Nr.2�ZH.�ahrga»g Ausgabe B Nr. 1 Bezugspreis: !Sicr!cI'äl)tl.60,— ÜJU monatl. SO,— SR. ftei ms SSaus, coroua zahlbar. Paft- btzug: Monatlich 20,— M. einschl. Fu- slellnngogeblihr. Unter Kreuzband für Deutschland. Danziz, da» Saar- und Weinelqediet. joroie die ehemal» deutscheu Deblci? Polen». Oesterreich Ungar» und Lueemburq ül.— SR. fiic da» iidrige Ausland 72.— M. Poll» beliellunge» nehmen an Oesterreichs Ungarn. Tichecho- El�walei, Däne- mark, bollaud, Luremburg, Schweden und die Schweiz. Der„Barwärts* mit der Sonntagsbeilage«Polt und Seit", der Unter- baltung-beilaqe �ösiniwelU' und der Beilage.Siedlung und Kleingarten� erscheint wochentäglich zwermal. Sonn- tag» und Montag» einmal. Telegramm- Adresse: „Sozialdeinckra» Sern«** Abend Ausgabe c OroS- Berlin 40 Pf. auswärts 50 Pfennig D berliner Volksblstt Anzeigenpreis: Die zchngelpaltene Nonpareillezeile loste! 9,— Bi.„klein« Auzelgin- das'eilgedruckte Morl S,— M.iti#lt M-rihvla» 117SS— 64 Montag, den A. Januar INKA Vonvärts-Verlag G.m.b.H.,€33 68, Linden str. Z SerriifnrrrfiPt• Verlag. Expeditia»»nd Inseraten- »Teriis�reryrr.„htcilung Moriisplatz 117Sa-k4 Neujahrsempfang beim Reichspräsidenten. Der Reich-prösidenk hat gestern die Chefs aller hiesigen fremden diplomatischen Vertretungen anläßlich de» Jahreswechsel» empfangen. Der apostolische Nuntius, Monsignore Pacelli, als Aeltester des diplomatischen Korps, hielt folgende Ansprache: „Herr präsidenl! Zum erstenmal seil dem Weltkrieg versammelt fich da, diplomatische Sorps in Berlin aus Anlaß des Ileujahrsseste» vor dem höchsten Beamten der Deutschen Republik. Ein glückliches Ereignis, ein Sinnbild der fortschreitenden Ruckkehr der Menschheit zum Ideal der Brüderlichkeit und des Ariedens zwischen den Völkern, welches Ideal den Ruhm der zivilisierten Völker ____-. f_______ möge die göttliche Vorsehung, welche die Menschen zu edlem Streben anspornt und ste leitet, ihnen lroh der Verschiedenheit der Stämme und der Staaten ermöglichen, in diesem Jahre die wirkliche and dauerhafte Versöhnung der Völker zu vollenden, die von allm Aufrichtigen ersehnt wird und stch aus der Achtung des Rechtes, auf der fruchtbaren und friedlichen Arbeit und aus den ewigen Gesetzen der Gerechtigkeit und der Wahrheit gründet. Von diesen Gefühlen durchdrungen bringen wir Ihnen heute. Herr Präsident, inmitten der schwierigen Ausgaben der Gegenwart. Unsere Huldigung und gleichzeitig oosere Glückwünsche für Sie selbst und für das deutsche Volk dar." Der Reichspräsident erwiderte darauf mst folgenden Worten: „Herr Runtios! Afli die Glückwünsche, die Eure Exzellenz als Sprecher des diplomatischen Korps zum Jahreswechsel dem deutschen Volk und wir als seinem Vertreter dargeboten haben, bitte ich meinen«es- gefühlten Dank entgegcnznnchmen. Gern folge ich Zhnca in dem Sedanten, den heutigen Besuch der Herren Vertreter der fremdm Mächte als da» Symbol einer allmählichen Rückkehr der Menschheil wm Frieden zu betrachten. Der Umstand, daß diese Worte aus dein Munde des Vertreters Seiner Heiligkeit des Vapstes kommen. der fein vornehmstes Ziel darin erblickt, Frieden auf Erden zu schaffen und zu erhallen, gibt ihnen in meinen Augen besondere Ve- deutsch« Volk wünscht für stch nicht» andere» als in friedlicher Arbeit neben den übrigen Völkern sein nationales Dasein wiederauszubaucn. Es gibt sich der Hoffnung hin. daß im kommen- den Jahr die Erkenntnis der Wcllnotwendigteiten weiter wächst und daß in dieser Erkenntnis jede Ration sich bemühen wir� durch frucht- bare Zusammenarbeit mit allen übrigen Volkern der Menschheit den wahr-m und aufrichtigen Frieden zu geben..... Mit dieser großen Hoffnung im herzen und durchdrungen von dem Bewußtsein, daß ihre Erfüllung Gebot ist. bitte ich Sie. Herr Runtiu». und Sie. meine Herren, auch meine Glückwünsch« für Ihr Wohlergehen und für das Gedeihen der von Ihnen vertretenen Re- gierungen und Völker entgegenzunehmen.", Bei dem Empfang waren der Reichskanzler Dr. wlrth und die beiden Staatssekretäre des Auswärtigen Amte, von Hantel und von SImson zugegen. Im Anschluß daran sprachen die Mitglieder der Reichsregternng. ber Reichskanzler, die Rcichsminister und die Staatssekretäre, ferner die Präsidenten des Reichstages und de» preußischen Staatsminisie- rium». Vertreter de» Reichsrates and der Wehrmacht dem Reichs- Präsidenten ihre Glückwünsch« au». Neujahrsempfänge im Huslanü. Paris. 1. Januar.(WTB.) Bei dem heutigen Neujahrsemp» fang des diplomatischen Korps beantwortete der Präsident der Re- publik. M i l l e r a n d. die Ansprache de» päpstlichen Nuntius u. a. mit folgenden Worten: Zu Beginn des neuen Jahres ist derselbe Wunsch auf allen Lippen, daß es den vollkommenen Weltfrieden bringe, ' daß es die Uebel wieder gutmach«, daß es selbst die Spuren eines ! langen und grausamen Kriege» auslösche, und daß dieser Wunsch ! die herzen aller Völker beseele. Ihr übereinstimmender Wille ist unerläßlich, um den Frieden zu verwirtlichen. Frankreich, dessen Arbeit für den Frieden Cur« Exzellenz Anerkennung gezollt hat, wird alles tun, um die Neuordnung der Dinge, wie sie au» den Verträgen hervorgegangen ist. zu festigen. Ich begrüße es, dazu berufen zu sein, mit allen Mitgliedern des diplomatischen Korps in dem Geiste vollkommenen Cinverständnistes an der Erfüllung dieses Wunsches mitzuarbeiten. Das Jahr, das beginnt, wird, wie ich vertraue, eine entscheidende Etappe zu seiner Boll- endung sein. Washington, 2. Januar.((EP.) Die diplomatischen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland wurden gestern offiziell wieder dadurch aufgenommen, daß der Staatssekretär Hughes den deutschen Gefchchäftsträger Karl Lang zum ersten- > mal empfing. Prag, 1. Januar.(WTB.) Beim Neujahrsempsang kam Präsident Masaryk auch auf die d e u ts ch- t s ch e ch is ch« Frage zu sprechen, die er als die wichtigste bezeichnete. Dabei sagte er: Von tschechischer Seite ist öfters betont worden, daß wir eine Lösung nach Schweizer Beispiet wünschen. Dielleicht könnte man eher vom belgischen Beispiel sprechen, weil Belgien ein einheitlicher Staat ist, während die Schweiz seit altersher in viele selbständig klein« Staaten zerfällt. Unser Staat— speziell die böhmischen Länder— hat sich historisch einheitlich entwickell und muß es daher bleiben. Ueber territoriale Autonomie kann und wird nicht verhandril werden. Dos läßt auch die unvorteilhafte Konfiguration der Minoritäten nicht zu. Unseren deutschen Lands» leuten gebührt Anteil in der Administrative und in der Regie- rung: das versteht sich in einer Demokratie von selbst. Diese Mit- Wirkung setzt allerdings eine loyal« Anerkennung des Staates voraus. Ueber das Verhältnis zu Deutschland führte der Präsident aus, dos Verhältnis zu Deutschland sei freundlich und werde freundlich bleiben. Die Tschechoslowakei wolle den Frieden, deshalb wünsch« sie. daß sich auch Deutschland wirtschaftlich und kulturell mäglichst bald wiederaufrichte. Europa, ja die ganze Welt, könne nicht ruhig sein, wenn die zwei größten Völker Europas, Rußtand und Deutschland, die unseligen Folgen des Krieges nicht über- ständen. Rußland und Deutschland bildeten die Mehrheit Europas. Di« kleinen und kleineren Staaten Mitteleuropas, ja selbst die größe- ren Staaten im Westen könnten stch nicht ruhig entfalten, wenn Deutschland und Rußland nicht einer Gesundung entgegengeführt würden. Es ist wenig wahrscheinlich, daß der Gelehrte Masaryk, besten Eingreifen in die Politik vielleicht nicht ungetadelt bleiben wird, die althistorische Schicksalsgemeinschaft der ehemals königlich böhmischen Länder lieber mit dem jungen Kunstgebilde Belgien al» mit der Schweiz verglichen haben soll, deren drei oder vier Urkantone stch schon auf dem Rütli vereinigt haben! Freilich mag es in das staats- politische System der Tschechoslowakei besser passen, die nationalen Minderheiten mit den Vlamen in Belgien zu vergleichen, als stch des feierlichen Versprechens von der.neuen Schweiz" zu erinnern. Tat- fache bleibt es, daß die Tschechoslowakei ein Völkerstaat ist wie das alte Oesterreich, In dem einsichtige Tschechen für die nationale Selbst- regierung, die nicht territoriale Autonomie zu bedeuten braucht, gekämpft haben. Das Ende ües Eifenbahnersireiks. Ter Arbeitsbestinn in Berlin. Am Sonntag faßte eine FunNIonörkonferenz de» Deutschen Eijenbahnerverbondes. Verwaltung Berlin, folgenden Beschluß: „Die heutige Fuakttonärversammlong beschließi, daß die Arbeil in den Belrieben bi, Monkag, abends 10 Uhr. restlos aufzunehmen ist, in den Werkstätten bi, spätestens Dienstag srüh. wir fordern unsere Sollegen auf. diesem Rufe geschlosten Folge zu leisten." Von der Oberzuqlcitung der Eisenbahndirektion Berlin er- fahren wir. daß im Berliner Zugverkehr die Lage unverändert ist -und der Betrieb nur mit großen Unregelmäßigkeiten aufrechterhalten wiril Die Stadtbahnzüge fahren durch- schnitttich alle 20 bis 30 Minuten. Auf den vom Stettin er Bahnhof ausgehenden Dorortstrecken ruht der Verkehr feit gestern vollstöndtg, auf den anderen Vorortstrecken wird er leidlich durchgeführt. Der Berliner Personen-Fernverkehr konnte fast durchweg be- wältigt werden. Der Güterverkehr ruht vollständig bis auf einige Milch- und geschlosten« Kohlenzüge, die aus den Bezirken einlaufen. v!e Streiklage im Reich. Usber die Lege im Reich liegen keine Rftchr�bten vor. auf Grund dcen man sagen könnte, daß der Streik der Eisenbahnarbeiter sich we'entlich verschärft hätte. Allerdings treten die Wirkungen des Streiks besonders in dem direkt davon betroffenen Teilen des Reichs erst jetzt unliebsam hervor. Fast überall wird der Fernverkehr nach Möglichkeit aufrechterhalten, während der Güterverkehr meist still liegt. Der Streikparoie der Ortsgruppen'.eitung des Deutschen Eisen- bahnerverbandes in Breslau entsprechend sind auf einzelnen Stationen d?r Provinz Schlesien die Eisenbahnarbeiter in den Streik eingetreten. Infolgedessen mußt««ine Reihe von Zügen ausfallen, doch wird der Verkehr notdürftig aufrechterhalten. In Koblenz ist bisher noch keine Aenderung einge- treten. Die Anordnungen der Rheinlandkommission sind von dm Streikenden außer Acht gelassen worden. Der Zugverkehr wird in beschränktem Maße aufrechterhalten. Die Streilteitung in Köln fordert die Streitenden auf, am Montag früh 6 Uhr die Arbeit in vollem Umfange wiederaufzu- nehmen. Die Bezirksleitung des Deutichen Eifenbohnerverbande» In Elberfeld fordert zur sofortigen Wiederaufnahme der Arbeit auf. Eine notwendige Richtigstellung. Die Tel.-Union verbreitet heute morgen erneut die Mitteilung, daß der Borsitzende des Deutschen Eisenbahnerverbandes vor Be- ginn der Eingungsoerhandlungen im Eisenbohnerstreik die Erklö- rung abgegeben hat, der Streit im Westen werde von der Organi« sationsleitung mißbilligt, weil er ein wilder fei. Wir stellen demgegenüber fest, daß diese Meldung eine grobe Irrefüh- rung bedeutet. Die an den Verhandlungen beteiligten Vorstands- Mitglieder des Deutschen Ciscnbahncrverbandcs werden in kürzester Frist eine Erklärung abgeben, in der sie nochmals auf diese falsche Behauptung eingehen werden. I Zrieslands Anklage. Die Wirkung der„Vorwärts"-Enthüllungen.— Der ftfeldwebelgeist der KPD. Der gemaßregelte Führer der KPD. Ernst Fries- l a n d(Reuter) hat zu seiner Rechtfertigung einen Privat- druck„Zur Krise unserer Partei" erscheinen lassen. Ein Exemplar dieser Schrift flattert auf unseren Schreibtisch, und wir wollen nicht verfehlen, einiges daraus mitzuteilen, was für die Allgemeinheit von Interesse ist. Die jetzige Krise der KPD. ist nach langem Schwären durch die E n t h ü l l» n- gen des„Vorwärts" zum Ausbruch gebracht worden. die nicht mir iür die große Oeffentlichkeit, sondern auch für eine tzanze Anzahl hervorragender Mitglieder der KPD. eine wirkliche Enthüllung waren, so unglaublich das klingt. Friesland sagt darüber auf Seite ff. seiner Schrift, nachdem er die Zuspitzung der Gegensätze in der KPD. durch allerhand I n t r i g u e n einzelner Zentralmit- glieder geschildert hat: In dieser Situation erschienen die Publikationen des..Borwärts". Die Publikationen waren für mehrere Mitglieder der Zentrale eine vollständige Enthüllung, und sie erfuhren eine ganz verschiedenartige Beurteilung. Mehrere Mitglieder verlangten, daß die durch diese Enthüllungen kompromittierten Genossen freiwillig ihre Aemter als MUglieder der Zentral« niederlegen kollten.... Die Parteidiskussion über die Märzaktion... war stark beetn- flußt von der Ueberzeugung der weitesten Kreise der Mitgliedschaft, daß all« die in kleinen Konventikeln ausgestellten Behauptungen be- wüßt oder unbewußt erfundene Lügen seien zu dem Zweck, die Partei zu diskreditieren. Kein einziges Mitglied der Pavtei hat die Möglichkeit als wahr unterstellen können und unterstellt, daß an irgendeinem Punkte zum Zweck« der Entsachung der Bewegung von Parteigenossen auf Veranlassung verantwortlicher Führer der Partei Attentat« und Sprengungen vorbereitet oder unternommen worden seien. Die Andeutungen Levis w seiner Broschüre und im Zentral- ausschuß bezeichneten wir al» ein« frech«, lügenhafte Er- f i n d u n g und waren auf» höchst« darüber entrüstet, daß Levi für diese Erfindungen keinen Wahrheitsbeweis antrat. Da in einer etwas summarischen Behandlung im Zentralausschuß von vornherein erklärt wurde, daß all« diese Behauptungen Schwindel seien, so wurde die Aufsastung zum Allgemein- gutder Partei. Durch die Enthüllungen des„Vorwärts" ist diese Ueberzeugung bei der gesamten Mitgliedschaft aufs schärfste erschüttert worden. Auch dies-nigen Genosten, die heute noch in den Betrieben d!« Kommu- nistischen Partei gegen die Angriffe der SPD. und tiSPD. ver- teidigen, mit dem Hinweis darauf, daß die Enthüllungen S ch w i n- d e l sind, werden morgen oder übermorgen stch der Empfindung nicht verschließen können, daß an diesen Dingen etwas wahres sein muß. Das klingt etwas anders als die fortgefetzten Beteue- rungen der Zentrale, daß unsere Mitteilungen auf die Kreise der KPD. keinerlei Eindruck gemacht hätten. Friesland legt dann dar, daß die Mitglieder es wohl verstanden hätten, wenn die Führer ihre Fehler eingestanden und mit der er- regten Zeit entschuldigt hätten. Aber st« werden es nicht verstehen können, daß die Fehler einzelner Genossen auf andere Mitglieder abgewälzt werben, die als Phantasten und Lügner der Oeffentlichkeit denunziert wurden, um so mehr, wenn diese Deduktion an sich schon vollkommen unhaltbar geworden Ist. Die Schrift Frieslands kritisiert dann weiter die Haltung der Zentrale gegenüber der Kommunistischen Arbeitsgemein- schaft, sie bringt das Protokoll einer Sitzung des„Polbureaus" (wohl politischen Bureaus) der KPD., worauf wir bei Ke- legenheit zurückkommen werden. Es folgt die bekannte Er- klärung der 138 und zum Schluß ein von Otto Braß, Ernst Friesland und Heinrich Malzahn unter- zeichnete? Zlufrus. Dieser Ausruf erklärt, daß die Politik der Zentrale die Partei in eine schwere Krise stürzt, an deren Ende der Zerfall steht, wenn sie nicht beseitigt wird. Die Lügentaktik der Zentrale gegenüber den„Vorwärts"-Ent- hüllungen wird gegeißelt und dann heißt es: So zeigen stch fortlaufend noch die Folgen der falschen noch- märzlichen rein disziplinarischen Einstellung. Die Zentrale ist auch heute noch die Gefangene dieses alten Feldwebelgeistes... Di« alt« Pogrom st immung, die Reinigungsmethoden, werden wieder aufgenommen, welche die Partei zu einer e i n f l u ß- losen Sekte machen., Diese Zustände werden noch verschärst durch die fort- währenden Eingriffe Moskaus in die deutsche Lei- tung, wofür die Schrift Frieslands einige interessante Belege bringt. Der Aufruf folgert hieraus: Es bedeutet«in« heillose Kompromittierung der kommunistischen International« und des Gedankens der internaiio- nalen zentralen Leitung des revolutionären Proletariats, wenn die Methoden der Tendenzriecherei, der veschnüsselung der unkontrollierten Rebeneinflüsse und des unkontrollierten Eingreifens in die Angelegen- Helten der deutschen Partei nicht rücksichtslos aufgedeckt und beseitigt werden. So verlangt der Ausruf schNeßN«b die»Ueberwtndung des kleinlichen, sektiererischen fanatischen Ze- l o t e n g« i st e s. Aber der wird nicht überwunden werden, solange man an den D i k t a t u r m e t h o d e n, an der Allgewalt der Zentrale und der A u s ich a l t u n g der Demokratie festhält. Wohin diese Ausschaltung der Demokratie führt, hat Rosa Luxemburg schon 1S17 vorausgesagt. Alle von ihr prophezeiten Folgen und noch schlimmere sind pünktlich eingetroffen. Die jetzige Krise der KPD. Ist der Bankrott des Gedankens, eine Arbeiter- Partei mit d i k t a t o r i s ch« n Mitteln leiten zu wollen. « Bon der moralischen Erkrankung, an der ein Teil der Kommunistischen Partei leidet, legt die Nummer des Halleschen .Klassenkampfes� vom SV. Dezember neues Zeugnis ab. Der „Klassenkampf" druckt den Artikel'unseres Kollegen Genossen Kar- st ä d t„Als Weihnachtsmann bei den Märzopfern" zum großen Teil ob, versieht ihn aber mit der Ueberschrift„Ein„vorwärts"» Strolch als Weihnachtsmann der Märzopfer". Und zum Schluß schreibt er: „Es wird der Tag kommen, wo die sozialdemokratisch« Ar- beitcrschast die schwarzen Seelen ihrer Führer er- kennt. Verachtung— oasi st derDank, den ihr verdient!" Wir wisien uns eins mit allen anständigen Menschen, wenn wir diese Worte nicht als eine Beleidigung empfinden, sondern nur als eine widerwärtige Selbstentblößung ihres Urhebers, von der man sich mit Ekel abwendet. Dollar 7S4. Die Berliner Börse blieb am ersten Werktag des Jahres für den Effektenverkehr geschlossen. Es wurden nur Devisen gehandelt. Hier zeigte sich eine bemerkens- werte Festigkeit der Tendenz, die aujf die Aeußerun» gen Briands über die bevorstehende Konferenz in Cannes zurückzuführen ist. Dollarnoten wurden mit 183� bis 184 gehandelt._ Staötverorönetenwahlen in£fppe. Detmold, 2. Januar.(Elg. Drahkberlcht.) Don den am Neujahrstage staktgefundenen Stadtverordnetenwahlen In Lippe liegt bisher nur das Ergebnis von Detmold vor. Es erhiellen: Sozialdemokratie tSSS Stimmen gegen lSSS bei den letzten Reichslagswahlen USP. 114. SPV. 212 Stimmen (gegen 604 der vereinigten Liste der SPD. und US?.), Demo- traten 1065 Stimmen(gegen 1335), Zentrum 316 Stimmen(gegen 312), Deutsche Volksparlci 2643 Stimmen(gegen 2722), Deutsch- nationale 1564 Stimmen(gegen 1605). Die bei den Stadwerord- netenwahlen zum erstenmal aufgestellte Lille der Wirtschaft». Vereinigung der Kriegsbeschädigten vereinigte 335 Stimmen auf sich, die zum größten Teil der Sozialdemokratie zuzurechnen sind. Ihr in da» Stadtparlament gewählter Spitzen- kandidat gehört der Demokratischen Partei an. Detmold, 2. Januar.(TU.) Die am gestrigen 1. Januar im Lande Lippe stattgesundenen Gemeindewahlen gingen unter außerordentlicher Wahlbeteiligung vor sich. In Detmold stehen 19 bürgerlichen Mandaten nur noch fünf Sozialdemo» traten gegenüber. Auffallend sind besonders die Wahlergebnisse der Stadt Salzuflen, in dem industriellen Schöpfmar, Lemgo usw. Die Unabhängigen sind in Llppe fast ganz verschwun» den. Die Kommunisten haben überall Niederlagen erlitten. Di« Deutsche Volkspartei hat stark zugenommen. Die Demokraten tonnten sich fast überoll behaupten, zum Teil haben sie eine Zunahme an Stimmen zu verbuchen. In zahlreichen ländlichen Gemeinden hatten sich alle Parteien auf Einheitslisten verständigt, so daß es in diesen Orten zu keiner Wahlhandlung kam. 5ür üie neue Zlagge. Hamburg, 2. Januar.(DA.) Die polizeilichen Dienflfirllea im Hofen sind angewiesen worden, nach Ablauf der in der Verordnung über die deutsche Flagge vom 11. April 1921 gesteckten Uebergangs» fr ist das neue Flaggenrecht restlos anzuwenden. Gegen die Führung uno orschristsmäh iger Handelsflaggen soll mit aller Schärfe eingeschritten werden. Silvesterpremieren. Ofsenbach- Silvester im Zirkus. Cancan, Carmagnole, Ulk, der alle Götterwelt zerpflückt und darum dem bürgerlich verschnürten Paris des dritten Napoleon etwas unheimlich wurde. Das war Jacques Offenbach, der Kölner, der die Pariser Operettenanmut be- gründet. Heute wird der Witz seiner Textdichter, der etwas mythologisch geworden ist, der Zeit angepaßt, für den Siloesterrummel im Zirkus frisch aufgepulvert. Und die Beine, die der Cancan bis an die Nasen- spitze warf, dürfen nur noch sehr geachtete Primaballerinenbein« sein. Alles erhielt für den Zirkus-Silvester Gewicht, die historische Persönlichkeit Max Reinhardts weihte den Offenbachfchen„Orpheus" in der Unterwelt: die feinste Maschinerie wirst ihr Licht auf den entzückenden, lebendigen Mädchenberg, der zu Füßen des Juptter» thrones aufgestapelt liegt. Prunk sehlte nicht. Der Symphoniendirigent Selmar Meyrowitz legte einen pathetischen Taktstock aus den Cancan. Herr Clewina und Fräulein Rethberg, Goldstimmen für große Oper, müssen sich zur Operette beflügeln. Es wird ihnen schwerer als Herrn Waldemar Henke, dem fidelen, süß singenden Lyriker für den Orpheus. Dann aber Pallenberg, Waßmann, Diegelmann und das in entzückendes Schwarz gekleidete Capriccio des Fräulein Gussn Holl. Pallenberg — Jupiter, Clown zum Zerplatzen toll, improvisierend, der geniale Stammler, der unendlich verschlagene Hampelmann, der entzückende Worteverdreher, der manchmal ein zitterndes Tenörchen aufsetzt, ein Tenörchen! Hans Waßmann schon gröber, mehr abgebraucht, auf alle Pointen geaicht, Hanswurst Styr, steundlich in jede Vorurteils- gesättigte Teilnahme von vornherein hineinbezogen. Diegelmann, der olympische Portier, der köstlich Wurstige, der das Schmunzeln um die Münder bringt, wenn er als göttlicher Lampist den Mond und Abendstern breit, zweizenwerbeliebig, zuckertütenhutgekrönt, auspustet. Endlich Gujsy Holl, von den Frauen die Leichteste, die am meisten Perlende und Schimmernde, ein entzückend schnattern- des weibliches Werkzeug für das Sinnbild der öffentlichen Meinung. Sie steht doch sonst auf dem Brettl, sie ging ober Silvester herrlich, stattlich, märchenhaft siegend über die sakrosankten Bretter und die Stufen ins Orchester hinunter und hindurch die ganze Arena. Denn Neinhardt nutzt, natürlich feinen Bon aus, er mißbraucht ihn dies- mal nicht. Nur der Triumphzug des ganzen tanzlustigen, sanges- frohen Komödiantenpacks und die Primadonnen dazu und Mady Christians und die einst kaiserlich russischen Solotänzerinnen dazu, alles, alles großes buntes Schaustück, Paradestück, manchmal sogar übermäßig ausgetüfteltes Feenmärchenstück funkelte, lachte, schaukelte einmal durch die Manege. � TL Sj. Das Schauspielhaus hatte zu Silvester ein kusttges Spiel an» gesktzt: Johann Nestroys unverwüstlichen, jeden Regisseur immer wieder reizenden„Lumpacivagabundus". Karl E t t. linger führte da« Szepter und brachte sein stattlich aufgetakeltes Schiff glücklich in den Hafen. Di« Geisterwelt Nestroy» freilich, be» Sombenattentat in Sapern. Vinkelsbühl. 2. Januar.(WTD.) Inder Silvester- nacht kurz nach 12 Uhr warf auf dem dicht bevölkerten Marktplatz vor der Kirche, von deren Turm Choräle herabge- flafen wurden, ein junger, etwa 22 Jahre alter Mensch, dessen Per- sonalien noch nicht festgestellt sind, eine selbstgesertigte Bombe, in der sich Dynamit, Kupfer st ücke, Glos und Eisenstücke befanden, in die Menge. Nach den bisherigen Zestslei- lungen wurden mindesten» 50 Personen, darunter 20 schwer, verletzt; 11 Personen befinden sich zurzeit noch im Krankenhause. Anscheinend war der Anschlag gegen Schutzleute gerichtet, da sich in nächster Nähe der Exploflonsstelle mehrere Schuhleute befanden. Eine Reihe von Personen, die der Mittäter- schast verdächtig stnd, wurde verhaftet. Man wird abwarten müssen, wes Geistes Kind dieser Bomben- werfer war. Unmöglich scheint es nicht, daß eine jener Mörder- gruppen, die Erzberger und Gareis auf dem Gewissen hat, auch zu diesem verzweifellen Mittel griff, um den Kahrschen Ausnahme- zustand wieder aufleben zu lassen, unter dem die monarchistischen Putschisten sich so wohl befanden. Enüe einer �gitationslüge. Das geschästsfllhrende Vorstandsmitglied des Reichsausschusses der deutschen Landwirtschaft, Edler von Braun, gab in Au»- führungen, die er gegenüber einem Vertreter der TU. machte, auch folgende Erttärung ob, die weitestgehende Beachtung verdient: Die Verhältnisse liegen heute Im Vergleich zur Vorkriegszeit erheblich ungünstiger. Weite landwirtschaftliche Ueberschußgebiete oben wir verloren, gleichzeitig eine erhebliche Einbuße in er allgemeinen Ertragsfähigkeit der Böden und der Viehbestände erlitten. Die Aushebung der drückendsten Zwaiigswirtschaftsfesieln hat hieran nur wenig zu ändern ver- macht. Das nur sehr durchschnittlich befriedigende Ernteergebnis treibt uns einer Eruährungskrisis mit zunehmender Schnelligkeit entgegen. Herr von Braun ist ein hervorragende» Mitglied der deutsch- monarchischen Partei. Vor der Aufhebung der Zwangswitt- schast hatten die Parteien der Rechten stets mit dem Argument ope- ttett, daß der Rückgang der landwirtschafllichen Produttion nur ein« Folg« der Zwangswirtschaft sei und mit der Aufhebung der Zwangswirtschaft verschwinden werde. Nun muß der Edle v. Braun selber zugestehen, daß ttotz der Aufhebung der Zwangs- Wirtschaft weder der landwirtschaftliche Erttag noch die Viehhaltung sich nennenswert gesteigert haben. Mit dem Versprechen einer höheren Produktion an Lebensmitteln ist das deutsche Volk von den bürgerlichen Patteien ebenso belogen worden wie mit dem Versprechen einer Verbilligung der Lebensmittel nach Auf- Hebung der Zwangswirtschaft. Der fteie Handel hat die Lebens- mitteloorräte nicht vermehrt, er hat st« nur enorm verteuert und damit Erzeugern wie Zwischenhändlern Riesengewinne auf Kosten der Konsumenten in die Tasche geschoben. der monarchistische Hochschulring. Man schreibt uns: Im Sommer 1920 wurde unter dem Vorsitz de»— reindeutschen— Herrn d e la Chevallerie die Gemeinschaft aller deutschblütigen Studenten, der„Deutsche Hochschulring" ge- gründtt. Nach einem Jahre seines Bestehen» haben diese Männer „beutscher Art", zu deren hervorragendsten Derttetern an den beut- schen Hochschulen u.«.die— reindeutschen— Herren Sylvia und Leonardo Conti- Bettin, v. E ch e l i h a. Heidelberg, Matejta-Brünn, B ill a i n- Bettin gehören, die väterllchen Freunde gefunden, die ihren Bestrebungen die entsprechende„Förderung" zukommen lassen. Es ist nicht verwunderllch, daß hier alt- bekannte Namen auftauchen. Die vernünftigen Kreis« der Studentenschast haben sich von Anfang an bemüht, den Nachweis zu führen, daß„fjochschulttng deutscher Art" und Deutsch- nationale Partei ein und diefelde-Firma sind. Stets wurde das bestritten: der Hochfchulring sei nur für Aussöhnung zwischen Studentenschaft und Arbeiterschaft. Die letzten Wochen haben in mehrfacher Beziehung endlich Aufklärung über dieses Dunkel gebracht. Der durch seine unausgesetzten Angrifft gegen den Reichskanzler Witth bekannte Dr. Stadtler hat in Gemein- kanntlich eine Parodie auf Raimunds Zauberpoeste kommt uns heute langweilig und protzig vor, mag sie noch io spaßhaft herausge- putzt sein. Aber um so lebendiger ist da» liederliche Kleeblatt ge- blieben. Ohne Aber geht's allerdings auch hier nicht ab. Die drei Handwerkergesellen sind nicht bloß Typen, sondern schon mehr Schablonen. Nestroy, der Spaßmacher des biedermeierischen Wien, sah nicht die Menschen, sondern die Stände, und er war ein Berteidi- ger der obrigkeitgewollten Zustände. Jeder bleibe bei seinem Leisten und der Lump ein Lump� Darum müssen der schnapsende Schuster und der spinnende Schneider den Segen des großen Loses alsbald vertun, und nur der strebsame Tischler darf zum soliden bürgerlichen Glück kommen. Um dem Publikum nun nicht durch solch schlechten Schluß die Laune zu verderbem, muß die Liebesfee auch die schlecht Geratenen noch auf gute Wege führen. Aber die Handlung ist ja alichgllltig bei Nestroy und die improvisierend« Schauspieleret die Hauptsache. Ettling er und seine Gesellen waren hier die rech- ten Leute. Otto Laubinaer als Tischler Leim war der brave, schwärmerische, zum häuslichen Glück vorherbestimmte Jüngling. E t t l i n g e r selber gab den Knieriem oollsaftig mit dem Säuferblick und der großen Wurschtigkeit gegen die kometenbedrohte Well und in seinem zeitgemäß variietten Couplet schuf er rechte Siloesterstim- mung. Die Ueberraschung des Abends war Ftttz Hirsch. Dieser blonde, meckernde, überschlank« und übergelenkig« Zwirn war ein Kabinettstück von Geziertheit und Komik und löste ungemessene Heiterkeit aus. Seine Einfälle nahmen kein End« und fein Frauen- lob-Couplet war einfach steinerweichend. Unter dem Gewimmel der übrigen Mitspielenden herrschte gleichfalls die rechte Laune und so war der Abend ein famoser Auftakt des neubeginnenden Jahres. Freilich, die Zeitungsleute taten nicht mehr mit und so erfähtt der geduldige Leser erst heute» was er versäumt hat.— r. • Volksbühne.„Der gestiefttke Kater" von Ludwig Tieck.„Der fahrende Schüler bannt den Teufel." Aastnochtsspiel von Haus Sachs. Die phantasievoll farbige Regiekunst Jürgen Fehlings, die man bisher nur aus den Inszenierungen modern expressiv- nistischer Dramen wie Tollers„Masse Mensch" kannte, offenbarte sich in dem eigenartigen literarischen Experiment dieser Aufführung des Tieckschen, hier in Berlin erst einmal in den vierziger Iahren gegebenen Märchenstückes von überraschend neuen Seiten. Der Abend zeigte ihn und das Ensemble der Volksbühne, das überall den Intentionen seiner Leitung voll Verständnis folgte, auf einer Höhe, die Bestes erwarten läßt. Was da geleistet wurde, kann sich Reinhardts berühmt gewordener Vorstellung von Nestroys„Revo- lution in Krähwinkel zur Seite stellen. Der gleiche ausgelassene, alle Möglichkeiten aus dem Text herausholende Uebermut. Nur daß die Tiecksche in der Frühzeit der Romantik entstandene, Märchen- züge und Alltagsprosa bunt durcheinanderwürfemd« Parodie des Stachels der politischen Satire ganz entbehrt und ohne solchen Rück- hall, ttotz vorgenommener Kürzungen, etwa» ins Breite fällt. Sehr lustig wirkt der Anblick der nach Urvätermode kostiimietten Herrschaften, die auf der Bühne, das Parterre repräsentierend, dem Stück zuschauen und jedesmal, sobald der Vorhang fällt, applau- dierend respektive tadelnd Salomonische Urteilssprüche miteinander schast mit Prof. Marti» vpah»«ch andere« deutsch, nationalen Polllikern w Spandau kürzlich für die Anhänger de» Hochschulttnge» politische Kollegs" gehallen, in denen sicherlich „frei von jeder Patteipolttik" die Studentenschaft ausgebildet wurde. Sieht man sich nun die Zusammensetzung des„Fördererkreises" des Hochschulringe» etwa» näher an, so sind hier lauter gute alle Bekannte zu finden, von denen wir folgende nennen wollen: Graf Westarp, S ch u l z- Bromberg, der Kappist Schiele, General v. G a l l w i tz, Graf zu Hoensbroech, v. Borfig, Dr. Reichert, unter den Professoren die unvermeidlichen B«4 o w- Freiburg und Eduard Meyer- Bettin, und schließ- lich der sicherlich auch hier völlig unbeteiligt«--- General Ludendorsf._ Ein kommunistisches Wunder. Die„Rote Fahne" berichtet über die Versammlung der kom- munistischen Groß-Berliner Funttionäre, die in der Brauerei Fried- richshain stattfand, das heißt sie berichtet darüber, was ihr in den Kram paßt. Das Referat hiell Pieck, das Korreferat für die Oppo» stlion Friesland, dem die„Rote Fahne" zwar einige 20 Zeilen widmet, aber nur um ihn anzugreifen, nicht um darzu'ttllen. was er eigentlich gesagt hat. Di« Resolution der Zentrale, die da» Verhalten der Opposition scharf verurteilt, wurde nach dem Bericht der„Roten Fahne" mit allen gegen 30 Stimmen angenommen. Dabei, so fügt die„Rote Fahne" triumphierend hinzu, seien fast alle 65 Berliner Unterzeichner der oppositionellen Protestadresse anwesend gewesen. Danach müssen also 35 Opposttio- nell« sich f e l b e r schärfsten» verurteill haben. Ein Wunder, wie es eben nur bei gläubigen Kommunisten möglich ist. Die Entwertung üer Krone. Meu, 2. Januar.(Eigener Drahtbettcht.) Da» Personal der städttschen Ettaßenbahn hat den Kollektivoettrag gekündigt und ver- langt Verhandlungen über Lohnvorschläge, deren Einführung den seit kurzem 80 Kronen bettagenden Preis der Einzelfahtt auf 70 bis 80 Kronen bringen würde. Di« Erhöhung auf 50 Kronen war be- reit» geplant. Anleiheverhandlunge«. Meu, 1. Januar.(TU.) Im Auftrag« der österreichischen Re- gierung begibt sich Dr. Rosenberg nach London, um dort die Ver» Handlungen über den Kredit von 3 Millionen Pfund wieder aufzu- nehmen. Bundeskanzler Dr. Schober erllätte einer Abordnung der Künstlerschaft, daß die Regierung an eine Veräußerung der Gobelins oder an deven Entfernung aus Wien nicht denke, daß diese Kunst- schätz« jedenfalls in Wien verbleiben. Für den Augenblick sei außer den 3 Millionen Pfund ein Kredit von 500 Millionen t s ch e ch I s ch e r Kronen aktuell geworden. « Dezeichnend für veutschösterreich» Wirtschaftslage ist wohl dt« Mittellung der Wiener„A r b« i t« r- Z e i t u n g", daß ihr» Per- sonal- und Matettalkosten(ohne Botenlohn, da die Zustellung ins Hau» längst aufgehött hat) im November 13,68 Millionen Kronen gegen 12,99 Millionen im Vormonat bettagen haben. Der ttappen- weise Abbau der staatlichen Lebensmittelzuschüsse bedeutet weitere Riesensprünge. Das Morgenblatt allein kostet jetzt in Wien monat- lich 850 Kronen. Intel meldet: Die Reparationskommission soll endlich ihre Zu- stimmung dazu gegeben haben, daß die wertvollen Habsburger Gobelin» und andere Kostbarkeiten zur Sicherstellung einer Anleihe angeboten werden dürfen. E» wurde auch die Ausscheidung anderer Aktiven zur Fundierung eine» Kredites von 3 Millionen Pfund in Aussicht gestellt. Die Verhandlungen darüber sollen zu Anfang de» nächsttn Jahre» beginnen. Allerdings Ist zur Der- pfändung der Gobelin» an die Morgangrupp» noch die Zu- stimmung Amerika» ausständig. Jedenfalls werden die Gebe- lin» oder die an ihrer Stelle zur Verpfändung gelangenden Kunst- gegenstände in Wien verbleiben. Die Kredite sollen als Gold- reserve für da» neue Noteninstitut dienen und die Golddeckung müßte in London bleiben. Senator Pearose, ein Führer der nordamerikanische» Partei der Republikaner, die gegenwärtig regiert, ist gestorben._ tauschen, oder auch, wenn die Zwischenmusik gerade einen Gassen- Hauer spielt, begeistet in dem Takt mitwippen. Alle Augenblicke muß der arme Dichter erscheinen, die aufgeregten Geister zu be- ruhigen. Daß der Kater, von Lucie Mannheim höchst drollig und anmutig geschmeidig dargestellt, wie ein Mensch spricht, erregt zuerst Kopfschütteln und unwillige Verwunderung, die aber, als er nach Fang eines Kaninchens eine Red« auf die Tugenden der Selbstüber- Windung anstimmt, in tosenden Beifall umschlägt. Er muß die lehrreichen Worte Dakapo wiederholen. Auch das von ihm belauschte Liebespärchen(Herr Steinhoher und Fräulein Roller) mit den wundervoll gestelzten Redensarten verursacht hingerissene Ge» rühttheit. Das hindert nicht, daß die Geschichte mit einem mächtigen Skandal und Aepfelbombardement endet. Der blonde biedere Bauernsohn, dem sein miauender Gefährt« in der Staatskarosse die versprochene Prinzessin zuführt, wurde von Herrn B u m m e r- stedt,, der dick« König und die züchtige, glatt gescheitelte Königs- tochter von Richard Leopold und Fräulein K o l l m a n n mib� ganz marionettenarttgem Humor gegeben. Auch die dekorativen Bühnenbilder Hans Strohbach, paßten sich dem parodistischen Ton des Ganzen ausgezeichnet an, Ebenso stilgerecht in der naiv massiven Derbheit der Figuren- zeichnung war die den Abend einleitende, gleichfalls von Fehling inszenierte Darstellung des tteinen Hans Sachsfchen Fastnachts- schwank» vom Schüler und dem Teufel, in welchem ein verliebtes und gefräßiges Pfäfstein, das auf verbotenen Wegen wandelt, nach Gebühr geschröpft wird. Di« Herren Klitsch, Siedel und Sachs, die Frau Johanna Koch- Bauer als listige Gattin, ver- einigten sich zu ganz geschlossenem Zusammenwirken. ät. « Da, Luflspitthau, führte«ine Komödie �« r D« r w o l f" auf, deren Autor aus dem Theaterzettel sich mit spanischem Pseudonym Angela Cana nennt. Jlidefc. der«scherz war ttotz de» exotischen Geburtsattestes nicht weit her. Der hübsche Einsall, den bombastischen Unsinn, den spiritistische mit Konnexionen zu der Welt der Geister be- gnadete Herrfchoiten iür ihre Kunden verzapfen, auf den Brettern zu verulken, brochce es nicht zu wirksamer Steigerung der Trümpfe und amüsant individualisierender Porttötterung de» Propheten fttost. Der Spiritistenschwindel ist nur Vorwand, um in etwa» verändertem Arrangement die bekannten eindeutigen Pikanterien Pariser•» Schwanke zu servieren. Peinlich wirkt die Art, in welcher ganz und gar nicht komische Begebenheiten— die Verführung dreier armer, dummer Bäuerinnen durch einen widerwärtigen Lakaien— als Hin- tergrund des Possenkarnevals herangezogen werden. Da« Publikum schien aber sehr beftiedigt. Die Darsteller, unter denen die weib- lichen durch die Damen Marberg und Dierck» besonder» gut vertteten waren, wurden wieder und wieder vor den Borhang ge» rufen. dt «ine«hrnn« deutscher«isienschaft durch de» VStterdnnd. DK w London tagende Sonferen, de« Hygiene-Komitte» de« Völkerbünde« hat den Witwen von Emll».vehrtn, und vanIEHrlich in Anerkenmm» der großen Berdimfte der beiden Forscher eine pietätvoll« verstorbenen Gatten übermittelt." /lusfichten für Cannes. Von Brüssel abhängig. Pari». 2. Zanuar.(Franks. Zig.) Die Semühougen, im vor. aus eine Einigung wenigstens über die Grundlagen der Probleme. die in Cannes erledigt werden sollen, herbeizuführen, haben in den ietzlen Tagen eine Forijetzung ans verbreiterter Basis erfahren. Es haben in Pari» eine Reihe von Besprechungen statlgesunden, die in erster Linie dem Ziele galten, die übrigen Alliierten mit den von Frankreich und England ins Auge gefaßten Lösungen zu befreunden. hinsichtlich der von Lloyd George angestrebten Projekte zur wirt- schasllichen KonsoNdierung Europas and insbesondere zur Wiedereingliederung Ruhland» in die Weltwirtschafi ist eine Einigung im wesentlichen gelungen. In der Frage der Reparationen dagegen scheinen die Schwierigkeiten, die dem englisch-französischen Einvernehmen entgegenstehen, noch keineswegs behoben. Die Grundzüge des zwischen Lloyd George und Briand vereinbarten Provisoriums für die Dauer des Jahres 1922 sind in fünf Punkten zu- fammengefaht und bereit» bekannt. Au» den ErNSruagen. die Briand inzwischen der Senatskommtsflon für auswärtige Angelegen- Helten gegeben hat, ist ersichtlich, daß Frankreich» endgültig« Zu- fsimmung zur Boraussetzung hat, daß Belgien zu einer teilweisen Zurückstellung der ihm zugesicherten Parität sich bereitflndet, so dah man sagen darf, dah das Resultat von Cannes mehr oder weniger von dem guten Willeo und der Einsicht der Brüsseler Regie» ruug abhängig ist. Erklärungen BriandS. pari», i- Banuar.(WTB.) Ministerpräsident Briand erklärt« dem Eenatsausschuh für Auswärtige Angelegenheiten zur Frag« der deutschen Schuld, auf keinen Fall dürften die von Frankreich zu fordernden Summen in Geld oder die Sachlieferungen herab» gesetzt werden. In Sachen de» Wiederaufbau» Europa» sei die Mög- lichkett der Zusammenarbeit mit Deutschland besprochen worden. Aber nicht nur unter den Regierungen, sondern auch unter Finanz-, Handels» und industriellen Unternehmungen verschiedener Länder soll diese gemeinsam« Tätigkeit stattfinden. Briand soll nach dem.Petit Parifien* serner erklärt haben, wenn Deutschland nicht zahle, würden «mlomakisch die Sanktionen w Kraft treten und wenn ein« Herabsetzung der deutschen Schuld — die Zahl von 1500 Millionen Doldmark sei in die Debatte ge- warfen worden— Ins Auge gefaßt werde, so sei formell zwischen ihm und Lloyd Georg« abgemacht worden, daß der Anteil Frank» reich» für 1922 kein« Minderung erfahren könne. Der Unter» schied werde durch Ermäßigungen, die die Alliierten aus ihren Anteil nehmen, oder mit ihrem Einverständnis durch eine Berstärkerung der Lieferungen in ostvr» gedeckt, die Deutschland leisten solle. Mit Be- zug auf die Interalliierten Verhandlungen erklärte Briand. daß die Wechselkurse stabilisiert werden sollten. Wo» Tanne» anbetreffe, so sei ein festumrisienes Programm, hervorgegangen au» genauer Kennt- nis der Sachlage, noch nicht aufgestellt worden. Ein« Schuld, die durch Berträge festgesetzt sei, känne weder ausgelöscht noch in irgendeiner Form vermindert werden ohne Einverständnis aller Unterzeichner, aber zuerst der Gläubiger und der Länder, die von den Zahlungen Nutzen zu ziehen hätten.— Auf Anfragen sagte Briand, die Reparationsftag« solle auf der europäischen Wirtschaft-konferenz nicht behandelt werden. Ernste Schwierigkeiten wegen Lnatoll« hätte» zwischen England und Frankreich nicht bestanden. • Die Erörterung der Deutschland ausgebürdeten finanziellen ver» Pachtungen pflegt sich im allgemeinen auf die Aeparationslosten zu beschränken. Zu den Reparationszahlungen, den bekannten 132 Milliarden Goldmart, kommen noch hinzu die fortlaufenden Zahlungsverpflichtungen aus dem Ausgleichsverfahren und die Schedenersatzsummen für dt« während de« Kriege« gegen da» seind- liche Privateigentum in Deutschland getroffenen Maßnahmen. Dies« bei den Schiedsgerichtshösen eingeklagte« Summen gehen schon setzt m die M i l l I a r d« n. Dazu kommen aber neuerdings noch dt« von verschiedenen alliierten Ländern erhobenen Schadenersatzforderungen für solche deutschen Maßnahmen, die in der> Zelt zwischen dem 31. Juli 1914 und dem Tage des Eintrvlen, dieser Länder in den Krieg getroffen worden sind; z. L. fordert Portugal für dies« Zeit einen Schadenersatz von nicht weniger al» amd 314 Milliarden Gvkdmork!_ �egppten und Jnäfcn. Kairo, 2. Januar.(Intel.) Dl» sozialistisch« Partei Aegypten» erläßt einen Aufruf, in dem sie gegen die Berhastung und den Ab- transpor't Saab Zagluls nach Ceylon schärssten Protest erhebt und erklärt, daß alle Konsequenzen, die sich au» dieser Verfolgung er» geben würden, auf das Haupt des englischen Kapitalismus fallen. Die ganze Arbeiterklasse der Welt müsie gemeinsam mit dem ägyptischen Proletariat den englischen Imperialismus bekämpfen. London, 2. Januar.(EP.) Der„Observer' schreibt, daß die Ber- bannung Zaglul Pascha» diesen zum Nationalhelden machen wird. Das Blatt erblickt darin einen groben Fehler der englischen Politik in Aegypten. Kairo, 2. Januar.(EP.) Zaglul Pascha hat vor seiner Ber» bonnung einen Aufruf«m da» ägyptische Volk erlasien, worin er sagt:»Seid weis« und klug, nehmt Euch zusammen, bewahrt strengste Disziplin, tut, al» ob England nicht existiert, arbeitet nicht mit ihm zusammen!' London. 2. Januar.(WTB.) Im Bezirk von Rohtak, tm nord» ostindischen Fünfftromland(Pundschab), ist es infolge der Verhaftung von Nationalisten zu Unruhen gekommen. Dabei wurden 4 Per- sonen getötet und 40 verwundet. Truppen au» Delhi und Alwar sind angekommen. London, 2. Januar.(DA.) Au» Simla wird gemeldet: Der nationaltndisch« Kongreß erklärte auf einen Antrag des Führer» der britisch-indischen Nationalisten, Chandi, daß die heutige Posittk der Inder keine Gewalt wünsche, sondern nur, daß die B o y k o t t i e r u n g der Regierung und aller Derwaltungs- funktionen fortdauern soll. Es sollen tm ganzen Lande Zusammen- künfte organisiert werden, an denen sich die ganze Bevölkerung be- teiligen wird. Mit«000 gegen nur 12 Stimmen wurde Ehandi zum Diktator der nationalistischen Bewegung in Indien ernannt. Er wurde mit umfassenden Bollmachten ausgestattet, hat aber nicht das Recht, mit der britischen Regierung ohne Erlaubnis de» nationo- listischen Ausschusses in Friedensverhandlungen zu treten. Die Ihm verliehenen Vollmachten sind auf einen Nachfolger übertragbar, falls Chandi. wie der ägyptische Nationalistensührer Zaglul Pascha, ver- haftet werden sollte._ Die horkh-Amnestle ist zunäckst den Banditen zngutegekommen, die im Budapester ,Cafö»Klub' antisemitische Exzesie begangen dalten. denen auch zwei Menschenleben zum Opker gefallen Ware». Das Standgericht hatte die Angeliagten zu l8. 8. 8. 12. 10 und 6 Jahren Zuchthau» verurteilt. E« wurden sämtliche verurteilte begnadigt und die Direktion de« Zuchthauses telegraphisch ange- wiesen, sie sofort in Freiheit zn setzen. All diese Verurteilten sind entweder Mitglieder der Detachement« oder irrwacheud« Ungarn; »wer von ihnen übrigens ein Verwandter Horthy«. GroßBerün Verregnetes Neujahr. Mit viel Sturm und viel Regen hat sich da» alte Jahr verab- schiedet. Mit noch viel mehr Sturm uno noch viel mehr Regen hat das neu« Jahr sein« Herrschaft angetreten. Ein Neujahrstag wie der gestrige, an dem der Sturm durch die Straßen heulte und tobt« und hoch w den Lüften in den Telephondrählen pfiff und schrie, an dem vom frühen Morgen bis in die späte Nacht der Regen au, allen Himmelsrichtungen anpreschte, an dem noch immer kein Mietsauto zu hoben war und die Stadt-, Ring- und Vorortzüge io selten fuhren wie in den Augusttagen 1914, ein solcher Neujahrs- tag wird jo bald nicht vergessen werden.» In der S i l v e st e r n o ch t war es beinah« schon wieder so wie im Frieden. In der Innenstadt, besonders in der Friedrichstraße, mit ihren Lokalen herrschte ungezügelter Silvestertrubel. Dah die Grogs und Punsche leider keineswegs eine friedliche und versöhnliche Stimmung schaffen— die verschiedenen Temperament« der Mcn- Schen kommen doch immer zum Durchbruch— geht schon daraus >ervor daß«ine ganze Anzahl Personen durch Schlägereien, Schieße- reien, Unfälle uiw. zu Schaden gekommen sind. Darunter sind ewige Unfälle recht schwerer Art, die mit.Silvesterstimmung' nicht mehr zu entschuldigen sind, da sie da» Leben und die Gesundheit der Mit- menschen schwer schädigten. Biel Verdruß und Aerger hat der unregelmäßige Bertehr der Züge aus den Stadt-, Ring- und Vorortbahnen hervor. gerufen. Am Neujahrstag fehlt« es w der Hauptsache an Personal, da» die Lokomotiven mit Kohlen versorgte. Jnfolgedesien mußte der Rtngoertehr vollständig eingestellt werde»«. Aus der Wannseebahn und der Streck« Lickterselde-Oit wurde der Verkehr notdürftig auf» rechter halten. Auf dem Stemner Bahnhof ruht« jeder Borortver- kehr. Da, Publikum, da» im allgemeinen keine Ahnung von dem äußerst komplizierten Wesen de« Bahnbetrieb, hat, glaubte, daß mit dem Augenblick der Beilegung ve» Streits sofort auch der ganz« Betrieb wieder wie am Schnürchen gehen müsse. Das war natürlich nicht möglich und sieh sich auch am heutigen Tage noch nicht ganz erreichen. Mit einem regelmätzigen Betrieb ist aber von morgen(Dienstag) mittag ab zu rechnen. wieder Sturmstörungen. Infolge der stürmischen Witterung ist der Verkehr iy den von versin ausgehenden Firnsprechleitungen wieder erheblich ge» stört, besonder, nach dem Rheinlande. Im Lertehr mit dem A u s l a n d ist der Fernsprechverkehr unterbrochen mit Part», Rotterdam und Amsterdam. Im Berkehr des Berliner Haupttelegraphenamts liegen die Derhälwisie ähnlich. Der Tele- grommoerkehr mit dem Ausland ist unterbrochen mit Norwegen, Holland, Belgien, Paris, Italien. Ungarn.Tschecho. slowokei und mit Warschau. stell« machte, blieben ebenfall» zunächst«rgebnwlo». Am Sonnabend endsich traf der Gastwirt seinen Gast zufällig aus der Straße wieder und Netz ihn durch einen Beamten der Schutzpolizei festnehmen. Er wurde der Falschgeldadteilung zugeführt, die den verhafteten al» einen Drogisten Wilhelm Bahr aus Pankow feststellte. Es gelang festzustellen, daß er von seiner Frau getrennt in der Straß- mann st roß» 23 für stch allein haust«. Hier hatte er stch«inrn Laden gemietet, dessen Fenster durch weißen Kalkanstrich ver- schleiert waren. Di« Kriminalbeamten hielten diesen Ladenraum, in dem die Tausendmarkscheine, wie vorgefunden« Platten»«igten, angeferttgt worden waren, besetzt w der Erwartung, daß sich der eigentliche.Fabrikant" der Schein» einfinden werde. Dieser, ein Monteur Wollenberg, der der Falschmünzerband« Wydrinski und Genosien angehört hatte, lief den Beamten tatsächlich noch am Sonnabend abend in die Hände. Beide verhafteten sind geständig und wurden dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Sie haben nur wenig« Scheine herausgebracht, da dem Bertretber gleich bei der Ausgab« de» ersten da» Glück wenig hold gewesen war und er nur durch seine Flucht au» dem Schanklokal sich der Feswahme noch hatte entziehen können. Di« falschen Scheine sind insbesondere an dem verschwommenen Stempel zu erkennen. Mit- teilungen über das Auftauchen solcher Scheine sind an den Leiter der Reichsbantfalschgeldstelli, Krtminalkommisiar von Liebermann, zu richten._ Am Kurfurstendamm erstochen. Die Bluttat eine» offenbar Geistestranten hat sich gestern abend am Kurfürstendamm zugettagen. An der Ecke de» Kursürstendamm» und der Kurfürstenstraß« kam«» zu Streitigkeiten zwischen mehreren Personen. Der dort als Berkehrsposten stehende Unterwachtmeister Erich Rosengart, der den Streit schlichten wollt«, erhielt von einem der Detelligten mit einem großen Taschenmesser einen Stichin dierechte Brustseite, so daß er schwerverletzt zusammenbrach. Als«in Kamerad des Niedergestochenen zu Hilfe eilte und sich der Täter mit gezücktem Mesier gegen ihn wandte, macht« der Beamte von seiner Waffe Gebrauch und streckte den Angreiser durch einen Bauch» schuß nieder. Rosengart, den man noch dem Elisabethkrankenhau« geschafft hatte, ist dann im Lauf« der Nacht seiner schweren Per- letzung erlegen. Der Täter wurde al» der 44 Jahre alle Arbeiter Paul Beetz aus Spandau, Adamitraß« 17, festgestellt. Er hatte ferner eine Berkäuferin Martha Tschöpp« au» Wilmersdorf durch mehrere Stiche an der Stirn verletzt. Als dann der Unterwacht- meister dazwifchensprang, erhielt er den verhängnisvollen Stich Der, arbeitslose' Chef. Betrügerisch« Ausnutzung der Erwerbslosenfürsorge wird, wenn sie zur gerichtlichen Kenntnis kommt, von den Strafgerichten nach- drücklichst geahndet. Der Kaufmann Theodor H e l l m e r, der kürzlich vor dem Schöffengericht Berkin-Mitt« wegen Betruges aus diesem Gebiet« unter Anklage stand, hat eine empfindliche Belehrung über die Ehrlosigkeit eines solchen Vergehens erhalten. Der Angeklagte, der sich mit großer Beredsamkeit rühmte, im Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband vielfach ehrenamtlich tätig aewesen zu fern, bezog vom 30. April bis Oktober die ihm auf seinen Antrag zugebilligt« Er- werbslosenunterstützung. Wie immer in solchen Fällen hatte er sich oerpfsiMen müssen, sed« Art»an Nebenbeschäftigung bzw. Verdienst sofort der Erwerb»l o sen fü rso r g e anzuzeigen. Dieier Verpflichtung ist er nicht nachgekommen. Au» der gestrigen Beweisaufnahme hielt«» dos Schöffengericht für festgestellt, daß der Angeklagte in der fraglichen Zerr ein im frvKeii arbeitende» Schreibmaschiuen-Lerviel. ältlgungsbureau betrieb, in weichem außer ihm noch mehrere weibliche Hilfskräfte vorübergehend tätig waren, dah dos Bureau«in Postscheckkonto besaß, ihm ein Telephon zur Ber- sügung stand und oft bis in die Nacht gearbeitet wurde.—. Der Angeklagt« behauptet« mit aller Entschiedenheit, daß das Ber» vielfältigungsbureou seiner Mutter gehöre und er dieser nur ehren- amtlich und ohne jeden Pfennig Entgelt geholfen habe, er berief sich auch daraus, daß sowohl am Haus«, als auch auf allen Geschäfts- papieren die Firma als„Mathilde Hellmer, Bervielföltigungsbureau" angegeben war. Das Gericht hielt dies aber auf Grund der Tatsachen für«ine kleine Schiebung, ebenso der Staarsanwalt, der ein Jahr Gefängnis und 3000 M. Geldstrafe beantragt«, well solchen Betrügereien zum Schaden der ErwerbÄoserrfürsorg« mit strengen Strafen entgegengetreten werden müsse.— Das Gericht hielt die Tat des Angeklagten für außerordentlich ehrlos, da dadurch andere Bedürftige geschädigt und die Steuerzahler benach- teiligt würden. Der Angeklagte wurde zu 10 Monaten Ge- fängni», 3 Iahren Ehrverlust und 3000 M. Geld- strafe, evtl. noch 300 Tagen Gefängnis verurteilt. Strafporto z« Neusahr. Trotz der Hinweift, daß dieftnigen Sendungen, die tn die Brief- kästen am 31. Dezember eingelagert, jedoch am Abend selbst noch nicht abgeholl wurden, bereits den neuen Portofätzen unterliegen, sind noch eine ganz« Reih« solcher Brieffendungen st r a f p o r t o- p flichtig geworden. Diese Tatsache beweift, wie unzurk'chend die Leerung der Kästen in Berlin ist. Noch 9 llhr abends wird bäum noch ein Kasten selbst w allernächster Näh« der größeren Posid anstatten geleert._ verbessenmg des Hafenverkehrs. Elm Anregvag des Berliner Architeklen verein». Für den Echinkel'Wettbewerb de» Jahre» 1922, dessen Er- gebni, am Geburtstag de» großen Baumeisters(13. März 1923) verkündet werden soll, schreibt der Lrchitettenverein zu Berlin aus dem Gebiet de» Wasserbau» eine für die Berliner Hafen» Wirtschaft bemerkenswert« Pretiaufgabe aus. Sie betrifft«wen Umbau de» Humboldthasen» tn Berlin. In Berlin hat fstb da» Bedürfnis herausgestellt, tm Innern der Stadt«In« zentrale Hafenanlag« für den Umschlag und di« Lagerungen von zu Wasser ankommenden Stückgütern zu schafft», und«» soll zu diesem Zweck da» Gelände des Humboldthasen« mit möglichst umfangreichen Lagerhäusern und zeit» gemäßen leffwngsfähigen Lösch, und Ladeeinrichtungen ausofstattet werden, wobei es nicht erforderlich ist. aus die vor» hantzenen baulichen Anlagen Rücksicht zu nehmen. Auch die Form de» Hasen» kann, fall» e» sich al» notwendig erweisen sollte, ge» ändert werden, doch muß dabei die Stadtbahnuberführung In jedem Falle unberührt bleiben. Um die Abfuhr der Stückgüter nicht nur mit Fuhrwerk, sondern auch mit der Eisenbahn zu ermöglichen, ist ein möglichst günstiger Eisenbahnanschluh an den Lehrter Güter» bahnhof in Aussicht zu nehmen; hierbei können die Schuppen, anlagen auf dem Bahnhofsgeländ« verlegt oder erforderlichenioll» auch beseitigt werden. Als Notbehelf in besonderen Fällen soll auch«in« Tlsenbabnoerblndung nach dem an der Moltke-Brück, gelegenen Packhofe geschaffm werden. Endlich muß auch die Wasierverblndung zwischen der Spree und dem Hmnboldthafen wesentlich verbesiert«erden, da die zu beiden Seiten der Spree-Alsenbrücke vorhandenen, der Schiffahrt dienen. den Durchfahrten unter dem Stroßenzuge de» Friedrich-Kar�Ufers zu eng und zu weittq übersichtlich angelegt sind, so daß sie leicht zu Schtfiszusammenstößen Anlaß geben können. E« ist daher ein« nru« Brückenanlag« anzustreb«», welch« die Ein» undAu»fuhr von 1000»Tonnenschisfen nach und von dem Hafen in durchaus bequemer und übeisichMcher Weis» gestattet. Ein« ver» änderung oder Verlegung der vorhandenen Epree-Aksenbrück« ist dabei nicht ousgeschlosien. jevoch muß sich da, Bauwerk dem vor» nehmen Charakter der Gegend anpasien. Auf dem Gebiet« d«» Hochbau» wird d«r Entwurf zu«inem Doltihous« al« Mittelpunkt für geistige Be» strebungen und Vereinswesen in einer Mittelstadt am Rande eine» großen Park» verlangt, während aus dem Gebiete de« Eisenbahn. w«s«n, Entwürfe für ein» senkrecht bewegliche Brück« zur Ber- bindung zweier größerer Städte an einem Fluß von 500 Meter Breite gewünscht werden. Die Wettbewerbarbelten sind bis zum 1. November 1922, nachmittag» 2 Uhr. in de, Geschäftsstelle de» Architektenverein». Berlin W. SS, Wilheimstt. 92/93. einzureichen. Schaden feaer aas dem Ritter gut Bornim. Gestern nacht brach aus dem Rittergut Bornim«in große» Schadenftuer au». Der S ch a s st a l l brannte vollständig nieder und 880 wertvoll« Schafe fanden In d«n Flammen den Erstickungstod. Da ringsum kein Wasier zu haben war. tonnte die freiwillig» Feuer. wehr fast nicht» ausrichten. Di« bisherigen Ermittlungen habe» Brandstiftung ergeben. wegen Gefährdung der Milchversorgung ist die Herstellung von Gervaiskäse, der ein ausgesprochener L u x u S k ä s e ist. vom Staat?« kommisiar für volksernäbrung verboten worden. Wenn in Sonder» fällen die Gewährung von Ausnahmen geboten erscheinen sollt«, muß an den StaatSkommisiar hierüber berichtet werden. Eigentümer gesucht. Vor einigen Tagen am Nachmittag fuhr ein Rollwagen in schnellem Tempo, von der Donziger Straß« kommend, die Schönhauser Allee entlang, wobei er vor dem Haus« Nr. 186 von der au» UmzugSgui bestehenden Ladung einen Teppich 8X2,80 Meter groß und ein Gruppenbild verlor. Der Verlierer oder Eigentümer wird ersucht, sich beim Polizeiamt 4. Prenzlauer Tor. im 1. Kriminalbezirk zu melden. 600 000 Mark für die Berliner Bolkshochschuft hat der Magistrat Berlin al» Belhllfe bewilligt, weil andernfalls diese, idealen Ziele» dftnende Hochschule nicht mehr lebensfähig ist. Da» krankenpflegeausbildungswefen der Stadt Berlin soll neogeordnet und die städttsche Schwesternschaft in«ine Krankenpfiege» organsiation umgewandelt werden, die dann an sämtlichen Kranken- anstalten der Stadt Berlin allein tättg sein kann. vi« Kohlenstell« de» Bezirksamt» Kreuzberg befindet sich setzt Porcksttaß« 66—69. Die Beisitzer an de» Gewerbe-«nd kaufmannsgerichken erhalten nunmehr für di« Teilnahm« an den Sitzungen jedesmal 40 M. al, Entschädigung._ Ein Dampfer In Seenot. Die norwegisch« Funkstelle Fleßkerü Radio teilt« gestern vormittag folgende Meldung de» deutschen Dampfer«„F e h r m a n n" aus der Nordsee mit:„Wir befinden uns auf der Nordseite der Doggerbant. Starte Schlagseite, voll eon Wasier. Helft uns!" Etwas später lief folgende Meldung elm „Schnelle Hilfe kann un» noch retten." Die R« t t u n g» st a t i o n Dorumerties der Deutschen Gesell- schaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: Am 31. Dezemb»? von dem Bremer Dampfer Saturn, gestrandet auf wtellum Plate, durch da» Motorrettungsboot der Station, Geheimrat Gerlach. sieben Personen gerettet. Wetter für morgen. Berlin und Nmgegend. Mild und zeitweise etwa« aufllarend. jedoch überwiegend trübe mit wettere» RegenIäUe» und starte» westlichen Winden. Hroß-Serliner parteinachrichten. «.«nt Steglitz,»chwna. Beziekiführei I Piatat» abhole» bei Cbrneatz Düppetstr. 7, abend» I Uhr, GewerGhostsbewegung Die fingestelltenversicherungswahlea. Am 8. Januar finden die Neuwahlen der Vertrauensmänner .«i der Ancfestelltenversicherunfl statt. Alle Angestellten, gleichviel, ob es fich um männliche oder weibiiche handelt, sind angestelltenverstche- rungspflichtig und muffen sich an dieser Wahl beteiligen. Da auch diejenigen Angestellten wahlberechtigt sind, die infolge Abschlusies einer Lebensversicherung von der eigenen Beitragsleistung befreit wurden, kann es, nachdem die Gehaltsgienze heraufgerückt wurde, eigentlich nur noch ganz wenige Angestellte geben, die das aktiv« ZLahlrecht nicht haben. Die Beiträge, die zur Angeftelltenverficherung zu zahlen sind, find nicht gering, eine neue ganz bedeutende Beitragserhöhung steht vor der Tür. Etwa der fünfte Teil aller Einnahmen wird auf die Lerwaltungskosten verwendet, wqgegcn die Leistungen an die Versicherten außerordentlich gering sind. Den Ver- sicherten kann es aber nicht gleichgültig sein, was mit ihren Bei- trägen geschieht. Die Fürsorge für die Erwerbsunfähigen muß so ausgestaltet werden, daß sie nicht unnütze Kosten verschlingt. Bei den bevorstehenden Wahlen muß das Verlangen nach einer wirklichen Leistungsfähigkeit dieses Versicherungszweiges deutlich zum Ausdruck kommen. Die Wirkung der Leitungen kann nur auf die Dauer erhöht werden, wenn die Angestellrcnoersicherung nicht weiter als eine besondere Organisation neben der Invalidenversicherung bestehen bleibt. Die V e r s ch m e l z u n g der sozialen Versicherungs- einrichtungen aller Arbeitnehmer wird eifrigst vom Asa-Bunde betrieben. In alleu Orten, auch in Groß-Berlin, haben die dem Afa-Bunde angeschlossenen Angestelltenorganisationen ein« einheitliche L i st« aufgestellt, die das Kennwort„Afa-Dund" trägt. Für Eroß- Berlin beginnt die Liste mit den Namen Paul Lange, Fritz Schröder. Das Programm aller Kandidaten der Liste.Äsa-Vund" ist, die ungeheuer kostspielige Angestelltenversicherung mit der all- gemeinen Invalidenversicherung zu verschmelzen und eine aus- reichende soziale Fürsorge für alle Erwerbstätigen zu schaffen. Alle Angestellten sollten in ihrem eigenen und im allgemeinen Interrsie für die Erreichung dieses klaren Zieles eintreten. Das kann nur geschehen, indem alle Angestellten die Liste„Afa-Vund" wählen. Jeder über 21 Jahre alte männliche und weiblich? Angestellt« ist wahlberechtigt. Als Auswels bei den Wahlen gilt die Versiche- rungskart«, in der mindestens ein Beitrag innerhalb der letzten zwölf Monate vo» der Wahl ausgewiesen sein muß. Im Interesse der Gesamtarbeitnehmerschaft erwarten wir, daß alle Angestellten vollzählig am 8. Januar an der Wohlurne er- scheinen, eintreten für die oben umschriebenen Ziele und einmütig Stimmen für die Liste„Afa-Bund"! Zum Streik der Bertiner Mühlenarbeiter! In einer Versammlung der Streitenden berichteten die Funktio» näre über den Stand der Lohnbewegung. Die Arbeitsniederlegung ist restlos ausgeführt worden. Die sich nach Ansicht der Streit- leitung notwendig machende Notstandsarbeit ist von den Streikenden zur Ausführung gebracht worden. Das genügt den Unternehmern offenbar nicht, darum planen sie, die technische N o t h i l f e herbeizuholen. Die Streikleitung appelliert an die Nothilse, Arbeiten, die die Streikenden als Notstand nicht be- trachten, ebenfalls nicht auszuführen. Die Not der Hausangestellten. Nach der Mitteilung unseres Genossen Otto Wels auf dem letzten SPD.-Bezirkstag, der Vertreter eines Finanzamtes habe sich bei einem großen Lokomotivfabrikanten nach der Weih- nachtsgratifikation des Dienstmädchens erkundigt, damit deren Wert nicht etwa der Besteuerung entgeht, kann eigentlich nicht mehr behauptet werden, daß sich außer der Organisation der chausangestellten n i e>m a n d um die wirtschaftliche Lage des Haus- Personals kümmere. Eine Hausangestellt« schreibt uns:„Man liest so viel von Ge- Haltsaufbesserungen, Zulagen ufw. in allen Branchen, aber niemand gedenkt des Hauspersonals, das noch immer für einen Pappen- stiel von monatlich ISÜ Mark und darunter von 6 Uhr früh bis um Mitternacht tätig sein muß. Da hieß es neulich in einer Zeitung, das Hauspersonal müßte gehörig besteuert werden, weil es ja alles frei habe. Ich will hier nicht von den Schikanen, den Ungerechtigkeiten, den Perversitöten aller Art sprechen, denen gerade dieser ärmste Teil der Arbeiterschaft tag- täglich ausgesetzt ist. Auch nicht davon, daß ein längeres Bleiben oit nicht möglich und eine gute Stelle zu finden ein Lotteriegewinn ist. Es kommt meist weniger darauf an, wer man ist, sondern es hängt olles davon ab, wo man ist. Ist man aber einmal stellungs- los, dann trifft ein« Hausangestellte die Teuerung mit voller Wucht. Ein Koffertransport kostet 40 M. Leder Brief, jede Karte, jede Fahrt mit der Eisenbahn oder der Elektrischen kostet Geld: ein Stellengesuch in der Zeitung kostet bis 4S M. Wohnung ist kaum zu erhalten, zu fast unerschwinglichem Preise, dazu Kost und Wäsche. Ein Hin und Her ohne Heim und überall Unterdrückung, Angst und Qual. Besseres Personal, wie Stützen, Erzieherinnen usw., bleibt meist lang« stellungslos und lebt dann von den Erinnerungen an die „freie Station".. Den Hausangestellten hilft niemand, wenn sie sich nicht selber helfen, auf dem Wege, den alle Arbeitnehmer beschritten haben und weitergehen müsien, auf dem Wege der Organisation. Recht- zeitig, sobald und solange man in Stellung, muß man dem Per- bände der Hausangestellten beitreten: in Berlin, Engel- ufer 29, parterre._ Das Treibe« der.Sopf. und handarbetter-llniou" innerhalb der Reihen der Berliner Gemeindearbeiter wird in letzter Zeit direkt schädigend, insbesondere für die, die sich davon einlullen lasten. Da es der.Union" nicht möglich ist, in den wirtschaftlich starke« Betrieben der Gemeinde irgendwelchen Einfluß zu ge- winne», geht sie dazu über, die wirtschafllich schwachen Teile von der Organisatton dar Gemeindearbeiterschaft abzusplittern. Die Gemeindearbeiter haben sich in letzter Zeit von einem ge- sunden Instinkt leiten lassen, was darin zum Ausdruck kam, daß dem einen Arbeitgeber, dem Magisttat, ein« geschlossene Arbeiter- schuft im Gemeinde- und Staatsarbeiter-Verband gegenüberstand. Nur wenn alle Arbeitnehmer in den städttschen Bettieben«inheit- lich organisiert sind, können ihre Interessen gehörig gewahrt wer- den. In den Gemeindebetrieben sind die Arbcitergruppen zu 8S Prozent im Verband« der Gemeindearbeiter organisiert, während die fehlenden 15 Proz. sich auf alle anderen Organisationen ver- teilen. Im Falle der Reinigungsfrauen der Rathäuser, unter denen die Union in letzter Zeit Einfluß gewonnen hat, sei bemerkt, daß auch diese Gruppe nur durch den Tarif des Lohnkartells der Gemeindearbeiter gehalten werden kann. Steht sie aber außer- halb des Lohnkartells, und dos ist der Fall, wenn sie sich der Union anschließt, ist für sie jeder rechtliche Anspruch auf den Tarifvertrag erloschen. Das Treiben der Unionisten wirkt daher nachteilig und schädigt die Einheitsfront. Die Agitation, die von den meist politisch unreifen Aposteln der Union getrieben wird, beschränkt sich nur auf Schimpfen. Daß man damit keine Arbeitermasten zu Kämpfern erzieht, liegt klar auf der Hand. Es gehört etwas mehr dazu, vorab Wissen, das wir besonders auf jener Seite vermisten, die uns in den Versammlungen gute Lehren geben will. Da» Uuterrichlsoerzeichnis der freigewerkschastlichen Betriebs- rätezeulrale erscheint in den ersten Januartagen. Es enthält 55 Kurse, di« sowohl der allgemeinen Einführung dienen als auch die Kenntniste des Arbeitsrechts, der Be- triebswirtschaft und der Volkswirtschaft vermitteln. Die Kurse finden in fünf verschiedenen Unterrichtsstätten statt(Jen- ttum, Nordwesten, Norden, Südosten, Osten) und beginnen nachmit- tags um 6 Uhr und abends um 8 Uhr. Der Hörerbeittag für einen Kursus, der 10 Doppelstunden umfaßt, bettägt 10 M. Für Arbeitslose ist der Besuch frei, llntcrrichtsverzcichnisse und Hörerkarten sind erhältlich im Bureau der freigewerkschastlichen Be- triebsrätezenttale, Engelufer 24/25, 2. Hof I. bei dem Guppenrat jeder einzelnen Industrie sowie bei den Gewerkschaften und Afa-Ver- bänden. Betriebsräte! Hott sab 6. Januar 1922) die Hörcrkarten von den Grupp.nräten und verteilt sie in den Bettieben. Arbeiter, Angestellt»! Nicht nur für die Bettiebsräte, sondern für Euch olle ist Wirtschaftsschulung da» Gebot der Stund«. Besucht die Kurse der Bettiebsrätefchule! 3m schweizerischen Metallarbeiterverband ist ein plötzlicher Streit ausgebrochen zwischen den Sozialdemokraten und den Kom- munisten. Zahlreiche kommunistisch« Führer sind bereits von der Mehrheit aus der Gewerkschaft ausgeschlossen worden. Die Gewerkschaft der Lehrer und Lehrerinnen an ösfenMchen Schulen ArankrÄchs ist wegen Verletzung der Gesetze über die Gewerkschaften angeklagt worden. «»tried»rttesch»l« s», Teltow trab Umgrgfrt. Freitag« 116t beginnt ein Kursu» der BetrtebarSt eschule Groß-Berlin iin weißen Schwan in Telior». Thema: „Da» BrtrieiisriitegeseV HSrermeldunge« find zu richten an Zt. Tamm», Teltow. Jeder kann an dem Ztürsu» teilnehmen. Deutscher Aolzardeiterxerdaud. Modell- und Fabriktischler. Mittwoch keine BcrirauensmSnnerfigung, dafür Donnerotag Schulaula, Weinmeisterstr. 16 17, Branchenverfammliing. Deutscher Werkmeisterrnband. Fachgruppe gigaretieninduitrie. Donnerstag 6 Uhr im Bürgerheim. Alte Schönhauser Str. 23—24, Fachgruppenversammlung. genttaloerband der Sngestellte». Dienoiag Bau. FunttiouSrversammIung 7t/, Uhr, Ortodureau, Belle-Mianee Straß« 7,l0.— Mittwoch AGG, Milgliederver- sammwng VI, Uhr, Musikersäle,«atser-Wilhelm-Straße ZI.— Mittwoch« Uhr, Mitgltederoersammlung der wetdlichen Zkassenaiigestellten. Wewerlschastshau», Enget- User Z4/2S._ Wirtsthcrst Verbraucher gegen Kartellaus lvüchse. Dem Jahresbericht der Konsumentenkammer Hamburg für das Jahr 1921 entnehmen wir folgende bemerkenswerte» Ausführungen: Insoweit die Tätigkett der Kartell« dazu dient, die Produktion unter den Gesichtspunkten höchster Rationalisierung zu regeln, an- nisten« Lieferungsbedingungen durchzusetzen und einer ungesunden itgewährung vorzubeugen, soll ihr wirtschaftlicher Nutzen keines- weg» verkannt werden. Wenn sie aber dazu übergehen, durch ihre Preispolitik oder ihre Absatzbedingungen in dem Per- teilungsprozeß der Waren Glieder aufrechtzuerhalten, deren Vor- handensein in dem jetzigen Stand der Wirtschast nicht mehr be. gründet ist, so schädigen sie damit die Interessen der großen Masse der Verbraucher und fordern Gegenmaßregeln heraus. Die Macht der Kartelle ist in der Nachkriegszeit außerordentlich stark gewachsen. Ebenso wie die Produzenten ist auch der Groß- Handel vielfach scharf kartelliert und leider auch bestrebt, wo es irgend geht,«ine Monopolstellung für sich herauszuschlagen. Zahl- reiche Kartellverttäge zwischen Produzenten und Großhandel oer- bieten entweder die Belieferung von Außenseitern oder lasten sie jedenfalls nur zu Preijen zu, die gegenüber den Großhandelspreisen wesentlich erhöht sind. Andererseits aber nehmen die Großhandel? kartelle vielfach genossenschaftliche Organisationen nicht auf. und zwar nicht nur Organisationen der Konsumvereine, sondern ebenso auch Einkaufsgenossenschaften der Handwerker und der kleinen Händler. Es bleibt diesen, wenn sie sich die Dorteile des gemein- famen Großeinkaufs sichern wollen, dann nur übrig, � bei Außen- seitern zu kaufen, die aber häufig nicht so konkurrenzfähig sind wie die Kartellbettiebe. Nebenher gehen die Befttebungen der Kartell- bettiebe, die Außenseiter zum Anschlüsse zu bewegen. Dadurch ist dann vielfach die Möglichkeit gegeben, die Marktlage rücksichtslos auszunutzen. Di« freie Konkurrenz und der freie Handel sind dann tatsächlich ausgeschaltet. Seitens des Einzelhandels, und auch ganz besonders feiten» der Warenhäuser, sind Bestrebungen im Gange, diesen Kartellauswüchsen entgegenzutteten. Erfolge scheinen bisher noch nicht erzielt zu sein. In der Textilbranch« find einzeln« Zweig« so scharf kartelliert, daß die Abnehmer dem Kartell bedingungslos ausgeliefert sind, da leistungsfähige Außenseiter nicht vorhanden sind. Aehnliche Verhält- niste herrschen bei den Fahrradreifen, wo die Konventions- bedingungen überhaupt nur di« Belieferung von Mitgliedern des Verbandes der Fahrradhändler gestatten. Sehnliches gilt für einen Teil der Elektrizitätskleinindustrie. Diese Befttebungen der Kartelle der Industtie und de» Groß- Handels, durch organisatorische Zwangsmaßnahmen in dem Der- teilungsprozeß der Waren Glieder aufrechtzuerhalten, die stellen- weise bereits gänzlich oder doch in erheblichem Umfang entbehrlich geworden sind, hat lediglich eine Verteuerung der Waren für den letzten Verbraucher zur Folge. Bor dem Kriege war die Bekämpfung derartiger Auswüchse in- sofern leichter, als eine zu hohe Steigerung der Inlondpreise aus« ländische Einsuhr zur Folge hatte, die dann— wenigstens in gewissem Umfange— preisregulierend wirken tonnte, soweit nicht— wie es vereinzelt auch schon geschehen war— internationale Kortell- oereinbarungen, wie beispielsweise beim Spiegelglassyndikat, vor- lagen. Der schlechte Stand unserer Valuta macht dieses Gegen- mittel hinfällig und stärkt die Macht der Kartelle, für die gegen- wärtig im übrigen auch der Auslandsabsatz wesentlich gewinn- bringender ist. Die Auswüchse des Kartellwesens lasten die Notwendigkeit eines staallichen Eingreifens erforderlich erscheinen, und die Vorarbeiten für ein K a r t e l l g e s e tz müssen unbedingt in Angriff genommen werden, um eine Handhabe zu schaffen, die ein Vorgehen gegen die schlimmsten Kartellauswüchse ermöglicht. Die Vorarbeiten für das Kartellgesetz müßten zunächst einmal eine genaue Feststellung umfassen, für welche Industtie- und Handels- zweige Konventionen bestehen. Bereits im Jahre 1915 wurde ihre Zahl auf über 3000 geschätzt. Es würde weiterhin«ine Stelle zu schaffen sein, bei der die Preiskonventionen und Lieferungs- bedingungen niedergelegt werden müßten. Die Bezirks- wirtschaftsräte würden für diese Ausgabe herangezogen werden können, wie ihnen auch darüber hinausgehend ein Einspruchsrecht gegen Konoentionsbedingungen, die die allgemeinen Interessen schädi- gen, einzuräumen wäre. Erst mit der Eintragung in ein Register dürften die Konven- tionsbedlngungen im Verhältnis zu den von ihnen bettoffenen Per- sonen in Wirksamkeit treten. Vor allen Dingen würde auch die rechtswirksame Einziehung von Konventionalstrafen die Einttagung in ein Konventions- oder Kartellregister zur Voraus- setzung habe»._ Eine irreführende Statistik. Im dritten Vierteljahresheft 1921 zur Statistik des Deutschen Reiches werden jetzt die endgültigen Ziffern über die Geschäfts- «rgebnist« der deutschen Aktiengesellschaften für da» Jahr 1918/19 veröffentlicht. Der Zweck einer derartigen Statistik kann nur der sein, di« Kapitalbewegung und Rentabilität de» in deutschen Aktien- gesellschaften angelegten Vermögens zur Darstellung zu bringen. Aber gerade in dieser Beziehung gibt die erwähnte Statistik ein ganz falsches Bild. Es ist nach den Erfahrungen früherer Jahr« zu er- warten, daß bestimmte Interessentengruppen dieses amt- liche Materiol zur Grundlag« tendenziöser Be- sprechungen über die Verteilung de, Produktions- er träges machen werden. Diesen kann nicht energisch genug ent- gegengetreten werden. Insbesondere erscheint«me tabellarische Zu- sammenstellung sehr bedenklich, die von der amtlichen Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik" veröffentlicht wird. Hiernach soll die nachstehend« Tabelle eine zuverlässige Grundlage für die Beurteilung der Erttagsmöglichßeiten der Aktiengesellschaften geben: Dtoidendensmnme Die Dividendensumm« bildet heut« bei den allermeisten Aktien- gesellschaften nur einen recht bescheidenen Bruchteil der den Aktiv- nären zufließenden Gewinn«. Es ist bekannt, daß gerode aus den Erträgnisten der Geschäftsjahr« 1918/1921 die Aktionäre mit Gratisaktien und hohen Bezugsrechten überschüttet wurden, weil die Gesellschaften sich scheuten, die unheimlich gewachse- nen Gewinn« zu einer Erhöhung der Dividende zu benutzen. Man verwässerte das Aktienkapital, um die Dividend« niedrig halten zu können. War es schon in der Vorkriegszeit üblich, die Produkttons- mittel und Vorrät« bei der Ausstellung der Bilanz„vorsichtig" zu bewerten, so ist in der Nachkriegszeit diese Derschleierungsstatisttk geradezu zur kaufmännischen Wissenschaft geworden. Der innere Wert der Aktie, den die Börse in hohen Kursen ausdrückt, kommt auch in der Statistik über di« Höh« der echten Reserven und den Dividendenerttog niemals richtig zum Ausdruck. Die amt- lichen Erhebungen über die Geschäftsergebniss« der deutschen Aktiengesellschaften, die trotz gänzlich veränderter Bilanzierung und Ge- winnausschüttungsmethoden immer noch nach dem Schema der Bor- kriegszeit aufgestellt werden, sind nicht nur prakttsch wertlos, sondern sie begünstigen sogar die tendenziöse Ausnutzung durch diejenigen Kreise, denen daran gelegen ist, den Nachweis zu führen, daß der Anteil de» Kapital» am Produktionsertrag« von Jahr zu Jahr geringer wird. V.W.B. Beratitw. str de» redakt. Teil: Fean, Müh». Berlin. Llchterfelö«: fllr An- zeigen: Th.«lock«, Berlin. Beriag Borwarts-Berlag s. m. b. H.. Berlin. Druck: BörwSrts-Buchdruckerei u. Berlagsanstait Paul Singer u. Ca., Berlin, Lindenstr. 3. aoItzstraC« 9 Nollendorf 1613 Anfang; 8 V« Uhr Vinttllniig allibendllcbl I Hadenbetk "1 Potsdamer Straße f" tützow 6271. 1 TägI.V,8U. Daser. | Hagsnbickprosra.ttm j Ab2.Januar. Tägl ■/, 10 Unr: Infern. (iTei ler-Ringltämiife 1 i.nittel-u.Schwcr-| fewiebt. Vorverk.| ietz und Tasesk Uetirenstraße 94 VI, Uhr: Walter Steiner 2 Brlants Herrn. Mestmm Annle Kllemchen Pirnikoff und Pirnikowna Familie Urban! Pctermann der denkende Hund Elly Lynowska Tom Jersey Mac Walten Lotte Orsa Uli Bruckholt Restehaui Altes renomin. I Dficf f- n Danien.lJUteratoffMTachon, I«vv:» b-�Affenhoul.Velours, Astrachan, I Krimmer, Plfischen, dabardlne, billig I Blberett, schw. u braun, 130 br., 295 M. Futter- und andere Seiden OocFs»'n Aazng- und Puletotstotfen � für Herren and Knaben 6elegenlieitsk9Dfe>» modernen Alänteln, Kostümen und Rücken Paul Karle O 34, Warschauer Straße 79 Zähne i I JJ M. Teilzahlg. Sj. Qar. Kronen '•1 O an 18 JL, Zafini. m. Elnspr. h schmerzld. Umarb. Schlechttitz.(leb. Rep. sof. Zabnar/t Dr. Wolf, Pot«d.st.5s.Hochh-st snrT.9-7 Musiker JU allen FeftUchkeitea rermitteit Musiker- Nachweis, ftatfer- Wilhelm-Straße 31.• Sotten 968, mt lilsj Mmelslle en gros von Fabrikanten und Händlern NMMAMÜMß Fernsprecher: Moritzpl.e67= Marlannenplatz 22 Vertreter besuch: Freie Abholung tl.flraEf,Leipz.Si.7511 5 — HOcbste Beleihung g. 5 g Dlskr. Reellste� Gelegenhcits-12 käute, Uhren> Brillanten S Schmucksacta-ü I0-500/o out. Lad.Pr.g L Hübe! J EHaiiel-aaze 100,—. Ehailelongue- deck« TS,—, Metall- betten 160,—, ftütbet- drahtdett. Meide, Au» guftfiraße 32». Quer- gebdude. lW«' llkvrgesoehe ZuHrradaalsnt' Linlenstraße 19. 140»« Schallplatte», alle, zerbrochene, Kilo. gramm 27,—, Plinten- nmtoufd). Sange, Bergmannsiraße 15 (Ercuzbergl. Vjlb* Verschiedenes Franen oder Männer zum Vertrauenssol» Aus- fünft, gewissenhaft. Frau«hm, Hebamme a. D.. Etargarderftr. 75. BerlrauentsoO: Auskunft. Arzt zur Stelle. Hebamme Opis. Neue liönigftraße 67 (OUztanbetvIafc).• tauWrylMilö Milusstt. 36 MsöucgJiaN Boiöagenet 5(r.e2 Weger ökr. 11 gesucht Mersme 34 o MiaMM 7 Mt. 9 GreisekSag.Stt.22 Vrillzevitt. 31 B3mQiieM't.24 MMsir. 42 SkeMer Skr. 37 Beatidn. WMeMrf'Sst AMiizgs