Kr.SH1 4ZS.?abksa«s Msgabe tZ Kr. 295 Bezugspreis» Wtrtritldrl. tb,- ä)U monot!. tV- St tni in« Sa»», voraus zahlbar. Polt- bezug: Monatlich l!.— M.< Abend Attsflabe c OroV» Surttu 30 Pf. auswSrts 40 Pfennig D unk W brat- jchni Gedirle Polen,. Oes! erreich- Ungarn und Lurcmdurg 25,— 3L für da» übrige Ausland Z2,— M. Polt- dekellungen nehmen an Od! erreich, Ungarn. Tlchecho- Slowakei, Däne» wart. Holland. Luremdurg. Schwede» und die Schweiz, Der.Borwärl»' mit der SonRtag«- betlag».Boll und Zelr'. der Unter» haltung»deilage �eimweir» und de« Berlage Siedlung und jtlelngarten� ericheinl wochentägllch zweimal, Solu» tag» und Wonlag» einmal. Zelegramm- Adreffer �»«ztaldeneotrat Varl»»» Serlinev Volksblstt Anzeigenpreis: Die zehngelpaltene ZionpareUIezelle tostet 7,— Ä..ttlaine Auzeigen- da»«llgedruckte Wor> ll.— Al. lzu» lälstg zwei lrtlgedrurkte Worte», iede» weller» Wort 1,50 M. Siellengeluch» und Echloistellenanzeigen da» erste Zgori l 50 OT. rede» weiier» Wort U— M. WoNe über lö Buchslaben zählen sllr zwei Wone.?am!lien-An- zeigen lllr Abonnenten Zell» L— M. Di« Prelle verstehen(Ich einschliestlich Teuerung.ulchlag. Anzeigen lvr die nächste Hvmnut müssen dt»«>,, Ahr nachmittag» im Sauptgilchäit. Berlin SW«S, Linden» straß» 3. abgegeben werden, Seöffn« von V Uhr lrüh bis i Uhr abend» Zcntralorgan der rozialdcmohratifcbcn Partei Deutfchlands Reüaktion und Expedition: SW bS, Lindcnftr.Z Oerrnitoveihev«»»aktian wtorttplah I5IU&-97 �ern, premer. ttt>rtitigII Morihpla» II7S.1— Sä Donnerstag, den 13. Dezember 1921 vorwarts-verlag H.m.d.tz., SW 0S, Lindenstr. Z !kernit»ri>ef,ee?- Verlag. Expedition und Inseraten» Morinvlnu I,7S.1-ii« Die Abstimmung in(deöenburg. wie«, 15. Dezember,(wlv.) Me die VlStter melden, wurde gestern abend an hieflgez matzgebender Stelle erNärt. tatz durch die verlragswidrtge Vornahme der Abstimmung in Orden- bürg da» Venetiger Protokoll nicht mehr ol» bestrheud zu de- lrachiea sei und Oesterreich nunmehr wiederum die An wen- duug de» verirage» von St. Germain auf Oedeuburg und da» umliegende Gebiet verlange. Wien, 15. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) In vedenburg sind IS 500 Personen bei der Volksabstimmung wohlberechtigt. Bis gestern nachmittag 4 Uhr hatten 15 000 Personen abgestimmt. E» wird behauptet, datz go Proz. von ihnen für Ungarn gestimmt hätten, jedenfalls ist noch nie bei einer Voltsabstim- mung derartig geschwindelt wordm wie bei dieser. Der italienische General Ferrarrl hat in einem Aufruf zu rechtfertigen versucht, datz die Abstimmung trotz der dringenden Bitten der Regierung Deutschösterreichs setzt schon vorgenommen wurde, und er hat ver» sichert, datz da« Abstimmungsgeheimniz gewahrt bleibt. Bundeskanzler Schober betonte«n Nationalrat, bah die Lot- schafterkonferenz in Pari» nach amtlicher Mitteilung die Gcneralkommission in Ocdenburg ermächtigt hatt«, di« Abstim- mung zu verschieben. « Die Geschichte der Volksabstimmung ln Oedenburg ist eine sener erbärmlichen Komödien, an denen die Nachkriegszeit nicht gerade arm ist. Der Vertrag von St. Germain sprach da» gesamte Burgen» land«inschli-ßlich de» Kreise» Oedenburg Oesterreich zu. Ungarn kümmerte sich den Teufel um diesen Vertrag und weigerte sich, da» Gebiet abzutreten. Als die Entente mit den üblichen Protesten bei der ungarischen Regierung vorstellig wurde, zog Ungarn die rogu» lärrn Truppen scheinbar zurück und veranstaltete einen jener Dan- denkriege, die seit Abschluß de» Weltkriege» in Europa so beliebt geworden sind. Um de» lieben Frieden» willen stimmte die öster» reichische Regierung auf italienische Vermittlung hin in Venedig einem Vorschlag zu. nach dem da, vurgenland zum zweitenmal Oesterreich zugesprochen, im Krei» Oedenburg aber eine volksab» stimmung vorgesehen wurde. Voraussetzung für eine unbeeinflußte Abstimmung war natürlich Säuberung Oedenburgs von den Buda» p-ster Banden. Die Kgl. ungarische Regierung versprach das. Statt dessen benutzte Karl Oedenburg als Aufmarschstraß« gegen Budapest. Di« Folgen diese, Bandenunternehinen» lind bekannt. Sein ficht- barste» Ergebnis war da» Verbleiben der Budapzster Banden In Oedenburg. Die Volksabstimmung wurde auf den 10. Dezember festgesetzt. Ententetruppen erschienen. Die Banden blieben. An ein« geordnete Vorbereitung der Abstimmung war unter diesen Um» ständen und In dieser kurzen Frist nicht zu denken. Der Termin wurde auf den 14. verschoben. Die Banden blieben noch immer. Ungarn bevölkerte Oedenburg plötzlich mit einer Schar von„Ab» stimmungsberechtlgten", deren Wiege bis dahin jenseit» der Grenze gestanden hatte. Oesterreich protestierte. Der Dotschasterraf befahl, den Abstimmungstermin nochmals zu verschieben. Der Entente- tommissar befiehlt, die Abstimmung trotzdem stattfinden zu lasten. Und sie fand statt. Sst es notwendig, über dies« Komödie noch ein Wort zu verlleren?_ Sie wunscben üeutsche Mitarbeit» Trotz LoucheurS Aufklärungen und Abstimmungen. pari». 15. Dezember.(MTB) Da, Lktion»komit«e für di« verwüsteten Gebiete Hielt gestern unter dem Vorsitz de» Äbg. B a» l y eine Sitzung ob und brachte angcsicht» de» Rcferen- dum» Im Bezirk Chauln-» betreffend di« Beschäftigung der deutschen Arbeiter zum Wiederaufbau von zwölf Dörfern da» Bedauern zum Ausdruck, daß noch immer das Jnter» este der Geschädigten zugunsten einiger weniger zurückgestellt worden sei. Da» Aktionskomitee gibt der Ansicht Ausdruck, daß angesichts der augenblicklichen Finanzlage Frankreich dos Wieder- aufbouwcrk in seiner Gesamtheit nicht vollbringen könne, und ver- langt, daß Deutschland an diesem Wiederaufbau w i r k u n g»- voll beteiligt werde, da Deutschland» Reichtum in seiner großen Produktlonsfähigkeit besiehe. Da» Komitee ernannte einen Ausschuß von vier Mitgliedern mit der Aufgabe, einen neuen Wiederaufbouplan auszuarbeiten, in dem wiederum die deutsche Mitarbeit in Betracht gezogen wird. Dem Komitee ist nunmehr auch der Bürgermeister von Reim» ol» Mit- glied beigetreten._ Keine Zinanzkonferen? in Wafhinaton. Washington. 14. Dezember. Das Bureau Reuter wurde amtlich benachrichtigt, daß die britisch« Delegation auf der Konferenz nicht in die Lage gesetzt ist, sich mit finanziellen und wirt- schaftlichen Fragen Europas zu befasten. und daß e, von ihr auch nicht gewünscht wird, dos Arbeitsgebiet der gegenwärtigen Konferenz auf derartige Fragen auszudehnen. Da» befglsche Mnssierlum ist nun gebildet worden: Vorsitz und Finanzminister Theuni», Außenminister Jaspor, Landesoer- teidigung Deveze. Der Enükampf um?rlanö. Die beiden englischen Parlament«, da» Unterhaus und da. Oberhau», wurden am Mittwoch eröffnet, um zu dem englifch-irischen Vertrag Stellung zu nehmen. In längeren Aus- führungen begründeten die einzelnen Parteien ihren Standpunkt. Bon den Oppositionellen erklärte die A r b« i t e r p o r t e i, das Abkommen entspräche durchaus den Richtlinien, die sie ausgearbeitet habe, auf der Rechten lief man auch weiter Sturm gegen Lloyd George, dem man nachsagt, daß er die Rechte der englischen Krone aufgegeben habe. Am schärfsten brachte diesen Standpunkt der Rechtsoppofltionelle E a r s o n im Oberhau» zum Ausdruck, der über die irisch« Frage«ine Volksabstimmung verlangte. Die Gegner des irischen Vertrages werden heute im Unterhaus einen Abände» rungsantrag einbringen, der den ganzen Vertrag als mit den Jnter» esten England» unvereinbar bedauert. Die Regierung vertrat im Oberhau, Lord C u r z o n und im Unterhaus Lloyd Georg« selbst, der den Vertrag ol» ein« der größten historischen Ereigniste seit Friedensschluß feierte. Zu einer Abstimmung in den englischen Parlamenten kam» gestern noch nicht. Auch im Dail Cireonn. dem irischen Parlament, verhandelle man gestern über den Dertrag. D e v a l e r a, der als erster Führer der Etnnfetner noch bi, vor kurzem als der Repräsentant der tri- schen Freiheitsbewegung galt, und der bei Beginn der lrisch-engll- schen Verhandlungen die erste Rolle spielt«, bemängelte, daß der Vertrag nicht vorher dem irischen Kabinett vorgelegt worden sei. wurde aber von E o l l> n», einem der Sinnseiner-Führer. die den Vertrag in London mit unterzeichnet haben, daiauf aufmerksam ge- macht, daß er ja selbst den irischen Delegierten vollmachten zur Hand gegeben habe. Es ist seltsam zu verfolgen, wie der Feuerkcpf de Va- lcra, dem eine gewiste Größe nicht abgesprochen werden kann, sich immer tiefer in seinen Doktrinarismus und Formalismus oerstritt und so jeden realen Boden unter den Füßen verliert. Die A b st i m- mung über da» Dokument soll heute im irischen Parlament vor- genommen werden. Ueber die Haltung der irischen Ulsterleute, die de Dalera an Storrköpfigkeit nicht» nachzugeben scheinen, ist vor- läufig noch nicht» bekannt. Die Ironie der Weltgeschichte will e», daß sie, di» vor kurzem di« lieben Kinder der englischen Regierung, heute deren erbittert« und verbitterte Feinde sind. Zu den Seamtenforöerungen. Da» Schreiben de» Deutschen Beamtenbunde» an die Reichs- regierung vom 5. Dezember, da» von den Spitzenverbänd-en der Be- amten, Arbeiter und Anxrstelllen mit unterzeichnct ist, wurde nach eingehender Prüfung im Kabinett von Dr. Herme» dahin be- antworlet, daß er nicht in der Lag« s e i, aus der Grundlag« der darin enthaltenen Vorschläge in Verhandlungen mit den Spitzenverbänden einzutreten. Ein versuch zur Begründung der Forde- rungen sei in dem Schreiben nicht gemacht. Di« für die große Mehrzahl der Beamten geforderten Erhöhungen machten mehr al» 60 Proz. au», in manchen Fällen sogar mehr als 70 Proz., für di« Arbeiter 48 bt» 75 Proz. Die Bewilligung dieser Forderungen be- deuteten einen Mehrauswand de» Reiche», der Länder und der Kommunen von 50 bi» KV Milliarden Mark. Die SpihenorgaaisaNonra befaßten sich gestern abend mit diesem Bescheid und beschlosien, sich erneut an di« Reichsregierung zu wenden mit dem Ersuchen, über dl« Forderungen zu verhandeln. Zum tzochbahnerftreik. Einer Korrespondenz zufolge soll der Magistrat Berlin im Interesse des öffentlichen Verkehrs vermittelnd einzugreifen suchen. von dieser Absicht ist der Streikleitung noch nichts bekannt. So- lange die Verwaltung der Hochbahn jedwed« Entgegen- kommen in schroffster Welse ablehnt, ist jeder vermittlungsoer- such von vornherein nutzlos, falls nicht ein gewisser Druck dahinter- gesetzt werden kann. Di« Streikenden erklären, daß di« ganze Streitsrage sür di« ver- waltung der Hochbahn wirtschaftlich nur ganz gering sei. Die ganze Differenz beträgt nach ihrer Rechnung 450 000 Mt., also eine Drei- viertellaZeseinnahme, eine Summe, welche die Hochbahn mit Leich- tigkeit zahlen könne. Die Verwaltung der Hochbahn bestreitet auch die Höh« dieser Summe nicht, vertritt aber nach wie vor den un- haltbaren Standpunkt, daß die Angestellten den angeblich abgeschlos- senen Tarifvertrag durchbrochen hätten und deshalb zu Kreuze kriechen müssen.— Eins Vollversammlung sämtlicher Betriebsräte und Funktionäre der Straßenbahnen, Kleinbahnen und Omnibus- betriebe Groß-Berlins wird morgen abend zu der Streiklage Stei- lung nehmen. Die Dorfe wartet. Heut« fand an der Berliner Börse ein offizieller Verkehr mir in Devisen und Noten statt. Dollarnoten wurden mit 17 7— 17 8 gehandelt, was ungefähr der Parität des gestri- gen New Porter Markkurses entspricht. Die Spekulation zeigt im Hinblick auf die unklaren politischen Verhältnisse größte Zurückhaltung. ch a f t e n, .,»7 das Mitbestimmungsrecht. Im Mittelpunkt der Veratungen des Reichstags- ausschuffes über das Beamtenrätegesetz steht, wie die Berichte der Presse erkennen lassen, die Frage des Mit bestimmungsrechts. � einer der seit der Ui Arbeitsrechts, dessen Alten �— teils bewußt, teils unbewußt— immer von neuem in fein Gegenteil verkehrt wird.„Mitbestimmungsrecht hoben" heißt, wenn man der Sprache nicht Gewalt antun will, daß ln irgendeinem Verhältnis mehrerer Personen zu- einander nicht einer allein bestimmt, sondern daß die Betet- ligten stch zu einigen haben, widrigenfalls nichts geschieht, solange nicht die fehlende Einigung durch den Spruch eines Dritten ersetzt wird, oder aber die streitigen Parteien unter dem Einfluß einer vermittelnden Stelle doch noch den Weg zur Verständigung finden. In diesem Sinne haben die G e w e r k � solange sie bestehen, um ihre„Anerkennung" in den Fragen des Arbeitsverhältnisses gerungen, sie haben beansprucht, mit dem Arbeitgebertnm auf gleichem Fuße zu verhandeln und durch Rede und Gegenrede, äußerstenfalls unter Mitwirkung Unparteiischer zu kollektiven Regelungen des Arbcltsverhält- nisses zu gelangen, nicht um den Mitgliedern Schulze und Müller zu besseren Bedingungen zu verhelfen, sondern um die wirtschaftliche Ungleichheit der Parteien des einzelnen Arbeitsvertrages durch die Macht der Organisation und die Verhandlung von Verband zu Verband auszugleichen. Die Umwälzung hat diesen Anspruch der Gewerkschaften theoretisch und praktisch verwirklicht in dem großen Novemberabkommen von 1318 mit den Arbcitgeberverbänden, in der Verordnung vom 28, Dezember 1918 mit ihrem Recht, In Tarifstreitig» ketten den Schlichtungsausschuß selbständig und aus eigenem Rechte, ohne Zustimmung irgendeines Dritten— weder der Mitglieder der Gewerkschaften, noch der Bctriebsvertre- tungen— anzurufen und zur Abgabe eines Schiedsspruchs in Gestalt eines Tarifvertrages zu zwingen, in der Verfassung und in den zahllosen einzelnen Tarifverträgen, die seit dem November 1918 abgeschlossen worden sind und täglich abge- schlössen werden. Was bei den Gewerkschaften der Erfolg Icchrzehntelangen Ringens war, die Anerkennung und gesetzliche Festlegung des Mitbestimmungsrechts in kollektiven Fragen des Arbeitsver- hältnisses, haben di« Betriebsvertretungen— nach gewissen Anfängen im Hilfsdicnstgesetz— zunächst durch die Verordnung vom 23. Dezember 1913 in ihren Abschnitten über die Arbeiter- und Angestelltenausschüsse und Schlichtungs- wesen, sodann und vor allem im Betriebsrätegeseg erlangt, das Milbestimmungsrecht>m Betrieb in den allgemeinen Fragen des Arbeitsverhältnisses. Wie der Arbeitgeberverband gezwungen ist. sich vor dem Schlichtungsausschuß auf Tarifverhandlungen einzulassen, widrigenfalls in seiner Abwesen» heit der Spruch gefällt wird, mit all der moralischen Wirkung, die ein in Abwesenheit gefälller, wenn auch unverbindlicher Spruch hat, so ist jetzt der einzelne Arbeitgeber im Betriebe gezwungen, über die allgemeine Regelung des Arbeitsverhält- nisses im Betrieb« bezüglich aller nicht voin Tarifvertrag er- faßten Fragen mit feiner Betriebsvertretung zu verhandeln, und weigert er sich dessen, so kann er vor den Schlichtungs- ausfchuß zur Verhandlung über die strittige Regelung geladen werden, die bei fruchtlosem Ausgang der Einigungsversuche der Schlichtungcausschuß in gewissem Umfange sogar durch bindende Entscheidung beilegen kann. Darin liegt die große grundsätzliche, noch keineswegs hin- reichend in das Rechtsbewußtsein der Beteiligten(Arbeitgeber. Arbeitnehmer und Schlichtungsbehörden) übergegangene Be- deutung der neuen kollektiven Arbeitsgesetze, daß das Arbeit- 'ebertum gezwungen ist, mit den kollektiven Organen der Ar- eitnehmer(Gewerkschaften und Betriebsvertretungen) über die kollektiven Punkte des Arbeitsverhältnisses zu verhandeln, sei es im Bureau des Betriebes oder des Verbandes, sei es vor dem Schlichwngsausschuß. Hinter diesem Grundgedanken treten die übrigen sozialpolitischen— nicht die noch vorerst schwach entwickelten wirtschastspolittschcn— Busgaben an grundsötzllch« Bedeutung zurück, die, wie z. B. das Mitwir- kungsrecht bei Entlassungen nur deshalb zurzett In der Praxis der Betrieb« eine so große Rolle spielen, wen unser altes Ar- beitsrecht keinen allgemeinen Kündigungsschutz kennt und in wirtschaftlich so abnormen Zeiten, wie die Gegenwart, diese Lücke des Rechtes sich ganz besonders bemerkbar macht, eine Lücke, die bei der allgemeinen Neuregelung des Arbeitsver- tragsrechts sobald wie möglich beseitigt und über den Per- sonenkreis der 84 st. BRG. hinaus ollen Arbeitnehmern zugänglich gemacht werden sollte. Bon diesen grundsätzlichen Erwägungen aus ergibt ssch ohne weiteres die Stellungnahme zu der Frage des Mitbs- stimmungsreckts und der K ch l i 6: t u n g s a u as ch ü s f o für Deamtonstreitigkeiten und der Rolle, die die Beamtcnvertre» tungen dabei zu spielen haben. Der Entwurf de? Reichs- Ministeriums des Innern vermengt unterschiedslos diejenige» kollektiven Bestandteile des Beamtenverbältnisses einerseits, di« der gemeinsamen Regelung von Dienststellenleiter und Be- lrmtenvertretung, nötigenfalls der Regelung durch den Schlich- timgsausschuß, ebenso fähig sind(selbstverständlich nur im Nahmen der übrigen Gesetze, z. Ä. des Besoldungsgesetzes), wie die entsprechenden Bestandteile des nicht beamteten Ar- beitsverhältmsses, und diejenigen Bestandteile des Beamten- Verhältnisses andererseits, bei denen die gleichen Bedenken gegen eine kollektive Regelung wie beim gewöhnlichen Ar- bsitsverhältnis geltend gemacht werden können. Warum sollte die Eisenbahnverwaltung oder die Postverwaltung, aber auch jede sogenannte Hoheitsverwaltung nicht in der Lage sein, sich über die allgemeinen Dienstvorschriften(8 33 Ziffer 1 des Ent- wurfs des Gesetzes über Beamtenvertretungen) mit ihrer Bs- amtenvertretung genau so zu verständigen, wie wir es heute ohnehin überall mit ihrer Betriebsveriretung tun mutzten? Warum sollten die Grundsatze für die Regelung von Bertre- tungan(!) 33 Ziffer 3) nicht ebensogut mit der Beamtenver- tretung gemeinsam aufgestellt werden können, wie die Be- Hörde es nach dem Betriebsrätegesetz mit ihrer Betriebsver- tretung zu tun gezwungen ist. wenn sie nicht vor den Schlich- tungsausschuß geladen werden will? Aber indem der Entwurf des Gesetzes In dem gleichen Paragraphen mit diesen Bestimmungen auch die Mi t w i r- kung an Unfall Untersuchungen nennt, bei denen der Begriff des gleichberechtigten Mitbestimmungsrechts oder gar der � nachträglichen Entscheidung eines Schlichtungsaus- schusses über eine unterlassene Zuziehung zu solcher Unter- suchung zu einer Lächerlichkeit wird, indem er ferner andere Maßnahmen der Verwaltung nennt, best denen es sich um reine Einzelangelcgenhciten handelt, nicht um Fragen, die alle Arbeitnehmer der betreffenden Dienststelle in gleicher Weiss grundsätzlich berühren, gibt er den Gegner der gleichberechtig- ten Mitbestimmung die beste Waffe in die Hand, um den Beamten das vorzuenthalten, was die Arbeitnehmer bereits besitzen und um zu versuchen, einen Zustand zu verewigen, der bei dem notwendigen Zusammenarbeiten beider Organe der Arbeitnehmerschaft der Betriebe doch nicht aufrechterhalten werden kann.(Dieses Zusammenarbeiten sieht übrigens bc- reits 8 65 BRG. vor.) Trennt man in dem Entwurf des Ee- setzes über Deamtenvertretungen alle diejenigen Bestandteile, die der kollektiven Regelung ohne weiteres fähig sind, von denen, bei denen man— ähnlich wie im Betriebsrätegesetz etwa bei der Mitwirkung bei der Entlassung, bei der Ein-- stcllung— zu prüfen hat, wieweit das Einzelinteresse durch die Mitwirkung eines Kollektivorgans wirklich gefördert und nicht etwa gehemmt wird(ein bisher noch wenig, auch in der Arbeiterpresse erörtertes, aber praktisch sehr wichtiges Pro- blem), so kommt hinsichtlich der Frage des Mitbestimmungs- rechts der Beamtenvertretungen und der Einführung von Schlichtungsinstanzen zu dem Ergebnis einer parallelen Aus- Gestaltung von Beamtenrecht und sonstigem Arbeitnehmer- recht, ein Ergebnis, das den oft genannten..Arbeitsfrieden- besser zu sichern vermag als die Aufrechterhaltung einer künst- lichen Trennung der beiden in den gleichen Betrieben neben- einander arbeitenden Kategorien von Beschäftigten. Im übri- gen aber ergibt sich aus dieser ganzen Erörterung die drin- gende Forderung, das Beamtenrecht und das Arbeitsrecht der Arbeiter und Angestellten innerhalb der Reichsresiorts an einer Stelle, nämlich Im Reichsarbeitsministerium, zu ver- einigen. Die heutige Trennung beider Materien ist eine Nachwirkung des alten Hoheitsstaotes, die mit der modernen Auffassung dw allgemeinen Selbstverwaltung in der Arbeltsverfossung im Widerspruch steht und durch das Reben- und oft Gegeneinanderarbeiten zweier Ressorts /mit ihrer ganz verschiedenen geistigen Einstellung zu all den Schwierigkeiten führt, die stets dann auftauchen, wenn grund- sätzliche Fragen des Beamtemechts zur Erörterung stehen. Diese Schwierigkeiten werden sich nur vermehren, wenn erst die Neuregelung des übrigen Bsamtenrechts in An- griff genommen wird, die das Beamtenrecht, aus dem Dunkel einer zersvlitterten, vollkommen unübersichtlichen Summe von uralten Verordnungen und Gesetzen zur Ein- heitlichkeit und zur sinngemäßen Anpassung an das allge- meine Arbeitsrecht der Arbeiter und Angestellten zu verhelfen haben wird. Uomantisihe Abende. Aonzerl-Umschau von Kurt Singer. Eine rührige Propaganda, eine hochbegabte Führerlchar und ein Troß von Nachbetern versucht, die Musik aus 5icrz und Sinnen auszuschalten und ganz und gar auf den Kopf zu stellen: dieser Kopfstand kann, bei dauernder Einhaltung der nnqestmden verti- kolen, zum Plutanstritt au» den lebenspendenden Gefäßen, zum Tod führen. Der Geist lagert sich in den Gehirnwindungen fest, spinti- siert. erfindet Theorien. Ideen, Richtungen: aber er windet sich ohne Ende und mit Onal, wenn dos fierz nicht den Pendelrhythmus hergibt. Die Reaktion gegen die Musikiiiftclei kann nicht ausbleiben. Es war gewiß keine gesunde und geistgesättigte Abkehr von Beet- Hoven, al? die Gad« und Mendelssohn den großen Ton In der beut- schen Musik angaben: wie gerne aber kehrt man heute, bei der Ober- oelehrtheit der Produktion, wieder einmal bei den Romantikern ein, vei den Z.'ichnern feiner Idyllen, bei den Meistern der Ständchen und Serenaden! Zweimal in der Woche wurde diese Reaktion Wohltat, bei einem neuen Wert von E. H. R e z n i c e t und Eduard Moritz. R e z n i c e k, der zeitgemäße Kampanist des..Blaubart-, der Zeit vorwegnehmend- Sinfoniker de»..Sieger' und.Schlemihl-, bat schon einmal in einer Suite bewußt alten Siil mit modernen Fingern angefaßt. Seine Grazie oerläßt ihn nicht bei den Paria- tionen über Ehamissos„Tragische Geschichte", Die Zopfigkcil des chauptthema» ist gewollt, olle musikalisch lustig geblasenen Dreh- Wendungen des Philisters nutzen nichts: selbst wenn er sich erregt. und wenn er lustig wird und wahnsinnig, und wenn er sich gar aus de» Kops stellt—„den Zopf, den trägt er hinten'. Einmal wird dos philiströse Thema selber gekäpst, gespalten, zerstückelt, und ein ganz ernsthafter Trauergcsaug begleitet die Prozedur: das ist ein tragilcher Witz, der wie das Rarrenipiel(8. Donatio») zu den besten Einfällen des meisterhaft gehandl-abten Werks gehört Freilich: es bleibt in der Entwicklungslinie Rezniceks«ine Episode,«in Still- stand, und der gesungene Abschluß braucht« gar nicht mehr zu bc- weisen, daß Une gemachte und lcherzhaft oewollte Zopsigkeit zumeilen noch dem Gesetz der Trägheit in eine wirkliche kleine Zopfigkeit über- gehen kann, Kein Siillstand, sgndern ein schöner Aufstieg ist die„Nacht- Musik" des innaen Eduard Moritz, der feine größeren Arbeiten mit der von Nikisch gespielten„Burleske" spielerisch begonnen hatte und setzt ein Idyll von anspruchsvoller Gefälligkeit dabinmusiziert. Mozart hat ja solche galanten, graziösen, gemütvollen Sätze Nacht- musik genannt: man spräche besser von einer romantischen Suite, von Serenade, Sinsonietta, Die Stimmung dieser acht musikalischen Ein- fälle ist von Laune, Esprit, nicht von Geistigkeit erfüllt. Locker, mit de? Radiernodel gezeichnet, die Orcbeste'>'rien. überaus geschmackvoll der Furben-Index, der Rokoko. Duft. Jeder Satz hat eine eigene, beschauliche und graziöse Ganaari. und jeder wird im Rahmen eines durchsichtigen Gartengitters abgeschritten. Ungewollt und mit selbst- verständlicher Singsreude wechlein Streicher und Bläser die Them-n au»,»Heiden sich, verschlinge« sich Motiv«, unterbrechen fugierte Ab- Englische Volkspartei? Der„Berliner Lokal-Anzeiger'. der spaltenlcmg über Dinge orakelt, von denen niemand etwas weiß, kündigt neben anderen mehr oder wenige? unwahrscheinlichen Dingen auch neue Verhandlungen über eine Regierungserweite- rung an. Er schreibt: Weiter verlautet, daß voa englischer Seile betont worden ist, die Voraussetzung für irgendwelche Abmachungen in finanzieller Hinsicht müsse neben der Beseitigung der inneren Mißwirtschaft Festigung der deutschen Regierung bilden. Damit würde also die Frage der Regierungserweiterung wieder akut wer- den, und in parlamentarischen Kreisen ist es kein Geheimnis, daß Besprechungen mit der Deutschen Dolk-parte» und der Demokratie wegen ihres Wiedereintritts in die Koalition unmittel- bar bevorstehen. Vorläufig weiß man zwar noch nicht, welche Forderunzen vor allem die Deutsche Volkspartei für diesen Fall auf- stellen würde. Der Fall, der hier konstruiert wird, ist der: Eine„eng- lische Seite' macht ihr Wohlwollen für Deutschland davon ab- hängig, daß die Deutsche Volkspartei in die Regierung auf- genommen wird. Die dadurch gewonnene Machtposition wird von der Deutschen Volkspartei dazu ausgenutzt, der Regie- rung und den an der Regierung beteiligten Parteien B e- dingungen zu stellen, durch deren Erfüllung ihr Eintritt und damit das Wohlwollen der englischen Seite erkauft wer- den kann. Die Deutsche Volkspartei würde dann sozusagen auf einem englischen Schiff unter dem Union-Jack in den deutschen Regierungshafen einlaufen. Wir würden auf diese seltsame Prophezeiung des„Lokal- Anzeigers" nicht eingegangen fein, wenn uns nicht schon wiederholt die Koaliiionsverbreiterung im Reich mit dem Hin- weis auf englische Wünsche empfohlen worden wäre. Man kann ein guter internationaler Sozialist sein und dabei doch die Einsetzung solcher ausländifcher Faktoren in die inner- politische Rechnung als unangebracht empfinden. Es ist er- ftaunlich, daß man auf„nationaler' Seite solche Gefühle nicht kennt oder sie doch zurückstellt, wenn der Drang zur inner- politischen Intrige dies erfordert. Nochmals: Hochverräter Luäenöorff. Auf unsere Feststellung, daß die Beweisaufnahme des Iagow-Prozeffes den Generalquartiermeister a. D. Erich Ludendorff als einen Hauptbeteiligten und Hauptschuldigen des Kapp-Putfches entlarvt hat, ant- wartet die Rechtspresse mit den üblichen Wut- und Verlegen- hcitsphrafen, natürlich unter sorgfältiger Verschweigung der hier aufgezäblten Veweismomente. Die aufgeregten Herrschaften der„Deutschen Tages- zeitung', Deutschen Zeitung' usw. werden wohl selber kaum glauben, daß wir den Artikel„Hochverräter Ludendorff' ge- bracht haben, um uns mit ihnen in journalistifche Dis- kuffionen einzulassen. Der Artikel ist vielmehr ausschließlich f ü r Her rnGeneralLudendorff selber gebracht wor- den. Wir wollten dem Herrn General Gelegenheit geben, in einem ge r i ch t l i ch e n B e w e i s v e r f a h r e n, bei dem es sich um feine eigene Person und nicht die anderer Teilnehmer des Kapp-Putfches dreht, feine Rolle in dem ganzen Unternehmen vor der Oeffentlichkeit klarzustellen. Zu unserem Befremden hat nicht ein einziges der geifernden natio- nalistifchen Blätter von sich aus den Wunsch ausge- sprachen, daß General Ludendorff etwas Derartiges unter- nehmen möge. Wir halten allerdings auch die Chancen für nicht sehr grofr nachdem General Ludendorff sowohl bei seinem Zusammenbruch im Oktober 1818 wie bei seinem zweiten Zu- sammenbruch im März 1920 nicht gerade große Berantwor- tungsfreudigkeit an den Tag gelegt hat. Um so schärfer müssen wir feststellen, daß auch der Teil der Beweisaufnahme in Leipzig, der sich nach Erscheinen unseres Artikels abgespielt hat, die Notwendigkeit einer Klar- stellung des Ludendorffschen Verhaltens erhöht hat. Der Zeuge S ü d e k u m hat unter Eid ausgesagt, daß zu einer Konferenz von entscheidender Bedeutung mit dem Ge- nerol Lüttwitz in dem gleichen Auto auch Luden» schnitte die Weichheit des Meins. Dos Scherzo klinot wie der Vor- wurf zu einem komischen Oper-steff und dos Rondo oereint alt- väterische Tanzpose mit einer Mahlcrschen Klangvision. Alles das ist technisch souverän gen.acht und bedürfte nur einer kleinen Kür- zunq: besonders nach einem Fugato erwartet man schnell einen Schluß, der im letzten Satz zu lange ausbleibt. Moritz betreute sein Werk selber als Dirigent, ruhig, sachlich, ein bißchen unbewegt und langsam. Im Rokoko wurzelt auch Beethovens Klavierkonzert in E-Dur, da» Edwin Fischer in der Philharmonie spielte. Im ersten Satz. der kaum Sonatenkrof« hat, suchte er den großen Beethoven heraus- zuholen: vergebliche Mühe. Auch Titanen sind einmal in der Pubertät gewesen und haben ein melancholisches, abcr ünbedeuten- des Sldaaio gesungen, wie diese Vorahnung Chopin», Der letzte Satz sprüht und funkt, Beethovrnsch auch da, wo der lustige Musikant am Nil spazieren gebt. Da» brachte Fiscber mit einem bezaubernd--« Witz und überlegener Eleganz heran», F u r t w ä n g l e r. der ihn begleitete, hatte oarhrr mit Händel» Konzert ä-Moll für Streich- Orchester und Soli(o, d, Bcrah, Dahme». Kropholler— lauter philharmonische Holländerls den Beweis erbracht, daß er tn seinen Aus- gaben künstlerisch noch immer wächst. Dieses versonnene, wundervoll melodische und tiefe Werk spielte er ganz au» dem Herzen in unser Herz hinein. Romantiker-Klänge alter Zeit(Schumann, Tschaikowskis auch bei dem renommiertesten Berliner Trio: Maner-Mohr. Wittenberg. Grünfeld. Wos loll man N?"es über sie sagen? So wie sie dos spielen, jeder ein Meister srines Fochs, und alle drei Diener der Noten und Werke, dnrf es vorbildlich fein. Wir haben keine Besseren zu versenden, Sie hätten bei ibren ausverkauften Sonntagskonzerten die Macht, auch dem Fruchtbar-Reuen Erfolg zu sichern. Wie wär's? lieber INeufchenassen sprach Pros. Heck am Mittwach abend In der li r o n i a. Welch reges Interesse allgemein für dieses Thema bekundet wird, bewies der stark« Besuch de, Vortrag». Au Be- kannte» anknüpfend und aus Eigenem gebend, sprach der Redner von den Menschenaffen im allgemeinen und van der Tenerisfa- stoiion im besonderen. Lichtbilder wurden dabei die beste Unter- stützunq der Darlegungen. Betrachtet man die Knochengerüste der Affen, so fällt, vom menschlichen Schönbeltsstandpnnkte aus gesehen, da« Urteil stets zu- Ungunsten des Zlffen aus. Die Affenhand ist ganz und gor dem Kletterleben anaepaßt, der Asfe greift durch Krümmung der vier Finger. Vom Gehirn ist zu berichten, daß es beim schwersten Go- rillomann— und der kann auf 5 Z-ntner kommen— nicht mehr wiegt als da» eines neugeborenen Menlchlelns Zudem fehl» den Affen das Spralbzentrum, und olle Theorien von einer Affensprache werden dadurch hinfällig. Die Abstammung be» Menschengeschlechts von den jetzigen Menschenaffen ist ein Ding der Unmöglichkeit. wohl aber ergibt sich eine Blut-verwandtschott, zumal der Mensch nicht isoliert steht. Die Reger hosten die Meolchenasfen für nicht sprechen»vollende Menschen. Durch Veronschoulichnng vieler Alfen- charakterköpf« lernten die Deschauer den einzelnen Assen nicht mehr d o r f f fuß?. Dem fönst so arglosen Vorsitzenden Dr. Pekargus ist das so jehr aufgefallen, daß er sich die Teilnahme Luden- dorffs bei diesem Ereignis noch einmal ausdrücklich durch Rückfrage b e st ä t i g e n ließ. Der gleiche Zeuge hat unter Eid ausgesagt, daß ihm Ludendorff als Verkündeter der Kapp-Luttwitz erschienen ist. Ob das Gericht die Ver- cidigung Ludendorffs auch zugelassen hätte, wenn ihm diese Aussage damals bereits bekannt gewesen wäre? Jedenfalls wird eine Klarstellung dieser Dinge immer notwendiger. Herr Ludendorff hat das Wort.... 0 Herr August W i n n i g. auf dessen Vernehmung als Zeuge' dos Reichsgericht am Schlüsse der Beweisaufnahme verzichtete, fen- det uns aus der Klinik des Professors Braeg einen Brief, aus dem hervorgeht, daß W. sich alle Mühe gegeben hat, vom Reichsgericht vernommen zu werden, um die Beschuldigungen Laufjenbcrqs und Wolffheims in ihrer Broschüre widerlegen zu können. Der Ursprung- lichen Ladung zum g. November Hab« W, nicht folgen können, da er eben erst eine Operation überstanden hatte: seine Ladung zu einem späteren Termin Hot er beantragt, ihr ist aber nicht mehr stattgegeben worden, weil der Oberrcichsanwalt die Angaben Lauffenbergs und Wolfheim» bereits durch die Zeugenaussage Ludendorsfs für widerlegt angesehen hat. Gegen öie Eberlem-Zentrale. Eingewickelt in ellenlange Versicherungen, daß die Verässent- lichung der Eberlein-Dokumente der Kommunistischen Partei gar nichts geschadet habe, bringt die„Rote Fahne' die peinliche Noch- richt, daß der Bezirk Honau-HellnhausevOrb der KPD. sich habe„in Verwirrung bringen lassen'. Er fordert näm- lich Absetzung der gegenwärtigen Zentrale, Entfernung aller Schul- digen der ZNärzaklion aus der Partei. Einberufung eines außer- ordenfilchen Parleilage». Die.Verirrung' würde nach Ansicht der„Roten Fahne' „keinerlei Beachtung(!)' verdienen, wenn niiht die be» rühmten„einzelnen Genossen' auch In anderen Teilen der Partei sich fänden, die für dirfe Anschauung Anhang werben. Di« gering» schötzige Zurückweisung de, Hanauer Protestes ist aber auch um deswegen sehr merkwürdig, weil die„Rot« Fahne' den Führern der Märzaktion selber taktische Fehler bescheinigt und ste nur deswegen in Gnade aufnehmen will, weil sie sich jetzt auf einen anderen Boden stellen. Die Begnadigung reuiger Sünder ist ein jehr schönes ethisches Prinzip, muh aber in der Politik einigem Bedenken begegnen, wenn man sich daran erinnert, daß Hundert« von Arbeitern die„taktischen Fehler" der Eberlein und Genossen mit ihrem Blut und Ihrer Existenz haben bezahlen müssen. Für die Experimente gewissenloser Dilettanten, die kaltblütig die Arbeiter in» Verderben jagen und dann hinterher erklären,„wir haben uns leider geirt", ist die Arbeiterschaft doch zu schade. Wer solche Leute als Führer beibehält, der hat sie allerdings o e r d i e n t. Kleine politische Nachrichten. Da» Urteil lm Speyerer Prozeß gegen die Ausschreitungen der Kommunisten in den Tagen nach dem Kopp-Putsch wurde gestern abend nach dreitägiger Verhandlung gefällt. Unter Ablehnung der Bewährungsfrist wurde geaen zehn Angeklagte aus Gefängnisstrafen von vier bis zehn Monaten erkannt. Vier Angeklagte wurden sreigefprochen. 3n der Deutscheu Dolksparlel Bayern» machen sich neuerdings lehr starke Tendenzen bemerkbor, die aus einen Wiedereintritt der Parte» in die Regierung abzielen. Arbeitersieg in England. Bei der Ersatzwahl in Southwart erhielt der Kandidat der Arbeiterpartei Naylor Küüt Stirn. men, während aus den liberalen Kandidaten 2636 Stimmen ent- fielen. Der Arbeiterkondidat ist somit gewählt. Bei der letzten Wahl im Dezember 1V13 erhielt die Koalition 7260 Stimmen, die Arbeiterpartei nur 2713 Stimmen. Das Resultat ist um so me- merkenswerter, als die Koalition durch das Abkommen mit Irland eine sehr günstige Wahlparole hatte. Die italienische Kammer hat auf Vorschlag de; Wablpriifunqs« ausschusses die Wahl de» in Bozen gewählten Abg. T o q g e n- bürg, die von foscistischcr Seite angezweifelt worden war, ohne Debatte für gültig erklärt. als Tier seiner Gattung, sondern als Individuum betrachten. Prof. Heck sprach dann noch von Intelligenzprümngen auf Grund de» Freiheit»- und Freßtriebes und stellte die Behauptung aus, daß die einzelnen Affen geistig verschieden begabt seien, was man abcr auch bei anderen Tieren beobachten kann. ver Unsinn des Rotgeldfammeln». Die letzten Jahre haben einen neuen Sammelspcrt entwickelt, dos Notgeldsammeln, ncgsn dessen Unsinn Menadier, der frühere Direktor de� Berliner Münzkabinetts, jetzt im„Sammler" sich äußert. Menadier berichtet da über die Entstehung dieses Sammclzweiges. Es war im zweiten Kriegsjahre, als ein Sammler es für gegeben erachtete, deutsche Not- geldscheine zu sammeln. Do aber viele Gemeinden und Unternehmer schon ordnungsgemäß dieses erste, allein wahrhaftige Notgeld ein- gestampft hatten, bewog er manche Ausgabestelle, für Sammlerzwecke nach dem alten Muster neue Scheine drucken oder auch schreiben zu lassen. Und er erwarb sie in ansehnlicher Zahl. Abcr er ging noch weiter, indem er auf den Namen einer ihm nahestehenden Groß- Handlung einen neuen Notschein schuf, der zwar nie wirtlich ver- wendet wurde, aber«in gesuchtes Tauschobjekt abgab. Im beftän- digen Wachstum trat dann ein Notgeldhändler dem andern zur Seite, verleitete die Behörden, die Unternehmer zu Maflenousaaben. nur um die Sammelwut zu befriedigen. Zuerst handelte e» sich um «inen wirtschaftlichen Keldersatz. Immer mehr aber verlor das Not- gcld seinen Geldcharakter. Der Notgelddruck überschlug sich, und die Scheine verwilderten. Menadier vergleicht sie den Anstchtstart«« und den Liebigbildern. Künstlerisch ist' das allermeiste elender Kitsch. Die Regierung droht zwar schon seit einem halben Jahre mit einem Verbot,' kann aber noch immer nicht zu einem tatkräftigen Entschluß kommen. vleselmotorschlsse für europäische Fahrt. Der Dieselmotor bat seit 16 Iahren vorwiegend oder beinahe ai'sschlicßlich für Schisse Verwendung gefunden.' die für überseeische Fahrt bestimmt waren. Man hat diesen Antrieb siir die überseeische Fahrt vorwiegend des- halb verwendet, weil man in überseeischen Häfen zu billigen Preisen das Osl für die Motoren kaufen konnte. In der europäischen Fahrt wurde der Dieselmotor fast gor nicht verwendet, weil man hier z»» teure Oelpreise und zu billige Kohlenpreise hatte, weil außrrdcm für die hier gebräuchlichen Schiffsgrößen die Verwendung nur eine» Dieselmotors notwendig gewesen wäre, während man zunächst Motorschiffe hauptsächlich mit zwei Motoren baute. Neuerdino, aeht man aber in arößerem Umfange dazu über, auch in der europäischen Fahrt den Dieselmotor zu verwenden, also kleinere Schiffe mit Dieselmotoren zu bauen, Motorschiffe mit Oelmotoren cmderen Systems sind ja auch in der europäischen Fahrt in großer Zahl vor- Händen.__ Musik. Am Tonntag t Uhr findet im Schiller-Taal eine Seber-Veran- stall ung statt. Zum Desieu der Teebach-Stiftung kstbrt der Denticbe Väbnenklub am 7, Dezember als Nachm. iUigSvoritellung im Neuen Lverettenlbeater .In Vertretung« von Heinz Golden auf. In den Pausen werdcn eiste Darsteller klein- Porträge zu«Kebör bringen. Perträge. ftrcltaa T/f llbr spricht im Moniäeridnnde s-dobensta-cken. lUotze 47j48j Dr. Herzberg über:„Suggestion uab Hypuoje-. der Naüchenmorö in Kleppelsöorf. Hirschberg, 14. Dezember. Bei de? weiteren Vernehmung des Rechtsanwalts Reinecke» Ltzehoe stellt der Staatsanwalt ncch folgende Frage: Ist Ihnen bekannt, dah der Angeklagte vom Gefängnis aus noch immer mit der Generalvollmacht über das Vermögen der Frau Eckert verfügte? A n g e k l.: Dann muß man s: 0 setzen, sonst stimmt's nicht. — S t a a t s a n w.: Das Vermögen der Frau Eckert soll doch 199090 M. betragen haben. Wo ist das Geld?— V o rs.: Weg!(Heiterkeit.)— A n g« k l.: Frau Eckert hat nichts gehabt. � Di« 109 000 M. in Wertpapieren gehörten meiner Frau und nicht Frau Eckert. Ueber dieles Geld hat meine Frau zum größten Teil verfügt oder es ausgegeben.— Vors.: Der Angeklagte hat diesen Standpunkt allerdings immer eingenommen.— Bankier G u l d- « ck e r- Itzehoe: Am 18. September ist Frau Grupen in meinem Geschäft gewesen. Do ich nicht anwesend war, hinterließ sie, daß sie am Montag, den 20. September, wiederkommen wollte. Etwa eine Woche nach dem Verschwinden der Frau Grupen ist der Ange- klagte in großer Erregung zu mir gekommen und hat erzählt, daß seine Frau verschwunden sei und daß er sie in Berlin gesucht habe. — Amtsgerichtsrat L em m e aus Kellinghusen(wo Frau Schade eine Zeitlang gelebt hat) stellt der kleinen Ursula ein ähnlich gutes Zeugnis aus wie die Lyzeallehrerin. Ursula sei ein zartes Kind gewclen, habe kaum einen Revolver Helten können.— Verteidiger Dr. Ablaß: Haben Sie nicht eine Eingabe gemacht, der Ange- klagte habe sich viel mit Maurerarbeiten beschäftigt, und es sei die Vermutung aufgetaucht, daß er die Leiche seiner verfchwun» denen Frau eingemauert habe.— Zeuge: Ja, das sagen die Leute so. Ein Schuß ins Alrppelsdarfer Herrenzimmer. Der Vorsitzende teilt mit, daß in einem Schreiben behauptet wird, daß einmal durch» Fenster auf Dorothea Rohr- deck geschossen worden sei.— Fräulein Zahn: Im Oktober 1919— der Angeklagte war damals in Kleppelsdorf— wurde abends um VjIO Uhr durch dos offene Fenster de» Herrenzimmers geschosien. Fräulein Dörte saß aber zwei Zimmer weiter und spielte Klavier.— Staatsanwalt: Der Fall ist schon in der Vor- Untersuchung bekannt geworden. hierauf wird der Knecht Otto R o s k e» Ottenbüttel wegen des Abtransports eines Koffers der Frau Grupen vernommen. Dienstmädchen G n i w a k o w s k i macht Bekundungen über das Auffinden des in der Toilette gefundenen Abschiedsbriefe» der Frau Grupen an Frau Eckert. Auf dem zerknütteten Briefentwurf haben auch die Worte gestanden:.Liebe Dörte, sei stets gut zu Deiner Großmutter." Die Zeugin Hot auch bei dem Oeffnen der Geldkasiette durch Grupen mitgeholfen— Dr. Bü nz aus Itzehoe erklärt, daß zwischen Frau Grupen und ihren Kindern ein herzliches Verhältnis geherrscht hat Um ihre Kinder war Frau Grupen sehr besorgt. Er hält es für ganz ausgeschlossen, daß sie ihre Kinder länaer als höchstens 1t Tage hätte verlasien können.— Die nächste Zeugin, Frau Lüne h a ff n e r, macht Bekundungen über das Eheleben des Angeklagten. Die Zeugin Gniwatowski wird auf ihren Wunsch noch- mals vernommen, weil sie in ihrer gestrigen Aussage etwas ver- gcssen habe. Da» Verhältnis mit der Kläschen hatte der Angeklagte schon vor dem Verschwinden seiner Frau. Ais Kläschen aber erfuhr, daß Grupen auch seinem Kinder- viädchen Charlotte Müller die Ehe versprochen hatte. Hobe sie ihn zur Red« gestellt. Darauf sei es zu einer Aus- «inandersetzung zwischen Grupen und der Müller gekommen, wobei diese ihm um den Hals gefallen sei. Auch die» sei postiert, als Frau Grupen noch nicht weg war. Vors.(zum Angckl.): Run. wo« sagen Sie zu diesen Dingen? Von der Charlotte Müller öben wir bisher überhaupt noch nicht« gehört. ngekl.: Von diesen Vorgängen habe ich nichts be- merkt.(Heiterkeit bei den Zuhörern.) Bert. Dr. A b l ä ß: Ist die Zeugin draußen im Flur von anderen Zeugen auf die jetzt be- kündeten Vorgänge oufmerksam gemacht worden? Man kämpft hier anscheinend gegen dunkle Mächte. Vors.: Ich weiß nicht, wie wir Gespräche unter den Zeugen verhindern können. Ich bin aber bereit, die Zeugen darauf aufmerksam zu machen, daß sie möglichst wenig über diesen Fall untereinander sprechen. Dann wird Heinrich Grupen, der Bruder des Angeklagten. vernommen, der erklärt, von seinem Zeugnisverweigerungsrecht keinen Gebrauch machen zu wollen. Es wird ein Brief verlesen, den der Zeuge am 25. Ottober 1920 an den Angeklagten gesandt hat. In dem Brief« wird der Angeklagte von dem Zeugen aufgefordert, seinen Verpflichtungen gegenüber der Mutter nachzukommen, die er bei der Uebernahme des elterlichen Hause» übernommen hat. Ueber den Inhalt de» Briese» selbst wird der Zeuge am Nachmittag aus- führlich vernommen werden. Frl. Westermann aus Itzehoe hatte'den Eindruck, daß die ihr gut bekannt»? Frau Eckert stark unter dem Einfluß des Angeklagten stand. Bei Grupen war ein furchtbar unruhiger Haushalt durch die vielen Umzüge. Der Zeugin ist der Angeklagt« unheimlich vorge- kommen. Als Frau Grupen verschwunden war, hatte die Zeugin gleich Verdacht gegen den Angeklagten. Frau Margarete Distel aus Rostock bei Kellinghusen war eine gute Freundin der Frau Eruven, die sie eis tüchtig« Hautfrau und gute Mutter schilderte. Sie bott« die Empsindunq, daß die beiden Ehtleute nicht zu einander paßten. Bei einem Besuch der Freundin widersprach der Angeklagt« sortge'etzt seiner Frau, als wenn er sie reizen wollt«. Bon einer Amerikareise h a t Frau Grupen nie gesprochen, im Gegenteil hatte sie ertlärk, sie ließ« sich Kleider machen, da sie im Winter 1921�22 in G-sellschalt gehen wollten. Di« Zeugin hält es für unmöglich, daß Frau Grupen ihren Kindern etwa. Unanständiges zugemutet hätte. Zeug« S chm i dt- Oltenbüttel: Grupen war mein Nochbar. Er saai« mir, er könne mal mein Schwiegersohn werden Da habe ich ihm geantwortet:„Dazu gehört erstens di« Chelelxidung von Ihrer Frau, zweitens die Zuneigung meiner Tochter, drittens Klarbeit über Ihre Gegenwort und Zukunft. Grupen Hot mir spä'cr im Vertrauen ge'ogt, daß sein« Frau im Auslände sei: er hätte sie schon gesucht, ober nicht gefunden. Das Geld, da» die Frau mit- genommen habe, könne er verschmerzen. Frau Grupen kann ich nichts Schlimmes nachsagen. Aber auch der Angeklagte ist in Otien- bültel gut beleumundet. was Grupen für veschäfle mochte. Frau W olg o r t- Hamburg, ein« früher« Derlobtt des Ange- klagten: Grupen hatte«in unruhige» Leben. Heule wollte er dies, morgen das. Einmal wollte er ein Lufischaukelp-.schäst errichten. Zu diesem Zweck hotte er sich mit der Uhr in de? Hand vor eine Lus:- schaukel gestellt, um sestzustellen. wieviel der Besitzer in zwei Mi- nuten«innebme. Auch einen Mittagsli'ch wolll««r anfangen. Er kaufte alte Räder durch Zeitungsinserate und verkaufte sie wieder. Von der Kleidcrverwertungsstelle bezoa er Kleider und veräußert« sie ebenfalls. Er sagte, er wolle den Doktor machen und ein« Villa taufen.— Vors.: Hotte er denn die Mittel dazu?— Zeugin: Er sogt«, er bekäme Erwerbslo'enunterstützung und habe bei den Eliern «in Spartossenbuch über 2000 M. Auch ein Pserdegeschäst hat er einmal gemacht, und als ihm sein Dater sagt«, daß man dabei leicht hereinfallen könne, antwortete er: Da müß�e ich nicht Peter Grupen beißen. Einen Revolver hatte er in der SchublaN: verwahrt.— Staat'anwalt: Wie kam denn der An�eklag'e zu den K'eidern aus der KleiderverwertllNgssiekle, da» muß doch ein unlautere» Gc- fchäft gewesen sein.— Zeugin: Unter falschen Angaben und m i t Schokolade h o t er in der Kle i d e rv e r we rt u n g«- stell» von der Verköuserin bekommen, wa» man sonst nur gegen Bezugsschein erhält. Eines Tages überraschte er mich durch die Miltoilung, daß er sich mit Frau Schade ver'obt hätte. Da habe ich ihm den Rina zuriickqegeben, und da er Ibn nickt' annehmen wollte, den Ring in die Tasche von seines Daters Mantel gesteckt. SroMerün Das Schicksal einer ftäütischen Steuer. Am 19. Dezember tritt mit einer genau halbsährigen Verzögerung die lOprozentige Steuer für A u t v d r a s ch k e n. fahrten In Kraft, nachdem sie in der letzten Stadtverordneten- sitzung nun glücklich zum dritt-n Male, diesmal debattelos, an- ' genommen werden.st. Diese Stcuerordnung ist ein Muster- bcispiel dafür, mit welchen Schwierigkeiten und Hemmnisten innerhalb der alten staatlichen Bureaukratie eine städtische Verwaltung heute noch zu kämpfen hat. Die Steucrordnung ging den Stadtverordneten am 21. Mai zu und sollte zum 1. Juli in Kraft treten. Die voraussichtlichen Erträg- niste wurden dementsprechend in den Haushaltsplan«inge- stellt. Die Stadtverordnetenversammlung hat die Verordnung nach mannigfachem Hin und Her am 85. August glücklich verab- schiedet. Der Oberpräsident genehmigte sie. Aber nun fehlte noch die Zustimmung des Finanzministeriums. Und Unglück- lichcrweise war. ja gerade am 28 August die Novelle zum Kommunal- abgabcngesetz in Kraft getreten. Statt nun die Steuer vorläufig zu genehmigen und der Stadt, deren finanzielle Schwierigkeiten doch auch dem Finanzministerium nicht ganz unbekannt sein sollten, die Erträgnisse für das laufende Jahr zufließen zu lasten, hat man dort die Sache echt bureaukratisch gründlich behandelt und gibt die Steuerordnung am 2 0. November(!)— nicht etwa genehmigt. sondern mit Abändcrungsforderungcn auf Grund des neuen Ab- gabengefctzes— zurück. Bei diesen Abänderungen handelt es sich lediglich um suristische Formalitäten, die durchweg so bahnbrechend wichtig sind, wie die geforderte Abänderung der Ueberschrift der Steuerordnung(.Steuer für die B e n u tz u n g von Kraft- droschken" statt.Stauer aus Kraftdroschken".) Der Erfolg dieser Behandlung städtischer Steuervorschläge ist im vorliegenden Falle der, daß die Steuer erst am 8. Dezember be- schlössen werben und am 19 Dezember in Kraf ttreten konnte. Welchen E i n n a h m e a u s f a l l dos für die Stadt bedeutet, kann man er- messen, wenn man bedenkt, daß der Ertrag der Steuer auf 18 bis 18 Millionen jährlich veranschlagt war. Da dies nicht der erste Fall einer solchen Verschleppung städtischer Steuerordnungen durch die staatliche Bureaukratie ist(man denke z. B an die Wohnung?- luxus- und die Havsangestelltenfteuerl), so wäre es interessant, ein- mal den gesamten Einnahmeausfoll zu errechnen, der der Stadt durch unsere staatliche Bureaukratie schon erwachsen ist. Die Zahlen wür- den einen Gradmesser abgeben für die Fürsorge, deren sich die Finanzen des einst roten Berlins seitens der reaktionären Geheimräte in der staatlichen Verwaltung zu erfreuen haben. knappe Zischzufuhren. Die Zufuhr an Fiscben ist zurzeit, wie das Bild in der Zen- tralmarttballe bewie«. nur sehr kaig. Namenllick sind Sütz- wa'ielsi'che»iSt gerade zablreicb vertreten. Tie Preise sind sehr unierichiedlich und richlen sich ganz nach der Beichaffenhetr der Ware. Quappen kosten bei Abnahme größerer Posten 8 M., tonst Pfo. 8.50 M.. Karpfen Pid. 15 M.. Hechte 0 bi« 14 M.. Schleie 15 bis 18 M. und Schellfische bekommt man pro P'und von 5.50 M. an. Für den billigsten Salzbering mgß man 80 Pf. ausgeben, während der reuerste 2 VI. lostet, für einen geräucherten Hering muß man, falls man ein gutes Errmvlar erwerben will, 3.25 M. berappen. Sprotten kosten Pfd. 10 M. Speck ist. se nach Onalität. in den verschiedensten Preislagen zu haben, z. B. von 31 M. an bis herunter zu 28 M Sonst wird ii. a. verlangt(pro P'und) für Puten 18 M., Gänse 22 M.. Rümpfe 16 M.. Keulen 22 M. und K a l b S a e k r ö>« 10 M. Ganz ansehnlichen Kä'e konn man für 16 bi« 14 M. haben, Margarine iür 28 M. Pflaumenmus für 7,50 M. unb. wa« einige HauSkranen kür die Weihnachtebäckerei rnterefsieren wird, blauen M o b n für 7,50 M. Grünkohl esse» viele erst, nachdem es anständig gefroren bat. Heute knstet dte'er Kobl Pid. 1 M.. Wirsingkohl 2 M.. Weißkohl 1,30 M. und Mobrrüben 1,30 M. Aui«in'amem Posten thronten ein paar Bund Radieschen. Für Zwiebeln muß mau 1,70 M. und iür Knoblauch SM. ausgeben. In einigen Ständen waren reiche Sluslage» von Blumenkohl. Der billigste, war für 1—2 M. zu erstehen. Dabei handelte es sich zwar nur um ein paar unaniehnl'che Blüten ohne jede« grüne Blatt, die auS einem vom Frost zerstörten Kops be»auSgrschniilen waren. Vor der Halle war ein reger Verkauf von B o«t rv ü r st e n. Zwei Händler machten sich große Konkurrenz, denn der eine ver- kaufte die Würste für 1,80 und der andere für 1,20 das Stück. Betrogene Betrüger. Ein Bahnpostwagendiebstahl, der kürzlich bei Torgau verübt worden ist. ist durch die Kriminolpostdienststelle aufgeklärt worden. Ein Max Matthias, der aushilfsweise bei einem Finanzamt tätig gewesen ist, hatte dort Unterschlagungen begangen, die Eni- deckung stand sedoch bevor und nun lungerte er am Bahnhof umher. »m zu beratschlagen, was er jetzt ansangen solle. So wurde er Zcuae einer Auseinandersetzung, die ein Reisender mit einem Post- schaffner hatte, an dessen Bahnkarren er sich gestoßen hatte. Dabei erfuhr er durch die Aussagen de» Schaffner«, daß der Karren Geld- beute! enthielt. Es gelang ihm, einen Beutel mit 47 OOOMark ungesehen zu st e h l e n. Mit dem Gelde, fast nur kleine Scheine, stopfte er sich die ganzen Taschen voll und fuhr zu seinem in Torgau wohnenden Freund, einen Gustav Görlitz, der sich den größten Teil aushändioen lieb, weil er bei ibm sicherer aufbewahrt sei. Nun steckte erl5000Markindie Mo trotze »nd mit dem anderen fuhren beide auf Vorschlag des Görlitz nach Berlin. Görlitz suchte hier seinen Freund Max Karl, einen schon mehrfach vorbestraften Menschen auf, während Matthias zu Be- kannten in Neukölln ging. Die Gesellschaft kleidete sich dann voll- ständig neu ein und spielte die Kavaliere, besuchten die W i t- wenbä.lle und andere Vergnügungsstätten. Schließlich wurde der Dieb von seinen eigenen Genossen betrogen und er wandte sich an die K r i m i n a l p o st d i e n st st e l l e, die so den Burschen auf die Spur kam. Matthias und Görlitz wurden festgenommen Bers-flwundcn aber war der B e r l i n e r K a r l. Es konnte aber festzestellt werden, daß er das Geld einem Ar- beitstollegen in dessen Arbeitskittel eingenäht und diesen dann wieder zurück in dessen Spind gehängt hatt?. Dort wurden dann auch noch l5 000 Mark gefunden und brschlag- nahmt. Das übrige Geld haben die Burschen bis auf den letzten Pfennig durchgebracht. Ein Koch'plel zu den Lichlevberger Sparkckistcn-llnruhrn bildet em Mordprozeß. der das Scvwnrgenct» des Landgerickns III be- schäfligte. Wegeu gemein schaftliiben Morde» waren der Dreher Walter R i> t e r und der Bergiuann Hugo W- n d l e r an- geklagt. Tie von StoaiSonwakn'ckiait.-rni Dr. M e h e r m a n» ver- lreienr Anklage legt den btSber»libestrane» Aiigellagten zur Last. am>2. März 1S!S während der Spa' tatne-Unniben in Lichienberp. de» Johann Piontek an die Wand geilrllt under- i'cbossen z» baben. obwohl P. keine, lei strafbare Handlunaen begangen halle.— Bei Beain» der Verhandluua gaben die RcäiiS- anwält? Sucki und Heinitib Scbröder die Erklärung ob. daß sie gegen eine Verleinng der Protokolle über die Vernebmimgen der nicht erschienenen Hauptzeugen Karl Herzog und Unteroffizier Lenz. die Augenzeugen der Tat waren, vrotestieren müßten, da eS bei der Schwere der Anklage erforderlich sei, die Zeugen hier vor Gc- richt zu vernehmen. Siaaieanw.-Rat Dr. Wehermann letlie mit, daß er durch dringendes Telegramm an die Poiizeidireliion veriuchr habe, den Zeugen Herzog zu c rm titeln, von dort aber keine Antwort erbalien babe. Er müsse deSbolb mit � Ruckficht auf die Etllniung der Verteidiger die Vertagung be- antragen. DaS Gericht gab dieiem Antrage statt und vertagte die Sache bis zur Ermittlung der Zeugen Herzog und Lenz. Die Leiche eines Beichswehrfoldalen vom 3. Infanlerie-Reqi- ment wurde in der Königsheide gesunden. Anscheinend liegt Selbst- mord durch Erschießen vor. Bei einem Wohnungsbrande ums Leben gekommen ist der Ar, beiter Arthur Zcidler in der Usedomstr. 32. Seine Mutter erlitt schwere Brandwunden. Fungfozialtstengruppe Süden. Der Vortrag des Genossen?/Sler über.Kunst und SilUichleu" findet heute um 7'/, Uhr im Jugendheim, Lindenslr. 3, statt._ Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Gelinder, überwiegend dewöllt, bei mäßigen südwestlichen bis westlichen Winden. Keine erheblichen Niederschläge. GeVerMostsbewegung Protest der Augestellten der Versorgungsämter. Eine stark besuchte Versammlung der Angestellten in den Der» sorgungsömtern, vom ZdA. einberusen. tagte am Mittwoch im großen Saale der Bockbrauerei, um gegen die drohende Per- schleppung der Festsetzung gerechterer Grundgehälter und Teue- rungszuschläqe P r o t e st zu erheben. Die bezüglichen Forderungen sind von den freigewerkschaftlichon Spitzencrganisetionen der Reichsregicrung in einer Denkschrift (siehe„Vorwärts" vom(5. Dezember) mit dem Verlangen überreicht worden, sie ab 1. Oktober zu bewilligen und noch vor Weihnachten zur Auszahlung zu bringen. Kaminer führte in seinem Referat aus, daß von einem Be- schluß der Regierung über die Forderungen bisher nichts bekannt gc- worden sei.'Durch die Forderungen solle nur eine gerechte Aus- oleichung zugunsten der unteren Gruppen vorgenommen werden. Der Redner kam nach Darlegung der Dringlichkeit für eine schleu- nige Erledigung, die durch die Notlage der Angestellten und Be- omtcn begründet sei, zu der Folgerung, daß hier Kräfte gegen die Erfüllung wirkten, die ihren Einfluß mit Erfolg geltend machen. Dem Versuch, die Regelung bi» in den Januar zu verschleppe». sel entschieden entgegenzutreten, gleichviel, aus welchen Gründen er gemacht werden sollte.(Lebhafter Beifall.) Dem Referat folgte eine längere Aussprache, an der sich auch Schleenbäcker und Gerstenberger im Sinn« des Referenten beteiligten. Große Heiterkeit rief eine Mitteilung Schleenbäcker» her- vor, noch der ein« umfangreiche Verfügung an etwa 177 Dienst- stellen erlassen wurde, die darüber belehren soll, wie die Beamten bzw. die oberen Beamten anzureden sind. Man werde hiernach nicht out saaen können, daß es an Zeit fehle, für d'e Berechnung und Auszahli.'ng der von den Angestellten angeforderten Beträge noch vor Weihnachten Sorge zu tragen. Eine Erklärung H i r s ch r i n g s. der bisher agitatorisch für den GdA. wirkte, daß er aus dieser Bereinigung ausgetreten sei und sich der freigewerkschafllichen Richtung zugewendet habe, wurde beifällig begrüßt. Folgende Resolution wurde einstimmig ongc- nommen: „Die Angestellten der Verlorgungsbehörden Groß-Berlin» und Brandenburgs erheben gegen die Verschleppung der Teuerungsvcr- Handlungen schärfsten Proicst. Sie bcauftrogen den Afa-Bund und die verhandelnden Organisationen, unbedingt darauf zu dringen. daß die Verhandlungen noch vor Weihnachten zum Abschluß kommen. Sie sind gewillt, dieser Forderung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zur Durchführung z» verHelsen. Die Angestellten-, Arbeiter- und Beamtknarganisationen werden auf- gefordert, vor den äußersten Schritten nicht zurückzuschrecken."_ Weihnachtsunterstüiznnft für Textilarbeiter. Ein« Extta-Arbeitslasenunterstützung zahlt der Deutsche Texttl- arbeiterverband. Verwaltung Berlin, am Sonnabend, varmltiags von 9 bis 12 Uhr, im Derbandslokal, Andreasstt. 17, in folgender Höhe: Mitalledcr mit eigenem Hausstand, welche seit dem 1. Dezember arbeitslos sind, erhalten 150 M., Mitglieder ohne eigenen Hausstand, welch? seit dem 1. Dezember orbeitolos sind, erhallen 100 M, Auch die Ehrenmitglieder, welche mindestens 520 Beiträge geleistet hoben und insola« Invalidität oder Alters erwerbsunfähig sind, erhalten dieselben Unterttützungs- sätze. Extrosommlungen hierzu finden nicht statt, das Geld wird ou» der Lotalkasse genommen. Der Vorstand. Lohnrcgelung der Kohlcnarbciter. Die Lohiibewegung der Kohlenarbeitcr hat uocd Verhandlungen vor dem ScblicdiuiigSautsckiutz uiid weitere» Vcrhontluugeti mit een Aibcitgebern zu folgendem Ergebnis geführt: Ab 1. Dezember erbalien Vormbeiter 565 M., Kraft- Wagenführer(inkl. Jnstan�halten der Wagen) 646.25 M., Kiiticder (ohne Pierdepflsge) 540 M. Wocbcnlobn. Für acktislüiidige(stall» wache an Sonn- und Fcieriagen werden 80 M. gezahlt. Wächter erballen 490 M. wöchentlich. Aibeiter erbalien ivr eine Stunde 11,25 M., für Ueberstiinden 14,50 M. Aibeilerinne» erbalien für eine Stunde 10 M., für Uebersiunden 13 M. Luehilfsarbeiier er« hallen 11,75 M. Alle übrigen Arbeiinekmcr erhalten ab 1. Dezcmker 102! eine Lobnznlaae von 170,40 Mark. Ten ständigen Arbeitern, die nicht in Wochcnlobn stchcn, wird vom 1. Dezeniber 1921 ab für jeden gesetzlichen Wochenfeiertag eine Eutschädigung in Höhe von zwei Dtittel de« Grundlohnes gewährt. Sämtliche» ständigen Atbeitnehmern wird eine einmalig« WirtichastSbeihilie gezahlt, pro Kopf 4('0 M. und iür jede« nmrrhaltiingtpflichlige Kind bis zu 16 Jahren 50 M. Als Si'ch» tag gilt der 6. Drrembcr 1921. Die aui den VahiidLieii be- ichäftiglen Koblenaibeiter rrhollen iür den Zentner(auf und ab) 1 10 M.. für LuShökern pro Zentner 50 Pf., sür Einsanjmeln 37'/, Pf.__ Lohnabkommen im �riscurgewerbc. Die Mindestlöhne werden ab 15. Dezember um 35 Proz. erhöht und bcttagen für Herrenfriseure 270 M., sür Damenfriseure und Friseusen mit regelrechter Lehrzeit 263,50 M., für Friseusen ohne regelrechte Lehrzeit nach einer Tätigkeit als Gehilfinnen von einem Jahr 249,75 M., nach zwei Jahren 270 M. und noch drei Iahren 283,50 M: für Haararbeiter und-arbeiterinnen 350 M.. wenn qualisiziert 385 M., für Einrichter und Präparateure 415 M. und für Handpflegcrinnen 283,75 M. In Betrieben, in denen die Preise bereits vordem erhöht wurden, sind die neuen Löhne vom Tage der Erhöhung an zu zahlen.— Dicse Löhne sind nur verständlich, wenn man beachtet, daß das Trinkgeld im Friseunetverbe nach nicht beseitigt und von den Arbeitgebern In die Löhne einkalkuliert Ist. Außerdem werden verschiedentlich ncch Prozente von den Bedic- nungseinnohmen gezahlt. Achtmi», Betetet'»rät« für Teltow o»d Umgeeesd. B'e r-icktu«eNnerlawmlung der Deircedsräle findet am 20. Dezember, abends 7 Uhr, bei Stahr, Teltow, ttatt. ikrjibrnien drinarnd er n tsrUcki. Verantw. Ivr dtn rcbnfl. Teil: Dr. Werner Pelser, ckiarlottenburg: ttlr An. zeinen! Th. Glocke. Berlin. Bcrliis BorwSrt«. Berta« S. m. d. A., Berlin, Druck: Dorwärio-Ducharuckerli u. ViilavZanllalt Paul Singer u. S«.. Berlin, limhrnstr. t. Billige Preise! Grosse Auswahl! Herren-SchlQpYer m- 690.- Herren-SchlBpfer wm- 973.- Herren-SdilOpf er t»oa-.>«°.- 1300.- Herren• Paletots««u- im- 790- Herren-AnzQge«m..«. 345.- Sonntag, den18.Dezbr. geöffnet von 1-6 Uhr jOngllngs-Schnipfer m-» m- 450.- Sdiul-Anzflge... 490.- jangilngs-AnzQgeow-.eak- 325.- JOnglings-AnzDge t«.-.««.- 730.- iQRglings-Breecheszn�tn� 120.- l Morgenjoppen u. 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