozialdemo- kratie den politischen Notwendigkeiten schwerste Opfer gebracht. Der Entwurf zum Reichsschulgesetz will jetzt das Schulkompromiß noch weiter verschlechtern, indem es den Forderungen nach Verkirchlichnng des Schulwesens und Verteilung der Volksschule an die Bekenntnisse in unerhörter Weise entgegenkommt. Die Versammelten erheben dagegen Protest und verlangen, daß die weltliche Gemcinschafts- schule alz die einzig wahre Gemeinschaftsschule im Reichsschulgesetz �ur R e g e l s ch u l e gemacht wird, daß in jedem Orte, der nur eine schule hat, diese die Gemeinschaflsschule sein muß, daß in Orten mit mehreren Schulen die nicht angemeldeten Kinder den Gemeinschafts- schulen zuzuweisen sind. Sie verlangen, daß die Forderungen an den geordneten Schulbetrieb so hoch gespannt werden, daß die Schaffung von Zwergschulen verhindert wird und die im 8 146 Abs. 2 der Reichsverfassung geforderte Möglichkeit der inneren Giie» derung der Volksschule nach Anlage und Neigung der Kinder er- halten bleibt. Sie fordern, daß die Befugnisse zur Festsetzung der an einen geordneten Schulbetrieb zu stellenden Anforderungen nicht den Ländern übertragen werden und daß das Gesetz Sicherungen schafst, damit den konfessionslosen Lehrern in der Anstellung keine Nachteile entstehen." In einer anderen Entschließung wird bedauert, daß der Deutsche Lehrerverein trotz seines ablehnenden Standpunktes zum Reichsschulgesetz nicht energisch für sein im Hsingstprogramm fcschelegtes Ziel der weltlichen Gemeinschaftsschule kämpft und an die Leyrerschakt die Aufforderung gerichtet, für dieses Ziel gemeinsam mit dem werktätigen Volt einzutreten. Nach einem Referat de« Genossen Schröter über Paulsens Kampf stellten die SPD.-Elternbeiräte die Forderung auf, daß das gesamte Schulwesen Groß-Berlins nur einer Regie- rungsstelle, dem Prooinzlalschultollegium, unter st ellt wird und daß dem Oberstadtschulrat Pauljen die st o a t l I ch e S ch u l a u f s i ch l für alle 20 Bezirk» der neuen «tadtgemeinde übertragen wird. unvorsckiristSmSßiger Verpackung einseNeserk worden ist und die infolgedessen al«.Briesfalle" wirkt. Di» Empfänger solcher Drucksachen Vflegen aber leider nicht immer darin vorgefundene Griefe oder Postkarten, die sür sie nicht be- stimmt sind, ohne Verzug an die Post zurückzugeben. Sie bleiben bei ihnen liegen, geraten unter alte Papiere und werden dann u. U. von dritten Personen erst nach langer Zeit aufgefunden und nun- mehr in einen Briefkasten geworfen. Bei der Masse der täglich aufgelieferten Briefpost fällt eine solche alte Sendung, zumal wenn ihr Briefstempel inzwischen verwischt ist, dem Sortier- und Bestellpersonal keineswegs immer auf. Förderung de» Berliner Messewesen». Die städtische Deputation für Arbeit und Gewerbe wird ihre Arbeit nunmehr auch der Frage zuwenden, in welcher Weise die Veranstaltung von Meisen und Ausstellungen von Spezialindustrien städtischerseit« gefördert werde» kann. Hierbei wird e« sich vor allem darum handeln, wie die schwierige Frage der Bereitstellung von Räumen und Flächen zu lösen ist. Der Ausschuß der Deputation bat sich zu diesem Zweck mit dem Ausschuß für städtische Verwaltung«- gebäude der Hockibaudepulalion und dem Verkehrsamt in Ver- bindung gesetzt. E« liegt bereit« ein Antrag auf Bereitstellung von 200» Ouadratmeter AuSstellung«fläche für den Monat Februar vor. Ein Opfer von Skraßenräubern ist wieder ein Geschäftsmann aus der Provinz geworden, der in Berlin zu tun hatte. Als er gestern auf dem Alexanderplatz einen Mann nach einem Hotel fragte, führte ihn dieser durch mehrere Straßen bis in die Nähe einer Kirche, wahrscheinlich der Elisabethkirche an der Jnvalidenstraße. Hier fielen plötzlich zwei Männer über den Fremden her, raubten ihm den Ueberzieher und die Brieftasche m i t 6 0 0 M a r k sowie Uhr und Kette. Zu guter Letzt nahmen ste auch noch die R e i f e t a s ch e mit, die dem Beraubten ent« fallen war. Die Straßenräuber sind entkommen.. Der verein, Arbriter-Huchschnle» veranllaktrt am Sonntag, 11., abend« 7'/, Ubr. in der Aula Nledcrwallstr. 12, einen Schubert-Abend. Mitwirkende sind: x-err Gustav Srnst, Frau Gertrud Fabian und Fräulein Kälh« Ecbcl. Eintritt S,b0 M. Gäste willkommen. Die Ullbambra'am Marlhplatz hat Alwin 9! e"u ß, den AlleSkZnner, zu einem Skcttch verpflichtet, der unter dem Titel.Die Verschwundene' eine ichaurige Mär von einer ermordeten Frau erzählt, deren Leiche von dem Mörder und Gatten im Geldlchrank l ausgerechnet) ausbewabrt wird. Da« Niveau der Szene, die im Publikum redlich beklatscht wurde. Ist damit hinreichend gekennzeichnet. Anheimelnder war der kölnüche Komiker Paul Jülich, dessen prächtiger Humoristika Im breitesten köllschcn Platt man gern zuhörte. Da« übrige Vartetöprogramm wollte nicht mit ganz strengem Muße gemessen sein, immerhin zeigte e» einige Nummern, die entwlcklnng«- fällig sind und sich später auch über dl« Vlihne am Moritzplatz hinaus An- erkennung verschaffen werdin. Die Skala bat ein neue« Programm, deffi« einzelne Nummern tat« lächlich säst jedesmal einen Höhepunkt de« betreffenden Gebiete« bedeuten. Btliv Jentin« bekommt e« fertig, km Takt der Musik lö Lichter au«- zusibießen, wie sie«in anderer so schnell nicht an«blaien tarnt. S a h l b N a d ch u r a sührt einen Elesanlen nor, der die zarten geschmeidigen Be- wcgungen einer kleinen Katze hat. In der W ill y. S ch en k- C o m p. besticht der männliche Partner durch spielende Eleganz seiner Leistung, der weibliche durch entzückend« und natürliche Gchelmerel. Auch die Hattwell« umgeben ihren tollkühnen Seilakt mit lebbasten Helteren Gebärde», die über die Schwierigkeiten hinwegtäuschen. Die B r i a n t« verfügen über eine GroteSkkomik, die die Zwerchfelle zum Wackeln bringt. Warum aber ausgerechnet bei diesem prachtvollen Blödsinn Schumann« zarte dusiige Ziäumerct gespielt wird, ist nicht recht zu verstehen. Autgezeichnet« Zahn- athletinuen find die vier Sylphiden, die ihr Können zu einem Flugakt gestalten, der in der Tat wie et» Traum in Schönheit und Farben anmutet. Die zahlreiche L a r ch I a m i kl e brillierte durch schneidig« Jka- rtsche Srlele. Ter Rumäne N c g r o entlockt«wem primitiven Pjeljchen die wunderbarsten Melodien. Siur Herr Irrt GradeSkow, der Tänzer aus New Fork, tänzle mit einem konventionellen Antlitz, das keine Spur von Gcsübt nnd Seele verriet, wiewohl lein technisches Können aus Höver Eluse sieht. Seine Partnerin Magda Bauer Verluchte vergeben« rbü zu erwärmen. Sie und die quecksilbrige sröhllche Inge Rosen rettete» den Tanzakt._ Grsß-Serliner paetelnachrichten. Eine Konferenz der erwachsenen Miiarbeiler des Vereins Arbeiter-Jugend sindek heute abend um 7 Uhr im Konferenzzimmer des Bezirksverbandes. Lindenstr. Z. 2. Hof 2 Treppen, stall. Vorkrag des Genossen Richard Schröler über„Geilt, ge und körperliche Er- iüchligung der Jugend". Freie Aussprache. Alle Parleigenossen müssen unbedingt erscheinen. heule, Sonnabend, den 10. Dezember: 1«. Kr?!«. Neukölln. Di««rwilt-rt««r-isvorstan.dssitzunz und Lraktioussttzmrs fällt aus. 2». Abt. 9 Uhr FluzblattverbrelNrn» vorn Lokal Pos», italoniiftt. 19,«ru. Cr- scheinen Pflicht. 37. htt.(früder 21.). 7 Vi Uhr bei Pfeiffer, Sausburgste. 1, Nut»«®t. sprechung vre Abteiluna-oorstovde» mir(amtlichen Bczirlssiihrern. 4V. Abt.(früher xll.). 8 Uhr Zamlltenabend bei«oborett und Ton, Im»ttpe- Üicker Hof. avocaicker(Str. 174. Vtllert» ,u 2,15»i. an der Noll«. m.?.bt. Tieptow. 7v4 Uhr Sitzung sämtlicher Furittlonll:» im Settinzer, Zlsenstr. 101, Riefhol, fitetze._- Iirngfazialiste». tvruppenkonfrren, 7 Uhr in der I»riMsch«n Spr-chflmih», Lln- deirstroüe a. Tagesordnung: 1. Bericht dr»«rbeiioousschusses. 2. Bericht von der Reichsauskchutzfltznna. k>. VersSstedeiies. Alle Drirppenleiiungcn müssen vertreten sein.—«rbeitaav-lch-Y.« Uhr Iurtsttsch» Sprechstunde, Hus aller Welt. Eine Ausstellungshalle eingestürzt. In Magdeburg ist ein H a l l e n b a u für die im nächsten Frühjahr zu eröffnende Mittel« deutsche Ausstellung eingestürzt. Ein Arbeiter wurde schwer verletzt, einige andere leicht. Selbslwehr gegen Einbrecher. In Jphofen bei Nürnberg kam e« bei einem Einbruch in die Konditorei Storch zu einer Schießerei zwischen den Einbreckiern und den Verfolgern, wobei der Bauer Guggenberger durch einen Schuß in den Hal« gelötet, der eine Einbrecher durch zwei Lungenschüsse, der andere durch tüchtige Schläge schwer verletzt wurde. Die Einbrecher stammen au« Hannover. Familien tragödie in München. Die 44Iährige Zeitungsträgerin Franziska Bäck war von ihrem Ehemann auf das schwerste miß- handelt worden. In der Erregung stürzte sich die Frau unter lautem Geschrei mit einem Küchenmesser auf den bereits im Bett liegenden Mann und tötete ihn durch einen Stich in» Herz. Die Zahl der Opfer in Saarwellingcn beträgt nocki der Saar« brücker LandeSzeitung 18 Tote, S Schwerverletzte und 40 Leicht- verletzte.— Der Ausschuß der freien Gclvetlschaften fordert, daß die NegierungSkommission unverzüglich eine UntersuchungSkommissioli einzusetzl, du au« Arbeitgeber« und Arbeiterverrretern besteht, und da« Recht hat, eideSstatllicbc Erklärungen aller Personen entgegen- zunehmen, welche über die Fabrikationsweise AuSkunst geben können. Die ersten Diener Plündererprozesse richteten sich gegen 41 meist jugendlich« Angeklagte. Wegen Diebstahls, öffentlicher Gewalttätig- keit und böswilliger Sachbeschädigung wurden Strafen von vier bis zehn Monaten schweren Kerkers, verschärft durch hartes Lager einmal im Monat, verhängt. Schwere vnruhen in Ehicago. In Chicago sind schwere Un- ruhen ausgebrochen, deren Ursache aber nicht angegeben wird. Bei Zusammenstößen zwischen einer Menge von angeblich 166 666 Menschen und der Polizei wurden neun Personen er» schösse». Die Unruhen dehnen sich weiter aus. Die Polizei wurde sehr behindert durch Banden von Frauen, die den Beamten Pf es- fer in die Augen warfen, so daß zahlreiche Polizisten geblendet weggetragen werden mußten. Sport. i Sie Radreun«« auf de« wlnt-rtahi» Im Sportpalast am Sonnerotag abend «aren auch rvieder sehr gut besucht. In allen Rennen dr» umfangreichen Pro- aramm» kam c» zu tebhalien Rämpfen, bei denen sich wieder Lewanow, polar Sieg, Pawlt, Hahn und die E-hrilder Huschte besonder« hervortaten. Einen gweikamps Stabe— Arend irr drei Lauten entschied Stabe nach schärfstem Kampfe knapp zu keinen Gunsten.— Erqcbmss«: siwei kämpf, 1. Lauf Uder 5 Runden: 1. Arend,£ State; 2. Lauf, 8 Runden: 1. Stabe, 2,«rend; 8. Lauf: 1. Stade, 2. Arend.©efamteracinU: 1. State 4 Punkte, 2. Arend 5 Puntl«.— Aus- fcheidungskahreu: 1. Hahn 9 Min. 22M; Sek., 2. Hcffmann, S. Pawte, 4. Otto Tiesi, b. Münzner.— Haupisabren, 10 Runden: 1. Lewanow 2 Min.»OVi teel., 2. Kendelbachee, 3.«toi,, 4. Ad. Huschle.— Betfolgungotennen: Pawte.Hahn leichte Sieger vor Holfmann-Miinzner und«brahani-Haueler.— Entschädi- qungesahren. 8 Runden: x. Stich. Kuschle 1 M!n. S6i4 Sei., 2. Hiepet, 8. Schul,. f. Ootar Tieg.— Prainieitsahren, 100 Runden: 1. Ookar Tieg S3 Mtn. 30Vs Sei., 2. Hahn,» Hensch, 4. Adolf Huscht-, S. R. Müller. Arbeitersport. «. S. V, Hocken. Spielt-rmlne am Sonntag, den 11. Sezenrdee. Spielplatz Schönhauser Allee, tSaudoilratz«: Fichte 10 I— Fichte 1 II 3— lO'tz Harneck.:: Fichte X I— Charloti-nbura 1 lOVV— 12 Tirdmann-Buggenhagen.— Spielplatz Lichtenberg(Rartellsportviatzi: Lichtenberg II— Roland l 10V4—-13 Schröder-Zah n. — Spielplatz SchLnhol, tRuschdorfslratze): Schöiüxol, ll— Moabit u S—SVH Bogel- Riedel. Tonrlsten.Peeel»„Die Stahufrmnbe*. ffaheieir am Sonntag, den 11. De- zember: Abt.«a-bi«.«rkner-Lixlni». Abf. 7,03 Schiel. Bahnhof.- Abt. Renan«. ffücstcmpnH)«— Routn, Abf. 7.00 Bahnhof Rcutölln.— Ab». Seihen- f«. Oranienburg— Sachsenh., Trcfsp. 6,00 Drrlrner Platz.— Abt. Mille. F:n. «nkrug— Schwanentrug, Abf. 8.0V Lehrter Bahnhof.— Abt. Osten. Rassen— Motzensre,»df. 7,00 Potod. Stmf Lagnliof.— Abt. Llchirnberg. Poiooo«— rralan-NummeloburA.— Abt. SteOliz. Strauoberg— ststontog, ben 12. Dezember, Aütdpart, Abt. 8ch>» Blumenthal, Abf. 6,80 Bahnhof Steglitz. Turn, und Sportverein„Fichte, Berlin, ai�niog, u.n.... Sitzung bei vcrein«.NergnUt|unq«i»»ich'.:sfr, bei Senfch, Dreodener Str.>08> abend» 7 Übe.— Montag, den 12. Dezember. Eröffnung de? Badeadendo in der Schwimmhalle Oderberger S trage, abend»»48 Uhr, für all» Rorddbtetlungen, i auch Frauen. Futzball spiele de» Märkischen Splrlvereinignng am Sonntag, den 11. De» ! zembcr, nachmittags 2 Uhr: Wacker— Luckenwalde I in Berlin, Exerzierplatz Schönhauser Mee.— Odersprer— Wilmersdorf tn Oberschönemeide, Spielplatz Wuhlheide.— Fichte-Sesunddrunnen- Germania in Reinickendorf, Thunerstratze iSchöferkee).— Sparla— Adler-Berlin in Lichtenberg. Wagnerftratze.— Turn- verein Pankow— Stralau in Pankow, Tiroler, Eck« Andreas-Hofer-Stratz«.— I. B. E.— Pankow 0« in Iohanniotdol, Am Eicrnbamm.— Riistig-Borw.— Tev- tonia.Reukölln in ReuüSlln, Ralfft-Fnebtitfi-Sirafit lHerztergplatz).— Askonla —Merkur in Köpenick, Marienstr. B».— Bikloria— Adler-Pankow in Tempel- Hof, Am Ranal.— Weitzenfee— Union In Weitzensee, Rennbahn.— Mineroa— Brieffallc» Immer wieder wird Klage darüber geiührt, daß ein Brief oder eine Ponkarle den Empfänger erst nach Woche», Monaten, ja sogar nach Jahren erreichte. Miileilungcn dieser Art, an die sich regel- mäßig Betrachtungen über die„ F i x i g I e i 1 der P o ft" tnüpsen, berühren, wie da« Rerchepostministerrum miticrlt, latsächiich den Belrieb der Post nicht, da ordnungsmäßig adressierte Sendungen bei ihr nicht auf Lager gehalten werden. Geht eine solche Sendung dem Empfänger mit erheblicher Verzögerung zu, so isl mit Sicherheit anzunehmen, daß sie sich beim Einlege» rn den Briefkasten oder umerweg« während ihrer Beförderung in eine Drucksache verschoben hat, die vom Absender in Lindenstr. 8. Sitzung. 14«. Abi. Borssgwalde. Heute»rronstaltet der Gesangverein„Lieberfreunde' «inen„Bunten Abend" im Strandsöiiotz Tegel. Auster den gefänglichen Darbietungen gelangen humoristische Vorträge, Lieder zur Laute usw. zum Poricaa. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. »ernan. Ronserdn, der Sruppe 8 im Ethsium, 7 Uhr.„D!» Roalllion Ist Preusten." Ref. Den. Kendel. Morgen. Sonnteg, den 11. Dezember: 4. Kreil. Prenztaue« To». Früh tz Uhr Flugblaltvcrbreiiung»on den dekann- ten Lokalen au». 83. Abt. Früh 9 Uhr Flilgbialtperbreltung von den dikannlen Lokalen au». 84. Abt. Ad 0 Uhr Fiugblattverbreilung von folgenden Lokalen au«: Rösner, Inimanuelkirchsteast«! Wulfs, Martenburger Straste! Winzer, Ehrtstdurzer, Ecke Winsstraste: Schlltz, Reiiorsiraste 2. Reiner darf fehlen. 23. Abt.(fr III) et 28.). 8 Uhr früh Fiugblatlvekbr-Ituiig oou folgenden Lokalen auoi Sott, Rniprode-, Ecke Barbeledrnftrast»; Aubergee, Friedrderger Straste 1; SchSlzel, Thorner, Eck« Eothentusflrastet Eldlngee«laufe, El- dinger Straste 49. 31. Abt. Bormittaa fflugblattverbreituna von ben bekannten Lokalen aus. Aus- gäbe der Flugblatter um 8 Uhr bci lSoldschmidt, Siolplfche Str. 86. Ebenda melden sich die BezirtssUheec ,»>n Empfang wichtigen Material». Znngfoziattsten. Früh 6 Uhr ah Bahnhof Schoneberg gemeinsame Äandeeung mit der Arbeiterjugend durch den»lumentui. Eekner. Konferenz der Gruppe tz bei Handtke.„Togczfragen der Rommunal- Politik". Gen. Sutschmrdt. �ugenöveranftaltungen. «je weisei dl« im..Verein Arbeiterjugend Geest. Berlin" organifieeten Schüler höherer Lehranstalten auf die am Sonntag, d-n 11. Dezembtr,»S>. «ittegs 10 Uhr. iu der Aula de» Sophlen-Lnzeuwe, Wcinmeisterstraste, von „Schnlgeweindering Grost-Berliu"»eranstaltet« grost« Schitleriundgebung hin. ICUtUUlUl'—> 4» ,jtit.iiviiu;uiJi:, �ir.uiuruuw,._„-■ Fichtenau in Woltcrsdorf, Vovelsdorfer Strafe.— Knulsdorf— Tasdorf m Rauledorf, Frankfurter, Ecke Wilhelmstroste.— Fredersdorf—Retsche Udorf in Fredersdorf an der Ltndcn-Alle«.— Borher spielen die 2. Mannfchaften. Athirtit-Sport-Elnb(e. B.). Mittwoch abend«on Zb8— 1!:10 Uhr Hallen. tratning in der Turnhalle der 80. Gemeindeschule, Wranaelslr. 138, Sonntag vormittag Waldlauf in der Rönigehelde. Treffpunkt und Umtleideloial Nestau- rant Wülfel, Baumschulenweg, Baumschulennr. 60. Statt 10 Uhr in drrt Rlassen: Sfrrckenlitufrt, Spriiilrr und Reullngr. Abfahrt vörlitzer Bahnhef. Geschäftliche Mitteilungen. Die Errrdol-Gefellschast für Herstellung Pharmazeutischer Präparate, Ber- lin W.. BlildwNraste 66.«mpslehlt im Anzeigenteil unserer beuilgen Nummer ihre diversen Präparate, die laut Ankündigung an Unbemittelte bl» 1«. 3«' nunc 1922 auf ärztliche» Rezept toftcnlos aogegeden werden. Wetter bi« Zviintgg mittag. Etwa« kühler, zeitweffe H-Iier. aber sehr unbeständig, im Oitcn zlemlich zahlreiche»nd vielfach starke, im Wesien nur vereinzelte leichte Regen- und«chneelchauer. __ ckenwalde In Weistensee, Rennbahn.— Renkölin— Fr>sch-Fr»i In Aeulölln, i Drenzallee, Judiläumoplatz.— Steglitz— Borussia in Steaütz, Rinastrasie, Ge- ' meindeplatz.— R. B. ck.— Teutonia in Reinickendorf, B.ckelrr Straste tSchäfer- fee).— Adterohvs— Rowawe» in Adlrrehof, Bismarck straf, e. an der Röpenicker , Shausse».-»» Fuhballrlng— Zalkenhagen ln Berlin.— Eltona— Rachenow irr '■Berlin, Exerzierplatz Schönhauser Alice.— Svandau I— Hildebrandt in Spandau, Kaikenhagener Ghaussee.— Eharlotiendurg— Spandau II tu Eharlotien- durg, Replerstr. 29, Bahnhof Zungfernhetde.— Sisenspatterei— Viktoria-Sberz. wald« i» Wotfswinket bel Eberowolde.— Merkur 12— Bernau iu Bernau.— Falk« 1»— Ficht« g in Pankow, Risslngenstroste, Gemeindeplatz.— Tegel— Nord in Tegel, Semelndelportplatz.— Henn igodv rs— Velten In Hennigsdorf, Am Bahnhof.— Hansa— Merkur ld in Hohen-Nenendorf, Angustastraste.— Hertha— Arminia 21 in Reinickendorf, Schiiierpromenabe.— M.®. C.— Luckenwalde 8 in Tempclhcf, Raiscr-Withelm-Ttrastr 21.— Rossen— Luckenwalde 3 iu Rossen. — Lichtenrade— Herta in Lichtenrode. Marjenfeldrr Straße, Gcmeinderlatz.— ZIchte-Slld— Stern-Mariendors ln Berlin, Tempelhoser Feld tcktnsame Pappel). — Aotanta— Teltow in Röxenick, Marienstr. 09.— Potsdam— Rehlenborf in. Potsdam, Bornstedter Feld.— Beelltz— Trebbin In Beelitz, Am Heideland.— Brandeiibura— Rtcker» 1:1 Brandenburg, Musterrvlele Blelower Straste.— Alt- Gltenicke— Niederlehm, in All-Glienicke, Rudower Sirasie 72.— Treptaw-Ssib— mmmA Hei,- und Koch-Apparate besitzen Weltruf Ok»rmll iu Aitern Cualitälg-Erzeugniss« der _»a»et«ch»«»s»i,sch,f,»,»ii»ot7_ Leciferrin zum Aufbau des geschwächten Körpers undlur Erlangung vollwMplK AerztUch empfohlen f Up Blutapmef BleichsQchtigey Geschwächte; sehr angenehm reo ßeschmaclc. in Apotheken.