Nr.SSS ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe B Nr. 290 Bezugspreis, Birrteljährl. 4i.— Vi., monotL 1 5�- 9t frei in« bau», voraus zahlbar. Post» bezuz: Monatlich 12.— M. e nschl-tzu- strllungsgedllhr. Unter Kreuzband ilir Deutschland. Danztg. da« Eaar» und Memel-tedtel. ton»? die edemal« beut- schen Gebiete Polen», Oesterreich- Ungarn und Lurcwdurg 25,— M» für da« lldrige Ausland 3Z— M Poll- beitellungen nebmen an Oefterreick> Ungarn. Tschecho» Elowalei, Däne- warl. Holland. Luremburg, Schweden und die Schweiz. Der.Borwärt»" mrt der Sonntag»- beilage„Volk und Seil*, der Unter» lialtungsb-il-ge �eimwelt� und der Peilage.Siedlung und Kleingarteir' erscheint wochenräglich zweimal. Sonn» tag» und Montag» einmal. JMS Telegramm-Adresse! >»iald«n>otral Verl VerUn- Abend Ansgabe ZZevlillev Volksblatt c 0ro». U-rili, SO Pf, auzwlrta 40 Pfennig D Anzeigenpreis, Bit zehngespoltene Rotiparrinurtle lostet 7,- M.«eieia* Sinjclgen- da»„ttgedruckt, Wort 8.— M. szn- liissig zwei fettgedruckt» Worte), tede» weiter» Wort l.50 M. Stellengesuche und Schlafftellenanzrtgen da» erste Wo« lJW SR. itbM weitere W»« 1— M. Worte ilder ld vuchsiabe» zithlen Mr zwei Wo«». ffamtlien-An- »eigen wr Abonnenten Zeile SR. Sle Preis« verstehen sich einschließlich Teuernngszuschlag. «nzelgen flir die nichsse Nummer mllssen bi»«Vi Ahr nachmittag« tra HauptgeschSst. Berlin S3B 96, Linden- ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr sriih M» 6 Uhr abend«. Zcntralorgan der rozialdcmokratifcben partei Deutfcblanda Redaktion und Expedition: SV bS, Lindenstr. 2 «rdaktio» M»rtyplatz lSli,S-S7 hlsernspreryer. Morthpiai, li7sa— sh Montag, den 1Ä. Dezember 19ÄI. vorwärts-v erlag G.m.b.H., CW öS» Linden str. 3 K-e-wi»,«---!,-»- Verlag,«xpeditio« und Inserat«»» »ycritiprrrrirr. mhtrlt„„n Marinvla» 11753-54 DieSteuerpolttitüerSozialöemotratie Der Bezirkstag der SPD. Der außerordentliche Bezirkstag des Bezirksoerbande» Berlin der SPD. beichloß gestern die Erhöhung der Beiträge. Vorher hielt Genosse Wels ein großangelegtes Referat über die politisch« Lage, da» allgemeine Zustimmung fand, die auch darin zum Ausdruck kam. daß auf jede Diskussion verzichtet und die vom Referent«, vorgeschlagene Resolution einstimmig angenommen wurde. Genosse Wels kennzeichnete zunächst den Zusammenbruch jener Utopien, die das Uebergreifen der russischen Revolution aus die neutralen Länder und die Siegerstaaten verkündeten, wies aus die Arbeit der Notenpresse hin und zeigte an Beispielen, bis zu welchem Grade die Inflation gesteigert werden kann. So sehen wir, wie in Oesterreich für einen Laib Brot Süll bis 600 Kronen gezahlt werden, ein Pfund Zucker für 4S0 Kronen, ein Ei für 120 Kronen zu haben ist. So gering der Markwert ist. muß doch darauf hingewiesen wer» den, daß die Mark immer noch tausendmal so vir wert ist, als der russische Rubel. In dem nun be- ginnenden Prozeß der Deflation, d. h. in der Verminderung der Zahlungsmittel, sehen wir den Ausdruck der Tatsache, daß sich der Kapitalismus uberall in der Welt behauptet hat. Der Kapitalis» mus ist gestärkt ans dem Weltkrieg hervorgegangen. Dos war eine Naturnotwendigkeit, denn so lange sich nicht im Schoß; der alten Gesellschaft die neue entwickelt hat, ist es nicht möglich, die Wirt- lchaftsordnung zu ändern Die Bourgeoisie ist im Besitze der wirt- schaftlichen Macht und darum kämpfen wir heute in Deutschland gegen die drohend« Geldsackrepnblik, für die Zukunft de» volles, für den Sozialismus. Unser Kamps ist der de» Internationalen Sozialismus und darum benutzen wir jede Möglichkeit der Anwendung von Macht, wo immer sie sich bietet— innerhalb und außerhalb der Regierung. Wir können uns nicht mehr den Luzus gestatten, der Bourgeoisie neben der wirtschaftlichen auch die politische Macht restlos zu überlassen, wir können die Republik nicht Republikanern an» vertrauen, denen man einen Ehrennamen gäbe, wenn man sse als solche bezeichnete. Wenn man Deutschland«in« Bourgeoisierepublik nennt, so ist doch nicht zu verkennen, daß bei uns die Arbeiterschaft eine politische Macht ltsitzt, die bei richtiger Anwendung der Gesetze das lleberwuchern des kapitalistischen Einflusses verhindert. vi« Arbeiterschaft ist die Garanti« des Zrieden». Das müssen wir den anderen Völkern erklären. Wir müssen ste lehren, zu begreifen, daß Deutschland ohne leine Kolonien kleiner ist als Frankreich, das ans sein«m Kolonialbesitz seine cheere er- gänzt. Die Völker müssen begreifen, daß die alldeutschen Phrasen ebensowenig die Meinung des deutschen Volke» sind, wie die An» sichten der Poincaree-Lefevre dl« des französischen Volkes sind. Wels beschäftigte sich sehr eingehend mit der Internationale 2% und Ihrem Verhältnis zur zweiten und betonte, daß die deutsch« Sozialdemokratie die Einigung als wichtigstes Zukunftssiel betrachte. Dann ging er auf die Frage der Kreditgewäh. rung durch die deutsche Industrie ein und hob hervor, daß im Gegensatz zu den Ausführungen des Herrn Sorge im Reichswirtschaftsrat er feststellen müsse, daß Herr Stresemann es war. der in einer Sitzung, die in Gegenwart des Reichskanzlers und des Reichspräsidenten stattfand und an der Vertreter aller Par» teien teilnahmen, zuerst den Vorschlag machte, die Eisenbahne» zu enlstaaklichen. Er erhielt damals von der Sozialdemokratie die Antwort, daß« i n solcher Vorschlag nur in einer bürgerliche n Re» gierung durchgeführt werden könne und daß in einem solchen Falle die Beteiligung an der Regierung für die Sozialdemokratie nicht in Frage kommen könne. Wären die Eisenbahnen, die, wie kein anderer Betrieb, während de» Krieges heruntergewirtschaftet worden sind, In pri- vater Hand, wären die Preise längst um das 20- bi» 30fache erhöht. Aber auch in anderen Ländern arbeiten die Eisenbahnen mit De- sizit. So hat die englische Regierung den Bahnen, die sich dort noch im privaten Besitz befinden, 60 Millionen Pfund Zuschuß zahlen müssen. Das ist«jn« Summe, die auf Markwähruna um- aerrchnet weit das deutsche Defizit übertrifft. Es gibt keinen Grund. veu man für eine Privatisierung der Eisenbahn ausühren könnte. In dem Vorschlag kommt lediglich der haß gegen jede Sosialisierung zum Ausdruck. Darum haben wir fest darauf zu bestehen, daß die Regierung alle Vorbereitungen trifft, die Sachwerte zu ersasseu. Bei Behandlung der Steuerpolitik ging Genosse Wels auch auf die indirekten S t e u e r n- ein und kennzeichnete das Verhalten der Kommunisten, die in der Bewilligung von indirekten Steuern einen Verrat an der Arbeiterklasse zu sehen behaupteten, genau so wie früher die Unabhängigen. Di« Unabhängigen baben In der Kommission für die Umsatzsteuer gestimmt und im Plenum hat am letzten Freitag der Kommunist Höllein den Antrag gestellt, diese Steuer auf% Prozent festzusetzen.(Allgemeine Heiterkeit.) E» ist«in Skandal, daß die großen Einkünfte seit drei Jahren kein« Steuer noch ihrem vermögen gezahlt hoben. Bei einem großen Lokomotivfabrikonten erschien der Vertreter eines Finanzamte«, um sich nach der Weihnachtsgratifikation de» Dienst. mädchen« zu erkundigen, um sie zur Versteuerung heranzuziehen. Während dieser eine F abridant dem Reich» mindesten, 600000 HX. schuldete, verschwendet man die Kräfte der Steuerverwallung für solch« Lappalien. Wir verlangen auch, daß das Finanzministerium von einem hauplamillcheu Ältnifler verwaliet wird. Die weiteren Ausführungen bezüglich der Finanzen und Steuer- fragen sind in der folgenden Resolution zusammengefaßt: Der verhängnisvolle Sturz der Mark Hot die binnenwirlschast- Nche und wellwirtschaftliche Stellung Deutschlands gegenüber den Vormonaten erheblich verschlechtert. Die gewaltige Steigerung der V r e i s e für alle Bedarfsartikel ha! die Kaufkraft der breiten Massen de» Volke, noch weiter herabgesetzt. Wucherische Auebeu- lung der Konjunkluruvsicherheit durch alle Worenbesitzer lrisst zu- sammen mit einer unerhörlen Verschleuderung des Volksvermägen« auf dem Wege eines wahllosen Ausverkaufs an die valulastarken Länder. Die dadurch hervorgehobene Schein konjunklur in der Exporkindustrie ist aber nur vorübergehend. Die Po- Nlik des Auslandes such! in steigendem Maße durch Einfuhrverbote und immer wachsende Schutzzölle die deutschen Waren abzuwehren und wird in kurzer Zeit im Gefolge einer schweren Absatzkrise eine gewaltige Arbeitslosigkeit w Deuljchland herausbcichwörca. Auch wenn die Verhandlungen über ein M o r a t o r l u m für die Reparationszahlungen schließlich zum Ziele führen sollten, so kann den verhängnisvollen Schwankungen der Valuta nur Einhalt ge- boten werden, salls es gelingt, die denliche Zahlungsbilanz dauernd in» Gleichgewicht zu bringen. Unerläßliche Voraussetzung dafür ist die Stillegung der Rolenvresse und die Deckung der Slaalsbedürsnisse durch ordentliche Einkünfte. Rur die sofortige Er- sassung der Sachwerte in Verbindung mit einer beschleunigten Ein- ziehung der Reichseinkommensteuer kann die Zerrüttung der Reichs-- finanzen beheben. Mit oller Macht moß den versuchen entgegen- getreten werden, die zurzest im Reichstag zur Vc-r!,andlunq stehen- den vermägensfleuergesehe zugunsten kapitalistischer Prlnatinter- essen ihrer gerechten verechnungsgrundlage zu berauben. Die lange versprochenen Maßnahmen zur restlosen Erfassung der Export- devlsen müssen endlich durchgeführt werden. Rur dann besteht die Aussicht auf erfolgreiche vekämpfnng der schamlosen Devisen- spekuialion, dle nach den süngsten Erfahrungen bei der Vfäl- zischen Dank anck den kleinen Sparer nnenirinnbar mit ihrem verhängnisvollen Risiko belastet. Daher ist zu fordern: 1. Die sosortiae Erfassung der Sachwerte auf dem von den hervorragendsten Fachmännern der Industrie selbst gewiesenen Wege. Der dem vorläusigen Reichswirtlchaftsrat von den Interessenten vorgelegte Gesetzentwurs über eine Srediwereinlgnng de, deutschen Volke» ist von der Regierung sofort den gesetzgebenden Körperschaften zur Beschlußfassung vorzulegen und nach Festlegung der notwendigen Garantien für den unmittelbaren Zugriff de» Reiches aus den Sachwerlbesitz in Rechte traft zu setzen. Der land- wirsschaflllche Sachbesitz ist unmittelbar zu erfassen durch eine hyvothekarisch zu sichernde Grundsteuer, deren sofortige voransbe- Zahlung für mehrere Zahre festzulegen ist. Z. Sosortige Einhebung der Reichselnkommen- st e n e r auf Grund vorläufiger Veranlagung bei denseniqen Finanzämtern, die am Zohresichlusz mit der endgültigen Veranlagung nicht im Rückfiande find. (Schluß auf der S. Seite.) Dollar 170! Vn der hevkigen Dorfe fetzte der Dollar etwa mit 130 ein und ging im weiteren Verlauf aus170zurück. Der Ef� fetlenmarkt steht noch immer im Zeichen der Zwang»- Verkäufe für Rechnung schwacher Spekulanten. Verschle- dene Danken nehmen eine sehr strenge Säuberung der Konten vor. Die Kursverluste am Effektenmarkt waren wieder recht erheblich. Die Kursverluste betrugen bel ZNonlanpapieren fast durchweg 100 bis 170 Proz., bei den chemischen Werken etwa 70 Pro z.. Waggon 100 bis 130 Proz.. und bei den Lankakkien 40 bis 50 Proz. An der Dorfe ist man über das rigorose vorgehen der Großbanken, dle durch ihre Depositenkassen während der Sommermonate weile Kreise erst zur Spekulation erzogen haben, sehr verstimmt._ Zürs Veihnachtsfeft der ZNSrzopfer. Auf unsere Bitte, für die Familien der Märzgefangenen ein» kleine Weihnochtsspende zu bereiten, gingen bisher«in: Sozialdemokratischer Bezirkstag 1360,— Soziald. Dezirksvor» stand Groß-Berlin L00,—, Redoktion„Vorwärts", 1. Rate 400,—, Soziald. Parlamentsdienst(Personal) 1. Rate 100,—. do. Geschäfts» leitung 220,—, Verlag f. Sozialwissenschaft S00,—, R. Guthseld 100,—, S. S. 100,—, R. Matthias 15,—, 0. D. 10,—, E. Fritz v,—. H. Si. 1000,— Mark. Znxgefamt 4340 IN. Zahlungen werden auf Postscheckkonto 37 536. Lorwärtsverlag G. m. b. f)., unter dem Kennwort„Märzopfer", in der Expedition de»„vorwärts". Laden, Lindenstr. 8, im Sekretariat des„vorwärts", Sekretariat der SPD., Neukölln, Jäqerstr. 66, von 4— 6 Uhr, Vorwärtsspeditionen Neckarstr. 2, und Siegfriedstr. 28/2S. angenommen. Die Quittungen werden tätlich veröffentlicht. Genossinnen, Genossen! Gebt, wo» Ihr könnt, vor allem aber gebt rasch! Redaktton de»„vorwärts". Reparationsgewitmel Lor sehr unterrichteter Seite wird uns geschriebein Die Durchführung des Wiesbadener Abkommens über den Wiederaufbau Nordfrankreichs und die Erfüllung der weiteren Reparationsverpflichtungen setzt die Schaffung einer straffen Organisation voraus, die die au» Reichsmitteln be- zahlten Aufträge übernimmt und den m Frage kommenden Betrieben zuleitet. Nach der Verordnung vom Juli d. I. soll die Unterverteilung, Kontrolle, evtl. auch Zwangsausbringung der zu vergebenden Arbeiten durch sogenannte Leistungsver- bände erfolgen, die gemeinsam einen Lieferverband bilden. Diese Organisationsgebilde möchte die G r o ß i n d u st r i e in ihre Hand bringen, um sie jedem anderen Einfluß und jeder Kontrolle zu entziehen. Rathenau hat als Aufbauminister wiederholt erklärt, daß die aus der Last des Frtedensver- träges fließenden Lieferverpflichtungen nicht dazu führen dürfen, die Kriegs- und Revolutionsgewinnler durch Repa- rationsgewinnler zu ergänzen. Auch die deutschen Gewerkscbaften haben ihrerseits bestimmt» Sicherungen verlangt. Einmal die Anerkennung sozialpolitischer Grund- sätze, wie Sicherung der tariflichen Arbeitsbedingungen und ausgleichende Arbeitsverteilung zur Bekämpfung der Arbeits- losigkeit, weiter ober die energische Kontrolle der Preise und Unternehmergewinn», um unberech- tigte Profite zu verhindern. Die Gewerkschaften verlangten daher, mit maßgebendem Einfluß in die zu bildenden Organisationen einbezogen zu werden. Die Industrie ist nun höchlichst erzürnt, dntz mnn sie bei dem Geschäft nicht allein lassen und gar eine Gewinnkontrolle durchführen will. Rathenau wurde mit den schäbigsten Mitteln angegriffen und das Wiesbadener Abkommen einen„Verrat am Lande" genannt. Die Industrie bat von khrem Stand- punkt aus recht. Unkontrolliertes Geschäft bringt mehr ein als kontrolliertes, und die Austräge werden schon kommen, denn der Friedensvertrag jagt der Industrie den Hasen in die Küche. Die K o st e n trägt natürlich das A e i ch. Ist es daher ein Wunder, wenn die Forderungen der Gewerkschaften von der Industrie glatt abgelehnt werden oder wenn von der gleichen Seite alles versucht wird, um die Landesauf- tragsstellen auszuschalten? Immerhin ist es wertvoll, einigen Einblick in die Beratungen der deutschen Industrie zu erlangen. Hier das Ergebnis: Di« Gewinnkontrolle und Beschränkung de» Gewinne» auf ein angemessenes Höchstmaß lehnt die Industrie ab, denn man will doch verdienen. Sie möchte zu von vornherein f e st- no r m i e r t e n Auftragspreisen kommen, die«ine nachträg- liche Gewinnkontrolle„überflüssig" machen. Viel Kopf- schmerzen machte den Beratungsteilnehmern die Aufgabe, die Höhe der— natürlich von ihnen selbst festzusetzenden— Auftragspreise zu fixieren, weil sie doch befürchteten, durch ihre eigene Maßlosigkeit schließlich dem Faß den Boden auszu- schlagen. Sie glaubten sich daher Beschränkung auferlegen zu sollen, indem sie„nur Inlandspreise' forderten. Aber die Gegenseite bemerkte, daß die Inlandspreise, die doch vielfach Verband»- und Syndikatspreise seien, schon jetzt von der bösen Oestentlichkeit angegriffen würden. Da man aber um jeden Preis umdteKontrolke herumkommen will, soll das Geschäft nur auf Grund der Inlandspreise gemacht werden, um so„d i e K o n t r o l l e der Gewerkschaften auszuschalten". Daher auch der Vorschlag,„Außensetter" auszu» schließen und zum Geschäft nur die Firmen zuzulassen, die „nach Beschluß der Gesamtheit der Berufsgenossen des betreffenden Erwerbszweiges berechtigt und besähigt sind, an der Aufbringung der betreffenden Sachleistung teilzunehmen". Herrlich bequem; wer zu billig liefert und da» Geschäft stört, wird nicht Mitglied der Tafelrunde. Die Eingliederung der Landesauftragsstellen, also der einzelnen Länder in die Organisation lehnt die In- dustrie ab. Sie könnten nur„stören d� wirken. Die Verteilung der Lieferungen muß nach Ansicht der Unternehmer den Jndustrieoerbänden vorbehalten sein, vielleicht, daß man den Arbeitern detorationshalber ein ganz klein wenig Platz einräumt, aber nur, wenn aufGewtnnrontrolle verzichtet wird. Daß in den geheimen Beratungen der Iwnstrie die Ge- werkschaftsforderungen auf Sicherstellung der tariflichen Lohn- und Arbeitsbedingungen in den Lieferverträgen abgelehnt wurden, versteht sich am Rande. Ebenso, daß der Grundsatz keine Gnade fand, die Arbeit so za verteilen, daß sie zur Bekämpfung der Arbeitslos Ig! e i t tunlichst den notleidenden Bezirken zugeleitet wird. Wozu die Industrie mit solchen Forderungen belasten, die nur die Ausnützuna der Reparations- tonjunttur erschweren! Die Industrie will Geld verdienen, basta. Die Oeffentlichkeit und die Regierung sind hiermit aufmerksam gemacht, wie man in leitenden Industriekreisen zum Wiederaufbau und zur Durchführung des Wiesbadener Abkommens steht. Erfassung der Sachwerte und Verhütung unberechtigt hoher Reparationsgewinne sind zwei verschiedene Seiten ein und desselben Dinges. Beides läßt sich nur durch stärksten Druck auf die Arbeitgeber durchsetzen. Kapps Schlvatzbuöe. F. Kl. Leipzig, 12. Dezember. Die Verhandlungen gegen Jagow, Wangenheim und Schiele begannen heute mit der Vernehmung eines Mitgliedes des Bundes der Nationalen, des sächsischen Oberfinanz» rotes Bang, wie er sich selbst bezeichnete. Bang ist ein eifriger Mitarbeiter an der antisemitischen„Deutschen Zei- tung". Er war schon im Januar 1920 von Kapp aufgefordert worden, in eine neue Regierung einzutreten, z. B. in eine Re- gierung Noske. Er habe es entrüstet abgelehnt» sich anelnenTischzu setzen mit jener Oeistesrichtung, der wir „unser Unglück verdanken". Auf eine weitere Frage, ob er bereit sein würde, in eine nationale Regierung einzutreten, liabe er seine Zustimmung gegeben, falls„kein Besserer" da fein würde als er. Immer habe er nach seiner Ueber- zeugungstreue gehandelt. Er glaubte, daß die ständige Putsch- gefahr die bestebende Regierung hinwegfegen würde und dann eine nationale Regierung gebildet werden müsse. Mit Schnitz» ler sei er als Redakteur der„Deutschen Leitung" bekannt geworden, als er an den Konferenzen der Rechtspresse teilnahm, die Schnitzler abhielt. Am 11. März kam Bang nach feiner Aussage aus Dres» den zurück und fand zu seiner Ueberraschung in seinem Bureau Kapp vor, den er schon verhaftet glaubte. Kapp ver- sicherte, daft im Laufe der Nacht die game öffentliche Gewalt auf Lüttwitz und Kapp übergeben würde, da die ganze Reichswehr hinter Lüttwitz stände. Daran habe er, Dang, geglaubt und sich auf die Frage Kopps bereit erklärt, das Reichsfinanzministerium zu übernehmen. Am 13. März war er morgens um KUHr am Branden- burgerTor.wo er nach Kopps Mütestling die übrigen Herren treffen sollte, die für die R e g i e r u n g s b i l- d u n q in Betracht kämen kLudendorff war auch da!). ?in her Reichskanzlei babe er allerdings Zustände an» getrosten, die die schwerste C n t t S u s ch u n g für ibn qls Polltiker boten. Das war keineRegierung, sondern eine Schwatzbude. Er habe sogar gesagt:„U m Gotteswillen, das ist ja die reine Juden- schul e." Er. Bang, erklärt mit erfreullcher Offenbeit, daß nach seiner Meinung die erste Handlung am 13. M�rz die • Beseitigung der Verfassung von Weimar bätte fein mästen. Da Kapp die Beseitigung nicht wollte, habe Bang seinen Rücktritt von dem Unternehmen angekündigt. Darauf sei er om 14. März abends durch einen Offizier zwangsweise in d i e Reichskanzlei geholt worden, wo ihm erst von Vabst und dann von Oberst Bauer, schließlich wich von Kavv selbst in Gegenwart einer großen Zahl von Herren zugeredet wurde, doch wieder in die Regie- nmg einzutreten. Cr habe die bestimmte Frage gestellt, o b keine Juden und keine Sozialdemokraten In der Regierung sein würden. Er habe Ablehnung erwartet, aber Kapp habe auf seine Frage zustimmend geantwortet. Daraufhabe Schiele Kapp zugerufen:„Wie können Sie das oersichern, wo Sie doch ganz genau wisse n, daß Sie schon morgen Sozialdemokraten heranziehen müssen, schon wegen der L a g e i m R u h r r e v i e r." In dem Brief, in dem Rang seinen Rücktritt erklärt, spricht er von ..M i n i st e r" Schiele und davon, daß er nicht wieder ein Ressort übernehmen walle. Aul Vorhalten erklärt er, daß diese Ausdrücke nur aus der seelischen Stimmung jener Tage zu erklären seien. In einem Brief, der bei der Verhaftung Schieles ge- runden wurde, stellt Bang alles dar, was er in der Vorunter- luckung gegen sich selbst und dann als Zeuge in der Sache Schiele ausgesagt habe. In dem Brief befindet sich auch die Bezeichnung„Agricola", womit der Oberst Bauer gemeint sein soll. Es ergibt sich, daß der gefundene Brief eine Abschrift ist, die der Rechtsanwalt Dr. Martin aus Halle, der jetzige Verteidiger Schieles, angefertigt hat. Im Ja- nuar d. I. war Martin als„persönlicher Vertrauter" Schieles, nicht als Rechtsanwalt bei Bona und befragte ihn darüber, was er ausgesagt habe. Diese Mitteilungen bestätigte Bang Zeuge Luöenöorff. von Hans Bauer. Das Sekretariat des Reichsgerichts hat dem Publikum so wenig Karten zum Jagow-Prozeß zur Verfügung gestellt, daß der Cidungs» soal während der ersten beiden Tag« nicht nur nicht überfüllt, son- dern geradezu dürftig besucht war. Am Vormittag des 2. Sitzung»- iages zum Beispiel waren sogar Stuhlreihen kaum zur Hälfte be- setzt. Am dritten Tage jedoch jollte Ludendorss vernommen werden. Da» war Grund genug, daß wohl jo ziemlich alles aufmarschiert«, wo» in den glücklichen Besitz einer Eintahkart« gekommen war. Außer Presseangehörigen dürften das freilich nur«ine Anzahl Herren und vor allem Damen gewesen sein, denen ihr« Beziehungen zum Reichsgerichtspersonal ein« ausschlaggebende Unterstützung ge- währt hatte. Ludendorss wird al» zweiter Zeuge aufgerufen. Mit jenem „festen,«lastischen Schritt", den früher die bürgerlichen Zeitungen bei ssürstlichkeiten zu bemerken nicht müde wurden, tritt jener, von dem Karl Kraus das herrliche Wort gesprochen hat, daß er nach dem Zu- sammenbruch mit einer blauen Brille davonkam, vor da» Richter. kollegium. Maskiert ist er, den man von taufenden Bildern her nur in Uniform und mit einer Unzahl Orden bedeckt kennt, mit einem ganz zivilen Gehrock. Der Präsident fragt, ob er Exzellenz v, Ludendorff sei. Jawohl, der sei«?. Ludendorss berichtet nun. In Generalspof«. Mit GeneroUworten. Im Generalston. Die link« Hanb malt hin und wieder Unterstreichungen zu Sätzen in die Luft. Di« recht« Hand steck: dauernd in der Hosentasche. Kein» Rüge des Präsidenten bemängelt diesen Verstoß gegen einfach« Höf- lichkeitssormen. Ludendorss darf das. Er ist nun einmal kein Bol- ichewist. Seine Sätze sind miliiärilch abgehackt: nächsten Morgen— holte mich— General v. Lüttwitz— im Kraftwagen ob.— Dir fuhren— in der Richtung— Brandenburger Tor. Einmal er- wähnt der Präsident einen Brief, der in der„Deutschen Zeitung" veröffentlicht worden fei.„Der hat den Brief geschrieben?" fragt Ludendorss grob. Man fühlt bei jedem Satze: Dieser hier läßt sich von niemanden etwas sagen. Diesem geht es wider den Sttich, hier gefragt zu werden, hier Rede und Antwort stehen zu müssen, hier gezwungen zu sein, sich den(wenn auch besiegten) Feldherrn einiger» maßen zv verkneifen. Der Oberreichsanwalt richtet von seinem Stuhl« her ein paar Fragen an ihn. Ludendorss wendet sich ihm, der sitzen darf, während er stehen muß, mit schneidig«? Bewegung zu, immer noch die Hand in der Tasche und ein Blick huscht von unter rauf nach dem Ober- reichsanwalt, ein langer Blick: Zioilistenvoikl Jagow wandt« sich und schlängelte sich bei seiner Vernehmung und wurde von dem Prässoenten einige Male so sestgenogelt, daß »r«in paar Verlegenheitswort« stammelte. Lei Ludendorss hat man Immerhin da» Gefühl, deß er auch al» Angeklagter nicht in ver- Ein viermal Das Ende des englisch kvafhlngkon. 11. Dezember.(IVTB.) 2« der Vollsitzung der Konferenz am Sonnabend verlas Lodge den Text des Vier- mächie-Abkommens. Lodge fügte hinzu, die Anwendung von Gewalt sei im Vertrag nicht vorgesehen. Sanktionen seien nicht gestattet. Da» Abkommen sei ein Versuch, den Frieden im fernen Osten sicherzustellen, indem man sich auf.dl- Ehrlich- keitder Völker verlasse. Er habe de» Vertrauen zu den betei- ligten Rationen, daß sie sich all Mühe geben würden, den Krieg zu vermeiden. Diese Worte wurden mit Beifallskundgebungen ousge- nommen, Mitglieder des Ausschusses drückten dem Redner die Hand. Der Wortlaut öes Vertrags. Washington. 11. Dezember.(MTB.) Da» Abkommen der vier Mächte lautet wie folgt: Die Dereinigten Staaten, das britische Reich, die französische Republik und das japanische Reich haben beschlossen, zwecks E r h a l- tung des Weltfriedens und zum Schutze ihrer Rechte betreffend ihre insularischcn Besitzungen und ihre insularischen Do- minion» im Stillen Ozean ein Abkommen zu schließen. Zu diesem Zwecke haben sie Vertreter ernannt, die sich über folgende Bestim- mungen geeinigt haben: 1. Die hohen vertragschließenden Teile verpflichten sich gegen- seitig, ihre Rechte bezüglich ihrer insularischen Besitzungen und Do- minions im Stillen Ozean zu achten. Wenn zwischen einigen der hohen vertragschließenden Teile eine Meinung»verschieden- helt entsteht, die sich au» irgendeiner den Stillen Ozean betreffen- den Frage ergibt und Ihre oben erwähnten Rechte berührt, und wenn diese Meinungsverschiedenheit nicht auf diplomatischem Wege in befriedigender Weise geregelt wird und die gegenwärtig zwischen ihnen bestehende erfreuliche Harmonie zu gefährden droht,' werden diese Mächte die anderen oertragschließendn Teile zu einer briestich. Von diesem Briefe fertigte Martin eine Abschrift für Schiele an, der sich damals in Ungarn befand. Der Verteidiger Martin gibt, als Zeuge vernommen, an. daß er den Aus- druck„Agricola" in den Brief hineinkorrigiert habe, um der Zensur keine Handhabe zu geben. Wie Bang auf Be- fragen durch seinen Verteidiger versichert, hat er am 13. und 14. März eine solche Begeisterung unter der Berliner Be- völkerung gefunden, daß dagegen die Begeisterung vom 4. August 1914 verblaßtel So sahen die Helden vgm Kapp-Putsch die Stimmung des Volkes, das binnen weniger Tage den ganzen Spuk hinwegfegte I Gegen Bang ist das Verfahren wegen Beteiligung am Kapv-Pussch vom Untersuchungsrichter ei n g e st e l l t worden. Das Gericht beschließt jedoch heute auf Antrag des Oberreichsanwalts, den Zeugen Bang nichtzu vereidigen, da der Verdacht seiner Teil- nähme sich bestätigt habe. Es wird sodann General v. Hülsen vernommen, der damals Kommandeur von Potsdam war. Hülsen be- richtet von einer Unterredung, die er a m 1 1. M ä r z abends mit Lüttwiß hatte. Dieser sagte ihm, daß er gewisse Forde- rungen an die Regierung babe und diese eventuell mit Gewalt durchzusetzen gewillt sei. Das Unternehmen sei i n allen Einzelheiten vorbereitet und werde die Unterstützung wesentlicher Volksteile finden. Kapp solle Leiter der neuen Regierung auf breiter Grundlage werden. Am Abend des 12. März war Hülsen in Döberitz und hatte den Eindruck, daß die Ehrhardt-Briqade marschbereit sei. Er war zur gleichen Zeit in Döberitz wie der Admrial o. Trotha. Vllrgermelsserwahl in yambnrg. Der Senat hat für das Jahr 1S22 Herrn Bürgermeister Dr. Arnold Friedrich Georg D i e st e l zum ersten Bürgermeister und Herrn Bürgermeister Johannes Ernst Otto Stalten zum zweiten Bürgermeister wiedergewählt. legenheit zu bringen wäre. Dazu hat er zu viel Willen. Er, der vor der Revolution von 1018 schon 1916 den Kaiser abgesetzt hatte, ist einfach zu massiv, als daß er vor geistigen Argumenten wiche und sich in'die Defensive drängen ließ«. Selbst sein« Gesinnungsfreunde schont er dabei nicht immer. In seiner Aussage hatte er belsplels- weise erklärt, daß in den für Kapp kritischen Generolstreitstogen diesem von Lüttwitz angeraten worden wäre, zurückzutreten, da die Lage nicht mehr zu halten sei. Herr v. Jagow jedoch habe dem wider- sprachen, da er immer noch geglaubt habe, die Macht sei In Kopps Händen. Diese Sätze sind Jagow nicht gerade angenehm, und er läßt sich das Wort zu einer Zwischenbemerkung geben. In der er Sein« Exzellenz fragt, ob Seine Exzellenz sich da nicht doch irre. Er wisse nichts mehr davon. Aber Ludendorss denkt nicht daran, zu revozieren. So etwas tut er einfach nicht. Er redet in seiner Antwort völlig an der Sache vorbei. Jagow beißt die Lippen aus- einander und setzt sich. Nach einer Stunde etwa ist die Vernehmung beendet. Ein kurzes Hackenzusammenreißen, eine kurz« verneigung. Ludendorss tritt ab und nimmt auf der Zeugenbank Platz. Dort kann man noch einmal in Ruhe seinen Kopf studieren. Diesen Kopf mit der hohen Stirn und den gequetschten Backenpartlen, diesem energischen und dennoch so ungeistigen Gesicht, diesrm scharfen und'doch so blssig-veröchtlichen Blick. Da sucht man nach einem Totolwort, das diesen Mann charakterisiert und tüftelt«in« Weile und sagt dann vor sich hin: Das alte Deutschland! Wehe uns, wenn es wieder zur Macht kommt. Ein Pionier der Vernnnst. Die deutsche Republik hat wenig Innerlich Gläubiqe, denn.da» freie und selbständig« Denken und Handeln von„Bürgern", die den Mut und das Bewußssein einer eigenen Verantwortung haben", sie waren früher nicht erlaubt: so kehlen heute die„Bürger" und Gläubigen einer neuen Zelt. Die Jugend muß nun endlich auf ihr« Ausgabe vorbereitet werden, nicht nur durch Aufklärung über ihre bürgerlichen Rechte und Pflichten, sondern auch durch Einführung in die theoretischen und praktischen Forderungen der allgemeinen Sittlichkeit, die„unabhängig Ist von religiösen Dogmen, von nationaler Eigenart, von gesellschaftlichen Unterschieden und vom Streite der Meinungen und Leidenscholten, die alle Menschen und alle Völker im Wissen und Streben noch allem Guten und Schönen brüderlich eint." Ein„guter Republi- kaner" ist dabei, unermüdlich Lausteine zu solchem Werk zusammen- zutragen: au» der vorchauvinistischen Literatur Deutschland» und den englischen und französischen Schriften solcher Elnstelluna. Prof. Dr. H. W e r n« k e hat Im Selbstverlag«(Natzungen bei vorgholz i. Wests.) eine ganze Bibliothek guter Ueberseftungen(Stücke au, Guyau, Fenelon, Voltaire, Rousseau, de Stael, Ehateaubriand, Lamarttne, Hugo, Franklin usw.), dazu Ehrestomathien, Lesebücher, deutsch-französische versöhnungsbücher erscheinen lassen. Genannt seien:„Exzelsior, ein Lesebuch der Schönheit und Weisheit für die Jugend der deutschen Republik".„E o r n e l I a, ein Lesebuch höherer Bildung für dt« weibliche Jugend",.Phöbu»,«in Lese. japanischen Bündnisses. Konferenz einladen, der die Gesamtheit de? Frage znr Prüfung und Regelung vorzulegen ist. 2. Sollten die oben ermähnten Rechte durch die aggressive Haltung einer anderen Macht bedroht werden, so werden dir hohen vertragschließenden Teile sich untereinander In vollständi- ger und freimütiger Weise verständigen, um zu einem Einvernehmen über die wirksam st enMaßnahmen zu gelangen, die sie g e- melnsam oder gesondert ergreifen werden, um allen Ersor- dernisscn der Lage gerecht zu werden. Z. Da» vorliegende Abkommen bleibt von dem Tage an, an dem es in Kraft tritt, zehnIahrelangin Gültigkeit. Roch Ablauf dieses Zeitraumes läuft es weiter mit dem Vorbehalt, daß jeder der hohen vertragschließenden Teile das Recht hat, es mit 12monatiger Kündigung zu beenden. 4. Das gegenwärtige Abkommen wird sobald wie möglich entsprechend den konstitutionellen Gebräuchen der hohen vertrag- schließenden Teile ratifiziert werden. E» tritt in Kraft, sobald die Ratifikationsurkunden in Washington niedergelegt sind. Sobald die» geschehen ist, ist die zwischen Großbritannien und Japan am 1Z. Juli 1911 in London abgeschlossene Kon- vention ausgehoben. « Die englische Presse begrüßt das Viermächteabkommen mit großer Genugtuung. Fast allgemein wird die Erwartung aus- gesprochen, daß als Folge des günstigen Abschlusses der Washlng- toner Konferenz eine allgemeine Konferenz zur Regelung der W ä h- rungsfrage und der internationalen Wirtschafts- k r i s e ins Aug« gefaßt werde. In der französischen Presse befürchtet man, nach der positiven Regelung der Seeabrüstungsfrag« könne nunmehr die Landabrüstung ernstlich in die Debatte ge- warfen werden.„Petit Parisien" verwahrt sich von vornherein gegen diese Möglichke" Mmöerkeitenschlch in Gberftblesten. Deukhen. 11. Dezember.(MTB.) Im Laufe des heutigen Sonn- tags fanden In Gleiwitz Besprechungen der Staatssekretäre a. D. Lewald und Göppext und'c«s Regierungspräsidenten a. v. v. M i q u« l mit den Vertretern des vor kurzem in, Leben gerufe- nen Oberschlesischen Verbandes für Heimatschutz und kultu- reite Bestrebungen und des Oberschlesischen Zweckverban'c« für Leibesübungen statt. Di« eingehende und ausgedehnte Aussprach» gab den deutschen Unterhändlern Gelegenheit, all« Wünsche und Forderungen der deutschen Bevölkerung in'der für den abzutretenden Teil Oberschlesiens lebenswichtigen Frage de» Schutzes der deutschen Minderheiten kennen zu lernen. Dabei kam dl« leb- hafte Sorge und die schwere Beunruhigung zum Aur'druck, mit der die deutsche Bevölkerung Oberschlesiens angesich's de r schlimmen Erfahrungen ihrer Cchicksalsoe'Shrten In Posen und West- preußen ihrem zukünftigen Schicksal entgegenblickt. Feiges Gestammel. Auf unseren Artikel ln der Sonnabend« Nachmittagsausoabe antwortet die„Rote Fahne" mit gewundenen Verlegenbeitsphrafen. Bezeichnend für ihre völlige Ra'losigkeit ist schon,' daß sie nicht einmal wagt, ibren Lesern den Namen des Verfassers mitzuteilen!— Wir bearelfen da», denn Kurt Franke hat in der kommunistischen Märzbewegung ein« hervorragende Rolle gespielt, so daß im Preußischen Unter- suchungsausschuß von seiner Person recht häufig die Rede war. Die kommunistischen Schäflcin dürfen eben nicht erfahren, daß auch hier wieder einmal ein Führ er höheren Grade» der Kommu- nistischen Partei furchtbare Anklagen gegen die Zen- t�r a l e erhebt. Mordanschlag gegen den japanischen Mlniflerprassdenken. Na» einer Meldung der.Ebwago Tribüne' a»S Tokio»st am Sonniag ein Mordanschlag aus den kürzlich eriiannten savansschen Premierminister Baron Takahaschi verübt worden. DaSAtleniat ist da» da» zweite innerhalb weniger Tage. E» wurden mehrere Berbaiiungen voraenommen. buch des Lichtes, der Freiheit, der Menschenliebe" und„Kleines Lesebuch der Moral". Wir glauben nicht mehr, daß Moral gelehrt werden kann, sie muß im Leben erworben werden, wir halten„Lesebücher" für unmöglich, die fast ausschließlich aus- ländische Ausschnitte bringen, aber da» hindert uns nicht, Wernekes Schriften allen.zukunftswilligen Lehrern und Eltern aufs wärmste als Materiolsammlungen und zu methodischer Beratung zu empfehlen! Wir wollen gern vom„Feinde" lernen, denn wir wollen Dölkervcrsöhnungl Paul Oe st reich. Die Verteilung de« Robelpreise» für Ehemie und Literatur erfolgte Sonnabend in Stockholm. Prof. de Geer hielt die Rede auf den Nobelpreisträger In Ehemie, Walter N e r n st, in der er auf die epochemachenden Entdeckungen hinwie», die den Namen Walter Ncrnsts weltbekannt gemacht haben. Darauf folgte die Rede des ständigen Schriftführer» der Schwe» dischen Akademie Dr. Karlfcldt auf den Nobelpreisträger In Literatur, An a t o l e France. Nach der feierlichen Preisverteilung fand ein Festessen statt. bei dem die beiden neuen Nobelpreisträger gefeiert wurden. In seiner Antwort erwähnte Anatole France den am selben Tag verteilten Friedenspreis und bracht« namentlich Branttng seine Der- ehrung dar. Dem furchtbarsten Kriege von allen, äußerte Anatole Franc«, ist ein Friedensvertrag gefolgt, der kein Friedensvertrag, sondern«ine Verlängerung des Kriege» Ist. Europa wird untergehen, wenn nicht die Der- nunft in den Parlamenten Platz findet. Professor N ernst hielt darauf eine Rede zu Eimen der Schwedischen Akademie. Di« ver- treter der chemischen Wissenschaft, sagte Nernst, haben soviel Arbeit gemeinsam, daß der Erfolg und die Belohnungen nicht Sache eine» einzelnen, sondern aller ist. Ministerpräsident B r a n t I n g hielt zuletzt eine kurze Ansprache. In der er erklärte, in der Teilung de» Frieden-preise» zwischen einem Schweden und einem Norweger erblicke er«ine Bürgschaft dchur. daß die Döster des Norden» ihre ganze Kraft gegen ein« Wieder- holung solcher furchtbaren Ereignisse, wie der letzt« Weltkrieg, ein- setzen werden. Phokographlsche Plast«. Die moderne Kunst hat un« zwar mit verschiedenen.Wechselbälgen" von Malerei und Plastik beschenkt. Da gibt es die„Skulpturcmolerei". bei der Linien und Farben reliefartig erhöht aus der Fläche hervortreten: dann gibt es neuer« ding» auch.Holzbilder", bei denen auf einer al« Hintergrund dienenden farbigen Holzplatte gewiss« plastisch« Schnörkel und Formen angebracht sind. Nun aber soll diel« Uebertragung einer fläch-nhaften Kunst in» Plastisch« auch praktisch verwertet werden. Da» neuest« dieser Art ist die„Kameraskulptur eine» englischen .photographischen Bildhauers". H. M. Edmond». der einen Apparat erfunden hat, um statt der Photographien„Porttätkameen" zu liefern. Für diese neue Kunst der'Photoskulptur wird eine be- sondere Kamera und eine Maschine oerwendet, die da, photoara- phische Bild auf eine Platte von Elfenbein, Holz oder einem andern Stoff überträgt, so daß es dort in Reliefform erscheint. Die schönsten photogrophischen Kameen stellt Edmons in Alabaster her. Di««uk- nähme solcher Porträt» beanspruchen»in« größer« Ze«. Die Steuerpolitik üer Sozialdemokratie. (Fortsetzung von der 1. Seite.) Z. Mederherskevunq de» gemeinen werte» als veran- lagungsgrundlaqe in den V e r m S g e n» sleuergeiehentwürsen. 4. Sofortige Erhöhung der Aussuhrabgabe bis zur vollen Ersafsunq der volotagewinne. Um die Erportinduslrie unmittelbar an der Besse, ung der wart zu in'.er- esiieren. ist für die Berechnung eine nach dem Stande der Valuta gleitende Skala mit progressiven Sähen bei Verschlechterung der Mark einzuführen. 5. Feststellung der im Zn- und Aussande liegenden Devisen- Vorräte durch eidliche Vernehmung aller Personen des Wirtschaftslebens, bei denen«rröfiere Vorräte vermutet werden. 6. Emführung einer Börsengewinnsteuer, die einen Teil der Kursgewinne unmittelbar der öf'enkiichcn Hand zuführt. Der Kampf gegen die Reaktion, der nach dem Morde an Crzberger da» arbeitende Volk zusammen- schloß und die Dunkelmänner, die sich die öffentliche Ordnung ohne einen auf den Nacken gesetzten kaiserlichen Absatz nicht denken können, verschwinden lieh, ist noch lange nicht beendet, die Gefahr ist noch nicht vorüber. Die; schlichten, die wir erhalten haben, »zwingen die Arbeiter zu erhöhter Alarmbereit» s ch a s t. Einflußreiche französische Kreise erstreben die Zerstückelung Deutschland», weil sie glauben, daß Frankreich alsdann gegen deutsche Angriffe besser geschützt sei. Ich betone, nicht die fran- zösische Regierung, sondern vielmehr einflußreiche, insbesondere klcrl- kale Kreise sind e», die diele Zerstückelung erstreben. Die Erhaltung der Einheit unserer Republik ist das Ziel unserer PoflNk seit dem Waffenstillstand gewesen. Darüber muß man sich in den Kreisen der Reaktionäre klar sein. Die Sozialdemokratie hat im Kapv-Putsch und nach dem Erzberger-Mord bewiesen, daß sie die Masten hinter sich hat und daß sie es versteht, sie aufzurufen. Wohl erstreben wir den Kampf der Geister, aber zur Verteidigung der Republik sind wir stets bereit. Wir führen keine Aktionen nach Art der Achtgroschenjungen herbei, die nur Schritt» mach« der Reaktion sind. Das zeigt uns ja zur Genüg» d« Prozeß gegen dle Sapplstea in Leipzig, der den Kommunistenputsch als einzigen koffnunasstern der Verschwörer erstrahlen läßt. Reben den kommunistischen Führern stehen die Kappisten nackt vor dem deutschen Volke. An Feiaheit und Erbärmlichkeit sind sie sich wahrlich ebenbürtig. Llll die Herren— v. Jaqow, v. Wangenheim usw.— sind ganz unschuldig, nur zufällig, weil sie Frühanssteder sind, sind sie um V Uhr morgens vor dem Brandenburger Tor spazieren ge- gangen. Herr v. Dewib aber benimmt sich ganz wie der herunter» gekommene Baron in Maxim Gorkis.Nachtasyl".(Lebhafte Zu» stimmung.) Smmer antwortet er:„Keine Ahnung"— er weiß sich auf nichts mehr zu besinnen, er leidet an ganz merkwürdiger Gedächtnis- schwäche, er hat Immer„keine Ahnung". Bor solchen Helden, wie sie die Kappisten sind und wie sie nun in Leipzig demaskiert werden, braucht die Sozialdemokratie nie z»«schrecken. Solchen Helden gegenüber ist der Sieg der Sozialdemokratie aewiß genau so wie d« Sieg un» sicher ist über den Kopitalismus. sLebhafter Beifall.) Eenoste Fischer teilte mit, daß der Bezirkstag von SZ2 Dele» alerten beschickt sei. Alsdann wurde nach einem Referat des Gcnosten Pagels und einer kurzen Diskusston die Beitragserhöhung besch'osten. Danach betrögt der Wochenbeitrag für Männer 1 M., für Frauen SV Pf. Die Juqendmaxken kommen in Wegsall. Dasür zahlt die Bezirksverbandskasse für je 1Z Wochenbeiträge 50 Ps. an die Jugend, während die Abteilungen zur Bestreitung ihrer Aus« gaben nur ein Viertel der Einnahmen statt des früher bezogenen Drittels erhalten. Eine inzwischen vorgenommene Sammlung zugunsten der Märzgcfangenen ergibt den Betrag von 1L2K Mk. Folgender Antrag de» 2L. Ab- tellung wird angenommen: „Der Bezirkstag legt wegen der Handlung der sozlaldemokra- ti'chen Magistratsmitglieder in der Angelegenheit„Reklame der Kon» sumgenostenschaft aus zwei Serien Brotmarlen", wob«' diese dem Drangen der Bürgerlichen wichen und die bereits herausgegebenen Marken taillerten. P-otelt ein, um somit unsere Magistratsmitglieder zu ocrgnlastcn, für dl- Freigabe der tassterten, mit der Reklame der Konsumgenossenschaft versehenen Brotkarten einzutreten." Schluß de« Bezirkstages gegen 1 Uhr. Der Mäüchenmorö in kleppelsüorf. Hirschberg, 10. Dezemb«. Aus der Freitaqsttzung Ist noch die bcm-rkcnswerte Aussage der Lyzeallehrerin Fräulein Kiesert au» Itzehoe nachzutragen, deren Klaste dle Ursula Schade von Michaeli» 1920 bis Februar 1921 besuchte. Sie lagt au»: In«in« Stunde, aber nicht bei mir, ist von der Hypnose gesprochen worden. Dabei sagte Ursula Schade: ihre Mutter kenne»inen Mann, wenn der jemand fest ansehe, so müßte dieser machen, wa« der Mann wolle/ Wenn er aber die Augen weg- wende, dann sei e» vorbei. Sie nannte auch die Straße, in d« dieser Mann wohnen sollte, es war eine Querstraße von der Wohnung Grupen«. Ursula erklärte, den Namen de, Mannes dürfe sie nicht sagen. Ich halte es für unmöglich. daß dieses Kind jemand niedergeschossen hat oder daß sie die Handhabung eine» Revolvers auch nur kannte. Ich kann mir nicht vorstellen, daß da, Kind auch nur auf den Gedanken einer solchen Tat kommen konnte. Irma ist körperlich kräftiger, sonst aber auch»in gute» Kind, soweit ich das beurteilen kann. Unter groß« Spannung«folgte am Sonnabend die Ber. nehmung der 77 Jahre alten Frau Agnes Eckerl. Schwiegermutter- de, Angeklagten. Di» Vereidigung wird ausgesetzt. Frau Eckerl«klärt, ihr Verhält» nis zu dem verstorbenen Herrn Rohrbeck sei ein gutes gewesen, aber die Liebe der Döxth« habe sie nicht gewonnen. Bors.: Was Helten Sie von Grupen?— Zeugin: Er hatte einen sehr netten Eindruck gemacht und wir haben es ihm hoch angerechnet, daß er meine Tochter mit ihren drei Kindern heiraten wollte. Die Hoch» ,eit fand im September 1919 in Itzehoe statt. Ich wohnte in dem- ielben Hause. Grupen war furchibar wenig zu Hause, er befand sich viel auf Reisen.— Vors.: Welches Benehmen zeigte Ursel in Klevoelsdorf? Frau Eckert. Sie war heiter, nur einmal weinte sie als sie einen Brief, den sie an Frau Bartels geschrieben hatte. noch einmal schreiben sollte. Sie weiß nicht, wer der Ursel den Auslraa zum Schreiben des Briefe» gegeben habe.— Vors.: Ist Ihnen am Tag« vorher etwa» an Ursel aufgefallen?— Frau Eckert- Es war mir merkwürdig, daß Ursel traurig war. wenn st« nicht' mit dem Angeklagten zusammen war, st« hing mit großer Liebe an ibm, sie war wir gebannt an den Mann. Am 14 Fc'bruar sah>ch'w sogenannten Winterwohnzimmer und Häkelle.' Frupen spielte mit der Mohr Mühle, Ursula saß auf dem Sofa und las. Dann war Ursula weg, ich habe ihr Weggehen nicht beobachtet. Dann spielte Fräulein Mohr mit der Irma, während der Angeklagte mehrmal, im Zimmer auf und ab qino. Er sprach auch mit dem im Nebenzimmer befindlichen Fräulein Zahn. Irmgard stand dann aus. um die Reste von einem Apfel, den sie gegesten hatte, wegzubringen. Auch d« Angeklagt« war aufzestanden und ich habe angenommen, daß» vielleicht der Irma den Ofen zeigen wollte, in den sie die Apfelreste wersen wollte. Dann Hab« ich einige Zeit den Angeklagten nicht im Zlmm« gesehen, vielleicht bin ich auch etwa» eingenickt. Ich habe ihn nicht da» Zimmer verlassen sehen od» hören, vi« Zeit in d« ich den An» geklagten nicht beobachtet habe, würde nach meiner Ansicht genügen, die Tat unten zu verüben Ursula traue ich auf keinen FalldleTatzu. Ich halte es sogar für voll/ändig ausgeschlos» sen. daß die körperlich sehr schwache Ursel, die nicht einmal eine schwere Kanne heben konnte, die Tat überhaupt ausführen tonnte. Auf Antrag des Verteidigers Dr. Ablaß wird ein von der Zeugin an Wilhelm Grupen gerichteter Brief vom IS. Februar verlesen, in dem es u. a. heißt: Ein furchtbares Unglück kam über uns. Ursel hat aus Peter» Schreibtisch den Renowrr mitgenommen und oestcrn nachmittag die Dört« und sich selbst erschossen Ist das nicht entsetzlich? Damit nicht genu", hat man Peter verhaftet, da man der Ursel das nicht zutraut. In der Zeit des Unalücks waren wir mit Irma oben im Wohnzimmer, was wir beide beschwören können. Also muß sich ja seine Unschuld heraus' ellen. Die Zeugin verneint die Frage des Verteidigers Dr. Ablaß, ob ste stch in den kritischen Momenten in einem hnpnotisierten Zustand befunden hätte, und fügte hinzu, sie sei überhaupt nicht zu hypnotisieren. Der Vorsitzende bemerkt, daß in diesem Prozeß eine große Menge Schreiben und Telegramme mit allerlei Be» hauptungen bei den Behörden einlaufen. Auch bei Frau Reichs- Präsident Eberl fei ein Schreiben eingegangen, von dem er eine Ab- schrill bei den Akten habe. Oberstaatsanwalt Dr. Rciffenrcth bittet im Interesse aller Prozeßbeteiligten die Presse, Eindrücke irgend- welcher prrsönlicher Art nickt zu veröffentlichen, i''S??'onder- nicht üb« die Persönlichkeit des Angeklagten. verfcbärfunq öes tzochbahnfteeiks? Die Situation im Streik der Berliner Hoch- und Untergrundbahn-Gesellschaft war heute morgen unverändert. Um 10 Uhr trat der von Arbeitgeberv-rband einberufene tarifliche Haupt» a u s s ch u ß zusommen, um sich mit der Angelegenheit zu beschäf- tigen. Erst im Laufe drs Vormittags ging dem Vcrkchtsbund die Einladung zu, Vertreter zu den Verhandlungen zu entsenden. Er konnte deshalb schon aus technischen Gründen nicht an der Sitzung teilnehmen, lehnt aber auch aus rechtlichen Gründen den tarif» lichen Hauptausschuß ab. Um 2 Uhr nachmittags traten die Funktionäre des Betriebes zusammen, um zu dieser Sachlage Stellung zu nehmen. Sie werden sich in der Hauptsache mit der Frage beschäftigen, ob jetzt eine Der- schärfung de» Kampfes Platz greifen soll. Ein diesbezüglicher Be- schluß würde die Zurückziehung der Lichtmontcure und der Wachen bedeuten, die sich auf den Bahnhöfen befinden. Schon am Sonn- abend ist auf Beschluß der Betriebsräte die Ausladung von Kohlen für die Hoch- und Untergrundbahn unterblieben. Der Bcrkehrsbund wird im Laufe des heutigen Tages der Oeffenttichkeit Aufklärung über die rechtliche Stellung in Bezug auf die Anrufung de» Schlichtungsausschusics Groß-Berlin und die Anerkennung des von ihm gefällten Schiedsspruches sowie der Ab- lehnung der von Arbeitzeberseite einberufenen Schlichtungsinstonzen geben. GroßSerlln tvurftbuöen auf üen Straßen. Seßhastmachung„fliegender" wursihändler. Der Berliner Magistrat will, um der Stadt neue Einnahme» quellen zu schassen, Straßen und Plätze mehr als bis- her zur Errichtung von Berkausshäuschen her» geben, lieber die eingehenden Anträge von Pachtlustigcn will« nicht nur die Tiesbaüoeputation und die Parkdeputation hören, son» dern auch die Kunstdeputation, damit nicht das Straßenbild oer- fchandelt wird. Zunächst beabstchtigt er di« Verpachtung kleiner Bodenflöchen von je 12 Quadratmetern auf dem Potsdam« Platz, dem Askanischen Platz, dem Moritzplatz, dem Spittelmarkt, dem Hausvogteiplatz, dem Alexandcrplatz, Unter den Linden, In der Tauenlllenstraße und in der Hardenbergstraße. Ein Unternehmer wünscht dort zehn D«kaufshSuschen au'zustellen, in denen Wurst zu sofortigem Verzehren seilgehalten werden soll. Daß«» einmal zu solcher Seßhaslmcchung de»„fliegenden" Wurst- Handel» kommen könnte, hätte gewiß kein.Wurstmaxe" sich träumen lasten. Vermutlich werden diese Wurstbu&m auch in den Tages- stunden geöffnet sein. Die Pacht will der vorsichtige Magistrat nicht in Papier- mark festsetzen, weil er bei fortschreitender Geldentwertung am End« nicht viel'drüber behielte. Er hält für bester, pro Verkaufs- Häuschen als Jahrespacht den Gegenwert von 200 Gramm Feingold zu vereinbaren, 200 Gramm Feingold hatten vor dem Kriege, wenn wir recht unterrichtet sind, den Wert von 558 M. Jetzt zahlt di« Reichsbank für Goldmünzen«in Vielfaches, zurzeit 720 Papiermork für 20 Goldmark, so daß der Gegenwert von 200 Gramm Go!'» sich aui rund 20000 Papiermark stellen würde. Der Magistrat will di« Pacht in Bierieljahrsraten zahlen lasten. d«cn Beträge nach dem jeweiligen Goldankaufspreis berechnet werden. vr. Köler über Sie verkehrsentwicklung. Im verein Berliner Kaufleute und Industrieller sprach kürzlich Stadtbaurat Dr. Adler über dieses �bema, nachdem er einen Ueberblick über die Entwicklung und die Geschichte der Berliner Verkehrsmittel gegeben hatte. Gegenüber dem bisher verwendeten Stroßenbahnwagen wird Im Hinblick auf den«forderlichen Ausbau des Straßenbahnnetzcs über da» ganze Gebiet Groß-Berlins die Schaffung eines neuzeit» lichen Wagenparkes erforderlich, deren Waocn mit stärke- renMotoren ausgerüstet und die für h ö h e r e G e s ch w i n d i g- leiten für weite Ueberlandst-ecken eingerichtet sind. Für die näher« Zukunft kann an eine Verwirklichung solcher Pläne noch nicht ge- dacht werden. Vielmehr muß durch Ausbau der bestehenden Linien, durch Schaffung neuer Uebcrganosmöglichkeiten aus den einzelnen bisher streng getrennten Bahngebieten in andere die Er- zielung von Dertehrsverbestcrunqen versucht werden. � Der Omnibusoerkehr wird nach Ansicht Dr. Adlers in der nächsten Zeit einen wesentlichen Aufschwung bringen. Mit der Einrichtung einer Reihe neuer Linien ist bereits begonnen worden. Hierbei werden auch die Vorort« in gleicher Weise mit neuen Linien�bedacht werden, wie da» Stadtinnere. Nach einer kurzen Uebersicht über die Entwicklung des« ch n e ll ba h nlUnicrgrundbahn)-netzes gab Dr. Adler dann noch einen Ueberblick über ihren weiteren Ausbau, der jedoch einer lväteren Zutunit vorbehalten bleiben muß. Endlich streifte Dr. Adler noch kurz die Stadt-, Ring- un d B o r o r t- bahnen und deren anzustrebenden Ausbau, der einen Abschluß in dem großen Fernbahnhofprojekt auf dem Tempel- hofer Felde finden würde, da durch eine derartige Umgestaltunj de, Eisenbahnpersonenverkebr» die bisherigen Fernbahnstationen zur Bedienung des Borortverkehrs herangezogen- werden könnten. Als letzte» Gebiet streifte der Redner noch ifle Durchbildung de» n-uen Schnellbahnwagen» als Mastenverkehrsmittel, das bei fast allen Ber- liner Verkehrsunternehmen einer Umformung unterzogen werden muß. Das Endergebnis aller im Eanae befindlichen Verkehrs- reformen müste die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit und die Be- schleunigung und Derbesterung de» Groß-Berliner Lokaloertehrs sein. Die Hilferufe am Engelbecken. Selbstmord der Arau Nägelein. Der nächtliche Derga.tg am Engelufer, der auf ein verbr-.,..« schließen ließ, ist als«in Selbstmord aufgeklärt werden. Der Ehemann der Ertrunkenen Frau Näzelein, der unter dem Verdacht der Täterschoft festgenommen worden wer. ist sofort wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Tie Frau hatte schon vor drei Wochen«inen Selbstmordver. such durch Vergiftung gemacht. Am Tage vor ihrem Tode hatte sie ferner versucht, stch auf dem Bahnsteig unter einen einfahrenden Zug zu werfen. Restlose Auf- klärung hat der Vorgang durch die Ermittlung des Mannes oe- fanden, der von mehreren Zeugen als der Täter angesehen worden war. Dieser hatte den Hilferuf gehört und donn einige Erkunden in das Wasser hinabgesehen, um schließlich eiligst davonzulaufen, um einen Rettungsring zu jucken. Dies« fand sich aber nickt an der Brücke, sondern in einem Fri'eurladen. Ehe aber der Mann, der auf das Klopfen an feiner Gefchäftstür aus feiner in ein-m anderen Stockwerk des Hauses gelegenen Wohnung herbeikommen konnte und den dort aufbewahrten Rettungsring h-rausgcbcn konnte, war die Frau untergegangen und ertrunken. Dieser Mann bekundet». a., daß die Frau schon als sie den Schrei ausstirg üb« das Geländer geklettert war. Er hatte auch eine zweite Per- son, die sich in ihrer Nähe nocy befunden haben könnte, nicht ge- sehen. Ein Verbrechen ist hiernach ausgeschlossen. « Die Mörder de» Kaufmann» Alexander sind gest«n von Dresden nach Berlin gebracht worden. Bei d« Vernehmung stellte stch heraus, daß di- Ermordung des greisen Alexanders im C a f e D a l l e» in der Schönhauser Straße schon seit einiger Zeit ein.Tipp" wrr, mit besten Ausführung sich schon mehrere der Stammgäste trugen. Wehner, der von Alexander zu Botengängen geworben worden war, hatte dort die Teilnahme aus- gebeten und war. als er einen Spießgesellen in Scharkowsti gefunden hatte, fasert zur Ausführung des Plane» geschritten. Die Beute betrug 12 00 0 Mark, die sie untereinander teilten. Da Beide von Zeugen, di« sie in der Wielandstraße gesehen hatten, wiedererkannt wurden, mußten sie die Tat auch zugeben. Auch Titel mächen Leute! Zwei der g. fährlichsten Berliner Hochstavlerinnen, die vier Lahre lang Unsummen erschwindelten, wurden jetzt endlich von der Kri- minaloplnei unschädlich gemacht. Die Verhafteten sind eine 28 Jahre alte.Gräfin Elise C h a m e r e und eine 45 Jahre alte Martha P r a g e r. Gräfin Cham«e hat eine sehr bewegie Vergangenheit. Si- wurde als Tochter eine» Fräulein Schneider geboren, das heute noch durch Näharbeiten seinen Lebensunterhalt verdient. Die Mut!« ließ sie, ein Zwittergeswöpf, das einen sehr starten Hang zu weid- lichen Wesen hat, als Krankenschwester ausbilden. Svätcr wurde sie Vertraute eines Kriegsgewinnlers, von dem sie große Summen erhielt. Dann ging sie eine Scheinehe mit dem versckuldeten Grafen Leonhard Harburn von Cham»« ein, lebte auf großem Fuße und verschasste sich das dazu nötige Geld durch fortgesetzte Schwindeleien. Auch ihre Gefährtin, Frau Prager, hat cin recht bewegtes Lekin hinter sich. Aus der höheren Töchterschule heraus heiratete sie mit 15 Jahren, oerließ aber bald ihren Mann und ging mit einem andern nach London. Dieser ließ sie sitzen und sie k-hrte zu ihrem Vater, einem strenggläubigen Juden, zurück. Bi» sie Fräulein Sckneider kennen lernte, erwarb sie ibren Lebensunterhalt durch Näharbeiten, um dann als„Herzogin" aufzutreten. Ein E h a u f- f e u r war von den Hochstaplerlnnen zwei Monate lang ohne Be- Zahlung zu Autofahrten gedungen wurden. Er sollte ihr Privat- chauffeur werden und sie dann ständig auf ihren Weltreisen begleiten. Er ist um 6000 Mark geprellt worden. Ein Fuhrgeschäft erhält 2000 M. für Fahrten mit einem Gummi-Phaeton, das mir einem gräflichen Wappen versehen werden mußte. Als Entlohnung hatten die Gaunerinnen ihm versprochen, daß sie ihm aus ihrem großen Haferbestand auf ihren Rittergütern Hafer überweisen würden. Bei einem Zigarrengcschäft tauften sie für 5 0 00 Mark Zigarren und Zigaretten auf Kredit, angeblich, un- diese Rauchwaren unter di« Angestellten ihrer Güter zu verHl>i. Ein Hotel, in dem sie gewohnt hatten, hat eine unbeglichen« Rechnung von 70 000 M. An diese großen SchwinMei-n'ckloll-n sich noch zahlreiche kleinere an. Höhlenbewohner in der Iungfernheide. Zur Aufklärung des Leichenfundes in der Kolonie Siemensfladl ließ die Kriminalpolizei die Iungfernheide gründlich a b- suchen. Dabei wurde eine überraschende Entdeckung gemacht. Man stieß auf eine Erdhöhle, deren„Einrichtung" erkennen licß, daß hier Menschen sich eine Wohnslätte geschaffen hatten. Als die Höhle entdeckt wurde, war sie zwar gerade leer, doch gelang es durch Nach- forschungcn festzustellen, daß dies« Höhlenwohnung einem alten Manne gehört, der sonst fast ununterbrochen dort baust und auch übernachtet. Nur von Zeit zu Zeit ging er nach Berlin binein und besorgte sich hier für einige Zeit Lebensmittel. Leute, die davon wußten, erzählen auch, daß cr sein Lager wiederholt mit anderen Personen geteilt hat und dort sogar eine Frau gestorben sei. Er- Mittelungen zur Aufklärung sind in die Wege gcleiteü Ein tödlicher Eisenbahnunsall auf dem Bahnhof Aleranderplotz ereigneete stch heute früh. Dort versuchte der Kaufmann Nehab aus Berlin, Jablonskistr. 13, auf den kurz vor 8 Uhr morgens den Bahnhof Alexanderplatz verlassenden Schnellzug V 31 nach Kattowitz zu springen, glitt hierbei vom Tritibrett ab und gerietzwischen Trittbrett und Bahn st ei g. Er erlitt hierbei so starke Quetschungen, daß er kurze Zeit nach dem Unfall starb. Der Unfall ist auf eigene Schuld zurückzuführen, da der Verunglückte noch in letzter Minute versuchte, den bereits in Fahrt befindlichen Zug zu erreichen. Eine Siedlung bei Elchkamp. An die.Märkische Heim- stä l te" G. in. b. H. will der Berliner Magistrai ein Stück de» jetzt der Stadl gedörenden SiedlnngSgeländes bei E'ckkamv der- kaufen. Die Geiellickait bean'pruckt eine 84 270 Ouabiaimeter arotze Parzelle, auf der sie 54 E in s a m i l i e» h ä u> e r errickten will. Tie Stadt Berlin hat da» Gelände van dem fiübere» Wob- nungiverband Krotz-Berlin übernommen, der e» vom Forslfieku» erworben hatte, und mich an die Gesellickast.Märkische Heimstätte" die Parzelle zum Selbstkostenprei« abgeben. Dieter bdrägi nur t ,80 Mark pro Quadratmeter, so daß für die 3t 270 Quadratmeter nur 51 686 Mark zu zahlen wäien. Bau!and zu so niedrigem Pres« ist schwerlich noch anderswo in der näheren Um« gebung Berlin» zu haben. Zur Leitung de»«esundheltswesen» sollen in den einzelnen P e r w o l r u n g» b e z i r t e n der neuen Stadtnemeinde Berk"» banpiamtl'cke belotdete Sradtärzte angestellr werden Die dm Berwaltiinatbezirle Charloltenburg. S-dönebrrg und Nenlölln baden bereri» ärzrlicke Mitglieder� der Bezirksämter zu bcfoldeien Leitern ihies GeiundheitSweienS. io daß hie« die Anstellnna von Sladtärzlen unnötig ist und unterbleiben w»d.«uck für den Ver- ioaliunasbezirt Zehlendort. der»ack ferner BevölterungS-adl der kleinste Bezirk de» neuen Berlin ist und zu den wohlbabriitften pe» dört. bZlr der Berliner Magistrat zur Zeit einen Stadtarz« noch nickt für rrforderlick. Stadtärzte will er nur für die übrigen 16 Verwaltungsbezirke anstellen, für jeden Bezirk einen. Wetter für morgea. verlln und Umgegend. Ein wenig gelinder, zlemli» ttüte und etwa» neblig bei«Stzigeu> üblichen Winden. Keine erheblichen Mederfchläg«. OewerMastsbewegung EnSgültige Spaltung öer französischen Gewerkschafien! Eine Gruppe von Kreisausschlisien und Verbänden der Revo- lutionören Syndikalisten hat am 2. Dezember in dem kommunistischen Parteiorgan, der„chumanite", einen Aufruf zu einem außerordentlichen Gewerkschaftskongreß veröffentlicht. Dieser Aufruf ist ein schroffer Bruch der Statuten des> französischen Gewerkschaftsbundes. Die Verfasser des Aufrufes rühmen sich zwar, daß sie zum Schutz der Einheit und der Meinungsfreiheit den Kongreß einberufen, aber der franzö- fische Gewerkschaftsbund und die Sozialistische Partei hoben diese Heuchelei sofort entlarvt. Der Borstand des französischen Vewerk- schaftsbunves sagt in seiner Erklärung:„Die. Einberufung dieses Kongvesie, ist«ine Spaltung, deren Schwere und deren Fol- gen für die Einheit der Arbeiterbewegung sofort hervorgehoben wer- den müsten. Das Bureau des Gewerkschaftsbundes beschränkt sich im Augenblick darauf, dieses Lorgehen festzustellen und beschließt, den Verwaltungsrat des Gewerkschaftsbundes einzuberufen, der über diese Lage Beschluß fassen wird." Der Lerwaltungsrat hat am S. Dezember die Erklärung des Bureaus gebilligt und festgesiellt, daß die Einberufung diejes ftatutenwidrigen Kongresses an sich«in Vorgehen sei, da» einem' Bruch gleichkomm«: nur der Bundesvorstand könne über die Ein- beruf ung und Abhaltung eines Kongresses entscheiden. „Der Lerwalhingsrat ist daher der Ansicht, daß die Organisatio- nen, die einen derartigen Kongreß einberufen haben, sich im Auf- rühr befinden gegenüber den ordnungsmäßigen Instanzen de» Gr- werkschaftsbundes. Er erklärt, daß die Organisationen, die die Znitia- tive dazu ergriffen haben, sich selbst außerhalb de» Ge- werkschaftsbundes stellen würden, wenn der geplante Kon- greß stattfindet." Es bleibt abzuwarten, ob die revolutionären Syndikalisten den formellen Bruch mit dem französischen Gewerkschaftsbund provo- zieren werde», von dem die Vorkämpfer des Militarismus und die Gegner der wirtschaftlichen Demokratie in Frankreich jedenfalls mehr Rutzen haben würden als die von den fezeisionistischen„Führern" irregeleiteten Arbeiter. Generalversammlung öer Serllner Metallarbeiter. Die am 11. Dezember in„chappold, Brauerei" stattzefundene Generalversammlung de? Verwaltungsstelle Berlin de» Metall- arbeitervsrdarches hatte sich mit folgender Tagesordnung zu befassen: 1. Bericht für das Z. Luorral, 2. Diskussion, t. Antrage Den Kassenberich: gab Kassierer Schmidt, dem einstimmig Entlastung erteilt wurde. Besonders genehmigt wurde die Gewäh- rung eines Darlehns an die Gastwirtsanzestellten anläßlich ihres Streiks. Das durch einen polizeilich festgestellten Dieb- stahlseinbruch verursachte Manko eines Kassierers in chöh« von mehr als 18 000 M. wurde auf die Kasse de» Verbandes über- IfOtllWClt, Der 3. Punkt brachte die Behandlung der an die Generalver- smnmlunj! gestellten Anträge, wobei besonders erwähnt werden muß, day die Generalversammlung die erste nach den kürzlich statt- gefundenen allgemeinen Delegiertenwahlen ist, also auch bei der grundsätzlichen Stellungnahme zu den einzelnen Anträgen die Feststellung der Zusammenseynng der General» o e r j a m m l u n g für da» weitere Organisationsleben de» Deut- schen Metallarbeiterverbandes, Filiale Berlin, von größter Bedeu- rung war. Ein Antrag Grosse, mit den in Betracht kommenden Af» tionen c> Organisationen ier Metallindustrie zwecks gemeinsamen Bor- gehen? in den bevorstehenden Lohnkämpfen in Der- Handlung zu treten, wurde«instimmig angenommen. Der von der Lranchenkommission der Schmiede gestellte und von der mittleren Ortsverwaltunz angenommene An- trag über die Aenderung des Z 9 des Ortsftanits betreffend„Dei- trogeerhöhung" wurde von den Antragstellern zurückgezogen. Da- beantragten die Schmied«, enssprechend Z S Absatz S de? Ort»- tut», daß nach den Vorschlägen der Ortsverwaltung auf die auer von 12 Wochen ein« Erhöhung der Bellräge ab 1. Leitragswoche 1922 in Kraft tritt. Nach längerer Diskussion wurde dieser Antrag mit 31S gegen 295 Stimmen ange- nommen. Ein Antrag, der die Bemerkungen der Orts- Verwaltung über ihre Stellung zu den an die General- Versammlung gestellten Anträgen künftig beseitigt, wird a b g e- lehnt. Desgleichen der Antrag der Jugendbezirksleitung des Siemens-Konzerns, der drei Jugendliche als besondere Delegierte zur Generaloersammlung zulassen will. Der nunmehr zur Verhandlung kommende Antrag des Kollegen Niederkirchner wird erst nach längerer Debatte zur Diskussion gestellt. Die Ortsoerwaltung ist der Ansicht, daß derselbe durch Verbandstagsbeschluß erledigt ist und eine Behand- lung desselben unnützes Zeikergeuden sei, es wird deswegen Heber- gang zur Tagesordnung über den Antrag beantragt. Eine Abstim- munq ist zunächst zweifelhast. Durch Auszählung ergibt sich, daß der Antrag zur Diskussion gestellt wird. Derselbe lautet: „Ausgehend von der Erkenntnis, daß ein fruchtbringendes Zusammenarbeiten aller Derbandsmitglieder nur dann möglich ist, wenn olle Richtungen innerhalb des Verbandes als Gleich- berechtigte und Gleichvervflichtet« zur verantwort» lichen positiven Mitarbeit herangezogen werden, beschließt die Generalversammlung für die Verwaltungsstelle Berlin die Ein- führung der Verhältniswahl für alle Verbandsorgane." Das Ortsstatut wird daher wie folgt ergänzt: .8 9s. Die Wahl der engeren Ortsverwaltung der Branchen und Bezirksleitungen, der Vertretung in der Berliner Gewert- fchaftskommission. der Beiratsmitglieder erfolgt, wenn mehrere Listen eingereicht werden, nach dem Verhältniswahlsystem." Der Antragsteller führt dann zur Begründung folgendes aus: Di« Entwicklung m unserer Organisation in der letzten Zeit zeigt, daß e» so nicht mehr weitergehen kann. Große Teile der Mitglied- schast sind völlig von der Leitung ausgeschlossen. Deswegen macht sich der Ausbau der Demokratie innerhalb der proletarischen Orqani- sationen notwendig, wir Kommunisten sind für die Demotraste (lebhafte Zurufe), allerdings nur in den proletarischen Organisationen, nicht aber im politischen und wirtschaftlichen Kampfe gegen die Bourgeoisie.(Höhnische« Lachen, Zu- rufe.) Da sind wir für die viktalnr. Wir müssen wieder zu einem kollegialen Zusammenarbeiten kommen. Wir wollen mit- arbeiten. Deswegen sollen nach dem Antrag die leitenden Körper- schaften durch die wahr« Demokratt« gebildet werden. Wenn im Staat in der Kommune das Proporzwahlrecht jedem gleiche Rechte gewährt, dürfen wir bei uns nicht etwas anderes haben. (Zurufe:„Moskau",„21 Punkte",„Eberlein mtt der Zündschnur" usw.) Im Lustrage der SPV.-Fraktion führte Kollege Franz Büchel au»: Der Antrag des Kollegen Niederkirchner ist allerdings so wichtig, daß man nicht umhin kann, einige» dazu zu sogen. Es ist nichts mehr und nicht weniger, als daß er dos ganze erst durch mehrfache Statutenänderungen geschaffene Delegiertensnstem für die Verwaltungsstelle Berlin mit wenigen Federstrichen beseitigt. Be- sonder» interessant ist dabei, daß die Fraktton, der Niederkirchner angehört, die Haupttreiberin zur Schaffung des jetzi- gen Systems, welches dem Gedanken des Räte- Systems Rechnung trägt, a e w es e n ist. Wir SPD.» Metollorbeiter begrüßen jeden von Moskau Zurückkehrenden. Die Wandlung der KPD.-Fraktion läßt beinahe die Auffassung aufkam. men, als ob Radek neue Parolen gegeben hat. Im anderen Falle wird wohl Niederkirchner bald aus der KPD. aus- geschlossen werden, denn sein« jetzig« Haltung stimmt mit den 21 Punkten in keiner Weis« überein. Oder aber, man muß anneh- men, seine hier vertretene Auffassung ist unehrlich. Sollt« allerdings das Umlernen der KPD. echt sein und die jetzige Wandluna-fähigkett noch länger anhalten, so wird st« in nicht zu ferner Zeit in den Armen des Grafen Westarp landen. Das Bekenntnis zur halben Demokratie, wie auch zur halben Diktatur ist eher echt unabhängig. Ich würde deshalb der Fraktton der KPD. vorschlagen, sich wieder mst der USP. zu vereinigen, da dies« nach ihrem Leipziger Programm ja auch mit dem«inen Bein aus der Diktatur und mit dem anderen auf der Demokratie steht. Für die SPD.-Fraktton gibt es Kon- Zessionen an diesen Zwittergedanken nicht, wir wollen die wahre Demokratie nicht allein für unsere proletarischen Organisationca, sondern auch die restlose Durchführung im Leben des ganzen deutschen Volkes. Der Antrag der KPD. ist, die Ehrlichkeit vorausgesetzt, eine Wiederannäherung an den Gedanken der Demokratie. Der Antrag selbst ist in seiner Abfassung unklar. Während er im ersten Teile den Proporz für alle Verbandsorgane fordert, läßt� er diesen Gedanken bezeichnenderweise im zweiten Teile wieder für die W- h I der Generalversammlung fallen. Insofern ist der An- trag in seiner Abfassung für die EPD.-Fraktion unannehmbar. Wir behalten uns vor, zu gegebener Zeit mit positiven Vorschlagen an die Generaloersammlung heranzutreten. Das Recht des Haupt- Vorstandes, sich die Bestättgung von Ortsstatutenänderungen vorzu» behalten, ist unbestritten. Wir in Berlin werden uns auch nicht darüber hinwegsetzen können. Trotzdem begrüßen wir die in den Ausführungen des Kollegen Niederkirchner sich anbahnende S e- finnungswandlung bei einem Teil der Arbeiterschaft und hoffen, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo wir alle wieder ans dem Boden der Demokrakle, nicht allein in einer Gewerkschaftsorganisation, sondern auch te einer einigen politischen Partei zusammen für die«e- freiung des Proletariats kämpfen werden.(Lebhafter Beifall. Bravo!) Daraufhin wurde die Generalversammlung vertagt. Groß-öerllner parteinachrichten. Heule. Montag, den t2. Dezember: 14.«St TV, Uhr Zunwonärtztzmig tri«Mwald. PuNduser Str. J*- 15.«St(fcühit 84), Dl« für hrut« abend jestgttrtzte Etgung der PartetstwMouar» und Betriebevertraueneleute fttOl au». Morgeu, Dienstag, den 13. Dezember: Marienfeld«. 15.«ejtet T Uhr Fraktlan»fizung der SPD. t» Ptariendorf iltzausleestr. 44 Uebuagsstunde der SPD.-Thöre: Anfragen stnd zu richten an Ä. Schulz, Charlottendurg, Kirch str. SJL M»»taa. 7V4 Uhr: Arbcitergesangvcrein„EinigtelttB u ch h o I z bei Kennig. PasewaUer Straße b«.- SPD..Miinnerch°r«r«>, F r i, d- r i ch» h a i n im„Andreas-Nafino", Andrea«!, raße 8.— Frauenchor..Froh» finn-T harlottenburg. Aula Stosmenktraß, 14.- DieMlaft. ni Uhr. Eoziatdemolratischer Männerchor Kallesche» Tor in der Aul» de, 11. Realschule, Boerthliroße S/l°.- ,.$Qtmome--3B« i ß e° l«« UHi). Aula Real.lbnmn. Boelckpromen.— SLngerchor der SPD. Lankow(7¥t O't 10——-----~" Iii ffreiet i0�hr"b«i�i-n�°tt7«h�f--l«r.. 19.°" Männ.rchar Karmom«-. Tharlottenbura(TW—»1» Uhr), Aula der T>-aien,.OberreaIschuIe, Sailobltr. 27. —.Liedersreund«".» o r s i g w a l d«. W i t t e n a u bei Schade, Veidt.. Eck« Berliner Straße.- Soz. Männerchor Prenzlauer To r<» Uhr),«äßow. Brauerei, Prenzlauer Allee. Jeden Sonntag(10-�12 Uhr) Ehorsiihrerschul» .Bärgerbeim", Alie Schönhauser Straße 28— Eonnadend, den 17. Dezember, 7 Uhr ptlnlllich bei Behrendt. Iildenstraße>8.-10. Sitzung mit dem Berliner Sau. vorstand de» Ard.-Sängerbunde». Anschluß an den A.-S,-B. Jeder Beretn muß vertreten sein._ Berontw. für den reda«. Teil: Dr. Werner Peisei. Tharlottenburz: Mr An. »eigen: Th.»locke, Berlin.�«erlag Borwärt-.Berlag ib. m. d.�v„ B-r!ia.� Druckt DörwärtS'Buchdruckerei u.Derlag»anstatt Paul Singer u. Co.. Berlin. Uindenstr. 8. Wslllvio. Millen (gel. geschützt) zat vesiasekNon der Mund- und BacheahShliI besonder» bei AfillflA Heilerkell. Halseritzünduag, ver« VlWt, schleimunz. Erhältlich!■(tu Apotheke» u, Drsgetlea. T, Uhr: Biesn-Welhüaclits- Sonderangebote D.Ge!eplieitsliüD!t in ttcslan Stores, Bettdecken Madras- und KBnftlcriardinen •GinUnsntirkitin iBergstr.ßl Krause Miete Ansbarter Str. I, Ecke KtirfflrstenstT. temeSen grize Au»w»h, »rei»«er> I. ßttllt»»«,! ti.aucwaUtzr.rz.Sviltei. martt avr«ck«Sehd»>ltr., »n» AU»t»di>rg«rPIatz 2. Alle EteoudecklN«erden aul>«ai bettet. 8'.BLSTZ $tH e OLS Leipil:tr Str. 123a Ec«« Wilhrlmiir Tauemtiepfir. 19« WM MM Eliirelunicmchi Urket Monail.dOMir. MrfchMinbe«' meist sehr schnell. wenn man denEch au» hon Zucker'» Patent- Med'slnal-Selte abend» eintrocknen lißt Dchamn«st morgens abwaschen und mit Zuckcah-Crciee nachstreich. «rotzartige Wirkung, von rausenden bestätigt. K, allen Apolheken, Drogerien, Par- lümerie- u. Frileurgelchäften. MöbeUT ransporte In- und Ausland ERNST BOLDT Berlin CS4. Untergrundbhl. Schönhauser Tor Norden des, 2)7», 9414• Berlins p-SStes Spezlal» Celdsehrank- >« und Maschlnen-Traaspert-aeechitt>■ KLINGT IM STURM EIN ALTES LIED JULIUS BRUHNS berauMeeeben snm 70. Cebuitstaee HermaaD Molkanbuhie SelbsterlebteGeschichten •us dei Sturm- und 0 r a n e i e i I der Parte) 73hsia... fi«. Teiltshlz. 5J. Oer. Krener. /-ÄllUtz 900 O an Zahne m. Elnspr. h sctimerrld. Umtrk. sehletlitsltz.(iah. Bep. rot ZlllIHftt Bf. W»", Petnd.Pr.«.Hochh-Bf Svn.e T Sek Arbeiter kauft zu Weihnachten Sucher m. SM. Mmeilie SeWWe»es WMms« Sei Wale» SMe te Seil(14.— 18. Jahrhundert). Dieser die Bauernlrtege, die Täukerdeweguna rn....... Preis U SBt 3a ffiaf Zeilen. reil 1: UlStttum(112 Seiten) 2. Aufl. Prei» 8 M. Zeil 2:«I't-Ialtar(>l0 Seiten). Dieser Teil um- satz» die Geich, chl« der sozialen Ideen oom 4. di, zum 14. Jahrhundert......... Preia 8 SRI. Teil 3: Heuere Teil lchilderi und die Utapien�����W Teil t und S erscheinen in SürHa. Prasseurtetl über Teil t and 2: .Barwdrtn', Berlin: Zn feiner Ardelterbtbliothel. auch nicht In der Bibliothek de« einzelnen strebenden Ardeitera sollie Beere.Geschichte des Sozialiomus" lehlen. Die durch die grötzte Konzentration erreichle «aumdeschrönkung ermöglicht einen An>chaffung»prc>». der weit unter dem anderer wissenschastllcher Werte steht. SWSesllills». Ml ZUsMZMM. Drganif tttlons Vatgabt. 9eb. onftait 30 3RL 25 SRI. Sine sachii.! e Darstellung der schicksalschwersten Jahre unseres Bolle«. Zwischen Den Gefechten, -der Bertager hat in die em Bande seinen eigenen Sntwicklung»gang desehrieden. KelköeiW.SsgmMenl: Melii! Ii. m W Sm. Der Kampf um dea Sronbesitz. Org.-Au»g. Gebunden anstatt 80 SRI... 23 SRI. Vnrvns. Hnchfla oriD MeDmulmschmig. schatten vornehmlich find e». die da» Buch lesenswert machen: das reaipoltlische Denken de» auf diesem Sediet deschlagen« Verfasser» unb seine Gepflogenheit cQdhaltloien Au»sprechena erkannter Tatsachen. Zu beziehen durch die Suchhanölung vorwärts, öerlin Sw, Linöenstr. 2 ■�.Binlianl-Ilias-" H.Grall, Leipt.S, 75 Ii 2 t Höehtie Belclhung Z I, Dltkr.Keellxe» t OaleftnhelU-? !dM\k«ut«. Uhren o i�3 Brillanten S � Schmuckaach 10-50'/, aot. Lad. Pr 1 Verkäufe Jedes Quan- tum, ksufi Metall- Kantor John. Alte lakobsir. i Jd v/asj fg�tA5S. Jagdgewehre AiUaitltili Pitttlei nv. An tau, Berti. Umtausch •emaht.Sntzaie• Tust ftätzsl limiWI1livtgr.t4Utr.l| Zu den Festtagen: Präsent körbe, fertig garniert, Mark 2C0.—, 300.—, 5, 0.—, auch nach bes. Wünschen zus. gestellt. Kreazsstchie 100,-! «loslafllchsel Röbel- tllchsel Silhcrsllchs.I .Sfunt«! Opossum! -Herrenlragenl Anzllgel Uhren! Goldwarenl Riesen- Beihnachtsver. laut zu staunenden Epottpreisenl slleine Versatzware.) Psand- leihhrua! Schönhauser Allee llö Kochbahnhos Rordring). stahroerglllung._ Sibirischer Eeenzfach», seilen schön. 475. prochl- poller Silderfuch, 575. autzerdem Aloolaiuchs. Blaufucha billig per. käuflich. Soldmann. «leraadrinenstrotze 4411. Gck««ommandonten. streß«.« GummImlnÄ/ Kafen, Cuiawah». Sehrock- anzllge. Ulster. Pale- tot». Schlllpfer noch zu Bit»" spottbilligen Preisen. Brieden«- ftoss«. Reine Lombard» wäre. Leihhau» Ro. sen,>alr-tor. Linien. stroßr 208/4.«cke senthalerstreSe. velhnochtaoerians. Anzüge. Schlllpser. M- sier, eleganie Damenmäntel. yreuzfüchse 175—1200. Riesenauswahl in allen Artikeln und Prelalagen. steine Lombardware. Leih» bau«. Borhagener- ftraße 47, Lichlenberg. »reuzfüchse. Alaolasüchse, Sisher- füchse. Skunkse. Sämtliche Pelzarten Kälste heradgesetzie spoitbil- lig« Sommerpreise. stein« Lomdordware. Leihhau» Rosenthaler- tor, Linienstraße 208/4. Tcke Rosenthalerftraße. Stannenerregend! Rotfllchse»0, streuz» ich!« 75 Mark ans lootafüchse! Silber. füchse I Robelfüchsel Skunlsel Zlti» sowie Ulster, Raglan,£ große Auswahl, 250.— an. Anzüge sehe Sreiowert. Bloudcr, lezandrinenstraße 62. Gck« Dreadenersiraße.' C Mibe! ] dhalseloagne 100,—. Thaiselongue- decke 75,—, Metall- heilen 160,—, stinde» drahtbctt. Meide. Au- guststraße 82». Quer. gebäude. ISZst' � KaafBesuehe"j Fahrradanlanf. Linienstraße 10. 140«» Schallplattea. alte, zerbrochene, stllo» gromm 27,—, Platten- umlausch. Sang«. Dergmonnstraß« 15 sstreuzberg). 657b' Verscbledenes alle anderen Pelzarten! Leklatzwaren! steine Alle» zu bedeutend her abgesetzten, spottbilligen Sommrrpreisenl Spe- ziol- Pelzperkout im Leihhauas Warschauer. straße 7.• Vertrauenaoolle Auakunft, Arzt»nr Stell«. Hebamme Opitz, Reue stönigstraße 57 lAleranderplaß). Bertranenaool« Ana- kaust, gewillenboft. ssrou Ghm, Kebomme a. D.. Stargarderftr. 75. Frauen oder Männer zum gesucht mm m ms zarwaiDstt. 42 Vfwenslr. ZI Merftt. 1?4'�7- WMnnelNlihgr.24 Anllussll. ZK WW. g MMlUgtt JJ'ßM —■ BeMloac SIC. 31 mmm.