Nr.»71 ♦ 3$.?oi>rgdie anläßlich der Londoner Konferenz zwischen Lloyd George und Briand von der Aus» landsprefse verbreitet wurden, scheint keine den tatsächlichen Ergebnissen der Konferenz so nahe zu kommen, wie die Mel» dung des Londoner Korrespondenten der„Frankfurter Ztg.". Wir haben allen Anlaß anzunehmen, daß die Angaben des genannten Korrespondenten— von Einzelheiten abgesehen— im wesentlichen zutreffen und daß tatsächlich vereinbart wurde. für das Jahr 1922 von Deutschland neben Sachleistungen eine Barzahlung von 500 Millionen Goldmark zu verlangen.. In» wieweit die Mitteilungen zutreffen, daß die 26prozentige Aus- fuhrabgabe bestehen bleiben soll, muh vorläufig abgewartet werden. Immerhin aber können wir, wie gesagt aus guten Gründen, die mutmaßlichen Vereinbarungen zwischen Lloyd George und Briand, vorausgesetzt, daß sie endgültige Annahme finden, als eine zufriedenstellende Entlastung Deutschlands be- zeichnen, die naturgemäß starte Rückwirkungen auf den deut» schen Welt» und Wirtschaftsmarkt nach sich ziehen wird. Be» stimmt ist zu erwarten, daß mit Annahme des bisher noch nicht endgültigen Resultats der Londoner Konferenz eine neue Preiswelle, die Gehaltsforderungen nach sich ziehen wird, in Deutschland eintritt. Obwohl man von der Regierung nicht verlangen kann, daß sie auf Grund von offizieller Seite noch nicht bestätigten Pressemeldungen für die Zukunft vorbaut, scheint es uns jedoch im Interesse Deutschlands zu liegen, wenn tich das Kabinett schon heute auf eine Entscheidung der Kon» kerenz von Cannes einstellt in dem Sinne, wie sie der Korre- spondent der„Frankfurter Zeitung" in London zum Ausdruck bringt. Erlebt die deutsche Erfüllungspolitik den Erfolg einer nicht kurzfristigen Entlastung des Staatshaushalts, dann wird es erste Aufgabe der Regierung sein müssen, das nachzuholen, was sie bisher versäumte, vor allen Dingen das bisherige Steuerprogramm zu revidieren. Mit indirekten Steuern wer- den wir der von uns verlangten Sanierung der Reichsfinanzen nicht entsprechens viel weniger unseren Verpflichtungen nach» kommen können. Notwendig sind nun einmal' weitgehende Eingriffe in den Besitz, worüber sich die Regierung bald klar werden sollte. Hat das Kabinett Lust, nochmals den Eindruck über sich ergehen zu lassen, den die Entlaswng des Besitzes in dem neuen Einkommensteuergesetz bei den Regierungen der Ententestaaten machte? Vorerst haben wir allen Grund, in der Gewißheit zu leben, daß die Erfüllungspolitik des Kabinetts Wirth nicht zur Italien an der Jahreswende. O. L. Rom. 25. Dezember 1921. Aussichtslosigkeit, wie es rechtsgerichtete„nationale" Kreises Jahreswende, an der wünschen, verurteilt ist. 5)offen wir, daß diese Aussicht auf ist auch Stalten und seinem Proletariat kein Erfolg den Blick der Regierung, sür die Handeln die erste Auf»: J«ewvrden Das alte Jahr hat wenig Gutes ge- gäbe ist, nicht trübt. bracht, das neue zreht nicht eben verheißungsvoll herauf. Die revolutionären Hoffnungen, die man auf den Krieg gesetzt Italiens Absichten. hatte, find verraucht: die harte Wirklichkeit der Kriegsfolgen Rom. Z7. Dezember, sik?.) Ministerpräsident Lonomi � geblieben. Will man die politischen Ergebnisse des Söhres gedenkt nach Dlättermeldungen in der Konferenz von Cannes eine, für Stalten zufammenfasien, so muh man sogen, daß versöhnliche Tätigkeit auszuüben. Zu diesem Zwecke ar- dieses Sahr den offenen Uebergang der Bourgeoisie zur Offen- beitet er mit dem Schahminister de Rava, dem Arbeilsminister! bezeichnet, welcye Offensive namentlich durch drei Fat- —. � �.......'. 1 ormrirtitrlif vmuvS.a v:- Nr.....- veneduce und dem fjandels- und Industrieminister Belotti einen Vorschlag zur Regelung der Kriegsschulden aus. Auch das Handelsabkommen mit Rußland werde hierbei zur Sprache kommen. In der„Tribuna" erklärt ein Abgeordneter, es fei zu hoffen, daß Italien diesmal mit einem eigenen, in» Ein- zelne gehenden Programm nach Tannes gehe. Für Italien sei es nachteilig, kein Abkommen mit Deutschland getroffen und nicht ein- mal das deutsche Privateigentum in Italien geregelt zu haben, was der Wiederaufnahme normaler Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Italien entgegenstehe. Diese Frage müsse vor allen Dingen gelöst werden. Der römische Korrespondent der „Stampa" erfährt aus zuständigen Kreisen, die Ansicht der italleni- scheu Regierung in der wiedergutmachungssrage nähere sich mehr dem englischen als dem stanzöfifchen Standpunkt. Die PolNik Italiens und England» müsse zn einer Revision de» Vertrages von Versailles führen, der sich Frankreich noch widersehe. Lloyd George werde wahrscheinlich die Zustimmung Donomis finden. Belgien gegen daS Abkommen Lloyd George-Briand Paris, 27. Dezember.(EP.) Der„Sntransigeant" glaubt zu misten, daß die in London getroffenen Abmachungen zwischen Briand und Lloyd George in Cannes wieder rückgängig gemacht werden. Die Belgier hätten gegen den Beschluß p r o t e st i e r t, wonach Deutschland 1S22 nur SM Millionen anstatt drei Milliarden Goldmark zu zahlen hätte. Sie würden vorschlagen, daß Deutsch- land im nächsten Jahre zwei Millsar'den Goldmark zahlen soll, die es den� im Auslande liegenden Devisenguthabern zu ent- nehmen hätte. Was die beabsichtigte Revision des interalliierten FinanzabkommÄs vom Z. August anbelange, so habe sich in ddr Rcparationskommission Wider st and dagegen erhoben, und da die Beschlüste dieser Kommission die Einstimmigkeit erfordere, so erscheine e» gewiß, daß die Revision nicht vorgenommen werden könne. Der Wofhingtoner U-Soot- Konflikt. New Park, 27. Dezember.(1DIB. durch Funkspruch.) „Rewyork Times" meldet aus Washington, es verlaute au» guter Quelle, daß die amerikanische Delegation hinsichtlich der U-Doot- Tonnage auf einer höchstzisser von 60 000 Tonnen sür die Vereinigten Staaten und England, von 36 000 Tonnen für Iapan und von 33 000 Tonnen sür Frankreich und Italien beharre. Wie„Rewyork herald" au» Washington meldet, gelangen die Fran- zosen zu der Ansicht, daß sie gegen eine amerikanisch-englische Som- bination kämpfen. Frankreich fürchte, daß Großbritannien die Absicht habe, sich Amerikas zum Aufbau einer angelsächsischen Herrschaft zn bedienen. Washington, 27. Dezember.(EP.) Bis setzt hat nur die englische Delegation den amerikanischen Vorschlag in der Frage der Unterseeboote angenommen. Sowohl die japanische wie die fränzösische Abordnung weisen den Lorschlag entschieden zu» rück und haben ihre Regierungen um neue Instruktionen ersucht. Amnestie in Ungarn. Budapest, 27. Dezember.(WTB.) Infolge des Amnestie- erlasse» sind bisher 629 Personen freigelasten worden. Die Prüfung der Angelegenheilen der der Zlmnestie würdigen Personen wird fortgesetzt. Die sozialdemokratische.Repszava" schreibt: Unser« Partei und die Gewerkschaftsbewegung stehen vor einer neuen Epoche. Die Verhandlungen mit der Regierung waren erfolgreich. Den Klagen wird abgeholfen werden. Eine allgemeine Entspannung wird er- folgen. Infolge des Amnestieerlastes werden Tausende von politi- schen Verurteilten befreit. Die Jnternierung und die Polizeiaufsicht werden vollständig abgeschafft. Bald wird sich kein einziger politi- scher Verurteilter in Gefangenschaft befinden. Dies ist mehr als j Amnestie. Dies ist ein notwendiger politischer und sozialer heilungs- � prozeh. Wir fordern alle Genosten zur Mitwirkung an der Arbeit des Wiederaufbaus auf, da wirkliche Arbeit«her not tut als schöne Phrasen._ Italienische Gäste tu Südslawien. Wie au? Sebenico in Dal» matten gemeldet wird, lam ti am 1. Weibnachtsseiertag zu Zusammenstößen zwischen Matrosen eine« dort eingelautenen italieni« schen Kriegsschiffes und südslawischen Einwohnern der Stadt. Die Italiener gaben Schüst« ab, durch die zwei Personen verleyr wurden. vor Sebenico hat ein zweites italienische» Kriegsschiff Anter ge» Morsen. flespvten in Unruhe. Alexandrla, 27. Dezember.(Reuter.) Der Generalstreik ist mißlungen. Alle Behörden arbeiten wie gewöhnlich, mit Aus- nähme des Ileberwachungsdeparlcment». Einige unbedeutende Demonstrationen wurden von der Polizei unterdrückt. London, 27. Dezember.(WTB.) Das Auswärtige Amt ver- öffentlicht eine Mitteilung mit einer Liste der Opfer der Unruhen in Kairo. Engländer befinden sich nicht unter den Opfern. Kundgebung in Berlin. . In etwa 30 Pferdedroschken machten gestern nachmittag Aegypter usw. einen Demonstrationskorso, der sie zweimal vor die britischo�Lotschaft führte. Sie schwenkten die Halbmondfahne, brach- ten Rufe gegen die britische Herrschaft in Aegypten aus und ver- teilten entsprechende Aufrufe. Die VS.-Korr. schreibt, daß die Bot- fchast vorher von der Kundgebung erfahren und polizeilichen Schutz beantragt habe, der gestellt worden sei, aber bei der friedlichen Haltung der Demonstranten nicht einzugreifen genötigt war. Eisenbahner-Ultimatum. vüsteldors, 27. Dezember.(Eig. Drahtber.) Dom Deut- schen E�fenbahn.erverband wird uns mitgeteilt: Im Anschluß an die am Donnerstag, den 22. d. M. gefaßte Ent- schließung der Funktionäre des Deutschen EisenbaHneroerbandes fand am Dienstag eine beschlußfassende Sitzung der Funktionäre der Diretiionsbezirke Elberfeld, Köln und Effen statt. Nach reiflicher Prüfung der Situation sowie der durch das ablehnende Verholten der Behörden geschaffenen Lage wurde folgende Ent- schließung angenommen: „Für das Personal ist ohne Rücksicht auf die notwendig vor- zunehmende Eintommensverbefferung des Gesamtpersonals eine Dorfchußsumme für oerheiratete mänyliche Bedienstete in höhe von 10M Mark und für die ledigen sowie weiblichen Be- diensteten eine solche von 750 Mark zu zahlen. Die unterzeichnete Verbrechen nicht halt macht. Und mit ihm bleibt jene völlige OrganisatWi erwartet bis f p ä t e ft e n s Mittwoch, den Verrohung und Verkehrung der moralischen Begriffe, die von 28. D-zeiMr. 2 Uhr. die Bewilligung ihrer Forderungen..�T tei• Ermordung des'Genossen Boldrini, Vizepräsidenten Deutscher Cisenbahnerverbond.| Provinzialverwaltung von Cremona das„Giornale Die Ablehnung der Forderung, so schreibt unser Korrespondent schreiben läßt, daß es ein„zwar bedauernswerter, noch ergänzend, wurde zweifellos mr die dre, D-rektionsbez.rke j � alltäglicher Zwischenfall" sei: und dabei ist ein bejahrter Me' wir weiter erfahren," sind �aus einzelnen'Bahnhöfen des Mann von Kümmeln mit Knüp� Direktionsbezirkes Elberfeld, z.B. Vohwinkel und Bannen-Ritters» daß feine Schädeldeckc in eine breiartige Masse verwandelt Hausen, die Eisenbahnarbeiter bereits in den Ausstand ge- wurde!.— � treten. Di« Beamten verhalten sich bisher noch passiv. Wenn sich auch em Teil der Bourgeoisie der Gefolgschaft torcn ermöglicht wurde, nämlich die politische Aufrüttelung der Bourgeoisie, die Uneinigkeit des Proletariats tind di" wirtschaftliche Krise. Es versteht sich von selbst, daß alle diese Faktoren schon im Vorjahre vorhanden und wirksam waren, aber erst dos jetzt zur Neige gehende Sahr hat sie zur Entfaltung gebracht. Als Aeußerung der politischen Aufrüttelung der Bourgeoisie haben wir durchaus nicht bloß, oder auch nur vorwiegend, den Fafcismus im Sluge, jene Folge der Kriegsverwahrlojung und der bewußten Verherrlichung der Delinquenz, in her vielleicht der Bogen der bürgerlichen Offensive schon zu straff gespannt erscheint. Dieses Äuftasfen des italienischen Bürgertums aus seiner politischen Teil- nabmslosigkcit ist eine viel tiefergehende und viel umfaffendere Erscheinung als des Fafcismus. Einmal hat der Krieg und fein Ausgang dem. italienischen Bürgertum ein gewisses Selbstgefühl gegeben, das ihm dem Äuslande gegenüber vorher fehlte. Dann aber bat er der herrschenden Klasse zu einem Bewußtsein Des Klassenkampfes oerbolfen, indem er gleichzeitig Ihre politische und ihre wirtschaftliche Machtstellung zu bedrohen-schien. Vor dem Kriege waren demokratisäze Neigungen und sozialistischer Dilletta'ntismus im stalienschen Bürgertum nur allzu verbreitet. Besonders in Beamten- kreisen und unter den freien Berufen waren Sympathien für unsere Bewegung allgemein. Als dann aber die russische Re- volution den Sieg des Sozialismus in greifbare Nähe zu rücken schien, bielten natürlich die vagen Symvathien und die dillettantenhasten Vorlieben nicht stand. Man bekam Angst um seine Klassenprivilegien, um so größere Angst, als gleichzeitig mit der Hochkonfunktur russischer Sllusionen eine HochkonjunItur für die Lohnarbeiterschaft einsetzte. Diese kannte mit ihren Löhnen mit dem schwindelhaften Steigen der Lebensmittelpreise.Schritt halten, einmal, weil sie organi- siert war, vor allem aber wegen der gesellschaftlichen Unent- behrlichkeit ihrer Leistungen und des stark verminderten An- gebots an Arbeitskräften, das die Kriegslage bedingten. So wurde der arbeitende italienische Mittelstand— Beamtenschaft und freie Benife— gerade dann antiproletarisch gesinnt, als er mit der Proletarisierung seiner Lebenshaltung bedroht war und ihr aucf) zum Teil unterlag. Trotzdem Hot sich das italienische Bürgertum nicht allein aus seiner politischen �Teilnahmslosigkeit aufgerüttelt� wir haben wiederholt darauf hingewiesen, wie wacker ihm das lProletariat mitgeholfen hat. Durch Ansagen der dicht bevor- siebenden Revolution, durch zahlreiche Streiks, deren Anlaß vielfach in keinem Verhältnis zur sozialen Beeinträchtigung durch den Ausstand stand, durch Enteignungsversuche, hinter denen keinerlei ernste proletarische Vorbereitung stand, ist die herrschende Klasse Staliens mit wahrhaft pädagogischer Be» harrlichkeit dazu gebracht werden, sich doch etwas auf sich selbst zu besinnen. Mit kleinem wurde angefangen: die Studenten ersetzten die Streikenden sti öffentlichen Diensten, es wurde öffentlich für Streikbrecher gesammelt usw. Von da geht eine lange Entwicklung zur Blockbildung bei den Gemeindewahlen vom Herbst 192(1 zu dem größeren bürgerlichen Block bei den Parlamentswahlen im Mai 1921, die vorläufig in dem parla- mentarischen Zusammenschluß der„demokratischen" Parteien, also der bürgerlichen Liberalen, im vorigen November mündet. Die Bourgeoisie fühlt sich als eine politische Einheit und wendet sich bewußt gegen das Proletariat, in dem sie eine Gefährdung seiner Klassenstellung erkannt hat. Der Fafcismus läuft nebenher wie ein kläffeyder Köter, manchen nützlich, vielen sympathisch, von einer Minderheit als Begleiter erkannt, dessen man sich schämen sollte und der seinen eigenen Gönnern gefährlich werden kann. Heute hat er sicb ein politisches Programm gegeben: nationalistisch, indi- vidualistisch, kleinbürgerlich, aber sein Wesentliches bleibt, seine Kampsorganisation, die unsere Volkshäuser anzündet, unsere Genossen mit Knüppeln totschlägt, vor Diebstahl und gemeinem des Fascksmus schämt, so ist er doch einem andern Teil nutzlich. In den ländlichen Provinzen dient er beüamvtlich dem Agrarier- tum, für das er die Vernichtung der Landarbeitergewert- schaften besorgen soll, welche Arbeit gewissenhast, wenn auch nicht gratis getan wird. Und gegenüber diesem erstarkten Bürgertum, das gelernt hat, die Wortdrohungen des Proletariats nicht mehr zu fürchten und sich gegen die tatsächlichen Vorstöße systematisch zur Wehr zu setzen, steht eine durch Uneinheit und Unklarheit geschwächte Arbeiterschaft. Niemand, der italienische Verhältnisse kennt, wird diese Uneinheit ausschließlich den geistigen Führern der Arbeiterbewegung zur Last legen: das allgemeine Milieu, die getäuschten revolutionären Hoffnungen, die russische Propa- ganda und die schwere wirtschaftliche Krise bieten der inneren Uneinigkeit des Proletariats einen allzu günstigen Nährboden. So hat das jetzt zu Ende gehende Jahr im Jänner die Ab- spaltung der Kommunisten aus der sozialistischen Partei ge- bracht. Weit ernster zu nehmen als diese Spaltung, die unter dem Druck Moskaus ersolgte�und eigentlich nur von uns ab- trennte, was uns schon vorher sehr fern war, ist die innere Entfremdung der Massen zu nehmen, die sich in den von den Fascisten besetzten Provinzen vollzieht. Die ländliche Arbeiter- fchast hat bisher auf unsere Partei geblickt, nicht nur als auf eine geistige, sondern auch als auf eine praktische Macht, als die sie sich ja auch bei den auf dem Boden der Gesetzmäßigkeit sich abspielenden Lohnkämpfen bewährt hatte. Nun sieht sich diese Arbeiterschaft seit Monaten wehrlos der Gewalt der Fascisten ausgeliefert, sieht sich an Leib unnd Leben bedroht, steht Weib und Kinder, chab und Gut einer organisierten Verbrecherbande preisgegeben und hört von der sozialistischen Partei keinen . andern Rat, als den, auszuhalten, der Gewalt nicht die Gewalt entgegenstellen, auf bessere Zeiten zu hoffen.... Und die Arbeiter werden irr an der eigenen Partei, von der sie meinen, sie müsse sie entweder materiell verteidigen oder ihren Schutz bei der Regierung erzwingen. Dabei würde die Organi- sation der bewaffneten Verteidigung zum Bürgerkrieg führen und der immer wieder versuchte Druck aus die Regierung bleibt wirkungslos, teils weil die Regierung dem Gegendruck der agrarischen Interessen erliegt, teils, weil sie technisch außer» stände ist, den Fascismus zu meistern. In dieser Einsicht ist der Fall von Cremona typisch. Die Fascisten haben da irgend- einen ihrer Klimbims veranstaltet und sausen mit Lastauto- mobilen von Ort zu Ort, den Schrecken ihrer knüppelbewaffneten Scharen über die ganz« Provinz verbreitend. Der öffentlichen Sicherheit halber saust«in Auto mit Polizisten hinterher. Natürlich haben die Fascisten das bessere Auto/ Die Polizisten bleiben zurück und verlieren die Spur. Inzwischen fällt das Auto der Provinzialverwoltung den Fascisten in die Hände, die seine drei Insassen niederknüppeln! Eine Situation, aus der es theoretisch und praktisch schwer ist, einen Ausweg zu finden, schürt natürlich auch den inneren Zwist. Den extrenien Elementen liefern die Fascisten Wasser auf die Mühle ihrer Gewaltpropaganda, während der rechte Flügel der Partei unsere Ohnmacht, eine Regierung zur Durchführung der Gesetze zu zwingen, auf die Weigerung der Partei zurückführt, durch Unterstützung eines Kabinetts oder durch Eintritt in ein solches direkten Einfluß auf die Ge» schicke des Landes zu gewinnen. Dazu kommt die Krise, die täglich vorrückt und die Er» rungenschaften der Gewerkschaftsbewegung bedroht, Am l. November belief sich die Zahl der Arbeitslosen nach off:- zieller Statistik auf beinahe eine halbe Million. Daher Ab- bau der Löhne, gegen den die Kommunisten den Generalstreik vorschlagen, was für die Unternehmer ein gefundenes Fresien wäre. Und die Finanzlage des Staates verschärft die Krise, einmal durch die aus ihr folgende übermäßige Abgabenbe- lastung der Betriebe, dann durch ihren Einfluß auf die Valuta. Italien muß seine Rohmaterialien aus den Ländern hoher Valuta beziehen und sieht seinen Markt überschwemmt von den JndustrieprodUkten der Länder mit niedriger Valuta, nament- lich Deutschlands und der Tschechoslowakei. Gleichzeitig ver» schließt die geringe Kaufkraft der Mark und der Krone wesent- Christentum und Sozialismus. Innerhalb der Sozialdemokratle wird heute der Zusammen- hang von Sozialismus und Christentum mehr denn je umstritten und diskutiert. Im Weihnachteartikel der„Glocke" knüpft Hermann Wendel, nach einer scharfen Abrechnung mit der Friedensheuchelei des offiziellen Christentums, an das zeitgemäße Religionsthema einige Betrachtungen, die beachtet zu werden verdienen: „Aber selbst nach der furchtboren Lehre von ISIS macht sich nach wie vor der Ungeist des Hurrachristentums auf der Kanzel breit: der„deutsche Gott" wird gegen den„Feindbund" angerufen, und während in der angelsächsischen Welt die Geistlichbcit geradezu den Sauerteig in der Friedensbewegung darstellt, lassen sich in Deutschland die Pfarrer fast an den Fingen einer Hand herzählen, dl« aus der Heilsbotschaft der Weihnachten die Folgerung pazifisti- scher Betätigung ziehen; sie haben auch mit einem unwilligen Stirnrunzeln des itonfistoriums zu rechnen. Die offizielle Kirche hat darum in diesen Togen gerade dem verlangenden Gemüt nichts zu sagen, das jenes: Und Friede auf Erden! in di« Tiefen seines Wesens aufnehmen möchte. Und doch ist nach den Jahren jeglichen Zusammenbruchs, nach der Folge auch seelischer Katastrophen der Drang nach einer Er- Neuerung der Menschheit im Geiste lebendiger denn stit langem: das Gefühl des Menschen gewinnt wieder explosive Kraft: der Hunger nach mehr als dem Brot des Alltags erhebt vielfältig feine Stimme. In seinen Kinderjahren leistete der Sozialismus diesem Grundtri«b der Menfchenbrust Geniige: der Sektengeist der ersten Anhänger Lassalles verglich die junge Bewegung dem Ur- christentum: das Bekenntnis zur Sozialdemokratie war weit über das Politische hinaus eine seelische Durchrüttelung und Erhebung. Doch das ist schon lange her. Seitdem Hot sich die kleine Heerschar gläu- biger Sozialisten mächtig in die Breite gereckt, aber der Sozial- demokratie ist damit die Möglichkeit n�cgcrückt, eine Partei unter deii Parteien zu werden. Sie bat heute einen genau klappenden Verwaltungsapparat, eine trefflich geschulte Bureaukratie: eine gut einexerzierte Mitgliedschaft: sie hat für jedes Ucbel eine Programm- sorderung und für jede Lage ein Schlagwort: sie hat das Weltall sauber in Fächern und Kästen untergebracht und die Teile mit I» L t � 2 und so fort bezeichnet, aber ist Sozialismus heute bei vielen nicht mehr eine Sache des Mitgliedsbuchs als ein aufwühlen- des inneres Erlebnis? Sind unsere Anhänger wirklich ein neuer Menschenschlag: Sozialisten, oder nur etwas Mechanisches: Organi- fierte? Die zweifelnde Frage umschließt schon die betrübliche Ant- wort: Trotz des Migliederzustroms, der Rsgierungsfähigkeit, der Ministersessel droht dem Sozialismus die Gefahr, der die Kirche längst unterlegen ist, statt einer lebendig wirkenden Macht eine seelenlose Maschine zu werden. Zum Glück hat es der Anzeichen genug, die auf Abkehr von dieser Tendenz zur Verflachung hindeuten: ein Kongreß hat unlängst die religiösen Sozialisten zusamengeschart, zwischen Weihnachten und Neujahr halten die chrmlichen Revo- lutionäre ihren Kongreß ab, und vor allem pflegt die neue Jugend innerhalb des Sozialismus«inen neuen Idealismus: und all unsere Hoffnung ist bei ihr. Die große Revolution von 1789 hat Ernst Moritz Arndt ein »Zeichen der dritten Epoche des Christentums" genannt. Auch wer «che ilbsatzmärcktr für sein« agrarischen Erzeugnisse. So reste« auch für Italien bittere Früchte aus dem»Friedens'vertrag von Versailles. Das neue Ivhr wird im Zeichen der proletarischen De- fensive stehen. Möge die Not der gemeinsamen-Abwehr das Proletariat einigen, das die inneren und äußeren Wirren einer schweren Zeit um seine Einheit gebracht haben. Stinnes unö Deutschlands Kreditwürdigkeit. Stinnes hat einem Redakteur eines deutsch-bürgerlichen Prager Blattes ein Interview gegeben, in dem er dementiert, daß er in amtlichem Auftrage in England gewesen sei und daß er beabsichtige, noch einmal nach London zu gehen. In der Reparationsfrage nimmt er seinen altbekannten pessimistischen Standpunkt ein.„Jedenfalls entsprechen die bisherigen Nach- richten über Gewährung von Reparationserleichterungen nicht den Tatsachen, zu einer Verstänl.„ uig ist der Weg noch weit." — Natürlich Hot Stinnes immer gesagt, daß die Reparationen unerfüllbar seien— wer hätte es nicht gesagt?— leider hat er es aber mit der gleichen Stetigkeit abgelehnt, unter Opfern seitens des Besitzes den Beweis für diese Behauptung zu erbringen. Stinnes ist bisher noch immer ein schlechtes Orakel �>- wesen, wie denn auch sein Ruf als politischer Säugling in Deutschland bereits unbestritten geworden ist. stellenweise so- gar sagenhafte Formen angenommen hat. Begreiflich, daß er jetzt im Ausland nach einem Echo sucht; leider ist aber zü befürchten, daß er mit folgenden Ausführungen bei seinen Gesinnungsfreunden im Ausland Beifall findet: „Die Bant von England lehnt jede Kreditgewährung ab, so- lange nicht Deutschland konsolidierte Verhältnisse hat. Diese Kon- s o l i d i e r u n g kann nur dann erzielt werden, wenn auch in den Staatsbetriebes, der kaufmännische Grundsatz der Aus- Nutzung der Konjunktur Anwendung findet. Ein Muster- beispiel für unkaufmännische Gebarung in den Betrieben bleten die Reichseisenbahnen. Unser Konzern oerfügt über eine große Anzahl von Kleinbahnsystemen im Westen Deutschlands. Im ver- gangenen Sommer, als die Preise niedrig waren, haben sich alle diese Kleinbahnen mit Material auf viele Jahre eingedeckt. Hier- durch wurden Milliarden erspart, die der Bettieb der Reichseisen- bahnen nicht erspart hat. Das Sparsawkeitsmoment findet bei den Bahnen eine unkaufmännische Anwendung. Eine Aenderung der Betriebsform würde nur zweckdienlich sein, um diesen Staatsbetrieb von seinem ungeheuren Defizit zu be- freien. Wird in den Staatsbetrieben eine kaufmännische Gebarung Platz greifen, dann wird auch die Kreditfähigkeit Deutschlands«ine Besserung erfahren. Im gegenwärtigen Momente sind Aussichten auf Erlangung eines Kredits sehr gering." Herr Stinne» vermeidet geflissentlich zu erwähnen, daß die Sparsamkeit der Reichsbetriebe oft nicht nur durch die bureaukratische Verwaltung, sondern auch durch die unaus- gesetzten Preissteigerungen der ihm gewiß nicht ganz unbekannten Schwerindustrie unmöglich gemacht worden ist. Di« Privatbetriebe deckten sich im Konzern mit Material ein. gls die Preise niedrig waren. Die Eisenbahne n aber waren dazu da, daß sie hohe Preise zahlten und billige Tarife dem Handel und der Industrie gewährten— eine Methode, die Stinnes für sich ablehnte. Er braucht ja selbst für die Kohle die Weltmarktpreise— um nachher über Geldentwertung, Reichsdefizit, Notenprefle und Kredit- unwürdigkeit des Reiches klagen zu können. Das Ganze nennt sich„kaufmännischer Geist". Er wird nur damit kein Glück haben, solange die deutsche 2lrbeiterschaft wachsam ist und weiter das Ziel verfolgt, durch Bereitschaft zum Wiederaufbau der Welt die Unsinnig- keit des Friedensdiktates zu beweisen. 'Aus! August Winnigs Zeitschrift»Der Morgen' ist ein- gegangen. An ihrem Grabe trauert die, Deutsche TageS- zeitung". im» Soziallsmus keineswegs ein Zeichen für die vikxte Epoche de» Christentums sieht, auch wer aller Mystik abhold fest im Diesseits wurzelt und mit dem persönlichen Gottesglauben nichts anzufangen weiß, vermag nicht zu leugnen, daß dem Sozialismus eine Befruchtung mit den besten Kräften, mit dem Motorischen des Christentums ein Gewinn wäre. Sozialismus als seelische Angelegenheit, als. Erlösung nicht nur der Menschheit, sondern auch des Menschen, als Durchdringung unseres ganzen Wesens, wie in ihrer hohen Zeit, im Mittelalter, die Kirche den ganzen Menschen durchdrang— darin liegt»ine wichtige und würdige Aufgabe der Gegenwart. Nur wenn er ihr gerecht zu werden versteht, wird der Sozialismus nicht im Besten versagen und mit dem goldenen Klang der Weihnachtsbotschast vom Frieden aus Erden wirklich an di« Herzen rühren. Neues von der Sowjeffunst. Die bildende Kunst hat im bossche- wistifchen Rßland eine große Förderung erfahren. Sitzen doch im Präsidium des Regierungskollegiums für die bildenden Künste so hervorragende Männer wie der führende russische Kunsthystoriter G r a b o r und der berühmte Maler K a n d i n f k y. Ueber die Er-' folge dieser Arbeit berichtet Iwan Faludi in einem Aufsatz der von Dr. Max Epstein herausgegebenen Zeitschrift»Das Blau�Heft". Während das zaristische Rußland nur 81 Provinzmuseen besaß, gibt es jetzt 191 Museen in den Provinzen.„Das Inventar und die gesamten Kunstschätze dieser Museen," schreibt Faludi, „rühren allerdings aus Privatbesitz her. Man kann aber dies« Art der Sozialisiming nicht Raub nennen, denn die Sowjets retteten lediglich die meisten Kunstschätze vor der Wut des Pöbels, indem sie sämtliche bei Privatsammlern befindlichen Gemälde und Skulpturen als Staatseigentum in Sicherheit brachten. Die von den Sowjetleuten geleistete Kulturarbeit machte sich in erster Ljnie in der Neuorgani- fierung der alten Sammlungen bemerkbar. �vie Eremitage, die be- rühmte Galerie Katharinas II. im Winterpalais, war bisher nur Kunstwerken zugänglich, die aus dem 17., 18. und früheren Jahr- bunderten stammen. Heute beherbergt das„Kunstpalois", wie das Wintsrpalois des Zaren genannt wird, alles, was in der Kunst für wertvoll gilt, gleichviel, welcher Tendenz und Epoche es entstammt. Kataloge und Illustrationen machen das Volt mil dieser ersten Kunstsammlung der Sowjetrepublik bekannt, und billige Re» Produktionen von Gemälden werden unter dem Land- v o l k verbreitet. Außer der Organisierung von Museen und ständi- gen Ausstellungen mochte besonders dos Kulturwerk der W a n d e r- ausftellungen und der Volkskunst große Fortschritte. So ver- anstaltete man' in den Festsälen der Universität in Kasan eine grandiose Ausstelluna aus der Kunst der Ostvölkcr. Unter der Lei- tung Grabar» bereiste eine Kommission das nördliche M:ßland, um dort Kunstwerke zu sammeln. Sibirien, dessen Kvftur in den letzten Vorkriegsjahren sich sehr entwickelt hatte, macht heute dem europäischen Rußland starke Konkurrenz. Im Zusammenhang mit dem Museum für Kunst wurde In Omsk eine Kunstqewerbeschule eröffnet. Tomsk, Jrkutsk und andere kulturell« Mittelpunkte des asiatischen Rußlands besitzen ebenfalls Hochschulen für Musik und Malerei." Die p r o l e�t a r i s ch e K u n st b e w e g u n g, die die Arbeiter zu Künstlem machen will, hat allerdings noch keine großen Erfolge erzielt, denn die wirtschaftlichen Bedingungen, die dazu nötig Die Geschichtsklitterer. Die Veröffentlichung des Briefwechsels Wilhelm-Hinden- bürg i)Ot eine umfangreiche Preßerörterung über die Flucht des Kaisers am 9. November 1918 ausgelöst. Wilhelm be- hauptet in seinem Schreiben an Hindenburg darüber bekannt- lich folgendes: Wie Sie wissen, habe ich mich zu dem schweren, furchtbaren Entschluß, außer Landes zu gehen, nur auf Ihre und meiner übri- gen berufenen Ratgeber dringende Darstellungen durchgerungen.... Mit diesem Satz versucht Wilhelm, die Autorität Hinden- burgs schützend vor den Makel seiner Ausreißerei zu stellen. Die nationalistische Presse hat das sofort aufgegriffen. Die „Deutsche Tageszeitung" prägte z. B. den fulminanten Satz: Wer jetzt noch wage, dem Kaiser feige Flucht vorzuwerfen, der streiche sich selbst aus der Liste der anständigen Menschen. Nun erinnert die„Voss. Ztg." daran, daß Hindenburg selber vor Jahr und Tag eine ganz andere Darstel- l u n g der Dinge gegeben hat. Im Sommer 1919 erschienen die Schilderungen der Hofgenerale v. P l e s s e n und v. Schulenburg über die Vorgänge im Großen Haupt- quartier. Dazu veröffentlichte im Juli 1919 die deutschnatio- nale Presse eine Erklärung H i n d e n b u r g s, in der es heißt: Der Generalfeldmarschall verließ den Kaiser um 5 Uhr, nicht mit dem Gedanken der Trennung, sondern in der festen Ueber- zeugung, seinen kaiserlichen Herrn am nächsten Tage wieder-uschen und seine endgültigen Befehle entgegenzunehmen. Gegen 7>- Uhr kam der Generaloberst v. Plcssen zum Gcneralfeldmarschall in dessen Geschäftsgebäude und teilte ihm mit. daß seine Majestät sich in- i zwischen entschlossen habe, dem Vortrag am Nachmittag entsprechend, nunmehr nach Holland abzureisen. Die Erklärung sagt weiter, der Generalfeldmarschall habe � von der am 10. November erfolgten Abreise»er st erfahren, nachdem sie ausgeführt wa r"? i Also: Wilhelms Brief stellt Hindenburg als den g e i- ■st igen Urheber der Flucht nach Holland dar, in Hinden- ! burgs Darstellung vom Juli 1919 erscheint der Feldmarschall � als der durch die Abreise Wilhelms vollkommen Ueber- raschte. Ein vollkommener Widerspruch, der für Weise wie ' für Toren gleich unerklärlich bliebe, wenn nicht folgende Er- � wägung die Brücke zum Verständnis lieferte: Durch die Ver- öffentlichungen im Juli 1919 sollte der Kaiser dargestellt wer- den als der durch Max von Baden Verratene, während heute bewiesen werden soll, daß die Gründe, die den Kaiser zur Abreise veronlaßten, unwiderstehlich zwingende gewesen seien. Je nach dem Zweck wird nun die Darstellung eingerichtet: Wenn der Kaiser verraten gewesen sein soll, darf Hindenburg natürlich von seiner Abreise nichts gewußt haben. Soll aber der Kaiser unter dem Zwang der Notwendigkeit gehan- delt haben, so muß dieses Handeln umgekehrt durch die Autorität Hindenburgs gedeckt sein.— Man hat hier ein anschauliches Bild, wie deutschnationale Gefchichts- darstellung zustande kommt und wie sie vom Standpunkt ob- jektiver Geschichtsforschung aus zu werten ist. 2HS Neuomneftierte. Die Zahl der auf Wunsch de» Reichspräsidenten vom Reichs- jusilzminlster zu Weihnachten begnadigten Märzopfer beträgt 2öS. haftentlassen wurden auf telegraphische Anweisung de» Reichs- justizminister» solch« Gefangene, die zu einer Gefängnisstrafe unter einem Zahre verurteilt waren. Rechnet man zu diesen Entlassungen di« bereit» vorher aus Grund ordnungsgemäßer Gnadengesuche er- solgtea Freilassungen, dann übersteigt die Zahl der Begnadigten ins- gesamt Z<10. Da» ist ein ganz beträchtlicher Teil der von den außer- ordealüchea Gerichten insgesamt verurteilten Beieiligten am März- putsch._ Ruth Fischer au« der Haft entlassen. Wie die.Rote Fahne' mitteilt,>st tie Kominuinstin Rutb FisSier gegen Kaution ouS der Haft entlassen worden unter der Bedingung, sich in einer bestimnucn Wobnung aufzuhalten. Die Verhaftung erfolgte wegen Nicht- befolgung eines Ausweisungsbefehls. sind, ließen sich nicht verwirklichen. Hunger, Elend und Verkchrsnot wirkten auf das Geistesleben hemmend ein. Unter den neuen Kunst- richtungen, die wie Pilze aus der Erde schössen, sind hauptsächlich der„Künstlerische Nihilismus" von Matsewitsch zu nennen, der die Verneinung sämtlicher Farben und Ausdrucksmittel predigt und Gemälde„Weiß auf Weiß" schafft, und der ,1 a t l i n i s m u s", dessen Schöpfer Tatlin mit dem Entwurf des Denkmals der Dritten Internattonale beauftragt wurde. Das Denkmal soll ausschließlich aus Glas und Eisen bestehen und eine Verbindung des Eiffelturms mit den Motiven amerikanischer Wolkenkratzer und asiatischer Vau- kunst darstellen. Die ollerncueste Schule der„tektonischen Primi» tiven' arbeitet mit den Mitteln der osiattschen Volkskünsts und des Kubismus. Schwarzer Marmor in Bayern. Schwarzer Marmor gehört bekanntlich zu den seltensten und daher kostbarsten Marmvrsorten, die es gibt. Nur Belgien hat größere Vorkommen dieses Gesteins und genoß daher bis vor kurzem eine Art Monopolstellung auf dem Marmormartt. Nun sind in letzter Zeit auch in Deulschland, und zwar im bayerischen Franken, Bruchstätten schwarzen Marmors cnt- deckt worden. Sie finden sich im Frantenwalde und am Döbraer Berg in der Nähe des oberfräntischen Städtchens Naila. Mit dem Döbraer Marmor wurden bereit» Polierversuche angestellt. Die Er- gebnisse sind hervorragend. Der Stein nimmt Hochglanz an und zeichnet sich durch einen rein tiesschwarzen Grundton aus, der von leuchtendwcißem Geäder durchzogen wird. Damit ist ein Steuer farbenprächtiger Dekorationsstein gefunden worden. Rellgiäse Massenpsychose in Schotftan?» Die seetische Verwirrung der Nachkriegszeit macht, wie man schon öfter seststellen tonnt«, auch an den Grenzen der siegreichen Länder nicht halt. Zu solchen Zeichen einer di« ganze Welt beherrschenden Sehnsucht noch Umwandlung und Erneuerung gehört auch das Auftreten einer religiösen Be- wegung in den Fischerdörfern und kleinen S'ädien der Nordostküste Schottland, von der jetzt näheres berichtet wird. Die ersten Mel- düngen hatten zwar allerlei übertrieben« Einzetheitai enthaften aber auch bei genauerer Unersuchung bleibt genug des Seltsamen bestehen. Ein französi'cher Psychologe, der die Ange'eaenheit an Ort und Stelle studiert hat, ist der Meinung, daß es sich um ein« Bewegung von besonderer Kraft handle. In vielen von den in Betrach! kommenden Orten ist das töoliche Leben völlig zerstört. Kinos und Tanzböden sind verlassen. Man hat da und dort Scheiterhaufen errichtet, auf denen man Pfeifen, Spielkarten, Tanzschuhe und dergleichen öffent- lich verbrannt hat.- Massenweise finden, besonders nach's. überfüllte Versammlungen statt, in denen gebetet und pep-edgt wird un'v die Zllenge ihr« Sünden bekennt. Das aufaersg'e Volk hält Durchreisend« an, ja es holt sie selbst von durcksobrenden Autos herunter, um die Frage an sie zu stellen, ob sie für die Reltung ihrer S-ele ge'orat hüben. Scharen von Kindern ziehen betend und singend durch die Strafen. Es ist kein Wunder, daß bei so'cher Erregung der Gemüter auch scban mehrer« Fäll« osfenbaven Wahnsinns vorgekommen sind. Sechs Personen, meist jung« Männer und Frauen, mußten in die Irrenanstalten eingeliefert werden. Das felt'omste an der ganzen Erscheinung ist. daß ein Ausgangspunkt nickst festoestellt werden kann, und daß es völlig an leitenden Persönlichkeiten lehlt. Die Beweaung entbehrt jeder Organisation. Sie brach plötzlich unter der Fischer- beoölkerung einiger Orte aus und verbreitete sich mit großer Rosa Luxemburg keine Solsthewistin. Die Veröffentlichung der hinterlasienen Schrift Rosa Luxemburgs hatte die KPD. in einige Verlegenheit versetzt. Schließlich tat die Zentrale, was sie in allen Aengsten zu tun pflegt: Sie versteckte sich hinter einer Erklärung Klara Zetkins. In dieser Erklärung wurde behauptet, die Bro- schüre Rosa Luxemburgs entspräche nicht der Auffassung, die Rosa Luxemburg nach ihrer Befreiung aus der Schutzhaft und bis zu ihrer Ermordung in der Oeffentlichkeit vertreten habe. Gegen diese Darstellung protestiert nun PaulLange, einer der Mitbegründer des Spartakusbundes, in einer Zu» schrift an die„Freiheit". Paul Lange schreibt: � Was Klara Zetkin schreibt, ist falsch. Rosa Luxemburg hat sich nie dazu hergegeben, etwas einfach deswegen zu schreiben,«eil es von den Bolschewisten gewünscht wurde. Sie ist auch incker- lich nie Bolschewistin geworden: sie wünschte nicht, ein politisch unwissendes Proletariat durch demagogische Mittel zu beherrschen; sie wollte vielmehr die polltische Intelligenz und Tatkraft des Proletariats steigern, damit es Herrscher werde. Das geht aus allen Aufsätzen hervor, die Rosa Luxemburg damals geschrieben hat. Den ganzen Weltkrieg hindurch haben sich Rosa Luxemburg, Leo Jogiches, Franz Mehring ihre kritische Haltung gegenüber den Leninisten zu wahren gewußt. Wenn nach dem Kriege der organisatorische Zusammenschluß des Spartakusbundes mit den deutschen Leninisten durch die Gründung der Kommunistischen Partei erfolgt ist, so ent- sprach das weniger den inneren Wünschen Rosa Luxem- burgs und Leo Jogiches', als vielmehr der Absicht, nicht neben dem Spartakusbund eine neue Partei entstehen zu sehen. Es war auch nicht nur ein Zeichen von politischer Langeweile, sondern«in positives Zumausdruckbringcn jener in der Broschüre enthaltenen kritischen Gedanken, daß Rosa Luxemburg in Uebereinstimmung mit der damaligen Zentrale des Spartakusbundes im Dezember 1918 ein politisches Programm des Spartakusbundes herausgab— kurz vor dem Gründungsparteitage der Deutschen Kommunistischen Partei. Das noch heute schwarz aus weiß vorliegende Programm des Spartakusbundes war ein Vorbehalt, eine Demonstration gegen die bolschewistische Taktik. Es sollte auch eine politische Fest- l e g u n g der zu gründenden Kommunistischen Partei sein. Das bleibt selbst dann wahr, wenn auch heute noch einige dieses Pro- gramm nicht begreifen, die es damals mit beschlossen haben, oder wensi es einige verleugnen. Der Versuch Klara Zetkins, die historische Gestalt Rosa Luxem- burgs zu einer Anhängerin der bolschewistischen Taktik, zu einer Terror! st in zu machen, wird von all denen zurück- gewiesen werden, mit denen sich diese gerade in den Ianuartagen 1919 über solche Fragen ausgesprochen hat. Es bleibt schon dabei, daß die geistige Verantwortung für Putschtaktik und Terror-Anbeterei allein auf den Leuten vom geistigen Niveau der Eberl ein-Zentrale lastet._ Ein neuer Hungerstreiks llns wirb ein Aufruf der polltischen Strafgefangenen Im Zucht- Haus Lichtenburg übermittelt, indem dies« von neuem den Hunger- streik ankünden, und zwar soll dieser am 22. Januar 1922 b«. ginnen. Die Gefangenen erklären, daß sie am zehnten Tage nach Beginn de» Hungerstreiks auch die Aufnahme von Wasser ver- weigern wollen. Die Veröffentlichung des Ausrufs müssen wir ablehnen, da dieser nur geeignet ist, der Sache der Gefangenen selbst auf das schwerste zu schaden, und unreife Elemente der Arbeiterschaft zu Handlungen zu verleiten, die sie in ähnliches Unglück stürzen würden wie die Gefangenen selber. Wir sprechen hier noch- mal» mit aller Offenheit aus, daß der Hungerstreit ein durchaus ungeeignetes und zweckloses Mittel ist, um die Frei- lassung sämtlicher Gefangenen zu erzwingen. Der Reichsjustiz-' minister, Genosse Radbruch, hat ein« periodische Nachprüfung der Schnelligkeit über die schottische Küste. Schon beginnt Aberdken angesteckt zu werden: die Anhänger finden sich unter allen Gesell- schaftsklassen. Dabei sind die Fischer der schottischen Küste ein harter und zurückhaltender Menschenschlag. Aber die seelische Ernüchterung imd Enttäuschung der letzten Jahr« hat sich in diesem besonderen Fall mit wirtschaftlichen Notständen verbunden, die ihre Wurzel in den schlechten Ergebnissen des diesjährigen Fischfanges hoben. In solcher Atmosphäre konnte der in der ganzen Welt auskeimende Ansteckungs- stofs in den durch den traditionellen Caloinismus Nordschottlands vorbereiteten Gemütern leicht Boden finden. Eine Stadl unter lvasier. Ueber die schwer« Sturmflut, von der die am Nordufer�des Humber gelegene englische Stadt Hull In diesen Tagen heimgesucht wurde, bringen die Londoner Blätter jetzt nähere Einzelheiten. Die alten und tiefliegenden Teile der Stadt waren im Handumdrehen von den wildbrausenden Gewässern de» Humber überflutet, nachdem die Schleusen, die besonders die unter dem Wasierspiegel liegenden Teile der Stadt schützen sollten, wie alles, was der Flut in den Weg trat, weggespült worden waren. Die Straßen waren, als die Katastrophe eintrat, von Menschen über- füllt, die sich beim Herannahen der Flut in hastender Eile in die Häuser und Läden flüchteten. Aber das Master, das rasch die Höhe von zweieinhalb Meter erreichte, überflutete im Augenblick die unteren Stockwerke, so daß sich alles in die oberen retten mußte, nachdem man versucht hatte, die Möbel in Sicherheit zu bringen. Auf den schmutzigen Wassern trieben Bänke und Körbe mit Enten, Gänsen und anderem Geflügel. Bald stieg die Flut von den niedrigen Stadt- teilen in, die höheren hinauf. Man sah zwischen den Gaslampen, die brennend aus dem Master hervorragten, Fische aufblitzen. Viele Haustiere wurden von der Flut überrascht und ertranken. Fast alle öffentlichen Gebäude und zehn Banken erlitten durch die Flut schweren Schaden. Die Eisenbahnzüge mußten halten, die Telephon- und Telegraphenlcitungen waren zerstört. Der Schaden ist sehr groß, er wird für Hull allein auf 10 Millionen geschätzt. Die Staat ist immer noch überschwemmt, und man spricht von vielen Helden- haften Rettungstaten, die namentlich bei der Bergung von Kindern und Greifen in die Erscheinung traten. Vorträge Im Kunstgewerbemusenm. Daä Kunstgewerbemuseum ver- anstattet im nächsten Quartal zwei vortragtrelhen: 1. Pro- sessor O. Mente»D er neuzeitig« Bilddruck', Freitag abendi 8 Uhr, Anfang 20, Januar; 2. Professor Dr. O. Fischet.Kleider- ku n st und Z e i t sti l', Dienstag abends 8 Uhr. Anfang 24, Januar. Karten im Lesesaal der Bibliothek, Prinz-Albrecht-Str. 7». Volkskockitchule Groh-Bertin. Ter Arbeitsplan enthält die An- tstndigung von iveit über 200 Veianstoltunaen aus allen tKebietcn der Wissrnlchalt, Zechnik, Ktinst und Literatur. Für die inelsten ist die Form der Aibeilsremeiuschatt vorgesehen. Daneben finden auch Vortrags- reihen vor gräncrer Hörerfchait statt. Außerdem gibt e« natnrwissen- schatlttche Wanderungen, Muse nmSsüdrun gen und t>i n ft- lerilche Veran Haltungen. Die Horaebübr betiägt noch immer nur 50 Pi. für die Stunde, dt« vortiagSr�M von 8 Abenden zu je 2h, Stunden lotlel 6 M., die Reibe von 8 DrWilsttinden 8 M, Die einzelnen Lehrstätten(mebr als s ü n i z i g) verteilen sich aus alle Stadt- gigenden, Di« ßs e I ch ä s I S st e l I e ist NW 7, Wcorgenslr, 34/36. Hörer- tarten und Arbeitspläne sind außerdem in der Vottsbühnenbuchhandlung zu dabei», seiner in den Buchhandlungen.Freiheit- und.Vorwärts-, so- wie an zahlreichen anderen Stellen. Der Kartenvcrtaus beginnt am 18, Dezember, die Arbeit am S. Januar. Urteile zugesichert, die Ausführung dieses Versprechens wirb durch Hungerstreiks in keiner Weise gefördert. Da bis zum angekündigten Termin des Hungerstreiks noch eine Frist von fast vier Wochen liegt, so hoffen wir, daß auch die K o m m u n i st e n, die ja schon beim ersten Lichtenburger Hungerstreik im Reichstag und Landtag erklärt haben, daß sie alles aufgeboten hätten, um die Ge- fang enen vom Hungerstreik abzubringen, uns jetzt in unserem Bemühen unterstützen werden, in der Zwischenzeit die Gefangenen-von der Zwecklosigteit ihrer Absicht zu überzeugen. Die Jugenö für Sie Nieöerschönenfelöer! Der Reichsausschuß der in der SPD. organisierten Jung- sozialisten hat zu Weihnachten an den bayerischen Minister- Präsidenten folgendes Schreiben gerichtet, um besten Deröffenllichung wir gebeten werden: Herr Ministerpräsidentl Sie werden es begreifen, daß das die ganze Oeffentlichkeit inter- essierende Los der unglücklichen politischen Gefangenen aus der Festung Niederschönenfeld besonders diesoziolistischeJugend aus das schmerzlichste berührt. Wir nehmen den wärmsten Anteil an den Gefangenen, von denen ein Teil Mitglieder unserer Partei sind und deshalb, wenn sie auch durch gerichtlich« Urtelle zu harten Strafen wegen der Ereigniste in München verurteilt sind, doch ihrer ganzen politischen Auffassung nach im Gegensatz zu den Trögern der Münchener Räterepublik standen und stehen. Sie wissen als Justizminister noch bester als wir, wie leicht in politisch stark erregten Zeiten auch die Gerichte nicht genau zu unterscheiden vermögen zwischen den tatsächlichen Leitern und Treibern einer Bewegung und den von diesen Mitgerissenen. Aber ganz abgesehen davon, ist s o lange Zeit seit dem Beginn der Urteilsvollstreckung verflossen, war die Strafvollstreckung lo hart und streng und auch im Wider- s p r u ch mit dem, was der Gesetzgeber unter Festungshaft verstanden wissen wollte, daß wohl genug verbüßt worden ist. Wenn wir auch selbstverständlich mit unseren Parteifreunden, die, wie die Geschichte der letzten Jahre bewiesen hat, mit den Prinzipien der Räterepublik nichts g'mcin haben, vor allem sympathisieren und ihre Freilassung zu Weihnachten erbitten, so beklagen wir das Los oller, die für ihre Anschauungen büßend noch weiter getrennt von den Ihren hinter Festiingsmaiiern bleiben sollen. Besonders rührt uns dos Schicksal Ernst T-lUrs, dieses hochbegabten Dichters. Wir wünschen nicht, daß man einer deutschen Reaierung nachsagen soll, daß sie im 20. Jahrhundert deutsche Dichter wegen ihrer Gesinnung Jahre hindurch gefangenhalten, in ihrer Gesundheit untergraben, in ihrer dichterischen Fähigkeit gelähmt hat. Das deutsche Volk und die deutsche Jugend wünscht Wieder- gebart des deutschen Geistes, sie hofft von dem Herrn Minister- Präsidenten Bayerns, daß er unser Sehnen nach Befreiung unserer Freunde und eines so begabten Dichters, wie es Ernst Toller ist, nicht nur begreift, sondern auch teilt. Sie wollen Friede aus Erden, Herr Ministerpräsident, nützen Sie die Gelegenheit, das zu beweisen bei dem nun nahenden Weihnachts- feste. • München, 27. Dezember.(WTB.), Der Untersuchungsausschuß der KPD. fällte eine Entscheidung, wonach der kommunistische Stadt- rat W e i g e l dringend verdächtig Ist, die Spende eines amerikoni- schen Genossen zugunsten der kommunistischen Festungsgesangenen an ihm persönlich nahestehende Personen nach seinem Gutdünken verkeili zu hiften. Bis zur vollen Klärung der Angelegenheit dürfe Weigel Funktionen innerhalb der Partei und sein Mandat als Stadtrat nicht ausüben. die Abgabe für öen Wohnungsbau. KO Proz. der Zxricdensmrrte! Bekanntlich stellte sich Reichstag und Reichswirtschaftsrat im vergangenen Monat auf den Standpunkt, daß zur Gewährung von B a u k o st e n b e i h i l s e n im Jahre 1922 die Abgabe zur För- derung des Wohnungsbaues erhöht werden muh. Als Ziel wurde dabei die Aufbringung einer Summe von sechs Milliarden Mark als Mindestbetrag hingestellt. Der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, der soeben dem Vorläufigen Reichswirtschaftsrat und dem Reichsrate den Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung des Ge- setzes über die Erhebung einer Abgabe zur Förderung des Woh- nungsbaues vom 26. Juni 1921 vorgelegt hat, glaubt mit diesem Mindestbetrag von sechs Milliarden Mark etwa 60 000 bis 70 000 Wohnungen finanzieren zu können. Das Reichswirtschaftsministerium beschäftigt sich augenblicklich mit der Frage, wie das von den Dersichcrungeträgern nicht zu er- haltende Kapital beschafft werden kann; es gibt sich der Hofs- nung hin, daß wenigstens ein nicht unerheblicher Teil der nol- wendigen Mittel auf dem Anleihewege beschafft werden kann. Die Wohnungsabgabe muß nach Ansicht des Reichsorbeitsministers mindestens um denjenigen Betrag erhöht werden, der zur Der- zinsung und Tilgung des Mnidestbetrages von sechs Milliarden Mark notwendig ist, wobei die Tilgungsdauer nur auf längsten» zehn Jahre zu bemessen sein dürste. Immerhin betont das Reichsarbeitsministerium, daß die Mög- iichteit offen gehalten werden muß, einen Teil der Abgabe un- mittelbar zur Gewährung von Baukostenbeihilfen— ohne Zu- hilfenahme von Anleihen— zu verwenden. Für das Jahr 1922 wird nach den Schätzungen des Reichsarbeitsministeriums au» der Abgab« ein Betrag von mindestens zwei Milliarden Mark aufzu- bringen sein. Diese Summe erfordert unter Berücksichtigung der Erhebungskosten und der voraussichtlichen Ausfälle etwa 40 Proz. der Friedensmietwerte. Demgemäß müßte für 1922 die Abgabe in Höhe von im ganzen 10 plus 40 gleich 60 Proz.(von Ländern und Gemeinden zusammen) erhoben werden. Nach diesen grundsätzlichen Erwägungen ist in dem vorgelegten Gesetz- entwurs die Fassung des Gesetzes vom 26. Juni 1921 entsprechend abgeändert._ Der Sowsetkongreß. Moskau, 27. Dezember.(OE.) Unter dem Vorsitz K a l i n I il» erstattete Lenin einen zweistündigen Bericht über die äußere und innere Lage Sowjctrußlonds. Obwohl der Weltkapitalismus sich zu zersetzen beginne, hgtten die werktätigen Massen des kapitalistischen Westens noch nicht den Weg der Revolution beschritten. Rußland befinde sich zurzeit im Zustand« eine, labilen Gleichgewicht, und müsse auf neue Ueberfälle gefaßt sein. Die Sowjetregierung habe die Randstaaten anerkannt, verwahre sich aber gegen eine Ver- höhnung, wie sie letzthin Finnland geübt. Ohne Beziehungen zum Auslande könne Sowjetrußland nicht bestehen: es müsse bei den �zum Wiederaufbau herangezogenen Kapitalisten wirlschasten lernen. Zum Schluß forderte Lenin zur Solidarität mit den Bauernmassen auf, was einzig den endgültigen Sieg der revolutionären Errungenschaften verbürg«. Darauf billigte der Kongreß einstimmig die äußere und innere Politik der Sowjetregierung. K a l i n i n berichtete, daß au» staatlichen Mitteln bisher nur l 10 Proz. der erwachsenen Bevölkerung und 17 Proz. der Kinder der Hungergebiete dürftig verpflegt werden konnten, daher war der Staat genötigt, sich um Unterstützung an die Bevölkerung za wenden: die allgemeine Hilfstätigkeit müsse wesentlich verstärkt werden. Kalinin sprach die Gewißheit aus, daß sein Appell auch beim aus- ländischen Proletariat Widerhall finden werde. Kamenew berichtete an umfangreichem statistischen Material über die neue wirischaftsposilik und der Vorsitzende des Obersten Volkswirtschaftsrates, Bogdanow, über die Lage der russischen Industrie. Zu dem Rechenschaftsbericht Lenins bemerft die Moskauer „Prawda", daß er deutlich den Wunsch nach friedlichen Wirtschasts- beziehungcn mit dem Auslande gezeigt habe: die Sowjetregierung würde diese Beziehungen durch Verwaltungsmaßnahmen und durch weitere Zugeständnisse wirtschaftlicher Art erleichtern, doch werde sich Sowjetrußland keinesfalls zum Spiclball für die Groß- mächte hergeben. Der Krach der Ehma-Sank. Zum Verständnis der gestern zum Abschluß gelaugten Debatte der französischen Kainmer über den Krach der C h i n a b a n k wollen wir diese Vorkommnisse aus dem letzten Sommer kurz ins Gedächtnis rufen:>Je betreffende Bank war während des Krieges entstanden und hatte einen großen Aufschwung genommen. Doch verspekulierten sich ihre Leiter in verschiedenen Unternehmungen, und plätzlick drohte der Zusammenbruch. Vorsitzender des Aufsichtsrats war der Senator Andr6 Berthelot, ein Sohn des großen fran- zösifchen Chemikers. Dessen Bruder Philippe, der leitende Beamte des Auswärtigen Amtes, sandte nun an die französische Botschaft in London ein amtliches Telegramm. das er seinem Minister(damals Georges Leygues) nicht vorlegte, indem ersucht wurde, die Reuter-Rachrich'en aus China über den bevorstehenden Krach zu dementieren! Diese Tat der brüderlichen Liebe scheint aber nicht die einzige ge- wesen zu sein. Andere Telegramme ähnlicher Art, die Berth-lot nach Amerika sandte, wurden in der jetzigen Debate enthüllt. Run wurde aber alles nachträglich mit dem„nationalen Interesse" Frankreichs im fernen Osten begründ e. Damit hat sich die Regierung aus der etwas schwierigen Situation herausgemogelt, Berthelot.selbst aber für alle Fälle fallen ge- lassen. Man nennt ihn indessen bereits in Pariser Blättern als den künftigen Botschafter Frankreichs in Berlin. Pari». 27. Dez. lWTB.) In der heutigen Kammersitzung ergriff B r i a n d das Wort, um die Interpellation bezüglich der Sanierung der Banque industrielle de Chine zu beantworten. Er beschäftigte sich im einzelnen mit den gegen den früheren General- sekretär Philippe Bert Helot vorgebrachten Beschuldigungen und erklärte, das Telegramm, das Berthelot dem französischen Finanz- agenten Cazenaoe übermittelt habe, sei kein offizielles Telegramm gewesen, jedoch habe Berthelot geglaubt, er sei im Unrecht und sei deshalb gegangen. Dies sei ein Unglück für das Land, das mit ihm einen erfahrenen Beamten verliere. Die Lage der Banque industrielle de Chine werde jetzt durch den Gesetzentwurf, den er heute eingebracht habe, gerettet. Das hindere nicht, daß, wenn Fehler begangen seien, die Schuldigen b e st r a s t würden. Eine Untersuchung sei im Gange.— Im Lauf der Debatte sprach der Abg. P a i n l« v e zu der Sanierung der Bank und drückte den Wunsch aus, daß in Zukunft die Regierung über alle bedeutenden Bankunternehmungen eine Kontrolle ausüben möge. Nach einer Kontroverse zwischen Ministerpräsident Briand und dem Abgeordneten T a i t t i n g e r, der wiederholt oerlangte, daß die Verantwortlichen in der Angelegenheit der Banque indu- strielle de Chine festgestellt werden, und daß eventuell Strafmaß- nahmen ergrissen werden sollen, wurde die Debatte geschlossen. Es wurden au» dem Hause verschiedene Resolutionen eingebracht. Ministerpräsident Briand nahm die Tagesordnung des Abgeordneten Outrey an, in der gesagt wird, man o e r t r a u e darauf, daß die Regierung das Prestige und den Kredit Frankreichs im fernen Osten nicht vermindern lasse und daß sie alle erforderlichen Maßnahmen hierzu ergreife, auch alle Berantwortlichen in der Angelegenhett der Banque industrielle de Chine feststelle, um Strafmaßnahmen gegen die Berantwortlichen zu ergreifen. Zu dieser Tagesordnung stellte der Abgeordnete Herriot den Zusatzantrag, jedem P a r- lamentsmitglied und jedem Staatsbeamten zu ver- bieten, in den Aufsichtsrat von Finanzgesellschaften einzutreten. Den gestellten Antrag, einen Untersuchungsausschuß einzu- setzen, lehnte Briand ab. Die Kammer lehnte mit 390 gegen 213 Stimmen die verlangte Untersuchung ebenfalls ab. Gegen die bc- antragt«„einfache Tagesordnung" stellt« Minister Loucheur na- mens der Regierung die Vertrauensfrage. Die einfache Tagesordnung wurde mit 373 gegen 163 Stimmen abgelehnt. Hierauf folgte die Abstimmung über die Tagesordnung Outrey und über den �Zusatzantrag Herriot, den Briand ebenfalls ange- n o m m e n hatte. Paris. 27. Dezember. Die Kammer hat die Vertrauenstages- Ordnung Ourtey mit 355 gegen 117 Stimmen angenommen. Paris, 27. Dezember.(Havas.') Briand beabsichtigt, den Posten eines Generalsekretärs im Ministerium � für auswärtige Angelegenheiten abzuschaffen. Die Funktionen des� zurückge- tretenen Generalfckxctärs Berthelot sollen auf den Direktor im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten Peretti della R o c c a übergehen. Ein Danziger Konflikt. vanzlg, 27. Dezember.i,........... i, pukh. 4500 i. 8500 Rotwein- und Glühwein-Punsch- Extrakte la Qualität, hochprozmüg »(rLBtr-flmdw•(.-Llltr-FloidM 5250 7500 Original- Punsch-Extrakte erster Hauser zu bllllgslen Tagespreisen Qroggläser�, 2" 3" Groggläser ancwiN« 975 Weinrömer 6" Likörgläser...... 375475 Roiweingläser gwi... 4/5 Harzer Poka le4(»775'i�7S Teebecher****..... J9* <3!as-Bewl«n in sehr grosser Auswahl H Teebecher««««»'.n.. 675 Bierbecher..... 395 Bterbecher 8«AMii»n...675 Likörschalen bLMa."" Sektkelche«>->1........ 8" Bowlengläser Ä 690 Bowlenkrüge ,2UJr 1875 Vewerksthostsbewegung Die öergwerksexplojion von Mont Cents. Folgenschwere ZTlißachlung der Vergpolizeiverordnung. Das Unglück von Mont Cenis, das stch vor einem halben Jahre ereignete, beschäftigt noch immer die Oeffentlichteit. Während die Arbeiter die Ursache größtenteils auf die privatkapitalistischen Aus- beutungsmethoden zurückführten, drehte das Unternehmertum den Spieß um und beschuldigte die Arbeiter, die bergpolizeilichen Vor» schriften nicht beachtet zu haben. Di,. Vorschriften sind da: passiert trotzdem etwas, dann sind eben diese Vorschriften mißachtet worden! So zieht sich da» Unternehmertum auf olle Fäll« au» der Schlinge. Darin liegt jedoch eine solche Selbstmordbeschuldigung der Berg- orbeiter, daß dieses Schema sein« Lücken hat. ver Vetriebsralsvorsihende Anlonist InczynsN, der bisher gegenüber den Beschuldigungen seiner toten Kameraden von Moni Cenis, ihrer eigenen Unachtsamkeit, ihrer Uebertretung der Vorschrift»» hätten sie ihr Schicksal zuzuscheiben, geschwiegen hat, erklärte plötzlich in einer Versammlung der Zeche Mont Cents in E o d i n g e n, er sei über die Ursache« de» großen Unglück» sehr wohl im Bilde. Bisher hätte er geschwiegen und auch dem parlamentarischen Untersuchungsausschuh gegenüber Angaben ge- macht, die nicht richtig seien, aber er hätte niemand belasten wollen. Die Mörder seien noch auf Mont Cenis beschäftigt. Jetzt würde er nicht mehr schweigen, sondern die volle Wahrheit sagen, weil die Zechenverwaltung Strafankrag gegen die»Rot« Fahne" stellte. Ts mag dahingestellt bleiben, ob«w Mensch, der in einer solchen Angelegenheit dem parlamentyrischen Untersuchung»- ausschuß die Wahrheit verschwiegen haben will, sie nun jener Der- sammlung gesagt hat. Der Bergarbeiterverband ist den Dingen nachgegangen. Die Werksleitung beruft stch darauf, daß die Cxploston durch einen verbotswidrigen Dynamitschuß eingeleitet sei und sie deshalb schuldlos sei. Doch wer gab den verbotswidrigen Schuß ab? Es war ein Schießhauer Pauli, der selber den Tod mit bei der Explosion gefunden hat. In dem Abteilungsquerschlag, wo der folgenschwere Dynamitschuß fiel, wurde mit dem Sprengstoff ver» botswidrig umgegangen, da es an Aufsicht mangelt«. Der Schieß- Hauer Pauli war ein Slowene, der kein Wort deutsch lese« tonnt«. Entgegen einer ganzen Reihe von Paragraphen der BergpoNzeiver- ordnung wurde dieser der deutschen Schriftsprache gänzlich unkundige Mann als Schießhauer beschäftigt. Diese Beschästioung Pauli» ist, wie die„Bergarbeiterzeitung" feststellt, nicht nur eine Begünsti- gung der Explosionsursache durch die Werksleitung, fondern auch ein direkter Verstoß gegen die Vergpollzeiverordnung. Sie wirft die Schuldfrog» auf: Trägt der tote Pauli die ver- antwortung für den verbotswidrigen Schuh oder diejenigen, welche Pauli verbotswidrig zum Echießhauer ge- macht haben? An Vorschriften fehlt es kaum. Doch muß in erster Linie ver- langt werden, daß sie von den Werksleitungen beachtet werden, vorab in Bergwerksbetrieben, wo Menschenleben in steter Gefahr sind. Erste �ugenükonferenz öes Sauarbeiterverbanües. Der Vorstand des Deutschen Bauarbeiterverbande, hat die Der- treter der jugendlichen Verbandsmitglieder zum 28. und 2g. De- zember nach Leipzig in das dortige Volkshaus eingeladen. Diese Tagung ist zu dem Zwecke einberufen, den gewerkschaftlichen Ge- danken unter den jugendlichen Bauarbeitern stärker als bisher zu fördern. Der Verbandsvorstand will die Sonderwünsche und Be- strebungen der jugendlichen Kollegen kennenlernen. Di« Tages- ordnung der Konferenz umfaßt 6 Punkte, von denen wir besonders be« Bericht GH«« be» bivheeige» vta«b ber Q». gendbewegung, den Ausbau der Iugendabtei- lungen, die Lehrlingsverhältnisse im Bauge- werbe und Bildungsarbeit nennen wollen. Die Refe- renten zu dieser Tagesordnung sind zum Teil jugendliche Verbands- Mitglieder. Der Deutsche Bauarbeiterverband hatte bereits vor dem Kriege eine ganze Anzahl von Jugendabteilungen. 1913 waren i n 166 Abteilungen 3565 jugendliche Berbandsmit- g l i e d e r zusammengefaßt, es bestand also damals begründete Aus- ficht, in absehbarer Zeit die Mehrheit der.jugendlichen Kollegen für die Organisation zu gewinnen. Auch diesen aufblühenden Zweig der deutschen Arbeiterbewegung vernichtete der Rauhfrost des Krieges. Nach besten Beendigung galt es zunächst, die Gesamt- organisation wieder aufzubauen. Dabei wurden die Jugendlichen leider an manchen Orten vergesten. Der Umstand, daß das Bau- gewerbe in den Jahren 1919 und 1929 fast vollständig daniederlag, verhinderte auch, daß die Unternehmer Lehrlinge einstellten. Im 3. Quartal 1921 wurde durch Umfrage festgestellt, daß rund 6999 Lehrlinge und jugendliche Arbeiter dem Deutschen Bauarbeiterverband als Mitglieder angehören. Der Verbandsvorstand fetzt nun, ebenso wie andere Gewerk- schaftsvorstände, voraus, daß die Jnteresten und Ideen seiner jungen Kollegen nicht in allen Punkten denen der älteren gleich sind. Er hat darum, und auch zugleich um den mehrfach von Jugendlichen geäußerten Wünschen Rechnung zu tragen, die erste Iugendkonferenz der Deutschen Bauarbeiter einberufen. Diese wird die Aufgabe haben, die wichtigste Vorarbeit für den Aufbau einer Iugendabtei- lung des Verbandes zu leisten. Wenn die Konferenz diese Aufgabe im rechten Sinne löst, dann wird diese Jugend organisch in die größeren Aufgaben für den Aufbau einer sozialistischen Wirtschaft hineinwachsen._ Pfür die erwerbstätige Jugemd. Auf veranlafiung de» Retch»au»schusse» der Ar' beiterjugendorganisationen traten im Reichstag»- gebäude Vertreter der beiden sozialistischen Reich«- tagSfraktionen und Delegierte de« ReichSauSfchusteS zu einer Besprechung zulammen. Zur Beratung stand die Durchiübrung der Mindestforderungen zum wirtschaftlichen Schutz der Jugendundzur Reform de» L e h r I i n g S w e s e n». Gleich- zeitig wurden die die Jugend betreffenden Bestimmungen der Ge- seyentwürie über die Regelung der Arbeitszeit und der Arbeit»- losenverncherung einer kritischen Betrachtung unterzogen. In der Beurteilung aller Fragen ergaben sich übereinstimmende Ansichten. Als vorläufig wichtigste» Ziel wurde die Aenderung der Gewerbeordnung allseitig anerkannt, durch die jetzt den Lehrlingen schwere wirtschaftliche Schädigungen erwachsen. Anfang Januar toll eine erneute, nörigenfall» erweiterte Zu- sammenkunft unter Hinzuziehung der Fraktionsvorstände Über zu unternehmende gemeinsame Schritte beschließ«»». BerbandStag der amerikanischen Bergarbeiter. Der 28. Derbandstag des Dereinigten Bergarbeiterverbandes fUnitecl Mine Workers), der jetzt alle zwei Jahre tagt, fand in Indianapolis statt. An der. Eröffnungssitzung nahmen 1599 Ver- treter teil, doch haben insgesamt 2257 Delegierte dem Verbandstoge beigewohnt. Die besonders schwer zu lösend« Lohnfrage wurde bis zu einem im Februar 1922 erneut zusammentretenden Verbands- tage vertagt. Diesem soll ein besonderer Ausschuß Vorschläge vor- legen.. Der Verbandstag zeichnete sich durch heftiHe innere Kämpfe aus. Diese begannen schon bei dem Teil der Berichte, der von einer Ausgabe von 27 999 Dollar handelt, die der Bezirks- verband Illinois zur Unterdrückung«ine» wilden Streiks verwendete. Entgegen der schroffen Haltung der Be- zirksleitung forderten der Verbandsvorstand und auch der Verbands- tag genauen Nachweis der Verwendung dieser Summe. Noch größeren Sturm rief die Behandlung von zwei von der Verbandsleitung nicht gebilligten Streik« in Kansas hervor. Da sie eine Verletzung bestehender Abmachungen bedeuten, hatte der Vorstand dem Bezirksleiter aufgegeben, den Kampf abzubrechen, was dieser jedoch ablehnte. Schließlich wurde die.chaltung des V o r st a n d e s mit 2753 gegen 1791 Stimmen abgelehnt. Der Derbandstag trat entschieden für die Sozialisierung de» Bergbaus ein. Zu diesem Zweck soll dem Bundesparla- ment durch den Vorstand ein diesbezüglicher Gesetzentwurf vorgelegt werden, der den Ankauf aller Kohlenvorkommen durch den Staat vmftetzt.«• wurde der»uufch mwgebrtMt,«tt bot«ewerkschafte» der Effenbahner zu einer gemeinsamen Aktion zu gelangen, zweck» Durchsetzung der Verstaatlichung der Eisenbahnen al» eines ersten Schrittes auf dem Wege zur Sozialisierung, die später fortzuführen wäre, um auch die Kohlenschätze in den Lefitz der All» gemeinheit zu überführen. Die gleichen Bestrebungen sollen auch auf Kanada, auf das sich bekanntlich die nordamerikanilcben Gewert- schaften auch erstrecken, ausgedehnt werden. Da» Rachtragsabtommen für die Kurz-, Galanterie- und Spiel- warenbronche vom 14. September ist mit Wirkung vom 1. September für allgemein verbindlich erklärt worden. üer SetrlebsrLte-praxss. 8 85 BRG. und'8 12 der Verordnung vom 12. Februar 19211. Teilweise Stillegung de» Betriebe». Der Schlichtungsansschuß Frankfurt a. M. hat am 27. April 1921 unter dem Vorsitz de» Landgerichtsrats Dr. Krekels 51 Etadtgörtnerciarbeiter mit ihrem Einspruch auf Wiedereinstellung auf Grund des Betriebsrätegeietzes abgewiesen mit der Begründung, daß zwar kein« teilweise Still- legung vorliege, trotzdem aber eine unbillige Härte ebenfalls nicht angenommen werden könne, da die Maßnahm« durch den Abbau des Betriebes begründet fei. Dagegen wurde der Ein- fpruch auf Grund de» Z 12 der Verordnung vom 12. Februar 1929 anerkannt und die Weiterbeschäf- tigung der Entlassenen ausgesprochen, da vor der Entlastung zuerst eine entsprechend« Verkürzung der Arbeitszeit vor- zunehmen fei. Au» der Begründung hierzu ist folgende» von Wich- tigkeit: „Bei einem Betrieb«, wie dem der Stadtgärtnerei, der nicht gegliedert ist, und bei dem all« Arbeiten ineinander übergreifen und wo alles ineinander läuft, kann überhaupt nicht von einer teil- westen Stillegung de» Betriebes gesprochen werden.... Der Cchlichtungsausschuß erachtet ihn(den Einspruch auf Grund de» Betriebsrätegesetze») aber als unbegründet, da die Kün- digung für die größtenteils verheirateten Arbeiter bei der Herr» thenden großen Arbeitslosigkeit zwar eine unbillig« Hörte bedeutet, iese Härte aber durch die Notwendigkeit de» Abbau», also durch die Verhältniste des Betriebes, bedingt ist.... Diese Arbeitsstreckung kann nach der Meinung de» Schlichtung»- ausschustes der Stadtgärtnerei zugemutet werden: sie mag mit Un- bequemlichkeiten verbunden fein, sie ist aber technisch und ohne groß« finanzielle Schwierigkeiten durchzuführen..../ Die Streckung der Arbeit braucht aber nur innerhalb de» Stadt» gärtnereibetriebes vorgenommen zu werden: ein« andere städtisch« Betriebsabteilung kommt für die Streckung nicht in Frage." Deutlcher Traneportarbeiterserdaird. Brauch» Graph. Gewerb«, Gntppt S, Papier und Pappen: Mittwoch i Uhr in der Echulaulo Etalfchreiberftr. dt». Gruppenoersommlung. Stellungnahme zu den neuen Lohnforderungen.— Ghemische Industrie: Donnerstag 7 Uhr m Wille» FestsSlen, Sebastianstr. tS, Vollversammlung. Deutscher Werlmeislerverband. Fachgruppe Metallinduftrle: Versammlung fllr sämtliche Betriebsvertrauensleute sowie Funktionäre Donnerstag 7 Uhr it» Schulthcig, Neue Ialobstr. S4/2S. gentralocrband der Angestellte». Donnerstag. Butter: Mitgllederversaunn- lung Ii Uhr in den Oranlen-Festsälen, Naunqnstr. 29.— Tertil-Großhandel, Samt» und Seide», Baumwoll», Leinen» und Stleiderstoff-Groghandel: Funt» tionärversammlung Uhr im Schultheib, Neu« Jakob str. 24/25. Berautw. fllr den redatt. Zeil: Frau, SUilh». Berlin-Lichterfelde: fllr Au. »eigen: Zh.«I»e«, Berlin. Verlag Vorwärts. Verlag G. m. b. p., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei u-Berlagsanilall Paul Singer u. So.. Berlin. Lindenftr. K vier»» 1 Beilage anflaoin- Millen jnt veslnfekkion der Mund- und Aachevhähtil besonder» bei iftrlnno heilerteil. HalsnilzOndvlli. va« Witzelte, schleimung. Erhältlich in den Apolheken u. Drogerien. Nr. 611 ♦ ZS. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Mittwoch, 2S. Dezember 1621 GroMerkn Die Mehrheiten. Nachdem für die 20 BerwaltungSbezirke die Zu- Weisung der aus den Listen der Wahlkreise und aus der Stadtliste gewählten Stadtverordneten an die Bezirksversammlungen beendet ist, veröffentlicht jetzt der Mogistrat eine Zusammenstellung der Gesamtmitgliederzahlen der Bezirksversamme l u n g e n, aus der die Anteile der verschiedenen Parteien zu er- sehen sind. Die Zahl der in den einzelnen BerwaltungSbezirken zu wählen- den Bezirksverordneten ist, wie bekannt, sehr ungleich bemessen; sie schwankt von nur 15 in dem kleinsten Bezirk Zehlendorf bis 45 in den sechs Bezirken des früheren Berlin/ sowie in den Bezirken Charlottenburg, Schöneberg, Neukölln. Durch die Zuweisung der Stadtverordneten ist in manchen BezirkSversamm« lungeo die Geiamtmitgliederzahl betiächtlich gesteigert worden, z. B. in den Bezirken Kreuzberg auf 68. Tiergarten auf 65, Wedding auf 65, Milte auf 64 usw.. dagegen erhöhte sie sich z. B. in den Bezirken Zehlendorf nur auf 18, Weitzensee svon 30) auf 38. Reinickendorf(von 30) auf 34 usw. An dem Verhältnis der Mehrheit zur Minder« beit, wie«S sich nach den Wahlen der Bezirksverordneten stellte, bat in den meisten Bezirken die Zuweisung der Stadtverordneten nicht mehr viel geändert. In manchen ist das Nebergewicht der Mehrheit noch etwas verstärkt worden, in anderen haben sich kleine Abschwächungen des UebergewichtS ergeben. Für kc.inen Be- zirk ist das Ergebnis zu verzeichnen, dasi durch den Hinzutritt der Stadtverordneten das Verhältnis der Mehrheit zur Minderheit sich völlig umgekehrt hätte. Aber im Bezirk Spandau, von dessen 40 Bezirksverordnetenmandalen 20 den drei Parteien der Linken und 20 den bürgerlichen Parteien gehörten, hat leider ein un- günstiger Zufall den Bürgerlichen die Möglichkeit des Hinzu- tiiltes von sechs ihrer Stadtverordneten gebracht(gegenüber nur einem�Stadtverordneten au? den Reihen der Linken) und ihnen da- uiit das Nebergewicht verschafft. Das ist eine.Korrektur" deS WahlglückeS, die dem Willen der Wahlmehrbeit zuwider« läuft; denn von den in dem Bezirk abgegebenen gültigen Stim« m e n fielen etwas mehr als die Hälfte aus die drei Parteien der Linken. Die Gesamtstärke der drei Parteien der Linken gegenüber der Gesamt st ärkö aller Parteien der Bür- gerlichen ist jetzt in den 20 Verwaltungsbezirken folgende(de Anteil der SPD. an der gesamten Linken fügen wir in Klammern bei): Wohlgemerkt: es handelt sich immer nur um die in den Be- zirksverjammlungeu sitzenden Vertreter, deren Zahl durch den Hinzutritt von Stadtverordneten zu den Bezirköverordneten zugunsten oder Ungunsten der verschiedenen Parteien geändert worden ist. Die Zahlen der für die Parteien abgegebenen Wähler st immen zeigen ein mehr oder minder abweichendes Verhältnis, ein sehr abweichendes in Spandau, wie wir oben sahen. Die Parteien der Linken hohen, wenn sie zusammengehen, eine sehr starke Mehrheit in den Bezirken 3, 5. 14, eine noch recht ansehnliche in 4, 15, 17, eine massige in 16, 20, eine ganz geringe in 6, 18. In den übrigen Bezirken hat die gesamte Linke weniger als die Hälfte aller Sitze, ist also in der Minderheit. Sie bleibt hinter der bürgerlichen Mehrheit nicht sehr weit zurück in 1, 8, 13 19, viel weiter in 2, noch weiter in 7 und II, wo die Linke nicht mehr ein Drittel aller Sitze hat. ES folgen dann die noch ungünstigeren Bezirke 12 und S und als allerungünstigster der Bezirk 10._ £in tzppnotifeur unter Anklage. Bedenkliche Experimente mit willensschwachen Frauen. Mit der vom ärztlichen und vom juristischen Standpunkt wich- tigen Frage, ob ein Hypnotiseur, der einen Menschen im hypnoti- sierten, also willensunfühigen und im Sinne des§ 51 nicht straf- fähigen Zustand Straftaten begehen läßt, als Anstifter oder als Selbsttäter zu bestrafen ist, wird sich am 8. Februar kommenden Jahres die Strafkammer des Landgerichts III zu beschäftigen haben. Angeklagt wegen gemeinschaftlichen Diebstahls und Betrug» ist der Vortragsredner und Hypnotiseur Leopold Mie- ryslaw K i t t a y, geboren 1839 in Sambar in Galizien, während sich der Kaufmann Isidor Krisch,- der Teppichhnndler Alfred Joseph, beide aus Wilmersdorf, und der Kaufmann Hermann Roth wegen Hehlerei zu verantworten haben. Der Angeklagte Kittay machte seinerzeit unter dem Namen »Lo Kittay" durch seine vielfach an das Gebiet des Uebsrsinnlichen grenzenden Experimente auf dem Gebiete des Hypnotismus und der Telepathie viel von sich reden. Wie die Anklage behauptet, soll er. jedoch auch die in ihm steckenden geheimnisvollen Kräfte dazu mißbraucht haben, Frauen, auf die er einen be. sonders starken suggestiven Einfluß auszuüben verstand, zu Stras- taten anzustiften. So hat er u. a. die Tänzerin Dora Schneider genannt Kasan im Herbst 1920 mit dem Erfolge hypnotisiert, daß sie auf �seinen Befehl während des Tanzes einschlief und sich nach der Hypnose„stark in ihn verliebte", trotzdem er ihr vor- her höchst unsympathisch war. Dieser suggestive Zustand sösl sich auch später noch bemerkbar gemacht haben, indem die S. sofort schwindelig und müde wurde, wenn sie Kittay zufällig in einem OzySokal oder auf der Straße traf. Die Zuneigung sei allerdings ohne n �Anwendung einer Gegenhypnose wieder geschwunden. Vielfach ver- wendete Kittay seine suggestive Kraft auch zu H e i l w i r t u n g e n, insbesondere bei Damen aus der Kursürstendammgegend, die dem Kokainismus und dem Morphinismus verfallen waren. So wurde er u. a. von dem am Kurfürstendamm wohnhasten Kaufmann Walter gebeten, feine Frau von dem Morphinismus und Schlaf- losigkeit zu heilen. In Gegenwart des Mannes und anderer Zeijgen versetzte Kittay Frau Waster in einen tiefen hypnotischen Schlaf, in dem sie auf Geheiß des K. allerlei tat, was sie nachher nicht wußte. Wie die Anklage behauptet, soll Kittay seine Künste auch in anderer Weis» angewendet haben. In Abwesenheit des Ehemanns soll Kittay dann seinen Einfluß auf die Frau dazu benutzt haben, ihre Einwilligung zum Berkauf verschiedener Stücke der Wohnungseinrichtung zu erschleichen. Kittay verreiste mit Frau M. und deren Freundin nach Schierke, wo er beide Frauen in Gegenwart der Hotelgäste mehrmals hypnotisierte. Schließlich soll K. beide mit einigen hundert Mark im Polasthotel in Berlin haben sitzen lassen, obwohl er den gesamten Erlös aus den Verkäufen bei sich hatte. Die Anklage und die Verteidigung nehmen allerdings dem an- geblichen„Trancezustand" der Frau W. gegenüber eine etwas skeptische Haltung ein. Insbesondere behauptet die Verteidigung, daß Frau W. schon mehrfach ohne jeden hypnotischen Einfluß ohne Wiffen ihres Mannes heimlich Sachen verkauft und versetzt und schon einmal die gesamte Wohnungseinrichtung zum Kaufe ausge- boten habe.— Die Verhandlung WM wird sich voraussichtlich zu einem kleinen medizinischen Kongretz'gestaltcn, auf dem Fragen auf dem Gebiete der Psychologie, des Hypnotismus und der Suggestions- Wirkungen erörtert werden müssen. v!e Jagd nach öen neuen Mnfzigern. Es hat lange, reichlich lange gedauert, ehe man sich in unserem guten Berlin entschlossen hat, ein Notgeld von charakteristischer Prägung herzustellen. Die alten zerknitterten und runzeligen städti- schen Fünfziger wurden und werden nur mit allgemeinem Wider- willen in die Hand genommen. Endlich aber, als es außer Berlin kaum noch eine deutsche Stadt gab, die nicht schon längst ihr eifrig gesammeltes Notgeld hatte, entschloß man sich auch in der Haupt- stadt des Reiches, neue Fünfziger einzuführen. Um aber ein Ver- säumnis nachzuholen, wurden gleich zwanzig verschiedene hergestellt, von jedem Groß-Berliner Bezirk einer. Nun hört man, daß schon über zwei Millionen Stück ausge geben fein sollen. Aber wo sind sie? Die Straßenbahn- schaffner sollen sie zur Ausgabe gebrocht haben. Aber wer darf sich rühmen, von einem Straßenbahnschaffner jemals einen neuen städtischen Fünfziger erhalten zu haben? Je nun, wer sich des wirklich rühmen kann, der wird lächeln und schweigen, seine Brief- lasche vornehmen und ihr mit prüfendem Blick etliche Scheinchen entnehmen, neue Berliner Fünfziger. Denn die täglich anschwellende Gemeinde der Notgeldsammler hat sich auf die Millionen Fünfziger gestürzt und— futsch sind sie. Wer einen haben will, kann danach jagen. So ist eine Not um das Notgeld entstanden, der man viel- leicht dadurch abhilft, daß man erneut einen Nötgcldersatz für da� Notgeld herstellt. Herr Äarding, unser Kümmerer, kann nach Abzug der Her- stellungskosten dieser Scheine ein hübsches glattes Geschäft buchen. In der Oeffentlichkeit aber herrscht die Not um die fehlenden Fünfziger weiter._ Die Unterschlagung bei öer polizeibauptkasse. Auch ein zweiter Polizeibeamter geflüchtet. Das Berliner Polizeipräsidium erlieh gestern eine amtliche Be- kanntmachung, in der die aus Ergreifung des geflüchteten Unter- Wachtmeisters Z i b l e r und die Wiederherbeischaffung des ver- untreuten Geldes ausgesetzte Belohnung auf 20000 M. er- ! h ö h t worden ist/ Wie die Ermittlungen»geben haben, hatte der ungetreue Be- amte die Veruntreuungen planmäßig vorbereitet. Er hat die Zeit abgepaßt, als an der Kaste für Gehaltsvorschüste große . Summen ausgezahlt wurden. Um einen größeren Vorsprung zu er- halten, hat er dann kurz vor dem Fest das Geld auf gefälschte Schecks erhoben und ist damit geflohen. Die weiteren Ermitte-_ langen haben ergeben, daß mit dem flüchtigen Unterwachtmeister Zibler noch ein zweiter P o l i z e i b e a m t e r, der 23 Jahre alte Untcrwachtmcister der Schutzpolizei Willi F c ch n e r durch- gebrannt ist. Fechner, ein Freund des ungetreuen Hilfsarbeiters Zibler, war als Schreiber beim Stab der Schutzpolizei auf dem Bezirksamt Friedrichshain beschäftigt. Auch er ist seit Donnerstag vergangener Woche flüchtig. Zweifellos ist er zusammen mit Zibler abgereist. Beide verkehrten zusammen in einem Lokal, wo sie dem Schankwirt schon krühcr durch große Geld aus- gaben aufgefallen waren. Diese wollten sie, wie sie erzählten, zuerst durch Rennwetten, dann durch Valutaspekulationen erworben- haben. Der flüchtige Fechner ist ebenso wie Zibler groß, hat blonde, nach hinten gekämmte Haare und auch ein gewandtes und sicheres Auftreten. Er stammt aus Schwiebus bei Züllichau und war, bevor er zur Schutzpolizei kam, Handlungsgehilfe. Amtlich wird gemeldet, daß der Polizeipräsident neben der Bearbeitung durch die Kriminalpolizei alle notwendigen Maß- i nahmen zur Aufklärung der Angelegenheit verfügt hat. Zunächst ist ! der unmittelbare Dienstvorgesetzte Ziblers vorläufig von seinen Ob- ! liegenheitcn entbunden worden.__ Das Dödeli. 2] Don Jakob Bodhart. Einer reichte ihm sein Glas, n�e es bei Bauern Sitte ist. Er setzte es an. hob es bedächtig immer höher, bis sich die Nase ganz darkn verbarg, und gab es dann, sichtlich ruhiger geworden, dem Spender zurück. � � l „Eine titulierte Armenpflege schau«-das Trötteli an," begann er hierauf zu reden.> Alle Köpfe wendeten sich nach der Magd, die aber dadurch nichts weniger als verlegen wurde, sondern eine groß« Heiter- teit und ein stolzes Selbstbewußtsein über ihr rundes, fldches. Gesicht ausbreitete und leise in sich hineinlicherie. Sie mochte zwanzig Jahre alt sein, stak in noch mißlicheren Kleidern als! ihr Meister und hatte die schlaffe Haltung derer, die vom Kopf aus nicht kräftig genug regiert werden. Aber rote, fast glühende Backen und Lippen hatte sie, und gutmütige Augen, die ein frohmütiges Wesen verrieten und nur das Lachen zu kennen schienen. „Lach' nicht so dumm!" fuhr sie der Sigrist an, ,chu kannst zu 5?aus dann wieder mit deiner Hudelbab lachen! Aber so ist sie," wandte er sich zu den Armenpflegern:„sie bäbelt noch wie ein Vierjähriges. Da fehlt's. Dienstbote! j Ha, ha! Das wär' mir nicht eingefallen! Ihr habt zu- Haus Hacken und Schaufeln, nicht wahr? Was machen die, wenn ihr zu ihnen sagt: Geht und hackt und schaufelt? Nichts machen sie; sie stehen an der Wand oder faulenzen im Winkel; grad so macht es das Trötteli." „Aber sie ist doch robust: das steht man und braucht keine Brille dazu!" unterbrach ihn einer. „Robust? Ich sage nicht nein; was man sieht, soll man nicht abstreiten: aber was nützt's? Sind eure Hacken und Schaufeln nicht auch robust? Ich brauche es euch ja nicht zu sagen; ihr wißt es so gut wie ich: wenn man ein Narr ist, so ist man's im Kopf und nicht in den Händen! Robust. Ha, ha! Schaut ihr einmal zu, wie sie Erdäpfel aushackt! Du kannst ihr hundertmal sagen:„Hack' hinter die Stauden!" Sie hackt hundertundeinmal mitten hinein. Sie hat mir im Herbst mehr als eist Fuder Erdäpfel zu Schweinefutter zerkarstet, natürlich � immer die größten! Wer macht mir den Schaden gut? Etwa eine titulierte Armenpflege? Und so ist es mit allem! Im Rebberg schneidet sie die Trauben, wenrt sie noch in den A''gen sind; soll- sie Korn aufnehmen, so drischt sie's mit den Füßen auf dem Acker. Iin Stall müh ich ihr immer nachmelken. wenn das Halbe nicht bei der Kuh bleiben soll. Wie aber, sag' ich, spar' ich Zeit, wenn ich immer neben oder hinter ihr stehen und hüst und hott rufen muß? Das soll mir eine titu« lierte Armenpflege sagen." „Nu, nu," rief einer dazwischen,„wer zu schwere Garben macht, überlüpft sich. Das Mittagläuten besorgt sie wie ein Gescheiter; das kann die ganze Gemeinde hören." „Was man hört, will ich nicht abstreiten; aber ich kann sie doch nicht den ganzen Tag mittagläuten lassen!" Es fehlte wenig, so hätten die Armenpfleger bei diesem Ansfpruch gelacht. Der Sigrist wurde zuversichtlicher.„Schlagt mir nur die zweihundert Fränklein ab, gebt das Trötteli einem anderen, mir mag's recht fein; ich werde nicht lange anhalten. Aber schaut dann selber zu! Nach einem Jahr habt ihr zwei aus dem Hals, ein Jahr daraus drei, mit Zwillingen nicht ein- mal gerechnet. Man mutz ihr rnckpasien wie der Geiß am Gartenhag. Sie ist eben wie ihre Mutter, sie läßt sich mit den Händen fangen." „Hast du dich der Geiß angenommen, so hüt' sie," warf einer trocken dazwischen. „Tu ich's oder tu ich's nicht? Würd' ich nicht aufpassen wie ein Haftenmacher, so hätt' sie schon lange ein Eisen ab- gelaufen! Grad da drüben in der Gaststube hockt einer, der um sie streicht, wie der Hund um den Braten, bis ich ihm ein- mal mit dem Geißelstecken den Buckel einreibe. Er rechnet mit ihrem schwachen Verstand, der Schlusi. Ich wollte lieber Tauben hüten, als so ein Trötteli. Und noch etwas. Achtet es eine titulierte Armenpflege so wenig, daß das Trötteli in einem Haus ist, wo man den Weg zur Kirche bester kennt, als der Psajrrer selber?" „Den Pfarrer in Ehren," rief der Präsident dazwischen. „Ja, ja, den Pfarrer in Ehren und die Friu Pfarrerin dazu, natürlich: das war nur so gesagt!" erwiderte der Sigrist und verlor den Faden. Die Furcht, dem Pfarrer, von dem er abhängig war, ein Stück Achtung unterschlagen zu haben und bei ihm angeschwärzt zu werden, verwirrte ihn. Der Präsident benutzte seine Verlegenheit, um den Wagen so zu drehen, wie er ihn haben wollte. Bedächtig setzte er an: „Wenn der Sigrist mit dem Dödeli Schudel soviel Arbeit und Umnuß' hat, wie er sagt, und er hat ja wohl Arbeit und Un- muß' mit ihr, so können wir ihn nicht verhindern, zweihundert Franken zu verlangen. Du bist also nicht willens, nachzu- lasten. Mägerli? Gib Auskunst!" Der Sigrist hätte gerne mit sich reden lasten. Er hatte zweihundert Franken verlangt, weil er sich sagte, wer blasen wolle, müsse dicke Backen machen; ernstlich hatte er aber kaum mit der Hälfte gerechnet. Jetzt aber, nachdem er sich in die Hitze hineingeredet und selber überzeugt hatte, und nachdem sogar der Präsident, der ihm nicht sonderlich grün war, an der Forderung nicht zu rütteln versucht hatte, konnte er nicht markten lassen, und er sagte:„Wa«j geschrieben ist, bleibt ge- schrieben." Der Präsident sann einen Augenblick vor sich hin und brummte dann aus einem Mundwizrkel heraus:„Zweihundert Franken ist viel für den Gemeindesäckel, versteht sich. Wir müssen noch darüber reden, ihr Mannen. Du kannst abtreten und das Dödeli auch. Wir geben dir Bescheid." D�r Sigrist hielt seine Sache fast sür gewonnen. Er wandte sich freundlich zum Trötteli und befahl ihm:„Alla- marsch!" Die Magd war ihm jetzt zweihundert Franken wert; das ließ die bessere Seite seines Wesens obenauf schwingen. Im Eifer vergaß er, die Türe hinter sich ins Schloß zu ziehen, und man hörte ihn in der Gaststube mit schallender Stimme sagen:„Trau dem dort nicht, du gutes Ding! Das ist ein Marder, der fräße gern alle einfältigen Hühner im Dorf! Allamarsch!" Der Präsident zog die Türe zu und fragte:„Was meint ihr nun, ihr Mannen?" Die Armenpfleger schauten unschlüssig vor sich hin, sie wußten nicht, wie sie den Ausspruch des Präsidenten deuten sollten. War es wirklich seine Meinung, dem Sigristen eine Magd und obendrein zweihundert Fronken jedes Jahr von Gemeinde aus zu schenken? Oder hatte er wieder einen seiner Schleichwege im Sinn? Da keiner sich zum Reden entschloß. legte sich eine große Verlegenheit über dos Stäbchen, bis der Präsident sich nach einiger Zeit bemerkbar machte. Er hüstelte ein paarmal, rutschte auf seinem Stuhl hin und her, setzte zum Sprechen an und hüstelte und rutschte wieder. Solches Beneh- men war seinen Amtsbrüdcrn wohlbekannt; sie wußten nun, daß er den Sigristen aus der Geiß heimschicken wollte, wie man sagt, freilich aber auch, daß er etwas ausgeheckt hatte, das nicht ganz ohne Bedenken und Scheu auszusprechen war. Endlich deckte er seine Gedanken ab, bedächtig, wie er Iah spielte: „Das Dödeli Schudel ist beim Sigristen gut und wohl versorgt. An Esten und Tranksame spart er nicht an ihm, und wenn er es zur Kirche schickt und ihm sonst auf die Eisen geht, so soll ihm das angerechnet werden, wie's recht und billig ist. Aber..." Er haspelte das Wort wie aus dem Magen berauf und sah in einer bedeutsamen Pause der Reihe nach alle Slrinenpfleger an. Sie nickien ihm alle verständnisvoll zu. „Aber... zweibnndert Franlien ist Geld; noch einmal soviel, und er könnte sein Kewerblein verzinsen. Nicht, daß ich es ihm nicht gönnte, versteht sich! Hätte das Dödeli keine Hände und«Füße, so wollte ich auch nicht dawider geredet haben; aber ich habe sie auch schon auf dem Felde gesehen und auf der Wiese und im Rebbcrg, und als mein Nachbar, der Schuhmacher Nöggeli, beerdigt wurde, hat. sie sast ganz allein das Grab gegraben, sie hat Schaufeln heraufgelüpft, denen ich selber mit einem Fluch hätte nachhelfen müssen." Er hielt wieder inne, ließ den Blick um den Tisch gehen, und wieder nickten die Amtsbrüder ihm zu. (Fortsetzung folgt.) 50 Jahre Deutscher Lehrerderet». Am 28. Dezember vollendet der Deutsche Lehrerverein das S0. Jahr seiner Arbeit. In den Weihnachtstagen des Jahres 1871 kamen Vertreter der Lehrerschaft aus allen Teilen des geeinten Deutschlands in Berlin zusammen und schufen als E i n h e i t s- Organisation den Deutschen Lehrerverein. Der damals er- folgte Zusammenschluß der deutschen Lehrerschaft war eine not- wendige Voraussetzung für ihM Arbeit an der Ausgestaltung der Volksschule und der Hebung oes Lchrerftandes. Wie weit die Lehrerschaft von diesen Zielen noch� entfernt ist, soll heute uner- örtert bleiben. In den S0 Iahren hat der Deutsche Lchrerverein seine Mitgliederzahl auf 140 000 zu steigern vermocht. Er begeht sein Jubiläum in Berlin am 28. Dezember durch eine Festsitzung im Lehreroereinshaus und durch ein Festkonzert in der Philharmonie. Gestern ging ein Begrüßungsabend vorauf. In der langen Reihe der Festredner waren auch Vertreter der deutschen Lehrerschaft des Auslandes. Mit jubelndem Beifall wurde die Mit- teilung aufgenommen, daß soeben der deutschösterreichische Üehrerbund dem deutschen Lehrerverein beige- treten ist. Strebel-Wien erklärte: Dio Lehrerschaft des Deutschen Reiches und Deutschösterrreichs ist eins in der Pflege deutscher Einigkeit, aber auch die politischen Grenzen zwischen beiden Ländern müssen fallen.(Stürmische Zustimmung.) Mit großer Herzlichkeit begrüßten die Festteilnehmcr auch den Vertreter des „Landesverbandes deutscher Lehrer in Pole n". Er schilderte die Bemühungen, in Polen die deutsche Schule zu schützen. Aus der Schweiz war von der Lehrerschaft ein telegraphischer Glückwunsch eingegangen. ** Dre! Millionen Dollar für öetitsi-fye Mnöer. Laut einer au« New Dork nach Köln gelangten Mitteilung ist dort eine Dreimillionendollarfammlung seitens der Deutschamerikaner zugunsten der deutschen Kinder im Gange. / Einspruch stehen den Höchftinietcnbcschluft. Der O b e r P r ä s i d e n t hat gegen dg» Beschluß deS Berliner Magistrats über die Festsetzung neuer Höchftmietzuschläge auf Grund einer Auordnuna des WohlfahrtSministerS Einspruch erhoben. Dieser richtet sich gegen den Begriff der.gewerblichen Räume". Die Aufsichisbehörde will die böberen Zuschläge nur iür die der Gewerbeordnung unterliegenden Betriebe anwenden und schlägt hierfür auch niedrigere Sätze vor. Besserung in der Kartosselversorgnng. Das seit rund 10 Tagen auch in den östlichen und nördlichen Provinzen eingetretene und auch noch anhaltende offene Wetter ist, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, für die gegenwärtige Kaitoffelveriorguna günstig und wird in weitgehendstem Maße aus- genutzt, um aus den Neberschußgebiet�i Kartoffelsendungen in die Bedarfsgebiete gelangen»u lassen. So konnten in der vorigen Woche wieder erbebliche Mdngen Kartoffeln der Bevölkerung obne Frostschaden zugeführt werden- Nach Mitteilungen aus dem Reichs- verkehrSministerinm ist eS gelungen, alle Anforderungen »ach Wagenge st ellungen jetzt restlos zu erledigen. Neuerunge« im Nuslandsbriefverkehr. Die am 1. Januar 1922 in Kraft tretenden Weltpostvereins- vertrage bringen eine Reihe wesentlicher Neuerungen. Gewöhn- l I ch e und eingeschriebene Briefsendungen nach dem Auslande dürfen von Anfang nächsten Jahres ab nicht mehr als 2 Kilo wiegen und die Ausdehnungsgrenzen für Drucksachen (4S Zentimeter, bei Rollenform 75: 10 Zentimeter) nicht über- ..schreiten. Einzelne(aus einem Stück bestehende, ungeteilte) Druck- bände sind bei der Versendung als Drucksachen bis 3 Kilo zugelaffen. Warenproben dürfen bis SOO Gramm schwer sein. Auf '"Drucksachen, Geschäftspapieren und Warenproben dürfen außen oder innen auf der Sendung handschriftlich oder mechanisch angegeben werden: Name, Eigenschaft, Stand und An- schrift des Absenders und Empfängers, auch Tag der Absendung, Unterschrift, Fernsprechnummer, Teleqrammanschrist und Telegramm. schlüssel, sowie Post- und Bankkonto des Absenders. Post- Magernde Sendungen nach dem Auslande müssen den Namen des Empfängers tragen. Die Verwendung von Anfangsbuchstaben, Ziffern, einzelnen Vornamen oder verabredeten Zeichen irgend- welcher Art ist nicht zugelafse». Fensterbriefumschläge sind bei gewöhnlichen und eingeschriebenen Briefsendungen wie innerhalb Deutschlands zulässig. Wertbriefe nach dem Ausland dürfen nicht mehr als 2 Kilo wiegen. Ihre Ausdehnung darf an keiner Seite 45 Zentimeter oder bei Rollenform 75 Zentimeter �in der Länge und 10 Zentimeter im Durchmesser überschreiten. Fenster- briefumschläge für Wertbriefe find unzulässig. Saison- und Inventurausverkäufe. Die Zentrale zur Be'ämp- fnng unlauieren Wettbewerbs E. V. macht darauf aufiiierlsain, daß nach der Anordnung deS Polizeipräsidenten von Berlin vom S. Juli 1S14 Saison« und Inventurausverkäufe nur in der Zeit vom 1. Januar bis 15. Februar und innerhalb dieser Zeit nur auf die Dauer von drei Wochen abgehalten werden dürfen. Nach dem WettbewcrbSgesetz sind diese Ausvelkäuse in der Ankündigung als solche zu bezeichnen, d. h. es muß deutlich erkennbar sein, daß es sich um einen Saison- bzw. Inventurausverkauf handelt. Bloße Bezeichnungen wie.RäumungSausverkauf" oder„Ausverkauf" ge- nügen nicht, sind vielmehr strafbar. Dagegen dürfen bei Inventur- ausverkäufcn Hinweise wie„wegen bevorstehender Inventur" oder .nach beendeter Inventur' benutzt werden. Da unsere Gänse bleiben. Man wundert sich bei unS, daß die Gänse nicht nur sehr teuer, sondern auch sehr selten sind. Eine holländische Zeitung, das„Amsterdamer Algemee» HandetSblad", berichtet nun, daß über O ldcnza al tausende" von Gänsen einge- führt werden, die dann in Holland zum Preise von 1,60 Gulden das Stück verlaust werden und zwar nur deswegen angeblich so billig, iveil sie„krank" seien, DaS aber trifft natürlich nicht zu. Während sich im holländischen Parlanient die Bauern über diese deutsche Einfuhr beschweren, find in Deutschland Gänse überhaupt nicht zu haben. Einschränkungen des Personenzugfahrplans der Eisenbahnen werden nach der soeben erschienenen Bekanntmachung der Eiienbabn« Verwaltung von Donnerstag, den 29. d. M,, ab eingeführt. Unter lunlichster Schonung des Berufsreiseverkchrs sind folgende Zug« ausfälle angeordnet worden. Personenzug 329 ab CbarllNtenburg 9,23 vormittags nach Küstrin, Vorzug 342 von Kiistrin nach Charlottenburg an S.38, D. 80 von Tharlottenburg ab 7,39 abends nach Sommerfeld— Oderberg. v. 40 von Oderberg nach Charlotten- bnrg.an 10,01. Personenzug 241 von Charlottenburg ab 4,20 nach Sommerfeld. Personenzug 242 von Somnierseld nach Charlotten- bürg an 1,42, sowie die Personenzüge 23l und 232 zwischen Frank- furt/Oder und Sommerfeld. Ferner fällt je ein Zugpaar zwischen Züllirbau nnd Rothenburg, sowie zwischen Reppen und Glogau aus. Die Vollmilchkarlen für den Monat Februar 1922 werden in sämtlichen Groß- Berliner Verwaltungsbezirken in den nächsten Tagen ausgegeben und zwar in Alt-Berlin für die Kinder im 1. und 2. Lebensjahre am Montag, den 9., DienStag, den 10. und Mittwoch. den 11., für die Kinder im 3, und 4. Lebensjahr« am Donnerstag, den 12,, Freitag, den 13., und Sonnabend, den 14, Januar 1922. Den Haushaltungen, denen Karlen für verschiedene Altersstusen zu- steh«'», sind sämiliche Milchkarten an einem Tage zu verabfolgen. Ferner gelangen Z-Karten lKarten für werdende Müller) zur Aus- gäbe. Die A I- nnd A II- Kinderkarten erhalten je% Liter und die BI- und B II- Kindcrkarten, sowie die Z- Karlen(Karten für werdende Mütter) je% Liter Frischmilch täglich. Die aus Milch» karten zu verabfolgende Milch wird zum verbilligten Preise on die Bezugsberecktigten abgegeben. Die Höhe des Preises wird be- sonders bekanntgegeben. Die Inhaber von Milchkarien haben die Febniar-Milchkarten bis zum 26. Januar 1022 einschließlih dem Milchbändler vorzuleaen. Die Milchkarten können in allen �-B-Milh- geschähen und in sämtlichen Kuhställen zur Anmeldung gebracht werden, Tie Teutfche Gartenban-GeseNschaft kann Im Jahre 1372 auf ihr hundertjähriges Bestehen znniikfiltcken. Zu einer Vorfeier lädt üe alle ihre Mitglieder und Freunde zum DonnerZtag, den 29. Dez., abends 6 Ubr. nach der landwirtfchalllichcn Hochschule, Invalidenstr. 42, ein. Nach einem Vortrag mit' Lichtbildern van Major Tittmann wird Oekanomierat S. Braun an der Hand der VercinSqeschichte die treibenden Kräfte aufzeigen, welche im deutschen Gartenbau tätig waren. Wirtfdrnft Rovbr. 6,2 Oktober 4,2 Rovbr. 0,6 Mai Juni Juli August Septbr. Oktober 8.9 3.1 8.7 2.8 6,6 10.3 >m Werte(in Milliarden Papiermark): Mai Juni Juli August Septbr. 0,9 1.0 1,4 2,7 3,2 Die eigenartige Bewegung im letzten Monat wird durch daS Statistische Reichsamt folgendermaßen begründet: Das starke Anwachsen der Einfuhr im Oktober erklärt sich daraus, daß in diesem Monat zahlreiche Vorratsläufe zur Ablieserung gelangt sind, die abgeschlossen wurden, als der Mcvf« kurs noch verhältnismäßig hoch war. Industrie und Handel aber bereits mit einer starken weiteren Entwertung der Mark rechneten. Dazu kommt, daß im Okiober der G o l d z u s cki lag sehr stark erhöht wurde, wodurch ein Anreiz entstand, möglichst viel Waren noch zu dem niedrigeren Zuschlagsatz zu verzollen. Bei den außer- gewöhnlichen Umständen, die im Oktober die Höhe der Einfuhr beeinflnßien, wäre es daher verfehlt, auS dem Vergleich der Oktober- und Novemberzahlen weitgehende Schlüsse zst ziehen. Man wird vielmehr die Ergebnisse der folgenden Monate abwarten müssen, um sagen zu können, ob die Verminderung des Einfuhrüberschusses im November den Anfang einer ondaueriiden günstigen Entwicklung bildet oder nur eine vorübergehende Er- scheinung ist, In den Monaten Mai bis November hatte die deutsche Einfuhr einen Wert von 65,7, die Ausfuhr einen Wert von 52,0 Milliarden Mark, so daß sich für diesen Zeilraum ein Eivsuhr- übeischuß von 13,7 Milliarden M. ergibt. Der deutsche Außenhandel bietet im einzelnen während der fraglichen fünf Monate folgendes Bild: Einiubr Ausfuhr Wert In Miüiarden Mark 11,9 9,7 7,5 67 6,2 5,4 4,5 7,8 Reparationskohle und Markentwertung. Der Soz. Parl.-Dienst schreibt: Die auf Grund des Friedens- Vertrages und des Abkommens von Spa zu liefernde R e p a� a- t i o n s k o h l e wird Deutschland bekanntlich zum Inlands- Marktpreis auf Raparationskonto gutgeschrieben. Da diese Um- rechnung zum jeweiligen Tageskurs erfolgt, hat Deutsch- land durch die im Laufe de» Jahres eingetretene Marktentwertnng außerordentlich große Verluste erlitten. So war z. im Mai 1921 der Wert der Papiermark etwa ein Fünfzehntel der Goldmark, im Oktober etwa ein Sechsunddreißigstel, an einigen- Tagen im November ein Siebzigstel und weniger. Dementsprechend wurde je Tonne gutgejchrieben im Mai 24 M. Gold, im Oktober 11,1 M. Gold, im November werden es etwa 6 M. Gold sein. Deutschland verliert also im November, verglichen mit Mai, auf die Tonne rund 18 M. Gold. Die Kohlenlic�erungen in den Monaten Juni bis Oktober betrugen in Summa 7 609 990 Tonnen. Für diese wurden gutgeschrieben 131 427 209 Goldmark. Wäre in den ge- nannten Monaten der gleiche Preis gutgeschrieben wie im Mai, also 24,1 Goldmark je Tonne, so hätte die Gutschrift 183 181 690 Goldmark betragen, also 51 754 490 Goldmark mehr, als es tatsächlich der Fall war. Im Monat November werden Deutschland für eine Voraussicht- liche Lieferung von IL Millionen Tonnen nur etwa 6 Nl. je Tonne gutgeschrieben werden, gleich 9 Millionen Goldmark, so daß Deutsch- land im November 27 Millionen Goldmark weniger gutgeschrieben bekommen wird, als es bei gleicher Lieferung im Mai gewesen wäre. Rechnet man diese 20 Millionen Goldmark zu den oben errechneten 51 754 490 hinzu, so ergibt sich, daß Deutschland lediglich infolge der seit Mai eingetretenen Markentwertung für die Lieferung der Monate Juni bis November 78,7 Millionen Mark Gold weniger aufReparationskonto angerechnet werden. Günstigere Handelsbilanz im November. Der Monat November, der Monat der Rekordkurse für den Dollar, brachte Deutschland«ine erheblich günstigere Außen- Handelsbilanz als die vorangegangenen Moirate. Nach den vorläufigen Ergebnisien deS Statistischen ReichsamlS ist nämlich im SpezialHandel die Wareneinfuhr sowohl dem Werte wie der Menge nach zurückgegangen, und zwar sank der Einfuhrwert um 1.6 Milliarden Mark oder 11.5 v. H., die Einfuhrmenge um 4.7 Millionen Doppelzentner oder 15.7 V. H. Hingegen ist die Ausfuhr zwar der Menge nach etwa» gesunken" nämlich um 0,6 Millionen Doppelzentner oder 3 v. H., während der Wert der ausgeführten Waren im Zusammenhang mit der Valutave, schlechte- rung noch um 2,2 Milliarden Mark oder 22,7 v. H. stieg. Der Einfuhrüberschuß ermäßigte sich so der Menge nach von 10.3 auf 6.2 Millionen Doppelzentner, dem Werte nach aber von 4,2 auf 0,4 Milliarden Papiermark. Während der Monate Mai bis November zeigt die deutsche«ußenhandelsbilaitz folgende Eni- Wicklung: Deutschland hatte in diesen Monaten einen zunächst stark und gleichmäßig steigenden Ueberschuß der Wareneinfuhr über die Ausfuhr. Dieser Ueberschuß ermäßigte sich im November sowohl der Menge wie dem Werte nach erheblich. Im einzelnen betrug der Einfuhrüberschuß der Meng« nach(in Millionen Doppelzentnern):* November 1921 Oktober, September, August, Juli Juni» Mai Dezember 1920 Sowohl Einfuhr- wie Ausfubrmengen sind also über den Stand des Dezembers 1920 hinausgestiegen. Die Kapitalerhöhungen bei der GEG. Nach einer Bekannt- machung des Amtsgerichts Hamburg vom 16. Dezember ist durch Beschluß der Gesellschafter der Großeinkanfs-Gesellschast D<4u,chcr Konsumvereine m. b. H, Hamburg, vom 16. Juiit t9t6 das stamm- kapital der Gesellschaft um 10 Millionen Mark auf 30 Millionen Mark und durch Gesellichafterbeschluß vom 26. September 1921 weiter um 20 Millionen Mark auf50 Millionen Marker- höht worden.' � Sprlikon'ern und Zigarettenfabrik. Der Konzern Katzenellen. bogen, an dessen Spitze die Spritfirma E. u. F. K a h l b a u m steht, " at sich mit einem Drittel des Kapitals an der Gründung der Wenest>"-Zigaretten-Fabrik A,-G. in Berlin beteiligt. Unter den übrigen Gründern befindet sich die H o l l a n d f ch e T u r k f ch e Tabak Maatschappij mit einem weiteren und die bisherige Inhaberin des Unternehmens, die Firma Weinstein in Berlin mit dem' letzten Drittel des Aktienkapitals. Iffolienische Handelsverträge. Da« jetzt unterzeichnete i t a. lienisch-rusjische Handelsabkommen enthält u. a. die Vereinbarung, daß in den nächsten sechs Monaten ein endgültiges Wirtschaftsabkommen abgeschlossen wird.— Der italienische Minister des Aeußern della Torretta und der russische Vevollmächiigte Wo- rowsky unterzeichneten außerdem ein'Handelsabkanimen zwischen I t a l ke n und der U k r a in e, das sich mit dem italienitch- russischen Abkommen deckt. Wirtschaftskrise und schottische Genossenschaften. Die Wirt- schaftskrife'auf die schoinsche Gioßeinlanfs-Gesellschast ist nach wie vor stark. Im diitten Vierteljahre 1921 beirug der Umsatz ruck- gang 2 177 507 Pfund Sterling oder 33.1 Proz. Besonders stark leiden die Bekleidungs-, Fuß, eng- und Möbelabteilungen. In ver« schiedenen Betrieben mußte verkürzt gearbeitet, zum Teil sogar anL- gesetzt werden. Besonders ungünstig lagen die Verhältnisse in der Milwabteilung. In den Mühlen war infolge starker Benutzimg eingesührten Mehles eine wöchentliche Minderprodukuon von 5000 Sack zu verzeichnen. Ersreulich arbeiteten dagegen die Filch- und die Konserveiiabteilung. Mus aller Welt. El« verbrecherischer Geistlicher. Vor etwa zwei Iahren hatte«s in Salzburg großes Aufsehen erregt, daß in M i t t e r s i ll Brandstiftungen und Diebstähle in großer Zahl vorkamen. Später wurde ein Bersahren gegen den katholischen Geistlichen Thomas Pfeferkorn eingeleitet. Das Verfahren wegen Brandstiftung mußte wegen Mangels an Beweisen«ingestellt werden, dagegen wurde Pfeferkorn wegen Diebstahls, öffentlicher Gewalttätigkeit, ge- fährlicher Bedrohung und Berleumdung nunmehr zu13Monaten schweren Keplers verurteilt. Grohfeuer infolge einer Weihnachtsspielerei. In der Ehrist- nacht entstand in P e r l a ch bei München ein Grohfeuer, das ein Oekonomiezebäud« mit großen Erntevorräten und wertvollen landwistfchastlichen Moschinen vollständig vernichtete. Der Schaden übersteigt ein« halbe Million Mark. Der Brand ist dadurch«nl- standen, daß halbwüchsige Burschen beim Weihnachtsanschießen Feuerwerkskörper warfen. Vahnhsfbrand in Bukarest. Der Rardbahnhos ist zur Hälfte abgebrannt. Ter Schaden wird auf 10 Millionen Lei geichätzt. Mehrere Personen wurden verletzt. Der Brand ist wahrichernirch durch Kurzschluß verursacht worden. Der Zugverkehr ist normal. Wirbelsturm im TNifsisivpllal. Nach einer New Porker De- pesche der„Chicago Tribüne' sind bei einem Wirbelsturm im Missi- sippital 31 Personen getötet und 70 verletzt worden. VorwärtZitr-dcade und Lsfjtzckei' cbure BerdienslmSglicht. Aufkrärung u. Anregung zrdende itrofchUtt(Bio neuer Geist?«nd grat J. Grdmann& Co., Situ. JläniB«täRcr Str.?t JagdpBJshre AiUomaliscIi: Plslolen usw. Unfair, Vertt.. Umtausch Gewehr Aadrit tzusi. fsätzel KrlloWS, Jartur knstr.SÜ Suche dringend UUmetaUe Kupfer» Rotguß Mes> ülng, Zinn» Lajer» metall usw. zu bekannt höchsten Tagespreisen. 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An diesem Tag MUß adgr- rechnet und das neue Material in Empfang genommen werde». tt. Abt. Der Diskufstonsabend fällt aus. Z». Abt. VA Uhr gemeinsamer Zahlabend aller Bezirke in der Schulaula Sene- felderstr. 6/7, mit dem Thema„Berichterstattung vom Bezirkstag'. tZ. Abt. itH Uhr Zahlabende in den bekannten Lokalen. König-, Ecke SSlltzenstrage. Die Bezirksfithrer treffen(ich um(H4 Uhr im Lokal von Eehrke. Erscheinen»Pflicht. 168. Abt. Köpenick. 7/4 Uhr Vorstandssitzung bei Müller, Alter Markt. 114. Abt. Lichtenberg. Uhr Zahlabend: 1. und 8. Gruppe bei Frühling, Mainzer Str. 18; 2. Gruppe bei Schwarza, Gabriel-Max-Str. 17; 4. Gruppe bei Schulz, Gärtnerfir. 16. US. Abt. Karow. 8 Uhr gahlabend und MitgNederverfaiitmIung im Lokal von Berndt, Dorfftrabe. Erscheinen Pflicht. �woch, � �Ännar, �rl�?°�A?!f' d>e�am �nü��tt?nd?nde V>>?5k5gk. Ukö «»berordentllche Generalversammlung wird verwiesen." Morgen, Donnerstag, den 29. Dezember: 42, Abt. Große Weihnachtsfeier für die Kinder und Angehörigen der Ab- teilung abends S/4 Uhr bei Eula, Iiiterbvger Str. I. WeihnachtsÜber- rafchunge» aller Art. 47. Abt. Der Dezemberzahlabend füllt an«. Rückständige Beitrüge können abends 7 Uhr bei Eteinke, Mariannenufer 7, bezahlt werden. Daselbst«n VA Uhr wichtige Abteilungsvorstandssitzung. jioliften. Gruppe Schöneberg-Friedonan: 7V4 Uhr bei Groß, Sedanstr. 17, ea&end. 80. Abt.«chöneberg. Freitag, den 80. Dezember, Weihnachtsfeier in der Menzel-Klause, Menzelstraße. Der Weihnachtsmann kommt um 6 Uhr. Rege Beteiligung der Genossen mit Familie wird erwartet. Eintritt frei. Tonristenverein„Die Naturfreunde'(Ortsgruppe Berlin). Mittwoch, den 28. Dezember, abends 7/4 Uhr, außerordentliche Generalversammlung in der Aula des Realgymnasiums, Weinmeifterftr. Id. Tagesorduug: Beitragsfrage. Geschäftliche Mitteilungen. Der GNoesterbakl in den gesamten oberen RÜumen des Rheingold, Bellevuestr. 19/26, dürfte alles Dagewesene in den Schatten stellen. Bon den Darbietungen seien genannt: 6 Musikkapellen, Luftballontanz, Ballett- und Tanzvorfvhrunge», Bazar und Tombola, Geschenkpolonaise usw. Wetterbericht bi? Donnerstag mittag. Mild, überwiegend be- wölkt mit wiederholten, teilweise starken Mederschlügen und frischen West« lichen Winden. Glauben Sie an Sympathie? Ich ßlmche fest daran. Ich halte ste für SaS einzig« wirksame Mittel, mir meine Kundschaft zu erhalten. Deshalb lege ich so großen Wert darauf, daß jeder, der eines meiner SO Geschäfte besucht hat. dies mit dem Gefühl verlassen soll: hier bist du gut bedient worden— hier kannst du mit Vertrauen wieder kaufen. Ihre Sympathie ist es, auf die ich Wert lege. Vielleicht ist mir nicht immer geglückt, was ich erstrebe, weil ich nicht überall, per- sönlich sein kann; aber es ist mein aufrichtiger Wunsch, mir die Sympathie meiner Kunden zu erwerben und zu erhalten. Und sollte es bei einem der vielen Leser dieser Zeilen mir nicht gelungen sein, so bitte ich hiermit aufrichtig darum, mir jetzt noch Gelegen- Heit zu geben, den Fehler wieder gutmachen zu dürfen, ganz gleich, wieviel Monate oder Jahre darWer vergangen sein mägen, und nz gleich, was es mich losten mag. Schreiben Si« mir ein paar Zeilen oder, besser, besuchen Sie mich am Spittelmarkt, Wallstr. 1, im Direktionszimmer; zum mindesten telephonierkn Sie mir unter Zentrum 112 16. Ich möchte gern jedem,' der Augengläser benötigt, so helfen, wie er es erwartet. Kein Mittel will ich daran unver- sucht lassen. Nur darum gebe ich meine Garantie, wonach ich jeden Metallleil der Doublä» und Goldfassung umsonst repariere oder neu ersetze, in der Garantiezeit von 1— 4 Jahren.»Nur darum garantiere ich für passende Augengläser und verpflichke mich zum Umtausch, bi» Sie diejenigen Gläser gefunden haben, die Ihnen behagen. Doch nur in seltenen, ganz außergewöhnlichen Fällen wird solch Umwusch erföideÄkch sein, well mein tüchtige» Personal fachmännisch grünÄich vorgebildet ist und noch ständig weiter- gebildet und unterrichtet wird über die Fortschritte auf dem Gebiet der Lugengläserverordnung. Im eigenen Interesse eines jeden, der Augengläser benötigt oder mit seinen jetzigen nicht zufrieden ist, oder dessen Fassung nicht gut fitzt, oder der an Kopfschmerz oder unter vorzeitiger Ermüdung der Augen zu leiden hat, wünsch« ich, daß er eine» meiner Geschäfte besuchen mögt; wahrscheinlich wird er dann ebenfall» aus Ueberzeugung und Sympathie sagen, wie so viele Tausend« Vor ihm: C Spittelmarkt Ecke«allste. Alexa»der-?lotz nah« Sichwg» C\Y/SeUe-*aiance.Sfc,4 nah« Jandors VV/ Friedrich. Str. 103» " Ecke Stlpzijet St» Leipziger Skr. HZ Eck, Maner-Ste. «nk-Skr. i •Sc Potsdamer St*. CQ Oranien-Slr. 44 C kollbufer Oaram 10 � nahe Jandors f) Frankfurter Zilie« 14 � nah- rten N Friedrich-Str. lOö Eck« LI««»!-6tr. Znoaliden-Str. 104 Ecke Brunsen. Str. Znoaliden-Sir. 11? am Stetttner Bhf. MVV7 Friedrich- Str. 150 Eck« Z»»r»the«u-Sta M Ehaussee.Str.7Z nahe Müller-Gt«. Schönhauser Alle«« am«hf. Nordrtna 30 SeschZst« in Berlin, Hamburg, Düsseldorf. Basel Eharlotlenbnrg, Lsnaih'.eu-Str ti Eck« Marburaer«w. !«1.2 »ah, Bhf. As« Mimersdarf: r Skr. IXt-ü iahe llhlaub-Gte. Schoneberg: Hsapt-Str. 2l. Eck««kastm�S«». Friedenau: ZchSa-Skr. ts. Ecke Kirch-SSn. Neukölln: V«r>.ser. 4. etat Zleihme*». Spandau: 9nm«*. 10. nah« Mar« | Tlieaicr, Udilspiele nsw. aaooooooooooooaaooooptxxpooaooo �noonooro Opernhaus Fldelio 7')t Uhr Sciiauspielhaus Leonce u.Lena. i Oer Diener zweiertierren VI, Uhr Dentsch. Theat. 7Vi uouis teriiinana Prinz von Preußen Do. 7: BmTraumsplel Kammerspiele 8: Der Sctawierise Do.8; Der Hübnerhof Gr.Schauspieih. (Kanstraue) 8: Danton« Tod Do 8: Dantons Tod Theater i. d. KöDiggrätz.Str. Moskau ei Kün-.i:er.Th, 7 Uhr: Heibstssixen Komödienhaos 7jo Die Fahrt -ins Blaue Oläßner, Kicharj, Engl, Piuck�ßtieda Dernburg Berliner Theat. laguch 7�30 U r (Prinsefftn §Ma �Or/Www' Ir Ww' FriiziMassanra.a. Ralph Arthur Roberts. Pepl Zump«, Hb. Kiper Resiöeuz-Theat Nacrun. 4U, kl. Preise: Max und Moritz Tä# ch Vi, Uhr: Das weile£and Irene Trlesch, Arnold Korff, Schroth, Hardt, Pospischii_ Kleines Theater Nachm 4 LU kleine Pr; Schneewittchen Täghcn /Vi Uhr: Jaqueline Cur loe.ie, Falkenstein. Albcrs,vVeri\mei8t.,Bern Trianon-Theat. Nachm« U, Kl. Piene• RotkSppchen Täglich 7'/, Uhr Kümmere Dich um Amelie OlgaUiinb. rg, Eu,t bürg ätCl ii, UJl«/ (Rosc-Tbeaterf I'/, Uhr: Biederleute Vorher: yEöejenr.Ellzondo Casino-Theater Lotliring.Str.37 TägUVg D.erioltjrciche Schlager Der lieg lieli Volksstück i,4AufzUnen Volkstümliche Preise Stft.»U. iUrUAbeutcucr VoiKshühne Theater an. Bulowplstz 7 uhr König Lear Lessing-Theat. Heute und mor en Vi,: Die rote Robe Freltag7Vt Wenn wir Toten erwachen OeutsMOnstler-Tli Allahendlich TV,: Der heilige&inljrosiüS (Ma* Adalbert) Central-Theater u�Das Dstektivoiädel Deutsches Opernhaus 7'/, Uhn, Friodr.-Wilhelmst. Th. w.uhr: Frauerräüher Intimes Thealer S U: Die Spelunke Lauf doch nicht Immer' nackt herum Klein. Schauspielhaus 7'/, Uhr Roigscn Lustsplelhaus 8 Uhr; Habnenkarupt Slttl. Forderung Metropol-Theater u�D-StrafiensängeriB Neues Operetten-Th. s um: Königin d. Rächt Nenes Operettenhaus Schöneberg, Hauptst.144 8 Uhr: Einmal kommt die Stunde.>• Neues Theater am Zoo lägLcn VI, Uhr: Annette Neues Volkstheator 7'/, Uhr: Die Gezierter » Der zerbrochene Krug Schillor-Th Charlbg. u8: EinWinlerinärchea SchloBpark-Th Steglitz w.unr Extfiinporale G'. Haus bV, Uhr Der gest. Kater Thalia-Thealer yhr: Scham Dich, Lotte Theat. amNgllendorfpl. 4: Schneeweiß u Rosenr V:. Die Ehe im Kreise Theater des Westens 4 U.: Känsai u. Greiel u'h?- Braut ilBcullDs th.l.d.Kommandanl Str (JQd. Kiinstler-Th.) 7V,: Jar.kel der Schmied Wallr.cp-Theater �r;ßle Spitzenkönigin Walhalla-Theater u'Jnng rnnS man sein Behrenftralle 54 Sonnnbendp de« 31. DezetnbeV- abends 8 Uhr Berlins Instigste Silvesterfeier Tischbestellungen rechtxelöv; erbeten iFAüpenvti | Dir. Jam. Klein| Die große Revue Keine Böhne der Welt bietet sol- che Prachtans- I statt, n.üam.hs- "■ �. i.'.■■.i;.-c■.v-i/r::v.'' ,v■; �.: Friedrich-MlHelmUdlWes Theater 1�" Abends TU lthr"TW Der große Premierenerfolg: Der Frauenräuber Operette in Z Akten mit Cordi Millowitfch a. G. Tora Hrach, Ida Perry, Carl Grünwald, Fritz Langendorff, Theo LncaS» Alfred Schcrzer, Franz Schwaiger BagT'CoB Zhenfee Ist aollftdabig ccnooletf! IMA GroPschreiendeBeklame machen in letzter Zeit sogenannte Trauringspezialgeschäfte od. Hersteller. Größte fielstwigsjahigkeii beweisen wir als einziges Berliner Spezialgeschäft für Tranringe! Wir liefern einen Reklame- Philnarmoni« - Abend <1. 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Klein| { Die letzten Tage j Frau Lima ICroBe Ausstan Operette«on Paul Linke Äb 1 Januar: Die gewaitUe Varleti-Aus- stittungsscbau Rund um| die Well In IZ Bildern Der Vorverkauf 1 ab 10 Uhr ununterbrochen I Persöniicties Aultretan Sylvester Scliier • owie d«r weitere Verlöti-Spl tlpl»n Vorverknuf« U bK 2 Uhr UFA- PALAST AM ZOPI Uhirl UHr Raacben sestattet FOLISS CÄPKICE Llnlenstr. 132 am Oranienourger Tor Täglich 8 Ohr: Pension Liebeslaube Lillys Seitensprünge D. nnmoral. Wohnung Frd.ürQneckcr.R Beryl Theat. a. Kotlb.Tor S«L93lortk.I6077 DüfiLZ' ,Uht«. Stp. nothm 8 IX 10 Herren! wist! Komik I Rm. halb. Preise � Boks.I I-XV,u4 6 RetcbsballenTboalee Aliaben�iieh 7V, Uhr u. SonnUnachm. IU. Mtsttlnor S& n g«v Nachm. W® hälfe Pr Ä Dönhoffs Brettl: Anf.7VaUhr ÄVie bekannt zahle ich ür AI: Metalle aller Art, auch Fabrik- adt, die höchst Preise Paul Zimmermann Alie Sofrbftt. 66. 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(lach nach langem. schwerem Leiden im Airer von»1 Jahren mein wnigstaeliedter Mann, der gimmer- mann 746b LeopcW Fischer. DiettesdetrlibteWiNoe Elise Fischer. Chariortendura, Kaiserin- Ang.» Allee 49. Die CinSfchei»in; erfolgt Sonnabend nachm. 3 Uhr Krema» torium«erfchtstraße. Ssylilagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Va- ters. des Krankenkassen» Vorstehers Karl Böhm sagen wir allen Verwandten. Freunden und Bekannten unser» herz» lichen Dank. Wwe.«ntanle BZHm 746b nebst Tochter. Zahngebisse ?.ah» ta. ts bis 9k, M. Gold-». Silberbr., alte Schmncksacheu kaust hijchstzahlend Klikilert« Edrlmelall-Einkmtf Strausderger Strasse?« am Strausberger Pl. ♦ <3 Platin M s»u>., Bilberbr.. Zähne <> Zinn ♦ Biel, Kupfer, Quecksilber usw. Sammlung hat die GenehmlniDi des Herrn Siaatskommisairs fdr die Regelung der Krlegseohlfahrttpllege In Preußen durch Erlaß rem 23. Dezember l?2i geiunden. Aalrnl zur Spende für innrwelllnien! Noch ist das Riesenunglück von Oppau in aller Erinnerung und schon kommt eine neue Nachricht von einer ähnlichen erschütternden Kaiastrophe. In Saarwellingen im Saarlande ist die Dynamitfabrik A.-Q. vormals Gebrüder Nobel in die Luft geflogen. Zahlreiche Menschenleben sind durch die Explosion vernichtet, viele Personen verlet-t worden, und tewaltig ist der in der näheren und ferneren Umgebung der Unglücksstätte angerichtete achschaden. Von Trauer, Not und Bedrängnis sind viele ramilien, besonders von Arbeitern, betroffen, mitten im Winter, kurz vor dem Weihnachtsrest Wohl haben sich sofort an Ort und Stelle helfende und gebende Hände gefunden. Die Anfänge einer Unterstützungsaktion sind eingeleitet, aber die Not ist viel zu groß, als daß das Geschehene ausreichen könnte. An das ganze deutsche Volk ergeht deshalb der Ruf, mit offener Hand beizutragen für die Linderung der Not der Verletzten und der unglücklichen Opfer der Hinterbliebenen der Katastrophe von Saarwellingen. Deutsche Männer� deutsche Frauen I Gedenkt der Betroffenen von Saarwellingen I Gebt schnell und gebt reichlich. Spenden werden erbeten an die Bankhäuser: Deutsctie Bank, Berlin W 8, Behren- Straße 9—13, Postscheckkonto Berlin 1000; Delbrück, Schickler& Co., Berlin W 66, Mauers tr. 61—65, Postscheckkonto Berlin 400, unter Stichwort„Saarwellingen". Berlin, den 15. Dezember 1921. Der Hillsausschuß für Saarwellingen Kriegsanleihe wird zu 84% in Zahlung genommen. Spottbillig Elegante Pelzmäntel 7500.- SealplQschmäntel.. 2850.- Reinw. Strickjacken. 295.- Modell-Mäntel... 670.- Mantelkleider... 410.- Rrimmennäntel.. 1230.- Katzenjacken... 3590.- Astrachanmäntel.. 876.- ülster....... 237.-; Seldenmäntel... 417.-1 Kostüme...... 398.- Seidenkieider... 419.-! Reicbrrflgradvaoriinarer Ben Kommcrzlenrat H. Röchling. Vorsitzender ■weisor Albrecht: Oberberghaupimann Althansj Re�iernngsas essor und Landtagsabgeordneter Bachem; Eiseribahnd rektionspräsident a.D. Brosche; Direktor Th Burgarth; den. Oberbergiat Gleit: Weingutsbesiuer and Landtagsabgeordneier Diel; Regicrunes- und Baurat Dorpmllller; Land-jerichtsdlrektor Dransfeld; Bergassessor und Bergwerksdirektor a. D. Dröge; Rechnungsrat Eberhardt; Landgerichtsdirektor und Landtassabgeordneter Eichholl; Landtagsabgeordneter u. Stadtverordneter. Oberverwanungsgeri htsrat t. Eyncrn; Direktor Fett; Geh. Oberbergrat Flemmlng; Bergassessor Dr.-Ing. Gllnz; Magistratssekretär Wiilielm lialbach; Geh. Finanzrai Dr.». liallern; Oberregierungs- und Geh. Bauiat Ualfmann; Redakteur und Landiagsai'geordr.eter R. Hauschild; Geh. Bergrat und Generaldirektor Or.-Iag. h. c. E. Hilgert Brauereibetriensdirektor' Horch; Ff au Geh. Oberbergrat Hacek; HauptgeschäftslUhrer u Landtagsabgeordneter Jansen; Reichstagsabgeordneter Professor Dr. Kaaa; Präsident des Retchsversicherungsaimes Dr. Kautmann; Kreisschuirat u. Landiagsabgeordnetei Kimpcl: Berghauptniann a, D. krummer; Altachd Dr. Krümmer; Ingenieur Labbä; Rechtsanwalt Dr. jur. I.clbl; Referer t heim Freuß. Staatskommissar für Voiksernähruitg Dr. Laufs; Unterslaatssekretär Dr. Mßgel; Piarrer Müller; Hüttendirektor a. D. t-ricdrich Müller; Markscheider W. Müller; Generalleutnant z. D Neven du Moni; General Nebelung; Eisenbahnschreiner K. Ommert; Kaufmann 0. Pücheur; Redakteur Richard Posselt; Ministerialrat im Reichsverkehrsministerium Geh. Regiei unesiat Friedrich Pllug; Beamter des Kaiisyndikats Max Psoita; Sta ts- rtegerwald; Geh. Oberbergrat und Reichskohlenkommissar Stutz; Kapitularvikar des Bistums Trier Tilimana; Direktor Liz. Pfarrer Ulrich: Verwaltungsdirektor Th. Vogel; Generaldirektor Dr. Otto Welnling. Um Verbreitung dieses Aufrufes im vaterländischen Interesse wird gebeten. «9»' i rfiiii■ i-t-■ i-lil>M!iiMBfiisi3AsiiWi«�iiiTi in Frt's-iiiif'i � r-T N Irr-r L«4.•« Gummimänlel für Herren 485,-, für Damen 398.- Gehpelze für Herren 9100.-, Peizjoppen für Herren 3300.- Westmann 1. Geschäft: Berlin W, 2. Geschäft: Berlin NO 18 Mohrenstraße 37a.Gr. 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