Nr. 616 ♦ 33. Jahrgang Ausgabe B Nr. 305 Bezugspreis: Bteirtt!ilU)iU«0,— M., monat!. 89,— St >rei ins Sau», voraus zahlbar. Post- hezuz: Monatlich A>,— M. einschl. Au- stellunasgrbllhr. Unter Kreuzband tür Deutichland. Danzig. da» Saar- und Memelaediet, sonne die ehemal» beut- Abend-Ausgabe c Groß• Berlin ZT auswärts 40 Pfe«c»a D schen Gebiete Polen», Oesterreich Ungarn und Luzemdurq lU,— M.. fiic das übrige Ausland 72,— M. Post- b-stellnngen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Ticherbo- Elowatei, Däne- marl, Holland, Luxemburg, Schwede» und die Schweiz, Der.Vorwärts' mit der Sonntag»- beilage.Voll und Zeit', der Unter- Haltungebeilage.„Heimwelt' und der Veilagc.Siedlung und Kleingarten' ericheint wvchentäglich zweimal. Sonn- tag» und Montag» einmal. Telegramm-Adreffe: „Sejlsichmatcaf Berlin" Berlinet Volksblstt Anzeigrstprei�: Dir zehngeipaUene AsngarerUlzeüe tostet 7,- P!...»leine da» tettgedrnüte War,!>,— Pt. lzu- lösstg zwei teltgebrnckte Warte). lebe» »eitere Won üäü itii. Stelteug-Iuche »nd Schiaistelienanzeigen da» erste Wort l.Sl) M„ jedes weitere War! 1.— SR. Worte über 15 Vnchflnbe» zahlen für zwei Wone. Soiuilten-Tta- zeigen für Abonnenten Feste 4,— 3)L Die Preise verstehen sah einschiiehtist, Teuerungsruschwg. Anzeigen für die nächste Rümmer müssen bi» Ahr»achmitiag» im Hauptgeschält. Berlln EW BS, Linden- straße•2, abgegeben«erden. Geöffnet von» Uhr srtlh bi» 5 Uhr«dends. Zcntmlovgzn der rozialdcmokratifcbcn partci Dcutfcblands Neüaktion und Expedition: SV b8, Lindenstr.Z - Redaktion wioritiplat, I5lU5—«7 tzPerniz-rrnicr. Moristplav ,17«.?— äit Freitag, den 30. Dezember 192t vorwarts-verlag G.m.d.h., SV b8, Lindenstr. Z Akernsvreckier' Brrlag,«xpedittOn NN» Jnsernte». ".„�etlnng Mnristdl.tz tt7SS-S4 verhanülungen im Eisenbahnerstreit. Um i Uhr miklegs wird xiemeldel. daß der Reichs- verkehrsmini si er die Eisenbahnerorganisalionen zu neuen Verhandlungen eingeladen hak. die um 4 Uyr im Reichsverkehrsminislerium beginnen sollen. Es ist zu hoffen, Mi diese Verhandlungen nicht ergebnislos verlausen. Die Silualion ist im Augenblick sehr ernst. Wenn auch die Regierung den bei ihrem Personal vorhandenen Willen zur Verständigung zum Ausdruck bringt, diirfke bald wieder Ruhe im deuischen Eisenbahnbetrieb einkehren. Um 42 Ahr Halle der Vorstand des ADG23.. von ZMl- glicdern des Vorstandes des Deukschen Eisenbahnerverbandes degleitel. beim Reichskanzler Dr. W i r l h vorgesprochen. * Die PPN. melden: Der Reichsverkehrsminister Hai zu heute, Freitagmittag, die sämtlichen Organisationen der Eisenbahnarbeiter zu neuen Ver- Handlungen in das verkehrsministerium eingeladen. Da er nach wie vor auf dem Standpunkt steht, daß er mit den streiken- den Cifenbahnarbeitern nicht verhandle, soll auch, wie die PPN. hören, Voraussetzung von Verhandlungen mit der Zentralleitung des Deutschen Eisenbahnerverbandes die Erklärung s-in. daß die Leitung an dem abgeschlossenen Tarifvertrag festhält und sich nicht hinter die S t r« i k e nd e n�stelle. Die christ- lichen Gewerkschaften der Eisenbahner haben eine solche Erklärung, daß sie auf dem Boden des Tarifoertrages stehen bleiben, bereits ab- gegeben, während die chtrsth-Dunckerschen. die allerdings keinen großen Anhang unter den Eisenbahnarbeitern aufzuweisen haben, noch keine Stellung eingenommen hoben. Wir stalten diese Nachricht für falsch, zum mindesten ist sie überholt. Herr Groener kann unmöglich den Eintritt in Verhandlungen davon abhängig machen, daß die andere Seite zuvor Erklärungen über ihr Wohlverhalten abgibt. Die Verständigung ist zu notwendig, als daß man sie an Formali- täten scheitern lassen dürfte. öerlin im Streik. In Berlin ist de? Skreikbeschluß. Äf am Donnerstag abend in eine? Funklionärversammlung des Deutschen Eisen- bshner-Verbandes gefaßi wurde, schon keilweise durchgeführt worden. Es wird erwarkek. daß bis heule abend der Eisenbahnverkehr in Groß-Berlin rest- los stilliegen wird, zumal sich auch die Angehörigen anderer(SewerkschcsKn an dem Ausstand beteiligen. Die Reicksgewerkschaft Deutscher Eisenbahner ,.-ird sich höchstwahrscheinlich noch im Laufe des heutigen Zfages dem Streik anschließen. Ultimatum üer Hamburger Eisenbahner. Hamburg, 30. Dezember.(Eig. Drahlberichl.) Eine äußerst stark besuchte Funklionärversammlung des Deukschen Eisenbahnerverbandes. Ortsgruppe Hamburg, nahm am Donnerstagabend zu der Bewegung der Eisenbahner Stellung. Der Beyollmächtigke gab einen Bericht über den Stand der Bewegung im Reiche. Aus das Referak erfolgte sine Aussprache. in der von allen Rednern betont wurde, daß man den Kampfdcrlnden Skreik getretenen Kollegen unter- st ü h e n müsse. Es wurde folgender Beschluß gefaßt: Der Hauptvorstand des Deutschen Eisenbahnerverbandes soll der Regierung sofort einUllimatum siellcn. wonach die Aorderungen der Eisenbahner bis zum 3 4. Dezember. mitkags 42 Ahr. restlos bewilligt werden sollen, widrigenfalls derkampfaufderganzen Linie aufzunehmen fei. Den streikenden Kollegen im Reiche wird die vollste Sympathie ausgesprochen. E» heißt dann weiter:..Wir sind bereit, uns diesem Kampf anzuschließen. Die Orlsverwallung wird b sauskragt, alle ihr notwendig erschel- nenden Maßnahmen dafür zu'tressen." In dem Bericht, den die Ortsverwaltung Hamburg des Eisenbahnerverbandes darüber ausgibt, heißt es noch:„Damit haben die Führer des Deutschen Eisenbahnerverbandes den Willen der Verbandsmitgliedsr kundgeian. Geht die Prestigepolitik der heutigen Regierung weiterhin ihren verderblichen Weg, so wird auch das Wirlickiasts- leben Graß-Hamburgs in kurzer Zeit in seinen Grundfesten erschüttert. Der Vorstand ersucht die ZMtgliedschast dringend, Disziplin zu wahren und die Parole der Orlvverwalwng abzuwarten.» die iTage im Westen. KS In, 30. Dezember.((Eigener vrahtberlcht.) Die Siluoficn Im Kölner Elsenbahn-Direklions-Vezirt hat sich im wesenkllchen nicht gzändert. Der größte Teil der Eisen- bahnarbctkcr ist seit Don uerstagnach mittag. 2 Ahr. c-usständlg. Es verkehren nur wenige Züqe. Der Sllterocrtchr ruht vollkommen. Die Interalliierte Kommission hat bis zur Stunde nicht eingegristen. da die Transporte für die Be- satzungstruppen garantiert sind. Es wird versucht, durch andere Verkehrsmittel. Autos usw„ einen Transport in beschränktem ZNaße herbeizuführen. Der Transportarbeiter-Verband und der Derkehrs- bund haben ihre Alitgiieder aufgesordert, Solidarität zu üben und derartige Transporke nicht auszuführen. Es ist alles ruhig. llebergriffe sind nicht vorgekommen. Dahingehende Meldungen sind falsch. Die Hallung der Beamten ist schwankend. Ein nicht geringer Teil denkt an eine solidarische Handlung. Es ist jedoch nicht wahrscheinlich, daß es auch zu einem Beamten- streik kommt. In letzter Stunde erfahren wir. daß am Zreitagnachmittag eine Konferenz stakksinden soll zwischen der hohen Interalliierten Kam- Mission, deutschen Regierungsbehörden und dem Deutschen Eisen- bahner-Äerbande.- die sich mit der Situation im Eisenbahnerstreik be chafligen soll. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, sollen Miiiel und Wege gesucht werden, die aus eine baldige Beilegung des Streikes hinzielen. Essen, 30. Dezember.(Eigener Drahtbericht. Die vom Deutschen Elsenbahnerverband im Direttionsbezirk Essen herausgegebene Streikparole ist nach den bisher eingegan- penen Meldungen überall befolgt worden. Die großen Bahnhöfe Hamm. Dortmund. Wanne, Oerlinghausen, Allenessen und Essen liegen still. Die volle Wirkung des Streiks laßt sich erst heute nach- mittag übersehen, da noch viele Züge von auswärts kommen. Trotz- dem die Ehrisien zum Slreilbruch auffordern, haben viele ihrer Mitglieder sich dem Streik angeschlossen. Die Beamten er- scheinen zum Dienst, versichern aber, keine Streikarbelt verrichten zu wollen. Im neu besetzten Gebiete Düsseldorf-Duisburg hat die Besatzungsbehörde den Streik verboten und mit Belage- rungszustand und Einsperren gedroht, während sich die Eng- länder in Köln neutral verhalten. * Der Eiseickahnerstreik breitet sich aus! Das ist der Extrakt aus den ungezählten Meldungen, die aus dem Westen des Reiches nach Verlin kommen. Schon sind es die Arbeiter nicht mehr allein. Im Elberfelder Bezirk haben sich auch die Beamten dem Streik angeschlossen. Auch die anderen Eisenbahnerorganisationen, die sich gestern noch darin ge- fielen, von Putschabsichten des Deutschen Eisenbahnerverban- des zu reden, sehen sich gezwungen, dem Willen ihrer Mit- glieder Ausdruck zu verleihen und die Streikparole auszugeben. Als erste sah sich die Gewerkschaft deutscher Eisen- bahne? Barmen-Rittershausen zu diesem Schritt genötigt. In Köln ist der Streik nach den. heute morgen mitgeteilten Beschlüssen pünktlich in Kraft getreten. Die Annahme und der Empfang für alle Güter sind geschlossen und werden mit sofortiger Wirkung für alle Kölner Bahnhöfe gesperrt. Aus- genommen bleiben die Sendungen an die Besatzungsbehörden und Truppen. Heute abend wird auch der S t r e i k in Berlin zum Ausbruch kommen. Der Eisenbahnpräsident Wulff hofft allerdings genügend arbeitswillige Kräfte be- kommen zu können, um den Verkehr aufrechtzuerhalten. An- gesichts der Erregung aber, die unter der gesamten Beamten- schaft über die letzte Besoldungsregelung und die Ablehnung ihrer letzten Forderungen durch den Sachverständigen für Landwirtschaft Herrn Hermes herrscht,. dürfte sich diese Berechnung als trügerisch erweisen. Die rechtsstehende Presse schnaubt natürlich Wut über die Streikenden und versucht die Regierung zu allerlei Scharf- machereien aufzuhetzen. Ein sehr probates Mittel hat „Die Zeit" entdeckt. Sie empfiehlt dem Berkehrsminister, un- bedingt dafür zu sorgen,„daß den Streikenden die Folgen ihres Tuns in aller Klarheit und Entschiedenheit fühlbar ge° macht werden. Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen, Schutz gegen Vergewaltigungen und kurzfristige Entlasfungs- Warnungen an die Streikenden— mit diesen Mitteln wird der Berkehrsminister das Streikfeuer auf seinen.Herd beschränken und rasch dämpfen können. Hoffentlich läßt er es nicht an ihrer nachdrücklichen Anwendung fehlen." Die„Deutsche Tageszeitung" fällt über„das Haupt- regierungsorgan, den„Vorwärts" her, der eine„Po- litik des doppelten Bodens" treibt. Nach ihrer Meinung müßten wir nämlich unbedingt der Regierung recht geben und womöglich, statt zur Verständigung zu raten, mit Scharf- machereien arbeiten, wie sie und'die„Zeit". Mit Entlasfungs- drohungen wird aber gar nichts erreicht, sondern allerhöchstens die Situation noch mehr verschärft. Steiflenüe Kurse. An der heutigen Berliner Börse setzte sich die feste Tendenz fort. Der Dollar wurde anfangs mit 484, später etwa mit 486 bis 487 gehandelt. Auch an der E f f e k- t e n b ö r f e waren wesentlich höhere Kurse zu verzeichnen. Man rechnet mit einer ollgemeinen Hausse am Devisen- und Effektenmarkt. Konflikt in Washington. Balsonr droht Frankreich. London, 80. Dezember.(WTA.)' Der Sonderberichrerftaiter des Reuterfchen Bureaus meldet aus Washington: Nach der Mit- teilung Sarrauts über das von Frankreich beschlossene Programm für seine U-Boote und Hilssschiffe wurden alle Bemühungen zur Er reichung eines Uebercinkommens bezüglich der Einschränkung der U-Boots» und Hllfsschissstonnage aufgegeben. Der amerikanische, der italienische und 0er japanische Delegierte drückten ihr Bedauern darüber aus, daß ein Uebereinkommen nicht möglich fei. Balfour sagte, daß(Broßbmannien das französische U-Boots- Programm als „eine sehr ernste Bedrohungfür die Sicherheit Großbritanniens anseilen müsse. S ch a n z e r sprach ebenfalls über die ernsten Besorgnisse Italiens wegen der wirtschaftlichm Opfer und der politischen Folgen, die das französische Programm zur Folge haben könnte. Der französische Delegierte er- wiederte hierauf„mit Schärfe" auf die„Behauptungen" der Vor- r ebner, von denen einige vollkommen unannehmbar für ihn seien. Valfvur, erklärte, während es undenkbar sei, daß etwas anderes als Freund- schaft zwischen Großbritannien«nd Frankreich herrschen könne, beweise die Geschichte, daß beide Länder in der fernen Vergangenheit in Streit miteinander gewesen seien. Großbritannien sei Frank- reich stets zur See überlegen und zu Lande unterlegen gewesen. Frankreich habe niemals in seiner Geschichte zu fürchten braucheu, daß Großbritannien die Macht hätte, einen Echiag gegen das Herz Frankreichs zu führen. Niemal» fei»ine schwächere Militärmacht in der Lage gewesen, ein» überlegene Militäimacht zu gefährde», nur weil sie mehr Schiffe gehabt hätte. Angenommen, daß das Un- denkbare geschehe und die Alliierten zu Feinden � würden, so sei es vollkommen Aar, daß in diesem Falle die britische Ueberlegenheit an Grohkampfschisfen das Leben Frankreichs keinessalls auch nur für eine Stunde gefährden würde. Wenn Frankreich jedoch die größte A-Voot-Flotle der Weit besitze, so könnt» e» diese Flotte, wenn es wollte, zur Zerstörung des Handel» denutzen, und es fei schwer zu glauben, daß in Zeiten der Gefahr Frankreich diese Flotte nicht so verwenden würde. Wenn Großbritannien gegen U-Boote»nbe- waffnet sei, so sei es klar, daß Frankreich, indem es diese„verbreche- rische Waffe anwende, die Existenz Großbritannien» vernichten könne. Balfour sagte, Sarrant habe von der unbedingleu Not- wendigteit für Frankreich gesprochen, eine U-Boot>Flotte von 90 00(1 Tonnen zu besitzen. Ja welchem Zwecke? Keineswegs, um mit einer Großkampstchifflotte von 472 000 Tonnen zusammen zu wirken. Die U-Boote seien eine mächtige Waste zu nur einem Zweck, nämlich zur Zerstörung des Handels. Großbritannien könne nicht anders. als in Anbetracht der Bedrohung durch die Schaffung einer großen U-Book-Flotte innerhalb weniger Meilen von feiner Küste, die zu keinem anderen Zweck, als zur Zerstörung de» Handels dienen könne, offen erklären, daß es die daturch geschaffene tage nicht gleichgültig ansehen könne. * Washingkon, 30. Dezember.(EP.) Di« italienisch« Delegation erklärte gestern außerhalb der Konferenz, daß, wenn Frankreich nicht von seinen gegenwärtigen Forderungen ablasse, Ilalleu zu einer Entente mit England gegen Frankreich gezwungen sein werde. Gewerkschastsfpaltung m Zrankrerch. Paris. Z0. Dezember.(EP.) Der Aligemeinr Französische Gewerkschaft, band hat gestern eine Erklärung veröffenttichk. worin er dte Spaltung de« Bunde» feststellt. Der Bund ladet die Gewerkschaften ein. dem Ruf der Revolutionäre nicht zu folgen. * pari», SO. Dezember.(EP.) Der Aedakteur A e« m ä N n von der»Roten Fahne" in Berlin, der gestern aus dem tommunisti- schen Kongreß in Marseille eine Erklärung der Kommunistischen Partei Deutschlands verlesen hat, ist in Marseille, als er im Be- griffe stand, den Zug nach Pari» zu besteigen, verhaftet worden, da er keinen regelrechten Paß bei sich trug. Jrlanü für den Vertrag mit Eaglauü. London, 30. Dezember.(EP.) Aach einer Meldung dar .Central New»" au» Dublin hat die irische Nationalversammlung gestern in einer Geheimfltzung beschlossen, den Friedensvertrag zu ratifiziere». Februarwahlen ln Englaad?.Times" und»Dailh Rems" be« richten, daß Neuwahl«« im Februar wahrscheinlich sind. 3500 Berhaflongen in sechs Wochen! Nach einer Meldung aus Kalkutta lJndien) beträflt die Zahl der Verhaftungen während der letzten sechs Wochen etwa 3500. £obc für die Einigung. Unter der Ueberschrist: �Für die Einigung!— Zum Leipziger Parteitag der Unabhängigen" veröffentlicht der Reichstagspräsident Genosse Paul Lobe in der Breslauer „Volkswacht" einen Artikel, in dem er ausführt, daß die Spaltung organisatorisch immer unerträglicher werde, wäh- rend sich zugleich die Differenzen immer mehr verringerten: Die Koalition mit bürgerlichen Parteien ist eine Frag«, die auch von den Unabhängigen nicht mehr ganz einheitlich beurteilt wird. In dem Augenblicke, in dem die USP. verlangt, dafc ein bürgerlicher Kanzler wie Wirth im Amte bleiben soll, in dem sie fordert, datz unsere Mini st er im Kabtnett ver- bleiben müssen, und in dem sie die bürgerlichen Demokraten tadelt, weil sie nicht geblieben sind, in einem solchen Augenblicke kann dos Verdammungsurteil gegen die Beteiligung an einer bürgerlichen Koalition nicht mehr ganz aus ehrlichem cherzen kommen. Da ist man immerhin schon auf dem Standpunkt, daß wenigstens zeitweise ein Ministerium Wirth-Schmidt-Radbruch besser ist, als ein Kabinett Helfferich-Stegerwald-Goihein, und wenn man das erstere durch sein Vertrauensvotum am Leben er- halt, ist die Entrüstung der Stettiner und Jenaer Unabhängigen in ihren Anträgen gegen die Koalitionsbeteiligung nicht mehr am Platze. In den Gemeinden, in den Ländern, in der Gesetzgebungsarbeit des Reiches werden beide Parteien, ganz gleich, ob innerhalb oder außerhalb der Regierung, zwangsläufig in die gleiche Front gedrückt. Wir müssen also, auch wenn die Zeit zur Einigung noch nicht reif ist. wenig st en»»ine Arbeitsgemeinschaft bilden,»nd mir will es scheinen, daß e» besser ist. wenn der unabhängige Mehr- Hofs seine Redt damit beginnt, er wolle der Rechten des Nauses nicht da» Schauspiet fortwährenden Streites unter den Sozialisten bieten, als wenn R o s e n f e l d und T r i s p i e n keine dringendere 'Aufgabe kennen, als bei jeder Gelegenheit«inen neuen„Verrat der Rechtssozialisten' zu beweisen. Lobe erwartet von der Einigung einen Zuwachs von tüchtigen Theoretikern und Politikern und einen gewissen Fonds von Vertrauen, das sich die USP. zweifellos im Aus- land erworben habe, und einen gewaltigen Fortschritt zur Wiederherstellung einer einigen Internationale. Darum spricht er zum Schluß den Wunsch aus, daß der Leipziger Parteitag einer Annäherung und späteren Einigung der beiden Parteien wenig st eng keine neuen Hinder- nifse bereiten möge. Strefemann als Internationalist. Die„Freiheit" meldet unter dieser Ueberschrist: „Der Reichstagsadgeordnete Stresemann hat den Versuch unternommen, eine sogenannte interparlamentarische Konferenz in Amsterdam zur Besprechung der Reparation». frag« zusammenzurufen. Ein« Zusage von Ententeseite hatte er dazu, nämlich die eine» einzigen englischen Parlamentariers. Auf Grund dieser Zusage hat Herr Stresemann sich an die Regie- rungsparteien gewendet und diese eingeladen, zu der Be- sprechung nach Amsterdam Vertreter zu entsenden. Diese Einladung ist ohne Wissen de» Reichskanzlers Wirth und des Kabinett» erfolgt. Di« Sozialdemokratische Partei hat die Einladung de» Herrn Stresemann abge- lehnt. Die Zentrumjführer beschäftigten sich gestern beim Reichs- kanzler mit dieser Frage: sie werden jedenfalls auch zu einer Ab- lehnung der Einladung kommen." Die Meldung ist richtig. An die Sozialdemokratische Partei ist die Angelegenheit mit der Bitte um strengste Der» traulichkeit herangetragen worden. Diese Vertranlichkest wurde von ihrer Seite gewahrt, so daß die Quelle für die Mitteilung! der„Freiheit" jedenfalls nicht bei ihr zu suchen ist. Deutschlands Koblenlieferungen. pari», Z0. Dezember. Der.lemps" meldet: Die Reparation». kommission setzte Deutschland«ine Arist bi, spätesten» 30. 3 a■ nuar zur Rochlies erung der rückständigen 1 240 000 Tonnen kohle. Die 24-Stunden-Zeit. Erlauschtes von Fritz Müller. Chemnitz. D i e B e h ö r d e: ii St. Z, 32 781/B. In Ansehung des Reichs- gesetze» vom...(ct..Reichsgesetzblatt" Nr...„ S... unter Mitberücksichtigung der Ausführungsverordnung vom... und in Anlehnung an die im Gesetz- und Verordnungsblatt(cl. Nr...., S....) abgedruckten landesgesetzlichen Bestimmungen werden hier- mit die nachgeordneten Stellen angehalten, innerhalb ihres Gel» tungsbereich» baldigsten» die Umnennung der bisher als„1. bis 12. Stunde nachmittags' bezeichneten Zeiten in ,13. bis 24. Stunde" zu bewirten. Der Nörgler: Wieder eine Neuerung, die keinen Zweck hat! Der Schriftsteller: Die Zl-Stunden-Zeit ist entschieden eine feine Sache. Sie war noch nicht eingeführt: und doch hatte ich schon drei Aufsätze, S Plaudereien, 9 Gedichte und 42 Witze über sie in Zeitschriften untergebracht! Der Zeitungsverköufer: Zv-Uhr-Abendblatt' ZO-Uyr- Abendblattl" Der Pantoffelheld: Da wird meine Alte noch mehr schimpfen, wenn ich statt um 11 erst um 23 Uhr heim komm«! Der Verleger: Wie können Sie mir so ein veraltete» Manuskript anbieten?— Was?— Lügen Sie nicht! Es ist min- besten» 2 Jahre alt: denn hier trifft sich das Liebespaar noch nach alter Zeit S8 Uhr abend» II Der Lehrer: Ich begrüße diese Neuerung. Liefert sie mir doch ein feines Aufsatzthema! Der Beamte: Was. Sie sagen„cherr Zeitler" zu mir? Sie hoben mich mit meinem Titel anzureden! Für Sie bin ich„Jjerr 24-Sttindenzeiteinführung,kommissionsbez!rksob«rsekretär"!! Ver Uhrmacher: Die Partei, welch« diese famose Neue- rung vorgeschlagen hat, bekommt bei der nächsten Wahl meine Stimme! Der Unternehmer: Bon der Z4�tunden-Ze,t habe ich gar nicht». Der 8uStunden»Tag muß abgeschafft»md durch den 24.Stunden'Tag ersetzt werden! Der Rückwärtsler: Geht mir mit der neuen Zeit weg! Ich lobe mir meine gute alt« Zeit! Der Nachtwächter: Jört, ihr Leut' und laßt euch sagen, die Glock' hat 22 geschlagen! Wladimir Sorolenko. Di« Nachricht vom Tode Korolenkos, die üver Warschau zu uns gelangte, scheint sich zu bestätigen. Der Dichter, der zugleich ein politischer und sozialer Kämpfer war, und in seiner liebenswürdigen, aufopferungsfähigen Persönlichkeit die ganze alte Dichtergen er atiog de» zaristischen Rußland» symbolisiert«, ist die Not der Zeitungen. Die Klagen über fortgesetztes Steigen der Papierpreise. Waggonmangel usw. sind zu einer stän- digen Rubrik geworden. Kaum hat sich in Verlegerkreisen die Erregung über die plötzliche Erhöhung des Dezemberpreises einigermaßen gelegt, liegen bereits weitere Forderungen der Fabriken auf einen Preis ab 1. Januar vor. der alle bisherigen Erhöhungen weit in den Schatten stellt. Das neue Jahr be- ginnt daher für das Zeitungsgewerbe so trübe, wie kein? zu- vor. Um das Maß voll zu machen, verlautet, daß laut Be- kanntmachung des Reichsfinanzministers vom 3. Dezember 1921 der Reichsrat den Beschluß gefaßt hat, den E r l a ß d e r Kohlen st euer für Auslondskohle aufzuheben. Danach würde die Vergünstigung des Steuererlasses für das Inland außer Kraft treten, wahrscheinlich bereits zum 1. Ja- nuar. Es würden danach die bayerischen und sächsischen Papierfabriken, die auf den Bezug böhmischer Kohle ange- wiesen sind, dafür außer dem Ausfuhrzoll noch 3ll Proz. für deutsche Kohlensteuer zahlen müssen. Die erste Folge dieses Reichsratsbeschlusses wird natürlich eine abermalige weitere Verteuerung des Zeitungsdruck- papiers sein, denn die Papierfabriken werden natürlich be- strebt sein, diese Abgabe inden Preis desPapiers hineinzukalkulieren. Wir hallen daher im Inter- esse des so schwer gefährdeten Zeitungsgewerbes den Beschluß des Rcichsrats gerade im gegenwärtigen Augenblick für sehr unangebracht. Die Rücksicht auf das in seiner Existenz be- drohte Zeitungsgewerbe fordert vielmehr die Aufhebung dieser Verordnung. Eine ähnliche Verordnung ist nach Einspruch der Zeitungsverleger übrigens vor nicht zu langer Zeit ebenfalls wieder aufgehoben worden. Man will doch nicht etwa leugnen, daß die Gründe für eine gleiche Maßnahme jetzt etwa dürftiger geworden sind. Die Regierung möge den Ernst der Stunde für ein so kulwr- und lebenswichtiges Gewerbe nicht verkennen! Die Presse muß bei ihrer Bedeutung für das öffentliche Leben auf Verständnis und Hilfe bei den Stellen des Staates rechnen können! Eine§effel für die preffe. Di« Demobilmachungsbestimmungen sehen bekanntlich vor, daß Arbeiter und Angestellte nicht von auswärts in ein neue» Tätig- teitsfeld gezogen werden dürfen, solange am Orte dieser Tätigkeit selbst noch beschäftigungslose Personen des gleichen Berufes und der gleichen Fähigkeiten vorhanden sind. Es ist selbstverständlich, daß diese Bestimmungen zum Schutz« der Arbeiter erlassen wor- den und schon von segensreicher Wirkung gewesen sind. Man kann aber auch hier die Vernunft in Unsinn, die Wohltat in eine Plage verwandeln, wenn man derartige Vorschriften s ch e m a t i sch auf Gebieten anzuwenden sucht, wo sie beim besten Willen nicht pas- send sind. Ein solcher Fall hat sich jetzt in Berlin bei einer Zeitung er- eignet, die für ihren chandelsteil einen Redakteur braucht und' zu diesem Zwecke einen jungen Mann von außerhalb heranzog, damit er als Volontär sich in die Geheimnisse der redaktionellen Tätigkeit einarbeiten könne. Der Dcmobilmachungsausschuß hat für diese Heranziehung zweimal die Genehmigung verlagt, und auf schriftliche und mündliche Beschwerde an den Oberpräsidenten hat dieser mit dem Hinweis geantwortet, daß„zurzeit noch Herren beim aka- demijchen Hilfsbund stellungslos gemeldet sind, die sich als Handelsredokteur eignen"! Der betreffenden Redaktion wird an- hcimgegeben. die vorhandenen Kräfte anzufordern und zu prüfen, ob sie sich für den in Frage kommenden Posten eigneten. Diese Entscheidung des OberpräfDentcn halten wir für überaus anfechtbar. Die Bestrebungen, stellungslosen Redakteuren zunächst eine Beschäftigung nachzuweisen, ist allerdings durchaus anzu- erkennen, und wenn wirklich unter den beim Akademischen Hilfs- bund Gemeldeten Handelsredatteure vorhanden wären, so könnten wir kaum einen Grund einsehen, der die betreffende Re- daktion nicht veranlassen sollte, sich zunächst über die Fähigkeiten und sonstigen Berhältnisse der Stellungslosen zu erkundigen und ihre Heranziehung in Erwägung zu ziehen.» demnach in Pollawa, wo er seit langer Zeit den größten Teil des Jahres in einem Häuschen am Flusse lebte, gestorben. Der am 27.(IS.) Juli 18S3 zu Schitomir in Wolhynien Geborene ist in unserem Bewußtsein hinter den Weltgrößen der russischen Literatur etwas zurückgetreten, nicht allein deshalb, weil er ihre Bedeutung nicht erreicht, sondern auch, weil sein dichterisches Schaffen feiner lang vergangenen Frühzcit angehört. Seine Bedeutung liegt in der treuen Schilderung der Seele des einfachen ukrainischen Volkes, in der Darstellung tel heimischen Landschaft und in der schönen, sich manchmal zum Rhtilhmus steigernden Sprach«. Diese Vorzüge zeichnen besonders„Motors Traum" aus, ein« Dichtung, die von den Sagen und den abergläubischen Borstellungen der halbwilden Ja- tuten erfüllt ist, dann die Doltsiegende„Was der Wald rauscht" und die Erzählung„Der blinde Musikant". Korolenkos dichterischen Ge- staltung gab sein Leben reichen Stoff. Schon al» Studierender wurde er wegen seiner freiheitlichen Gesinnung 1879 nach Oststbirien verbannt, von wo er 1885 zurückkehrte. Seiner Freiheitsliebe ist er auch nie untreu geworden: sein Bedürfnis, im öffentlichen Leben zu wirken, hat ihn mehr und mehr in die Publizistik geführt, wo er als Herausgeber auf politischem und literarisch-künstlerifchem Gebiet eine beträchtliche Rolle gespielt hat. Seine nach der Märzrevolution geschriebene Broschüre„Der Sturz der Zarenmacht" faßte das Er» gsbnis des Freiheitskampfes mustergültig zusammen und fand riesige Verbreitung. Dem Bolschewismus stand er fern. Als Mensch er- freute sich Korolenko wegen seiner Ueberzeugungstreue, seiner Ein- lachheit und Bescheidenheit großer Bewunderung und Zuneigung. Gorki hat ihn als seinen eigentlichen Lehrer bezeichnet. Doch hat der bescheidene Korolenko dies immer abgelehnt oder doch als Ueber- treibung bezeichnet: was er ihm gelehrt habe, sei nicht der Rede wert.„Gorki ist so geboren", pflegte er hinzuzusetzen.„Die kleinen Veibesierungen, die ich hinzugefügt habe, sind bloß Dummheiten,— die Kunst lernt sich nicht." Korolenkos bedeutendstes Werk ist die„Geschichte eines Zeitgenossen", die seine eigene Kindheit und Jugend schildert. Rosa Luxemburg hat sie iim Gefängnis) übersetzt und mit einer vor- trefflichen Einleitung versehen, worin sie diese ganze russische Kampf- literatur charakterisiert und Korolenkos dichterisches Talent und sympathische Menschlichkeit würdigt. ver Zeigefinger al» Zahnbürste. Zahnbürsten sind heute teuer, und daher werden sie wohl noch weniger allgemein benutzt werden, als es bisher der Fall war. Die Zahnbürste ist ober gar kein so notwendiges und unersetzliches Werkzeug, wie sie uns bisher ge- schildert wurde. Dies hebt Dr. M. Kühn in einem Aufsatz der „Münchener Medizinischen Wochenschrist" hervor, in dem er den Zeigefinger als Ersatz für die Zahnbürste empfiehlt. Er bat früher bei seinen amtlichen Besichtigungen der Volksschulen festgestellt, daß nur ganz wenige Kinder eine Zahnbürste besitzen und noch viel weniger sie regelmäßig anwenden. Bei den jetzigen hohen Preisen für Zahnbürsten ist es ganz nutzlos, den Schulkindern und armen Leuten den Rat zu erteilen, regelmäßig jeden Tag mindestens ein- mal die Zähne mit der Bürste zu reinigen. Wichtiger ist es, ihnen einen Weg anzugeben, wie sie auch ohne Zahnbürste eine gründliche Zahnpflege durchführen tönneu. Wir besitzen nun einen billigen Indessen handelt es sich hier augenscheinlich lediglich um solche Personen, die Akademiker sind und erst Redakteure werden wollen. Nun kann man aber ein grundgelehrte» Haus sein und doch für den Journalistenberuf auch nicht die geringste Eignung be- sitzen. Für ihn kommen besondere Begabungen in Betrocht. die unter hundert Bewerbern oft nur einer aufzuweisen hat. Sie lassen sich weder durch staatliche Prüfungen feststellen noch au» Zeug. nissen ersehen. Sie müssen in der Praxis erprobt werden. Es handelt sich also um eine besonders qualifiziert« Berufs- ort, die sich durch irgendeinen Arbeitsnachweis nicht ergänzen läßt. Deshalb ist die schematische Anwendung der Demobilmachungsvor schriften auf die Presse ein Unding und könnte in ihrer Folgewir- kung zu einer Fessel für die geistige Entwicklung des Zeitungswesens werden. In der Arbeiterpresse besonders hat man bisher auf die freie Entwicklung der redaktionell tätigen Kräfte in höherem Maßr Wert gelegt als auf die schulmößige Vorbildung, die in der bürger- lichen Presse bis zu einem gewissen Grade Bedingung gewesen ist. Sollte die Anwendung der Demobilmachungsbestimmungen allge- mein werden, so würde das einen wesentlichen Eingriff in die ganze Entwicklung der Presse bedeuten. Deshalb ist es um so bedauer- licher, daß der Oberpräsident so wenig wie der Demobilmachungs- ausschuß sich bei der Organisation der Presse oder einer anderen sachverständigen Körperschaft über die Sachlage informiert hat. Hätte er das. getan, so wäre er wahrscheinlich von seiner fehlerhaften Entscheidung bewahrt geblieben, von der wir annehmen, daß sie baldigst die entsprechende Korrektur erfährt. Die Völkerbundabordnung im Saargebiet. Man spricht mit keinem Saarländer! Gens, 30. Dezember.(WTB.) Ein Mitglied der Abordnung des Lölkerbundsekretariats, die kürzlich im Saar- gebiet weilte und dieser Tage nach Genf zurückkehrte, empfing den Sonderberichterstatter von Wolfis Telegraphischem Bureau. Der Befragte erklärte, daß die Abordnung mit keinem Saar- länder gesprochen-ber die Wafbingtoner Konferenz und sagte, die U-Bante Hen für den Schutz der französischen Küste und der französischen Kolonien unerläßlich. Das Abkommen von Angora Hobe gewisse Schwicriaketten mit England ergeben Die unangenehmen Augenblicke gingen vorüber. Vriand betonte, daß es notwendig ge- wesen sei, daß IVO 000 Mann französischer Soldaten nicht mehr in einem fernen Lande zu dienen brauchten. Das Abkommen berühre nicht das Mandat über Syrien, dos Frankreich als ein Land ironzöfischer Zivilisation betrachte. Die Franzosen seien in Snrien als Brüder und nicht als Eroberer. Nach kurzer Unterbrechung der Sitzung wurde schließlich das Budget für Auswärtige Angelegenheiten angenommen. Paris, 29. Dezember.(MTB.) Der Kammerausschuß für auswärtige Angelegenheiten hat heute die Gesamtheit der jüngst vom Ministerpräsidenten abgegebenen Erklärungen geprüft. Er hat formell den Wunsch ausgesprochen, daß im Verlauf der bevorstehen- den Verhandlungen kein Beschluß gefaßt werde, der die von Deutschland geschuldeten Zahlungen verzögere oder herabsetz«. Ferner erklärt der Ausschuß, daß an dem Priori- tätsrecht Belgiens nicht gerührt werden dürfe. K Eine Neueinrichtung Die funtentelegrophifche Uebermittlung von Depeschen beginnt jetzt bei der Post eine immer größere Rolle zu spielen. Um vielen aus Handelskreisen laut gewordenen Wünschen nochzukommen, be» absichtigt die Reichspostverwaltung, versuchsweise eine neue Art ganz besonders schnell zu befördernder Telegramm«— sogenannte„Blitz- funk"-Telegramme— einzuführen. Wie schon aus der Bezeichnung hervorgeht, sollen diese Telegramme zunächst nur auf dem Funk- wege befördert werden, weil sich in dem stark belasteten Draht-Tele- graphenbetriebe die Heraushebung und Sonderbehaydlung eines Teils von Telegrammen ohne Beeinträchtigung des sonstigen Be- triebes zurzeit noch nicht in dem erforderlichen Maße durchführen läßt. Für den neuen„Blitzfunk"-Dcrkehr kämen hiernach nur solche Orte in Betracht, in denen sich ein« volle Funk-Scnde- und Emp- fangsanlagc der Reichspostverwaltung befindet. Bor Einführung des„Blitzfunk">Verkehrs zwischen derartigen Orten soll zunächst ein .Vorversuch zwischen Berlin und Hamburg angestellt werden. Uebermittlung durch Fernsprecher. Bei den„Blitzfunk"-Telegrammen soll die Zeit zwischen der Auflieferung und der Uebermittlung an den Empfänger auf ein Mindestmaß beschränkt werden. Zur Erreichung dieses Zwecks wird es als nötig angesehen, daß„Blihfunk'-Tclegramme höchstens 30 Wörter enkhalteu, daß sie. ferner in den betreffenden Orten nur an einer von der Reichspostverwaltung zu bestimmenden Stelle aus- geliefert werden, und daß die Empfänger von„Bllhsunk'-Telegram- wen einen Fernsprechanschluß besitzen, durch den ihnen die Tele- gramme unverzüglich zugesprochen werden können. In der Auf- schrist muß deshalb außer dem Namen des Empfängers auch dessen Fernsprechanschluß angegeben werden. Hiervon rann abgesehen werden, wenn Personen, die voraussichtlich regelmäßig„Blitzfunk"- Telegramme erhalten, eine entsprechende Erklärung unter Bezeich- nung ihres Fernsprechanschlusses abgeben. «kitte Straßenbahn, öle ihre Sätze verbilligt. Die Straßenbahnen gehören bekanntlich in ganz Deutschland zu den unrentabelsten Unternehmungen. Davon hotte bisher auch die Stuttgarter Straßenbahn keine Ausnahme gemacht. So kostetete die billigste Stroßenbahnfahrt um die Weihnachtszeit in Berlin oder etwa Karlsruhe 1,60 M., in Köln und D r e s» den sogar 2 M.. während in Stuttgart auch nach der neuesten Preissteigerung ein Fahrschein für zwei Teilstrecken noch für 1,26 M. erhältlich war. Aber gerade ob dieser letzten Preissteigerung(auf 1,25 M.) sah sich die Stuttgarter Straßenbahn den heftigsten An- griffen ausgesetzt. Insbesondere ist ihr der Borwurf gemacht war- den. es fei ihr an der großen Familie der Kurzfahrer nichts mehr gelegen. Darüber nun ist die Leitung der Stuttgarter Straßenbahnen In sich gegangen. In einer zureichend langen Per- öffenllichunq sucht sie zwar ihren Standpunkt zu verteidigen, denkt aber zum Schluß selbst nicht daran, an den getroffenen Bestimmun- gen festzuhalten. So gibt sie schließlich zur allgemeinen Freude bi- tonnt, daß sie mit sofortiger Wirkung den Satz für eine Kurzfahrt auf 1 M. ermäßigt. Also mitten in der Lebensverteuerung eine einwandfreie Derbilligung! Die Silvesterpolizeistusde. Auf Deranlassung des Ministers des Innern wird die Polizei keine besondere Siloesterpolizeistunde festsetzen. Die Polizeistunde bleibt wie üblich auf 1 Uhr bestehen, jedoch soll de» Gastwirtschaften nicht verweigert werden, ihre Lokole bis 3 Uhr früh offenzuhalten. Der Aufbau der Park- und Friedhofverwaltuug. Der zur Dcrberatung de? Satzung für den städtischen Park- und Destattungsmisfchuh eingesetzte Stadtverordnete n- ausschuß hat gestern unter dem Vorsitz des Stadtverordneten Zubell der SZ MH bi» 151 der Neich»r>erl>cheru»!i»' otötimifi de» Ortelot)»— orisUdliches Taaesentgett aewöhnlicher Tagardeiter— tllr den Bezirk der Eladigemeinde Berlin eilt Wirkung oom l. Za» nuac 1922 erdöht. .hierdurch ändern kich die Dellräge so»!? die Unlertllidunqsbrträqe für die unständig betchöttiglen Kassenmilglieder sind bei der heutigen Valuta große Werte!= 1 Nur das reelle Juwelcngcscbaft. welches| Setbstveibrauchcr ist. bietet Ihnen Gc- 1 (währ lür die bestn ögiiche Verwertung] Ihres Schmuckes jOtto Koppen, Juwelier,| I Große Frankfurter Straße 105,' bis 7 Uhr Ge ründet 188d JltSbel *nuf?n Sie nirgends js biAiq und gut wie bei Keisgebauer Auk schwebende Unierktüdunq, falle findet da«:! hährre Krankengeld keine Anwendung Beriin-Echöneberg, de» 80. Dezember 1021. Oer Vorstund. A. Schuld», Borfigender. Frig Seng, Schriftführer. �Ike» 8l)Ni.ksSiigßkli!ö Ii, LklWiiIieü�siiik i» Veolen älOkM. 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