nr.5$4 ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe A Nr. 295 Bezugspreis: Stcrteljaljci. 45,— ült, monall. 15,— M. frei ins Ha»», norou» zahlbar, Postbezug Monatlich lZ,— P!. einschl. Zu- slellungsgebiihr. Unter Kreuzband für Deulschland, Danzig. da» Saar» und Memelgebiel, sowie lue ehcmal« beut- schen Gebiete Polen», Oesterreich- Ungarn und Luremburg 25,— M., für da» übrige Ausland 32.— M, Post- destellungen nehmen an Oesterreich» Ungarn. TIÄiecho» Slowakei, Däne- mark. Holland. Luremburg, Schweden und die Schweiz, Der.Vorwärts" mit der Sonntags- beilage„Poll und Zeit", der Unter- Haltungsbeilage.Lcimwelr" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" ericheinl wocheniäglich zweimal. Sonn» tags und Montags einmal. Telegramm» Adressen �Sozialdemokrat BerNa- Sonntags Ausgabe lihicv Polhölilatt (60 Pfennig} Anzeigenpreis: Di« zehngespaltene Nonpareillezell« kostet 7.— M..kleine Anzeigen" da»>ettgedr>lckte Wort 8,— M. szu» lässig zwei iettgednickte Wortes, jedes weitere Wort 1,50 M. 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Z Ne-rnkAre-etK»?- Verlag, Srvedition und Inseraten- Morinplat» ,l75Z-»« Wirth gegen Irantreichs Deutfthenangst Der Reichskcmzler Dr. Wirth gewährte dem Berliner Ber. trcter des„Matm", Herrn Paul Genty, heute eine Unterredung, in der er über die Frage der angeblichen deutschen Rüstungen folgen- des ausführte: In der Sitzung der französischen Kammer vom Don- nerstag sind über den Zustand der deutschen Rüstungen und über die angebliche Bedrohung des europäischen Friedens durch deutsche Offensio-Pläne aufs neue ungeheuerliche Behauptungen aufgestellt worden, die ich im Interesse der friedlichen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland nicht unwidersprochen lasien darf. Herr Lesevre behauptet, die Reichswehr fei für den Fall der Mobilisierung dazu bestimmt, die nötigen Cadres für die Freikorps zu liefern, die in Deutschland vorhanden seien. Demgegenüber stelle ich fest, daß in Deutschland alle Freikorps durch Verordnung des Reichspräsidenten a u f g e l ö st sind und daß diejenigen, die sich an der Bildung solcher Freikorps beteiligen, den gesetzlichen S t r a- fen verfallen. Die Bildung von Gcheimorganisationen wird von der Regierung, wie jedem bekannt ist, der die Entwicklung in Deutschland kennt, mit Energie verfolgt, einer Energie, zu der sich die Regierung der demokratischen Republik schon aus innerpolitischen Gründen oerpslichtet sieht. Herr Lef-vre spricht in diesem Zusam- menhang auch von angeblich vorhandenen Aufmarschlinien der deutschen Armee hinter dem Schwarzwald, die von Stuttgart nach der Schweiz verdoppelt seien. Davon ist in Deutschland kei» ncm Menschen etwas bekannt. Die Frage der Waffen funde in Deutschland und der geheimen Bewaffnung mit verbotenen Waffen spielt in der Rede des Herrn Lefövre ebenfalls eine große Rolle. Man behauptet, einen Iagdkarabiner gefunden zu haben, der in 30 Minuten in ein Infanteriegewehr umgewandelt werden könnte. Tatsache ist, daß kürzlich von der interalliierten Kontrollkommission bei einer Kraft- fahrabteilung in Cannstatt ein einzelner neu gefertigter, aber für scharfen Schuß unbrauchbarer Karabiner vorgefun- den worden ist. Es ist richtig, daß da und dort Gewehre und andere Waffen in geringer Anzahl gesunden werden. Beson- deres Aussehen scheint die Aufsindung von 500 Geschützrohren in einer kleinen sächsischen Fabrik gemacht zu haben. Ich habe mir über diesen Fall genau Bericht erstatten lassen. Es handelt sich dabei nicht etwa um Geschütze, also nicht um fertige Kriegswaffen, sondern um Geschützrohre aus Rickelstahl, die vor Kriegsende fertig- g e st e l l t worden waren, aber infolge des Waffenstillstandes nicht mehr zur Ablieferung an das Reich kamen. Der Besitzer der Fabrik hat nun diese Rohre in der Absicht, das Rohmaterial bei seiner a u f den Frieden einge st eilten Fabrikation zu ver- werten, fllr sich behalten und verborgen. Don den großen Kanonen des Modells 7 7, von denen Herr Lefevre sagt, daß sie noch nicht entdeckt seien, war nur eine sehr geringe Anzahl vorhanden. Es wurden während des Krieges im Ganzen sieben dieser Riesengeschütze hergestellt, von denen vier be- reits während des Krieges unbrauchbar geworden und zerstört wor- den sind. Die übrigen drei sind im Laufe des Jahres ISIS zer- schnitten und verschrottet worden. Eine besondere Bedeutung hat Herr Lefevre dem Vorwort bei- gemessen, das General Seeckt einem zur Ausbildung der Reichswehr bestimmten Reglement beigegeben hat. Seine Interpretation dieses Vorwortes als eines Dokuments, das in offener Weise den Angriffskrieg vorbereitete, hat aus der französischen Kommer selbst heraus Widerspruch erfahren. Auch ich kann feftstellen, daß in diesem Lorwort von Offensive mit keinem Wort die Rede ist. Es wäre ja auch mehr als unsinnig, wenn Deutschland beabsichtigen würde, mit den geringen, ihm verbliebenen Kampfmitteln einen Angriff gegen einen semer Nachbarn zu unternehmen. Da jedoch die Unoerletzlichteit der lsr»n- zen des Deutschen Reiches weder durch den Friedensvertrag noch durch den Völkerbund garantiert ist und Deutschland deswegen m i t der Gefahr eines Angriffs immerhin rechnen muß, so muß es die ihm verbliebene Wehrmacht fo ausbilden, daß sie zu einer Verteidigung der Grenzen des Reiches tauglich ist. Dazu gc- hört die Unterweisung der Reichswehr in der Abwehr auch der- jenigen Kampfmittel, über welche die Reichswehr zwar selbst nicht verfügt, mit deren Gebrauch durch den Gegner sie aber zu rech- nen hat. Die Ausführungen des Abg. Lefevre wurden vom Kriegs- minister Barthou ausdrücklich bestätigt und noch erweitert. Ich bin deshalb genötigt, auch Herrn Barthou einiges zu erwidern. Es ist nicht richtig, daß der oberfchlefische Selbstschutz über Panzerzüge verfügt habe. Als der Polenaufstand ausbrach, wurden Eisenbahnwagen, deren sich der übrigens von den alliierten Regierungen gebilligte Selbstschutz bedient«, mit improvisierten Schutzvorrichtungen versehen. Man verbarrikadierte die Wagen mit Brettern. Bohlen. Beton, Betonplatten, Sandsäcken, und da und dort auch wohl durch Metallschutz. Ebensowenig wie Panzerzüge, gibt es in der deutschen Reichswehr neu k o n- struierte Maschinengewehre, die nach den Angaben des Herrn Barthou seit 1918 in zwei neuen' Modellen hergestellt wor- den sein sollen. Ich füge hinzu, daß über alle diese Beschwerden zwischen der deutschen Regierung und den interalliierten Kam- Missionen eine Fülle von Noten ausgetauscht worden sind, in denen das Meiste wohl zur Befriedigung der letzteren klargestellt werden konnte, so daß ich die Bedeutung nicht verstehe, die man jetzt in Frankreich der deutschen Entwaffnungsfrage aufs neue bei- mißt. Ueber diese Frage bestand im Oktober d. I. in Frankreich offenbar vollständige Beruhigung, denn am 21. Oktober erklärte Herr Briand in einer Rede vor der französischen Kammer ausdrücklich, daß Deutschland ollen Forderungen auf Entwaffnung und Zerstörung des Kriegsmaterials, auf Herabsetzung feiner Wehrmacht und Auflösung seiner Einwohnerwehren entsprochen habe und daß eine Ge- fahr für Frankreich nicht mehr bestehe. Der französische Minister- Präsident berief sich damals ausdrücklich auf die Berichte der französischen Vertreter in der Kontrollkommission, welche die Ergebnifse der Entwaffnung als befriedigend bezeichnet hätten. Auch General Rollet selbst hat, wie Herr Briand mitteilte, auf eine Anfrage, ob er ernstlich an die Möglichkeit eines Widerstandes der deutschen Regierung glaube, verneinend geantwortet. Ich glaube nicht, daß seit dem Oktober d. I. in dem Zustand der deutschen Eni- waffnung Veränderungen eingetreten sind, welche das Mißtrauen rechtfertigen, das in den französischen Kammerverhandlungen zum Ausdruck kommt. Die deutsche Regierung ist nach wie vor der Mei- nung, daß alles geschehen ist, was die Vorschriften über die Entwaffnung von ihr fordern, und ich kann nur wiederholen, was Herr Briand im Oktober d. I. selbst bestätigte, daß von Deutschland dem europäischen Frieden keinerlei Gefahr droht, wenn man es seiner friedlichen Arbeit und der Entwicklung seiner demokratischen Einrichtungen überläßt: Ankläger. Sa5 Aeihnachtsseit der lilärzopfcr. Line Bitte an die„Vorwärts"- Cciep» Der Brief Kurt franhee In der gestrigen Hbend- auogabe unseres Blattes greift uns allen ans Bcrz. Scheidewände, die künstlich aufgerichtet wurden, fallen. Mo wir haßerfüllte Gegner vermuteten, erblicken wir irrende Brüder, denen nicht die geballte fault gebührt, sondern die offene Band. Das Los der Gefangenen aus dem mitteldeutschen Marzaufftand ist furchtbar. Tide von ihnen glaubten, für die höchsten Ziele der Menschheit ihr Leben einzusetzen, und nun müssen Tie erkennen, daß sie nichts anderes sind» als Opfer eines grenzenlosen Betruges, denn die Stunde ihrer Befreiung schlagt— und wir hoffen, sie wird bald schlagen—, werden sie, ein für allemal gefeit vor gewissenloser Irreführung, mit uns für eine bessere Zukunft des arbeitenden Volkes kämpfen. Indessen befinden sich ihre famillen in bitterer Not. Bundertc von frauen und Kindern sehen einem trostlosen Meihn achten entgegen, da der Vater, der Grnährcr, im Gefängnis fitzt. Ihnen wollen wir zeigen, daß sie trotzdem nicht ganz verlassen sind» daß es noch Menschen» Klassengenossen und-genolfinnen gibt, die ihrer gedenken. Die Zelten sind hart» jeder hat genug mit sich selber zu tun.'Crotzdem wagen wir die Bitte an unsere Leser— und wir wissen, sie wird nicht vergeblich sein: Belft uns, den famillen jener Gefangenen eine kleine deihnadits spende auf den Osch zu legen. Gebt soviel Ihr könnt und gebt rafch! Richtet damit ein sichtbares Zetckcn auf dafür, daß das Gefühl der Zusammengehörigkeit die Hbgründc überbrückt, die von verbrecherischen Bänden zwischen Hrbcitcrn und Arbeitern aufgerissen worden Tin dl Mir leiten damit, im GinvcrTtändnis mit dem Darteivorftand» eine Sammlung für die famillen dcrMSrzgcfangcnen ein und erbitten auf Postscheckkonto Berlin 37536, Vorwärts- Verlag G.m.h. B., unter dem Kennwort„Märzopfer", das auf dem Abschnitt zu vermerken ist. Die ßedahiloo des„Vorwärts", E. K. Leipzig, 10. Dezember. Bisher waren im Prozeß gegen Iagow und Genossen nur Ankläger wider Willen zu Wort gekommen: Schwerbelastete Mittäter, denen trotz vorgetäuschter Gedächtnisschwäche Eides- zwang oder geschickte Fragestellung kleine Geständnisie entriß, oder aber leblose Zeugen, unvorsichtige Briefe und sonstige Niederschriften, deren Urheber jetzt wohl viel darum gäben, wenn sie diese zur Geheimhaltung bestimmten Schriftstücke nie- mals verfaßt hätten. Gerade auf diese Urkunden muß immer wieder hingewiesen werden. Sie sind das genaue Gegen- stück der Zetkindokumente. Wie diese die Gewissen- losigkeit der kommunistischen, so zeigen die Schnitzler- Kapp-Lincoln-Dewitzbriefe die Skrupellosigkeit und politische Phantasterei der nationalistischen Putschisten. Wehe dem Volke, das sich von solchen Wirrköpfen verlocken läßt! Das Wort, das als Zeuge Noske heute auf Lüttwitz prägte: „Sein politisches Urteil ist auf der Stufe eines 17jährigsn Kadetten stehengeblieben", es gilt auch für viele andere, die sich zu Rettern des Volkes in jenen Tagen berufen wähnten, es gilt von den Pabst und Bauer, die von ihren eigenen An- hängern als Phantasten preisgegeben werden, es gilt letzten Endes auch von Ludendorff, der sich von diesen beiden entscheidend beraten ließ. Jedenfalls hat Ludendorff kein Recht, einen S ch n i tz l e r, der auch zum Kreife seiner Ve- rater gehörte, jetzt seinerseits als Phantasten abzuttin. schnitzler war ihm zum mindesten politisch überlegen, und wenn jetzt jeder Zeuge der Kappseite automatisch den Satz plappert:„Schnitzler war ein kluger, aber gleichzeitig phan- tastischer Mensch", so geschieht das nur. um die fatalen Niederschriften Schnitzlers in ihrer Beweiskraft zu er- schüttem. Die Anklage der leblosen Urkunden ist furchtbar, am furchtbarsten aber für Ludendorff. So geschickt sich � Ludendorff auch hinter Kapp und Lüttwitz maskierte— im Kriege hieß seine Kulisse Hindenburg— so deutlich tritt er doch durch die Urkunden als die eigentliche Seele des Unternehmens zutage.„Euer E x z e l l e n z ch a b e n alle Pläne vorher gekannt und gebilligt, Euer Exzellenz dürfen uns jetzt nicht im S t i ch l a s s e n", so fleht einer der Haupturheber des Putfches am 17. März, als Ludendorff den Finger aus der siedeheiß gewordenen Pastete ziehen will. Dieser und der Dewitz-Brief sollten in Millionen Exemplaren verbreitet werden, zusammen mit den Briefen Kopps und den Entwürfen Schnitzlers: auf der Kehrseite des Blattes könnten die Berichte von Lemck und Nowitzki stehen. Dann wäre Klarheit über die Extreme rechts und links geschaffen. Am Sonnabend erhoben sich aber auch lebendige An- kläger. Selbst die Hergt, Heinze, Strefemann müssen an- klagen, um sich und ihre Parteien von dem Berdacht der Kappistenfreundschaft zu reinigen. Mit Engelszungen hätten sie alle Lüttwitz sein wahnwitziges(ja. sie sagen wirklich „wahnwitziges") Unternehmen auszureden gefucht: dasselbe beteuern General v. Seeckt, Admiral v. Trotha, Oberst v. S ch ö n st e d t von der Berliner Schutzpolizei usw. Man begreift kaum, wie bei so breiter Front der Berfassungsfreunde der Kapp-Putfch je zu einer ernsten Gefahr werden konnte. 2lber freilich, der treue Warner Trotha forderte durch Erlaß vom IS. März die Marine auf, sich den neuen Machthabern zur Derfiigung zu stellen, ähnlich verhielt sich v. Schönstedt, und die Parteien der Hergt und Heinze erließen am 13. März Aufrufe, in denen die„neue Regierung" als solche an- erkannt wurde. Jetzt bezeichnet Heinze den damaligen Auf- ruf seiner Partei als„unglücklich". Doch diese Ankläger aus durchsichtigen Motiven treten in den Hintergrund. Der überragende Ankläger, der Hauptzeuge des Tages, ist Gustav Noske. Mit größerem Recht als Kapp in seinem Briefe könnte Noske von der„feigen Verräterei einer hohen Generalität" reden: allerdings vermeidet er diesen Ausdruck. Doch er ist in schändlichster Weise verraten und hintergangen worden. Vieles was Noske in feiner be- kannten, wuchttg-ungeschminkten Darstellungsweise vorbringt. wirkt einfach erschütternd. Ein paar Beispiele mögen die „deutsche Treue" der Herren Generäle vom Stab illustrieren: Der General v. Oven soll Berlin gegen die anmarschie- rende Brigade Ehrhardt sichern. Er führt diesen Befehl in der Weise aus, daß er die Sicherungsmaßnahmen trifft, die zum Schutz der Regierungsgebäude gegen unbewaffnete Demonstrantenzüge vorgesehen sind. Statt außer- halb des städtischen Weichbilds beiderseits der Döbcritzer Heerstraße eine Stellung gegen die herannahenden Meuterer einzurichten, umzieht er die Gebäude in der Wilhelmstraße mit Stacheldraht und stellt seine Soldaten unter den Fenstern der Reichskanzlei auf. Dabei sagt— heute— der Oberst S ch ö n st e d t: eineinzigesGeschütz.das die Span- dauer Havelbrücke beherrschte, hätte den ganzen Zug auf Ber- lin unmöglich gemacht. Als Noske"die seltsame Ausfüh- rung ieines Befebls gewahr wird, ist es zu spät. Fall Nr. 2: Um den Faden zwischen Ehrhardt und Lütt- witz zu zerschneiden, wird die 2. Marinebrigade Lüttwitz ge- nommen und dem Admiral v. Trotha unterstellt. Als die Meuterei droht, ordnet Noske die Alarmierung der Garni- sonen m Berlin und Umgegend an. Diesen Alarm führen die Generäle durch, indem sie— die Brigade Ehrhardt, gegen die sich der Alarm richtet, mitalarmieren. Nach irgendeiner für ganz andere Verhältnisse gedachten Verfü- gung treten alarmierte Truppenteile automatisch unter den Befehl des Wehrkreiskommandanten— des Generals v. L ü t t w i tzl Und so hat-- nach Ansicht des Admirals v. Trotha— der Alarm die Wirkung, daß L ü t t w i tz wieder O b e r k o m m a n d e u r der Brigade Ehr» Hardt wird.— Ein typischer Fall, wie durch sinnwidrig- buchstabenmäßige Auslegung reaktionäre Organe eine An- ordnung des sozialistischen Ministers sabotieren, in ihr Gegen- teil verkehren! Die berühmte Besprechung Noskes mit den Generälen in der Nacht vom 12. zum 1Z. März: Auf die Aufforderung Noskes. wer sich mit ihm an die Spitze der Truppen zum Kampf gegen die Rebellen stellen wolle, erklärten sich bekannt- lich nur General Reinhard und Major v. Gilsa, Noskes Ad- jutant, hierzu bereit. Admiral v. Trotha sagt heute aus, er habe die Aufforderung Noskes nicht als an sich ge- richtet betrachtet, denn er habe doch keine Truppen gehabt» die chm direkt unterstanden. Welche Truppen unterstanden denn Herrn v. Gilsa?! Vielleicht war es Noskes tragisches Verhängnis, daß er sich durch die Haltung der Oven, Olders- hausen, Trotha usw. entmutigen ließ. Unwillkürlich denkt man nach, wie es wohl gekommen wäre, wenn er die Zagenden ver- ächtlich beiseite gestoßen und, gestärkt auf Reinhard und Gilsa, wie das seine Absicht war, an der Spitze eines Bataillons die Rebellen mit Schnellfeuer empfangen hätte.... Ein Wort noch über den Herr nv. Oven, der die Bri- gade ErHardt mit Drahtverhauen um die Reichskanzlei be- kämpfte. O b e r st Bauer hat v. Ovens weitere Haltung in einer kleinen Schrift geschildert: Nach seinem Einzug in Berlin enthob Lüttwitz, der trotz allem gegen v. Oven miß- trauisch war, diesen seinem Amtes, v. Oven beschwerte sich hierüber so heftig unter Berufung aus seine Treue zur„natio- nalen" Sache, daß Lüttwitz ihn wieder einsetzte. Am 17. trat Oven dann an die Spitze der Generäle, die Lüttwitz zum Rücktritt zwangen, und stand am 18. wieder„fest und treu" zur verfassungsmäßigen Regierung.... Aber ist v. L ü t t w i tz selber ein größerer Held? Noskes Wort über den politischen Horizont des Generals wurde schon erwähnt, es erhält heute noch eine überraschende Bestätigung durch Stresemann. dem Lüttwitz am 16. er- suchte, er möge den S e n i o r e n k o n v e n t der Nationalver- sammlung zufammenberufen, damit dieser— der aus alten Parteien zusammengesetzte Seniorenkonvent l— eine neue Regierung bilde. Das zeigte mir, bemerkt. Stresemann, die unglaubliche politische Na ivität des Ge- nerals. Aber der moralische Mut Lüttwitzens war nicht größer als seine politische Kenntnis. Hergt betont, daß Lüttwitz nur gegen Gewährung der Amnestie— besonders fürsich selber— zurücktreten wollte. Lüttwitz verlangte, daß noch die Nationalversammlung das Amnestie- gesetz beschließen sollte. Er der ausgezogen war, um die an- geblich nur noch„verfassungswidrig" tagende Nationalver- sammlung auseinanderzujagen, wollte jetzt aus den Händen der gleichen Nationalversammlung die Amnestie empfangen I Um ihn selber für straffrei zu erklären, dazu war ihm die Nationalversammlung noch rechtmäßig genug. Doch so sind sie alle! Iagow, Schiele, Wangen- heim, sie plädieren längst nicht mehr auf Unschuld, sondern auf Einbeziehung unter die A m n e st i e. Erbärmlich wirkt es, wie namentlich v. Iagow jeden Zeugen um eine Be- statigung anwinselt, daß er doch gar nicht„führend" hervor- getreten sei. Der subalterne Innenminister o. Iagow, das Telephonfräulein, der Bote Kopps! Er kann sich die Hand reichen mit v. T r o t h a dem Jüngeren, jenem Adjutanten Ehrhardts, der erst nach den Kapp-Tagen bemerkte, daß das Unternehmen dem Sturze einer Regierung gegolten hatte! O, Helden, Helden sind diese„Retter des Vaterlandes"! Die baltische Daronesse. „Dkl zwiebtlfisch-\« ersten Revolutionäre traten mit solcher Seelenqröße und Eba- rakterstärke auf, daß dos Gouvernement es in seinem offiziellen Be» richt nicht wagte, sie zu verhöhnen und zu beschimpfen: Nikolaus be- gnügte sich damit, sie grausam zu bestrafen." Herzen schildert dann die gewaltige Bedeutung, die die Dichtung für das Entstehen des revolutionären Gedankens hatte, besonders durch Puschkin und Gogol. In den Iahren von 1825— 1850 haben„die revolutionären Ideen mehr an Terrain gewonnen, als in dem ganzen Jahrhundert, das ihnen vorausging, und doch— sie drangen nicht bis ins Volt." Herzen betont den Einfluß des Sozialismus, der seit dem Auf- treten de» Saint-Simonismu» Jn Moskau einen tiefen Eindruck auf die Gemüter machte. Er erwähnt auch die Wirkung des Kommu- nismus, von dem er sagt, daß er„die umgekehrt« russisch« Auto. kratie" sei.„Die Möglichkeit einer Revolution reduziert sich in Rußland einzig und allein auf»ine Frage der materiellen Macht," sagt er. In der großartigen Schilderung des slawischen Volks- charakters liegt einer der wichtigsten Werte des Herzenschen Buches. „Der Charakter des Slawen hat etwas Weibliches," erklärt er ganz allgemein,„diesem intelligenten, starken und reichbeqabten Volke fehlt der Mut der Initiative und die Energie. Man möge sagen, daß die slawische, sich selbst nicht genügend« Nation von außen den Verschleppung oder Absage? Unternehmer und Kredithilfe. Die gestrigen Beratungen im Vorläufigen Reichswirt- fchaftsrat boten ein Bild trostloser Zerfahrenheit bei den Unternehmern, einer Zerfahrenheit, die mit Mangel an Begabung nicht erklärt werden kann. Im Gegenteil, die Ge- schicklichkeit, mit der die Industriellen es verstanden, eine Be- schlußfassung über den Vorschlag Hachenburg zur Gründung einer Kreditvereinigung zu vermeiden— eine Beschlußfassung, die ja nur die Bestätigung eines verabredeten Kompromisses sein sollte— zeigt, daß die Verwirrung nicht ernst zu nehmen ist, sondern geschickt inszeniert war. Gegenüber allen Aus- flüchten stellte der Vorsitzende des ADGB., Leipart, fest, daß die Unternehmer steh von Anfang an mit der Absicht ge- tragen haben, die Beschlußfassung zu vertagen. Diese Fest- stellung wird dadurch nicht berührt, daß ein der Kreditoktion geneigter Unternehmer für seine Person erklärt hat, ihn hätten bei der neuerlichen Vertagung sachliche Gründe geleitet. Man ist versucht, an bewußte Verhinderung des Planes zu glauben. Der Reichswirtschaftsrat setzte, als die Erfassung der Sachwerte unvermeidlich schien, einen Ausschuß zur Ausarbeitung eines Kreditvorschlages ein. In dem Ausschuß haben die Industriellen fast an dem gleichen Tage, in dem chr Reichsverband sein Erprestungsangebot an die Reirfisregierung machte, einer Entschließung zugestimmt, die ausdrücklich kund- gibt, daß an die Kreditbilfe keine Bedingungen ge- knüpft werden dürfen. Der Ausschuß und später der Repara- tionsausschuß beriet weiter, machte die Vorlage noch mehr mundgerecht. Und die Industriellen, die in den Ausschüssen ihre Vertreter hatten, lehnen im Plenum die Vorlage ab. der sie dort zugestimmt hatten und die der Kreditaktion den Unter- bau geben" sollte. Nicht nur das. Sie veranlasten sogar die Arbeitnehmer dazu, einem Kompromiß zuzustimmen. Als aber die Unternehmer ihrerseits für dos Kompromiß geradestellen sollen, haben sie bis auf drei Standposten das Lokal verlassen und losten die Beschlußfähigkeit des Hauses an- zweifeln. Dadurch erzwingen sie die Vertagung auf den nächsten Dienstag, die durch die Erklärung des Reichsknn.zlers allein nicht herbeigeführt war. Kein Mensch weiß, ob nach dieser Vertragstreue, die die Kreditwürdigkeit des deutschen Unternehmertums vor dem Ausland nicht gerode fördern dürste, fich am nächsten Verhandlungstage nicht dasselbe wieder abspielen wird. Und der 15. Januar rückt immer näher. Noch ist es verfrüht, aus dem Verhalten der Unternehmer zu schließen, daß die Kredithilke endgültig erledigt ist. Minde- stens ist sie nicht weniger erledigt als an dem Tage, wo die Industrie die Hand nach den Eisenbohnen ausstreckte und den Sturm der Entrüstimg bei den Arbeitern berausbeschwor. Aber es bat doch große Wahrscheinlichkeit für ficki, daß hinter diesem Bersrbleppungsmanöver nur die folgerichtige Fort- setzung der bisherigen Unternellmerpolitik zu sehen ist. die darauf berechnet war, das Reich erst einmal in den Stand größter Not geraten zu lasten, um dann ihre Forderungen zum Diktat verwandeln zu können. Die Arbeiterschaft wird das zu verhindern misten. Der Reichswirtschastsrat sastke dassenige Gutachter- gremium sein, das in freier Verständigung der Interestenten- kreise untereinander die Grunblage für Reoier"na?maß- nahmen schuf. Es war gestern das erstemal, daß seit seinem mehr als einjährigen Bestehen eine nach allen Regeln der Kunst heraestellte parlamentarische Obstruktion doch zur Anwendung kam. Inzwischen ballen die Wirtschaft- stchen Anschauungen eines Teiles der Arbeitnebmerfrakston, insbesondere der christlichen Gewerkschasten, sich auffallend stark nach rechts orientiert. Wenn die Unternehmer wollen, daß die Versuche wirtschaktlicher Verständigung wieder einer Atmosphäre erbitterten Kampfes Platz machen sollen, fa brauchen sie ibre bewährten Kunstgriffe nur fortzusetzen. Die Arbeiterschaft wird die Antwort zum allermindesten im p o l i- tischen Parlament nicht schuldig bleiben. Anstoß erwarte, der sie wecke. Der erste Schritt wird ihr immer schwer, aber der geringste Impuls jetzt eine ungewöhnliche Entwick- lungskrast in Bewegung." Mottenechte Volle.„Grün wird von den Motten nicht ge- fresten," so kann man von betagten Hausfrauen vielfach hören, und doch stellt sich bei näherer Untersuchung heraus, daß die Motten Grün so gut fresten wie jede andere Farbe. Nur die früheren Grün- färbungen, die mit Mortiusgelb, einem der ersten künstlichen Teer- farbstoffe, gefärbt waren, find tatsächlich mottenecht: es gibt also Mittel, um Wolle gegen Motten zu schützen. Da di« Berluste durch Motensraß ganz enorme wirt�chaitliche Werte darstellen, setzten sich die Farbenfabriken vorm. Friedrich Bayer u. Co. in Leverkusen zum Ziel, ein Mittel zu suchen, dos von der Wolle aus wästerigen Lö- lungen aufgenommen wird, und diese dauernd vor Mottenstaß schützen kann, während im übrigen alle wertvollen Eigenjchasten der Wolle Im vollen Betrag erhalten bleiben. Wie Dr.� E. Meckbach in 'der„Umschau" berichtet, ist dies der Firma nach über K'Ajähngen sorgfältigen Studien mit ihrem Präparat Eulan ll vollkommen ge- glückt. Die Anwendung des Eulan ist sehr einfach: man braucht die Wolle nur im kol'en. wässerigen Bad«, das Eulan gelöst enthält, gründlich zu durchfeuchten. Sobald dies geschehen ist, nimmt man die Wolle heraus, hängt sie einige Stunden auf. spült danach mit Master ab und trocknet. Eine Veränderung der Färbungen der Wolle tritt infolge der Eulanausrüstuna nicht ein. Auch Aussehen und Griff der Wolle bleibt ganz utnM-ändert, dazu ist die motten- echt« Eulanausrüstung völlig geruchlos. Wenn man bedenkt, daß Deuttchland fährlich etwa lOO Millionen Kilogramm Wolle zum Durchschnittspreis von 200 M. für 1 Kilogramm ausnimmt und davon nur 1 Proz. der Wolle von den Motten ouigesressen wird, so wäre das eine Summe von 200 Millionen Mark, die dem deut- schen Dolksoermögen durch die Eulanbehandlung«leiten bleibt. Cr ging einmal spazieren... Herr Iagow quiia späteren am Brandenburger Tor. Da kam etwas die Linden vor, daS täl ihm intreisieren— aber sickler 1 Wollt nack> der WilbelmÜraße gehen, iowaS kommt vor. Dort mimie Kapp den Dikiatoor gewiß nur ans Versehen— aber sichert Sie wurden mih.derstanden. O ichnöde Welt! Man bieli üe für von Doorn Kestellt. Die Höflichen verschwanden— aber sicher! Herr Jaaow fragt manierttch: „Darf man denn nicht im ersten FrüblingS'onnenlicht spazieren gehn?" Natürlich! Aber sicher! Vaulch««. Die vertagte kreöitgemeinsthast. Die Schlichtungsordnung. In der gestrigen Nachmittagssttzung des RWR. wurde zunächst die Schlichtungsordnung beraten, da man in der Kredit- frage erst auf weitere Nachrichten der Reichsregierung warten wollte. Ein Antrag, die Hausgehilfen und Angeft eilten nicht in die Schlichtungsordnung einzubeziehen, wird trotz Widerspruchs der Abgeordnetin Kahler, Vertreterin der Hausangestellten, gegen die Stimmen der Arbeiter angenommen. Es liegen weitere Anträge vor, die die Lehrlinge ebenfalls von der Schlichtungsordnung aus» schlietzen wollen. llmbreit(ADGB.): Noch niemals ist das Lehroerhältnis in der Gesetzgebung als Lehroerhältnis, sondern immer als Arbeits- Verhältnis aufgefaßt worden. Das Betricbsrätegefetz gibt sogar der Betriebsvertretung ganz bestimmte Aufgaben in bezug auf das Lehrverhältnis. Der Reickswirtfchaftsrat mag ein Zufallsgutachten abgeben, wie er will, die Gesetzgebung muß der bisherigen Ordnung Rechnung tragen. Auf Einwendungen von Unternehmerseite er- widert Albrecht(Freie Gew.), daß die Lehrlinge heute viel schlechter entschädigt werden für ihre Arbeitsleistung als früher. Das Lehr- lingsoerhältnis dürfe nicht ein Diktaturverhältnis der Lehrerin fein. Umbreit: Wir dürfen den Lehrlingen nicht den Dorteil der so- zialen Regelung entziehen, weil ein Stand ein Monopol auf Lehr- linge zi; haben glaubt. Es gibt auch Lehrlingswcrlstätten, um die sich das Handwert sehr eingehend kümmern sollte. Der Antrag, die Lehrlinge durchweg auszuschalten, wird mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt.— Zu§ 55 beantragt Dr. Thyssen einen Zusatz, wonach bei wilden Streiks zwar kein Schadenersatz stattfindet, aber statt dessen eine angemessene Buße verhängt werden kann, die die Lebens- und Arbeitsfähigkeit der be- treffenden Personen nicht"efährden darf. Der Antrag wird mit geringer Mehrheit angenommen. In der G e s a m t a b st i m m u n g wird wiederum im Hammel- sprung der Entwurf mit 80 gegen 7g Stimmen angenommen. Auch hier wird noch eine Grupvenabstimmung vorgenommen. Nunmehr wird die Beratung des Gesetzentwurfes über die Errichtung einer Kreditvereinigung fortgesetzt. Bernhard: Der Reichskanzler läßt telephonisch mitteilen, daß neue ihm zugegangene Nachrichten es angebracht erscheinen lassen, daß das Haus sich bis auf Dienstag in der Kreditoktion ver- tagt. Er hofft, daß er am Dienstag ergänzende Mitteilungen machen kann. Es entspinnt sich darauf eine GeschSftsordnungsdebatte, ob über die Krediworlage noch heute abgestimmt werden soll. Der Reichs- wirtschaftsrat hat für die nächste Woche keinen Saal mehr zur Ver- fügung. August Müller betont, daß in der Zwischenzeit ein Kompromißoorschlag zustande gekommen ist, der auf einstimmige Annahme rechnen kann. Es sei deshalb kein Grund, vorhanden, die Frage zu vertagen. Max Cohen- Reuß verlangt ebenfalls die Beschlußfassung, während der Unternehmervertreter Frank und der christliche Ge- werkschaftsvertreter Balttusch dagegen stnd. Stinnes schlägt vor, am nächsten Dienstag das Plenum einzuberufen. Der Vorschlag wird durch die Annahme eines Antrages August Müllers hinfällig. Oberbürgermeister Mtzlafs berichtet über das Kompromiß. Es besteht in folgenden Entschließungen: 1. Der Reparationsousschuß spricht die Meinung aus, daß die Durchführung einer Kreditaktion auf Grund des Beschlusses der Vollversammlung des Reichswirtschaftsrates vom 4. November 1S21 ein« Lebensnotwendigkeit für Deutschland ist. Diese Kredit- aktion ist zeitlich und dem Betrag« nach zu be- schränken. Entschlossene Maßnahmen gegen die innere De- fizitwirtschaft im Reiche und besonders bei den Reichsverkehrs- betrieben sind daneben mit größter Beschleunigung in die Wege zu leiten. Dagegen lehnt der Reparationsausschuß die Ver- quickung dieser und anderer als Bedingung gestellter Forderungen mit der Kreditakttonsfrage ab.(Neu ist die Bestimmung über die zeitliche und finanzielle Begrenzung der Kreditaktion.) 2. Der Vorläufige Reieiiswirtschaftcrat setzt voraus, daß der auf Grund der Vorarbeiten des Reichswirtschaftsrats aufzu- stellende endgültige Gesetzentwurf von der Reichsrcgierung vor der Zuleitung an den Rcichsrat dem Reichswirtschaftsrat zur noch- maligen Durchberatung überwiesen wird. Zur Einzelberatung meldet sich zunächst niemand zum Wort. Vor der Abstimmung bezweifelt Fabrikbesitzer Georg Müller die De- schlutzfähigkeil des Hauses.— Bernhard bittet um Zurückziehung des Zweifels nach einer kurzen Erwiderung Georg Müllers. „Das Märchen von Fihlifih, dem Himmelsschneider" wurde am Sonnabend einem Kinderpublitum im Lessingtheater vorge- fiihrt. Ach war das«in summendes Schwätzen und fröhliches Ge- lächter, plötzliches Reden und Fragen im währenden Spiele und »ine augentrunkene Andacht! O, selig, ein Kind noch und— ein Kritiker des Märchenspiels zu fem. Max I u n g n i ck e l dichtet zeitlos, starb er 18Zl> oder lebt er noch? Von den Nöten und Sorgen, die auch unsere Kinder drücken, weiß er nichts. Rosenrot und Himmelsblau sind seine Farben und der liebe Gott und seine Engelein sein Thema. Ich weih nicht, was die Pädagogen dazu sagen. Aber ein Poet ist er, und sein Spiel ist wirklich kindlich. Die junge Brigitte mit ihrem alten Mustker-Dater im engen, Heime- lichcn Dachstübchen. Der Alte muß abend» noch fort zum Spielen. Da träumt Brigitte von den Figuren ihres Bilderbuches, die im Lorspiele bereit» bei kerzenstrahlendem Weihnachtsbaum daraus lebendig geworden waren. Ihre Traumerlebnisse mit dem urgemüt- � lichen alten König Kleinsorge und seinem possierlichen Hofstaat (Soldat Lebefrisch) und vor allem ihre Reise mit dem lustigen Spring- in-dic-Wclt. dem Schneider Fitzlifitz. zum lieben Gott sind im echte. sten, rührendsten Kinderton vorgeführt. Eduard S u h r hat eine ent- zückende buntfarben« Bühnenmärchenwelt dazu geschossen. Be- sonders das Arbeitszimmer des lieben Gottes mit den hübschen Engelein erweckte lauten Jubel. Die Brigitte war Maga Hart, holdselig In ihrem Hemd und zartinnig in ihrem Gemüt. Die ersten Ralingen der Liebe, die dem Schneidermärchenprinzen(von Gerd F r i ck e in fröhlichster Laune verkörpert) gelten, läßt sie auf. knospen, ganz Kind und doch schon Weib. Gar wackere Gesellen taten in den übrigen Rollen mit, und liebliche Musik gesellte sich dazu. Selen wir dankbar wie die Kinder, die aus die Sache sehen und sich um die Namen nicht kümmern.~r- des Vertrages von Versailles ihnen besonders zugewiesenen Stteitfölle zu entscheiden. Die Abordnung der Genfer Arbeltskonferenz in Hamburg. Tw Teil der auf einer Studienreise durch Deutschland befindlichen Ab- vrdnung der Genier Arbcitskonfcrenz hat auch Hamburg einen Besuch abgestattet. Mit dem Besuch von Hamburg hat die Studien- reise ihre Beendigung gefunden.( Die Abstimmung in Oedenbnrg ist nach einer in Wien einge- trosienen Metvung tür Oedenburg-Stadt aus d?n�t4. De- zember. für die Umgebung von Oedcnburg auf den 16. Dezember verlegt worden. Die Regierungsbildung in Belgien. Dem.Soir' zufolge hat der Finanzminister Theunis es abgelehnt, ein Kabinett zu bilden. Wirt seb oift Die zweite Lankenpleike. Innerhalb kurzer Frist wird jetzt der Zusamwenbruch eines zweiten größeren Bankinstituts bekannt, nachdem die Pfälzische Bant an Devisenspekulationen pleite gegangen ist und von besreun- deten Unternehmungen aufgelogen wurde. Es ist diesmal der Allgemeine Bankverein in Düsseldorf. Das Unterneh- men, das erst im April d. I. gegründet wurde, arbeitete zuletzt mit einem Kapital von 100 Millionen Mark. Es ist ebenso wie das Pfälzer Institut daran zusammengebrochen, daß sie Barverkäufe in ausländischen Devisen, und zwar Gulden, vornahm, in Erwar- tung einer besseren Bewertung der Mark. Als diese nicht eintraf, geriet die Bank in Schwierigkeiten. Ein Verlust von 120 Millionen Mark wußte gedeckt werden. Neuerdings aber wird die Höhe der Verluste auf mehr als das Doppelte beziffert. Das Aktienkapital des Unternehmens ist also längst aufgebraucht. Die Gesellschaft hat daraufhin die Anordnung der Geschäftsaussicht zur Dermeidung des Konkurses beantragt, die aber nur für„kriegsbeschädigte" Unternehmungen in Frage kommt, so daß mit der Genehmigung kaum zu rechnen ist. Der Fall liegt um so eigenartiger, als es sich um ein Unter- nehmen handett, in dessen Vorstand bekannte Finanzleute und Politiker sitzen— wie der frühere Staatssekretär Mösle, Landrat a. D. v. K a r d o r f f usw.— und desien Einleger vorwiegend im Klerus und sonstigen katholischen Kreisen des Westens zu suchen sind. Man wird natürlich bemüht sein, auch diejen Zusammen- bruch als einen bedauerlichen, auf Unzuverlässigkeit der Geschäftsführung beruhenden Einzelfall hinzustellen. Man wird vielleicht auch über die Dummheit lachen, die diese Spekulation zu über- großem Vertrauen in die Mark veranlaßt hat. Man wird aber die Tatsache nicht aus der Well schaffen können, daß diese ganze Entwicklung im Sinne einer Zell liegt, die bei maßloser Kraft» und Kapitalvergeudung dem Phantom leichter Kursge» winne nachjagt— zum Schaden des Bolkes. Der Skand der Mark. Di« Entwicklung der fremden Devisenkurse in der letzten Woche brachte der Mark eine Besserung. Zwar lagen die Preise fremder Zahlungsmittel am Wochenende immer noch etwa aus der Höhe vom Beginn des Monats November, aber die stürmischen 5kursschwankunp«n haben etwas nachgelassen, und es besteht immer- hin die Aussicht, daß, sosern in der Reparationsfrage nicht ein« cnischeibende Wendung zu unseren Ungunsten eintritt, die Mark sich auf einem Kurs hält, der zum mindesten dem Stande 1 Dollar gleich 200 entspricht, wo alio die Mark über 2 Ps. Vorkriegswährung gilt. Bei der großen Abhängigkeit des Markkurses von der außen- polttischen Lag« läßt sich natürlich nicht absehen, ob die Periode der großen Schwankungen schon für läng«:« Zeit als überwunden gelten kann. Im Vergleich zu früheren Stichtagen ergab die Be» wegung der Devisen heute folgendes Bild: Man zahlte für: Zurückzuführen ist die günstige Entwicklung der deutschen Mark in erster Linie aus die günstigere Beurteilung der Reparations- frage, die durch die Hoffnung auf einen Zohlungsauifchub unter Umänderung des Zahlungsplanes genährt wird. Ergebnisse der Verhandlungen, die darüber geführt wurden, liegen zur Stund« nicht vor; allein schon die Aussichten auf ein« Milderung des Reparation»- diktats haben das Urteil des Auslandes über'den Wert der Mark stark beeinflußt. Hier wird der enge Zusammenhang von Reparo- tionen und Valuta deuilicher offenbar als je sonst. Der Umschwung in der Bewertung der Mark Hat auch den Effektenmarkt aus der Fassung gebrocht. Di« Aktienkurse sind an den letzten Börsen wohl beträchttich zurückgegangen und haben diejenigen, die sich an der Spekulation zu bereichern gelernt haben, einmal darüber belehrt, daß es auch anders gehen kann. Das Mißtrauen in die Speku» lation wird gesteigert durch die neuerlichen Zusammen- brüche einzelner Banksirmen, die sich zu sehr im Devisengeschäft festgelegt haben und dadurch in Zahlungsunfähigkeit gerieten. Führen dies« Borgänge zu einer Bereinigung des Marktes, so stnd sie nur erfreulich. Es slttadet gar nichts, wenn diejenigen Kreise, die in den Aktien nur eine Quelle müheloser Kursgewinne sehen, durch derartig« Schicksalsschlöge zur Vernunit gebracht werden, nach- dem die Banken die Spelulationsbewegung immer nur begünstigt haben. Gefahr für die Gcsamtwirtschaft droht erst dann, wenn große Bettiebe in den Kreis gezogen werden. Dies« Gefahr scheint vorerst noch nicht zu bestehen._ Das notleidende S apikal. Kommerzienrat Deutsch hat im Austtage der Berliner Handelskammer eine Schrift herausgegeben, die den Anteil des Kapitals und der Arbeit an dem Produktionsertrag der deutschen Wirtschaft ermitteln wollic. Wir haben zu dieser Schrift wiederholt Stellung genommen und st« als eine statistische Lüge abgelehnt. Gleichwohl ist anzunehmen, daß diese Broschüre in großen Mengen bei den Unternehmern Aufnahme gefunden hat und den Arbeitern entgegengehalten wird. Jetzt hat Gencsie He in ig eine Schrift herausgebracht, die sich„Das notleidende Kapital" be- titelt und im Verlag der Buchhandlung Vorwärts(Preis 2,50 M.) erschienen ist. Genosse Heinig setzte sich mit den Irrtümern, von denen die Schrift Deutschs strotzt, scharf auseinander, mit dem Er- gebnis, daß Deutsch nicht nur statistische Mätzchen als Wissenschaft- liehe Ergebnisse hinstellt, sondern auch unrichtig rechnet, wesentliche Verdienste der deutschen Kapitalisten vergißt und die Schuld der Kapitalisten an der Zerstörung des deutschen Kapitals verschweigt. Eine ganze Reihe von Tatsachen, die der Verfasser anführt, be- stätigt sich in diesen Schlußsolgerungen eindringlich.— Es ist eben nicht wahr, daß der Anteil der Arbeit am Pro- duktionserttag im Verhältnis zu dem des Kapitals zugenommen hat. Und damit werden auch die Schlllsie, die der Vorsitzende des Direktoriums der AEG auf die Sozialisierung daraus gezogen hat, hinfällig. Heinig zeigt auf, wie unzutreffende Vorstellungen ein Fachmann vom Range Deutschs von der Sozialisierung über- Haupt hat, und hält ihnen die Forderungen der Sozialdemokratischen Partei nach dem Görlitzer Programm entgegen. Heinigs Schrift ist «ine Waffe der Abwehr. Zu vielen Hunderttausenden hat das Trug- bild, das Deutsch von der Verteilung des deutschen Produktions- ertrages entworfen hat, seinen Weg in die Hände von Kapitalisten und ihren Agitatoren gefunden. Diejenigen Arbeiter, die diesen un- richttgen Behauptungen positive Tatsachen gegenüberstellen wollen, werden gut tun, die Gegenschrift zu lesen. Ihre volkstümliche Fasiung macht sie zur wirtschaftlichen Aufklärung weiter Volks- kreise geeignet._ Das Sieigen der INark bringt natürlich den ausländilschen In- dustrien, die nach Deutschland verkauft haben, schwere Verluste. So hören wir, daß die Glas- und Bijouteriewarenindustrie des G a- blonzer Bezirkes im Ijeraebirge 150 Millionen Tjchechenkronen auf diese Weise eingebüßt hat. GewerMastsbewegung Der Schieösfpruch im Hochbahnstreik. Die Direkkion verzögert die Einigung. Die Hochbahnangestellten haben über den Schiedsspruch, der vom Schlichtungsousschuß gefällt wurde, abgestimmt. Abgegeben wurden lölll Stimmen, wovon für die Annahme IIS 8, dagegen 366, ungültig 27 Stimmen. Damit hat das Hochbahnpcrsonal den Kchieds- spruch angenommen und ist bereit, wenn die technischen Schwierig- leiten behoben sind, sofort den Betrieb wieder aufzunehmen. Der Arbeitgcberverband mit der Direktion haben die Streitleitung wissen lassen, daß sie den Schiedsspruch ablehnen. Damit geht der Streik weiter. Der Arbeitgeberverband vertritt— wie wir bereits mitteilten— den Standpunkt, daß das im Tarifvertrag vereinbarte Schiedsgericht zuständig sei. Dieses Schiedsgericht trat gestern vormittag in den Räumen des Arbeitgeberverbandes der Deutschen Straßenbahnen, Kleinbahnen und Prioateisenbahnen zusammen, konnte aber keinen Spruch fällen, weil die Arbeitnehmervertreter, die dieses Schiedsge- richt nicht anerkennen, zu den Verhandlungen nicht erschienen waren. Nach den tariflichen Bestimmungen soll nun der tarifliche Hauptaus- schuh entscheiden, dessen Zusammentritt für Montag vormittag anbe- räumt ist. Ob dle Vertreter der Arbeitnehmer zu diesen Verhandlungen erscheinen werden, erscheint mehr als frag- fich. Die Hochbahner halten sich allein an den Schiedsspruch, den der Schlichtungsousschuß Groß-Berlin am Freitagabend gefällt hat und den sie angenommen haben. Wäre der Direktion der Hochbahngesellschaft bzw. dem Arbeit- geberverband an einer möglichst baldigen Einigung gelegen, dann würden sie nicht an der Kompetenzfrage die Einigung scheitern lassen. Um ihnen aber auch diesen Vorwand zu nehmen, wäre es wünschenswert, wenn die Vertreter der Streikenden der Einladung zu morgen folgten und sehen, was dabei herauskommt. Schaden könnte dies auf keinen Fall, da die Streikenden sich mit ungenügenden Zugeständnisien nicht obsveisen lasten. „Aus Arbeitgeberkreisen", die sicher der Direktion nicht fern- stehen, wird der Preste eine Darstellung des Verlaufs der Bewegung übermittelt, die sich hauptsächlich gegen das Eingreifen des Schllchlungsausschuste» wendet, der angeblich unbefugt eingegriffen habe. Der Schlichtung?- ausschuß Groß-Bcrlin hätte sich zweifellos ein Verdienst erworben, wenn es ihm gelungen wäre, durch sein Eingreifen den Streit zu schlichten und den Streik zu beenden. Darauf kvmmt es an, nicht auf Rechthaberei. Seine Bemühungen scheiterten leider an diesem einzigen Hindernis auf feiten des Arbeitgebervcrbandes, sonst würde die Hochbahn heute wieder fahren. Eine Rücksichtslosigkeit auch dem Publikum gegenüber bedeutet es jedenfalls, daß Direktion und Arbeitgeber- verband dem Streik durch rechtzeitiges Entgegenkommen nicht vorbeugten und ihn auch jetzt noch weitergehen lasten, trotzdem die Möglichkeit zur Verständigung gegeben war. Die Hochbahngesell- schaft spekuliert offenbar darauf, daß sie den Einnahmeausfall und eine kleine durch eine aberrrn'He Erhöhung der Fahrpreise reichlich wieder weit macht. Das letzt so rücksichts- los bebondclte Publik m frN nfi-r Vin die Gewinn? der Ge- scllschaft vermehren helfen. Es müßte dahin kommen, daß das P u- b l i t u m in allen derartigen Etreitjallen, oie auf seinem Rücken a»>s- gefochten werden und rn�"- r* tei-tm rrnV« die Zeche zu zahlen hat, ein Milbestimmungsrecht erhält sowohl bei der Beilegung von Lohnkämpfen, wie bei der Ve- Messung der Preise. Auf die Dauer ist der Zustand unerträglich, daß aus spekulativen oder ähnlichen Gründen mit den Interessen des Publikums derart umgesprungen, deutlicher: Schindludcr getrieben wird. Das Publikum kann zum mindesten fordern, dasi Streitfälle in derart wichtigen Derkehrsunternehmungcn nicht als Privatangelegen- Herten der Unternehmer behandelt werden, sondern m ö g l i ch st v e r- hütet oder unverzüglich beendet werden. So aber wie das Spiel hier getrieben wird, geht es nicht: es geht nicht wie bei der Potsdamer Straßenbahn. Weihnachtsuntcrstüstung für Transportarbeiter. Die Dezirksverwoltung Berlin des Deutschen Transportarbeiter- Verbandes hat auch in diesem Jahre Solidaritätsmarken zum Preise von S und 3 Mark ausgegeben, deren Ertrag für die Weihnachts- Unterstützung der arbeitslosen Verbandsmitglieder Verwendung finden soll. Die Generalversammlung war dafür, daß jedes in Ar- beit stehende Verbandsmitglicd mindestens 2 Solidaritätsmarken zu entnehmen hat. Mit der Auszahlung der Unterstützung soll bereits morgen Montag begonnen werden und zwar gemeinsam mit der � fälligen Erwcrbslosenunterstützung, d. h. an dem Tage, wo die regelmäßige Erwerbslosenunterstützung fällig ist. Anspruch auf die Weihnachtsunterstützung haben solche ar- ; beitslose Verbandsmitgliedcr, die am 1. November sechs Wochen dem Verbände angehörten, für diese Zeit Beiträge entrichtet haben und am Zahltage drei Wochen arbeitslos sind und dafür den ein- wondfreien Nachweis erbringen können. Die Untcrstützunassätze be- tragen: für Ledige und Verheiratete ohne Kinder 10» Mark: für Verheiratete mit Kindern 120 Mark. Außerdem hat der Verbandsvorl'and beschlossen, den unter. stützungsberechtigten Mitgliedern aus Mitteln der Hauptkasse eine Weihnachtsunterstützung zu gewähren, die sich nach der Zahl der ge- leisteten Beiträge richtet. Anspruch auf diese Unterstützung haben nur diejenigen arbeits- ; losen Mitglieder, die am Zahlungstage mindestens 13 Werktage ar- I beitslos sind. Den Arbeitslosen, die innerhalb dieser Zeit einzelne i Tage gearbeitet haben, kann zur Erfüllung der Boraussetzung für den Unterstützungsbezug die Zahl der Arbeitslosentage bis zum 1Z. November zurück angerechnet werden. Anspruch auf die Untervützung haben auch die für die laufende Unterstützungsperiode ausgesteuerten arbeitslosen Mitglieder, sofern die vorstehenden Voraussetzungen erfüllt sind. Deutscher Transportarbeiterverband. Die Berliner Buchdrucker nahmen in II gut besuchten Bezirksoersammluungen die Wahlen, zur Besetzung der Bezirksleitung sowie die Wahl der Delegierten zur Generalversamm- lung des Berliner Gaues vor Die Mandate gelten für die Dauer. eines Jahres. Seit der Spaltung der Sozialdemokratischen Partei wurde die Austragung der politischen Differenzen auch in die Ge- wcrkschaltsbewcgung hineingetragen und die Rivalität um die De- setzung der Funktionärpostcn nahm immer schärfere Formen an. Hie Richtung Moskau! Hie Richtung Amsterdam! erscholl die Pa- role. Als dritte Richtung erschien die USPD.-Fraktion aus dem Plan, die es in ihrer ganz„schlauen" Taktik fast immer fertig brachte, sich zwischen zwei Stühle zu setzen. Die„Zellenbrüder" schufen sich mit dem„Graphischen Block", die„Taktiker" mit der„Opposition", ihre Kampsorgane. Beide Richtungen waren sich einig in der Be- kämpfung der„Bonzen" und der„Gewcrkschaftsbureaukratie", um nach erfolgter Entthronung der Bonzen sich selbst an deren Stelle � zu setzen und der Gewerkschaftsbewegung eine„ganz neue" Richtung zu geben. Trotz oft zutage tretender Gegensätzlichkeit gaben sich beide Richtungen manch Schäferstündchen in den Bezirks- und I Generalversammlungen des Berliner Gaues. Gar oft warf die USPD.„schöne Augen" zu den stolzen Attackercitern der sofortigen Aktion! Waren auch die Leninschen Thesenanbeter nicht immer zu- gänglich den Lockungen der„Taktikcr"-Fraktion, die— ach so gerne — den stolzen Reitern den Steigbügel hielt, bei Wahlen war es anders. Da lagen in den Armen sich beide und gelobten sich gegen- � seitig die Treue! So auch diesmal. Mit vereinten Kräften mußte der große Wurf gelingen. Die SPD.-Fraktion war aber inzwischen auch nicht untätig geblieben. Sie schlug die Attacke der Moskauer glänzend ab und warf die USPD. auf den von ihr selbst gewählten, Platz: zwischen die beiden Stühle! Das Resultat der Wahlen war das folgende: Sämtliche bisher inneaehabten 10 Bezirksleiter-. Posten blieben der SPD.- F r a k t i o n erhalten, nur einer verblieb den Kommunisten, aber auch nur mit Hilfe der „Taktiker". Die Wahlen der Delegierten ergab folgendes Re- fultat: von den 437 auf die elf Bezirke sich verteilenden Mandaten erbielt die SPD.- F r a k t i o n 429, die Kommunisten„eroberten"! 6 Mandate und die„Taktiker" der USPD— 2 Mandate! Aabrikarbeiker! Die über die Deutschen Kabelwerke verhängte Sperre wird hiermit aufgehoben. Die Differenzen sind auf dem Vergleichswege erledigt Alle arbeitersreundlichen Blätter werden; um Abdruck gebeten. Verband der Fabrikarbeiter, Die 1. Belriebsrälekonferenz der chemischen Industrie beginnt. heute in Frankfurt a. M. Ueber den Verlauf derselben wird noch berichtet.' Achtung. Kupferschmiede! Durch Vergleich vor dem Schlich-- tungsausschuß wurde festgelegt, daß sämtliche Arbeitnehmer, dies unter den Tarifvertrag für das Kupferschmicdegewerbe fallen, ab- 1. Dezember d. I. eine außertariflicheZulagein Höhe von 2,5 0 M. zu den ab 1. Dezember 1921 festgelegten tariflichen Löhne,: erhalten. Ledigen Kollegen unter 22 Jahren werden 2 M. gezahlt. Gleichzeitig machen wir noch unsere Funktionäre darauf auf-- merksam, daß für das nächste Jahr grüne Legitimations-- karten ausgegeben werden. Die bisherigen alten Karten sind mit Ablauf dieses Jahres ungültig. Wir ersuchen unsere Kollegen, die neuen Karten unter Angabe der Wohnung und des Betriebes vom Bureau abzuholen. Der Vorstand. SVD.-Verkraucnleule und Vetriebsräke des Bekleidungsarbeiier- Verbandes. Montag, 7% Uhr, im„Englischen Garten", Alexander- straße 27b, Versammlung. Mitgliedsbuch der Partei und Gewerk- schaft legitimiert.—_ Der Fraktionsvorstand. Bergarbciterstreik im Zwickauer Revier. Am Freitag trat die Delegslbait iämilicher Schächte der Bürger« gewerlschait in den Streik. Die Werkleilung erklärt, daß sie keiner- lei Anlaß zum Streik gegeben babe und hat Verhandlungen mit dem Bergarbeiterverband eingeleitet. ge»tral»eria-d de« Schubm-ch-r. DranAenversamm'unqen am Montag, ß Uhr: M-chanischc Wcndcabteilung, Dcbcrstr. 2<: guschneiderei.»Spenickca Straße t27s: gwirter und gwickerlnnen, Weberstr. t7. Sla Uhr: Wender und- Wcndcfrauen, im gllrstenliof, Ndnenicker Straße 187.— Dienstag. 5 Uhr: Iugendnersammlunq, göpeuiiter Straße 127». 6'- Uhr: Branchcnveriammlunz der Maschinenarbeitcr und ginnislhe Abteilung, Markushof, Markusftr. 18. Deutscher Transvortardeiierverband(Grunve D., Papier und Pappenl». Montaa. 5 Uhr, bei Bitte. Poststr. 2S, VertrauensmSnncriißunq.— Branche Graphisches Eemerbe, Gruppe Buchhandel: Dienstag, 7 Uhr, im Rationathof„ Biilowitr. Z7, EruppenNersammlung. Deutscher Rauarbcttcrverbanb. Fliesenleger und Selfcr! Moniog, vorm. 10 Uhr. öffentliche Bersainmlung. Tagesordnung: Unsere Lohnbewegung. Dcnischer Solzarbriterperbanh. Branche der ltlavierarbeiter: Montag, 7H Uhr, Branchenversainmlun». Brauerei Königsiadt, Schönhauser Allee lO'll. Bcrichtcrstatiuna oon den Verhandlungen Uber Lohnerhöhungen. Beschluß- fassung Uber Annahme des Abkommens und des Tarifvertrages. Bezirk 12(Etegtiß). Eißung der GcwerkfchaftskommMon Montag. 7 Uhr. Lokal Lcnßkn, Groß-Lichterfelde, Hindenburgdamm 54. Alle Delegierten, Dc- trlebsobleutc sowie Betriebsvertraucnsleute von Droß-Lichterfeld« werden er- sucht, zu erscheinen. gentralierbanh der Angestelltr». Montag: itrankenkassenangeNellten: 4 Uhr. Mitgliederversammlung in den Sophiensölcn, Sophicnslr. 17/18.— Provinzia!- Gencralagenturcn: 7 Uhr, Mitgliederversammlung in den Sophiensiilen. So- phienstr. l7'18.— Post., �crnsvrech- und Telearavhrniimter: 7>,h Uhr. Mit- gliederversammlung in den Mustkersölen. Kaiser-Wilhelmstr. 81.— ßigaretten- industrie: Vi Uhr. Mitgliederversammlung in den Armiuhallcn. llomman» dantenstr. 58'SS.— Funktionäre der AGG.. Siemens-, Beramonn-, Ssram- werke: 7',» Uhr, Funktionärversammlung in den Sovhiensälen. Sovhienflr. 17'18. Die Maßregelung unserer Äolleaen Mar Schröder und Walter Weiß: Berichte van der Lohnversammluna am 10. Dezember 1921.— Dienstag: Tertil, Bekleidung, Leder: 71h Uhr, Funltionärversammlung in der Neuen Philharmonie, Löpcnicker Straße 96 97. EPD.-fttnktioaäre der Aoljindnstrle: Dienstag, Uhr, Eißung irr ltrllgcr, Sngelufer 22. Perantw. sllr den redakt. Teil: Dr. Brrnrr Peisrr, Dhorlottenburg: fvr An- zeigen: Th. Gloik», Berlin. Verlag Borwärts-Berlag G. m. d. L., Berlin. Druck: VorwärIs-Duchdruckerei ll.Berlagsanstai» Paul Singer u. So.. Berlin. Lindenstr. 3. Hierzu 4 Bcilagen. Ca|6 ZiclUa ❖ Jfargaretcnsaal<• Tägl 2Vorsillp.,nachm.4,/jU abds.SUhr. Siehe he tigesl- sera« der Theaterseite Sind Lun�enleiden heilbar? Bei Asthma, Lungen- u. Kehlkopftuberhaloae. Schwindsucht, Lnngeo- spttzen-Katarrb, veraltetem Husten, Verechlclmung, Inngbesteliender Heiserkeit lese jeder die Broschüre mit o ügern Titel Der Ver asser, Herr Dr med GuHmann, Cheiarzt der Finsenkurans'alt. zeigt darin in volks-erständ- 1 eher Weise natürliche Wege zur Beseitigung dieser schweren Leiden jeder Kranke erhält diese R oschüre auf Wun-ch-ollsrändle iimrnn t Man schreibe Pohimann& Co., Berlin 224, Mflggelstr. 25 a. nur eine Postkarte an I ahne 5 u. 8 JTiU. mit TriedensUautschuk 5 Jahre schriftl. Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bei Bestellung von Gebissen gratis. Kronen v. 30 Mk. an. Spez.; Zähne ohne Gaumen. Keine Luxuspreise. ahn-Praxis Katvani, flanzigsr Stral] 1. Stoffe für Herren- u. Damen-Bekleidung beste Fabiliete, groBe AusfiM,Virfiai( metem.se Koch& Seeland b.?: Gertraudtenstr ße 20— 21. 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Wangenhcim vor. Am IS. März sprach ich nochmals mit Lüttwitz und sagte: Es inüsse jju Ende gehen und alle am Unter- nehmen bstüligtcn Personen mußten ersetzt werden. Lüttwitz fragte mich, ob ich hindenourg als Führer des Militärs her- anholen wollte. Am 16. abends begann die Verhandlung im Reichs- justizmlnistcrium. Ich habe die Verhandlungen skizziert. Am 16. abends kam auch Hauptmann Pabst und verhandelte im � Reichsjustizministcrium über die sogenannten Bedingungen Kapps. Minister Schiffer war der Vertreter der Regierung und sagte, ein formelles Verhandeln mit den Kapp-Leuten käme für die Regie- rung nicht in Frage. Am 17. März waren erneute Besprechungen bei Schiffer, nachdem die nationale Einheitsfront ge- ! scheitert war. Simson, Gothein, zeitweise Gras Westarp, der die Verbindung mit der Reichskanzlei aufrecht erhielt, waren an- wefend. Lüttwitz sollte ins Reichsjustizministerium kommen, das lehnte Schiffer zunächst ab. dann aber hörte er wenigstens später zu, wenn er nicht mit Stuttgart sprach. Gleichzeitig fanden die Ver- Handlungen über die A m n e st i e statt, an denen Gothein, Hirsch, Simson, Doye und ich teilnahmen. Es war die Frage, ob der Reichs. tag oder die Nationaloersammlung amnestieren konnte. Staats- sekretär.Joel führte aus, daß nur der Reichstag amnestieren könne, da die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Kapp ein- leiten müsse und das Justizministerium ihr nicht in den Arm fallen könne. Wir waren für Amnestie, auch Gothein. Die Herren der Sozialdemokratischen Parlei wollten mit Lüttwih nicht mehr ver- handeln. Wir sagten ihm, es könne nur noch der Rückiriti in Frage kommen. Lüliwih verlangte die Amnestie und Bewilligung feiner politischen Forderungen. Plötzlich erschienen zwei junge Offiziere, und es gab dramatische Szenen. Sie erklärten, die Reichswehr hielte nicht mehr zu L ü t t w i tz. Wir sahen die Katastrophe kommen und blieben bei L ü t t w i tz. der totenblaß wurde. Er verlangte Treue, aber die Offiziere sagten ihm, sie könnten nicht anders. Lüttwitz war vernichtet, wir alle erschüttert. Nun war Lüttwitz zum Rücktritt bereit. Relchsstlsllztninisie? a. D. heinze. hierauf wurde Reichsjustizminister a. D. heintze gehört, der einleitend die Unterredung zwischen Lüttwitz, hergt und ihm schil- derte und erklärte, daß die Hauptunterhaltung zwischen hergt und Lüttwih geführt worden sei. Der Zeuge führt dann weiter aus: Am nächsten Tag« kam Lüitwitz zu mir in den Reichstag. Er erklärte, dah er bessere Besoldung der Truppen fordere. Als ich erwiderte, es feien keine Mittel dafür vorhanden, sagte er:„Dann hole ich sie mir von der Reichsbank." Ich entgegnete:„Dann wird man Sie verhaften." Lüttwitz antwortete: „Wenn man mich abseht, schlagen meine Ossiziere alles kaputt." Schließlich beruhigte ich ihn, und wir schieden. Ich hoffte ihn vor Dummheiten bewahrt zu haben. Am 13. März traf ich im Zuge nach Dresden Ebert, Koch und Giesberts. Ich wußte von den Vorgängen in der Nacht vom 12. zum 13. nichts und fragte, ob die Herren einen Ausflug machten. Nein, erklärten sie, wir sind auf der Flucht. Es wurde beschlossen, General Maercker nach Berlin zu senden. Maercker empfing un? sehr kühl. Er ließ von seinen Absichten nichts merken. Ich redete Maercker zu, er solle mir vertrauen und auf dem Boden der Verfassung bleiben, da Deutschlands Entwicklung nur auf dem Boden der Weimarer Verfassung möglich sei. Am Abend traf ich dann noch Giesberts und Koch. Am 14. März fuhr ich mit Maercker von Dresden nach Berlin, und er sagte mir, er wolle mit der Kapp-Regierimg verhandeln. Die Verhandlungen mit Kapp habe nicht ich. fondern hergt und Stresemann ge- führt. Am 16. oder 17. März sprach ich mit Schiffer, als die Kom- munistengefahr drohte. Schiffer bat mich, auf Oberst Bauer einzu- wirken, um die Kvmmunistcngefahr zu beseitigen. Oberreichs- anwalt Ebermeyer: hat die Amnestie der Nationalversamm- lung zu Recht bestanden? Zeuge: Formell jawohl. Ober- reichsanwalt Ebermeyer: Welche Ziele hatte Lüttwitz? Zeug«: Lüttwih wühle selbst nicht, was er wollte. Auch kapp hatte die Aktion zweifellos nicht durchdacht. Justizrat Görres: hat Minister Koch in Dresden den Generai- streik erwogen? Zeuge: Nein, aber ich glaubte sowieso, daß der Generalstreik kommen würde. Mir war es sofort klar, daß der Kapp- futsch sich totlaufen mußte. Rechtsanwalt Böttger: estand in Ihrer Partei die Ansicht, dah die Kapp-Regierung sich durchsetzen werde? Zeuge: Ich habe dem Aufruf der Partei da- mals ferngestanden. Die Namen Herrn v. Jagows und Wangen- Heims hörte ich nicht, wohl aber den Namen Schiele. Roskcs Zeugenaussage. Nach der Mittagspause wurde der frühere Reichswehrminister und jetzige Obcrpräsident von Hannover Gustav Noskc vernom. men. In dem Augenblick, als Noske vereidigt werden sollte,'erhob sich Rechtsanwalt Böttgcr-Berlin und protestierte gegen die Ver- eidigung, da Noske dadurch Teilnehmer am Kopp- Putsch(t) geworden sei, dah er es unterlassen habe, rechtzeitig Anzeige wegen Hochverrates gegen Kapp und Lüttwitz zu erstatten. obwohl er Kenntnis von dem Unternehmen gehabt habe. Das Ge, richt lehnte nach kurzer Beratung diesen Antrag des Verteidigers ab, da keinerlei Anzeichen dafür beständen, dah Noske sich mitschul- dig gemacht habe. Oberpräsident Noske bekundet: Gärung bestand in der Reichswehr schon vor Unterzeichnung des Friedensvertrages. Man strebte eine Wiederaufnahme des Kampfes'mit der bralimmi GeoSer WeihnaGtS Vertäu? Damenwäsche HausWäsche r alternd rai' Ansatz 48.— TagKemd Ein- u. An». 69.~ NacktkemJ nuAnaatz98."• GannturTaghemd u., q/-| Beinkleid m.Stickerei" ßemkleid mit Ansatz 55.-- W ei ß s r Unterrock.5 mit breiter Stickerei." 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In der Marine-Brigade spielte die Politik eine f,ewisse Rolle, da Lüttwih und Ehrhardt sich auf die von der Deutschnationalen Partei erhobene Forderung auf?!eu- wählen stützten. Die Marinetruppen waren nn sich ein strittiges Gebiet, dn sie äußerlich als Marinetruppen firmierten, aber Gene- ral Lüttwig unterstanden. Auf Druck der tknienlekommission hin wurde dann beschlossen, die Formationen aufzulösen. Man begte zwar damals noch Hoffnung, daß man ein Heer von 200 000 Mann bewilligt erhalten würde, doch habe ich diesen Optimismus nie geteilt. Am 6. März hielt L ü t t w i tz der Marinebrigade in Döberitz eine Ansprache,'in der er der Truppe versprach, sie nicht aufzulösen. Vors.: Wußten Sie vorher von dieser Parade nichts? Noske:?!ein. Ich wurde erst durch die Presse dar-! über informiert. Ich stellte Lüttwitz zur Rede und entzog ihm den Oberbefehl über die Brigade, den ich dem Admiral � v. Trotha übertrug. Am 10. März wurde ich von Offizieren des! llieichswehrministeriums gewarnt, ich solle Lllttwitz, der Dumm- heilen im Schilde führe, scharf beobachten lassen. Gleichzeitig hörte ich, daß General Lüttwitz gebeten hatte, vom Reichspräsidenten emp- fangen zu werden. Ich rief Ebert an, und bat zu dieser Besprechung hinzugezogen zu werden. Lüttwitz erschien mit den Generälen v. Oldershausen und Oven. Anfangs brachte er mili- tärifche Beschwerden über Unterbringung der Truppen und Ver- ringerung der Reichswehr vor. Er belzauptete, daß englische Offiziere ihm gesagt hätten, sie würden eine Auflehnung gegen die Heeresoerminderung wohlwollend dulden. Das erschien mir gänzlich ausgeschlossen. Dann erhob Herr v. Lüttwitz seine politi- scheu Forderungen und betonte, er lege großen Wert darauf, daß Reichspräsident Ebert und ich auf unseren Posten blieben. Ich ent- gegnete ihm, ich. ließe mir kein Pronnnciamento eines Generals gefallen und fragte ihn weiter, ob er sich nicht überlegt habe, daß eine Militärrevolle zu Mord und Todschlag in der Truppe führen müßte. Ich er- wartete, daß er daraufhin seinen Abschied nehmen würde. Am 11. März hörte ich dann weiter, daß in der Ratio- nalen Vereinigung ein reges Kommen und Gehen fei und stellte Haflbesehlc gegen kapp. Oberst Bauer, Schnitzler und Hauptmann Grabowski aus. Die Polizei versagte jedoch und die Verhaftungen mißglückten. Darauf verfügte ich die Verhaftung des Oberst Bauer und des Hauptmanns v. Kessel. Kapitän Ehrhardt zu verhaften, war nach»Ansicht meiner maßgebenden Ossi- ziere unmöglich. Vors. Sie haben dann aber doch den Admiral von Trotha nach Döberitz gesandt? Roste: Ich wollte erst selbst nach Döberitz fahren, aber General Reinhardt warnte mich. Bei der Zuspitzung der Lage könne es leicht sein, daß ich von der Marinebrigade festgehalten werde. Vors.: Haben Sie die Berliner Garnison nicht alarmiert? Roske: Jawohl, unmittelbar nach der Rückkehr Admirals v. Trotha, der mir aller- ding- versicherte, er habe nichts Verdächtiges in Döberitz gesehen. Die Sicherheit Berlins übertrug ich General Oven, der sich jedoch seiner Ausgabe in keiner Weise entledigte. Er sicherte nur dos Re- gierungsvierlel. Nachts fuhr ich dann durch die Stadt und war über die beschränkte Sicherung peinlich berührt. Man hätte ein paar hundert enlschlossen« Leute in den Wald an der Heerstraße schicken müssen, um die ganze Ehrhardt-Gesellschaft zusammenzu- schießen. Oldershausen und Oven fuhren dann abends nochmals zu Ehrhardt, der sich seines Hochverrats klar war, da er Straffreiheit für sich und'die Truppen verlangte. Ich ant- wortete ihm. daß ich mit ihm nicht verhandle, und daß ich sein Kommen niit Kugeln beantworten würde. Ich bin noch heute, ent- gegen die Ausfassung der militärischen Autoritäten, der Ansicht, daß ein paar Maschinengewehre den ganzen Spuk verhindert halten. Vors.: Wie schätzen Sie die Ehrhardt-Brigade militärisch ein? Roske: Als Kampstruppe waren die Marinebrigaden Ehrhardt und Löwenfeld das Beste, was es überhaupt gab. Löwenfeld fagte mir einmal, er würde, wenn er die Erlaubnis bekäme, von Ober- ichlefien aus die ganze polnische Armee in Fetzen schlagen. Das mag übertrieben gewesen sein, aber die Jungcns waren in der Tat vor- züglich. Ich hätte auch aus die Brigade Ehrhardt trotzdem schießen lassen, was das Zeug hielt, aber außer General Reinhardt rieten mir alle mein« Herren von einem Kampf ab. Das Kabinett war dann in der Rachffitzung auch der Ansicht, daß man einen Kampf vermeiden solle und daß man von außen her dem Spuk sehr bald ein Ende machen könne. Bei keinem Minister be- stand die Annahme, daß durch unser Verlassen Berlins etwa die gesetzmäßig« Regierung erledigt sei. Oberreichsanwalt Ebcrmeyer: Was wissen Sie von den Vorgängen in Dresden und Stuttgart? Roske: Ich hörte in Dresden, daß meine Ministerkollegen Koch und Geßler und General M a e r- ck e r gegangen seien und mit ihm verhandelten. Ich hielt das für un- richtig. Am nächsten Tage befahl ich General Maercker zu mir. Als er kam, wußte er noch nicht, nach welcher Seite er fallen sollte. Ich merkte das aus seinem ganzen Auftreten und seiner Anrede mir gegenüber. Dann sorgte ich dafür, daß er nicht mehr seine De- peschen erhielt, sondern daß sie mir zugeleitet wurden, und aus diesen Telegrammen ersah ich, daß� Maercker bereits in innigem Verkehr mit Berlin stand. Inzwischen kamen Vertreter der Dresdener Garnison zu mir und sagten, sie würden ihre Offiziere totschlagen, wenn diese Herren nicht bei der Stange blieben. Ich war freilich der Ansicht, daß eine solche radikale Maßnahme gar nicht notwendig sei. Ich habe auch gesprächsweise zu General Maercker gesagt:„Wenn es Ihnen Spaß inacht, bann fahren Sie nach Berlin und sehen Sie sich die Leute an." Aber in keiner Situation des Kapp-Putsches war ich bereit, mit den Kapp-Rebellen zu verhandeln. Oberreichsanwalt: Glaubten Sie, daß Kapp die Regierung stürzen wollte? Roske: Lüttwitz war ebenso wie die anderen Herren persvnffch ew netter Mensch. Aber ich hatte den Eindruck, daß er und seine Freunde über das politische Verständnis Ikjähriger junger Menschen nicht hinaus- gekommen sind. Ob Lüttwitz nicht noch mehr gewollt hätte, wenn ihm sein Vorhaben gelungen wäre, lasse ich dahingestellt. Rechts- anmalt Grünspach: Weshalb wurde Minister Schiffer denn in Berlin zurückgelassen? Hatte er etwa den Auftrag, mit Kapp zu verhandeln? Roske? Keineswegs, er sollte nur dartun, daß die Regierung weiter zu Recht bestäube. Rechtsanwalt B ö t t g e r: Ich muß Ihnen einige Vorhaltungen machen, Herr Zeuge. In dem offiziellen Bericht des Reichswehrgruppenkom- mandos I stellt sich manches anders dar. Unter dem Generalstreik- aufruf der sozialdemokratischen Regierung steht auch Ihr Name. Haben Sie den Aufruf unterzeichnet oder ist Ihr Name von Herrn Rauscher gefälscht worden? Roske: Ich habe meinen Namen zwar nicht unter das Dokument gefetzt, aber ich war damit einver- standen, daß er darunter gesetzt würbe. Justizrat Görres: Sie haben Kapp und seine Freunde„Rebellen" genannt. Ver- stehen Sie darunter Leute, die sich gegen die gesetzmäßige Obrigkeit auflehnen? Roske: Jawohl. I u st i z r a t Görres: Das wollte ich nur von Ihnen wissen, v. I a g o w: Bin ich dem Zeugen als„verdäch- tig" bekannt gewesen oder genannt warben? Roske: Rein. Slcesemann. Hierauf wird Abgeordneter Dr. Stresemann vernommen, der über die Vorverhandlungen zwischen Heinze, Hergt und Lütt- witz aussagt. Seine Aussage deckt sich im wesentlichen mit der von Hergt. Der Zeuge erklärt dann: Oberst Bauer erklärte mir in den Tagen vom 6. bis 8. März, daß an einen Militär- putsch nicht zu denken sei. Am Vorabend des Zusammen- bruches holte mich Kapp ab zur Reichskanzlei und fragte mich, ob die Deuffche Volkspartei sich an einer Regierungsbildung beteiligen würde. Ich lehnte dieses Ansinnen rundweg ab. Lüttwitz hat bei dieser und den Verhandlungen am nächsten Tage betont, daß er nur seine Forderungen erfüllt sehen wollte. Dann sei seine Mission erledigt. Lüttwitz machte mir den Vorschlag, den Senioren- k o n v e n t des Reichstages zur Regierungsbildung zu be- rufen. Das zeigt wohl am deutlichsten, daß er alles andere als ein Politiker war. Ich habe dann später Lüttwitz bewogen, im Reichsjustizministerium zu den Verhandlungen mit den Parteien zu kommen, obwohl Hauptmann Pabst die Verhandlungen in der Reichskanzlei führen wollte. Lüttwitz fügte sich jedoch meinem Wunsch. Man einigte sich dann in den Sitzungen auf Neuwahl des Parlaments und des Reichspräsidenten, auf die Ernennung der Fachminister und die Amnestierung der Kapp-Teil- nehmer, Lüttwitz wollte pro lomw sein Amt noch einen Tag be- .kleiden, schließlich gelang es uns, ihn davon zu überzeugen, daß sein sofortiger Rücktritt notwendig war. Den Wortlaut der Amnestie- rung legte Unterstaatssckretär Joel fest. Nach Abschluß dieser Ver- hanblungen zog dann Iustizminister Schiffer sofort wieder in die Reichskanzlei ein und damit war die verfassungsmäßige Regierung wieder eingetreten. Nach einer kurzen Vernehmung des Admiral«». Trotha wird dann die Sitzung auf Montag früh vertagt. 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BetonndnoiButio Bei der Wahl der Ar- deitgebervertreter zum Ausschuß unserer Kasse am S. Dezember IS21 sind insgesamt SSI Stimmen abgegeben morden. Davon mar»ine Stimme IivgLllia. sadaß iiitg attl» »jg« Stimmen gezählt morden sind. Davon entfallen auf Lisie I 838 und aui Liste Ii 54 Stimmen. Hiernach erhäitdie Ltsii! 25 Vertreler und 52 Er- saßmänner und Lifte II 4 Vertreter und 8 Ersatzmänner. Veschmerden gegen die «Bsimgleit der Wahl oder die Zuteilung der Mandate sind innerhalb eine» Monats vom Tage der Belannnnachung an beim Versichcrunasamt der Stadt Berttn, Klosier- straße 85 67, einzureichen. Beilin-Steglitz. 22/12 den 18. Dez. Ig2t. Allgemeine Ortskranlen. taffe für Berlin. Steglitz. Liehe, Borsitzender. $■ Pflanz, Schrtstfiihrer. Orkskrankcnkasse der Buchbinder u. verw. Gewerbe zu verlin S i n l» d u n g »u der am Donnerstag, ven 29. Dezember 1921, abend» S Uhr. im Landrc. Au fchk., Stralaucr. Ecke Waise»str.,staltfindenden tzerorSontllchen '-srnm Tagesordnung: 1. Proiololloeriefung. 2. Sabungsänderung der 83 18. 20, SO und 48. 3. Verschiedenes. Um pünktliches Erscheinen ersucht Der Borstend «uhecordl MslSO 'hu tiinjsslfllle Berlin N 54, LlnieisliiSe 83/115. Defchästszeit von vorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr. Telephon- Amt Norde» 833,»34.»35,»3». Achwnst! Gürtler. A-bwng! Bekanntmachung BetrlebsMenkasse IStadtgemeiDde Berlin Einladung Iltonlaq, den 12. Sejembcc, vachn». 5 Uhr. im«cicheubarger yof. Sietchenberger Str. 147 Allgem. Versammlung der Bijouterie» und Galanterie- branchc. Tagesordnung: 1. Dir Arbeitsbedingungen in nuseren 2. Vertchiedenes._ Lohn- tnh Betrieben. Olenstag. de» 13. Cetctnbct, nach in. S Ahr, ia den Arminhctlleu, aommandaclsnstc. SO: AM" Außerordentliche"WZ Branchenversammlnng der Metallschleifer, Galvaniseure, Berzinner, Silberpolierer» Hilfs- arbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1.«ericht von de» Verhandlungen über dl« Wafchzeit für Metall» fchleifer und Daloanifeure. 2 DIslut flott. 3. Branchenangelcgenyctten sind Verschiedene». Achtung Achtung! Gold- und Silderarberter. Mittwoch, 14. vezembrr, nachm. SV, Ahr, vredeuer(Sorten, Dresdener Sie. 43: Versammlnng aller in den Gold» und Zilder- fabrike« beschäftigte» Kollegen. Sei starken Naaraus» tili., Haarschwund., Haargrlpp.,Kopf{UCk., usw. lind, man erlolgr., gewissenhatte Behandl in meiner Haarklinik. Bruno Welgt, Haanp., Berlin W, Netielbeckst.lt Unauffäffig erhalten ergrauteHaaie die früh Naturfarb.wied. d. Reichels Regenerator. Dunk, allm.u. ist unver- waschbar. I2.-U 18,50 m. Otto Reichel, Berln 43, SO, Elsenbahnstr.4. Mittwoch, den 14. Dezember, nachm. 5 Ahr, in der Aula des Schiller-Lyzeum», Ponlstr. 14: Branchenversammlung aller in der Geldschrank-Jndustrie beschäftigten Kollegen. Taqesordnung: 1. Bericht der Tarif. kommijsio». i. BranchenangeiegenheUen und Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch lein Zutritt. VM" Die Funkiionäre der Branche treffen sich Dienstag, den 13. Dczbr., nachm. B Uhr. Badftr. 44 103/14 Sie Srtsuermultuuy. Seutseber Bekleidijogsarbeiter-Verlianil Filiale Berlin. Sebastianstr. 37/38. Achtung� Achtung? Miirs-MriiM-SchiiMr! Montag, den\2. vezember. abend» 7 Ahr bei Milte. Sebastianstr. 39: Mitglieder- Versammlung für alle in obiger Branche be- schäftigten Kollegen u. Kolleginnen Tagesordnung: t. Bericht von den Verhandlungen mit den AcdrU» gederu. 2. Dtslussion. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch oder-karte legitimiert: ohne dies oder mit mehr als 8 reftiereuoen WochenbeitrIIgen kein Zutritt. 8t3/18 Die Bommlfslon. zur ordentlichen fchuitsitznna' i kranken kaffe aemetnde Aus- der Vet rieb der Stadt- Berlin am Freitag, 23. Sezemb.-r, nachmttta s 5 Uhr, im Rathaus. König- üratzs 15/18, Eingang Illdenstratz«, Zimmer 109 Tagesordnung: t. Feftfetzuag des Bor- anschiagss für 1922 2. Asnderung des z 17 1, betreffend Wochenhilfe, und des tz 22 II, beireffend amilienwochenhilie der atzung au» Ansatz des Gesetzes vom 24. Juli I0N, Reichsgcfetzdlatt Seit« 1189. und Äende- rnng desJ88 der Satzung. betreffend die Vetannt- machungen der Rasse. 3. Befchutziassung über Vereinigung der Be- Iriedskrankenkaffe der StadtgemeindeBerlin mit den anderen Betriebs- irantenkoffen der Stadt- gemeinde Groß- Berlin itz 5» VI! der Satzung). 4. Verschiedenes. 5. Wahl des Rechnung«- ausschusse». „Der Angeklagte Molke reibesitzer Reinhold Lette Beriin-Schönederg, Kaiicr-Frledrich-Etr. 6. ist wegen Mtichversäischntta zu einer Geiditrofe von 1500 M.. an deren Stelle tm Nichtdettreidungssalle ein Tag Sesängni» sue fe 15 M tritt, kostenhflichtig ver- urteilt worden Dies wird hiermit üffetUltch bekannt gegeben- Berlin, den 7 vltobee 1021. Amtsgericht Berltn-Schänederg, Abt. 45. KriegsanisiNe wird zu 84% in Zahlung genommen. Manien Trauringe Uhren, Platin, Oold-i bliilaer u.Silber-Bruch sowie1 onn Münzen-Sammlungen ,DiuA':"�,old???""l kauft Jedes Quantum zum h Sehst en Auslandspreise A. 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Wir greifen dos folgende hübsche Abenteuer heraus, das von einem Fuchs berichtet, der seinen Mann fand: .Ich las mit Vergnügen/ so schreibt uns ein Leser,.Ihren Groß�adtscherz„Ein Fuchs'. Der Schaffner war nicht so auf dem Posten wie vor Iahren in meiner Heidelberger Studentenzeit der Stationsbeamte am Fahrkartenschalter in Ebersbach(Odenwald). Ich befaß einen vorzüglich erzogenen Fuchs, der mir ohne Leine, wie ein Hund, nachlief, Pfoten gab und neben mir auf dem wackligen Studentensofa sein Schläfchen hielt. Als da» Semesier zu Ende war. mußte er natürlich mit nach Hause genommen werden. Ich ging also zur Bahn und forderte ein Fuchsbillett, Hundebillett lehnte ich ab. Der Schalterbeamte der Universitätsstadt hatte Humor und ließ mich mit meinem Rotsell passieren. Leider tonnte ich nicht durchfahren, sondern mutzte in Eberbach nach Hanau umsteigen. Am Eberbacher Schalter kam die Sache anders. Auf meine Forderung:.Ein Fuchsblllett', brummte der Beamte:„Mache Se keine Sprich, nemme Se e Hundebillett.' Ich weigerte mich mit derselben Begründung wie Ihr.Fuchs' auf der Elektrischen. Mein tüchtiger Badenser war aber nicht zum Humor gestimmt: .Wenn Se kein Hundebillett nemme wolle, so isch der Fuchs e wildes Dier un muß nach dem Tarif in enne feste Käfig als Eilgut oer- schickt werde... Also Se have die Wohl.' Ich nahm kleinlaut das Hundebillett, meinen Fox unter den Arm l-.nd zog ab. So geschehen im Sommersemester 18S1 auf dem Bahnhof zu Eberbach im Odenwald. Genügenöe kehlenreferve öer Gaswerke. Wie ein Berliner Abendblatt gestern abend unter der aufregen- den Ueberlchrifl„vor dem Zusammenbruch der kiohlenversorgung' berichten zu können glaubte, sollen auch die Berliner Städtischen Gaswerke mit ihrem Bestand nur noch wenige Tage reichen, während die Verhältnisse bei den Elektrizitätswerken noch schlechter sein sollen. Wie un» mitgeteilt wird, besteht zurzeit eine derartige Gefahr für die Berliner Gaswerke nicht: ste sind vielmehr in dem üblichen Umfange hinreichend mit Sohlen versehen, so daß zur- zeit keinerlei Grund zur Besorgnis vorhanden ist. Unfall eines Millionenboten. Es gibt noch ehrliche JInder in Berlin. Als gestern nachmittag der Magistratsdiener Hermann P. aus der Wilhelm-Stolze-Straße, ein seit Iahren in den Diensten des Magistrats stehender zuverlässiger älterer Beamter, die Kronen st raße passierte, wurde er von einem Auto a n g e- fahren, umgerissen und blieb besinnungslos liegen. Passanten bemühten sich um ihn und veranlaßten seine Uebersührung noch der Rettungsstelle 14, von wo er nach dem Städtischen Krankcnhause In Moabit gebracht wurde. Dort mußte leider ein schwerer Schädelvruch und Gehirnerschütterung festgestellt werden. Die Verletzungen sind so schwer, daß große Gefahr für das Leben de» Verunglückten besteht. Do er zurzeit noch besinnungslos ist, konnte er auch nicht über die näheren Umstände seines Unfalls vernommen werden. Der Direktor der Stadthauptkasse hatte auf Ersuchen de? Arztes der Rettungsstelle zwei Beamte entsandt, die zu ihrer Bestürzung feststellen mußten, daß unter den Papieren de» Magistratsdieners ein Scheck in Höhe von mehreren Mil- lionen Mark und etwa 10 000 Mark an barem Gelds fehlten. Kurze Zeit daraus erhielt die Stadthauptkosse die Mit- teilung, daß ein P o st b e a m t e r, der sich um den Verunglückten bemüht hotte, das bare Geld an sich genommen und an seiner Dien st st eile abgeliefert hotte. Der Scheck hatte ein noch viel merkwürdigere» Schicksal. Er war von einem U n b e- kannten gesunden worden, der ihn ohne weiteres an die Reichsbankkasse geleitet hatte. Hühner, Gänse, Tauben, Kaninchen. Eine Landpartie nach dem Magervielshof. Für eine Landpartie just nicht das rechte Wetter, können sie. Viel Freunde haben die L a ch s h ü h n e r, die Franzosen sind, grollend die Interessenten sagen, die nach dem Magerviehhof in aber die deutschen Hühner können unbesorgt mit ihnen in Konkur- Friedrichsfelde pilgern. Der einzige freundliche Farbton in der renz treten. Namentlich fallen die Hamburger Silberlack- kahlen Winterlandschaft sind bunte Bilder von Kaninchen und Hüh- nern, die Wegweiser nach der Brandenburgischen P r o v i n z i a l- Geflügel- und Kaninchenaus st ellung sind, die in der großen Wollhalle de» Magerviehhofes stattfindet. Die Beschickung der Schau ist überaus reich, denn 3200 Stück Geflügel und 2300 Kaninchen gackern, schreien und langweilen sich und die S i l b e r b r a ck e l unter den deutschen aus. Ferner gewahrt man prächtige Italiener und Silberbrackel in Sammelstämmen. Die Wundergans für 1000 Mark. „Ach wärst du doch mein eigen, wie lieb solltest du mir sein". denkt wohl mancher, wenn er tiefsinnig— eine Gans betrachtet. Da» bei hat er dann ein ganz eigentümliches Gefühl im Magen und Er- in ihren Käfigen, um ein paar bewundernde Blicke zu erhaschen, innerungen an vorkriegliche Weihnachten. Sieht man doch begeh- Berlin und Nachbarschaft haben sehr viele Exemplare gestellt, und renswcrte Nutzticre unter diesen Hommerschen und Emdencr Gänsen mancher Kenner wird wohl recht erstaunt darüber sein, welche Klein- und den Toulousern. Letztere kosten im Durchschnitt etwa lOOZ M. tiergrößen ihr Domizil in der Umgebung der Millionenstadt haben. � Sammelstämme von Pering-En ten fallen schwer Gewicht ™"S°»F°?"r?? 7'?"�-«°7 ss'ää um vorsichtige Behandlung des kleinen Reisenden bitten. Denn diese gQrf,e nach könnten sie in das Wunderland gehören.— Unsere Provinzialausstellung präsentiert die besten 3 u ch t e r g e b-. fanbtcn selbstverständlich bestes Material und daß nisse. Wie bekannt, hatte der Krieg die Kleintierzucht einfach ab- � wir unter unseren Mitbürgern passionierte Züchter haben, bewiesen gedrosselt. Daher macht es jetzt Freude, nicht nur eine Erholung fest- schon die beiden Berliner Ausstellungen. In Friedrichsfelde sind wieder vornehmlich die Original-Berliner, die der kleine Mann sich sogern auf Dach oder Boden hält. Ferner die hervor- ragend gezogenen S t r a s s e r und die Brieftauben, die in zwei Gruppen, nämlich in die Schönheits- und Reiscbrieftauben zer- festzustellen, und gute Anfänge zu beobachten, sondern wirtlich sagen zu können, es ist bereits wieder Großes erreicht. Diese Tatsache ist eine Aufmunterung, die nicht zu unterschätzen ist. Zur Ausstellung gelangen durchweg gut gezogene Tiere. Es soll eben der überzeu gelangen ourcyweg gut gezogene unere. ES ou eocn oer uverzeu-"„.........___ � n.nh. JLx... Q,, rf.. vj. fallen. Unter den anderen Schonheitstauben sieht man E l st e r n, gende Beweis erbrocht werden, daß reine Zucht die Produktivität Psgutauben, Perückentauben, Mövchen und Bärt- �° er9', r,$ äroa.r 3vunwIe,n �®p°rtf Ci9'°ber der ist nicht �„ zzie höchsten preise werden für zwei Römer verlang!, die je 500 M. kosten, während man für einen Trommler 1000 IN. fordert. Jür Kochtopf unü Pelzgarnitur. Fleisch und Fell liefert da, K a n i n ch e n. Es ist für den Haus- halt eine gute Hilfe, wenn man sich an die mittleren Wirtschaftsrassen teuerste alte Henne 2000 IN., junge höhne 750 IN. und die teuerste das, st schwer und nur m.t Unkosten zu be chaffen Fre.l.ch machen junge Henne 1500 IN. Besonders zahlreich sind die rebhuhnfarbigen s'* � f�0"- � �« l gl f ch e n diesen und dachen Rielen. , X I i.»-„«!. f!„h I,;», fc»;'iiA I L, s ch e ck e n. Doch auch die weißen und blauen Wiener, die Ja- Warf � paner und die Havanna und all die anderen Rassen haben Liebe �nd chre Aufmerksamkelt a�sschtte�ich diestm Namm und �- Freund- Reizend �Itet- die weißen H-� �Züchte? SrT™ mäßiaem BeÄaufkvrLw S-n Äesi�b?»' MÄ-rlal s?to. Schlages erziel, mau aber nur durch Rassenzucht, das gen. Neben den rebhuhnfarbi�en und� i ist die lebendige Predigt der Schaustücke. In der. Ausstellung gibt als Zweck zu betrachten, sondern als Liebhaberbewertung. Das kostbare Prachtgeflügel. Die Bronze-Puten sind der Stolz der Ausstellung. Wenn man diese Hühner erwerben will, muß man, falls sie überhaupt käuf- lich sind, recht tief in den Geldbeutel greifen. Denn, von den aus- steht man auffallend schöne schwarze Italiener. Sie sind allgemein so beliebt, weil Italiener und INinorca die größten Eier legen, und zwar SO bis 100 Gramm schwere. Ein alter INInorca-hahn tostet auch 1000 M. und kür junge Hähne wird die gleiche Summe ver- langt. Die weißen Minores sind seltener vertreten und von den ge- sperberten sind sogar nur drei angemeldet. Wyandotten sind in allen Farben zu sehen, nämlich in weiß, schwarz, gestreift, gold, silber. blauqold, rebhuhnsarbig, dunkel und hell. Das teuerste Tier, ein blougoldenes. ist in Lichtenrade zu Hause. Es steht mit 3000 IN. 'nm verkauf. Eine Augenweide unter den schweren Rassen sind die M e ch e l n e r. Sie werden wohl fünf bis sechs Pfund schwer und unter den gelben O r p i n g t o n hat man Klotzen, die bald aus- sehen, al« ob sie Fettsucht hätten. Einige Hennen, dicke gespreizte, ! gefiederte Fleischklumpen, wiegen acht Pfund. Sie sind gute Nutz- Hühner, zumal sie Winterleger sind. Vasselbe kann von den Zwerg- b ü h n e r n berichtet werden, die, sie sind eigentlich eine züchterlsche , Spielerei, über diese hinaus zum Nutzhuhn wurden. Denn — frisch» Eier Im Winter sind einträglich. Als Modehühner sind die gestreiften P l y m o u t h» anzusprechen. Zeichnung, hoher Fleischgehalt. Schwere und Schönheit werben unablässig für es kleine Winzigkeiten von Kaninchen, 234 bis 3 Pfund, und große Sclbstbewußtheiten von über 15 Pfund. Von wesentlicher Bedeu- tung ist dos Angora-Kaninchen durch sein vorzüglich zu ver- wertendes Fell. Diese Seiden kanin müssen gerupft und gekämmt werdn. Aber sie sind gutmütig von Natur, haben Primadonnen- allüren und sind daher für Körperpflege und Derschönerungsmaß- nahmen sehr empfänglich. Die Felloerwendung hat ein ganz ungeheures Ausmaß. Bett- vorleger und Sosakissen, Pelzumhänge und Ehaiselonguedecken, alles, alles wird as Kaninchenfell hergestellt. Eine Pelzgarnitur, Schwarz- loh. blaue Wiener usw., kostet aber auch über 1000 M. Prächtig sind die Sealpelerincn mit Hermelinkragen. Zu kostbaren Stücken benutzt man' beste gefärbte und geschorene Winterfelle. Mancher wird.. sedoch, wenn er die Pelzwarenabteilung gesehen hat. kläglich den Kops hängen lassen und denken:„Mein Haarhut ist echt, er ist der Stolz der ganzen Famille, meine Aktenmappe ist Florida-Rind, mein'�n" Portefeuille ist Krokodilleder, mein Fensterleder ist feinstes Wild- leder und für alles waren womöglich ein paar brave Kaninchenböcke Lieferanten." Hoffentlich ist bereits dafür Sorge getragen, daß die Ehrlichkeit der beiden Finder, die die Stadt vor großem Schaden bewahrt haben, angemessen belohnt wird. tvereinfachte MietSkiindignng. Der 1. Vorsiyenoe des MieieinigungSamieS der Stadt Berlin hat zur Bereinfackiung des Kündiguiigöveriahren« am lO. d. MtS. eine allgemeine einstweilige Anordnung erlassen ssn der den Veim�eiein tiir beslimmte Kündiguugesälle die bcaniragle Zustimmung zur Kündigung vorläufig erteilt wild Unter dir'e Anordnung lallen nur Kündigungen, die nach dem Bertrage oder, wenn in diesem darüber nichts vereinbart ist, noch den geietzlichen Bestimmungen be» einer Kündig ungSfri st von wenigstens drei Monaten zu», 1. April 192 Z. erfolgen lönne» und die nur eine Steigerung der Miete bezwecken. In der Bekannimachnng wiid noch besonders darauf Hingewiese», daß die Kündigung durch die B e r ö t s e» i l i ch u n g der Anordnung nicht ersetzt wiid. Bielmehr muß der Vermieter ordnungsgemäß und icchize>tig lüutigen, nachdem iei» An« «rag bei der zuständigen MieieinigungSablrrlung eingegangen ist. Mit Bezug auf die bereits e r f o l g I e n Kündigungen belagt die Aiioidnung. daß diese nur wirksam sind, wen» ihiien>ni em« zelnen Falle vom zuständige» An,! beionderS zugrsiiinnii woiden ist. Kolonisten aus Weltschmerz 9s Bon Wilhelm Rhenlu». Hier interveniert der Doktor. Er protestiert energisch gegen die Aufopferung eines berittenen Mannes zugunsten eines Kanarienvogels, selbst wenn er ein Harzer Klingelroller! sei, und schlägt ganz gelassen vor. den Vogel so lange mit „pulverisiertem Mais" zu füttern, bis er sich entweder daran gewöhnt, oder aus dem Rücken liegt. Frau Luisa, die Schürze ror den Augen, oerschwindet wortlos im Zelt. Ich denke über einen Ausweg noch und finde einen: Wir brauchen sowieso verschiedenes, so z. B. Mandioca-Slengel zum Pflanzen, auch einige Hühner, um den Federviehbestand zu komplettieren. Das ließe sich alles hübich vereinigen,.er- klärte ich den Beiden. Ich könnte einen Brief zum Weiter- beföidern an den Hanfsamenmann dem treulosen Pedro über- geben, der uns vielleicht dos Vogelfutter besorgen würde, da er öfter zur Stadt ritte. Es sei„nur" etwa ein Tagesritt bis zu Pedros Haus, und Jeremias würde auf dem Wege nach dorthin wenigstens sein Möglichstes tun. Nach einigem Bedenken willigt der Doktor ein. Frau Luisa ist selig. �. Nun gehe ich. um Jeremias zu holen. Doch da ist kein Jeremias mehr! Umsonst suche ich rings im Wolde. Dann schlage ich mir vor den Kopf: Natürlich ist er aus dem Walde heraus seinem Eeföbrten gefolgt, der ihn unter Pedro kürz- lich verlassen hat. Ein Hanfstrick hält nicht, wenn Heimweh und Freundschaft von der andern Seite ziehen. Ich setze mich entsetzt hin und denke noch. Zur Verbin- dung mit der Außenwelt den Kahn zu benützen, dünkt mir nicht ratsam, da ick die Sandbank noch nicht vergessen habe. Ms einziges Beförderungsmittel bleiben also meine Füße— der Doktor zahlt als Holbinvalide nickt mehr. Ich lchaue in die lang«, dunk'e. verwachsene Pikade hinein. Ein böser Morsch! Aber besser, ich mache ihn jetzt, ehe mich auch so ein Fieber packt, bringe Jeremias oder i'-gendeinen anderen Gaul zurück und verankere ibn für den Rest un'ere, Waldlebens nackts an mir selbst. Der Doktor wird naiü'-lick wieder protestieren. Da Ich mich vor weiteren Auseinandersetzungen scheue, beschließe ich, heimlich zu gehen. Ich gehe zurück, mich vorsichtig umblickend. Der Doktor untersucht, ob der Mais schon keimt, und Frau Luisa wäscht am Bach«. Einen kleinen Umweg um die Beiden machend, schlüpfe ich ins Zelt, kritzele einen Zettel mit einigen erklärenden Worten und sehe mich nach einem Platze um, wo ich ihn befestigen kann, so daß er nicht ungelesen bleibt. Höh! ich habe es. Gehe nach dem Kasten, wo Frau Luisa ihren Mate-Apparat aufbewahrt, und spieße den Zettel auf die Bombilla. Da wird er am ehesten gefunden. Sodann stecke ich mir einige Maiskuchen und Galletas ein, bewaffne mich mit Flinte und Duschmesser und gewinne, das Ehepaar wieder vermeidend, die Pikade, wo ich mit Riesenschlitten weitereile, das Buschmesser fleißig ge- brauchend. Meine hohe Aufgabe begeistert mich, und für etwa zwei Stunden mache ich gute Fortschritte. Dann gabelt sich plötzlich der Waldweg, etwas, was ich auf unserem ersten Ritt natürlich übersehen habe. Jedoch scheint mir gewiß, daß der linke nach der gewünschten Rich- tung führt, und ich folge ihm ohne langes Besinnen. Beinahe zwei Stunden säbele ich durch den sehr verwachsenen Weg, und mache dann an einem Bache Mittagspause. Ich gönne mir eine Stunde Ruhe und dringe dann weiter vor. Die Sonne steht schon tief, als ich zu einem plötzlichen Halt komme. Ich stehe vor einem undurchdringlichen Waldes- dickicht. Die Pikade ist zu Ende. Zu spät erkenne ich, daß ich in ein« Sackgasse gelaufen bin. Vielleicht war dieser Pfad einmal früher von Jägern, Landmessern oder Holzarbeitern aufgehauen und nicht weiter durchgeführt worden. Ich muß zurück. Aber für heute ist's zu spät. Ich muß im Walde übernachten und habe eine Menge Zeit und beinahe alle Kräfte vergeudet. Niedergedrückt und entmutigt setze ich mich und lehne mick gegen einen Baum. Die wilde, fremdartige Umgebung und Einsamkeit drückt mich nieder und matt, wie ick bin. gebe ick mich düstern Ahnungen hin. Es dämmert. Mick ausrastend, gehe ick nach einem In der Nähe murmeln» den Bock hinunter und spüle mit seinem Wasser ein paar Galletas hinunter. Dann säubere ich mir einen kleinen Platz und mache mir ein Lager aus Zweigen Ich kann nicht ein- schsafen Nickt nur. weil ich wie nerädert bin. Es ist der undeimlick düstere, geheimnisvolle Waid der mick schaudern macht und vergangene Sünden in« Gedächtnis ruft. Ein ganzes verfehltes Leben zieht an mir kaleidoskop- artig vorüber, und die unsagbar traurigen, dumpfen Töne jenes tonleileinden Nachtvogels geben eine paffende Musik- begleitung dazu ab. Nach langer Zeit falle ich doch in Schlaf und träume der scheußlichsten Träume. Es kommen fast nur Schlangen darin vor, und mit solchen unter Schenkeldicke gebe ich mich nicht ab. Ich erwache, als es noch dämmerig Ist, und erhebe mich mit schmerzendem Kopf und Gliedern. Frühstück:. Galletas mit Wasser. Dann wandere ich zurück. Nachdem ich eine Stunde gegangen, fühle ich, daß ich olle Gedanken, aus dem Walde herauszukommen, ausgeben muß. Mir ist unsagbar elend und ich bin froh, wenn ich nur wieder nach Hause komme. Mir scheint, daß ich einen eisernen Reif um den Kops habe und bald fröstelt mich. Am Gabel- punkt der zwei Pfade angekommen, hat mich ein heftiger Schüttelfrost gepackt.' Ich eile mit rasselnden Zähnen weiter — nur noch Hause, nach Hause! Nach und nach läßt der Frost nach und die Fieberhitze beginnt mir» ins Gesicht zu steigen und es zu umnebeln. Mechanisch verfolge ich meinen Weg. Ich erinnere mich an nichts weiter von da an, als daß ich, als sich der Fieberwahn zu einer Art Extase steigert, das Lied anstimmte:„Wer hat dich, du schöner Wold!", dabei über eine Wurzel strauchelte und mir die Nase aufichlug. Aus dem Bericht meiner Gefährten weiß ich, daß am Abend dieses Tages ein anscheinend stark bezechtes Jndivi- duum mit einer Flinte auf dem Rücken, einem Buschmesser in der Hand, ohne Hut und mit zerschundener Nase auf den Waldschlag gestolpert kam. Dasselbe wankte— Frau Luisa und den kläffenden Ratz mit einem stieren Blick musternd, an diesen vorbei und verschwand kopfüber in der Palmhlltte. Als ich wieder zu mir komme, seh« ick den Doktor selbst bleich und hohläugig, vor meinem Lager sitzen und mich teil- nahmsvoll ansehen. Ich bin so schwach und matt, daß ich kaum meine Geschichte erzählen kann, dann dusele ich wieder ein. Frau Luisa bringt mir später eine Stärki-vg und plau- dert ein wenig mit mir. Wie blaß und hohläugig auch sie aussieht! Am Abend fühle ich mich ein wenig kräftiger und schreibe diese Notigen. (Fortsetzung folgt.) Kein Tag ohne RanSüberfälle. Der Kaufmann Otto Schuster, der im Ledigenheim in der Schönstcdter Straße wohnt, wurde gestern abend in der ch o o e l- berger Straße in Niederschöneweide von einem ihm unbekannten Manne überfallen und zu Boden geschlagen. Gleich darauf erschien eine Streife der Schutzpolizei, die den Bewußtlosen nach dem Clisabeth-chcspital in Niederschöneweide schaffte. Als ver- mutlichcr Täter konnte der 45 Jahre alte Paul S). festgenommen werden.— In der Nach! zum Sonnabend gegen 4 Uhr wurde der II Jahre alte Gürtler Karl Linke aus der Neuterstraße in der Stallschrciberstraße von dem Maschinenmeister Z e n n e r t aus der Waldemarstraße überfallen und seiner Taschenuhr und Brieftasche beraubt. Ms der Täter die Flucht ergriff, lief Linke hinter ihm her und rief laut um Hilfe. Eine Streife der Schutz- polizei beteiligte stch an der Verfolgung, und es gelang ihr, den Täter zu erfassen und nach der Wache zu bringen.— In derselben Nacht gegen 2% Uhr wurde das Ueberfallkommando Neukölln telephonisch nach der W e s e r st r. 2 0 7 gerufen. Beamten, die dort auf einem Auto eintrafen, erzählte der in dem genannten Hause wohnende Kaufmann Karl I a c o b i, daß er vor seinem Hause von fünf jungen Burschen überfallen und seiner goldenen Uhr im Werte von 10000 Mark sowie leiner Briestasche mit 1000 Mark Inhalt beraubt worden sei. Obwohl man sofort die Verfolgung der Täter aufnahm, wurde keine Spur mehr gefunden. « Um Rache zu nehmen, erschienen gestern nachmittag gegen ö Uhr, unter Vorantrogung einer roten Fahne, etwa 300 junge Leute vor dem Trödelkeller der Frau Minna Vogel im Hause Ackerstroße 46. Eine Anzahl drang in den Keller ein und oerlangt« die Herausgabe des Ange st eilten, der vor einigen Tagen lam S. d. M.) auf die Plünderer geschossen hotte. Gleichzeitig wurden von außen her zwei Schaufenster- scheiden des Trödelgeschäfts zertrümmert, ebenso die doppelte Ein- gangstür des Kellers. Zwei Schüsse, die von der Straße her in den Laden abgefeuert wurden, gingen glücklicherweise fehl. Als die her- beigerufene Schupo erschien, war die ganze Bande geflüchtet. Miesmuftheln und Quappen. Der Verkehr in den Zentralmarkthallen war am Sonn- abend ein sehr starker, es herrschte tatsächlich Hochbetrieb. Natür- lich setzte stch das Publikum nicht nur aus Käufern zusammen, son- dern es waren auch viele Schaulustige und Suchende gekommen. Als seltenere Erscheinung muh man die Miesmuscheln an- sprechen, die überhaupt ers. im Kriege volkstümlich wurden. Die Mu schein kosten das Pfund 2 M. Für lebende Quappen muß man 8,50 M. zahlen, für Karpfen 13,50— 15 Mk, für Hechte 12,50— 13 M. und für Zander 16 M. Die F l e i s ch p r e i s e hielten sich aus der gewohnten Höhe, das billigste Kopffleisch war leerer Kalbskopf— 2,50 M. Speck ist etwas billiger geworden und tostet 28 M.< Meister Lampe ist in zahlreichen Exemplaren vertreten. Er kostet durchweg pro Pfund 10 M. und ausnahmsweise magere Hös- chen 9,50 M. Ein ganzer Hase 59 M. Auch füllen viele Gänse die Verkaufsstände. F e t t g ä n s e kosten im Kleinverkaus Pfd. 20 M., Bratgänse Pfd. 18 M., im Großoerkauf Pfd. 15— 13 und 10— 12 Mt. Für Ta u b e n muß man 8— 9 M. ausgeben. Während die Ausgabe für ein Ei sich nach wie vor auf 4 M. beläuft. Apfel ftückchen kommen nachgerade In Mode. Sie und bedenklich angefaulte Aepfel kosten 1 M. und 1,50 M. Die Besitzer sagen:.Es ist bloß die Schale", oeraten aber nicht, ob nur die Schale genießbar oder verfault ist. Rotbäckige Aepfel, besser im Aussehen als im Geschmack, kann man für 3,50 M. erhalten. Ausländischer Blumenkohl„beglückt" uns auch durch seine Anwesenheit. Winzige Blumenkohlköpfe, die Blume ist vielleicht von dem Umfang wie eine große Roll« Kautabak, kostek 3 M. Weitere Sohlenfreiqabe auf Bezugsschein. Das Kohlenamt teilt mit: Vom 12. Dezember 1921 we:den zur Belieferung auf jKnhlenbezugschein für Ofen brond freigegeben: 1. Für die in 8 58 der Verordnung des Magistrats Berlin vom 30 März 1921 genannten Derbraucher weitere 20 Proz.: 2. für Kirchen, Kavellen und Snnagogen weiter« 10 Proz. Insgesamt dürfen dem- nach vom 12. Dezember 1921 aus„Kohlenbezugschein für Ofen- brand" abgegeben und entnommen werden: Für die Verbraucher zu 1. 80 Proz., für die Derbraucher zu 2. 50 Proz. der im Be» zugschein festgdetzten Gesamtkohlenmenge. Vrotkortenstichwort. In der Doche vcm 12. bi« 13. Dezember darf ?rol und Mebl nur ans die Biolkarte abaeneben und emnommcn werden. deren itblchnilte da« Stichwort Ka iser« Tafelschokoladen tragen BezirkSdildungsaiislchuft Groft.Berltn. Heute nachmittag S Ubr im Neuen Volkstbeater,.gövcnicker Strohe öS..Jugendfreunde' von Ludwig Fulda. Karten a MO 21;. einichl. Klelderadlage und Tbeatcrzetlel.— Montag, den 26. Dcrember(S WeibnachtSfeierlag) .Kirchenkonzert', nachmittag» S't, Nkr. in der Akten Marniton» kirche. Neue Friedrichtlrane. Mitwirkend«: Prof. Tdiel. Prof. Walter Fücker. Vrof. Flein ning. die M.rdrigalgereinig»ng. Marken sind einzulöten. Einzelkaitcn a ß.50 M. zu baden im Bureau de« Bezirk4b Iduna«au«schusseS Lindenitr. 3. 2. Hol. 4 Treppen, Zimmer 12 und bei den Mitgliedern der KreisbildunasauSIchüsfe. Ein« Magenkundaebung der vertriebenen Slkatz'Lotbrtnqer. Oltmärter,?>u«ignd«deuiichen und Koloiiiatdeulichen g'gen die Per- schlevpung der leiten» de» Reiche» zu newäbreuden Sntichädigung findet heute. Sonntag. voimiOap» II Uhr, in der Brauerei FriedrichZbain ftatt. Seerosen au« Helgoland. Im Berliner Aquarium sind au« Helga- land piächtiqe, ioqrnannte dirkböinige Seerofen eingetroffen, die einen schönen Schmuck de» grohen Balaltbecken» Nr. 10 der Secwosserabteilung bilden. Weiter beleben einige Wnchsioirn vomMatelmecr undbenncheRödren- wüimcr. die ibre oiangcsarbenen. spiralgewnndenen Kiemenklänze au» ihren langen Kaltröbrcn hcroortlrckeii. da» iiitcressimle Bild In Hadem Matze. Die Wei biiariitvfliiSitellnng im(Sewertictiasrehflu« und der Der- kauf beginnen deute fSonntag» iiachniiltag» um 2 Uhr. Zutritt zur«?. fickligung um 1 Uhr haben nur dle mit AuSwei» velfehenen tSewertschafl». junkl o iSre. Eine WrihnflchtSflusftellung mit Derkaut von guten Büchern. Muffk. insliumn-lf». Wenderouei üslu»g straße). Thema:„Wahl des Genossenschaftsrate»'. Erscheinen Pflicht. 33. Abt.(früher 19.) 7zb Uhr Sitzung samtlicher Funktionäre, Belriebsver» trauenslcutc und Elternbeiräte bei Echonack. Samariter-, Ecke Rigaer Str. 44. Abt. 7 Uhr bei Gläser,«ottbuser Ufer 39/40. Sitzung der Funttionäre. Erscheinen Pflicht. 43. Abt. 7)tz Uhr Funktionärsstzung bei Wolf, Forster Etr. 44. Charlottenburg. 62, Abt. 7V4 Uhr Funltionärsitzung bei Bade, Kalferin-Auaufta- AOee 52.— 58. Abt. 8 Uhr bei Siein, P-llauer Str. 33, Funttionarver- sammlung. Erscheinen Pflicht. Schöneberg. 77. Abt. 8 Uhr Funttionärsitzung bei Will. Martin-Luther-Stroße Nr. 69.— 78. Abt. SPD.-Konsumgenossenschoftler der 36. Verkaufsstelle müssen zahlreich zur Versammlung am Montag 7Vfc Uhr in der Echulaula Feurigstr. 37 erscheinen, da wichti 85. Abt.«ewpelh-s. 7)4 Uhr bei Schmehle. Friedrich-Wilhelm., Ecke Moltke. straße, erweiterte Borstandssibung. Da» Erscheineu sämtlicher Borftond»- Mitglieder und Bezirtssührer Ist notwendig. »0. Abt. Renkäll». 7 Uhr Abteilungsversommlung In der Aula der Knaben. Mittelschule, Donaustr. 12». Referent Max Eroger über:„Politische Zeit- fragen'. Der Fahlabend am Mittwoch, den>4. Dezember, sällt au». 108. Abt. ObelschSneweide. 7)4 Uhr Funktionärsstzung bei Schöning, Wilhel- minenhofstraße. 124. Abt. Mahlsdors. 8 Uhr bei Ander« Funktionärsstzung. 130. Pbt. Pankow. 7)4 Uhr Funktionärsstzung bei Dohnke, Wollankstr. 81. Arbeitsgemeinschaft sazialdewotratischer Lehrer und Lehrerinnen Seeß-Beelin». 7 Uhr in der Aula de« Sophien lnzeum», Weinmeisterstr. 10/17, gemeinschast- liche Sitzung mit der freien Lehrergewerkschost. Es spricht Genosse Ober- stabtschulrat Paulsen. AI« Ausweis Mitgliedsbuch. Frauenveronstaltungen: 37. Abt. 7)4 Uhr bei Seeland, bausburgstr. 20. Thema:„Familie, Ehe und Sozialdeinolratie'. Ref. Emil Buchholz. 48. Abi. 7)4 Uhr im Graphischen Bereinsha»,, Alexandrinenssr. 44. Thema: „Wirtschaft und Polilil. Ref. Minna Todenhagen. Vorwärtsleserinnen und Gäste willkommen. 53. Abt. Chaelottenburg. 7)4 Uhr bei Schneider, Hvltzendorfstr. 14. Thema: „Ursachen der Teuerung'. Ref. Kurt Kietzmann. 116. Abt. Lichtenberg. 7)4 Uhr bei Schlenkrich. Eimplonssr. 42. Thema: ,�ei». rich Heine mit Rezitationen'. Ref. Dr. Max Schlltie. Uebermorgen, Dienstag, den lZ. Dezember: im Lahngnmnossum. Lichtenberg, Marklsir. 2. stattfindende» Elternabend für die weltliche Schule.(Kinder frei.) 4)4 Uhr Treffpunkt im Sesangssaal. 9. Kreis. Wilmersdorf. Achtung SonsumaenossenschafUer. 7)4 Uhr Mitglie- derverfommlung der 08. Berraufsftelle bei Kulka. Lauenburaer Str. 20/21. Tagesordnung: Neuwahl de» Genossinschaftsrale». Kein SPD.-Ritglieb darf fehlen. 7. Abt.(früher 8».). VA Uhr Mitgliederversammlung in K3hler» Festsälen, Tieckstroße 24. Thema:„Die historische Entwicklung unserer Organisation'. Ref. Emil Lehmann. 82. Abt. 71.»emelndeschule, Fruchtssr. 88,«lternversammlung dbenb« 7 Uhr. Thema:„Die Schule der werdenden Gesellschaft'. Ref. Erwin Marquardt. 53. Abt. Charlottenburg. 7)4 Uhr bei Bohne. Schloßstr. 45. ffunltionärsstzung. 74. Abt. gehlendorf. 8 Uhr im Kaiserhos. Potsdamer Etr. ö», MUgliederver- sammlung. Tagesordnung: 1.„Wucher und Steuerpolitik'. 2. Bericht vom Bezirtstag. 8. Bereinsangelegeuhriten. 85. Abt. Temprlhof. Der Weihnachlsfeiertage wegen find«! der Fohladenb de» l. Bezirks Dienstag 8 Uhr im Lokal Rechau, Dorfstr. 1, statt. 80. Abt. Mariendorf. 7)4 Uhr in der 2. Semeindefchule. Känigstr-'ße, Funk- tionärsstzung. Erscheinen Pflicht. 08. Abt. Neukölln. Perlammlung ber Genossenschaftler der 120. Bertaufsstelle (Hertzbergstroße) am Dienstag, den t8. Dezember.)48 Uhr. de! Ruppelt, Kaiser-Friedrich-Llraße. Ecke Sioseggerstraße. Erscheineu aller Genassen- schaftler notwendig! 10». Abt. Köpenick. Achtung. Genossen der Kietzer und Altstadtl 7 Uhr im Lokal Schulze. Mllggelheimer Str. 12. Bersommlung der 89. Barkaussstelle der Konsumgenossenschaft. Erscheinen Pflicht. 114. Abt. Lichtenberg. 7)4 Uhr Mitgliederversammlung bei Rienäcker,«rosseber- straße 14. Ref. Genosse Grimm. 131. Abt. Rlederfchsuhansen. Achtung! Alle Kanfnwgrnoslenschaf»»- nltglteder, welche der SPD. angehöre», werben dringend ersucht, in de» Mitaliedeeuersammluna der beiden verlaufsstellen am Dienstag, abend, 7 Uhr, l» Lokal«ilhelmshof, Kailer-Wilhelm-, Ecke Eich-nüraße, zu erscheinen. Wadlen zum Genoffenschaftarat. Damit die SPD.-Ge- uosseuschaftswitglicder gewählt werde», ist es Pfficht, daß keiner fehlt. Arauenveran stattungen: 8». Abt. Marlenbarf. 7)4 Uhr in ber Echulaula Könlgssraße, Bortrag. »1. Abt. Neukölln, 7)4 Uhr Heiterer Frauenabend im Lokal Mllller, Reuter. straße U. Vortrag de» Genossen Rektor Hegn.«äste willkommen. « 32. Abt. Am 8. Weihnachtsfeiertag, abend« 8 Uhr, Im..Freischütz'. Frucht. straße 86,. Weihnachtsfeier. Die Genossen wollen ihre Sinder bis Mitt- wach, den 14. Dezember, bei der Genossin Klein. Fruchtstr. 20, anmelden. �ugenöveranstaliunaen. Varel» Arbeiter. Jugend. Sekretariat: SW. 08, Lindeuftr. 1, 2, Hof link», 2 Treppen recht». Telephon: Mpl.>2, 08—10. Sonnlag. den II. Dezember: Niederschlneweide. Besuch eine» Museum». Treffpunkt 0 Uhr Jugendheim, Semeindefchule Berliner Straße.— Stralauee viertel. Besuch eine» Muse- um». Treffpunkt 9 Uhr. Rudolfplaß.— Schiaederg. Wanderung durch den Blumeuthal. Treffpunkt 6 Uhr. Schöneberaer Bahnhof. Montag, den 12. Dezember: ».»reis(Krenzderg). Die Turnabende In der Wrangelstraße fallen bl» auf weitere« au».— Gesundbrunnen. Jugendheim Gothenburger Straße 2, Kreismitgliederoersammlun«.— Prenzlauer Polst-dt. Jugendheim Schule Eenefelder Straße 0/7, Diskussson:„Die politische Lage. /lus öer Partei. Erhöhung der parleibeiträge. Nach den bis zum 10. Dezember eingegangenen Meldungen haben die nachfolgend genannten Bezirksorganisationen infolge der Geldentwertung die gewöhnlichen Parteibeiträge ab 1. Januar erhöht für: Ostpreußen 1,— M.(0,60), Brandenburg 1,— M.(0,60), Pommern 1,— M.(0,50), Breslau 1,— M.(0,60), Görlitz 1,— M.(0,50), Halle 1,— M.(0,50), Hannover(0,75 M(0,40), Niederrhein 1,50 M. (1,—), Krefeld 1,50(1,—), Oberpfalz 0,80 bis 1,— M.(0,50), Ober. bayern 0,75 M.(0,40), Pfalz 1,— M.(0,50), Dresden 1,— M.(0,50), Chemnitz 0,80 M.(0,50), Boden 0,80 M.(0,60), Hessen 1,— M.(050), Thüringen 0,80 bis 1,— M.(0,40), Hamburg 1,— M.(0,50). Die eingeklammerten Ziffern gelten für die weiblichen Partei- Mitglieder. Wo zwei Zahlen angegeben sind, bezieht sich die höher« für die Stadt- und die niedrigere auf die Landbevölkerung. �Ins aller Welt. Stürmische Aahrt eines SchleppzngeS. Ein Danziger Schleppzug. bestehend au» dem Danziger Schleppdampfer„Mottlau" und den beiden Seeleichtern.Lima" und .Lulma", wurde dos Opfer eines schweren Seeunglücks. Er hatte vor einigen Tagen Danzig mit dem Bestimmungsziel Reool ver- lasten, beide Seeleichter hatten eine Ladung Petroleum an Bord. Auf der Höhe von Libau geriet der Schleppzug in einen schweren Sturm, in besten Verlaus der Leichter„I u l m a" sank, der an Bord befindliche Führer sowie ein Matrose fanden ihren Tod in den Wellen. Der Schleppdampfer„Mottlau" lies daraus mit dem Seeleichter.Lima" Pernau als Nothafen an, wo die Petroleum- ladung des Seeleichlers gelöscht wurde. Don hier au» ging er nach Libau, von Libau wieder noch Danzig in See. Auf der Höhe von Bruesterort gerieten beide Schiffe abermals in einen schweren Sturm. der Seele ich ter wurde vom Schlepper losgerissen und trieb zwei Tag« und zwei Nächte hindurch bis auf die Höh« von Nidden im Meere. Von hier au» wurde ein Memeler Schlepper aufgefordert, der das Schiff in den Memeler Hafen brachte. Von dem Schleppdampfer„M o t t l a u" hat man bisher n i ch t s gehört._ Die Posizel ZnkernaNonale. Vor einer großen Versammlung von Justiz- und Polizeibeomten aus allen Teilen Hollands in Amster- dam sprach Geheimrat Dr. H e i n d l aus Berlin über Polizeiorgani- jation und über einige ausgewählte Kapitel seines Buches„Die Dak- tyloskopie und die sonstigen technischen Methoden der Kriminalposi- zei". Zu Ehren de» Vortragenden fand nach einem Empfang beim Bürgermeister ein von der Stadt Amsterdam veranstaltete» Festesten statt, besten Tijchredner die Notwendigkeit zwischenstaatlicher Zu- sammenorbeit aus dem Gebiet der Bekämpfung der Verbrechen be- tonten. An den Veranstaltungen nahmen u. a. teil der Kabinettsches Dr. von Lier, der Unterstaatssekretär im Justizministerium Collard, die Polizriprästdenten von Amsterdam.Rotterdam und Utrecht, der Chef der Slaatsanwallschast Baart de lo Faille, sowie Prinz Hatzfeld mit den Herren des deutschen Generalkonsulats Amsterdam. Wasternol im Zndustrlebezlrk. In verschiedenen Städten Rhein- land-Westfalens ist infolge der andauernden Trockenheit empfindlicher Wassermangel eingetreten. Zum Beispiel kann die Düsteldorfcr Wasserversorgung nicht mehr in der gewohnten Weise durchgeführt werden, so daß in den oberen Stockwerken der Häuser und in höher gelegenen Teilen der Stadt der Wasterzusluß fehlt. In Solingen mußte der Badebetrieb In den städtischen Anstalten eingestellt werden. Auch da» Boden im Hause ist dort bei Strafe verboten. Erdbeben in Zapan. Die japanische Botschaft in Washington hat Berichte erhalten, wonach Tokio von einem Erdbeben heimge» sucht wurde, wie es in solcher Stärke seit zwanzig Jahren nicht vor- gekommen ist. Eine Anzahl Personen wurde verletzt und zahlrt-che Häuser beschädigt._______ Geschästttcke Mitteilungen. Da« Zn»eleuhau, Marqeal«. Co.. Bettin, ftanonlerftt. 0 und Tauetttzier- straße 18a. empfiehlt Juwelen, sowie als Spezialität Perlenketten und ntack.i außerdem auf sein geeßes Gold, und Silbctlaaet aufmttKajn. VSetterberlcht bi» Montag mittag. Neberwiegend bewölkt. imSessen milde und etwa» Ziegen, sonst meist Irocken. im Nordwesten leichter F:o!. (Schluß de« rebatti.ncOen Teils.) 3** �andl soeben. erschienen Jetziger Vorzugspreis für vand 1 gebunden in Halbleinen 154 Mark, später mindestens 176 Mark. in Halbpergament 1S7 Mark, später mindestens 209 Mark. Allld Bopö 2-4 nierDen Den Snölkrltiemra jo einem un mlnoeftens ia% ennflöiQten vrejfe gelleierl. Siosiflnnifliet vro oett kofteaios. Sichern am- rru»f5 igten{&ubPrtpiion&prct& tO.3an.t922 MWlilW San Bios, Betiin sw. es. VoMaai Zvs. Soaistl. s. vommesronw 20?4g; WESTEN l NORDEN SÜDEN OSTEN in Os/ und West.,. üöensll in Berlin erhöltensiein den emschld&gen Geschäften die guten Massa£y~£lGatetten. Ein Beweis für die Güte unserer MerKen. i/r teilen. Sie selbst! Massafs�Caia 60*3 Gustave Zlaubert. 1821— 12. Dezember— 1921. Lon Hermann Wendel. Zu Beginn de» Jahres lSS? hatte sich ein bis dahin unbetann» ter Schriftsteller vor der Pariser Strafkammer zu verantworten; zu den Personalien gab er an. Gustave Flaubert zu heißen, ge» boren in Rouen, 35 Jahre alt, aus guter Bürgerfamilie stammend, bisher unbcstroft; auch hatte er noch keine Druckschrift vor die Oeffentlichkeit gebracht außer der einen, die zur Anklage stand. Das war, im Lauf des vorhergehenden Jahres in Fortfetzungen in der»Revue de Paris" erschienen, der Roman.Madame B o v a r y". Der Staotsanwmt des zweiten Kaiserreiches, da» Karl Marx mit Recht ein«.Brutstätte aller Fäulnis" genannt hat. erklärte dieses Werk— o ewiger Brunner— für eine unzüchtige Schrift und donnerte gegen den Realismus, der das Leben ohne Hülle und Schleier, in ganzer Nacktheit und Kraßheil male. Auch die Richter drehten den alten Leierkasten des.ewig Wahren. Guten und Schönen". Trotzdem kamen sie zu einem Freispruch. Aber ob Freispruch, ob Verurteilung, dieser Prozeh an sich bedeutete den Sieg de» literarischen Realismus; die einfache Geschichte von der Sehnsucht, dem Fall und- den selbstge- wählten Tod der Frau des ländlichen Wundarztes Booary war seine Geburtsurkunde und blieb zugleich sein wichtigstes Dokument. Freilich wollt« Flaubert nichts davon wissen, Gründer einer neuen Richtung zu sein. Er war kein Programm-Macher. Er strebte nur ein Künstler im fanatischsten Sinne des Wortes zu sein, der sich wie in eine Klosterzelle von Welt und Leben absonderte, um sich ganz in seinem literarischen Schaffen auszugeben. Literatur hieß ihm nicht Handwerk, sondern Heiligtum. Niemand vor ihm und nach ihm war so versessen darauf, die Sprache zu kneten und zu pressen, bis endlich ein Satz seine letzte zureichende Form ge. fanden hatte; zwölf Stunden täglich saß«r am Schreibtisch und arbeitete an einer einzigen Seite oft Tage, ja Wochen lang! Diese arbeitete an einer einzigen Seite oft tage», ja wochenlangl Diese Diese freiwillig« Absperrung aber mochte ihn menschlich zum Son» derling. In seinem Glauben an die ewige Dummheit der Masse, in seinem Widerwillen gegen die Demokratie spiegelte sich gewiß eine Zeit, da das Boll sich immer wieder, 183l>, 1848, 1951, schnöde prellen ließ, die Demokratie ein Zerrbild ihrer selbst war und der dritte Napoleon mit dem allgemeinen Stimmrecht seine Taschen- spielerkunststückchen mochte, aber es lebte darin auch die völlige Vcrständnislosigkeit eines Einsiedlers, der die Welt zwar scharf, doch aus dem Provinzwinkel der Normondie betrachtete. Doch der am liebsten jede Spur seiner Privatexistenz ousge» tilgt hätte, hat ein Recht, nur nach seinem Werk beurteilt zu wer» den. Schon daß mit diesem Werk der Realismus aus den Thron kam, sicherte ihm seine revolutionäre Bedeutung. Die bi» dahin herrschende romantische Literaturgattung hatt« ungewöhnliche Men- schen in den Mittelpunkt ungewöhnlicher Schicksale gestellt, einen Knoten kunstvoll geknüpft und nachher ebenso kunstvoll gelöst und vermochte ohne geheimnisvolle Billetts. Hintertreppen und Fall- tiiren kaum zu arbeiten. Der Realismus aber gab das Alltags- leben von Alltagsmenschen ohne Schmink« und Schönheitspfläster- chen getreulich wieder und wirkte, indem er Kleinbürger, Bauern. Arbeiter und Dienstboten, indem er Dutzendmenschen mit Durch. schnillsempfindungen und-eelebnisien liebevollster Schilderung für wert erachtete und so die»Gleichheit vor der Kunst" verkündete. als literarische Ausdrucksform der demokratischen Strömung. Realismus war angewandte Demokratie. Aber tn einer Gesellschaft, die so sehr die Lüge in all ihren Abwandlun- gen zur Grundlage hatte wie das zweite Kaiserreich, war Realis- mus auch revolutionäre» Bekenntnis; die Wahrheit, wenn auch nur ip der Kunst, aufs Fahnentuch schreiben, hieß einen Schlag gegen die tönernen Füße des napoleonischen Cäsarismus führen. Seinen ganzen Haß schüttete der Dichter über den Bürger aus, nicht im Sinne einer sozialen Kategorie, die dem Bourgeois den Proletarier gegenüberstellte, sondern aus dem Trieb des beschwing. ten Künstlers herau», der in der kompakten Majorität platter, selbstgefälliger,.fortschrittlicher" Kleinbürger das Hemmnis jeder Entwicklung erkennt. Die Gall« über die Erdenträghett dieser Dielzuoiclen trat ihm nicht nur ins Blut, sondern auch In die Literatur. Wenn ein im alten Karthago spielender Roman wie .S o l a m b o" oder die grandiose Prüfung und Verwerfung aller Götter und Glaubensbekenntnisse in der.Versuchung des heiligen Antonius" eine Flucht Flauberts aus der eklen Gegenwort darstellte, so schwang er in den Lüchern, in denen er Rhythmus und Wesen dieser Gegenwort einfing, die Peitsche über sein« Zeitgenosien. Wahrscheinlich wollte er mit der.Madame Booary" und der»Sentimentalen Erziehung" nur Wunderwerke des Stils schaffen, nur, wie später die Zolosch« For» mel lautete,»ein Stück Natur, gesehen durch ein Temperament", geben, aber da s«in Temperament von solcher Mischung war. wurde eine gallenbittere soziale Satire daraus. In einer Zeit, va von je 100 sich verheiratenden Französinnen 45 des Schreibens unkundig waren, hob er seine Madame Booary durch höhere Bildung, tiefere Gefühle und stärkere Triebe unter ihresgleichen nur hervor, um sie. den einzigen Menschen in dem Buch, der einen Flug über den Alltag hinaus nimmt, dem Stumpfsinn und der Niedrigkeit ihrer Umgebung erliegen zu lassen. In dieser Umgebung macht sich als schwatzhafter Bildungsphilistel der Apotheker Homais wichtig, ein Generalbevollmächtigter jeder Plattheit und Beschränktheit, aber von d«r Regierung ausgezeichnet. Ihn als Muster einer in Mil- lionen vorhandenen Gattung erkennen, heißt die Grundpfeiler er» fassen, auf denen das Bürgerkönigtum Ludwig Philipps ruhte, heißt das Geheimnis des Staatsstreiches vom 2. �Dezember und die 18 Jahre Kaiserreich durchschauen. Bis zum Staatsstreich führte die.Sentimale Erziehung"; neben Strichzeichnungen aus dem Provinzlebcn gab sie Ausschnitte aus dem Paris der vierziger und fünfziger Jahre; noch mehr als die»Madame Bovery" war es ein Roman ohne Held und Hand- iung, denn der schwächliche, von seinen Empfindungen hin- und her- gerissene junge Mann Flederic war alles andere als ein Held, die Geschichte seiner Enttäuschungen, in denen Flaubert die große Ent- täuschung, den bitteren Ekel einer ganzen Generation zusammen- faßte, alles andere als eine Handlung im landläufigen Sinne. Aber welch ein« Fülle von Gestalten um ihn herum, wirkliche Menschen, wie wir sie jeden Tag auf der Straße treffen, lauter Durchschnittsbürger. Zola hat dieses Werk den einzigen histori- schen Roman genannt, den er kenne. Die Februarrevolution er- richtet darin ihre Barrikaden, dos Volk erstürmt die Tuilerien, der Monarch ist bei Nacht und Nebel davon, ungebändigte Begeisterung rauscht hinein und dann treten alle auf den Boden der gegebenen � Tatsachen. Alle versichern, daß sie„im Grunde" immer Republi- kaner gewesen seien, Kapitalisten rufen gerührt aus:»Wir alle sind Arbeiter!', aber das Eigentum, da es bedroht scheint, wird zu s einer Religion. Aber man verachtet die Republik wegen ihrer; Schwäche und bereitet die Reaktion frühzeitig vor— wir reiben s uns die Augen: st«ht das in Flaubert zu lesen oder in der deutschen! Wirklichkeit von 1918, von 1921? Gustave Flaubert. 1889 gestorben, war mehr als ein großer � Künstler. Voll Verachtung für die Dummheit der Menschen, die| Hohlheit ihrer Idol« und die Barbarei ihrer Einrichtungen hatte! er den Mut, einer Zeit und Gesellschaft, die der Bürger überall mit Blumengewinden kränzte, m«t seinem ganzen Werk ein starres: Nein! ins Gesicht zu schleudern. Im MarmorhanS gab«4 eine zweiteilige Komödie von a n n h Carlfen»Das Mädel von Pieadilly', ein Zelnik-Film mit Lha Maro in der Titelrolle, der die vorzeitige Hoftnung aus ein toirllicheS Zilmschau. Der«oldwyn.FIIm..Da? e n t I-b l e i e r te Bild", von Louis Eber iv in, den die Decla emsührt, ist ein durchichnittlichei ameriianischer Tpielsilm, dennoch als solcher iür unS iehr lehrreich. Der Sch siSreeder Cabot heiratet gegen den Willen der Verwaudtichail seiner veiltorbenen Fiau in zweiter Ebe die Eizicberin seines Jungen, welche durch die Umtriebe im Kreise der Benachteiligten und durch die eigene märchenbaste Sclbftlosiateit in den Verdacht der Untreue gerät, während die belastenden Liebcsbiiete taliächlich von der veinoi denen Vorgängerin stammen. Alle» llärt sich Ichtienlich und kommt tnS Lot. wie sich; gehört. Diese wenig tiberraschend uiw durch eine vielsach recht dickflüssige Scnti- Mentalität besawerte Handlung ist aber durch die DiStretion deS ZpicleS. wwie durch Döhlen und Dcchseln der Bilder so genießbar gemacht, daß alle Banalität und Unwabricheinlichteit verschwindet. Interieur und Um- gebung de« Cabolschen Landhauses, ein Ansenlbalt in einem großen See- bade geben in geschmackvollen und gewinnenden Ansichten da« Milieu eine« wohlhabenden Leben«, nicht wie bei uns in der üblichen Schieber- »leganz. die in der Hauptsache von armseliger Stalisleiimastcrade bestritten wird. Aus alle äußeren Gewalt sarnleiten, so sehr auch ununterbrochen die Spannung durch daS Tempo blitzschnellen Bilderwechsel« settgehalten wird. ist vkrzrchlel.— Perci Slaning al« Tadot. Sri F r c d e r i ck al« die strau beweisen, daß man«inen inoderuen Spielfilm zu einer guten Wirkung düngen kann, ohne daß man sich durch ein Dutzend unmotivierl gewechseller Garderoben, durch beständiges Zigareltenrauchen oder Waden. zeigen den Anstrich döberen Dalein« geben will. c. deutsches flilmlustiviel, das immer noch fehlt, bald zunichte machte. Zu- nächst wird ohne jeden Grund wieder mit englischem Milieu und euglische- Namengcbung gearbeitet. Ein Lord verliebt sich in daS einzig« weibliche Mitglied eines WandcrbrettlS. daS Picadillymädcl. heiratet eS und sübrt da««nkant rombls, da» schon mehr eine Uadams Sans-Göne ist, in seine entsetzte feudale Familie ein. Soweit könnte es trotz aller Un- orginalität der Mittel immerhin im Menschlichen harmlose Komik bergen. Da aber die Heirat gleichzeitig gewisse ErbanSsichlen intriganter Verwandten zerstört bat, begeben Meie den üblichen Perlentctieiidicbilah!, um sich für die entgangene Erbichait schadlos zu ballen und gleichzeitig die Brettltady zu verdöchtiaen. Damit wird die Geschichte, gleich im ersten Teil, zum ge- wöbnlichen Detekliofllm mit Versolguilgen per Bahn und Auto, Ver- llridungcn und ftallen, ftlucht über Dächer, Enilarvung des Schnrten und Sieg der Tugend. Der Detektiv ist in diesem stalle natürlich das Picadillh- Mädchen, ans dem auch eine wirkliche überlegene und humorvolle Schau- Ipielerin nicht mebr bäite machen können, als die von Regifleur und Photo' grophen arg im Stich gelassene Lyn Maro. Kaiscr-Titz liilchirrle liebrnswürbig den Lvrb. A l b e r t V a t r h gab die eindrucksvolle Charge eines aiten steudalherrn, der es mit der Brcttllady hält, Wilhelm Diegeimann wuide, wie gewöhnlich, in der Rolle eines biederen Dreivirrtelidiolen mißbraucht und K a r l H n s z a r, ein östlicher staity nicht obne schauspielerische AnsdiuckSmillel, bcglcitcie als Breltllumpan die srüberc Kalleom tonlrasticrend durch ibre recht äußerlichen Abenteuer. Wieviel elndiucksvoller aber wäre daS Ganze gewesen, wenn man es in deutschem Milieu belasten und die Intrige niibl aus die totgehetzte Detcltivmanier abgewickelt hätte. G. Das Zlerra-Tbeater bringt zwei Nrauffühnmgen»Das toi« Hotel" iübrt in die Welt der Hotcldiebe und Falschspieler, wie sie in ileis gleichbleibender Gewohnheit immer und immer wieder für den Film Irisiert wird. Dann Ip-elt noch einer, der Detektiv sein will, eine Rolle, und mit bemerkenswertem Ungeichick hat man es versucht, der ganzen Geichichle ein soziales Molio unterzuschieben. Die zweite Urausiübrung betiiell sich »Dc-r Gral, die Tänzerin und der SinalSanwalt". Bei dieiem Dreiklang läßt sich ichon eiwaS denke», nur I d a N ü st, der Ver- faflerin Meies stilmipielS, siel nichts ein. ES reicht einzig und allein zu veifilmter Kolpoltag«. Edith Melier schmintl sich alS Tänzeriii Glut- äugen, daß lleine Kinder bange weiden können, und Bruno Kastner, obwohl er mitunier sehr gute Momente bat. müht sich ehrlich mit leiner Rolle ab. Er wird aber deS ungeraienen GraiensobneS nicht recht irob und sieut sich offenbar weder über daS Nngeraleniein noch übe:..l Grasen. o. b. In der Schauburg beschert man den Besucher» zwei Filme und eine Bübncnichau. In sechs Akten siebt man. B e l r L g e: de-, Volkes". Die Firi-kcit der Filmmanuskripiliejeranten wob nämlich um daS Geschehen in" Weit- und Sportlonzerncn einen.glorreichen" Er- inncrungStranz. Und der Regisseur Boele v-rschrieb sich den lässig eleganten Charles W i 1 1 h Kaiser, um die Figur eines idealen BaronS zu rellcn, des Direktors eincö SchwindeluntcrnehmenS. Im zwcllcn Film „Die Schuldige" ist man endlich mal an eine ernstbaste Ausgabe gegangen. Aus dem Roman von Richard Voß hälte cill aiidei er als R v l a Porten vielleicht noch mehr berauSgebolt. aber immerhin erzielt der Film iiaike Wirlungen. Kl ö vi er bietet als Dr. Aiesner eine Leistung au? einem Guß. die zum Miterleben zwingt, was auch von Esther E a r c n a s kJoachime) großem Können zu lagen ist. Maria Z c I c n k a. eine pausbackige, lichtblonde Hanna, ist frisch und gewinnend wie immer, wenn sie ein liebes kleines Mädel ipiclt. In der Bühiienichau»Gelegen- deitmacht Liebe" siebt mün den mit Hiimoc begabten Arnold R i e ck. Als„her junge Mann", Komiler und Jongleur in einer Peiio», wir» er nicht nur»nabläffig aus die LachmuSleln. iondern er läßt daS Publikum auch mitspielen und daS ist so recht etwa« jür die Berllncr. > � o. b. Ein neuer Märchenfilm wnrde im T a u e n tz i e n p a I a st er- probt ES Iras sich gut. doß ihm ein älterer Film»Hase und Swinegel" voranging, ein i einer Tricksilm nach Zeichnung. Hier ist der F-Im am stilvollsten, vier schafft er etwas, was ibm leine andere Kunst(oder Technik) nachmachen kann und hier bat er die übervaichendsten. tollsten Wirkungen. Die wundervolle Tie-komik, vor allem die Hetzjagd des Hasen, sind unver- gleichlich herausgeholt und vollendetes Bild geworden,— Der neue Märchenfilm»Tilchletn deck' dich" ist reaiinisch nach Raturvor- bildcrn peichaficn. Schöne, stimmungsvolle Landschasten umrahmen die be- lannte» Siadlebilder und Handlung. Die Perionen sind im Kostüm der Gegenwcht entrückt, da« Phrntastische ist drastisch genug gestaltet. Die Wunder de».Tischlein deck dich und de».Knüppel auZ dem Sack" sind trefflich geraten. Unter der Regie von W. Präger ist ape» Schauspielcrl'che in tontvastieichem Spiel de§ Dicken, Langen und Dumme» beiauSgeholt, ganz eigenartig da« Waldmännlein l Und so war denn der Erfolg bei der Kinderwelt ein starker.— Interessante naturwissenschastliche Lehrfilme gingen voraus. ä. Ufa- Palast Kurfürsteudamm. Die Aufführung de« 2. Teils ber .Abenteuerin von Monte Carlo" bot ein trauriges Bild des Tiefflandc« uniercr Kultur. Der Film ipeluliert auf die niedrigsten In- stinkte der Masse Nicht der sogen, unpcdildeten Mass«, sondern der vom Kursürstendamm. AlS— völlig unmotiviert— bei der Volsührung eine« Stiertampsc»- gezeigt wurde, wie die vom Stier ausgeschlitzte» Pserde vor Schmer, strampelten, brach da«.gute" Publikum in Beifallsstürme aus. Der Film, der Millionen von Mark verschlungen bat, macht der Uja keine Ebre. Obwohl die Schauipieler keine Gelegenheit haben, künstlerisch zu wirken, waren sie teilweise erschienen und ließen sich mit Blumen ehren. Wosür?£. 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Jahrgang 4. Seilage öes vorwärts Sonntag, lt. dezember 1921 Arbeitslohn un» Mrbeiterfthast. Von der Rechtspresse wird auch heute noch zum TeU die Ansicht verbreitet, an der Abwärtsbewegung unserer Finanz- Wirtschaft seien die übermäßig hohen Gehälter und Löhne der Arbeiter und Angestellten schuld. Ein Vergleich zwischen den Kosten der Lebenshaltung und der Lohnhöhe vor dem Kriege mst den jetzigen Verhällnissen zeigt ohne weiteres das Irrige dieser Annahme. Die Löhne der Arbeiter sind seit 1914 um etwa das Zwölffache, die der Angestellten und Beamten unge- fähr um das Achtfache gestiegen. Demgegenüber haben sich die Ko st enderLebenshaltung auf das Zwanzig- fache erhöht, so daß der Durchschnitt der Bevölkerung ge- nötigt ist, seine Lebenshaltung um mehr als 59 Proz. herabzu- setzen. Die arbeitende Bevölkerung Deutschlands verdient also heute erheblich weniger als vor dem Kriege. Bleiben wir zunächst einmal bei dieser Tatsache und greifen als mittleres Beispiel die Kategorie der Angestellten heraus. Dem durchschnittlichen Friedensgehalt eines Zwanzig- jährigen von 2400 M. stand im Jahre 1919 ein solches von 3397 M., im Jahre 1920 ein Einkommen von 9012 M. und 1921 ein Verdienst von 15 600 M. gegenüber. An der Frie- depsmenge gemessen betrug sein Lebensmitteloufwand im Frieden 1143 M., 1919 4669 M., 1920 13 423 M. und 1921 20 779 M. Er mußte also im Jahre 1919 bereits sein« Lebens- Haltung um 772 M. einschränken. Diese Summe stieg im folgen- den Jahr auf 4401 M. und erreichte in diesem Jahre die Höhe von 5179 M., d. h., daß der Angestellte nicht nur nicht zu den sogenannten Revolutionsgewinnlern gehört, wie ein Teil der Rechtspresse so gerne vortäuschen möchte, sondern daß sich seine Lebenshaltung fortschreitend mit der Entwertung der Papier- mark verschlechtert. Diese Senkung der Lebenshaltung wird noch offensicht- licher, wenn wir der Betrachtung den Haushaltungsverbrouch für einen verheirateten kaufmännischen Angestellten in mitt- leren Jahren mit 3 Kindern zugrunde legen. Die gesamten Haushaltsauslagen unter Berücksichtigung der Wohnungs- miete. Brenn- und Leuchtstoffe, sowie der Bekleidung und sonstigen Ausgaben betrug vor dem Kriege 175 M. pro Monat, betragen hingegen heute 2563 M. Das bedeutet eine Auf- wandssteigerung im Vergleich zum Frieden von 1541 Proz. Eine vergleichende Tabelle über die Ausgaben für Lebens- mittel mag dies« Zahlen mehr beleuchten: ' nen immer tiefer sank, und wir konnten verfolgen, daß diese Bewegung auch nach dem Kriege noch nicht ihr Ende gesunden hatte, bis die Hoffnung auf günstigere Lebensbedingungen allmählich die Kurve wieder nach oben führt. Auf die Ver- besserung der physischen Lebensbedingung allein kann dieser � Umstand nicht zurückgeführt werden, da ja tatsächlich die Lebenshaltung des Durchschnitts der Arbeiter sich nicht in der � Weise gebessert hat, die zu einer tatsächlichen Gesundung des Volkes führen könnte. Hier spielen die inneren Einstellungen eine nicht zu unterschätzende Rolle, die auch politisch in Be- tracht gezogen werden sollte. Eine gute Arbeiterpolitik ist in diesem Sinne auch die beste Politik für einen raschen Aufbau der produktiven Kräfte. Es soll nicht verkannt werden, daß diese Entwicklung zum Teil zwangsläufig ist. Vor allem die staatlichen und kommu- nalen Betriebe sehen sich außerordentlich schwierigen Ver- Hältnissen gegenüber. Ader angesichts dieser Entwicklung sollte endlich einmal das Geschrei von dem habgierigen und nie zufriedenen Arbeiter und von dem Arbeiter als Revolution?- gewinnler verstummen, und es sollte gerade im Lager dieser Schreier alles daran gesetzt werden, die Gegensätze nicht noch mehr zu oerschärfen und die Abwärtsentwicklung durch Kurz- sichtigkeit noch mehr zu begünstigen. Denn die Arbeits- kraft des Arbeiters und Ange st eilten ist zu- mindest ein ebenso kostbares und unentbehrliches Gut, wie es die Werte an Produktionsmitteln oder, wie man heute zu sagen pflegt, die Sachwerte sind. Es ist"bezeich- nend, daß man �ick der Erfassung der Sachwerte widersetzt, weil sie angeblich oie Substanz des Volksvermögens angreifen, daß man aber ganz außer acht läßt, daß eine verminderte und sich stets weiter vermindernde Arbeitskraft unseres Volkes ganz anders in die Substanz des Volksvermögens eingreift. Und es ist die Frage, was rationeller ist, durch Eingriff in die Substanz der Realwerte die Valutaverhältnisse zu befestigen, dadurch die Arbeitskraft des Volkes physiologisch und psycho- logisch zu stärken und so den allgemeinen Ärbeitsmarkt aus seiner Fieberkurve herauszuführen, oder die bisherige Politik des kaltblütigen Zuschauens auch weiterhin zu treiben und so durch zunehmende Verelendung der Masse noch einer kurzen Periode des Raubbaues dem Bankerott gegenüberzustehen. Die dieser Tabelle zugrunde gelegten Zahlen für die Lebenshaltungskosten sind seit Oktober ganz erheblich gestiegen. Das Mißverhältnis zwischen Gehältern und Haushallungs- kosten ist noch größer geworden und es wird auch durch in- zwischen erfolgte Lohnerhöhungen nicht ausgeglichen. Lehn- sich wie bei den Angestellten liegen die Dinge für den Arbeiter und für den Beamten. Es ist eine bekannte Ausflucht, der- artige vergleichende Tabellen hätten keinen Wert, weil sich die Masse inzwischen den veränderten Verhältnissen angepaßt habe. Zunächst wird dadurch die Tatsache nicht aus der Welt geschafft, daß die Lebenshaltungsbosis der Masse tatsächlich im Vergleich zum Frieden wesentlich schmäler geworden und daß ihr Reallohn insolgedessen beträchtlich gekürzt ist, und dann kann man unmöglich daran vorübergehen, daß sich Einschränkungen lediglich auf Gegenstände beziehen, die nicht unumgänglich zum täglichen Lebensbedarf gehören. Fest steht vielmehr, daß sich der Arbeiter heute wesentlich auf Kosten seiner Ernährung einschränken muß. Für Nahrungsmittel, die heute für ihn unerschwinglich sind, wie Butter, Eier und zum großen Teil auch Fleisch, findet er als Ausgleich unter den billigeren landwirtschaftlicben Pro- dukten keinen auch nur annähernd gleichwertigen Ersatz. Die Zusammensetzung der Speisen ist eine erheblich weniger nahr- hafte und abwechslungsreiche geworden. Seine Ansprüche auf äußere Lebenshaltung, wie Kleidung. Bequemlichkeiten beim Wohnen usw. hat er auf ein Minimum herabsetzen müssen. Zum großen Teil ist es soweit gekommen, daß sich zu einer ungenügenden Ernährung eine bei weitem nicht mehr aus- reichende Kleidung gesellt. Es ist unbedingt notwendig, olle diese Faktoren einmal zusammenzusassen. um ein richtiges Bild von der heutigen Lage des Arbeiters zu bekommen. Man legt im allgemeinen ein viel zu großes Gewicht auf die rein physischen Bedingungen des einzelnen Menschen und läßt ganz außer Betracht, einen wie großen Einfluß psychische Momente bei der Auswertung des Menschen als Arbeitskraft eine Rolle spielen. Wir haben gesehen, wie während des Krieges die Arbeitskraft des einzel- ver StuöienreferenAar. Eine Antwort von Georg Brummbär. In der„Tilgt. Rundschau' stand»or einiger Zeit ein Aussatz über die Stellung und die Au-stcht-n de- Studienreferendar», der die wahre Sachlage vollständig verkennt, und der deshalb im Iol< senden etwa- Ichars, aber ohne Uedertreibung beantwortet wer- den soll. Oho, Herr Dr. Struntzl Ihre Artikel hat wie ein rotes Tuch auf uns Studienreferendare gewirkt. Sie sind doch nicht etwa einer? Ich vermute vielmehr einen Juristen, dem die Paragraphen durcheinander gekommen sind, oder jedenfalls einen, der nicht als lockiger nKabe an der Quelle der Wahrheit und Erfahrung sitzt. Ein solcher würde Ihnen ganz andere Märsche blasen als Ihr« es sind, nach denen wir Studienreferendare fast Fabrildirettoren gleichgestellt und als beneidenswerte Glücks- und Wunderkinder nächstens noch aus Häckerling Gold machen werden. Gewifj, die Behörden raten seit längerer Zeit dringend ob. Etwa aus bureaukratifcher Geschäftigkeit, oder um boshafterweise j Altphilologen zur Bank oder Jurisprudenz zu schmuggeln? Nein, sondern well die Derhältnisse wirklich sehr traurig sind. Noch ist der Andrang zum Examen stark, aber warum? Weil die sämt- lichen Jahrgänge der Kriegsteilnehmer— in meinem Seminar sind nur solch«— sich zusammendrängen. Dagegen hat die Zahl der Neubeginnenden, was Sie, Herr Struntz, in einem der letzten Hefte der amtlichen Zeitschrift für die Unterrichtsverwaltung nach- lesen können, im Jahre 1921 gegen 1929 um über die Hälfte abgenommen! Wie Sie selbst sagen, die Aussichten bestimmen heute die Wahl, denken Sie daran! Zudem mutz man berücksichti- gen, daß beim Lehrerberuf mehr als bei anderen ein wirklicher „B e r u f" nötig ist, und daß es nur diesem, verbunden mit sehr opferfreudigem Idealismus, zuzuschreiben ist, daß überhaupt soviel sich noch zum Neustudium gefunden haben. Obwohl heut die Schulen mit Kindern noch gut besetzt sind, wird in kürzester Frist der vielbesprochene numeru- clausus eingeführt werden müssen, nicht etwa in Betreff der offenen Stellen, sondern eben für die Studienassessoren, die beim besten Willen nicht mehr unterzubringen sind, geschweige denn die Referendare! Aus meinem Seminar haben jetzt, Im letzten Halbjahre, zwei gai. ze Herren, dazu noch die Mathematiker,'eine volle Vertretung; und da schwärmen Sie Unerfahrener, daß Vertretungen für Staats-, Ge- meinde- und Privatschulen behördlicherseits schwer zu beschaffen sind? Oder meinen Sie vielleicht, daß sie un» Studienreferendaren unzugänglich sind? Das wäre der Wahrheit«nffprechend. Auch die große Nachfrage nach Privatunterricht sei noch nicht gedeckt. Haben Sie sich schon einmal erfolglos die Füße danach wundgelaufen und ist Ihnen dann günstigstenfalls ein Hungerlohn oder gar Abend- brot dafür angeboten worden, nachdem Sie sich ein Menschenalter darauf vorbereitet haben? „Die Ausbildungszeit(18—29 Wochenstunden) set nicht beson- ders anstrengend, sie werden durch die Ferien auf die Hälfte der Zeit beschränkt, so daß genügend Raum für Nebenerwerb bleibe.' Hier kommt der Aerger mir fast hoch. Wissen Sie, daß jede Stunde mindestens die gleiche Weile zur Vorbereitung braucht, daß ein R''er-�ar Tagebuch führen miß, daß er.) mi. der gejamten Pädagogik, besonders der neueren recht verworrenen, ganz vertraut machen soll(der Kriegsteilnehmer in der Hälfte der sonst erforder- lichen Zeit!!), daß er Extravorlesungen zu besuchen hat, daß jede Woche sein Seminar stattfindet, zu dem es kräftig zu arbeiten gibt, Referate zu halten und schriftliche Ausarbeitungen zu liefern neben den regelmäßigen Protokollen? Das allesfinden Sientcht a n st r e n g e n d? Ich lüde Sie einmal zur Probe ein, wenn da- durch unsere Reihen nicht noch um eine Nummer verstärkt würden. Von Ihrer schwachen Rechenkunst, nach der die halbe Zeit auf die „Ferien"(solche gibt es für den Lehrer nur im notwendigsten Maße) entfällt, will ich ganz schweigen. So sieht es doch übel mit den Behauptungen aus, daß nur eine verhältnismäßig kleine Zahl unbeschäftigt sei und daß Ferien und freie Nochmittage(!) nebenamtliche Arbeit genügend zu- lassen. Gewiß, voll beschäftigt sind wir immer, aber alles andere als vollbezahlt. Hat man einmal ein paar Vertretungsstunden er- wischt, dann bekommt man für jede einzelne volle 19 M. zugezählt! Dafür arbeitet kein Handwerker, und wir sind auch da das Aschen- puttel des Staates, das bei Gehaltsaufbesserungen betrübt in der Ecke stehen muh. Ich möchte eine Wette eingehen, daß von uns Re- fcrendaren nicht mehr als ein Fünftel monatlich(!) über 390 bis 499 IN. Vertretungsgelder einsteckt, die meisten aber gar nichts. Ich stehe im letzten Borbereitungsfemester und habe während der ganzen Zeit 159 IN.(Einhundertsünfzig Mark) eingeheimst. Wer leben will, muß da allerdings zu Nebenarbeit greifen, wozu Stunden des Tages, die der Ausbildung geraubt werden, oft wohl auch h a l b e N ä ch t e, herhalten müssen. Daß andere Berufe auch ihre Halbs Zeit, nämlich die Nächte, frei haben, läßt sich nicht be- streiten. Und was für Aussichten wir alles da haben sollen! Auch ein Jurist wird zur Not noch Aushilfsarbeiter oder Nachtwächter werden können(solche Fälle sind bei uns vorgekommen!!) Gewiß, weite Perspektiven stehen offen. Aber was handgreiflich ist, nämlich Nachhilfeunterricht oder für wenige etwas Schriftstellerei, wird mit seinem Ertrag kaum hinreichen, sich täglich das Brot zu schmieren. Recht gelungen ist die Tatsache, die Herr Dr. Struntz für die Gründe der Referendare anführt, daß sie nach vollendeter Vorbildung oft abspringen. Es heißt doch tatsächlich aus einer Ohrfeige eine Symphonie machen, wenn man dieses traurige Faktum zu einem pro umstempeln will. Soll ich es wirtlich sagen, welches der Grund für diese Erscheinung ist? Es ist wahrhaftig nicht schwer zu raten: Nichts anderes als die weniger denn guten Erwerbsaussichten des Oberlehrerberufes, die Angst vor dem Elend, ein Minus am notwen- digen, opferfreudigen Idealismus! Das ist die Wahrheit, und nun ist uns wieder leicht ums Herz. das Gesetz öer Grtsklassenemteilung. Die Verhandlungen des Rcichsfinanzministeriums mit den Ge- wcrkschaften haben ihr Ende erreicht. Drei Wochen hatten die Sitzungen von frühmorgens bis spät abends gedauert, um das Gesetz noch vor Weihnachten dem Reichstag zur rechtzeitigen Beschluß» ' fassung vorlegen zu können. Die letzte Sitzung dauerte von Saw.sj- � tag morgen 9 Uhr bis Sonntag früh X5 Uhr. Diese Strapazen de�s Gewerkschaftsvertreter sind nicht umsonst gewesen, denn wenn man den jetzigen Entwurf gegenüber dem Notgesetz betrachtet, so sind doch viele Derbesserungen vorgenommen worden, die dem Beamten der jeweiligen Ortsklasse 2999 bi« 3999 Mark Nachzahlung noch vor Weihnachten bringen werden. Leider konnten nicht olle berechtigten Wünsche erfüllt werden, denn die Sitzungen waren ja nur eine Mischung von Verhandeln und Diktieren seitens des Reichsfinanzministeriums. Dadurch hat der jetzige Entwurf noch manche Un.gercchtigkelt und Härte aufzuweisen, die einer baldigen Beseitigung bedürfen. Am 6. Dezember kam i>«r Entwurf vom Reichsrat an den Reichstag und am 13. Dezember soll, wenn irgendmöglich, die Enbloc-Annahme erfolgen. Hier dürfte es die Aufgabe des Reichs- tages als höchste souveräne Instanz sein, sich in letzter Stunde auf- zuraffen und zu beschließen, daß die berechtigten Wünsche der Be- werkschaften, welche durch die Art der Verhandlungen nicht zur An- nähme kamen, ersüllt werden. Jedoch sind diese Hoffnungen nach den Erfahrungen, welche mit dem 23. Ausslbuß des Reichstages bisher gemacht wurden, wenig oder gar nicht zu bemessen. Wenn der Ausschuß nun wirklich unter gewissen üblichen Formeln die Nach- Prüfung der berechtigten Wünsche den Gewerkschaften versagen wird, so dürfen dieselben doch erwarten, daß unter keinen Umständen der angegebene Termin bis 1 9 2 ö in den Rahmenparagrophen fest- gelegt wird, während welcher Zeit keine Höherstufungen erfolgen sollen. Die Gewerkschaften müssest verlangen, daß jederzeit Höher st ufungen von Orten vorgenommen werden müssen, sobasd die sachlichen und wirtschaftlichen Gründe dafür sprechen. Zurzeit ist es leider nicht möglich, derartige Hörten anzuführen, weil die Ergebnisse der Verhandlungen bis zur Annahme des Gesetzes vertraulich zu behandeln sind. Es war jedoch nötig, auf die Art der Verhandlungen und die Härten des Ergebnisses hinzuweisen. Hoffentlich werden der Reichstag und die übrigen Parlamente bald einen Antrag beschließen, der die gleichberechtigte Mit. bestimmung der Gewerkschaften bei allen sozialen Fragen und den Lohn-, Gehalts- und Arbeitsbedingungen der Reichs-, Staats- und Gemeindebeamten und Angestellten in vollem Umfange gewährleistet. Jetzt haben also die Herren Reichstags- abgeordneten das Wort und Handeln zur endgültigen und gerechten Lösung der Ortsklassenfrage.(Vgl. auch die Notiz: Auszahlung der Teuerungszuschläge.) BERLIN SW. 68 rkgrafanstraBa 84-88 Heinrich Jordan BERLIN SW. 68 rkgrafenstraßc 64-88 Damenkleidung: �pifspnklpifs'»ulAbbildune.«us OeiueilMUU weich. Seide, hell- AO�OO färben, mit(arbiger Stickerei... l/lpiH It. 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