Nr. SSI �ZS.�ahrgakg Ausgabe S Nr. 2HS Bezugspreis: BicrteliShrl. 45.— M.. mona«.>5,— M. iret ins Snus. vsrous zahlbar. Post- bezug: Monatlich 12.— M.«mschl.j}u- Ilellnugs>zebllhr. Unter Kreuzband mr Deutschland. Dauzig. das Eaar- und Memeigebiet. sowie die ehemals deul» >chen Gebiete Polens, Oesterreich- Unzarn und Luxemburg 25,— M~ für das übrige Ausland 32,— M.- Poit- bcstcUungen nehtuen an Oesterreich, Ungarn. Tichecho- Slowakei. Däne- wart. Holland. Luremburg, Schweden und die Schweiz. Der„Borwiirts" mit der Sonntagsbeilage„Boll und steit". der Unterhaltungsbeilage„Heimweir" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten� erzcheinl wochentäglich zweimal.Sonn- tags und Montags einmal. Tel egramm- Adresse: �Sozialdemokrat verlin» Abend Ansgabe c SroS» vslkttn 2'T) P? auswart* 40 P?eRR(g üsy Verlinev Volksblsti AuzcigcnpreiS: Dir zehngespaitene Aonuarelllr-ei�e kostet 7,— M.„Steina Ttnzeigeu" das lettgedrnlkte Worl üli.(zu- lässig zwei iettxcdrurkte Asriri. ledee weitere 4. 55 M. Siellengeftiche und Schlafstellouanzeigen das erste Wort L50 M., jedes weilcre Wort l.— M. Worte ss&i c 15 Bnchsladen zahlen{fit zwei Worte. FamUien-A»- zeigen sfir Abonnenten Zeile 4.—?!. Die Preise verstehen sich einschliesili.fi Tcnentngs.'.uschlag. Anzeigen ssir bn nächite Zluwwer müssen dt««>/r Uhr nachlnittags im Hauptgeschält. Berlin EW kB, Linden- strasie 5, abftcgcbon»erden. Gedflme von S Uhr irfih bi« 5 Uhr abends. �entralorgan äer CoLialcUinoKratffcben Partei Deutfchlands Neüaktion und Expedition: CW öS» Lindenstr. Z Redaktion Morisiplal, ISlUS— S7 ,beriilurra,rr. Moridvlan I>7äa-S4 Mittwoch, den Ä1. Dezember ISÄI Vonvärts-Veelag G.m.b.H., EW öS, Lindenstr. 3 Sr�rittUrrrficr• Verlag,«xvedition und ynseratc,,." Aiarihylan ll7ü»-.'.t Europäische Konferenz im Januar! London, Zl. Dezember.(WTL.) Ueber die gestrige Konferenz verlaulel: Lloyd George habe für Anfang I a n u a r eine Aünfmächtelonferenz vorgeschlagen. zu der auch die Vertreter Ruhlands und Deutschlands eingeladen werden sollen. Varis, 21. Dezember.(WTB.) Der Londoner Sonderbericht- erstotter der Agence chavas meldet zu dem englischen Plane, eine Konserenz der alliierten Staaten einzuberufen, daß man gerne den Kreis dieser Zusammenkunft erweitert sehen würde, indem zu diesem Kongreß außer den alliierten Staaten und der Kleinen Entente die früher feindlichen Staaten Deutschland, Oesterreich. Ungarn usw. sowie Rußland und die europäischen neutra- len Staaten eingeladen würden. Eine grundsätzliche Zustim- mung Briands zu diesem Borschlage Lloyd Georges scheine nicht in weiter Ferne zu sein. Sie würde übrigens nur unter gewissen Vorbehalten erfolgen. So beabsichtige Briand, auf den finanziellen Verpflichtungen Deutschlands zu bestehen. Damit eine derartige Konferenz Aussicht auf Gelingen habe, sei es vom Standpunkt des sranzöstschen Ministerpräsidenten aus erforderlich, daß ein eng- lisch-französisches Abkommen in irgendeiner Form die Grundlage dazu bilde. Diese Zusammenarbeit vorzubereiten, sei Sache der beiden Ministerprästdenten, die sich bemühen würden, zu gemeinsamen Gesichtspunkten zu gelangen oder über die auf dieser eventuellen internationalen Konferenz zu behandelnden Fragen wenigstens eine möglichst enge Berständigung zu erzielen. Varis, 21. Dezember.(WTB.) Briand erklärte dem Sonders berichtcrstatler des„Matin", die.Meldung, Lloyd Gcyrge habe eine Entente zu Dreien mit Deuifchland aks Partner vorgeschlagen, si reine Ersinduug. Demgigenübrr hält der Sonderbericht- crstalter des„Echo de Paris" die Nachricht' ausrecht, daß Lloyd Georg« einen derartigen Dorschlag unterbreiten wolle. Die Sesprechungen Horne-Löucheur. ' London. 21. Dezember.(WTB.) Zu den Besprechungen zwischen Loucheur und Robert chorne erfährt der Londoner Berichterstatter des„Petit Parisien", daß die Besprechungen um tzli Uhr begannen und um 6!-� Uhr beendet wurden. Man erörterte das französische Memorandum wegen der deutschen Zahlungen und die französischen Borschläge wegen der deutschen Garantien, namentlich das künftige Statut der deutschen Reichsbant, dos dieser gegeben werden soll, wurde eingehend besprochen. Engländer wie Franzosen glauben, daß die Reichsbank von der Oberherrschaft des Reiches befreit werden müsse, damit der Notenumlauf eingeschränkt werde. Man wendet aber auch ein, daß die Unabhängigkeit der Reichsbonk gleichzeitig die Pfänder vermindern würde, die die Alliierten besitzen und die in den Goldreserven der Reichsbonk bestehen. Deshalb mülfe man diesen Plan im Interesse der Gläubiger Deutschlands selbst erst eingehend erörtern. Man glaubt, daß für die Reichsbank dasselbe Statut ausgearbeitet werden »wird, wie es die Bank von England besitzt. Es wurde die Möglichkeit ins Auge gefaßt, Deutschland eine internationale Anleihe zu gewähren, welche in den nächsten zwei bis drei Iahren die Reparationszahlungen decken sollte.' Hierüber ist aller» dings ein Einvernehmen noch nicht zustande gekommen. Die Be. fprechungen zwischen den Sachverständigen werden heute vormittag um 1l) Uhr fortgesetzt werden. Wenn es«or 11 Uhr zu einem Einvernehmen zwischen ihnen kommen sollt», so werden ihre Bor- schlüge den beiden Ministerpräsidenten vorgelegt werden. Paris, 20. Dezemebr. Der Sonderberichterstatter der Lge.'.ce Horas meldet aus London: Loucheur hat einen Plan ausgearbeitet, der dazu bestimmt ist, den Deutschland am 10. Mai 1921 bekanntgegebenen Zahlungsplan zu ergänzen. Unter den von der franzö- fischen Regierung geforderten Bürgschaften befindet sich die Auf- stellung einer vollständigen und aufrichtigen Statistik der Aus- �«uhrundder Einfuhr seitens'der deutschen Regierung. Ueber diesen besonderen Punkt hat unter den Sachverständigen eine ein- gehende Aussprache stattgefunden, und es ist folgende Borfrogc aufgeworfen worden: Ist Deutschland tatsächlich imstande, die Zahlung zu leisten, zu der es sich für den IS. Januar nächsten Jahres verpflichtet hat? Die französischen Sachverständigen haben sich bemüht, an der Hand von Dokumenten ihren englifchen Kollegen zu beweisen, daß die Antwort nur bejahend lauten kann. An- scheinend haben sie sie bereits-überzeugt. Wenn dies erreicht ist, so würde nichts mehr im Wege stehe», heißt es in der Meldung des Sonderberichterstatters weiter, daß Mahnahmen ausgearbeitet werden, um Deutschlandzu zwin- gen, seinen nächsten Zahlungsverpflichwngen nachzukommen. Vis französische Note. London, 20. Dezember.(WTB.) Laut„Manchester Guardian" umlautet von französischer Seite, daß die dem britischen Schatzamt gestern unterbreitet« französische Note im wesenllichen bedeute, daß Frankreich bereit sei, einem t e i l w e i s e n bzw. voll- ständigen Morotori'um für die deutschen Zahlungen zuzu- stimmen, jedoch unter Bedingungen. Die Not« erinnert daran, daß. als im vergangenen Mai der alliierte Reparationsplan auf- gestellt worden sei. ein Sarantielomstee geschaffen wurde. Man habe diesem Komitee jedoch keinerlei Kontrolle über die innere Berwaltung Deutschlands gestattet. Darauf sei der Mißerfolg sowie die Nichterfüllung der deutschen Reparations- Verpflichtungen zurückzuführen. Wenn der deutsche Reichskanzler dies Garantiekommission hinter sich gehabt hätte, so würde er stark genug gewesen sein, finanzielle Reformen einzuführen, die Deutschland in die Lage versetzt hätten, zu zahlen. Die französisch« Note er- kläre weiter, es müßten Garantien dafür geschaffen werden, daß Deutschland durch eine Finanzreform in den Stand gesetzt werde, in dem auf den Zeitpunkt des Moratoriums folgenden Jahre seine Reparationen zu zahlen. Die genaue Art der von Frankreich geforderten Garantien sei' noch nicht festzustcllen, von französischer Seite würde jedoch eingenommen, daß die vorgeschlagenen Garantien umfassen: die Kontrolle über die deutschen Zölle und die Forderung, daß die Reichsbank von der deutschen Staatskontrolle ! befreit werde, mit anderen Worten, daß si« dieselbe Unabhängig» keit erhalte, wie sie die Bank von England oder die Bank von Frankreich besitze und nicht auf Geheiß der deutschen Regierung eine unbeschränkte Menge von Papiergeld auszugeben brauche. Berhandlungsschtvierigkeiten. London, 20. Dezember.(WTB.) Der politische DerichlerslaUer der„E o e n i n g R e w s" will wissen, daß die Erörterungen zwischen Lloyd George und Briand verwickelter werden, als wen erwartet hatte. Man habe bei der ersten Unterredung zwefchen den beiden Premierministern entdeckt, daß die beiden Länder sichweitervon- einander entfernt hätten, als man anfangs geglaubt habe. Der politische Berichterstatter des„Star" schreibt, die franzö- fischen und die bririschen Ansich:en über die Methode der Bezahlung der deutschen Reparationen gingen so weit auseinander, daß es eine schwierige und heikle Dache sei. den Schleier zu lüften und die Art der Erörterungen zu enthüllen. Paris, 21. Dezember.(EE.) Der gestrige Tag der Londoner Besprechungen verlief ergebnislos, was schon darin seinen Ausdruck findet, daß Briand und Lloyd George am Nachmittag keine Zu- sammenkunft hatten. Ueber die Borgänge des Tages liegt ein on° schaulicher Bericht des„Echo de Paris" vor. Es heißt da: Bezüglich der Kompensationen wurde gestern erörtert, was man von Deutsch- land im Jahre 1922 zu erwarten habe und wie dies aufgeteilt wer- den könnte. Irgendwelche Fortschritte in der Beratung des Reparationsproblems wurden nicht erzielt. Die großen Projekte, die Lloyd George noch vor 14 Tagen Loucheur ent- wickelt hatte, scheinen sich ein wenig verflüchtigt zu haben. Damals glaubte Lloyd George noch an die Möglichkeit, Amerika zum Eintritt in seine Kombination bewegen zu können, inzwischen änderte er jedoch seine Ansicht. Er verzichtete vor allem auf die Rege- l u n g der Frage der interalliierten Schulden, weil, wenn Amerika nicht ebenfalls einen Schuldennochlaß bewilligte, England in eine schlechte Lage käme. Bezüglich der Besprechungen zwischen Lloyd George und Briand am Dormittag teilt das genannt« Blatt mit, daß Lloyd George zwei bestimmle Dorschläge machte: Frank- reich? Sicherheit durch ein englisch-deutsch-französisches Einvernehmen zu garantieren und eine internationale Konfe- renz einzuberufen, an der auch Deutschland, Oesterreich und Rußland teilnehmen würden. Die Absicht, ein englisch-deutsch-französisches Abkommen zu treffen, stößt natürlich auf den Widerspruch Frank- reich?, während es sich für die Beschickung einer internationalen Konferenz aussprechen würde. Das„Echo de Paris" befürchtet, daß sich das'Spiel von Spa wiederholen könnte, das Frankreich gelehrt habe, daß man England nicht aus starke Formeln festlegen könne. Die Zorüerungen öer Seamten. Die Beratungen der gewerkschaftlichen Spitzenorgani- sationen über neue Verhandlungsmöglichkeiten mit der Re- gierung ergaben im wesentlichen die Annahme der Vor- schlage des Deutschen Beamtenbundes: Festhalten an der Erhöhung der Grundgehälter. Heute vorttiittag begaben sich die Vertreter der gewerkschaftlichen Spitzcnorganisationen zum Reichsfinanzminister, um der Regierung nochmal die Forderungen zu unterbreiten und Verhandlungen zu er- reichen. Neue Erschwerungen. Der Beamtenausschuß de« Reichstags beauftragte gestern seinen Borsitzenden mit dem Finanzminister Rücksprache zu nehmen, ob nicht auch die Vorauszahlung der Gehälter auf die One in den Ortsklassen C, D und E ausgedehnt werden könnte. . Heute morgen nach Eröffnung der Sitzung berichtete der Bor- sitzende über seine Unterredung mit dem Herrn Finanzminister. Er teilte mit, daß der Finanzminister erklärt habe, daß die Reichs- regierung und er es bedauere, daß die Vorauszahlung des Gehaltes nicht auch auf die Ortsklassen C, D und E ausgedehnt werden konnte. Der Finanzminister hoffe aber im Januar eine Neuregelung der Bcsoldungsordnung vornehmen zu können, die die Wünsche der Beamten befriedigen würde. Er würde � sich dieserhalb frühzeitig genug mit dem Reichstag sausschuß in Der», bindung setzen.' Demokratie als Diktatur. An dieser Stelle(Rr. 597 vom 18. Dezember) wurde bereits die jüngst von Paul Levi herausgegebene Schrift Rosa Luxemburgs besprochen. Aus den von uns wiedergegeben en Zitaten ging deutlich hervor, daß Rosa Luxemburg unter Dil- tawr des Proletariats nichts weiter verstanden wissen wollte, als eine energische Anwendung der Demokratie zur Erringung des Sozialismus. Wenn Rosa Luxemburg schreibt: „Die Diktatur besteht in der A r t d e r V e r w e n d u n g d e r Demokratie, nicht in ihrer Ab s ch a f f n n g", wenn andererseits das in Görlitz deschiofiene Pr o g r a m m d c r Sozialdemokratie sagt:„Die Sozialdemokratische Partei kämpft um die Herrschaft des im freien Volksstaat organisierten V o l k s w i l l e n s über die Wirtschaft", so kann zwischen diesen Auffassungen ein prinzipieller tbeo- retischer Unterschied beim besten Willen nicht gesunden werden. Gewiß gibt es hipr graduelle Unterschiede der Taktik und des Temperaments. Aber da auch Rosa Luxentburg ausdrück- lich die Diktatur einer Minderheit, die sich durch Handstreich in den Besitz der Staatsgewalt setzt, für ein untaugliches Mittel erklärt, um die geistige Reife des Volkes zu schassen. die Voraussetzung des Sozialismus ist, so kann man nur immer wieder mit Erstaunen fragen: W a r u m w a r n u n e i g e n t- lich alles? Was sollten der I a n u a r p u t s ch von 1919, was der Märzputsch von 1921, was die dazwischenliegen- den Aktionen, die alle von o e r s ch w i n d e n d e n M i n d e r- Heiken nicht nur des Volkes, sondern gerade auch des Prole- tariots ausgingen? Was sollte die furchtbare Zerklns- tu n g des Proletariats nack der Revolution, was die Auf- vutschung eines Teiles der Arbeiterschan gegen die Deinr- iratie, was das ständige Bemühen der radikalen Linken, den Arbeitern die Demokratie zu verekeln, wodurch allein bisher die Auenutzung der Demokratie zur Erringung des Sozialismus oerhindert worden ist?! Wenn nach dem 9. November das deutsche Proletariat sich geschlossen und einträchtig bemüht hätte, die gewonnene demokratische Freiheit in wirtschaftliche Freiheit umzusetzen, dann wären wir heute unendlich viel weiter, dann»hätte die Demokratie statt bürgerlicher Mehrheiten sozialistische Mehrheiten geliefert, die Voraussetzung für die Durch- führung des Sozialismus sind. Dies wird vielleicht noch klarer, wenn wir auf die Ge- dankengänge Rosa Luxemburgs näher eingehen. Ihr Aus- gangspunkt ist die Lerjagung der russischen, aus dem gleichest Wahlrecht hervorgegangenen Konstiluante durch die Bolsche- wisten. Lenin Hot diese Maßregel damit verteidigt, daß bei den Wahlen zur russischen Konstituante die inzwischen eingetretene Machtergreifung durch die Bolschewisten den Wählern des Riesenreiches noch nicht zum Bewußtsein gekommen war. Rosa Luxemburg gibt dies zu, aber sie fährt fort: Daraus ergibt sich von selbst der Schluß, daß sie(die Bolsche- wisten) eben die verjährte, also totgeborene konstituierende Ber- sammlung, kassierten und ungesäumt Neuwahlen zu einer neuen Konstituante ausschrieben! Sehr energisch widerspricht dann Rosa Luxemburg der These Trotzkis, daß demokratische Wahlkörper nur die pclli- tische Reife der Wählerschaft in dem Moment widerspiegeln, in dem sie gerade zur Wahlurne schritt, daß dann aber der lebendige geistige Zusammenhang zwischen den ein.- mal Gewählten und der Wählerschaft aushöre. Sie bemerkt: Wie sehr widerspricht dem alle geschichtliche Er- s a h r u n gl Diese zeigt uns Umgekehrt, daß de« lebendige Fluidnm der Bolksstimmung beständig die Bertretungskörperschasten u m- spült, in sie eindringt, sie lenkt. Rosa Luxemburg sühn als Beleg hierfür eine Anzahl historischer Beispiele an, das„lange Parlament" in England, die Generalstaaten Frankreichs, selbst die letzte russische Duma, um dann fortzufahren: Das alles zeigt, daß„der schwerfäUige Mechanismus der demo- kratischen Institutionen" einen kräftigen Korrektor hat— eben in der lebendigen Bewegung der Masse, in ihrem unausgesetzten Druck, llvid je d e m o k r ci t i s ch e r die Institution, je lebendiger und kräftiger der Pulsschlag des politischen Lebens der Masse ist, um so unmittelbarer und genauer ist die Wirkung— trotz starrer Parteischilder, veralteter Wahllisten usw. Gewiß, jede demokratische Institution hat ihre Schranken und Mängel, was sie wohl mit sämtlichen menschlichen Institutionen teilt. Nur ist dag Heilmittel, das Trohki und Lenin gefunden: die Beseitigvng der Demokratie überhaupt, noch schlimmer als das Uebel, dem es steuern soll: es verschüttet nämlich den lebendigen Quell selbst, aus dem heraus alle angeborenen Unzulänglichkeiten der sozialen Institutionen allein korrigiert werden können: das aktive, ungehemmte, energische politische Leben der breite st en Volksmassen. Aus diesen Gedankengängen gelangt Rosa Luxemburg zu einer gänzlichen Verwerfung des von den Bolschewisten ein- geführten Wahlrechts, das die Bourgeoisie ausschließt: Hingegen ein Wahlrecht, das eine allgemeine Entrech- tung ganz breiter Schichten der Gesellschaft ausspricht, das sie politisch außerhalb de» Rahmens der Gesellschaft stellt, währeuh « für sie nnrkschaflllch mnerhalb Ihres Rahmen» sewfi einen platz ?n schaffen imstande ist.«ine Entrechtung nicht als konkrete Maß. nähme zu einem konkreten Zweck, sondern als allgemeine Regel von dauernder Wirkung, das ist nicht eine Not- wendigkeit der Diktatur, sondern eine lebensunfähige Im. p r o v i s a t i o n. Für falsch erklärt die Verfasserin auch die These Lenins, datz die Diktatur des Proletariats eine einfache U m k e h- r u n g der Unterdrückung des Proletariats durch die Bour- gcoisie in eine Unterdrückung der Bourgeoisie durch das Prole- tariat sei. Lenin übersieht, daß die bürgerliche Klassenherr- ichaft keine politische Schulung und Erziehung der ganzen Volksmasse braucht, ohne die die Herr- schaft des Proletariats nicht zu existieren vermag. Aber Trotzki und Lenin haben»durch Erdrückung des öffentlichen Lebens die Quelle der politischen Erfahrung und das Steigen der Entwicklung verstopft"..Politische Schulung der Massen," so fährt Rosa Luxemburg fort,„ist ohne p o l i- tische Freiheit nicht möglich." Aber: Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei— mögen sie noch so zahlreich sein— ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit des anders Denkenden. Nicht wegen des Fanatismus der„Gerechtigkeit", sondern weil all das Belehrende, Heilsame und Reinigende der poli- tischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die„Freiheit" zum Privilegium wird. � Ebenso richtig erkennt Rosa Luxemburg, daß man durch Dekrete und Gewaltmaßnahmen nur die Hindernisse des So- zialismus beseitigen, aber nicht den Sozialismus aufbauen kann: Das Negative, den Abbau, kann man dekretieren, den Ausbau, das Posikioe, nicht. � Auch die Versicherung, daß die Demokratie wieder ein- geführt werden solle, wenn erst der Sozialismus restlos ver- wirklicht sei(in Rußland sieht man noch heute nichts davon), vermag Rosa Luxemburg nicht zu befriedigen. Sie schreibt: Sozialistische Demokratie beginnt nicht erst im gelob- ten Lande, wenn der Unterbau der sozialistischen Wirtschaft ge- schaffen ist, als fertiges Weihnachtsgeschenk für das brave Bolk, das inzwischen treu die Handvoll sozialistischer Dikta» wren unterstützt hat. Soziallstische Demokratie beginnt zugleich mit dem Abbau der Klassenherrschaft und dem Aufbau des Ssziallsmus. Tie beginnt mit dem Moment der Machteroberung durch die sozio- listische Partei. Sie ist nichts anderes als Diktatur des Proletariats. Damit zerstört Rosa Luxemburg auch die Brücke, die sich gewisse Linksradikale des unabhängigen Logers. wie etwa Crispien, zwischen Demokratie und Diktatur gebaut haben. Das Leipziger Programm der USP. faßt bekanntlich die Diktatur als Uebergangsstadium auf, das später durch die Demokratie ersetzt werden soll. Än den Sätzen Rosa Luxemburgs findet sich klar ausgesprochen, daß dieses Pro- gramm auf falscher Denkweise beruht. Tatsächlich ist das ganze Diktaturprogramm der USP. weniger aus innerer Ueberzeugung als aus agitatorischen Gründen.' aus Furcht vor der kommunistischen Konkurrenz entstanden. Hatte auch Ledebour auf dem Gothaer Parteitag von 1917 ausge- sprachen:„Wir sind Demokraten. Wir suchen die Demokratie in Staat und Gesellschaft herbei- - zuführen.... Wenn wir aus irgend einem Grunde den Parlamentarismus heute � abschaffen, morgen müssen wrr ihn wieder einführen." 7 Die USP. steht vor einem neuen Leipziger Parteitag. Bon dep Eberlein-Kommunisten erwarten wir keine innere Bekehmng. Aber die Unabhängigen sollten sich gestehen, daß sie unter der Revolutionspsychose zeitweilig falsche Lahnen eingeschlagen haben, die noch wenig« Monate vor der Re- oolution im Zustand nüchternen Denkens selbst von so radi- talen Politikern wie Rosa Luxemburg und Georg Ledebour auf das entschiedenste verworfen worden sind. Verbot der„Llppischen candeszeiluag". Die„Lippiiche Lar.ses- zeitung" wurde vom belgischen Kommandeur in Düsieldorf auf drei Monat« verboten. Einigung unö USP. . In der..Freiheit" werden heute die Anträge veröffentlicht, die von den Organisationen der USP. zu ihrem Leipziger Part e i- tag gestellt werden. Nicht weniger als 14 dieser Antröge be- schäftigen sich mit der K o a l i t i o n s p o l i t i k und stellen in mehr oder minder schroffer Form die bekannte Abneigung der Unab- hängigen gegen eine positive Arbeit innerhalb einer Koalitions- regierung»och einmal fest. Andere Anträge beschäftigen sich mit der Frage der pro- letarischen Einigung. So beantragt z. B. der Bezirks- verband B e r l i n- B r a n d e n b ur g:. Der Parteitag erkennt die Idealen Beweggründe an, die in den Bestrebungen liegen, die politischen Parteien des Proletariats zu einigen. Auch die vroktische Bs- deutung einer geeinigten proletarischen Partei ist außerordentlich groß, da den Gegnern der Arbeiterinteresien die geschlossene Front der klassenbewußten Arbeiterschaft gegenübertreten kann. Um aber Erfolg« in einem solchen Kampf zu erzielen, bleibt die äußere Form der Einheit wirkungslos, wenn über die Grundsätze und Taktik innere Gegensätze vorhanden sind. Ja, es steht zu befürchten, daß eine In bester Absicht voreilig zu« sammengeeinigte Partei dadurch vollkommen oktions- los wird, daß die inneren Gegensätze bei jeder neuen politischen Frage in Erscheinung treten und zu heftigen inneren Kämpfen führen. Bevor daher zwischen den zurzeit bestehenden drei sozialistischen Parteien eine Einigung herbeigeführt werden darf, muß ein klares Bekenntnis ihrer Anhänger vorliegen, daß ste sich nur als Vertretung der arbeitenden Bevölkerung ansehen, deren Interessen den Interessen der bürger- lichen Schichten gegenüberstehen. Zwischen diesen Interessen kann es kein Ueberbrücken und kein Ausweichen geben, deshalb muß die Porte», die zur Einheit mit der USP. als reif angesehen werden will, erklären, daß für sie eine Koalition mit den Vertretern der bürgerlichen Schichten ausgeschlossen ist. Ebenso muß die Einigung die Boraus- setzung haben, daß die höchste Gewalt der Partei in den Händen der Mitglieder selbst liegt. Nur durch tätiges Mitraten und Mit- taten jedes einzelnen Mitgliedes, nur durch die Unantostbarkeit des Rechtes der Selbstbestimmung kann eine proletarische Partei die gesunden Voraussetzungen für flegreiche Kamps« entfalten. Dieser Antrag richtet sich, wie klar zu ersehen, lediglich gegen die Sozialdemokratisch« Partei. Sie soll das Bekenntnis ablegen, daß ste keine Koalitionspolitik mehr treiben wolle, selbstverständlich ganz ohne Rücksicht darauf, ob damit die Staatsgewalt vollkommen den reaktionären Parteien ausgeliefert würde oder nicht. Den Kommunisten eine entgegengesetzte Bsdingung zu stellen, etwa nach der Richtung, daß ste auf putschistische Unter- nehmen verzichten und sich auf den Boden der demokrctischen Re- publik stellen sollten, haben die Antragsteller wohlweislich unter- lassen. Die Kieler Unabhängigen machen die Sache viel kürzer und schmerzloser. Sie beantragen, daß alle Einigungsbestre- düngen, die sich nicht auf der Grundlage des Leipziger Aktionsprogramms bewegen, strikte abzulehnen seien. Die Zentral« wird verpslichtet, bei dem Einsetzen derartiger Bestrebungen sofort durch Wort und Schrift klare Richt- l i n i e n.herauszugeben, damit evtl. Verwirrungen vermieden werden. Die E l b i n g e r Organisation erwartet dagegen, daß das Zentralkomitee auch in Zukunft die Bereinigung aller sozialistischen Parteien zu einer Partei fördert. Ver- einigungen mit einer oder der anderen Richtung dürfen nur auf prinzipieller Grundlage,.nicht auf taktischen Cr» w ö a u n g« n,«folgen. Es Ist dabei gleichgültig, ob es sich um Rechcssozialisten oder Kommunisten handelt. Die!« Wahrung der Selbständigkeit der USP. soll natürlich nicht ausschließen, zü beide» Richtungen ein kameradschaftliches Verhältnis anzu» bahnen und Meinungsverschiedenheiten in sachlicher Form aus- zutragen. Eine Koalitionspolitik mit bürgerlichen Parteien lehnen auch die Elbinger ab. Dagegen fordern die Jnsterburger vom Parteitag, daß er sich mehr denn je mit der Frage der Eini» gung befasse, um dem langersehnten Ziele der Arbeiter. massen gerecht zu werden. Nach'dem Inhalt der Anträge zu urteilen, wird die Sozial- demokratifche Partei einstweilen wahrscheinlich nicht all„reif" er» achtet werden, einer Einigung mit den Unabhängigen würdig zu /lrbeiterparteien unö Sängerbunö. Wenn Irgendwo in der Arbeiterschaft ein« festlich« Veranstaltung geplant� wird, so erhebt ssch die Frage nach einer stimmungsvollen und würdigen Umrahmung der eigentlichen Feier. Dann erinnert man sich an die groß«, au» der Arbeiterbewegung hervorgegangene Musikabteilung, die au» eigenen Kräften vorwärtistrebend sich be- müht, zur Hebung der Kultur des Proletariats beizutragen. Dies ist der ollen Lesern bekannte„Deutsch« Arbeiter-Sänger- bund", dessen Entstehen aus» engste mit den seelischen und mote- riellcn Nöten der jungen Parteibewegung zusammenhing. Die ersten Arbeitergesangvereine waren ausgesprochen politische Vereine, die d-i« niedergedrückte Mass« der Klassengenossen seelisch erheben, mit neuer Kraft«rsüllen wollten. In der Zeil des Sozia- listengesetzes litten auch dies« tapferen Verfechter ihrer Weltanschau- ung, aber auch sse überstanden es, die Bewegung erstarkte, das künst- krisch geistig« Niveau und die Zahl der Mitglieder stieg. 1894 zählt« man fast 20 000 Mitglieder, 1904 über 60 000, 1914 über 100 000. Nach dem Rückschlag durch den Krieg und durch die Revo- lution zählen wir heute über 200 000 ssngend« Arbeiter. Hier wird aufs ernsteste unter Opsern persönlicher Art gearbeitet. Das T e n d e n z l i« d, da« die Massen entflammen soll, und das Volkslied werden gepflegt. Große«Igen« Konzerte unserer be- beutenden Chöre mit und ohne Orchester, sowie Mitwirkung bei allen Festen der Arbeiterschaft haben oft genug die Leistungsfähigkeit unserer Arbeitergesangverein« gezeigt. Mag man im einzelnen auch zugeben, daß viele, reformbedürftig ist, z. B. unser« Tendenzlieder. die olles andere als revolutionäre Musik sind, so muß man sich doch bewußt sein, wesch« Rolle im Gefühlsleben unserer Bewegung der Eh arge sang spielt. Man streiche aus unseren festlichen Dcran- staltungen, die der Erhebung der Arbeiters chast gelten, unsere Chormusik weg, wk dürftig, wie nüchtern sehen dann dies« Pro- gramme aus! Erkennen die Arbeiterpartekn die Bedeutung dieser Leistung? Immer wieder beklagen sich die innerhalb der Sanqesbewegung Tätigen über die Interesselosigkeit, über das mangelnde Eingehen auf ihre Wünsche seitens führender Persönlichkeiten in der Arbeiter- bewegung und in deren Presse. Und auf der anderen Seite klagt man über die großen Ansprüche, die der Arbeikrsängerbund stelle. Wenn man auch ohne weiteres zugeben kann, daß häufig die Leistung nicht im Verhältnis zu'dem anspruchsvollen Austreten mancher von sich durchdrungenen Vertreter de, Arbeitergesanges steht, so muß man anerkennen, daß die idealen Wert« dieser Be- Weitung zu gering geschätzt werden. Wie«in Lohnkamps sich in zahlenmäßigem Gewinn ausdrückt, ist iedem klar. Wie aber eine seelisch« Erheburm die inner« Leistungesäbigkeit fördert, das ist nicht wägbar und nicht meßbar. Und ist doch so wickstig, wie all« das Seelenleben steigernden Werte. Es ist nötig, daß unser« Partei- sunktionär« sich erinnern, daß der Mensch nicht nur eine Moschine ist. die. mit einem««wissen Mindestmaß von Drennstoff geheizt, das Höchstmaß von Arbeit produzieren soll. Nein, in seiner Seele Grund schlummern Kräfte, die alle sein« Leistungen in die Höhe treiben können. Ein« der wichtigsten Ist die Musik, der Gesang. Einstmals war Volksmusik»estandkil der Kultur unsere« Volke»! heut« sehen breit« Massen darin nur«In Plästervergnügm. Wer dos Volk zur Kultur führen will, muß sich bewußt fein, wie not es tut. die höheren Triebe zu fördern. Darum müssen die Arbeiterparteien der Volksmusik mehr Aufmerksamkeit widmen. Unterstützt den Arbeitersängerbund, Ihr Angehörigen aller Arbeiter. Parteien!_ 59 Zahre genossenschaftlichen ZeUuugsdiensic». Am 17. De» zember feierte dos bedeutendste kosumgenossenschaflliche Blatt der Welt, das Organ der englischen Genossenschasten„Co.operative News" das Fest des SOjährigen Bestehens. Ein halbes Jahrhundert war es das getreue Spiegelbild der gewaltigen Entwicklung der britischzn Genossenschaslsbewegnng. In seinen Spalten wurden gründlich und offenherzig all« genossenschaftlichen Pläne und Pro- blem« erörtert, wurde der Kampf gegen die natürlichen Feind« und gegen verständnislose Gesetzgeber geführt, wurde über all« wichtigen Vorgänge im in» und ausländischen Genossen'chaftsleben berichtet, wurde vor allem ein umfassende, zielbewußt« Aufklärungsarbeit über genossenschaftliches Wollen und Wirken getrieben. Theodor Storms Frauenideal. Ein Fachblatt für Handschriften- sammlungen erscheint jetzt in Berlin unter dem Titel„Die Auto» graphen-Rundschuu". Es veröffentlicht in seinem letzten Hefte aus der Sammlung von Ocrthel ein paar Briefe Theodor Storms, die er an Hermine von Preuschen als junges Mädchen gerichtet hat. Sie sind, wie es sich einer so exzentrischen jungen Dome gegen- über gehört, etwas philiströs begütigend. 1873 schreibt ihr Storm, als sie von ihm ihre künstlerischen Versuche begutachtet haben will: „Ich sehe als guter Deuycher die wirtschaftliche Tüchtigkeit, und zwar im hausbackensten Sinne, als das Fundament der weiblichen Bil- dung an:«eist- und tunstreich darf mir eine Frau nur sein, wenn mir, sowie ich ihre Schwelle betrete, überall der Geist der Ordnung und der Sauberkeit entgegenatmet. Glauben Sie mir. mein« junge Freundin, wer durch die gewissenhafte Erfüllung der kleinen, trecke- nen und hausbackenen Pflichten die Poesie des Lebens einbüßt, der hat niemals etwas der Rede wertes davon besessen. Sie sprechen in Ihrem Briefe über das, was Sie etwa vom Leben verlangen können. Verlangen Sie recht viel, aber vergessen Sie dabei nicht, daß dos, was wir in dieser Hinsicht das Leben nennen, zum allergrößten Teile wir selber sind." Als Storm zum Geburtstage von ihr Blumen bekommt, antwortet er 1880: „Die Tage sind gezählt-, vorüber bald Ist alles, was das Leben eii.st versüßt; Was will ich mehr, als daß vorm Schlafengehen Die Jugend mich mit frischen Rosen grüßt." Amerikas Veitrag zur Förderung„humaner" Sriegführang. Ueber Edgewood, die eine halbe Stunde von Baltimore ge» legene amerikanische Fabrik giftiger Gase, die wahrschein- lich die größte ihrer Art auf der Welt ist. berichtet ein englisches Blatt Näheres. Es ist dort eine kleine Armee untergebracht, die ausschließ. lich für den„chemischen Krieg" bestimmt ist und aus 100 Chemi- kern, 101 Offizieren, 2000 Soldaten und 1200 Zivilpersonen besteht. Es wird in Edgewood erstickende« Gas, oerbrennendes, erbrechenerregendes und tränenerzeugende« Gas hergestellt. Das wirksamste ist jedoch da» Lewisit,«in ver» sein. Infolgedessen wird wahrscheinlich noch einig« Zeit verstreiche« müssen, bis sich in den Reihen der Unabhängigen noch mehr als bisher die Erkenntnis durchsetzt, daß es so wie bisher mit dieser Park! nicht weitergehen kann, daß sie vielmehr«in« klare Entscheidung treffe« muß, sei es nach der Richtung der Kommu- nisten, sei es nach der alten sozialdemokratischen Methode des poli- tischen Kampfes. Noch ein Ankläger! Aus den Mauern des Zuchthauses erhebt sich nach Kurt Franke' eine weitere anklagende Stimme gegen Hugo Eber- lein. Um die Wirkung der Beröffenllichung des Zetkin-Materials abzuschwächen, hatte Eberlein bekanntlich die Behauptung aufgestellt, daß der Siegessäulen-Attentäter Hering(F e r r y) ein Polizeispitzel und heimlich aus dem Zuchthaus in Rendsburg enk- lassen worden sei. Diese Lüge wurde damals sogleich richtiggestellt. Jetzt veröffentlicht„Die Aktion" eine Zuschrift de» Ferry-Hering aus der Zuchthauszelle in Rendsburg, in der Ferry mit den heftigsten Ausdrücken gegen Eberlein protestiert und sich gegen die Der- leumdung wendet, daß er ein Polizeispitzel sei. Die Zuschrift schließt mit den Worten: Würden die Ebcrlein und Konsorten die Flüche vernehmen. die gegen sie ausgestoßeu wurden von den eingekerkerten Reoo- lulionären, als ihnen dos ZeMn-Molerial enthüllt wurde, sie würden spurlos von der Bildsläche verschwinden. Aber sie werden nicht diese Konsequenz ziehen, denn diese Konsequenz ziehen nur ehrliche und moralisch hochwertige Revolutionäre, nicht aber die Eberlein und Konsorten! Der Rat Ferrys ist nicht neu. Er ist der Eberlein-Zentrale schon von Paul L e v i erteilt, aber natürlich nicht von ihr befolgt war- den. Die Eberlein und Genossen erklären lieber ihre Opfer für Polizeispitzel, wie sie es ja auch mit Utzelmann-Kempin ge- macht haben, den sie im Plenum des Preußischen Landtages als Polizeispitzel abschüttelten, im Untersuchungsausschuß dagegen als aufrechten Revolutionär feierten! Was wirü mit üen Spaniern! Genosse Hermann Müller hat im Reichstag folgend« Klein« Anfrage eingebracht: „Nach Zeitungsmeldungen ist beabsichtigt, die Spanier, die von den spanischen Behörden der Teilnahme an der Ermordung de» Ministerpräsidenten Dato bezichtigt werden, der spanischen Regierung auszuliefern. Entsprechen diese Meldungen der Wahrheit? Wie gedenkt die Reichsregicrung die Auslieferung dieser politischen Verbrecher zu rechtfertigen? Hat sie, die Richtigkeit dieser Meldung vorausgesetzt. Schritt« getan, um eine Bestrafung der Aus- gelieferten zu hindern, die dem Empfinden weiter Dolkskreise in Deutschland widersprechen würde? Schriftlich« Antwort genügt." Gefterreich unö die Tschechoslowakei. Prag, 20. Dezember.(Meldung des Tschechoslowakischen Presse- bureaus.) In Prag und in Wien wurde heute das p o l l t i s ch e Abkommen zwischen der tschechoslowakischen Republik und der österreichischen Bundesrepublik oeröfsentlicht, da» zwischen Minister des Aeußern B e n e s ch und Bundeskanzler Schober abgeschlossen wurde. In dem Abkommen verpflichten sich beide Staaten, die Verträge von Saint Germain und Trumon in vollem Umfange durchzuführen. Sie garantieren einander dte gegenseitigen Staatsgebiete und werden einander zur Sicherung der Integrität der genannten Gebiete in politischer und diplomatischer Hinsicht unter- stützen. Sie verpflichten sich zur Wahrung der Neutralität im Falle eine» fremden Angriffs auf eine der Vertragsparteien und sagen sich gegenseitige Unterstützung bei der Bekämpfung von Gs- Heimorganisationen zu. Falls zwischen beiden Staaten nach Abschlug des Abkommens sich strittige Fragen ergedey sollten, ver- pflichten sich beide Staaten, sich im freundschaftlichen Einvernehmen zu verständigen und. gegebenenfalls den Streit dem ständigen i n t e r- natio realen Gerichtshof zu unterbreiten. Sie werden kein Abkommen mit anderen Staaten abschließen, da» im Widerspruch zum fetzigen Abkommen stände. brennendes Gas von besonderer Kraft. Es breitet stch langsam aus. Der Angriff auf ein« Stadt kann damit von Flugzeugen aus mittels Bomben oder Pumprohren erfolgen. Es verbrennt Gasmaske, Kleidung, Haut und Fleisch und zerstört beim Einatmen die Lungen. Man berechnet, daß ganze Bevölkerungen großer Städte mit Hilfe des Lewisit««n kurzer Zeit vernichtet werden können. Die Gasbomben, die man jetzt herstellt, werden 21S0 Kilogramm wiegen, wobei eine Tonne aus den Explosivstoff, der Rest auf das Gas gerechnet wird. Die glorreichen Erfinder sind die Professoren Newlands und Lee Lewis. Die Hauptbestand- teile sind Azetylen und Arsenik. Ein Schutzmittel dagegen gibt es nicht. Das einzige, so meint da» englische Blatt, sei, keinen Krieg zu führen. Huoderccht. In England, wo die Wuttrankheit der Hunde bisher unbekannt geblieben war. ist jüngst der erste Tollwut- a n f a l l konstatiert worden, und e» ist damit wohl die Zeit ge- kommen, das englisch« Geletz, das den Hunden das Recht zuerkennt. einmal ungestraft oeißen zu dürfen, einer Reform zu unterziehen. Daß dieser Gesetzesparagraph noch zu Recht besteht, beweist eine kürzlich erfolgte Gerichtsentscheidung. Ein Engländer hatte den Besitzer eine» Hundes, der seine grau angefallen und ihr das Kleid zerrissen hatte, auf Schadenersatz verklagt. Der Befragte konnte aber nachweisen, daß der Hund zum ersten Male ssch di-s«r Missetat schuldig gemocht und bis dahin ein einwandfreies Leben geführt hotte. Er wurde auf Grund diese» Beweises steiqeiprochen. Um das zu verstehen, muh man stch vergegenwärtigen, daß das eng» lisch« Recht den Tieren in bestimmten Fällen gewisse Rechte der Persönlichkeit zuerkennt und daß es daher dem schuldigen Tier die Möglichkeit offen lasten will, sich zu bessern und den Weg der Tugend wieder einzuschlagen. Vle letzten llraustraller. Im innersten Teile des großen Ear- pentario-Golfes, der sich in die tropische Nordseite von Australien einbuchtet, liegt ganz nahe der Küste von Queensland die Mar- n i n g t o n- I n s e l, ein mit lichtem Savonnenwold bestandenes Eiland etwa von der Größe eines Schweizer Kantons. Hier lebten bis vor wenigen Iahren die letzten noch im Urzustände und noch nicht durch dk Berührung mit europäischer Kultur körperlich und moralisch verdorbenen Ureinwohner Australien». Die einzigen Weißen, die die Mornington-Insel besucht hatten, waren einige Forschungsreisende, deren letzter, der Schwede Msöberg, durch einen Aufruf an alle gelehrten Gesellschaften Australiens zu erreichen suchte, daß diese letzten Reste eines der interessantesten Naturvölker der Erde gewissermaßen als Naturdenkmal vor jeder ungeeigneten Berührung bewahrt bleibe. Leider hatte dieser Aufruf die ent- gegengesegte Wirkung Die Behörden wurden aufnierksam, und die Regierung von Queensland schickte schleunigst Missionare nach der Inkl. Die noch im Steinzeitalter lebenden Einqeborenen, von den Missionaren wahrscheinlich ungeschickt behandelt und an der Ausübung ihnen unentbehrlich dünkender religiöser Zeremonien gehindert, schlugen die Stö-«r ihre» Friedens einfach tot. Dom>l war der Konflikt mit der„Zivilisation" fertig; die Regierung schickte Polizei, die eine Strafaktion vonehmen mußte und dann auf der Insel blieb. Die letzten Australncger im Urzustände aber gehören der Bergangenheit an. Jus üen Sezirksverfammlungen. Die westlichen Vororte erneut gegen Groß-Berlin. Die vergangene Woche hat uns in den meisten Bezirken die Neu» wählen zu den Vorstandsämtern der jeweiligen Bezirkeoersammlung gebracht. Dabei stellte sich sehr bald heraus, daß die Bürgerlichen. durch den„Erfolg" des 1(5. Oktober kühn gemacht und weit entfernt, nunmehr mit der positiven Arbeit zu beginnen, zunächst keinen anderen Wunsch zu haben scheinen, als ihre Machtpositionen ohne Rücksicht auf das Gemeinwohl auszunutzen, ohne Rücksicht auch auf die Geschäftslage, die ein sofortiges Arbeiten dringend erheischt. Das Ziel dieser Bestrebungen, die Zerreißung des neuen Groß-Berlin, tritt unverhüllt zutage. Sehr be- achtenswert in dieser chinsicht sind die Reden der Bezirksbllrger- meister in den Bezirken 9, 11 und 12. Die Bürgerlichen werden ober unsere Genossen, und hoffentlich nicht sie allein, auf dem Posten finden. Im Bezirk S Eriedrlchshain) hat die Zusammensetzung der Be- zirkeversammlung«ine wesentliche Aenderung erfahren. Die USP. ist mit 18 Mitgliedern noch immer dle stärkste Fraktion, die S�s! D.» Fraktion ist auf 14 Mitglieder angewachsen und hat merklich an Einfluß gewonnen. Die KPD. haben 8, Dcutschnatio» nale 10, Dolkspartei 5, Zentrum und Wirtschaftspartei je 3 und die Demokraten 2 Mitglieder. Die bürgerlichen Parteien haben sich zu einer gemeinsamen Fraktion zusammengeschlossen, die 23 Mitglieder fühlt. Ihr Anspruch, auf Grund dieser Stärke den Vorsteher zu tellen, wurde jedoch von den sozialistischen Parteien nicht anerkannt. Zum Vorsteher wurde F e l tz e r(USP.) gewählt, zum ersten Ver- treter de« Vorstehers Genosse Schräder, zum zweiten Vertreter Fuhrmann(Bürgerl.), zum Schriftführer Bänsch(KPD.) gewählt. Die noch weiter vorgesehene Tagesordnung konnte nicht er- ledlgt werden, da von bürgerlicher Seite Einspruch erhoben wurde unter /zinweis auf die§§ 39 und 40 der S t ä o t e o r d n u n g. welche die Einberufung der Versammlung durch den Vor st»her als zwingendes Recht vorschreiben. Da die erste Versammlung durch den Bürgermeister einberufen wurde, könnten ihre Beschlüsse evtl. beanstander werden. Infolge dieses Ein- spruches mußte die Sitzung nach der Konftihiierung der Versamm» lung abgebrochen werden. In der Bezirksversammlung de» Bezirks 7(Tharlottenburgj hielt Bürgermeister Scholz dle Begrüßungsrede und benutzte sonder- barerweise diese Gelegenheit, um Klagelleder über eine zu scharfe und unberechtigte Kontrolle der Berliner Zentraloerwaltung zu singen. Zum Vorsitzenden der Bezirksverordnetenversammlung wird sodann Dethleffsen(Dnot.), zu stellvertretenden Vorsitzenden werden Dr. Brix(Dem.) und Genosse Dr. Borchardt, zu Schriftführern Genosse Mickler, die Herren Müller>Franken und Krüger und Fräulein Wiegmann gewählt. Für die Instandhaltung der Schulgärten werden aus Vorbehalts- Mitteln 11000 M. bewilligt. Eine umfangreich« Lorlage zur Weiterführunq der städtischen Wohlfahrtsschule für Fürsorgerinnen wird einem Ausschuß überwiesen. Die Ausgaben betragen S2S00 M. Die Einnahmen find auf 25 000 M berechnet. Die noch erforder- lichen 37 500 M. sollen in den Hausholtungsplan für das Jahr 1922 eingestellt werden. Für die offene Armenpstege müssen 594 880 M. nachbewilliqt werden. Um dringend notwendig« Bureauräume zu schaffen, ist der Bau eine« zweistöckigen Verbindunqshauses zwischen Rathaus und Kirchhofstr. 9 erforderlich. Die Kosten im Betrage von 2 300 000 M. werden ebenfalls bewilligt. In der Diskussion fordert Genosse Mickler Abhilfe für die Wohnung des Schuldieners in der Gemeindeschule 3 und 4, da der gegenwärtige Zustand die Gesundheit der Familie sehr gefährde. Bei der Vorlage, welche die Rachbewilligung von Mitteln und eine zukünftige Erhöhung der Gebühren für Wegschaffung des Hausmülls fordert, gelingt es den bürgerlichen Parteien. eine Resolution*ur Annahme zu bringen, in der gefordert wird. „den städtischen Körperschaften Berlins zu emp- fehlen, diese neue Belastung des Hausbesitzers bei der Festsetzung der Höchstmieten voll zu be- r ü ck s i ch t i g e n". Zum Schluß wird eine Anfrage besprochen, in der Auskunft über einen Angriff verlangt wird, den d i e„B. Z." vor einiger Zeit gegen das Charlottenburger Woh« nungsamt gerichtet hat. Der stellvertretende Bürgermeister Genosse Hirsch weist nach, daß die Haltung des Charlottenburger Wohnungsamtes durchaus einwandfrei war. Es sei h ö ch st b e- dauerlich, daß eine gewisse Sensationspresse unbesehen und kritiklos alle Angriffe gegen die Wohnungsämter annimmt 3m Berwallungsbezirk 9(Wilmersdorf) wurden die Bezirks- oerordneten durch Bürgermeister Augustiu in ihr Amt eingeführt und verpflichtet. In seiner einleitenden Ansprache trat der Bürger- meister für eine weitere Selbständigkeit der Bezirke in der Einheit!- gemeinde ein. Zum Dorsteher wurde Obcrverwaltungsgerichtsrat Lorenz(Dnat.), zum stello. Vorsteher Genosse Suter und Lehrer Pudel(D. Lp.), zu Schriftführern Harnisch(Dem.), Langehein« (Dnat.) und Voigt(D. Vp.) gewählt. In den Wahlausschuß wurden die Genossen Lüdemann und Suter sowie Scholz(USP.) ge- wählt. Der SPD.-Fraktion mit 8 Bezirksverordneten und einem Stadwerordneten haben sich die 3 USP. als Hospitanten an- geschlossen. Die Erhöhung der Gebühren für die städtische Müllabfuhr wurde einem ISgliedrigen Ausschuß überwiesen, dem Genosse H. P r e u ß(SPD.) und Scholz(USP.) angehören. Bei Beratung setzte, wie vorauszusehen, ein Klagesied der gar jämmerlich tuenden„armen Hausbesitzer" ein. Bezirtsverordnetrr Heinrich (Dnat.) klagte über hohe Kosten sowie Rechtlosmachung der Haus- besitzer, die kaum ein Stück trocken Brot hätten. � Bezirksversammlung Ii(SchSnA-erg-Ariedeuau). Di« neugewählten Bezirks- und Stadtverordneten wurden in der letzten Sitzung durch den Bürgermeister Berndt eingeführt. In seiner Ein- sührungsrede wies er darauf hin, daß es Aufgabe der Be» zirks- und Stadtverordneten sein soll«, die Interessen des Bezirk» gegenüber Berlin mit aller Kraft zu vertreten. Zum Vorsteher wurde der ye- zirksverordnete Dr. Teufer(D. Vp.) und als Siellver treter der Ge» nosse Er d mann gewählt.— Die Bezirksversammlung beschloß, in Zukunft die regelmäßigen Bezirksvcrsammlungen— wie in den übrigen Bezirken Groß-Derlins— Mittwochs abzuhalten. 3m 12. Bezirk(Sleglitz-llichkerfelde) eröfsnete der Bürgermeister S« m b r i tz k i die erste Bezirksversammlung nach den Wahlen mit einer scharfen Rede gegen Groß-Berlin. Die dabei ent- stehmde Unruhe auf der Linken oeranlaßte ihn dann wohl, einen Teil seiner Ausführungen zu verschlucken. Nach der Vorstandswahl. bei der der bisherige Dorsteher Schwarz(D. Vp.) in sein Amt wieder eingesetzt wurde, kam es zu einem neuen Zusammenstoß. Schwarz meinte, daß man jetzt nach den Vorschriften der Städteordnung tage. Deswegen könne die vom Bezirksamt festgestellte Tagesordnung nur beraten werden, sobald er als Dorsteher die Tagesordnung übernehme. Er wolle sie übernehmen, wenn kein Widerspruch er- folge. Die Linke erhob Widerspruch. Damit verfiel die Sitzung der Vertagung, ohne daß auch nur einer von den vielen Tagesordnung!- punkten erledigt wurde. Im Bezirk 12 treibt die Mehrheit setzt ein« Parteipolitik, die nicht im Interesse Groß- Berlins, sonder n zum Vorteil der Zersplittfruna. zugunsten der westlichen wohlhabende» Vororte dienen soll. Vellsr 1H3-17S. Der Berliner Devisenmarkt steht ganz unter dem Einfluß de� Nachrichten über die Londoner Verhandlungen. Das Ge» fchast hielt sich in sehr engen Grenzen, da die Spekulation größte Zurückhaltung zeigte. Der Dollar setzte mit 170 ein und ging zeitweise bis auf 163 zurück. Im weiteren Verlauf hielt sich der Kurs auf etwa 169 bis 170. Die Gewerkschaften ausgeschaltet! Dom Allgemeinen Deutschen Gewerkfchoftsbund wird uns geschrieben: Unter dieser Ueberschrift brachte der„Vorwärts" in der gestri- gen Abendnummer eine Notiz, die in ihren Schlußfolgerun- gen zutrifft, daß nämlich tatsächlich die Gewerkschaften ausgeschaltet sind. Den ADGB. tristt Hieron kein Verschulden. In wiederhosten Schreiben hat der Vorstand des ADGB. das Reichsarbeitsmini- sterium ersucht, die vom ADGB. benannten Vertreter zu den Der- Handlungen zuzuziehen. Mit Schreiben vom 24. November 1921 wurde auf die Schwierigkeiten, mit denen die deutschen Unterhänd- ler zu rechnen haben, hingewiesen und verlangt, daß zwischen den von der Reichsregierung eingesetzten Untcrkcmmissioncn ein inni» ger Zusammenhang hergestellt und ein M e i n u n g s o u s- tausch herbeigeführt wird. Auch in diesem Schreiben wurde schon darauf hingewiesen, daß dem Bundesvorstand nicht bekannt fei, bei welchen Abschnitten des Genfer Diktats überhaupt Arbeitnehmer- Vertreter mit beraten sollen. Ebensowenig sei die von den Spitzen- verbänden der deutschen Gewerkschaften gestellte Forderung auf Berufung von sachoerstäfidigen Beratern des Reichskommiffars für hie bevorstehende Verhandlung mit der polni- fchen Regierung restlos erledigt. Insbesondere sei es erforderlich, daß auch sachverständige, Ingenieure, Bergleute usw. mitwirken. Auch in diesem Schreiben wurden erneut die Vertreter des ADGB. genannt. Vom Reichsarbeitsministerium ist trotzdem keine Benachrichtigung oder Hinzuziehung der Vertreter des ADGB. erfolgt. Als dann bekannt wurde, daß die Verhandlungen in Ober- fchlesien in Kürze beginnen würden, hat der Bundesvorstand mit Schreiben vom 3. Dezember 1921 nochmals auf die Notwendigkeit der Hinzuziehung von Gewerkschaftsvertretern hingewiesen und um- gehend Mitteilung verlangt, wann die Verhandlungen beginnen, damit die Bertreter des ADGB. zugezogen werden. Ausdrücklich wurde darauf hingewiesen, daß der ADGB. unbedingt darauf besteht, daß seine Vertreter zu den Verhandlungen zugezogen werden. Das Reichsarbeitsministerium hat mit Schreiben vom 5. De- zember 1921 mitgeteilt, daß die Verhandlungen bereits am 9. De- zcmber beginnen und die Vertreter der Regierung mit den Gewerk- schaftsführern— Fühlung aufnehmen werden. Die Verhandlungen selbst sollten zweckmäßig im Sinne der in den Vor- Verhandlungen mit den Vertretern der Beteiligten festgelegten Grund- gedanken zunächst von den beamteten Vertretern der Regierung allein geführt werden. Es gewinnt hiernach den Anschein, als ob die Regierung tat- fächlich nur formal dem Verlangen der Gewerkschaften nach Zu- Ziehung von Vertretern entsprechen wolle, während sie wirklich bei den Verhandlungen ausgeschaltet werden.-.. Der Vorstand des ADGB. kann in der bisher von der Regierung "ernährten Beteiligung der Gewerkschaftsvertreter«ine angemessene Wahrnehmung der Rechte der Gewerkschaften absolut nicht erbsicken. Nach der Haltung der Regierung ist aber anzu- nehmen, daß sie auch eine angemessen« Vertretung und Wahrnehmung de? Recht« der Gewerkschaften nicht wünscht. Es ist nicht dle Absicht des Bundesvorstandes, sich mit der von der Regierung beliebten Behandlung abzufinden, er wird vielmehr in geeigneter Weife die ordnungsmäßige Zuziehung der Gewerk» fchaftsvertreter anstreben. Gnüe öer Lustkontroll-Kommiftion. Wie dle PPN höre», hat de: englische General Alasterman. der Vorsitzende der 3ntcrollilerien Luftkolltrollkommission. milge- teils, daß er beabsichlige, mit Beginn des neuen 3ahre» dle Som- Mission aufzuheben. Dagegen liegt keine Nachricht darüber vor. daß auch General Rollet, der Vorsitzeode der 3nteralliierteu MUitärkomm.issiou. diese'auf ein Drlitel einzuschroukeu und die fion- krollbehördea in der Provinz einziehen werde. Die iiasienische Kammer hat gemäß dem Borschlaze des Wahl- prüfunqsausschusscs die Wahl des wegen Defertation verurteilten Abgeordneten Misiano für ungültig erklärt. Kleppelsüorf. Der Nlordtragödle letzter Akt. Nach 13 Tage langer Verhandlung ist also Gr Upen für schuldig befunden worden, am 14. Februar bei seinem Besuch auf Schloß Kleppelsdorf die 16jährige Schloßherrin Dorothea Rvhrbeck und die Zeugin seiner fuchtdoren Tat, seine 13jährige Stieftochter Ursula Schade, mit Ueberlegung erschossen zu haben. Auch die Schuldfrage wegen der an Ursula verübten Sittlichkeitsoerbrechen wurde bejaht. Ll» der Angeklagte den Saal betrat, um den Wahrspruch der Geschworenen zu vernehmen, merkte man ihm an, daß er einen schweren inneren Kamps niederzuhalten sich bemühte. Sein volles gesundes Gesicht überzog eine bisher nicht beobachtete Blässe. Ein leichtes Wimpcrzucken und ein leichtes Zusammensinken seiner mus» kulosen Gestalt waren die Wirkung der furchtbaren Tatsache,, daß der Stab übe? ihn gebrochen sei. Der Verteidiger erklärte, keine Anträge stellen zu wollen Auf den fragenden Blick des Vorsitzen» den rafft der Angeklagte sich auf. Bebend und stockend beginnt er: Ich oirzio'ite von vornherein auf jede Revision und auf ein Gnaden- gesuch.(Der Verteidiger unterbricht ihn mit der Bemerkung: Darüber werden wir später reden.) Mit fester werdender Stimme, seine während der ganzen Verhandlung an den Tag gelegte Ruhe wiedergewinnend, fügte u: hinzu: Der Wahrspruch der Ge- schwor enen ist ein Fehlspruch, für den ich Sie ober nicht verantwortlich mache. Ich kann verstehen, wi« die Geschworenen zu ihrer Auffassung gekommen sind. Dielleicht wird der Tag kom- men, wo das eine oder andere sein« Aufklärung sinden wird. _ Mit größtem Gleichmut vernahm er das auf Todesstrafe und fünf Jahre Zuchthaus und dauerndem Ehrverlust lautend« Urteil. Da der Verzicht auf Rechtsmittel dem zuständigen Gericht er- kkärt wurde, ist er unwiderruflich. Das Todesurteil ist somit rechts- kräftig. Anders steht«s mit Grupens Verzicht auf di« Gnadenmittel. Die Ausübung der Gnade ist von feinem Will«n unabhängig. Ein Todesurteil darf nicht vollstreckt werden, bevor das Staatsoberhaupt die Begnadigung abgelehnt hat. Es ist also in jedem Fall vorher u prüfen, ob von dem Gnadenrechte Gebrauch gemacht werden oder em Rechte freier Lauf gelassen werd«n soll. Da» Begnadigung»- recht liegt nach Art. 584 der neuen preußischen Verfassung in den Händen des Stoatsministeriums, das es namens des Volkes susubt. Ihm wird es daher obliegen, zu prüfen, ob der Beweis gegen Grupen so lückenlos geführt ist, daß ein Justizirrtum für ausgeschlossen gelten kann. GroßBerlm Neues Unwetter. Was das Wetter im November, dem herkömmlichen Regen-, Nebel- und Unwettermonot versäumt hat. da, scheint«» jetzt reichlich nochholen zu wollen. Nach dem schlimmen Orkan am Sonntag war «ine Pause eingetreten. In der vergangenen Nacht aber tobt« und fegte ein neues Unwetter über Berlin hinweg, dessen Folgen zur Stund« noch nicht abzusehen sind. Besonders schwer haben unter diesem Wetter alle jene Mieter zu leiden, deren Wirte es versäumt haben, die Dächer rechtzeitig ausbessern zu lassen, so daß den Mietern das Regenwasser in die Zimmer läuft, eine schwere gesundheitliche Gefahr für di« Insassen. Wenn setzt die Mietspreise wieder erhöht werden, so sollten di« Behörden aber auch aus die Durchführung lebensnotwendiger Reparaturen an Häusern und Wohnungen sehen. Auch au» dem Reich kommen neu« Unwettermeldungen. Die Hamburger Seewart« erläßt Sturmwarnungen. Ein« neue tiefe Sturm-Depression ist vom Atlantischen Ozean her wieder im An- zuge. Damit ist auch wieder die Gefahr von Sturmflut und Hoch- wasser für den Hamburger Hafen gegeben. Ein außerordentlich schwerer Unwetterschaden wird in letzter Stunde aus Westerland (Insel Sylt) gemeldet. Dort ist die Im Frühjahr d. I. unter Auf- wen'dung von 1 Million Mark errichtete Strandmauer infolge des Sturmes und des außergewöhnlich hohen Wasserstandes zum größten Teil eingestürzt._ Naubüberfal! auf einen Juwelier. Auf den im Haus« Uhlandstr. 48 wohnenden Juwelier Sönitz wurde gestern abend ein schwerer Raubüberfall verübt. In den Laden des Genannten kam kurz vor Geschäftsfchluß, gegen 7 Uhr, der 20 Jahre olle Drogist Willi Tierlein au» der Uhlandstr. 152 unter dem Vorgeben, noch einen Ring kaufen zu wollen. Weil der jung« Mann ihm bekannt war, fand sich der Juwelier bereit, ihm trotz der vorgerückten Stunde noch einig« Ringe vorzulegen. Während Tierlein sich zum Schein diese Vorlagen ansah, zog er plötzlich einen Revolver aus der Tasche, schoß auf den abnungslosen Geschäftsmann und traf ihn schwer in den Kopf. Der Getroffene konnte noch um Hilfe rufen, und so gelang es mehreren Leuten und einem Beamten der Schutzpolizei, die herbeigeeilt kamen, den Täter auf der Stelle festzunehmen. Benitz wurde nach dem Krankenhaus in der Achen- bocbstraße zu Wilmersdorf gebracht. Seine Verletzung ist lebens- gefährlich. Tierlein wurde der Kriminalpolizei übergeben. Berkauf voufiskalischem Gelände in Berliu-Johannisthal. Wie an anderen Stellen Groß-Berlin», so hat der StaotZsiSku», einer im Kriege gegebenen Zulage»nl!vreck>end.»u billigem Preise Staatiland für die gemeinnützige Siedlungkarbeit abgegeben u. a. auch in Johannisthal für die Eisenbohner-Notsied« l u n g«- G en o ss en sA Uhr gimflil» «nina bei Danemann,«arlogartenftr. 18.«drechuung der SamauUtstM, evtl AunMonärtarten mitdrtngen, Materialauogad«. OeweMhastsbeivegunH Sicherheitspolizisten als Streikbrecher. Unter dieser Ueberschnft berichteten wir am 8. Dezember über den Streib in der Hefefa�brik Müller. In dem von der Streik- leitung kommenden Bericht war auch die von uns wiedergegebene Behauptung enthalten, daß sich Sicherheitspolizisten als Streikbrecher betätigt haben. Dazu teilt uns der Polizeipräsident setzt mit: „Die vom Kommando der Schutzpolizei eingeleitete Untersuchung hat ergeben, daß keiner der Beamten Streikbrecher- dien st e geleistet hat. Die befragten Streikposten haben ebenfalls von einer Etreikbrecherarbeit nichts gesehen. Es tonnte lediglich nachgewiesen werden, daß an einem Nachmittag während de» Streiks ein dort postierter Beamter eine abgeladene Tonn« mit dem Fuße weiter gestoßen hat. Die Beamten sind angewiesen, sich in Zukunft so zu verhalten, daß Ihr Benehmen keinen Anlaß zu falschen Auffassungen gebcn kann. Götze und Jammer beißt eine Firma, die ihr Domizil in Verlin Norden, Febrbellincr Straß« 45. aufge'chlagen bat. Von etwa 40 Be'ckmitigien haben 90 Arbeiterinnen in dem Alter von 14 bis 20 Jahren Stunden- löhne von l,40 bis 2 M., während der Tariflohn für Arbeiterinnen über 18 Jahren 6,65 M. beträgt. Die Arbeiterschaft, die bisher unorganisiert war. trat nun an den AMaHarbeiter-Verbond heran. um menschenwürdige Verhältnisse zu schaffen. Ein Betriebsrat besteht nicht. Es fehlr an genügender Waschgelegenheit und Garderobenschränken. Die Arbeiterinnen waren auch bei Akkord- aibeit. wo an und für sich der Verdienst nicht wesentlich Höker ist al< die angegebenen Stundenlöhne, veipflichtet. nebenbei die Oefen zu heizen und da« Brennmaterial beranzufchnffeii. Als ein Vertreter de» DMV. bei der Firma vorstellig wurde, erlaubten sich die Inhaber, ihn in brüskem Tons anriifabren, wie er dazu käme, ihre Firma in Veriammlungen als„Bruchbude� ,u bezeichnen. Der Bertreler des DMV. mußte ihnen allerdings darauf exwidern, daß er zwar in Versammlungen das nichl gesagt habe, ober hier möchte er doch sagen, daß diese Fabrik eine Bruch- bude ist. Irgendwelchen vernünktigen Erwägungen waren die Herren nichr zugänglich. Es brauche ja niemand anziifangen, wem es nicht pasie, man bekomme immer noch genügend Arbeiter und Arbeiterinnen. Dem BerbandSveitreter wurde daraufhin die Tür gewiesen. Die meisten Arbeiterinnen, die jetzt den Wert der Organisation erkannt haben, zogen daraus die Konsequenzen und haben sofort den Betrieb Verlasien, weil sie wisien, daß sie anderSwo mindestens, das Dreifache verdienen, als bei Götze u. Jammer. � Der Merallarbeiter- Verband bar über den Betrieb der Firma � G ö« e& Jammer, Spritzgußfabrik, Berlin N, Fehr- be kl in er Sir. 45, die Sperre verhängt. Kein organisierter Kollege darf dort in Arbeit treten. Die OrtSvsrwaliung de» Deutschen Metallarbeiter-VerbandeS. ön 2ena wurden bei der Wahl der Ortsoerwaltung des Metall- arbeiteroerbandes gewählt: 6 Kommunisten, 3 USP. und 2 SPD. Fromme Wünsche hat der Allgemeine Bund der f r a n z ö s i- schen Produktion(Arbeitgeberbund) auf seiner Generaloersamm- lung geäußert. Er hat sich nämlich für die Abschaffung des Achtstundentages und die Entstaatlichung des Tele- phonbetriebes ausgesprochen.— Macht der„Patriotismus" der deutschen Industrie so schnell Schule? Reue Sehaltszulagen in der konsektion. Die Angestellten- funktionäre der Bekleidungsindustrie, die dem AdA. angehören, nahmen am Dienstag in einer Berfommlunq den Bericht über die letzten Verhandlungen mit den Arbeitgebern der Konfektion entgegen. Den Bericht erstattete Hofs mann. Es handelt sich darum, noch während der am 81. Januar ablausenden Tarifzeit Gehaltszulagen von 30 und 35 Proz. für olle vter Branchen zu erhalten. Die Ar- beitqeber bewilligten für die Angestellten der Herren- und Knaben- konsektion und für die der Damen- und Mädchenmiintelkonsektion Zulagen von 25 Proz., für die der Blusen- und Kleiderkonsettion und der Herrenwöschebranch« aber nur 20 Proz. Di« Bewilligung bezieht sich aus die Gehälter lür Dezember und Januar. Der Un- will« über die Differenzierung kam in der Diskussion lebhaft zum Ausdruck und die Frage, wie und wann der Auegleich herbeizuführen fei. wurde eingehend debattiert. Die Versammlung nahm dann die Zugeständnisie der Arbeitgeber gegen IS Stimmen an. Ferner sprach sich die Bersaumlung« i nst i m m i g dalür aus, daß die Ge- haltssä�e zum 81. Januar gekündigt werden sollen. Gewerklchafts-lliltcrkommissioa Rcutöltn. Für Betriebsräte, deren Betriebe der Srtskrankenkaffs Neutölln-Brit, angchbren, Donnorstag. 7 Uhr, bei Boiff, Neu- tclln, Kirchhofs� 41: Dersommlung Mus öer Partei. Das Kulturprogramm aller Schaffende«. Am 28. September 1321 hat sich die deutsche Sozialdemokratie euf ihrem Görlitzer Parteitage ein neues Programm gegeben. In der Tat,«in neues, mitten in den Uebergang zum Sozialismus hin- «ingastelltes Programm. Die Seele tiefgründiger llmgestoltungs- arbeit schlägt mit mächtigem Puls überall in diesem Programm. Diese aus der Novemberrevolution geborene Arbeit heischte gebiete- risch ein neues Programm, das nun dank der rührigen geistigen Tätigkeit der Genossen zu einem Kulturprogramm aller Schassenden geworden ist. Als solches bistet es sich uns in dem soeben erschienenen Kommentar des Genossen F r i e d r i oh Stampfer dar: Das Görlitzer Programm(Berlin 1322, I. H. W. Dietz Nachfolger und Buchhandlung Vorwärts). Die Sozialdemokratie ist die Partei aller körperlich und geistig Schaffenden, die auf den Ertrag eigener Arbeit angewiesen sind. Und Stampfer zeigt in seinem Kommentar anschaulich die enge, innerliche Verbindung der Sozialdemokratie mit jedem Arbeit leistenden Menschen.„Mag er den Pflug führen oder den Hammer schwingen", so schreibt er,„an der Maschine oder am Schreibtisch sitzen, mag er als Handarbeiter oder Kopsarbeiter, Angestellter, Beamter, Arzt, Anwalt, Lehrer, Schriftsteller, Künstler: mag er in Landwirtschaft, Industrie, Handel oder in den sogenannten„freien Berufen" tälig sein, soweit er durch seine Arbeit ein nützliches Glied der Gesellschaft ist, fühlt die Sozialdemokratie sich zu ihm gehörig und wünscht sie, daß er auch sich zu ihr gehörig fühlen möchte." Die Auffassung Ferdinand Lassalles von dem Arbeiter wird miede* lebendig, die in dem„Arbeilerprooramm" niedergelegt ist.„Arbeiter find wir all«, insofern wir eben den Willen haben, uns nützlich zu machen." Die streng«, vom Klassenvorurtei! aufgerichtet« Scheide- lini« zwischen dem geistig und körperlich Arbeitenden ist gefallen. Arbeiter ist seder auf den Ertrag eigener Arbeit angewiesene Schaffend«. Die Sozialdemokratie ist nicht«ine Arbeilerklassenpartei im Sinne einer btoßen Partei des Proletariats, dos allein das große soziciüstischs Aefreiungswer! vollbringen kann. Die Sozialdemo- kratische Partei umsaßt nicht nur proletarische Elemente, sondern Angestellte, Beamte, Intellektuelle, selbstän' ige„kleine Existenzen in Handwerk, Handel und Landwicschas:". Schon das Erfurter Pro- gramm charakterisiwte sich nicht als ein rein lohnproletarisches Pro- gramm. Es sprach die gesellschaftlich« Umwandlung des Kapitalis- mus in den Sozialismus als die Befreiung der gesamten, unter den heutigen Zuständen leidenden Menschheit an, es bekämpft«.die Ausbeutung, die Unterdrückuna jeder Art, richte sich diese nun gegen ein« Klasse,«ine Partei, ein Geschlecht, eine Rasse. Als wirkliche Kulturträgerin ist die deutsch: Soziawemokratie als politische Partei zur Welt gekommen. Laflall« rief die Alliance der Wissenschaft mit der Arbeit aus, Lassolle kennzeichnete die neue Aera der ssch befreienden Arbeit als das Zeitalter eines neuen Staates der Kultur und Gesittung, dar Verwirklichung der Idee der Solidarität. Was bei Lassalle noch rein« Theorie war, ist fetzt lebendigste Praxis geworden. Und klar sormulie't redet diese Praxis aus den Programm-Erläuterungen unserer Genossen Stampfer, Pfülf, Quarck zu uns. Wer ein zielklar Schaffender am Kulturprogramm der deutschen Sozialdemokratie werden will, muß sich in die jetzt erscheinenden Kommentare zum Görlitzer Programm vertiefen. Paul Kampsfmeyer. Ein aller parteiveieran starb am 16. Dezember in der Person des 70jährigen Stadtrots Genossen Paul Müller-- B.-LtchteiMhal. Gehörte er doch mit zu jener ehrwürdigen Kerntruppe des Sozio, sismus, die in der Zeit des„Sozialdemokral" in Zürich das Banner des Sozialismus hochhielt, wobei ihn besondere Freundschaft mit dem jetzigen Nestor, der Schweizer Sozialdemokratie, Genossen Greulich, verband. In seinen Londoner Iahren verkehrte Müller vielfach im Hause von Karl Marx, so daß er wertvolle Erinne- rungen vom„Mohrschen Kreise", von Marx, Engels, Bernstein u. a. geben konnte. Nach Deutschland zurückgekehrt, betrieb er in Baven- Lichtenthal eine angesehene Schreinerei, wurde nach dem Tode des roten Apothekers Theodor Lutz der einzige sozialdemokratische Stadtrat in Baden-Baden und gehörte nach der Revolution der Badischen Nationalversammlung und dem Landtag der ersten Badischen Republik als Mitglied an. Mit ihm sinkt ein Stück Parteigeschichtc ins Grab. I• fim aller Welt. Zurchtbare Sturmflut auf Sglt. Siel, 21. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Durch die anhat- : tenden aus Südwest anstürmenden mächtigen Fluten wurde die S t r a n d m o u e r, die teilweise erst in diesem Jahre wieder neu erbaut wurde, auf eine Länge von etwa 250 Metern unterspült. In der Nacht vom 20. zum 21. Dezember stürzte die Mauer und die dahinter liegende Kurpromenade in einer Länge von etwa ! 150 Metern unter furchtbarem Getöse zusammen. Die Fluten sind bereits bis an die Fundamente der am Strande siegenden Gebäude herangetreten, so daß größeres Unglück sich nicht ver- meiden läßt. Die Bevölkerung steht den Naturgewalten macht- los gegenüber. Die nördlich von Westerland gelegene Düne ist gleichfalls von den Sturmfluten so stark mitgenommen, daß de- fürchtet werden muß, daß die Fluten die Insel überschwemmen werden. EI» neues Fremdwort ist im Entstehen begriffen: Der Reparis- mus. Die Verdeutschung soll lauten: Die Wiedergutmachung. Verontw. für den redait. Teil: Fran, ftlüh». Berlin. Lichtcrfetde: für An. »einen i Th. Slocke, Berlin. Verlag Porwärts-Berlag D. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts.Buchdruckerei u.Berlagsanftalt Paul Singer u. Co.. Berlin. Lindenftr. Z. Gcwinn-AuSzus der 19. Preutz-Sudd.(245. Preutz.) Klassen-Lotterie 1.«lasse. 1. ZiehungZtag. 20. D-z-mber 1931. liiui ,cOe gezogene Olummer|ln6 ztoei g.eilh voye Gewinne gefalien, unft zwar je einer auf die Lose gleicher Mummer in den beiden Abteilungen I nrb II Cime Gewähr. Ruchdruck verboten. In der SormittagSziehung wurden Gewinn: iib-r 200 Mark gezogen: 2 T■ ICCeO Mt 217602 2 ZU 6000 Mk. 4930 « ZQ 51.0 iiir. 986, 43464 10 40 400 Mk. 12188'69776 206948 240S IS 248159 2« ZU 300 Mk. 21817 73108 96119 104668 131674 164412 161489 168012 188784 204367 257166 2SS171 286143 3» de« N«SmittagS,i-hu»g wurden Scwinu« über 200 Marl gezogen: 2 ZU 30 000 Mk. 134024 2 zu 3000 Mk. 660 2 ZU 1000 M. 2 3761 2 Ztt 5' 0 M<. 1497,4 8 ZU 400 Mk. 41241 178045 196786 250806 22 zu 310 Mk. 4517 9983 67c76 887-9 131291 137263 1 66774 192925 292813 272700 299645. Tie i« dem vorftebende» Gewinn-AuSzug nicht enthalten«« niedrigeren«iewinne find ans den Lifte« zu erleben, die bei den staatliche« Lotterie-Einnehmern zur nnentgeldliche» Eiaflcht ausliegen. 4$g Platin M Sold., Silberbr., Zähne ♦ Zinn ♦ Biel, Kupier« Queck« Silber usw. taust zum Engrospreise Scharrow, Langestr. 35 am Schlesischen Bahnhof. | Krause I Pianos zar Miele | Ansbacher Sir. l, i ücke Kurfarstensrr. Pappenwaren, Pappensportwagen, Kiodermöbel usw., Metallhettsiellen, Kinderwagen, ttettfedsrn, Korbmöbel Fürst, Neukölln, Hersnannsti. 38, Ecke Mahlower Straße Fabrik für Ruhebetten, Aufiegematiatzen und F�ldbettstellen. ■ Fabrikpreise Kens Mi erzielt man schmerzlos, unmerkl. für die Umgcbunq durc die echte Vaier■ Phillpp- Schälkur ä 12 M. vom Tutogen-Laboiator, Dresd n-Zschachwitz 146. Schält Pickel, Mitesser, Sommerspross., Flaut- tnreiiigk usw.ab.läiitanmutige junge Haut zum Vorsch. komm Erh. i. d. Ele(antenapoth.. Leipz. Str., u. Droger. Bas ianstr 2, Fehmanist.3, Reinickend Sti.ll9.Charlot'enst.76,Paiik.. PrinzstS Linoleum als Zimmerbe ag, Läuter, Teppich und Waschtischvorlage in großer Auswahl WACHSTUCH vom Stück und in fertige« Decken Abtrete-, Kokas-, Schilf- und S nsen matten in allen Qualitäten und Größen Bohnerwachs-, Olrlne und Uneloum-Oel stets vorHHIg Ausführung jeglicher Linoleumarbeiten. em-%______-j � cnariollenborg, Wümersderfer Sir. 29 s Dal Nähe Kunürstendamm. Steinplatz 4l9i. Zu noch sehr angemessenen Preisen kaufen Sie: Seidenschals..........™ 32.» an l Wollschals........... von 65-- � i ßodelgarniluren(Scfiai und M&tzc) von 135«- an> Oberhemden, Einsatzhemden, Normalwäsche, Seidenkrawatten und Strickbinder, Leinen- und Sportwäsche Spezial-Dauerwäsche i. best. Qual, noch sehr preiswert bei )& nl Speziallians ,Klek-Welt', Neukölln, Bergstr. 155 allHl ili Berlin, Oranienst. 199 • /»RNUI V» Berlin, DanzigerStrU rr einmal f prob:— immer " w gelobt Feinst. Geschmack itets frisch, tzu laus, in b l.usw Neue richtet»in: Höcker, Berlin. Lichtonberger Sic. 22(Äbnigitabt 1683 tifapitän . Ä Zigarrenge!«, us rt II f(1 n P Berkaufssiell. rici U U I U V U ö«.ncraldertr«r l l '"l IIIQQBBBOBq rEin neues Buch für jung-e und alte Sorialdemokraten ES KLINGT IM STURM EIN ALTES LIED JULIUS BRUHNS herausgegeben tum 70. Geburtstoire Hermann Molkenbuhrs SelbsterlebteGeschichten aus der Sturm- und Drang zeit der Partei PREIS 14,— MARK elegant gebunden Buchh. Vorwärts BERLIN SW 68 Lindensti 2 - Bruch, Gegen stände I- Silber . Platin SSSSS; Brillanten � verkaufen Händler und Private am besten und reelisten an die at handelsgerfchtllch eingetragene Firma IHEINRICH TRAPP Edelmetall- und Juwelengroßhandlung Beuthstr. 10(Laden), am Spittelmarkt Telephon: Zentrum 1876 CS) ro CO ro i Korb-u.Bobnnöbel EIS. Fabrik, stets hervorrag. Neuh. Or. Ausw. Bill. Preise. EdniundVöß.Bln- Neukölln Berliner St l4,NäheHermann- platz— Tel.: Neukölln 2264 Reparatur simll. Korbwaren MöbelsTransporte In- nnd Ausland ERNST BOLDT Berlin C34, Unterer undbh f. Schönhauser Tor Norden 646, 2175, 9414• Berlins grölMes Spszlai• Otldscbrank- » und Masch In««- Trensport-Oeschäft tt Lm Unterleidsletk>ens Syphilt». frisch u. ver- ältet, bei Männern und Frauen- ohne Berufsstäruna. Heilveriahren über 20 Jahre bewähn durch y««derke Geheilte.— Sprech« u. Behand!una»zeit: S-L Sonntaa 3—1.— Heilanstalt f. elekiro-physs'. und Licht. Therapie, u Natur-Heilverfahren. Berti« 50 l6 BrUckenstr. wd(Bahnhof Zannowihdrii�e) ?rok.vk.llZei!.?.�!8tej8!lx.«rz. anpr. I. Aus!., v. d. deutsch. Regierung anerk. gj - Z0>öhrige vraxi»—-—