Nr. S ♦ ZH. Jahrgang Musgabe iL Nr. 4 Bezugspreis: V!«rtelj ährl. SO,— M., monat 1. 20.-» M frei ms Sau», voraus zahlbar. Poft- fcczua: Monatlich 20,— SIL einftf)LStt- fiellunqsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, da, Saar» und Memelaedieb sowie die ehemal» deut» schen Gebiete Polen», Oesterreich Ungarn und Luremdurg 54,— M» fite da» übrige Ausland 72,— M. Posi» desiellungen nehmen an Oesterreich Ungarn, Tscheche- Slowakei, Däne. warb Holland, Luxemburg, Schwede» und die Schweiz. Der.Vorwärts" mit der Sonntag». deilage �Boik und Reif, der Unterhaltungsbeilage �eimwelf und der Beilage.Siedlung und Kleingartetf erjcheint wochentäglich zweimal, Sonw- tag» und Montags einmal. Tel egramm. Adresse: «Sozialdcinotrok verlUf Abend-Ansgabe c ara»»»«rUii«O Pf, ■uiwBrts 80 Pfennig D Oerlinev Volksblstt SluzeigeupretS: Die zehngespalten, Nonpareillezeile kostet S.— M.kleine Anzeigen" da» fettgedruckte Won g,— Nb(zu- lässig zwei iettgedruckte Wortes, sede« weitere Wort t.50 M. Siellengesuche und Schlassiellenanzeigen da» erste Won 1.50 M. icbc» weitere Wort L— M. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien-Anzeigen fflt Abonnenten Relle 4.— SDL Die Preise verstehen sich einschließlich Teuerungszuschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bi««>/, Ahr nachmittag» im Haupigeschäst. Berlin EW W. Linden- ftraße 3. abgegeben werden. Geäffne: von 9 Uhr srüh bi» 5 Uhr abend». Zentralcrgan der rozialdcmokratifcbcn parte! Dcutfchlands Reüaktion und Expedition: SW öS, Lindenstr.Z Redaktion Moritipla«»7 �crnipreri,er. ��io» M-rttzplah ll7SS— S4 Donnerstag, den 5. Januar 1922 vorwärtS'verlag G.m.b.H., 6tD 68, Lindenstr. 3 ffierMtht-crfior- Verlag,«Zexpeditio» und Inseraten- »ssrrnipreryer. Mortnplatz U7KZ-K4 Appell der britishen Arbeiterpartei. £ o n b o n, 5. Ianuar.(EP.) Die englische Arbelkerpartei und der Exekutivausschuß der Trade Union» haben Lloyd George ein Ulcmorandum geschickt, worin sie die Aufgabe de» englischen Anteils am Neparali�nsguthaben sowie die Ermäßigung der Reparaiions- forderunzen um den Betrag, den die Pensionen ausmachen, fordern. Sie fordern Abberufung der Rheiulandbesetzung, Einberufung einer internationalen Wirtschaftskonferenz, in der alle hauptsächlichen Re- gierungen Europas oertreten sein sollen. Es solle eine internationale Anleihe aufgelegt werden für die Wiederherstellung der zerstörten Gebiete und die Regelung der europäischen Valuten, besonders der russischen Währung. Das Memorandum fordert, daß so viel wie möglich deutsche Maschinen und Arbeitskräfte herangezogen werden sollen. Es erklärt fodann, daß die Forderung für die Bezahlung der Pensionen England einen viel größeren Anteil als Frankreich zuspricht, wenn diese Forderung gestrichen würde, könnte Frankreich ein größerer prozentualer Anteil au der Gesamtsumme zugestanden werden. London. 5. Januar.(CEP.) In politischen Kreisen glaubt man noch immer, daß Anfang Februar Reuwahlen stattfinden. Die Un- abhängigen(Asquith-Partei) und die Arbeiterpartei wollen die Wahlpropaganda sofort eröffnen. Eine Verschmelzung der R e- gierungsmehrheit in eine einzige»national«' Partei ist noch immer in Ausficht genommen. London, S. Januar.(WTB.)„Manchester Guardian' föhrt in seinen Wahlbetrachtungen fort: wenn die Regierung eine Niederlage erleiden sollte, so könnte nur eine liberale oder eine Arbeiteropposition folgen, die sich ganz zweifellos vereinigen würden, um noch entschlossener die Wiederaufbau- Politik zu vertreten, die die Regierung jetzt angenommen habe. vor öem Konferenzbeginn. Cannes, S. Januar.(WTB. aus dem„Petit Parisien'.) Man erwartet, dag der Oberste Rat verhältnismäßig wenig Sitzungen abhalten wird und daß diesen Sitzungen jedesmal ausführliche Be» fvrechungen mit den Sachverständigen vorausgehen werden. Der heutige Tag werde ausschließlich Besprechungen mit den alliier» ten Sachverständigen über die Frage der belgischen Priori» tat gewidmet sein. Die Konferenz werde Freitag mit einer Reihe von Erörterungen allgemeinen Charakters beginnen. Die nächste Sitzung werde wahrscheinlich nicht vor Montag stattfinden. CCanaes, 5. Jan.(WTB. aus der.Times'.) Die augenblicklich«> Ansicht der britischen Delegation ist, daß Deutschland gestattet werden müsse, für 1922 mit einer Gesamtzahlung von 500 Mil» lionen Goldmark wegzukommen, die zwischen Januar und April verteilt werden sollen. Dafür sollen Bürgschaften ge-! schassen werden, um dos.Reinemachen' der deutschen Finanzen zu, sichern. Desgleichen sollen größere Zahlungen in Waren geleistet\ werden Bestritten wird, daß Großbritannien daran denkt, auf irgendwelche unmittelbare Zahlung zu verzichten, obgleich es bestrebt sei, seinen Alliierten soweit wie möglich entgegenzukommen. chier bestehe leider die Möglichkeit von Meinungsverschiedenheiten. Brand hat erklärt, daß Frankreich bis zum Aeußersten der Zuge- ftändnisse gegangen sei, und es sei schwer, zu sehen, wie der bri- tische Standpunkt mit der Erfüllung der Forderungen Frankreichs in Einklang zu bringen wäre. Die Frage der Priorität Belgiens mache diese Schwierigkeiten noch größer. Die italienisch« Oeffentlich» keit neige mehr und mehr zugunsten einer engen Annäherung an Großbritannien. Diese Tatsache werde nicht ohne Einfluß auf die Regelung des Reparationsproblems fein und vielleicht auch auf die Regelung der Frage des Ostens bleiben. Paris, 5. Januar,(fjavas.) Gestern abend zeigte man in den französischen und englischen Kreisen der Konferenz bezüglich der sehr herzlichen Unterhaltung, die Briand und Loucheur am Nach- mittag mit Lloyd George und Sir Robert chorne hatten, die gleiche Zurückhaltung. Es scheint nicht, als hätten sich die An- sichten, die die beiden Premierminister in London ausgetauscht haben, merklich geändert, d. h. die englische Regierung soll immer noch von dem Wunsch« beseelt sein, in erster Linie das Programm des wirtschaftlichen Wiederaufbaues Europas in Angriff zu nehmen, das ihrer Meinung nach die ganze Reparativnsfrage in einschneidender Weise beeinflußt. Auf französischer Seite erkennt man gern an. daß der englische Grundsatz in gewissem Maße begründet ist. Die wirtschaftliche Krise, unter der die ganze Welt leidet, hat auch ihre Rückwirkung auf Frankreich gezeigt, wo, um nur ein einziges Beispiel anzuführen, die Ausfuhr von Metall und metallurgischen Erzeugnissen beträchllich geringer geworden ist. Aber— so meint man auf französischer Seite— dieses Wert des Wiederaufbaues kann nur s ch r i t t w c i f e vor sich gehen und braucht lange Fristen, bevor es die Ergebnisse zeitigen wird, die man von ihm erwartet. Frankreich ist entschlossen, im Einvernehmen mit seinen Verbündeten daran mitzuarbeiten. Indessen ist die franzö- sische öffentliche Meinung der Ansicht, daß die Frage der Reparativ» neu, die Deutschland schuldet, unabhängig bleiben müsse von den Beschlüssen allgemeiner Art, die in dieser Hinsicht gefaßt werden könnten. Frankreich hat ein G u t h a b e n bei Deutschland, dessen Höhe und dessen Zahlungsmodalitäten zwischen den Alliierten festgelegt und von Deutschland angenommen worden sind. Bon seiner Regelung hängt in weitem Umfange das budgetäre Gleichgewicht Frankreichs ab. Es erscheint daher un- möglich, daß man von Frankreich die Zustimmung zum Verzicht auf das, was ihm zukommen muh, verlangt. London, 4. Januar.(WTB.)„Manchester Guardian' berichtet, daß K e y n e s ein neues Buch geschrieben hat, das den Titel führt: „Eine Revision der Verträge'. Das Buch behandelt u. a. das Reparationsproblem in seiner augenblicklichen Gestalt. Frankreichs Vereinsamung. London, 5. Januar.(WTB. aus der„Westminster Gazette'.) In Cannes wird es zu einem schweren Anprall kommen. Ein« ver- hängnisvolle Macht scheint Fra»kreich auf dem von ihm ein» geschlagenen Wege vorwärts zu treiben. Frankreich hat Tarifkrieg mit Spanien, die belgische Unzufriedenheit gegenüber Frank- reich ist sehr ausgesprochen, die Frankreich feindliche Stimmung in Italien ist bekannt, Rußland sieht Frankreich als das reaktio- närste Land Europas an, der Haß der Deutschen konzentriert sich auf Frankreich, selbst Polen ist widerspenstig, die kleine Entente hat mehr als einmal revoltiert,, die englische Politik ist der französischen entschieden entgegengesetzt und in den Dereinigten Staaten empfindet man augenblicklich kaum Sympathien für Frankreich. Frankreich befindet sich jetzt drei Jahre nach dem Krieg, bei dem es überall Freunde hatte, außer in den feindlichen Ländern, in einer erstaunlichen Lage, die nicht fortdauern kann. Die früheren Erfahrungen mahnen, nicht allzu sehr auf die Festigkeit derjenigen zu bauen, die besserer Einsicht sind! Cannes, 5. Januar.(WID.) Briand sagte in einer Unter» redung, alle Schwierigkeiten zwischen England und Frankreich wür- den verschwinden, wenn ein Bündnis zwischen beiden Ländern zustande käme. Wiens schwarze Tage. D l e n. 5. Januar.(Eigener Drahkberichk.) Nach dem gestrigen Kurs kostet eine tschechische Krone jetzt 109 deutschösterreichische Kronen. Da Kohle. Zucker, Brotkorn. Kartoffeln, Papier zum weit- aus größten Teil aus der Tschechoslowakei bezogen werden müssen, bedenket dieser noch nicht dagewesene Kur» eine Katastrophe. Die „Arbeiter-Ieikung" fordert, daß die längst vorgeschlagenen radikalen Finanzmaßnahmen ungesäumt ergriffen werden. Kristiania, 5. Januar.(WTB.) Die Regierung hat die Absicht, dem Storthing vorzuschlagen, daß der norwegische Staat ebenso wie England, Frankreich und andere Länder wegen der Wiederaufrichtung der österreichischen Finanzen seine Forderung an Oesterreich über 1H Millionen norwegische Kronen für Heringslieferungen 2 0 I a h r e lang ruhen läßt. * Auf die Abstimmungsgaunerei von Oedenburg ist jetzt feierlich das Entsntcsiegel gedrückt. Der Bürgermeister droht schon den österreichfreundlichen Deutschen, die Horthy-Truppen bereiten ein Siegesfest vor, einstweilen beschießen sie Deutschösterreichs Grenz- ' Posten und das geheimnisvolle Verschwinden begüterter Leute hat schon begonnen. Horthy und Hejjas brauchen Geld. Wenn man eine Gesandtschaft in Washington errichtet.... Und nun fordert Unzarn von Deutschösterreich noch 37 Milliarden ungarische Kronen für das Burgenland einschließlich— Oedenburg! Wie Horthp amnestiert. Budapest, 5. Januar.(Intel.)„Nepszava'(Soz.) schreibt, daß in den ersten Tagen nach Verkündigung der Amnestie mitgeteilt wurde, ein« Anzahl Verurteilter sei freigelassen worden. Seitdem hat man nicht einmal gehört, daß auch nur die bis zu fünf Iahren Verurteilten enthaktet worden sind. Allerdings wurden sämtlich« t a r l i st i s ch e n Führer, die an dem Königsputsch beteiligt waren, in Freiheit gesetzt. Attila Rumbolt, der wegen Ermordung eines Polizisten zum Tode verurteilt und dann begnadigt wurde, ist enthaftet. Er ist Mitglied des Detachement» Hejjas. Entlassen wurde ferner Ladislaus I l l y. der wegen Totschlag und Plünde- rungen zu 15 Jahren Kerker verurteilt war(Mitglied des Detache» ments Pronay), ferner Ladislaus Tonsuckay, wegen Raubes und Plünderung zu 15 Iahren Kerker verurteilt(Hejjas-Mitglied).— Von den 1600 politischen Gefangenen im Internierungslager Z a l a- Eggerszeg ist noch kein einziger freigelassen worden: am Diens- tag berichtete in der Nationalversammlung ein Abgeordneter, daß dort auch 65 Kinder, die das sechste Lebensjahr kaum überschritten haben, interniert sind. Daß die Regierung das Internierungslager beizubehalten gedenkt, zeigt, daß sie in diesen Tagen dort ein« feste Kirche aus Mauern erbauen ließ. Ferner wurde in der National- Versammlung berichtet, daß sich täglich 20 OVO Personen bei der Polizei melden müssen.(Natürlich nur aus väterlicher Fürsorge, um festzustellen, daß sie noch leben!) Der Fall poincare. Don I. Steiner-Iulllen. Man wird sich über die Geheimdokumente, mit deren Veröffentlichung die Sowjetregierung Herrn Ren«; Marchand beauftragt hat, ein Urteil bilden können, wenn sie in ihrer Gesamtheit vorliegen werden. Aber auch zu i der Kostprobe, die das„Berliner Tageblatt' veröffentlicht hat. l ist schon heute einiges zu sagen. Es soll hier nicht gegen Poincar6 persönlich polemisiert werden. Poin«ar6 untersteht ; zunächst dem Richterspruch der öffentlichen Meinung Frank- - reichs— wie wir mit unseren Poincarös abzurechnen haben. � Es soll hier nur unterstrichen werden, was aus jenen Ver- , öffentlichungen bereits hervorgeht: daß Poincarö und die - vor 1914 in Paris herrschenden politischen Kreise durch» �aus nicht einer Meinung waren und daß zwischen � dem französischen Volke und Poincar6 ein tiefer Tren» nungs strich zu ziehen ist. In dem hier bereits zitierten Brief vom 5. Dezember 1912 schreibt Jswolsky:„Bei der Beurteilung der durch die augenblickliche Krisis für das Kabinett PoincarH geschaffenen Lage ist es notwendig, im Auge zu behalten, daß in den Reihen der Partei, auf die sich dieses Kabinett stützt, eine äußerst einflußreiche Gruppe be- steht, die den Frieden„um jeden Preis" ver» langt. Dieser von Herrn C o m b e s(damals Präsident der ! regierenden radikalen Partei) geleiteten Gruppe stehen zahlreiche Presseorgane zur Verfügung, die Herrn PoincarS in seinen verschiedenen Initiativen streng kritisieren." Und etwas weiter unten gibt Jswolsky eine Aeußerung Poincards wieder, daß„die öffentliche Mei» nung in Frankreich tief friedliebend" sei, dem man Rechnung tragen müsse. Mein« Aufzeichnungen aus dem ersten von mir in Frankreich in der Freiheit verlebten Kriegsjahr durchblät- ternd, finde ich unter dem 2. August 1914 folgende Vemer» kungen: „Die Würfel sind gefallen: Deutschland hat an Rußland den Krieg erklärt. Der allgemeine Eindruck geht dahin, daß der eurv- päische Krieg unvermeidlich geworden ist. Doch hat man nicht alle Hoffnung aufgegeben, daß ein deutsch-fran» z ö s i s ch e r Krieg noch vermieden werden kann... Einig« nationalistssche Blätter hetzen zum Krieg. Rußland sei angegriffen, also müsse Frankreich ihm zu Hilfe kommen. Dies« Argument!«- rung findet keinen Resonanzboden... Nirgends ist ein„emdsllement" zu spüren, jene vernunftslose Begeisterung, die die Franzosen in tragischen Augenblicken so leicht überwältigt... Der Belagerungszustand ist über ganz Frankreich verhängt. Das Parlament ist auf Montag nachmittag drei Uhr einberufen. Ich begegne einem französischen Kollegen, einem bürgerlichen Ra- dikalen und Mitglied des Exekutivkomitees der radikalen Partei. Zu meiner Ueberraschung erklärt er mir, daß die Situation d u r ch a u s n i ch t s v s ch l e ch t sei. Die Kämpfe an der Grenze, (die von den Blättern gemeldet wurden), könnten auf Irrtümer zurückzuführen sein. Ernster sei allerdings das Eindringen in Luxemburg. Aber da Herr von Schön noch in Paris sei, könne die Sache noch beigelegt werden. „Aber die Kammer und der Senat sind einberufen.' „Das Parlament wird nie einen Krieg erklären." „Glauben Sie?" „Ganz sicher. Di« Radikalen wollen keinen Krieg.' „Aber wenn ihn die Regierung beantragt?' „Das wird die Regierung n i« tun. Poincarö vielleicht. Aber Diviani will nicht." Soweit meine Aufzeichnungen, von denen ich hier nur das Wesentliche wiedergebe. Run vergleiche man damit die von Jswolsky wiedergegebene Aeußerung Poincar6s aus dem Jahre 1912, daß der B ü n d n i s f a l l mit Deutschland» militärischer Intervention eintrete. Vielleicht wird man sagen, mein Gewährsmann wäre unzuverlässig oder ein blinder Optimist gewesen. Darauf könnte ich erwidern, daß es sich um einen vielgereisten Spezia- listen der Auslandspolitik handelt, der einige viel beachtete Bücher geschrieben hat. Aber noch eine andere Aufzeichnung sei hier wiedergegeben. Sie datiert gleichfalls vom 2. August 1914: „Die Regierung hat einen Aufruf an das französische Volk erlassen, in dem es heißt:„Die Mobilisierung(die angeordnet war) ist n i ch t d e r K r i e g. In den gegenwärtigen Umständen er- scheint sie im Gegenteil als das beste Mittel, den Weltfrieden zu sichern. Gestärkt von dem glühenden Wunsche, zu einer friedlichen Lösung der Krise zu kommen, wird die � Regierung unter dem Schutze dieser notwendigen Borsichtsmaß- Kregel ihre diplomatischen Bemühungen fortsetzen ! und sie hofft noch, zu reüssieren.' Man mag. wenn man ganz mißtrauisch ist, einwenden. daß dieser Aufruf nur der Ausfluß der tiefsten Heuche» l e i war, daß im Gegenteil der Krieg bereits eine b«» ichloffene Sache war und erklärt worden wäre, auch wenn Deutschland nicht den Krieg an Belgien und Frank- reich erklärt hätte. Ich lasse es dahingestellt, ob dieses lllti- • matum berechtigt ist. Die bevorstehenden Veröffentlichungen aus dem russischen Geheimarchiv werden darüber Licht schaffen. Unbestreitbar ist jedoch eines: Hätte damals im französischen Parlament, hätte im französischen Volke unbe- dingte Kriegsstimmung geherrscht, hätte man allgemein an- genommen, daß mit einem deutsch-russischen Kriege ohne wei- teres für Frankreich der Bündnisfall eintrete, dann hätte die französische Regierung nicht nötig gehabt, am 2. August, nach der Kriegserklärung Deutschlands an Rußland, in einem Aufruf an das französische Volk zu erklären, daß'sie sich be- mühe,„zu einer friedlichen Lösung der Krise zu kommen" und„noch hofft zu reüssieren". Wenn Viviani zum Krieg entschlossen war, dann müßte man eine derartige Prokla- mation als Flaumacherei oder noch etwas Schlimmeres be- zeichnen. Aber mein oben zitierter Gewährsmann wußte ganz genau Bescheid und unterschied sehr wohl zwischen Viviani und Poincare. Für Poincar6 stand es schon 1912 fest, daß jede militärische Intervention Deutschlands in einem öfter- reichisch-russischen Konflikt für Frankreich einen casus koeäeris bilde. Für das französische Parlament und für die Oeffentlichkeit stand dies keinesfalls fest. Die damalige deutsche Regierung sorgte dafür, daß PoincarM Personen bei. Das Begräbnis wurde zu einer gewaltigen Demonstration des rusiischen Volkes für den toten Dichter. Auch die Vertreter der russischen und ukrainischen Sowjetregierungen nahmen an der Begräbnisfeier teil. Das Allrussische Zentralexekuiivkomitee hat der Familie Korolenkos im Namen der Werktätigen Rußlands sein Beileid ausgedrückt und gleichzeitig versprochen, daß die Sowjetregierung alles tun werde, um die Schriften des großen Schriftstellers und Fürsprechers der Be- drückten weiter zu verbreiten. Farbig« Häuser. Zum farbigen Putz oder Anstrich greift man, nachdem einige schwäbische Landstädte damit vorangegangen waren, jetzt auch in Stuttgart selbst und erzielt damit, wie der„Bau- weit" berichtet wird, gerade in der inneren Geschäftswelt und den alten Wohnvierteln glückliche Wirkungen. Zunächst wurden viele alte Bürgerhäuser farbig erneuert, wobei durch die abgetönte andersfarbige Bemalung des Gebälkes, der Schnitzereien und des Steinbildhauerwerks ein« überraschend freundliche und behagliche Stimmung erzielt wird. Geradezu verblüffend ist die Wirkung bei einem prächtigen, großen Renaissancebau am Markt, der ganz in Russischgrün gehalten ist, während das Nahmensteinwerk gelb- braun ist Di» eine Schmalfront de» Haufe» ist zudem, ebenfalls deutlich ausgesprochene Willenserklärung unserer Partei wäre de? er sie positive Schritt zur Einigung des Proletariats. Er würde, ohne eine Verleugnung des bisher eingenommenen Klasscnkampfftandpunktcs zu bedeuten, in der Richtung des Zieles liegen, das eine völlige Wiedergeburt und eine vielleicht beispiellose Kraftentfaltung der deutschen Arbeiterklasse bedeuten. Nachdem die Frage der Einigung in solcher Weise auf- gerollt worden ist, kann es nicht ausbleiben, daß sich der Parteitag der Unabhängigen, der am 8. Januar in Leipzig beginnt, gründlich mit ihr beschäftigt. Im übrigen sind beut- lich ausgesprochene Willenserklärungen in dem Sinne, wie sie Meier verlangt, von der Sozialdemokratischen Partei wiederholt, zuletzt wieder in Göriitz, abgegeben worden. Die»unpolitische" Justiz. Aus Menburg� wird uns geschrieben: Ein aufsehenerregender Vorfall hat sich hier jüngst in öffentlicher Gerichtsverhandlung abgespielt. Zur Verhandlung stand ein Prozeß des bürgerlichen Redakteurs W i n k l e r von der„Altcnburger Zeitung" gegen den Genossen Müller als verantwortlichen Re- dakteur der �.Ostthüringer Lvlkszeitung". Müller war in erster In- stanz freigesprochen worden, der Kläger hatte hiergegen Berufung eingelegt und die Sache kam vor dem Landgericht erneut zur Ver- Handlung. In dieser suchte der Kläger nachzuweisen, daß um er angeklagter Genosse der Verfasser des inkriminierten Artikels fei. Dabei gebrauchte der klägerische Rechtsanwalt den Ausdruck:„Schon in der Tatsache, daß Müller dem Schrcibfräulein den Artikel in die Maschin« diltiert hat. ist das Moment der Beleidigung zu erblicken. Bei diesen Worten wollte nun der Anwalt ein ungläubiges Läck/ln auf den Mienen eines der beisitzenden Richter bemerkt haben. Er unterbrach feine Red« und bemertte, daß er infolge des Verkomm- nifses seelisch zu erregt sei, um weltersprcchen zu können. Der an» gegriffen« Richter, Landgerichtsrat Dr. Senf, bestritt das Lächeln und erklärte, daß er noch Herr seiner Mienen sei. Run aber erhob sich der Vorsitzende, Landgerichterats Dr. Schmidt mit der Er- klärung, daß er die Ausfasfung des Rechtsanwalts teil« und rügte in Lffentlicher Sitzung das aijgeb- liche Lächeln des Beisitzers.» Es dürfte wohl in Teutschland da? erstemal gewesen sein, daß ein Vorsitzender Richter in öffentlicher Sitzung seinen gleichberechtig en Kollegen in dieser Weise behandlet. Die Sache wird aber vielleicht erklärlich, wenn man erfährt, daß der gerügt« Richter stark links gerichtet ist, während das gesamte Altenburger Richterkolleaium mit höchstens ein oder zwei Auccahmen stramm deutsch- national ist— der Staatsanwalt Flöh hat sogar bei der letzten Landlaoswahl als deutschnationaler Spitzenkandidat fungiert. Schon seit geraumer Zeit geht in den reaktionären Altenburger Juristen- kreisen die Hetze gegen den linksgerichelen Landgcricht-rat Dr. Senf. und jetzt soll das Vorkommnis benutzt werden, um ihn unmöglich zu machen. Die großenteils ebenso reaktionären Altenburger An- wälte haben beschlossen, daß sie in Zukunft diesen Richter ablehnen wollen! Bei dem Kesseltreiben gegen«inen unbequemen Demokraten ist jedes Mittel recht. Hell aber zeigt sich der„unpolitische Charakter 'der heutigen Rechtspflege. Sachliche Kritik. Wenn die Sozialdemokratie an der Justiz Kritik übt. so wird Ihr sicher von den Vertretern der Juristenwelt unsachliche Kampfesweise vorgeworfen. Nun lernen wir endlich von diesen, wie eine sachliche Kritik beschaffen sein muß. Vor kurzem hat Genosse Erich Kuttner ein Buch herausgegeben:„Warum versagt die Justiz?" Daß dieses Buch von den meist reaktionären Fachjuristen abgelehnt werden würde, war vorauszusehen. Nicht freilich war vorauszusehen, wie leicht sich diese Herren die Kritik machen würden. Da weudej sich z. B. bt der„Kölnischen Dolkszeltung"„der preußische Richtervcrein" mit einer offiziellen Erklärung— gegen das Buch Kuttners etwa? O nein, ihm genügt eine Besprechung des Buches in der„Rheinischen Zeitung" als Grundlage des Protestes. Das Buch selber sich anzusehen, haben die objektiven Herren von der Justiz sich nicht die Mühe genonpnen. Noch leichter macht es sich ober der Geheime Justizrat Dr. Friedrich H o l tz e in Heft 1, 2 der„Deutschen Juristcnzeitung". mit dem diese ihren 27. Jahrgang beginnt. Er hat die Kuttnersche Schrift nach einer altdeutschen Sitte, in der Art der Bemalüng der Stutt- garter Markthalle, mit großen ellegorischen Figuren, die aus das im Hause betriebene Geschäft Bezug nehmen, geschmückt. Nicht weit davon ist ein bis dahin unansehnliches Gebäude durch ge- schickte Erneuerung zu einem Schmuckstück der Straße geworden. An einer anderen Stelle Stuttgarts steht einer jener unglücklichen vierstöckigen Hauskästen mit riesiger Front, nüchtern zum Davon- lausen. Jetzt ist die gewaltige Masse mit einem satten Rot gestrichen, die Fenster und Simse leicht grün abgetönt, und das ganze Haus lacht, hellt die Gesichter der Vorübergehenden auf. läßt vor jedem Laden verweilen. Von besonders feiner Wirkung wird die Außen- front des neuen Mcßhctcls. Bis etwas über die Hälfte des Hauses ist es tiefgrün abgeputzt mit abschließendem breiten, gezackten Stuckrand. Der obere Teil ist silbergrau geputzt. Auf dem Grün stehen in großen goldenen Buchstaben die Firmennamen. Sainl-Saäns, der Zigeuner. Die Tatsache, daß der berühmte Komponist Saint-Saens ganz einsam und verlassen gestorben ist, könnte Verwunderung erregen, wenn man nicht wüßte, daß er stets darauf gehalten hatte, seiner inneren Unruhe folgend, ein V-'ga- bundeudasein zu führen. Er h'.est sich auf, wo ihn gerade sein Wunsch hinlockte. bald an de? Riviera, bald in Algier, bald in Kairo, überall das strengste Inkognito wahrend und jede Gesellschaft fliehend. Besonders gern weilte er in kleinen, am Halen gelegenen Kneipen, wo er mitten unter dem Volke Platz nahm, sich an den Gesprächen beteiligte und gcle''cNtllch wohl auch auf dem klavprigen Pwno des Lokals Proben seiner meisterlichen Kunst zum Besten gab. llluch' als er das 80. Lebensjahr überschritten hatte, war seine Abneiaunz gegen das seßhafte Leben, den häuslichen Herd und die bürgerlichen Gewohnheiten so stark, wie in den Tagen seiner Jugend. Seit langem schon hatte er alle Möbel, Bilder und künstlerischen Erinne- r.rngsn, die seine Barlser Wohnung füllten, der Stadt Diepnc ge- schenkt, die diese Schöbe in einem düsteren Mussum aufspeicherte während der von allem Ballast befreite Musiker jetzt ganz hemmunzs- los seinen Zigeuncrneizungen frönen konnte. Mulrnwskiibrnngcn durch Tirektorllitbeomte. Am?onntag. 9st, Mr. Rundgang durch daZ K a i s e r- lr r i e d r i ch« M u> e u m mit Ileberblick über die Geschichte der Sammlungen und im Museum für Völkerkunde stübruug durch die Ozeanische Abteilung. Zulahkarten st M) om Eingang der Museen. Tr. Sldolk Bebne beginnt am 12.. abend? 8 Mr, eine Llchtbilder- Vortragsrcibe über„Di- neue Kunst al? Ausdruck unserer Zeil- in der Dorotbcenstrahc 50/.M und am 14. vormitlaqS 11 Mr, eine Reihe von srüluimgen durch Naiional-Galerie und Krön- prinzen-PalaiS. Sklischäkunq des deu schen KoblcnbcststeS. Tie llelter der vier dculschen.Köhlcnsorschimgs.ZnstiIiUe biibe» sich jetjt aus dem Voden des Sachverständigen-AuSichusses für Brcnnstofsverwrndunq beim ReichSkohienrat zu>ammengclunden, um eine Ueberficht über den Weriiloffinhalt der deutschen. solfilen Vrennstoksc zu lchaffen. Gin tschechisches Theater lollin Dien innerbakv etn-s Jahre» er- öffnet weiden. Recht so- kenn Wien bat eine groglschechilche Bevölkerung. Aber wie stebtS mit der Dulduna deutscher Theater in Tlcheckicn? Zn Viag und Viünn hat man den Deutschen von allcishe: innegehabten Theater genommen. zwar auch nicht gelesen, aber er hat sie im Schaufenster einer Buchhandlung gesehen Der Erwerb war dem cherrn Geheimen Justizrot zu teuer und so hat er sich mit der Betrachtung des Titels begnügt. Und diese Betrachtung des Titelbildes genügt dem cherrn, um 3 4 Zeilen über das von ihm nicht gelesene Buch zu schreiben. Kann man mehr von einer objektiven Kritik verlangen?! Ein richterlicher Rettungsversuch. Der„Görlitzer Dolkszeitung" ist folgendes interessante Schrift- stück bekannt geworden: Schwarzenberg, den 33. Dezember 1SZ1. An das Amtsgericht zu Görlitz. In hiesigen sozialistischen Kreisen hat das Mißtrauen gegen die Unparteilichkeit der Richter neue Nahrung dadurch erhalten, daß vom Amtsgericht Görlitz verschiedene Angehörige bürgerlicher Kreise nur mit 100 bzw. 200 M. Geldstrafe verurteilt worden sind, weil sie gelegentlich des Görlitzer Parteitages der SPD. die vor dem Tagungsgebäude wehende rote Fahne zerrissen haben, während zwei Angehörige der SPD., die am Beisetzungstoge der ehemaligen deutschen Kaiserin die von der Deutschen Volkspartei in Düren gehißte schwarzweißrote Fahne heruntergerissen haben, vom Amtsgericht Düren mit je Z Monaten Gefängnis bestraft worden sind. Der Unterzeichnete, der zugleich Stadtverordneter ist, ist ge- beten worden, den Fall im Interesse des Ansehens des deutsche» Richterstandcs aufzuklaren und eventuell eine Berichtigung in der „Erzgcb. Lolksstimme", dem hiesigen Organ der SPD., zu veran- lassen, weil dort mit Rücksicht auf die erwähnten beiden Urteile die Unparteilichkeit der deutschen Richter in Frage gestellt worden ist. Es wird deshalb um möglichst umgehende Ueberlassung der Akten auf kurze Zeit oder, falls dies nicht möglich sein sollte, um alsbaldige Mitteilung einer Urteilsabschrift gebeten. Etwaige Kosten bittet man nachzunehmen. Amtsgericht Schwarzenberg. I.D.: gez. Amtsgerichtsrat Dr.(Menz oder May). Dieser Richter hält eine Untersuchung für notwendig, ist also von der Unparteilichkeit nicht mehr so sehr überzeugt. Man muß abwarten, ob das Amtsgericht in Görlitz der Bitte nachkommen und wie die Antwort ausfallen wird. An der Tatsache ist sa nicht zu deuteln._ Dollar 200 Mark. Die Aufwärtsbewegung am Devisenmarkte hält trotz de? noch immer ungewissen Ausganges der Konferenz von Cannes vorläufig an. Heute setzte der Dollar mit etwa 197 ein und stieg zeitweise bis 202. Im weiteren Verlauf bewegte sich der Kurs um 200. An der Effektenbörse machte sich eine gewisse Realisationsneigung des Publikums gellend und stieß die Papiere zu einigermaßen günstigem Kurse ab, die man während der Krise im Monat Dezember durchgehalten hat. Das neue Reichsbahnyefetz. Der Organisationsausschuß im Reichsverkehrsministe- dum hat sich mit dem Entwurf des Eisenbahnfinanzgesetzes weiter beschäftigt. Ein von der Mehrheit der Gewerkschaftsver- treter gestellter Antrag, hierüber als Sachverständige die Herren Geheimrat Dr. O u a a tz, Minister a. D. Oeser. Ingenieur Dahl und Stadtbaurat Horten zu hören, wurde mit v gegen 7 Stimmen abgelehnt, weil sämtliche vonderBerwaltung benannte Mitglieder des Ausschusses dagegen stimmten. Da- gegen wurde ein Antrag des Ministerialrats Dr. Carter onge- nommcn, für die Besprechung des Gesetzentwurfes Berichterstatter zu benennen, deren Berichte beschleunigt entgegenzunehmen und dann sich über die Frage der etoaigen Zuziehung von Sachver- ständigen schlüssig zu werden, wenn sich übersehen lasse, welche Fragen den Sachverständigen vorzulegen seien. Zu Berichterstattern über die staatsrechtliche Seite des Gesetzentwurfs wurden Ministerialrat Dr. Sarter und Roth(Gewcrkschaftsbund deutscher Eisenbahner), über die wirtschaftliche Seite Ministerialrat Dr. Teck- lcnburg und Scheffel(Deutscher Eisenbahncrverband) bestimmt. Die auf dem Wege einer Indiskretion bewirkte vorzeitige Der- öffentlichung des Entwurfs in der„Vossischen Zeitung" und anderen Blättern wird innerhalb des Ministeriums Veranlassung zu einer anderen Behandlung gewisser Pressefragen geben. Am Sonnabend sollen die vier Referate erstattet werden. Am 10. Januar will der Rcichsverkehrsmlnister Groener einem auserlesenen Sachverständignkreise Gelegenheit zur Stellung- nähme zum Eisenbahnfinanzgesetz geben. Geladen sind zu diesem Zweck Geh. Kommerzienrat Arnbold, Staatssekretär a. D. o. Breitcnbach, Unterstaatssekrctär D. Franke. Staatsminister a. D. Hoff, Ministerialdirektor a. D. Dr. Kirchhofs, Fabrik- direktor Krämer, Direktor des Statistischen Amts in Schöneberg Dr. K« c z y n sck i, Reinhold Melchior. Staatsminister a. D. O e s e r. Kommerzienrat Dr. Raven-, technisch- wissenschaftlicher Sachoer- ständiger Dr. Schiff, Staatsminister a. D. v. Scidlein, Staatsminister a. D. v. Seydewitz, M. d. R. v. Siemens. Ministerpräsident a. D. Stegerwald, Unterstaatssckretär a. D. Stieger und Bankdirektor Urbiz._ tveltreick�mer�en. Dublin, 4. Januar.(WTB.) Im Sinnfeiner-Parlament haben bisher 27 Delegierte für und 25 gegen die Ratifizierung des Friedens mit England gesprochen. Man glaubt, daß die Ratifikation mit einer Mehrheit von zehn Stikbmen beschlossen werden wird. De Valera hat heute eine Proklamation veröffentlicht, in der er dos irische Volk auffordert, durchzuhalten und erklärt, die Lage könne noch im letzten Augenblick gerettet werden. " Kairo. 4. Januar.(WTB.) Die ägyptischen Advokaten stellen nächsten Freitag ihren Streik ein. legen aber für zwei Monate Trauerkleidung an und boykottieren Englands Handel, Industrie und Banken._ Die Hilfsaktion für Rußlanü. Dem Sowjettcmmissariat für Verkehrswesen kündete die American Relief Administration die bevorstehende Ankunft einer großen Sendung Lebensmittel für das Wolgagebiet an. Ende Dezember haben fünf Dampfer mit 40 000 Tonnen Getreide, unter denen sich auch 1 Million Pud Saatgetreide befindet, New Fork verlassen. Ihre Ankunft wird Anfang Februar erwartet. Das Volkskommissariat für Verkehrswesen hat die Verpflichtung über- nommen, den Abtransport dieser Lebensmittelsendungen auf schnellstem Wege durchzuführen. Viktor Tschervff in Prag. Laut„Rußpreß" hält sich gegenwärtig der Führer der russischen Sozialisten-Revolutionäre Viktor T s ch e r n o f s in Prag auf, um an der Parteikonferenz tcllzunchmem, zu der auch Ruflonoff, Suchom- lin, Sonsinosf, Prof. Pestnikoff erschienen sind. Es wird die Frage der Anerkennung der Sowjctregierung durch die Ententemächte und des wirtschaftlichen Wiederaufbau» Rußland» besprochen. Awolosf-vcrmondk ausgewiesen. Gegenüber Ausführungen de» „Berl Taqcbl.", daß Awaloff-Bermondt in Berlin eine neue Zeitung herauszugeben beabfichtme, hören die VPN., daß Awaloff-Bermondt mit Frist bis zum 17. Januar au» Preußen a u» g e w i e s» n ist. Schneelust. Bis auf 10 Grad über Null war das Quecksilber in den letzten Tagen emporgeklettert und die armen Leute atmeten auf, denn sie Meinten, nun müsse es bald Frühling werden. Aber das Wetter hat seinen eigenen Kopf— daher ja der Name wetterwendisch— und überraschte uns heute früh mit einem stillen aber eindring- lichen Frost. Dazu gab es ein feines Gericfel glitzernder Schnee- tristalle, die bei der Jugend und den Schneefportlern allerlei kühne Gedanken wach werden ließen. Es blieb aber zunächst bei dem ersten schüchternen weißen Gruß aus der Höhe. Dennoch aber liegt etwas in der Luft, wie man fo sagt. Und es liegt auch wirklich etwas In der Luft, nämlich Schnee. Vielleicht werden uns schon die nächsten Tage größeren Schneefall bescheren. Das Barometer, das in den letzten Tagen einen seltenen Tief- stand erreicht hatte, zeigte bereits den Witterungsumschwung an, dessen Ursprung darin zu suchen ist, daß wir uns jetzt auf der Rück- feite eines tiefen Sturmwirbels angelangt sind, der sich nach Ruß- land gezogen hat. Im Westen hat der Luftdruck stark zugenommen und von der Zufuhr der milden atlantischen Strömung abgehallen. Die nordweslliche Strömung, in der wir uns jetzt befinden, stammt von der Grenze der Polar-Region und ist daher kalt. Wir werden uns also auf eine neue Kälteperiode einrichten müssen. Zwei Mark auf öer berliner Stadtbahn. Bekanntlich sollen am 1. Februar auch die Tarife der Stadt- und Ringbahn erhöht werden. Die Preise sind jetzt so festgesetzt worden, daß die Sonderstellung der Bahn unter den Berliner Verkehrs- Unternehmungen mit bezug auf Billigkeit endgültig fallen gelassen wird. Ohne Rücksicht auf die zurückgelegten Strecken wird der Fahr- preis in der dritlen Klasse 2 Illark betragen, in de? zweiten klaffe Z Mark. Der Preis für Monatskarten im Stadt- und Ringbahn- verkehr ist für die zweite klaffe auf 7S Mark, für die dritte Klaffe auf 50 Mark festgesetzt worden: Schülerkarten kosten ZS bzw. 25 Mark. Für den Vorortverkehr sind die neuen Tariferhöhungen noch nicht endgültig festgesetzt. Die Berliner Vevkchrsunternehmungen werden also ab 1. Fe- bruar gemeinsam auf dem 2-Mark-Grundtarss basieren. fius Sem dunkelsten öerlin. Die Mörder des Alkhändlers Ziegler verhasket. Auch das letzte Kapitalverbrechen, der Raubmord an dem Alt- Händler Ziegler in seinem Geschäftskeller in der M u l a ck st r a ß e, hat bereits seine Aufklärung gefunden. Die Tat leuchtete in das dunkelste Berlin hinein, denn es stand von vornherein fest, daß als Täter nur jene Personen in Frage kommen konnten, die zur„Kund- schaft" des alten Ziegler gehörten. Die Täter sind vier trotz ihrer Jugend gefährliche Verbrecher: der 24 Jahre alte Koch Ernst Kurth, der zunächst nur mit feinem Spitznamen„Hans" bekannt war, ein 25 Jahre alter Wilhelm Erbst, ein 21 Jahre aller Franz Karczynslii und ein 20 Jahre alter Otto K a m i n s k y aus Oberschöneweide. Schon am 8. Dezember hatte Ernst Kurth mit Otto Kaminsky den alten Ziegler schlyer bestohlen. Die beiden erbeuteten damals u. a. einen Pappkarton, der 75 Dollar und 9000 Mark ent- hielt. Nachdem sie sich in Berlin neu eingekleidet hatten, fuhren sie nach Hamburg und brachten dort zunächst das deutsche Geld durch. Dann setzten sie die 75 Dollar um. Auch mit dem Erlös dafür waren sie bald fertig. Jetzt lehrten sie kurz vor Weihnachten nach Berlin zurück. Weil sie wieder mutellps waren, fo sannen sie aus einen neuen Plan, um sich wieder Geld zw verschaffen. Alle vier begaben sich in der Nacht zum 24. Dezember nicht weniger als vier- mal nach dem Zieglerfchen Keller, ohne ihr verbrecherisches Ziel zu erreichen. Schließlich gelang es ihnen doch, den alten Ziegler zu überfallen. Sie fesselten den wehrlosen Händler und stießen ihm einen Knebel tief in den Hals. Die Mörder durchsuchten dann die Räume und fanden dabei auch zwei Brief- taschen, die 2500 M, enthielten. Außer dem Gelde nahmen sie einen Sack mit Wäsche, und Kleidungsstücken, ein« gefüllte Reisetasche und einen Karton mit sieben Uhren mit. Alle vier hatten ihren Bcuteanteil in ganz kurzer Zeit wieder durchgebracht und gingen deshalb bald wieder auf neue Züge aus. Unterdessen kamen die Kriminalbeamten den Mördern auf die Spur. Zuerst nahmen sie Erbst und Karczynfki fest, beide in Kaschemmen. In der ver» gangenen Nacht auch Ernst Kurth. Kaminsky war nicht zu finden. Es eraab sich jedoch bald, daß er bereits hinter Schloß und Riegel faß. Man hatte ihn bei einem Wohnungs- cinbruch am Andreasplatz abgefaßt, noch bevor seine Mittäterschaft bekannt war._ DaS drohende Strafporto. Es wird von neuem darauf hingewiesen, daß Postkarten im Inlandsoerkchr die Größe von 15,7: 10,7 Zentimeter nicht überschreiten und nicht mehr ols 8 Gramm wiegen dürfen, Größere und schwerere Postkarten unterliegen der Briefgebühr und werden mit einer Nachgebühr in Höhe des Toppelten des an der Freigebühr für einen einfachen Brief fehlenden Betrages belegt. Diese Nachaebühr beträgt vom 1, Januar an z. V, im Fernverkehr 1,50 M. Postkarten im Auslandsverkehr dürfen nur 14: 9 Zentimeter groß fein. Ferner wird daran erinnert, daß die Post berechtigt und ver- pilichtet ist, von dem Empfänger eines ungenügend frankierten Briefes jedesmal das Doppelte des an der richtigen Frankierung fehlenden Betrages einzuziehen. Ist also ein einfacher Brief noch mit 60 Pf., statt mit 2 M. frankiert, so muß der Empfänger 1,40 M. 4- 1,40 M,— 2,80 M. nachzahlen, falls er es nicht vorzieht, die Annahme des Briefes zu verweigern. Die geringste Nach- zahlungsgebühr(Strafporto) tostet jedoch 50 Pf. Selbsthilfe gegen falsche Bcamte. Seit einiger Zeit treiben wieder falsche Beamte ihr Unwesen. Die Gauner suchen meistens Wohnungen auf, in denen die Männer auf der Arbeit oder im Bureau find. Den Frauen schwindeln sie dann vor, daß ihre Männer an einer strafbaren Handlung beteiligt oder wegen derselben sogar verhaslet wären: sie müßten deshalb ein« Durchsuchung vornehmen. Obwohl in allen Fällen die Frauen erklären, daß ihre Männer nichts Strafbares begangen hätten, dringen die falschen Beamten aus Durchsuchuna: sie lassen sich die Ausweispapiere, Geld und Wertsachen zeiaen, erklären, sie sie bis zu ihrer in einigen Stunden erfolgenden Rückkehr«in- schließen zu müssen. Dann veranlasfen sie die Frauen, das betreffende Zimmer zu verlassen. Diele Spanne Zeit be- nutzen sie, um sich die Sachen anzueignen, den Schlüssel einzustecken und ssch zu entfernen. Nach einiger Zeit merken die von'der Durch- suchung Betroffenen, daß die Sachen gar nicht in dem Schrank liegen, und sie somit falschen Beamten zum Opfer gefallen sind, Selbstverständlich ist das für die Verfolgung derartiger Straf- taten zuständig« Dezernat der Berliner Kriminalpolizei eifrig bemüht, solckc Fälle auszukläven. Es fei deshalb besonders darauf hinge- wiesen, daß jeder Beamte der Groß-Derliner Krimi- nalpolizei, fasern er eine Amtshandlung vorzunehmen hat. sich durch eine kupferne Erkenungsmarke ausweisen muß. Das Publikum tut daher gut. auf jeden Fall die Vorzeigung dieser Marke zu verlangen. Im Fall« einer Weigerung kann mit Sicher« heit anaenommen werden, daß der oder die betreffenden Beamten nicht richtige Beamte sind. Ein televbonifches Anrufen de, nächsten Revier, wird in vielen Fällen die Betroffenen vor Schaden bewahren. Di« Reviere müssen selbstverständlich jedem der- artigen Ansuchen unverzüglich nachkommen und dann chrerseit» das erforderlich« weitere veranlassen. ??re?e Vcreinbarnng im Fernsprechwese«. Vis Ende September dieses Jahres bestand die Bestimmung, daß ein Fernsprechteilnehmer, der seinen Anschluß einem Drillen für Gespräche überläßt, sich dafür keine höheren Beträge erstatten lassen dürfe, als er selbst an die Post zu entrichten hat. Diese Be- flimmung war in den rückliegenden Jahren immer wieder nament« lich von den Inhabern öffentlicher Geschäfte und von Gasthof- besitzern beanstandet worden. Solange die Pauschalgebühr in Gellung war, konnte die Post hieran nichts ändern, weil sie beim Paufchalgebührensystem aus einer vermehrten Benutzung des An» l'chlußeS für sich leine höheren Gebühren erzielte, vielmehr nur größere Betriebsausgaben hatte. Mit der Einführung des Einzel- gesprächStarifS ist dieser Standpunkt der Post gegenstandslos ge- worden. Die Post überläßt jetzt die Regelung der Frage, wieviel sich der Anfchlußinhaber von Dritten für die Benutzung feines An- schluffeS erstatte» lasten darf, der freien Vereinbarung zwischen den beiden Parteien. Wer deshalb zum Beispiel die von einem Hotel erhobene EinzelgefprächSgebühr beanstandet, kann sich immer nur mit dem Besitzer des Hotels, nicht aber mit der Post darüber aus- einandcrsetzen._ Untergang eines deutschen Dampfers. 25 Mann Lesatzung ertrunken. Ein Opfer der furchtbaren Stürme, die in den letzten Wochen in Nord-und Ostsee gewütet haben, ist auch ein deutscher Dampfer geworden. Wie dem Norwegischen Telegraphenbureau in Kristiania aus Haugefund gemeldet wird, ist der deutsche Dampfer Signal, der am 16. Dezember von Sagvaag nach Königs- berg mit einer Ladung Kies abgegangen war, noch nicht an feinem Bestimmungsort angekommen. Es wird angenommen, daß das Schiff während des starken Sturme» am 17. Dezember in der Nordsee untergegangen ist. Das Schiff hatte ein« Besatzung von 25 Mann, die offenbar sämtlich den Tod in den Wellen gesunden haben. Mißbräuchliche Alarmierung de» Ueberfollkommandos. In Anbetracht der bänfigen unberechtigten Alarmierung der Ueberfall« kommandoS der Schutzpolizei wird das Publikum erneut und dringend darauf hingewiesen, daß eS in solckien Fällen mit empfind« licher Bestrafung zu rechnen hat. Eine böswillige Alarmierung macht den Täter außerdem schaden- ersatzpflichtig. Die NeberfalltommandoS können den Schutz von Leben und Eigenium der Bevölkerung in Zukunkt nur dann wirksam durchführen, wenn sie nur in solchen Fällen herbeigerufen werden, in denen die Voraussetzung ihreS Eingreifen? vorliegt. Andernfalls trägt das Publikum dazu bei, daß eine Einrichtung entwertet wird, die bei der allgemeinen Unsicherheit dringend er- forderlich ist. Ein schießlustiger Landjäger ist, wie man uns ans Ahrensfelde schreibt, der dortig«„zum Schutze der Einwohner" bestellte Beamte W e g e r, der durch Mißbrauch seines Dienstgewchres in der Silvesternacht mehrere Einwohner in Lebensgefahr brachte. Gegen VAO Uhr kehrte der Landjäger im Lokal von Fischer in Ahrensfelde ein. Schon angetrunken, bedrohte er die dort an- wefenden Gäste, darunter auch Frauen. Nachdem man ihn endlich zum Gehen bewogen hatte, knallte er auf der Straße lustig los, fo daß vorübergehende Pasfanten eiligst flüchten mußten. Durch den entstandenen Lärm wurde eine mit dem Landjäger in einem Hause wohnende Fron veranlaßt, das Fenster zu öffnen. Mit dem Rute „K o p s weg!" gab der Landjäger zwei Schüsse ob.— Auch die Silvesternacht kann derartig«„Scherze" nicht entschuldigen. Die z.i- ständigen Stellen werden gut tun, den Landjäger nachdrücklichst auf die Dorschristen über den Waffengebrauch hinzuweisen. Unwahre Nachrichten über Königsberg N.-M. In den letzten Wochen wurde in den Zeitungen die Nachricht verbreitet, daß cksie Stadtgemeindc Königsbcra-Neümark ihre Zahlungen eingestellt habe und daß die städtiichen Körperschaften erklärt hätten, auch an die Beamten Zahlungen nicht mehr leisten zu können. Wie der Giro- verband der kommunalen Verbände der Provinz Brandenburg er- mittclt hat und jetzt mitteilt, entbehrt dieses Gerücht jeglicher Be- gründung. 1Z5 4S0 Ist. für eine Seereise. Ueber die Steigerung der Passagierpresse nach dem Auslände hat das Statistische Reichsamt eine lehrreiche Aufstellung gemacht. Von Hamburg nach Nein Park kostete es 1914 in den vier Klassen 160, 180, 220 und 350 M. Im August 1921 waren diese Preise auf 10117. 10 960, 12 647, 18 548 M. gestiegen. Bis zum November stiegen sie weiter auk das Doppelte bis Dreifache, auf 26 902, 34 220/39 485. 57 911 M. Verhältnis- mäßig„billig" fährt man nach Südamerika. Nach Buenos Aires kostete es in den drei Klassen 140, 480 und 650 M., im August 1921 5000, 18 000 und 22 000 M., im- November dagegen 15 632, 48 981 und 72 950 M. Von Hamburg nach Kapstadt konnte man eine Reise für 250, 500 und 750 M. machen. Im November 1921 mußte man dafür 26 054, 48 981, 64 718 M. anlegen. Don Bremen nach Poko- hämo kostet es nicht weniger als 102 131 und 135 480 M. Von Stettin nach Kopenhagen tonnte man einst für 10 M. fahren, jetzt beträgt der Mindestpreis 485 M. Man kann aber auch 728 und 1213 M. dafür anlegen. Neue Preisprüfungsstellen. Die Preisprüfungsstellen behalten nicht nur ihre Tätigkeit bei, es sind sogar neue Preisprüfungsstellen errichtet worden: im Regierungsbezirk Breslau in Münsterberq, für den Kreis in Frankenstein, im� Regierungsbezirk Liegnitz in Friede- berg, Goldberg, Greiffenberg und Liebcnthal und für den Kreis in Lowcnberg. im Regierungsbezirk Oppeln in Patfchkau und Ziegen- hals. In Äönigshütte ist ein Unterausschuß der gemeinsamen Stelle und Bcuthen errichtet worden. Die Arbeitsgemeinschaft der Preis- Prüfungsstellen Thüringens hat ihren Sitz nach Weimar verlegt. Zehn Ueberlebcnde eines deutschen Dampfer». Ein Fisch- dampf« landete in GrimSby zehn Ueberlebende der Besatzung de« des deutschen DainpfetS, F e h m a r n", der, wie gemeldet, am Sonnabend während des Sturmes in der Nordsee kenterte. lieber die Schönlieit deS TtadtbtldrS, unter besonderer Berück. sichtigiinq deS Schöneberger Bayerischen Viertels. Ipricht Herr Oberst Krafft in der„Zwanglosen Vereinigung von Kunstfreunden in Schöneberg-' am Sonnabend, den 7. Januar 1922� abend» 8 llyr, im Friedenauer RaihauS. Döste sind willkommen. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Etwa» kälter, zeitweise heiter, aber noch überwiegend bcwöilt mit leichten Schneefällen. Ziemlich frische nordwestlich« bi» nördliche Winde. 6. Januar sinü die Meitgeberwahlen! Außer der persönlichen Stimmabgabe ist die brieflich« Wahl zugelassen, d. h. dem Arbeitgeber ist gestattet, anstelle der persönlichen Stimmabgabe den Stimmzettel unter Beifügung des nicht wieder zur Rückgabe gelangenden Äutweiies über feine Wahl- berechtigung dem Wahlbureau des Magistrats, Berlin C. 2. Stralauer Straße 44 45, 1. Hof pt. brieflich einzusenden. Bei der briefliche» Wahl muß der Brief spätestens am 7. Januar, abends 7 Uhr. im Wahlbureau eingegangen fein unter A u ß e n a d r e f f e: Wahl- bureau des Magistrat« Berlin E. 2, S t r a l a u e r Straße 44�45, 1. H o f p t. Jeder Stimmzettel ist in einem mit dem Stempel der Reichs- Versicherungsanstalt für Angestellte versehenen verschlosienen Um- schlag« abzugeben. Die Umschläge stehen im Wahlraum den Wahl- berechtigten zur'Vcrfügung. Jeder Arbeitgeber muß seine« Wahlpflicht nachkommen! GerverWmfisbswegung Zum Toöe Giuseppe Sianchis. V» 18. Dezember storb, wie wir bereits meldeten, in Mailand der erst SZjährige Genosse Giuseppe vianchi, nachdem er «enige Tage zuvor von einer Rundreise durch Deutschland, an der er sich auf Tinladung der deutschen Gewerkschaften beteiligte, schwer erkrankt zurückgekehrt war. Lianchi entstammt einer Arbeiterfamilie, die viele Opfer brachte, um ihn studieren zu lassen. Der früh« Tod des Botcrs aber setzte dem ein Ziel, und der junge Giuseppe macht« darauf eine Lehrzeit in einer Druckerei durch. Als Korrekturlefer kam er bald an das Parteiorgan, den„Avanti", zu einer Zeit, wo er, wie fo viele seiner jungen Landsleute, begeistert für Mazzinis republika- nische Partei wirkte. Sein nächstes Tätigkeitsgebiet war Deutsch- l a n d, wo er den für die italienischen Mitglieder erscheinenden „Operaio Jtaliano" im Auftrag« des Deutschen Dauarbeiterverban« des redigierte. Diese Zeit war für ihn die Schule zum Sozialis- mus, zum Marxismus, dessen orthodoxeste Seite er mit Mazzini- schen Gedanken vcrslocht. Das alte Deutschland vertrieb ihn ball» durch einen Majestätsbeleidigungsprozeh. Darauf übernahm er die Leitung eines italienischen Arbeiterblaite» in der schweizerischen chouptstadt, um kurz vor dem Krieg Herausgeber des„Popolo" in Serena, in seiner Heimat, zu werden. Bon dort wurde er bald «ls Sekretär der Arbeiterkammer nach Venedig be- rufen, wo er zugleich das örtliche Arbeiterblatt redigierte. Als der ..Zloanti" ein eigenes Blatt für Turin gründet«, übertrug man dem schreibgewandten und klugen Bianchi die Leitung, aber der italie- nische Gewerkschaftsbund zog ihn bald wieder fort, um ihn zum Sekretär feiner Zentrale und Schriftleiter seines Wochenorgans zu machen. Lei den allgemeinen Wahlen ISIS zog er als der jüngste Parlamentarier in die Kammer«in. Sm gleichen Jahre sandte ihn die Partei mit der ersten Mission nach Rußland zum Studium der dortigen Verhältnisse. Sein« letzte groß« Reise führte ihn durch die ehemalige deutsche Rüstungsindustrie, über deren Umwandlung zur Fri-cdenserzeugung er ausführliche Berichte vor- bereitete. Bei Schluß der Reif« zog er sich in Kiel eine böse Erkältung zu, die sich rosch verschlimmerte, so daß seine junge sprachgewandte Frau, di« ihn begleitete, nur noch mit einem tod- kranken Manne die Heimat erreichte, wo er jetzt seinem Leiden erlegen ist. Bianchi gehörte zu den jüngsten, aber auch tüchtigsten und vielversprechendsten Köpfen der so rasch aufstrebenden italienischen Arbeiterbewegung. Partei und Gewerkschaften erleiden durch seinen frühen Heimgang einen herben Verlust. Mit ihnen stehen auch wir tiefbewegt und erschüttert an dem Grabe eines Genossen, dessen letzte Arbeit, di« ihm die tödliche Krankheit brachte, dem Wohle der deutschen Arbeiterschaft galt. Generalversammlung üer Setrlebsräte. Di« Mittwoch im Gewertschaftshaus tagend«, von der„Frei- gewerkschastiichen Letrieberätezentrol«, Wirtschaftebezirk Groß- Berlin", einberufen« Generalversammlung der Be- t r j e b s r ä t e nahm einen sehr stürmischen Verlauf, vor Eintritt in die festgesetzt« Tagesordnung wurden von der tommunisti- schen Arbeitsgemeinschaft zwei Anträge eingebracht, welch« dahin gingen, die seinerzeit in der Vollversammlung der Be- triebsräte in den Sophiensälen gewählte sogenannte„Sechser- k o m m i s s i o n" zur Generalversammlung zuzulassen und außerdem einer Delegation der Arbeitslosen Eintritt zu gewähren. Der Vollzugsrat wehrte sich mit aller Entschiedenheit gegen dies« Anträge, erklärte aber gleichzeitig di« Entscheidung darüber der Generalversammlung zu überlasten. In der Abstimmimg wurden beide Anträge mit 67 gegen 80 Stimmen angenommen. Wenn man bei einer Delegienrtenzahl von 800 Betriebsräten dieses Ergebnis in Betracht zieht, so muß schon festgestellt werden, daß die Versammlung beschlußunfähig war. In Anbetrocht dieses Abstimmungsergebnisses erklärt« Gen äste Krone, daß er es ablehne, an einer Generalversammlung der Freigewerkschaftlicben Vetriebsrätezentral«, di« ein« derartig« statutenwidrige Zusammensetzung zeigt, teilzunehmen und forderte Gleichgesinnt« aus, mit ihm den Saal zu verlassen. Nach dem Referat meldete sich Genosse H e r m a n n zur Geschäftsordnung und erklärt«, daß er gegen den Beschluß der General- Versammlung aufoas entschiedenste protestiere. da die SPD.-Genossen. di« aus dem Boden der Amsterdamer Inter- national« stehen, es ablehnen müssen, mit einer illegalen Organisa- tion zu verhandeln. Er forderte die Parteigenossen auf, bei einem eventuellen Bericht der sogenannten Sechserkommission mit ihm den Saal zu verlassen, da wir uns unter keinen Umständen in das Schlepptau der kommunistischen Arbeitsgemeinschaft nehmen lassen. Ebenfalls erklärte er im Auftrag« der Sozialdemokra- tischen Fraktion«ine Beteiligung an der Unterstützungs- kommifsion abzulehnen, um dem galvanisierten Leichnam nicht zu neuem Leben zu oerhelfen und sich auch einer Abstimmung unter allen Umständen zu entHallen. Diese Erklärungen wurden von feiten der Kommunisten mit großem Tumult aufgenommen. Der zweimaligen Aufforderung leisteten bei dem sehr schwachen Besuch der Generalversammlung Z0 bis 40 Genossen Folg«. Der Verlauf der Versammlung war noch dem Borgefallenen ein recht stürmischer. Gegen Xlv Uhr waren nur noch 80 bis 80 Delegierte anwesend. Tie Lohnbewegung der Väcker. Eine öffentliche Bäckerversammlung nahm zu der Kampf- ansage der Bäckermeister Stellung. Der Referent Her- mann Wilhelm! führte aus: Bisher seien die Lohnbewegungen der Bäcker schiedlich-friedlich zum Abschluß gelangt. Die Scharf- machercien der Bäckermeister deuten aber darauf hin, daß es damit vorbei sein soll. Die Meister möchten die sozialen Punkte aus dem Tarifrahmen ausschalten und den mühsam errungenen«inheit- lichen paritätische� Arbeitsnachweis zerstückeln. Kennzeichnend für die Situation sei der Ausspruch des Generalsekretärs G o e t s ch von der Innung:„Wir haben es bisher den Bäckern mit ihren Lohn- bewegungen leicht gemacht: jetzt wird das anders werden." Das sel«ine Kampfansage in deutlichster Form, die zum Zusamma»- stehen der gesamten Kollegenschaft verpflichtet. In der sehr lebhaften Diskussion wurde festgestellt, daß man herausholen wolle, was herauszuholen fei. Stehe die Masse in diesem, hier in der Versammlung zum Ausdruck gekommenen Geiste hinter der Organisation, dann könne die Organisation sagen:„Wir fordern, was wir brauchen: wenn Ihr es nicht freiwillig gebt, werden wir es erkämpfen!" Eine einstimmig angenommene Resolution verpflichtet die Leitung des Derbandes, alle erforderlichen Schrille schleunigst zu unternehmen, um die Löhne auf ein« Höhe zu bringen, die den Kollegen ein menschenwürdiges Dosein sichert. Die Ver- sammlung fordert eine Erhöhung der Löhne um minde- st eng 200 Mark pro Woche. Die„Einigkeit ist wieder einmal gestört. Den Gewerkschaften bleibt gegenüber dem kommunistischen Treiben einzelner Mitglieder nichts weiter übrig, als die„Einig- feit" zu stören, d. h. die provokatorischen Agenten der Kommunist:- schen Partei aus ihren Reihen auszuschließen, wenn sie der Sabotage ihrer ganzen Tätigkeit nicht ruhig zusehen wollen. Roch jede Gewerkschaft, di« sich notgedrungen dazu entschloß, die kommuni- stischen Quertreiber auszuschließen, hat die Erfahrung gemacht, daß das Organisationsleben in den Mitgliederversammlungen ruhiger und ersprießlicher wurde und die Einigkeit w'.edertehrre. Jetzt hat die mittlere O r t s v e r w al tu n g des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Ange st eilten die Führer der k-ommunistischen Gruppen Richter, Schlör und Reschke aus dem Verband« ausgeschlossen und damit die „Rote Fahne" veranlaßt, wieder einmal gegen einen„Gewalt- st reich der Gcwerkschastsbureaukratie" zu Feld« zu ziehen. Ob nicht eben deswegen, weil Kiefer verband wegen des verlorenen Streiks eine schwere Krise durchmacht, in der es doppelt notwendig wäre, die Einigkeit innerhalb der Organisation zu wahren", der Ausschluß der Schützlinge der„Roten Fahne" er- folgt ist? Nach einer Mitteilung der„Bosstschen Zeitung" hat des Ver- halten der Kommunisten während wie nach dem Streik zu zahl- reichen Unzuträglichkellen für den Verband geführt. Die Ausge- schlössen«» hallen ohne Wissen der Streikleitung und der Organisation im Namen des Arbeitnehmerkartells Versammlungen ein» berufen und im Einverständnis mit der Kommunistischen Zentrale in der Münzstraße die Tagesordnung der Generalversammlung um- gestoßen und die Versammlung gesprengt. Alles im Interesse der „Einigkeit", wie die Kommunisten sie oerstehen. Kommunistische EiuignngSaPostel. Sie treiben heimlich Spaltung und predigten öffentlich Cini- gung, die Kommunisten, wie es sich jetzt wieder in der Schweiz zeigt. Der kommunistische Borstand der Sektion Zürich des Schweizerischen Metollarbeiterverbandes hat in einer etwa 680 Mann starken Dcrsommlung di« Gründung einer beson- deren Metallorbeitergewerrschaft beschlossen. In Verbindung mit Genf, Winterthur und Basel soll ein kommunistischer Metallarbeiter- oerband gegründet werden. L-rantw. für d«n»da«. Teil:?r»nz glüh,. Berlin-Lichterfelde; füc An. «eigen: Th. Slacke, Berlin. Berlag Borwarts-Berlag(5. m. b. H.. Berlin. Druck! Borwärts-Buchdruckerei u. Berlagianlt-rlt Paul Singer u. So.. Berlin. Lindenstr- 3. iurkofix teilst. Gurkensalat Uebcrall erhältlich! Carä Tlismer. . Konacrvenlabrlk Berlin, Busclaingstr« 6 Sehleehtenoerke Peter Sehlecliter Markgrafen- straOe 27 Ecke Krausenstr. Ailmctaile en grea ron Fabrikanten und Händlem Fernsprecher: Moritzpl 667 s Marlannenplati 22 Vertreterbesuch r. Freie Abholuni' Korbmöbel >!!, Oäneit, Balkone, •Vohniimmeri modei- ner u. dauerhafter Aus- iflhrung Korbsessel v MAS an. GroßeAuswahl Besichtigung erbeten Heinrich Raese Korb u-Rohrmöbtllabr. Neukölln. Berlin srStr.S» Quergeb pt.( Kein Lad.) 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