IV Nr. 4 ♦ 39.?ahrgtms Ausgabe B Nr. 2 Bezugspreis, Biertlljvhrl.eo,- M., mona:>.A,— M. frei ins Saus, voraus zahibar. Post- iezug� Monatlich 20,— 21 L. einschl. Au- ftellunasgebllljr. Unter Kreuzband mr Deutschland, Danzig, das Saar- und Memelaediet, sonne die ehemals deut- sehen Gebiete Polens, Oesterreich Ungarn und Luxemdura dj,— M» sllc das übrige Ausland 72,— M, Po't* bestellungen nehmen an Oesterreichs Ungarn. Tschecho» Slowakei, Däne- mark. Kolland. Luremburg. Schweden und die Schweiz, Der.vorwärts" mit der Sonntags- deilage.Voll und Reit", der Unterhaltungsbeilage.Keimroelt" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn- tag» und Montag» einmal. Telegramm- Adresse; »lkozialdemokra« SetH«" Abend Ansgabe c QreQ- Berlin 40 PI ■uswSrts 50 Pfennig ) Berliner Dolksblstt SlnzrigenprciS: Die zehngefpallene Nonparelllezesle kostet L,— M..Uleino stlozelgsn- da»'»tlgedruSte Wori!>,— Lei.? eKptiMen Morihplav 1175�-54 Dienstag, den B. Januar 1923 vorwärts-verlag G.m.b.H., SW öS, Lindenstr.? KrAninre-ti,«-?- Verlag. Expedition und Inseraten- "'yrrp't:r' Abteilung Moritiplat. 14753—54 Kegierungsumbilöung in Rußland? Zitoik au, Z. Januar,(leg,) lieber die Frage des«ufcea- haodel« fand eine große Beratung statt, an der der Rat der Volkskommissare, da» Präsidium des Wzik, der Direktor der Rcichsbank, der Vorsitzende der Moskauer Warenbörse, die Leiter der kooperalioen verbände»nd der Gewerkschasten, SresiinsN und der Wirkschosisvertreter Rußlands in London teilnahmen. Zugrunde lag der Beratung ein Bericht Srassins über seine Vcrhand- kungen mit maßgebenden Handelsfirmen Westeuropas und über seine versuche, eine Anleihe für Sowsetrußland bei den Großbanken aufzunehmen. Aus dem Inhalt dieses Berichts wird nur bekannt, daß die austöndischen Zinanzleute schwere Bedingungen für eine Weitersübrung der Berhandiungen gestellt haben. Als Grgeb- r.is der Beratung wird mitgeteilt, daß Skobelew zum Vertreter Sorchctrnßlands für Frankreich und Belgien ernannt worden ist, um die Verhandlungen mit Angehörigen dieser Länder zu führen. Obgleich im übrigen der Inhalt der Besprechungen streng geheim gehalten wird, verlautet doch aus Kreisen, die den maßgebenden Regicrungsmünnern sehr nahe stehen, es sei beschlossen worden, eine Umbildung des Rats der voikskom- missare durch Ueberlragung der Ressorts für Finanzen, Außen- Handel und Justiz, also der unpolitischen Verwaitungszweige, an Parteilose vorzunehmen. • Nachrichten über bevorstehende Teränderungen u der russischen Regierung gehören seit der neuen Wirtschaftspolitik in Sowjetrußland nicht zu den Seltenheiten Besonders häufig waren Meldungen über die Aufnahme sozialdemokratischer und sozialrevolutionärer Elemente in die Regierung. Diese Gerüchte haben sich, wie vorauszusehen war, bisher stets als falsch erwiesen. Es liegt im Wesen des Bolschewismus be- gründet, keine andere Partei neben sich zu dulden. Anders verhält es sich mit den P a r t e i l o s e n, die in Rußland einen kräftigen Stamm bilden. Diese Leute sprechen offen aus, daß sie sich zwar nicht zum Kommunismus bekennen können, daß sie sich aber als Russen fühlen und als solche Ihrem Vater- lande dienen wollen. Sie haben in der ersten Periode des Bol- schswismus manches erdulden müssen und haben in mehr als einer Hinsicht die Feuerprobe für ihre Zuverlässigkeit bestanden. Unter ihnen befinden sich viele Intellektuelle, denen das Wohldes Volkes über alles geht. Ihnen ist es mit der loyalen Haltung der Sowjetregierung gegenüber— und diese Frage spielt in Sowsetrußland, was man verstehen kann, eine große Rolle— durchaus ernst. Indem sie ablehnen, sich mit der Politik in irgendeiner Form zu beschäftigen, sind sie ein nützliches Glied im Sowjetstaat. Schon heute werden sie zum Teil als Ratgeber von der Sowjetregierung herangezogen. Der Schritt allerdings, Persönlichkeiten aus ihrem Kreise in leitende Stellen zu berufen, wäre von großer Tragweite. Hier � beginnt die Region, in der sich politische Fragen nicht immer\ umgehen lasten. Das spricht gegen derartige Pläne der Sowjet- regierung. Auf der anderen Seite ist es aber die Frage. ob ein Aufbau Rußlands mit Hilfe des Auslandes möglich ist, wenn nicht einer gewissen Weltsremdheit, die den Maßnahmen der Sowjetregierung auch heute noch anhaftet, abgeholfen wird und wenn nicht ein Ausgleich zwischen dem verhältnismäßig engbegrenzten Kern der eigentlichen Kommunisten Rußlands und der breiten Masse des russischen Volkes hergestellt wird. Nach unserem Erachten würde eine Aufnahme Parteiloser in einzelne Regierungsstellen für Rußland selbst außerordent- lich ersprießlich sein. Warten wir ab, inwiefern sich die Mel- dung bestätigt. Die Kapitalisten melden sich. Paris, 3. Januar.(EP.) Heute wird in Paris eine Konferenz der Industriellen und Finanzleute Nußland» er- öffnet werden. Diese Konferenz wird die verschiedenen Strömungen in der russischen Politik der Großmächte prüfen, sowie die Neu- orientierung der Wirtschaftspolitik der Sowjets. Auf dieser Kons«- renz soll auch die Frage der russischen Flüchtlinge im Aus- l a n d zur Sprache kommen. Handelsverkehr mit Oberschlcste». Satkowih, 3. Januar.(TU.) In Oberschlesien befindet sich seit«inigen Tagen ein Bertreter des Mostauer Wirt- schastskommissariats zum Zweck« der Anknüpsung wirt- lchafllicher und industrieller Handelsbeziehungen mit oberfchlesischen Firmen. Größere Käufe, namentlich in Eisenmaterial, sind bereits getätigt worden. Die Transport« gehen zunächst nach Lübeck und werden von hier nach Reoal auf dem Wosierweg« weiterbefördert. Die Zahlungen erfolgen ln Goldwährung und werden durch Schecks auf amerikanlfche Banken angewiesen. Zebruarkongreß üer 3. Internationale. Moskau. 8. Januar,(glc.) Die Leitung der 3. Internatio» nal« beruft eine Konferenz Der kommunistischen Parteien Europas und Amerikas für Anfang Februar nach Moskau ein. Die russischen Emigranten. Die Zahl der russichen Emigranten in Deutschland beträgt schätzungsweise 250 000 bis 300 000. Diele von ihnen sind unter Außerachtlassung der Paßvorschristen nach Deutschland gekommen. DI« Reichsregierung ist bemüht, ihre Einwanderung zu vermeiden. Jedoch ist eine Massenabschiebung infolg« der Haltung der östlichen Nachbarländer unmöglich und auch mit einer freiwilligen Abwanderung in größerem Umfange solange nicht zu rechnen, als in Sowjetrußland nicht ein« umfassend« Amnestie er- lassen wird. Dollar 188! Die feste Tendenz de» Devisenmarktes dauert an. Am Dienstag stieg der Dollar Im Berlaufe der ersten Börsenstunde bis auf 188. Im Anschluß an diese Auf- wärtsbewegung der ausländischen Zahlungsmittel fetzt auch an der Effektenbörse eine erneute Hausse ein. Der furchtsame �err Drianö. Paris, 3. Januar.(EP.) B r i a n d hat dem Korrespondenten der„Daii Mail" ein Interview erteilt und ihn ermächtigt, es in folgendem Wortlaut zu veröffentlichen: ..Der Schlüssel der ganzen europäischen Lage ist die Sicherheit Frankreichs. Ein Allianz-Vertrag zwischen Frankreich und England, wie wir ihn angeboten haben, aber nicht bekamen, würde der beste Beweis dafür sein, daß unser Flotten- Programm nie und nimmer gegen unsere britischen Freunde ge- richtet sein kann. Es werde die Plattform sein, worauf die taffächliche und wahre Wiedercusrichtung Europas am besten gestützt werden könne. Zuerst müsse«in Allianz-Verlrag zwischen England und Frankreich geschaffen werden, dem sich dann nach und nach unsere Alliierten anschließen könnten, vielleicht in der Form des Stillen- Ozean-Dsrtrages. Aber der«ngiisch-frmizösische Bertrag müsse der Kern und die Grundlag« dafür sein." Briand erklärt« sodann, daß Frankreich im Hinblick auf die lmsichere Lag«, die durch den Bestand eine» zwei Millionen Mann starken russischen Heeres geschaffen � sei, Vorsichtsmaßnahmen ergreifen müsse imd auch nicht die Bestimmungen des Versailler Ver- irages aus dem Aug« lassen dürfe, wonach Deutschland der Bau von neuen Kreuzern gestattet ist. Cannes, 3. Januar.(EP.) Im Pachtklub sind die letzten Vorbereitungen für d!« Eröffnung der Konferenz getroffen worden. Alle Derhandlungszimmer sind mit aus Paris gesandten D c k o- r a t i o n« n künstlerisch ausgestattet worden. « Wie wir hören, hat Rathenau die Absicht, sich von Paris «ach Cannes zu begeben. Llopö George unü Sie Neuwahlen. London, 2. Januar.(WTB.)„Poll Mall and Globe" glaubt die Nachricht, daß im Februar Neuwahlen stattfinden werden, be- stätigen zu können. Lloyd George werde bei seiner Rückkehr aus Cannes, falls keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten, dem König raten, das Parlament vor dem 30. Januar, an dem die Kammern einberufen werden sollten, aufzulösen. Lloyd George werde gleichzeitig die Bildung einer neuen nationalen Partei ankündigen. Reorganisation öer Reichsbahn. Berlin. 8. Januar.(WTB.) Der Organisationsausschuß der Reichsbahn, in dem unter dem Vorsitz von Staatssekretär Kumbier Vertreter der Verwaltung und der Großorganisationen die Neuge- staltung der Organisation der Reichsbahn beraten, hat in seiner letzte» Sitzung den Entwurf zum Reich sbahn-Finanzgesetz behandelt und bezüglich des die B e a m t e n f ra g« n betreffenden Teils des Gesetzentwurfes sich dahin ausgesprochen,'baß die Rot- wendigkeit einer selbständigen Detriebsverwal« t u n g auch eine selbständige Gestaltung der Besoldungsbezüge der Reichsbahnbeamten erfordert. Es sei unerläßlich, daß die deutsche Reichsbahn als selbständiges wirtschaftliches Unter- nehmen in der Gestaltung der Besoldungsordnung und Vesol- dungsoorfchristen unabhängig von den für die übrigen Hoheitsverwaltungen erforderlichen Regelungen gemacht werde. Das Attentat von Dinkelsbühl. Zu dem Bombenattentat wird noch gemeldet: Mit dem Attentat in Verbindung steht eine am Tage vorher vorgtnommciie Verhaftung eines be- trunkenen jungen Mannes, dessen Befreiung eine Rotte junger Vurchen sich zum Ziel gesetzt hatte, wobei sie von der Polizeiwache ei» Fenstergitter abriß. Bon den jungen Leuten waren Redens- arten gebraucht worden wie:..Das neue Jahr soll für die Schutz- leute schlecht angehen!" Daß das Attentat vorbereitet war, qehr aus dem Umstände hervor, daß die Anfertigung einer solchen Bombe mehrere Tage in Anspruch nimmt.. Bis jetzt j wurden neun Verhaftungen vorgenommen. Am schwersten, verletzt ist der Schutzmann Bieringer. Heute weilt die Staats- 1 anwalffchaft zur Untersuchung der Angelegenheit in Dinkeisbühl.| Das Streikergebnis. Ein Nachwort zur Eifenbahncrbcwegung. Bon Th. K o tz u r. Die große Streikbewegung der Eisenbahner, die im Westen Deutschlands ihren Anfang nahm und in rascher Weise sich auf andere Bezirke ausdehnte, hat ihr Ende er- reicht. Die Frage ist jetzt am Platze: War es wirklich not- wendig, erst dem Wirtschaftsleben Deutschlands diesen heute noch gar nicht zu übersehenden Schaden zusügen zu lassen oder wäre es nicht für die Regierung und die Eisenbahnver- waltung zweckmüßig gewesen, die Warnungen der Führer des Deutschen Eisenbahnerocrbandes zu beachten und das Schlimmste zu verhüten? Die reine Lohn- zulage, die den Eisenbahnarbeitem im Verfolg dieses Streiks gewährt wurde, beträgt 300 Millionen Mark. Wie groß die Summe ist, die dem Reiche aus der Stillegung des Güter- und Personenverkehrs erwächst, steht noch nicht fest, daß sie aber erheblich ist, darf als sicher angenommen werden. Es ist in der bürgerlichen Presse und sonst in der Oesfent- lichkeit vielfach die Behauptung ausgestellt worden, die Führer des Deutschen Eisenbahnerverbandes haben den Streik vorsätzlich herbeigeführt. Wie wenig das zutrifft, beweist der Umstand, daß nicht nur die Eisen- bahner der Bezirke Elberfeld. Köln und Essen s po n t a n in den Ausstand traten, sondern daß bald darauf auch derselbe Vorgang sich in Berlin und Breslau wiederholte, während aus Hamburg, Kassel, Frankfurt a. M. und Baden bedrohliche Nachrichten einliefen, daß auch dort der Ausbruch des Streiks stündlich zu erwarten sei. Hätte die Regierung nur noch wenige Tage ein ablehnendes Verhalten gezeigt, dann wäre es zu einer Stillegung des Betriebes in weiteren Eisenbahn- direktionen gekommen und eine Katastrophe wäre die unfehlbare Folge gewesen. Wir brauchen in diesem Zu- sammenhange nur an die täglich in Erscheinung tretende Kohlennot zu erinnern und an die Gefahr der Stillegung wichtiger Betriebe der Gemeinden und der Privatindustrie. Hoffentlich hat die Regierung und besonders der Reichsver- kehrsministcr aus dem Borgange der letzten Tage gelernt. Die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung beweist auf jedem Blatte, daß Massenbewegungen sich durch Reden einiger geschickter Agitatoren nicht hervorrufen lassen, sondern daß sie geboren werden aus den wirt- schaftlichen Verhältnissen. Die letzte Streikbewe- gung der Eisenbahner ist für diese Erfahrungen ein typisches Beispiel. Sie entstand aus der schweren wirtschaftlichen Not, die wiederum ihre Ursache hat in den bedeutend niedrigeren Eisenbahnerlöhnen gegenüber der Privatindustrie. Mußten doch selbst die Regienmgsvcrtretcr zugeben, daß in den zuerst vom Streik betroffenen Gebieten die P r i o a t i n d u st r i e um 3, 4, teilweise sogar 5 M. höhere Stundenlöhne zahlt als die Eisenbahnverwaltung. Würde die Regierung, die sich allzusehr in ihrer Haltung von dem Reichsoerkehrs- minister beeinflussen ließ, auch bei den Verhandlungen am ö. Januar ihre verhängnisvolle Haltung beibehalten, in der Meinung, einen drohenden Eisenbahnerstreik zum Zusammen- bruch bringen zu können, so könnte das die übelsten Wirkungen haben. Was sich jetzt gezeigt hat. war nur ein Vor- postengefecht, das sich zu einer regelrechten Enischei- dungsschlacht auswirken könnte, wenn die Halsstarrigkeit ge- wisser Scharfmacher weiter Einfluß ausüben kann. Auf Grund der am Ende des Jahres zustande gekom- menen Vereinbarung gelang es der Leitung des Deutschen Eisenbahnerverbandes, die von ihm in geordnete Bahnen ge- lenkte Streikbewegung wieder zu beenden. Die Arbeit ist inzwischen auf der ganzen Linie aufgenommen worden und der Eisenbahnverkehr dürfte wieder normale Formen ange- nommen haben. Interessant ist, daß aus allen Teilen des Reiches eine starke Mitglied erzunahme des Deutschen Eisenbahnerverbandes gemeldet wird. Viele der neugewonnenen Mitglieder sind Ueberläufer aus den gegnerischen Eisenbahnerverbänden. Diese Tatsache spricht dafür, daß die Haltung der Führe? des Deutschen Eisenbahnerverbandes als durchaus korrekt und ein- w a n d s f r e i angesehen wird, und die Auffassung sich immer mehr verbreitet, daß die frei gewerkschaftliche Bewegung die zweckmäßigste Interessenvertretung des Eisenbahnpersonals ist. Was sollte nach Meinung der in den.Streik tretenden Eisenbahner erreicht werden? Und welches Ergebnis brachten dann die Verhandlungen? Die Beantwortung der Frage kann nicht von dem in Elberfeld gestellten Ultimatum ausgehen, das bekanntlich von der Regierung eins Vorschußzahlung von 1000 bzw. 750 M. forderte. Sie geht zurück auf die om 3. Dezember von den Spitzenverbänden eingereichte Forde» rung, die deshalb gestellt wurde, weil die im November be- endete Lohn- und Eehaltsbewegung des Personals der Reichs- und Staatsbetriebe einen unbefriedigenden Verlauf nahm. Das mußte selbst der Reichstag anerkennen, indem er in einer einstimmig angenommenen Entschließung eine soso r- tige Nachprüfung der B e so l d u n g s b e zu g e von der Reichsregierung forderte. Die Forderungen vom S. Dezember sollten nur eine Verhandlungsgrundlage bilden. Leider war der Reichsfinanzminister Dr. Hermes darübe? anderer Meinung. Er wollte eine Berhandlungsgrundlage dabei:, die ihm paßte, und glaubte das den Gewerkschaften in einem verletzenden Antwortschreiben mit- teilen zu müssen. Dieses und noch manches andere, auch die Erleichterung der Steuerzahlung für die höheren Einkommen unter Nichtberücksichtigung der Arbeiter und Beamten, die nicht einmal das Existenzminimum erreichten, bilden den Aus- gangspunkt der Streikbewegung. Lediglich die Not hat dann die Elberfeldcr Eisenbahner zu ihrem Ultimatum veranlaßt. Nachdem dann einmal der Stein ins Rollen gekommen war, war das Ende der Bewegung nicht abzusehen. Die Vereinbarung sieht nun vor, daß am 5. Januar die am 3. Dezember geförderten Verhandlungen beginnen. Sie sollen aber den in Zlussicht genommenen Verhandlungen nicht vorgreifen, sondern nur ein Provisorium schaffen zur Linderung der größten Not in den Jndustriebezirken. Daraus ergibt sich, daß jene streikenden Eisenbahner, welche wirklich leer ausgehen, in den kommenden Verhandlungen eine. Neu- regeln ng ihrer Bezüge erfahren werden. Da zu einer gründlichen Verhandlung während des Streiks keine Zeit war, konnte es sich in den wenigen zur Verfügung stehenden Stunden nur um eine Notstandsaktion han- dein. Daß dabei durch die sibematifche Regelung einige Orte. die eine Berücksichtigung verdienten, trotzdem unberücksichtigt blieben, dürfte erklärsich sein. Es ist aber Vorsorge getroffen, daß eine gründliche Nachprüfung erfolgt und Härten beseitigt - werden. Auch darüber erübrigt sich wohl jedes weitere Wort, daß die eins Mark Ueberteuerungszulaqe in iedem Orte, wo die Privasindustrie einen um mebrere Mark höheren Stunden- lohn zahlt, nur eine erste Abschlagszahlung ist. Immerhin dürfte die größte Not durch die sofortige Zahlung beseitigt werden. In allen Orten, in denen bisher Ueber- teueruvgs�uschüsie in irgendeiner Höhe gezahlt wurden, er- .folgt eine Erhöhung um eine Mark ab 1. Oktober l921. so daß in 3 Monaten 600 Mk. nachgezahlt werden. Wo die Steige- rung des Lohnes durch eine Aendernng der Ortsklasie herbeigeführt wird, koll, falls an diesem Orte der lleber�euenings» Zuschlag in Betracht kommt, der durch die Ortsklasienhebung erziests Betrag aufgerechnet werden. Der Verglich zwischen llstimatum und Vereinbarung zeigt, daß ltätt Borschüssen Nachzahlungen erfolgen. Eine weitbllckenlic Eisenbohnverwaltung hätte also schon ohne Belastung der Reichskasse und ohne dem Wirtschaftsleben Schaden zuzufügen, den Streik verhindern können durch eine angemessene Vorschußzahlung. Statt desien hat sie geglaubt, den Gewerkschaftsführern zeigen zu müssen, wieviel klüger ibr Standpunkt ist. und darum muß das Reich diese Klugheit büßen. Doch es kann nicht Aufgabe der Gewerkschaftsfüdrer sein, darüber mit der Eisenhahnverwaltung zu rechten. Das ist die Aufgabe der Reichsregierung und des Parlaments, die jetzt und auch künftig das Wort haben. Perfonalpolitik im Kultusministerium. Mit der Bildung der Stadtgemeinde Berlin ist eine Neu- ordnung und Vergrößerung desBerlinerProvinzial- schulkollegiums notwendig geworden. Seine zweite und umfangreichste Abteilung wird das Volksschulwesen mit mehr als 600 Schulen und fast 12 000 Lehrkräften beauf- sichtigen. Schon bei der öO-Iahr-Feier des Deutschen Lehrer- vereins verkündete Minister Boelitz, daß er zum Leiter dieser Abteilung den Oberfchulrat P r e tz e l ernannt habe. Außer ihm wird die Abteilung aus fünf Regierungsräten be- stehen, zu denen, soweit bisher bekannt geworden ist, berufen worden sind: Oberschulrat Kolbe(früher Danzig), Regie- nmgs- und Schulrat Kamerowfki(Potsdam) und die Kreisschulräte S ch e p p und Günther aus Berlin. Das sind, mit Ausnahme des letztgenannten, der dem Schulausschusfe der demokratischen Partei des Landtags angehört, durchweg politisch rechts stehende Personen. Wenn es schon notwendig war, den katholischen Oberfchulrat Kolbe, einen Flüchtling aus Danzig, und den Regierungsrat Käme- Jahresbeginn. Wenn das alte Jahr seinen Lauf vollendet hat und die zwölf gewichtigen Schläge den Beginn des neuen künden, nehmen wir das so selbstverständlich hin, als wäre es nie anders gewesen. Aber wenn wir Jahrtausende zurückgehen und uns hineindenken in das Wissen der Menschheit jener Zeiten und die Behelfe, die sie besaß, um sich dieses Wissen zu verschaffen, so sieht das einfache Ding des Jahresbeginns schon ganz anders aus. Welch ein mühe- und ge- bankenvoller Weg heißen Snchens und Tastens und langsamen Findens muß zwischen den Tagen liegen, da die Menschheit nur mit dem Blick des bloßen Auges zum Himmel ihre Zeit bestimmen konnte, und der Gegenwart, in der die astronomische Berechnung aufs genaueste Borgönge an Gestirnen feststellen kann, die kein menschliches Auge wahrzunehmen vermag. Die erste und ursprünglichste Zeitbestimmung gab dem Menschen der Mond in seiner Wechselgestalt, auch mag er sich wohl schon frühzeitig an gewisse Sternbilder gehalten haben. Eines dieser frühesten Kalsndergcstirne waren jedenfalls die Plejaden, nach deren Aufgang man sich zur Morgenarbeit bereit machte, das andere der Sirius, den die alten Aegypter ihrem sinnreichen Kalender zu- gründe legten. Dann aing es Schritt für Schritt vorwärts. Dennoch ist dabei eins merkwürdig: längst hatte die Forschung den astrono- mischen Jahresbeginn festgestellt, trotzdem ober feierte man Neujahr nicht an dem Tage, der wirklich der erste Jahrestag war. Es gab cm kirchliche», ein weltliches oder bürgerliches Jahr und dann wieder«in sogenanntes legales Jahr, und diese drei begannen, unabhängig voneinander, wie es Kultus und Brauch eben vorschrieben. Bon altem Kultteben beeinflußt, hatte die Kirche zuerst den 2 5. D e- zember als Jahresanfang angenommen, Karl der Große setzte dafür den 2 5. März ein, den Tag Maria Verkündigung, wogegen die Schweizer zur gleichen Zeit ihr Jahr mit dem Osterfest be- ginnen ließen. In Holland wie auch in England feierie man sogar drei, ja selbst vier Neujahrstagc im Jahr, einen zu Weihnachten, einen am 25. März und je einen am Karfreitag und Osterfonntag. So bestand lange Jahrhunderte hindurch ein böses Durcheinander von kirchlichen und weltlichen Bräuchen, und es war zunächst nicht leicht, zu einer Einheit zu gelangen, weil die Kirche die Feier des Jahresanfangs am 1. Januar im Hinblick auf das altrömische Neu- sahrsfest für einen heidnischen Brauch erklärte Mit der Zeit hat sich die schon von Julius Cäsar eingeführte Verlegung des Jahres- beginns auf den ersten Januartag aber doch auf einem großen Teil der Erde durchgesetzt. Allein es war, wie gesagt, ein weiter mühevoller Weg der menschlichen Forschung und Erkenntnis, der bis dahin geführt hat. Der deutsche Iilm und dle Tngänder. Einen bemerkenswerten Artikel über die Aussichten des deutschen Films in England brachte unlängst die �„Dailp Mail". Sie schrieb darin u. a.:.Es ist ein Jahr her, daß die ganze Filmindustrie in den Vereinigten Staaten überrascht wurde durch die Ankunft einer Serie deutscher Film- trameu, deren außerordenllicher Wert sofort anerkannt wurde. Als rowfki aus Potsdam(desien dortige Stelle durch den Ueber- gang den Schuten aus den Vororten, von der Potsdamer Re» gierung an das Provinzialschulkollegium überflüssig wird) in der neuen Behörde- unterzubringen, so mußte doch die sozia- listisch orientierte Bevölkerung Berlins erwarten, daß wenig- stens die beiden neuen Stellen mit Männern ihrer politischen Richtung besetzt würden. Das i st n i ch t geschehen! Was um so schlimmer ist, als gerade diese Volkskreise ihre Kinder in d i e Schulen schicken, die die so zusammengesetzte Abtellung des Prooinzialjchulkollegiums staatlich beaufsichtigen soll. Alle bürgerlichen Parteien sind in ihr oertreten: die Deutsch- nationalen, die Deutsche Volkspartei, das Zentrum und die Demotraten, nur die Sozialdemokratie ist aus- gefallen! Wird man sich da künstig wundern dürfen, wenn das gesamte Berliner Bolksschulwesen vom Geist der neuen Zeit unberührt bleibt, wenn insbesondere die Arbeit unseres Genossen P a u l s e n, dem Herr Boelitz ausgerechnet seinen schärfsten und unsachlichsten Gegner, Herrn Schepp, vorgesetzt hat, unter solchen Umständen fruchtlos bleibt? Ist das die K o a l i t i o n s p o l i t i k, die Herr Boelitz so oft versprochen hat? Bielleicht zieht er sich hinter die Be- hauptung zurück, er habe unter den Sozialisten keinen ge- eigneten Mann gefunden. Das erscheint nicht glaubwürdig, wenn man weiß,- daß unter dem Ministerium Hacnifch etwa drei Dutzend Sozialisten zu Kreis- und Regierungsschulräten ernannt worden sind. Und wenn Minister Boelitz wirklich nur nach der sachlichen Eignung fragt, warum fiel seine Wahl dann ausgerechnet auf Herrn Schepp, einen Schulmann, der kaum den Durchschnitt erreicht, dessen Berdienste in der Hauptsache darin bestehen, Vorsitzender des Schulaus- fchusies derjenigen Partei zu sein, der der Minister selbst angehört, und' der in dieser Eigenschaft seine Aufgabe darin sieht, jeden Fortschritt, insbesondere das sozialistische Schulprogramm, zu bekämpfen. Die Personalpolitik eines Ministers ist der beste Prüf» stein dafür, ob er gesonnen ist, den neuen Staat mit allen Mitteln zu stützen und zu fördern. Deshalb bedarf sie auch besonders aufmerksamer Beobachtung. Diese Probe hat Herr Boelitz hier, wo es doch so leicht gewesen wäre, nicht be- standen. Zudem hat gerade e r als Abgeordneter in Ge- meinfchast mit Abgeordneten der Rechten und des Zentrums immer gefordert, bei der Besetzung derartiger Stellen müsie auch dem Willen der Erziehungsberechtigten Rechnung getragen werden. Hier aber, wo es sich nicht um Angehörige seiner Parteistellung, sondern um sozialistische Eltern handelt, ist sein eigener Grundsatz von ihm kaltlächelnd beiseite geschoben worden. Wir zweifeln nicht, daß die sozialdemokratische Land- tagsfraktion bei nächster Gelegenheit den Minister nötigen wird, über seine Personalpolitik vor dem Lande Rechenschaft zu geben. Mit geschwollenen Redensarten, wie Herr Boelitz sie in Neujahrsbetrachtungen von sich gibt, ist es da nicht getan. Vielleicht geben ihm auch die Elternbeiräte der Ber- liner Volksschulen Gelegenheit, ihre Ansichten kennen zu lernen. Leipziger Wahlkurkofa. Leipzig. Z. Jovuor.(TU.) In der ersten Sitzung de« neu- gewählten Leipziger Stadtverordnetentolleglums. dos aus. SS bür- gerlichen und 36 sozialistischeste Mitgliedern besteht, wurde die Wahl der Vorsteher vorgenommen. Nach zwei erfolglosen Wahl- göngen, b«! denen jedesmal je 36 Stimmen für einen bürgerlichen und einen Kandidaten der Linken abgegeben wurden, wurde durch das Los der Vorsteher des alten Kollegiums, der unabhängige Stadtverordnete S e g e r zum ersten Borsteher gewählt. Zum ersten Vizevorsteher wurde durch Zuruf der bürgerliche Kandidat Heinze einstimmig gewählt, zum zweiten Vorsteher wurde, nachdem wiederum zwei Wohlgänge erfolglos geblieben waren, der kam- m u n! st i s ch e Kandidat Herrmann durch das Los gewählt. Zum deutschen Gesandten in Bulgarien ist der bisherige Ge- fchäftsträger Mertens ernannt. man sie ln den Theatern vorführte, fanden sie solchen Beifall, daß sie allen Beteiligten ein kleines Vermögen einbrachten. Infolge dieser Erfolge bekam die amerikanische Filmindustrie Furcht, und man wollte einen Schutzwall für alle ausländischen Filme schassen, die nach den Staaten kommen. Diese Maßnahmen jedoch wären ein großer Schaden für alle britischen Unternehmungen geworden: darum nahmen wir in den Spalten der„Daily Mail" Stellung da- gegen, und der Plan wurde Infolge der gemeinschaftlichen Be- mühungen der hiesigen Produzenten schließlich fallen gelasien. Die erwähnten Filme wurden mit Erfolg in den meisten Ländern vor- geführt, und selbst in Frankreich wurde der eine Film„Der Herzog von Reichstadt" gezeigt, während andere demnächst herauskommen sollen. Nur England blieb ihnen ein verschlosiener Markt infolge des endgültigen Boykotts, den die Bereinigung der Kinobefitzer über sie verhängte. In einer Dersommlung dieser Bereinigung am heutigen Tage soll ein Dorschlag unterbreitet werden, diesen Boykott aufzuheben und zu gestatten, daß deutsche Filme vorgeführt werden. Sechs der bedeutendsten von ihnen befinden sich jetzt in London und werden vorgeführt werden, wenn diesbezüglich eine Bercin- barung getroffen werden kann. Es sind dies„Passiv n". der die Geschichte der Französischen Revolution behandelt,„Anna Bo. leyn", in welchem Heinrich Vlli. durch einen hervorragenden Schauspieler dargestellt ist,„Das Kabinett des Dr. Coli- g a r i",„S u m ii r u n",„Eine a r a b i l ch e Na cht" und„D I e Herrin der Welt". Es ist klar, daß der offiziells Boykott dieser Filme nicht aufrechterhalten werden dürfte. Es wird dann vom Publikum abhängen, zu entscheiden, ob es diese Filme sehen will oder nicht." Die Ausschließung der deusichösterrelchischen Aerzke von Internationalen Kongressen l?at die Wiener Universttät, wie man uns aus Dien drohtet, zu der Anordnung veranlaßt, ausländische Aerzt« nur dann zu irgendeiner Betätigung an der Wiener medizinischen Fakul- tät zuzulassen, wenn sse die Erklärung unterschreiben, daß sie die Ausstblisßung der deutschösterreichischen Aerzt« mißbilligen. Diese Untecschrift ist nicht nur in allen Fällen geleistet worden, fondern es ist wiederholt auch die volle Zustimmung zu dieser Maßnahme hinzugefügt worden. Restaurierung des ZNüuchener Doms. Schon vor geraumer Zeit wurde f-stgestellt. daß der Münchener Dem rcstaurierungsbedürstig ist. In einer Versammlung in München wurde nunmehr ein Dom- Restaurierungsverem gegründet, dem bereits in der Stunde der Gründun« 150 Mitglieder beitraten. Der Verein will dafür wirken, daß durch Bsiträae, Geschenke, Vermächtnisse und geeignete Veran- staltungen Geldmittel für das spätere Restaurierunaswerk zusammen- kommen. Welche Summe zur Inangriffnahme der Restaurierung erforderlich ist. ist zurzeit noch nicht festgestellt, doch rechnet man natürlich mit Mi'llionenbeträgen. Farbenspiele des Meeres. Wenn man das Meerwosser In eine vollkommen durchsichtige und farblose Vase gießt, so erscheint es selbst auch völlig Nor. In der Natur draußen aber nimmt es eine große Zahl schönster Färbüngeit.an, von denen die häufigste be» kannflich da» herrliche Azurbliiu ist. Diese Farbenspiel» der See werden durch die Filtrierung der Sonnenstrahlen durch die zahllosen Der öefaitiftisthe Jesus. In dem Freiburger Hochschulstreit, der durch eine Hetze des alldeutschen Prof. v. B e l o w gegen Prof. Kantorowicz ent- stand, erhiell die„Freiburger Tagespost" folgende Zuschrift eines deutschvölkischen Studenten: „Am neuen Werf ist ein neues Geschlecht, das wieder an den Sonnenglauben der Däter anknüpft der deutschen V ä t e r, und es ablehnt, sich von dem ersten jüdischen Defailisten(gemeint ist Euer Christus) Vorschriften machen zu lassen! Unser deutscher Bismarck steht uns zu hoch, weltenhoch über jedem internationalen Juden— heiße er nun Pro» fessor Kantorowicz oder Jesus von Nazareth!" Der Schreiber dieser Zeilen besitzt wenigstens den Vorzug der Ehrlichkeit. Er gesteht offen ein, daß die nationalistischen Ideen mit der Lehre des Nozarcners unvereinbar sind, im Gegensatz zu den widerlichen Sophistereien der Kriegspastoren, die Jesus Christus in einen Mann umzulügen suchten, der die Abschlachtung der Feinde gepredigt, und das Morden gesegnet habe. Erich Nlühsams Verteilungsschlüssel. In Nr. 606 des„Vorwärts" vom 24. Dezember 1921 berichteten wir über die seltsame Verteilung einer amerikanischen Spende unter den Festungsgcfangenen von Nicderschönenfeld. Wie schon gemeldet, wurde der kommunistische Stadtrat W e i g e l t wegen dieser Sache von der KPD. seiner Funklionen enthoben, weil er ln dem Per- dacht steht, nach persönlichen Sympathien Gelder verteilt zu haben. Dagegen wird uns von einer sehr geschätzten po-steigenössischen Seite versichert, daß Erich Mühsam persönlich mit den Ungleichheiten der Verteilung nichts zu tun habe. Unsere Notiz beruhte auf einer direkten Zuschrift von Nieder- schönenfelder Festungsgefangenen, die uns ousdrück- lich um Veröffentlichung der Angelegenheit gebeten hatten. Wir hielten uns für oerpflichtet, dieser Bitte, an der Festungs- gefangene aller politischen Richtungen beteiligt waren, zu eni- sprechen, da wir selbstverständlich annehmen mußten, daß die Mit- teilung der Inhaftierten aus Wahrheit beruhte. Die neue tzanöelssiagge. Hamburg, 3. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Don rechtsstchen- der Seite hat man die Nachricht verbreitet, daß die aus dem Ham- burger Hafen ausfahrenden Schiffe auch im neuen Jahr nach wie vor die alte schworzweißrote Flagge geführt hätten, und daß sich die Reedereien nicht viel Mühe geben würden, neue Flaggen anzuschaffen. Demgegenüber müssen wir feststellen, daß die Hamburger Hafenpolizei seit dem Anbruch des neuen Jahrcs kein Schiff aus dem Hafen gelassen hat. das nicht vorschriftsmäßig die neue Handelsflagge mit der schwarzrotgoldenen Gösch geführt hat. Die Nachrichten der reaktionären Presse sind also tendenziös und unrichtig. Zum tvieöeraufbau von Oppau. München, 3. Januar.(„Frkf. Ztg.") Die Frage des Wiederaus- baues von Oppau hat den bayerischen Ministerrat in seiner letzten Sitzung beschäftigt. Die Staatsregierung steht auf dem Standpi nkt, daß die rechtliche Verpflichtung der Badischen Anilin- und Soda- fabrik, die Kosten des Wiederaufbaues von Oppau selbst zu tragen, keinerlei Zweifel unterliegen könne, daß vor ollem ein« Verwcndunz der freiwilligen Spenden für Zwecke de» Wiederaufbaues der In- duftrieanlagen keinesfalls in Betracht kommen würde. Im Einser- nehmen mit der Reichsregierung sollen erneut Verhandlungen mit der Badischen Anilin- und Sodafabrit zur Klärung der finanziellcn Bcrpflichtungen eingeleitet werden. Ealonüer in Oberschlesien. Der Leiter der deutsch-polnischen Berhandlungen, de? schweize- r!s.)e Altbundespräsident Calonder ist Dienstag mittag ln Bres» lau eingetroffen, vom Reichsminister a. D. Schisser empfangen worden und gemeinsam mit ihm nach Oberschlesteu weiter. gereist. kleinen Saizkörperchen, die im Wasser schwimmen, hervorgerufen. Das Mittelländische Meer, dos eine ungewöhnlich große Zahl dieser Saizkörperchen enthielt, strahlt in der tiefsten Bläue. Auch die Polar- meere haben nach den Schilderungen der Forscher«ine glänzende ultramarinblaue Farbe, ebenso das Wasser des Atlantischen Ozeans am Aequator, während der Stille Ozean ssch fast dem Indigo näher!. Alle diese vier Meere gleichen sich jedoch darin, daß in der Nähe der Küste die Farbe sich ändert und grün wird, oft ein so tiefe, Grün, daß es fast schwarz erscheint. Wenn das Wasser bewegt ist, wandelt sich das Grün zu einem bräunlichen Ton, bei einem ruhigen Sonnenuntergang leuchtet die Oberfläche in einer ganzen Skala der zartesten Färbungen. Rosa, Topas, Smaragd und Purpur. Es gibt auch örtlich begrenzte Ursachen, die die Farbe des Seewassers be- einflussen und ihnen an bestimmten Stellen eine ausgesprochene be« ständige Schattierung verleihen. Ein Grund von weißem Sand ruft eine grünliche oder apselgrüne Farbe hervor. In der Bai von Loango erscheint das Wasser infolge des roten Grunde» in einem tiefen' Rot. Rings um die Küsten von Neuseeland gibt es Meeres. stellen, an denen zahllose schwimmende rote Tierchen eine Karmoisin. särbimg des Wassers zur Folge haben. An den Küsten Japans ist die See gelb, und westlich von den Kanarischen Ieseln hat sie ein scharfes Grün. Im Hafen von Lima in Peru ist das Meerwosser oliofarben, während in der Nähe des Kap Palmas und längs des Golfes von Guinea das Schiff oft durch eine See von Milch zu fahren scheint. Alle tropischen Meere nehmen gelegentlich die Farbe d-s Feuers an; man nennt die Erscheinung Phorphoreszenz und sie wird durch Tausende von schwimmenden Tierchen oder durch die toten Körper gewisser anderer Fische, die ein intensives Licht aus- strahlen, hervorgerufen. Abgelchnke Gehaltserhöhung. Die nordamerikanischen Prediger werden größtenteils nach freier llebereinkunft mit ihrer Gemeinde besoldet. In Connectieut erbot sich eine solche freiwillig, das Gehalt ihres Pfarrers zu erhöhen. Der Mann lehnte jedoch aus drei Gründen ab.„Erstens," sagte er,„mag ich diese Zulage nicht, weil ihr mir bei euren Vermögensverhältnissen nicht mehr geben könnt als bisher: zweitens, well meine Predigten nicht mehr wert sind, und drittens, weil ich mein Gehalt unter euch selbst einkassieren muß, was bis jetzt der anstrengendste Teil meiner Amtsverrichtun- gen gewesen ist. Wenn ich noch 100 Dollar mehr eintreiben sollt», so wäre das mein Tod!" TuS Neue VulkSihertter Bereitet eine Reueinliudlernng von Sfinfn# .Heuckiler* vor. Friedrich Loebc, der auch Nkgie lübrk. wird die Rolle bei TatoriuS lpstl-n, Helene Kcn.chewska die Blanche. Paul Fenn den Trench, Armin Schweizer den Cokane uno Leonhard Stecket den Licksheefc. Die.Arbeiter-KunstauSstellunq-'. Petersburger Str. SS wird am 5. wieder eröffnet mit einer KollektivauZstellung Willi Faeckel Eienere Arbeiten und blsber ungezeigl» Radierungen au« dem vibelwcrk: .Menlchgolt— Gott— Goltmenlch-Y.— Ernst Friedrich Ipricht revolutionäre und aniimilitaiistilche Dichwngen am Sonntag, den 8.. abend« Tl, Ubr. in der S t a d t b a l l e. K l o st e r st r.« 7/ 5 g, da« Quartett der„VaterlandZIolen Gesellen-' wird mitwirkend VollSlicder singen. Vt»f.»rich March«, der bekannte Münchener Htffortter. hat dt» Berufung au dt» Berti»»» Uaidirfttil angenommeu. Wirtschaft Vaterland oder Geschäst! Di« WIedergutmachungsliefcrungen find für d!e Allgemeinheit eine dunkle Angelegenheit. Nach welchen Grundsätzen vergibt die Reichsregierung die Wiedergutmachungsaufträge? Findet eine freie Ausschreibung statt? Inwieweit sind die preisbildenden Verbände der Unternehmer an der Kostenfestsetzung beteiligt? f)ört man auch die Organisationen der Arbeiter» ehe man Verträge abschließt? chat noch niemals die Reichzregierung oersucht, die Wiedergutmachungs- lieferungyn auf der Basis der sogenannten Normalwerksver- tr ä g e tn Auftrag zu geben? NprmalwerksoertrSge werden heute im besonderen bei der Auf- trag�erteilung von Schiffsneubauten abgeschlossen, ihr Kern ist die Festlegung der Werften auf Selbstkosten plus einem bestimm- tei� Unternehmergewinn, in der Regel zehn Prozent. Diese Fragen und noch viele andere sind bisher noch niemals von den verantwortlichen Regierungsstellen zusammenhängend be. antwortet worden. Ebenso wenig wie man eigentlich genau weih, nach welchen Grundsätzen zerstörte Heeresgüter bezahlt, wie die Zer- störung selbst vergütet wird. Man vergesse doch nicht, daß wir in Deutschland eine ganze Industrie haben, die sich immer noch von der ■3 er störung des Heeresgutes und dann von dex Verwerfung des zerstörten Materials nährt. Es bestehen bei Leuten, die einigen Einblick in diese Dinge haben, übminstimn'end Meinungen, die darauf hinauslaufen, daß heute der Staat in den eben erwähnten Angelegenheiten gründlich über den Löffel barbiert wird. Das darf uns nicht gleichgültig lassen. Gerade hier kann eine allgemeine Ersparnis sofort«intreten, ohne daß die Allgemeinheit davon etwas anderes als Dortelle hätte. Wie selbstverständlich es allgemein erscheinen muß, daß der Staat bei der Wiedergutmachung gründliche Extragewinne für die Liefe» ranten zuzulassen hat, geht aus einer Kontroverse hervor, die kürz- lich die„Frankfurter Zeitung" mit dem Rheinisch-Westfälischen Kohlens�ndikat hatte. Es wurde von ihr festgestellt, daß merk- würdigermeise die R e p a r a t i o n s k o h l e in der Hauptsache von einer holländischen Reederei gefahren würde. Als Antwort auf diese Feststellung teilt« das RHeinisch-West- fälische Kohlensyndikat mit, daß es mit den Reedereien des Ober- und Niederrheins verhandelt habe, als die Lieferungen der Repara- tionskohle begannen. Sie mußten bestimmungsgemäß über Rotter- dam erfolgen. Die deutschen Reedereien seien aber durchweg wesentlich teurer gewesen als die holländischen Angebote. Wie sich später herausgestellt Hobe, hätten die oberrheinischen Reede- reien sich sogar über die zu verlangenden Preise untereinander ver- ständiqt, also eine Art Ring gebildet, sie hätten auch geschlossen ver- handelt. Dabei hätte es sich gegenüber dem holländischen Angebot um Differenzen von 40 bis 60 Cents per Tonne gehandelt, also um ganz erhebliche Beträge. Das Kohlensyndikat habe dennoch nicht selbst entschieden, das Reichsfinanzministerium sei, nachdem es unter- richtet worden war, zu der Entscheidung gekommen, unter diesen Umständen den Kohlentranspor» der holländischen Reederei zu über- tragen. Daraufhin sei den deutschen Reedereien nochmals Gelegen- heit gegeben worden, unter Bekanntgabe des holländischen Angebots, neue Offerten einzureichen. Sie hätten einen kleineren oder größeren Anteil, aber auch die gesamten Lieferungen zum holländischen Preise erhalten können, aber auch das sei von den deutschen Reedern ab- gelehnt worden. Mit diesen Feststellungen will das Rheinisch-WcstfSlische Kohlensyndikat beweisen, daß es nicht antideutsch gehandelt habe, im Gegen- teil, es nimmt für sich in Anspruch, den deutschen Steuersäckel vor Ausbeutung durch die deutschen Reeder geschützt zu haben. Das klingt alles ganz plausibel. Es ist ja allgemein bekannt, daß seder Industrielle oder Großhändler, der mit dem Reiche und seinen Wiedcrgutmachungsaufgaben in Berührung kommt, glaubt, auf Kosten der Allgemeinheit den Hans im Glück spielen zu dürfen. Dennoch können wir unsere Bedenken nicht unterdrücken. Das Kohlensyndikat kennt die ihm gegenüber leicht auftauchenden Bedenk- lichkeiten. Deswegen beeilt es sich, öffentlich zu versichern, daß es an den Transporten finanziell selbst nicht interessiert sei. Es erhalte von der Reichsregierung neben den normalen Kohlenpreisen nur die für die ganzen Transporte aufgewendeten Beträge ersetzt. Vielleicht wird uns gelegentlich vom Kohlensyndikat einmal er- läutert, was ihr.normaler' Kvhlenpreis für die Reparationskohl« ist, und im besonderen, wie er sich zusammensetzt. Darüber hinaus wäre es auch recht beachtlich, d I e holländische Reederei kennen zu lernen, die imstande war, sämtliche deutschen Reedereien aus dem Feld« zu schlagen. Wir haben nämlich auch.holländische' Reede- reien, deren Kapitalien aus— Deutschland gekommen sind. rwk. GroßSerün Das Wutfieber. Zwei psychologisch durch nichts begründete Derbrechen hoben zu Beginn des neuen Jahres über ihr« lokale Bedeutung hinaus Aufsehen erregt. Durch Charlottenburg rannte«in tollge- wordener Messerstecher. Im fränkischen Städtchen Dinkelsbühl warf ein junger Mensch«ine selbstverfertigt« Bomb« und verletzte £0 Mitbürger. Ob beide Bluttaten dieselbe krankhoste oder oerbreche- rische Ursache haben, wird erst die nähere Untersuchung der beiden Fälle erweisen. Der Berlmer Fall erinnert zweifellos an'das viel- genannte Amoklausen, das häufig aus Java und anderen dort ge- legenen Inseln berichtet wird. Im Fieber der blinden Wut tötet der Amokläufer mit einem Dolch oder einer anderen Waffe alle ihm entgegenkommenden Menschen. Man darf aber nicht sagen, daß das Amoklaufen und bsind« Drauflostöten einer beliebigen Personenzahl eine exotische Erschei- nung sei, die in Europa höchst selten vorkomme. Noch ganz kürzlich wurde über«inen französischen Bauer gemeldet, der sich in seinem Dorfhäuschen verbarrikadiert« und jeden niederknallte, der sich dem Gehöft näherte, bis man ihn ausräucherte und cinfing. WA)ren0 der Kriegsjahre ist mancher Fall vorgekommen, der aber in der allgemeinen Blut- und Todeswog« nicht zur Sproch� kam. Aus der Zeit vor dem Kriege(Juni 1914) erinnert man sich vielleicht noch des Kirchturmschützen von Oldenburg, eines slowakischen Lauernburschen, der, wegen verschmähter Liebe rasend geworden, mehrere Personen erstach und dann aus der Ortrkirche«in Feuergsfscht eröffnete. Im Juni 1913 schoß ein Schulamtskandidat in Bremen in feiner Klasse eine Reihe Mädchen nieder. Am S. September desselben Jahres erschoß in einem schwäbischen Dorfe, Mühlhausen, ein anderer Lehrer Wagner eine ganze Anzahl harmloser Mitbürger, nachdem er vorher sein« Familie, Frau und Kinder, erstochen hatte, hinzu kam noch mehrfache Brandstifwng. Noch weiter zurück spielt« sich in der Derllner Eharite folgender Fall ab. Ein Mann. D., war dort aus-- genommen worden, der an Gehör- und Gesichtstäuschungen litt und bei dem sich ein systematischer Verfolgungswahn ausgebildet hatte. Trotzdem konnte der untersuchende Arzt zunächst an dem Kranken Nichts Ausfallendes bemerken, nichts, was ihn zu dem Schlüsse, daß D. geisteskrank fei, berechtigt hätte. Als der Wärter«inen Augen- blick das Zimmer verließ, ermordete der Patient D. drei andere Kranke, indem er sie mit Stuhlbeinen niederschlug. In den sechziger Iahren des vorigen Jahrhunderts hat fchsn ttt Psychiater Krafft-Tbing die sogenannt« transitorisch« Manie beschrieben, wo bei völliger Aushebung de» Selbstbewußtsein» und der Erinnerung plötzlich Gewaltakte mit großer Wut und motiolo» ausgeführt werden. Wir wissen ferner, daß sich die Epilepsie zu- wellen nicht in Krämpfen oder doch nicht ausschließlich in solchen äußert, fondern daß vorübergehend« psychische Störungen ebenfalls mit schwersten Gewaltakten auftreten. Man darf nicht vergessen, daß unter Umständen jeder Gelsteskrank«, selbst'der scheinbar harmloseste, einmal gefährlich für sein« Umgebung werden kann. Schleunigst, ohne weitere Umstände, die sich nachholen lassen, muß der Geistesgestört« dem sachverständigen Arzt« übergeben werden, denn nur durch praktisch« Vorsorge werden sich die schrecklichen Aus- Wirkungen des Wutfiebers auf die Umgebung des Erkrankten ver- meiden lassen. Ein vamppr See Großstadt. Artur Seil wege« Erpressungen verhafiei. Ein in der Berliner Skandaichronit nicht ganz unbekannter Herr, der.Redakteur' und Detektiv Artur Keil wurde gestern wegen grober Erpressung verhastet. Kell hat wegen Kautionsschwindel und dergleichen schon zehn Jahre Zuchthaus hinter sich. Er schont« bei seinen Betrügereien auch die Aermsten der Armen nicht. So hatte er es zuletzt auf Frauen abgesehen, die durch Pachtung einer Garderobe in irgend- einem Lokal sich ihren Lebensunterhalt zu erwerben versuchten. Er versprach diesen Frauen, die sich vertrauensvoll an ihn wandten, gute Garderoben in Lokalen der Lebewelt und lieh sich Bürg- i ch a f t e n zahlen, ohne auch nur über ein« einzige Pachtung zu verfügen. So nahm er den Frauen auch den allerletzten Not- grosthen heraus. Dann kam er auf den Gedanken, in Verlin die „Neuesten Nachrichten' zu gründen. Mit diesem Blatt wollte er angeblich die Unsitllichkeit der Großstadt bekämpfen. In Wirklichkeit waren sein«„Neuesten Nochrichten', die er besonders in der Friedrichstadt ausbrüllen ließ, ein Skandalblatt der bösesten Art. Sie brachten zu erpresserischen Zwecken Andeutungen über dieses oder jenes Geschäft und ließen dabei durchblicken, daß in der nächsten Nummer weitere Aufklärungen folgen würden, zugleich aber auch, daß das Erscheinen der Ausklärungen unter Umständen wohl auch unterbleiben könnte. Die Geschäitsleute, die zwar nichts zu fürchten hatten, sich aber mit Recht scheuten auch nur ihren Namen in dem Skandalbiott gedruckt zu sehen, verstanden diese Winke. Da» Erscheinen oder Nichterscheinen der„weiteren Auf- klärungen' hing dann von ihrer Vermögenslage und ihrer Zahlungs- fähigteit ab. Das Blatt wurde wiederholt polizeilich beschlagnahmt und verboten. Als Keil sein« unsauberen Geschäft« scheitern sah, gründete er in der Potsdamer Straße 98 ein Detektivbursau, dessen Direktor er spielte. Es diente den gleichen Zwecken wie fein Blatt. Well man ihn nicht fassen konnte, fo wurde der Dampnr immer dreister, bis er endlich an den Unrechten kam. Ein Bank- direktor erhielt kürzlich den Besuch eines lüjährixen jungen Mannes, der sich als Detektiv des Keilschen Bureaus vorstellte und darüber klagte, daß fein Ehef ihn schlecht bezahle. Er erzählt dann dem i Bankdirektor, der ihn ruhig anhörte, wie er zufällig Ohren zeuge eines Artlkeldiktats geworden fei, dos ihn betreffe. Der Bantdirektor war geistesgegenwärtig genug, den Besucher nicht gleich hinauszuwerfen, sondern zum Schein auf die Sache einzu- gehen. Er verabredet« mit ihm eint weiter« Unterhaltung und wandte sich unterdessen an die Kriminalpolizei. Auf Anfrage erklärte sich Keil zu einer persönlichen Unterhaltung in seinem Redaktions- und Direktionsbureou bereit. Es kam schließlich eine Verabredung zustande, nach der Keil in einem Restaurant 3000 Mark er- h a l t« n f o l l t e. Als er dann mit feinem Vertragsentwurf in dem Restaurant erschien, um dos Geld zu holen, empfing ihn nicht der Bankdirektor, sondern ein Beamter der Kriminalpolizei, der ihn gleich nach dem Polizeipräsidium brachte. Der Untersuchungsrichter, dem er vorgeführt wurde, behielt den netten Sittlichkeitsapostel hinter Schloß und Riegel._ falsche Hundertmarkscheine. Don seit etwa einem Jahre zur Ausgabe gelangten 100-Mark- Scheinen der Ausgabe mit dem Aufdruck„1. November 1920' sind neue Fälschungen im Verkehr aufgetaucht. Die falschen Scheine unterscheiden sich von den echten Scheinen durch das von dem echten Banknotenpapier abweichenden Papier, durch unklaren und etwas verschwommenen Druck, ferner fehlt bei den Falsch. stücken das Wasserzeichen und der Faserstreifen. Der Faserstreisen wird durch den Ausdruck von farbigen Strichen nur schlecht vor- getäuscht, während dos Wasserzeichen, wenn es nicht völlig fehlt, Ab- iveichungen gegen die echten Schein« aufzuweisen hat. Die falschen Scheine sind bei einiger Aufmerksamkeit leicht von den echten Scheinen zu unterscheiden._ Vor einem Kriegsbeschädigten sollst Du aufstehe»: In den Stadt-, Ring, und Borortzügen sind be- kannllich den Kriegsbeschädigten besondere Abteil« vorbehalten, damit Schwächlich« und Hllflose bei Zugüber- süllung nicht in Bedrängnis geraten. Tafeln an den Fenstern weifen darauf hin, aber leider finden Kriegsbeschädigte nur zu oft die für sie bestimmten Abteile v»n gefunden Personen besetzt und überfüllt. Die Benutzung der Abteile für Kriegbefchä- digte durch Unbefugt«, unter denen man sehr oft auch Frauen sieht, mag zum Teil aus Rücksichtslosigkeit, aber vielleicht zum größeren Teil aus Unachtsamkeit zurückzuführen sein. Jetzt wird beabsichtigt, oiese Abteile an die beiden Enden des Zuges zu verlegen, damit wenigstens das«ine vom Zugführer kontrolliert werden kann. Auch sollen größere Tafeln angebracht werden, die dem Einsteigenden mehr aufs allen. Diese letztere Maß- nalzme dürste das Wichtigste sein: denn die bish-rigen Tafeln sind so unauffällig, daß mancher„Unbefugte" sie wahrscheinlich erst be- merkt, wenn er das Abteil bestiegen hat und der Zug sich schon in Bewegung setzt. Die Tafeln sind auch an den Fenstern so hoch an- gebracht, daß sie den aus dem Bahnsteig wartenden Personen bei der Einfahrt des Zuges nicht immer sofort erkennbar werden. Sie könnten weniger leicht übersehen werden, wenn man sie an den A u ß en w ä nd e n d e r' W a g e n etwa in Höhe de? Tür- klinken befestigte._ Wieder Bockbier. Es gibt in diesem Jahr« nach langer Pause wieder das unter dem Namen Berliner Bockbier aus der Vorkriegszeit bekannte Starkbier. Der Ausstoß beginnt gleichzeitig in allen Verliner Gastwirtschaften am 5. Januar.__ Die Wahlen der Arbeitgeber zur Reichsversicherungsanssali für Angestellte finden am 6. Januar statt. Alle freiheitlich gesinnten Arbeltgeber wählen die Liste„Freie Arbeitgebe r". Die Ar- beitsgemeinschast der freien Arbeitgeber bittet auf die weiteren Be- kanntmachungcn im„Vorwärts' zu achten. Ausfalleud« Züge ab Anhalter Bahnhof. Die Eifenbahndirek- tion Berlin teilt mit: Von Mittwoch, den 4. Januar, ab fallen die Züge v 32(Berlin Anhalter Bahnhof ab 8.20 vorm.) und D 33 (Berlin Anhalter Bahnhof an 10.S8 nachm.) zwischen Erfurt und Berlin aus. Reifende nach Stuttgart, Ludwigshofen und Kissingen müssen ab Berlin bis Erfurt den Zug v 42(Berlin An- Halter Lahnhof ob 8.3 verm.) benutzen, in umgekehrter Richtung wartet der Zug O 43(Berlin Anhalter Bahnhof an 10.8 nachm.) in Erfurt � den Anschluß von Zug 0 33 ab. Vom gleichen Tage ab verkehren die Züqe D 22(Berlin Anhalter Balm Hof ab 8.50 vorm.) und D 29(Berlin Anhalter Bahnhof»n 8 Lg nachm.) nur noch zwischen Berlin und Hof. Ausleilun, de» frühe,««»r»«T»le» Vornfledi. Di« große» Ländereien des früheren Kronautes Bornstedt bei Potsdam sind letzt parzelliert worden. Dn» Schloß ist zum Bierfamtlienwohn» hau» umgeändert worden. Do» Schloß Lindsted« bei Potsdam hat der stüher« Herrführer o. Falkrnhayn bezogen Keine Erwerbslos enfürforge für Amerikaner. In den Der- einigten Staaten von Amerika gibt es kein« gesetzliche Enoerbslofen« Unterstützung wie in Deutschland. Das Staatsdepartement in Washington hat der Deutschen Reichsregierung mitgeteilt, daß weder die Bundesregierung der Dereinigten Staaten noch ein« der Staats- regierungen gesetzliche Maßnahmen zur unmittelbaren Unterstützung der Erwerbslosen getroffen habe. Lediglich zur Hebung der Arbeits- Vermittlung sind für einzeln« Staaten und Gemeinden Bundesmittel bereitgestellt worden. Der Reichsarbeitsminister hat daher mit Rücksicht auf die mangelnde Gegenseitigkeit angeordnet, daß Bürgern de? Vereinigten Staaten von Amerika m Deutschland Er» werbslosenfürsorge nicht gewährt werden darf. vora gestorben. Der Fremde, der zum ersten Mal« zum Admiralspalast kam und den Personenzettel studierte, fand auch den Namen„D o r a' verzeichnet. Nichts weiter als dielen Dornamen. Und dann sah er Dora auf dem Eis und auf Schlittschuhen tanzen. Aber es war kein Tanzen mehr, es war ein Schweben und Fliegen. ein Losgelöstsein von der Erde. Wer das einmal gesehen, konnte es nie vergessen. Diese» Fräulein Dora, mit vollen Namen Dora Falkenberg, war trotz ihrer vollendeten Kunst erst eine Zwanzig- jährige. 1917, ols Sechzehnjährige, feierte sie in der„Prinzessin von Trapant' ihren ersten großen Erfolg, der ihr dann treugeblieben ist. Gerade in den schwersten Iahren und Tagen feit 1917 war sie es, die durch ihre unvergleichliche Kunst die Seelen der vielen Tausend« für em paar Stunden von den schweren Sorgen der Zeit erlöst«. Nun ist die Zwanzigjährig« am Neujahrstag plötzlich durch die Grippe hingerafft worden, und bei allen, die Dora gesehen haben, wird ein schmerzliches Bedauern über das schnelle Hinscheiden dieser ausgezeichneten Künstlerin zurückbleiben. Avgermüuder Krähwinkel el. Aus dem steundlichen märkischen Städtchen wird un» ein Formular der dortigen Post vorgelegt, da» noch treuherzig und innig die Unterschrist Kaiserliches Postamt Angermünde trägt. Das„Koiferstche Postamt' ist gedruckt und ..Angermünde' geschrieben. Ob es den Beamten des Angermünder Postamtes wirklich so schwer fällt, das„Kaiserlich' durchzustreichen? von einer Lawine verschüttet. Drei Herren aus Pforzheim unternahmen am Neujahrstage eine Skitour im Oetztal. Si« wurden von einer Lawine verschüttet. Zwei konnten sich selbst her- ausarbeiten, der Dritte, Professor B a ck h a u», wurde unter den Schneemaffen begraben._ Wetter für morgen. verlin»nd Umgegend. Kcltweile nufklerend, aber noch üderwieaeni» bewölkt, mit wtederbolten Niederlchläqen und frischen nordwestlichen Winde«. Tempeeatur um den Gesrierxunkt schwankend. Grofi-Serliner parteinackrkchten-. heule, Dienstag, den Z. Januar: 1. Ä(«i» Äcittr. 7 Ukn Siü>lNg des Kreisvorftonde« mit den Abtcilungsleitunge» im B-lraerheim. Alte Echönhauttr Str. 23/24. Znngio-iaUstea Schoat-oulcr Dorstadt. 7>/, Uhr bei Earl, WIchertgr. SS, Vortrag des Genossen Friinlel: Tic internationale Gewertschaftsdewegung nach dem Ztriege. ZNocgen, ZNiltwoch. den 4. Januar: W. Abt. Lichterselda. MUgltederoersommIung abend» t/zS Uhr, Gesangtsaal Ober. rcalschnle, Ringstraße. tl. Abt. Die(»eiwsien treffen sich Mittwoch mittag um Iz Uhr»ur Beerdigung de, Genoffen Ritter bei Bergen.— Donnerstag, den 5. u. abends 7 Uhr, Flutttionii» ffxung bei Bcrger.__ OeroerMojwbeivegung Wie wählt öer Mbeitgeber! ZlAe freiheitlich denkenden Arbeitzeber wählen am S. Januar bei den Wahlen zur AngesteLlenverffcherung die Liste ,8reie Arbeitgeber'". Konferenz öer Gbleute in öen Neichsbetrieben. Am Montag fand im„Rosenthaler Hof" eine Konferenz der Ob- leute aus den Rcichsbetrieben und Reichsvcrwaltungen statt, deren organisiert« Arbeiterschaft dem Verband der Gemeinde- und Staats- arbeiter als Branche angeschlossen ist. Erster Punkt der Taaesord- nung war: Wahl der Dranchenleitung. Schaumberg. Schlegel, Schulz, H unziger und Richter wurden ein- stimmig wiedergewählt. Der nächste Punkt betraf„T a r i f v er h a n d l u n g e n". In der regen Aussprache wurde hervorgehoben, daß die den Eisen- bahnern infolge des Streiks gewährte Verbesserung der Lebens- Haltung auch der in den Reichsbetrieben und Rcichsverwattungen belchäftigten Arbeiterschaft zugute kommen werde. Bedauert wurde, daß dieser kein« Gelegenheit geboten worden sei. den Streitenden ihr» Solidarität öffentlich zu bekunden. Schaumberg und Richter forderte!» die anwesenden Obicute wiederholt auf, für die Arbeiterpresfe Leser zu«erben und K u b a l i d wies darauf hin. daß es eine erste Aufgabe fein müsse, durch Aufklärung Klsffenkämnfer zu erziehen. Hieraus wurde Stellung zyr Fvge der Arbeltslosenve?« f i ch e r u n g genommen. Bei den Rednern überwog die Meinung, daß es nach den Bestimmungen der Verfassung Sache des Reiches fei, die Lasten der Versicherung den Unternehmern aufzu- bürden. Allerdings würden auch in diesem Fall« die Arbeiter schließ« lich doch die Kosten zu tragen haben. Ein« Resolution, die es grundsätzlich ablehnt, Beiträge für diese Versicherung von den Ar- beitern zu erheben und aus die Verfassung hinweist, fand die Zu» stimmung der Versammlung._ Streik der Schilderanmacher, Helfer und Kutscher. Der am 8. Dezember 1921 ausgebrochen« Streik geht mit un» verminderter Heftigkeit w«it«r. Der von der Organisation mehr- »nals unternommene Versuch, einen Tarifabschluß zu erwirken, scheitert« an dem Starrsinn der Unternehmer. 30 Firmen— darunter 7 V«reinsfirm«n— heben bereits die Forderungen der Anmack)«r tariflich anerkannt: bestreikt werden noch 20 Firmen. Di« zu den neuen Bedingungen arbeitenden Schilderanmacher, H«st«r imd Kuticher sind mit« i nein Arbeitsauswets versehen. der die Unterschrfft und den Stempel des Deutschen Trans- portarb-eiterverbandes trögt. Di« Streikenden ersuchen di« Be- völkerung Berlins, sie in ihr«m Kampf« auch im neuen Jahr« zu unterstützen und diejenigen als Streikbrecher zu betrachten, die nicht im Besitze ein«s solchen Ausweises sind. Das Streik- bureau befindet sicki Engelufer 24/26 II, Zimm«r 26, Telephon Moritz- platz 4509 und 2382. Di« Streikleitung. «nnd der trchnlsche»«»»«stellt»» und vsamten. Milglieder, erf,««. l n» a e». Heute«dend VI, Uhr: Slidolt. Lullen-Theater-Feftstile. Sleichenderffer Str. M. «ittwo» 7<'t Uhr CIWenKk, Bayern liok. göllitilcher Platz: Nordalt. Zum NSnIffstor. Nene»önialtr..1: Oranlenbura. Reichsha', Bernauer Str. 3»; Welten. Natlonalhof, Bfflowstr. 37; Shnrlottenturff II. Restaurant Ruhland. Saviannolatz?>.— Donner«. t»ff 7>/, Ubr: Tdarlottenburff I. Aua.-Kastno, Kaiserin-Auffnsta-Mee 33: Norden lV, Restaurant Kubetttis. Bornholmer Sir 89; Cliarlottendnra III, Deuisckies San», Wlndlcheidstr. 39; Nartroest I. Reltaurant Mattle Turmstr. 73: Steffl'tz. Restaurant Altdoff. Altdsff». Scke tldruer-Slraffe: iiihtendera. Restaurant stur Hsttte. Frank. turter tzllle» 213: Svandau. Neuer Rotskeller. Nathau«: OdersAdneraelde. Hudertu», Etil»»., ggf Wa'dstrade: stentriim-Elld. Werandrlner. Alerandrtnenstr. 37: Ren- t?ffn. Bffrgersffle, Berastr. 147: vsten II, staaenkaffno. Nnorryromenade L: Patsdaw. BtLHIenvirk. Neubadelsberger Straffe: SchSnedera. Ebershof. Ebersstr. 33: Dnnvel- »sl, Nasino-Nestinrant. Berliner Eirahe 165; Weihense«, Sp-tcubriu. Berltne, Blee 232 «erautw. fvr deu red-N. DeN: Jttui stlih,.®erfl*.tl4t«Tfetb«; für«it. Hl««».verli».. Stria« B°r«-rt..V.rI.,».«.». Berll». Druck: Sorwirts-Buchdruckerei». S«Uag»a»ft-tt»ml Singer a.«#., Stell», etndenftr.». •••■'•-.-Ir-"":;- fiOM Das TaaeSgeWK von Groß-Verlin Seltene Linkautsgeleßenkeitl 5. l. OtdiS't: Gro6.Frank- furterstr. 131 neb. Rose-Theater Schuhhaus lt. GesthNfl: Andreas- straÄc 67 an der Langestr. sind meine sensationell billigen Znoentur-Preise!!! Ueber�eugen 5ie z i c k neldit Vaby-Schuhe(Leder)°°n nm M 9� da. Kamelhaar v°o m.*16 Damen-Halbschuhe...°°» M SS� Herrenstiefel.......... von nur M."106«m b i s zu den allerfeinsten Äallsachen Bezirks? erb. SPD. Ii.«bt. Am 31 De�tmber »erstarb un(«t<9»nefie Oskar Ritter Levestowstr. 21 a. Ein teinenAndinkenl Beerdinung Mittwoch. nachm. 1 Wir. auf drm(Btorfirn- tlrchtjof a. Friedriche- Hain. UmtiflcScUllipuna ersuch» 784b ttMeUungtUltun". ZeiluugsMierl Igeditndeli, Ka 2�0 1 ,■ Hau»- Mein» I > lumpe»! Nasche»! 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