Kr. 596 ♦ ZS. Jahrgang Msgade A Hr. 301 Bezugspreis: Viertiljahrl.«zug� Monatlich 12�- M. eiulchl. Zu- iiestungsgebühr. Unter streuzdand M Neutschland. Danzig, das Saar» und Lstemelgeblel. lowie die ehemals beul- scheu Sebiete Polens. Oesterreich- Ungarn und Luxemdurg 25,— M» für da» übrige Ausland 32.— M. Postdestellungen nehmet» an Oesterreich, Ungarn. TIchecho- Slowakei, Däne- mark. Holland. Luremburg. Schweden und die Schweiz, Der.Vorwärts" mit der Sonntags» I eilage»Boll und zeit", der Unter- dalluagsdeilage.Seimwelt" und der Beilage.Siedlung und Äleinqgrten" er>cheinl wochemäglich zweimal. Sorm- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: �Zozialdeutokrat verlin» Sonntags-Ansgabe Verlinev VolKsbleitt ( Svpksnnig) Auzrigenprris: Sie zehngespoltene Ronpareillezeile kostet 1,- M..meine Anzeigen» das lrttgedruckt« Wort 3,— iL!.t»S-«7 yhernsprenKr. Expedition Morivplav II7äa— a» Sonntag, den Dezember 1921 vorwärts-verlas G.m.b.H., SW HS, Lindenstr. 3 Srnrnforerhrv• B erlag. Expedition und Inseraten- �rrukpreryrr. Abteilung Morihplah Il7SS-K4 Die Note öer ReparationskommWon. Berlin. 17. Dezember.(EJIB.) Der deutschen Regierung ist in Beantwortung der Rote vom 14. d. 2R. folgende ZUikleilung der Reparationskommission zu- gegangen: Die Reparationskommisflon hat die Rote des Reichs- kanzlers vom 14. des Monats empfangen, in welcher er be- kanntgibt, daß die deutsche Regierung nicht in der Lage ist, die Raten der Jahresleistung vollständig zu zahlen, welche nach dem Zahlungsplan am nächsten 15. Januar und 15. Februar fällig werden und in welcher er die Reparalionskom- Million bittet, sich mit der Stundung eines Teiles dieser Fälliakeilen einverstanden zu erklären. Die Reparationskommission kann nur ihr Erstaunen darüber ausdrücken, daß sie in der Rote des Reichskanzlers »veder eine nähere Angabe über dle Devisenbeträge findet, welcke die deutsche Regierung an jedem der Fälligkeitslage vom 15. Januar und 15. Februar näcbsten Jahres zu liefern bereit sein würde, noch eine Erklärung darüber. welche Slundungsfrist erbeten wird, um den Rest- betrag zu zahlen, noch das Angebot von Garantien für die Zwischenzeit. Solange die Revarationskommission diese näheren Mit- teilunaen nicht erhalten hat. ist es ihr u n m ö g l i ch, die Bitte der deutschen Regierung in Betracht zu ziehen oder zu prüfen. Die Reparationskommission stellt mit Bedauern fest, daß die Rote des Reichskanzlers keine Angabe über die Maßnahmen enkhält, die er avoewendel Hot oder die er anzuwenden beabfichliot, um den wünschen der Reparation»- kommission in lbrer mündlichen Erklärung vom 13. Rovember un> in ihrer Rote vom 2. Dezember 1321, auf welche die Kom- Mission noch einmal ausdrücklich verweist, zu entsprechen. / DuboiSz Zohu Bradbury. * Betrachtet man die Mitteilung der Reparationskom- miilion ohne jeden voreiligen Optimismus, so ergibt sich die Tatsache, daß die Entente dem Ersuchen der deutschen Re- gien'ng nickt ahne weiteres ablehnend gegen- übersteht. Die Reporatianskommilsian wricht ibr Erstaunen darüber aus, daß der Reichskanzler kein festumrisienes Angebot gemacht habe, also erwartet man ein derartiges Angebot. lind das galt es Zunächst einmal festzustellen. Der Reichs- kan-ler kann den Weg, den er mit seiner Rote beschritten bat, fortseben, wobei zu erwägen wäre, ob es nicht einfacher und für beide Teile nüßlicher wäre, in Verband lunoen einzutreten, ehe man in einer überaus schwierigen Ma- tcrie, über die sich grundlegend auszusprechen nicht zu um- gehen sein wird, Vroiekte vorlegt. ?sm Auge bebakten muß man ferner die Tatsache, daß die Reparationskommission, indem sie Reichskanzler Dr. Wirtd a"ssordert, des näberen auseinanderzusetzen, wie er sich die Stundung eines Teilbetrages der nächsten Raten denkt, still- schweigend zugibt, daß eine Neuregelung des Reparationsproblems spruchreif ist. 5>ier wäre zu b-merken. daß es besser wäre, ganze Arbeit zu tun und dos R-varationsprobsem als solches aufzurollen, anstatt sich mit ststckwerk zn begnügen. Die enalische Regierung, die englischen Mnmnkreise haben uns verbriest, daß wir unter der Söst der Reparation in ihrem iebiaen limfaime kein kredit- fähiges Land sind. Wem in aller Welt sollte es Nutzen bringen. das Versteckspielen weiter fortzusetzen, nachdem nun einmal in da? Versteck hineingeleuchtet worden ist? Die Lust sollte v'-aesirbts des Ernsts der Lao? auch jenen vergeben, denen es bisber??rende machte, den Häscher zu spielen. Aber auch das setzt Verhandlungen voraus. Unsere Angelegenbeit ist es nun. feshustellen. was wlr am Versallstermin zahlen können, wie wir die nötigen Mittel aufbrinaen und welche Garantien wir für d!» Restschuld zu bieten vermögen. Es ist nicht ganz unver- ständlich,»nenn in der Mitteilung der Reparationskomniillion e'vs gewisse Ungeduld bezüglich der Maßnahmen der Reicksregieruna durchdringt. Die �raoe einer Ge- fundimq i'nleres Eisenbnbv- und Postwesens ist io inzwischen a"s dem Vereich der Erwägungen»u dos Bee-'-ß der prak- tistben Reformen übergegangen. Aber das Wesentliche m ei''?r Gesundung der Reichsstnamen, das Wesentliche zu<""er oel'.i.ndm W'edergutmachungsposttik im Rabnien des Möglichen, I-ne Steuerbalance.die Deckung da sticht, wo wirk- liche Werte zugrunde liegen, vermißt man noch imnier. Der Reichskomler hat sie in seiner lebten Red« angekündigt, er bal die Varkei-n noch einmal ausgekordert. mitnimirr»u obne �"pularitötsbascherei. er bat gebeten, dos Eigeninteresie d-m R-ü-bsiisteresie bintanmletzen, er bgf versucht, in-in-m A"a?nstllck. tu dem es i'M Leben und SWben"nserer Roston n-sti. die Einheitsfront herznsteNen Das erkor>>ert Dinker a'if allen Seilen. Ist man auk ollen S-sten zu dielen Ookeim bereit in einem Aiigenblick,»n dem die Rofrvendigkeit, das R-narat'av-ivroklem neu o"l»"rollen, auch von der Gegenerleite offiziell anerkannt wird? die Notlage üer Seamten. Vorausbezahlung der Januargehälter. In Gegenwart des Finanzministers, des Postministers und des Reichsverkehrsministers fanden, wie der Soz. Presse- dienst meldet, am Sonnabendabend Besprechungen mit Ver- tretern sämtlicher Fraktionen des Reichstages statt, um eine finanzielle Hilfe für die Beamten noch vor Weihnachten zu beraten. Allgemein kam die Meinung zum Ausdruck, daß Borschüsse nicht angebracht sind. Jedoch ver- kannte man die augenblickliche Notlage und die Notwendig- kest der schnellen Entscheidung nicht und betrachtete deshalb die Auszahlung von Raten auf das Januar- geholt als einzige Möglichkeit, den Beamten wenigstens noch vor den Feiertagen zu helfen. Sämtliche Fraktionen überließen der Regierung eine entsprechende Entscheidung. Der Finanzminister Dr. Hermes erklärte, daß die Regierung ihre Stellungnahme gegenüber den Forderungen der Organi- sationen betr. Erhöhung der'Gehälter bzw. Löhne aufrecht erhalten müsse, sich trotzdem aber aus den Boden der Reichstagsentschließung, die bei Berawng der letzten Besol- dungsreform angenommen wurde, stelle. Eine N a ch p r ü- fung der Besoldungsordnung soll auf schnellstem Wege stattfinden. Man müsse endlich aus den Provisorien herauskommen und die am Montag mit den gewerkschaftlichen Spitzenvrganisationen beginnenden Verhandlungen hätten zum Ziele, etwas Bleibendes zu schaffen. Zum Schluß erklärte Dr. Hermes, daß eine ratenweise Vor- auszahlungder Ionuarg eh älter vor Weihnachten sofort angeordnet werden soll. Wie wir erfahren, ist ein« entsprechende Verfügung bereits am Sonnabendabend telegraphisch den Behörden übermittelt worden......''-- • Ein Vergleich der soeben vom Reichstag angenommenen neuen Ortsklasseneintellung mit der bisherigen ergibt nach einer Zusammen- stellung des preußischen statistischen Landesamtes folgendes Bild: Berglichen wird der setzige Zustand in Preußen mit dem durch das Gesetz von 1909 und seinen Nachträgen einschließlich der Reichswgsbeschlüsse vom 21. Dezember 1920 und 5. März 1921 ge- schaffenen Lage.(Durch den ersteren wurden rund 200 Gemeinden vornehmlich des westlichen Industriegebietes in die drei obersten Orts- Nassen A, B und C gehoben: der letztere brachte die Sonderregelung für Oberschlesten.) Alsdann beträgt die Zahl der Gemeinden oder Ortschaften in den einzelnen OrtsNassen(ausschließlich der Orts- klasse F):. fetzt früher A BCD ABCD Ostpreußen.,.» 3 13 7 266— 1 15 40 Brandenburg.... 8 60 168 652 1 6 19 64 Westpreußen(Posen).— 1 20 328—— 2 10 Pommein..... 6 26 35 187— 3 4 41 Niedericblesien... 18 71 202 358— 2 16 53 Oberich lesien.... 76 108 94 338— 131 7 12 Sachsen...... 3 158 333 577— 4 15 19 Hannover.,»•. 18 39 167 813— 4 13 34 Schleswig..... 51 184 239 611 2 3 10 42 Westfalen..... 183 133 260 341 15 29 22 61 Hesien-Rasiau... 21 86 209 478 3 6 14 35 Rbeinprovin,... 473 776 1715 184 29 36 25 101 Die Stadtgemcinde Berlin ist bei. dieser Zusammenstellung nicht berücksichtigt. Sie umfaßt 94 ebenfalls nicht mitgezählle, früher selbständige Städte, Landgemeinden und Gutsbezirke, die sich nunmehr sämtlich in der Ortsklosse A befinden. Die Zusammenstellung ist ferner insofern unvollständig, als sie etwa 1200, mit Landgemeinden gleichnamige, selbständige Gutsbezirke, die höher als bisher eingestuft wurden, nicht enthält. Dessenungeachtet tritt die bedeutende Verschiebung nach den oberen Ortsklassen hin hervor, zu- mal. wenn berücksichtigt wird, daß das heutige Preußen rund 170 Städte, 3725 Landgemeinden, 3000 Gutsbezirke weniger zählt als Preußen vor dem Kriege. Konferenz Llopü George�Srionö. London. 17. Dezember.(WTB.) Wie„Evening Standard meldet, wird die Konferenz zwischen Lloyd George und B r i a n d Montag vormittag in Downing Street beginnen. Vanzig und polen. Danzig. 17. Dezember.(MTB.) Wie wir erfahren, reisen die Senatoren Ievelowski und Dr. Bolkman nach Einladung der pol- nischen Regierung am 18. d. M. nach Warschau, um die B e r h a n d- lungen in der Zollfrage weiterzuführen. Spanikb-franzölilcber Awistkenfall. Madrid, 16. Dezember.(WTB.) Die spanische Presse bringt die Nachricht, daß das spanische Kanonenboot„Bonifaz" in den Gewässern von Alhucema« zwei französische Schisse mit Waffen und Munition, dle für die Kabylen bestimmt waren. aufgriff und oerfentt«. Helden!— Hanswürste! Die Verhandlung des Kappisten-Prozesies ist am Sonn- abend vor dem Reichsgericht zu Ende gegangen. Das Urteil wird erst am Mittwoch verkündet werden. Wie es ausfallen wird, kann kein Mensch voraussagen. Der Gerichtshof hat jedenfalls jene Undurchdringlichkeit gezeigt, die der ehemalige Admiral o. Trotha cm dem Haciprputschiften Ehrhardt mit deni merkwürdigen seemännischen Ausdruck„droarsch" charakterisierte. Nach dem Rechtsempfinden der großen Mehrheit des deutschen Volkes müssen Jagow und Genossen sicherlich ver- urteilt werden, aber bei Gott und der deutschen Justiz ist bekanntlich alles möglich. Bon den Vertretern der Anklagebehörde kann man sagen. daß sie ihre Aufgabe mit Ernst und zuweilen nicht ohne Geschick erfüllt haben. Doch hat sich auch hier gezeigt, daß zur Durch- führung einer derartigen Anklage eine politische S a ch- k e n n t n i s gehört, wie sie leider in der Iuristenweit nur ganz selten zu finden ist. So mußte es z. B. bei den einigermaßen Kundigen Kopfschütteln erregen, daß der Angeklagte Jagow ganz unangefochten behaupten konnte, die von Kapp angeord- nete Auflösung der Nationaloersammlung und der Preußische n Landesversammlung sei ja tatsächlich hinterher durchgeführt worden. Offenbar wußte keiner der Reichsanwälte und der Reichsrichter, daß die Preußische L a n d es v ersam m lun g noch bis in dasJahr1921 bestanden hat. Offenbar war auch keiner der anwesenden Gerichtspersonen gegenwärtig, daß die Preußische Landesversammlung ihrer Aufgabe, eine Verfassung zu geben, zur Zeit des Äapp-Putscizes weder erfüllt hatte, noch hatte erfüllen können. Ihr gegenüber galt also nicht einmal das Argument her Putschisten, daß sie v er- fassungswidrig wetter getagt hätte. Und das war gerade wieder für die Beurteilung der Angeklagten v. I a g o w und v. Wangenheim von Bedeutung, die behaupteten, sich ganz auf preußische Dinge beschränkt zu haben. So hätte ein politische u n d i g e r Anklagevertreter noch sehr viele Argumente gehabt, die der politischen Unkenntnis der Fach- juristen entgingen. Doch— ganz gleich, wie dos Urteil ausfallen wird— einen Erfolg hat die Verhandlung sicher gezeitigt: Sie hat die geistige Hohlheit, die politische Verworren- heit, die absolute Gedankenlosigkeit enthüllt, die den„geistigen Unterbau" des Kapp-Putsches bildete. Sie hat damit das ganze Unternehmen einer Lächerlichkeit preisgegeben, die in jedem anderen Lande schlechthin t ö d- l i ch wirken müßte. Nicht, daß wir den ganzen Streich vom 13. März einfach als Farce abtun könnten. Eine ernst« Gefahr hat sicher be- standen. Aber sie erschien größer, als sie in Wirklichkeit war, well niemand im Augenblick des Einmarsches der Truppen auch nur ahnen konnte, daß die geistigen Führer des Unter- nehmens eine so vollendete Unfähigkeit an den Tag legen würden, wie es Kapp und die Seinen getan haben. Die Zeugenaussogen über die Zustände in der Reichs- kanzlei unter Kapp sollten in jedem Amtszimmer der Republik ausgehängt, auf ehernen Tafeln an allen Plätzen und Sttaßen- kreuzungen verewigt werden, damit die Bevölkerung nie ver- gißt, wie eine„nationale Regierung der Ordnung und der Tat" in der Praxis ausgesehen Hai. Wir erinnern noch ein- mal an die markantesten Ausdrücke, die meist aus dem Munde rechtsstehender Personen geflossen sind:„Wie in einer I u d e n s ck)u l e",„die reine Schwatzbude",„das Bild einer Schieber- und Händlerbörse",„selten etwas ähnlich Unschönes gesehen". Das letzte Urteil stammt von Ludendorff.... Die Angeklagten selber haben redlich das ihrige dazu bei- getragen, das Bild dieser Jämmerlichkeit zu vervollständigen. Hochverrat ist an sich kein ehrenrühriges Verbrechen. Einem Hochverräter, der sich aus Grund seiner politischen Anschauung stolz zu seiner Tat bekennt, wird man die rein menschliche Sympathie nicht versagen. Aber die hier aus der Anklagebank saßen, die Jagow, Wangenhcim und Schiele, das waren keine Hochverräter trotzigen Schlages. sondern kleine, klägliche M e n s ch l e i n, die nach A m n e st i e winselten und mit juristischen Taschenspieler- Kunststückchen ihre Tat hinwegeskamotieren wollten. In ihren Schlußworten haben die Angeklagten nochmals bestätigt, daß das herbe Urteil des Oberrcichsanwalts über ihre allzumenschlichen Qualitäten in jeder Weise gerechtfertigt war. Gibt es etwas Kläglicheres als die Sophistik des Herrn von Jagow:„Ich habe zwar versucht, eine führende Rolle zu spielen, aber dieser Versuch ist mir nicht gelunge n, und deshalb bin ich kein Führer!"? Und wenn dieser selbe Herr v. Jagow am Schlüsse seiner Rede gar verlangte, daß die Kosten seiner Verteidigung auf die S t a a t s k a s s e über- nommen würden, so hat ihm vielleicht die Verteidigungsrede des Sokrates vorgeschwebt, der seine Speisung auf dem Pryta- neum(eine besondere Ehrung im alten Athen) beantragte. Rur daß zwischen dem griechischen Philosophen und dem schnöd- drigen Junker ein Unterschied von hundert Kulturgraden— abwärt»— besteht, ein Unterschied, der die Frechheit eines i Jagow in dreifach helles Licht fetzt. Um Amnestie zu erlan- gen. leugnet jetzt Herr v. Mgo« jede poNttsche Vergangenheit ab. er adoptiert das Wort Traubs. jenes Urbilds aller poli- tischen Jammerlappen, vom..stillen Zuschauer". Und die Krone aller Kläglichkeiten: Herr o. Ävgow erklärt jetzt seinen Morgen- spaziergang zum Brandenburger Tor damit, daß er zu den Leuten gehöre, die«gern etwas erleben". Das sagt derselbe Mann, der einst durch d as Wort eine gewisse Berühmt- heit erlangt hat:.Ich warne Neugierige". Ja, wirklich, wenn die drei Angeklagten jetzt Kapp als einen besonderen Mann rühmen, so mutz man schon sagen: In d i e s e r Gesellschaft war es nicht schwer, als ein Riese zu erscheinen. Unwillkürlich w«d man auf die Satire S w i s t's hingewiesen, dessen Gulliver den König der Liliputaner mit den Worten schildert:.Er war die imposanteste Erscheinung, die ich je gesehen habe. Er überragte seine gesamte Umgebung um die Höhe eine» ganzenDaumennagels." Bei Kapp ist's auch nicht mehr. Man mutz bloß seine Briefe aus dem Exil lesen, um den Eindruck eines zwar halsstarrigen, aber durchaus verbohrten politischen Phantasten zu gewinnen. Und L ü t t w i tz. das große Kind, der ewige Kadett, wie ihn Noske schilderte? Er ist keine Einzelerscheinung, er ist der Typ des bornierten preußischen Nichts-als- M i l i t ä r s, der mit frischfröhlichem«Immer feste druff" die schwierigsten Probleme der Politik und � Wirtschaft lösen zu können meint. Wie er auf die Reichsbank gehen will, um sich Geld zu holen, und im Notfall alles kurz und Nein zu schlagen droht, das ist unvergänglich, das sollten immer wieder die Leme lesen, die noch nicht kapiert haben, warum Deutschland 1918 zuiammengebrochen ist. Mag das Urteil ausfallen, wie es will: der Leipziger Prozeh wird in der Geschichte als die fürchterlichste Blamage der Rechtsputschisten bestehen bleiben. Freilich liegt die Gefährlichkeit dieser Leute gerade in ihrer un- belehrbaren, unaufklärbaren Dummheit. Und eben weil anzunehmen ist. datz sie auch aus diesem Prozetz nichts lernen werden, mutz man weiter vor den Desperadostreichen solcher Phantasten auf der Hut sein. Dem d e u t s ch e n B o l k aber sollte dieser Prozetz soweit die Augen öffnen, daß es den Iagow- Traub-Schiele-Schnitzler usw. in Zukunft nicht mehr möglich ist, eine andere Rolle zu spielen als die, für die sie geboren sind: die Rolle der politischen Hanswürste. Nicht deutsch, nicht treu, nicht ritterlich, nicht ehrlich— Nur ganz unglaublich dumm, und das macht sie gefährlich. Hewerkfthasten und MilltärkommiWon. Der Ausschutz des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes nahm in seiner Sitzung am 17. Dezember folgende Entschließung an: .Der Ausschutz de. Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes stellt fest, daß die Int er alliierte M i l i tä r-K o n t r o l l- K o m m i s s i o n in jüngster Zeit erneut Forderungen gestellt hat, die angeblich die Anfertigung von Kriegsmaterial verhindern sollen, in Wirklichkeit oder unberechtigte Eingrisse mit unüberseh- baren Folgen für das deutsche Wirtschaftsleben und damit eine schwere Schädigung der deutsche» Arbeiter bedeuten. Diese Forde» rungen beziehen sich auf weitere Zerstörung von Gebäuden, Maschinen und Einrichtungen der Deutschen Werke und aus das Verbot, schnell- laufende Dieselmotoren zu bauen. Der Bundesau, lchuß erhebt gegen das Verlangen der IMK. schärfsten Widerspruch. Er erklärt, daß die deutschen Ge- werkschaften des öfteren ihren ernsten Willen bekundet haben, Kriege in Zukunft unmöglich zu machen, und daß sie darum die He» st e'l l u n g von Kriegsmaterial verweigern und verhindern wollen. Der absolute Friedenswille der deutschen Ge- wer ksch asten ist die sicherste Gewähr für die Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen zwischen Deutschland und seinen Nachbarn. er ist praktisch aber weil wirkungsvoller, als die umfasfenden Maß- nahmen der IMK. Unter Hinweis auf diese ernste Eislschlossenheil fordert der Bundcsausschuß. daß man die deutsche Acbellerschast endlich Ihrer friedlichen, auf die Heilung der ftriegsschäden im Zu- und Ausland Das Wunöer. Nun geht es wieder durch die Straßen. Allabendlich. Mit großen, sehnsuchtsvollen Kinderaugen preßt es sich an die Fenster und späht verlangend hinein in die Wohnungen der Menschen und in die reichen Kammern ihrer herzen. Und die Menschen sehen sich oerwundert in die Augen und warten. Warten und warten und glauben: Nun müsse das Wunder geschehen. Nun! NunI Was für ein Wunder? Jrgendeins, das sich nicht sagen läßt, aber ein Wunder ist, ein wirkliches Wunder. Die Kinder befällt es zuerst. Alle Weisheit, die sich mühevoll festgesetzt in den kleinen Köpfchen, werfen sie über Bord und zaghast, doch immer fester werdend, fällt es von ihren Lippen: Sollte es nicht doch wahr sein, daß nun bald der kleine Gott, das Christkind, auf die Erde kommt und durch die Gassen geht und den Armen helfen wird? Und dann die Freude, die göttliche Freude der Gewißheit, die alles vergessen macht, die Kälte, den Hunger und all das Unangenehme, das sich verknüpft mit dem Kindseln, mit dem Angewiesensein auf Eltern, die sich selbst kaum durchs Leben bringen. Und die Eltern stehen weinend bei den Kindern, die der Traum glücklich macht, wagen es nicht, ihnen in die Augen zu sehen, und finden den Mut nichr mehr, ihnen zu sagen, daß alles, alles Lüge ist. Daß kein Gott kommen wird und kein Friede unter den Menschen, weil der eine Teil fortfährt, die Armen auszulaugen. Und daß kein Wunder ge- fchehen wird, auch das kleinste nicht, ihnen zu helfen aus der tiefen, unsäglichen Not. Und dann mit einem Male wird die verschwiegene Gewißheit unsicher auch bei ihnen, und die kranken Augen bekommen Glanz. Und der Gedanke faßt Fuß: Sollte nicht doch?... Sollte nicht doch einmal das Wunder kommen? Einmal nur? O, wir haben ja gewartet auf das Wunder, jahrzehntelang. Immer wieder haben wir den Glauben daran getötet, wenn es aufstieg in uns, aber es könnte ja sein.... Einmal nur. Einmal. Wenn auch kein Gott geboren wird, wenn nur einmal ein Mensch käme. Ein Mensch, der dem Schicksal in die Räder greift und es wendet, daß sie auch mal ein wenig Glück mitbekämen und sie wüßten, ihren Kindern würde es gut gehen, die noch gar nichts misten von der großen Schuld, die darin liegt, als Proletarier geboren zu sein. Sie misten nur, daß hungern wehe tut und daß es Menschen gibt, die sich immer satt esten können. O, nur einmal auch zu dielen gehören. Einmal nur— Und dann wachsen Trotz und Mut in den Eltern und der Glaube an das große Wunder, auf das die Menschheit wartet seit Iahrtausen- den. Und sie misten, daß es nie geschieht, wenn s i e es nicht geschehen machen. Und sie rennen auf die Straße, sehen dem erstbesten Ins Auge und drücken ihm die Hand. Bruder! O. das Glück, diese Hand nicht mehr loslasten zu müsten, nie mehr den Bruder zu verlieren, der gefunden wurde durch diesen Händedruck und diesen Blick aus tiefen, sehnsuchtsvollen Augen. Tausende treten hinzu und reichen ihre Hand zu dem großen abzielenden Beschäfkigvng nngefltzrl vachgehe» lZßk, und daß dle Alliierten Regierungen bzw. ihre Soutrollorgane Handlungen uuler- lasten, die diese» hindern, dabei dem angestrebleu Zweck nur sehr unoollkammen gerecht werden und zudem die nur kleine Kreise um- fastende triegslüsiervde Reaktion stärken. Abschaffung ües Dunkelarrests. Der preußische Justizminister veröffentlicht eine allgemeine Ber- fügung. nach der die den Generalstaaieanwälten erteilte Ermächti- gung, in besonderen Fällen die Anwendung von Disziplinalmitteln gegen Gefangene über die Grenzen der allgemeinen Verfügung vom >S. Dezember 1918 hinaus zuzulasien, zurückgenommen wird. Die Disziplinarsirase der isolierten Einsperrung vvler Verdunkelung der Zellen bi» zur Dauer von 7 Tage», die bisber noch zulässig war, ist danach bis aus weiteres nicht mehr zu verhängen. Die noch nicht verbüßten und die in der Berbüßung begriffenen Dunkelarreilstrafen sind als M i t t e l a r r e st st r a s e n von gleicher Dauer zu vollstrecken._ Daperistbe Nervosität. München, 17. Dezember.(TU.) Die bayerische Staatsregieruug hat sich heute vormittag mit der Lage befaßt, welche sich durch die im Reichetag beschlostene Aushebung der Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. September 1921 ergibt. Sie hat die notwendigen Maßnahmen vorbereitet, die für den Fall einer Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit notwendig werden könnten. Diese Aufgeregtheit nimmt sich einigermaßen lächerlich au», wenn man sich erinnert, daß gerade Bayern der Bundesstaat war, der der Einführung der Verordnung in sein Gebiet die denkbar größten Schwierigkeiten gemacht hat. » Wie die„Dena" von amtlicher Seite erfährt, gelangten im Beschwerdeausschuß des Reichsrats in Sachen der Zeitungs- und Berfammlungsverbote insgesamt SS Fälle zur Behandlung. Davon betrafen 28 Zeitungsoerbote. Bon diesen richteten sich 23 gegen Rechtsblätter, S gegen Linksblätter. Bestätigt wurden l4 Zeitungsverboie, und zwar 10 gegen Rechtsbläller und 4 gegen Linksblätter. Aufgehoben wurden 14 Zeikungsoerbole, nämlich 13 Verbote von Rechtsblättern und 1 von Linksblättern. Die Zahl der Versammlungsverbote beläuft sich auf 11. und zwar handelt es sich in allen Fällen um Verbote gegen Rechts. Von den Versamm- lungsoerboten wurden S bestätigt und 8 aufgehoben. Don Verboten rechtsstehender Blätter wurde also fast die Hälfte, von Verboten linksstehender Blätter nur ein Fünftel aufgehoben. Die Wünsche öer Rheinlänöer. Koblenz, 17. Dezember(WTB.) Die Rheinlandkommis- slon hat in den Tagen vom 14. bis IS Dezember eine Anzahl Vertreter des Wirtschaftslebens zu einer Besprechung eingeladen. Der R e I ch s k o m m i s s a r für die besetzten Gebiet- nahm an dieser Besprechung persönlich teil. Die Vertreter wurden um Erklärungen über die gegenwärtige Wirtschaftslage ersucht, da- gegen wurde aber ausdrücklich betont, daß über die wirtschafllichen Verhältniste des besetzten Gebietes nur mit denen des ganzen Deutschen Reiche» gemeinsam verhandell werden könne und dies« daher auch nur von den deutschen Behörden geregelt werden könnten. Wegen der Härten, denen da» Wirtschaftsleben in den besetzten Gebieten im besonderen ausgesetzt ist lBesatzungstruppen, Wohnungsbeschlagnahme usw.), wurde gebeten, die Stärke der ve- sahnngslruppen zu vermindern, die farbigen Truppen zorückzuziehen und die AllsoerkallfsverfÜgung zu verlängern. Außerdem wurde auf die Vereins, und Derfammlungsbeschränkung und besonders auf die unter der Bevölkerung hervorgerufene Be- unruhigung durch den Fall Smeets hingewiesen. Zw Relchskagsausschuh für Wohnungswesen wurde am Sonn' abend die zweite Leiung des Reiwsmietengesetze« beende' und der Rsgierunetsenlwuri dahin abgeändert, daß das Gesetz bis zum Jahre 1828 in Geltung bleiben soll. Bunde, und dos Wunder wird wahr, strömt heraus au» den herzen und von allen Lippen springt es als Wort, größer und höher als all die hohen Worte Sehnsucht. Glaube, Gewißheit, die nur Stufen waren zu ihm: Sozialismus! Und dann geschieht, worauf ste alle gewartet hoben so lange Zeit: da» Schicksal hemmt sesnen Lauf. Nicht vorwärts noch rück- wärts treibt es mehr auf der alten Bahn, sondern auf neuer Bahn rollt es nach oben, der leuchtenden höhe zu. Und die Menschen jubeln Sieg und auch in der ärmsten, entlegensten Hütte wird die Freude einziehen, die reine Freude über das heilige Wunder, das, dem eigenen Wollen und der eigenen Kraft entspringend, geschah. __ E r l ch G r i s a r. Reue volksthealer.»Die Gezierten" von wollcre.»Der zer- brochene Krug" von Sielst. Die kleine Molisrcsche Komödie, die das „Neue Volkstheater mit dem Kleistschen Einakter zu einem Lust- spielabende vereinigte, war der Ausgrabung wohl wert. Bald nach der Beendigung von Malleres Wanderjahren in Paris entstanden, brachte ihm das Werkchen den ersten entscheidenden Erfolg bei dem Pariser Publikum Es leitet die Reihe seiner berühmten Werte ein. Aber wenn die späteren fast durchgehend? zeitlose Schwächen und Narrheiten der menschlichen Natur zur Zielscheibe des Spottes nehmen, richten sich die kVerieusi» ridicules mit aktueller Zuspitzung gegen besondere Verrücktheiten der damaligen Mode. Gegen die von den schöngeistigen Kreisen des Hotel Rambouillet aus- gehende Sucht, durch Gespreiztheit des Ausdrucks und der Manieren ästhetische Bildung zu markieren. Die Vertreter der Richtung, die in den Kreisen der Akademie einflußreiche Anhänger besaß, fühlten sich durch die Pritschenschläge der übermütigen Satire so getroffen, daß sie ein Verbot oerlangten und es zeitweise durchsetzten. Die Ausführung traf im allgemeinen gut Farbe und Ton. Die beiden hübschen Gänschen aus der Provinz, die sich an den galant- romantisch ausgeputzten Fadheiten zweier als Marquis verkleideten Lakaien berauschen. wurd°n von den Damen Könitz und B a l z e r flott und graziös, ohne unnötige Uebertreibung des Parodistilchen gegeben. Die Herren L a s k o w s k i und Schweizer spekundier- ten in geschickter Weis«. Das Publikum folgte in animierter Stimmung. Kleist's„Zerbrochener Krug" mit seiner liebevoll oerweilenden kleinen Malerei und der lang vorbereiteten schadensroh erwarteten blamablen Entlarvung des Dorfrichters wurde, wie sich's gehört, sehr realistisch, in einer das Derbe noch unterstreichenden Darstellung gegeben. In dem Adam des Herrn L i o n trat für mein Empfinden das Schurkische zu grell zutage, so daß der Einschuß humoristischer Lichter darüber nicht genug zur Geltung kam. Aber vieles wirkte auch da charakteristisch echt. Sehr glücklich waren die Nebenfiguren vertreten. Rose Liechtensteins empörte Frau Rull, Schweizer» streberischer Schreiber und die brillante Frau Bri- gitte Frönze Roloss» seien besonders genannt. Paul Baders„Gesetz" in Amerika. Dieses Drama aus der Zeit des Sozialistengesetzes ist einem großen Teil der Berliner Arbeiter bekannt. Es wurde im Jahre 1919 in verschie- denen Berliner Theatern sechs Monate lang gespielt und hat von 5rkeÜenspolitit in Mitteleuropa. Schiedsvertrag zwischen Oesterreich und Tschechoslowakei. Prag, 17. Dezember.(WTB.) Ueber die nunmehr abgeschlostenen Besprechungen der österreichischen und der t s ch e ch o s l o w a- tischen Staatsmänner wird folgende gemeinsame Mitteilung veröffentlicht: Der Besuch des Bundespräsidenten der österreichischen Republik beim Präsidenten der tschechoslowakischen Republik gab den Chess der beiden Regierungen Gelegenheit, den in Hallstatt begonnenen Gedankenaustausch über die die Lebensinteresten der beiden Nach- barstaaten berührenden Fragen zu Ende zu ftzhren. Zunächst wurden mehrere aus dem Friedensvertrag sich ergebende, bisher noch un- gelöst gebliebenen Fragen wirtschaftlicher und finanz- politischer Natur geregelt. Die Ergebnisse der Konferenz in Portorose wurden besprochen und ihre Durchführung beschloffen. Insbesondere wurde bezüglich der im Reiseverkehr der beider- seitigen Staatsangehörigen einzuführenden Erleichterungen volle Einigung erzielt. Aus dem Austausch der Fragen handelspolitischen Charakters ist die beschlossene rasche Ratifizierung des zwischen den beiden Staaten abgeschlossenen handelsübcreinkommens und der Entschluß beider Regierungen hervorzuheben, auf der bereits betretenen Bahn des Abbaus der Ein- und Aussuhr- verböte mit möglichster Beschleunigung fortzuschreiten. Auch die K o h l e n f r a g e wurde in befriedigender Weise geregelt. Eine Reihe von anderen Fragen wirtschaftlicher Natur wurden durch- gesprochen und erfreulicherweise im Einoernehmen geregelt. Schließlich führte die Erörterung der gegenseitigen politischen Loge zu einem zwischen den beiden Regierungen abgeschlostenen Uebereinkommen, welches in der beiderseitig eingegangenen Verpflichtung gipfelt, alle zwischen den beiden Staaten auftauchenden strittigen Fragen auf schiedsgerichtlichem Wege zu lösen. um so dem von allen zivilisierten Völkern empfundenen Bedürfnis, ihre gegenseitigen Beziehungen auf friedlichem Wege fort.z»ent- wickeln, vollauf Rechnung zu tragen und damit die große Friedens- idee auch in Mitteleuropa zum Durchbruch zu bringen. Der fleißige Mgeorönete. Die kleinen Anfragen im Landtag wurden langsam zu einem großen Unfug, wesbalb die Koalitionsparteien auf eine Einschrän- kung hinarbeiten. Den Höhepunkt des Unfugs erreichte der deut'ch- nationale Abgeordnete Lukastowitz, der eine Unmenge kleine An- fragen stellte und ste dann in seinem Wahlkreis als Broschüre heraus- gab, um zu zeigen, wie jleißig er im Interesse seiner Wähler tätig war._ Kleine politistbe Nachrichten. Klara Zetkin zwischen zwei Feuern. In einer Auseinander- setzung mit der Kommunistischen Arbeitsgemeinschaft schreibt Klara Zetkin in der„Roten Fahne:„Ich klage nicht über all den Schimpf, der mir im Kampfe erst von den Verfechtern der Märzoffensive getan worden ist, und hinterher von denen, für deren politische Fehler und schlechte Strateaie bei den Auseinandersetzungen um die kommunistische Politik ich büßen mußte."— Klara Zetkin hat ofsenbar eingesehen, daß man es bei den Kommunisten auf die Dauer nur aushalten kann, wenn man den Satz beherzigt: Lerne leiden ohne zu klagen. Die Glelwltzer„Rote Fahne" hat nicht, wie wir vor kurzem meldeten, ihr Erscheinen eingestellt. Sie teilt aber mit. daß der Berliner Verlag„Rote Fahne" da» oberschlesische Unternehmen im Stich gelassen hat. Die Druckerei ist mm von zw«, Gle!> witzer Kommunisten gepachtet worden und es soll eine Druckerei- Genossenschaft gegründet werden. Das Blatt bringt in d°r gleichen Nummer, in der es von großem Abonnentengewinn schreibt. einen Pranger, an welchen«ine Anzahl oberschlesicher Arbeiter gestellt werden, die die Gleiwitzer»Rote Fahne" abbestellt haben. Der Reichslagsausschuß für Verbrauchssteuern nahm am Sonn- abend den Entwurf über Aenderung de? K o h l e n st e u e r- g e f e tz e» nach der Regierungsvorloge unverändert an, der ei!,« Steuer von 40 Proz. vorsieht. dort die Runde durch eine Reihe deutscher Städte gemacht. Zuletzt ist es in Hannooer und Breslau herausgekommen. Zu gleicher Zeit hat es die Reise übers Meer gemacht. Es ist im Rooemoer in M i l- w a u k e e gespielt worden und geht von dort aus durch weitere amerikanische Städte. Einstweilen in deutscher Sprache. Eine Ueber- setzung ins Englische wird vorbereitet. Dem amerikanischen Publi- kum vennittelt das Stück die Bekannffchaft mit dem preußischen Polizeiregiment der ehemals berrschenden Iunterkaste. E» lernt degreisen, wie bei einer so verbohrten politischen Führung Deutsche land in den Weltkrieg bineinschliltern konnte, und daß dos deutsche Volk trotz seiner ungeheuerlichsten Opfer mit solchen politischen Ignoranten an der Spitze jämmerlich erliegen mußte. Das Stück löst mch drüben eine starke Wirkung und seelische Ergriffenheit aus. Es wiro nicht nur in Arbeitervorstellungen gespielt, sondern auch im allgemeinen Spielplan geführt.— Von Paul Bader ist üb> ig?n? kürzlich cm neues Drama„Astra" im Greifswalder Stadt. theater zum erstenmal gegeben worden. Die Kritik konstatiert be- wegte Handlung, scharfe Charakteristik, dramatische Wucht des Szenenbnur-, und bemerkt, daß das Publikum zu stürmischem Bei- fall hmgens".» worden sei.— Beide Werke find auq im Buchhandel erschienen. Verlag W. Pfannkuch u. Co„ Magdeburg. Um Analole France find gelegentlich seiner Stockholmer Reise zahlreiche Legenden verbreitet worden. Wie uns aus der nächsten Umgebung des Dichters mitgeteilt wird, beruhen diese Nochrichten zum großen Teil auf Erfindung. So ist es nicht wahr, daß Anatole France sich in Stockholm von irgendeinem Komm» zum großen Teil auf Erfindung. So ist es nicht wahr, daß er bisher über die Verwendung des ihm zugefallenen Nobel- greises irgendwelche Bestimmungen getroffen oder in dieser Hinsicht irgendwelche Absichten geäußert hat. Unser neues varteiabzeichen macht der„Roten Fahne" ernste Sorgen. Sie glaubt aus unserer Beschreibung des Abzeichens er- kennen zu können,„mit welchen schwierigen Problem-n dt« Rechts- sozialisten zurzeit beschäftigt sind". Die Kommunisten Häven es frei- iich auch in dieser Hinsicht bequemer als wir: sie bekommen ihre Partciabzeicken ebenso wie ihre politische Ueberzeugung gratis und franko aus Moskau geliefert. Die größte Schreibmaschine der Welt. Es versteht sich von selbst, daß ste in Amcrika gebaut worden ist. Eine Fabrik. deren Snstcm auch in Europa sebr verbreitet ist, hat vor einiger Zeit eine Riesenschreibmasckinc tonstruiert. die in allen Teilen genau ihrem bekannten Modell entspricht, aber nicht weniger als 172kma! größer als dieses ist: ste mißt von der Grundfläche bis zum obersten Rand 17?� Fuß, also etwa dreisache MamisKöbe! Die einzelnen Buchstabentosten haben annähernd die Groß? einer normalen vtuhl- sitzfläche. Jede Type wiegt 2� Pfund. Aui dieser Mammutma- schin«, die lediglich für Reklamezwecke bergestelli wmjde, sind im letzten Sommer während des Boxkanipfes zwischen Dempley und Carpentier die aus der Arena telegrapbisch übermittelten Resultate der einzelnen Gänge öffentlich niedergeschrieben worden. Bei einer photographischen Ausnahme des Ma'chinenmousNuins. wie sie in amerikanischen Zeitschrisien wiedergegeben wird, nahmen aus den Buchstabentasten S Personen Platz, daruntcr zwei weißgetleidele Tigpiräuleins während oben auf dem Wagen her Maschine noch zwei junge Leute mit herunterbaumelnden Beinen saßen. Jürs weihnachtsfeft üer Märzopfer. Auf unsere Bitte, für die Familien der Märzgefangenen eine kleine Weihnachtsspende zu bereiten, gingen bisher weite? ein: Penser t__, Grashold 10.—, Perf. b. Druckerei Srunert 120.—, A. Iliheg 25— 79. Abt.. 9. Scj. Siedl. Lindenbof 60.30, 2. Abt. Verlin-Mitte 50.—, «. Abt. 55.—, A. 0. ft. g-ntral-, X. Rat- 500—, A. O. St. Zahlstelle 5 1X5—, Unbelannt 30.—, Gerhard und Gerda 5.—, 62. Adr. Siemens ft übt 85.—, Beamten d. Prllsuuas stelle d. Fernsprechamtes X S7ch0, Thiedt 5.—. R. St. 10—, Anne« stellte ffa. S. Pollini 140—, Bartsch 10___ 98. Adt. Reulölln 61.50, Sechserlasse 90. u. 91. Sc*. 20.03, Gmil Anton 5—, ltarl Schüler, Reutiilln 50—, 85. Abt.. 7. Be*. 25—, Weichardt 40—, R. itolmoraen 5—, Schars, Neutijlln 20—, Zütt- ner, Neukölln 20—,»ein cid), NculSlln 20—, Tech». Pees. Reutöllner Tageblatt NO—. Tamm. Neukölln 20—, Serbst 5—, A. O. K..zahlitellr 10 45—, Ron 19—, lracklam 10—. 57. Abt.. 2. Gruppe 62.—. itoünsli 90—, Krau Wegner 10—, Ilnbekannt 20.—, P. 6. G. 15—, S„ Eopenick 10—, P., Lichterfelde 20—, Kunktlonäre d. sozialdem. Polizeibeamten. Berlin 51.85, Angelt, d. A. 0.#. Marierrdorf 171—, P. Egel 20.—, Angestellte der Transportarbeiter, Berbands-Houptbureau 1280.—. Tb. Sieoler 10.—, R. O. 10—, Hut- macher der Firma Roll 20.—, Iungiozialistische Bereinigung Schöneberg 40.—, SBD.-Aolleaea der Vulkanmerke. Berlin 92—, Personal d. Buchdr. Streisand Ibd.—, Personal d. Buchdr. Röster 118.—, Gebr. Münz u. Pioch 15.—, Beamte. Angestellt« und Arbeiter d. Alt-Berliner Wasserwerke m 245—, ttarl Müller 20—, Paul Arndt IV—. 5t, H. 50—, Schauer 10—, Genosse d. 42.«dt. 20—, M. B. 30—, Personal d. Fa. W. Woellner 438.—. August Hassel 10—, Personal Dr. Rokotnih 91—, 82. Abt., 3. Bez. 55—, Unbekannt 20—, Drucker d. Berliner Illustrierten 205—, A. St. 10—, Bez. Köllnische Heide SPD. 70—, Buchdr. Gebr. Ernst 110—, Techn. Pers. Fa. Labisch u. Eo, 165—, W. G. D., kriegsblinder 10—, Gewerbl. Pers. Fa. Rabe u. Hanke SS—, Schultheis, Abt. 6 80—, Schmock 50.—, Alfred Krüger, Echöneberg 6.—, Bon einem Echöneberger durch einen Zugendgenossen 20—, Zentral-Rachweis-Amt für Krieaerverluste u. Krie- gergräber 425.3), SPD.-Fraktion d, AEG, 175.—, Angestellte b. Fa. Gg. A. Lerch 149—, Angest. d. Schotoladenwerke Wilczek 216—, Freier Männerchor 100—, Buchdrucker Fa. Zagert 58—, Buchdruckerei C. Zaniozewskn 975—, Fritz 6.—, Unbekannt 6—, 125. Abt., 4. Bez.. Weitzensee 65—, Angestellt- d. L-derarb.- Berb. 105.—. Parteinorstand 9000—, Ortsverein Dittweiler 05—, Eckardt u. Frau 2—, Kurt Rosenthal 1—, S. u. Z. Ioachimsthal 10—, E. u.<£. S-lomon 20___ Paul Böhme 10—, SPD,-Eisenbahner 100—, 114. Adt. Berlin 50—, Guder, ffl. 30 10—, Aug. Kappel, Meiner, haaen 20—, 4 Tabakarbeiter 12—, Arnold-v-ilmann, Weitmar 50—, PH. Böttcher, Lichtenberg 5.— O. St. St. Weitzensee 145—, Äugest, d. Fa. Sagowe u. Co. 100—, SPD. Brandenburg 500—, P. Sosfm-ist-r 50—, 116. Abt. Lichtenberg 141—,«aufm. Angest. Fa. Lindemann u. Rosenthal 61—, Beamten und Aushelfer d. Postscheckamts 57—, Kassenbote 65—, A. K. W. W.. Berlin 20—, Emil Mass 20.—, Martin Schl«. nnqer«0—, Angestellte d. Fa. Windhoff, Schöneberg 470—, 79 Bez., Reukdll» 160.—. Karl Stötz-r 95—, Kalkulation d. Fa. Dr. M. Leno. Berlin M.—. Perso- nal d. Fa. Büchenbach u. Co. 175—, z Kinder. Charlottenburg 99—, Amts- u. Gemeindeoorfteber Ottleben 10—, SPD,. Wittenau 100—, Ouiiterküche Bor. sigwalde 49—, Lembritzki 10—, SPD., l. Abt. 80—, Adolf Müller 5—, 22. Abt. SPD. 90—, 82. Abt,. 6 Bez.. Steglitz 72.50, W, F. 58 11—, Kreis 9, 16. Abi. 100__,«iessling, Schöneberg 10—, Gebr. Heinemann. Berlin 100—, Louis Donner. Barmen 100—, Männeraesangvcrei» Namenlos, Berlin 300—, Anna «arg 20—, O. B. 50—, Abt. 91. Bez. 7 10—, A. u. Z. Hoismann 15—, Lojak 10__. Beamten d, Fa. Sch. u, D.. Baumschulcnwca 140—, Wittners Mustkalicn» banbwna, Friedenau 20—, Hermann Höfe, Weinarzk 10— Schenk, Charlottenburg 5—, 59. Abt, SPD. 149—, 5. Abi. SPD. 9-—, 18. Abt. SPD. 40—, Unbekannt 12—, Berb. Sozialer Baubetriebe 994—, Kriiner, Halensee 30—, 7. Abt. SPD. 82.— Bureaugebilsen d. Wohnamtc» 4 57.50, C. Hoppe 10—, Stabenow 5—, Ezovinski, Sarlshorst 5—,®. Barr 20—, Mar Schiller, Wl» gandstal 100—, SPD,. Bez. 19, Pankow 109,50, K. Echmrdi 60—, Sozialdem. Lrtsverein Ztiesgrau 78—, Schuhmacherei,' Schöneberg 25—, Tschachschall lt. Gau 10—, Mar Röhr 10—, 26. Abt. SPD., Berlin 132—, 81. Adt. SPD.. 6. Bez.. Friedenau 44—, Rost 20—, Paul Geitb, Lichtenberg 5—, Nord,«olisstimme, Bremerhaven 134—, Felir Poersch 10—, B. H..«i°l 100—, Personal d. Buchdr. Koeniq. Berlin 100—, W. Eallin, Neukölln 20—, Kirchfeld. Fil-drtchsb°«-n 20___ Karl Linder. Friedenau 50—, Bezirksverb. Gross-Thüiingen 100—, N. Strecker. Darmstadt 50—, Serm. Wendel. Fraiikfur« 20—. L-ntz u. Müller, Stettln 30—, Emil Rotb. Rechtsanwalt 150—, Th. Moldenhauer 20—. Dr. Seinr. Sur 50—, Rud. Ströhlinger 50—, B-rb. d. Brauerei- u. MUHlenarb. 500—, 81. Abt., Friedenau 50—, S. Rakler 50—, Walter Rless 25,—. Bernhard Ahr. Steglitz 10—, Otto Dewitz 10—, Aug. Blafing 10—, 3. 91. 30.—. Fritz Cohn 50—, D. B. 5—, Kren, Niedetschönh. 5—, Rod. Wittenburg. Schwerin 90— Müller Brandenburg 10,—, Brückner 10.—, Rackeniuck 70.50, Wach 20.—, Beamten der Feuerwache Wilmsstr. 192—, 10. Abt.<2.«reis) 58—, 12 Funktio- nöi;« b 6 Adt. 80—, Arbeiter d. Tischlerei Tesche 70—, Technisches Personal der llllKe!n-A..G.(1, State) 2522.50. Knopffobrik Winkler und Setzepfand 158.—. Personal Kunst- u. Buchdruckerei Otto v. Sölten 964.—. Personal des Schlich- tunasau-schusse- Sross-B-rlin 909—, 104. Abt. 20—, Po-rmann 10—. Tischler d Fa Bildermulh,«astanienallee 51— Durch das Sekretariat der SPD. Neukölln Jägerstr. 66: Bez. 72 u. 73 92—, Bez. 58 u. 81 66—, Bol 98 IU 98 66—, Bez. 93 u. 99 31—, Bez. 105 u. 1% 104—, Bez. 56 40.—, Bez. 83 u. 97 38.—, Abt.»9, 2 bis'5' 120—, Abt. 95 72—, Cb. u. P. 15—, S- Schneider 5—, «olleaen der Abt. s. d. f. des K. W. s. 22—, Personal de» Städtischen Pflege- Heims Wariendorfer Weg 100.—. Personal der Möbelfabrik Z. T. Pfafs A.-G. 697—' Arbeiter der Firma W. König. Kai'«r.Fricbtich-3ir.218 130—.Arbeiter Ärnia ffi Loren, Temoelbof 220—, Äollcoen der Firma W-lchbrodt u. A«.-. Bez. 67 33-, Z-Sgesamt»4 57G10 M. Zahwngen werden auf Postscheckkonto 27 536, Vorwärts»erlag « m 6 Ü., unter dem Kennwort„Morzopfer", in der Expedition .Vorwärts'. Laden, Lindenstr Z. im Sekretariat des.Vorwärts'. Sekretariat der SPD,. Neukölln. Jägerstr. 66, von 4—6 Uhr. Vor- märtsspeditioneu Neckarstr. 2 und Siegfriedstr, 28,20, angenommen. Die Quittungen werden täglich veröffentlicht. Genossinnen. Genossen! Gebt, was Ihr könnt, vor allem aber gel>k rasch! Redaktion des.Vorwärts. Ein Bonaparte als Mbrek. Der Urnrenkel Napoleons, Ierr>me Bana-arte. ist für den albanischen Königsthron ausersehen. Der albanische Oberkommissar in den Vereinigten Staaten, Chekrewi, be- müht sich darum. Mitternachtflhung im Reichstag. Der �S.pfalm üer Gunter- und Kaiferkaste. Nationalistischer Nebel, du bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die demokratischen Berge und Dergbriese wurden und das allgemeine Wahlrecht und die Revolution aeschassen wurden, bist du, Nationalismus, von Schläfrigkeit zu Schläfrigkeit. Der du die Menschen liehest sterben und sprachst:„Verreckt sürs Vaterland, ihr Menschenkinder! Denn viereinhalb Jahre sind durch dich geworden zu einer frisch-fröhlichen, blutigen, schwarzen Nacht, die gestern leider ver> gangen ist. und zu euier Nachtwache mit vielen schwarz-weih-roten Nachtwächtern, die unseren gehorsamen und vertrauensvollen Bür- gern ins Ohr sangen: „Wir haben jetzt bald Paris genommen, Dann werden schon bessere Zeiten kommen, Der Feind wird bezahlen. Trara, trara, trara!' Du lassest uns jetzt dahinfahren wie in einem Strom oder wie in einem Automobil, das über die Grenze nach Holland, oder wie aus einem Schiff, das nach Schweden fährt. Unsere Untertanen aber sind nicht mehr wie in einem Schlaf, und ihre Liebe zu uns ist wie ein Gras, das doch bald welk wird! Das da im Regen der Dummheit frisch blüht und im Sonnen- glänz der Vernunit bald welk wird und abgehauen wird und im höllischen Feuer verdorrt._ Nationalistischer Nebel, du bist unsere Zuflucht für und iür. Der du am 9, November uns nicht liehest sterben und wohl bald zu uns sprichst'.„Kehrt wieder, Menschenschinder!' Wahrlich, wahrlich, wir werfen die Flinte noch nicht ins Korn und liefern auch sonst keine Waffen ab. Unsere Maschinengewehre vergraben wir. Sela. Und du, nationalistischer Nebel, fördere das Werk unseres LUdendorff! 2a, das Wert unseres LUdendorff wollest du fördern. ___ Werner Dreiburg. cLroüeö?chnnivielhous. Die Ersiauliübnmg von.DantonS Tod' ist aul unbestimmte Zeit verschoben worden. herigen Flaggen, sowell sie die Seeflaggen betrifft, bis auf I weiteres zu verlängern. Präsident Löbc erklärt, daß man die Verhandlungen noch heute zu Ende bringen wolle und bittet die Redner, sich kurz zu fasten. > Abg. Schultz-Bromberg(Dnail.): Es Handell sich bei dein Antrag um eine reine Zweckniäßigkeitsfrage, die man nicht palitisö), sondern rein wirtschaftlich beurteilen muß. i Abg. Peine(Soz.): Ich persönlich bin seit vielen Jahren mit den seemännischen Kreisen oertraut und würde mich ihrem Urteil fügen, wenn sie aus deni Standpunkt des Antrags ständen. Das ist aber nicht der Fall. Vielmehr hat man versucht, in olese Kreise sine Erregung hin- einzutragen. Dennoch ist diese Erregung in Wirklichkeit nicht eiit- getreten und es liegt auch gar kein Grund dazu vor. Derselbe Kampf, der jetzt angeblich von den Handelsstädten für die schwarzweißrote Flagge asführt wird, ist bei ihr-'r Einkühr'mg 1866 gegen sie geführt worden. Ter ganze Kamps ist kein sachlicher, sondern ein politischer und muß als solcher geführt werden. Die.Deutsche Zeitung' vom 16. November 1918 kannte die schwarzrotgoldenen Forben dte Farben der deutschen Einheit und das Simibitd des deutschen Idealismus. Was Herr Wulle damals in einem lichten Moment schrieb, war richtig. aber seitdem sind andere Dinge bei ihm maßgebend geworden als Idealismus und deutsche Ei-'hell. Wir werben den Kampf dennoch unler diesem Zeichen führen und lehnen die Anträge ab Reichsminister des Imrern Dr. Söster: Im Namen der Reichsregierung habe ich folgend» Erkläiung abzugeben: Die Reichsregierung hat die Frage ein« evtl. Aendr- rung der durch die Verfassung von Weimar vorgeschriebenen d»ut- schen Handelsflagge in den letzten Wochen erneut gewissenhaft und leidenschaftslos geprüft. Sie hat dabei alle Wirtschaft- lichen, innerpolllijchen und außenpolitischen Momente, die bei dieser Frage mitsprechen, in Erwägung gezogen. Die Reichsregierung steht auf solgendem Standpunkt: Nock) dem Art. 3 der Rcichsversastung sind die Farben der deutschen Handelsflagge zweifellos festgesetzt. In Durchführung dieses Artikels 3 der Reichsverfastung hat der Herr Reichspräsident am 11. April d. I. in einer dir einzelnen Flaggenformen regelnden Verordnung Richtlinien herausgegeben, die am 1. Juli des Jahres in Kraft getreten sind. Seit dem 1. Juli ist nach Auffassung der Reichsregierung die deutsche Hau- delsslagge, die schon durch die Dcrfoflung als sck>worzwe:ßrot mit den Reichsforben in der oberen inneren Eck« festgesetzt war. em. geführt. Lediglich aus technifchen Gründen ist in der Verordnung des Reichspräsidenten eine reichlich bemessene Ueberggngß- frist geschaffen worden, die arn 31. Dezember d. I. abiäusi. Nach den mit der M a r i n e l e i t u n g getroffenen Vereinbarungen hoben vom 1. Januar 1922 ab alle deutschen Kriegs- und handels'chisse einheitlich die durch die Reichsversassung bestimmte Flagge zu führen. Nach Ansicht der Reichsverfasiung bebeutet die Durch'üd- rung des vorliegenden Antrages zweifellos das Außerkraftsetzin eines Teiles des Artikels'3 der Rcichsversastung, und zwar, wie es in dem Antrage heißt,„bis auf weiteres'. Die Reichsrögierung ist nicht in der Lage, einen solchen vsrfasiungsändernden Beschluß duxch« zuführen, es sei denn, daß der R e i ch s r a l und der Reichstag mit der von der Verfassung vorgef hrtebenen qualifizierlen Mehr- heit diese Außerkraftsetzung eines Teiles der Weimarer Verfofiung beschließt. Sollt« der Reichstag den vorliegenden Antrag mit«inrr qualifizierten Mehrheit annehmen, so würde die Reichsregierung das zum Anlaß nehmen, einen Gesetzentwurf einzubringen, der den ersten Absatz des Artikels 3 der Reichsverfasiung, soweit es sich um die Seefwgge Handell, bis auf weiteres außer Kraft fetzt und damit die am 1. Juli rechtmäßig ausgesprochene Einsührung der Handelsflagge wieder rückgängig macht. Eine Abänderung der Verordnung vom 11. April jedoch, die Teste der Verfassung auf einen Beschluß des Reichstages bis auf weiteres außer Kraft fetzt, durchzuführen, sieht sich die Reichsrenierunq außerstande. In der Abstimmung, die. auf deutschnationalen Antrag eine namentliche ist, wird der Antrag Hergt(Dnat.), S t r e s e- mann(D. Äp) mit 195 gegen 138 Stimme« abgelehnt. Die Nachträge zum Haushallsplan werden ohne wesent- liche Aussprache angenommen. Es folgt das Gesetz über Gewerbe- und Kaufmanns gerllhte, das u. o. die Wählbarkeit der Frauen zu diesen Gerichten ausspricht. Abg. Kais«(Soz.) will die Berufungsgrenze von 5999 auf 6000 M, erhöhen und stimmt dem unabhängigen Antrage auf Gebührenfreiheit zu. Ein unabhängiger Antrag, die Berufimgsgrenze auf 6999 M. zu erhöhen, wird angenoinmen. Das Gesetz wird im wesenstichen nach den Ausschußaitträgen in zweiter und dritter Be- ratung angenommen. Abg. Dr. Grotjahn(Soz.) berichtet über die Vorgänge, die zum Hungerstreik in der Strafanstalt Lichtenburg geführt haben. Neue Sitzung»ach Mitternacht. Gegen 12 Uhr nachts debattiert man über Nisderichönen- feld. Es ist beabsichtigt,»ach Mitternacht eine neue Sitzung von kurz« Dan« zu«öffnen, in der die notwendigen drillen Lesungen erledigt w«den sollen.. OewerMastsbewegung Die Lohnbewegungen im �ahre 1920. Die Statistik über die Lohnbewegungen, Streiks und Aussper- rungen, die der Allgemeine Deutsche Gewertschafts» bund bzw. die frühere Generalkommisslon der Gewerkschaften Deutschlands seit ihrer Einsetzung im Jahre 1890 herausgegeben hat, erscheint in der bisherigen Form für das Jahr 1920 zum letztenmal. Die amtliche Streikstatistik ging von k r i m i n a l i st i- scheu Gesichtspunkten aus, von denen der alte Obrigkeitsstaat die gesamte Arbeiterbewegung aus betrachtete. Die gewerkschaft- liche Statistik trat als Gegengewicht in die Erscheinung: sie hatte insbesondere die Aufgabe, die Halt- und Wertlosigkeit der ami- lichcn Nachtwächterstatistik nachzuweisen und das ist ihr gelungen. Doch bedurfte es erst der gründlichen Abkehr vom monarchistische» Absolutismus durch die Revolution, um zu erreichen, daß künftig einwandfreie amtliche Erhebungen über die Lohn- bewegungen unter Mitwirkung der Gewerkschaften erfolgen.. An der vorliegenden Statistik sind 38 der 50 Zentralverbände beteiligt, die insgesamt 38547 Bewegungen mit und ohne Arbeitseinstellung an 54 808 Orten, in 542 557 Be- trieben mit 13 043 928 Personen, worunter 2 512 779 weibliche, zu führen hallen. Aus der Zählung jeder einzelnen Bewegung ergeben sich im Laufe eines Jahres. natürlich vielfach Mehrzählungen der gleichen Betriebe und Personen. In 33 001 Fällen oder in 85,5 Prozent aller Bewegungen war die friedliche Bei- legung der. Lohnbewegung auf dem Vergleichswege zu ver- zeichnen, mit 12 103 847 beteiligten Arbeitnehmern, das sind 92,8 Prozent der Gesomtbeteiligten. Bei diesen friedlichen Bewegun» gen handelle es sich in 247 Fällen mit 50 305 Beteiligten um die Abwehr von Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen. Zur Arbeitsein st ellung kam es in 5545 Fällen Mll 813 477 männlichen und 125 504 weiblichen, insgesamt 940 081 Personen. Gegen das Vorjahr ist eine Zunahme der Bewegungen um 12114 zu verzeichnen. Auch die Anzahl der Aussperrungen in 285 Fällen(gegen 60 des Vorjahres) ist erheblich ange- wachsen. In 126 Fällen Handelle es sich um die Zurückweisung von Arbeiterforderungen, in 23 Fällen um Maßnahmen gegen An- griffsstreils, in 17 Fällen um die Aufdrängung verschlechterter Ar- beitsbedingungen. Von den Aussperrungen waren 44 mit 11 539 Ausaesperrten für die Arbeitgeber erfolgreich, in 40 Fällen hatten sie teilweise Erfolg. Dagegen endeten 172 Aus- fperrungen mit 24 871 Betroffenen für die Unternehmer erfolglos. Einen Streikerfolg hatten 759 434 von 832 225 Strei- k e u d e n zu verzeichnen. Die Durchführung der gesamten Bewe- gungen erforderten eine Gesamtausgabe von 98 032 996 TN. Davon die Angriffsstreiks 68 592 320 M., die Abwehrstreiks 8 522171 M. und die Aussperrungen 10 370 787 M. Von den in die Streiklisten eingetragenen Personen waren 582 023 bei Be- ginn des Kampfes gewerkschaftlich organisiert und zwar 533 394 davon bereits ein halbes Jahr mindestens vor Beginn des Kampfes. Erreicht wurde für 131 787 Personen eine Ver» kürzung der Arbeitszeit um 755 307 Stunden und Lohnerhöhungen im Vellage von 508 1598 58 M. für 1 1 357 313 Personen. Außerdem erfolgten für 4 100 925 Personen sonstige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. „Die gesteigerten Zahlen der Arbeitskämpfe lassen die Tendenz eines zunehmenden Widerstandes der Arbeitgeber gegen Forderun- gen der Arbeller erkennen, der nur geschildert wird durch die Wucht der harten Tatsachen des Wirtschaftslebens, die es dem Unter- nehmertum schwer machen, Lohnforderungen die Berechtigung ab- zusprechen." Als Lehre daraus ergibt sich eine vollständige Heran- ziehung der Unorganisierten, gründliche Aufklä- rung und Schulung der Organisierten, insbesondere soweit es sich um gewerkschaftliche Neuling« handelt, größere Be» achtung der Ersahrungen bei Lohnkämpfen, mehr Vertrauen zu den Leitern der Lohnbewegungen, die ihre Taktik nicht auf offenem Markte ausschreien können, und kühlere sachliche Beurtei- lung der Dinge, unter Abweisung aller nervösen, überradikalen Aufputschereien. Schumachers Ende. Am Dienstag, den 13. Dezember, fand in den Sophiensälen eine Versammlung der Funkttonäre sämtlicher Branchen des Be- kleidungsarbeiterverbandes statt, in welcher Kollege Lehmann | auf die wirtschaftliche Lage Deutschlands und Organisationsfragen � zu sprechen kam, um dann eingehend die Angelegenheit 'Schumacher zu behandeln. Er wies auf die Schreiben der Zen- tralleitung usw. hin und stellte insbesondere fest, wie schädlich Schumachers Treiben anläßlich der im vorigen Jahre stattgefunde- neu Arbeitslosendemonsllationen war. Seine ganze weitere Tätig- reit sei als organisationsschädigend zu betrachten. Am Schlüsse seiner Ausführungen bemerkte der Redner, daß unter ollen Umstanden die gewerkschafllichcn Grundpfeiler: Disziplin und Solidarität und die Ordnung in der Filiale aufrechterhalten werden müssen. Das kann nur erreicht werden, wenn die Ver- sammelten der von der Ortsverwaltung vorgelegten Entschließung ihre Zustimmung geben, anderenfalls die gesamte Ortsverwal- tung ihre Aemter zur Verfügung stellt. Die Entschließung besagt, daß dem Antrage Schumachers auf Einberufung einer Generalversammlung, in der ein Mitglied der Zenllalleitung den Altsschlußantrag nochmals begründen soll und , er als Korreferent austreten will, nicht stottgeoeben werden kann, ' weil seine Rechte und Pflichten ruhen, bis die Beschwerdeinstanzen gesprochen haben. Schumacher hat es sich s e l b st zuzuschreiben, wenn ihm jetzt die Möglichkeit genommen ist, sich vor der Berliner Mitgliedschaft zu verteidigen. Die Betriebsräte und Funktionäre oerurteilen auf das entschieden st e das Verhalten Schumachers der Ortsverwaltung gegenüber, das allen Regeln einer Organifatton widerspricht. Die Betriebsräte und Funktionäre verlangen, daß jedes Mitglied verpflichtet ist, der Orts- Verwaltung auf Verlangen Rede und Antwort zu stehen. Wer dieses absichtlich verweigert, mißachtet dadurch die Organisation. Nach einem Schlußwort Lehmanns wurde die Entschließung gegen 4 Stimmen angenommen. Die Not der polnischen Arbeiter. Am Sonntag fand in Lodz eine Massenversammlung gegen die Arbeitslosigkeit und die Arbeitseinschrönkungen stall. Es wurde eine Resolution angenommen, jedoch von dem ge- planten Demonstrationszuge infolge der Kälte und der s chl e ch t e n Bekleidung der Arbeiter Abstand genommen. Die Re- solution beginnt mit der Feststellung, daß von dem Stillstand in der Textilindustrie die wichtigsten Lebensinteressen der Arbeiterklasse be- lloffen werden, die dadurch zum langsamen Tode durch Hunger und Kälte verurteilt ist. Ein derartiger Zustand lleibt die Arbeiter zur Anarchie und feindlichen Ausschreitungen gegen- über de m polnischen' Staate. Dieser Zustand ist durch den bösen Willen der Kapitalisten hervorgerufen worden. Sie wollen die durch Hunger und Kälte mürbe gemachten Arbeiter zwingen, die von ihnen diktierten Arbeitsbedingungen anzunehmen. Aus diesem Grunde wird die Regierung aufgefordert, die gegenwärtige Krisis zu untersuchen, die Industrie einer Kontrolle zu unterstellen, den Arbeitslosen Arbeit zu verschaffen oder ausgiebige Unter- st ü tz u n g zu gewähren, den Kampf mit der Teuerung aufzuneh- men und zur Beschlagnahme der bei den reich gewordenen Bauern und Gutsbesitzern ausgespeicherten Lebensmittel zu schreiten._ Tarifregelung im Versicherungsgewerbe. Nachdem am 13. De- zcmber für das Jahre 1922 ein neuer Reichstorifvertrag für die D i r e k t i o n s a n g e st e l l t e n abgeschlossen worden war. wurden am 16. d. M auch die Arb-its- und Entlohnungsbedingungen der Generalagcnturo.>ge st eilten neu geregelt. Es gelang nicht nur. all« Abbouversuch« der Arbeitgeber bezüglich der allge- meinen Bestimmungen des Torifveiirags erfolgreich abzuwehren, sondern auch letztere in mehrfacher Hinsicht— namentlich auch in bezug auf die Eingruppierung der Generalagenturongestellten in die einzelnen Tarifklassen— zu verbessern. Die Generalagenturangestellten erhalten mit Rückwirkung vom 1. Dezember ab die für die Direktionsangestellten am 13. Dezember vereinbarten neuen Bezüge. s JW».—-w.—---- Hilfe wird sämtlichen Arbeitern und Arbeiterinnen für die Zeit vom 5. Dezember bis 31. Dezember auf den gesamten Wochenoerdienst ein Zuschlag von 20 Proz. gezahlt. Ueber die eingereichten Lohnforderungen ab 1. Januar 1922, die gegenwärtigen Stunden» löhne um 5 M pro Stunde zu erhöhen sowie den Lkkordarbeiter« einen weiteren Teuerungszuschlag von 150 Proz. zu gewähren, sind die am Mittwoch stattgefundenen Verhandlungen gescheiter� da die Innungen Groß-Berlins ein Angebot machten, das nicht befriedigen kann. Zwecks Vermittlung wurde von der Ortsverwal« mng der Schlichtungsausschuh Groß-Berlin angerufen. Die Akkordsätze für klavierarbeiler erhöhen sich ab 1. Dezember 1921 wie alle bestehenden Löhne um 40 Proz. Aus die vor dem 1. Dezember angefangenen Akkorde ist für die vor dem 1. Dezem» i der geleistete Arbeit der Zuschlag von 40 Proz. nicht zu zahlen. Jede andere Berechnung der Akkorde ist zurückzuweisen, Bezahlung i nur unter Dorbehast anzunehmen. Zeullalverband der Hotel-, Restaurant, und tkase-Angefiellke«. Die Auszahlung der Weihnachtsunter st ützung erfolgt am 21. Dezember von 9 bis 4 Uhr an arbeitslose Mitgliedes die nicht am Streik beteiligt waren, dem Verbände vor dem 1. Juli 1921 angehörten und mit ihren Beiträgen nicht im Verzuge sind oder innerhalb der letzten zwei Monate im Verzuge waren. Sl«> tag der Arbeitslosigkell 15. November. Am 2 2. Dezember von 9 bis 4 Uhr an Mitglieder, die vor dem 15. Oktober 1921 dem Be» bände angehören, durch den Streik ausgesperrt oder gemaßrcg�Ä I sind. Mitgliedsbuch nebst Stempelkarte des Arbeitsnachweises ist vorzulegen" Auszahlungen an anderen als an den festgesetzten Tagen sowie Nachzahlungen erfolgen nicht. Lohnbewegung der Nord- und Ostseehasenarbeiter. Eine Ver- sammlung der Vertrauensleute und Belliebsräte der Hafenarbeiter von Groß-Hamburg beschloh einstimmig, den Tarifvertrag zum 31. Dezember zu kündigen. Mll der Höhe der aufzustellenden Forderungen soll sich in diesen Tagen eine Konferenz der Nord- und Ostseehafenarbeiter befassen, da die diesmalige Lohnbewegung für beide Hafengebiete geführt werden wird. tzentralverband der Schuhmacher. Montau« Uhr, Bronchenversnmmluna her Ballschuhmacher. Weberstr. 17.— Rüt Echästemacher, Borrichter und Stepperitli nen bei Sentschel.«öpenicker Str. 127».— ssür Borrichtrr, Stevverilinen i« ffabtilen 5H Uhr. im gllrstenhof, Ztöpcnickcr Str. tZ7. tzentralverbanh der Anacstellten. Berufsaenossenschaften. RitaNederver, sammlung Montag KVa Uhr, Neue Philharmonie, Köpenicker Str. lle,07. Deutscher Vcrtehrgbund. Äbtciluna Luft» und Kraftfahrer. Benzin, und Elekiro-Droschkenführcr! Montag Slh Uhr, im Englischen bof, Alexanderstr. 27r. Branchenversammlung. Die Lage im Kraftdroschkeiiaewerbe. Deutscher Traueportarbeiter-Berband. Branche Schwer- und Leichtfuhrwerks. kutscher, Montaa 7 Uhr, in Boekers ifcsisiilcn, Weberstr. 17, Branchenverlamm. lung. Das Ergebnis der Lohnverhandlung mit den Arbeitgebern.— Sruvpe Rohprodukte. Montag 7 Uhr. km Englischen Hof, Aleranderstr. 37r., Allgemein« Bersaminlung. Was stellen wir für Lohnforderungen?— Sandelshilfsarbeiter und-arbeitcrinnen aus allen Betrieben der Keinlcder und Lederbranche! Mou- taa 7 Uhr, bei Witte, Poftstr. 29, Sruppenvcrsammlung.— Gruppe Altpapier. Dienstag 7 Uhr, im Englischen Hof, Aleianderftr. 27c, Allgemeine Versammlung. Wie laute» die neuen Lohnsähe?— Sandelshilfsarbeiter und-arbeiterinnen aus allen Betrieden der Serren», Knaben» und Burschenkonsektion! Dienstag 5ha Uhr. bei Witte, Poststr. 29, Eruppcnversammlung.— Lederdranchr. Montag 7 Uhr, bei Witte,-Poststr. 29. Gruppcnpersammluna aller Sandelsardeiter und -arbeiterinnen aus alle» Betrieben des Lederwarcn-Srohhandels und Zndustrie. Deutscher Sutarbeiter-Berbaud. Dienstag öliü Uhr. im Geworkschaftshaus. Mitalicderversaminluna.— Mittwoch 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommau- dantenstr, 38, S9, Mitgliederversammlung der Puhbranche. Berantw. für den redest. Teil: Dr. Werner Peiser, Charlottenburg: für An. zeigen: Th. Glocke. Berlin, Lerlag Vorwärts. Verlag G. m. d. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerci u. Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin. Lindcnstr. Z. Hierzu 4 Beilagen und„Die Bucherschau". I ahne 5 u. 8 Alk. mit TriedensUautschuk 5 Jahre schriftl. Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bei Bestellung von Gebissen gratis. Kronen V. 30 Mk. an. 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Nach der Mittagspause nahm der O b e r r e i c'. s a n m o l t noch einmal das Wort. Er setzte sich mit den Ausführungen der drei Verteidiger auseinander. Einen Zweifel an den h o ch v e r- räterischen Absichten Kopps könne man noch der Beweis- aufnähme überhaupt nicht mehr haben. Die Amnestie komme für alle drei Angeklagten nicht in Frage. Denn wenn man selbst dem Angeklagten v. Wangenheim den guten Glauben nicht ab- sprechen wolle, so stehe doch fest, daß er sich an dem Kapp-Unter- nehmen weiter beteiligt habe, obwohl er zweifellos wissen mußte, welche Ziele Kapp letzten Endes verfolgte. Dann hielt ReichsanroaU Neumaon in Forni einer Replik eine zweite Anklagerede. Einleitend wies er auf die Bedeutung des Brozeffes hin und daß nach der Beweisaufnahme wohl kein Mensch ii» ganzen Reich mehr daran zweifeln könne, daß Kapp und feine Frunde y-chverrak an der Verfassung begangen hätten. Dann beschäftigte er sich mit den einzelnen Zew- gen und erklärte, daß, wenn auch einige der Herren mit der Wahrheit zurückgehalten hätten, der Richter doch aus der Art und Weife des Auflrelens eines Zeugen Schlüsse ziehen müsis Wer die Zeugen Dewitz und F r o h n c gehört habe, könne über die Ziele 5lappz gar nicht im unklaren sein.. Es ist hier oft in die Debatte geworfen worden, so erklärte der Reichsanwalt, die Angeklagten wollten nur„die Verfassung stützen". Aber wie läßt sich diese B hauptung mit der Tatsache in Einklang bringen, daß Kapp und 5, enossen an General Maercker Telegramme schickten mit der Auisorderung, die flüchtenden Negierungsmilgiieder zn v erhalten? l�ie Angeklagten sind politisch die gebildetsten Leute, die ich mir denken kann. Und namentlich Herr v. Jagow, der in Preußen ein hohes Amt bekleidet hat, konnte keineswegs im unklaren Über die Ziele der Bewegung fein. Was wollte denn Kapp anderes, als ganz Deutschland in den Zustand der Zuchthaus- und kirchhofsruhe verwandeln. Er unterdrückte jede andere Meinung als die seine, wie schon aus dem Verbot der Presse am besten hervorgeht. Und schließlich gibt es für die Ziele des Unternehmens doch kaum bessere Zeuai iise, als die Briese, die Sapp selbst geschrieben hat. Schiele ist ebenso wie Jagow körperlich und geistig in dem Kapp-Biitsch hervorgetreten. Beide sind M i n i st�e r a n w ö r- t o r gewesen und somit muh man sie unbedingt als Führer bezeich- nev. Auch Herr v. Wanaenheim ist ein Führer gewesen, wie aics der Tatsache hervorgeht, daß er als Minister den Unterstaatssekre» tär Ramm im Preußischen Landwirtschastsministerium a b g e- setzt hat. R.-A. Grünspach trat in der Replik den. Ausführungen des Reiche anwaltes entgegen und wies besonders darauf hin, daß� es für das Gericht in der Urteilsfindung höchst gleichgültig sein müsse, welcher Ansicht man außerhalb des Gerichtsfaalcs über die poli> tischen Ziele und Folgen des Kapp-Unternehmens sei. Die Berteidiger R.-A. G ö r r e s- Berlin, B ö t t g e r. Berlin. Goutebrück- Leipzig und Martin- Halle schlössen sich in kurzen Ausführungen an. Zagows Schlußwort. Dann erhielt der Angeklagte v. Jagow das Wort zu seinen fffchsußausführungen. Er sagte u. a.: Ick) möchte mich zunächst gegen das Wart des Herrn Oberreicksanwalts wenden, der uns drei Angeklagten Mangel an Mut vorgeworfen hat. Mangel an Mut ist ein schwerer Vorwurf und ich empfinde ihn besonders schwer, weil ein großer Teil meiner Tätigkeit sich im öffentlichen Leben abgespielt hat. Als Polizeipräsident von Berlin habe ich nie Mangel an Mut gezeigt. Lch bin zu den großen Feldversamm- lungen, die im Freien stattfanden, mit meinem Dienstauto gefahren und bin mit dem Zylinder auf dem Kopf durch die Scharen von Tausenden mir feindlich gesinnter Menschen gegangen. Ich habe mich, als es zur Bekämpfung von Ausschreitungen kam, an die Spitze der Schutzmannschaft gestellt, nicht mit der Waffe in der Hand, sondern mit dem Zylinder auf dem Kops und bin meinen Beamten mit gutem Beispiel vorangegangen. Nachdem Jagow nochmals auf die Frage der Untersuchungs- Haft eingegangen, fährt er fort:„Ich habe heute einen Brief Kopps erhalten, in dem er sich beschwert, daß ich ihm den Bor- wurf gemacht habe:„Kapp fiel zusammen wie ein Wasch. läppen". Ich möchte betonen, daß ich das nie gesagt habe. Was nun mein Verhältnis zu Kopp betrifft, so stand ich ihm persönlich r e ch t f e r n. Ich folgte, als er mich zu sich rief, dem Ruf eines fast Unbekannten und dachte, als er mir seine Pläne ent- wickelte, an ein durchaus legales vorgehen. Wenn es nachher anders gekommen ist, so ging das mich nichts an. Das Programm, an die Stelle der unfähigen, fähige Männer zu setzen kBescheidenheit ist eine Zier... Red. d. V.), war mir ! natürlich durchaus erwünscht, besonders der Ersatz, der aus politi- schen Gründen berufenen Männer in der preußischen Verwaltung, durch erfahrene Kräfte. Nach einigen Schimpfereien auf die..Bierfahrer, Metalldreher usw." und einer Anzapfung Noskes fährt Jagow fort: Ich habe eine Diktatur Kapp auf legalem Wege für durchaus möglich ge- halten, ebenso wie Herr Hörsing Diktator für Mitteldeutschland wurde. Ich will nicht ohne weiteres bestreiten, daß es ein Staatsstreich war. Aber es war ein legaler Staats stD eich, ein Wort, das Bismarck geprägt hat. Herr v. Jagow schildert dann in breiten Ausführungen die Märzvorgänge. Er hätte nie gesagt, daß er sich am 17. März früh zu einem Morgenspaziergang ans Brandenburger Tor begeben habe. Selbstverständlich, so führte v. Jagow aus, war ich durch die Alarmnachrichten gespannt, denn ich gehöre zu den Menschen, die gerne etwas miterleben, aber damit habe ich noch keinen„dolus" gehabt. Ich habe durch- aus zu Recht geglaubt, daß alle Macht bei Lüttwitz war. Herr v. Jagow berief sich dann weiter auf die Verordnung vom 16. Fe- bruor 1S19, die jeden im Ruhestand befindlichen preußischen Be- amten verpflichtet, ein Amt anzunehmen. Was feine Amis- Handlungen im Ministerium des Innern beträfen, so berufe er sich als Beweis dafür, daß ihm ein gewaltsamer Bcrfassunqssturz durch- aus fernaelegen habe, darauf, daß er den Polizeipräsidenten von Berlin, Eugen Ernst, in seinem Amt belasten Hobe. An den sogenannten Sabinettssitzungen in der Reichskanzlei habe er sich nur als stiller Zuhörer beteiligt. Gegen den Rücktritt Kopps habe er deswegen protestiert, weil er, trotz aller Verehrung für Lüttwitz, die Soldaten nicht für die Männer hielt, die ohne jede Zivil- o e i m i s ch u n g die Geschicke des Deutschen Reiches leiten könnten. Herr v. Jagow ging dann in länaeren juristischen Ausführungen zu einer Würdigung des§ 81 BStGB. über, gegenüber dessen Gültigkeit er sich auf den Artikel 173 der Reichsverfassung berief und „feststellte", daß die Reichsoerfassung dem§ 81 entgegenstehe. Wenn dabei ein Vacuum entsteht, so ist das die Schuld der heutigen Ge- setzgeber. Ich kenne Herrn S ch n i tz l e r nicht, diesen Phantasten, der andere Leute Ins Unglück stürzt durch die Aufzeichnungen, die er niemals verantworten kann. Ich schüttle diesen Mann von. meinen Rockschößen ob. Ein bewußtes Zugeständnis an Kapp, mit ihm zusammen die Berfassung zu brechen, habe ich niemals abgegeben. Ich habe den versuch gemacht. Führer zu spielen; er ist mir l aber nicht gelungen und kann mir deshalb auch nicht angerechnet werden. Herr Schiffer selbst hat ja ausdrücklich von der Amnestie nur die Führer ausge- schlössen, also Kapp und Lüttwitz, die sich Diktator genannt haben. Der erste Senat des Reichsgerichts hat doch Herrn v. Falkenhausen amnestiert, einen Mann, der doch zclinmat mehr getan hat, wie ich, desgleichen v. Trotha, Hülsen, General Oven usw. Ich hoffe, daß das Urteil des 1. Senats bei der Urteilssindung dieses hohen Senates hier berücksichtigt werden wird. Als Rädelsführer kann ich nicht angesprochen werden, da ich andere nicht geführt habe. Der Oberreichsanwalt hat be- hauptet, nach meiner politischen Vergangenheit wäre es ganz un° möglich, daß ich nicht ein Führer des Unternehmens war. Ich habe keine politische Vergangenheit. Traub hat meine Stellung damals am besten charakterisiert, als er sagte, ich sei ihm als ein„st illerZuhörer" erschienen. Ich war r e s s o r t t r e u und bin es geblieben. Es wäre wohl denkbar ge- wesen, daß Kapp? Unternehmen so verlief, wie später die U m° stellung in Bayern. Hat man aber gegen Kohr und die anderen Herren in Bayern Anklage zu erheben gewagt? Mir steht absoluter Freispruch zu, unier Auferlegung meiner Un- kosten auf die Staatskasse. Wangenheims Schlußwort. Hierauf ergriff Herr v. W a n g e n h e i m das Wort: Ich diu mit ruhigem Gewissen in dieses Haus gegangen, obwohl wir in letzter Zeit Ricktersprüche im Lande erlebt haben, die unter dem Druck der Straße entstanden sind. Trotzdem gebe ich meine Hoffnung auf die Unparteilichkeit des deutschen Richters nicht auf. Nach den Ausführungen des Oberrcichsanwalts ist es mir heute erst zur Erkenntnis gekommen, was für ein Mordskerl ich eigentlich bin. Ich stehe jetzt in schwerster Arbeit. Wie ich, der ich preußischer Landwirtschaftsministcr werden sollte, gegen die R e i ch s- Verfassung verstoßen haben soll, ist mir bis heute v o l l k o m- man unklar. In der Kommandeurversammlung, von der hier auch vielfach die Rede war, ist mir das traurigste vild seit dem Zusammenbruch vor Augen gekommen, denn ich sah damals, wie weit das Prä- t o r i a n e r t u m in der deutschen Armee bereits gediehen ist. Kapp war einer der wenigen Männer, die ich als Staatsmänner bezeichnen kann. Kapp hat damals keinen Hochverrat begangen, meine Herren, er hat sich um das deutsche B a t e r l a n d verdient gemocht. svravorufe aus dem Zuhörcrraum.) Ich habe nichts mehr zu sagen Ich werde die Strafe ertragen, die Sie mir auferlegen. Aber ich schließe mit dem Wunsche, daß in schwerster Not dein deutschen Baterlande ein Dr. Kapp beschieden sei, dann wird Deutsch- land nicht zugrunde gehen. Schleies Schlußwort. Als letzter nahm Dr. Schiele das Wort: Man hat uns hier der Feinheit geziehen. Warum? Sollten wir aus als Hochverräter der erlauchten Regierung gegenüber bekennen? Die Briefe Kopps sind-b irsto aus der Sorge des Emigranten heraus geschrieben. Wenn Herr Noske der Ansicht ist, daß in der Republik der persönliche Treueid weiterbesteht, so be- findet er sich auf dem Holzweg. In der Republik gibt es nur die Pflicht des Soldaten, weiter nichts. Ich wünsdie wahrhaftig der Republik mehr solche höchsikcmmandierende wie Lüttwlh es gewesen ist. Ich verwahre mich dagegen, daß man unsere Tat ein moralisches Verbrechen nennt. Ich glaube, es gibt keinen lebendigen Menschen in Deutschland, der sagen könnte, was ohne die Geschehnisse vom 13. März in Deutschland geworden wäre. Was ich getan habe, ist nicht Hochverrat. Id) werde es vor meinem Gott und vor meinem Gewissen verantworten. Senatspräsident Geheimrat v. Pelargus verkündete daraufhin, daß das Urteil am kommenden Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, vcr- kündet werden wird._ Wetter 615 Montag mittag. Zeitweise heiter, jedoch veränderlich, etwas täbler mit einzelnen Regenschauern bei starten nordwestlichen Winden. 1815-> BERLIN C« KÖNIGSTRASSE-> SPANDAUER STRASSE Gvoker Wsibnackts VerSauk Damenkleidung Bluse aus geatr. Flanell rQ kaUfrei od. geackloaa. �-7-" T rikottaille mn ■cbwan oder marine e--- Morgenrock au« nne vorzügl-Flausckatoff"" Morgenrock aua qqo vorzugl. Trikotatoff" Kleid aua reinwoIL jnc CkeTiotm-Slepperei�*�-" Damenwäsche TagKemd m. Einsatz o. Langetts OO.~ Tagliemd mit Ein- und Antatz"" Nackthemd qq Tiereckig mit Anaatz»70." Beinkleid mit Ansatz 43.~ Pnnzessrock 1 1 n mit Ein- nnd Ansatz■*- 4.17."■ WirkWaren Kunstaeid. Kragenachoner gestreift.............. 87." Kimono- Üterkluae Reinwolle gestrickt.. 175.•• Normal-Hemden für Herren, wollgemiachl Mittelgroße....... O L Normal-Beinkleid f. Herren. W0II-355O Tischwäsche T lacktuck gebleicht Damast 225�98.50 ,55�78.- Servietten 55x55 cm 9.75 Ka�eedeckebuntfb. waschecht, 120x120*0." 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Dentsche Bank Direction der Dlsconto-Gesellschaft Dresdner Bank J. Dreyfns& Co. Hardy& Co. 6. m. b. H. Mendelssohn& Co. Mitteldeutsche Creditbank Nationalbank für Deutschland Kommanditgeseilschatt auf Aktien GARDINEN 25 m e v» CH. HERZIG GormannstraAe i 1 Holzmarktstr II. Bta.e, kein Laden.Ecke Rosen- B II. Btase, kein Laden, diiekt am tnaler und Weinmeisterstr.) nahe Stadt- H| Bahnhof Jannowitzbrücke(Ecke bahnhol Börse H«nte von I 1 AiexanderstraSe) O Uhr ceOffni-t! =11 Ferner Fortsetzung des großen billigen Weihnachtsverkairfs in XUnsilergardinen, Hsdrasgardinen, Settdecken, Tisch, u. Diwandecken usw. mit 5 Proz. Rabatt bis Sonnabend tätlich 9—7 Uhr. Mute* 'i'etlen, SchmuckslüSc jeder Art, Platt», pttlbene UHre». Helten, Ringe, Sold. und Dttdergegenstände taufen ,»»«- überbietbare» Preisen zum höchsten Ausland»!»». Piandscheine lösen ein. zahlen den Wert zu. Verlost erleide» Siejtet», oi un(Sit nicht zu uns komme»! Ankauf auch mit Ruakaussrecht. 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Jahrgang 2. Seilage öes vorwärts Ssnntag, 18. Dezember 1921 t In früheren Zeiten, als die Feen und die guten Geister noch so zum Vergnügen über die Erde gingen und zum Teil aus Groß- mut und zum Teil, weil es ihnen Spatz machte, die Leute in Ver- legenheit zu bringen, das Spiel mit den drei Wünschen trieben, lohnte es noch, sich hen Kopf anzustrengen. Heute, da dock) keiner nennen?» wert erfüllt, was sich ein anderer wünscht, nimmt leider niemand seine eigenen Wünsche so recht ernst. Tun es die Kinder? Lebt in ihnen heute, wenn sie den Weihnachtswunschzettel schreiben, noch die feste Hoffnung auf Erfüllung? Ach, im Lauf der letzten bösen Jahre sind selbst die Kinderwünsche so bescheiden geworden, daß man ihre Erfüllung für sicher halten mützte— wenn— bleibt doch wieder nur das: wenn es noch gute Feen gäbe. Uns liegen die Originale von Wunschzetteln Berliner Kinder vor, die im Norden Berlins eine Gemeindeschule besuchen. In vielen dieser Wunschzettel kommt die wirtschaftliche Not und eine durch sie bedingte Bescheidenheit zum Ausdruck. Auch der Wille, schon früh- zeitig mitzuhelfen und so die Lage der Eltern zu verbessern, ist bei vielen deullich erkennbar. Die öescheiöenen. Bemerkenswert erscheint auch der oft wiederkehrende Wunsch vach guten— ober wie die Kinder schreiben— schönen Büchern: »Das Weihnachtsfest ist bald da. Gestern Hab ich die ersten Weihnachtsbäume gesehen. Die meisten Kinder haben schon ihren Weihnachtswunsch geichrieben. Dorum will ich auch meinen schreiben. Ich wünsche mir ein schönes Buch und e i n Paar Hosenträger und glückliche Feiertage/ R. B. Etwas größere Wünsche werden im folgenden geäußert: «Weihnachten naht jetzt. Da setzte ich mich an einem Regen» tage an den Tisch und schrieb einen Wunschzettel. Ich wünsche mir ein Paar Stiefel und dann ein« M a n d o l i n e und ein schönes Buch zum lesen. Ich würde auch dafür sehr dankbar sein." F. B. Ein älterer Junge, der im nächsten Jahre die Schule verlassen will, denkt nur noch an praktische Dinge. Er fühlt sich schon über »die kleine Jugend" recht erhoben und nur, weil sie ihre Wünsch« niederschreibt, läßt er sich ebenfalls herbei, es zu tun: »Jung und alt freut sich schon. Die kleine Jugend sitzt emsig am Schreibtisch und schreibt Wunschzettel an den bekannten Weihnachtsmann. So will ich auch gern meinen Wunsch aus- sprechen. Denn ich werde Ostern konfirmiert und möchte meinen Einsegnungsanzug haben." P. P. Ein anderer schreibt an den Weihnachtsmann einen richtigen Brief, den er.hochachtungsvoll" unterzeichnet, und der betont, daß er sich sehr freuen würde, wenn er sein Spielzeug bekäme. «Lieber Weihnachtsmann! 1 Straßenroller, 1 Buch von Wilh. Dusch, 1 Paar Strümpfe wünsche Ich mir. Ich hoffe, daß ich die Sachen auch bekomme. Wie werde ich mich freuen, wenn ich dieses bekomme. Hochachtungsvoll W. T." Der bunte Teller und eine Tafel Schokolade ist bei vielen ein ganz besonderer Weihuachtswunich, und dos ist ein Beweis dafür, daß Näschereien nicht zu den Alltäglichkeiten unserer Jugend ge, hören. So spielt dieser«bun« Teller"«in« ganz besondere Roll« in den Wunschzetteln. «Bon meinem Vater wünsche ich mir«in Paar Stiefel und ein Paar Strümpfe zu Weihnachten. Einen bun- t e n Teller und eine Tafel Schokolade." E. PH. Der«glücklichste Mensch von der Erde" ist ein anderer, wenn er außer seinem bunten Teller noch eine Geige erhält. «Weihnachten ist jetzt heran gekommen. Jeder wünscht und wählt«twas recht schönes. Ebenso wie ich mir etwas wünsch«. Mein Wunsch ist nähmlich der: Eine ganze Geige und daß wir all« gesund und fröhlich beisammen sein können. Der Weihnacht». bäum muß recht jchön glänzen und strahlen. Bor allen Dingen aber einen schönen Teller mit etwas schönes zu essen darin. Hoffentlich geht mein Wunsch in Erfüllung, dann bin ich der glücklichste Mensch von der Erde." E. W. Die Anspruchsvolleren. Biel Spaß bereitet es, wenn einer den Spuren Goethes folgt und sich ein„Kaspateater" wünscht, und es berührt seltsam, wenn von einem Knaben der mädchenhaste Wunsch geäußert wird, daß er sich«ein Knäuel Wolle und Stricknadeln" wünscht, um sich Hand- schuhe zu stricken. „Ich wünsche mir ein Buch von Wilhelm Busch und ein Kaspateater von meiner Großmutter. Von meinen Eltern möchte ich ein Klavierstück, ein Paar neue Schlittschuh und ein dickes Kneuel Wolle und ein Spiel Stricknadeln, denn ich will mir ein Paar Handschuh stricken." R. R. Auch Wünsche nach technischem Spielzeug treten hervor. Sehr oft werden mechanische Baukästen gewünscht, oft auch Maschinen: „Don meiner Mutter wünsch« ich mir ein« D a m p s m a- schine, damit ich mir, wenn es regnet, die Zeit vertreiben kann. Dann möchte ich gerne ein Luftdrruck(Luftdruckgewehr. Red.) haben, um im Sommer mit meinen Freunden Trapper und Indianer zu spielen. Dann möchte ich gern von meinem Onkel«ine Laubsäge, damit ich mein Zimmer mit hübschen Sachen schmücken kann. Dann wünsche ich mir ein Paar derbe Stiefel, um im Sommer viele Fahrten in die Natur zu machen." H. S. Ein anderer denkt neben vielem Kuchen auch an eine elektrische Eisenbahn, hegt aber schon die leider nur zu berechtigte Befürchtung, daß alles zu teuer sein wird. «Ich wünsche mir zu Weihnachten eine elektrische Eisenbahn mit einem Akomolator. Die Hauptsache aber ist recht viel Kuchen mit Pfeffernüsse und einen bunten Teller. Ich mächte mir auch recht viel und schönes wünschen, wenn es bloß nicht so teuer wäre. Aber vteleicht bringt es dir der Weihnachtsmann doch noch." A. D. Ein Unzufriedener. Nun wollen wir noch Beschreibungen des Weihnachtsfestes geben, wie es sich in der Phantasie kleiner Jungen malt, die ganz ?enau wiflen, daß alle ihre geheimen Wünsche nicht erfüllt werden önnen. »Wie freue ich mich jetzt schon auf Weihnachten. Ich sehe schon im Geiste den Weihnachtsbaum in unserer Stube stehen. 2 Tage vor Weihnachten muste ich schnell den Kuchen zum Bäcker tragen, denn ich hatte viel zu besorgen. Endlich brach die verhänknisfolle Stunde an. Ich konnte es kaum noch erwarten. Endlich durfte ich hinein. Ich halte mir viel mehr vorgestellt. Aber da fragte meine Mutter: Was ist dir denn? Ich wollte meinen Aerger nicht zeigen, deshalb sagte ich gar nichts. Unter dem Weihnachtsbaum lagen zwei Paar Strümpfe und ein Anzug für mich. Von meinem Bruder bekam ich«in Spiel. Dann wurden die Lichter ausgelöscht und ich ging schlafen. Als ich am Morgen aufwachte, war es schon hell. S. Sch. „Refnc prügelt Ein anderer äußert den Wunsch, daß seine Eltern ihn über Weihnachten nicht prügeln möchten, und das leuchtet in eines der traurigsten Kapitel de» Kinderlebens hinein. Es gibt also«inen, der ist so bescheiden, daß er gar keinen Wunsch mehr zu äußern wagt, der ihm irgendeinen«ig«nen Besitz ein» trägt. Dieser ein« kleine Junge ist so bar jeder kindlichen Hoff- nungsfreude, daß ihm jeder Wunsch unnütz und vergeblich erscheint. Bielleicht würde ihm der in seinen Augen verborgene Wunsch, ein kleines Spielzeug zu besitzen, nur Hohn eintragen und so wünscht er: keine Prügel. Arme Zeit, der die Feen entschwanden.... Vieüer in Setrieb. Die Hoch- und Untergrundbahn konnte gester» in de» Abendstunden wieder in Betrieb gesetzt werden. Nur aus der kurzen Nebenstrecke Wittenbergplatz— Uhlandstraße wurde zunächst noch nicht gefahren. Die Benutzung der Züge war anfangs mäßig, weil die Betriebsausnahme nicht sogleich allgemein bekannt wurde. Erst nach einiger Zeit tonnte man wieder das gewohnte Vergnügen haben, bei der üblichen Wagenüberfüllung sich wie in einer Herings- tonne zu fühlen. Uebrigens wird gerade jetzt versprochen, daß der Fahrplan schon in den nächsten Tagen durch Einführung einer engeren Zugfolge verbestert werden soll. Aenderungen im Skrafzcnbahnbetriebe. Dom 21. Dezember ab wird die Linie 67 von der Frankfurter Allee anstatt bis zum Roederplatz durch die Boxhagener Straße, All-Boxhagen, Marktstraße, Karlshorster Straße, Prinz-Albert- und Stadthausstr. bis zum Biktoriaplatz(zurück durch die Türrschmidt- straße) geführt. Hierdurch wirv vielfachen Wünschen folgend wieder «ine unmittelbare Straßenbahnverbindung zwischen dem Lichten- berger Ortsteil Boxhagen-Rummelsburg und dem Alexonderplatz hergestellt. Für den Verkehr nach dem Roederplatz wird zum Ersatz für die Linie 6? die jetzt nach Box- Hagen-Rummelsburg verkehrend« Linie 92 vom Alexanderplatz über Königsberger Straße, Zentralviehhos und Möllendorfstraße nach dem Roederplatz geführt. Gleichzeitig wird diese Linie von, Andreasplatz ab anstatt über Grüner Weg, Blumen- und Schickler- straß« durch die Andreas-, Breslauer und Holzmaektstraße geleitet und dadurch die fehlende, seit langem gewünschte Verbindung von Lichtenberg, Möllendorfstraße, und dem Zentralviehhos nach dem Schlesischen Bahnhof hergestellt, auch eine neue Berbindung vom Westen nach dem Schlesischen Bahnhof geschossen. Am gleichen Tage tritt auf den Linien 16, 116, 39, 189«in neuer Fahrplan in Kraft unter gleichzeitiger Verlegung des Endpunktes der Linie 39 von der Platanenstrahe nach dem Bismarckplatz in Niederschön- hausen. Späte Gäste. Nächtliche Polizelunkernehmnngen. Beamte des Polizeipräsidiums unternahmen in der vergangenen Nacht umfangreiche Streifen und Razzien in ver- fchiedenen Gegenden der Stadt. Den Anfang machte die«K e i b e l- diele", die um 1 Uhr nachts ausgehoben wurde. IL Gäste mußten den Weg zum Polizeipräsidium antreten. Dann ging es in schneller Fahrt nach dem Hause Ierusalemer Str. 6 2, wo man dem im 1. Stockwerk wohnenden Händler Richard G r e i n e r t einen Besuch abstattete. 49 Personen wurden bei Glück- spielen betroffen und aus Lastautos nach dem roten Gebäude am Alexonderplatz gebracht. Kurz darauf wurde ein zweiter Spielklub im Haufe Stallschreiber- straße 12e geschlossen. Dieser„tagte" bei dem Händler Block, der die Räume angeblich für einen„Frisiersalon" gemietet > hatte. Hier fanden die Beamten schwere Arbeit; da ihnen , die hinteren Zimmer nicht geöffnet wurden, mußten zwei Türen erbrochen werden. Man überraschte ca. 39 Personen. darunter auch einige Frauen, und nahm sie zur Feststellung ihrer Persönlichkeit mit. Späte Gäste hatte noch der„August- kell er" in der Auguststraße. Hier trafen die Beamten um S Uhr früh etwa 26 Personen meist Zuhälter und Dirnen— an. Aehnlich war die Lage im„B e s s e l k e l l e r" in der B e s s e l p r a ß e. Den Abschluß der nächtlichen Fahrt bildete die Räumung des Eaf6»„Nizza" in der Landsberger Straße. Obgleich es bereits 7 Uhr war, saßen hier noch zahlreiche Pärchen. Insgesamt waren 139 Personen beiderlei Geschlechts ststiert worden, von denen ein erheblicher Tell sich auf einen längeren Aufenthalt tm Polizeipräsidium einrichten mußte. Heute goldener Sonntag. Die Geschäfte sind am heutigen Sonntag von?>/, bis S'/z Uhr vormittag« und von Ibis 6 Uhr nachmittag« geöffnet. Auch die Händler auf den Weihnachtsmärkten werden nachmittags von 1 b,« 6 U h r ihre Waren feilbieten. Die Störungen öer Kohlenzufuhren. Der Oberbürgermeister hat an den Reichskanzler nachstehende Drahtung gerichtet:.Kohlenvorräte städtischer Werke mangels Zu» fuhr stark abnehmen. Strombeschränkung industrieller Werke und damit Betriebsstillegungen und'Srbeiterentlaffunge» in Berlin unvermeidlich. Erbilten schleunigste Einwirkung bei Reichskohlenkommissar und Reichkeifenbahnveiwattung. Böß, Oberbürgermeister." Ein entsprechendes Telegramm ist an den ReichSkohlenkommlssar gegangen. Ser Zrambahnwagen der Freiheit. $ Novelle von Otto Rung. Diese köstlichen und tiefsinnigen Wanderungen mit dem auf die Natur gehesteten Künstlerauge, im Rucksack viele Meter Malerleinwand Nummer 4, bloß abzuschneiden, sobald er Landschaften fand, die er an Hüfner oder Schankwirte ver- kaufen konnte, ja selbst an Gutsbesitzer, zuweilen sogar an Dorfschulzen. Für fünf Kronen das Stück ohne Rücksicht auf die Größe, aber für zehn Kronen mehr, wenn Menschen im Vordergrunde waren oder andere größere Kreaturen. Ein schwaches Schnauben scholl heraus— es war Solborg; er konnte sie schlafen hören. Und Manghild sprach im Schlummer, jammerte, ja schluchzte sogar und rief«inen, der Frederit hieß. Es klang geradezu herzzerreißend! Ankersen kroch auf dem Kondukteursitz zusammen und seufzte. Und dennoch genoß er seine Schlaflosigkeit,— wie man einen Rausch genießt. Sein waren der hohe Himmel und alle Sterne der Nacht und die schwarzen Roggenfelder bis ganz hinan an den Nörre Skov. Und hier stand er auf einem Goldaltan vor seinem Kristallpalast, in dem die Prinzessinnen in Seiden- betten schliefen. Die Nachtigallen gurgelten in dem tiefen Buschwerk und der Bach glitzerte von den Spiaelbildern der Sterne gleich einem Wasserläuf in Venedig, und der goldene Kristallpalast ward zu einem Schiff, das dahinfchaukelte und taukelte, über See nach den fernen Ländern des Südens, nach iortugal und Korsika und Italien mit den blauen Bergen und den Palmenbäumen. Er taumelte bei tiefem Glockengeläut aus dem Schlafe auf. Er rieb sich die Augen. Es war hellichter Tag. Ueber die Wiesen floß der Morgennebel, und dl« Lerche Jubilierte genau über seinem Tramwagen. Gen Osten funkelte der Himmel in den ersten Sonncnflommen und alle Felder dufteten frisch und süß von Klee und Tau. Kühe brüllten in der Ferne, sprenkelten die Landschaft mit Zinnober- rot, und der Bach sprudelte eiskalt und klar an den blauen Korn- und den roten Mohnblumen vorbei, die drinnen im Roggen unter dem Winde seufzten. Er reckte freudig die Arme: Heute wollte er malenl Das Feld, die Blumen, de» Bach und den gelben Tramwagen— ein großes Bild der langen Landstrecke! Kling! Lina! Ein unglaubliches Gebeier, ein Feuer- alarm der Tramoahnglocke. die ihm zu Häupten dröhnte— und nun begriff er, daß es Sotborg war, die an dem Riemen zog, um ihren Morgentee zu oerlangen. In einem Nu hatte er seinen Kocher angezündet. Ein Päckchen Tee vom Kaufmann hatte er in der linken Hosen- tasche. im Bach war Wasser, und die drei Wecken, die er gestern gekauft hatten im Morgentau gelegen, um wieder frisch zu werden. Er servierte den Tee in dem Blechbecher durch die kleine Billetfcheibe des Kondutteurs, unterschied einen runden weißen Arm. der Solborg gehörte, und fühlte sich so seltsam gerührt,— der Morgen machie ihn vor Glückseligkeit schwin- dein. Er konnte Solborg ihr Haar mit seinein Kamm kämmen hören. Es knisterte in diesem Haar wie Feuer und Flammen, es war so wild und unbändig, daß es dem Kamm zwei Zähne ausbch. Plötzlich sprudelt« ein Wasserstrahl durch die Ziehscheibe heraus. Es war der Tee. Und Solborgs Stimme rief, sie trinke des Morgens kein Kloakenwasser mit Kröten! Kurz danach kam sie dennoch heraus, ein wenig versöhn- licher gestimmt, von der verschlafenen, morgenheiseren Mang- hild gefolgt. Sie begann an die Zukunft zu denken und darum mst ihrer Vergangenheit Abrechnung zu halten. Herr.Ankersen glaube etwa, sie sei an« Aergste gewohnt, aber nie habe sie Polizeivorschriften bekommen oder sei auf die Gasse gegongen, weder in Nyhavn noch auf Vesterbro, und daß sie zum Tanze ging, kümmerte keinen anderen was. Die Nacht gehörte ihr! Und niemand sollt« sie beschuldigen, daß sie Herren bestehle, das mußte selbst der Schwede damals bezeugen, als er feine Brieftasche in dem rechten Hakenstiefel fand, nachdem er aus dem Fenster heraus noch der Polizei gebrüllt hatte. Und darum hatte er ihr einen Hundertkronenschein gegeben, frei- willig, ganz ohne Bezahlung, so daß es bei Gericht ein Frei- sprvch wurde.„Nein, stehlen tu ich im Leben nicht! Aber für die Penfianswirtin, Frau Storck, setzte es vier Monate, für die eklige Kaffeevettel, weil ich anfänglich unter der Altersgrenze i war, obwohl ich ihr eingeredet hatte, ich sei voll, und dann � ging's hinaus nach dem Rettungsheim zu Fräulein Sljödt und 1 zur Wassergrütze!" Sie schwieg und saß auf der Tramwagen- 1 stufe, scharf in die Zukunft hinausstarrend. 1 Auch Manghild träumte noch. Immer mußt« sie au den Soldaten denken, von welchem die Polizei behauptete, daß er nicht existiere, obwohl er sie damals beim lebendigen Gott da- hingebracht hatte, fünfhundert Kronen aus dem Loppelschreib- tisch des Bäckers zu nehmen, bei dem sie Halbtagsmädchen war, und sie ihm draußen auf den Feldern zu geben, alles nur, weil er sie so gewiß angesehen, daß sie in Schlaf verfiel und viele Stunden später, patschnaß bis auf die bloße Haut, im Regen- wetter ohnmächtig aufgefunden wurde. Und sie erinnerte sich genau, daß er eine Zifter auf der Uniformmützc hatte und Frederik hieß und sie mit seinem Bajonettmesser bedroht hatte, wenn sie ihm das Geld des Bäckers nicht hole, und das vom Fleck weg! So oft aber die Polizei behauptet hatte, die Ge- schichte mit dem Soldaten stimme nicht, war sie wieder in Ohnmacht gefallen, und daß sie das Geld mit der Blechichachiel in den Dörnehus-Kanal geworfen, sei erwiesenermaßen nicht wahr, denn sie hätten mit Bootshaken und Kicker dort gesucht und nichts anderes gefunden als ein rostiges Korsett und einen Herrenkoffer voll Tee und Kakao— wenigstens nicht an der Stelle, wo sie suchten, natürlich— an der verkehrten Seile des Kais. „Na!" sagte Solborg endlich,„jetzt wird's wohl Zeit, daß Ankersen sich auf die Strümpfe macht und Einkäufe besorgt." Sie hatte eine lange Liste über das, was sie benötigte: Eine Tube Creme für die Haut und«in Stirnhaarnetz und selbstredend irgendwelche paar Fetzen, die man sich an den Leib hängen konnte statt dieser Heilsarmeehemden aus dem Rettungsheim, und für Manghild ein kleines Ringlein. Als Frühstück wünschte sie entweder einen Hackbraten oder ge- bratene Eoldbutte. Ankersen lüftete rotlos den„Valörhut". Die Kasse wies bloß vier Kronen als Rest auf; dessen Erwähnung zu tun. erschien ihm aber ungalant. Er würde wohl die Mittel auf» bringen, ja, er zweifelte nicht an seinem Glück. Er holte die Rolle mit den fertigen Bildern; in der Gegend gab es Bauern- böfe genug mit großen kahlen Wanden! Dann winkte er den Dmnen Lebewohl zu. Solborg gähnte und sagt«, sie wolle noch einmal schlafen, und trieb Manghild in den Beiwagen zurück. Und Ankersen begab sich auf die Wanderung. Er trug den Kopf hoch: er fühlte, er war Versorgcr geworden. Auf seinen kurzen Säbelbeinen stiefelte er dem Weg dahin, die Bilderrolle im Arm und die dazugehörenden Blendrahmen m. k-a. f tfnt Varmmg Aes pollzekprSfiSttttea. Neukölln haben sich am Sonnabend vormittag erneut etwa 200° Arbeitslose zusammengerottet iu der offensichtlichen Absicht, zu Plünderungen zu schreiten. Dem rechtzeitigen Eingreifen der Schutzpolizei gelang eS, Plünderungen zu verhüten. Die Menge wurde zerstreut, v Personen wurden festgenommen und der Abteilung la de» Verliner Polizeipräsidiums zugeführt. Dieser KZorgang in Neukölln, in Verbindung mit der TagS zuvor im Schön« hanser Viertel stattgehabten Plünderung, geben, wie den P. P. N. mitgeteilt wird, dem Polizeiprüfidenten Peranlasinng, die Berliner Bevölkerung v»r der Teilnahme an wilden Ausammen« rottungen dringend zu warnen. Die Schutz« p oliz« i h«t erne ut W eisung erhalten, gegenalle Stragenansammlungen die der Polizei nicht als ordnungsmäßige Demonstrationen bekannt sind, mit allen Mitteln einzuschreiten. Das Gewerkfihastshaus im neuen Gewanöe. ' Im verliner«ewerkschaftshaus ist ein Wunder geschehen: Alles ist»erwandelt. Funkelnagelneu repräsentiert sich dem Eintretenden der Restaurationsraum, deffen Grundfarbe«in angenehmes Rot ist. Die vier Läulen, auf die zuerst der Blick fällt, sind dunkelgrün ge- halten, während zarte Verzierungen in goldigem Oker sie einfach und harmonisch umranken. In der Tiefe des großen Raumes, der Platz MteteemeeS» Veett» Bilk». U» U. PcoktwccfanstaM»i»m Ml mmm KSchstmiktenzuschllig» heute v-rmltta» IS Uhr w der Schulaula Eolmstr. lZ. Morgen. Montag, de» IS. Dezember: Ktfch« tarnt)»et«riegobeschidigten, Beztrk»60. TM) Hht i* Schuhmachers llcstsälen, Stalitzer Str. 126, Bezirisversammlung. Uebermorge». DienStag, de» 20. Dezember: Sch»»»CTt-nd der SchwerhSrigr». E. B. 7H Uhr m der Reueu Philharmo. nie, Köpenicker Str. SC, Weihnachtsfeier. �* »ereinizung der Freunde mu Religio« und vllkerfrlede». Am Donners- lag, den 22. Dezember, abend» 6 Uhr, im Kaifer-Friedrich-gelt, Charlottenburg, Berliner Str. 88ebca der' üblichen Drotportion werden in dieser Woche auf die untere SüliU de» Abschnitts 22 der Lebensmittelkarte(große Zahl) 500 Gramm Gebäck abgezeben. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Heute, Sonntag, de« 18. Dezember: uacht»s»i«r für die Schöneberger Kiirderabteilungeu veranstaltet aerschaft C> roh, Berlin heut« nachmittag 4 Uhr tu der Turnhall« ___________,»eranstaltet heute nachmittag 4 Uhr tu ite Rcalgnmnastllin» Hauptsiratzr einen Eltrruahend, per. Weihnachtsfeier.__.., ArcireligiSI« Semeinbe. Heute vorm. U. Uhr im Rathau«, gilnrgstraße, trag de, Herrn Prof. Dr. s. s a f f e:„Die indische Religion und die _ Böller". Harmonium: Weihnachtslieder.— w. m Postabonnenten Wir bitten unsere Postabonnenten, damit jede Verzögerung in der Zustellung des „Vorwärts" fUr Januar vermieden wird, ihr Abonnement sofort bei dem zuständigen Postamt zu erneuern. Bei Bestellungen nach dam 20. Dezember Ubernimmt die Post für verspätete Zustellung keine Verantwortung k Vorwärts-Verlag G. m. b. H. � feil«isi Arbeitersport. Ree Arieiter-Schachbunb stellt am Sonntag, den!». Dezemder, im Lokal l Prasser, Michaeliirchftr. 28», van 10— 4 Uhr Schochwerie sowie Spiele au». Die Freie Turnerschaft Schönholz hält heute nachmittag» Uhr in der Turn- '~"-Ost."~"..... Halle des Rcalsamnastums. Reinickendorfs Schauturnen ab. Berner Straße, ihr diesjährige« Line Weih die Frei« Turne Räthrrstraße. Säst« willkommen. Die Freie Tueoerichaft Friede»»» her Anl» des — bunden mit -�-Ror '�Mptho Säfte »riraa d Ntholvail ifte will ..errn Prof. Dr. g. . e der antike» klafstschrn lllommen. Arb«itCT-Radfahrer-B»ad„Solidarität" BerlI«. Touren für heute: 1. Abt.: stehlendorf sMick), Start 1 Uhr, BUIowskr. S8.— 2. Abt.: Zehlcndors(Miet>, Start 1 Uhr, Planufer 83. Ecke Wilmsstrahe.— 3. Abt.: Bestchtlgung der Treptower Sternwarte, Treffpunkt 2 Uhr ohne Räder im Srünauer Sorte«. Mittwach, 2l. Dezember, Abteilungosthung. Erscheinen»ller ist Pflicht.— 5.?lit.: gaulsdorf-Süd, Sanssouci. Start 1 Uhr, Comtureiplag.— 6. Abt.: Buchholz(stöhne). Start 1 Uhr, stopenhegener Str. 26.— 8. Abt.: Fahrt zur Wintersonnenwende der„Naturfreunde" nach Bohnsdorf. Start 1 Uhr, Wald- strafte 8.— 9. Abt.: Wilhelmsruh. Start 2 Uhr, Schulstr. 114.— 10. Abt.: Adlershof, Hinze. Start l Uhr, Comeniusplaft.— 11. Abt.: Bohnsdorf. Winter- fonnrnwrnde. Start 11 Uhr vorm., Müllsrftr. 128. F»ßballspirle der Märkische» Spiewereiniguag heut«, nachmittoas 2 Uhr: Spv. Friedrichshagen— Sparta in den Friedrichshagener Sporwläftcn. Fichte- Gesundbrunnen— Oberspree in Reinickendorf am Schäsersee. Wilmersdorf— Wacker 20 in Wilmersdorf, Württembergische Strafte. Luftig.Fidel— Germania in Rudow, stöpenicker Straft«. Pankow 08— Stralau in Pankow, Gemeinde» sportplaft(Pichelswerder). Rüstig.Porwärt«— To. Pankow in Neukölln, For» tunaplaft am Hcrftbergploft. Askania— Teutonia. Neukölln in Köpenick. Marien- strafte 59. Merkur 08— I. B. C. in Grllnau, am Kanal. Lichtenberg U— Brandenburg in Lichtenberg, Lirschberger Strafte. Adler 08— Union t« Pankow, Tnroler Strafte, Ecke Andrcas»Hofer»Plaft. Viktoria— ssrah-Frei in Tempelhof. am Teltowkanal. Lichtenberg l— Weiftenf« in Lichtenberg. Ecke strummhübelfiraft«. Minerva— Schönebera in Borsigwalde, Conrad», Ecke Reu« Ernst-Strafte. Nordiska— R. B. C. in Beiftenfse, Rennbahn. Borussia— Frisch.Frei in Retnickendorf, Gemeindevlaft, Rathaus. Luckenwalde— öteglist in Luckenwalde. Berkenbrücker Strafte. Teutonia 09— Ablershof in Berlin, Christiania-, Ecke Schwebenftrafte. Nowawes— Neukölln t» Rowawcs, Park Babelsberg. Fichte-Ssid-Ost— Fichte 9 in Baumschulenweg. Fichteplaft. Fichte- Süd— Spandau auf dem Tempelhofer Feld(Einsame Pappel), stickers— Lichtenberg i» Tempelhof, staifer-Wilhelm-Etrafte. Lildebrandt— Rathenow in Wittenau, Oranienburger Strafte. Fuftballrinq— Charlottenburg tn Berlin, lb— Fallenhagen in Spandau, Eifenfpalterei in Reinickendorf, in Cberswalde. Hertha— Tegel in Retnickendorf. Schillerpromenade. Nord— Hennigsdorf tu Oranienburg, Börfenklauer-Allee. Velten— Merkur 15 in Velten, Böftowstrafte. Stern— Lichtenrade in Marienfelde, Dorfstrafte. Luckenwalde s— Herta 2 in Lücken, walke. Kossen— Askania in Kossen, Rasenplatz. Kehlendorf— Brandenburg in Kcblendorf, Semeindetportplaft. Jüterbog— Lankwitz in Jüterbog, beim Lindengartrn, Srllvftrafte. Cladow— Beelitz i» Cladow, Rikolafee. Motzen— Sroft.störi» in Motzen, auftcrhalb de» Dorfe». Fiihic-Ost— Alt-Glienicke in Hohenschönbaufen. Sommerstrofte. Dtfch..Wusterhai:sen— Treptow in Dtsch.- Wusterbousc». Tasdorf— Fichtenau in Tasdorf, beim Schützenhaus. Ketschendorf... Wvltersdars in Ketschendorf, an der Petersdorfrr Strafte. Fredersdorf— Fürstewald« in Freder»borf, a« der Lindenallee. Britannia— st-ulsdorf in Lichtenberg, Wagnerstrafte. Städtisch« Spielplatz. Borbet spiele» die zweiten Mannschaften. Somriag, I ahaus West Hgfcl GnkitiW der MS».— M____—_---- Spielplatz Westend(hinter Krankenhaus Westend): C�,arlottenbnrg I— Moabit I 10&— 12, Onaft— Rüdiger. Spielplatz Schönhauser Allee. Soudnstraft»: Fichte 12 II— Fichte Oft l 10hi-12. Tefch— M-rtner. Geschäftliche Mitteilungen. Die Frankfchea Eisenwer'e, Adolfshütte bei DAr»>»rg, teile» mit, baß trotz des Schadenfeuer» der Betrieb pd» aufrecht erhalte» wird. Wir»erweisc, auf da» heutige Inserat. Glon Vimm /V\ Reinen1"' Ggsn Bmun MMsd i)« rn v u r 9 1 SeI»LI»sL« Weilm«Mililsöe$cheiik «IsiMMui ImCbUH* IFaar Sdrahe fiir das Maus IPaor Stiefel für die Strafe IFaarl/acksciiuhe fd-Alsend Heute Sonntag von I— 6 Uhr nachmittags geöffnet Sctarät&fttfönbe uvd Erfinder ®ute Derdienstmöglichk.! Aufklärung». Anregung gebende Broschüre: Ein nraat««tststsend. grab g.(frbmann» tte.. Bln.. KLniqgrätzerStr.il Tellzahlnnc Gnmmgphone fcZSv liDlea lindolioeo GltirriD Petcrs»«r£e?�?�?f 1*. Rente 1—6 geötfnetl 0 fltn-, Kuterteibsteidrn, Stzphili«. frisch». ver- .»tlet. bei Männern»nd Frauen; ohne Beruf-störung. Heiloeriahren Uber 20 Jahre bewährt imrch yundork» Sprech- u. Lchandlungsgeit:»— l. Sonntag: 9—1— Hritonsialt f.-tektr»g>hysi?. und Licht- Therapie-»RaturHeilversahren. Berlin 5016. 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Nachmittag« 5 ITfit findet in Eonnevwendieicr der Arbeiterjugend statt. platz, M4 Uhr Retteibeckpiatz. in der Iungfernheid« eine Abmarsch t Uhr Brunnen- Morgen, Montag, den 13. Dezember: tz. Krei» Bedding.» Uhr Sitzung der Bildungslommisston bei fttifin, Pank. ftrahe 60. Jede Abteilung muß vertreten sein. Rathaus Wittenau erwittert««reisvorstandsfitzun«. t». Kretz».* vhr tzm____ 43. Abt. 7H Uhr Sitzung der Bezirksslihrer bei Tolzmann, Nottbuser Damm lt. 48. Abt.(früher 13.).? Uhr Funktion ärtanferenz bei Heller, Fitrstcnsir. 1, Die FunktionSre müssen in dieser Sitzung abrechnen. Z7. Abt. Sharlottenburg. Ihi Uhr bei Erunert, Schlüterstr. 47, Funktionär- »ersammlunz. Frauenveranstaltvng: Z«. ttrei». 6 Uhr im Rachaus Wittenau Sitzung der«bteifungsleitrrinnen. Jede Abteilung mutz vertreten sein. llebermorgen, Dienstag, den 20. Dezember: St. Abt. Rarlendorf. Die Genossen sämtlicher Bezirke treffen sich um 7 Uhr im Ecschästslokal des Konsums, Kaiserftraße, zur Flugblattverbreitung. 108. Abt. Köpenick. Nachmittags 4 Uhr findet in der 1. Gemeindeschille Müggel- heimcr Straße«in Märchennachmittag statt. Die Genossen werden ersucht, ihre Kinder recht zahlreich hinzuschicken. «r»»»e klchtenberg: TIS Uhr im Lokal Dhornow, lisch-. Ecke Böcklinstraße, Vortragsabend.— Gruppe Schönhauser Borst Am Donnerstag, den 22. Dezember, 7Vs Uhr, in der Schulaula des Luisen» städtischen Gymnasiums, Elcimstr. 48/49, Wcibnachtsfeier mit künstlerischem Programm, bestehend aus Konzert, Rezitationen usw. Jugend- und Partei» genossen herzlichst willkommen. ?ugenüveranftaltungen. Morgen, Montag, den 18. Dezember: Gesundbrunnen! Jugendheim Schule Goih materialistische C-----"~ Vortrag:„Was inen: Jugendheim Schule Goihenburger Str. 2, Portraa:„DI« Geschichtsausfassung".— Lankwitz: Jugendheim Seydlitzstr. 6, > will der Verein ArbeUer-Iugend?" BERLIN C2 Breitestrasse BERLIN C2 Brüderstrasse Kinder"Kleidchen au» relnwöUengm Stoff, hi rot oder blau, mit bunter Stickerei, 45 cm lang.,. M./ O Jede weiteren 5 cm M. 4L0 mehr Mädchen-Kleider aus reinwonenemChevlot_ in dunkelblau, mit rotem Strichkaro, 70 cm lang.. M. Z*)/ Jede weiteren 5 cm M 13.00 mehr. Hausschürze aus gutem, gestreiftem Oingham, mit jq Lata und Trägern...................... M.»Ji Weiße Bedienungsschürze aus bestem- 50 Wäscheluch, mit verziertem Latz............ M. OZ Mädchen-Reformbeinkleider marine- 50 blau, stärkerer Trikotstoff, leicht angerauht, Länge 40 cm M. Zo 45 cm M. 29.85, 50 cm M. 31.30 usw. Halbwollene Kinder-Hemdhosen Äar.b;g; � 397S 70 cm M.4285 80 cm M. 46�. Gestrickte Kinder-Höschen in75 ungebleichte Baumwolle, Länge 35 cm........ M, XU 40 cm M. 12.25, 45 cm M. 13.75 usw. �ür den ewna 1 Wäschestoffe in verschle- >08 2250 272,. I I denen Stärken, Br. ca. 80 cm, d. 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TöL- tl£n �— Sonntag, l§.Vezember1H2I SozialisierungstommiPon und Eifenbahnfrage Die Sozialisierungskommission witrdc öin S.?tovencher 1921 nnm Reichsverkehrsmimster ersucht, ihr Urteil übet die wirt- schaftliche G e sta 1 t u n d e r Reichseifenbahnen ab- zugeben. Ju ausgedehnten Sitzungen, zn denen neben den Ver- tretern des Verkehrsministcriums eine große Anzahl weiterer Sachverständiger aus den Kreisen der Eisenbahnuerwalwi�g, der In- dustrie, der Prioatbahnen, der Beamten und Arbeiter berange.zogen wurden, hat die Kommission die grundlegenden fragen des Eisen- bahnweseus zur Erörterung gestellt" und das Ergebnis in'zmei Gutachten niedergelegt. Das erste Gutachten, das u. a. von Braun, Cohen, Feiler, chartmann, chilferding, Kautsky, Luppe, O e s e r, U m b r e i t unterzeichnet ist, nimmt zunächst zu der Frage„Privatbahn oder Staatsbahn Stellung und legt die all- gemeinen und besonderen Gesichtspunkte dar, die gegen die Entstaatlichung der Reichsbahn sprechen. In einer Untersuchung über die Bedeutung der Eisen- bahn für die staatlichen Ausgaben wird zunächst daraus hingewiesen, aatz bei dem natürlichen Zusammenhang zwischen der chandels- Politik und der Verkehrsvolilik eine einheitliche und wirk- saMe Handelspolitik des Reiches die Beherrschung der«inheimischen Transportwege voraussetzt. So- dann wird unter Hinweis auf die Bedeutung der Eisenbahnpolitik für die innere Wirtschaft belont, daß der staatliche Betrieb eine Reihe ooltswirtschastlicher Rücksichten nimmt und nehmen muß, denen sich eine prioatwirtschaftliche Verwaltung, für die die Renta- bilitätsfrage ausschlaggebend ist, entziehen würde. Die gleichzeitige Beherrschung der Verkehrswege und der industriellen Rohstoffe würde eine überwältigende ökonomische Macht in die chändc einer einzelnen Gruppe legen und. die ganze Wirtschaft in ihre AbhängigkeU bringen. In dem Gutachten heißt es weiter, daß die Vorzüge, die sonst für die freie private Wirtschaft geltend gemacht und besonders auch mit den Vorteilen der.freien Konkurrenz begründet werden. für eine privat gestaltete Eisenbahnverwnllung nicht in? Tressen geführt werden können: denn bei der Frag«: Privat- oder«taats- bahn? handle es sich nicht um den.Vergleich zwischen freier Privat- Wirtschaft und Stoatswirtschaft, sondern um den Vergleich zwischen einem konzessionierten, unter Staatsaufsicht stehenden und nmn Swat von vornherein durch bestimmte Vorschriften emge- engten privaten Monopol oder monopolähnlichen Betriebe mit einem staatlichen Monopol. Private Verwaltung bedeute noch nicht„Eni- Politisierung der Eisenbahn", im Gegenreil, gerade unter deutschen Berhältniffen würde der Staat unter einem stets sich verstärkenden Druck der öffentlichen Meinung, die einer privaten Monopolisten- gruvpe mißtrauisch, ja feindselig gegenüberstände, sich. zu be- stäiwigem Eingreifen gezwungen sehen. In Wirklichkeit sei eine „Cntpolitisierung bei dem engen Zusammenhang zwischen Eisenbahn und allgemeiner Politik«ine Unmöglichkeit. Jede Sicherheit für den volksmirtichoftlichen Ausgleich der Inter- essen würde fehlen. Diese Gefahr würde noch gesteigert, falls durch Prioatisiexung der Eisenbahnen die Möglichkeit des Eindringens ausländischen Kopitals sich ergeben würde. Gegenwärtig spräche gegen den Uebcigaitg der Eisenbahn an dag Privat kapital! die drohende Gefahr, daß bei der heutigen Unrentöbilität der Be- � triebe und infolge der"Geldentwertung eine solche Veräußerung zu Preisen stattfinden könnte, die eine Verschleierung des wert- j vollsten Bestandteiles des Reichseigentums bedeuten würde. Was die Wrederherstrilunq des durch den Krieg henmtergewirt- ! schafteten Betriebes angeht, so könne dies nur durch einen Zu- s ch u ß des Reiches geschehen. Der schematische Achtstundentag sei schleunigst durch besondere, den Betriebsverhültnissen rechnung- tragcnde Bestimmungen im Rahmen der 48-Stunden-Woche unter besonderer Bewertung der Dienstbereitschaft zu ersetzen. Das B e- rufsbeomtentum mit Anstellung ans Lebenszeit und mit Pensionsberechtigung müsse beibehalten werden. Davon ab- gesehen müsse aber eine Revision des ganzen Beamtenaufbaues in dem Sinne vorgenommen werden, daß gewisse Kategorien aus dem Beomtenverhältnis herausgenommen werden und darüber hinaus generell die Möglichkeit gegeben ist, von Fall zu Fall, für jede Art von Tätigkeit, Anstellung aus Privatdienswertrag vorzunehmen. Für eine günstige Preisgestaltung bei den sächsischen Ausgaben müsse die günstige Kauf- und Bestellungsgelegenheit mehr als bisher ausgenützt werden und ein Preisdruck auf die Industrie erfolgen. Die Anpassung der Tarife an die Geldentwertung müsse unter Be- rücksichligung der volkswirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Ge- stchtspunkte schneller als bisher erfolgen. Für die Reorganisation der Reichsbahn» werden folgende B o r f ch l ä g e gemacht: 1. Befreiung der Eisenbahn Verwaltung vom allgemeinen Haushalt in Erfüllung des Z 92 her Reichs- versasiung, an Stelle der etatmäßigen soll eine bilanzmäßige Auf- steklung treten. Abbürdung der Kriegslasten von der Eisenbahn- Verwaltung. 2. Zur Erzielung größter Wirtschaftlichkeit müssen die Er- fahrungen und Berfahrungsweisen in höherem Maße mitzbar ge- macht werden. Einführung der kaufmännischen Buch- f ü ft r u N g e n an Stelle der bisherigen komerolistischen. 3. In der Frage der neuen Eisenbahnverfassung kann sich das Gutachten nicht dazu entschließen, denen zuzustimmen, die eine steberführung in Aktiengesellschaften befürworten. Die Gesellschasis- form allein bietet noch keine Garantie für die Wirtschaftlichkeit des Betriebes Worauf es ankommt, ist, die Zusammensetzung sowohl der leitenden als der mittleren Organe so zu gestalten, daß sie große Entschlußfähigkeit, große Beweglichkeit und Dispositions- fähigkeit besitzen und über die nötigen technischen, organisatorischen und kaufmännischen Erfahrung verfügen. Die große politische Be- deutung der Verkehrspolitik mache es unumgänglich, daß sie durch einen Minister im Kabinett vertreten sei. An die Spitze der Verwaltung müßte ein Direktorium treten, das sich aus dem Reichsoerkehrsminister als Vorsitzenden und aus zwei oder drei aus der Eisenbahnverwaltung und ebenso vielen aus der Privatwirtschaft hervorgegangenen Mitgliedern zusammenzusetzen hätte. Eine gleiche Zusammensetzung würde bei den Direktionen und anderen Betriebsstellen zu empfehlen sein. In der Frage, welches Auksichts- oder Kontrollorgan dem Eisenbahn- direttorium beizugeben wäre, lehnt das Gutachten einen Ber- waltungsrat, dessen Aufgabenkreis der eines Aussichtsrates sein solle, ab und befürwortet den Vorschlag, dem Generaldircktorium Beiräte für die einzelnen Gebiete, und zwar für das Be- ichaffungswefen, für das Bstriebswesen und für die Tarisfragen beizugeben. Es würde sich empfehlen, die jetzisien Befugnisse des Gesamtmlnifteriums in bezug auf die Tarifsragen dem Eisenbahn- direktorium zu übertragen, diesem vom Minister geleiteten Direk- torium auch die selbständige Einstufung der Beamten und Arbeiter in die Gehalts- und Lohnstufen des Reiches zu überlassen und ihm damit größere Bewegungsfreiheit in Gehalts- und Lohnsragen zu gewähren. Der Reichsverkehrsminister trägt die parlamentarische Verantwortung gegenüber dem Reichstage und stellt die Verbindung mit dem Gesamtministerium her. Der Reichs- tag würde den Essenbahnhaushalt nur im ganzen annehmen oder ablehnen können. Zum Schlüsse befürwortet das Gutachten eine stärkere Dezentralisation der Verwaltung durch Aerminderung des Instanzenwesens. Das z w e i t e G u t a ch t e n, das die Unterschriften der christ» lichen Gewerkschaftler B a l t r u s ch und S t e g e r trägt, stellt im großen und ganzen nur eine Znsammenfassung der Gedankengänge dar, die der Deutsche Eewcrkschastsbund in seiner ausführlichen Denkschrift über die Entstaatlichung der Eisenbahnen niedergelegt hat. Das Gutachten halt eine Uebersührung der Reichseisenbahnen in den ausschließlichen Besitz des Privatkapitals ftjr unmöglich: aber ebenso unhaltbar erscheint ihm die bisherige Forin als Reichs- betrieb. Als neue Form wird der gemischt-wirtschastliche Betrieb in Borschlag gebrocht und die Umwandlung der Reichs- eisenbahnen in eine Aktiengesellschaft gefordert. An der Aktiengesell- schasi sind zu beteiligen: 1. Das Reich und die Länder, 2. die Eisenbahnbetreibenden, d. h. das Eisenbahn personal, vertreten durch seine Gewerkschaften, und weiterhin die deutsche Arbeit- nehmerfchaft, vertreten durch ihre Spitzenorganisation, 3. die E i s e n b a h n i n t e r« s s e n l e n, d. h. Industrie, Handel, Land- Wirtschaft, Gewerbe. In ihrer Mehrheit ist demnach die Soziottsierungskommilsson zu dem Ergebnisse gekommen, daß die Eisenbahn im Besitze und im Betriebe des Reichs verbleiben muß. �tach üie Cbriftlichen für Staatsbahnen. Der beim Reichsverkehrsministmum gebildet« Organisationsausschuß, der aus Vertretern der Verwaltung und de« Personals besteht, ist gestern zum ersten Male unter Leitung des Staatssekretärs Kunbier zusammengetreten. Der Ausschutz ist vom Reichsoerkehrsminister eingesetzt worden, nachdem sich die samt- sichen Spitzcnorganisationen des Personals für die unbedingte Bei- beHaltung des Staatsbetriebs ausgesprochen hatten. Obwohl der Deutsche'(christliche) GewerkschoftsbuNd in einer Denkschrift, aus der in der vorigen Woche Teile der Oeffentlichkeit bekanntgeworden sind, einen gemischt-wirsschaftlichen Betrieb der Eisenbahn ges ordert hat, haben sich die diesem Bunde angehörenden Eisenbahnergewerk- schaften an den gestrigen Beratungen beteiligt. Ihre Vertreter haben ausgeführt, daß auch der Deutsche Gewerkschaftsbund eine Beibehastung des Staatsbahnsystems für zweck- m ä ß! g e r a ch t e. Es ist daher ae? vom Deutschen Gewerkichafts- bund vorgelegte Entwurf, der die Reichseisenbahnen einer Aktien- gesellschaft übertrogen will, nur als Eventualantrag anzu- sehen. WILLIAM PRYM C.* M.* B.* H. D|8 Weltmarke* STOIBERG RHLD BERUH C2 WIEN 1, unglcmbliol) billige Musik Gber un.»«r» beim wir lleiern ssUmg« Dorret: BauchmondSlinen 79. 95 bis 900 SR.©uiloiren 125 bl» lOpO De üiKiten 225 tt. feinere arbeiten bis 2000 M. Roinineiu; mu Bogen v gntem Kormetui 245 K. BioIin-AormetniZ 69 JK. u beijer. 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Sriwdnng einer Branche sür die In»i-tger Industrie deschi tigten Metallarbeiter. 8. Wahl der Branchenlrltuag. i. Verband»- und Pranchl angelegenhetten. E» ist Pflicht eines seden Aollegen, für diese Bersammiung ,u agitier, n und alle Milgl eder aus die Versamm u»g besonder» aosmerisam zu machen VM- Ohne Mstgliedsbuch lein zulrttt!-Wcht «aren en gros w gj Einzelverkauf« Alaska(Uchso,Kreuz- fflehse. Pelzkragen v tOOM. an, Pelzmäntel. Herren- Sportpelze Reue Rönisslr. 21 (Orconnanz-Haus) kein Laden, II. Stock BtteginauiiifFIriia Ol uns Hsusr, ummer zu achleii! Montag den 19. Dezember, abda. S-, Ahr im Lolal SolcnthcUcr Hof, Rosrnthaler Str 14 Mitgliederversammlung aller im Tiefbau beschäftigten Metallarbeiter Zutritt nur gegen Bor�tgung de« Mitgliedsduchea ■ sieroiößllet. Dienstag, den 30. pezbr., nachm. 8> Ahr. uu Oresdeaee©oiten, Dresdener Striche 45 Versammlung Tnges,ordni4Ng: Bericht Sder die Bei handlang >01/ lg vro Ortsoarmottang. 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Cttobor 1921, morgens'/.S Uhr, brach in meinem Wohnzimmer, vermutlieh durch einen Fanken, der aus dem Ofen, sprühte, Feuer ans. Chaiselongue, Decke, Bett und Wäsche brannten. Das nachstehende Gedicht schildert den Verlauf. Der Minimax hat sich so erstaunlich gut bewährt, daß ich einfach entzückt hin. B 1 a s e w'itz, den 20. Oktober 1921. gez.: Frau Professor Schumann. Die Tante kam. Die Wohnungsnot Befahl, daß Ich mein Bett ihr bou Auf einem Sola macht' ich mir In Ofennäh' ein Bett dafür. Die Arbelfslast war nicht gering, Ich half— doch die Bedienung ging. Da macht ich„meinen Dreck aiieir." Und heilte auch am Morgen ein Mein Mann ging fort und auch der Sohn, Das Holz)m Ofen biannte schon, Ich warf noch Torf und Kohlen drauf, Goß draußen schnell den Kaffee auf. Da zog ein Dunst zur Tür hinein, Mir fiel das Ofenleuer ein. Ich rannte vor,— da f'anmt es auf, Das Sofa und die Decke drauf. Ich holte Wasser, das verzischt, Noch einmal— wieder half es nlscht, Auch Bett und Decke brannten leider, Statt zu ersticken, unten weiter. „Was Ist denn— Feuer?" Tante rief— „Den Minima*" schrie ich und lief, Die Tante eilt zur Tür hinaus: „Wo ist denn Minima* im Haus?" Ich holt' ihn, kam zurückgerannt— Häti* ich den Griff nur schon gekannt! Aufstoßen! sagt Erinnerung— Ich stieß.— Bin Strahl wie Raubtierspi ung Fuhr unters Sofa, drüber her— Fuhr auf und nieder, kreuz und quer— Die Flamme duckte sich und sank, Verzischte sprühend.— Alles stanK. Mir war es wie ein Wunder schier, O Minimas. ich danke Dirl Hab' oft Dich zweifelnd angeschaut, Das hätt' ich Dir nicht zugetraut I Es gibt keinen anderen Feuerlöscher, für dessen Güte und Brauchbarkeit so viel Beweise aus der Praxis erbracht werden können wie für H I N I M A X. 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Deutsche Zündholzfabrlken A.-G. gez.:(Unterschrift.) Feuer Im Atelier. Am H. November 1921,'1,2 Uhr mittags, geriet im Atelier durch unbekannte Ursache ein Hintergrund in Brand. Mit einem Minimax-Apparat, welcher sich sehr gut bewährte, konnte das Feuer gelöscht werden. Berlin, den 15. November 1921. Atelier„Elite", Berlin W 65. Könfgsfiraßa 33 Am Bahnhof Alexanderplat* Chausssestraßs 113 Balm StetUner Bahnhof Am Senntasi den 18. Dezember 1931. sind unsere Geschäftsräume von 1-6 Uhr seöffneb Kr. 596 ♦ 3$. Jahrgang M 4. Seilage öes Vorwärts Sonntag,?s. dezember 1921 Wirtschaft Die Schwankungen der ZNark. Wer noch der Bitte Deutschlands an die Entente um Zahlnngs- mifichub einen tatastrcphalcn Sturz der Mark erwarter hatte, kannte wahrnehmen, daß das Vertrauen des Auslands in die Führung der deutschen Politik und in die Einsicht der Entente bei der Be- urteilung der Reparatioiissragc heute größer ist als je. Genügten. noch vor kurzem die geringsten Anlässe, um ganz ungeheure Er- schütterungen öes Devisenmarktes herbeizuführen, so hat die Er- klärung Deutschlands, daß seine Zahlungsfähigkeit zur Be- gleichung der Reparationen nicht ausreiche, und daß das Ausland sowohl dem Reiche wie den Privaten gegenüber unter der cherr- schoft des Londoner Ultimatums Kredite verweigere, im großen und ganzen kaum tucsenilicbe Aenderungen in der Beurteilung der Mark gebracht. Die Mark nach den amtlichen Notierungen der Berliner Börse war am Wochenende etwas, jedoch nicht erheblich niedriger im Kurse als am vorigen Sonnabend. Man zahlte für: am 28. 7. 23. llO. 26.11. 3. 12. 10. 12. 17. 12. 100 5o3. Gulden 2177 6033 10589 7817 6733 7143 1 Vf». Sterling 289 689 1173 872 769 817 1 Dollar... 81 177 203 217 187 196 IOC iranzöf. Fr. 620 1288 2018 1633 1453 1528 100 Schweiz. Fr. 1321 3246 5584 4296 3621 3801 100 li'chech. Kr. 101 171 309 244 216 238 100 österr. Kr. abgestempelt 9,13 7,93 9,03 7,68 6,93 6,93 Interessant ist die Entwicklung der Devisenkurse im Laufe der Woche, die wir im folgenden an zwei chauptdeviscn darstellen. Man zahlte für 12. 13. 14. 15. 16. 17. 1 Dollar... 165 189 130 181 195 196 1 Pfd. Sterling 689 794 759 762 819 817 Nach einer plößlichen Senkung der Devisenkurse am Montag brachte schon der Dienstag eine erneute Erhöhung, worauf sich der Dollar auf 181 zu holten schien, dann erfolgte eine weitere Ver- schlcchterung der Mark auf die Note an die Reparationskommission, doch setzte diese sich am Sonnabend nicht mehr wesentlich sort. Die Schwankungen der amtlichen Notierungen, die M i tt e l k u r s e darstellen und innerhalb deren im Freiverkehr noch größere Schwan- kungen zu verzeichnen waren, betrugen in der letzten, Verhältnis- mäßig ruhigen Woche beim Dollar immer noch rund 30 M. oder fast ein Fünftel des Kurses vom letzten Montag! Um ein Fünf- t e l ihrer Kaufkraft am Weltmarkt bessert oder verschlechtert sich die Mark je nachdem es der internationalen Spekulation gefällt. Diese Tatsache weist auf das zentrale Problem der deutschen Wirtschafts- und Finanzpolitik hin: die Stabilisierung der s B o l u t o. Was bisher zur Sanierung der Reichsfinanzen getan I wurde, reicht längst nicht dazu aus, auch nur eine der Ursachen der Währungskrankheit zu beseitigen. Immer noch arbeitet die Noten- presse mit Hochdruck. Wie auch die Entente ihre Antwort auf das deutsche Stundungsgesuch halten mag: wenn sie das tut, was wir ! ja gerade wollen, nämlich daß sie sich für die Aufrechterhaltung der � deutschen Zahlungskraft interessiert, wird sie weiter die E i n st e l- �lung des Notendrucks fordern müssen. Man gibt sich einem verhängnisvollen Irrtum hin, wenn man glaubt, daß die Aufgabe mit Verbrauchssteuern und Erhöhungen der Verkehrstarife allein zu lösen ist. Die Besitzstcuern aber sind unzureichend. Wann endlich wird man durch eine Erfassung der Sachwerte die Grund- läge für eine wirkliche Sanierung der Reichssinan- z e n schaffen?_ Die Kohlenförderung des Ruhrbeckcns im Tlooember. Die Kohlenförderung des Ruhrbeckens seinschließ- lich der linksrheinischen Zechen) ergibt sich aus folgenden Zahlen: s.,«gÄf November 1921 7 772 658 Tonnen 24I/< 820 522 Tonnen Qkiober 1921 8 047 353. 26 309 511 Februar 1921 8174 006„ 24 840 609 November 1913 8 932 276, 23'/z 386 161 Der im Vergleich zum Oktober 1S21 zu verzeichnende Rückgang der G e s a m t f ö r d e r u n g um 275 000 Tonnen hat seine Ursache in der geringeren Zahl der Arbeitstage(24!� im November gegen 26 im Oktober). Die arbeitstägliche Förderung bat dagegen eine Steigerung von 309 514 Tonnen im Oktober auf 320 522 Tonnen im November erfahren. Die Steigerung der arbeitstäqlichen Leistung im November ist eine alljährlich zu beobachtende Erscheinung, da die Bergarbeiter an dem letzten Lohntage vor Weihnachten einen mög- lichst hohen Lohn zu erzielen suchen. Während an den letzten sechs Arbeitstagen des November eine Förderung von durchschnittlich ar- beitstäglich 317 760 Tonnen zu verzeichnen war, betrug die För- dcrung an den ersten sechs Arbeitstagen im Dezember durchschnittlich �93 255 Tonnen. Die Lagerbe stände betrugen Ende November insgesamt 619 800 Tonnen gegen 634 600 Tonnen Ende Oktober. Bei einer ausreichenden Wagengestellung würde dieser verhälwi-mäßig geringe Lagerbestand in wenigen Tagen abgefahren werden können. Der höchste Lagcrbestand war im März 1918 mit rund Z'A Millionen Tonnen zu verzeichnen._ Zucker-, Sarioffel- und Margorineverforgung. Der wirtschastspolitische Ausschuß des Reichswirtschaftsrats be- schäftigte sich am* 14 d. M. mit einem von seinem Unterausschuß > für Landwirtschaft und Ernährung gefaßten Beschluß über die Zucker-, Kartoffel- und Margarineversorgung. Der Ausschuh sieht die Ursache der gegenwärtig herrschenden Zuckcrknappheit nicht in einer ungenügenden Ernte, sondern in Transports chwicrig- leiten, zu frühzeitiger Berteilung der Restmengen für die Ueber- gangszeit, Störungen der Zirkulation und Panikstimmung der Käu» fer. Die von der Zuckerwirtschaftsstelle freigegebenen Zuckermengen müßten die Bedürfnisse der Verbraucher voll befriedigen. Da die Versorgung der Konsumenten aber trotzdem völlig unzureichend sei, dürfte die Ursache in einer mangelhaft kontrollierten Verteilung zu suchen sein. Der Ausschuß fordere daher die Errichtung eines Beirats bei der Zuckerwirtschaftsstelle, indem auch die Verbraucher vertreten sein müssen. Im übrigen seien alle Mittel anzuwenden, um eine schnelle Ausdehnung des Zucker- rübenbaucs und eine erhebliche Steigerung der Zuckerproduktion zu erzielen. Die Kartoffelknappheit wurde auch auf die Trans- Portschwierigkeiten und Angstkäufe, hauptsächlich aber auf ungeregel- ten wilden Ankauf in rein spekulativer Absicht zurückgeführt. Dem wilden Ankoufswesen müsse ein Ende bereitet und unberechtigt hohen Preisen mit der Wuchergeseggebung zu Leibe ge- gangen werden. Bezüglich der Margarineversorgung habe der Unter» ausichuß von ins einzelne gehenden Vorschlägen abgesehen, da die Preisbildung infolge der Abhängigkeit der Margarineindustrie von ausländischen Rohstoffen durch die Weltmarktpreise entscheidend be- einflußt werde._ Die starke Stelgerung der Großhandelspreise im Monat N o, v e m b e r, die bereits an Hand anderer Meßziffern festgestellt wurde, wird auch durch die Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts bestätigt. Diese ist von 2460 im Durchschnitt des Monats Oktober auf 3415 oder um 3 8,9 v. H. im Durchschnitt des Monats November gestiegen und hat die außerordentliche Höhe von Fe- bruar 1920 in allen Warengruppen weit überschritten. Gegenüber dem Vormonat stiegen Getreide und Kartoffeln von 2380 auf 3197: Fleisch, Fisch, Fette von 2325 auf 3154: Kolonial- waren von 3099 auf 4923: landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebens- mittel zusammen von 2417 auf 3308: ferner Häute und Leder von 4539 auf 6077: Textilien von 4176 auf 6518: Metalle von 2935 auf • 5123; Kohle und Eisen von 1885 auf 2380: Industriestosse zusammen von 2539 auf 3618; die vorwiegend im Inlande erzeugten Waren (Getreide, Kartoffeln, Fleisch, Fisch, Fette, Kohle, Eisen) von 2235 auf 2967; die vorwiegend aus dem Auslände eingeführten Waren von 3585 auf 5662. Der Dollar stieg im Durchschnitt des Monats November gegenüber Oktober in Berlin um 75,1 Proz.: ihm kommen die Einfuhrwaren mit einer Preissteigerung um 57,9 Proz. nahe, während sich das Preisniveau der Inlandswaren gleichzeitig um 32V Proz. hob. Die sparsame Hausfrau verwendet im Haushalt nur die täglich frisch hergestellte und gelieferte erstllasjlge Bolle-Margari da dle'elbe vorzüglich im Geschmack und sehr ergiebig ist. Erhältlich in allen einschlägigen Geschäften und in unseren Perlan'ssieüen. Meierei C. Bolle Tel. Ami Moabit 1905, 7911-1« u. Z565"_,. A t.Moabu 98/103 ijjjllllilllllllimilllllHIIinilinilllBllilllllil.................................. — MMllellMVW»es M»im JMA MMWMS Abteilung Gewerlschafts-Kommlssion Berlin und Umgegend Neu eingetroffen: Kleidung Wäsche-Trikotagen Stoffe und Schuhwaren 5 bellte Emmtaa von 2�6 Wf aLöikNet ,i!üh S Seschästsschluß Sonnabend, den 24. Dezember, Ii Uhr mittags s ■ O* mi � � � �■ w■ lvom 22. Dezember 1921 bis 2. Januar 1922 wegen■ - Werktags vonS-12Llhr u.3-6Llhr- v ges»>«ss.»[ il in il ■ MMlMllllfflllM imrnimimniiminmnmmmaiimmmnmmmt _ Tisdidedfen £ Crfime Jacquardgewebc, £ mit roter Borae, Größe£OC0: 1 125X150 cm....... 00 i | Handtttdicr 1 S Reinleinen Gerstenkorn, = weiß mit roter Borde, o-flOO' E Größe 38X ICO cm � 1- S Kflchenhandtuch, grau fgcstreitter Drell, Größe-l i 70= _ 45X100 cm........ 11| D Wischtücher, Reinleinen, grau-weiß kariert, Größe-y 050= 60X60 cm......... 10 Z Bettbezüge| Z aus miltels:arkfäd. Wästhesfof, 5 m. Knopfschl, I Deckb. o c nO0 i= 130X200, 2 Kiss. 81 X8 1| Hcmdentach, mittel» starkfödig. welch. Breite OC00£ 80 cra....... Meter£ SfntiiiiimiinnifiiinTfnnniiiinmfrminnnninniti Meiet InjaUcn ß&Mkmgm s mmtm Bcbmudttgzgamtanäe ttfeihtiacht� fße&chenke | SonnZag. den IS. Dezember» VerR.auf-von t bl» 6 L'i�r« tflr Herren 1 Wollgemisch. 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Wasa, SchOnemann, Muth (Rose- Theater; VI, üoldhärch. Hlmmelf. "/.Uhr Biederleute dazu D. KäöcliBn r.Eiizondo RelchshallenTheater Allabendlich 7'/, Uhr u. ■ Sonntachtn. f U. Stet flner S tt n g e r i?tg.nachm. halbe Pr Volttshüline ?/,: Bauer als Millionär 7 uhr; König Lear Lessing-Theat. Heute und morcen?'/>: Wenn wIf Toten erwachen Dienst 7: Peer Gynt MlltwochS'/a: Pitzlliitz 7'/,: Wenn wir Toten erwachen Donnerstag T'/f Wenn wir Toten erwach. Freitag 7. U z. 1. Male Die rote Robe (Durieux, Götz. Granach) SonnaDend geschlossen �onnt 3; Peer Gynt 7'/>: Die rote Robe Mont 3. Die Spielereien einer Kaiserin 7'/,: Die rote Robe Dienstag SV»: Fitzlifitz TV»; Wenn wir Toten erwachen flectschesRinstler-Tli Heute his Freitag 7'/,: Der beili§8 Ambrosius (Max Adaiben) Sonnabend geschlossen Sonntag und Montac 3: D.Ballerina d.Könljgs Allabendlich 7",: D. heilig. Ambrosius Centrai-Theater »uv.: Detektivmäilel Deutsches Opernhaus 7 uhr; Carmen Friedr.-Wilhelmst. Th. 3 Uhr: Martha s uhr; American Girl Intimes Theater 8U.; Die große Stadt Der Schleier 4 Uhr; Eine Liebesnacht Klein. Schauspielhaus jv.uhr: Reigen Lustsnielhaus 3l/4 Uhr: Nachtasyl 8 Uhr: Hahnenkampf SKtl. Forderung; Metropol-Theater 3 Uhr: Hollandweibchen uffD-Straßcnsängerin Neues Operetten-Th 8 uhr; Königin dlacbl Neues Oporettenhaus Schonebg.. Hauptstr. 144 3'/, Uhr: Hänscl u.üretel 8 Uhr: Einmal kommt die Stande Neust Theater am Zoo Bis 20. 12. Dir U Haupt u7�: Das deutseb. Leid Neues Volkstheater I Uhr: Die Gezierten Der c.i broch. Krug Sohlller-Th. Charlbg. 3 Uhr; Don Carlos uJlnWintermärchen Hermione E.Heims a O. SchloBpark-Th Steglitz 7'/. Uhn Extemporale Thalia-Theater 3>/, Uhr: Gänsellesel uh/;;SEhäm'fliBh.Lotte Theat. am Nollendorfpl. 3ht: Vener aus Dingsda a' Die Ehe Im Kreise Theater des Westens uhr' Braut d. 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"Ralph Arthur Roberts Pepi Zampa Herbert Kiper "Robert Scholz, Grete Lundt, m EUy Branden, Paul Rehkopf, m Ernst Behmer, Jenny Marba, Frieda Lehndorff, Wally Koch, Paul Pruegel, Heinz Alexander. MusthaL Leitung: Hugo Moesgen. Dir. Jam. Klein Die große Revue Keine BDbne der Welt bietet solche PraebtanS' statt. o.Nam.be- rühmt. DarstcIJ Hax Laoda Bruno Kastner Sascha Gora WUh. Hartstein Franz Groß PJeslermeyer L. Werkmeister 7 L Barnen- iu Ballett! Vorverkauf ununterbrochen Biesdorf— Mahls dort naf,eb. Bahnhöfen VnrzeNen Qeroocragcnbes Gartenland. Befle aapifalaanlage. Bicschalke& Nltsclie SSÄSSÄ Auf den Weihnachtstisch gehören Original SöSS > Ka rlen Ja, aber wie macht man das? Sehr einfach! Man geht schon jetzt zur Scala-Kq�se, Lutherstr. 22-24, am besten vormittags von 10 Uhr an, und kauft sich die Original-Karten oder— wenn der Besuch erst nach den Feiertagen stattfinden soll— einen Bon, steckt diesen in einen Briefumschlag und beglückt damit seine Kinder, Familie od?r Freunde. 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IS Mähte, Das Lied von der Erde mit dem verstärkten Philharmonischen Orchester Dirigent: BrilllO LCVy Zinim Seisncr— Waldemar Henke Karten Mark 30 bis 5 bei Bote 4 Bock und A. Weitheim W 10. MatthSlklrchstr. 4 AMSTERDAM v PASSAGIER-, POST. UND FRACHTDIENST NACH SÜD-AMERIKA RIO DR JANEIRO■ BAHTOS• MONTIVIORO BUENOS AIRES CUBA, MEXICO, NEW ORLEANS NAVANA• VERA CRUZ PRACHTDAMPERR MACH OBENOENAHNTRM HlPR«, PERNAMBUCO ONO BAHIA Alle Auskflnlte Ober Passage durch Passageagentur Dr W. J. ven Daten, Berlin, Unter den Linden Me, fOr Frech t durch Internationale Transporte Seb. Böser 0.m.b.H„ Berlin W 57, und die in den meisten GroBstädten belindllchen Vertretungen i( Preltag, den 21. Dezember, 7Vt Ohr: Uraufführung unter persönlich. Leitung des Komponisten Fotoristtr Cnal Ballett In einem Bild von Leo Bartuscbek. Musik von Dr. Frieder WelBmann. Heu Inesenlert: Die PizessiD m Tragant Tenzspiel In einem Akt von H. RegeL Moeik von Oskar Streu». Jm GespensterscWop Eine mimische Spukgeschichte von Leo Bartnscbek. Musik v. Julius EinBdehofer. In den Hauptrollen! Dora, Gertrud Unk. Lotte Scheffler. Eric Erlesen, Alex Nordheimcr, Bob Laenge, Hans Gnngovskl. Ab beiden Welbnactats• PelcrtAgen t| I Nacbmittags- Vorstellungen bei kleinen Preisen. 1. Feiertag 3'/, Uhr: Die roten Sehnde' Z Feiertag 3'/, Uhr: Abrakadabra. 1 An beiden) Futuristischer Carncval. Tagen. Prinzessin von Tragant. TVs Uhr;' Im OespensterscbioB.( Vorverkauf: Theaterkasse A. Wertheim J und Invalidendank., � � � � � � � �" KfrBtrlm Unterhollunos-Varfefe Abends V0 Uhr Variete Sensationen S S Grofie Bierabteilung c 4 Uhr i s Tanzvorführungen bei freiem Eintritt 9 Öt/fNTZffivMMi KSnlggrfitzer Str. 12t. PI I m sch au; Urault&hrnnEt Die Todesleiter Sensationsdrama in 6 Akten In der Hauptrolle: Luciano Albertlni Regie: Joseph Delmont BUhnenichau; Das Auge Chinesisches Notturno von Koehler mit Emmi Emmering und Dr. Paul detorliardt. Anfang 4 U. Kasseneröff nung i'/j U. 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