Nr.SSZ ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe B Nr. 25» Bezugspreis» S!ei!tilI!lIir>.4S.- M, monatl. Ii- 9t itti ins Sau», voraus zahlbar. Post» drzug: Monatlich 12.— M. r!llschl.gu- ftrllungsgrdiihr. Unter Krruzdanb fllr Deutschland, Damig, da« Eaar- und Memelgediel. sowie die ehemal« beut- scheu Gebiete Polen», Oesterreich- Ungarn und Luxemburg 25,— M» für da» übrige Ausland Z2,— M. Postbestellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho- Slowalei, Däne- marl. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der.Borwärt»" mit der Sonntag»- beiiag«.Boll und sjeif, der Unterhaltungsbeilage �eimwelt" und der Beilage»Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn- tag» und Montag» einmal. Telegramm-Adresse: .Sozialdemokrat S-rNa» Abend-Ansqabe c GroO• Berlin 30 Pf auswart« 40 Pfennig D rliner Dolksblstt AnzcigcnvrctS: Die»ehngelvallen: ZionpareiUezell» laste! 7.— M.Sie»» Anzeigen" da«»llaedruckte Wor lt.- ah.(zu- lässtg zw», lettgedrultle Worlel.'ede weitere War,> 50 M. Slellengesuchi und Sch>aistellenome>gen da» erst Wort l 5lZ M.. ede» wellere War l.— M. Worte über 15 Puchstaber zählen sllr zwei Worte. ssamilien-Aii zeigen illr Abonnenten?elle 4.— Z? Die Preise verstehen sich elnschliebli Teuerungsmschlag. Anzeigen tllr die nächste Numnir müssen bis 4', Uhr nachmiliag» im Hauplgeschäsl. Perlin EW lSi. Linden st rage 2. abgegeben werden Geässtr- von S Uhr irllh bis 5 Uhr abends Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Reüaktion and Expedition: SW öS, Linöenstr. Z Skedaktion Moritiplat, lüli»S-tt7 Morihplat, 11733— M Sonnabend, den 10. Dezember 1921 vonvartS'verlag G.m.b.H., Elv d8, Lindenstr. Z rk<-rt,i»irr'es,«-r- lvrrlag,(k-xvedition und Znirrotrn. ' Abteilung Morinpla« II? 33 31 Kanzlerreöe im Reichswirtfthastsrat. Zm Reichswirtschaftsrat stand heute der Eciehentwurf über eine Kreditvereinigung der deutschen Gewerbe zur Beratung. Z 1 hat in den Ausschußberatungen eine Ber- änderung erfahren, die den Zweck der Kreditverweigerung genau umschreibt, ihn jedoch in dem wichtigsten Punkte aufrecht erhält, nämlich ob die deutschen Gewerbe zur Beschaffung der nötigen Gold- anleihen für die Reparationen zusammengeschlossen werden sollen. litach kurzer Begründung durch die Berichterstatter Bernhard und Hachenburg erklärt Tornow namens der f r e i g e» werkschaftlichen Arbeitnehmer ihre Zustimmung zur Vorlage der Krediwcreinigung. Wir halten es für notwendig, dah irgendwoher Mittel für die Reparation beschafft werden und es scheint, daß sie auf diesem Wege am schnell- stcn hcrangeschasft werden können. Wir müssen aber zum Ausdruck bringen, dah die Verhandlung der Kreditaktion durch die Industrie Beunruhigung bei uns und in weiten Kreisen tes Voltes erregt hat. Wir können die Krcditaktion nicht als einen G n a d e n a k t gegen- über dem Volke ansehen, sondern als eine selb st oer stand- l i ch e P f l i ch t. Es scheint aber, als ob die Meinung hierüber in der Industrie geteilt ist. Einzelne Industrielle meinen, damit etwas Auherordentliches zu leisten und dafür bestimmte und weit- gehende Gegenleistungen verlangen zu können. Wir dagegen sind der Meinung, dah die Gesamtheit das Recht hat, auf die Werte, die im Lande sind, zurückzugreifen. Wenn wir auf den Boden der Kreditaktion treten und eine freiwillige Aktion möglich machen, wo sonst ein schärferer und vielleicht drückender Zwang iirtwendig wäre, so ist das ein Entgegenkommen unserer. feits. Die Bedingungen, die die Industrie gestellt hat, würden, wenn sie angenommen werden sollen, von uns eine andere Bc- Kinblung erfahren als die Industrie meint. Sie verlangt die Finanzkontrolle, die Aufhebung der Beschränkungen der Wirtschaft und die Umbildung der staatlichen Betriebe in privat- w i r t s ch a f.t l i ch e. Diese Fordcrungcu werden auf den stärksten Widerstand bei uns und bei weilen volkskrci en flohen. In einem Punkte wünschen wir eine A e n d e r u n g der Vorlage, nämlich im si IS, der von der Anrechnung der Zins- und Amortifa- i i o n s l e i st u n g e n der einzelnen Unternehmungen auf die Steuern handelt. Wir sind dafür, daß damit nur Vermögens- und Besitz steuern abgegolten werden können. A l t r u s ch von den christlichen Gewerkschaften stimmt der Bor- läge ebenfalls zu. deutet aber an, daß innerhalb der christlichen Gewerkschaften Erwägungen im Gange sind, die die Bedingungen der Industrie für die Kredithilfe zum Gegenstand haben und an- scheinend ihnen nicht ganz ablehnend gegenüberstehen. Gege-über dem Ausland w-nst er darauf hin, daß wir uns von den Krediten selbst keine großen Erfolge für die Repara- tirnsleistungen versprechen. Darauf ergreift der Versitzende des Rcichsverbandes der beut- sehen Indu' rie Dr. Sorge das Wort: Die Industrie steht nach wie vor auf dem Standpunkt, dah sie bereit und gewillt ist, ihren Kredit dem deutschen Vaterlande zur Verfügung zu stellen unter den Varausfetzunaen, die ihr die wirtlchaftliche Zukunft sichern. Ich schlage vor, die Abstimmung über den Gesetzentwurf zu vertagen. Die Pressenotiz, wonach ich erklärt boben soll, dah die Galdbe- st ä n d e der Reichsbank zur Ablösung einer Kredsiverpflichtung bei den nächsten Reparationozahlunaen ohne weiteres herangezogen werden können, ist nicht richtig. Mit dem§ 1 des vorliegenden Entwurfs kann ich mich nicht befreunden. Ne'chskanzlec Dr. Mrth: Ich kann nicht verstehen, warum durch eine solche Abstimmung eine Beunruhigung entstehen könnte.(Sehr richtig!) Mit der � 'Verabschiedung des Entwurfs aeben Sie doch der Regierung ein Instrument vorläufig in die Hand, i'm zu zeigen, a'ss welcher Grundlage etwa die Frage der Kreditaktion gelöst werden könnte. Es Ist taktilch immerhin bedeutunn-roll, ein solches Instru- ment durch ein Votum des Reichswirtschaftsrats bereitnest->llt zu haben. Ich habe die interessierten Kreise in der letzten Zeit immer --"beten, mindestens die innere Bereitschaft durch nutzeres Zeichen zu bekimden. Ich bitte Sie deshalb, diesen Gesetzentwurf zu verabschieden. Ich m-ixe sehr gern bereit, beute in Ibrcr Mitte zur La-e zu sprechen. Ich will das beute nicht tun, ich komme dann nicht in die iinanoenc'>me La-n wie.l- err Dr. Sorna, e'was abzuschwächen oder korrigieren zu müsi-w, was ibm in der Tll.-Korrcspondenz r-ehgefagf werden ist. Den Sammer H-d'-ech baden wir wiederhast— geheim wie öffentlich— die Möglichkeiten durchgesvrcchen. Schrille nach der Richlung der Krcdiibrfchasfunz bin sind, wie ich einem Presievcrtreter miteeteilt hebe ofsiz'ell l'nd offiziös untcr-rmmen warben. Dos«"•ftSift? Bemühen der Regierung, für Januar und Februar für Gelddeckung zu sorgen, hat eine argtzere Erörterung hervaro-i-fen: aus der KreMtirng« i st eine Erörterung des Revnrationsproblems ge- worden. Bei Annahme des Ultimati-ms baden wir den he- d»':timn-!y-,g�f, gfgtz iip Rüchziag genroot. dol� die westimrtlch"� li-ch-w For�arunnen nach Annehme des Il'i'n-nh'i-i-n erbehl-ch sein müssen. Dies» Erwartungen baden dl" wlrtlchokinchen Krätie ber ge-�-n � m.>.we-u-ng a-bracht D-nkschhw'hq Tchirs'chafl darf r-schf ttolftf für sich befrachsef m'-Vn. r-w Schicksal der deutschen Wi-ischatt ist verbunden mit t" Wirt'-chast Europas und damit m't der Weltwirttchglt?n dem Auo-nb'-ck. wo von den e-m- N'chcn und französischen Stoatemännern in London gei-ah» diese| Frone diskutiert wird, können mir ein» arosie chedatte nicht füdren, dos wäre nicht nutzdrin-end. Berab'chieden Sie den Gesetzo-tw'-rf als ein Zeichen Inner-r Bereitmigi-ket, an der Löh-ng der Kredit- frage mitzuarbeiten, und sprechen Sie damit die Hoffnung au», daß- die ganze Welt auch an diesem Zeichen erkennen möge, daß in Deutschland a l l e K r e i s e bereit sind, am Wiederaufbau in Deutsch- land und der ganzen Weltwirtschast mitzuarbeiten. Dr. R a t h e n a u, das Mitglied dieses Hauses, wird ja in einigen Tagen Ihnen über seine Eindrücke in London Bericht erstatten können. Freilich ist es auch zunächst besser zu schweigen, wo große Gedanken reifen, an- ■ statt zu reden und nachher zu sehen, wieviel Porzellan zerschlagen ist. sZustimmung.) Wir sehen den nächsten Tagen mit Spannung ! und einiger Hoffnung entgegen. Eohen-Reuß fragt, welche Bedeutung die Hinousschiebung der Abstimmung haben könnt« und tritt für die sofortige Eni» s ch e i'd u n g ein. Dr. Sorg« bleibt auf dem Berta gungsan- trag bestehen, weil die Abstimmuna durch die Sache nicht vorwärts gebracht würde. Reichskanzler Dr. Mr'h weist u. a. darauf hin. daß jetzt der Augenblick da sei. im Hinblick auf die Londoner Ber- Handlungen«ine Kreditbasis zu schaffen. Ich halte es für politisch notwendig,'daß das Gesetz jetzt verabschiedet wird. Ich möchte Sie iragcn, was es für ein« politische Bedeutung hat, wenn man«in Gesetz drei Tage vor dem verfall der Zahlungen schafft? Die Befürchtungen der Industriellen sind unbegründet. Daß damit eine Verpflichtung erwachsen kann, ist selbstverständlich, aber wenn sie nicht erwachsen sollt«, dürfte man an diese Frage nicht herantteten. Nachdem auch Erz. Mermuth sich für den Gefetzentwurf ein- gesetzt hat. wird der Antrag auf Vertagung gegen wenige Stimmen � abgelehnt. Herr v. Siemens spricht dagegen, daß der Regierung mit dem Gesetzentwurf eine Blankovollmacht zur Derfüauna gestellt wird, die zur Folge hoben könnte, datz'die qanze deuische Wirtschaft J nraktisch verkauft werde. Dr. August Müller- betont, datz durch die Bedingungen der Industrie für die Kwdithilfe das Vertrauen, mit 'der die verschiedenen Berufsgruppen. Slasien und Stände in dieser ernsten Frage zusammenzuarbeiten bLtten> schwer erschüttert worden sei. Deshalb müsse man letzt die Geleaenheit wahrnehmen. um dos Bertrouen wiederherzustellen. An erster Stelle steht fetzt nicht, wie He'r v. Siemens gesagt hat, die Wirtschaft, sondern das deutsch« Volk, die deutsche Volksgemeinschaft. sLebbo.s'er Beifall.) Wer mit offenem Blick in die Welt schaut, sieht, daß eine Schicksalsstunde vor uns steht. Es handelt sich setzt nicht'darum, die Wirtschaft zu retten, sondern darum, daß alle Schichten Opferbereitschoft bekunden, um das deutsche Volk, die Dolksqemein'chaft zu schützen. kLebhoster Bei'all.) Lanae wendet sich kür die Eiscnbabnbeamten und Arbeit-w acoen die Forderungen der Industrie aus Entstaatlichung der Eisenbahnen. Nach weiterer Debatte, in deren Ver'aus der Reichskanzler nochmals das Wort ergrifi, trat ein« halbstündige Paus« in den Ver- Handlungen ein, in der über die Möglichkeiten einer Derständigung beraten werden soll._ Kein Moratorium für Deutschland! Aber bessere Methode». Varl». 10. Dezember. svZTV.) Mlnlster Laucheur. der gestern abend von seiner Reise nach London zurückgekchrl ist. hat vr'.and e'.ne Einladung zu einer Ans prach? mll Lloyd George, der auch Löucheur beiwohnen soll, übcrb rächt. Diese Zusommenkunfl soll einer Sitzung des Obe.fien Rate» vorangehen, wenn möglich am l6. Dezember in London, jedenfalls aber noch vor Weihnachten. Louchsur erk.'ärie über feine Reise, seine Eindrücke seien ausgezeichnet. Cr habe nidjl nur mit Lloyd Georgs, fondera auch mit Leuten der Cily und mit Visvounl Churchill verhandelt. Ebenso wie die Re- glrrurg sei die Cily vollkommen von den Rolwendigketten. auf die Frankreich Anspruch habe, überzeug?. Eine llnierhaltunz. die. wie er hoffe, demnächst staklsinde. werde ausgezeichnete Ergebnisse haben. Räch dem„Malin" soll Lloyd Georg? etwa gesagt haben, er verstehe vollkommen die Lage Frankreichs und er bitte Louchcur. die össenl- liche Meinung Frankreich» vollkommen zu beruhigen. Er habe mit Deuk'-bland kein Moratorium abgeschlossen und wolle auch kein» abschließen. D'e Eng'ändcr seien mit den Franzosen darüber einig, daß die Deutschen sehr wenig getan hätten, um ihre Der» pflichtungen zu erfüllen. Sie müß en an ihre Verpflichtungen erinnert werden. Aber In d'e we't herrsche eine Lage, die be'eitigt wrrdcn müsse. Bessere Methoden wnsiken gesucht werden. Lloyd Geo'ge habe h nzugesügt, wenn in der Angelegenheit der R?parailo- ncn gewisse Opfer gebrachi werden müßscn. um ein allgemeines Einverständnis zu erzielen, so werde England sich dem nicht entziehen. — Roch dem„3oa"naI" soll Lloyd George erklärt haben, e» habe niemals in der Absich! der englisthni Realcrung gelegen. Deutschland bcdingunoslos IrgrnVnen Zahlungsaufschub zu gewähren. Der eno'i'ch?■sirrmicriri-ist-r habe da» formell' R-chl Frankreichs auf volle Repa-a'ionwi aner'onnl. obre die m'rl�'aflsich' Anordnung der Me'l ang-'öh't. die K-fastro?''?n nach sich ziehen könne. Die Welt körne nl�'t mehr van einem 7aa ans den anderen leben nnd dürfe nicht meljr von einem nicht erfüllten Zahlungstecmln abhängen. Mlolster Löucheur bot Pari» verlassen, nm st« in Vealeitimg zweier Finanziachveiständioen„ort, London z» begeben, wo er mit Mii ilietzern de« britische» Kabine»« über die allgemeine Lage beraten wird. � wir Opfer. Bon Kurt Franke, politischen Gefangenen im Gerichtsgefängnis Heiligenstadt. Vorbemerkung der Redaktion: Wir be- trachten es als eine Ehrenpflicht der sozialdemokratischen Presse, ihre Spalten dem Notschrei jener unglücklichen Menschen zu öffnen, die im März dieses Jahres Opfer ihres leichtgläubigen Idealismus geworden sind. Kurt Franke war Funktionär der KPD. und wurde wegen Be- teiligung am Märzaufstand zu S Iahren Zuchthaus verurteilt, die zunächst in S Jahre Gefängnis verwandelt wurden. In seinem Anschreiben bittet er auch die Presse der Unabhängigen um Derösfentlichung seines Aufsatzes. Im kommunistischen Organ für Holle a. d. S.. dem „Klassenkamps", lasen wir Opfer der Märzaktion am 18. November dieses Jahres folgende Worte: Vom politischen Standpunkt hat das Proletariat kein Inlerefse an der Freilassung der hungernden Genossin. Ihr Opfer- tod kann die Brutalität der herrschenden Klassen nur enthüllen und den Haß der Massen gegen ihre Bedrücker bis zur Todfeindschaft steigern. Also unser Hungertod erscheint diesen„Führern" als das geeignete Mittel, die sicher schon längst wieder fällige, von den Moskauer Ueberdiktatoren verlangte„Aktion" in Gang zu bringen! Nicht genug damit, daß wir als die Verführten, mit deren politischem und ehrlichem Idealismus Schindluder ge» trieben wurde, in den Gefängnissen und Zuchthäusern schwach- ten müssen und für die Verbrechen gewissenloser „Fuhre r" büßen, während diese sich der Flfeiheit ersreuen, sollte unser Hungertod als neues Hetz- und Provokationsmittel zur Aufpeitschung der Arbeiterklosse dienen und den Zusam- mcnbruch der KPD. verhindern. Wir politischen Gefangenen bedanken uns aber ein und allemal dafür und werden aus dem Erlebten d i e Lehre zu ziehen wissen, die für alle Zeiten uns davor hütet, wieder Feiglingen Vorspanndienste zu leisten, die in der Stunde der Gefahr sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Nicht deshalb sind wir in den Hungerstreik getreten, um die fällige„Aktion" oder den verfahrenen Parteikarren der KPD. wieder in Gang zu bringen, sondern dieser Verzweif- lungskampf war herausgeboren aus dem Wunsch, unseren Seelenqualcn und der bangenden Ungewißheit um d a s L o s unserer Lieben daheim, die, ihres Ernährers be- raubt, sich infolge der katastrophalen Wirtschaftsverhältnisse in großer Not befinden, ein Ende zu bereiten. Das angeführte Zitat kennzeichnet treffend den„ernsten Willen" der KPD.» „alles für die Freilassung der Opfer" ihrer unverantwortlichen Putschpolitik zu tun. Wir politischen Gefangenen haben seit April d. I. die Taktik der KPD. in allen wirtschaftlichen und volitiscken Zeitfragen verfolgt und erkannt, nicht nur. daß durch sie unserer Freilassung nicht gedient ist, sondern auch, daß diese Partei infolge ihrer Phrasen-, Gewalt- und Putsch- olitik jedes Anrecht, noch weiterhin als wirkliche proletarische Arbeiterorganisation zu gelten, verloren hat. Die anarchistische Einstellung, die jedem politischen Anstandsgesübl hohnsprechen- den Varlomentsskandolszenen. die Haltung der kommunistischen Presse, insbesondere der„Roten Fahne", deren journalistische Hetz- und Lügenkunststückchen weiter nichts als e i n e S ch ä n- düng der großen Ideellsten Karl Liebknecht undNosa Luxemburg bedeuten, die unter lebbaftem Beifall der Kommunisten abgelehnte Resolution, die die Frei- lassung der in russischen Kerkern schmachtenden Sozialrevolu- tionäre von der Sowjctreoierunq verlangt, die gemeine Beschimpfung der proletarischen Arbeiterorganisationen, an deren Solidarität man andererseits appelliert, die phrasen- haften, von akademischen Fremdwörtern strotzenden, von keinem Proletarier verstandenen Aufrufe der„Osfensivzen�rale" auch nach dem Putsch, sie haben uns die Augen geöffnet. Ist das nicht eine Taktik, deren Tendenz ollem anderen eher dient als unserer Be'reiung? Muß das alles nicht die maßgebenden Regicrungsinstanzen vor einer Amnestier'mg von Mitgliedern einer solckien Partei zurückschrecken lassen? Die KPD. hat jedes Recht, für unsere Freilassung einzutreten und diese zu ver'angen. verwirkt. Letzt ist es k'rtr, warum dir alte Zentrale(Levi, Däumig, Hoffmann, Zetkin, Braß> der Zentrale der„Offensive" Platz machen mußte! Nicht kleine Meinungsverschiedenheiten, wie z. B. die„italienische Frage" oder die Frage„kleine und reine oder Massemjarsi>i" waren die Gründe, mit denen uns Funktionären der Rücktritt �älsch» licherweise schmackhaft gemacht wurde, sondern beute nach der Veröffentlichung der Entbüllunaen erkennt man, daß der Rück- tritt erfolgen mußte,'im der für das deutsche Vrrtttt'riat so verhängnisnoll gewordenen Putschpolitik wei'e'�en Spie'ra'-m zu geben, da die alte Zentrale derartige Ver- brechen am Proletariat nicht mitmachen wollte. Der Oeisenttichkeit gegenüber das Aiis''ängss'uld der„Menschlichkeit" und des„Mitsüblens" mit uns, in Wirk- lichteit aber weiter nichts als elendeste Heuchelei und"�'S- Nutzung unserer Verzweiflung zur Parfeiprapagonda! M«» tonn sich des Gefühls nicht erwehren, daß gerade die KPD. durch ihre Taktik die Amnestie hintertreibt. Hat man dort vielleicht Angst vor der Abrechnung, die wir miß- brauchten Idealisten nach unserer Freilassung halten werden? Nun ein Wort zu den Enthüllungen im„Vorwärts": Als ehemaliger Funktionär der KPD. erkläre ich vor aller Oesfentlichkeit, daß mein politisches Anstands- und proleta- risches Ehrgefühl, mein Idealismus mir gebieten und so denken fast alle politischen Gefangenen—, derartigen .Führern" für alle Zeit die Gefolgschaft zu versagen. In welch schamloser, lügenhafter Weise hat man unseren poli, tischen Idealismus mißbraucht. Mit einem teuflischen Netz von Lügen bat man uns umsponnen. Nur wenige Beweise dafür, deren ich mich aus der Zeit des Putsche? noch erinnere: „Krieg zwischen Polen und Deutschland ausgebrochen!" „Sipo kämpft gegen Reichswehr!"„In Berlin, im Ruhrgebiet, In ganz Deutschland Generalstreik ausgebrochen!" „Mir find überall siegreich!"„Es ist mn eine Abwebraktion!" „Rußlands Rote Armee steht an der Grenze zum Einmarsch bereit!"„Die proletarische Einheitsfront hergeßellt!"— so schwirrten uns täglich die Meldungen zu. In Ermangelung jeglicher Zeitung und auf Grnnd des großen Vertrauens zu der Ehrlichkeit und Offenheit der großen„Führer" glaubten w'r dies alles. Wer Höste wohl damals geahnst daß wir gewissenkosen Vabanque-Spielern Gefolgschaft leisteten, daß unstre ehrliche Begeisterung nur durch Lügen entfacht worden Ist! Wo trotz alledem keine Aktionslust vorbanden od»r zu erzeugen war, da wurde mit brutaler Gewalt nach- geholfen. Gcheute man doch sogar davor nicht zurück, Funktionäre mit dem Tode zu be- droben! Die ,.Aktions"zentral« hat mit ihren Lügenmeldungen die Tätiakeit der früheren Kriegspresseämter weit in den Schatten gestellt. Nun ist es klar, worum man die Funktio- näre der ländlichen Bezirke damalsvonden entscheidenden Sitzungen ferngehalten bat, in denen der bekannte E b e r l e i n auftrat, also mit offenen Kar'en gesttielt wurde. Der Märzputsch ist ohne Zweifel auf Verlangen der III. Internationale, die durch Rußland verkörpert sind, infze» niert worden. Das Moskauer Marionetten- t b e a t e r hat in den M'-tglisdern dcr kommunistischen Offensivzentrale würdioste Marionetten gefunden, die ein Trouersviel zur Ifrauffübrung brachten, das einzig in der Welfgsschlchte dasteht. Deshalb mußten also so viele brave ebrliche Genossen den Tob erleiden, mußten Taufende ehrliche Arbeiter in die Gefängnisse und Zuchthäuser! All die Toten des Rutsches, ibre Hinterbliebenen, wir Opfer in den Kerkern, untere ber Ernäbrer beraubten Familien sind zu Anklägern gegen diele wirstichen Arbeiterverröter geworden, zugleich aber auch zu einem Wornungs- und Mahnzeichen für die gesamte ArbeH-rklasse. sich nicht wieder mißbrauchen zu lassen. Mit derartigen Rutschen wird nur das Elend vergrößert, dem Proletariat nickt aebols-m. leine Kraft gefchwäckt. Für aste Zeiten möge sich diese Parstikligue. die noch so sckamlos ist, und es beute nock wagt, der Arbeiterschaft unter die Augen zu treten, in der afrikanischen Wildnis etablieren. Deutscher Boden'md deutsche Arbeiter sind wirklich z» schade für die Durckstibrung derartig verbrecherischer Erperimente, Durch die VerZffenLst'h"ng der Enthüllungen sind nicht nur die Interna einer Führerkligue beleuchtet, sondern es ist damit auch uns gefangenen, irregeführten Proletariern und de? gesansten Arbesterklasie ein großer Dienst erwiesen mor- ben, der historische Bedent"ng gewinnen kann, weil«r boffent- lich unsere baldige Frestaffung und die Umkehr der Arbeiter« schast zur Bernunstsposttik zur Folge hgben muß. Das Sprich« wart!„Die Kleinen HZnat man und die Großen läßt mgn kaufen", darf m diesem Falle nicht zu? Wirklichkeit werden. Lanae befinden mir uns schon in ben Gefängnissen und baben reichlich g»büßt Die gesamte sozialistisch? und auch die bürge?« siche Presse läßt jetzt den Ruf nach Amnestierung der irre« Wie Menfthen über öie Straße gehen. von Henni Lehmann. Habt ihr schon einmal überlegt, wie Menschen über die Straß« gehen? E» scheint euch das ganz einfach und selbstverständlich. „Nun, man geht eben von einer Seite auf die andere." Doch beobachtet euch selbst einmal. Ehe Ihr hinüber geht, jjögert ihr einen Augenblick, werft einen Blick von rechts nach links, ob irgendwo ein Fuhrwerk naht, seht prüfend auf den Fohrdamm, ob er sauber oder schmutzig ist.— und dann geht ihr hinüber, gerade, schräg, im Zickzack, mit oder ohne Stehenbleiben, yo, das ist es eben. Nicht nur die Eigenheiten des Weges selbst bedingen es, wie man hinüber geht, sondern Eigenart und Temperament de» Gehenden. Jeder hat da, vielleicht unbewußt, Gewohnheiten und Theorien. Au» Gewohnheiten kann man den Charakter lesen. Da sind die Vorsichtigen. Die gehen nur an Straßenkreuzungen geradeaus auf die andere Seile, nur da, wo ein Uebergangssteiz mit gleichmäßigen Steinen sorgfältig gepflastert ist. So geht man sicherer und sauberer. Es ist freilich oft ein Umweg. Da sind die Eiligen, die unbekümmert Zielbewußten. Sie wollen nach drüben, aber sie wollen auch vorwärts kommen. So gehen sie in der Richtung ihres Weges ganz schräg über den Damm, um möglichst abzukürzen, und sie kümmern sich nicht allzu viel darum, wenn der Uebergang weniger bequem ist und die Stiefel etwas schmutzig werden. Ich muß e, offen bekennen, daß ich zu diesen weniger vorsichtigen. Unbekümmerten gehöre, die keine Um- wege machen mögen— beim Stroßenübergang— im Leben in der Politik. Es ist mir freilich dabei schon passiert, daß ich Übel angefahren wurde von rechts und von link». Doch ich halt« die Augen offen, wo man mich anfahren will, und bin noch immer aufrecht geblieben. Dann sind dl« Unentschlossenen. Zaghaft gehen sie ein paar Schritte vom Fußsteig hinunter auf den Fahrweg. Dort liegt ein Stein. Man könnte sich stoßen Sie machen«inen Bogen um da» Hindern!» Nun stehen st« vor einer Pfütze. Jetzt kommt«in Bogen nach der anderen Seite. Don rechts gellt eine AutoHupe. Don links rasielt ein Lastwagen heran. Sie laufen ängstlich hin und her, o�ve vorwärts zu kommen, und wenn nicht im letzten Augenblick eine feste Hand sie faßt und auf den Fußsteig zieht, geht«ins der Geführte über sie hinweg. Gibt es nicht auch im Leben und in dar Polnik solche Ueberängsllichen, Unentschlossenen? Sie kommen auch da unter die Räder. Nicht besser ergeht ei den Dreisten. Unvorsschtigen, die keinen vkick haben für das. was um sse her vorgeht. Sie achten nicht auf dl» Aut�dupe. nicht auf knarrende Räder der Lastwagen, nicht auf Rosse und Reiter. Sie wollen nun einmal geradenwegs hinüber laufen. Es gibt auch in der Politik solch, Narren, die erzwingen wollen, was sich nicht erzwingen läßt. Schlimm, wenn sie ander« mit sich reißen und zu Fall bringen. geführten Opfer erschallen. Weihnachten, das Fest der Freude und des Friedens naht. Möge man durch unsere baldige Freilassung uns und unseren Angehörigen die schönste Weihnachtsfreude bereiten! Möge die Arbeiterklasse diese Zeilen, die die Meinung fast aller politischen Gefangenen zum Aus- druck bringen, sich einprägen, danach handeln und immer an da» Wort unseres alten Genossen August Bebel denken: „Arbeiter, seht euch eure Führer an!" Treuebekenntnis üer rheinistben Arbeiter. Eine evaruung an die Entente. Köln, 10. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Die Kölner Partei- genossen hielten gestern abend zwei Riesenoersammlungen ab, dl« vollständig überfüllt waren.?n der einen Versammlung erstattete Genosse Scheidemann das Referat. Er führte aus: Heute fei Teutschland das Bettelvolk der Wen geworden. Di« Revision des Friedensvertrages liege auch im Lnter- esse der anderen. In den Siegerländern fei die A r b e i t»» o s i g- keit enorm. Komme das Chaos, so werden die anderen mit in den Abgrund gezogen werden, Di« Erkenntnis von der Schädlichkeit des Friedensvertrages sei bei den Arbeitern der Entente. l ö n d e r im Wachsen. Aber man dstrfe keine übertriebenen Hoff- nunzen auf die Wclircvolution setzen. Daran könnten nur die Jünglinge glauben, die 1914 noch aus der Schulbank saßen, dann an die Drehbank fctr.en, da» Zlgarettenrauchen lernten und glaubten, daß sie große Männcr seien. Deutschland brauche eine Atem- pause, wenn es den gewaltigen Anforderungen nachkommen solle, Di« Hauptsorg« sei, daß die Wöhruflgsfrage gelöst und daß die Mark stabilisiert werde. Es sei ein« vaterlandopslicht der Industrie, die Kredite zu beschaffen. Aber das verlangen dcr Herausgabe der Eisenbahnen sei ein Skandal. Tie Eisenbahnen arbeiten überall, auch wo sie in Privatbesitz seien, mit Defizit. Die Schuldenlasten mühten von drn Eisenbahnbetrieben getrennt werden. Die Schulden müßten amortisiert und verzinst wrrden. Arbeiter und Beamte können eventuell umgetauscht werden, die Verkuppelung ber Eisenbahnen mit Bergbau- und Hüttenwesen sei nicht Übel, nur müsse man dl« Sache umdrehen und tagen, Bergbau und Eisenindustrie gehören zur Eisenbahn. Warum könne nicht da» Reich prozeniucri an der Industrie beteiligt worden? Allerding» müsse dann dcr Staat frei werden von hureaukratischer Siaatswel»- heit. Lürgermeistcr Scheidemann kritisierte sodann da« getzen- wärtige E t e u e r s n st e m. Tie Gemeinden seien in eine schwie. rig» Lag« geraten. E» sei ein Skandal, daß da» Finanzmini- st e r i u m nur im Nebenamte verwaltet werde. Steuer- s ab o tage werde bis in die höchsten Aemte? hinauf getrieben. Briands Befürchtungen feien wüste Phantasiebilder. In Deutsch'and gäbe c» außer einigen existenzlos gewordenen Offizieren und absolut kriegsuntauglichen deutschnotionalen Heim» tri e gern keinen Menschen, der noch einen Krieg mitmachen würde. Scheidemonn bc sprach dann die bekannten Vorgänge bei der Einleitung des Weffenstillstandsoesuches und ging dann zu einer Kritik des vcrhaltens der Kommunisten über, deren Führer er als „politische Schinderhonnes" bezeichnete. In beiden Versammlungen wurde gegen die Umtriebe des Sonderbündlers S m e« t s und gegen fei?« von der R h e j n l a n d» k o m m i s s i o n erzwungene Freilassung folgende Resolution on» genommen: „Die heutig« Versammlung der Sozialdemokratischen Partei Kölns, dl- von mebr als 49M V-rsonen besucht wird, nimmt GelezenheU. gegen die dunklen Machenschaften der Sonder. bündlergruppen«nergisch Einspruch zu erHeden. Me warnen da» Ausland, namevlllck, Frankreich und Belgien, den Einbläsereien cinflußloser Rlenschev. die sich auf unbedeulend« Teils der rheinischen Devölkerung stützen. Gehör zu schenken. Da» rheinische Volk, namentlich die rheinische Arbeiterklasse, denkt nicht daran, sich au» dem Verband« der deutschen Republik zu»äsen. Die rheinischen Arbeiter sind deuksck und wollen deutsch bleiben in dem Gedanken, die sunge Republik zum Friede» Short d«r ganzen Welt zu machen. Wir wollen mit der Bevölkerung anderer Länder in Frieden und Freundschaft leben. Deshalb betrachten die Bersammelten den Ihr achtet auf der Straße nicht auf diese Dinge. Ihr tötet es, sähet ihr. was ich jüngst sah. Ein Mann hatte einen Knaben fest an der Hand gefaßt und riß ihn mit sich über den Fahrdamm. E» raste ein Auto heran, der Mann vermochte sich durch einen Sprung zu retten. Der Knabe wurde überfahren.— Mir fielen die kommunistischen Füh» rer ein, deren Gefolgschaft zu Fall gekommen ist. während sie sich gerettet haben. Für sunge Menschen besonders ist es gefährlich, wenn sie un, vorsichtigen Führern folgen. Es ist gewissenlos, führen zu wollen. wenn man es nicht versteht,— auf der Straße und im Leben. Run muß ich noch eines erzählen, das ich heut beobachtete, wenn es auch nur eine Ktndergeschichte ist.—- Es war Schulschluß. Die Jungen stürmten aus dem Schul- gebäude heraus und stoben nach verschiedenen Seiten auseinander. Einig» standen zögernd vor dem gahrdamm. Sie mutzten zur anderen Seite hinüber, allein es war Schnee gefallen, der war zusammengeweht zu lockeren Haufen, dazwischen standen qlattge- froren glitzernde Stellen. Es war nicht so einfach, hinüber zu kommen. Drei Jungen faßten sich mit entschlossenen Gesichtern an den Händen. Bon recht» lief ein vierter hinzu. Der wollt« sie zuerst noch seiner Seit« hinüber zerren, doch der von links widerstand und zog sie ein wenig zu sich hinüber. Und danach marschierten sie sorg. srnn Hand In Hand in mittlerer Richtung durch Schnee und über Glatteis geradeau», bis sie drüben waren. Sie halfen einander, daß keiner siel. „D a» i st d i e g r o ß e K o a l I t i o n," sagte eine Stimme hinter mir, oder hatte Ich e» nur gedacht? Einerlei, es war doch ganz lehrreich, zuzusehen, wie die Jungen es machten, und ich dachte, auch für un» ist die Hauptsache in Deutschland, daß wir gemeinsam aufdie ander«, dlertchtlg« Seite kommen, denn hinüber müssen wir. selbst wenn«» zunächst einmal durch dick und dünn geht, und wenn einer allein nicht durchkommt, dann müssen wir uns eben on die Hand fassen. Dann wird es gehen. Da wurde mir klar, daß es wohl lohnt, darüber nachzudenken, wie Menschen über dt« Straße gehen. Die neu« yrchesterschule. An der Staatlichen Hochschule für Musik In Eharlottenburg Ist In diesem Semester mit Hilfe des Deut- schen Musikerverbendes die Orchester'ch»'« eingerichtet worden. Di« Prüfungen für sie wurden mit Berücksschttgung aller neuen Prü- fungsmethoden vorbereitet. Eo wurden die Bewerber sowohl vom Berufsamt de? Stadt Berlin wie vom Arzt vorher beraten und untersucht. Außerdem wurde durch Versuch« die psychisch« wie phy. sische Be'chaffenheit der Schüler sestgestellt und im Besonderen ihre Reaktionsfähigkeit und ihr tonlichcs und rhythmisches Auffossungs- vermögen eingebend gevrüft. Die musiknlisch-vraktische Prüfung wurde im Beisein sämtlicher Professoren für Orchesterlnstrumente und unter Mitwirkung de» Deutschen Musskeroerbande« und de» Städtischen Berufsamte» vorgenommen. Bon den vielen Bewerbern sind nur die musikalisch geeignetsten aufgenommen worden. Ihr Eingriff in die deutsche Rechtspfleg« als einen Fehler, der schwer: Folgen für das gegenseitige Dcrhöltnis des devt» schen und franzosischen Volke» haben könnte." An Stelle Sckcidemanne. dcr gleichzeitig in der Paralleloer- sammlung sprach, erhielt Genosse Haas, Köln, das Schlußwort und widerlegte in klaren Ausführungen«inen kommunistischen Redner. der die Taktik dcr KPD. zu verteidigen gesucht halle.—- Mit einem Hoch auf die alte Sozialdemokratie schloß die Bersammlung. Die abgelehnte Schlichtungsorönung. In der gestrigen Sitzung des Reichswlrffchaftkrates erfolgte der Bericht ix» sozialpolitischen Ausschusses über den Entwurf einer Schlichtungsordnung. Ein« Reih« von Abäncerungsan- trägen wurde abgelehnt. Genosse Leipart vom ADGB. wies gegenüber Borwürfen, die von Arb«itgeberseit« erhoben worden waren, darauf hin. daß auch die Arbeitnehmer auf dem Standpunkt ständen, Forderungen müßten der Gegenseite so rechtzeitig vorgelegt werden, daß sie sich vorbereiten und zu ihnen Stellung nehmen könnten. Eine erfolgreiche Lohnbewegung ohn« Streik sei besser als «in siegreicher Streik. Er mahnte die Arbeitgeber, die gesund« Arbeiterbewegung nicht zu hemmen. Für die Möglichkeit staat- licher Schlichtung von Arteitsstreltigkeiten seien die Freien Gewerilch«s:«n stets eingetreten: aber ein Zwang müsse abge- lehnt werden. In dcr Gesamtabstimmung wurde de? Bericht des Ans- schusse» abgelehnt, was erregte Zwischenrufe auf beiden Seiten zur Folge hatte. Ein Antrag auf«in« zweit« Lesung, die heute erfolgen soll, wurde angenommen. « Der Entwurf«Ines llrbeitsnachweisgefetzes ist Freitag im Reichswirtschastsrat verabschiedet worden. Mit geringer Mehrheit wurde er a n g e n o m m e n. Di« freigewerkschaftlich organisierten Arbeitervertreter lehnten Ihn w der Hauptsach« deswegen ab, well die Einbeziehung der kaufmännischen Ange st eilten in das Gesetz nicht«rziell wurde. TeuerungskrawaUe in Weftpreußen. Infolge der ständig steigenden Teuerung Ist es, wie di« SS.» Korrespondenz meldet, in mehreren größeren Orden Westpreußen«. vor allem in Graudenz, Thorn. Eulm und Dirschau, zu Teuerung.'- kra wallen gekommen, in deren Verlauf in Eraud:nz und Thorn sogar MIlitSr auf Anforderung der Polizei mit der blanken Waffe einschritt. In Graudenz, wo der gesamte Wochenmarkt von einer etwa tausendköpfigen Menge ausgeplündert wurde, Hot es dabei auf beiden Seiten Tot« und Verwundete gegeben. Ein Ossizier der Weichselulanen wurde vom Pferd« gerissen und er- s ch l a g en._ Das neue belgische Kabinett. Brüssel. 10. Dezember.(TU.) Die neue Regierung ist gebildet. Ministerpräsident wird Thcunis. Es Ist ein» Koalition zwischen Katheliken und Liberalen zustande gekommen. Als liberale Minister treten auf: Justiz Ianson, Krieg Deveze, Eisenbahn Neujen, Kolonien Francke, Kunst und Unterricht der Professor der Lütticher Universität Hubert. Die Katholiken stellen folgend« Minister: Landwirtschaft Baron Buzette, Auswärtiges Jasper, Inneres Bcrryer, Wiederaufbau van d« Byveren, Handel und Gewerbe Poulette, der gleichzeitig Belgien im Dölterdund vertrill. Sollte der letzter« nicht annehmen, kommt Helleputt« in Frag«. Don den katholischen Mtnistern gehören drei der flämischen Fraktion der katholischen Partei an._ Da» Slraf verfahren gegen Dr. Stadkler wegen Landerverrats wurde vom Oberreichsonwalt eingestellt. Stadtler habe, so heißt es in der Begründung, in freventlichem Leichtsinn gehandelt und das Wohl des Reiches in hohem Maße geschädigt. Do das Gc'ep aber nur vorsätzliches Handeln bestrafe, so könne Stadtler, wenn er auch noch so grob und fahrlässig gehandelt habe. strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden. Unterricht erstreckt sich auf Gehörbildung und rhythmische Erziehung, aus Instrumentalunterricht, auf Zusammensplel und musikali'che Theorie. Uebcr die Einrichtung de» wissenschaftlichen Unterrich-s sind di« Unterhandlungen noch nicht zum Abschluß gekommen. Bermiekung von Sunstwerken. Die heutigen Zeltverhältniss« mit ihrem traurigen Geldstande machen dem Durchschnittsmenschen den Erwerb eines Kunstwerkes schwer möglich. Dennoch suhlt mancher das Bedürfnis nach Kunst und könnte wohl kleine Summen anlegen, die aber einen direkten Kauf ausschalten. So kam man auf den Gedanken, eine Vermietung des Kun st wertes ein- zuführen oder einen evtl. M i e t s k a u f. Die Vermietung wöre die leihweise Hergabe von Kunstwerken zu einem vereinbarten Miel- preise für eine bestimmte Zeit, nach Uebereinkommen zahlbar. Der Mieter hätte den doppelten Aorteil, daß er seine Wohnung künft- lerisch schmücken und das Bild, wenn es ihm gefällt, ln Form dieser Miete, die dann al» Teilzahlung angerechnet würde, bequemer er- werben könnte. Es kommt ferner in Betracht, daß man das Kunst- werk, das für einen evtl. Kauf vorgesehen wird, längere Zeit auf sich wirken lassen kann, ohne an einen Kauf gebunden zu sein für den Fall, daß es den persönlichen Reiz für den Käufer verliert. Es kann auch durch Auswechseln der Bilder der Platz und die Bcleuch- tung für das Kunstwerk genau bestimmt werden, um so die Kraft der Arbeit voll zum Austrog zu bringen. Zuletzt wird noch der groß- Zweck erfüllt, modern» Kunst intimer zu studieren, da man sie in seinen Räumen, durch Ruhe und Zeit, ungestört auf sich wirken lassen kann, ohne gebunden zu sein. Es wtrd im Interesse der Künstler selber liegen, da» Zustandekommen eine» solchen Austausches möglich zu machen. �l. j). Reue Expeditionen zur Rachprüfung der Relakivtlälstheorle werden nach der„Umschau" von England und Amerika ausgerüstct werden, um Im September nächsten Jahres die total« Sonnenfinster- nis zu beobachten. Die Forschungsreisen gehen noch der Nordwest- küste des westlichen Australien, wo die längste Dauer dieses Himmels- Vorganges vom festen Land au» beobachtet werden kann. Der Hauptzweck der Expeditionen besteht darin, von den Sternen in der Nähe der Sonn« in dem Augenblick der völligen Persinsterung pboto- graphische Aufnahmen zu machen und diese Aufnahmen zur Prü- fung der Einstewsthen Theorie zu benutzen, indem die Loa« der Sterne auf den Photographien an Sonnenfinsternis mit Pyoto- graphien derselben Sterne verglichen wird, di« nach diesem Bor- gange genommen werden. Grltausführunqen ber Woche. Sount. nachm. Die Dlbiine: .M a r c e l l a.'— Dienst. Deutichez Tbeater:.Ein T> aumipiel.»_ Donneröt. Schill«-Tdcater:.«in Aintermärchen.'— Rrclt. SchauiPielbauS:.Leoni« u. ijenor-..Diener»weierHerre�.. Tiianon-Thcater:.Frau Gitta« E übne'.-� Sonnab. Nir. Slbol-.. lpielbau«:.DanlonSTod.«— Neue« Böltt-Tbcater:.Die Gr. zierte»'.Der zerbrochen«.«rüg." ttrania.BortrSge. Im Theater Sonniag. DienZtag. Donners- tag. Soanahenb. Sonnlaglch«n Union. eerUill werden. Groß'�erüu §ür finstanü unü gute Sitte. Mein Weg führte mich gestern nachmittags am Metsterfoal in der Kölhencr Straße vorbei, chier zeigte eine«Volks» gemeinschaft zur Wahrung von An st and und guter Sitte' eine Veranstaltung an, und da Ich glaubte, daß unter dem offenbar ironischen Namen sich irgendein humoristischer cherrenklub verbarg und da der Eintritt nichts kostete, so trat ich ein. ych wurde enttäuscht Die Sache war ernst gemeint. Ein paar Dutzend älterer Damen und cherren, von denen man, ihrem Aeußeren nach, mit Wilhelm Dusch sagen konnte: Sie haben alles hinter sich Und sind, gottlob, recht tugendlich— hatten sich versammelt, um nachträglich gegen dl« Aufführung von Schnißler»«Reigen" zu protestieren. Der stellvertretende Vorsitzende dieser..Volksgemeinschaft' eröffnet« um �6 Uhr die Veranstaltung mit den trostenden Worten, daß um 7 Uhr alles vorüber fei, da der Saal dann zu etwas anderem benutzt werden solle. Dann hielt ein Pfarrer Luther eine Nachmittagspredigt über die Sünd- haftigkeit der Welt im allgemeinen und erweckte das Mitgefühl der Versammelten durch das persönliche Geständnis, daß er«überall, wo er seine Augen schweifen ließe, den Gcist des Dirnentums und der Unzucht entdecke', sowie durch die Definition'«Sexuell, das ist der gemeine und niedere Trieb im Menschen.' Der cherr Pfarrer scheint sowohl mit seinen Augen wie mit seinen Trieben Pech zu haben. Andere Leute oermögen noch manches ander« In der Welt zu sehen als Dirnentum und Unzucht, und wissen ihre Sexualität frei von Ge- meinem und Niederen. Unser Mitleid wurde durch Angstgefühle verscheucht, als der bekannte Pastor Mumm, der Schwiegersohn Siöckers, seinen Amtebrudcr auf der Rednertribüne ablöste. Ich hatte den Gottesmann sei mehreren Iahren nicht gesehen und war erschreckt über die ungeheuren Fettmasien, die seine irdische l?üll« mehr und mehr einschließen und die befürchten lassen, daß er bei einem besonders leidenschaftlichen Ausbruch sittlicher Entrüstung von einem Schlaganfall getroffen werden könnte. Mumm sollte etwas für sich tun und r sollte auch, wenn er an einer solchen Veranstaltung mitwirkt, do» Vergnügungsprogramm vorher lesen. Dann hätte er gewußt, Ii ß nach ihm elne Vertreterin des Jüdischen Frauen» b u n d e» auftreten werde, und er hätte sich wahrscheinlich die Ve- »nerkung verkniffen, daß in der heutigen Kunst»orientalische Geilheit' dm Ausschlag gebe. Da auf die beiden evangelischen Gcistlichm ein katholischer und auf diesen die jüdische Dame folgte, so erwartete das Publikum nun das Auftreten eines tanzenden Derwischs. Aber an seiner Stelle produzierten sich einige cherren und Damm— christliche Eltern» bündler, Guttempler usw.—, die weder Mitleid noch Angstgesühl, sondern nur Langeweile erweckten. Ein am Eingang de» Saales sitzender Mann, der anfangs alle fünf, später olle zehn Minuten abwechselnd ein lautes«Vraool' und«Sehr richtigl' hatte oer- nehmen lassen, war allmählich verstummt und schien entschlafen zu sein. Widerstandsfähigere Naturen hielten die Augen offen und oer» ließen dm Ort. Ihnen gesellte ich mich zu. und so vermag Ich nicht zu melden, ob eine Resolution, die an die Anwesenden verteilt war» dm war, zum Schluß angenommen wurde oder nicht. Im Interesse des Anlba'-.i's und der guten Sitte hoffe tch aber, daß es oeschehm ist. S ch i g o l ch. Der Prozeß gegen öie Kappisten. Der Zfolö to öer aufaeklärt. Die Täler in Dresden verhaslet. Die beiden Mörder, die tct Verbrechen an dem greisen Kauf- mann Gabriel Alexander in der Wiclandstratze zu Eharlotten- bürg verübten,«in Benedikt Wehner und ein Motovenschlosser August Scharkvwsbi, sind gestern abend in Dresden verhaftet worden. Kriminalkommissar Gennas war mit seinen Beamten dm Tätern bereits in Berlin auf der Spur gewesen. Die Beamten hatten fest» g-stellt, daß der Kaupttäter. Benedikt Wchner. ständiger Gast des .Eafe Dalles' in der Schönhauser Straße und auch hiluflg im städtischen Asyl In der Fröbelstraße gewesen war. Ueber» all wurden Ermittlungen nach ihm und seinem Spießgesellen ange- stellt. Zuletzt konnte sestgestellt werden, daß sich beide In der Schdn» bouser Straße neu eingekleidet hatten. Diese Feststellung ließ den Verdacht aufsteigen, daß sie nunmehr Berlin verlassen würden. Sie waren, wie sich bald ergab, auch bereits schon abge- reist, und zwar nach Dresden, wo dann ihre Festnahme erfolgte. Die Berliner Beamten sind noch in der Nacht nach Dresden ge- fahren, um die Verbrecher nach Berlin zu überführen. Der ermordete Alexander hatte den Wchner geworben, als dieser ihn in einer Speiseanstalt um ein Almosen ansprach. Der Greis sagte zu ihm, daß er nicht zu betteln brauche, er könne ihn belchäftigm. Wehner ging auch auf sein Anerbieten ein, wie sich svut'.r sedoch herausstellte, nur, um eine weitere Gelegenheit zu einem Uebersall auszukundschaften, von denen er, wie er zu anderen Leuten, die er sür sein« verbrecherischen Pläne gewinnen wollte, sagte, noch mehrere andere«auf Lager' hatte. Schweres«kxplosionsunglück am Spanöauer Weg. In der ehemaligen Munitionsfabrik Reinickendorf-West, Gpandauer Weg 10, erfolgte heute gegen 11 Uhr bei der Unbrauch- barmachung von Fliegermunition eine schwere Explosion, wobei drei Arbeiter sehr schwer verletzt wurden. Dr. Levinsohn von der Rettungsstelle 35 leistrte die erst« Hilfe. Die Verletzten sind Julius Gerhardt, wohnhaft Rammlerstr. 33. Es wurde ihm der link« Unterschenkel abgerissen und der rechte sehr schwer verletzt. Er wurde ins Dirchow-Krankenhaus gebracht. Fritz Schmeiß er, Uferstraße 4, erhielt große Sprengstücke in die linke chüftgegcnd(Dirchow- f.rankmhau»), Otto Irmer, wohnhaft Neukölln, Teupitzer Str. 104, erhielt zahlreiche Verletzungen im Gesicht. Er wurde in das Paul- G-rhardt-Stift gebracht. Alle drei liegen sehr bedenklich danieder. Die Ursache der Explosion ist noch nicht festgestellt. Tie..neue Zeit" bei der Postverwaktuug. In der Reihe der Staats- und Reichsbchörden, die trotz Re- volution und Rcpubltk sich in Stempeln, Schriftstücken, Plakaten und Hausinschriften immer noch als«königlich' oder«kaiserlich bezeichneten, hat bisher die Reichspolt- und Tclegraphenverwaltung * an der Spitze gestanden Jetzt scheint endlich auch diese Behörde zu Spieren, daß der allmählich zum öffentlichen Skandal gewordene Unfug mit der Bezeichnung«kaiserlich', der wie eine freche Der- höhnung der republikanischen Staatssorm wirkte und wohl oft auch als stlche beabsichüqt war, nicht mehr so weiter «trieben werden darf. Es wird gemeldet, daß«die Relchspost- und Teleqraphenverwaltung jetzt am Werte ist. sich neue Siegel und Stempel zuzulegen'. Neugierig sind wir darauf, wann sie mit diesem Wert fertig werden wird und waM, man die in Bor- räumen der Postämter aushängenden Bekanntmachungen, die noch •'-■r-'M't au» der.kaiserlichen' Zeit tra ,en, durch Bekannt- 'vi IV'.f>. t-n-cn Stempel ersetzen wird. Au» den letzten uns belannt gewordenen Fällen dieser Art wallen wir nur er- wähnen, daß in dem Vorraum des Postamts Berlin SW.61 am E.K. Leipzig. 10. Dezember. Der heutige Tag verspricht wie der vorige hohes Interesse. Unter den aufgerufenen Zeugen befinden sich General o. Seeckt, Noske, Hergt, cheinze, Staatssekretär Dr. Freund, Admiral v. Trotha u. a Stresemann ist geladen, aber nichterschienen. Zunächst wird General v. Seeckt vernommen. Er schildert die Borgeschichte des Put» � sches, wie sie allgemein bekannt ist. Der Zeuge geht dann I über zu den Vorgängen in der Nacht vom 12. bis zum 13. März. Besonders ausführlich verweilt er bei der Frage, warum der Brigade Ehrhardt kein militärischer� Widerstand geleistet wurde, was ja grösstenteils a u f d e n � Zeugenselberzurückzuführenist. Der Zeuge stellt eine sehr scharfsinnige Theorie auf, daß gerade das Fehlen eines Kampfzieles die Stimmung der Brigade Ehrhardt er» schüttert hätte. Der Luftstoß sei de? letzte Grund für das Schei- tern des Unternehmens gewesen. Sehr originell, aber letzten Endes nicht überzeugend. Noskes Ansicht, daß ein halbes Dutzend Maschinengewehre das ganze Unternehmen zum Scheitern gebracht hätte, ist wohl richtiger. I a g o w mochte durchaus von dem Zeugest bestätigt haben, daß er berechtigt gewesen sei, an einen völligen Sieg der Bewegung zu glauben. Aber der Zeuge erklärt mit große? Bestimmtheit, daß der größte Teil der Reichswehr keineswegs auf der Seite von Kapp und Lüttwitz gestanden habe und daß das Unternehmen bei einem Kampf im Reiche auchmilitärischzusammen» gebrochen wäre.„Ganz abgesehen," fügt Seeckt hinzu, „von dem Widerstand des Volkes und der Ar- b e i t e r. der eine erhebliche Macht darstellte.' Der nächste Zeuge, Staatssekretär Dr. Freund, schil- dert, wie er durch Geheimrat Doye im Auftrage Jagows seines Amtes entsetzt wurde. Bei seiner Rückkehr ins Ministerium, aus dem er fünf Tage lang ent« fernt war. fand der Zeuge die von Jagow gezeich- neten Telegramme, durch die die demokratischen und sozialdemokratischen Oberpräsidenten usw. abgesetzt wurden. Auf die Frage des Anklagevertreters bestätigt der Zeuge, daß für das Gelingen eines Umsturzes dos Amt des preußischen Innenministers und die Besetzung der Provinzialregierunzen von entscheidender Bedeutung sind. Herr v. Iagow, dessen Berteidigung durch diese Aus- sage einen schweren Schlag erleidet, sucht sie vergeblich m�q-nsronen abzuschwächen. Jagow erhält einen wei- teren schweren Schlag, als er bestätigt, daß die von ihm abge- setz en �>erwaltungsbeamten nicht etwa wegen angeblich man- gelnder Borbildung, sondern deswegen entfernt wurden, weil si« demokratisch gesinnt waren. Nach Freund kommt Oberst v. Schönstedt an die Reihe, in den Kapptagen Chef der Berliner Schutzpolizei. Er will auf Lüttwitz besänftigend eingewirkt haben und sucht darzutun, daß die Haltung der Schutzpolizei korrekt war. Ihm folgt der Chef der Deutschnationalen Partei. H e r g t. Seine sehr breit angelegten Ausführungen find eine Berteidi» gungsrede für die„Lzarmlofigkeit" der Deutfchnationalen. « Die heutige L-rhandwng wird um SZi Uhr eröffnet. Als Zeugen sind u. a. erschienen: Die früheren Minister Dr. Heintze und Noske. der Führer der Deutschnationalen Herst, Vizeadmiral v. Trotha. General v. Seeckt und Generalleutnant Reinhordt. Der gleichfalls geladene Dr. Stresemann ist bei Beginn der Berh-mdlung noch nicht anwesend. Zunächst wird General von Seeckt vernommen. Er macht über die Tage des Kapp-Putschcs folgende Angaben: Da» Vorgehen Lüttwitz' stand mit seinen militärischen Pflichten nicht in Uebcrelnstimmung. Die Anzeichen hatten sich aoer bei mir nicht so verdichtet, daß man einen Beweis gegen ihn als geführt ansehen konnte. Er trat mit den Freikorps in Ve» bindung, um sie vor ihrer Auflösung zu bewahren und mit ihnen eine schlagfertige Truppe zu bilden. Wirtschaftliche Gründe waren hier maßgebend. Ueber die Gefährlichkeit dieser Bestrebungen gingen die Ansichten auseinander. Noske hatte weitgehende» vertrauen zu Lüttwih. Bei den militärischen Stellen war man der Ansickt, daß irgendwelche Unternehmungen wohl geplant seien, aber nicht zur Ausführung gebracht werden würden. Der Generalstabsoffizier Lüttwitz', von Hammerstein, sagte mir, die Offiziere in der Truppe ver- lören die Kontrolle und wüßten nicht, was L ü t t w i tz Slane. Am v. März ging ich zu Roste, um die sofortige Verabredung Lüttwitz zu verlangen. Ich machte ihn daraus aufmerk- sam, daß Lüttwitz am nächsten""age eine Unterredung mit Eberl haben werde und bat Noske. dieser beizuwohnen. Die Marine- brigade bestand au? kleinen Resten der Marine. Der Stamm waren Offiziere und Unteroffiziere, dazu kam noch eine größere Anzahl Personen des Landhcer-s. In die neuzubildenden Formationen paßten die Freikorps nicht h'neln. Die 2. Marinebrigade wurde nach Döbcritz gezogen, damit sie dort aufgelöst werde. Am 10. März fand die Unterredung Lüttwitz' mit Eberl statt. Ich war nicht zugegen. Am Abend kamen die Nochrichten über die Verbindung Lüttwitz' mit Zivilpersonen, genannt wurden mir Kapp, P a b st und Bauer. Bon unserer Seite wurde ouf dl« sosorllge Festnahme dieser Personen gedrängt. Lüttwitz sollte zwangsweise entlassen werden. Die Ereignisse nahmen dann aber rasch ihren Laus. Die Bemühungen, die Marinebrigade von Lüttwitz abzutrennen, gingen von dem Obersten und früheren preußischen Kriegsminister Reinhard aus. Auch mit Admiral o. Trotha hatte ich Besprechungen. Er war gegen die Unterstellung der Marinebrigade unter Lüttwitz. Wenn Lüttwitz den Kapitän Ehrhardt hatte, hotte er die Brigade: denn die F r e i k o r p s w o r e n auf die Führer eingeschworen. Im Laufe des 12. März kamen verschiedene Meldungen über die Haltung der Brigade Ehr- Hardt. Gegen Mitternacht ging ich zum Minister Noske, dort waren anwesend Oberst Reinhard, der General o. Oven, der Adjutant des Ministers Herr Rausch u. a. m. Etwa» später kam Oberst von Oldershausen. Er brachte uns genaue Meldungen, daß wir mit militärischen Angriffen in den nächsten Stunden zu rechnen hätten. Der Schutz des Regierungsviertels war dem Regiment des Obersten v. Tayssen anvertraut. Deutsche Truppen auf beiden Seiten sollten am Brandenburger Tor aufeinander schießen. Mili- tärisch war dieser Versuch ausgeschlossen. Die Brigade Ehrhardt war kampfgcübt und in der Hand de, Führers. Militärisch war der Widerstand also aussichtslos. Wir mußten befürchten, daß die Berliner Truppe sich seh? ungern mit ihren Kameraden schlagen werde. Die politischen Fragen, um die es sich handelte, waren nicht geeignet, Begeisterung zu erregen. Ob der Reichspräsident durch das Parlament oder das Volk zu wählen sei, war den Leuten wohl gleichgültig. Hinzu kam die Gefahr der Roten Armee. Man durfte den einmarschierenden Truppen gar nicht die Möglichkeit geben, als Sieger einzuziehen. Die Truppen zogen bis zum Wuhelmspletz und fanden keinen Gegner vor. Gerade well das militärisch« Ziel sehlte, hakten die einmarschierten Truppen kein Inievesse an der Suche Wir ist nicht bekannt, daß Noske dazu aufgeforderl hätte, die regie-ungs- treuen Truppen aufzumuntern. In den srühen Morgenstunden de, 13. März versammelren sich in der Neichskanziei die Reichsminister. außerdem General Reinhardt, von Trotha, Oven, Oldershausen und ich. Wir blieben bei unserer Auffassung, daß«in Kampf zu vermeiden sei und auch aussichtslos wäre. Dann sand eine Kabinetts- sitzung statt, d«r ich nicht beiwohnte. Roch einiger Zeit kam Naske heraus und sagte zu Trotha und mir, das Kabinett Hab« beschlossen, das lllklmakum Ehrhardts abzulehnen: es follo aber auch kein Widerstand geleistet werden. C» wurde Hann gesagt, daß die Regierung Berlin verlosten werde. Elne Stund« später bettat Lüttwitz das Reichswehrminister'um und übernahm da- Kommando. Oldershausen hatte die einziehende Truppe an der Siegessäule zum Hatten veranlaßt, und es waren dann von dich Trup?» die bekannten politischen Forderungen aufgestellt warben. Ich lwtt« den Eindruck, als ob die politischen Pläne Lüttwitz' nicht sehe klar wären. Im Februar hatte Ich eine Unterredung mit ihm und sagt«, dt« Auslösung der Trupp« erfolg« aus einen Zwang. Mit Ruh» und aus gesetzlichem Wege müßten wir zu erreichen suchen, was olle wünschten. Lüttwitz weinte, wenn es nicht auf legalem Wege gehe, so müßt« es mit Gewalt ge- s ch e h e n. «Wollen Sie einen Slaakssteeich machen?" fragte ich. Darauf sagte er:„NeinI" Am 17. März unterstelle sich die Truppe einschließlich der Brigzde Ehrhardt meinem Befehl. Die Marinebrigad« tat ihre Schuldigkeit. Ehrhardt fügte sich meinen Anordnungen, und die Auflösung der Brigade, die zunächst nach dem Münsterlager verlegt wurde, vollzog sich ordnungsmäßig. Tempelhofer User noch am 17. November 1921 eine Be- kanntmachung ausgehängt wurde, aus der ein Bleistcmpel da» un- veränderte und unausgestrichene«Kaiserlich' zeigt. Wenn einer, der dos nicht als bloße Nachlässigkeit, sondern al» freche Provokation ausfassen zu müssen meint, eigenmächtig das»Kaiserlich" durchstriche, so könnte er sicher sein, eine Anklage wegen vorsätzlicher Sachbe- schadigung zu erhalten und auch verurteilt zu werden. Gasvergiftung i« der Verkflolk. Der Schlostermeistec Binzent Blenczyk und der Dreckslermeister Franz I o d f ch a f t au» der Mlrbachstr. 10 wurden heute früh In der Werkstatt de» Bienezyk, Brandenburgstr. 45, bewußtlos ausgesunden. Der Feuer- wehr gelang e», den SS sährigen Iodschat, der verheiratet ist und drei Kinder besitzt, zu retten und nach dem Urban-Krankenhaus zu schaffen. Bei Bienezyk waren all« Bemühungen vergeblich. Di« Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt. Die Ermittlungen er- gaben, daß Iodschat und Bienezyk am Fvcitagabend zusammen yetneipt hatten und dann gemeinsam in der Werkstatt des B. auf dem Hofe Brandenburgstr. 45 nächtigen wollten. Um die Werkstati zu wärmen, hotten sie einen Gasofen angezündet, von dem der Schlauch abgeglitten war. Zur Kohlenknappheit auf den Eisenbahnen wird uns geschrieben: Die angekündigten Einschränkungen im Personenzugfahrplan werden nach einer Mitteilung der Eisenbahndirektion Berlin bis auf weite resnochnichtzurDurchführungtommen. Die bisher verkehrenden Züge werden bis auf weiteres noch gefahren werden, doch ist die Lag« der Kohlenversorgung in den einzelnen Gebieten außerordentlich ernst, so daß mit weitgehenden Einschrän- kungen gerechnet werden muß. Kind«nd Sptelzrng. yn der Dezemder« Vers-immlunz de» Bunde» entickiedener Schulreioimer am Dienitag. den 13. Dezemder. VI, Mr. in der Aula de» Weincr-SiemenS-RcalgymnasiumS. Habensiaulcnstt. 47/48. iprrchen: Franz Hiller!«Spiet und Aibeit", Waiia»0ntber-»ude!.Tatinleitttricb und Svielzeugwadl». Flse M ü I l e r- O e ft r« I ch:«Nind und Spielwarenindusliie'. In der Ver« sammlung wird jede» Spielzeug gezeigt. Jedcanan» ivilllommm. Theater See Woche. Vom 11. btS l!4. Dezember. «oNaSIlbi», 11., 14.. 1«. u. 18.«»„ig Lear. 1»., U. u. 17.«äff, M-afch. 18. De- Vau«! al» Villionilr.— vpcrnhau»! 12. Carmen. 18. Mignon. 14. Aidelio. 18. Fliegender Holländer. 16. RigoleNo. 17. gaudergeioer, Chriflelfleln. 18. Badem,. 19. Tiefland.- Schanlpielha»,! 19. u. 1». Beer Dynt. 18., 14.. Ii. u. 17. Othello. IS. u. 18. Leanie und Lena. Diener zweier Lerrrn.— Dautfchc, Theaiert U., 14. u, 16. Laut, Ferdinand. 12. Herode, und Mariamne. 18.. 18., 17. u, 18. Ein Traumspiel.-«ammeefrlel», 11.. 18. dl» 11. 17. u. 18.»er Hllhnerhas. 12. u. 18. Del Schwierige.— Lesilns- Theatcr! 11. u. 17. Spielereien einer»aiferln. 12. di, 18.. 18.«enn wie Taten erwachen. 1». Peer Dynt.— Theater in der 8>niqgr8z»r Straße: 11., 17. u. 18. Mona» Cearaut. 12« 13. u. 18. An de, Reiche» Pforten. 14. Onkel Tanja. Iß. Drei Schweliern.— Deutsche» Opcruha««! U. Easta. 12.Theat-r! 11., 12. Rafe Bernd. 18. Jugendfreund«. 17. u. 18. Die Sezierten. Der zerbrochene Krug.— Die TribLuei Die fremd» Frau.— Deutsch«, Yunstler-Zherter! Der heilig« Ambrastua. KamSdtenha»»: Die Fahrt in« Blaue.— Berlincr Thcate-i Prinzessin Olal».— Klein«, Schau- spiclhau»! II. u. 17. ftlli. 12. bis 18. u. 18. Reisen.— Triauan-Theate»,. Kümmere Dich um Amelie.— Rcsidcnz-Theat,» Da,»rite Land.— gentral- Ihcater: Doa Deteliwmädel.■— Jiidifche, Kiinstler-Theatre in bei Somman- dautenftraße- 12., 13., 14. u. 16. Ianlel der Schmied. 18., 17. u. 18. Dybui.— Fricdrich-Wilh-Imstädtifche, Theater: American-Dirl.—»amilch, Oper: Der Herr der Welt.— Lusispiclhau,: 12. bis 14.. 17. u. 18. Die pttlich» Forderung. Hahnrnlampf. 18. u. 18. Peter Brauer.— Metro pal. Theater: Die Straßen- fdngerin. Reu«, Operettcn.Thcater: Die Königin der Nacht.— Thalia- Theateri Schöm' Dich Lotte.— Theater am Nolleudarsplaß: Die Eh, Im Kreise. — Theater de, Westen»! Di« Braut de, Lucullu,.— Kleine« Theater! Iacgue- lin«(Dia Lieb« wacht).— Wallucr-Thrater! Die Tanzgräfin.— Walhalla- Theater: Jung muß man sein.— Theater dea vstrn»(Rose-Theater): Bleder- leute. Da, Blüdchen van Elizanda.—»asira. Theater: Der Weg zum Glück.— Neue, Theater am 8»»: Da, große Leid.— Schloßparl-Theater Steglitz: 11., 17. u. 18. Srtemparafe. 12. Minna-an Barnhelm. 13. u. 18. Jugend. 14. Das Konzert. 15. Mebca.— Folie, Eapriee: Die Dam« Im Bett.— Admtralipalaft: II., 13., 18. u. 17. Ahraladabra. 19., 14., 18. u. 18. Dir raten Schuhe.— Intime, Theater! 18., 15., 17. Die groß« Stadt. Der Schleier.— Theater am Kuefürfleadamm! Der Schwan.- Schaufplelhaua Potsdam: 11. u. 14. Die Paftinellterln. 19. u. 17. Geschloffen« Porsiellung. U. Jedermann. 18. Rasen- montag. 1«. u. 18. Maria Stuart. R-chmIttan,W,rstellNi,g«n. Palkbüh««: U. Da» Postamt. Di» Komödie der Irrungen. 17. Die Sanfemagd. 18. Der Bauer al» Millianür.— Opernhaus: 18. ThristelNcin.— Schauspielhau,! 18. Torquato Taffa.— Deutsche« Theater: II. Dl» deutschen Kleinstädter.!8. Wa» ihr wollt.—»ammrrspielc: 11. 11H Uhr: Tanzmatinee Koren Zadek! 214 Uhr: Frühling, Erwachen. 18. IVA Uhr: Gesang Friß Stelefeld! 244 Uhr! Frühlings Erwachen.- Lcskin». Theatee: 17. Fißlisig.- Theater in der Kanlggratzer Straße- 11. Jede Weis- hett hat einen Katen. 18. An de, Reiche, Pforten.— Deutsche, Speenh-u,- 11. Konzert der Stadt Charlattenburg: 214 Uhr Tiefland. 15. Martha. 18. 5. Sinfonte-Kanzert: 214 Uhr: Der Troubadour.— Schiller.Theater! 11. u. 18. Dan Carlo». 17. Wilhelm Dell.- Große, Schaufpielhau,: 11. u. 18. Eöß van verlichingen. Reue» Balls- Theater: 11. u. 18. Jugendfreund«.— Die TribSue: 11. Mareella. 18. Totentanz.— Komßdlenhau»! 11. Die Sache mit Lala. 18. Der Herr Minister.— Berlin« Theater: Ii. u. 18. Da» Milliarden- »stsvielh«»,: 18. Nachtasyl.— khalla-Theater: u. Das Gänseliefel,— Theater am Rallendarsplatz: 11. u. 18. D»r Betler au, Dingada. 18., 18. u. 10. Leimg'sunden. 14. u. 17. Schnerwetß und Rosenrot.— Thratrr he»«estena: 11. Der«rsten Liehe goldene tzrit. 14. u. 17. Kiinsel und Gretri. 18. Da» Märchen vom verliebten Troll.— Wallner-Theatei! 11. Nochen.— Walhai!«- Theater: II., 14., 17. u. 18. Firlesonz. der Puppendoktor.— Theater de, Ollen, (Rose-Theater): 11., 17. u. 18. EaldhSrchena Simmelfahrt.— Kasino-Theaterl 11. Martin» Abenteuer.— Folie, Sapelee: 11. Die Schiffbrüchigen.— Admieal». Palast: 11. U. 18. Die roten Schuh«.— Jattme, Thratrr! 11. Ein« Licbesnacht. Rechter Hand, linker Hand. Der Herr, ber unverwundbar ist.— Theater am Kurfürstendamm« 11. Sar.zmctine» Baleaka G,rt. 18. fflunbuty. Wetter für morgen. verlit« und Umgegend. Eitra» wärmer, überwiegeyd bewölkt mit leichten Regensällen und witzigen iüdweftlichen Winden. Srofi-Serlkner partelnackrichten. 1«.«St.. Traptow. Die»euaffen treffen sich«annia«. 1> Dezember, früh 8 Uhr. bei Stephan,«raehltr.>. zur Bertetlimg aen Mugl-iäilrni Ii» den«pnsum Püttlllichea Erscheinen wird erwartet. GewerMastsbewegung der Streik auf üer Hochbahn. Die Funktionäre der Hochbahnangestellten beschlossen in ihrer gestrigen Versammlung gegen 2 Stimmen, der heutigen Vollver- sammlung die Annahme des Schiedsspruches zu emp. fehlen. Der Arbeitgeberoerband für dos Straßenbahn- und Kleinbahn- wesen lehnte es, wie wir bereits meldeten, ab, sich dem Schieds- spruch zu unterwerfen. Heute ist der von ihm angerufene Tarif- ausschuß zusammengetreten, um einen Schiedsspruch über den Konflikt zu fällen. Die Arbeitnehmer haben es abge- lehnt, zu diesen Verhandlungen zu erscheinen. Aus diesem Grunde sah sich der Tarifyusschuß außerstande, einen Spruch zu fällen. In seinem Beschluß sagt er,„daß für die endgültige und bindende Entscheidung des vorliegenden Streitsalles allein die tarif- liche Instanz berufen ist, und daß der Schlichtungsausschuß Groß- Berlin gegen die Z§ 20 und 21 der Schlichtungsordnung vom 23. De- zember 1918 verstoßen hat, als er sich mit dem Streitfalle befaßtes Aus diesem Grunde kann der Tarifausschuß den Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses als zu Recht bestehend nicht anerkennen. In der heute mittag stattgefundenen Volloersammlung der streikenden Hochbahner gaben S i e m a n n und K n o b e l den Be- richt von den Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß und unterbreiteten folgenden Antrag der gestrigen Funktionärkonserenz: „Da uns zum 1. Januar noch ein schwerer Kampf bevorsteht, um die Errungenschaften, die über den Reichsmanteltarif hinaus- gehen, zuhalten, beschließen die Funktionäre, ihren Kollegen das Angebot zur Annahme zu empfehlen, um ein unnötiges Ver- geuden der Kräfte zu verhüten." Bis zum Schluß des Blattes hat eine Abstimmung noch nicht stattgefunden. Der Schiedsspruch in der chemischen Industrie. Die Funktionäre der Arbeiter in der chemischen Industrie nahmen am Freitag Stellung zum Schiedsspruch des Jen- tralschlichtungsausschusses Chemie, der am Donners- tag gefällt worden ist. Der Schiedsspruch besagt:„Der Zuschlag zu dem Novemberlohn beträgt für den Monat Dezember für Handwerker, Betriebs, und Hofarbeiter über 20 Jahre in Ortsklasse A und B statt 40 Pf. 1,90 M., in Ortsklasse C und D 1,80 Mk. Ab 1. Januar 1922 erhöhen sich diese Zu- schlüge um weitere 50 Pf. pro Stunde. Für Arbeiterinnen über 1 8 I a h r e. in allen Ortsklassen erhöhen sich die November- löhne für Dezember statt um 22 Pf. um 1,20 M. pro Stunde und im Monat Januar 1922 um weitere 35 Pf. Die Löhne der anderen Altersklassen«erden nach dem bis- herigen System prozentual errechnet." Bevollmächtigter R c i m a n n führte aus: Mit den vorliegenden Anträgen auf Urabstimmung sind wir einoerstandem Ich mache aber darauf aufmerksam, daß wir diesmal weitere VerHand- lungsmöglichkeiten nicht haben. Bei der Abstimmung kann es sich also nur um die Frage handeln, ob Annahme des Schiedsspruchs oder S t r e ik. In der sehr regen Diskussion erklärten sich alle Redner für die Urabslimmung, die gegen wenige Stimme« beschlossen wurde. Spätestens bis Mittwochabend muß das Bureau des Fabrikarbeiter- Verbandes im Besitz des Abstimmungsresultates und des Stimm- zettelmaterials aus den Betrieben sein. Die Tarifkommission wird dann cm Donnerstag das Ergebnis prüfen und veröffentlichen. Sollte der Streik beschlossen werden, so werden die Funktionäre sofort wieder zu einer Versammlung zusammenberusen. B o r h e r darf keine Aktion unternommen werden. Zum„Notschrei der Feuerwehrbeamten". Vom Verband Deutscher Berufsfeuerwehrmänner wird uns gc- schrieben: In Nr. 580 berichtet der„Vorwärts" über eine„Be- richtigung", die ihm vom Verband der Kommunal- b e a m t e n auf Grund des§ 11 des Preßgesetzes zugesandt wurde. Der„Komba" muß sich also doch einer Schuld bewußt sein. Aus den Ausführungen in Nr. 565 des«Vorwärts" ist doch klar zu er- sehen, daß sich der Vorwurf nur gegen die heute geltende Ein- gruppierung der Berliner Feuerwehrbeamten richtet Und da waren es die Führer des„Komba", die Herren Hannemann und S ch e i b I g, die in. zwei Versammlungen der Feuerwehrbeamten Groß-Berlins erklärten, sie könnten den Feuerwehrmännern nur Gruppe III/IV zubilligen und müßten weitergehende Forderungen im Auftrag ihrer Organisation bekämpfen. Wir begrüßen die Wandlung in der Ansicht des„Komba"— auf die Gründe wollen wir hier nicht eingehen— und stellen fest, daß der Lorwurf nicht der heutigen Berliner Führung im „Komba" gelten konnte. Ob der„Komba" seine Pflichten den unteren Beamten gegenüber so erfüllt, wie er sie nach der Beitrags- leistung erfüllen müßte, ob er sie insbesondere bei der letzten Teue- rungsattion ohne das Eingreifen der Feuerwehrbeamten, der Ge- werkfchaftskommission und der sozialistischen Presse erfüllt hätte, soll ebenfalls hier nicht untersucht werden. Di« Frifeurgehilseu beschäfigten sich in einer Magliederverfamm- lung mit der Preiserhöhung in ihrer Branche. Nach dem Bericht der Lohnkommission sollen die Löhne um 35 Proz. erhöht werden, so daß der Mindesilohn für Herrenfriseure 270 Mk. bettägt. Gleichlaufend jedoch mit dieser Lohnerhöhung geht die in der Presse schon mitgeteilte Erhöhung der Bedienungspreise. In der lebhast geführten Diskussion wurde die Notwendigkeit der Preis- erhöhung anerkannt, aber die Unterstützung der Gehilfenschaft wird davon abhängig gemacht, daß das Lohnabkommen auf der zugesagten Grundlage von 35 Proz. mit der Preiserhöhung gleichzeitig er- folgt. Die Lohnkommission wurde beauftragt, in diesem Sinne um- gehend mit den Arbeitgebern zu verhandeln. Im Zentralbureau der Firma Schullheiß-Pahenhofer werden feit Januar d. I. in der Hauptbuchhaltung s y st e m a t i s ch Ueberstundenarbeiten geleistet. Die daran beteiligten An- gestellten haben im Monat 700 bis 900 M. Mehrverdienst. Weiß die Firma nicht, daß es arbeitslose Buchhalter gibt, l die sehr gern diese Arbeiten„vorüb ergebend" leisten würden. Wo ! bleibt da das soziale Verständnis der sonst sich so loyal gebärdenden Firma? Und was sagt der Betriebsrat dazu? Sieht er so etwas nicht? Dieser unhaltbare Zustand muß so schnell wie möglich beseitigt werden. Charlottenburger Gewerkschaftskommission. Zum Zwecke der Einreichung einer einheitlichen Liste zur Neuwahl zum Gesellenausschuß für die Handwerkskammer Ber- l i n, die diesmal noch nach der Wahlordnung vom 31. August 1890 vorgenommen wird, werden die Altgesellen der in Charlottenburg, Neukölln und Schöneberg bestehenden einzelnen freien und Zwangs- innungen gebeten, umgehend ihre Adressen dem Obmann der Char- lottenburgcr Gewerkschaftskommission, Otto Flemming, Pestalozzsstr. 13, mitzuteilen, da bis zum 17. Dezember die Wahl beendet sein muß. aller Welt. Wegelagerer. Freitag vormittag lauerten vor dem Tore der Siemens-Glosfabrik Freithal in Sachsen maskierte Radfahrer dem von der Bant zurückkehrenden Kassierer auf, warfen ihm Pfeffer in die Augen und enttissen ihm die Geldtasche mit 100 000 bis 200 000 M. Lohngeldern. Die Täter entkamen mit der Beute. Deutscher Dampfer bei Sylt gestrandet. In der Nähe des Sylter Badestrandes ist der 1800 Tonnen große deutsche Dampfer„Elisabeth Cords", mit Kohlen von England nach Rostock unterwegs, im Nebel gestrandet Der Dampfer gilt als ve r l o r e n. Die aus 14 Mann bestehende Besatzung konnte gerettet werden. Gefängnis für„Deutschland, Deutschland!" Der Geschäftsführer eines Düssctdorfer Gasthauses wurde von der Bssatzungsbehörde zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt, weil die Kapelle das Deutschlandlied gespielt hatte. Der Kapellmeister wurde zu derselben Straf« verurteilt. weil er sich die haare nicht schueiden lassen wollte und somit seinen Kollegen ein schlechtes Beispiel gab, mußte der Gefreite Ernst K r e st y n von der 5. Feldkompagnie des 1. tfchechoslow. Inf.- Reg. 13 zu Sumperk(?) fünfzehn Tage Einzelhaft verbüßen,«o befahl schriftlich der Kommandant Kapitän Schneider und Dr. Zeleny hat die Fähigkeit zum Strafantritt bescheinigt. Urkund dessen die Strafkarte. Wir zweifeln nicht, sie wird noch einmal«ine Reliquie der Langhaarigen sein. Gifigasverbot? 3m Gegenteil! Das technische Komitee der amerikanischen Delegation hat in einem Bericht das Verbot aller chemischen Kriegsmittel empfohlen. Man erklärt aber, daß dieser Standpunkt nicht von allen Technikern geteilt wird. General Frycs hat gestern einen Vortrag im Institut von Baltimore gehalten, worin er die Beibehaltung der giftigen Gase als Kriegsmittel fordert. Das Institut hat daraufhin einen Beschluß gefaßt, der die Schaffung großer Mengen von Giftgasen fordert. verantw. tilr den redakt. Teil: De. Weener Peiser, Chnrlottenburs: kllr An. «igen: Td. SIncke, Beelin. Verlag Borwärts-Berllig D. m. d. H.. Berlin. Druck: BorwSrts-Buchdruckerei u.Berlagsanstalt Paul Singer u. So.. Berlin. Lindenstr. Z. Puppenwagen. 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Offen I, Osten II: Soul» Stempln, T'lNler Elr S> Ttoriz-Os!. weiyensee. Hohen- SchSnhansen: Emil Hetzet. (vre istoalder Str. 157. dlesnnbbtnnnen. pantow Rei- nlckenborf-Ost:Friedr(Eilha d. BadUrahe. Ecke But>mannstrahe. tlharlottenbnrn: Werner. Wall» Ilrahe 36 ZrieSonan. Steglitz, cichter'elbe, Lankmitz: Schellhase, Steglitz, 3>horu>raiie 15 a. Zohnnnlothol. Ober- Schbne- tvelbe. iZaumschn'enm.g: Felix Witte, R>eder»Schi>new«tde. Griinauer-, Ecke Fenn'ratze. Ren SUn Ii Eommer.eld, Stein» nietzllratze 35 ItenlSlln II> Wolf(Znh. Warn!«), Stirchho llratzr 4t. Setntckenborf- wefl. Tegel. Hern», borf. yennlgoborf: Atlh. Tornau'. Tegel, Schlieper» llratze 64 ? i lanwerber. Restaurant Richter, Hohenneurndori, Oranienburger Straß, ?r»bnn: Tllrkische, gelt, Bi� marck». Ecke Moltteltratze. Zehlenborf. Tello». wnnnlee: A.dert Hossmanu. Zehlendar,. Teltower Siratze ZI. Sflbroefl. Sübcn, SObofl. Iren- loto: Restaurant Müller, Schon» leinltr. 5. »erben I t Leopold Mletle. 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