Wt. g»7» A». �ahrgaag Ausgabe L Nr. 29� vesugSprekS: Merten S�rt.«»,— M.. mmatL t\— M. frei ins hau», Mtau« zahibar. P»st- beinj; Monatlich i!>— M. einschl. F«- Nelluna-oe'olihr. Unter Ztreuzband titr Deutichtand� Donjlg. das Saar» und WemetAediet. ioaxe die ehemals beut» Iche» Sebiet« Polen». Oesterreich- Ungarn und Lurctndura D,— M. tfae das übrig« Ausland 8f,—-JJL Post» »estellungen nehmen an Oesterreich Ungarn. Tichecho- Slooatei. Säne« mact, Holland, Luremburg, Schweden und die Schweig. Der„JSorwitrts" mit der Sonntag» beilage.Pol! und �eit�, der Unter- daltungsdeilag» �eimwelt� und der Seilaqe �iedwng und Kleingarten' erscheint wachenläglich zweimal,«onu. tag» und Montag»«nunel. Telegramm-Adresse: .««zlaldemeokr»! Bseno- Abend Ansgabe c OroB. Berlin SO Pf. •uswlrts 40 Pfennig D Verliner Polkölilatt Zcntralorgan der sozial demokratischen Partei Deutschlands Anzctgenvrets: Sie zehngespalten, Ponparelllezesls lostet 7.— ü!!..»lein,«»,»tg»»" das>rtlgldruckl» Wor> Z,— il>. iirsa-v» Montag, den 19. Dezember 19Ä1 » vorwärtseverlag G.m.b.H., EW öS. Lindenstc. Z !Lrr«eitir«-tI,e-r- Verlag, hdxvrdltion und Jnsrrateu. K tzzzrni"' ckldteiliiag Moriüplat, ,17»»»1 Sesprechung Llopö George �Srianö. Auftakt zu einer europäischen Konferenz? die Stimme Rosa Luxemburgs. Kritik des Bolschewismus. Varls. t8 Dezember. sWTS.) Der londoner Korrespondent des.Tcmps" berichtet seinem Blatt«, wie gewöhnlich am Borabend der periodischen Besprechungen zwischen Frankreich und England sehe man«in sehr ausgedehnte» Programm voraus, das wohl kaum im Laufe einer Woche durchgeführt werden könne. In erster Linie werde man die Beparationsfrage be> sprechen. Man sehe di« Möglichkrit eines englisch-deutschen Abkommens nach Art de» Wiesbadener vor. aus Grund dessen das Deutlch« Reich Großbritannien gewisse Produkte, wie Farben und andere Materialien, die England nötig habe, liefern und an der wirtschaftlichen Wiedererhebung Rußlands mitarbeiten werde. Zweiten» solle England di» französisch« Schuld, die 557 Millionen Pfund Sterling betrage, annullieren und im Austausch dafür deutsche Reparotionsbond» der Serie C erhalten, die es alsdann vernichten werde. Drittens solle England Frankreich die Ratifizierung de» Schuß» Vertrages vom 28. Juni 1919 anbieten und dt« Entente in eine Allianz umwandeln unter dem Vorbehalt, daß ein Ab- kommen über die Seerüstungen getroffen werde. England .würde stch in diesem Fall« verpflichten, Frontreich gegen jeden An» griff zur See sicherzustellen. Viertens endlich sollen die allgemeinen Probleme Suropa« In wirtschaftlicher und politischer Richtung besprochen werden. Die englisch« Regierung werde deshalb zu Leginn des kommenden Jahre»«ine Konserenz vorschlagen, an der nicht nur die alliierten Länder, sondern auch Rußland und die ehemals feindlichen Linder tetlnehmen sollen. Man glaube in Eng- land. wenn Europa zeige, daß es fähig sei. die großen Schmierig« feiten zu lösen, würden auch dl« Bereinigten Staaten sich nicht länger desinteressieren können. Das seien di« allgemeinen Gedanken, die man in englischen Kreisen bespreche. « Der frühere Wiederaufbauminister Dr. Walter Rathenau hat sich am Eonnabend nach London begeben, wo er im Lauf« des Sonnlogs eintraf. » tendon, 18. Dezember. fWTV.) DiegefamtePresse hebt die groß« Bedeutung der heute vormittag beginnenden Kon» sercnz zwischen Lloyd George und Briand hervor und gibt der Hoff» nung Ausdruck, daß die Beratungen der beiden Premierminister zur Einberufung einer internationalen Konferenz der«uro» päischen Mächt« unter Einschluß Deutschland, und Ruß. lands im nächsten Jahre führen werde. .Observer" nennt di« bevorstehende Konferenz zwischen Lloyd George und Briand die folgenschwerste aller bisherigen. Von ihr hänge nicht nur die Zukunft der Entente, sondern auch die Zukunft Europas ab. Die seit dem Frieden von Versailles verfolgte wahnsinnige Finonzpolittk dürfe von England unter keinen Umständen weitergeführt werden. Da» aus dem Friedens- vertrag wie ein Wolkenkratzer errichtet« Finanzgebäude fei unwiderruflich zusammengebrochen. Durch seinen Reichskanzler, einen gemäßigten und ehrlichen Mann, habe Deutsch- land mitgeteilt, daß es seine Verpflichtungen nicht erfüllen könne. „Obsemr* tritt dafür ein, daß Deutschland unter gewissen Bedingungen ein Moratorium von A b i» 5 Monaten gewährt wird, während deren«ine europäisch« Bolltonserenz eingehende Untersuchungen über die möglich« Leistungsfähigkeit anstellt. In der.Time»' helßt«», die Antwort der Repara» t i o n, k o m m t s s t o n aus die Rot« der deutsche» Regierung könne nicht al» Ablehnung de» deutschen Ersuchen» aufgefaßt werden. Die Reparationstommission Hab» den Gedanken eines Moratorium, nicht verworfen. Es sei zu erwarten, daß die Repara- iionsfrage aus der K o n s» r» n z zwischen Lloyd Georg« und Briand werde erörtert werden, und daß die dentsche Regiernng da» Ergebnis dieser Erörterung abwarten müsse. Die firbeitsgemeinscheft ,.i? Revision. Frankfurt o. 211, 18. Dezember.(WTB.) Heute vormittag fand in der Festhalle eine Versammlung der USPD. statt, in der Erispten, L o n g u e t- Frankreich, B r o ck e- Frontreich, Grimm- Schweiz. W a l l h« a d- England, Adler- Oesterreich und Ledebour da» Wort ergriffen. Alle Redner wandten stch gegen die ReparastoaspoNktk der Entente, die nur durch Einigkeit de» Proletariat» oller Länder überwunden werden könne. Insbesondere hob Grimm hervor, daß nicht nur England und die Vereinigten Staaten unter den Folgen der Arbeitslosigkeit litten, sondern ganz besonders auch di« Schweiz, deren Beoölte- rung zu einem Siebentel von Arbeitslosigkeit be- troffen sei: die Schweiz gehe dem Ruin und der Vernichtung ent- gegen. Adler- Oesterreich sagte, daß Oesterreich mit Deutsch. land zu einer Schicksalsgemeinschaft verbunden sei. Die Abstimmung in Oedenburg bezeichnete Adler als«in« Faree. Longuet- Frankreich nannte die Abrüstungskonferenz in Washington eine Ab- rüswngskomödie. Die Kapitalisten Frankreichs machten au» der Re- parattonsfrage ein Geschäft, deshalb lehnten sie die Dorschläge der Arbeiterschaft ab, die zerstörten Gebiet« wieder aufzubauen. Der französische Kapitalist wünsche, daß die Politik de» Hasse» in seinem Profitinteresie fortgesetzt werde. Die verhanülungen in Gberfchlesien. Deukhen. 1«. Dezember.(WTB.) Die vereinigte«usschüsie für Zollwesen, Verkehr. Eisenbahnen und Wasser traten gestern unter dem Vorsitz des Ministertaldiretto?» v. Stockhammern im Stadthau» in Beuthen zu einer Bollsitzung zusammen. Die Be- ratungen, in deren Mittelpunkt die Fragen des Grenzoer- kehr» standen, nahmen einen befriedigenden Verlauf und werden «m Montag unter dem Vorsitz de« polnischen Delegierten fortgesetzt «erden. In der Unterkommission für Wasser- und Elektrizi- tätsfragen fand eine gemeinsame vorläusige Aussprache über die für die ersten Jahre ,u schaffende gemeinsame Verwaltung der in Frage kommenden Wasser- und Elektrizitätswerke und de. Eigen- tumsrechte» jedes der beiden Staaten an den Leitungsröhren der Wasserwerke statt, vi« dabei berührte Frag« der W a s s e r s ch u tz- bezirk« wurde»uständigteitshalber der ersten Unterkommission überwiesen. In der Kommission für Geldwesen konnte auch gestern noch keine Uebereinkunst erzielt werden. Di« Verhandlungen werden noch der Weihnachtspause wieder aufgenommen werden. Die Kommission für soziale Versicherung behandelte die Frage de» Oberschlesischen Knoppschaftsverein, und nahm für die Unfall-, Invaliden- und Angestelltenversicherungen im allgemeinen die von deutscher Seite gemachten Vorschläge an. In einer vertraulichen Besprechung machte der Leiter der deutschen Unter- tommission den Vertretern der Gewerkschaften Mitteilung über den bisherigen Verlauf der Beratungen. In der Kommission für Rechtsfragen ipurde in der Beratung der Domizil- und vptantenfragen fortgefahren und die Derhandlungen dann auf den 8. Januar 1922 oertagt. Die im Lauf« der letzten Tag« von den einzelnen Mitgliedern der Kommission für Minoritätenschutz im Derein mit den von den zuständigen deutschen Organisationen genannten Sachoer- ständigen geführten Internen Besprechungen haben gestern zu einem gewissen Abschluß geführt. Die zur Sprach« gebrochien Wünsche und Forderungen haben sich zu bestimmten Anträgen oer- dichtet, die für die nunmehr weiter anzusetzenden Vollsitzungen»in« wertvolle Grundlag« bilden werden. Entsprechend einem von pol- nischer Seite geäußerten Wunsche wurden dem zuständigen polnischen Ausfchuß bestimmte formulierte Vorschläge über die Stellung der religiösen Gemeinschaften übermittelt. Aussprache im Deutschen Ausschuß. Sonntag nachmittag empfing der deutsche Bevollmächtigt« für die deutsch.polnischen Wirtschastsverhandlungen den mehr als 50 Vertreter aller Stände umfassenden Deutschen Ausschuß In Ober- schlesien zu einer vertraulichen Aussprache über die schwebenden Verhandlungen.+ In seinem Begrüßungsworte betonte Reichsminister a. D. Schiffer, daß wahre Demokratie Mitverantwortlich- keit jede» einzelnen Staatsbürger» bedeute und daher die unbedingte Verpflichtung zur Mitarbeit aller für das Gemein- wohl in sich schließe. In diesem Sinne erbitte die deutsche Dele- gation die für ihre schwere Ausgabe unerläßliche Unterstützung der gesamten deutschen oberschlesischen Bevölkerung. Mit großer Wärme führte Reichsminister a. D. Schiffer sodann den Gedanken aus, daß da» zu so hoher Blüte gebrachte Wirtschaftsleben Oberschlesien, nur erwachsen konnte aus dem Grunde eine» störten und gesunden Volks. tum». Dies« kulturellen und geistigen Kräfte gelt« es in erster Linie zu schützen. Rückschlag am berliner Devisenmarkt. Auf die Nachricht von derAbreiseDr. Rathenaus nach London trat am hiesigen Devisenmarkt eine A b- schwächung der ausländischen Zahlungs- mittel ein, da man diese Reise als ein sehr günstiges Symptom für die Vorgänge in London ansieht. Der Dollar setzte mit 190 ein und ging im Verlaus der ersten Stunden auf 178 zurück. Im Zusammenhange mit dieser Äbschwächung des Devisenmarktes trat auch eine Lerflouung des Effekten- Marktes ein, jedoch hielten sich die Kurssenkungen in engen Grenzen. Die Spekulation am Effekten- wie am Devisen- markt zeigte sich ausgesprochen u n l u st i g zu großen Ge- schästen. schrieben worden, also zu einer Zeit, als der Weltkrieg noch fortwährte, andererjeits die russische Volschewistenherrschaft schon etwa drei Vierteljahre ihrer Existenz hinter sich hatte. Die Schrift Rosa Luxemburgs stellt sich keineswegs als Propa« gandaschrift für den russischen Bolschewismus dar, sondern als eine— wenn auch nicht seindselige—, so doch sehr herbe K r i t i k an den Magnahmen Lenins und Trotzkis. Man bc- greift daher, daß diese Schrift, wie Levi in seiner Vorrede mit» teilt, von den kommunistischen Portcipäpsten für den Flammentod bestimmt war. Die persönliche Rechtfertigung Levis, daß er die Schrift überhaupt herausgibt, hat Sinn auch nur gegenüber diesen Leuten, die zwecks Züchtung einer Heiiigenlegende die wahre Meinung einer Toten zu unterdrücken trachteten. Das deutsche Proletariat hat e i n R e ch t.darauf, die wirkliche Rola Luxemburg und nicht eine von der kommunistischen De- schichtsklitterung zurechtgemachte falsche kennen zu lernen. Es dürfte für die Eberleinsche Putschzentrole schon allein ein schwerer Schlag sein, wenn man gleich auf den ersten Seiten der Luxemburgsck)en Broschüre folgendes liest: Das Erwachen der revolutionären Tatkraft der Arbeiterklasse in Deutschland kann nimmermehr im Geiste der Bevcrmundunzc« Methode?, der deutschen Sozialdemokratie seligen Anqrbenten, durch irgendein» Massensuggestion, durch den blinden Glauben an irgendein« fleckenlose Autorität, sei es die der eigenen.In- stanzen' oder die des„russischen Beispiels' hervorgezaubert werden. Rlcht durch Erzeugung einer revoluktonärea Hurralummung, sonder» umgekehrt: nur durch Einsicht In den ganzen furchlbarev Ernst, di« ganze Sompllzlertheit der Aufgaben, aus pvillisch« Reife und p». gläubiger Selbständigkeit, aus kritischer Urteil-jähigkeit der Mafien. die von der deutschen Sozialdemokratie unter verschiedenen Bors wänden jahrzehntelang systematisch ertötet wurde, kann die geschichl« liche Attionssähigkeit des deutschen Proletariat» gebore» werden. Mit seherischer Voraussicht hat Rosa Luxemburg hier nicht wie sie glaubte, die Sozialdemokratische Partei, sondern di« gewissenlosen Anstifter des Märzputsche» furchtbar verurteilt. Aber wichtiger ist die positive Kritik, die Rosa Luxemburg an der bolschewistischen Herrschast übt. Mit großem Scharfsinn weist sie nach, daß die Mittel, mit denen Lenin und Trotzki sich zur Herrschaft aufgeschwungen haben, nicht nur keine sozialistischen sind, sondern dem Sozia« lismus geradenwegs die Zukunft verbauen. Das gilt nament» lich für die Porole Lenins an die Bauern, sich des Landes zu bemächtigen. Rosa Luxemburg schreibt: Die Parole nun, die von den Bolichewiki herausgegeben wurde: sofortige Besitzergreifung und Aufteilung de, Grund und Bodens durch die Bauern, mußte geradezu nach der entgegengeseh. ten Richtung wirken. Sie ist nicht nur keine sozialistische Maßnahm«. sondern sie schneidet den weg zu einer solchen ab. sie türmt vor der Umgestaltung der Agraroerhältnifi« im sozialistischen Sinne u n- überwindliche Schwierigkeiten aus. In diesem Zusammenhange fällt Rosa Luxemburg auch das herbe Urteil: Daß sich di« militärische Riederlage in den Zusammenbruch und Zerfall Rußlands verwandelte, dafür haben die Volschewikt eine» Teil der Schuld. Von noch weit höherem Interesse aber ist die Kritik, di« Rosa Luxemburg an den politische» Diktatur» Methoden der Bolschewiki übt. Wir lassen sie wieder selber reden: Die Praxis des Sozialismus«rfo-rtert«ine ganz« geistige Uns» wälzung in den durch Jahrhundert- der bürgerlichen Klafienherrfchast degradierten Mafien. Soziale Instinkte an Stell« egoistischer» Mosseninitiatioe an Stelle der Trägheit, Idealismus, der über all« Lei0«n hinwegträgt vsw usw. Riemarid iveiß das bester, schildert das«indringlicher, wiederholt das hartnäckiger, als Lenin. Rur vergreift er sich völlig im Mittel: Dekret, diktatorisch« Gewalt der Fabritauffcher. drakonische Strafen, Schreckensherrjchaft. da» sind alle» Mittel, die diese Wiedergeburt verhindern. Der einzig« Weg zu dieser Wiedergeburt ist di« Schule de, öffent« lich-n Lebens selbst, uneingeschränkte breiteste Demokratie, Lffenk- liche Meinung. Gerade die Schreckensherrichast dem»- r o l i s i e r t. Fällt da» alles weg, was bleibt in Wirklichkeit? Lenin und Trotzki haben an Stelle der au» allgemeinen Yolkswahlen h«r»or- gegangenen Vertretungskörperschaften die S o w s« t» als dl« einzige wahr« Vertretung der arbeitenden Mafien hingestellt. Aber mit dem Erdrücken des politischen Lebens im ganze Lande muß auch das Leben in den Sowje.'s immer mehr erlahmen Ohne allgemein« Wahlen, ungehemmte Preß- und versammlungssreihett. freien Mei- nuagskamps erstirbt das Leben in jeder öfjentlichen Institution, wird zum Scheinleben, in der die vureaukralie allein das tätige Element bleib«. Diesem Gesetz entzieht sich niemand. Das öffenllich« 2*6« Wast allmWich ein, einige Dutzend Parteiführer von unerschöpflicher Energie und grenzenlosem Idealismus dirigieren und regieren, unter ihnen leidet in Wirklichkeit«in Dutzend hervor- ragender Köpfe, und eine Elite der Arbeiterschaft wird von Zeit zu Zeit zu Versammlungen aufgeboten, um den Reden der Führer Beisallzu klatschen, vorgelegten Resolutionen einstimmig zuzustimmen, im Grund« also eine Cliquenwirtschaft — ein« Diktatur allerdings, aber nicht die Diktatur des Proletariats, fondern die Diktatur einer Handvoll Politiker, d. h. Diktatur im bürgerlichen Sinne, im Sinn« der Iakobiner-Herr- s ch o f t. Ja noch weiter: solche Zustände müssen eine V e r w i l d e- r u n g des öffentlichen Leben, zeitigen: Attentate, Geiselerschießungen usw. von, oll dem. was die Dolschewisten und auch unsere Kommunisten unter Diktatur ve�tehen, behält Rosa Luxemburg eigenllich nur den Namen bei, wenn sie ausruft: Jawohl: Diktatur! Aber diese Diktatur besteht in der Art der Perwendung der Demokratie, nicht in ihrer Abschaffung. Danach können* wir allerdings verstehen, daß die Eberlein-Zentrale dieses gefährliche Dokument am liebsten dem Scheiterhaufen überliefert hätte. So sehr wir uns freuen, daß dies mißglückt ist, so tief beklagen wir auch heute wieder, daß eine militaristische Totschlägerbande, die weder wußte, wer Rosa Luxemburg war, noch was sie wollte, diese geistig hochbedeutende Frau erschlagen und damit zur Märtyrerin der Leute gemacht hat, zu denen sie heute, wenn sie am Leben geblieben wäre, im schärf st en Gegensatz st e h e n würde. Es ist ja bekannt, daß Rosa Luxemburg den Ianuarputsch auf das entschieden st e ver- urteilt hat. Wer das Vorstehende liest, der sieht klar, daß sie nicht geschwiegen haben würde, wenn nicht die in aller Gemeinheit obendrein noch bodenlos dumm han- delnden Meuchelmörder sie mit Gewalt zum Schweigen Sebracht hätten. Die Vogel, Pflugk-Hartung, i u n g e und Konsorten haben im tatsächlichen Erfolg die Geschäfte der Eberlein und Genossen besorgt. Und wenn schon moralische Argumente bei dieser Art Leute nicht verfangen, so sollte dies doch wenigstens eine Warnung für alle künftigen Meuchelmörder fein. Wilhelms Rechtfertigung. In großer Aufmachung veröffentlicht die Rechtspresse einen Schriftwechsel zwischen Hindenburg und dem ehemaligen Kaiser, dessen wesentlichen Inhalt die Frage der Kriegs» schuld bildet. Die Briefe rühren aus dem Frühjahr dieses Jahres(März und Axril) her, und man würde sich vergeblich fragen, was gerade fetzt, nach dreiviertel Iahren Grund zu ihrer Veröffentlichung bieten könnte, wenn nicht ein kleiner Umstand einen Fingerzeig böte: Vor kurzer Zeit sind Wik- Helms„Vergleichende Geschichtstabellen" im Druck erschienen. und da der Schriftwechsel mehrfach auf dieses— nebenbei historisch völlig wertlose— Machwerk Bezug nimmt, so wird man seine Veröffentlichung als einen b u ch h ä n d- lerischen Propagandatrick am besten charakteri- sieren. Ueber das uns im Versailler Vertrag aufgezwungene Schuldbekenntnis ließe sich allerhand sagen. Der Kampf um die historische Wahrheit, die etwa in den Worten Lloyd Georges eingefchlosien liegt, daß alle Staaten mehr oder weniger fahrlässig in den Krieg h i n e i n g e« schliddert und-gestolpert sind, ist wobl der An- ftrengung wert. Aber damit er irgendwelche Aussicht auf Er- folg verspricht, wäre vor allen Dingen notwendig, daß d i e Leute endlich den Mund halten, die in Deutsch- land die Fahrlässigkeit auf die Spitze getrie- b e n oder gar den Krieg herbeigewünscht haben. Solange aber gerade sie hinter der Unschuld der großen Volksmehrheit Deckung für ihre persönliche Verschuldung, sei es Fahrlässigkeit oder Vorsatz, suchen, wird damit die Sache Deutschlands von vornherein kompromit- ti'ert. Wilhelm, der Ehemalige, ist die denkbar vngeeig� netste Persönlichkeit, um den Kampf gegen das erpreßte Schuldgeständnis des Versailler Vertrages für Deutschland � aufzunehmen. Der Mann, der Jahrzehnte lang— wenn auch ' mehr in ruhmrediger als kriegerischer Absicht— mit seinen ! bramarbasierenden Reden die Welt in Unruhe versetzt hat, der Mann, der die wahnsinnigsten Randbemerkungen auf«:n Kriegsakten verfaßt hat, wie„Immer feste das Ge- i sindel auf die Füße treten!" usw., er ist der d e n k b a r u n- geeignet st e Verteidiger der deutschen Sache. Deny � bei ihm läuft schließlich alles auf die persönliche Recht- fertigung hinaus— und die ist hoffnungslos, wenig- ! stens in dem Sinne, daß von dem Vorwurf des Größen- wahns, der Verblendung, der Kopflosigkeit und absoluten Phantasterei keine objektive Weltgeschichte Wilhelm jemals freisprechen wird. Mit dem simplen Satz„Der Kaiser hat den Krieg nicht gewollt" ist die Sache für das deutsche Volk nicht erledigt. Der Kapitän, der durch Fahrlässig- t e i t einen Dampferzusammenstoß herbeiführt. Hot das Un- glück auch nicht gewollt, und doch macht man ihn— und mit Recht— hierfür verantwortlich. Eine persönliche Rechtfertigung versucht Wilhelm auch seiner Flucht nach Holland angedoihen zu lasten. Interessant ist dabei, daß er sich auf H i n d e n b u r g s R a t beruft. Bisher hat die Rechtspreste Wilhelms Flucht auf den Rat des Generals G r o e n e r zurückgeführt und diesen in der wüstesten Weise beschimpft. Ob sie diese Beschimpfungen jetzt auf Hindenburg übertragen wird?! Tagung öes partelausschuffes. Heu!« vormittag ist der Parteiausschuß der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands zusammengetreten, um nach einem Referat des Parteivorsitzenden Otto Wels und einem Ergänzungsreferat Hermann Müllers Stellung zu den schiebenden politischen Fragen zu nehmen._ Welknachtsvorschüsse für Seamte? Am Montagvormittag um 10 Uhr haben im Reichsfinanz- Ministerium in kleinem Kreise Besprechungen zwischen Regie- rungsvertretern und Beauftragten der Spitzenorganisatio- nen der Beamten und Gewerkschaften begonnen. Räch dem ablehnenden Schreiben des derzeitigen Reichsfinanzministers Dr. Hermes war die gespannte Situation so verschärft worden, daß! ein Ausstand der Unterbeamten und eines Teils der mitt- leren Beamten sehr wahrscheinlich wurde. Um fedoch die Rot, die gerade in den Kreisen der Beamten und Staatsarbeiter herrscht, zu mildern, die in die untersten Gehaltsklassen eingegliedert find, hat der Reichsfinanzminister je zwei Vertreter des Deutschen Beamten-> bundes, des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes, der Christlichen und der Gewerkvereine(H.-D.) zu sich gebeten, um mit ihnen die Mög- lichkeit zu erörtern, den Beamten noch vor Weihnachten einen Vorschuß auf das Ianuargehalt zu zahlen. Die Kon- ferenz findet im kleinsten Kreise statt, weil die Regierungsvertreter über die innen- und außenpolitische Loge den Gewerkschaftsführern vertrauliche Mitteilungen machen werden. Es ist jedoch auch mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die Frage einer Aufbefle- rung der unteren Beamtengehälter wenigstens in großen Zügen er- örtert wird.*, Clemens Delbrück. In Jena ist am Sonntag der deutschnationale Abg. Clemens Delbrück gestorben, der noch von Wilhelm II. durch den .Schwarzen Adler" den persönlichen Adel erhalten hatte. Delbrück kam aus dem preußischen Verwaltungsdienst, wurde Oberbürger- meister von Danzig, Oberpräsident von Westpreußen, preußischer Handelsminister und schließlich— im Jahr« 1S09— Staatssekretär des Innern und Stellvertreter des Reichskanzlers. 1910 schied er wegen Krankheit aus dieser Stellung, wurde aber im Oktober 1918 zum Chef des Zioilkabinetts des Kaisers an Stell« des Reaktionärs von Berg berufen, um die Ucberleitung der höfischen Ansichten in die neuen Derhältnisie zu erleichtern. Seine Mission kam aber zu spät. Di« Zeit Wilhelm« war erfüllt. Auch der im Ausgleichen und Kompromisteln erfahren« Delbrück konnte nicht mehr gerade machen, was Jahrzehnte an reaktionärer Herrschast verbogen hatten. Nach dem Zusammenbruch ließ Delbrück sich mit Posadowsky als.deutschnationaler" Kandidat in die Nationalversammlung wählen. Aber beide hatten innerhalb der blödantisemitisch gerichteten Fraktion schwere Kämpfe zu bestehen. Delbrück, der gleich seinem Gefährten Posadowsky etwas wußte, der zudem ein persönlich anständiger Mensch vom besten Willen war, paßte in die Klopf- fechtergarde der Hergt und Helsferich nur schlecht hinein. In den letzten Iahren war der kenntnisreiche Mann still geworden im poli- tischen Leben. Er gehörte zwar dem Reichstag noch an— Posadowsky ist ja schon im Juni 1920 abgesägt worden—, ober er war schon langt vor seinem Tode auch in der deutschnationalen Fraktion «in toter Mann gewesen. Unter den Beamten des wilhelminischen System, gehörte Delbrück zu den wenigen, die bei aller Anhänglich- keit ans Uebcriieferte doch den Blick nicht absichtlich verschlossen vor dem werdenden Reuen. Reichstagspräfident L ö b e richtete an die Angehörigen des Per- starben«» folgendes Beileidstelegramm:.Zum Hinscheiden des Staatsministers und Abgeordneten Herrn, v. Delbrück, dem eifrigen Mitarbeiter an der Verfassung von Weimar, spreche ich meine tiefste Teilnahme aus." Severins über öie„SLinnespnrtei- Duisburg. 19. vezember.(WTV.) In einer von mehreren tausend Personen besuchten Bersammlung in Homburg-Hochheide sprach am Sonntagabend der preußisch« Minister des Innern, S e o e r i n g, über die politische Lage, die er, zunächst auf Preußen beziehend, dahin charakteristerte, durch die Verbreiterung der Koalition _ aus politisch' Dilettanten, ober diese Einschätzung des Politikers hindere ihn gar nicht, anzuerkennen, daß Stinncs auf w i r t f ch a f t l i ch e m Gebiet eine Kraft ist, die wir nicht unterschätzen srllen, die wir leichtfertig zu beurteilen kein Recht haben. Stinnes sei eine Persönlichkeit mit Initiative und Beharrlichkeit, ein Mann, der genau weiß, was er will, und der versucht, mit allen Mitteln seinen Dillen und seine Wünsche durchzusetzen. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen besprach Severing eingehend die Notwendigkeit der Verbreiterung der Koalition durch die Deutsch« Volkspartei, da man noch dem Ausfall der letzten Land- taaswahlen keine andere Wahl gehabt habe. Die Volkspartei sei nicht nur Stinnes-Partei. Hätte sie nur Männer in ihren Reihen von der wirtschasllichen Bedeutung dieses Mannes, dann stände«sum unsere Steuern besser. Das sei aber nicht so. In der Volksoarici ständen neben den Großindustriellen Stinnes, Boegler und einigen anderen, auch Taufende von Angc- stellten und Handwerkern. Seoerinq forderte die Erschließung neuer Steuerquellen, ober so. daß die Latten nur auf tragfähige Schultern gelegt würden. Die preußischen Finanzen bezeichnete er vorläuttg al» ziemlich gesund. Schließlich unterzog der Minister noch, die Reparationsfrage einer eingehenden Erörterung. Die Ausführun- gen Seoerings wurden fortwährend durch Zwischenrufe unter- brachen. � Reaktionärer ffereinfall. In den Kapp-Tagen haben vielfach Arbeiter bei reaktionären. Personen Waffenlager und einzelne Mafien beschlagnahmt. Jetzt, nach geraumer Zeit, stnd daraus eine Reihe von A i v i l p r o- zessen entstanden. Offenbar auf Betreiben irgendeiner Z e n- trat stelle machen die Reaktionäre, denen Dassen abgenommen worden find, Echadensersatzonsprüche gegen die betres- senden Arbeiter geltend. In Kiel ist jüngst ein solcher Fall zur Entscheidung gelangt. Nachdem zwei Instanzen die Arbeiter zum Schadensersatz verurteilt hatten, hat das 0 b e r l a n d e s g e r i ch t Kiel als höchste Instanz den Anspruch der Kläger zurückgewiesen. Da» Oberlandesgericht hat im Gegensatz zu den Dorinstanzen die damaligen tatsächlichen Verhältnisse gewürdigt und dar- aus gefolgert, daß den Veklogten weder eine unerlaubte haudlung noch eine Dernachlässigung der Aufbewahrungspfiichk zur Latt fäll:. Das Urteil dürfte von Bedeutung für die weiteren noch schwe- benden Prozesse sein. Curopaisthes System. Ei» lehrreiches Beispiel, wie Europa kolonisiert, und wie das villltärisch« System auf unverdorbene Naturvölker wirkt, gibt Gregor Krause in dem künstlerisch wertvollen Werk„D i e Insel Bali"(Volkwang Verlag in Hagen i. W.). Er schreibt: „Im Mai 1001 zerschellte in der Brandung an der Südküste von Ball ein kleines chinesisches Segelschiff. Der Eigentümer, ein Chinese, klagt über„Strandraub"(unter dem ans Land gespülten Gut soll sich eine Kiste mit 2000 Silberdollar befunden hoben). Die Balier schwören, kein Geld am Strande gefunden zu haben. Man verlangt von dem Fürsten Genugtuung.' er ersucht um Verhandlung vor dem Gerichtshof der Kertha's. Man erklärt ihm den Krieg. Im Herbst 1908 schiffen sich von Java einige tausend Mann«uro- päischer Truppen unter großer Begeisterung des Publikums gegen Bali ein. Einige vergebliche Lanzengefechre überzeugen die Balier »an der Nutzlosigkeit eines Widerstandes gegen europäische Bewaff- »ung, und sie begeben sich auf ihre Reisfelder, um die unterbrochene Arbeit fortzusetzen. Den Truppen wird willig alles gegeben, was sie verlangen. Die Fürsten mit chrer Familie aber und allen, die von ihnen Besoldungen oder Unterhall beziehen, sind entschlossen zu sterben und bereiten sich seit Tagen in Gebeten auf den„Purutan", d. h. das Ende vor. Die Truppen nähern sich dem Palaste des Fürsten. Einige »lte Frauen und die Kranken, die nicht gehen können, sind mit dem Dolche erstochen worden. Dann schießen aus dem Polaste Flammen empor. Heraus tritt ein seltener Zug: Männer in glänzenden Ge- «ändern, rot und schwarz, mit longwallendem Haar, unbedeckt, in dem Gürtel lange goldene juwelenfunkelnde Kris(d. i. Schwerter). In ihrer Mitte festlich geschmückte Frauen, Blumen im Haar, neben ihnen Hunderte von Kindern. Alle tragen den weißen Mantel der dem Tode sich Weihenden. Als letzter erscheint der Fürst auf einem goldenen Stuhl, der von vier Männern getragen wird. Lautlos und langsam bewegt sich der Zug den Truppen entgegen. Etwa 100 Schritt vor ihnen hält er plötzlich an, der Fürst steigt aus seinem Tragstuhl. Ein Schuh aus einem alten Dronzerohr, das explo- diert, gibt das Zeichen, und mit erhobenen Lanzen und gezückten Schwertern stürzt olles in dos Schnellfeuer der Repetierqewehre. Die Artillerie feuert ihre Schrapnells in den dichten Menschen- Haufen. Die Leichen stapeln sich auf und sperren neuen Scharen, die aus dem Palaste treten, den Weg. Boll Grauen schwelgt das Feuer der Truppen. Da fleht man einen Mann im Priestergewand mit eisiger Sicherheit den Hochgeschwimgenen Kri, in die Brust von Männern und Frauen stoßen, die sich um ihn drängen. Er wird niedergeschosien. ein anderer übernimmt sein Amt. Verwundete er- stechen sich selbst oder erweisen Sterbenden diesen Dienst, die, von Granaten zerrisien, e» nicht mehr selbst können. Reu« Mafien kommen näher, singend stürzen sie vor und fallen. Die Soldaten zögern,«eiterzuschießen. Da werfen ihnen Frauen einen Regen von Goldstücken entgegen: ,�ier hobt ihr da» Geld, wo- für ihr kamt." Sie weifen auf ihre Brust, um ilorthin ge- troffen zu werden. Der Weg. zum brennenden Palast de» Fürsten ist fiel* C. Iung-Deukschland In der„Tribüne". Was Werner Schen- d e l l, der junge Dichter des Trauerspiels ,M a r c e l l a" sagen kann, ist gewiß nicht Beweis eines sehr blühenden Talentes. Der beginnende Menschensucher und Menschengestalter bescheidet sich mit geringen, beinahe hundertfach abgenutzten Problemen. Aber er führt, nachdem er den großen Anlauf auf das Psychische genommen hat, topfer ins Theatralische hinein. Und dieser Zug zur Bejahung der Bühnennotwendigkeit scheint darauf hinzuweisen, daß Schendell eines Tagcs noch ein erträglicher Dramatiker wird. Vorläufig geht es etwas Piffpaff in seinem Stück« zu. Zwei junge Frauen stehen auf der Bühne, beide von dem gleichen Mann zur Mutter gemacht. Nun nimmt die eine, die bürgerlich nicht viel zu vellieren hat, dos Frauenschicksal auf sich. Die andere, die au» „gutem" Hause ist, verzweifell und vertraut sich einer Engelmacherin an. Als nun diese zaghaft mutige Marcella auf dem Krankenbette erwacht, übersieht sie ihre ganzen Berlorenheit. Sie wird nie mehr der Mutterschaft fähig sein. Es mißt sich im Hochmutsstreit die junge Mutter mit der Unfruchtbaren. Die Geschlagene wird verrückt vor Neid und tötet den Säugling. Sie haben beide einen beträcht- lichen Windhund geliebt, dem ein drittes Mädel Säure ins Gesicht schleuderte. Dafür hängt sich ein medizinischer Lrackenburg von 1921 an die Möderin des Kindes, das gar nicht das ihrige ist. Und das Giftfläfchchen endet sehr schnell und romantisch das Leben dieser Armen, lviel Papier, viel Phrase, hinter dem Stück ist mehr als in dem Stücke. Trotzdem war es verdienstlich, Herrn Schendell das Rampenlichtlein anzuzünden. Es dienten dem Dichter Hermine Sterler und Rita P a r s e n. Während Fräulein Sterler der allzuheftigen Pose nicht entgehen mochte, war Fräulein Parsen innig, klar, diszipliniert, kräftig im richtigen Moment: Sie ist eine Schauspielerin, deren be- ginnender Ausstieg die Schwierigkeit des Anbruchs überwunden hat. M. H. Verliner Studentenschaft, kommvnlsmn» vnd Ehrenordnung. In der dieser Tage stattgehabten Sitzung der Studenten- Vertretung der Berliner Universität wurde unter an« denn auch über die durch den Rektor verfügte Auflösung der kommunistischen Gruppe verhandelt. Jacob» betonte, daß es sich um eine Angelegenheit handele, deren Klärung im Interefie der Studentenschaft liege. Für den Anschlag am schwarzen Brett der Gruppe, der den Kommunisten zusti Vorwurf gemocht wurde, seien sie in keiner Weise verantwortlich. Man wolle die mißliebigen Grup- pen entfernen. Der Redner forderte auf, durch eine Entschließung da» Rektorat zu einer Aeußerung zu veranlafien. B o r ck(Daffen- ring) stellte sich auf den Standpunkt, daß nach der Dtsziplinarord- nung der Rektor die Houspolizeigewalt ausübe und Vereine ver- bieten könne. Stein hält dem entgegen, daß durch Ministerialerlaß vom 8. November 1918 Bereine nur insofern und soweit verboten werden könnten, als sie auf Vergünstigungen(schwarzes Brett usw.) Anspruch erheben. Eine Gruppe könne der Rektor nicht auslösen. Stein reicht einen Antrag«in, der schärfsten Protest erhebt gegen den Eingriff in die elementarsten Koalition»- rechte der Studierenden. Ueber die Anträge wurde zur Tagesordnung übergegangen.— Als nächster Punkt wurde die.Ehrenordnung" behandelt. Holländer erklärt« sich im Namen der sozialistischen Fraktion gegen die Ehrenordnung. Dies« führe nicht zur studentischen Sclbstver- wallung. E» sei unmöglich, von einem Gemeinschaftsgefühl inner- halb der Studentenschaft zu sprechen, diese sei keine Gemeinschofi, sondern eine Gesellschaft. Di« Voraussetzung für eine Gemeinschaft sei die Achtung, und diese bestehe zwischen den Korporationen nicht. In der Ehrenordnung sehe er einen Trennungsstrich zwischen Aka- demikern und anderen. Der Redner empfiehlt einen Antrag, der sich für Einsetzung eines Aktionsausschusses ausspricht, welcher die Aus- gab« habe, die trüben Wirkungen des Unterschiedes in religiöser, politischer, sozialer und völkischer Hinsicht abzuschwächen. Bit- l a i n(Waffenring" bezeichnete Holländer» Aeußerungen als„cm- archistisch". ver sozialistische Antrag wurde gegen we- nige Stimmen abgelehnt. Dies« durch und durch reaktionäre, sozial bornierte und kulturell zurückgebliebene Gesellschaft erhebt den Anspruch, die geistige Blüte der deutschen Jugend zu repräsentieren! Man müßte an der Zu- kunft Deutschlands verzweifeln, wenn man nicht die Gewißheit hätte, daß un» glücklicherweise noch andere Quellen der Verjüngung flie- ßen und daß das deutsche Volk seine Führer ganz sicher nicht aus den Kreisen wählen wird, die der muffigen Sphäre dieser.freien Burschen" entstammen. Da» heißt da, auf Deutsch? So möchte man manchmal fragen. wenn man Sportbericht« liest. Da heißt«» z. B. in einem Sportbiatt:„Nach 10 Minuten gibt Gröner eine Dorlage an den Halbrechten Hahn, der aus zwei Meter Entfernung das Leder ein- schiebt. Ein Eckball wird schön vor dem Gäsietor getreten, an einem Pfosten geköpft und'dann glücklich abgedreht." Was ist ein Halb» rechter Hahn? Kann man einen Lall wirklich köpfen und dann abdrehen? Wenn die Jugend, die jetzt olle dies« Ausdrücke lernt, in der Schul« soviel Sprachstudien hätte treiben müsien, so hätte st« sich wahrscheinlich lebhast über Ueberbürdung betlagt. Aber wenn sie «» freiwillig tut, so ist da» natürlich ihr« Sache. Man muß nur be- dauern, daß so wenig geistiger Gewinn dabei heraus kommt und daß die deutsch« Sprache dadurch so verunstaltet wird. Cr liefert die letzte Kanone ab. Zu dieser heroischen Tat hat sich, wenn man einem Ehikagoer Blatte Glauben schenken darf, ein vierjähriges Knirpschen aus Lerftey in Kalifornien aufgerafft. Der Kleine hörte, wie sein Vater zu Hause erzählt, daß an«inen dauern. den Weltfrieden nicht eher zu denken sei, al, bis die letzte Kanone abgeliefert werde. Diese Aeußerung machte dem Kleinen Gewifiens- bifie, da er in seiner Spielstube«ine kleine Kindertancne stehe» hatte. Und da er die Worte de. Baters ernst nahm, packt« er schließ- lich seine Kanone unter den Arm, lief auf die Polizei, ließ sich den Polizeichef herausrufen, liefert, da,„Geschütz" ob und erklärte ernst- hast, er übergebe es, auf daß endlich in der Welt ständiger Frieden herrsche. Leider besteht nicht viel Hoffnung, daß auch die Erwachsenen in Amerika und sonstwo diesem kindlichen Beispiel folgen werden. .Tanten« Tsd« i««rosten T4»nft>ielha«». Zu«nftrer Rott, w der gestrigen Ziummer tcllt mit die T'nt'.uan de««rohen Eitouipi-!l)allt«« mii. bah da« Drama Büchner«, da« biSder im D«u»ich«n Theater gegeben wnrb«. seit Sonnabend«n einer Keueiuftudierun, in(Stehen < cheustzielh»»»»« bUMHomg kommt. Die Nachtsitzung öes Reichstags. (Schluß aus der Sonntagsausgabe.) Nach 11 Uhr nachts kommt die Angelegenheit der Feslungsgefangenen in Riederschöneuseld zur Sprach«. Der Ausschuh schlägt eine Erklärung vor, in der es heißt, der Reichstag nimmt Kenntnis von der Erklärung des Reichs. juslizministers, daß in eine eingehende Prüfung der Urteile der Sondergerichte sofort eingetreten werden soll und erwartet eine schleunige Durchführung und Berichterstattung über die Ergebnisse dieser Prüfung. Ein Antrag der sozialistischen Parteien fordert die Regierung auf, bei der bayerischen Regieruna die Genehmigung zur " Besichtigung der Strafanstalt Mederschönenseld einzuholen. Reichsjustizminister Radbruch erklärt, daß von 123 Sonderge» richtsurteilen nur noch 14 nicht nachgeprüft sind. Die Reichsregie» rung ist bereit, an die bayerische Regierung das Ersuchen zu richten, eine Besichtigung der Strafanstalt Niederschönenseld zu gestatten. Bayerischer Bevollmächtigter v. Preger erklärt, daß die baye- risch« Regierung aus grundsätzlichen(!) Erwägungen nicht lu der tage ist. in eine parlamentarische Erörterung über die Zustände in Riederschöncnfeld vor dem Rcichsiage einzutreten. Das ist nicht Reichs-, sondern Landessache. Um �12 Uhr kommt es zu großen Lärmszenen, als Abg. Roscnfcld(11. Soz.) die bayerische Regierung ein« Schand- regierung nennt(Ordnungsruf.) und von einer bayerischen Mörder- und Lügenzentral« spricht. Die Rechte ruft: .Pfuir und es ertönt der Ruf:„Zuden raus!" Die Kommunisten stürzen aus ihren Bänken und gehen drohend gegen rechts vor. Der Präsident schafft nur mühsam Ruhe. Präsident Löbe warnt den Abg. Rosenfeld vor solchen Zügel- losigkeiten, weil sie dazu führen können, daß die Vertreter der Län> der überhaupt nicht mehr antworten.(Lebh. Zustimmung.) Der Antrag des Aus'chusses wird angenommen: der Antrag über Niederschönenfeld wird abgelehnt. Die D i ä t e n v o r l a g e, die für die Abgeordneten eine Teue» rungszulage von monatlich 2000, für die Berliner von 1500 M. vor- sieht(bisher 500 bzw. 1000 M.), wird debattelos gegen die Deutsch- nationalen angenommen.— Damit schließt um 12 Uhr nachts die Sitzung. Der Präsident beraumnt sofort eine neue Sitzung auf Vtl Uhr an: Dritte Lesung des Etats, Erhöhung der Postge- bühren und Diätcroorlage. 1SZ. Sitzung, Sonntag, den 18. Dezember 1921, Uhr morgens. Die am Schluß der 152. Sitzung angeführten Gesetzentwürfe werden In dritter Lesung angenommen. Der Präsident erhält die Ermächtigung, die nächste Sitzung bis spätestens 19. Januar 1922 anzusetzen. Schluß 1 Uhr. kein Karneval. Das badischc Ministerium des Innern hat für 1922 alle karneoalisttischen Deranstaltungen verboten. Zm französischen Senat erklärte Kriegsminister Darthou, die für den März in Aussicht genommene Entlastung der Jahresklastc 1920 könne nicht erfolgen, da Frankreich sich für die Monate Januar und Februar wichtigen Zahlungsterminen gegenüber be- finde und deshalb alle feine militärische Kraft nötig habe. Die Abstimmung in Oedenburg. Wie das Ungarische Tele- arophen-Korrespondenzbureau mitteilt, ist das durch die Entente- kommmistion festgestellte Ergebnis der Oedenburgcr Abstimmung folgendes: für Ungarn 15 343, für Oesterreich 8227 Stim- men. In der Stadt Oedenburg und dem angegliederten Drennberg seien allew 7390 Stimmen für Ungarn abgegeben worden, Der Mäöchenmorö in Kleppelsüorf. Bei dem ärztlichen Gutachten legt Kreis-Medizinalrat Dr. Peters- Löwenbcrg den von ihm festgestellten Leichenbefund zugrunde. Lorher ersucht er den Vorsitzenden, an den Angeklagten die Frage zu richten, ob er wünsche, zu seinen Ausführungen Stel- lung zu nehmen und zu diesem Zweck au» der Anklagebank zu treten.— Angekl.: Ich Hab« bereits gesagt, daß ich kerne Er- Aärungen mehr abgebe. Im Saale steht ein Modell mit dem roten Flanell» kleide und der weißen, blutbefleckten Schürze der Dorothea R o h r b e ck. Mittels eines Projektionsapparate» werden bei ver- dunteltem Saa! Lichtbilder von den Leichen der erschösse- nen Mädchen vorgeführt. Dr. Peters: Alle die Schüsse sind aus mehr als 15 Zentimeter Entfernung abgegeben worden, damit ist die Möglichkeit eines Selb st morde» der Ursula von vornherein ausgeschlossen. An dem Kleide der Dörte fand ich mehrere Schußlvcher, eins an der rechten Achselfalte, drei an der Brust. Da» erste ist eine Einschußöffnung, die drei anderen Aus- schußössnungen, die sich dadurch erNären, daß das Kleid an der Brust Falten lmtte. Am 5>alse und an der Brust habe ich mehrere Verletzungen festgestellt. Bei der Ursula fand ich ein« Einschuß- öffnung an der rechten Augenbraue, außerdem ein im Gehirn steckengebliebene» Geschoß. Bei Dörte ist ein Geschoß unter der Stirnhaut gefunden worden. Ich habe schon damals dem Angeklaq- ten gesagt, ob er mit der Waffe, die er aufgehoben haben will, etwas gemacht habe. Er antwortete mir:„Daß ich nicht wüßte'. Nach dem Befunde hat Dörte zuerst den Bruslschuß erhalten, der durch den chels in den Hinteren Rasenrachenraum ein- drang. Die zweite Verletzung war erfolgt durch den Schuß in den Hinterkopf. Die Ursula ist nach dem Schuß sofort handlungsunfähig gewesen: sie ist sofort zusammengesunken und hat keine geordneten Bewegungen mit der Hand mebr ausführen können. Bei der Ursel wurden am Hinterkopf Hautabschürfungen und«ine Schwellung gefunden, die beweisen, daß sie bald nach dem Schuß gegen den Schrank gefallen ist. Es ist kein Zweifel, daß Ursula an der Stelle, wo sie aufgefunden wurde, den tödlichen Schuh erhalten hat. Gegen«Inen Selbstmord der U r s e l lprechen die Begleitumstände, nämlich der Fundort der Patronenhüllen. Ursula hat, ol, aus sie gezielt wurde, den Kopf erschreckt rückwärts geneigt, wie der Verlauf des Schußkanols ergibt. Hätte sie sich stlbst qe- schössen, müßt« der Verlauf des Echußkanals ein anderer sein. Der Täter hat auf sie geschossen, als er in der Nähe der zusammen- pelunkenen Dort« stand.— Der Sachverständige zeigte an einem Menlchenschädel die Ein- und Ausschußöffnungen.— Kreis-Medizi- nalrat Dr. S ch o l tz- chirschberg pflichtet dem vorstehenden Gutachten hei. Auch nach keiner Ansicht handelt es sich nicht um Nahschüsse.— Geheimrat Dr. Lesser- Breslau hält die Mitwirkung einer fremden Hand für erwiesen.— Geheimrat Professor Dr. Moll- Berlin aibt dann ein ausführliches Gutachten, das im besvnderen auf die Fragen Hypnose und Willensbeoinstussur.g näher eingeht.— Der Staatsanwalt bittet. Wilhelm Grupen nicht zu vereidigen, da nach seiner Ansicht dieser auch bei dem verschwinden seiner Schwägerin die Hand im Spiele hat. Dos Gericht beschlieht, den Zeugen n i ch t zu vereidigen. Dann wird der Zeuge Kolporteur K l S t t e aus Itzehoe vernommen. der ouslaat, daß er gesehen habe, wie wenige Taae vor dem Umzug nach Ottenbüiel der Angeklagte seine Frau, die zur Tür herauswollte, zurückgestoßen und die Hand zum Schlage erhoben habe. Dann wurde die Türe zugemacht, und er hört« au» dem Innern de» Hause» einen Schrei. Hierauf wurde die weitere Verhandlung aus Montag 1410 Uhr vertagt, wo zunächst noch einige Zeugen, anfangs unter Ausschluß der Oeslentlichkeit. vernommen und dann gleich mit den Plol- doyers begonnen werden soll, die ohne Pause, vielleicht aber auch mlt teilweisem Ausschluß der Oefsentlickkcir. durchgeführt werden sollen. Da» Urteil ist in der Nacht zum Dienstag zu erwarten. GroßSerlw Cm �flammenöer� Protest. Kundgebung gegen den Leseschund. Di« als Abschluß der Neuköllner Jugendpflege- woche gedachte öffentlich» Verbrennung von 30000 Schmökern, die von Schulkindern Neuköllns beim Jugendamt abgeliefert und gegen besser« Lektüre eingetauscht worden waren, hat am Sonntag um 2 Uhr nachmittags auf dem Tempelhofer Feld stattgefunden. Der Sturm, der einen Regenschauer nach dem anderen über die weite Fläche peitschte, konnte das Dernichtungswerk nur erschweren, aber nicht hindern. Unbarmherzig zerzauste er die jugendlichen Teilnehmer, die zu vielen Hunderten aus Neukölln zu- sammengcströmt waren: doch alle hielten tapfer stand. Stadtrat Schneid er-Neukölln, der Dezernent des Jugendamts, wie» in einer Ansprache auf den Sinn diese» Zerstörungsaktes hin, und die 30 000 Schmöker wurden den gierigen Flammen über- geben.' Man kann fragen, ob in einer Zeit des Papiermangels es nicht richtiger gewesen wäre, den ganzen Kram an eine Papiermühle zum Einstampfen abzuliefern. Gewiß, vom Standpunkt der Volkswirt- schuft aus mag es zu bedauern sein, daß die Rohstoffwerte durch Feuer vernichtet wurden. Aber der Schaden wird, denken wir» reich- lich aufgewogen durch den Gewinn, den von dem feierlichen Berbrennungsakt die Jugendpflege und ihr Kampf gegen den als.Jugendlektüre' verbreiteten Schund haben wird. Dieser wirklich.flammende' Protest gegen die Schund- b ü ch e r, mit denen man uns die Kinder verdirbt, mußte auf alle Teilnehmer einen ungewöhnlich starken und sicherlich nachhaltigen Eindruck machen. Die Verbrennung der Schmöker hat eine symbo- lische Bedeutung, unh bei der Erinnerung an den einprägsamen Bor- gang soll den Kindern immer wieder die Mahnung sich erneuern, daß Leseschund wert ist, vernichtet zu werden. skln goldener Sturmsonntag.- Der gestrige Sonntag stand unter dem Zeichen eines teilweise orkanartigen Sturmes, der an zahlreichen Stellen Berlins erheblichen Schaden angerichtet hat. Bereits in der Nacht von Sonnabend zum Sonntag verursachte der überaus heftige Wind auf den freien Plätzen, im Tiergarten und in den Parkanlagen der Stadt zahlreichen Windbruch und richtete auch an den Buden der Weihnachtsmärkte erheblichen Schaden an, der um so schwe» rer trifft, al» die davon Betroffenen meist kleine Handelsleute sind, die auf Wnchenmärkten usw. ihr Gewerbe im Umherziehen betteiben. Auf dem Weihnachtsmarkt in der Warschauer Straße stand gestern morgen kaum noch eine Bude, die ohne wesentliche Beschädigungen die Sturmnacht überstanden hatte.— An zahlreichen anderen Stellen der Stadt wurden große Spiegelscheiben eingedrückt, und auf den Straßen lagen Ziegel und große Stücke der Dachbedeckungen, Dachpappe usw., die im Lause der Nacht und in den Morgenstunden vom Wind losgerissen und entführt worden waren.— Der G e» s ch ä f t s v e r k e h r, auf die die Kaufleute so große Hoffnungen gesetzt hatten, war infolg« de» überaus windigen Wetter» äußerst schwach und belebte sich erst in den Nachmittagsstunden, als sich der Sturm etwas gelegt hatte. Fast stärker noch als im Innern der Stadt hat der Sturm gestern in den Vororten gewütet und zum Teil recht erheblichen Schaden angerichtet. Ein größerer Materialschaden ist durch den Sturm in B u ch h o l z angerichtet worden. Kurz noch HZ Uhr nachmittags riß dort in der Rosenthaler Str. 15 der Sturm vom Dach des Hinterhauses z w e i S ch o r n st e i n e u m. die das Hinter- dach völlig zerstörten. Infolge der stürmischen Witterung sind 180 der von Berlin aus- gehenden Fernsorechleitungen gestört. Gänzlich unterbrochen ist der Fernsprechverkehr mit Gleiwitz, Beuthen, Kattowitz, Hirschberg in Schlesien. Swinemünde, Stralsund, Oldenburg, Elberfeld, Kolberg, Köslin, Flensburg, Rostock, Anklam, Stettin. Arnswalde, Jnsterburg, Königsberg i. Pr., Osterode, Küstrin. Im Fernsprechverkehr mit dem Auslande fehlt die Verbindung mit Budapest, Rotterdam, Kopen- Hägen und Schweden. Ebenso bestehen im verkehr de» Haupttelegraphenamts nach außerhalb Störungen nach allen Richtungen, in besonderem Umfange nach West- und Süddeutschlanb. Der Telegrammverkehr nach dem Auslande ist unterbrochen mit den drei nordischen Ländern, ferner mit Wien, Budapest und Italien. §ür öle Letzten ln stvkgnoa. .Auf zur Avignon-Kundgebungl', dieser Ruf der Reich»- oereinigung ehemaliger Kriegsgefangener hatte eine zahlreiche Gefolgschaft gefunden. Trotz der Unfreundlichkeit des Wetter» hatten sich Gruppen zu Straßenumzügen gesammelt, die am Sonntag morgen geschlossen in den Zirkus Busch marschier- ten, der außerdem noch da« Ziel vieler anderer Gleichgesinnter ge- worden war. DI» Organisation erwies sich al» straff und zweck- entsprechend. Genosse Erwin Barsanti. der 1. Bundesvorsttzend« der REK., hinter der mehr als 450 000 Mitglieder stehen, machte auf die Bedeutung der Gedenkfeier aufmerksam. Er betont«, daß ollein schon im Interesse des besseren Berstehens der Völker die Freilassung der Gefangenen unbedingt erforderlich sei. Am 1. Dezember d. I. schmachteten noch 55 in Aoignon. Inzwischen wurden drei steige- lassen, so daß Weihnachten 1921 noch 53 dieser Unglücklichen hinter Kerkermauern verbringen müssen. Der Redner erläuterte dann den geschichtlichen Werdegang, unter scharfer Hervorhebung, daß es sich bei diesen Gefangenen nicht um Verbrecher handele, sondern um Flüchtling«, die während ihrer Flucht geringfügige Verstöße gegen da» Gesetz verübten. Moralisch sind dies« Vergehen überhaupt nicht als Schuldhandlungen zu betrachten. Daher muß im Namen der Menschlichkeit die Freigabe dieser Gefangenen gefordert werden. Als zweiter Redner sprach Reichstagspräsident Genosse Paul Löbe. Er hatte für die noch in der Gefangenschaft befindlichen Brüder nicht nur Worte des Gedenkens, sondern er gab auch die Versicherung der Treu« ob. Die Menschheit ist zwar noch weit ent- fernt von der Solidarität, keine» ihrer Glieder leiden z» lassen, aber wir müssen immer unsere Stimm« im Namen der Menschlichkeit erheben und der Redner sprach auch für diejenigen unserer Brüder, die bei den inneren Kämpfen unsere« Lande», die Freiheit verloren. Dem Präsidenten der französischen Republik und dem französischen Ministerpräsident sedoch rufen wir zu:.Ihr fahrt zu Abrüstungs- und Friedenskongressen, macht endlich dem Kriegszustand ein Ende, indem Ihr uns unsere Gefangenen gebt'. Von starker Wirkung waren ferner Ernst Friedrich» Rezita- tionen.„Kein Dolk, kein Mensch in Tyrannei, gebt un» frei', da» war der Grundton aller Vorträge. Stimmungsvolle Umrahmunaen der Beronstaltung boten musikalisch« Dorbietunoen, und zwar Ge- sangsvorträge des Männerchor»„Harmonie', SPD.-Eharlottenburg, Chormeister Max Schaarlchmidt, und Musikstücke de» Tonkünstler- orchester», Kapellmeister Karl Zimmer. Das Nätsel einer Toöesnacht. Baker und Tochker durch Gas vergiftet. Im Osten Berlin», nahe dem Schlessschcn Bahnhof, in der Wrlezener Str. 24, hat sich eine bis zur Stunde noch unaufgeklärte Familientragödie abgespielt. Eine Frau Glaß alarmierte am Sonntag früh die Bewohner de» Hause» Wrlezener Str. 24. Es stellte sich heraus, daß der frühere 64 Jahre all« Ehemann der Glaß, van dem [ sie geschieden war. bei dem sie aber zu Besuch wesste, sowie ihr» löjöhrige Tochter infolge Gasvergiftung verstorben waren, während sie selber keinerlei Bergiftungserscheinungen aufwies. Ein herbei- gerufener Arzt stellte dann fest, daß der Tod bei Bater und Tochter schon vor 13 Stunden eingetreten sein mußte. Da die Frau Glaß sich in Widersprüche verwickelte, wurde sie von der Kriminalpolizei festgenommen: sie sagte bei ihrer Vernehmung folgendes aus: Seit 13 Jahren lebe sie von ihrem Mann« getrennt, habe ihren zweiten Ehemann aber wieder verlassen und sich jetzt seit etwa drei Wochen ungemeldet wieder bei Ihrem ersten Mann« aufgehalten, weil dieser die Tochter bei sich haben wollte. Am Sonnabendabend hätten sich all« drei in der Küche schlafen gelegt. In der Nacht sei die Tochter wachgeworden und Hab« einen Gasgeruch verspürt. Der Bater sei aufgestanden und habe den Haupthahn auf dem Flur gc- schlössen. Alle drei hätten dann weitergeschlafen. Bald darauf sel sie aber wieder aufgewacht und hätte immer noch den starten Gas- geruch wahrgenommen. Nun will sie in der Nacht um Hilfe gerufen haben, ohne aber die Fenster zu öffnen, um das Gas herauszulassen oder die Tochter bzw. ihren Mann zu wecken. Sie selbst habe sich dann aus dem Flur aufgehalten. Morgens habe sie dann gemerkt, daß beide tot waren. Bei der Darstellung dieser Borgänge oerwickelte sie sich aber insofern in Widersprüche, als sie zuerst aussagt«, daß sie schon in der Nacht gesehen hob«, daß die Tochter und der Dater bewußtlos gewefen seien. Es besteht der dringende Verdacht, daß sie beide absichtlich mit Gas vergiftet hat, und zwar schon früher als in der Nacht zum Sonntag. So ist Schreiber, der sonst regelmäßig sein« Mahlzeiten, in einem benachbarten Lokal einnahm, dort schon am Sonnabend nicht erschienen. Auch die Tochter war am Sonnabend nicht auf der Arbeitssielle erschienen. Als die Nachbarn in die Wohnung kamen, haben sie von einem Gasgeruch nichts mehr per- spürt. Zur völligen Aufklärung des rätselhaften Falles wurden die Leichen beschlagnahmt und zur Obduktion nach dem Schauhaus« gebracht. Frau Glaß wurde unter dem dringenden Berdaclit des Doppel- mordes verhaftet. Zur weiteren Aufklärung des Falles ist es dringend erforderlich, daß sich alle Personen, die die Verstorbenen vielleicht noch am Sonnabend gesehen haben, bei Kriminalkommissar Bünger im Berliner Polizeiprüsidrum melden, ebenso die, die über das Verhältnis der früheren Eheleute genauere Auskunft geben könnsn. Die geplätteten Tausendmarkscheiuc. Relch« Deute hatten Einbrecher bei einem Schneidermeister in der Naunynstrvß« gemacht. Außer Stosten usw. waren ihnen 87000 Mark in Kassenscheinen in die Hände ge- fallen. Der Verdacht der Täterschaft siel aus die Psörtnerfrau B.i sie wurde beobachtet und dabei ergab sich, daß sie in Verbindung mit einem gewissen Jogulinski in Neukölln stand. Bei den Ver- dächtigen wurden Haussuchungen vorgenommen, die aber zunächst nichts ergaben. Als dann auch noch die Wohnung der Geliebten des Jogulinski durchsucht wurde, stießen die Kriminalbeamten aus ein« Menge Papiergeld, das auffallend glatt war, trotzdem ihr Aeußeres erkennen ließ, daß sie gar nicht mehr neu waren. Dieses Geld wurde beschlagnahmt und dem bestohlenen Schneidermeister vorgelegt. Zu seiner freudigen Ueberraschung erkannt« er das Papiergel» im Bs- trage von 25 000 M. bestimmt als sein Eigentum wieder. Der Schneidermeister hatte die Gewohnheit, am Sonnabendabend noch der Ardelt all« zerknitterten Geldschein« mit dem Bügeleisen auszu- plätten. So hatte er Tausend- und Hundertmarkscheine sein sauber- sich geplättet. Die Berhasteten bestreiten zwar noch immer, durch die Beschlagnahm« der geplätteten Schein« aber sind sie allein bereits hinreichend überführt._ ver Warenverforgung des Gewerkfchafisdundes ist es gelungen, au» billigen Beständen de, Reichs noch«in« größere Menge Waren heremzuschaffen. Insbesondere Ist es den Bemühungen der Der- lstier Gewerkschaftskommission und dem preußischen Minister des Innern zu verdanken, wenn diese Destönde nächste Woche in den Berliner Berteilungsstellen de» ADGB. weit unter dem Tages« preis abgegeben werden können, um der Bekleldungsnot damit gerade in der Zeit der empfindlichsten Kälte zu begegnen. Man kann dieje Aktion wieder al» vollen Erfolg der gewerkschaftlichen Tätigkeit ansprechen. Slädkische» Kino in Relnickendors. Da« Bolksbildungsamt Reinickendorf eröffnet zu Weihnachten in der Jugendhalle ein Kino, da» zunächst zweimal in dex Woche Abendvorstellungen für Er- wachsene geben soll. Die Auswahl der Films wird nach künstleri- fchen Gesichtspunkten erfolgen. In erster Linie ober ist die Ein- richtung gedacht als Lehr, und Anfchauungsstätte für die Schulen. Ein Fest der Wintersonnenwende begeht die Ortsgruppe der Freireligiösen Gemeinde am Donnerstag, den 22. Dezember, abend» 7 Uhr, im Stadttheater zu Köpenick. !Ai« fozialiftilclie« ElterndeirStr. VezirrshadtrAte und'Rezlrk?- verordneten des 18. Verwaltungsbezirks Weihenlee finden fich heute Montag. den lg. b. M.. abend» S Uhr. int Zeichenlaal de« NealgymnasiumS zu einer gemütlichen Sitzung zuiammen. ES findet ein Vortrag de» Genossen Dr. K a r f« n statt iloer die Aufgaben der Kommune in Schul- und Er- ziehungSjragen. ParteimttgliedSbuch legitimiert BezirkSbildnngSanSschnft Groh.Brrlin. 8. Festkonzert mu Montag, den LS. Dezember Owciter WeibnachtSfeiertag), nachm. 3'/, Ubr, in der Alten Garnssonlirche, Neue griedrtchstratze,.Weihnachlliche Mustt». Mitwirkende: Professor Thiel. Leiter de» staatltchen Instituts für Kirchen. mustt, Prosessor Flemming(Mitglied de» Orchester» der StaatSoper(Oboe), stritz Kleiner(Orgel), der Madrtgalchor. Sofort die Marten einlösen. Einzellarten 8,50 M. im Bureau de» BezirlSbUdungSausschiisse». Linden- strane 8. 2. Hos. t Tr. Zimmer 12, und bei den Mitgliedern der Krel«. biIdungZauS,chitsse und nrn Tage beS Konzerts in der Sakristei der Kirche. — Am Sonntag, den 25. Dezember(erster WeihnachtSteiertagt. nachm. 2'/, Uhr, im Theater am BLIowplatz.Masse Mensch-, von Ernst Toller. — Montaq. den 28. Dezember(zweiter WeihnachtSsetertag). nachmittag« 3 Uhr, im N ene n VolkSthcater,«öp-nl-k-r Stir 88,.Die Wild- ende-, von Henrik Ibsen. Karten» 5,50 M. etnschliehlich Garderobe.— Da» künstlerische Marionettentbeaterde« BezirkSbildung«. auSschusse» Ipielt heute in der Schulaula, Delnmeifterstr. 18/17, nachm. von 3 bi« ö Uhr,.Der Prinz von Oranien- und.Die lustige Tragödie von Dr, Faust-, von 7— S Uhr abend».Da» Puppenspiel Dr, Faust-. Karten an der Kasse._ Wetter für morgen. Berlin und Ilmgegend. Zunächst fetwa» kübler. zeitweise heiter bei frischen westlichen Winden, nachher neue Erwärmung, Trübung und Regensäll«. Hroß-Serliner parteinachrichten. Morgen. Dienstag, 20. Dezember: 4.«dt.(fr. 18.) ry. Uhr bei LSIkchert. Nene Ariedrichstr. 10»,«izuiig der Partei- (unmonSre und vetrleb»v»rtra»rn»>eitt«. 7. Nrel», Charlottenduea. PllnNIi» 7 Uhr Kurfu« de» Gen. Hirsch tider: iiihruna 1» die Perfassung von Reich, Staat und Kommune/ «.».«.«dt. 7 Uhr Beihnachtsfeier. Sport. Vtadreuneu im Gportpalaft. Der für Sonntag angesetzt gewesene Zweilamps Lewanow— Lorenz erwie» sich al» eine ganz besondere Zugkraft: alle Plätze der Winterbahn waren dicht besetzt. Lewanow, der«peziaiist der kleinen Bahn, gewann den Kamps überlegen vor Lorenz. In einem SO-Kilomeler-Puiiktesahren behauplet« /ritz Hoffman» den Steg knapp vor Hahn. Ein Malfahren gewann dann Behrend in blendendem Stil vor Hiepel und in einem 50-Runden-EntIchSdigungesabren gelang e» Hensch vor Schulz und dem Schweizer Gras den Sieg davonzuiragen. Ergebnisse: Zweilamps Lewanow— Lorenz, 1. Lau) über ö Runden: 1. Lorenz, 2. Lewanow; 2. Laut über 8 Runden: 1. Lewanow, 2. Lorenz(1 Länge); 3. Laus über 10 Runden: 1. Lewanow, 2. Lorenz(10 Längen). Sieger: Lewanow vor Lorenz. 80- K t I o m e t« r- P u n k t e I a h r e«: 1. Hoff« mann mit 81 Punkten in 1 Etd. 30 Min. 2. Hahn 30, 8. Kop» 24, 4. Krupkat 11, 5, Stolz 10. 8, Pawke 10 Punkte. Malfahren, 10 Runden: 1. Behrendt 2 Mm, 521/. Set, 2. Hiepel. 3. Krahner, 4. Magnussen(Dänemark). SO- R u n d e n- E n t i ch ä d ig»» gt f a h re»i t Hensch, 8. Schul», B.»ras(Schweiz), t ttmnt Gewerksthastsbewegung Hegen Havelock Wilson. In Ui�.weipin taflte Ende November ein« InterXativnale �oriserenz drr S«tleut«-Organisat>on«n, die der Transportcirbeiierinienwtional« angehören. Vertreten waren Veljtien, England. Holland und Norwegen, während die Deutichen u>vg?n Pahschwierigkeiten nicht ericheinen konnten. Die Delegierten der verschiedenen Länder machten Angaben iiber die Verhiiilmisse in ihren Ländern. So sprach 3. Eh a pelle für Belgien, I. Bräutigam für Holland, B. Smith und I. Lewis für Grv�britannien. I. T o t t e r und O. N> l s e n nahmen nainens der britischen Delegation und des norwegischen vor- bandes entschieden Stellung gegen die International« Sesieuie- Föderation von Havelock Wilson. Di« Darlegungen sübrten zur Annahme folgender durch den Sekretär vorgeschlagenen Resolution: ..Die ain ZV. November und 1, Dezember zu Antwerpen abge» hc'.ten« International« Konserenz von Vertretern der der JTI. ange- ichlosseuen Seeleiileorgonisationen beschließt: die Bemühungen der „Bereinigten Seeleute-Union" sAmalgomated Marine Workers' Union), im Einvernehmen mit depi �Landesverband der Transport- orbeiter" lAarional Federation of Transport Workers) und der JTF. eine umsossend« Organisation für die Seeleute Großbritanniens ins Leben zu rufen, find mit allen Mitteln zu unterstützen. Die Honserenz hält es für unzulässig, daß eine' direkt oder indirekt der JTF. angeschlossen« Organisation noch fernerhin in Der- i-indur.g irgendwelcher Art, sei es mit der»Nationalen See- leute-� und Heizer-Union"(National Sallors' and Jiremen's Union)— fei es mit der»International Sea- sa r e r s' Federation" bleibt. Die Honicrenz ersucht den Generalrat der ITF., diesen Beschluß zur Kenntnis aller angeschlossenen Organisationen zu bringen." Es wurde beschloffen, die Seeleute der ganzen Welt über dl« Handlungen Havelock Wilsons und seiner Trabanten sowie der „demokratischen" Organisation, die sich»International Seafarers' Federation" nennt, zu unterrichten. Ferner wurde beschlossen, di« Kcnferenz am 10. Januar 1S2Z fortzusetzen. Als Zusammenkunfts- rrt wird Hamburg bestimmt, um die Teilnahm« der deutschen Delegierten sicherzustellen. An die orga»üfierte Arbeiterschaft Berlin» t Die Isolierer und Helfer Berlin« befinden sich seit dem S. Dezember im Streik. Da« letzte Angebot der Unternehmer wurde in der Versammlung vom 14. Dezember einstimmig abgelehnt und befchlchsen. im Streit weiter zn verharren. Wir billen die organisierte Ar&eiterschafr, darauf zu achten, daß nur mit ArbeittberechttgungSkarten versehene Iio« lierer die Arbeiten ausführen dürfen. Wir machen unsere K o l le g e n daraus»usmerlsam, daß auswärt« genügend Arbeit vorhanden ist und bitten sie. nach außerhalb Arbeit anzu« nehmen. Deutscher Vauarbeiterverband. Einigung im Tiefbaugewerbe. Eine Versammlung der im Tiesbaugewerbe beschäftigten Lv» beiter nahm am Sonntag Stellung zu dem Angebot der Arbeit- geber. To r n o w gab den Bericht, aus dem hervorging, daß die Vertreter der Arbeiterschaft über.die vom Tiesboukartell gestellte Forderung eines Lohnzuschlags mit dem Neichsverband der Arbeit- geber und mit dem Bezirkslohnamt««rhandelt haben. Der Reichs. verband des Tiesbaugewerbes exklärt« sich zwar bereit, einen Auf- schlag auf die bestehenden Löhne zu bewilligen, wollte diesen aber nur auf 2,715 Mark bemessen. Dieser Lorschlag wurde von der Berhandlungskommission abgelehnt. Do weitere Fugeständniss« beharrlich verweigert wurden, wandten die Vertreter der Kollegen- schast sich an das Dezirks'ohnamt Dieses fällte einen Spruch, nach dem auf d!« tariflichen Stundenlöhne, mit Wirkung ab 20 Oktober für olle über 18 Jahre alten Tiefbauarbeiter, Hilfsmonteure, Hilfs- fchlosier, ständig« Platzarbeiter, Maschinisten 2. und 8. Klaffe, sowie Schlofler Schmiede und Monteur«, Vorarbeiter, Einsteifer und Nohr« leger ein Zuschlag von 2,7S Mari, für Tiefbauarbeiter unter 18 Iahren und Frauen von 2,25 M. ersolgen soll. Ferner soll den Wächtern«in Zuschlag von 125 M. wöchentlich bewilligt werden. Ab 20. Januar 1922 soll ein weiterer Lohnzuschlag von 50 Pf. stündlich für all« beschäftigten Kategorien und ein Zuschlag von 25 M. wöchentlich für die Wächter gewährt»erden. Tornow erklärte hierzu, daß dieser Spruch den berechtigten Forderungen der Arbeiterschaft leider nicht genüge, doch Hab« das Lohnkartell unter- Berückfichtiaun« der gegenwärtigen Verhältnisse beschlossen, der Kollegenschast die Annahme zu empfehlen. Nach einer kurzen Aussprache wunde'der Spruch bei der Ab- stimmung gegen wenig« Stimmen angenommen. Die Internationale für Rntzlan». Au» den dem Internationalen Gew e rks chotftsbund zur Vor» fügung gestellten Betrögen wurden bisher u. a. angekauft: 1 000 000 Kilogramm Noggenmehl, , 250 000 Kilogramm amerikanisches Patrntmehl, 50 000 Kilogramm Zucker, 25 000 Kilogramm Kakao, 10 000 Kilogramm Margarine, 18 000 Kilogramm Suppenpröparaie, 150 Kisten Tee, 5 000 Männerröck«, 5 000 Frauenmäntel, 10 000 Paar Socken. M« bisher angekauften Gegenstände werden ungefähr um Weihnachten herum in einem vom Internationalen Gewerkt chairz- bund gemieteten Schiff von Hamburg aus nach Nußland bzw. Petersburg abgehen. Die Bewegung der Bemuken. Eine Mitgllederverfammlung des Ortsvereins Nowowes de» Elscnbahnerverbonde» nahm zu der be- kannten Ablehnung der letzten Beamtenforderungen Stellung uud beschloß eine Ncsolution, die den Haupworstand verpflichtet, nicht vor dem„Aeußersten" zurückzuschrecken, wenn« innerhalb sechs Tagen nicht zu einem Resultat mit der Regierung kommt. Eine Abstimmung in den Werkstätten ergab, daß von 1077 Personen nur 4 Proz. gegen diese Forderung waren.— Ein« von 7000 Personen besuchte Versammlung Hamburger Beamter beschloß, in den Streik einzutreten, falls ihre Forderung auf Auszahlung der Ionuargehälter vor Weihnachten nicht erfüllt werden würde. Jüc Annesiellle Im Kolenialivarev-Sleinhandel wurden für Monat De.zember folgend« Zuschläge vereinbart: 100 M. den Ange- stellten, die in Kost und Logis sind, 300 M. den Angestellten ohne Kost und Logis, ZOO M. den verheirateten. Der Tarifvertrag ist zum 81. Dezember gekündigt. Die Angestellten werden zu den neuen Forderungen am Mittwoch, 8 Uhr, in der Neuen Philharmonie, Köpsnlck-r Str. 08/97, Stellung nehmen. Sersittw. fflt den redaft. Seil: De. Beenee V-tzee, CbatlottenSma: RU An. »eigen: Th.«Sloife, Berlin. Bering Dorwärts-Berlog S. ei. 6. K.. Berlin. Btiufr Borwäris-V�chdruckere! u. Berlagsanftaft Paul Singer u. Ca.. Berlin. Stnbenftz. S. ■■■IIIMIIII IN M SN—— MWB— W— B———— i�P—■NP a-Y/eltißaclfls- Spielplaa Allg.Grtskrankefikasse SerliQ- Weißensee. Vckaniltmachnng Am MiiNosch, den Z» Dezember ISZI. alend» e Uhr, findet im Rciiau- rgnl.l�um Arrliner Berlin- Weibens», Antonpigz, eine»Z.Ä ordentliche AiiSllUilsiWllS fialt mit leigend« Tagesordnnn«: 1. Bericht des Doritande« durch den Vorn«, enden. 2 Wahl der Nafienrech- »ungepriiier tlAedett» geder, I Berficherte). 3. Beschlnfitafinng tider Ärndernnn»er«1 l» (Äbs. I. 2.5).«.cklster I), 43. 48 und J07 der Kassensazungen. 4. Beratung und Jrfi» sefiunl! des Houahglte- nläne-, fiir d. Kasseuang�egenhetten zum tiiniritt sind nur derechligt dir mit«inrr ttiniadung versehenen Äusschufimitgiieder. Der Sorftaai «raeue, Parll Heilder. Sonderangebots o. Gelegentieilsküuie in Restan Stores, Bettdeckeo Madras- and Küostlergardiaen Spez.-6ardinetwirtiWt ücoköllnjergstr.ß? «m Rf.n rtcj>«hi •sSBfSBB pahmt» "■■Loinbarfl-ilaiis-� ll.Ori«,Leipi.St.7Jll -■ Höchste B»l»lii»ne UUkr. Keellue_ Oaleirahaits-v t käute, Uhren p 9 Brillantes o Sclimacksicti-- Möbel ». niedrigsten Preisen direkt a n Private Aiesenauamahl. Schiast. 108,s-1»7Mj» Spcistjt.t710- 18Ö70» ftetreiij.1733 I784S» W-Hnz. d:�3»S«., Küchen 44ö-««„ Lirker. smnlo Lager. toiteni. l» sei Hr. Gnr Wdelii. 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Dresdener Sir. 45: Versammlung Bericht der Verhandlungskommission mit den Silberschmiede-Arbeltgebern und Mitteilung von der Zuwelier- und Gold- schmiede-Zwangslnnung. tu fit undedingt natwendlß. kat de NsSegimteA nnd RaBege* erscheinen. 103.39 VI» OrtavccwadtBag. billige stets vorritig am Lager Trauring- Fabrik Minoga Berlin O, Grüner Weg 69 Tetephon Aiex. 2430 Pillale 1 BERLIN S. Dresdeher Straße 31 «eMSWMMkN Speg.: UnfoeinMoif n.$lotl&a.1t!aaica«* Tiutsrinbledec, ftofferfaem, prijia.. 2*8 3*U Schi Saffian, ÄaffetfBtm, prima... 278» �larida-Rindlrdrr. braun, prima.. 1*8, Saifiau-Zlarbeu-Balleder........ HS„ Marida.Ballrder. braun........ 143» Rindleder-Attenmappe mit®ci|T... 152, Ealange Sarrat Auch Einzeleerlauk! Memkm-MlikV.Mel. Prtnzenstr. 8«. an drr Bitterstrafce. i' 781,1,0... L Tailrdle.Sl. Gar. Krenan Lauuc HO 0 an 18M.. Zahm. IN. Einspr. h »chmenld. L'marb. scblecbtslti. Geb. Kap. sof. 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