flg. 593 ♦ ZS. Jahrgang fwsgabe LS Nr. 294 Bezugspreis: . sL«,— sW..monotm— Ä frei in« Kau», oatau« zahlbar Post» b-iuai Monatlich 12.— Dt. e>nsail.Yu» steilunasgkbühr Unt» Arrujdand wr ?lu!lchland.?an,>z, da» Saar- an» Mrmriqkbtrt. iowi? dir ehrmai» drut» i«yen Debieir Palrn», Oeftrrreich. Ungarn und Lurrmdiirg 2Z.— M. wr da» übrig» Au«Iand S2.— M. Pakt» brürllungrn nehmen an veürrrrich. Ungarn. TIchrcho- Slowalri. Däne- marl. Solland. Lurcmdurg, Schwedr» und dir Schweiz. Zier.Bonvliri,� mit drr Sonntag«. beilage.Pal! und elrit', der Unter» haliungodrilage �ccimwelN und der Beilage.Siedlung und Nleingarten" «richeinl wochentlialich zweimal, San» tag» und Wonlaz,«innial. Telegramm- Adresse: „Sozialdemolrol OctOa" Abend Ansgabe Serlittev VolksblAtt c o�vS.vekttn SV»»?. uiHrwSrt« SS stkonnZg d SlnzeigcnprriS: Sie zehngewallenr Slonpareillrzril» iolie! 7.— M. �latv»«»zaix»»- Sa» etigedru-tt? Mar- all.(zu. Icffifl zwei irtlgetniale Worte». i»dr» «eitere TZori i.Ut aS. Sittlengeiuche und SS>>lll(ieUr»«n,ieiZr» da» erste Worl I Sl» M..(rde* w eiler» Wort M. CsRe lider IS Buchstaben jühlen für zwei Wo,!«. jsamilien-An- »eigen iür Ldonnenlen Zeile t.— Z»!. Sie Presse oerfletlen stch einIchiieKIstg Seuernngs-uschlag. Anzeigen sslr dl» abchst««umwer mllssen dl» Vi, Uhr nachmittag, im Saupigelchissi. Berlin SD W. ssinSrn- Kraße ll. abgegrben werden.«beSssnri van S Uhr iiüh die» Uhr ebenda SW Zcntralorgan der sozialdemokratischen parte: Deutschlands Neöaktio» unü Expedition: EM öS»£indcnflr. 3 ftornitirrrftrr. Rkdaktiu» M.'ortt-Piatt 151»5-97 lycrmprccncr. Mori«»lau 11755—5: Freitag, den 1t5. Dezember 1931 Vorwarts-Verlag S.m.d.h., SW bS, Linücnstr. 3 A-t-fttsnrurf,««!:• Verlag, tfxscbition und Inferaieu. Qrrwiprrnicr.„�„riung Morii-plat- 11755 54 Steuern unö Reparationen. Wirths Ausführungen im Hauptausschutz. si« P Der Reichskanzler Dr. D i r t h hat heute um 19 Uhr vor- mittags im dicht gefüllten Saal des chauptausschuffes seine mit Spannung erwartete Erklärung über die deutsche Note vom 14. Dezember abgegeben. Der Inhalt dieser Erklärung kann dahin zusammengefaßt werden, daß die deutsche Regie- rung keineswegs beabstchtiat, die E r f ü l l u n g s p o l i t i k aufzugeben, und daß sie diese Politik auch nicht als gescheitert ansieht, sondern vielmehr bestrebt ist, sie zu einem guten Ende weiterzuführen. Der Reichskanzler führte aus. daß mit der Rote vom 14. Dezember ein neuer Abschnitt in der Politik begonnen habe. Er verwies daraus, daß Deutschland alles getan habe, was es tun konnte. Doch hänge ein großer Teil seiner Lei- stungen weniger von seinem guten Willen als von der ge« samten Wirtschaftslaae der ganzen Welt ab. Dr. Wirth stellte ausdrücklich fest, daß die Stelle der Rote vom 14. Dezember, in der von der Kreditunfähigkeit Deutschlands geltenden Bedingungen des Finanz- unter den ge..__.. W„. diktats die Rede ist, eine wörtlicheUebersetzung dar- tellt aus einem Briefe, den die Bank von England an den residenten der deutschen Reichsbank. Dr. Ravenstein, ge- richtsl hat. Durch dieses Urteil der Stelle, die für die Be- url-l lung finanzieller Fragen die kompetenteste der ganzen Meli ist, fei das R« p a r a t i o n s p r o b l e m als solches neu aufgerollt worden. Diese Tatsach« bezeichnete der Reichskanzler als einen kleinen Lichtblick. Jedoch warnte er vor jedem voreiligen Optimismus und fordert« den Reichstag und das deutsche Boll auf, in der gegenwärtigen entscheidungsschwangeren Situation Geduld und selte Nerven zu zeigen. Sollte es gelingen, die Solitischen Neoel zu zerstreuen, so sei eine gesicherte lktivität der inneren Politik notwendig. Die Etats müßten rasch verabschiedet werden. Es sei ferner ein unerläßliches Gebot, die Eisenbahn und Post auf eine gesunde finanzielle Grundlage zu stellen, so daß die Einnahmen und Ausgaben balancieren. Und nicht minder notwendig sei es, die Subsidien poMti'.-» abzubauen, die in der Welt den Eindruck hervorgerufen haben, als ob Deutschland eine systematische Wirtschaftspolitik des Dumpina betreibe und als ob das deutsche Boll aus diese Weise eine Gefahr für die Wellwirtschast geworden sei. Der Reichskanzler gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich England nach seinen Erfolgen in der Lösung der irischen Frage und nach der Lösung der Probleme des fernen Ostens und seiner Beziehungen zu Amerika nunmehr mit gesteigerter Energie dem Problem der Arbeitslosigkeit zuwenden werde, das in seiner letzten Wurzel ein Problem des Friedens von Versailles und des Finanzdiktats von London sei. Auch von Frankreich hoffe er, daß dort die Einsicht durchdringen werde, wie wenig Deutschland in Wirklichkeit imstande sei, die Soldmilliorden scheffelweise auf den Tisch auszuschütten. Zum Schluß kam der Reichskanzler nochmals mit größter Energie und erhobener Stimme auf die inneren Finanz- Probleme zu sprechen. Cr wies auf die schwebenden Steuer- Probleme hin und bezeichnete ein rasches Kompromiß in den Steuerfragen als eine unbedingte Notwendig- teil, denn wenn dieses Kompromiß nicht zustande komme, dann sei unsere ganze Politik gescheitert. In diesem Sinne erbat sich der Reichskanzler die Unterstützung des Reichstages. Nach seiner Rede wurde die Debatte abgebrochen und der Hauptausschuß wandte sich wieder den Fragen des Etats zu. Die Aussprache über die Nore vom 14. Dezember und die vom Reichskanzler zu ihr gegebenen Erklärungen begann um 11 Uhr im Ausschuß der auswärtigen Ange- legenheiten. Sie ist vertraulicher Natur. Im allgemeinen läßt sich konstatieren, daß die Rede des Reichskanzlers erweist die volle Irrigkeit der von der Rechtspresse vertretenen Anschauung, al» ob in der deutschen Politik nunmehr notge- drungen ein völliger Frontwechsel eingetreten wäre Don bürgerlichen Parteien nicht gegeben ist. muß man für die nächste Zeit mit einer kritischen Zuspitzung der inneren Berhältnisse rechnen. » Im Hauptausschuß de» Reichstage» wurde heute zunächst der Haushalt zur Ausführung de» Friedensvertrage, be- raten. Hierauf nahm Reichskanzler Dr. wirth da» Wort. Er führte aus: Sie haben heute morgen Gelegenheit gehabt, au» den Festungen Kenntnis von der Rote zu nehmen, die an den Herrn Präsidenten der Reparationsrommission gerichkt worden ist. Jeder, der diese Note liest, sei e» in Deutschland, sei e» im Auslande, wird sich de- mußt werden, dah die deutsche Regierung damit einen politisch einem solchen F r'o n t w e ck s« l kann gar keine Red« sein, wie sich schon aus dem Umstände ergibt, daß Deutschland teinezweas die Zahlungen verweigert, sondern vielmehr auch für den Januar jene Summ« von Millionen anbietet, die es äußerstenfalls ausbringen zu können glaubt. Die Frag« der Steuern dürfte nunmehr unmittelbar nach Weihnachten in ein entscheidendes Stadium gelangen. Bon den Vertretern der b e v fitzenden Ksaffen muß mit dem größten Nachdruck ge-! fordert werden, daß sie der Aufforderung des Reichskanzlers.' die innere Finanzpolitik mit den Notwendigkeiten der äußeren Politik in Einklang zu bringen, nachkommen und dem Reichs! diejenigen Mittel bewilligen, deren cs zur Fortführung seiner � auswärtigen Politik bedarf. Da jedoch nach den bisherigen � Erfahrungen eine Gewißheit für ein solches Verhalten der! lehr bedeutsamen Schritt getan hat. Durch die Absen. oung dieser Note ist eine neue politische Situation geschossen. Um dieser Situation gerecht zu werden, ist es notwendig, auf unsere Bemühungen im Laufe dieses Sommer» zurückzublicken, den Re. porativnsocrpslichtungcn nachzukommen, die auf dem deutschen Volke lasten. Niemand in der Welt hat Anlaß, an unserem ern» sten, festen und guten Willen zu zweifeln, und ich habt auch niemanden gesunden, auch draußen nicht, der in diesen Wille» ernste Zweifel gesetzt hätte, abgesehen von einigen, mit denen po« litisch überhaupt nicht zu diskutieren ist. Was wir tun konnten, um unseren Verpflichtungen nachzukommen, haben wir getan. Ein großer Teil desicn, wa» uns auferlegt ist, hängt aber nicht allein von uns ab, sondern von der Wirtschaftslage Eurdpas, ja der gan. zen Welt. Wer zurückblickt, wird heute mit uns sagen, baß dos Erfüllenwollen in vielen Fragen nicht dos Erfüllen- können bedeutet. Was hoben wir getan, auch insbesondere den Verpflichtungen der Zahlung in Gold nachzukommen? Mr haben die erste Milliarde ausgebracht. Gewiß haben wir sie nicht au» dem lausenden schöpfen können, sondern mußten für diese erste Milliarde auch den Weg des Kredits beschreiten? wir haben einen kurzfristigen Kredit bekam. men und sind in der Lage gewesen, damit die Verpflichtung der ersten Milliarde zu erfüllen. Schon bei Annohm« des Ultimatums habe ich am 10. Mai bei der Bildung der Regierung im Reichstage betont, daß die weltwirtschaftlichen Folgen der An- nähme diese» Ultimatum» und seiner Ausführung der Geyen.« feite verantwortlich zur Last fallen. Diese weltwirtschaftlichen Folgen sind eingetreten: ich erinnere an den Sturz der deutschen Mark und andere weltwirtschaftlichen Folgerungen, die ollen Vül- kern der Erde nahegegangen sind. Wir sind aber von dem Wege, den wir einmal beschritten haben, nicht abgewichen. Gerade in der Konsequenz dieser Politik liegt auch ihre Bedeutung für die ganze Welt. Wir haben DerpsUchfunge» im Zanvar und Aebrnar von der Ihnen bekannten Höbe zu erfüllen. Diese Derpfllchtungen können nur zum Teil durch Sachleistungen abgedeckt werden. Sie kennen die Zahlen in Gold, die noch notwendig wären, um unseren Januar-»und Februarverpslichtungen nachzukommen. E» hat sich bald herausgestellt, dah oiese Verpflichtungen aus dem Lausenden nicht erfüllt werden könnet., und daß, wenn wir zu einem guten En!« kommen wollen, den Januar- und Februarverpslichtungen nur auf dem Wege des Kredit» nachzukommen sein wird. Wir haben verschieden« Mahnungen gehört, insbesondere bei der Anwoscnhcit der Reparationstommission in Berlin, die uns zunächst mündlich aufgefordert hat, alles zu versuchen, um die Januar- und Februarverpslichtungen zu erfüllen. Ich habe da- malz kurz vor der Abreise der Reparationskommission folgenden vom 13. November 1921 datierten auch der Press« zugänglich gemachten Brief dem Herrn Präsidenten der Reparationskommission überreicht: l�er Rcichckanzlcr verliest das Schreiben.) In diesem Schriftstück, da» damals durch die Presse der ganzen Well gegongen ist, ist erstens angekündigt, daß wir offizielle Schritte unternehmen werden und offiziöse schon unternommen haben, um zu einem Kredit zu kommen. Zweitens ist darin die Bitte ousaesprochen. daß die Reparationskommission unsere Bitte um einen Kredit an den zu- ständigen Stellen unterstützen möge. Als die Reparationskommission hier war. habe ich selbst wieder- bolt die aufmunternde Aufforderung bekommen, daß Kredite in der Welt wohl zu erholten seien. Dementsprechend haben wir unsere Schritte uach London gelenkt und oersucht, wegen longWstiger und kurzfristiger Kredite Fühlung zu nehmen. In der Rote, die wir gestern in Pari» haben über- reichen lasten, findet stch die wortgetreue Uebersetzung besten, was wir von Enolond gehört haben. Durcki den Herrn Präsidenten der Deutschen Reichsbank, drr in meinem Auftrage und Namen gehan- delt hat, haben mir die englische Antwort bekommen, deren wescnt» licher Satz Aufnahme in die Rote gefunden Hot. Er lautet:»Don maßgebender Stelle ist erwidert worden, daß unter der Herr- schalt der Bedingungen, welch» zurzeit für die Zahlungs- oerpflilbtungen der deutschen Regirrung gegenüber der Reparationskommission während de? nächsten Jahre maßgebend seien, eine solche Anleihe in England nicht zu erlanaen sei. und zwar weder al» langfristig» Anleihe, noch al» kurzfristiger Bankkredit.* Niemand in der Welt wird sich von dem Eindruck fernhalten können, den diese Aeußerung der kompetentesten Stell« eine- der größten Finanzländer der Welt uns übermittelt hat. Deutschland kann keinen Kredit bekommen, und zwar solange es unter den Dedlngun« gen steht, die zurzeit die Zahlunzsvcrpslichtungen Deutschland» nach dem Londoner Ultimatum regelt. Damit ist zum Ausdruck gebracht, baß nicht mehr die Kredltfrag« allein in den Dordergrund geschoben werden kann, daß auch nicht die Erfüllung der Zahlungsbedingungen vom Januar und Februar die Welt von den unermeßlichen Leiden heilen kann, dir zurzeit als ökonomische Krlsis die ganze Welt durchziehen, sondern daß schon allein durch da» Kreditbcgchren der deutschen Negierung für die»»a- nuor« und Fedruarzahlungen da» Reparallonsproblem al» solches erneut anfgewotfen ist, und dah es nur— da» dürfen wir aus diesem Satz heraus- lesen— nach einer Prüfung und Nachprüfung dieser Bedingungen überhaupt einen Sinn hat, wenn Deutschland einen Kredit in der Welt bekommen kann. Die Sinnlosigkeit der Kredltgewäh- runq unter den bisherigen Zahlungsbedingungen ist von der Ge» genselte selbst zum Ausdruck gebrocht worden. Donach baden wir unsere Politik einzurichten. Es stt natür- lich heut« nicht abzusehen, wie das Echo auf unter« Note sein wird. Das hoben wir in Geduld und mit festen Nerve» abzuwarten. Aber eines dürfen wir jetzt nicht: hier im Innern rein passiv die Wir- kuug unsere» Schritte» obwartc«. In der Welt draußen ist die Erkenntnis gewachsen, daß ein politisches Diktat noch nicht die Möglichkeit einschließt, daß da«, was man verlangt, auch ökonomisch möglich ist. Dies« Erkenntnis ist in der Antwort der englischen Hochfinanz zum vollen Durchbruch gekommen. Run dürfen wir aber nicht meinen, daß mit dieser Erkenntnis etwa der Tag gekom- men sei, wo wir erleichtert ausatmen können— jeder sastch« Opki- mismus wäre gerade jetzt völlig verkehrt—, sondern wir müssen dieser Erkenntnis, die draußen in der Weit gewachsen ist und die manchen politischen Nebel zerstreuen wird, entgeoen kommen durch eine innerpolitische, außerordentlich gesteigerte Aktivität, da» zu tun, wa» unser Teil ist zu tun. Diesen Teil meiner Ausführungen darf ich sofort dahin lenken, daß ich sage: Wer nun aaßenpollkisch irgendwie glaubt, daß der Tag der Er- kenntni», der gekommen ist. für die ganze Well auszunützen fei. der möge mit der Regierung dafür foraen. daß folgend« Maß- nahmen möglichst bald zum Abschluß kommen: Ersten», daß wir unsere Etats möglichst rasch verabschieden, weiten», daß es sich in den Kommissionen, die stch mit da age der großen R e i ch s o er w alt un g en, Post und Eisen- bahnen zu befasten haben, nicht mehr darum handeln kann, diese oder jene Anforderungen, ettva der Postgebühren, um einige hundert Millionen Herabzusetzen, sondern, wer auswärtig, Politik treiben und dafür Verantwortung übernehmen will, der muß mit uns dafür sorgen, daß zunächst der Postetat und hernach der Eisenbahnetat balancieren. Um diese Ausgabe, unsere Reichebetrlebe auf ein« und, finanzielle Grundlage zu stellen, kommt niemand herum, er ernsthast Außenpolitik machen will. Sie kennen die großen Probleme, die ausgeworfen worden sind, Sie kennen auch die Schlag- warte, die Deutschland durchlaufen haben und die zu lebhasten politischen Auseinandersetzungen führten, in dem Rufe von der einen Seite: Pr i v o t i s i e r u n g der Eisenbahnen, woraus von der an- deren Seite der Ruf ersolgte: Soxialisierung gewisser anderer Betriebe. Schon das Aufwersen solcher Schlagwort« zeizt, daß das Problem der Sanierung des Budgets der Post und der Eisenbahn und ihrer inneren Gesundung so vordringlich geworden ist. daß ihr auch bei einer außerordentlich günstigen außenpolitischen Lage nicht herumkämen, aber gerade in einem Augenblick, wo wir unter einem [o gewaltigen außenpolitischen Druck gesetzt sind, und wo vielleicht lurch die Erkenntnis, insbesondere der Finanz- und Winschasts- kreise der Welt, ein kleiner Lichsttrahl am Horizont erkennbar ist, Serade In einem solchen Augenblick muß dos Parlament ganz ohne lückflcht daraus, ob e» sich dadurch populör mackt oder nicht, den Nachdruck darauf legen, der Welt z» zeigen, daß wir entschlostcn sind, unsere eigenen inneren Derhältniste auf solide s i n a n- zielle und wirtschaftlich« Grundlagen zu stellen. Wenn wir dief« Aufgabe nicht erfüllen können, dann wir» die Gegen- seite sür un, die allerunangenehmsten Folgen ziehen. Ich bin mir auch darüber klar, daß die Kosten unsere» Budget, droußm in der Welt einer sorgsamen Nachprüfung unterzogen werden. E» ist nun einmal draußen in der Welt der Eindruck entstanden, daß wir durch die Subsidien. dir wir P o st und Eisenbahnen zugewiesen haben— dabei denke ich nicht an die Milliarden, die notwendig waren, um die Kriegsschäden zu decken—, und durch die Subsidien, die wir für die E r n ö h» rung unferee Volkes und für andere Zwecke geben, die Ihnen im Rcichsbudget nicht unbekannt sind, automatisch eine Art Dumping schon in unser Budge» einbauen. Heute haben wir die freiwillige Möglichteil, selbst voranzugehen. E» wird nicht mehr angehen, im nächsten Iabrc nach dieser Richtunq dos deutsch« Volk draußen in der Welt als ein« Gefahr für die Vu'ischast anderer Völker erscheinen zu lassen Ich weiß sehr wohl, daß unsere innere Lage vom Auslande nicht genügend gewürdigt wird. Es ist selbst- verständlich nicht leicht, ein Volk nach einer solchen Katastrophe, ei» I Bolt. da» revolutionäre, sozial, Zuckungen dauernd aufgewühlt haben und das noch in den letzte« Wochen lag für Tag vor ge- wissen Erscheinungen wie die der Plünderung gestanden hat, von heute auf morgen aus dieser Subsidienpolitik herauszuführen. Aber das darf uns nicht hindern, das Ziel energisch in die Hand zu nehmen und fest ins Auge zu fassen. Diesem Ziele müssen wir raschcstens zustreben, wenn wir überhaupt den Anspruch machen wollen, unsere innere Politik nach den autzenpolstischen Not- wendigkeiten einzurichten. Es war und ist die Aufgabe, die wir seit langem auf uns ge- nommen hoben, innerpolitische Wünsche, auch wenn ste von Parteien sehr energisch vertreten werden, hinter der außenpolitischen Notwen- bigfeit zurückzustellen. Da handelt es sich um Leben und Sterben einer Nation. Wir sehen mit großer Spannung den Besprechungen der alliier- ten Staatsmänner entaegen. Wir wollen diesen Besprechungen nicht vorgreifen, vor allen Dingen nicht durch eine unnütze Polemik. Die Auffassungen, die in Frankreich vielfach gehegt woro-n sind, als ob es nur vom guten Willen Deutschlands abhänge, die Milliarden Gold scheffelweise auf den Tisch zu schütten, werden hinter der großen weltpolitischen Notwendigkeit zurücktreten. Nicht nur wir in Deutsch- lcnd haben vielfach eine Scheinwlrtschaft. Lch bezeichne die Wirt« schaft als Schein, die unter dem Sturz der Doluta künstlich aufgebläht ist: das ist ein Schein, aus dem vielleicht in wenigen Monaten ein sehr bitteres Erwachen folgen kann. Diese Scheinblüte, die uns von der Gegenseite vielfach als Vorwurf vorgehalten wird, zeigt sich in anderen Ländern in ganz anderer Form: in England und Amerika in der großen Arbeitslosigkeit. Diese Ar- beitslosiakcit ist nicht etwa für stch isoliert zu betrachten. Das war gerade das Unglück der Welt, daß man Deutschlands Lage, Eng- lands Loge. Amerikas innerwirtschaftliche Lage jeweils Isoliert für stch betrachtet hat, ohne sie in die große Weltwirtschast hineinzuver- flechten, die stch in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat, und ohne daraus die politischen Forderungen zu ziehen. Es ist nicht möglich, die Welt und insbesondere die europäische Wirtschaft zu sanieren, wenn der ganze Osten Europas in stch zusammeugebrocheu bleib!, wenn die Kaufunkraft der osteuropäischen Völker nun auch aus di« miiteleuropäischen Länder ausgedehnt wird, von denen ja nur das arme Deusschösderreich als Beispiel dafür'genannt werden kann, wie ungeheuerlich di« Folgen der kranken Weltwirtschaft gerade in Europa stnd. In England stnd jetzt gewisse politische Probleme einer Lösung entgegengesührt worden, zu denen wir uns zurzeit nicht kritisch zu äußern haben, denn wir haben in den großen Welthändeln zurzeit sehr wenig zu suchen, wir müssen uns in diesen Fragen zurückhaltend bewegen. Nachdem dies« Fragen einer gewissen Lösung entgegen- geführt worden stnd, ist es klar, daß di« englische Politik der großen Frage der Arbeitslosigkeit im eigenen Lande nähertreten mußk und auch nähergetreten ist. Diese Fragen sind in England und Amerika nicht lösbar, wenn man nur von dem Frie- densvertrag» von Versailles und dessen Taten, insbesondere dem nachfolgenden Diktat in London ausgeht. Diese Fragen stnd nur lösbar und werden eine Lösung i-ur finden, wenn nicht nur die englische Finanz, und chandelswelt, sondern auch die eng» lisch«Politik selbst ihre Blick« wieder dem europäischen K o n t i n e n t z u w e n d e t. Es ist kaum jemals in den vergang»- nen drei Jahren, die für uns ein sortoesetzter Leidens- und Kreuzweg gewesen stnd, in der Welt mit so klarem Blick dos Wirtschaftlich« gegenüber den rein politischen Erwägungen des Siegers in den Bordergrund getreten. Diese Lage gilt es nun polilifch für das deukstkie Volk{« zu gestallen. daß wir— darüber kann ich natürlich keinerlei Verfvrechuügen abgeben— zu einer ernsten und wahren Refprechiim» der Derpstichlunqen kommen, die man Deulschlond in '«er Stunde de» Triumphes der Segenseike auferlegt hat. Die Wege werden wir nur ebnen können, wenn wir hier im Deutschen Reichstage entschlossene Parteien finden, die hinter die Re- gierung treten und . die Innerpostlifch« Notwendigkeit der außenpostlischen Lag« unterordnen. deren Ausblicke ich genügend gekennzeichnet zu haben glaub«. Ich bin« Sie also nicht nur um Ihr« Aeuherungen, sondern um Ihre tatkräftige Mitarbeit in den Ausschüssen. Dabei liegt der Schwerpunkt in den steuerlichen Plänen, di« wir Ihnen unterbreitet haben. Ein Kompromiß ist notwendig und muß schnellstens gefunden werden. Wenn wir nicht in der Lage sind, die steuerlichen Pläne zum Abschluß zu bringen, so ist nicht nur diese Poliilk. die wir be- gönnen haben, gescheitert, dann ist übcrhonpl die deutsche Politik geschei!-rt, weil wir in der West nicht weiterkommen, wenn wir uicht ernstlich den Willen kundgelan haben, steuerlich das zu leisten, was nach einem so verlorenen Kriege unbedingt notwendig ist. Deshalb bitte ich Sie um Ihre Unterstützung und, wenn nötig, in den tom- Menden Tagen— ob es noch vor Weihnachten möglich sein wird. weiß ich nicht— um die unbedingt notwendige politische Ent'chci- dung im Deutschen Reichstage für die Führung der Gesamtpalitik des Deutschen Reiches. Hierauf wurde in die Deiterberatung des Etats eingetreten. Zibokf noffmaun bittet uns mitzuteilen, daß die Behauptungen der bürgerlichen Presse, er oder seine Frau hätten ein Rittergut ge- kaust, in jeder Hinstcht unwahr und völlig erfunden sind. Was sagt EnylanöZ London, 16. Dezember. sEE.) Heute mittag findet in London eine Sitzung des F i n a n z k o m i t e e s des englischen Kabinetts statt, die die gegenwärtige Weltwirtschaftslage und die Frage der deutschen Reparationen erörtern wird. Diese Zusammenkunft ist notwendig, um Vorbereitungen für die Zusam- menkunft zwischen Briand und Lloyd George zu treffen. Der Lorökanzler für Sesamtregelung. London, 16. Dezember(CE.) Der Lordkanzler Dirkenhead sprach bei einem Festessen der nationalen Bereinigung der englischen 1 Fabrikanten. Er begann mit der Erklärung, daß an eine B e z a h- lung der Schulden Deutschlands kaum zu denken sei. Wenn er beaustragt würde, die Dinge in der Welt zu ordnen,� so würde er Deutschland sagen: Du kannst eine Entschädigung für i die Zerstörungen, die du m Frankreich und England angerichtet hast,! anbieten, lju mußt diese in Arbeit und Materiol zahlen! Um Europa wiederherzustellen, muß man zu einem Einvernehmen mit Frankreich und Deutschland gelangen. Man muß ein Einoernehmen mit Rußland treffen. Es fei töricht, daran zu denken, daß die Krise durch einen Zahlungsaufschub geregelt werden könne. Die zu treffende Regelung müsse die Gesamtheit des Problems berühren, ein Resultat, das mit Hilfe der Weisheit der französischen Staatsmänner erlangt werden müsse. Eine Rede Llopü Georges. London, 16. Dezember.(WTB.) Das Problem der Erwerbs» losigkeit und feine Beziehungen zur internationalen Lage wurde gestern zwischen Lloyd George und einer Abordnung des Voll-- zugsausfchusfes der Arbeiterpartei, des Generalrates des Ge- � werkfchaftskongrcsses und der Parlamentarischen Arbeiterpartei er- j örtert, die ihm die Entschließungen der letzten Arbeiterkonferenz unterbreitete und befürwortete. Roch einer Ansprach« von Elynes erinnerte Lloyd George zu- nächst daran, daß Briand nächste Woche auf seine Einladung nach London komme, um mit ihm die wirischaftliche Lage zu er- örtern. Lloyd George sagte weiter, das deutsche Volk leb« unter einer Verlängerung der ungesunden Verhältnisse des Krieges. R a t h e n a u habe ihm in der letzten Woche gesagt, daß in Deutsch- land binnen sehr kurzer Zeit ein unbedingter Zusammenbruch erfolgen müsse, wenn die Dinge so weiter gingen Lloyd Georg« wies auf die ungeheure Vermehrung des deutschen Papiergeldes und die ungesunden Verhältnisse der Produktion hin. Die groß« llnstalion der Mark Hab« zu einer allgemeinen Rachfrage nach Ware geführt, da seder- mann die in seinem Besitz befindlichen Popiermark los fein wolle, bevor ihr Wert weiter gesunken sei. Ungesunde Verhältnisse dieser Art rächten sich immer. Lloyd George forderte die Arbeitervertretung auf, bei ihren Vorschlägen zu bedenken, ob nich� durch ihre Befolgung ähnliche Zu- stände in England hervorgerufen werden könnten. Er könne die Verantwortung für solche Schritt« nicht übernehmen. Die Besse- rüng würde dann vielleicht zwei oder drei Jahr« beanspruchen, aber zum Schluß würde die Zahl der Erwerbslosen in Eng- land auf 5 oder 6 Millionen gestiegen sein und der Wert des ver- dienten Geldes würde sich ungeheuer vermindert Hab». Zur RcparaNonsfrage erklärte Lloyd Georg«, es handle sich nur um die Bezahlung der Wiederherstellung der zerstörten Gebiete und die Bezahlung der Kriegspensionen: darüber hinaus werde nichts gefordert. Deutsch. land habe bisher noch nicht einmal begonnen, für die oerwüsteten Gebiete zu zahlen: es habe nur teilweise für di« Besatzungsarmee bezahlt. Lloyd George fragte, ob England wirklich darauf ver- zichten solle, daß Deutschland für den angerichteten Schaden bezahle. England habe auf andere Weise Verluste erlitten, wenn es auch keine verwüsteten Gebiete habe. Er glaube nicht, daß irgendeine verantworkliche Person in England vorschlage, daß man ans den Schadenersatz verztchken soll. die Haltung Frankreichs. Paris, 16. Dezember.(ET.) Ueber die Haltung Frankreichs der deutschen Rot« an die Reporationskommisswn gegenüber erfahren wir. daß militärische Sanktionen einstweilen nicht in Aussicht genommen stnd, weil der Artikel 264 des Dersailler Ver- trags dem entgegensteht. Dieser Artikel gewährt Deutschland die Vergünstigung, von der Reporationskommission einen Zohlungsauf- schub zu fordern. Die Reporationskommission kann nun entweder diese Forderung rmtdweg ablehnen oder an die Alliierten berichten. Darüber wird es jedenfalls zu einer eingehenden Beratung zwischen den Alliierten kommen. Während dieser Zeit werde jedenfalls der Zahlungstermin vom IS. Januar verstrichen sein. Frankreich selbst hat kein llakeresse an den Zahlungen vom 15. Zanuar und 15. Fe- bruar, weil diese einmal zur Befriedigung der belgischen Priorität und ferner als Entschädigung für die englischen Besotzungsunkosten dienen sollen. Würden aber die beiden genannten Alliierten darauf dringen, daß Deutschland diese beiden Zahlungen in vollem Umfange leiste, so würde stch Frankreich bereit erklären, als Mandatar der Alliierten gegen Deutschland Zwangsmaßnahme« zu ergreifen. Allerdings ist nicht damit zu rechnen, daß England und Belgien militärische Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland fordern würden. Dagegen wird Frankreich jedenfalls die Forderung er» heben, daß Deutschland gegenüber finanzielle Maßnahmen ergriffen werden, namentlich die Einsetzimg einer Sonkrolle über die Reichs- dank, damit die Ausgab« von Banknoten eingeschränkt werde, ferner wird Frankreich verlangen, daß eine energische Kontrolle über da« ganze deutsche Finauzgcbarcn ausgeübt werde. die Anklage im Jagow-�rozeß. Festungsstrafen für Jagvw, Wangenhcitu und Schiele beantragt. ' F. KL Leipzig, den 16. Dezember. Nach eintägiger Pause begann die Verhandlung gegen Iagaw, Wangenheim und Schiele am Freitag aufs neue. In Erwartung der Anklagerede des Oberreichsanwalts war der Zuhörerraum wieder sehr stark besetzt, trotz der Erschwer» nisse. die der Erreichung von Eintrittskarten entgegengesetzt sind. Bevor jedoch die Plädoyers beginnen, werden noch einige Schreiben verlesen, die eine Korrektur von Zeugen» ausiaqri darstellen. General v. Hülsen telegraphiert, daß nicht Ludendorss. sondern er selbst mit Lüttwitz im Auto gefahren sei und in einem anderen Dom'nicus, Südekum und Oeser folgten. Di« bestimmte Aussage Südekums, daß Ludendorff mit Lüttwitz gefabren fei, sei irrtümlich Auch T r a u b meldet sich noch einmal. Erst m,s den Zei- tungen hat er erieben, welche Wirkung feine kläglichen Aus» flüchte vor dem Reichsgericht hatten. Er hält es deshalb für nötig— ob aus eigenem Antriebe oder weil ibm Freunde rieten, bleibt unentschieden— dem Gericht brieflich zu ver» sichern, daß seine Bemerkung:„Wir waren ja olle nicht be» teilt gt" falsch verstanden sei. Cr leugnet feine aktive Beteiligung nicht, ebensowenig diejenige der Angeklaaten. Sodann beginnt der Oberreichsanwalt Ebermeyer feine Anklagerede mit einer kurzen juristischen Betrach» tung über die Frage, ob der 8 81. Abs. 2 des Strafgesetzb-ches. der von einem gewaltsamen Vorgehen zur Aenderuna der Verfassung spricht, überhaupt noch zu Reckt bestehe. Diese Frage ist bereits früher auigeworsen und schon in anderen Hochverratsprozcssen entschieden worden; die angeführte Be» stimmung besteht noch zu voller Geltung. Rur dieieniaen Be» sttmm"ngen des Strafgesetzluiches sind außer�Krast, dt« Vr Verfassung entgegenstehen. Die Angeklagten sind hesch"ldigs, sich als Mittäter an dem Unternehmer zur gewaltsamen Aenderung der Verfassung beteiligt zu haben. D Leipzig. 16. Dezember' sWTV.)?m Zagow-Prozeß vor den, Reichsgericht ergriff aisbold nach ErSsfnung der heuligeu Perhand- lung der Oberreichsanwalt da, Wort. Er bejahte tle Frage, ob das Kapp-Untcruehmeu strafbar nach§ 81, 2 lhochoerrat) ist. Es jci nicht richllg. daß da- weilerlagen der Nalioualoersammlung vcr- fassungswidrig war. Das Ziel Sapps and seiner Levle sei keineswegs gewesen, die angebllch verletzte Versassnag wieder» herzustellen, sondern an Stelle der bestehenden Verfassung gemalt» sam eine andere zu sehen. Die Verhandlungen hätten seines Erachtens ergeben, daß die drei Angeklagten als ZNittäler in Vetracht kamen, nicht nur als die Helfer. Sie hätten sehr wohl gewußt, was sie taten. Die Amnestie lasse alle srei, soweit sie nicht Urheber oder Führer seien. Es könne aber kein Zweifel dar- über bestehen, daß die drei Angeklagten Führer im Sinne des Gesetzes feien und demgemäß nicht unter die Amnestie fielen. Der Oberreichsanwalt beantragte am Schluß seiner über zweiflündi- gen Ausführungen onler Zubilligung mildernder Umstände gegen Z a g o w eine Festungsstrafe von sieben Jahren, gegen von Van- g e n h e i m und Schiele eine solche von je sechs Jahren. Tragik öer Konsumenten. Es ist eiit« eklige, aber unumstößliche volkswirtschaftliche Tat- jache, daß die Welt in Produzenten und Konsumenten zerfällt: in Leute, die etwas verkaufen, was man haben muß, und in die an» deren, die«!was haben müssen, was nur käuflich zu erwerben ist. Der Gegensatz besteht: er besteht bis zur Feindschaft. Er hat den Haß der Lohnsklav» gegen die Herren der Produttion gezeugt, Die einen machen ihr Geschäft mit der Not der anderen. Diese an- deren sind wir, die Konsumenten. Käufer sein, ohne selbst irgendwie am Markte teilzuhaben, sei es Äs Produzent, als ZwischenhäMer, Detaillist, Gewerbetreibentter, Rur»Käuser sein, lediglich mit dem Anspruch eines Scheinwertes (nämlich der Popiermark) ist unter den heutigen Verhältnissen fürchterlich. Man ist schutzlos der Gewinnlust preisgegeben. Wehe dem, der auf den Markt kommt, nur mit dem Lohn der Arbeit und Leistung? Ihm wird das wenige genommen. Der Preis der Sache, die man braucht, oerschlingt den Lohn. Denn mit dem Preis müssen wir den Gewinn bezahlen, den der Produzent und der wucherische Zwischenhandel zeitgemäß kalkuliert, indes der Lohn ganz unzeit- mäßig kalkuliert ist. Wir Komsumemen seufzen unter dem ungeheuren Auseinander- klaffen von Gewinn und Lohn. Der Gewinn ist so, daß der, der ihn einsteckt, auf dem verteuerten Markt noch immer ein« Rolle spielen kann. Der Festbesoldet«, der auf den Verdienst aus einer Leistung Angewiesene Hot sein« Rolle aus dem heutigen Markt aus- gespielt. Alle Preise, die ein Produzent lebenswichtiger Ding« fordert, sind(am Durchschnittslohn gemessen) heimliche Monopolpreis«, ver- schleiert« Wucherpreise. Der Wuchercharakter tritt um so deutlicher zutage, je höher der Sachwert steigt und der Geldwert sinkt. Rur bis Sack)? ist— Sache: Geld ist Dreck. Weh dir. Konsument, der du mit einem Päckchen Dreck auf den Markt kommst! Du verteilst es an Bäcker, Fleischer Schuster, Kohlen- mann, Kleider» und Steuermacher— und bist nackt, hungerst, frierst und wirst überdies noch steuerlich gepfändet. Fleischer'.»id Kleidermacher, Bäcker und Schuster haben einen ungeschriebenen Pakt geschlossen Jeder von ihnen kann kau'eii, was er brauch:, tsstl er zu verkaufen hat. was der andere braucht. Jeder kann sein Bedürfnis befriedigen, weil er selbst eines midern Bedürf- nie unmittelbar zu befriedigen hat. La» Geld spielt nur«in« Schein» roll«. In Wahrheit haben wir heimlich schon längst die primitive Form der Naturalwirtschaft. Mehl gegen Stosf, Leder gegen Fleisch, Schuh« gegen Zucker. Ethisch läßt stch überhaupt kein Gewinn rechtfertigen, der aus einer Sache kommt, di« für den Mittnenschen lebensnotwendig ist. Aber auch unterhalb dieser ethischen Forderung ist kein Preis für Kardinalprodukt«— sei es Mehl, Kohle. Kartoffel— wirtschaftlich gerechtfertigt. Der Konsument muß sich zum Maß aller Ding« machen. Ied« Art des Widerstands, der Protestes, der Gegenwehr ist wilitommen: jedes Mittel, das die Wirtschaft unter dos Bedürfnis und die Kon» troll« der Konsumenten bringt, sei begrüß. Ein« feste, militärisch disziplinierte Konsumentenorganisation. die durch ihre Vertretung die Produktion, insbesondere den Zwischenhandel kontroMert, ist ein Gebot der Stund«.__ H.N. Schiller-Theater:„Ein Mnkermärchen von Shakespeare. Di« Aufführung dieses selten gespielten Shakespearischen Märchenftückes, das man vor langen Jahren bei Reinhardt mit Else Heims in der Rolle der Hermione sab. gelang über alles Erwarten. Stimmungs- voll in bunt bewegten Bildern, deren Eindruck durch malerische, land- schaftliche Hintergründe feinsinnig unterstützt wurde, zogen die oben- teuerlich wechsclvcllen Begebenheiten vorüber. Die Verblendung des Leontes, der aus der Freundlichkeit, mit der Hermion«, die sittsame und schöne Gattin, den fürstlicken Gastfreund aus dem Böhmcrlande zum Derweilen einlädt, dos Gift des eifersüchtigen Wahnes saugt und, frevelnd die beste der Frauen von stch stößt: das Hirtentretben im Böhmerland, wo Pcrdita, von einem Schäfer gerettet und zur Jungfrau erblüht, in treuer Liebe dem böhmischen Königsfohn die Hand zum Bunde reicht. Endlich das strahlende Märchenwunder des Ausgangs, da die Statue der Verstoßenen vor des reuiaen Leontes Auaen erwachend niedersteigt, den Ga'ten und der Tochter neu geschenkt. Die Jahre schienen an Else Heims, die man als Gast gewonnen, fast spurlos oorüberaeoanaen. D!« gleiche fonnio-hell» Heiterkeit im Auftakte des Stückes, die gleiche überzeugend starke Kraft der Reinheit, als ste. für ihre U'stch'.ilb zeuat. Wunderbar rührend brachte ile die tiefe Poesie des Schlusses, den Wandel zur Be- fecluna. das Einströmen neuen, überschivänalich hoben Glücksgefühls zum Ausdruck. Jdr stand in Georg Paeschke ein in der ttiran- nisch zügellosen Wildbett des Tcmneraments trefflich gezeichneter Leontes aegenüber. Unter den Nebenfiguren traten mit choraktr- ristilcher Färbung der alte Schäfer Menzels,»le der biond-ein- faltig» Schäierfsbn Reinhold K ö st l i n«, vor ollem ober der shoke- fpearilch vollblütige, famcl« Gauner des Herrn Assred Braun her- vor. Fetzulein Edith Fritz oob in den, auch was dg« Enfemb!« in- langt, sehr gut gelungenen Schäferszenen, der Perdita, echt fugend- frische, halb übermütig«, halb innige Anmut. Rur ganz wenig« Lücken störten etwas in dem sonst geschlossenen Ganzen. ät. Pstichken des Theaterbesuchers. Die Dolksbühne gibt in ihrem letzten Nachrichtenblatt Anweisungen für dos Verhalten im Theater. die allgemeine Beachtung verdienen: Es ist selbstverständlich, daß nicht in allen Besuchern gleich ein volles Verständnis für die Femheiten künstlerischer Gestaltung be» steht. Es wird immer solche geben, die gerade bei ernsten, au» tiefftem Schöpferdrong gezeugten Werken zunächst unergriffen bleiben. Wer aber eine Vorstellung besucht, hat die Pflicht. Rücksicht auf di« Gemeinschaft zu nehmen, der er sich aus freien Stücken anschloß, d. h. Rücksicht auf ihren inneren Zweck: seine Schuldigkeit ist es, durch Selbstdijzivlin, durch angemessenes Bcnehmen die Hingebung der anderen nicht zu stören. Bon jedem Besucher ist zu verlangen, daß er pünktlich zur Vorstellung erscheint. Wer zu spät kommt, hat sich wenigstens nicht durch Betteten des Ztischausrroiimes während des Spiels oder gor störendes Aussuchen feines Sitzes unliebsam bemerkbar zu machen. Es ist gleichermaßen ein Zeichen von Unbildung wie von Rücksichtslosigkeit, wenn jemand während des Spiels mit seinen Nachbarn schwätzt, ißt, mit Papier knittert oder ähnliche störend« Geräusche verursacht. Auch neun Zehntel allen G« h u st e s und Geschnäuzes, das heute die Borstellungen durchtost, kann unter- drückt werden. Wo�irgendein besonders spannender Vorgang die Aufmerksamkeit packt, verstummen allgemein diese Geräusche von selbst: ein Beweis, daß ste nicht„naturnotwendig" sind. Zum mindesten sind stets erhebliche Dämpfungen möglich. Ungehörig ist es auch, in einem ernsten Stück lautzu lachen. selbst wenn man b.i einer Stelle einmal glaubt, daß etwas„komisch� wäre. Oft wird diese Auffassung ein Mißverständnis sein: aber auch, wo der Dichter vielleicht seiner ernsten Darstellung ein paar feine humoristische Lichter aussetzt— man denke etwa an die Eha- rakterschilderung Hsalmars in der„Wildente"—, zerreißt ein lautes Loslachen die Stimmung. Ein feinfühliger Mensch wird hier auch gar nicht in Versuchung kommen, sich durch vernehmliche Lachtöne bemerkbar zu machen. Je mehr sich scjmand zusammennimmt, s« energischer er jeder Versuchung zum Schwatzen, Husten usw. Widerstand leistet, je stärker er sich darauf konzentriert, dem Werke des Dichters zu foigen. je rascher wird er instand gesetzt werden, dieses Werk zu verstehen, um so mehr wird es ihm geben, umjogrößerenGenußwirder von de» Theater haben. Viue Atifrnng zu fffir« eiusb nlebribentschen Richters. fSret de» nttderveiltichin Hermann 2s k d o r f. der kärzllch reftorben ist, haben flch mü treten lämttlcher niedsrb«u!'ch«r ltirrarlsche« vereine»ujammeugelau, um«in« Htkluarm» vozdors» Sllsttmg WS Leb« zu r uj eu. GroßSerlln wokltat als Plage. Die Dänische Kinderhilfe hatte es sich auch in diesem Jahre nicht nehmen lassen, 2000 deutschen Kindern, die im Sommer in Dänemark Gastfreundschaft genossen hatten, zu Weihnachten zu Hauffs am Devisenmarkt. Die Veröffentlichung der deutschen Note über das Shin> dungsgefuch Deutschlands an die Entente bewirkte an der Börse zunächst eine Devisenhausse. Der Dollar stieg bis auf 203, ging aber im weiteren Verlauf auf etwa 196 zurück. Während man anfangs annahm, dah der Schritt der deutschen Regierung in Frankreich auf sehr starken Wider- Etand stoßen würde, neigt man jetzt zu der Aufsassung, daß. � v. � � � v. üe Regierung ihre Note in einem gewissen Einverständnis mit Z-Mn. daß ihre dänischen Freunde auch.etzt noch ihrer gedenken. maßgebenden englischen Kreisen abgefaßt habe und infolge- � ihnen.m grotzen Saal der Brauerei Fr.cdr.ch-Ham emen dessen einer einigermaßen verständnisvollen Aufnahme auch reichm G�bentisch aufgebaut, und sie können gewiß fem, dost in Frankreich sicher sein könne. Der Effektenmarkt deutsche Arbeiterkinder diesen Beweis internationaler zeigte im Hinblick auf die feste Haltung des Devisenmarktes ttrcundl.chksit. diese praktische Erziehung im Geiste der ebenfalls erhöhte Kurse. Bölkeroersohnung sehr wohl zu würdigen wisien und dank- --' baren Hcrzcns entgegennehmen. Wenn mir dies feststellen, so muß um so energischer gegen die A r t protestiert werden, in der die D o r st a n d s d a m e n vom Roten Kreuz, die mit der Leitung der Fwr betraut waren, dieses Fest internationaler Solidar'tät organisiert hatten. Man weiß offenbar in diesen Kreisen immer noch nicht, daß man«ine Kinderkeicr nicht wie eine Rekrutenbesichtigung auf- ziehen darf, daß man gerade solchen Bescherungen den Charakter der Wohltätigkeitsmacherei unter allen Umständen ersparen muß. Was man aber hier sah. spottete geradezu jeder Beschreibung. Man denke: Zu cin-r auf 3 Uhr angesetzten Feier werden Kinder a-s ganz Grost-Derlin auf'Ali Uhr vor den Festsaal bestellt! Mit einen? komplizierten Zweifarbcn- und Doppelkartensnstem werden lünstliche crganisatorische Schwierigkeiten geschaffen. Kopf- lose Borst ujdsdamen können sich des Nnstunns der erwartungs- hungrigen Kleinen nicht erwehren und müssen um 12 Uhr gegen die Kinder, die man beschenken will, eine Hundert- schaft Schupo aufbieten! Untcrdez frieren die Kleinen draußen vor den Eingängen bei 12 Grab Stalte weller Stunde um Stunde, sitzen sie nachher unge- frühstückt bis 4 Uhr vor gedeckten Tischen Und man läßt sie durch Der Näöchenmorü in Kleppelsöorf. Hirfchicrg, 15. Dezember. In der weiteren Verhandlung wird Frau Dr. Beier über das Verhalten von Frau Eckert vernommen. Pfand- leiher Lange» Hamburg: Im März 1320 kam der Angeklagte, den ich vorher nicht kannte, dos erstemal zu mir. Er brachte Ähmuck- fachen mit Brillanten zur Bcleihung. Ich taxierte die Sachen aus 60*) Mk. Der Angeklagte war damit einverstanden und nahm Pfandschein und Geld.— Vors.: Hat er gesogt, daß er die Brillanten im Auftrage seiner Frau verpfände?— Zeuge: Nein. Später ver- setzte er bei mir einen Regenmantel und«inen Pelzkragen, am 6. Dezember eine Menge Silber für 2300 Mark.— Dar'.: Ist der Angeklagte vorher bei Ihnen gewesen wegen der Pfandscheine über die Brillanten? Cr behauptet nämlich, seine Frau hätte die Pfand- scheine mitgenommen, weshalb er die Pfänder sperren lassen wollte. — Zeuge: Nein.— Rechtsanwalt und Notar R e i n i ck e- Itzehoe äußert sich über das von Frau Grupen hinterlassen« Vermögen. Die Pfandscheine über die Brillanten und das Silber habe er eingelöst, der Pelzkragen und der Regenmantel wart» verfallen. Aus dem in Ottenbüttcl verkauften Moblliar und der Wäsche der Frau Grupen wurden 29 000 Mark gelöst. Die Hypo» sheken gehörten nicht mehr der Frau Grupen, denn die hatte sie an den Angeklagten abgetreten. Heber das Bermägen der Frau Eckert kann Zeuge Näheres nicht angeben.— Staatsanwalt: Die von Frau Grupen gemieteten Stahisächer waren leerl— Dorf, lzum Angc- klagten): Was haben Sie in die Ehe eingebracht?— Lngekl.: Nur meine persönlichen Sachen und die Sachen meines Baters.— Uhrmacher August Heine- Hamburg: Bier oder fünf Monate nach seiner Nerheiratung lieh der Angeklagte 4000 Mk. Darauf brachte er mir drei goldene Ringe und einen Platinring. Zwei Ringe waren zerbrochen. Er sagte, ich solle die Ringe reparieren, er wolle sie einer Dame schenken, well seine Frau nach Amerika verschwunden fei. Nach einiger Zeit kam er wieder und sagte, ich solle die Ringe behalten für die tausend Mark, die er mir von den 4000 M. noch schuldete. Vors.: Angeklagter, wozu brauchten Sie vor Weihnachten die 4000 M.? Sie hatten sich doch am 24. Dezember 1920 bei der Perleberger Kreditbank gegen Verpfändung einer Hypothek für 23 000 M. laufenden Kredit oerschaift?— Angekl.: Die 4000 M. brauchte ich zu geschäftlichen De'orgungen.— Der Zeuge, bejaht die Frage des Staaisanwalts, ob die zerbrochenen Ringe nur durch große Gewalt entzwei gegangen sein können. Alsdann wird Mlhelm Grupen, der Prüder de» Angeklagte«. als Zeuge aufgerufen.— Bert. Dr. Mamroth bittet, daß er sich zu» nächst einmal gegen die Geschworenen wendet, weil ein Zeuge oaer eine Zeugin erklärt habe, Wilhelm Grupen habe ein u n h e i m- liches, stechendes Auge.— Der Zeuge berichtet zunächst über die Dermogensverhältnisie feines Bruders. Bei den unsicheren An- gaben des Zeugen ist es trotz oller Bemühungen schwer, über die einzelnen Geschäfte Klarheit zu bekommen..Tatsache ist aber,.daß der Angeklagte, als er im Gefängnis faß, dem Bruder eine Hypothek von 78 000 M. überschreiben ließ. Früher hatte der Bruder be- hauptet, daß er tatsächlich Forderungen In dieser Höhe an seinen Bruder halle. Heute gibt er an, daß er nach sorgfältiger Ueber- lezung doch zu der Erkenntnis gekomm«« sei, daß seine Forderung bin weitem nicht so hoch war.— Bors.: Warum mag Ihnen wohl Ihr Bruder die Hypothek übertragen haben?— Zeuge: Das weiß ich nicht.— Bors.: Ich weiß es auch nicht!(Heiterkeit.) Die weitere Aernchmung des Zeugen bezieht sich aus einen R e v o l v e r, der ihm von dem Angeklagten übergeben worden war. und er erklärt, daß er diese Waffe eines Tages in der Hand der Ursula gesehen habe und am Abend sei der Revolver verschwunden gewesen.— Staats- anwalt: Nachdem Sie am Nachmittag den Revolver in der Hand dc» Kindes sahen und abends fein Fehlen feststellten, haben Sie dann nicht wenigstens sofort noch Kleppelsdor� geschrieben, damit kein Unheil geschieht?— Zeuge: Nein, darüber habe ich mir auch Dar- würfe gemacht. Aber mein Druder wollte in ein paar Tagen zu- rückkommen.— Vors.: Inzwischen konnte in Kleppelsdars alle, tot- geschossen sein. An diese Ausführungen schließt sich ein Kreuzverhör über da» Laden des Revolvers.— Heinrich Grupen, des An- geklagten zweiter Bruder, ist nach dem Verschwinden der Frau Grupen mit seinem Bruder nicht mehr zufammengekommen. er kann daher keine Angaben über Frau Grupen» Verschwinden machen. Als Zeugen sollen zwei von der SraLtsanwaltschaft geladene Ein- wohner von Mehlbeck vernommen werden.— Vert. Dr. Ablaß widerspricht der sofortigen Vernehmung dieser Zeugen unter Be- rufung auf Z 245 Abs. 2 der Strafprozeßordnung. Nach etwa ein- viertelstündiger Beratung des Gerichtshofes verkünde» der Vorsitzende den Beschluß: daß der Antrag auf Aussetzung der Houptoerhandlung abgelehnt«verde, well es nach Lage der Sache irgendwelcher Er- kundigüngen nicht bedarf. Alsdann werden die zur Beurteilung von Truvens Charakter geladenen Zeugen vernommen. Gemüsehändler Haase-Altona kennt de» Angeklagten von der Schulzell her. Er behauptet. Grupen habe ihn bei der Bcrmitllung des von ihm, dem Zeugen, gekauften Grundstücks u m 20 000 M. betrogen. Die weiteren Zeugen sagen teils ungünstig für Grupen aus, indem wieder feint„Gefchöftstüchtigkeit' erwiesen wird. tell» günstig, indem sie seine Strebsamkeit und seinen Fleiß im Be- ruf und in der Baugewerischule anerkennen. Die Rochmittagssttzunq eröffnet der Vorsitzende mit der� Mit- teilun». daß soeben ein Telegramm der Polizeivcrwaltung in Itzebo? «ingegangen sei, wonach ein in Itzehoe wohnender Kolporteur gesehen haben will, wie Grupen seine Frau zwei Tage vor ibrem Verschwinden geschlagen und gewHrgt hckbe. Das Gericht hat beschlosien, den Zeugen Sonnabend zu laden. Dann wird in der Vernehmung der Leumundszeugen fortgefahren. Land- gerichtsrat D u b i e l wird über den vom Angeklagten aus dem Ge- fängnis an seine Schwiegennutier zu Händen de» Dankiers Guld- acker in Itzehoe geschriebenen Brief oernommen. Der Zeuge er- innert sich, daß Grupen in diesem Briefe mit Gefängnis gedroht habe, wenn sie über Wäsche, die zu seinem Haushalt gehöre, verfüge.� Er, der Zeuge, hatte aber nicht den Eindruck, daß Grupen mit diesem Briefe seine S�wicgermutter bestimmen wollte, zu seinen Gunsten auszusagen.— Lnaeklcgter: Ich habe vom Gefängnis aus meinen Verwandten gegenüber zum Ausdruck gebracht, wenn sie mich nicht richtig anreden wollen, sollten sie da» Bries'chreiben lieber unter- lallen.— Frau Eckert muß nun Angaben über den Evtwick- lungsgang der kleinen Ursula machen. Das Kind sei einige Wochen zu früh geboren worden. Es fei von Juaend auf lieb und gut und für alles sehr besorat oewesen. Schon als Schülerin babe Ursula selir auf Ordnung gehalten. In Jt-ehae und Ottenbüttel sei 1» öfters traurig gewesen und habe bei Tisch z,, weinen ongefanaen. 'nf die Frag« des Angeklagten bestüii"! Frau Eckert, daß du» Silber ihrer Tochter gebort Hobe. Mert« Mohr wird darauf eingehend über ZaR«nd In hall der m-f die Reste mitgenommenen Koste«»er« «ommen. Ihre Aussage« jiud sehr Uisc, est gar nicht zu verstehen, und unsicher. 32 PosiaBonn«iit«ii Wir biiten unsere Pcsfabcnnenten, damit jode Verzögerung in der Zustellung des „Vorwärts" für Januar vermieden wird, ihr Abonnement sofort bei dem zuständigen Postamt zu erneuern. BeiBestellunpen räch dem 20. Dezember Übernimmt die Post für verspätete Zustellung keine Verantwortung Vorwärls-Vasiag G. m. b. H« gib rem eine ganz unnötige Trennung von ihren Mütter so recht fühlen, daß sie zu einer, Beranstoltung" für andere, aber nicht zu einem Fest der Kinder geladen sind. So konnte es sogar dahin kommen, daß die allgemeine Erregung noch einen für Kindcrohrcn entsetzlichen Nachklang in den Schrei- k r a m p f einer Mutter fand, der mitten in die Friedensbotschaft des Weihnachtsengels während der Feier hineingellte und zu einer stimmungvcrnichtcnden Unterbrechung zwang. Unseres Wissens lag die Lettung der gleichen Veranstaltung im Vorjahre in den Händen der Arbeiterschaft, und es ist dabei keine cinziae Klag« laut geworden. Hier weiß man eben. wie man solche Dinge orgayisatorllch anpackt und wie nian sie so gestaltet, daß der Gedanke der.Wohltätigkeit" im üblen Sinne über- Haupt nicht aufkommen kann. Die Damen vom Roten Kreuz haben beides noch nicht gelernt, und darum sollten sie so lange ibr» Hände davon lassen, bis sie sich äußerllch und inner- lich darauf umgestellt haben, daß die Zeiten der Wohltätig- keits macherei vorüber sinb. Was man gestern erlebte, verkehrt den Willen der dänischen Freunde und der deutschen Ar- beiterschaft, die an diesem Werke der Hilfe und der Versöhnung mit- aearbeitct habcn.ün das Gegenteil. Und da» d a r f nickt sein. Denn Stunden der Völkerverbrüderung für Kinderberzen sind ups 1 it heilig, um sie durch imaeschickte Hände und unver- ständige Köpfe verschandeln zu lassen. Propaganda üsr Tat. Verhaftung einer Räuberbande. Die Ermittlungen des Raubdezernats der Berliner Kriminal- posizei haben ergeben, daß die In der letzten Zeit auszesührten Raubübersölle aus Bankhäuser, Postämter und Bauerngehöste soft ausnahmsweise auf das Konto einer Räuberbande kommen, die jetzt zum größten Teil u n f dann deien Gepäck alZ Vfand in icinen Gewahrsam nimmt. Ratürlich� verichw ndc' er damit und bar Scheck, den er de» Boten zur En'Iö'una iibereeben bat, ober tue Rechnimg die er sfir ibn einziehen'oll. sind ocsälschi. Tain« Beule, bw er«»l diest W'ise gemacht bat bettstist sich ber?".£ nur über eine halbe Million Mark. ZHi-c Zchivindelcien habe« für die Geichädigieit bereit» stbr schstmme Folgen gebebt. Ein Ubrmacher, der emen kehr aroßen Schaben erlitten hatte, bm sich au» diesem Grund« da» Leben genommen. Sine Schneiderwerkstatt hat ihren Kunden SO 000 M. ersetzen müsse«: die Folge davon war. baß das Geschä't zu'ammenbtach und die Frau dcS Inbabei» fleist?sg''ftölt wurde. Die Krtmtnalpoltzet warnt nochmals vor dem Schwindler. „Volk und Zell", unsere illustrierte Wochenschrift, ltegt der heutigen Postauflage bei. In einer ösfenllichen Volksversammlung, die in der P r a u e r e i K ö n i g st a d t stattfand, sprach Genosse Dr. Adolf Braun über Weltpolitik und zeigte die Ursachen. und Zvsamwendänae der gegenwärtigen Notlage des Volkes und des Reiches. Eine Gruppe angeblicher Obdachloser mochte sich nach dem Vortrage anmaßend breit, erhob eine Unmenge von Beschuldigungen gegen die Partei, insbe'ondere ober gegen die in Arbeit stehenden Arbeiter, denen jedes Verständnis und jegliche Solidarität gegenüber den Ar- beiislosen abgestrachen wurde. Die Genossen Franke, Kemnitz n. a. wandten sich gegen diese Konfusion, weit wirksamer aber ein junger Obdacklostr. der in den Sumpf hineinleuchtete, in dem ein großer Teil der Obdachlosen steckt, der zu„Aktionen" mst'brr-isit wird. Gegen Schluß bcichwerlcn sich die Kommunisten, nicht zu Wort gekommen zu sein, weshalb einem ihrer Redner außer der Reihe das Wort erteilt wurde. Er redete über die Einieuna in einer Weise, daß ihm der Referent in seinem Schlußwort empfahl, diese Einiaunasrede in den Versammlungen seiner Vartei zu halten. was er«ahrlcheinlick, nicbt tun werde. Genosse Braun zur Einigung in der Sozialdemekratischen Partei auf. Die Dcrsamm» lungsleitung mußte schließlich Maßnahmen treffen, um den juaend- lichen Obda-i'lostn. der die Wahrheit gesprochen hatte, vor„Beifalls- kundaebunaen" seiner Schicksalsaenossen in Sicherheit zu bringen. vis Elntlchlung einer freien Schule für Spandau zu Anfang stanuar isi von dem Kultusminister genehmigt worden, insolgedefiri, isi auf Grund de? BeschliisseS einer Eltetuversommltuig der Friien Schulgesell'.iiast in Spandau der Schnisireik mit dem�l 5. Dezember nackt einer Dauer von vier Monaten abgebrochen worden. Gebühren erhöhnnq in den städiischcn Ambttlalorleu. Obgleich die Finanzlage der Stadt bereits vor längerer Zeit eine Erhöhung der Eebiihreti für Salvarsamnstktlonen. Wasstrmannsche Reaktionen, medizinische Bäder, Röntaen. und Lichtbebandlung in den städtischen Ambulatorien erfordert hätte, ist mit Rücksicht auf den Charakter der Ambnlaiorien bisher davon Abstand genommen. Nunmehr hoben aber die Selbstkosten für die den Behandelten nercbsolgten Heilmittel, besonders die Kosten für Röntgen- und Lichtbehandlung, eine solche Höh« erreicht, daß sie mit den Er- hebungssätzen nicht mehr in Emklong zu bringen sinid und daß demzufolge ewe Erhöhung der Preise eintreten muß, die sich jedoch ln mäßigen Grenzen halten wird. Wetter für ntorge«. Berlin und Nnigegeud. Ziemlich trübe und neblig mit gerlnarn Aledreichtügen, möhixen füdwesMchen Linden und langsamer ivritcrer Erwärmung. Oewerkl'chaftsbswegung Keife im tzochbahneeftrsik. Stadtbourat Dr. Adler oerhandelte heute morgen zunächst mit den Vertretern der Streikenden, den Vertretern de» Verkehre- bundes und de» Betriebsrates der Hochbahn, um eine Einigung her» beizufllhren. Von der Verwaltung der Hochbahn wurde gesagt, daß sie„auch heute an und für sich bereit sei, zu einer Einigung zu ge- langen", doch sei sie„auf jeden Fall gewillt, die prinzipielle Auer- kcnnung des vor dem Rcichsarbeitsministerium geschlossenen Ver- gleichs durchzusetzen". Dos zeugte weder von sachlicher Beurteitung der Dinge, noch vom Einigungswillen. Die Hochbahnucrwalkung faboklerk die Einigung. Die Direktion der Hochbohngefellschaft teilte der„D. Z." mit, daß es ihr unmöglich sei, der Anregung Dr. Adlers Folge zu leisten. Sie verharrt auf ihren Standpunkt der Fiktion eines Tarifabschlusses. Die Unmöglichkeit besteht lediglich in ihrer hartnäckigen Wei» gerung, den Angestellten im geringsten entgegenzukommen. Die ■ Folgen gehen auf ihr Konto. Es steht jetzt die Frage zur Entschei- ounq, ob der Machtdünkel dieser Gesellschaft oder das Verkehrs- bcdürfnis der Berliner Einwohnerschaft da« Wichtigere ist. Zur Entlassung von �ucharbeitern. Nach Mitteilungen aus dem Reichsarbeitsministcrium hat die Entlassung solcher Facharbeiter, die in einem fremden Beruf Stellung gefunden hatten, zurzeit aber in ihrem erlernten Berus drinaeud gebraucht wurden und sofort in Arbeit treten konnten, zu Differenzen geführt. Der Reichsorbeitsminister hat nach dem Gewerttchastluben Nachrichtendienst in folgendem Rundschreiben zu dieser Frage Stellung genommen: „Wie mir mitgeteilt wird, ist die Entlassung von Facharbeitern, die in ibrer Arbeitsstelle entbehrlich, an anderen Stellen des Wirt- schasislebens aber dringend votwendig find, dadurch erschwert w�r- den, daß auch in diesen Fällen der ß 12 der Verordnung vom 12. Fe- bruar 1920 angewendet worden ist. So ist Insbesondere verlangt morden, daß die Arbeit in einem Betriebe gestreckt werde, ehe Baufacharbeitc r, die in diesen an sich berufsfremden Betrieb über- gegan"?», dort aber entbehrlick waren, entlassen werden dürften.. Diese Aufsassung entspricht den Absichten nicht, die der Gesetzgeber mit dem ß 12 der Verordnung vom 12. Februar 1920 vcrfalgt bat. Diese Bestimmung beschäftigt sich, wie.schon ibr Wortlaut ergibt, nur mit Entlassungen aus Anlaß der Wiedereinstellung van K-iegs- teilnehmern oder zur Verminderung der Arbriwehmerzahl Wenn die Entlassuna von Arbeitnehmern mit Rücksieht auf drin» gende volkswirtschaftliche Bedürfnisse erfolat, um die Entlassenen aus diese Weise zur Rückkehr in Ihren alten Be. ruf zu veranlassen, wird regelmäßig angenommen werden müssen�, daß sie« i cht zur Verminderung der Arbeitnehmerzahl ge» schieht." Es liegt im Vorteil der Arbeiter und vor ollem der immer noch zohlrelck-n Arbeitslosen, daß, wo immer möglich, der bestehend« Mangel an Facharbeitern so schnell wie möalich behoben wir''. Sehr oft würde es möglich sein, ungelernte Arbeiter in gröberer Zahl zu beschäftigen, wenn nur Facharbeiter zur Verfügung ständen. Das Mitteilungsblatt des Schllchlungscussck.usses Groß-Verll« mußte mit Heit v seine» 3. Jahrganges vom 80. September fein Er» icheinen einstellen, da die Aufsichtsbehörde die Zahlung des bis da- hin geleisteten Zuschusses eingestellt hat. Das neu geschossene pari- lätische Kuratonum hat jedoch nunmehr befchlossen. das Mitteilvras- blott weiter erscheinen zu lassen und zwar jeweils am 10. und 25. jeden Monats. Am 10. Januar beginnt der 4. Jahrgang. Der In- halt soll nach streng unparteiischen Grundsätzen ohiie Rücksicht aus Sonderinteressen der Arbeitgeber oder Arbeitnehmer zusammeuge, stellt werden. Das Blatt ist vom Dbrlag Arthur Sck.olem, Berlin SW. 19. Beuthstr. 6. zum Preise von 12.50 M. vierteljährlich zu be- ziehen. Die Arbeitslosigkolk in der Schweiz hat im November eine Zu- nahm« um 3509 cul 137 500 teilweise oder aänz'ich Arbeits- loie erfahren. Die Zahl der gänzlich Arbeitslosen stieg um(5�00 auf 86 700. Währenb T ertil- und Sck.wuckwarenindustrie einen günstigen Starb aufweisen, Ist der der Industrie im allgemeinen, insbesondere der Metall- und Maschinenindustrie. wie auch in der Leben,, und Genuf mittetbranche und der Holz, und Glosbeorbeitung ungünstig. 61 600 Arbeiter find gönzlich arbeitslos, 19000 sind mit Notstands- arbeiten b-ächäßigi. Bersny». egr 6r« r«d->n. Seilt®». fgetit« gtcifr»,»fütrlellenSutit: för Wh. tt. ftlBCte, gttrtin. Verla« Varoiorta-feerTag®. m. b. Sertin. Druck: 8or»StU-8u4bni4*t«t s. SttlatMnftclt«aal Sin, ei u. Berlin. Lindensir. 1 •'&, � iN-'*>■'V:M".>■-. y-s-v4�*"-v'..• Aussergewöhnlich billige (8eliiiMclls-flB!ei»te Trotz enormer Teuerung grcsste Preiswördigkeit SSCCO'AOZufjfi blau und farbig, I» oder Oraihlg..,.K, SOCCO'Än��SOS la Verarbeitung, gediegene Stoffe... U- SSCC0-Än2ljie eleganter Schnitt. Eraetx für Met. tob M. Herren-yiSter I u. II reihig, in verschied. 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