Nr. 5S7 ♦ Z8. jahrelang Ausgabe& Nr. 291 VezugSpreiS» MerteljShrl. 45,— OL, monatL ISL— Ä. rrei ins Saus, voraus zahlbar. Post- fcczug: Monailich 12.— M. ftnfd)LRu. fiellunqsgebllhr. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig. da« Eaar- und Memelaediel, sowie die ehemals deut- scheu Gebiete Polens. Oesterreich- Ungarn und Luisemdurq 25.— M. für das iidrige Ausland 32,— M. Pok» bestellungen nehmen an Oesterreichs Ungarn. Tschecbo- Slowalei, Däne- inarl. Holland, Luremdurg, Schwede« und die Schweiz. Der„Borwans" mit der Sonntagsbeilage„Polt und Zeit", der Unter- hallungsdeilage Jcieimmelf und der Beilage.Siedlung und Kleingarten� erscheint wochentäglich zweimal. Som»- tags und Montags einmal. Telegramm. 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Trotz» dem hat Doyä sofort mit Kapp und Jagow den Posten eines Unter st aatssekretärs im Preußischen Ministerium des Innern angenommen und ausgeübt. So hat er dem Minister v. Jagow jenen Erlaß zur Unterzeichnung vorgelegt, der den Sicherheitspolizeibeamten eine tägliche Zu» läge von 7 M. versprach. Aber auch das war selbstverständ- lich k e i n e besondere Amtshandlung, sondern nur eine selbst- verständliche Folgerung aus der Tatsache, daß die Reichswehr eine Zulage erhalten hatte! Uebrigens: Jagow hat sich nur auf die„laufenden Arbeiten" seines Ressorts beschränkt. „Lausende Arbeiten?" fragt der Vorsitzende...Die Entlastung vom Oberpräsidenten ist doch keine laufende Angelegenheit? „Das nicht." sagt Doyä,„aber diese Entlassungen sind sicher nur als direkte Anordnungen von Kapp erfolgt." Jagow— der hat überhaupt nichts getan. General Maercker, der vielgenannte damalige Kom- mandeur in Dresden, hat bekanntlich von Dresden aus den Versuch unternommen, die Kappisten zum R ü ck t r i t t zu ver» anlasten. Er berichtet als Zeuge, daß er in Dresden einen Fernspruch erhielt, wonach die„flüchtigen" Regierungsmit- gli-der zu verhaften seien ober dorb daran verhindert werden sollten, der Kappisten-Regierung Schwierigkeiten zu machen. Er babe auf jeden Fall zu verhindern gesucht, daß Reichswehr auf Reichswehr schießen müste.. Deswegen habe er den Ml- nistern in Dresden vorgeschlagen, daß er nach B e rl i n fahren und die Kappisten auf den verfassungsmäßigen Weg zurück- führen werde. R os k e habe jede Verhandlung mit den Hoch» Verrätern a b g e l e h n t und ebenso die übrigen Minister. Je- doch habe man ihm gestattet, eine persönliche Beein- flussung zu versuchen. Maercker hat dann in Berlin den Kap- pisten ernstlich zugeredet, sofort zurückzutreten, insbesondere Kapp und Lüttwitz, da sie von ganz irreführenden Nor- cussetzungen ausgingen, wenn sie glaubten, daß sie die Reichswehr und die Bevölkerung hinter sich hätten. Mit Lüttwitz hatte der Zeuge einen heftigen Zusammenstoß, weil Lüttwitz einen Maercker unterstellten Brigadekomman- deur. den General von Groddeck in Magdeburgs abgesetzt hatte, da er zu schlapp gewesen sei. Gegen diese Verfügung er- hob Maercker schärfsten Enipruch mit der Wirkung, daß Lütt- witz a u ch i h n für a b g e s e tz t erklärte. Durch Vermitilung H ü l s e n s hat Lüttwitz ihn später wieder eingesetzt. Ein u- leqraphischer Befehl von Lüttwitz an die ihm unterstellten Wehrkreiskommandeure sollte die bundesstaatlichen Regierun- aen auffordern, binnen zwei Stunden die Kapp-Regierunz anzuerkennen oder sich als abgesetzt zu betrachten: diesen hat Maercker nicht weitergegeben. Zeuge bestätigt, dag Wangenheim bei den Beratungen in Berlin sich dahin ausgesprochen habe, wenn der Generalstreik nicht beigelegt werde, würden die Städte nicht mit Lebensmi.- teln beliefert werden, und falls die Arbeiter aufs Land gingen, würden sich die Bauern zur Wehr setzen. lWangenbeim hat diese Aeußerung bisher bestritten, um seine Jnaktivsiät zu bekunden.) Weiter wurde heute Ministerialdirektor Meister ver- nommen, den Jagow hatte verhaften lassen, weil er die Be- amten aufgefordert hatte, der alten Regierung die Treue zu basten, sowie der frübere preußische Ministervräsident, Genosse Paul Hirsch. Der letztere b e st S t i g t die Aussage Schiffers, daß die aste Regierung beschlosten hätte, je einen Minister aus iede? Koalitionspartei in Berlin zu belasten. Er schildert die Verhaftung der preußischen Minister und deren Protest gegen die Kapp°®ewalt. * lu Beginn der heutiaen Verhandlung gab R.-A. G r ü n s p a ch° Berlin namens der Verteidigung folgende Erklärung ab: „Im Acht-Uhr-Abendblatt" von gestern abend findet iich die fettgedruckte Ueberichrift„Reichsminister Schiffer des Meineides be- schuldigt". Herr Rechtsanwalt Böttqer hat mich gebeten mitzu- teilen, daß er n i ch t i m« n t f e r n t e st e n daran gedacht hat, einen derartigen Vorwurf gegen Herrn Minister Schiffer zu erheben. Kein Wort von dem. was die Verteidigung ausgeführt hat. könnte in dieser Richtung gedeutet werden." �, Zunächst wird General v. T a y s e n vernommen. Er bekundet, daß er wohl im Anfang März 1920 Gerüchte über bevorstehende Cr- «igniffe gebärt, ihnen aber zunähst keine Wichtigkeit beigemessen habe. Am 12. März habe er dann vom Reichswehrgruvvenkommando den Alarmbefehl erhalten, der die Besetzung des Bendlerblocks durch das Rrichswehrreqiment 29 und des Regierungsviertel, durch da, Reichswehrregiment S. da, der Zeuge kommandierte, vorsah.— Borsitzender: Ist dieser Alarmbefehl auch der Brigade Ehr« Hardt mitgeteilt worden?— Zeuge: Ich glaube wohl, denn der Alarmbefehl galt ja für die ganze Garnison Groß-Berlin, also auch für Döberitz. Mündlich war allerdings dem Befehl hinzugefügt, daß die Brigade Ehrhardt etwas plane. Ich habe den Befehl vollzogen und habe meinen Unterführern mitgeteilt: G t- walt gegen Gewalt. Wir lassen uns nicht überrennen, denn das geht gegen unsere militärische Ehre. Einen Befehl, nicht zu schießen, habe ich nicht bekommen, doch weiß ich, daß über diesen Punkt telephonifche Verhandlungen geführt wurden. In der Nacht zum 13. erhielten wir dann den Befehl, wieder abzurücken und da- durch ist das Regiment davor bewahrt worden, in eine schwere Lage Hineinzukommen. Auf Befragen des Oberreichsanwaltes bekundet dann der Zeuge weiter, daß am Abend de» 12. März General v. Hülfen und Major v. B o ck mit ihm über feine Ab- sichten gesprochen haben. Er, der Zeuge, habe sich der Ansicht Hül- sens angeschlossen, daß ein Zusammenstoß zwischen den Truppen ein großes Unglück bedeuten würde. Aber er habe an seinen mili- tärischcn Beiehlen festgehalten und betont, daß er seinen Posten solange behaupten werde, wie er auf ihm stehe. Der nächste Zeuge, Geheimer Oberregierungsrat Dr. D o y c, war früher im Preußischen Ministerium des Innern. Er betont zu- nächst, daß er zu Herrn v. Jagow auf Grund seines siebenjährigen Zusammenarbeitens— v. Jagow als Boiizeipräsident war Bor» !l e f e tz t e r Döpes— in einem freundschaftlichen Verhältnis ge° tanden habe. Don den Gerüchten im März 1920 habe er zunächst nicht mehr gehört, als olle übrigen. Am 11. März habe ihn Herr v. Jagow plötzlich angeläutet und nach irgendeinem Haus in der Viktoriastraße bestellt. Dort, so fährt der Zeuge fort, traf ich Kapp, der mir bis dahin völlig unbekannt war. Kapp sprach mit mir über seine politische Auffassung von der Stimmung in der Reichswehr, sowie von dem Scheitern der parlamen- t a r i s ch e n Aktion und auch von einer Gärung in der Marine- brigade und fragte mich dann, wie die Stimmung in der S i p o sei. Ich antwortete ihm, daß mir von einer Unruhe in der Sipo nichts bekannt fei. Bei dieser Unterredung hat Herr v. Jagow kein Wort gesprochen. Ich habe ihn auch bis zum Sonnabend, den 13., nicht mehr gesehen. Vieth für üie KreüitvereinigunD. Im Reparationsausschuß des Vorläufigen Reichswirt- schaftsrates, der über die Errichtung einer Kreditverei- n i g u n g der deutschen Gewerbe(Antrag Hachenburg) ver- handelt, ergriff der Reichskanzler das Wort, um in einer ver» traulichen Aussprache einen Ueberblick über die gegenwärtige politische Lage zu geben. Seine Darlegungen gipfelten in dem Hinweis, daß die Wirtschaftslage Deutschlands mit ihren Verpflichtungen in weltwirtschaftlicher Beziehung nunmehr zum Gegenstand öffentlicher internationaler Diskussion gewor- den sei. Es sei von Bedeutung, daß diese Erörterung sortge- setzt und vertieft werde. Was das anlange, so müsse man sich zur Mitarbeit an diesem Problem bereithalten. Der Hachen- burgsche Gesetzentwurf biete anscheinend eine geeig- nete Grundlage, um die deutsche T Wirtschaft zur positiven Mit- arbeit an der Lösung dieser lebenswichtigen Fragen zu be- fähigen. Die Ausführungen des Reichskanzlers hinterließen bei den zahlreichen versammelten Vertretern des deutschen Ge- werbes einen starken Eindruck, der sich durch lebhasten Beifall äußerte. Der Ausschuß trat darauf in die sachliche Beratung ein._ Umschwung auf üem Devisenmarkt! Die Börsenspekulation atmet erleichtert auf. Die Baiste am Devisenmarkt scheint ihr Ende erreicht zu haben. Der Dollar setzte mit 171 ein und stieg bis zur Mittagsstunde auf � 180. Der Markt zeigte eine sehr feste Tendenz, so daß mit einer weiteren Erholung zu rechnen ist. Als Grund für den Umschwung führt man an, daß die Reise Rathenaus kein unmittelbar sichtbares Ergebnis gezeitigt hat. An der Börse � rechnet man damit, daß auch die Markspekulcnten des A u s- l a n d e s dem Umschwung der Tendenz an der Berliner Börse Rechnung tragen und ihre Gewinne realisieren werden. ßürs weihnachtsfeft üer Märzopfer. Auf unsere Bitte, für die Familien der Märzgefanqenen eine klein« Weihnachtsspende zu bereiten, pinqen bisher weiter ein: Verla? VorwürlS 500,—, Redaktion Vorwärts, 2. Rate. 200,—,' Soziald. Parlomentsdienst. 2. Rate, 80.—, Angestellte der Jnnunas- Krankentasse der Tischler 229,—, O. B. 20,—: Summa 1029 M. Znsg?samk 5369. I Zahlungen werden auf Postscheckkonto 37 530. Dorwärtsvcrlag G. m. b. H., unter dem Kennwort„Märzcpfer", in der Expedition � des„Vorwärts", Laden, Lindcnstr 3. im Sekretariat des„Vorwärts", Sekretariat der SPD., Neukölln, Ingerftr. 03, von 4— 6 Uhr, Vorwärtsspeditionen Neckarstr. 2 und Siegfriedstt. 28.29, angenommen. Di» Ouitwngen werden täglicki veröffentlicht. Genossinnen, Genossen! Gebt, was Ibr könnt, vor allem aber gebt raschl Redaktion de».Vorwärt»", t Hochverräter Luöenöorss. Von Erich Kuttner. Der Generalquartiermeister a. D. Erich Ludendorff ist des vollendeten Hochoerrats überführt. Muß man das in solcher Schroffheit sogen? Ja, man muß es sagen. Denn das deutsche Volk in seiner großen Mehrheit, obwohl es den Jagow-Prozeß vor dem Reichs- gericht mit Aufmerksamkeit verfolgt, ha: immer noch nicht be- griffen, daß dies das klarste und wichtigste Ergebnis der drei ersten Verhandlungstage ist. Sieles trägt freilich dazu bei, die Erkenntnis zu verschleiern. Wenn das Reichsgericht die Herren o. Jagow» v. Wangenheim� und Dr. Schiele auf die Anklagebank fetzt» Herrn Ludendorff aber an den Zeugemisch lädt, so wird durch diese unterschiedliche Behandlung von vornherein die Illusion geweckt, als müßten die drei Männer auf der Anklagebank doch viel schwerer belastet sein als der außer Verfolgung ge- blieben« Zeuge. Weitere Momente verstärken die Illusion: Der Oberreichs- anwalt beantragt, die Vereidigung des gedächnisschwachen Zeugen v. Dewitz wegen dringenden Verdachts der Mit- täterschast auszusetzen; das Gericht selbst deschließt, einen feisten ostelbischen Großagrarier und einen sicy dummstellenden Kapp- Leutnant aus dem gleichen Motiv nicht zu vereidigen— bei Ludendorff wird die Frage der Vereidigung über- Haupt nicht berührt. Woraus das unkritische Publi- kum folgert: es kann also gegen Ludendorff auch nur ein Ver- dacht nicht vorliegen. In Wirklichkeit liegt die Sache so: Neichsrichter und Reichsanwälte sind In der Anbetung des Namens Ludendorff lo befangen, daß sie jeden Gedanken an ein strafrechtliches Verschulden ihres.Idols von vornherein als ein„Aergernis" ablehnen. Es wäre falsch, zu sagen: sie wollen nicht hin- sehen. Nein, sie k ö n n e n nicht hinsehen. Eine innere Macht zwingt sie, ihre Augen von den Dingen abzuwenden, deren Anblick ihr seelisches Gleichgewicht erschüttern würde. Wir wissen ja, wie die Gloriole gemacht wurde. Mit den �kleinen Geschichtslügen", die Schiele seinem Freund Schnitzler in seinem Briefe vorschägi: Dem Volk muß der Glauben an den unerschütterlichen Freundschaftsbund Hinden- burg-Ludendorff erhalten bleiben, weil es solche Vorstellungen liebt. Deshalb lieber ein Kapitel aus Ludendorffs Buch unter- drücken, das Hindenburgs Fcldherrnruhm schmälern könnte, als die Illusion vom„Freundschaftsbund" antasten!— Und wie diese Illusion, so werden tausend andere gezüchtet. Einem Mann, der eine große, aber ganz einseitig strategische Be- gabung mitbringt, werden hundert Tugenden angedichtet, die er nie besessen hat. Medizinische Fakultäten ernennen ihn zum Dr. med., technische Hochschulen zum Dr.-Jng.. seine stolpern- den Gehversuche auf politischem Boden werden von einer dienstbeflissenen Presse als Musterleistunaen gerühmt. Das ist ja schließlich nicht schwer in einem Volke, das sich dreißia Jahre lang hat einreden lassen, daß sein halbverrückter Ikaiser eine geniale Persönlichkeit gewesen sei Wer mit Hilse der Schiele-Schnitzlerschen„kleinen Ge- schichtslügen" sich einen Jdeal-Ludendorff zurechtgehämmert hat, der kann den wirtlichen Ludendorff nicht sehen. Der wirkliche Ludendorff aber stellt sich uns folgendermaßen dar: Seine ständigen Berater in den Tagen seit der Revolu- tion— zum Teil vorher— sind Oberst Bauer, Hauptmann P a b st und Dr. S ch n i g l e r, drei Verschwörernaturen, wie sie im Buch stehen. Diese drei Intimen Ludendorfss sind zur- zeit alle drei als Haupturheber des Kapp-Unternehmens flüch- tig. Es steht fest, daß sie seit Monaten und aber Monaten Staatsstreichpläne.geschmiedet, zu Papier gebracht, geschäftig vorbereitet haben. Ludendorff aber soll das Treiben seiner Ge- treuen fremd geblieben sein? Besonders frappant ist die Jntimitäl zwischen Ludendorff und Hauptmann P a b st, der uns durch die Geschichte der Gardeschützendivision seit Jammr 1919 als kallblütigsr politi» scher Intrigant entgegentritt. Pabst gründete für seine Zwecke die„Nationiale Vereinigung", deren Bureau im Hause des Angeklagren Schiele eingerichtet wird(purer Zufall natür- Iich!). In diesem Bureau wird ober auch(wieder purer Zu- lall!) die gesamte Korrespondenz Ludendorffs durch Hauptmann Pabst erledigi, weil Herr Ludendorff, der arme Billenbesitzer, sich einen Sekretär nicht halten kann! Auch mit Kapp ist Ludendorff seit langem bekannt, er hat mit ihm oft und eingehend konferiert, sogar Kavp zu diesem Zweck in seiner Wohnung aufgesucht. Man konnte als harm- loser Zuschauer eine neue Seltsamkeit des Zufalls darin sehen, daß Ludendorff mit fast jedem einzelnen Hauptbe- t e i l i g t e n des Staatsstreichs bestens bekannt war und in politischem Gedankenaustausch gestanden hat. Anfang 1920 wird im Hause Blctoriastr. 20, dem Berliner Bureau Kapps, fieberhaft beraten. Kapp legt den Termin zum Losschlagen aus Anfang März fest. Das Geheimnis bleibt nicht gewahrt, andere erfahren davon. Und nun fühlt sich— in einem uns erhalten gebliebenen Brief— ein Teil- nehmer der Beratungen. Herr v. Dewitz» veranlaßt» Luden- dorff eindringlich zu wamen, daß er sich nicht dem Zugriff der Polizei aussetzen, daß er mehr hinter den Kulissen wirken möchte. Dort könne er der gemeinsamen Sache ebenso nützen. Warum die Warnung vor der Polizei? Unschuldige bedürfen keiner Warnung. Indizien, wird man bis hierher sagen, schwere Indizien, doch noch keine durchschlagenden Peweije. Aber die kommen jetzt. Am Tage des Losschlogens, am 13. März, waren alle Verschworenen auf 6 Uhr ans Brandenburger Tor bestellt. „Auf Tod und Leben", wie es hieß. Pünktlich finden sich alle zur ungewohnt frühen Stunde ein. Kapp ist da, Iagow ist da, Falkenhausen ist' da. Bang ist da— und auch Luden- dorsfistdal Warum war man zusammengekommen? Um sofort beim Einmarsch der Brigade Ehrhardt die Regie- rung zu übernehmen. Wem will Ludendorff weis» machen, daß er aus einem anderen Motiv dagewesen sei? Das Reichsgericht hat nicht den Mut aufgebracht, gegen Luden- dorffs lächerliche, schuljungenhafte Ausreden zu protestieren. Wer unbeeinflußt von„kleinen Geschichtslügen" denken kann, iür den ist das Erscheinen Ludcndorffs zum Appell der Ler- schwörer eindeutig. Roch seiner eigenen Aussage Hot Ludendorff an fast allen sogenannten„Kabinettssitzungen" unter Kapp teil- genommen. Obwohl ihn das grenzenlose Durcheinander, das geschäftige Treiben der Stellenjäger so sehr anwiderte, daß er bekannte,„selten etwas so Unschönes gesehen zu haben", hat Ludendorss doch bis Schluß durchgehalten. Eine rührende An- hänglichkeitl Aber auch eine glatteUnterstützungdes ch o eh v- r r o t s. Mag der Rat, den Ludendorff erteilte, als olcher für die Kappisten wertlos gewesen sein— die Tat- ache, daß LudendorffzuKapp hielt und ihn m i t einer Person unter st ützte, mußte für das Gelingen des Unternehmens als bedeutsamer Faktor erscheinen. Die Unterstützung des Unternehmens durch Ludendorff war geeignet, sowohl die eigenen Anhänger Kopps zu ermutigen wie große Teile des Bürgertums, für die der Rume Ludendorffs alles bedeutete, auf Kopps Seite zu ziehen. Und als am 17. März Ludendorff, das Scheitern der Sache erkennend, sich durch Rückzug decken will, da schickt ihm einer der Verschworenen einen flehenden Brief:„Exzellenz haben die Pläne des Unternehmens gekannt und gebilligt. Euer Exzellenz dürfen uns jetzt nicht im Stich lassen." Aber der fjeld der blauen Brille verließ zum zweitenmal seine Sache, die unter seiner Führung zusammengebrochen war. Fassen wir zusammen: Ständig umgeben von den drei Hauptkappisten Bauer, P a b st und S ch n i tz l e r, in bau- erndcr Fühlung mit Kapp selber, u. a. in feiner Korre- spondenz bedient durch die Nationale Bereinigung, noch vor dem Putsch gewarnt durch Herrn o. Dewitz, am 13. März morgens pünktlich am BrandenburgerTor, in allen Kabinettssitzungen zugegen, zum Schluß als ein von Anfang an Eingeweihter zum Ausharren beschmoren— und noch immer kein Hochverräter? Nein, so scharf und laut als möglich muß es ausgesprochen werden: der Generalquartiermeister a. D. Erich Ludendorff ist des vollendeten Hochverrats überführt und schuldig. Pspchopathische Patrioten. Die Zeiten sind glücklich vorbei, in denen Herr A n d r 6 Lefdvre seine Hirngespinste widerspruchslos der beifall» rasenden Deputiertenkammer vortragen konnte. In den »rsten zwei Jahren noch dem Waffenstillstand herrschte gegen Deutschland bis weit in die Kreise der französischen Arbeiter- schaft ein so tiefes Mißtrauen, daß fast niemand es wagte, den„Enthüllungen" Lefdores über geheime deutsche Rüstun- gen und Reoanchevorbereitungen mit der Sprache des ge- sunden Menschenverstandes entgegenzutreten. Seitdem find dank der häufigeren Fühlungnahme zwischen Vertretern der französischen und der deutschen Arbeiterschaft die in der eisten Nachkriegszeit noch bestehenden Mißverständnisse beseitigt worden, und die auf Studienreisen durch Deutschland gemachten Wahrnehmungen geben unseren französischen Ge- «offen die Möglichkell, jenen hetzerischen Querulanten wie Andr6 Lefdvre mit persönlichen Eindrücken und positiven Tatsachen gebührend zu antworten. Es darf als ein wert- volles Zeichen der Wiederbelebung des internationalen Ge- dankens festgestellt werden, daß die französischen Genossen von dieser Möglichkeit der Entgegnung diesmal in einer Weise Gebrauch machten, die uns eigentlich die Mühe einer eigenen Stellungnahme zu der neuesten Leistung Lefdvres abnimmt. Voran möchten wir die offizielle Kundgebung des Verwaltunasrates des Allgemeinen Französischen Gewerkschaftsbundes(EGT.) stellen, die uns bisher nicht im Wortlaut vorliegt, die aber, einem Pariser Telegramm zufolge, mit aller Schärfe die Märchen des ehemaligen Kriegs- Ministers im Kabinett Millerand zurückweist und das Zu- sammenwirken mit den deutschen freien Gewerkschaften als die Bürgschaft des Friedens preist. Dem Verwaltungsrat der EGT. gehören u. a. die Genossen I o u h a u x und Laurent, die kürzlich gelegentlich der Studienreise der Genfer Arbeiterdelegation u. a. die„Deutschen Werke" be- sichtigt haben und deren Zeugnis von jedem objektiv denken- den Menschen viel mehr Gewicht beizulegen wäre als dem Kaffeehausstrategen des Nationalen Blocks. Schon vor dieser Kundgebung hatte eiKer der Teilnehmer an der Besichtigungs- reise im Gewerkschaftsblatt„Peuple" an einer von Lefdvre vorgebrachten Tatsache, die er restlos widerlegte, die Unsinnigkeit des„Anklagematerials" nachgewiesen. Aber auch von sozialistischer Seite ist man dem„Ent- hüller" die Antwort nicht schuldig geblieben. Bereits während der Rede Lefdvres trat ihm der Führer der Fraktion Leon Blum entgegen, am nächsten Morgen ging ihm Marcel S e m b a t in einem Leitartikel des„Populaire" von beißen- der Ironie zu Leibe, und tags darauf veröffentlichte das gleiche Blatt einen offenen Brief Grumbachs an Lefövre, in dem auf die eigenen in dem Spandauer Werke gemachten Feststellungen und auf die Resolution des Leipziger Betriebs- rätekongresses der deutschen Metallarbeiter hingewiesen wurde. Durch die Tatsache, daß die französischen Genossen jetzt ihrer internationalen Pflicht voll genügen, erübrigt es sich für uns, zu ihrer Aufklärung die Rede Lefdvres im einzelnen zu be- sprechen, zumal der Reichskanzler Dr. W i r t h bereits in einer Unterredung mit dem„Matin"-Berichterstatter auf die verschie- denen Behauptungen Lefdvres eingegangen ist. Zugleich ober soll uns diese Tatsache ein Ansporn sein im Kampfs gegen den militaristischen Gedanken im eigenen Land«. Und es soll bei dieser Gelegenheit ausgesprochen werden, daß die Haltung der Arbeiterschaft in der H e i d e n a u e r Fabrik, auf die sich Lefdvre stützte, um die Unzuverlässigkeit des deutschen Prole- tariats nachzuweisen, auch dann höchst bedenklich war, wenn die alliierte Kontrollkommission formal im Unrecht ge- wesen sein sollte, wie aus den Ausführungen Wirths hervor- zugehen scheint. Aus dem jetzt vorliegenden amtlichen Kammerbericht geht hervor, daß Lefdvres Rede mit lebhaftem Beifall auf- genommen wurde. Bei der geistigen Beschaffenheit des Nationalen Blocks hätte uns das Gegenteil gewundert. Es ist nicht lange her, und das linksbürgerliche Blatt „Oeuvre" bezeichnete Herrn Lefdore nach einer ähnlichen War- nungsrede als„patriote psychopathe". Das war eine Höf- liche Art. ihm zu verstehen zu geben, daß sein Platz eher in Charenton wäre, im Pariser Dalldorf, als im Palais Bourbon. Um so befremdender wirkt es, daß nicht nur der jetzige Kriegs- minister B a r t h o u, der ein alter berufsmäßiger Chauvinist ist, sondern gestern auch der Ministerpräsident B r i a n d die unbedingte Richtigkeit aller von dem„psychopathischen Patrio- ten" vorgebrachten„Tatsachen" verbürgt haben. Damit hat die französische Regierung offiziell die Behauptung Lefdvres auf eigene Kappe genommen, daß Deutschland alle Vorbereitun- gen für eine sofortige Mobilmachung von sieben Millionen Soldaten getroffen habe, daß neue Eisenbahnlinien zu stra- tegischen Zwecken im Hinteren Teil des Schwarzwaldes von ihr gebaut worden feien und dergleichen mehrl So wird das französische Volk amtlicherseito gegen das deutsche auf- gehetzt, so wird die Wiederkehr des wirklichen Friedens- zustandes in Europa planmäßig verhindert!_ Einem sehr ausführlichen Pariser Telegramm der Est- Europe-Agentur zusolge erwidert heute Lefdvre auf das „Matin"-Interview des Reichskanzlers. Er häll Punkt für Punkt seiner Behauptungen ausrecht. So bleibt er dabei, daß die neue strategische Eisenbalmlinie im Schwarzwald tatsäch- lich bestehe. Beweis:„Ein Reisender(I) habe sie gesehen." Nach dieser Probe wird man es begreifen, wenn wir auf die Wiedergabe der ganzen„Erwiderung" verzichten. Wir hoffen. daß Dr. Wirth sich aus eine weitere Auseinandersetzung mit einem Menschen, dessen Unzurechnungsfähigkeit immer deutlicher zutage tritt, nicht mehr einlassen wird. Wir hoffen aber zugleich, daß sich Briand. Barthou und die übrigen Minister Frankreichs auch in Zukunft mit ihm für solidarisch erklären werden. Denn erst, wenn diese Gesellschaft von Querulanten und Psychopathen zum Gespött derganzen Welt sein wird, wird man sie auch in Frankreich selbst nicht mehr ernst nehmen.__ Raüek über die«.Vorwarts�Entkullimgen. Aus Moskau wird uns vom 5. Dezember geschrieben: In der„Prawda" vom S., 3. und 4. Dezember veröffentlicht Rädel eine Artikelreihe über die Enthüllungen des„Vorwärts" und die Lage Deutschlands. Nach seiner Auffassung handelte es sich für den„Vorwärts" darum, die Bildung einer Arbeiterregierung zu oerhindern und die Koalition mit den bürgerlichen Parteien zu er- halten, darum habe er die Dokumente veröffentlicht, deren Wert Radet herabzusetzen versucht, wenn er auch zugibt:„Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Gedankengang, es sei möglich, die Arbeiter- klasse auf künstlichem Wege in den entscheidenden Kampf zu ziehen, in einigen Kreisen der Partei Beifall fand und daß dies der Grund war für viele unser st ändliche Handlungen sehr guter Genoffen." Die Partei habe aber mit Hilfe der Dritten Jntcr- nationale„diese Versehen wieder gut gemacht". Die Entente wünsche Arbeiterunruhen in Deutschland, für die man die Kommunisten va- antwortlich machen könne, diese aber seien bei den letzten Hungc. krawallen nicht in die Falle gegangen. Die Arbeiterregicrung sei für Deutschland eine Notwendigkeit der äußeren Politik, denn ihr sei die Unterstützung der ganzen internationalen Arbeiterschaft sichrr. Die KPD. habe ihre Taktik der inneren Lage angepaßt, sie sei herein, eine Arbeiterregierung mit ollen Kräften zu unterstützen, ihre Be- teiligung an ihr sei durchaus zulässig. Rädel erwartet ein Scheitern der Verhandlungen über Anleihe und Moratorium und fetzt darauf große Hofsnungen für das Gelingen der kommunistischen Pläne. Für die Tatsache, daß die KPD.-Zentrale die Märzaktwn mit verbrecherischen Mitteln provoziert hat, ist es eine sehr liebenswürdige Umschreibung zu sagen, es seien„viele unver- ständliche Handlungen" passiert. Auch ist nicht zu sehen, was die KPD. getan hat, um dieses„Versehen", das Tausende von Arbeitern ins Unglück stürzte, wieder gut zu machen, diese Wiedergutmachung ist ganz der Sozialdemokratie überlassen geblieben. Erfreulich wäre es, wenn die KPD. wirklich ein für allemal auf jede Putsch- und Gewaltpolitik verzichtet hätte, dann müßte sie aber auch einsehen, daß eine Arbeiterregierung dann erst möglich wird, wenn sie sich auf eine sichere Mehrheit im Volk und in der Volksvertretung stützen kann. Eine Mehr- h e i t für eine sozialistische— nicht bolschewistische— Politik zu schaffen, ist das Ziel, für das die Sozialdemokratie unab- lässig kämpft und das sie schon erreicht haben könnte ohne das vernunftlose Treiben der Spielverderber von links. Was Radet über den taktischen Zweck unserer Veröffent- lichungen zur Vorgeschichte des Märzputsches schreibt, ist leere Phantasie. Unsere Leser wissen, daß der parlamentariscl?« Ueberfall, den die Kommunisten anläßlich des Lichtenburgsr Hungerstreiks auf unsere Partei inszenierten, den Anstoß zu unseren Veröffentlichungen gegeben hat. Zetkungskrlse auch In Oesterreich. Sämtliche Diener Bl.'.iiec veröffenttichlen eine Eiklörung ihrer Herausgeber gegen tie von ben Papierfabrikanten geplante Erhöhung des Papier- preii e« auf das Tausendfache de« FriedenSvreiieS. Die Heraus- geber erklären, daß, wenn dieser Preis in Kraft tritt, der Bestand sämtlicher Blätter gefährdet ist und 20 000 Arbeiter und Angestellte, die in den Betrieben der Wiener Zeitungen be« sckäftigt sind, brotlos werden. daß die Hunde am stärksten von der Seekrankheit ergriffen wurden, während sich die Kaninchen und Meerschweinchen durch das Schwan- ken und Schütteln überhaupt nicht in ihrem Wohlbefinden beein- fluffen ließen, obgleich sie sechs Stunden lang dem„Orkan" ausge- setzt wurden. Pozereki will nun diese Unempfindlichkeit der ka- ninchen gegen Seekrankheit zum Ausgongspunkt seiner weiteren Forschungen nach einem Mittel gegen diese Krankheit machen. Das leichteste holz. Das leichteste Holz, das wir bis jetzt kennen, ist das Holz des Balso- Baumes, über deffen intcr- effante Eigenschasten E. Küster in der„Umschau" berichtet. Der Baum wächst in den tropischen Wäldern Zentral- und Südamerikas und hat ein sich samtartig anfühlendes Holz, das dem einer hellen Fichte oder Linde gleicht. Die Eingeborenen bauen sich aus diesem auf dem Wasser schwimmenden Holz seit uralter Zeit Flöße, und deshalb nannten die Spanier den Baum Balsa, d. h. Floß. Ein Kubikdezimeter des Balsa-Holzes wiegt durchschnittlich 140 bis 160 Gramm, also ein Drittel weniger als Holz: doch gibt es auch Stücke, bei denen der Kubikdezimeter nur 70 Gramm wiegt. Die außerordentliche Leichtigkeit kommt von dem Bau der Zellen her, deren Wände sehr dünn sind und große Mengen Luft einschließen, die beinahe 92 Proz. des ganzen Volumens bildet. Im gewöhn- lichen Zustande foult Balsa leicht, und dadurch konnte es zunächst dem Kork nicht erfolgreiche Konkurrenz machen. Nach longjährigen Forschungen ist aber ein geeigneter Konservierungsprozeß gefunden worden, der das Holz gegen das Verfaulen schützt. Daraufhin hat sich«ine große Industrie in Amerika, haupt'ächlich während des Krieges entwickelt, und die Einfuhr stieg mit jedem Vierteljahr. Es bildete sich eine Gesellschaft zur Verwertung des Balsa-Holzes. die mit einem Kapital von 50 Millionen Dollar arbeitet, und im Jahre 1920 wurden 5'/t Millionen Kilo Balsa in Amerika einge- führt. Deutschland hatte im Jahre 1920 nur eine Einführung von 360 Kilogramm: 1921 sind aber schon etwa 10 000 Kilogramm zu uns gebracht worden. Ein Beispiel von hundelrcu?. Ein bemerkenswerter Fall von Hundetreue wird aus Altikon iin Kanton Zürich berichtet. Dort ging ein Jäger mit drei Hunden in den Wald: durch einen Unglück- lichen Zufall entlud sich seine Flinte und verwundete ihn tödlich. Einer der Hunde lief sofort nach sei.-cm Haus zurück und suchte die Aufmerksamkeit der Familie durct' Bellen zu erregen, aber die Dienstboten, die nicht. Schlimmes ahnten, schloffen ihn in di» Hunde- Hütte ein. Der zweite Hund rannte zu de:". Hause eines Freundes seines Herrn und oersuchte aus dieselbe Weise deffen Aufmerksamkeit zu erregen, jedoch ohne Erfolg. Am anderen Tage, als man sich auf die Suche machte, fand man die Leiche des Vermißten infolge des sammervollen Bellens des dritten Hundes, der bei dem toten Herrn geblieben war und ihn treu bewacht hatte. -taS ffmkonifche crchrfter der Schntzpollzci gibt unter Leiwng von Schmalstich am Mittwoch im Maimorsaal am Zoo lein Konzert. Musik. Die nächste Veranstaltung der. N l e b c r s ä ch s i» ch c» Musikvereinigung- findet am Mittwoch, den 2*. i, M. abends 8 Übe, im Bechtteinsaal. unier Mitwirkung von Mlnng Ebel-Dild«. Arnold Ebel und Georg Diburtz stall. Einiiittskarten zu ermägigle« Preis(4 M.) bei Harsch und in der Porwärtsbuchhandlung. Der Mensch ist öumm. von Artur Zickler. Die Friedlichkeit des Menschen ist Aufgabe der Erziehung. In der Schule, am Lehrbuch ist anzufangen. Die Züchtung natio- noler Eitelkeit, die verbrecherische Aufreizung jugendlichen Kraft- gefllhls zur Mordlust an Andereuniformierten waren die Wurzel olles Uebels. Die Frage der Beseitigung ist zugleich die des Ersatzes. Wir brauchen Schulbücher, die den Massenmord zu verabscheuen, die Kultur anderer Völker zu achten lehren. Der Nationalismus unserer Schullesebüchcr ist dumm und albern, leider war er darum nicht weniger wirksam. Er setzte voraus, daß die Maffe der Untertanen nie in die Lage kommen würde, durch eigene Anschauung fremde Art und fremdes Wesen zu würdigen, so genügte die plumpeste Der- Zerrung. Vor mir liegt ein«ben erschienene» Luch, da» gegen die natio- nalistische Verblödung angeht:„Der Mensch ist dummi Sa- tirische Bilder aus der Geschichte der menschlichen Dummheiten." Verfasser ist der französische Gelehrte Charles Richet; die fleißige und geschickt kommentierte Uebersetzung besorgte der als Pazifist bekannte Professor Rudolf Berge r. Das Buch ist darauf angelegt. Volksbuch zu fein. Es hat Vorzüge eines solchen. So ist es einfach und eindringlich geschrieben, hat manch. mal Logik und Wucht. Es wird wirken Es schlägt den Krieg nicht einmal, es schlägt ihn hundertmal tot. Mit durchaus treffenden Argumenten. Das Buch beweist, daß der Krieg, in jeder Hinsicht, ein Verbrechen, dazu ein sinnloses ist. Aber der Krieg steht immer wieder auf. Woran liegt dos? Charles Richet irrt sich im Grunde. Der Krieg ist mehr, als er denkt. Mehr als eine Dummheit. Seine Wurzeln liegen tiefer, als Charles Richet glaubt, darum bleibt er oberflächlich. Sehr oberflächlich sogar. Ein Beispiel. Charles Richet spricht über die östliche Welt, die Raffen des Indischen Ozeans. Er schreibt:„Wir kommen nun zu den G e l be n, von denen es im gefanitcn Asien kribbelt und krabbelt und die Hälfte der Erde bedeckt ist(?)---- Sie sind klein und häßlich und hoben niemals aus jener Halbbarbar ischcn Kultur heraus- zukommen vermocht, wie sie sie sich(!) vor langer, langer Zeit an- geeignet hatten. Was sie an Persönlichem in ihrem Wesen haben, ist wenig empfehlenswert. Sie haben unförmliche Tempel gebaut, in denen das Gebet durch abzurollende Streifen Papiers ersetzt wird. Sie treiben reichlich Kindermord und Selbst. mord Nicht einmal ein leidliches Aiphabet haben sie sich zu schaffen verstanden---- Doch dos eine muß ihnen zugegeben werden: in der Prostitution haben sie es schon sehr weit ge- bracht... Im Vergleich zu den Weißen sind sie entschieden minderwertig..,." Genug davon. Diese Art Weltbetrachtung und Menschenbeleh- rung steht auf der gleichen Stufe geistiger Verfaffung, wie die Aus. laffungen eine Kathederprügels, der feine Weisheit über Frankreich etwa folgendermaßen erschöpft:„Die Franzosen sind Sadisten und meistens syphilitisch. Ihre Kunst ist geschmacklos. Ihre Frauen be- fchäftigen sich vorwiegend damit, die Ehe zu brechen. Sie sind im Vergleich zu uns entschieden minderwertig...." So geht es nicht. Es ist nichts geholfen, den Teufel mit dem Beelzebub, Kitsch durch Kitsch zu verdrängen, eine Beschränktheit durch die andere zu ersetzen. E» gilt nicht nur die Gesinnung zu ändern, auch die Plattform zu erhöhen. Als ich dieses Buch einem Arbeiter zeigte, schrieb er hinter den Titel:„Der Mensch ist dumm"�, ein bißchen zu grob,„...und die Professoren sind es besonders." Wäre die Verbreiterin dieses Werkes nicht eine führend« pazifistische Organisation, wäre sein Derfaffer nicht eine leidlich prominente Per» sönlichteit, wäre der Pazifismus nicht eine zu ernsthaste Sache, hätte ich das Buch wohlwollend übersehen. Ein privater Hexenprozeß. Eine„Hcxen".Afsäre, wie sie sonst die Geschichte in das dunkelste Mittelalter zurückdatieren muß, spielte sich vor kurzem in einem Dorfe in der Nähe von Lauenburg in Pommern ab,„im hellen Lichte des 20. Jahrhunderts", wie ein Chronist einmal einen ähnlichen Fall glossiert hat. Eine ältere, allein- stehende Bäuerin zeigte, wie ihre Nachbarin zu beobachten glaubte, ein merkwürdiges und aufgeregtes Wesen. Nach vielem Ucberlegen und Beraten kamen die Nachbarinnen zu der Ueberzeugung, die Frau sei vom Teufel besessen und sei mithin eine richtiggehende Hexe. Die Gemeinde, wie die Beseffene selbst können durch Aus- treibung des Teufels vor unabsehbaren leiblichen und seelischen Schäden bewahrt werden. Zur Bewertstelligung der Austreibung drangen die abergläubischen Weiber in die Wohnung der Frau ein, bemächtigten sich der vermeintlichen Veseffenm und banden sie aus drei nebeneinandergejetzlen Stühlen fest. Unter die Stühle setzten sie ein Gefäß mit glühenden Kohlen, über die eine Schicht wun- derwirkender Kräuter gelegt war. Dabei gruppierten sich die Hexen- richterinnen um die Weihrauchstätte und singen laut an zu beten. Als ihnen dann nach kurzer Zeit der Qualm zu stark wurde, rückten sie aus, ohne sich irgendwie um das Schicksal der festgebundenen Frau zu kümmern. Glücklicherweise ward das Schreien der Miß- handelten alsbald von einem Vorübergehenden gehört. Der Passant drang in die Wohnung ein und schnitt die bereits halberstickte Frau los. Die Befreite war kaum mehr imstande, sich aufrechtzuerhalten und mußte dem Arzt übergeben werden. Die„Richterinnen" wurden alsbald festgestellt und dem zuständigen Gericht namhaft gemacht. Der Seekrankheiksapparal. Ungewöhnliche Versuche hat ein Arzt des Pariser Pasteur-Jnftitutz Dr. Pozerski ausgeführt, um ein Heil- mittel gegen die Seekrankheit zu finden. Er ließ sich von einem Ingenieur einen Apparat herstellen, durch den die Bewegungen eines Schiffes auf hoher See k-nou nachgeahmt werden. Diese Maschine besetzte er mit einer gemischten Mannschaft von Katzen. Hunden, Tauben, Hühnern, Kaninchen und Meerschweinchen, und er fand, de? baperisthe Lauernbunü gegen rechts. München. 13. Dezember.(Eigener Drahtberlcht.) Die Genera!» Versammlung des Bayerischen Bauernbundes hat den bayerischen Reaktionären große Enttäuschung bereitet. Sie l e h n t c n nämlich so ziemlich alle Forderungen der bayerischen Reaktionäre ab, wie z. B die Schaffung eines eigenen bayerischen Staats- Präsidenten und die Errichtung einer bayerischen Gesandt- s ch a f t in Stuttgart und Karlsruhe. Die Debatte ergab, daß sämtliche Redner des Bayerischen Bauernbundes der Anschauung waren, daß die bayerische Mittelpartei(Deutschnationale Volks- parte!) durch unverantwortliche Katastrophenpolitit die bayerische und die deutsche Politik schwer gefährdet habe und daß eine K o a l i e r u n g mit den Deutschnationalen von feiten des Bayerischen Bauernbundes auf die größten Schmie- rig ketten stoßen werde. ßehrpreiserhöhung und Sieölungspolitik. Aus Siedlerkreisen wird uns geschrieben: In der heutigen Mcrgennummer des.Vorwärts� lese ich unter„Reichsbahn und Eisenbahnländer", auf wie eigentümliche Weise das Defizit der Eisen- bahn zustande kommt und errechnet wird. Man schätzt aber trotzdem anscheinend die breite Oeffentlichkeit so uninteressiert ein, daß man sich schon wieder mit weiteren Erhöhungen der Fahrpreise befaßt, die erst am 1. Dezember um 30 Proz. hochgeschraubt worden sind. Mit dem l. Februar— vielfach verlautet es sogar: bereits am 1. Ja- nuar— soll eine abermalige Erhöhung der Fahrkartenpreise um S0 bis 75 Proz. in Aussicht genommen sein; die„Tägl. Rundschau" spricht in ihrer Mvntag-Abendausgabe sogar von einer chinauf- schraubung des Fahrpreises auf das Zwanzigfache der Friedens- preise. Den Bergnüzungsreisenden, den Fahrgast aus dem Auslande mit hoher Valuta, den chandlungsreisenden, der die erhöhten Fahr- kostenpreise einfach auf seine Ware aufschlagen kann, mag da wenig berühren. Nicht aber den Siedler. Er, der sich aus persönlicher Neigung oder veranlaßt durch die Agitation, die für den Siedlungs- gedanken mobil gemacht wurde, aufs Land hinauslocken ließ, sieht sich allgemach Beförderungstarifen gegenüber, die ihm die Existenz erbarmungslos ruinieren. Denn auch seine Monats- oder Wochen- karte wird von der allgemeinen Verteuerung der Fahrkarte jedesmal prompt in Mitleidenschaft gezogen. Wohnt er nur 50 Kilometer von seiner Arbeitsstätte entfernt(etwa Fürstenwalde, Müncheberg, Ebcrswalde, Wriezen), so muß er für die Monatstarte in der vierten Wagenklasse jetzt rund 135 M. zahlen. Tritt die neue Erhöhung in Kraft, dann wächst der Fohrpreis auf 200 bis 225 M. an. Bei einer Entfernung von 100 Kilometern(Frankfurt a. d. O., die Ortschaften am Plauener See usw., wo sich gleichfalls vielfach Leute angesiedelt haben) zahlt er das Doppelte. Seine billige und bequeme Stadt- wohnung hat er seinerzeit, aufgegeben, teils aus Liebe zur Natur, teils um mitzuhelfen, die Wohnungsnot zu mildern. Zurück in die Stadt, wo er selbstverständlich keine Wohnung findet, kann er nicht mehr. Jetzt präsentiert ihm der Staat die Rechnung. Hier muß unbedingt eingegriffen werden, damit die«isenbahnfiskalischen Bäume nicht vollends in den chimmel wachsen. Der Angestellte, der Arbeiter, der kleine Beamte, die das chaupt- kontingent zum Siedlertum stellen, können die geplanten Fahrpreise ganz unmöglich bezahlen. Mit jener Fahrkarte, die zum halben Preise die Fahrt zur Arbeit am Montag und die Fahrt von der Arbeit am Sonnabend gestattet, ist den Siedlern nicht gedient. Sie, die auf eine lohntragende Erwerbsmöglichkeit angewiesen sind, haben die Stätte ihrer Siedlungsarbeit mit Absicht so gelegt, daß sie an jedem Abend sich für einige Stunden ihrer Familie und ihrem kleinen Anwesen widmen können. Diese Absicht soll und darf man ihnen nicht zerstören, denn man zerstört dadurch den ganzen Sied- lungsgedanten überhaupt. Aufgabe der beschließenden Körperschaf- ten ist es daher, hier schleunigst und gründlichst die drohende Gefahr abzuwenden, die sich zu einer furchtbaren Katastrophe für zahlreiche Famllien auszuwachsen anschickt. Unsere Forderung ist: Gebt uns, die wir aus der Großstadt aufs Land hinausgezogen sind, Fahrkarten, die bei erschwinglichen Preisen zum täg- lichen Gebrauch berechtigen. Der Kampf im öerliner tzoch- unü Setonbaugewerbe. Bekanntsich haben die Berliner Bauarbeiter sowie alle an dem Tarifvertrag beteiligten Arbeitnehmerorganisationen den Schieds- lpruch des Bezirkslohnamtes abgelehnt. Es kam auf einzelnen Bauten zur Arbeitseinstellung. Die Folge war, daß der Verband der Baugeschäfte von Groß-Berlin die Aufhebung der Einzelstreiks forderte, andernfalls er zu Abwehrmaßnahmen greifen würde. Der Aussperrungsplan war bereits vorbereitet und war an dessen Der- wirklichung kaum noch zu zweifeln. Am Montag wurde von der Unternehmerorganisation das schärfste Geschütz in Stellung gebracht, um die Berliner Bauarbeiter zu erdrosseln. Die noch in Arbeit stehenden Mitglieder der baugewerblichen Arbeitnehmerverbände wurden mit einem Abkehrschein beglückt, der die Aussperrung aus- spricht. Die Bauarbeiter Groß-Berlins werden sich damit abfinden. Sie haben schon so manche Feuerprobe bestanden und sind im Kampfe um die Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen groß ge- worden. Ihre Schuld ist es jedenfalls nicht, wenn das Wirtschafts- leben durch den Kampf mit dem Berliner Baugewerbe erneut er- schüttert wird. Sie kämpfen nicht nur um des Kampfes willen, son- dern um den Stundenlohn, der in anderen Orten bereits gezahlt wird, und den auch die Berliner Bauarbeiter benötigen, um leben zu können.__■_ GroßSerüu Weihnachten naht... Wer das wenig freundsiche Treppenhaus im zweiten chof des Vorwärtsgebäudes emporstieg, die schwere, geheimnisvolle Tür im dritten Stockwerk öffnete, wurde beim Eintritt in das renovierte Ju- gendheim angenehm enttäuscht. Die Farben waren zur rechten Zeit trocken geworden. Der neugierige Beschauer wirft einen fragenden Blick auf das expressionistisch anmutende Stuhlchaos am Eingang und wendet sich einem der in der Mitte stehenden Tische zu. Künstlerischer Wandschmuck bietet sich dem Auge dar. Es war kein schlechter Gedanke, die Reproduktionen von Strich, und Kohlezeichnungen in den Mittelpunkt des Dargebotenen zu rücken. Als eine ernsthafte Frage gewissertnaßen: Was„schmückt" die vier Wände deiner Be- hausung? chinweg mit dem schreiend-bunten Kitsch.— Zur Rechten liegt auf langen Tischen systematisch geordnet gute Literatur zu Betrachtung und Kauf.- Förderer der Jugendarbeit finden die einschlägigen Schriften über die Arbeiterjugendbewegung und ihre Gegner zusammengestellt. Die kleine Broschüre von Julian Borchardt „Wie sollen wir unsere Kinder ohne Prügel erziehen?" sollte auch vielen Arbeitercltern auf den Weihnachtstisch gelegt werden. An einem Everdings scheint es zu fehlen, an kleinen, auf die Psyche der junaen Menschen zugeschnittenen Ausklärungsschriften. Im übrigen weist die ausgestellte Literatur die notwendige Zweiteilung zwischen Mterhaltenden und belehrenden Büchern auf. Da» Bilderbuch für Die öerliner Kommunalpolitik der SPD. Konferenz über die Grundsätze und Richtlinien. Die erste nach den Stadt- und Bezirksverordnctenwahlen ver- anstaltete Konferenz der zur SPD. gehörenden Stadt- und Bezirks- verordneten imd Magistrats- und Bezirksamtsmitglieder hörte ein Referat des Genossen Hugo Heimann über„Unsere S t e l- lung in der Berliner Kommunalpolitik". Die beste Richtschnur für unser Handeln sehe ich, führte Heimann aus, in dem gesunden sozialdemokratischen Denken und Emp- finden der Genossen, die berufen sind, in unserer Verwaltung sozialdemokratische Grundsätze zur Geltung und zum Durchbruch zu bringen. Das macht sedoch nicht überflüssig, für unsere kommunale Tätigkeit uns bestimmte Richtlinien zu ziehen, wenn solche auch nicht für olle Fälle passend festgelegt werden können. Für unsere Partei sind in der Stadtgemeinde und in mehreren Verwaltungsbezirken die Verhältnisse schwierige als vorher geworden, wcll die Wahlen ein unbefriedigendes Ergebnis gebracht haben. Die unselige Parteispoltung, die Vergiftung des öffentlichen Lebens durch die von den Unabhängigen und den Kom- munisten eingeführte Kampfesweise hat der Arbeiterklasse schwer ge- schadet. W i r haben bei der Wahl besser äbgkschnittcn, aber Schaden hat erlitten die Gesamtheit der Linksparteien und damit die Sache des Sozialismus. Doch auch unter diesen geänderten Verhältnissen muß leiiender Grundsatz für uns bleiben, daß wir an jeder Stelle und mit aller Kraft mit- arbeiten, um die Interessen der Minderbemittel- ten zu wahren und zu fördern. Wir dürfen nicht beiseite stehen und den Bürgerlichen nach ihren in der Wahlagitation ge- machten Versprechungen sagen, daß s i e zeigen sollen, was sie können. Es gibt freilich Situationen, in denen wir die Herrschaften darüber belehren müssen, wie begrenzt ihre Macht ist. Aber wenn wir Ob- struktion bei jeder Gelegenheit machten, so könnte das die Bevölke- rung schädigen. Bei manchen Fragen, wie es z. B. die der Er- Haltung und Mehrung kommunaler Betriebe ist, handelt es sich darum, wichtige sozialistische Interessen mit allen Mitteln. zu verteidigen. Redner beleuchtete dann die komplizierte Situation, daß in der Stadtverordnetenversammlung und im Magistrat und in manchen Bezirksversammlungen ganz verschiedene Mehrheiten bestehen. Dar- ans folgt die Notwendigkeit, Bundesgenossen zu suchen. Aufs allerlebhafteste würde ich, sagte Genosse Heimann, es begrüßen, wenn wir mit den uns am nächsten stehenden Unabhängigen zu einer Ar- beitsgemeinschaft kämen. Es kann gar nicht zweifelhaft fein, daß in allen Leb snsf ragen.de s Sozialismus wir gegen die Bürgerlichen in einheiilicher Front mit den Unabhängigen und selbst mit den Kommunisten zusammen- stehen müssen. Aber in vielen Einzelfragen haben auch die Unab- hängigen sich bisher durchaus unzuverlässig erwiesen(Zurufe: Sehr richtig!), weil sie gegenüber den radikal klingenden Phrasen der Kommunisten ins Hintertreffen zu kommen fürchteten. W i r haben den Mut zur„Unpopularität" gehabt, und es kann uns jetzt mit Genugtuung erfüllen, daß die Arbeiterklasse immer mehr, wie sich bei allen Wahlen der letzten Zeit gezeigt hat, uns als die besten Vertreter ihrer Interessen erkennt. Das muß uns darin bestärken, zwar jederzeit zur Verbindung mit den Unab- hängigen bereit zu sein, aber nur auf der Grundlage, daß die Verantwortung von beiden Teilen getrogen wird, innerhalb und außerhalb. Auch Bundesgenossenschast mit den Kommunisten kann vorkommen, wie z. B. jetzt, wo bei den be- vorstehenden Wahlen zu den zentralen Deputationen die drei Links- Parteien eine Listenverbindung eingehen, um gegenüber den Bürger» lichen besser abzuschneiden. Hesiigste wirtschaftliche kämpfe werden wir sehr bald mit den B 2 r g e r l i ch e n auszufechten Habs». Die Demokraten sind nach ganz kurzem Aufschwung wieder auf das Niveau des alten Kommunalliberalismus hinabgesunken. Ihr erster und ausrichtigster Wunsch ist, die Kommunal» betriebe wieder dem Privatkapital zu erschließen. Hierin werden sie Unterstützung finden bei der Wirtschaft- lichen Vereinigung und bei der Deutschen Volks- partei. Dagegen sollen bei den D e u t s ch n a t i o n a l e n in die- er wichtigen Frage zwei einander entgegengesetzte Strömungen be- testen. Für uns ist nötig, daß wir eine feste, nicht hin und her chwankende Haltung einnehmen. Das Verhältnis der Stadtverordneten zum Magistrat und der Bezirksverordneten zu den Bezirksämtern wünschen wir zu gedeihlichem Zusammen» wirken so, daß unsere im Magistrat und in den Bezirksämtern sitzen- den Genossen an den Beratungen unserer Fraktionen teilnehmen. Wo Differenzen nicht zu beseitigen sind, müssen beide Teile in vollix Loyalität die Verantwortung sllr ihr abweichendes Tun tragen. Die Erfüllung unserer materiellen Forderungen wird jetzt durch die finanzielle Notlage Berlins sehr erschwert. Die große Mehrheit der deutschen Kommunen ist sogar in noch viel schlimmerer Not. Wie stände es um uns, wenn nur ein winziger Teil der für den Krieg vergeudeten ungeheuren Mittel rechtzeitig für Kultur- aufgaben verwendet worden wäre! Genosse Heimann schloß: Die Arbeit in den Gemeinden ist er- heblich schwieriger als in den Parlamenten der Länder und des Reiches. Es handelt sich um eine äußerst verwickelte Verwaltungs- tätigkeit, die Tag für Tag neue Probleme aus der Not der Zeit entstehen läßt. Auch wird die kommend« neu« Städte- ordnung. so nötig sie ist, durch neue Umwälzungen zunächst sehr störend auf die Verwaltung wirken. Dcch oll diese Schwierigkeiten dürfen uns nicht niederdrücken, sondern müssen unseren Arbeitsmut nur noch steigern.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion erwähnte Genosse Lüdemann, daß in Wilmersdorf die SPD. schon bei den Wahlen eine Listenverbrüd«- rung mit den Unabhängigen eingegangen ist und daß dort unsere Fraktion die Unabhängigen als Hospitanten aufnimmt. Er ver- mutet, daß bei dem Notschrei der Städte ein Wunsch der Dürgerüchen, s i ch von kommunalen Steuern zu drücken, mitspricht. Für unsere in« der Verwaltung Berlins und der 20 Bezirke tätigen Genossen empfiehlt er Schaffung eines kommunalpolilifchen Sekre- tariats. Der Vorsitzende, Genosse Franz Krüger, bedauerte, daß die Kostenhöhe das unmöglich macht. Gegen Lüdemann erklärte Genosse H e i m o n n, daß ohne Hilfe vom Reich die Gemeinden nicht weiter können. Dieser Konferenz sollen andere folgen. In ihnen sollen wichtige Einzelfragen erörtert werden, z. B. das Siedlungswesen, die Schul- reform, die Kommunalisterungsfrage. den Abz-Echützen, Märchen und Bonsels Kinderroman von der Biene I Maja für das nach Beschäftigung mit dem Unglaubwürdigen suchende Kind, Sven Hedins Reisen für den an Abenteuern sich begeisternden Zehn- mid Zwölfjährigen, die Bände der Klassiker sür den fprtge- schrittenen Schüler, gute Romane für Jung und Alt reihen sich an- einander. Leichte Einführungsschriften in sozialistiseh« Gedanken- gange, Broschüren, die dem strebenden Arbeiter in langen Jahren lieb und wert geworden sind, ergänzen das dargebotene Schrifttum. — Wiederum auf einem Mitteltisch harren Tisch- und Brett- spiele des Käufers. Im Hintergrund, beim Eintritt nicht sichtbar. hat die Abteilung für Wanderausrü st ungsgegen stände ihr Lager aufgeschlagen. Do findet die Jugend alles, was sie braucht: der Bursche Hemd, Hose, Rucksack oder Brotbeutel, das � Mädel Turnhose und Wanderkleid. Der Dermögend« vermag sich außerdem eine ganze Aluminiumwirtschaft sür die Wanderung zu» sammenzustellen. Unter günstigeren äußeren Umständen soll die Ausstellung am nächsten Sonntag wiederholt werden. Wer sie veran- staltet hat, wer der Arbeiterschaft in teurer Zeit Gelegenheit geboten hat, ihre Wcihnachtseinkäuse verhältnismäßig billig zu erledigen? Es Ist ein Wert der Berliner Arbeiterjugend. ?m Kampf gegen öen Lefesthunü. Die erste Veranstaltung der Neuköllner Jugendpflege- wache war ein Vortrag des Landaerlchtsdirektors H e l l w« g (Potsdam) über den„Einfluß der Schundliteratur auf, die Kriminalität der Jugendlichen". Hellwig betonte, � daß es in dieser Sache nicht auf die Absicht, sondern auf die Wirkung! ankommt. Die häufigen Zeitunosnachrichten über die Verursachung der Gesetzesverletzungen Jugendlicher durch Schundlektüre feien, wie er festgestellt hat, oft unzutreffend. Daraus folge aber nicht, daß nicht doch noch recht oft ein solcher Einfluß bestanden hat. Die Wirkung des Leseschundes hängt ob von der Anlage des Kindes und von der Beschaffenheit der Umwelt, aber auch von der Erziehung. Besonders groß sei die Gefährdung der abnormen, psychopathischen Kinder. Gewiß sei die Schundliteratur keine Verbreckiensursache ersten Ranoes. sondern nur eine Hilfsursoche. Ihre Wirkung fei in neuerer Zeit von manchem überschätzt worden, ober man dürfe sie doch auch nicht unterschätzen. Bei dem Kampf gegen die Schundliteratur seien neben den bemmenden Maßnahmen die auf- bauenden die Hauptsache. Ohne Gesetzesoorschriften werde man nicht auskommen. In der Diskussion empsahl Stadtrat Schneider(Neukölln) ein aktives Vorgehen Man hat in Neukölln den Schulkindern durch Eintausch guter Bücher eine unolaubliche Menge Leseschund abgerungen. Auch auf die Buch, und Ponlerhändler bot man er- folgreich eingewirkt. Kreisjugendpfleaer Blume bestätigte aus seinen Erfabrungen, daß es eine wichtige Aufgabe ist, auch die Händler kür den Kampf aeoen den Leseschund tu gewinnen. In ähnlichem Sinne äußerten sich mehrere andere Redner. Jugend- xfleger Timm wies auf die Mitarbeit der Jugendbewegung hin. Eine Entschließung forderte das in Aussicht gestellte Gesetz zur Bekämpfung der Schundliteratur. Die mit der Iuaendpflegewoche verbundene Ausstellung ist tätlich von 10— 10 Ubr gegen 50 Vf. Eintrittsgeld geöffnet. Zu den Vorträgen werden Gäste gegen 2 M. Eintrittsgeld zugelassen. Emmi öaumana. Ein fünftes Opfer de» Massenmörders Großmann. Bekanntlich tonnten bisher dem Mädchenmördcr Großmann nicht weniger als vier Mädchenmorde nachgewiesen werden. Nun- mehr haben die Ermittlungen der Kriminalpolizei ergeben, daß Großmann auch ein Mädchen namens Emmi Baumann, dessen Personalien bisher nicht festgestellt werden konnten, auf dem Ge- wisse« hat. Seinerzelt wurde bei einer Durchsuchung der Wohnung Groß- manns in der Langcstraße ein Buch gefunden, aus dessen Deckel der Name Emmi Baumann stand. Es stieg sofort der Verdacht gegen ihn auf, daß auch dieses Mädchen dem Der- orecher zum Opfer gefallen ist. um so mehr, als olle Nachforschungen nach deren Derbleib ergebnislos blieben. Qstvst' mann wollte die näheren Personalien der Emmi Baumann nicht kennen. Der Kriminalpolizei ist es jetzt nach vielen Mühen ge- lungen, die Persönlichkeit dieses Mädchens festzustellen. Es handelt sich um eine 1902 in Kirchdorf in Mecklenburg geborene Emmi Baumann, die schon seit Jahren ihre Eltern verlassen und sich in Berlin umhergetrieben hotte. So wurde sie im Dezember 1920 gelegentlich einer Hotelkontrolle in einem Gasthause in der Koppenstr. 100 festgenommen. Bei der Aufnahme der Per onalien leistete sie ihre Namensunterschrift und diese wurde mit dem Nomenszuge auf dem bei Großmann gefundenen Buche verglichen. Dabei stellte sich heraus, daß diese Beiden genau über- einstimmen und die damals festgenommene Baumann mit der bei Großmann wohnhaft gewesenen identisch ist. Es konnte weiter fest. gestellt werden, daß die Emmi Baumann, weil sie krank war, von der Polizei in das Virchow-Krantenhaus eingeliefert worden war. Dort wurde sie dann am 17. Januar d. I. entlassen. Im Februar oder März erhielten die Angehörigen der Baumann einen von Männerhand geschriebenen Brief, der aber die Unterschrift ihrer Tochter enthielt. In diesem teilte die Tochter mit, daß sie sich von nun ab Emmi Neumann nennen werde. In einem zweiten Brief an ihren Bruder bat sie um eine Unterstützung. Es besteht der dringende Verdacht, daß Groß man» diese Briefe geschickt hat, um das Verschwinden des Mädchens zu verschleiern. Zur Aufklärung der Angelegenheit werden alle Personen, die diese Emmi Baumann kannten, gebeten, sich bei Kriminalkammissor Dr. Niemann zu melden. Das Bcld der Baumann liegt im Polizei- Präsidium Berlin, Zimmer 34. aus. Uebrigens hat sich Großmann. der im Polizeigewahrsam zunächst völlig zusammengebrochen war, so daß seine Haftfähigkeit bezweifelt wurde, im Untersuchungsge- fängnis wieder körperlich vollständig erholt. Schwerer Skraßenbahnunfall in der SkaNher Straße. In der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr stießen an der Ecke der Wiener und Skalitzer Straße ein Gaskohlenzug und ein Straßenbahnzug zusammen. Der Änhöngerwagen de« Straßenbahnzuges ist beschädigt. Der Straßenbohnschaffner und ein Fahrgast wurden schwer, sechs weitere Fahrgäste leicht ver- letzt. Schon wieder auf der Flucht erschossen. Beamte der Schutz- polizei überraschten bei einer Streife in der Laubenkolonie„Ver- einigte Grönländer" den 24 Jahre alten Möbelpolierer Karl Martel beim Einbruch. Martel ergriff die Flucht und blieb auch auf An- rufe nicht stehen. In der Fruchtstraße schoß nun einer der Beamten hinter den Fliehenden her und traf ihn so schwer, daß er besin- nungslos zusammenbrach und gleich darauf verstarb. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Auf der Straße überfallen und niedergestochen wurde in Neu- kölln der Former Richter aus der Rosenftr. 20. Der Mann wurde. als er sich in der Rocht auf dem Nachhausewege befand, an der Ecke der Bergstraße und des Hohenzollernplatzes von unbekannten Männern angerempelt, die dann ihre Messer zogen und auf den Ahnungslosen einstachen. Mit schweren Stichverletzungen in den Kopf und in das Gesicht schleppte sich der Ueberfallene noch bi« zu seiner Wohnung, brach dort aber zusammen und wurde auf Der- anlass.'ng eines Arztes nach dem Krankenhaus Buckow gebracht. Die TätevPnd unerkannt entkommen. «und der Atkieillrn(KonfessionSIoienl. Dienstag, den IS.. adendS 8 Uhr, Versammlung bei Kirchner, Berlin-Lantwitz, Kaiser-Wilhelm-Str. SS. Wetter für morgen. Verll» und Umgegend. Zunehmende Bewölkung bei zuncchft strengem, Ipäter nachlassendem Frost und jrische« südliche» Winde». Zieme erhebliche» Niederschläge. GeVmBschQftsbeVegung Verhandlungen im Hochbahnerstreit. Heute nachmittag um Z Uhr finden vor dem D e m o b i l- inachungskommiffor Verhandlungen statt über die JBerbind* lichkeitserklarung des Schiedsspruches des Schlich- tungsausschusses Groß-Berlin vom S. Dezember, den die Arbeiterschaft anerkennt, die Unternehmer jedoch nicht. Die Der- bindlichkeitserklärung würde dem Streid ein Ende machen, was von dem sonderbaren Spruch, der gestern unbefugt abgegeben wurde, von dem„Hauptausschuß", nicht zu erwarten ist. Verschärfung des Portierstreiks. Auf Veranlassung des Demobilmachungskcmmissars fanden gestern erneute Verhandlungen statt, die jedoch wiederum ergebnis- los waren. Die Hausbesitzer, denen die erneute Erhöhung der Miet- zuschlüge noch längst nicht genügt, erklärten wiederum, sie könnten ihre Portiers nicht besser bezahlen, trotzdem sie selber zugegeben haben, dah die jetzige Bezahlung durchaus unzureichend ist Sie wollen die Mehrzahlung auf die Mieter abwälzen und für sich selber dabei noch eine Mehreinnahme herausschlagen. Die Portiers sollen in diesem Spiel um höhere Mieten als Puffer mistbraucht, mit ihrer! Existenz Schindluder getrieben werden. Die Streikenden haben nun- mehr zur Verschärfung des Streiks etliche Block st ationen lahmgelegt, wodurch eine ganze Reihe von Betrieben an der Arbeit behindert wird. Worunter die Arbeiter leiden sollen. Der Aufsichtsrat der Niles-Werke Oberschöneweide und der Riebe- Werke in Weißensee hat seit geraumer Zeit drei neu« Direktoren eingestellt, die laut Anstellungsvertrag auf die Dienstwohnungen des Betriebes Anspruch haben. Den früheren Direktoren Teubcrtz, Schulz und Krämer gefällt es jedoch in diesen ihren ehemaligen Dienstwohnungen so gut. dah st« dieselben den ihnen angebotenen Austauschwohnungen vorziehen, da sie komfor. tabler und billiger sind. Die neuen Direktoren aber wollen ihre Entlassung nehmen, weil ihnen die vertraglich zugesicherten Dienst- Wohnungen nicht eingeräumt werden. Der Aufsichtsrat erklärt nun- mehr, daß er sich außerstande sieht, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Er hat der Beleoschaft von 1500 Mann angel-ündigt, daß st« am Sonnabend ent'assen und der Betrieb geschlosien werden soll. Der Betrieb soll erst wieder eröffnet werden, wenn es gelingen sollt«, ihn mit einer neuen Direktion, die der Aufflchtsrat nun suchen will, weiterzuführen. Die„Rote Fahne"' sagt mit Recht:„Wären es drei Arbeiter, die sich trotz Tauschangebot weigerten, die Wohnung zu räumen, dann würde sicher kurzer Prozeß gemacht, sie lägen längst auf der Straße." Gelingt es nicht unverzüglich auf dem Instanzenwege die Woh- nungen zu räumen, dann stehen die löllv Arbeiter vor dem Dilemma, entweder arbeitslos zu werden— oder selber die Dienstwohnungen für die Direktoren frei zu machen. Will man es dazu nicht kommen lasten, muß vorher Abhilfe geschaffen werden. haben. Zwecks einer Information ließ die Beschwerdestelle des Schlichtungsausschustes des Deutschen Metallarbeiterverbandes sich mit genannter Firma verbinden, um einem ratsuchenden Arbeiter dieses Betriebes zu helfen. Der Herr Direktor Plaza hat nun jeden- falls die Anweisung gegeben, alle Gespräche mit dem Betriebsrat von außen durch seine Kontrolle gehen zu lassen: kurzum, anstatt des Betriebsrates meldete sich Herr Plaza und wünschte zu wissen, aus welchem Grunde wir den Betriebsrat sprechen wollen. An unsere Antwort:„nur geschäftlich" erklärte Herr Plaza, wenn der Verband für den dem Betrieb aus dem Gespräch entstandenen Scha- den von dreitausend Mark aufkomme, würde er das Gespräch weiter geben. Der Hinweis auf das Betriebsrätegesetz blieb erfolglos, da der mit diesem und ungeschriebenen gesellschaftlichen Gesetzen offen bar wenig vertraute Herr Direktor einfach den Hörer anhängte. Zwei weitere sachliche Versuche, den Herrn zu überzeugen, wurden in gleicher Weise, durch Anhängen des Hörers erledigt. Dieser liebens würdige Vertreter des Unternehmertums scheint in seinem Betrieb noch üblere Umgangsformen an den Tag zu legen. Das Betriebs- rätegesetz kümmert ihn überhaupt nicht. Bei Verhandlungen mit Arbeitern soll er nach uns übermittelten Angaben zu Tätlichkeiten übergehen. Ein würdiger Vertreter der vornovemberlichen Periode! Entlassungen bei den Finanzämtern. Dom Zentralverband der Ange st eilten wird uns mitgeteilt: Obwohl in der Oeffentlichkeit und in den Parlamenten immer wieder darauf hingewiesen wird, daß die Einziehung der Be- fitzsteuern nicht erfolgt, weil die Steuerbehörden mit Ar» beiten überlastet sind, nehmen die Finanzämter trotzdem fortgesetzt Entlassungen von Ange st eilten vor. Man will auch hier, wie bei den übrigen Behörden, die„Homogenität" des Per- fonals herbeiführen. In Zukunft sollen nur noch Beamte bei den Steuerbehörden beschäftigt und Militäranwärter bevorzugt einge- stellt werden. Von diesen Maßnahmen werden Angestellte betroffen, die zum Teil vor dem Kriege bei den Landessteuerbehörden tätig waren und den Steuerbehörden mit ihren Sachkenntnisten sicher nützlich sein können. Aber auch die während des Krieges in die Behöroen gekommenen kaufmännischen Angestellren werden mit ihrer kaufmännischen Vorbildung und Kenntnis des Wirtschaftslebens nur zur besteren Erhebung der Steuern beitragen können. Der Zentralverband der Angestellten hat das Reichsfinanz- miniferium wiederholt auf das Schädliche dieses Borgehens hin- gewiesen und wird weiter für Wahrung der Recht« der An- gestellten eintreten. Direktor und Betriebsrat. Die Ortsverwaltung des Metallarbeiterverbandes schreibt uns: Eine eigenartige Auffastung von den Pflichten und Rechten eines Betriebsrates bekundet Herr Plaza, Alexandrinenstraße 107. In dem Betriebe dieses Herrn sind zwei Betriebsräte, die zugleich die Interessen des in der Nähe liegenden Filial-Betriebes zu vertreten Aus den Annahmestellen der Färbereien. Der Zentrolverband der Angestellten übermittelt uns zur Per- oftentlichung folgendes Schreiben, welches ihm von einer Agentin einer Annahmestelle der Färberei.Ilse" zugegangen ist: Ich erhalte laut Pachtvertrag vom 1. Juni 1920 20 Prozent von dem Umsatz der zum Färben und Reinigen angenommenen Sachen. Die Miete bezahlt die Firma, alle anderen Unkosten, Feuerung, Gas, Fensterputzen, Reinigung und sonstiges muß ich von meinen Prozenten bezahlen. Ich bekam in der Zeit bis letzt 8 Prozent Zulage, meine letzte Einnahme im vergangenen Monat betrug 354 Mark, davon bezahlte ich alle Unkosten. Es sind auch Monate gewesen, wie Januar, Februar, Mai und Juni, wo ich nur 150 Mark Einkommen den Monat hatte. Durch Strümpfen ricken, das Paar anstricken 5 Mark, verdiene ich noch etwas. Als ich mein Leid der Aufsichtsdame mitteilte, erhielt ich zur Antwort, ich soll mich doch verheiraten,„denn wir geben unsere Filialen sonst nur an verheiratete Leute ab, wo dieses Einkommen aus der Filiole ein Taschengeld für die Frau ist. Bei Pachtverträgen haben wir nicht nötig, Gehalt zu zahlen. Wenn es mir nicht paßt, dann soll ich gehen, es melden sich genug. Alle anderen verheirateten Frauen erhalten freie Wohnung und 10 Vrozent von der Einnahme. Es sind alle zufrieden, daß sie eine Bleibe haben. Ich wäre noch so schön dick und rund, es wird wohl noch nicht so schlimm sein. Mein Chef, der'neulich bier war, teilte mir mit, daß er mir nicht 2 Pro- zent mehr zahlen könnte." Dieser Notschrei einer Agentin aus der Färbereibranche steht nicht vereinzelt da. Dabei können sich die Arbeitgeber dieser Branche solche Praktiken erlauben, weil diese Filialleiterinnen refp. Aaen tinnen meist ältere Angel' ellte sind, denen es in der heutigen Zeit schwer fallen würde, anderweitig Unterkommen zu finden. Diese Agentinnen standen vordem in einem festen Anstellunqsverhältnis als Filialleiterinnen, unterließen es aber, sich zur Vertretung ihrer Interessen ihrer Organisation anzuschließen. Der Verband ist dabei, diesen berüchtigten Agenturvertrag resp. Pachtvertrag, der durch den Arbeitgeberverband herausgegeben wurde, durch die ordentlichen Gerichte anzufechten. Er warnt dringend davor, derartige Agentur- oder Pachtverträge zu unterzeichnen. Eharlotteaburger Gewerkfchaftskommiisioo. In der am 10. De- zember abgehalrenen Sitzung vielt der Verbandsvorntzende Ge- nosie Lorenz«in Referat über den Gesetzentwurf über die Arbeitszeit gewerblicher Arbeiter, der viel richtiger, wie der Referent treffend darlegte, als der Entwurf eines Gesetzes zur Verlängerung der Arbeits, eit beißen müßte Der Obmann. Geuoffe F l e m m i n g. sprach sodann über die vorzu- nehmenden Wahlen zum GesellenanSschuß zur Hand- werkSkammer Berlin und bemängelte die zur Verfügung stehende kurze Zeit, in weliber sich die Wahl abwickeln muß. In den Für- korgeauSschuß für die ErwerbSlosensürsorge wurden die vom Ausschuß der GewerkfchaftSkommiision aukaestellten Kaudidaten. die Genoffen Flemming, Hammer undEcheible und deren Ersatzmänner, die Genosien Taege. Mitsching und Hoffmann bestätigt. Vioid der trchntfche»«»gestellte»»»d Beamte». Seut» 7», Uhr Mitglieder. veriammiung Ltidlrrtelde-gehlendort, Restaurant Hohenzollern, Hindenburgdamm SZa; Pankow, Restaurant Linder, Breite Str S«.— Mittwoch 77, Uhr Mitglieder- Versammlung Norden II. Lompert« Fellsäl». Schilnhauser Allee lZS: 7 Uhr«eneral- versanimlnn, de» Bnn*e« der technischen Angestellten und Beamten>m groben Saal de« Rorkilchen Sote». Znvalidenstr. 126.- Freitag 71, Ilhc Mitglieder ersaminlung Tegrl. Restaurant Hamweck. Tegel, Sauptstrahe; Fachgruppenversammlung der Bermelsungsiechntker. Berliner stludhaus. Ohmstr 2 Wirtschaft pietchische Landespfandbriefanslalk. Don zuständiger Stelle wird über den Gesetzentwurf zur Grün» dung der Preußischen Landespfandbriefanstalt mitgeteilt: Das Gesetz muß angesehen werden als ein Teil der Ausführung der Reichsheimstättengesetzgebung: diese Ausführung ist Pflicht der Länder. Die staatliche Grundkreditbonk sollte für besondere Zwecke der Heimstätlensiedlung(Klein- und Miltelhaus« bau) tätig werden. Sie ist ein zwingendes Bedürfnis. Di« Noliage bei der Finanzierung der genannten Anwesen ist genügend bekannt Die vorhandenen Realkredirnnstalten der verschiedenen Gattungen halx-n nicht ausreichend die Mittel bereitstellen können, die unbe- dingt erforderlich waren, in Zukunft aber vermehrt erforderlich sein werden. Wöhrend die entsprechenden landwirtschaftlichen Siedlungen Kreditanstalten an der Hand haben(Landschaften, Rcntenbanken), fehlen solche für die städtischen und vorstädtischen Kleinsiedlungen jedenfalls mit der ausschließlichen Einstellung auf die genannten Zwecke. Wenn auch die öffentlichen Sparkassen, die Landesbonken. die Provinzialhilfskassen, die Landesversicherungsanstalten und ähn- liche Kreditinstitute nach Kräften, die Sparkasse hin und wieder in vorbildlicher Weise bemüht gewesen sind, den Anforderungen ge» recht zu werden, so ist all dies« Hilse gleichwohl unzureichend ge» wesen. Die staatliche Neugründung soll nicht die Gründung von Stodtschaften ausschließen. Auch er dient so dem Gedanken eines gesunden und wohlfeilen Realkredits. Einstweilen muß aber amtlich festgestellt werden, daß Neugründvngen stad'.schaftlicher Art für die Provinzen, in denen bisher ein« Stadffchaft begründet oder in der Gründung begriffen ist. nicht in Frage kommen werden. Auch die seitens der Stadtschaften eigeleitet« Gründung einer Zen- tralstadtschaft, die nahe vor der Vollendung steht, bedeutet keine Beseitigung des vorliegenden Bedürfnisies. Das öffentliche Interesse an einer für das gesamte Preußen einheit'ich arbeitenden öffenilich-rechtlichen Pfandbriefanstalt aus gemeinnütziger Grundlage ist also ohne weiteres gegeben�_ Die genoffevschaftllche Znteraolionale. Die Exekutive des Internationalen GenoffenilbaftSbunde« hielt im November in London ibre eiste Sitzung ab. Deuti-bland war durcb Heinrich Kaufmann vertreten. Die Wn'hingtoner Konfeien, wurde begrüßt linier dem Ausdrucke der Hoffnung, daß ihre Arbeit baldmöglilbir zur Abrüstung der Länder führen werde. Die Exekutive betonte. daß sie dies ausspreche im Namen von 23 Millionen Genossenschaftern der ganzen Welt, deren Vertreter in Bai'el ibre Hoffnung bekundet hätten, der fürchterliche Alpdruck de? KnegeS möge nicht alle sechs Monate zum Schrecken für die Meit'chhei« wiederkebren. Beziiolich der R n ß l a n d h il ke wurde eine Abmachung getroffen. daß 25 P r o ,. der Beiräte Georgien zustießen solle», vezü.tlich der Jnternaiionalen Genoffenichaftsbank winde die Herausgabe eines Fragebogens an die bestehenden genosieiischastlichen Banken und Bankabteiluiigen«nd spätere Einberiifinig einer Konserc», der genostenschastlichen Fachleute in Paris oder Brüssel beichloffen. Das .I n r e r ii a t i o n a l e G e n o s e n' ch a f t S- B u l l e t i n" wurde auf ein« bessere internationale Grundlage gestellt: o»ch binstchllrch deS UmiangS wurden Maßnahmen getroffen.� Für die Satzungen wurde der englische Text als maßgebend erklärt. flus aller Welt. Verstcherrrngsschwindel. In dem Prozeß gegen das Franklsche Versicherungsunternehmen(Süddeutsche Transportversichcrungsge- sellschast) in Frankfurt a. M. verurteilte das Gericht Frankl wegen Betruges und Vergehens gegen dos Privatversicherungsgesetz zu sechs Monaten Gefängnis und V000 Mark Geldstrafe. In der Urtcilsbe- gründung heißt es, der Angeklagte habe unter dem Deckmantel einer Transportversicherungsgesellschaft gegen Aufruhrl-ßaden versichert. Die Bedingungen seien derart, daß niemand daraus hätte klug wer- den können. Daß dies absichtlich geschehen sei, sei dem Gericht klar. Die Urteilsbegründung sagt mit Bezug auf einen Fall, in dem ein Gutsbesitzer seine sämtlichen in Schlesien liegenden Güter mit zehn Millionen Mark gegen Ausruhr versicherte, es sei hier etwas garantiert worden, was nicht hätte geleistet werden können, da es ich um eine junge Gesellschaft mit 300 000 Mark Kapital handele. Abbauunglück w der Schweiz. Beim Abbruch der alten Eisen- bahnbrücke über die Reuß bei Luzern ging eine nicht explodierte Sprengladung beim Herauswerfen plötzlich los, wodurch zwei In» genleure und«in Arbeiter getötet und vier Arbeiter chwer verletzt wurden. Berantw. Illr den redakt. Teil: 9t. Werner Peifer, Charlvllenburg: sllr An» zeigen: Th. stocke, Berlin. Bering Vorwärl»-?erlag E. m. b. s.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruclerei u. Berlggsnnllalt Paul Singer u. Co.. Berlin. Lindenstr. Z. FQfMnociiteii nocii iiillige Prä»!! illlll!llll!llllll!lll!IIIIIIIiiilllllillll!iIlllilllllllllll!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIilllllllllUIII f MJSntol In molligen Stoßen. Alfen- riifiilfiid haut u. Eskimo..•. M Mänf€i Aitroehan o. PItUch. M. 515� � 2500°° lös00»- 650°° 225#Ow»l50000 3950#w»250000 49" m. 425 00 92" bu 525°° Spon-laffi.£Ä,ron,5; >» Cherlot. Popeline u. UiClUCl Gabardine..... M. Melder r.r.e™doCrt{£ Diu* An|R SporflaneU und reln- DlUSm wollenen Stoffen,. M. KOSmm-RÖCtte denen'stoti und eleganten Fe tentormen.... M. Besonder» flrossc Auswahl t» Kleidern, jomper«. Seldcnblascn, Sportbluten and Mänteln. Domen-ConfeKtion inh. Hermänn Perl Ch|, Neukölln. 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