Nr. 594 ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe A Nr. 300 Bezugspreis: S5tcrtclj(U)rL 45,— M., mono», 15,— M. (tei ins Siaus, voraus zahibar, Postbezug, Monatlich 12.— M. einschl. Zu- flellungsgebllhr. Unier Kreuzband nir Poutschland, Danzig. das Eaar- und Wemel-iebiet.' wwie die ehemals deui- -men(Sebiete Polens. Oesterreich- Augarn und Luxemdura 25.— M., fiir das iidrige Ausland 32,— M. Post- besteUungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tichecho- Slowakei. Däne- mark. Holland. Luremburg. Schweden und die Schweiz. Der„Vorronns" mit der Sonntagsbeilage„Polt und Zeit", der Unter- haltungsdeilage �Heimwelt" und der Beilage»Siedlung und Kleingarten" oricheinl wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: »Sozwldemokro« verlin" Morgen-Ansgabe ZZerliner Volksblstt ( so pksnnig) Anzeigenpreis: Die xehngespaltenr Nonpareillv.eile lostet M.»Slelo« Anzeigen- das letlgedrucklc Wort 3,— AI./. Ahr nachmittags im Hauvtgeschäst. Berlin SW W, Linden- ftraße ll, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr srilh dl» 5 Uhr abend». Zentralorgan der sozialdemokratischen parte» Deutschlands Reüaktivn unü Expedition: SW bS,£indcnf(r. 3 �prtiilirrriirf Redaktion Morit-plat, 1&IU5-97 iyern»prca)cr. �p�ition Morit-vla« 11753—54 Sonnabend, den 17. Dezember 1921 vorwarts-verlag G.m.b.H., EW SS, LinSenstr. 3 - Brrlag.«xprditio» und Inseraten- ffrynipwaicv. j(btrilun|, Morinplatz 11753-34 Englische Erklärung Zur deutschen Note London. 16. Dezember.(WIB.) Reuter erfährt von amtlicher britischer Seite, das, die Rote der deuischcn Regierung an die Reparationskommission, worin sie erklärt, dah sie nicht in der Lage ist. die Januar- und Aebruarzahlungen voll zu leisten, nicht überraschend komme. Es bestehe jedoch die Ansicht, das, es ganz gut sei. das Schlimmste zu wissen, und von diesem Standpunkt gesehen, werde die Mitteilung der deutschen Regierung dazu dienen, die L u f t zu reinigen und die gesgmte Frage zu einer Entscheidung zu bringen. 3m Augenblick bestehe keiner- tei Reizung, den britischen Standpunkt darzulegen. Es werde erklärt, daß man sich, obwohl zahlreiche Dorschläge vorhanden seien, noch für keinen endgültigen Plan ent- schieden habe. Man erkenne immer mehr, daß diese Frage mit der allgemeinen Frage der Schwierigkellen in Europa verknüpfi sei. Angesichts dieser Talsache sei es unmöglich, irgend eine Erklärung über die Politik hinsichtlich dieser besonderen Seile der europäischen Lage abzugeben. Es könne jedenfalls als sicher gelten, daß Großbritannien keinerlei Ansuchim seitens Deutschlands zustimmen würde, außer unter bestimmt gefaßten Bedingungen. ♦ Biel unklarer ist bis zur Stunde die Haltung Frankreichs. Zweifellos ist die französische Regierung anläßlich der Mission Loucheurs in London auf die Stel- lungnahme des englischen Kabinetts vorbereitet worden, und darum ist sie ihrerseits bemüht gewesen, die Oeffent- lichtest ihres Landes auf eine Wendung der Dinge vorzube- reiten. Daß dies keine leichte Aufgabe ist, kann man sich, wenn man die gesamte politische Einstellung des maßgebenden na- tionalen Blocks in Betracht zieht, leicht vorstellen. Auch fehlt es nicht an Blätterstimmen, die auf die deutsche Mitteilung mit kriegerischen Fanfaren reagieren und die Regierung auf ein „Niemals!" festzulegen versuchen. Es scheint sogar, daß die meisten Preßorgane diesen unerbittlichen Ton anschlagen. In- dessen sind dabei Nuancen in diesem Konzert der Unent- wegten festzustellen. So sind die Ausführungen Sauerweins im„Matin* wesentlich ruhiger, als man es gerade in diesem Boulevardblatt erwarten konnte. Die Bemerkung Herolz in der„Bictoire", daß vor zwei oder drei Monaten bei einer solchen deutschen Note alles in Frankreich in die Luft gegangen wäre, während die jetzige Ankündigung Deutsch- lands nur als der Prolog zu einem großen Stück, dessen Ausführung in London bevorstehe, betrachtet werden müsse, dürfte die Ansicht der orientierten französischen Kreise richtiger widerspiegeln, als die aufgeregten Wutausbrüche des„Excel- sior" oder des„Echo de Paris". Man scheint sich in amtlichen französischen Kreisen mit der Tatsache einer Aenderung des Reparationsplans allmählich abzufinden: um so größer ist ober das Gewicht, das man den neuen Zwangsmaß- nahmen beilegt, die man als„Gegenleistung" für einen Berzicht auf die strikte Durchführung des Londoner Ultima- tums von England fordern wird. Den Gedanken an mili- tärische Maßnahmen wird man wohl nur noch der Form halber aussprechen, denn man ahnt, daß man diesmal damit nicht wieder bei England durchkommen wird. Dafür wird für weitgehende finanzielle Maßnahmen Stimmung gemacht, u. a. für die Einführung einer scharfen Finanz- k o n t r o l l e über Deutschland. Wie sich England zu diesem Vorschlag stellen wird, läßt sich noch nicht von hier aus beur- teilen: der Grad des englischen Widerstandes dagegen dürste vondemGradderOpserwilligkeitdesReichs- icigs bei den kommenden Steuerberatungen abhängen. Alls Augen sind bereits jetzt auf die bevorstehende Z u- sammenkunft zwischen Briand und Lloyd G e o r g e in London gerichtet, die in der Tat von entscheiden- der Bedeutung sein dürfte. Briand dürfte sich dort, wie bei fast allen früheren Anlässen, auf Belgien stützen können. Er hatte vorgestern in Paris eine Unterredung mit dem bel» gischen Außenminister I a s p a r. der in einem Interview von der Notwendigkeit einer pünkllichen Bezahlung der Ja- nnar- und Februarraten sprach, auf die Belgien wiederum ein Prioritätsrecht besitzt, und daher auf keinen Fall verzichten will. Ueber Italiens Haltung liegen bisher keine Nachrich- ten vor, auch Blätterstimmen sind bislang nicht bekannt ge- worden. Anzunehmen ist, daß Italien im allgemeinen den englischen Standpunkt teilt, aber die früheren Ersahrun- gen lehren uns, daß es, ebenso wie Belgien, eine Vermittler- rolle zwischen Frankreich und England zu spielen geneigt ist und die letzten Entscheidungen stets zu Frankreichs Gunsten beeinflußt. In dieser Hinsicht dürfte sich della Torretta kaum von seinem Vorgänger Sforza unterscheiden. Jedenfalls steht man an einem Wendepunkt der Geschichie der Nachkriegszeit. Wie sehr die neue Londoner Konferenz für die künftige Weltpolitik ausschlaggebend sein dürfte, mag man aus der Tatsache erblicken, daß Lloyd George gestern auch mit K r a ss i n längere Zeit konferiert hat und daher die Annahme berechtigt ist, daß nicht nur die Frage der deutschen Reparationen, sondern auch das ruf- fische Problem dort neu aufgerollt werden wird. Die Einsicht des Lordkanzlers. London, 16. Dezember.(WTB.) Der Lordkanzler Lord Parteitaktik über vaterianö! Mit der Absendung der�Note vom 14. Dezember hat die deutsche Regierung einen Schritt unternommen, von dessen Ausgang für die Zukunft Deutschlands unendlich viel abhängt. Man kann zu ihm und zu der ganzen Politik, die ihm vormisgegangen ist, wie immer stehen, aber nian kann sich nicht gleichgültig zu ihm verhalten und man kann ihm keinenMißerfolg wünschen. Gleichgültigkeit wäre ....... x......._..,,> Mangel von Anteilnahme an den Schicksalen des deutschen / n!' r*e" e,ner..r'. s�sliche Fmanzleute Volkes, der Wunsch nach einem Mißerfolg aber wäre gleich- und alle Professoren der Nat.onalokonom.e hatten vollkommen! �deutend mit feindseliger Haltung. Unser Bolk hat in den Bankrott gemacht. Tatsache sei, daß diese Leute während schwieriger Zeiten nur wenig Rat erteilen könnten. Denn die De- Zahlung von Reparationen von den früheren Feinden in einem solchen Maße, wie es geplant war und von hohen Finanzaulorltäten empfohlen wurde, fei unmöglich und könne einfach nicht erfolgen. Die Lage sei einfach die, daß die gesamte Well allmählich zu der Einsicht gekommen sei. daß diese ungeheure Summe tatsächlich nicht eingetrieben werden könne. Lord Birkenhead führte weiter aus, wenn die Regelung der Weltfragcn in feiner Hand läge, so würde er Deutschland erklären:„Ihr müßt alle Verwüstungen Frankreichs und Belgiens wieder gut machen durch Arbeil und Rlateriallieferungen!" Das würde mehr wert sem<�z die Verurteilung aller deutschen Kriegsverbrecher. Es sei wahr, daß Deutschland nicht unmittelbar Reparationen, die es den Alliierten schulde, erlassen werden könnten, und es sei notwendig, daß jede Regelung mit Bedinguigen ver- knüpft werde. Die Alliierten könnten beispielsweise nicht ohne Be- sorgnis die unbegrenzte Ausgabe neuen Papiergeldes in Deutschland mit ansehen. Alle diese Fragen müßten jedoch nur geregelt werden als Ergebnis elnes Uebereinkommens zwischen Frankreich und England. Birkenhead sagte unter Beifall: Wenn wir eine Regelung der irischen Gefahr gesichert haben, wenn wir' die Rechnung zwischen den Mächten in Washington gesichert haben, so werden wir harmonische Beziehungen mit den Vereinigten Staaten erreichen und wir werden den größten Anlaß zu Meinungsverschiedenheiten mit Amerika be° seitigt haben. Unsere nächste Aufgabe muß dann fein, uns an die Wiederher st ellung Europas, des europäischen Handels und der europäischen Industrie zu machen.(Lebhafter Beifall.) Eine europäische Wiedcraufbaukonfercnz? London, 16. Dezember.(WTB.) Der Londoner Berichterstatter des„Manchester Guardian" meldet, Lloyd George beabsichtige eine allgemeine europäische Konferenz über den Wirtschaft- lichen Wiederaufbau vorzuschlagen. Diese werde in e r st e r L i n i e eine Konferenz der Alliierten sein. Es würden jedoch auch die Ansichten Deutschlands und Oesterreichs angehört werden. Amerika würde an dieser Konferenz nicht teilnehmen. Cnöe öes tzochbahnerftreiks. Eine Vollversammlung der Funktionäre in den Verkehrsgewer- den Groß-Berlins(Hochbahnen. Straßenbahnen, Omnibusbetrieben usw.) nahm gestern abend in der Bockbrauerei Stellung zu dem Streik der Hochbahner. S i e m a n n entrollte ein Bild von den bisherigen Ver- Handlungen und sprach die Erwartung aus, daß die Kollegen vom Berkehrsgewerbe sich mit den Stteikenden solidarisch erklären würden. Inzwischen war die Verhandlungskommission erschienen, für die K n o b e l berichtete. Das Ergebnis der Derhandlimgen sind folgende Bereinbarungen: Die Belegschaft nimmt die Arbeit zum nächsimöglichen Termin wieder auf. Die hochdahngesellschask wird eine noch vor Tveihnach- ten zahlbare einmalige außerordentliche Familien- beihilfe gewähren, und zwar für Ledige und Berheiralete ohne Sinder Sl> M.. Berheiralete mit 1 bis 2 Kindern 100 M.. mit drei und mehr Sindern 150 Zll. Die für Dezember vereinbarlen Lohn- Zulagen. 1virtsck:aftsbcihilfe und sonsilgen Bezüge bleiben be- stehen. Die Streiktage werben nicht bezahlt. Die Wiederaus- »ahme des Betriebes findet voraussichtlich im Laufe des morgigen! nachmittags stall. Danach werden folgende Wirtschaftsbeihilfen für Dezember be- willigt: Jugendliche 75 IN.. Ledige und verheiratete ohne Kinder 200 IN„ Verheiratete mit 1—2 Kindern 250 IN.. Verheiratete mit drei und mehr Kindern 500 M. Der Schiets'pruch vom 9. Dezem- der bewilligte den Jugendlichen und Verheirateten ohne Kinder 25 IN. mehr. A m b e r g erklärte, daß die in den anderen Verkehrsbetrieben beschäftigten Kollegen sich von vcrnherein auf den Standpunkt stellten, daß der Kamps der Hochbahner auch ihr Kampf sei. Diesem Standpunkt wurde auch durch Annahme einer Resolution Ausdruck gegeben. Noch Schluß der Versammlung blieben die Funktionäre der streitenden Hochbahiier im Saal, um über Annahme oder Ableh- nung des Angebots der Direktion zu beschließen. Es folgte eine längere Aussprache, nach der das Angebot gegen 8 Stimmen angenommen und beschlossen wurde, im Lauf« de, heutigen Tage» einheitlich die Arbeit wieder auszunehmen. Unser Volk hat in letzten drei Jahren Furchtbares ertragen, und man braucht noch kein Deutscher, sondern nur ein Mensch mit menschlicher Gesinnung zu sein, um zu wünschen, daß sich der Nebel endlich lichten, sich endlich ein Ausweg ins Freie zeigen möge. Im Interesse dieses Volkes und der stanzen Welt, die durch den „Siegfrieden" der anderen in schwere Wirrnis gestürzt ist, muß man hoffen und muß man als politisch handelnder Staats- bürger das Seine dazu beitragen, daß der Schritt der Re-- gierung von Erfolg gekrönt werde. ' Es wäre gut, wenn alle so dächten, aber leider denken nicht alle so. Wir erleben jetzt das anwidernde Schauspiel, daß gerade diejenigen Parteien, die sonst die„nationalen Interessen" und die„nationale Einheitsfront" am lautesten im Munde führen, eine große nationale Angelegenheit lediglich aus dem Gesichtspunkt ihrer kleinen p a r t e i t a k: i s ch e n Interessen behandeln. Dieses Treiben verdient, mit oller Rücksichtslosigkeit an den Pranger gestellt zu werden An seiner Spitze steht die sogenannte„Deutschnational« Partei". Sie sieht nicht und will nicht sehen, was für das deutsche Bolk ans dem Spiele steht, sie sucht nur nach einer Gelegenheit zu beweisen, daß sie recht gehabt hat. Darum stimmt sie über den angeblichen„Bunkerott der Erfüllungs- Politik" ein förmliches Triumphgeheul an. Sie will damit nichts anderes, als die Tatsack)c verhüllen, daß ihre eigene Politik in Gefahr des Bankerotts steht. Denn wenn der 15. Januar, trotz des beaiittagten Zahlungsaufschubs, ohne schwere Folgen für Deutichland vor- übergeht, wenn darüber hinaus eine Rationolifierung und Er- leichterung der deutschen Zahlungspflichten erreicht wird, dann ist klar das Unrecht derer erwiesen, die uns im Mai d. I. den Rat gaben, durch Ablehnung des Londoner Finanzultimatums die Besetzung des Ruhrreviers und die Zertrümme- rung Deutschlands herbeizuführen. Dos wäre dann in der Tat der Bankerott der nationalistischen Politik und der Erfolg der Erfüllungspolitik. Wir wollen uns nicht ausschweifenden Hossnungen hingeben, aber was unsere Hoffnung ist, das ist die Furcht jener Leute, die sich die„Deutschnationnlen" nennen. Darum schwindeln sie von einem„Bankerott der Erfüllungspolitik", dem die Demission der Regierung folgen müsse. Darum ver- künden sie, unter Verdrehung der Tatsachen, triumphierend, daß sie recht beholten hätten. Was s i e schon immer voraus- gesagt hätten, sei jetzt eingetreten: Deutschland könne nicht bezablen! Mit bewußter Unehrlichkeit stellen sie die Dinge so dar, als ob das Wesen der sogenannten Erfüllungspolitik in dem Glauben bestünde, Deutschland könne die Lasten des Finanz- diktats dauernd tragen. Das Wesen der Erfüllungspolitik be- steht aber in der politischen Erwägung, daß man der Welt die Unmöglichkeit der Londoner Finanzbcdingungen nicht durch nationalökonomische Doktordissertationen, sondern nur durch die Tat beweisen kann. Dieser Beweis ist jetzt bis zu dem Grade geglückt, daß die Londoner Finanzwelt ihn als erbracht ansieht/ Was soll da das scheinheilige Gejammer über die Milliar- den, die in das Faß ohne Boden geschüttet worden sind, über den Stand der deutschen Mark? Wer glaubt, daß wir diese Milliarden hätten Iparen können,-daß die Mark heute besser stünde, wenn die Franzosen am 12. Mai ins Ruhrrevier ein- marschiert wären!? Ein nicht geringeres Maß von Vcrantwortungslosigkcit als die Deutschnationale beweist aber auch die Deutsche Volkspartei. Auch sie macht die entscheidungsschwere Lag«, in der sich das deutsche Bolk heute befindet, einfach zum Gegenstand einer parteipolitischen Spekulation. Sie spricht jetzt von einer Umbildung der Regierung auf der„breiteren Basis", wobei die Frage osfen bleibt, ob sie sich gegen Aus- lie'serung einiger Ministersessel mit Herrn W i r t h als Reichskanzler abfinden würde, oder ob sie wirklich so gewissenlos ist, mitten im Zuge einer großen außenpolitischen Aktion eine neue „Krise mit ratlosem Ausgang" eröffnen zu wollen. Deutlich erkennbar ist nur, daß die Deutsche Voltspartei mit kaum noch begreiflicher Kurzsichtigkeit gerade den gegen- wärtigen Augenblick für günstig hält, um in die Regie- rung vorzustoßen. Woher dieser plötzlich neu erwachte I Eiser? Fürchtet man vielleicht, die vielbcfehdet? Regierung Wirth könnte einen weithin sichtbaren außenpolitischen Erfolg erringen und man könnte dann nicht dabei gewesen sein? Wünscht man nock) im letzten Augenblick mit ins poliiische Ge- schüft zu kommen? Oder will man wirklich die Veraiitwortung auf sich laden, den Sturz der Regierung herbeizuführen, noch z ehe entschieden ist. ob ihr Schritt Erfolg hat oder nicht?. Dazu kommt noch etwas sehr Peinliches. Wie einst die 'Kreuzfahrer gegen die Türken zogen mit dem Rufe„Gott will es!", so unternimmt die weiland Nationalliberale Partei ihren entschiossenei! Sturm auf die Ministersessel mit dem Rufe: „England will es!" Immer wieder wird einem in Zeiwngsnotizen, Reden, Andeutungen aller Art der Gedanke cntgegengetragen, die Aufnahme der Partei Strefemann flies: Striefemen) sei unvermeidlich, weil„einflußreiche eng- Zische" Kreise sie wünschten. Die Sache wird noch peinlicher durch den Umstand, daß auch dies ein parteitaktisches Schwin- delkunststück ist, denn die„einflußreichen englischen Kreise" sind sicher zu taktvoll, um sich auf diese Weis« in die parteipoli- tischen Verhältnisse Deutschlands einzumischen. Es muß offen ausgesprochen werden, daß man sich in sozialdemokratischen Kreisen von diesem Treiben höchst abge- stoßen fühlt. Die Deutsche Volkspartei soll lieber ihre Karten aufdecken und sagen, was sie will und was sie denkt. Entweder sie hat sich davon überzeugt, daß die bisherige Politik der Re- gierung richtig war, dann soll sie diese Politik im Interesse des deutschen Volkes und ohne Haschen nach parteipolitischen Vor- teilen loyal unterstützen, oder aber sie hält diese Politik für ialsch, dann muß sie den Sturz der Regierung Wirth und die Bildung einer Regierung von Gegnern der bisherigen Politik anstreben, also einer Regierung, in der d i e S o z i a l- demokraten nicht mehr sitzen werden. Aber auch in diesem zweiten Fall hat sie dem Volke gegenüber die verdammte Pflicht, zunächst einmal Gewehr bei Fuß stehen zu bleiben und im Zuge einer bedeutungsvollen außenpolitischen Aktion alle parteitaktischen Manöver und Quertreibereien zu unterlassen. Das Verhalten der Deutschen Volkspartei wäre geradezu unverständlich, wenn man nicht eben wüßte, daß Herr Stinnes dahinter steht. Wir wollen die Indiskretionen nicht fortsetzen, in denen sich wieder einmal ein Teil der Ber- liner Presse gefällt, indem er aus den vertraulichen Beratungen des Auswärtigen Ausschusses allerhand Pikantes be- richtet. Nur so viel mag gesagt sein: Herr Stinnes, der ge- miß ein ungewöhnlich tüchtiger und erfolgreicher Kaufmann ist, erweist sich mit jedem politischen Auftreten mehr als ein ratloser Dilettant in der Politik. Die Nationalliberale Partei, die sich jetzt die Deutsche Volkspartei nennt, stand im Kriege unter dem Kommando eines militärischen, jetzt steht sie unter der Leitung eines kapitalistischen Halbgottes— aber zu einer Führung durch Politiker hat sie es noch niemals gebracht. Darum hat iie geholfen, den Krieg zu verlieren, darum hilft sie jetzt den Deutschnationalen auch im Frieden zu verlieren, was sich sonst noch retten läßt. Uns aber ist die Entscheidung über das Schicksal Deutsch- lands zu wichtig, als daß wir auch nur die geringste Rücksicht nehmen könnten auf die wechselnden taktischen Einfälle des Herrn Stinnes, denen, am goldenen Zügel geleitet, die Deutsche Volkspartei willenlos folgt. Llopö Georges Reüe. London. 16. Dezember.(MTB.) Lloyd Ccorge erklärte in semer Ansprache an die Arbciterdeiegationen welter: Er sei in dieser Frage keineswegs frei. Er sei verpflichtet, daraus zu sehen, daß Deutschland bis zpr äußersten Grenze seiner Leistungsfähigkeit gehe. Lloyd George stäche, ob er vielleicht sagen solle, die englische Ar» beiterpartei habe ihn dringend ersucht, Frankreich zu erklären, daß er Frankreich bei dessen Forderungen nach Reparationen für die verwüsteten Gebiete nicht unterstützen könne. Dos sei nie» mal? vorgeschlagen worden. Seiner Ansicht nach bestehe in Wirk- lichkeit keine ernste Meinungsverschiedenheit zwischen der Arbeiter- Partei und irgend jemandem In dieser Frage. Die Schwierigkeit sei mir, die beste Methode ausfindig zu niachen, um die Reparationen hereinzubekommen. Es fei klar, daß die Bezahlung der Reparationen Deutschland schmerzen müsse. Die Nichtbezahlung aber würde Frankreich zweifellos sehr schmerzen. Die Autoritäten der ganzen Weit hätten danach gestrebt. den besten Weg zu finden, um die Reparationen, die Frankreich Deutscher und lateinischer Humor. Bon Max Hochdorf. Man spielte im Slaatstheater Georg Büchners schnörkelig revolutionäre Komödie„Leonce und Lc na" und des Italieners Carlo Goldoni Harlekinade»Der Diener Zweier Herren". Die sehr verschiedenen Humore, die über die Bühne sprühten, verrieten beinah« so etwas wie Rasteneigentllm- lichkeit. Hier der schwermütig eingestimmte» immer zur Aufstands- Phrase bereite Deutsche, desten knabenhafte Jugend sich unendlich beißend entlädt. Der deutsche Jüngling lehnt sich gegen alles auf, was feine Zeit seinem Gehirne bot, gegen Kaniische Eittenstmge und monarchische Dummheit, er.ist ein Stürmer und Drönger, ein unseliges Genie» das imstande war, selbst in die Komödie seine hohe Wissenschaft hineinzutragen. So jung und so unselig schon, schon so versessen auf das Zerwühlen mit Worten. Immer eine tragische Grimasse, die selbst durch die«Karnevalslarve sichtbar wird, und da- bei die kostbare Berträumtheit, die dieses seltsame Wunderwerk der deutschesten Literatur mit hundertfacher Poesie verklärt. Und wie- viel Eelbstbeichte in Georg Büchnerz Stück! Er, der unendlich Emsige, der mit Bewußtsein tn fünf Jahren eine ganze Mannes- lebensarbcit hineindrängen wollte, singt das Prrtslied der Faulhell mit höchst verlockenden Tönen. Dagegen der Italiener, der nur an das klassisch Wirksame und an die äußere Tollheit der Szene denkt. Es stach zwar Goldoni der Ehrgeiz, den ordnungsliebenden Moliere zu übertrumpfen, er wurde trotzdem nur ein famoser Spaßmacher. Das hinderte übrigens nicht die mit der Guillotine umgehenden Pariser Herren von 1793, die keinen Spaß verstehen wollten, ihren Gast, den talienischen Dichter, beinahe verhungern zu lassen. Es mußte sich der pathetischste der stanzösischen Dramatiker, Herr Chenier, darum bemühen, daß Goldoni mit seinen 86 Jahren wenigstens eines natürlichen Todes sterben konnte. Bei dem Italiener kaum eine Anspielung auf Zeit- dinge, kein Aufruhr, kein Haß, nur das Würfelspiel der Komik. Das Feuerwerk des Witzes, das glänzend explodiert bei dem Italiener, Sinnigkeit, die das Uebersinnliche nicht scheut, sogar in dem Witze des Deutschen. Man gab sich im Staatstheater mit einer prächtigen Aus- gelaffenheit dem deutschen und dem italienischen Werk hin. Das Bühnenbild_ war ganz Theater und heitere Stegreifkulisse für Goldoni. Für Büchner hatte man eine zartbeiichtete Romantik im fröhlichen Zopfstil aufgebaut. Lothar M ü t h e l hat die Süßig- keit seiner Sprache in dem letzten Jahre vollendet. Sein des Froh- sinns übersättigter, weltschmerzlich erschlaffter und plötzlich in Liebe wieder aufblühender Prinz war eine sehr zarte Kunstschöpfung. Die Rundlichkeit des weisen Klaus traf Karl Ettinger ohne den Spitzbüberei übermäßig nachzugehen. Es spreizte sich Herr Legal als aufgedonnerter König vorzüglich, und Fräulein Seidel zwitscherte die liebesstarke Prinzestin sehr hold. In der Goldonischen Poste begegnete man der fabelhaften Sprachgeläusigkeit und Körper- oeschmeidigkeit des Herrn Fritz Hirsch, der den hagcrai Lakaien, Tölpel, Tausendsassa und Hanswurst mit geradezu venezianischer HllvKgkell ausstattete. brauchte, zu sichern. Er würde Vorschläge von jeder Seite be- grüßen. Das britische Volt wolle, daß Europa sich beruhige und daß überall normale Verhältnisse bestehen. Frankreich könne aber nicht zur Ruhe kommen, wenn es Schulden mache, um seine zerstörten Gebiete wieder herzustellen. Es handele sich um die Frage, ob diejenigen, die Schäden angerichtet hätten, sie auch bezahlen sollen, oder ob diejenigen zahlen sollten, die nicht ver- antwortlich seien. Lloyd George sagte weiter: Die Schulden Großbritanniens be- tragen eine Milliarde Pfund. Die Schulden der Alliierten an Großbritannien bettagen jedoch zwei Milliarden Pfund selbst �ohne Zinsen. Er wolle mit jedermann auf einer Konserenz diese Frage erörtern, könne aber nicht einsehen, daß die Aufhebung der Schulden durch eine einzige Macht von sehr großem Nutzen sein könne. Er stimme daher mit der Resolution der Arbeiterpartei überein, daß es wünschenswert sei, wenn alle Nationen zu einer lieber- cinkunft in dieser Frage gelangten. Anfragen im Unterhaus. London. 16. Dezember.(WTB.) Im Unterhause erklärte heute Staatssekretär Hilton Boung aus eine Anfrage K e n w o r- t h y s, die Reparationskommission habe eine Rote von der Deut- schen Regierung erhalten, in der diese um eine teilweise Lerschie- bung der Januar- und Februarzahlungen ersuche. Die dadurch ge- schaffene Lage werde von den Alliierten erörtert werden. In An- bettacht der Dringlichkeit dieser Frage könne die Regierung jedoch nicht oersprechen, ihre Entscheidung aufzuschieben, bis das Haus wieder zusammengetreten sei. Kenworthy fragte weiter, ob irgendwelche Sanktionen, wie die Besetzung des Ruhrgcbiets, nicht auf eine neue Kriegserklärung hinauslaufen würden und ob dos Parlament sie nicht erörtern sollte, bevor sie beschlossen würden. Das Parlamentsmitglied Venn rief dazwischen: Soll das heißen. daß die Regierung neuen militärischen Sanktionen zustimmen werde, ohne das Parlament zu befragen? Poung erwiderte: Ich kann dem, was ich gesagt habe, nichts hinzufügen. In Er- widerung auf eine weitere Anfrage erklärte Poung unter ironischen Zurufen der Arbeitervertreter. der bisher von Deutschland auf Grund der Reparations- und finanziellen Bestimmungen des Frie- densvertrages erhaltene Betrag genügenicht, um die Kosten des Besatz ungsheeres zu decken. Ein Mitglied des 5>auses fragte, ob für den Fall, daß England zustimme, die Kriegsschulden Frankreichs an Großbritannien zu streichen, eine Bedingung dafür die Räumung des besetzten Rheingebieles durch die srenzSsischen Truppen sein werde. Chambcrlain erwiderte, er könne nicht sagen, was die Bedingung dieser Vereinbarung sein werde, die bis« her noch nicht den Gegenstand einer Erörterung gebildet habe. Deutsche Werke unö Dotschasterkonferenz. Paria, 16 Dezember,(havaa.) Die L o t s ch a f l e r k o n f c- r e n z versammelte sich heute vormittag am Quai d'Qrsay unter Vor- sitz von Zules Camboa. Sie nahm den Bericht General Rol- lets über die Deutschen Werke entgegen. Sodann de- schäftlgte sich die Konferenz mit den verschiedenen militärischen Fragen, die mit dem Friedensvertrag von Versailles zusammen- hängen, besonders mit der Erbauung eines lenkbaren Luft- schiffe s von 70 000 Kubikmeter in Deutschland und seiner lieber- lassung an Amerika. Die üeutsch-polnijchen Verhandlungen. Breslau. 16. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) In einer so- zialistischen Parteiversammmlung in Katlowitz beklagte sich der Reichstagsabgcordnete Gen. O k o n s k i. lebhaft über die Zusammen- setzung der Kommissionen bei den deutsch-polnischen Wirtschaftsver- Handlungen. Es scheine, daß grundsätzlich die Arbeiterführer immer da ausgeschlossen werden, wo es sich um Arbeiterinteressen handelt. Während in die Kommission für Arbeiterfragen die P o l e n zwei Arbeitnehmervertteter entsandten, haben wir auf deutscher Seite zwei Regierungeastessoren und lediglich Gruben- und Fabrikdirek- toren. Der Landtagsabgeordnete Gen. Karger schloß sich den Aussührungen Okonstis an. Die Arbeiterführer hätten erwartet, daß sie zur gleichberechtigten Mitarbeit herangezogen würden. Sie seien indes bisher nur in einem einzigen Falle als Sachver- ständige vernommen worden. Ein künsllerisch-literarischcr Beirat beim Polizeipräsidium. Im Einoernehmen mit dem preußischen Innen- und Kultusministerium hatte der Berliner Polizeipräsident am Freitag Per- tteter von Literatur und Kunst zu einer Aussprach? zu sich ge- laden, die Klarheit und das Einverstänidnis der beteiiigten Organi- sationm ergeben sollte für die Schassung eines gutachtlichen Beirat» bei der Abteilung III des Polizeipräsidiums. Per- treten waren u. a. der Verband deutscher Bühnenschriftstelle: und Komponisten, die Bühnengenossenschaft, verschiedene Schriftsteller- Vereinigungen, der Verband der Berliner Theaterkritiker, die Akademie der Künste, die Sezestian, der Berlegeroercin: aber auch Vertreter der Besttebungen für Volksbildung und Jugendpflege waren herangezogen worden. Der Polizeipräsident und der Oberregierunasrat v. Glafenapp umschrieben die Aufgaben und den Zweck des tünstigen Beirats: Die Abteilung III, der die Zentralpolizeistelle zur Bersolgung von Schmug in Wort und Bild zugeordnet ist, zu unterstützen in all den heiklen Grenz- fällen, wo eine Unterscheidung zwischen Kunst und Unsittlichkeit schwierig wird. Nach angeregter Aussprache erklärten sich alle An- wesendcn zur Mitarbeit im gewünschten Sinne bereit. Aller- ding» nur unter der Zusicherung, daß in allen den Fällen, in denen sich die Entscheidung des Polizeipräsidiums nicht mit dem Gut- achten des llterarlsch-künstleriscken Beirats deckt, an die Staats- anwaltschaft, das Gericht oder eine sonstige Behörde der Entschei- dung des Polizeipräsidiums das Gutachten des Beirats tinschließ- iich seiner Begründung hinzugefügt wird. Ebenso soll jedoch auch der Standpunkt der Minderheit im Beirat der Behörde oder der Oeffentlichkeit unterbreitet werden. Diese Zusicherung wurde von Seiten des Polizeipräsidenten und seines Dezernenten gegeben. Rene Moden-plostik. Modentee in einem Luxushotel:„Man" kommt zusammen, um die neuesten Schneidcrschöpfungen zu sehen, dabei im stillen hoffend, noch mehr selbst gesehen zu werden. All» schwierigen Probleme de? Zeit tteten in den Hintergrund gegen die Frage, wie sich diesmal der Ausschnitt gestalten und ob und wo man wieder Busen oder Schleppe ttagen wird.— Doch der Tee, zu dem die E.B.E.(Erdmannsdorfer Büstenfabrik) ins Espla- nade-Hotel geladen hatte, galt wichttgeren Zwecken: hier sollte zum erstenmal die neue„M o d e n p l a st i t" nach Entwürfen des Bild- Hauers Rudolf Delling vorgeführt werden. Aus Kreisen der Fachleute wurde dem Künstler die Anregung gegeben, an Stelle der „bewegungstotcn oder bcwegungsverzerrten wächsernen Puppe, die den Blick des Beschauers zu sehr fort vom Wesentlichen, dem Aus- stellungsgegmstande. auf das Ewig-Leibliche ablenkte', etwas Beste- res zu schaffen. Bei dieser neuen Modenfigur hat man zunächst von jedem Naturalismus Abstand genommen, nichts weiter als ein „ästhetischer Kleiderständer" soll sie sein, der aus jede Eigenwirkung verzichtet und sich dem Ausstellungsgegenstand vollständig unter- ordnet. In seiner oberen Hälfte etwa an die bekannten schwarzen Schneiderbüstcn erinnernd, läuft der Ständer in einen spitzen Zapfen aus, der auf einem runden, auf einer Platte ruhenden Kegel befestigt ist. Durch diesen Unterbau erhält die ganze Figur ctwos Leichtes, «chwebendes; man htt deutlich den Eindruck einer Frau, die in ihrem neuen Kleide vergnügt einhertänzelt. Und nun vergleiche man Im Gegensatz dazu die entsetzlichen steifen, linien- und bewegungslosen Gewerksthasten unö Steuerabzug. Der Ausschuß des Allgemeinen Deutschen GewerkschastsbundeZ zur Steuerfrage hat folgende Entschließung gesaßt: „Zur Entlastung der Finanzämter und damit zur Beschleunigmcg der Steuerveranlagung bei höheren Einkommen ist durch sosorttge Aenderung des Einkommensteuergesetzes die Grenze für den zehn- prozentigen Lohnabzug auf 66 006 Mark hinaufzusetzen. Ferner sind die der Steuerfreiheit unterliegenden Lohn- und Gehalts- betröge entsprechend zu erhöhen." Natürlich! München, 15. Dezember.(DTB.) Das von der Staatsanwalt- schast eingeleitete Elmiitlungkdcrfahren gegen den srüberen stellver- tretenden Landeshauptmann der Einwohnerwehr, Obergeemeter Kanzler in Roienheim, wegen Ausforderung zum Mord wurde mangels Beweis« eingestellt. Kanzler war seinerzeir öffentlich durch den früheren Vorsitzenden der bayerischen Königs- Partei, Mayer-Koy, der Aufforderung zum Mord bezichtigt worden. Immer wieder Mordhetze! Der amtliche pieußische Pressedienst meldet: Gegen den Redalteur des„Epankauer Tageblatt" und den Schrislsteller F. H. schwebt wegen des Artttel«„A u s S S cb a s f ot I! Das zweite Lpser: Hello v. Gerlach" bei dem Ober- siaotsanwalt am Landgericht HI Berlin ein Verfahren. Tie Strafverfolgung ist auch aus das mit dem. Spandau« Tageblatt" verbundene„Völkische Tageblatt" ausgedehnt worden. Die Eisenbahn als Sonöervermogen. Vom Reichsverkehrsministerium werden jetzt folgende Mittel- lungen über den Entwurf eines Eisenbahnfinonzgesetzes gemacht: Nach dem Entwurf sollen die im Eigentum des Reiches stehenden Eisenbahnen unter der Bezeichnung deuffche Reichsbahn ein Sondervermögen des Reiches bilden, besten Rechtsver- Kindlichkeiten von denen des Reiches getrennt gehalten werden sollen. Der Artikel SS der Reichsverfaffung wird dahin abgeänder: werden muffen, daß die deutsche Reichsbahn einen eigenen Haushalt und eigene Rechte erhält, die so zu gestalten sind, daß die Finanzlage der Reichsbahn jederzeit festgestellt werden kann. Die Reichsbahn wird damit ein selbständiges Wirtschaft- liches Unternehmen, deffen Leistungen für andere Zweige der Reichsverwaltung voll zu vergüten sind. Dem Reichstag ist der Reichsvetkehrsminister nur dafür verantwortlich, daß die Vorschriften der Reichsverfaffung über das Eisenbahnwesen beachte werden, sowie, daß die Dahnen in einem betriebssicheren, den Per kehrsanfordcrungcn entsprechenden Zustande sind. Im übrigen wirb die Verwaltung der Reichsbahnen selbständig durch den Reichs- verkehrsministsr geführt, jedoch unter Mitwirkung eines Der- waltungsrates, der sich aus Mitgliedern de» Reichstags, des Reichsrats, des Reichswirtschaftsrats sowie den Derttetern de» Per- sonals und den- Sachverständigen auf dem Gebiete der Volkswirt- schast und des Eisenbahnwesens zusammensetzt. Dieser Verwaltungs- rat ttitt in alle Aechte ein, die bisher der Reichstag besaß. Er stellt den Haushalt fest, genehmigt die Aufnahme von Anleihen, die Aenderung der Tarife, die Aenderung der Löhne und hat in allen laufenden Geschäften das Reichst) erkehrsministcrium zu unterstützen. Bei plötzlichen und erheblichen Aenderungen des Geldwertes oder ähnlichen dringenden Fällen ist der Rcichsocrkehrsministcr selb- ständig befugt, Mehrausgaben durch Tariferhöhungen un- verzügllch auszugleichen, doch sind solche vorläufigen Mahnahme.. dem Derwaltungsrat zur nachttäglichen Genehmigung vorzulegen. Für die Rechte und Pflichten der Beamten der Reichsbahn sind die beamtenrechtlichen Vorschriften der Reichsgesetze anzuwenden. Eine abweichende Regelung ist nur unter Wahrung der wohlerworbenen Rechte der Beamten zuläffig. Das Gesetz soll am 1. April 1923 in Kraft tteten.__ Auch Peru hat auf das ihm durch den bekannten tz 18 der An- lag« II zum achten Teil des Friedensvertrages zustehenden Rech auf wirtschaftliche und finanzielle Vergeltungsmaßregeln gegen Deutschland verzichtet. „richtigen" zwei Beine der üblichen Schaufensterpuppen. An Stelle des Kopfes sitzt aus dem Hnlsteil ein„krönendes Ornament", ein Formengeschlinge, das, seitlich gesehen, teils an einen Ritterhelm mit aufgeklapptem Visier, teils an«in vogelähnliches Frauenprofil er- innert. Dieser Kopsersatz scheint das am wenigsten Gelungene zu sein: er stimmt zu wenig zu dem Etile der übrigen Figur, die doch immerhin in Proportionen und Konturen etwas weiblich Körper- Haftes aufweist. Im glücklichen Gegensatz zu dem sehr empfindlichen und kostspieligen Wachs besteht das Material dieler Kleiderständer aus einer getonten Kunstmaffe, die in ihrer holzähnlichen Wirkung da» fettig Süßliche des Wachses gleichfalls angenehm vermeidet. Trotz kleiner Mängel— auch die silbern, goldig oder bläulichschwarz.' Tönung der Srönder scheint nicht sehr gelungen, ein neutraleres Weißgelb, Blaßlila oder Hellgrau wäre vorzuziehen— sind diese Versuche zu einer neuen Modenpiastit sehr zu begrüßen, da sie, ab- gesehen von ihrer praktischen Verwendbarkeit, eine durchgreifende Reform der Schausensterdekoration nach modernen künstle- rischen Grundsätzen und somit auch eine Umgestaltung des Straßen- bilde» nach gleichen Gesichtspunkten bedeuten. Bleibt nun noch ab- zuwarten, wie sich die hierbei als Abnehmer wichtige Frauenwelt da- zu stellen und ob sie sich gutwillig ihre rosige, titschige Wachepuppe nehmen lassen wird. F. V. Um die Ausführung des„Prinz Louis Ferdinand". Zu unserer Notiz in Nr. 589 teilt uns der Drei-Masken-Derlag mit, daß das Slaatstheater nicht das ausschließliche Aufführungsrecht des Unruhschen Stückes erworben habe und daß das Urteil des Bühnewschiedsgericht» aus einer nach Ansicht des Drei-Masken- Verlages irrtümlichen Auffassung eines Telephongesprächs beruh- Der Verlag versichert seine absolute Gutgläubigkeit, an der wi. übrigens nicht gezweifelt haben. Auch ein Erfolg des Films. Dr. Leo Leipziger, der in Berlin vor 2S Jahren das erste Kino eingeführt hat, ist anläßlich irgend- eines Jubiläums vom„Film-Kurier" beklopft worden und hat für das Derwachsensein des Volkes mit dem„Kino" folgendes verlaut- bort:„Das Liebesleben sämtlicher kleinen und großen Mädchen des Mittelstandes konzentrierte sich früher einzig um die Gestalt des „Leutnants". Der Leutnant war früher Inhalt aller Tagesromane, Theaterstücke, Possen und Operetten. Heute ist es der Kinomensch, der Filmgentleman mit elegant überschlagenem Schal und Lack- schuhen. Er spukt überall herum und ist längs der Heros aller Mäd- chen und Frauen und sckiiießlich aller Männer geworden, die etwas „auf sich halten". Gcwijsermahen eine Entmilitarisierung oder viel- leicht auch eine Demokratisierung des Geschmackes. Roch gleicher Psychoiagi» dürfte nächstens in Berlin die große Plattfußmode ausbrechen, denn Chaplin, der neueste Filmherrgott, spielt alle Rollen mit grotesk übertticbenen Plattfüßen. Die größte Kühlanlage in Europa besitzt die Stadt Leipzig in der Nähe des Hauptbahnhofs. Sie hat nach den Mitt. der D. Landw-. Ges. eine 5)ähe von 7 Stockwerken und umfaßt 24 Kühlhallen mit einer Fläche von 12 000 Quadratmetern. Die Kühihallen besitzen zusammen ein Faffungsvermögen von rund 240 000 Zentnern. Das entspricht etwa der Ladefähigkeit von 1200 Eisenbahnwagen, und die Nahrungsmtttelmengen würden mehrere Wochen ausreichen für die Bevölkerung von Mitteldeutjchiand. Der Wert der lagernden War« beträgt meist einige Milliarden,..... Lanötagsferien. Der Landtag hat sich gestern bis zum 19. Januar vertagt. Zu Beginn der'Sitzung beantragte der Unabhängige Klein- spehn, die Redezeitbeschränkung für die dritte Lesung des Etats— auf eine halbe Stunde für jede Fraktion— aufzu- heben, da es unmöglich sei, in einer halben Stunde das uner- läßlich Notwendige zu sagen. Der Antrag wurde gegen die Stimmen aller Sozialisten abgelehnt und siehe da. zum Etat nahm auch nicht ein einziger Unabhängiger das Wort. Da der Redner der Kommunisten zu spät kam. wofür er verschiedene Rüffel seiner Fraktionsgenosscn einheimste, die offenbar der Traute zum Reden ermangelten, so wurde der Etat ohne weitere Debatte verabschiedet— ein Fall, der kaum jemals vorgekommen sein wird: womit aber nicht gesagt sein soll, daß die zwei ersten Lesungen samt der langen Ausfchußbe- ratung nicht genügt hätten. Vorher war das Ruhrtalsperrengesetz angenommen, das Kriegsgesetz zur Vereinfachung der Verwaltung verlängert und den Abgeordneten eine Teuerungszulage von 1500 M. monatlich für die in Berlin wohnenden, von 2000 M. für die übrigen bewilligt worden. Die Auslieferung Eberleins stand nicht auf der Tagesordnung. Mit dem Wunsch, daß das neue Jahr für unser schwer- geprüftes Volk ein besseres werden möge, schloß Genosse Leinert die kurze Sitzung._ Der knegsbeschädigkenausschuß des Reichstages hat am Frei- tag das Gesetz über das Verfahren in Versorgungssachen in erster und zweiter Lesung angenommen. Das Gesetz soll am 1. Februar in Kraft treten. Es soll daher, wenn irgend möglich, noch vor Weih- nachten verabschiedet werden. Zürs weihnachtsfest üer Nlärzopfer. Auf unsere Bitte, für die Familien der Märzgefangenen eine kleine Weihnachtsspende zu bereiten, gingen bisher weiter ein: E. Witte. Rekum, 100.—, Laufer, Braunlag«, 30.—, Henze, Neukölln. 100.—, Eozialdemokratisch« Fraktion de» Preußischen Landtages 3000.—, Hans Moranz, 24. Abt. Berlin, SO.—, Carl Echiwn, Hindenburg, S.—, Dr. Sturm, Lichtenberg, 10.—, Ztvhnt 25.—, Prof. Iacodfohn-Lask 50.—, O. Meistrr 20.—, <£. Meyer. Ni«derschönl>ausen, 10.—, Cernn, Pankow, 13.—, Metz, Stcguß, 50.—, 31. u. Gen. 40.—, Bilgett 20.—, Paul Probst, Meisdorf, 10.—, Bauarbeiter. Krankenhaus Berlin, 26.—, Riedel, Lankwitz, 40.—,� E. Beetz �lO.— ,_ Max Die Msnahmeversrönung aufgehoben. lrritfchka, Bad Pyrmont, 10.—, Angestellt« der Firma Schlicke u. Cie., Berlin, ISO.—, Cd. Comln 10.—, Postschaffner, Postamt S. 59, 22.—, 3. Ekorda, Friedenau, 20.—. Angestellte des Eiedlungoamts der Stadt Berlin 72.—, A. B., Rosenthal, 10.—, stucker, Charlottenburg, 20.—, M. Salamowicz 20.—, Maschini sten der Firma H. Joseph u. Co. 20—, Arbeiter der Oph.-Werkstatt Schuster, Steglitz, SZ.—, Robert Müller, Wensickendorf, 100.—, St. 100.—, H. Klix 80.—, Hintz«, Lichterfelde, 13.—, Sammelliste Bernstein 105.—, Echnittler. Mannheim, 10.—, Berta Amlang. Wilmersdorf, 15.—, Oskar Cngert 50.—, Unschuldig 15.—, Personal der Firma Bachmann u. Goebel 103.—, Cd. Dubler» 30.—, Siegsr. Bartel. SchSnebera, 10.—. Sickert 20.—, Leo?. Herin, Neukölln, 20.—, Dach ii. stech 12.—, Gebr. 8. 23.—, S. ttnöner, Stealitz, 50.—, Fischer u. Rohrer 200.—, M. B.. Pankow, so.—, Dr. Marttn stcllnrr 100.—. Steiger 30.—, Plutus-Derlaa Berlin 100.—, von Pustau 50.—, Leo stöhn, Hamburg, 100.—, Gg. Pähl, Magdeburg. 5.—, Alfred Peikert, Breslau, 50.—, Cli Saalfeld, Hamburg, 10.—, starl Kirchner, Frankfurt, 50.—, Peter Pommer, Dorndorf, ZO._ Waldemar Offowstki, Hindenburg, 1000.—, Bezirksoorstand und drei Sekre- täre de» B». GSrlitz 180.—, Roman Becker, Gleiwitz. 200.—, Wilh. Claußen, Bandsbeck, 10.—, Ernst GStt« 10.—. Tlemensen 100.—, F., Friedenau, 10.—, A FaboBski. Wilmersdorf, 20.—, Ernst Sprung 10.—, Angestellte der Firma Fürst u. Höft 183.50, F. Döring 10.—, SPD. der Schwerhörigen 54.—.SPD., 44. Abt. Berlin. 171.—. SPD.. 17. Adt.«erlin, 82.—, Irmfcher 10.-, fll. u. L. 20— SPD., 58. Abt., 53.—, Union-Druckerei, Berlin, 60.—, Angestellte der Finna Blo» Erben 90.—, Freunde der SPD. bei Cijltac 114—, E st, kriege- d, schildigt, 10.—. Maschinenpersonal und Hei, er beim R-ichstag 140.—. Ar- heiter der Firma Heß ll. Rohm 100.—. Summa 8585.50 M. Iu-gef-mt 41 IM.— R. Zahlungen werben auf Postscheckkonto 37 53S, Dorwörtsverlag G. m. b. ih.. unter dem Kennwort.Märzopfer", in der Expedition des„Vorwärts'. Laden, Lindenstr. 3, im Sekretariat des„Vorwärts", Sekretariat der SPD.. Neukölln, Jägerftr. KS. von 4—6 Uhr, Vor- wärtsspeditionen Neckarstr. 2 und Siegfriedstr. 28/29, angenommen. Die Quittungen werden täglich veröffentlicht. Genossinnen, Genossen! Gebt, was Ihr könnt, vor allem aber gebt rasch! Redaktion des.Vorwärts". Berichtigung. In der viiittunq vom 15. D-,-mb°r muß e« statt strömet .24.— 20.— SR. heißen. In der gestrigen Quittung muß stehen: Ortskraiiynkass, für das M-urergewerbe 150.—. nicht 140.— M.: ferner Nllckert rnchl Rinstert, Call»« a. d. E.. 2.—, statt 10.— und 20. Abt. 96ü!0 nicht 00.— M. Die tnsge- samt bis gestern quittierte Summe betrögt sonach 32 010.50 M. Oer �lbfollltismus bricht an... Was, Sie schwören noch auf Einstein? Auf die Rclavitäts. theorie? Junge. Junge: daß Sie aber auch Immer eine Viertelstunde zu spät kommen. Einstein: i» nicht mehr. Das wäre ja gelacht, von wegen Brechung der Sonnenstrahlen! Mensch, sind Sie dofl Lassen Sie sich mal schleunigst Ihr Weltbild und Ihren abgetragenen Cheviotsakko wenden. Der Relativismus hat abgewirtschaftet. Wir haben die absolute Wahrheit mit Löffeln gefressen. Merken Sie nicht? Der Absolutismus bricht an. Das is mal absolut richtig, Sie da. Waren Sie neullch Im Großen Schauspielhaus? Duste Sache, dieser Danton. Es ist was Großes um die Revolution... im Großen Schauspielhau». Und wie da am Schluß dieser eine mieckrige Bursche kreischt: Die Re- publik wird erst dann rein sein— wenn die Republik nicht mehr ist... da hätten Sie mal den Applaus des p. t. Publikums hören sollen. Der ganze Pölzig donnerte. Es war eine riesige Kund- gebung gegen die Republik, das heißt den Relativismus: und für den Absolutismus. Da weiß der Mensch doch wenigstens, woran er ist: er ist ge- borgen, er hat seinen Halt, es gibt absolute Wahrheiten, nach denen man sich zu richten.hat, und damit gut. Zum Beispiel: �Rechts gehen!".Das Betreten dieses Grundstückes ist verboten!"�.Sprech- stunde des Geheimen Regierungerates von 6 bis%6.„Heute frische Metzelsuppel"„Herren— dort."„Nach dem Bezirks- kommando— dier." Daran gibt es nifcht zu tifteln und zu deuteln. Das absolute Prinzip denkt und lenkt. Der Mensch braucht über» Haupt nicht zu denken. In sämtlichen Kiosken ist.Die absolute Wahrheit vorrätig, a ein Blatt in Kleinquart, Kostenpunkt 15 Pf. Da stehen die dreiund- dreißig absoluten Wahrheiten gemeinverständlich drin verzeichnet. Alles andere, merken Sie wohl, ist Quatsch, Blödsinn, Humbug, Heck- med. Wenn Sie uns nicht glauben, dann werden wir Ihnen die absolute Wahrheit schon beibringen, Onkelchen. Beim Knüppel- Kunie sind tausend Gummiknüppel abgeladen. Einer wird ja auch für Ihre Schädelform paffen, Sie Guter. Oder ziehen Sie es vor, mit Handgranate und Browning bekehrt zu werden? Allens da. Bei uns is nich wie bei arme Leute. Wir sind mit allen oerfüg- baren geistigen Waffen hervorragend ausgerüstet. K lab und. Zentraltheater. 8« der W e I d n a ch t» s e I e r. bei der aus ffirrntb der nambafien Tlislunz eine« wönner« 700 Saiientwder beschert werden können, wird da« e>naktwe Weidnachismäichen»Die zwei Ruvrechte" von den Mitciiedein de: BLbne dargestellt weiden, wödrend:m voi hergebenden bunlen Teil nach einem Prolog ein Kinder- balle I t und Frau Helene Lachmanili-Echaul mit ihren Kinder. Ii e d e rn auitrelen. IDie«Salerte(fdnard Schulte bringt in Ihrer neuen Äuöstellung Kollettionrn von Künstlergrudpe, A» h r«->. Berlin, Eiich Bültner-Berlin, Ernst EImer-Tarmstadt, Heinrich Hübner-Verlin. Eduard Lammerl- München, Max Lchiichling- Berlin, villi Tiedjcn, München und Paul Wendling-Berlin, Ta« Staatliche Vaustan« in«Seimar bat mit der Herausgabe eine« MabpcnwerkeS BaubauSdrucke Neue Euroväilche >v r a v k i 1 begonnen. ES eiicheinen in iünf Mappen unvcröfjcntllchle Originalgrabhit der führenden Künstler der deuischen. romanischen und ilawischen Länder. Der gesamte Erlös ist den gemeinnützigen Zwecken de» Sauhause» gewidmet. Im Reichstag wurden gestern zunächst Anfragen er- ledigt. Dabei sagte die Regierung unkündbare Anstellung der bis- her noch kündbaren Beamten unter bestimmten Voraussetzungen zu: gesetzliche Regelung stehe in Aussicht.— Die Regierung hat wegen der hohen Kartofselpreise Verhandlungen zwischen Erzeugern und Verbrauchern veranlaßt. Anstatt 23 X Proz. im vorigen Jahre darf jetzt nur noch 20 Proz. des Brennrechts ausgenutzt werden. Diese geringe Menge spiele für die Kartoffelversorgung keine Rolle. — In dem neuen Gesetz über das Branntweinmonopol sind die Be- träge zur Bekämpfung des Alkoholismus usw. erhöht worden. Be- � züglich des A l k o h o l v e r b o t e s müssen erst die Erfahrungen in l anderen Ländern abgewartet werden.— Für das laufende Jahr sind 100 Millionen Mark als Zuschuß für Rentner Hilfen der Gemeinden und Länder ausgesetzt. Weitere Hilfsmaßnahmen find im Gange. Die Geltungsdauer der Verordnung über die Verwertung von M i l i t ä r g u t wird verlängert, ebenfalls angenommen wird ein Gesetzentwurf, wonach Hypotheken, Grundschulden usw. bis auf weiteres auch dann im Prämienrefervefonds privater Bersicherungs- Unternehmungen verbleiben dürfen, wenn die belasteten Grundstücke infolge des Alliiertenvertrages aus dem Reichsgebiet ausscheiden. Es folgt die Beratung der Anträge Bartz(Komm,), Hergt (Dnat. Vp.) und Frau Agnes(U. Soz.) auf sofortige Außerkraft- setzung der verorünung öes Reichspräsidenten über den Ausnahmezustand, Der Ausschuß empfiehlt den Anträgen die Zustimmung nicht zu erteilen. Abg. Dr. Gradnauer(Soz.: Die Ausnahmeverordnung kann nur durch den Reichspräsidenten ausgehoben werden. Meine Fraktion ist der Auffassung, daß der Zeitpunkt gekommen ist, an dem die Außerkraftsetzung der Ber- ordnung vom 28. September erfolgen kann,(Hört! hört!) Wir halten diese Angelegenheit nicht für eine hochpolitische, sondern für eine untergeordnete Frage. Als im August nach dem Attentat auf Erzberger schwere Gefahren befürchtet werden mußten, war die Bcrordnung eine Staatsnotwendigteit. Aber jetzt hat die Angelegen- heit an Bedeutung außerordentlich verloren. Wir glauben auch nicht, daß man mit der Aufhebung noch warten müsse, bis etwa durch Gesetz ein Ersatz geschaffen sei. Gewiß muh die Regierung dieses Gesetz möglichst beschleunigen, aber da solchen Gesetzen mancherlei Schwierigkeiten anhasten, kann es mit der Verabschiedung noch lange dauern. Wir müssen sachlich prüfen, ob ein» weitere Aufrecht- erhaltung mit dem strengen Sinn der Reichsverfassung zu vereinbaren ist. Nach der Verfassung wird eine solche Ausnahme- Verordnung nur durch erhebliche Störungen der öffentlichen Sicher- heit und Ordnung gerechtfertigt. Es muß sich um einen größeren allgemeinen Notstand handeln. Da die Beseitigung' dieses Not- standes jetzt erreicht ist, muß man die Verordnung aufheben. Ein Ausnahmezustand, wie die Beeinträchtigung der Meinungsfreiheit, darf auch noch unserer Auffassung niemals ein Dauer- zustand werden. Während eines dringenden Notstandes scheuen wir vor energischen Maßnahmen nicht zurück, aber wir wollen sobald wie möglich den gesetzlichen Zustand wieder herstellen. Wenn auch unser politisches Leben immer noch von Krisen bedroht ist und in Presse und Agitation die Tonart auch oft viel zu wünschen übrig läßt, so rechtfertigt das den Ausnahmezustand doch nicht mehr. Eni- scheidend bleibt, daß inzwischen eine gewisse Veruhigung eingetreten ist. Bon Monat zu Monat wurde die Verordnung weniger ange- wendet. Der Reichsratsausschuß hat auch viele Zeitungsvcrbvte auf» gehoben, woraus man ihm keinen Borwurf machen darf, weil er sich streng an den Wortlaut der Bcrordnung hielt. Nun hat Bayern den Wunsch nach Aufrechterhaltung des Ausnahmezustandes ausgesprochen. Wir wollen keine Konflikte mit Bayern und wollen Bayern gewiß nicht brüskieren. Aber die Aufhebung kann doch auch für Bayern nicht schwer erträglich sein. Gewiß gibt es dort gefährliche Erscheinungen, wie die m o n» archi st ischen Geheimorganisationen(Sehr gut! links), aber diese kann man mit dem Ausnahmezustand auch nicht be- kämpfen. Dazu sind andere Mittel notwendig. Wir müssen die Entschlußkrast haben, unser Vertrauen zum Bolke zu bekunden und die Verordnung aufheben.(Lebhafter Beifall links.) Bayer. Gesandter v. preger: Die Aufhebung der Verordnung dos Reichspräsidenten würde die bayerische Regierung vor eine neue Lage stellen. Sachlich kann die bayerische Regierung die für die Aufhebung angeführten Gründe als genügend nicht aner» kennen. Sie ist deshalb nicht für eine Aufhebung der Verordnung. Die Ruhe, die angeblich eingetreten fein fall, ist bloß scheinbar. Die Aufhebung der Verordnung würde den schrankenlosen Elementen freie Bahn schaffen. Die politischen Zustände sind nach der Ansicht der bayerischen Regierung noch nicht normal. (Lebhafte Unruhe links.) Abg. Graes(Dnat.): Die Machwerhältnisse im Reichstag sind zu undurchsichtig. Das ist der Grund für die Sinnesänderung, Herr Gradnauer. Ihre Begründung für die Aushebung der Ber- ordnung ist eine Widerlegung der Begründung für ihre Einfüh- rung. Solange Sie Ludendorff einen Hasardeur nennen und Mit- glieder des früheren kaiserlichen Hauses beschimpfen, haben Sie kein Recht, sich zu beschweren, wenn auf der anderen Seite einmal einer über die Schnur haut. Abg. Dr. kahl(D. Vp.): Eine Ausnahmeverordnung darf immer nur vorübergehend Geltung haben. Wird sie länger ge- braucht, so muß die ordentliche Gesetzgebung eingreifen. Wie steht es mit den von den Kommunisten angekündigten Weihnacht?- Putschen? Da auch noch in Bayern Ausnahmeverhälwisse be- stehen, kann die Verordnung nicht sofort wegfallen, muß allerdings gerechter angewendet werden als zu Anfang. Abg. Dr. Rosenseld(U. Soz.): Zum Schutz der Republik ist ein Gesetz notwendig, wie wir es eingebracht haben. Die Ber- ordnung schafft unnötigerweise Märtyrer. In dem Augenblick, wo Iagow vor Gericht steht, sollte Herr Graes etwas zurückhaltend«' sein. Die Puffchphantasien der Rechten haben nur den Zweck, d�, für zu sorgen, daß den Bayern die Weihnachtsfreude nicht verdor- ben wird. Abg. Dr. Haas(Dem.): Ein rechtsstehendes Blatt schreibt jetzt bei Besprechung des Iagow-Prozefses, unser ganzes Recht, unser ganzer Staat und seine Verfassung beruben auf Eidbruch und verrat. Da braucht man sich nicht über die Mordtat an Erzberger und über den Kapp-Putfch zu wundern. Seit dem Erlaß der Verordnung hat sich nichts geändert. Wir fordoen allerdings gleiches Matz gegen Rechts und Links. Wir können die Verordnung erst aufheben, wenn das Gesetz zum Schutze der Republik vorliegt. Abg. Leicht(Bayer. Bp.) lehnt die Aufhebung der Verord- nung ab. Abg. Dr. herzseld(Komm.): Schaffen Sie dl Einheitsfront des Proletariats, dann brauchen wir kein Gesetz zum Schutze der Republik. Der Aueschußonirag wird im Hammessvrung mit 100 Stirn. men gegen 142 Stimmen des Zentrums, der Demotraten, der Bayerischen und der Deuffchen Bolkspartei abgelehnt. Mit der- selben Mehrheit werden die Anträge auf Außerkraftsetzung der Verordnung des Reichspräsidenten angenommen. Sonnabend 12 Uhr: Wochenhilse, Unfallrente, Einkommen- steuernovelle, Na htragsetat, Ausschußbericht über Lichtenburg, Flaggenfrage.— Schluß nach 8 Uhr. Wirtschaft „kronprinz-'Lezugsrechie. Siahezu täglich weisen wir aus die außerordentlich hohen Ge- winne der Industrie hin und aus die Art und Weise, wie«in Teil dieser Schwerverdiener neue Kanäle zu schaffen sucht, um die durch skrupellose Ausbeutung der Berbraucher erzielten Gewinne abzuleiten. Der Fall Sarotti war besonder» kraß. Dieser Fall wird aber noch überholt durch die Vorgänge bei der„Kronpinz-Akt.-Ges. für Metallindustrie in Ohlig»(Rheinland). Das Unternehmen arbeitet seit Jahren mit einem Stammattienkapital von 11,2 Millionen Mord, es hat sich während de» Krieges an Heereslieferungen und in der Nachkriegsperiode durch„Umstellungen" dermaßen be- und anae- reichert, daß der Aufsichtsrat keine andere Möglichkeit mehr sieht, diese ungeheuren Gewinne unauffällig abfluten zu lassen, als daß er das Kapital w der Weife erhöht, daß den Aktionären auf eine alte Aktie vier junge zum Kurse von 130 Proz. angeboten wer- den. Di« Art, wie die Verwaltung die Kapitalserhöhung begründet, ist typisch für die systematische Verdrehuno der Taffachen, wie sie von einem Teil der Industrie seit einem Jahre geübt wird. Die Verwaltung nennt„die zunehmende Verteuerung aller Roh- und Bettiebsstoffe, die ständige steigende Mittel bedingt, sowie die Auf- Wendungen, welche für Erweiterungszwecke erforderlich sind", welche den Aufsichtsrat bestimmt hätten... usw. Wäre die Berwaltung wahrheitsliebend gewesen, so hätte sie ihre Veröffentlichung mit den Worten beginnen müssen: Die zunehmenden Gewinn« unserer Ge» fellschaft, welche in einem krassen Mißverhältnis zu unserem Kapital stehen, veranlassen uns.... ufw. Man muß sich einmal etwas Intensiver mit dieser Sache be- schästigen, weil hier wieder einmal den Verbrauchern und den Ar- oeitern Sand in die Augen gestreut werden soll. Die Gesellschaft gibt vor, Kapitalbedarf zu haben und gibt zu diesem Zwecke junge Aktien aus zu einem Kurse von 130 Proz. bei einem Kursstand der alten Aktien von— fqge und schreibe— heute 4050 Proz.!! D. h. sie gewährt den alten Aktionären ein Bezugsrecht in Höh« von 2700 Proz. oder von 27 000 M. aus eine Aktie van tau- send Mark. Wenn die Berwaltung Oer.Kronprinz"-Gesellschaft, in der stch allererste Schwerverdiener vom Schlage des Herrn Dr. jur. Hans Jordan von Mallinckrodt, Generaldirektor Springorum (Hoefch) usw. befinden, tatsächlich starten Geldbedarf hätte und wenn ihr nicht nur daran gelegen gewesen wäre, Wege zu schaffen, um übermäßige Gewinne absließen zu lassen, so wäre doch nicht» ein- facher gewesen, als diesen Kapitalbedarf, der van der Verwaltung mit rund 60 Millionen Mark angegeben wird, zu decken durch die Ausgabe von jungen Aktien zu einem enffprechenden Kurse. Biel nützlicher als die Kleinwucherbekömpfung, die jeden Käse- laden durch Spezialbeamte kontrolliert, scheint un» zu sein, daß man sich von Regiernngs wegen einmal ernsthast überlent, ob solche Fälle wie bei der ,Kronvrinz".Akt..Ges.. nickt unter Dolksbewucherung fallen. Warum erhält dos Reich nicht 25 Proz. aller Bezugsrechte? Branntwein lm Ueberfluß. Die Statistik des Reichemono- polamtes für Branntwein weist nach, daß im Betriebs« jähr 1920�21 insgelomt 1,958 Millionen Hektoliter Branntwein her- gestellt worden sind. Die Monopolverwaltung gab zu reqelmgßiqen Verkaufspreisen 91 313 Hektoliter, zu ermäßigten Verkaufspreisen (für gewerbliche Zwecke) 070 420 Hektoliter ab. Eine ganz geringe Menge, nämlich 1137 Hektoliter wurden gegen Ausfuhrvergütung ausgeführt oder in die daiu bestimmten Läger aufgenommen. C» ergibt sich also im letzten Jahre ein Hebers chuß der Produttion gegenüber dem Verbrauch von rund 1,2 Millionen Hekto» liier Branntwein....... Reichsanleihe A. G. Diese zur Steigerung der Kurse der Kriegs- anleihe gegründete Gesellschaft Hot nach dem auf der Haupwer- sammlung erstatteten Bericht im letzten Jahre für 3,5 Millionen Mark(nach dem Nennwerte) gegen 4,2 Millionen im Vorjahre mehr Kriegsanleihe angekauft als abgegeben. Der Auffichtsrats- Vorsitzende, Reichsbankpräsident H a v e n st e i n, teilte mit, daß das Angebot an Reichsonleihen neuerdings erheblich nachgelassen hat.. Aber auch für den Fall eines erneuten starten Dertauf-andranges ist nicht beabsichtigt, den Kurs der 5proz. Reichsanleihen unter 77 H Proz. heruntergehen zu lassen Zu den Gerüchten über eine Herabsetzung des Zinsfußes hat der Herr Reichsminister der Finanzen der Gesellschaft die Erklärung abgegeben, daß eine solche Herabsetzung nach den Anleihebedingungen bis zum 1. Ottober 1924 ausgeschlossen ist und auch von diesem Zeitpunkt ab nur im Wege eines besonderen Gesetzes und allein auf der Grundlage er- folgen könnte, daß denjenigen Besitzer«, die mit der Zinsermäßi- gung nicht einverstanden sind, die Einlösung der Stücke zum Renn- wert angeboten wird. Eine hauptstelle zur Förderung der Alffloss- und Abfallverwertung wurde in Beilin �gründet. Der wicbtigen Frage der resiloS rationellen Abfall- und«lfftoffverweriung wird in der Jndusnie, in behördlichen und privaten verbrauckerkreisen bisher noch nicht die Beachtung geschenkt, die ihr gerade in dem rohstoffarm ge- wordenen Deuischland zukommt. Die Hanpistelle soll nach dieser Richiung aufklärend wirken und die gemeiniamen Fnleressen der an der Alistoff- und»bfallwirtschaft beteiligten Industrie- und Handele- kreise wahrnehmen. Die Jagd nach den Oelfeldern. Der Kampf zwischen den beiden größten internationalen Oeltrusts, dem amerikanischen Standard-Oil und dem englisch-holländischen Schell-Trust, ist in eine neue Phase getreten. Die S ch e l l- G r u p p e hat zu einem großen Schlage ausgeholt, um den Feind auf eigenem Gebiet zu treffen. Nachdem sie bereits früher in Kalifornien Fuß faßte— sie kontrollierte dort Oelgesellschasten mit einem Aktienkapital von 150 Millionen Pfund — hat sie nunmehr die Aktien einer großen kalifornischen Oelgesellschaft(Oil Company of Delaware) erworben, die ihrerseits über 20 Prozent der Aktten der größten kalifornischen Oel- gesellschafl(Union Oil Company of Calisornia) mit einer Jahres- Produktion von 9 Millionen Faß verfügt. Die Besttebungen der Schell-Gruppe gehen dahin, auch die letztere in ihre Mächtsphäre zu bringen. Die Schell-Gruppe, welche sich bisher besonders auf Ost- Indien konzentriert hat. will nunmehr auch in Amerika eine Rolle spielen. In dem Konkurrenzkamps drückt sie die Preise, während bei Standard-Oil eine Tendenz zu Preiserhöhungen vorherrscht. Der dritte große Oeltrust, wenn auch nicht so mächtig wie die beiden erwähnten, die mit Teilnahme der englischen Regierung gegründete Anglo-Persische Oelgesellschaft, besitzt das Monopol in Persien, außerdem wertvolle Quellen besonders in Mesopotamien und Argen» tinien: sie läßt ihre Produkte aus den persischen Oelqyellen durch die Schell-Gruppe verkaufen, doch läuft dieser Pertrag bald ab, und sie wird dann als selbständiger Konkurrent erscheinen. In Europa vertritt die letztere sehr bedeutende Interessen, sowohl hinsichtlich der Oelquellen— in Rumänien, in Ungarn—, wie auch des Per- kauf» der Oelprodukte. Ein neuer amerikanischer Skahllrust. Neben dem mächtigen amerikanischen Stahltrust Steel Corporation ist jetzt ein zweiter Riesentrust in der amerikanischen Stahlindustrie im Enfftehen. Sieben große Stuhlgesellschaften sollen unter der Führung der zweitgrößten Stahlgesellschaft Republic Iran and Sie« l zu- sammengefaßt werden. Das Gesamtkapital de» neuen Trusts belauft stch auf 400 Millionen Dollar, die Hälfte de» der Steel Corporation. Gewerkschoftsbewegung 1 Maßnahmen gegen die zu erwartende Arbeitslosigkeit Wie wir erfahren, beabsichtigt der Reichsarbeits» m i n i st e r, demnächst einen Gesetzentwurf vorzulegen, der eine neue Regelung aller mit der A r b e i t s l o s i g l e i t zu- sammenhängenden Fragen vorsieht. Um für diesen Gesetzentwurs die nötigen Unterlagen zu beschaffen, hat der Reichsarbeilsminister von dem sozialpolitischen Ausschuß des Reichswirtschastsrates ein Gutachten über die mit dem Gegenstande zusammenhängenden Einzelheiten eingefordert. In diesem Schreiben macht der Reichsarbeitsminister darauf aufmcrkfam, daß man sich bei der Beendigung der Hochkonjunktur, mit der in nicht allzu ferner Zeit zu rechnen sei, auch auf die Maß- nahmen vorbereiten müsse, die geeignet sind, die zu erwartende gewaltige Arbeitslosigkeit und ihre Wirkungen abzuschwächen. Es sei daher notwendig, sowohl für die recht- zeitige Beschaffung von Arbeit wie auch für die B e- reitstellung von Mitteln für diejenigen zu sorgen, die uenvcrschuldet arbeitslos würden. Der Minister wünscht, daß Bei- tröge für die zweifellos kommenden hohen Anforderungen an die Arbeitslosenversicherung schon vom ersten Januar des nächsten Jahres erhoben werden könnten. Er weist auf den Wunsch der Arbeitnehmer hin, daß diejenigen Unternehmer, die von der gegenwärtigen Hochkonjunktur besonderen Nutzen ziehen, auch zu einer besonderen Leistung für die Zwecke der Ar- beitslosenversicherung herangezogen werden sollten. Dieser Gedanke sei auch von einem Teil der Arbeitgeber durchaus günstig aufge- nommen worden, nur sei betont worden, daß zur Verwirklichung dieses Planes freiwillige Beiträge nicht genügten, sondern daß nur durch ein Gesetz die leistungsfähigen Arbeitgeber herangezogen werden könnten. Der sozialpolitisch« Ausschuß des Reichswirtschaftsrates wird einen Unterausschuß einsetzen, der alle einschlägigen Fragen prüfen und einen Schlüssel suchen muß, mit dem sich eine gerechte Vsr- teilung der Beiträge erreichen läßt. Da der Reichsarbeitsminiller die Drinnlickkeit dT Angelegenheit betont, darf erwartet werden, daß her soüalnolitische Ausschuß des Reichswirtschaftsrcrtes in dieser für die gesa-'-te Arbeiterschaft äußerst wichtigen Frage bald zu brauchbaren Vorschlägen gelangen wird. Brunnen-Vergiftmig. Wir brachten bei Abschluß des Konflikts bei der Firma Hildebrandt eine Darstellung desselben aus der Feder des Ge- Nossen H e tz s ch o l d vom Verband der Bäcker und Konditoren. Die „Rote Fahne" war darüber sehr ungehalten und schimpfte in ändert- halb Spalten auf die Eewerklchaftsbureaukratie. Genosse Hetzschold kam bei dieser Schimpfkanonade gerade nicht sehr glimpflich weg, lehnt es ober ab, auf die persönlichen Anrempeleien einzugehen. Er beschränkt sich daraus, folgendes festzustellen: 1. Die tiefere Ursache des Streiks liegt in den Sicherungs- maßnahmen, die die Firma gegen ihr gemeldete Diebstähle einführte, welchen die Gewerkschaft unter keinen Um- ständen entgegentreten durfte. 2. Der frühere Betriebsobmann der Firma Hildebrandt hat ab- sichtlich über die bei der Firma schwebenden Differenzen seine G e- werkschaft nichtinformiert, hat sich sogar ein E i n g r e i f e n der Gewerkschaft, nachdem diese von anderer Seite benachrichtigt war, verbeten. Er hat in seiner allen Eingeweihten bekannten Ueberhebunq zeigen wollen, daß er mächtiger sei als die Gewerk- fchaft. Er hat damit leichtfertig die Belegschaft in den wilden Streik getrieben. 3. Der frühere Betriebsobmann hat nachgewiesenermaßen B.-O.-Leute, also Unorganisierte protegiert, hat es sogar zugelassen, daß sie mit falschen Büchern in die Gewerkschaftsver- sammlunqen eingedrungen sind, dort unter falschem Na- men Reden geschwungen haben, die Sprengung der Versammlung herbeiführten und dadurch auch in der Betriebsver- fammlung den wilden Stteik durchsetzen konnten. 4. Der B o r st a n d der Ortsvcrwaltung Berlin des Verbandes der Bäcker und Konditoren, dessen Mitglieder zu mehr als einem Drittel Kommuni st en sind, hat sich nach Ausbruch des wilden Streiks e i n st i m m i g damit einverstanden er- klärt, daß derselbe so schnell als irgend möglich abgebrochen werden muß, weil er dem Reichstarifvertrag widerspricht. Die Artikel der„Roten Fahne" haben die Situation oerschärft, ober in keiner Weise zur Klarstellung der Tatsachen und zur Er- Ziehung der Arbeiterschaft das geringste beigetragen.— Da wir keine Hoffnung haben, daß es in Zukunft anders wird, kann damit die Diskussion über diese Angelegenheit geschlossen werden. Wir werden uns auch weiter der bedauernswerten Opfer der»Roten- Fahne"-Politik annehmen. Die Telegraphenarbeiter fordern Vorschuß. Die am 15. Dezember stattgefundene Funktionärversammlung der Telegraphenarbeiter Groß-Berlins beschäftigte sich mit der Antwort des Reichsfinonzministers auf die von den Spitzenorgani- sationen gestellten Gehaltsforderungen. Nach längerer Debatte wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die ver- sammelten Funktionäre der Telegrophenarbeiter Groß-Berlins sind über die Antwort der Reichsregierung, die in so krasser Form ge- halten ist, erbittert und sehen die Antwort als einen Schlag ins w. Postabonnenten Wir bitten unsere Postabonnenten, damit jede Verzögerung in der Zustellung des „Vorwärts" für Januar vermieden wird, ihr Abonnement Sofort bei dem zuständigen Postamt zu erneuern. BeiBesietlunoen nach dem 20. Dezember Ubernimmt die Post für verspätete Zustellung keine Verantwortung Vorwärts-Verlag G. m. b. H., � Si Gesicht der Arbeiterschaft an Bei nochmaliger Ablehnung der Der- Handlungen durch die Reichsregierung treten die Telegraphenarbeiter Groß-Berlins in einen Proteststreik, der die Regierung zwingt. sofort in Verhandlungen einzutreten Sie verpflichten die VerHand- lungskommission„ mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und auf dem schnellsten Weg« die Kollegenschaft in den Genuß eines angemessenen Vorschusses zu bringen. Die Funktionäre verlangen bis spätestens Sonnabend Bericht über den Verlauf der Verhandlungen."_ Streik der Kutscher der Zentralmarkthalle. Die in den Betrieben Felix Gutsche, Johann Otto, Franz Gaschke, Gustav Marks, Hermann Rcimann, Geora Backmeister, Finke u. Schulz, Gustav Peschel, Ewald Forbrich und Willi Kudemann tätigen Arbeitnehmer befinden sich im Streik. Die Unternehmer lehnten einen vom Schlichtungeausschuß Groß-Berlin gefällten Schiedsspruch ab, wonach die Fuhrherren verpflichtet sind, den Tarifvertrag für das"a� richrwerksgewerbe zu erfüllen, und erklärten, daß sie nickt gewillt sind, mit dem Deutschen Transportarbeiterverbe.nd ein Tarif- vertraasverhältnis einzugehen. Sie verlangten von ihren Arbeit- nehmern, kür einen Lohn von 425 M. plus 25 M. für Uebcrstunden pro Woche zu arbeiten, was die Arbeitnehmer ablehnten. Die Ar- beitszeit in diesen Betrieben beträgt in der Regel täglich 12 bis 15 Stunden. Gegen diese übermenschliche Arbeitszeit und die hier in Frage kommende niedrige Entlohnung, zumal, da jede Bezahlung von Ueberstundcn von den Arbeitgebern strikte verweigert wird, wandten sich die Arbeitnehmer und traten in den Streik. Bei den Fmmen Vackn-eister, Finke u. Schulz. Velchel, Forbrich und Kudemann arbeiten Streikbrecher. Die Firma Wilhelm Rüstig hat die Forde- rungen bewilligt. Wir bitten alle Arbeiter, besonders die Rollkutscher, die Kollegen in ihrem schweren Kampfe zu unterstützen und Solidarität zu üben! Kampfansage der englischen Gewerkschaften. Der Generalrat der Trade UnionS veröffentlicht ein Manifest, in dem erklärt wird, daß die Unternebmer eine allgemeine Lsseniive gegen den Acht stundentag und kür die Herabsetzung der Löbne beginnen. Die Offensive gegen die Arbeiierschasl sei aut vorbereitet Die Löbne sollen odgebant. die Arbeitszeit er höhl werden. Da? Manifest kündiat den Kamps gegen jede Verschlechterung der Lohnbedingungen der Arbeiter- schaft an._ Die Bewegung in der klavierinduskrie beendet. Am 30. No- vember 1921 war der Ortstarif sowie das Lohnabkommen in der Klavierindustrie abgelaufen. Die zwischen dem Deutschen Holz- arbeiterverband und den Uniernehmcrvertretern geführten VerHand- lungen haben jetzt ihren Abschluß gefunden. Eine Mitgliederver- sammlung nahm den Bericht entgegen. Der Ortstarif, der abge- schlössen werden soll, baut sich auf der Grundlage des Reichs- manteltarifes für die Holzindustrie aus, mit einigen örtlichen Vereinbarungen und kleinen Verbesserungen, wie z. B. die Erweiterung der Ferienzeit von sieben auf zehn Werktage, jedoch ohne Anrechnung der Beschäftigung in anderen Betrieben der In- dustrie. Was andere Industrien durchführen, können die armen, schwer um ihre Existenz ringenden Klaoierfabrikanten nicht ertragen, deshalb ist auch die Erhöhung der Löhne und Akkorde nur um 40 Pro- zent möglich. Die beiden, sich sonst feindsich gegenüberstehende« Unternehmerorganisntionen unterstützten sich in brüderlicher Weise. ging es doch diesmal gegen die Arbeiter. Der Berichterstatter Dorn empfahl, trotz der unbefriedigenden Zugeständnisse, die Annahme des Abkommens. Nach heftiger Diskussion stimmte die Versamm- lung gegen eine starke Minorität der Vorlage zu. Bei der Firma Spih, Rechenmaschinen-Fabrik, Puttkamerstraße, streikt wegen Verweigerung einer Lohnerhöhung die gesamte Beleg- schuft. Die Firma, obgleich nicht Mitglied des Verbandes Berliner Metallindustrieller, ließ sich einen Vertreter dieses Verbandes kommen. Dieser machte ein Angebot, welches erheblich weniger Zu- lagen voraussah, als der Verband Berliner Metallindustrieller den in seinen Betrieben beschäftigten Arbeitern bewilligt hat. Damit nicht genug, sollte folgender Passus diesem Angebot beigefügt werden: „Bei Gewährung dieser Zulagen sind sich die Parteien darüber einig, daß sie nur dann als gewährt gelten, wenn der Lohnstreit durch Verhandlung im Betrieb sein Ende erreicht. Weiter sind die Parteien darüber einig, daß. falls in den kommenden Monaten in der Metall- industrie neue Lohnzulagen festgesetzt werden, den bei der Firma beschäftigten Arbeitnehmern in bezug auf ihre hohen Verdienste nur ein prozentual geringerer Teil der Erhöhung zuteil wird. Diese Rücksichtslosigkeit zwang die Belegschaft zur Abwehrbewegung. Der Betriebsrat der Firma Schultheiß-Pahenhoser teilt uns gegenüber der Mitteilung in Nr. 583 des„Vorwärts" über U e b e r- st u n d e n a r b e i t in der Hauptbuchhaltung des Betriebes folgendes mit: Infolge der Zusammenlegung der Betriebe Sch lltheiß-Pntzen- hofer wurde ein neues Abrechnungssvstem eingeführt, das in Der. bindunq mit der durch die Fusion bedingten Einführung eines ein- heitlichen Abrechnungssnstems vorübergehend eine Mehrarbeit notwendig machte. Mit der Fertigstellung der Jahresbilanz im Januar sind diese Arbeiten erledigt. Trotz erheblichen Neu- einstcllungen von Buchhaltern ließen sich Ueberstunden einiger Brauercibuchhalter nicht vermeiden, da bestimmte Arbeiten nur von ständig damit beschäfstgten Buchhaltern weitergeführt wer- den können. Weihnachtsuvterslühung der Brauerei- und Rlühlencrrbcitcr. Ms Weihnachtszuschuß erhalten Mitglieder, die seit einschl. dem 10. De- zember 1921 arbeitslos und mindestens seit dem 12. Juni 1921 Mit- alieder des Verbandes find, 100 M., für die Frau 20 M., für Kind 10 M. Mitglieder, die seit einschl. dem 1. Oktober d. I. der Organisation angehören und mindestens seit dem 10. Dezember �921 arbeitslos find, erhalten die Hälfte der obigen Sätze. Zur Fest- stellung des Familienstandes sind die Karten der E U. maßgebend. Arbeitslose Mitglieder, die keine E. U. beziehen, haben in glaub- haftcr Weise ihren Familienstand nachzuweisen. Weihnachtsunter« stützung wird grundsätzlich nur an solche arbeitslosen Mit- glicdcr gezahlt, die den Nachweis erbringen, daß sie in einem Ar- bcitsoachweis eingetragen sind. Inoalidenmitglieder erhalten je 120 M. Die Weihnachtsunterstützung wird nur gezahlt, wenn das Verbandsbuch in Ordnung ist. Die Auszahlung beginnt mit dem heutigen Tage. Das Dezemberheft der„Betriebsräte-Zeitung" des ADGB. be- handelt in mehreren Veröffentlichungen das Thema„Gewerkschaften und Betriebsräte". Ein Aufsatz von Dr. Stillich behandelt die Wert- papiere. Das Heft enthält ferner einen„Katechismus der Plan- Wirtschaft". Auch zur Frage der Gewerbeinspektoren" sind Bei» tröge enthalten, ebenso über„neuzeitliche Betriebswissenschaft". Dom Januar ab wird der von der„Afa" veröffentlichte„Betriebsrat" mit dieser Zeitung vereinigt. Chemische Zndustriet Die von den Funktionären der chensischen Industrie beschlossene Urabstimmung zum Schiedsspruch ergab eine Mehrheit für den Schiedsspruch.— Verband der Fabrik- arbeiter. Die Urabstimmung im Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter betr. Erhöhung der Beiträge und Unterstützungen findet Sonnabend. Montag und Dienstag statt. Der Verbandsbeirat hat sich einstimmig für die Erhöhung der Beiträge und Unter- stützungen ausgesprochen und muß daber allen Mitgliedern emp: fehlen, ebenfalls für die Erhöhung der Beiträge und Unterstützungen einzutreten. Deutscher Banarbcilerxcrbond. Sektion Tiefbau: Sonntag 9% Uhr bei Boeker, Rcbcrstr. 17, Persammlung der Tiefbauarbeiter. Tagesordnung: Unsere Lohnbewegung. Mitgliedsbuch legitimiert. Tagesordnung wird in der Berfammlung bekanntgegeben. Deutscher Kolzarbeiteruerband, Ortsverwaltung Berlin. Mitglieder, welche mindestens 3 Monate erwerbslos sind, melden sich auf unserem Bureau. Runge. strafte ib, Zimmer 5, zur Entgegennahme von Gutscheinen. Mitgliedsbuch und Arbeitslofenkarte find mitzubringen. Mittwoch 7 Uhr im Arbeitslosensaal, Runaestr. 30, Zusammenkunft der Tunktionitre aus den Betrieben des BBMZ. Aussprach« über Eingruppierung 37. Glaser. Montag 7 Uhr Mitgliederversammlung im Sewerkschastshau». Filmgewerlschaft. Sonntag 10 Uhr Mitgliederversammlung aller Branchen der Filmindustrie im„Alten Askanier", Anhaltstr. 11. Berantw. für den redakt. Teil: Dr. Werner Petser, Charlottenburg: kür An- zeigen: Th. Glocke, Berlin. Berlag Vorwärto-Berlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Lorwärts-Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer lt. Co., Berlin. Lindenftr. 3. vtcrzu 2 Beilagen SeVOn'of und Rag'ann rur Reise aus Homespun und gemustertem Cheviot. M. 476, 628, 650,'„50 bis 16SO ttausfonnen und Schlafröcke in jeroßer Auswahl Cumml-Müntel I» vielen nuten QuaH- tätan und Fassons M. 360, 396, 460, SSO, 625, 78 SSO bis 1200 Jacke',- AnaOso in innen Qual. u. best Verarbeitung. M. 6 60, 750, 660, 1050, 1S>�o, 1450 indrniiiniiiiniiiiiiiiininiimifliiiininiinnininiiiniiiiiiiinniiiin'nininiiisniiiiiiiiiiiiisi'iiiiiiiniiniiiiiiiinniniiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiniiiiiiiiiii Knaben-AnaRne in Musen-, Schlüpler- und anderen Formen, aus vorzüglichen Wollstolten. ICO, 160. 196, 26., 360 JRrgllnga-AncUge in großer Auswahl. nur M. 350, 460, 660, 6SO 760, 980 Gestreifte Hosen, größtenteils unter Herstellungspreis. M. 88, 112, 121, 136, 179, i-SO, 360 Kur Qualitätsware kommt zum Verkauf iWarmemoiligel 1 Ulster I t am Lager Morgens Sonn las von 1 bis 6 Uhr geöffnet l nimHimiiiiiMinniiiiinoi Kottbuser Tor Herren- u. Knaben-Konfektionshaus Nr. 5�4 ❖ ZS. Jahrgang 1* Seilage öes Vorwärts Sonnabend. 17. Dezember?42l Das stiegenöe Jachtquartier. Im Zchlafzng l!I. Klaffe nach Jena. A!- sich das Prcbezü?le aus der 5) alle des Ankalter Bahnhoss hinaus in den lallen Wintermorgen in Bewegung setzte, merkte man gleich, daß etwas Besonderes mit ihm los war. Sanft und vorsichtig rückte die Maschine an, und die gutgesederieii Wagen nahmen die Bewegung sp zarl auf, daß man erst an der größere» Helle durch die gefrorenen Scheiden nierkt«, daß wir Berlin allgemach zu verlassen im Begriff waren. Hinter der großen, starken Maschine kam zuerst ein komsortadler D-Zug-Wagen, treu schlidderten zwei Speisewagen der Mitropa hin- terher, dann kam die Attraktion der Probefahrt— zwei der neuen, blitzsauberen Schlafwagen Z. Klaffe, glänzend dunkelgrün mit weißem Dach, und als letzter fogte geduldig das allerneuefte Schienenvehikel, ein rollender L e h r s a a l, der Untcrrichtswagen der Eisenbahn- dircktion. Das ganze probesahrende Asyl war bevölkert von etwa öv Vertretern der Berliner Presie, die der Einladung des Reichsoer- kehrsministeriums und der Mitropa(die als Unternehmerin für dos Schlaf, und Speisewagenwesen in Betracht kommt) zur Fahrt nach Jena gefolgt waren. Während der Zug das industriereiche, aber landschaftlich so nüchterne Gebiet von Jüterbog und Bitterfeld in raschester Fahrt durcheilte, wurde im letzten Unterrichtswagen von dem Ekbauer der neuen Schlafwagen alles Notwendige über ihre Einrichtung und über die Gedanken, die zu ihrer Konstruktion führten, berichtet. Man faß wie in der Schule auf Bänken, vor fchwarzzestrichenen Pulten zu zweien. Rechts»nd links die lange Reihe der Hörer, vorn ein kleiner Dortragsraum mit einer Wand- tafel zur schematischen Darstellung. Sicher die eigenartigste Schule, die es je gegeben hat. 5ür 40 M. ein Lager im D-Zug. Man hat diese Wagen gebaut, um dem weniger bemittelten Rei- senden für die Nacht eine bequeme Lagerstatt zu bieten, so daß ihm das Reisen in der 3. Wagenklasse über Nacht nicht mehr zur Stra- paze wird. Die Nochtruhe während der Reise bietet insofern noch eine Ersparnis, als die Bettkarle Im Wogen 3. Klasse uur 40 AI. taflet, ein Preis, für den er in einem mittleren Hotel heute kaum mehr eine Unterkunft erhalten kann. Selbstverständlich bieten die Schlafwagen 3. Klosse nicht die gleichen Bequemlichkeiten wie die der! 2. Älasie(für die eine Bettkarte 70 M. kostet). Jedes Abteil beher- bergt drei Reifende, die in drei Lbereinandergeordnelen Licgestätten bequeme Nachtruhe finden können. Der nächtliche Reisende liegt auf I einer plüschüberzogenen Roßhaarmatrahe mit einem dazugehörigen � Kopspolster. Im ollgemeinen wird der Reisende nur Schuhe und; Oberkleider ablegen können und sich mit der mitgebrachten Decke zudecken müssen. Die Verwendung von Bettzeug ist nich! vorgesehen.! Das Abteil macht einen hellen und freundlichen Eindruck, ist durch � neue Hcizkörperkonstruktionen gut erwärmt und mit elektrischer Be-> leuchlung versehen. Eine lange Schnur hinter den Kopfenden der. drei Lagerstätten vermittett den Kontakt für die Lichtquelle; ein Zug 1 genügt, um den Raum zu erhellen, und ein weiterer, um das Licht wieder abzustellen. Die Eisenbahn beabsichtigt, vorerst zehn solcher Schlaswaren. von denen jeder zwölf Halbabteile enthält,(also sechs- unddreißig Reisenden Platz bietet) aus deu Strecken Berlin— Königs- berg, Berlin— ZNüncheu und Berlin-Köln verkehren zu lassen. Man will abwarten, ob sich die vorhandenen Konstruktionen bewähren oder ob sich im Gebrauch Aenderungey als notwendig erweisen. Es find also zunächst noch Probewagen, die der Kritik der Reisenden ireigegeben sind. Jeder Wagen hat seine eigene Beleuchtung, die ihren elektrischen Strom durch eine mit der Wagenachse gekuppelte Dynamomaschine erhält, die wieder mit einer AkkumulmorcnÄZttcrie in Verbindung steht. Am Tage wird das unterste Lager etwas ge- hoben, das mittlere heruntergekloppt, und mit wenigen Handgriffen woraus im rasenden Lehrjaal ein Geheimrai beweist, wie schwer es noch dem 1. Februar der Eisenbahn fallen wird, Einnahmen und, Ausgaben in Einklang zu bringen. Dann kam wirklich Thüringen: Kleine Häuser vor bewaldeten Höhen,'die. weiß und glitzernd wie! ein Weihnechtsgcdicht, an die AbHange geklebt wnren. Man erhaschte' einen Blick aus das tnpiiche Signalement der Thüringer Gasthöfe' „Zur Tanne",„Zum Felsenkeller". Das ist wirklich schon Thürin- gen. Dann kommt die Saale, halb zugefroren, windungsreich und| schließlich grüßten links auf die immer noch eifrigen Zuhörer herab die Trümmer der Rudelsburg. Jena war ni6)l fern. Das alte, scbmalwinklige Rest riß die Augen auf, als der blitzsaubere Zug um Mittag einfuhr und seine Gäste für zwei Stunden entließ. Im Schlafabteil zu Oritt. Als die Sonne über den bewaldeten Höhen des Thüringer Wal- des herniederging, stand der Zug aufs neue gerüstet bereit, und die strapazierten Gäste rüsteten sich nach dem Kaffee zum ersten Probe- schlaf in den neuen Wagen. Die Türen wurden geschlossen, man er- ist eine bequeme Sihsläche hergestellt, die ebenso wie die Rücklehne gepolstert ist. Ilm die beiden oberen Lager zu erreichen, ist eine zu -ammenlegl 'ammenlegbare Leiter vorhanden. Tariffragen im Fluge. Draußen sprüht die Landschaft im Winterkleid vorüber. Man passiert Halle und Merseburg, und dann tauchten die ersten Aus- läuser der Thüringischen Höhenzüge aus. Im Unterrichtswagen hörte man andächtig einem neuen Portrag über die Tarissragen zu, das Kopfschmerzengebiet der Eisenbahn, das die leitenden Männer fort- dauernd beschäftigt. An den Fenstern huschten die ersten spitzen- besetzten Rauhreifäste vorüber. Von einer seinen weißen Schnee- schicht bedeckt, umrahmen die- bestellten Felder den Schienenweg, klomm die Leiter, die zum obersten Lager führte, nahm die be- quemste Lage ein und wartete der Träume, die da kommen solllen. Sie kamen nicht, denn der im mittelsten Fach Liegende wollte auch mal oben schlafen. Also wurde umgewechselt. Bis wieder der Un- terste, auf neue Eindrücke gespannt, sein Loger zu wechseln wünschte. Bei dieser unterhaltlamen Erprobung wurde festgestellt, daß man sich nachts sehr wohl komfortabel in solch einem Gelaß unterbringen kann. Es wurde festgestellt, daß für das Gepäck ein richtiger Hänge- baden zur Derfügung stand, wobei der Obenliegende als Aufzugs- kran für schwere Gepäckstücke seine Kraft zur Verfügung stellen muß. Nachdem derlei gründlich erprobt war, stellte sich die Neigung ein, auch wirklich zu schlafen, was nach dem Ruck an der gehorsamen Strippe, die das Licht ausschaltete, in der Tat auch gelang. We- nigstens solange, bis der Untenliegende auch an der Strippe zog und es wieder hell wurde. Dies abwechslungsreiche Spiel wurde fort- geführt und schien bereits einige Fehler des fürsorglichen Schlaf- wagenkonstrukteurs enthüllen zu wollen, als glücklicherweise der Probezug mit einem Ruck auf dem Anhalter Bahnhos hielt, bevor seine Gäste ihrem kritischen Empfinden freien Lauf lassen konnten. Trockener Zroft. Die Schneedecke, die der so früh hereinbrechende Winter uns zuerst bescheert halle, ist längst von den Strahlen der Mittagssonne zerstört worden und kümmerliche Reste haben sich in Bodenvertiefun- gen, Furchen und Gräben enthalten. Sonst tritt der Fuß auf die hartgefrorene Erdkruste, und läßt man den Stock in der Hand tanzen, so klingt es, als ob man auf Granit schlägt. Dem Landmann und — der Jugend wäre der Anblick einer Schneelandschaft willkommener, erstercr bangt um die Saaten, letzter! betrauert den so schnell dahin» gegangenen Schlittensport. Für zwei Tätigkeiten ist das Wetter aber geradezu ideal zu nennen, für die Ernte des Schilfes an den Rändern der Seen und Teiche und für die Eisgewinnung. Das meist mannshohe Schilf läßt sich bei trockenem Frcst mit einem „Schraper" bequem abstoßen, was gegenüber dem Abmähen mit der Sense den Vorteil schnelleren und weniger ermüdenden Arbeitens hat. Ist Schnee zwischen dem Schilf gqlagert, so geht das Berge» der abgehauenen Halme auch weniger rasch vonstqtten und mancher Halm bleibt liegen und wird in den Schnee getrampelt.— Für die Eisgewinnung hat die Kalle von 7— 10 Grad gleichfalls die denkbar günstigsten Borbedingungen geschaffen. Das Absprengen, Teilen und Zerkleinern der Schollen bietet dem Beschauer ein malerisches Bild, das nur von dem der Eisfischerei übertroffen wird. Sind auch die Eisblöcke, die zur Verladung kommen, nicht ganz so dick, wie jene Mammutklötze von den norwegischen Fjorden, die in früheren Iahren zur Sommerzeit in Swinemünde ausgeladen wurden, um nach dem„eislosen" Berlin verfrachtet zu werden, so hat die Källe doch schon ganz wacker gearbeitet und Brauer und Schlächter können sich des Eissegens freuen. So hilft auch der Winter, uns von der Valuta senkenden Einfuhr unabhängig zu machen und gibt außer- dem einer Reihe von Personen Arbeitsgelegenheit— als Ersatz für so manche Draußenarbell, der die Kälte den Lebensfaden abge- schnitten hat. Neue plünüerungen. Geschädigte Konfektionsgeschäfte im Skadtinnern. Nachdem es ein paar Wochen von Plünderungen in Berlin still gewesen ist, haben sich am gestrigen Nachmittag leider wieder einige derartige Fälle ereignet, und zwar hatten sich die Plünderer diesmal das ScheunenvierUI. zum Schauplatz ihrer Taten auserschm, unter denen zunächst eine Anzahl Kleinhändler zu leiden hat, weiter- hin die Gemeinde Berlin, die den Geschäftsleuten den aus einein Tumull erwachsenen Schaden ersetzen muß, letzten Endes also die Steuerzahler. lieber die Borgänge wird uns im einzelnen ge- meldet: In Trupps von 5 0 bis 200 Personen erschienen die Plünderer vor den einzelnen Geschäften, zertrümmerten die Schaufensterscheiben und räumten die Auslagen aus. Leider gelang es der mehrfach alarmierten Schutzpolizei nur ttt einem Falle, sechs der Leute festzunehmen. Eine große Anzahl von Plünderern, die beim Nahen der Schutzpolizei geflüchtet waren. wurden von Beamten der Abteilung unauffällig verfolgt. Als die Beamten feststellten, daß die Plünderer sich in der Neuen Schönhauser st raße im Eofe Dalles— einem bekann-., i Stelldichein auerhanv lichtscheuen Gesindels— sammelten, wurde von neuem die Schutzpolizei alarmiert. Die Wirtschaft wurde un?- stellt und ausgehoben. Mehr als 100 der rm Cafe Anwesenden wurden dem Polizeipräsidium zur Vernehmurg zugeführt. 30 Personen plünderten in der Linienstr. 12 das Kon- fektionsgeschäft von Moses Bier, wo sie verschieden« Mäntel und Herrenanzüge stahlen. Beim N-.heN der Polizei entflohen sie in die Richtung Rosentholcr Straße. Ein weiterer Haufe zerschlug die Schaufenster- und Türscheiben des Trödlergeschästs von Piepereperg L i n i e n st r. 2 3 8, und die Auslage des Konfektionsgeschäfts von Boß in derselben Straße Nr. 7/8, wo einige Herrengarderoben ge- raubt wurden. Das Schuldkonto der verhafteten Nnubcrbandc. Die Nachiorscbungen über das Scbuldkoiiio der geftem verkosteten Räuberbande haben jetzt zu neuen Ergcbnisien gcsüort. Bei einein der verbaktelen Räuber winde, wie'wo» kurz beiiwier, euie goldene Taineiiuhr g-sunden, die, wie sich bei Rnchprü'ung berausncllle, bei dein Naiibiibeitall in Gute»-Gei Mendorf niilgernubt worden ist. Toll drang eine vicllöpfige Bande mit Totschlägein, Revolvern und Handgranaten»n ein Bauenigcbö't ei», während de» Besitzer abweieud war. Die aiiiveiende» Fani'l'e»» Ser Trambchnwagen der Zreiheit. 2] Zlovelle von Otto Rung. „Lebwohl, Großvater!" Und Solborg faßte Manghild beim Arme. Ankersen kratzte sich im Nacken.„Wollen die Damen fün� Minuten mit mir gehen?" schlug er vor.„Dies hier ist ja nur mein Sommerhotel." Er führte sie über den Steig feldeinwärts in ein dichtes Gestrüpp. Zaunpfähle ragten aus der Erde, und über dem Bach lag ein Brett, das Manghild durch ihr Gewicht beinahe durchgebrochen hätte. Große Haufen von Reisigholz und-topf» fcherben lagen auch da. „Der richtige Löschplatz!" höhnte Solborg. „Nein," sagte Ankersen,„aber Gemüsegärten waren hier, und zum nächsten Sommer gibt es hier ein DMendorf. Und dies ist mein« Jahreswohnung." Er wies sie hinten um einige Sträucher herum, und da stand mitten auf dem Plan ein großer gelber räderloser Tram- bahn-Beiwagen mit in das Pflugland gepflonzten Achsen. „Linie 9!" rief Manghild und tippte mit dem Finger auf die Poiderplattform.„Warum ist der hier stehengeblieben?" „Er wurde auf die Ausweichfchiene gestellt und als Gartenlusthaus für die Sommersaison verkauft," teilte Ankersen mit,„steht aber infolge Wohnungsnot leer. Bitte, meine Damen, in den Salon einzutreten. Ich halte mich an die Berorcha!" Solborg kratzte mit dem Nagel unter dem Fußbrett der Vorderplattform, um es zu heben.„Ob hier nicht ein Zehn- örestück liegt?" An der Decke stand noch die Aufschrift„Platz für 8 Personen" und die blaue Emaillierreklome eines Zahn- technikers, der es fabelhaft billig machte.„Dos ist eiw großer Schwindler," meinte Solborg,„er zog mir fünfzehn Zäbne. als ich vierzehn Iabre war. und gab mir nur zwölf zurück!" Sie schmiß sich rücklings auf den Sitz und steckte die Beine in die Luft, um ein wenig zu zanneln. Als sin aber bemerkte, dcß aus dem Polsterbezua die Asseln wimmelten, kreischte sie aus und ließ im Nu die Füße binob. di" augenblicklich bis zu den Knöcheln in das Grundwasser des Wagens tauchten. Sie wurde hysterisch. „Jawohl, man sollte schöpfen!" räumte Ln'ersen ein. Cr wandte den Sitz um und klopfte ihn aus. Dann zupfte er die Gardine vor den Scheiben zurecht.„Es ist bißchen finster," sagte er,„aber dafür absolut dich� falls die Damen es bequem haben und Toilette machen wollen—?" „Mit was?" schrie Solborg wütend, die«letzten Haarnadeln aus dem Kopf schüttelnd. Die mattgelben Locken ringelten isich über ihr Gesicht. Sie schlug nach ihnen. !„Ich könnte ja einige Haarnadeln herstellen," meinte Ankersen.„aus einem Stück Stocheldraht vom Zaun." „Und einen Kamm habe ich auch," fuhr er fort.„In ! meinem Handgepäck." Er öffnete feinen Mantelsack und zog einen alten Regenschirm, eine rostige Petroleumlampe,� ein gestreiftes Reservehemd, einen Teekochcr und zwei JahrZänge des„Figaro Illustre" hervor. Endlich eine merkwürdige kleine flache Schüssel. Das fei das Waschbecken, erzählte er, und zugleich ein historisches Kleinod. Es fei der Spucknaxf Seiner seligen Majestät gewesen und von einem Leibjäger, der dem König überall auf seinen Reisen folgte, ihm geschenkt worden. Und hier sei der Komm,— die meisten Backenzähne habe er noch. Er leerte den Sack und entnabm ihm seine weiteren Habselig- keitnen. darunter vierzehn zusamniengerollt« Bilder auf Leinwand. Solborg moß ihn höhnisch:„Man sollte glauben, Sie seien ein Lumpensammler!" Sie legte einen„Figaro"-Vand auf ihre Knie. Er war 1880 gedruckt, fand sie mit Ekel heraus, also qanz alt und dazu halb naß! Dieses Buch, erzählte Ankersen andächtig, habe er in Paris auf dem Seine Kai gekauft, im Jahre der Wellausstellung. Er war zu Fuß dahingewondert. Solborg blickte argwöhnisch auf.„Was geht das mich an!" sagte sie. Ankersens Anaen wurden schwimmend Er verlor sich in Erinnerungen.„Paris!" murmelte er. Er sah Gesichte. Er ! beweote langsam und malend die Hände. Solborg feuchtete einen Fing»? und wandte die Bläller. »Fig"�". los sie und nickte. Das Wort verstand sie. Da war eine Illustration von Damen, die mit durrbbrochen-n S'iden- strumpfen tanzten, daß die Spitzenröcke bis zu den 5bron- leucht-'n ankfloaen. ..Bal Mabille!" flüsterte Ankersen. einen zitternden Finger ausstreckend. „Blödsinn!" bemerkte Solborg.„Halten Sie den Mund. während ich lese!" Manghild war mit offenem Mund schwer auf den Sitz gefallen und hielt Rast...Ich bin so hungrig!" sagte sie ein wenig später mit umflorter Stimme. „Großvater geht zur Stadt," tröstete Solborg,„und Holl Abendbrot." Sie erhob sich drohend.„Und zwar gleich jetzt." Ankersen besaß elf Kronen als Erlös für verkaufte Bilder. Es war eine halbe Melle bis zu Kaufmann und Bäcker, und es währte zwei Stunden, ehe er heimkam mit Rundstücken. Rollwurst und einer Dose Saidinen. Solborg war sehr unzufrieden, insbesondere mit den Sar- dinen, die in Tomaten eingelegt waren, nicht in Oel. das sie aus der Dose zu trinken liebte. „Aber warten Sie bloß bis morgen!" sagte sie und schlug nach dem mit Hellem Bachwasser gefüllten Blechbecher, den Ankersen ähr reichte.„Ich hätte nicht gedacht, daß Sie geizig sind, Anketsen— Damen gegenüber!" Sie ging in den Tramwagen hinein und legte sich auf den Sitz.„Zieh die Türe zu, Manghild. Wenn ich was will, klngle ich!" Sie breitete Manghilds Ulster über sich und drehte sich aus den Magen, um zu schlafen; Manghild diente ihr als Kopfkissen. Draußen jedoch auf der Vorderplattiorm wachte Kunst» maler Ankersen. Der Himmel säete eine Menge seiner Sterne aus; Ackerland und Wiesen aber lagen noch im Nebelschleier, sah er. noch mit einer kleinen Nuance von Rosenrot noch dem Son-nenuntergang. und wie wohl die Felder ja eigentlich grün waren, wurden ste nun ganz violett und schwarMau, wie Wogen eines Meeres. Vier Mühlenflügel standen wie ein schwarzes Friedhofkrevz droben im Hintergrund: es wurde kühl, es rauschte von Wind da drin in dem Gestrüpp, und Ankersen zog den Rockkragen ganz über den Scheitel hinauf. setzte den SemtHut daraus und versuchte zu döseln. Aber er iah stlige Gesichte. Da— da drin hinter den Glastüren schliefen zwei junge Eeschönfe. vom Sehicksol ihm anvertraut. Er v""' ollein mit ihnen in der Natur, sie waren wie d'e ersten drei Menschen, in Edens Garten gesetzt, auf Gut und Böse! Weit war er gewandert! Er träumte von den langen Landstraßen, dielen schönen Kunstreilen zu Fuß. die er oll» jährliest unternahm, vom März bis n-m näcksten Nov-mber, drüben von Iütland aus. wo er ein kleines Häuschen stall- mit selbstdetarierten zwei Stuben und eigener Küche im.Schutz einer Düne draußen'«n der Nordsee. (Fortsetzung folgt.) Mitglieder, Mägde und Knechts wurden gefesselt und daZ ganze Gehöil durchi'uwt. Gestern wurden den Ileberfallenen die BUder der Äerhaileten vorgelegt. In den Photographien erkannten sie nicht nur Jandte, bei dem die Uhr gesunden wurde, als einen der Täter wieder, sondern auch in Walter Hölter iind in P l ä l l n e r die Amühler der RänoerbanSe. Die Austlärung weiterer Raubübersälle dieser Ärt steht bevor. lkin Helü vom grünen Nasen. Zw-i Jahre Zuchthaus für den Renusiallbesitzsr Skempel. Die aufsehenerregende Affäre des Rennstallbefitzers Alfred Stempel bildete den Gegenstand eines umfangreichen Strafprozesses, welcher gestern vor der 2. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Müller begann und p»ch zu Ende geführt wurde. Die vom Staatsanw. Berg vertreteue Anklage lautet auf gewerbs- und gewohnheitsmäßige Hehlerei. Als Verteidiger des Angeklagten fungierten Justiz- rat Wronker und Rechtsanwalt K a l i f ch e r. Der fetzt 28jähnge Angeklagte hatte in den Jahren 1916— 18 gemeinschaftlich mit dem Effektenkassierer Richard G e r i et e, der mzwischen zu 2 Lohren Gefängnis verurteilt worden ist, das Bank- Haus Bleichröder um insgesamt 7 Millionen Mark geschädigt. Von dieser Summe ist allerdings der größte Teil durch Verkauf des Stempssschen Rennstalls und anderer Wertsachen wieder zugunsten der Bank zurückgeschafft worden. Der jetzt 6 4jährige Kassierer Richard G e r i ck e, der als Tresorverwalter Zugang zu den Effek- tendepots hatte, hatte die ihm anvertrauten Kriegsanleiheftücke unter- schlagen und sie dem Angeklagten ausgehändigt, der damit die wildesten Geschäfte machte, unter anderem einen Rennstoll und eine Gemäldegalerie gründete. Staatsanwalt Berg hielt den Angeklagten auf Grund des Er- gebnisses der Beweisaufnahme der gewerbsmäßigen Hehlerei für schuldig und beantragte eine Zuchthausstrafe von 18 Mo- naten. Dos Gericht ging jedoch, da gewerbs- und gewohnheitsmäßige Hexerei vorlag, über den Antrag des Staatsanwalts hin- aus und erkannte auf 2 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehr- verlust unter Anrechnung von 10 Monaten der erlittenen Unter- fuchuirgshaft. Schuh de» Publikums t» Varietes. Verschiedene Vorkomm- nisse der letzten Zeit haben dem Polizeipräsidenten Veranlassung gegeben, die PcvzciSmter darauf hinzuweifsn, der Sicherheit in den Varictetheatern erhöhte Aufmerkfamkeit zuzuwenden. Bei allen Vorführungen in dies?« Theatern, welche die Darstellenden irgendwie in Verbindung mit den Zuschauern bringen oder bringen können, also namentlich bei Vorführungen oberhalb des Zuschauer- raumes oder dem Austreten von Kunstjchützen, isi unter allen Um- ständen dafür zu sorgen, daß die Sicherheit des Publikums nicht ge- fährdet wird. Vorführungen über den Köpfen der Zuschauer dürfen hiernach nur geduldet werden, wenn diese durch ein ausgespanntes Netz gegen ein etwaiges Hinabstürzen des Artisten gesichert sind. Kunstschützen dürfen niemals über Personen, die an der Darbietung nicht direkt beteiligt sind, hinwcgschiehen. Die Turchführungsbeftimmungen-tum Gesetz über die Ei«. rommensteuer vom Arbeitslob«, die in Ibrem aavzcn Umfange am>. Ja- nnar l9SZ in Kraft treten, sind im Zentralblatt für da» Deuil�e Reich ver- öffentlich! worden. Sie sind zu bezieben durch die Exv! blatte» Berlin W 8, Slau e r st r. 44, zum Preise f ZNorgea. Sonnkag, den IS. Dezember: Wablleei, Webdi-g. Dorinlttaas 10 Uhr Sitzung der Stadt- und Bezirk-»««- orduereu bei Kerfin. Paulsir. SO. BollzShlig und pünktlich-rfchelnen. I2Z.«it.«-nl-torf. Borwittags 10 Uhr bei Hilbner, Bahnhofftratze. Treff. vunlt zur Flngblattrerbreitung. 1Z7.«bt. Zlclnickcndrif.Dest. Die Ec nassen«erden ersucht, am Sonntag ihre Kinder bei der Genossin Oehlle. Auzustc-Wktoria.Alle« 21, zur Weihnacht-. feiet anzumelden., 139.«it. Tegel. Mittags 1? Uhr Eedenksteineinweihnng-nf dem Tegeler "riedhof fSr die Marzopfer von Hennigsdorf. Treffpunkt 111h Uhr Rest. Zehnhardt. Zu»'lozialisicn. Gruppe Lichtenberg: Wanderung nach Strausberg. Z punkt« Uhr früh Bahnhof Stralau.Rummclsdurg fRormaluhri.— S: Britz trifft sich zur Kundgebung gegen die Schnndliteraiur Sonntag. ü Edition de» Zentral v on 2 35. Tie Weihtiachtsanssiellnug im stugrndbelni Lindenltr. 3. II.»dos 3 T: etipen, ist am Tonntag, den 18. Dezember, in der Zeit von 10-7 libr geöffnet.?i« zum 98. jeden Tag von S— 8 Uhr geöffnet. Ausgestellt werden: Bücher, Kesellscha'tslviel-, Musilinstrumente, Sport und Bc- kleidungsarlilet zu billigsten Preiseu. Eharlottenburger Berein für pädagogisches ssilmweien. l>m sschillei-Zlealgymnasiiim, Schillcrstr. 26. Tonnabend, den 17. d. Mt».. abends si und 8 Ubr:»Dorniöscken", Aus dem Zcben einer Puppe",„Sarow— PicStow". Die Neberlchüffc aus dielen Pcion"altungcn werden restlos zur Deckung der Unko:«n für die Ledrftlme verwandt, die der Lerem nnent- geltlich für die Schulen lausen läßt. Groft- berliner partefnackrichten. Heute, Sonnabend, de« t7. Dezember: kor. Fllr unser Marionetteulheater heut« abend 7 Uhr er Aula Gleimstr. sind noch Eintrittstarten an der Kasse zu haben. �F>as Puppenspiel von Dr." MMM t.»rei». ")r. Faulst.' Eintritt ersucht« olle übrigen Karlen sofort bei Scclblnder abzuliefern. 123. Abt. Kanl-dors. Unsere Weihnachtsfeier w Hamann» Sesellfchaftshaus beginnt pünktlich um 8 Uhr abends. Zuugiozialiste». 7 Uhr im Jugendheim de» Ostens, Große Frankfurier Str. 10, Weihnachtsfeier, u. a.: MusilvortrSge, Rezitationen, Zielgentllnze. Ein. tritt frei. SSst» willkommen. Britz trifft sich zur 18. Dezember, um VN ist eingeladen. .-gen .ein Idealspielplatz. Treff. Gruppe Sonntag, den Die Urbeiteriugend Jugenöveranftaltunyen« Heute. Sonnabend, den 17. Dezember: Erue Biutersonuciirpeudt findet heute abend in Falkenberg statt,«ufg», fuhrt ioird die Rütlifzene aus„Wilhelm Tell". Zllle sudlichen Abteilungen� sind dazu eingeladen. Die Abteilungen werden um Vji Uhr am Bahnhof Srstnan erwartet. Di« Tauderleiteilauserenz findet Liudenstr. 3, 2. Hof, S Treppen, statt. ---—-•• eute abend um 7 Uhr im Jugendheim jortrag mit Lichtbildern über„Pflanzen- künde". Alle Wanderleiter mllssen unbedingt erscheinen. Saulwitz veranstaltet eine Weihnachtsfeier in Lchmanns Feftsälen, Kaiser- Wilhelm-Str. 2g/S1, bestehend au- Konzert. Sesaug. Festred«, Rezriatwuen und Reigentünzen. Morgen. Sonntag, den IS. Dezember: Gin« Welhuachtsfcier findet vom Kreis Prenzlauer Berg morgen Sonntag, den 18. Dezember, abends K Uhr, in Bllttuers FestsSlen, Schwedter Str..8. statt. Programm bestehend au» Etzaraesaua, Prolog. Rezitationen, Lieder zur Laute und SefchenkverteNung. «tritt 2 M. Muflk. Anfang« Uhr. Eintritt 2 M. Bahusdors veranstaltet zu« elnjZhrlaeu Besiehe» der Abteilung ei» Stiftungsfest bei Hoffmann. Riedelstratze. Da» Programm besteht aus Musik. Gesang, Ansprache, Rezitationen, Bolkstinzen und verschiedenem mehr. Der SPD.-Siingerchor Bohnsdorf hat setll Mitwirken zugesagt. Allfang 6 Uhr. Eintritt frei.___ Wetter bis Sonntag mittag. Meist trübe nnb vielfach rieblig, ctwoZ wäimer, an der Küste wiedkrüell slärkcre. im Biinnnlande mehr v rewzkll« und schwächere Rcgenfälle bei mätzigrn südwestlichrn Winden. 4*. Ju/., 444-, 400KW. 1810-Ol-. flÖfay/ Wimimm Extra billiges Angebot! Herren-Änzöge....... noa-«».- m- 820- Herren-Paletots u. Raglans im- m- m- 450.- Barsehen-AnzQge a. 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KOGNAK deutsch und ira»,SINch hochfein« Taf.NItsre, Portweine, Malaga, Taragona-,Rhew-,Mos«I. und Bo deaur-Weme »mp, z.bUl!glt.Tage«vreis, Belle u dtilizste Bezug.- quelle f E-lf», Rest., Diel. tUniinri Brauer, SW gfttebrichsir,2 7 A gw 810 FUi rlen Jnoalidenstr l I l. ?iordZ7u>- Kl ffrantfurler S!ratz-18-l9 Könlgst,7821 G: m Münch, fi aacbcrdank! az sich Mittel. Ii Rauchen ganz od. le lw elnzu- r teilen UTirkunu Lverbl Ausk.ums li/ers. aanlt Art _ Og En« brecht düncluR 146, Kapuz St? IMMle Kubier, Meistng. stinn, _ 3«a', Blei, fämtl Metall- C druch kauft zu höchsten n Preisen mar« xnrEileScndelst ZumWeiiinaclitsfest neu eingetroffen: SchlGnfpr angeviebt~m Fut'er OUIIlUpier»n ver.ch.edenep Faxben Paletots schwatz und Marc go JackettanzQge wau rwm Hotrespun und versah eoene an eie Farben Cutaways, gestreifte Hosan Gummimäntel alias In sroGer Auswahl vorrätig Karl Burger fSÄ? 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Stellungnahme zur Aiiubigunq bro ManteUarif». 3. Bronchen- angrlegenhetten Ohne Milgliebsbuch kein gulritt! MF- Sonniag von I KI» 6 Uhr geöffnet-Hde WS» IM MMIulser. Monlng. den 20. Dezember, nachm. S A!,r. im Ueichenberger yos, Zieichentergcr Str. Hl: Branchenvexfammlung der Melalldrücker und Polierer. Tagceorbnungi I. Bericht über die Werkzeugsrage. 2. Brnnchenaiigelegenheiten. 3. Berichiebene».___ Montag, den 19. Dezember, nachm. 8 Ahr. tut Dresdener töotlcn, Drrebener Strohe 4äa, Sie Prinzrnstrahe: Branchettvevsammlimg der Emaillierer u. verw. Berufe. Zageeorbnung: t. Stellungnahme zur «ilndigung unsere« Lohnabkommen», i. Branchenangelegenheiten und Verschiedene». 10i/l7 St« Orwoermaltnng. verbzO Der glllWslvek öilfsotöelftt m Albeilerikliev SeuWlMs Achtung, Solleginne» und Kollegen l Innerhalb unserer Miiglicblcha.I wird cin Flug- blatt»erbreiie«, bao zum Besuch«tnee am 18. Dezember in der Brauerei Friedrichthain stattstnbrudcn Versammlung einladei. Di» Beriomminna ist keine vom Barstand einberusene Milgiieberoersammlungi e» isi demnach niemand vcrpslichiet. on bieser teilzunehmen. bort resahte Beschlüsse h-lie» "glie.schast""' Etwa!.. für die Zilitg chast keine Slnoung. Labt euch nicht mihbraucheu! Der Ort» orstand wird in einer Mitaliederver über sein BerhaiienRrchenichali ablegen. Dar Drtsnorstand. sammliuigl kZeerinn« l» Z Xla»»»!i virivili von liher lZZWiiSMNkMJi PiLmie» und iUnpipendutie»ori MürV.: Z-7ZSWD 4-500000 4-300000 Fast Jedes rn'elte Los aeuinnjl Ziehung der I. Klesse 20 u. 2l.Deztinbsr AcbUl, Vler'-ol. Halb», vua»« I,o«a Ü SO- HS§ö~ Mark Porto und Liste 1..20 Mk. oxtra« Schwarz�" �uiwuuch r,»n,t>a,«r NtueKönigst£5 Auch aa haboü hei: Schwarz ä«ruh so« *11,11 kf Wi«. perJ()n f|ean,j8,S{r. 35. eredlaikr»»,,. eiüiiuqatt Berlin Bklif SoEinteO von 1 öls ö uar fleöüücl! �Beartiien�He�mMhrej�SjhdhankemL��DnflJ� kür Weihnachten! 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Schulte, Hiemann, Kinz,»Hat. »ernkurg.T.Tw ardowaki Jünger) Senat«!_" Schftn'eld. Fürth. Sbd 4 Uhr, kleine Pr Max und Moritz Kleines Theater Tlglien Vi, Uhr Jaqneüne Roge Berten«, Carola Toelle, J. Falkenstein. Werkmeister, Albers Bern. Mame'ok Shd 4 U, kleine Preise Scheaewittctien Senn lag: ErdggUrt Maria Orska, Dernourg Komodienhaus 7.m Die Fahrt ""' ins Blaue Otlssncr, Richard, Eagl, Pröckl,SlIeda,D«rnbur2 Berliner Theat. Täglich 7.30 Uhr;; (Pr/nse/ftn FritziM2Ssarya.a.i Ralph Arthur Reberts. Pepl Zampa, Hb. Klper 1 1 Central-Theatar vi, v.: Betsktlmädcl Oeatschee Opernhaus vi, utir: Die ßoheiae Frledr.-Wllhelmst. Th « uhr: AmericsD Girl; tatimes Theater AU: vi» große Stadt 1 1 Der Schleier Klela. Schauspielhaus 7'/, Uhr: Klk! Sonntag T1�: Reihen Lostspielhaus 8 Uhr: flahncnkampf! Sittl» Fürderun� Motropol-Theater 7LvD.SlP8ßensäii[|eriii Heues Cperetlen-Th. 8Uhr:Kiinlgind.li8cbl Neues Opereltenhaus| SchönePe., Hauptstr. 144 1 8 Uhr Einmal kommt i diu Stande Neues Theater am Zon i Bis 24. 12. Dir. U HauDtll u�-Jasileulsch.-Leiiij Neues Volkttheater 7 Uhr: Die Gezierten. Der zai hroch. Krug Sehllter-Th Cnarlbg. 3 Uhr 15: Wilhelm Teil JJhWIntEPinärclien Schlolpark-Th Steglitz vi* uhr: Jugend Thalia-Tneater ,�:Srtani'Dlcli, Lottel Theat. am Nollendorfpl. •I; Sclmeewcitt u.Rosenr. u!- Die Ebe im Kreise TheaWr dos Westens 4 17.: liansal Gretel Braut ILocuDiis Th.i d, Kommandant Str (Jüd. Kürntl.-Th.) VI, Uhr: Dybuk Wallner-Theater 7'/,uhr:DieIanziräfi!i Walhalla-Theater u Jung muS man sein F ritzi Massary denn ditsjähnges Gastspiel am Berliner Theater dtmnidisi zu Ende gehen sollte, bat, veranlaßt dvtttx den un- gewOhnlldien Erlolg von Prinzessin Olala Vaudevilte von Bernauer und Sctianxer, Musik von Jean Gilbert ein neues Abkommen mit den Direktoren Mtintiaid und Berr.äüer getieften, dcmzutolge ste bis zum t S. Januar täglich im Berliner Ttieaiei außrelrn wird. Am 27. Dezember findet beiells die wo. Aufführung dieses er.olgre OiUen musikalischen Schwankes statt in der Etemlercn- besetzung: F ritzi Massary a. G. Ralph Ärthur Roberts Pepi Zampa Herbert Kiper Robert Scholz, Grete Landt, EUy Branden, Paul Rehkopf, Ernst Rehmer, Jenny Marba, Frieda Lehndorff, Wally Koch, Paul Pruegel, Heinz Alexander. UuslkaU Leitung: Hugo Uoesgetu Casino-Theater t.Ot bring. Str. 33 Tägl.7r< Der neue Schlager! t/olksstücK in 4 Aufz. sonntag F/, U�r: Martins Abenteuer F0LI2S CÄPRICG Lia.enstr. 132 Täglich 8 Uhr: WM IHN Sonntag'/jt Uhr: Die ScbiftbrüchlgeD (zu kleinen Preisen) j Kärietß-SpielplaB Rauchen gestattet| Theat a Kottb.Tor Ih Set.üRorip. 16077 Vf Tagt. I-.Uhr n. Stp nadim. 5 U Elite-Sänger 6onnQbinb3'/2: „Hansel und CircfeD4 Kleine Preise! ILIRCUSI BUSCH! |rgi.7'»Sig.a'Ch 3U.] Morgen I SocntagsMe ! Nachm. i Kmd iro.| I N'achm. tUhr zu" j 1 letzten Male.Im I [Reiche d. Porzellans! 1 Ahrnds lli,.DU I I Schlange d.Durga? 1 v'r f.Wenh.u ZlikK| RelchshallenTh, ater Ailabendlicn 7ViUhr u. Snnntai hm. tU. Stcttlncr S ü n g e r Stg.nachm. bal�r Pr Dünhoft. Brettl t Am. VI, U. f r--M Garderoben AnzQ�e, Schffip er, Raglans, Paletots, g streifte Hosen für Herren, Mfintcl, Kostüme, Röche für Damen auf bequeme Teilzahlung GrcMer -onntac, I.Dez mber, ron I bis 6 Uhrpcöfinci Vorwaräs-Inscrale vrrMrjim Erioi«! 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Aus diesem Grund« gewann es in diesem hachpolitischen Prozeß bei der langen Beweisaufnahme mit- unter den Anschein, als ob es sich um einen Bagatellenprozeß handle. Ob die Angeklagten mehr oder weniger stille Teil- Haber am Kapp-Unternehmen waren, ob sie an dieser oder jener Sitzung mit mehr oder weniger großer Aktivität teil- genommen haben, das schien des öfteren wichtiger als die großen Zusammenhänge, die dem Putsch zugrunde lagen. Mit erfreulicher Frische hat der Oberreichsanwalt Eber- mever in seiner zweistündigen Anklagerede das Netz juristischer Zwirnsfäden zerrissen, das von den Angeklagten und ihren juristischen Beratern zum Schutz um sie geflochten wurde. Allein die Aneinanderreihung der Tatsachen beweist ja schon zur Genüge, daß sich die Angeklagten des Hochoer» räterischen Charakters iyres Unternehmens bewußt waren. Mit schneidender Klarheit zählte der Ankläger die Tatsachen auf: Der Versuch Kopps und des Obersten Bauer, schon im November 1919 die Nationalversammlung gewaltsam zu stürzen, das lange vor dem März erfolgte Angebot Kopps an Jagow, in sein Ministerium einzutreten, das gleiche Angebot an' Schiele und Wangenheim, das Zusammentreffen am Brandenburger Tor um 6 Uhr morgens— daß die Herrschaften einen schönen Morgenchaziergang machen wollten, sei doch kaum anzunehmen—, die gemeinsamen Tagungen in der Reichskanzlei, die Amtsübernahme und Ausübung durch Jagow, die Aktivität Wangenheims und Schieles bis in die letzten Stunden, das Amnestiebegehren, alles das sind Belege für die Schuld und das Schuldbewußtsein der Angeklagten. Lägen die Dinge nicht ohnehin so klar, die bei Schiele efundenen Brief« Kapps und die beschlagnahmten apiere Schnitzlers liefern ein übriges an Beweis- Material. Kapp verurteilt in seinem Briefe an Westarp aus- drücklich die Taktik, vor Gericht sich darauf herauszureden, als ob man durch die gewaltsame Lahmlegung der Regierung, die Absetzung der Nationalversammlung und des Reichspräsi- denten lediglich die Verfassung habe schützen wollen. In Wirklichkeit sei doch die Absicht viel weiter gegangen. Kapp, der sich in Sicherheit befindet, lehnt es ab, den falschen Anschein der Verfassungstreue zu erwecken. Es wäre mir persönlich viel sympathischer gewesen, sagt der Reichsanwalt, wenn die Angeklagten offen erklärt hätten: Jawohl, wir halten die Revolution vom November 1918 und ihre Folgen als ein Unglück für das Volk und Vaterland. Wir haben des- halb beabsichtigt, dieses Unglück zu beseitigen, auch durch die Mittel der Gewalt! Ein solch offenes Bekenntnis. wie es schon andere Putschisten hier abgelegt haben, hätte Sympathie erwecken können, die Aus- flüchte erweckten das Gegentell. Mit Nachdruck weist der öffentliche Ankläger darauf hin, daß das Vorgehen am 13. März genau nach dem Programm sich abwickelte, das von Schnitzler vorher aufgestellt worden ist. Daß Kapp selbst erklärte, ohne Schnitzler könne er nicht regieren, ist ein weiterer Beweis dafür, daß das ganze Unternehmen planmäßig vorbereitet war. Besonders Dr. S ch i e l e, dem man dankbar sein kann, daß er all die belastenden Briefe fein säuberlich aufbewahrt hat, bis man sie ihm abnahm, hat an dieser Vorbereitung nach Kräften mitgearbeitet und trotzdem — heute wollen sie allesamt Unschuldslämmer sein. Der Ober- reichsanwalt erklärt offen, daß er von den Ausreden der An- geklagten kein Wort glaube. Hatte der öffentliche Ankläger sich aus eine kurze Uebcrsicht über die Tatsachen und eine einsache Klorlegung der juristischen Gesichtspuntte beschränkt, so stürzten sich die Verteidiger mit einer Häufung juristischer Spitzfindigkelten in den Kampf. Zunächst der Anwalt Jagows, Rechtsanwalt G r ü n s p a ch aus Berlin. Wenn man ihn hört, wundert man sich, daß dem armen Achaz Traugott noch nicht eine Prämie oder ein republikanischer Orden geliefert wird. Er, Achaz Traugott von Jagow, der langjährige Polizeipräsident und Regierungspräsident, hat nach Grünsprach ein Opfer ge- bracht, nämlich das Opfer, nicht seiner E i t e l k e i t zu folgen und sich durch ein offenes Bekenntnis zu seiner Tat die Mär- tyrerkrone aufzusetzen. Jagow sei viel zu klug, um sich zum Führer einer solchen Sache, herzugeben, und deshalb hält der Verteidiger es für nötig, ihn freizusprechen oder doch das Amnestiegesetz auf ihn anzuwenden. Den Höhepunkt juristischer Saaltänz'erei erreichte aber der Verteidiger Wangenheims, Iustizrat G ö rr e s aus Halle. Er sieht nicht die Tatsache des hochverräterischen Putsches, er sieht nur die Tatsache des Generalstreiks. Der von den sozialistischen Regierungsmitgliedern ausgerufene Gene- ralstreik— sagte er— ist das größte Verbrechen am Volk«, denn wenn er strengstens durchgeführt wird, muß das Kind an der Brust der Amme verhungern, weil die Amme keine Nahrung geben könne. Der Totengräber weigert sich die Leichen abzuholen, datjer wird die Proletorierwohnung ver- pestet. Dos Messer entfalle dem Chirurgen, die Patienten sterben, weil das Licht verlöscht. Kurz Jammer über Jammer! Das alles sah Wangenheim voraus, als er in Berlin abstieg, weil Kapp ihn gerufen hatte, und weil er das voraus- sah, deshalb stellte er sich Kapp zur Mitarbeit zur Verfügung, damit das Ernährungswesen geregelt werde.(Wie Wangen- heim die Ernährungsfrage loste, das hat man allerdings weder aus der Beweisaufnahme noch aus der Rede des Verteidigers erfahren.) Der stille Teck- nehmer, wie Traub ihn nannte, ist nach Görres ein„Edelmann im edelsten Sinne". Und dieser Mann, der sein Leben lang angeblich uneigennützig für das Volk gearbeitet hat— wir denken hierbei an seine Einkommensteuer, die er jahrelang nicht bezahlte, weil sein Gut ihm angeblich nichts ein- brachte—, dieser Mann muß nach der Ansicht des Verteidigers freigesprochen oder doch amnestiert werden. Die allgemein« Beweisführung der Verteidigung ist ein- fach wundervoll. Die Nationalversammlung überschritt in dieser Zeit ihre Befugnisse. Sie beseitigte damit die Souve� ränität des ganzen Volkes, das Anspruch auf Neuwahlen hatte. Weil nun das„Volk" im Sinne Kapps zur Selbfthilfc griff, um augenblicklich Neuwahlen zu erzwingen, deshalb liege Hochverat nicht vor. wenigstens nicht bei Jagow und Wangen- heim, wahrscheinlich auch nicht bei Schiele. Bei Kapp und Lüttwitz— nun ja. ober die sind nicht anwesend. Und daß sie nicht hier sind, sagt Görres, kann man menfchlichver- stehen, denn es ist nicht Sache jedes Herrn, im Unterfuchungs- oder Strafgefängnis zu sitzen. Die Plädoyers der übrigen Verteidiger und die Schluß- wort« der Angeklagten werden auf Sonnabend vertagt. » Aus der Rede des Oberrelchsanwalts geben wir nach- stehend den bedeutsamsten Teil wieder: Ich kann mir unmöglich denken, daß die Getreuen des Herrn i Kapp, nämlich der Angeklagte v. Jagow, Herr v. Falkenhausen. Dr. � Traub usw. am Morgen des 13. März nur einen Spazier- gang nach dem Brandenburger Tor gemacht haben. Es � ist wohl ausgeschlossen, daß die Herren nicht genau informiert waren. ; zu welchem Zweck man sie im Tiergarten zusammenberufen hatte. (Und Luden dorfs...?!) Die Angeklagten behaupten, sie hätten die Verfassung nicht etwa brechen, sie hätten sie im Gegenteil st ü tz e n wollen. Ich nehme keinen Anstand zu erklären, daß lch davon kein wort glaube. Ich habe die Ueberzeugung gewonnen, daß das Ziel der Herren um Kapp ein anderes gewesen ist als die Angeklagten hier zugeben. Sie wollten meiner Ansicht nach die Diktatur, um dann die Verfassung grundlegend zu ändern. Ich beziehe mich hier auf den Brief des Direktors v. Dewitz an den General Ludendorff. Herr v. Dewitz war hier als Zeuge naiv genug, uns Glauben machen zu wollen, daß man in den Märztagen 1920 bei allen Borbereitungen sich nur gegen ein Losschlagen der Kom- munisten wehren wollte. Jeder unbefangene Leser aber oersteht aus diesem Brief ganz genau, wer losschlagen wollte. Ueber seine Ziele äußerte sich Herr Kapp ja auch dem ehemaligen Finanzminister Dr. Südekum gegenüber sehr offenherzig, als er erklärte:„Er habe das Parlament und die Ministerien verjagt und setze den Reichspräsidenten ab. Es gab wohl nach dem 13. März keinen Menschen in Deutschland, der nicht gewußt hat, was Kapp eigentlich erstrebte. Ein klassischer Zeuge ist Herr Kapp s e l b st. Wir schulden Herrn Dr. Schiele besonderen Dank, daß er die Abschrift des Briefes von Kapp an den Grafen Westarp so sorgfältig aufgehoben hat. In diesem Brief sagt Kapp: „Die Regierung sollte gestürzt werden und ich wollte die Rc- gierung übernehmen. Leider standen mir nicht die Machtmittel zur Verfügung, wie ich erwartet hatte, um das Unternehmen voll durchzuführen. Meine Anordnung, die gesamte Regierung Ebert in der Nacht zum 12. zu verhaften, ist nicht ausgeführt worden, woraus ich mich fest verlassen hatte." Ein sicherer Zeuge als dieser Brief Kopps kann nicht gefunden werden. Es ist mir unerklärlich, wie die Angeklagten behaupten können, daß sie mit dem Kapp-Unternehmen nur die verletzte Ver- fassung wieder herstellen wollten. Nach meiner persönlichen An- schauung wäre es im Interesse der Angeklagten schöner gewesen, wenn sie den Mut gehabt hätten, ! hier zu erklären:„Wir als gute Deutsche waren der Ueberzeugung, daß die Novemberrevolution unser Land ins Unglück gestürzt hol und daß es unsere heilige Pflicht war, eine Aenderung zu schaffen. Wir kannten die Bedeutung des Unternehmens und wußten, daß wir init unserer Beteiligung daran unsere Freiheit riskieren, aber wir haben es als unsere heilige Pflicht betrachtet, uns zu be° teiligen." Wenn die Angeklagten das erklärt hätten, wie es hier schon mancher andere Putschist getan hat, dann wäre mir das vom menschlichen Standpunkt aus ungleich sympathischer . gewesen. Daran, daß der Kapp-Putsch darauf abzielte, die B e r- fassung gewaltsam zu ändern, kann nach den vorge- nommenen Handlungen, wie Absetzung des Reichspräsidenten, Auslösung der Parlamentarien usw., kein Zweifel bestehen. Ich erinnere nur daran, daß in einer Reihe von anderen Hochoerrats- Prozessen schon ganz andere Dinge zur Erfüllung des Tat- bestandes des Hochoerrates ausreichten. Wenn in irgendeinem kleinen Nest die kommunalen Behörden durch einen Volks- Haufen oerjagt waren, dann hat man keine Bedenken ge- tragen, anzunehmen, daß auch durch ein solches Unternehmen eine Aenderung der Versassung bezweckt worden sei. Wenn aber bereits solch ein k l e i n es Unternehmen den Tatbestand erfüllt, um wie- viel mehr ein solches Unternehmen wie das Kopps, mit dem ausgesprochenen Ziel, die Verfassung zu stürzen. Die Frage ist nun, wie weit sich die Angeklagten ihrerseits an dem Unternehmen be- tciligt haben. Die Anklage nimmt an. daß sie als Mittister gehandelt haben. Die Verhandlung Hot nichts ergeben, was diese An- nähme zweiselhafl erscheinen lassen könnte. Die Angeklagten haben nicht nur Kopp unterstützt, sondern sie hatten auch ihrerseits die gleichen Ziele. Nach einer längeren Betrachtung über die Auslegung des Führerbegriffes fährt der Oberreichsanwalt fort: Wenn wir be- trachten, was die Angeklagten' getan haben, und wenn wir ihre Persönlichkeit in Rechnung ziehen, so besteht kein Zweifel, daß sie Führer im Sinne der Amnestie sind und infolgedessen von der Amnestie ausgeschlossen sind. Die Amnestieverhandlungen im März 1920 schalten kür sie aus. Wenn Männer, wie Jagow, Herr v. Wangenheim und Dr. Schiele, drei hochintelligente Persönlichkeiten, mit Kapp zusammen an der Spitze standen, wenn sie den G e n e r a l st a b Kapps gebildet haben, so können sie als das Hirn des Unternehmens angesehen werden. Allein die Tatsache, daß sie Kapp zur Seite gestanden haben, macht sie schon zum Führer des Unternehmens. Da- ' mit sind alle Voraussetzungen zur Verurteilung erfüllt. Wenn Ex- zellenz Düringer ini Reichstage gesagt hat, die Dummheit ist ■ die größte Todsünde, und der Kapp-Putsch war eine große Dummheit, so sage ich, er war nicht nur eine große Dummheit, son- dorn ein verbrechen, ein moralisches verbrechen am deutschen Volk. fius öer Partei. Das neue Parkeiabzeichen ist jetzt im Auftrage des Partcivor- standes nach einem Entwurf des Professors O. H. W. H a d a n k fertiggestellt worden. Die von einem schwarzroten Bande einge- faßte goldene Scheibe trägt ein in weichen und doch ausdrucksvollen und einprägsamen Linien schwingendes L.P.-Monogramm. Das breite rote L beherrscht das Kreisrund der Fläche. Hinter ihm erscheint, aus einem gemeinsamen Sramm nach oben und unten herauswachsend, das schlanke P, und zwar in doppelter Gestalt, so daß das untere gewissermaßen auf dem Kopf steht. Zluf diese Weise wird ein vollkommenes Gleichgewicht des Linienrhythmus erzielt und der Fläche bei aller schwungvollen Bewegtheit eine sichere Stabilität gewahrt. Die charakteristische Gestaltung der schlichten Formen machl das Abzeichen mich im kleinsten Format von weither erkennbar. Es wird als Anstecknadel ausgeführt wer- den. Sobald der Entwurf den RGM. erhalten hat, sollen ihn unsere Leser in einer Abbildung kennen lernen. Vom Kampf und vom geistigen Ringen der Arbeiterjugend. Im Verlag des Hauptvorstandes der Arbeiterjugendvereine Deutsch- lands erschienen soeben zwei Schriften, die das Interesse all derer verdienen, die Anteil an dem Kampf und dem geistigen Ringen der arbettenden Jugend nehmen. Der Verfasser der einen Schrift: „Was wir wollen! Die wirtschaftlichen und kultur- politischen Ziele der Arbeiterjugendbewegung" est Max W e st p h a l, der junge, in Bielefeld auf den Schild er« hobene Führer des Arbeiterjugendverbandes. Die Schrift enthält den auf der Bielefelder Rcichskonferenz der Arbeiterjugenddele- gierten gehallenen Vortrag Westphals, und ist auf Wunsch dieser Konferenz gedruckt worden. Westphal kündet das Wesen der Ar- beiterjugendbewegung in knapper, treffender Form mit den Worten: „Wir fühlen uns als eine aus der Zeit herausgcwochsene Bewe- gung, der diese Zeit auch ihre Ausgaben bestimmte." Mit Recht weist er darauf hin, daß die Gefarntjugendbewegung unserer Zeit, soweit sie überhaupt als ein Faktor unserer heutigen Ge- sellschaft in Frage kommt, in den Rahmen der sozialistischen Jugend- bewegung gehört. Er spricht dann von dem erzieherischen Einfluß der älteren Generation auf die Jugend, von Segenswerten und von den Gefahren dieses Einflusses. Was er hier sagt, ist gerade für erwachsene Leser sehr lcsens- und zum Teil auch beherzigenswert. Westphal spricht von der Stellung der Jugend in der Revolution:„Für uns Jungen darf es... nicht so fein, daß der Gedanke der Revolution für uns steht oder fällt durch ein Ja oder Nein zu den Fragen„Demokratie oder Dikta- tur", sondern wir müssen Anhänger werden jener täglichen, ja, stündlichen Revolution, die sich in jeder, ein Schlechtes zum Besseren wendenden Handlung ausdrücken." Mit diesen Worten berührt West- phal sehr geschickt eine Streitfrage, die die Köpfe gerade der Jugend seit langem beschäftigte und über die in den Arbeiterjuqendvereinen lebhaft diskutiert wurde. Westphal streift auch das Erziehung?- und Iugendschutzprogramm der organisierten Arbeiterjugend, um endlich die Z u k u n f t s a u f g a b e n der proletarischen Jugendbewegung zu behandeln. Cr zieht aus dem Wirken unserer Vorkämpfer und dem bisher Erreichten die Erfahrungen und notwendigen Lehren und schließt mit den begeisternden hoffnungsvollen Worten, daß die junge, die dritte Kömpfergeneration der Arbeiterklasse, die„gesteigerte Ausgabe durch höchsten Eiser im Wirken trotz alter Hindernisse" lösen wird.— Die andere Schrift ist die zweite,»eubearbeitete Auflage eines Büchleins zu den Fragen der Jugend o r g a n i s a t i r. n und stammt von dem in Magdeburg gutbckannten und geschätzten Arbeiterjugend- fctretär K a r l V o I g t Die Schrift, die sich ans ein reichhaltiges Material stützt, wird jedem an der Iugendr-beit interessierten Genossen ein wertvoller, unentbehrlicher Ratgeber sein. seh—. vereinigt haben sich die Sozialistische Partei und die lliiabbärgipe kominunistiiche Partei der Schweiz. Die orihodox-mcskoivltrschs KPS. besteht angeblich noch weiter. Mus aller weit. Eine schwere Grippeepidemie in Hamburg wütet seit vergangenem Freitag. Die Krankenzahl ist beträchtlich. Ein Todesurteil fällte das Schwurgericht Hannover über den Fabrikarbeiter Konrad Biefeke wegen Mordes nn seiner Haus- hälterin. Lei einer vergwerkskalastroph« in Montignies-fur-Sambre(Bei- gien) wurden zwei Bergleute getötet und sechzehn schwer oerletzt, davon fünf lebensgefährlich. Starke Vulkanausbrüche find in den Anden, dem gewaltigen Gebirge im Westen Südamerikas, erfolgt. Arbeitersport. Der stellt am Sonntag, den 18. Dezember, im Lo?af von Prasser, Michaeli irchstr. 2S», von 10—4 Uhr Schachwerke sowie Spiele aus. KC*i LINON Kein Wunder:• nichts mödii den AbieüunGsvorsfeher so nervös, wie wenn er eufsie wärien soll. Ohne die.<§uien MdssQry-StiQeretten kenn er nichi arbeiten. MaSSQtty-'ROQl 70£ - i.■:.-v■ �:-V Sonntag, den 18. Cezentlier 1921 von 1 Iiis 6 M geßffnef! m Em UKF�ZS»«» M Äff Ba AnH� seben vir unserer Rnndscimit bis zum 24. Dez. 1921 WBS IBr nei Bezugncbme auf dieses Inserat auk sBmtl. Waren Lodenbekleidung' Pelze SchlQpfer ftnto-Lederbekieldung. pelzgefütterte BascbliKs.nelzgeRittertefiato-lederbcndscbabe, ipfffl» varme voilene Schals, Auto- und Wagendecken UidüSI Orsste üiizMl!' ERtKUsäge WIM»! ♦ StouneM Milise Preise! Lager. Loden-Anzüge dllerbcsle cchtc Qunlifat, bes fesch gearbeiteter hochgeschlossen. Joppe, Nr. 1183, Graugrün. estehend aus mit Sattel, mit gutem Sergefuttcr, mit aufgesetzten Brust- u. Seitentaschen, herumgehendem Gürtel bezw. RUckengurt, außer- ordentlich zu empfehlen, mit»JOft mi� langer Mose. Pro Anzug---- M. iüüf iHeselb. Anzüge 815,- Hanchestersportnnzüge oder langer Hose, fesche Sportfasson, mit Brust- u. Seitenlaschen, a. gut. Sammelmanchester, pro Anzug tsson, mit aj5,- Dies. 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