Nr. 12 ♦ 59. Jahrgang Ausgabe iL Nr. H BezugSpreiSt ZZKrte�Zhrl. SU.— M., mona». tO,— M. frei ins Sau», voraus zahlbar. Post» bezug i Monatlich A>.— M.»inschl. Zu- stellungsgebllhr. Unter Kreuzband Tür Deutschland, Dan�ig. das Eaar- und Meinelgebiet, sowie die ehemals dem- fchen Gebiete Polens. Oesterreich Ungarn und Luremburq St.— M.. sile das übrige Ausland 72,— M. Post- beltellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tscheche- Elowatet, Däne- Marl. Holland. Luremburg, Schweden und die Schweiz. Der.Vorwärts' mit der Sonntag». deilage.Poll und Zeit", der Unter- Haltungsbeilage„Heimwelt" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten" erscheint Wochentag sich zweimal. Sonn- tags und Montag» einmal. Telegramm- Adresse! »Sozialbemotcal Octtte" Abend Ansgabe c Groll• BcriHi 40 Pf. auswärts 50 Pfennig Vevlinev Volksblatt Anzeigenpreis: Die zehngespaltene Nonpareillezelle lostet 9,— M.„kleine Anzeigen" da« leitgedruckte Wort 3,— M. Millionen Pfund Sterling vor. Es ist eine undankbare Aufgab«, lernen Alliierten Mäßigung zu predigen, wenn es sich um Deutschland aufzuerlegende Bedingungen handelt. Wer dies« Rolle spielt, der wird angeklagt, daß er seine Alliierten Deutschland opfere. In Wirklilbkeit ist es notwendig, die Dinge so anzusehen, wie sie sind: Dent! cbland muß bezahlen bi» zum fjöckistqwde seiner Leistungsfähigkeit: das erfordert die Gerechtigkeit. Es ist in allen zivilisierien Ländern ausgemacht, daß der, der einen Schaden angerichtet hat. ihn wieder gutmachen muß. Aber wenn das Urteil gefprocken ist, so muß man prüfen, ln weichem Maße e« ausgeführk werden soll. Wenn der ZZertreter Großbritanniens dafür einttitt, daß Deutsch- land nicht zum Hungertod getrieben werden soll, so treibt er keine deutschfreundliche Politik. England hat kein Interesse daran, Deutschland zu schonen. Wenn Teutschland ruiniert würde, würde England das erste Land sein, welches Borteil daraus ziehen würde. Wenn England daaegen Mäßigung zeigt, so geschieht das, weil das den allgemeineren und großzügigeren Interessen der Welt entspricht. Es muß vermieden werden, Deutschland in dos Chaos zu stürzen, in dem Rußland aeaenwärlig danieder liegt. Wenn die sozialen Berhältnist« in Deutschland zer- rü'.tet werden, so wird es sich infolge leiner Fähiakei'en und infolge des Temperaments seiner Einwobner al» etwas viel Gefährlicheres erheben als Rußland für leine Rarbbam ist. Diese Erwägung habe die britische Regierung trotz der Proteste, die sich in Europa und England erhoben haben, dazu gebracht, zur Vorsicht und Mäßigung zu raten. E« sei klar, daß in der Reparationsfrage die Leistungsfähigkeit Deuttcblands im Wert seines Außenhandels zum Ausdruck komm«. Die Alliierlen seien erstaunt darüber, daß Deu�ckland troß keines fortgelchrittenrn Jndustriesystems und trotz der Produktivität seiner Fabriken soviel Schwierigkeiten habe, seinen Verpflichtungen zu ent- sprechen. Tatsächlich sei die Lage so. daß die Deutschland b e. nacbbarten Länder, mit denen der deutsche Handel die leb- haftcsten Beziehungen unterhält, auf industriellem Gebiete zusammengebrochen und von der Handelskorte Europas ge- strichen sind. England babe sehr große Handelsbeziehungen mit Polen. Rußland, Oesterreich usw. gehabt. Aus diesem Austauschverkehr ergebe sich die internationale Wohlfahrt der Welt. Unter den gegenmärtiaen Umständen leide England unter einem sehr ernsten Uebel. Die Arbeitslosigkeit und die den VeschäsNgungs- losen gemährke Hilfe belaste Großbritannien schwerer, als die den versiümmelken und ehemaligen kriegvtcilnebmern gewährten Pensionen. Belgien leide an einem äbnlichen Uebel. Dort unterhalte man im gegenwärtigen Augenblick Arbeitslose, ebenso in Italien. Wenn die Lage In Frankreich etwa» anders sei, so liege da« daran, daß die ländliche Lrvölkerung besonder» stark sei, towi« daran, daß der Wiederaufbau der zerstörten Ge- liete ein« genügend große vuioabe bilde, um die zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte zu beschäftigen. Zusammenfasiend könne ge- sagt werden, daß die allgemeine Gesundheit der well wanke und daß man sich bemühen müsse, sie wieder herzustellen. Wenn diese Aufgabe nicht von den Alliierten unternommen werden würde, wer solle sie dann unternehmen? Sicher könne die Republik des Westen» besser zur wirtschaftlichen Wiederherstellung der Welt bei- tragen als irgend ein anderes Land, aber es fei nicht angebracht, der Stellungnahme der Bereinigten Staaken vor- zugreifen. Es sei von Bedeutung, daß die siegreichen Mächte des großen Krieges den Mut ihrer Berantwortuna aus Nck nähmen. zv Nicht tötnt, werbe oie Geschichte sie durch die Stimme ihrer Völker verurteilen. Gegenüber dem Bolschewismus be- stehe ein Vorurteil. Man fürchte die Wirkung der Propaganda, die sich auf britischem Gebiete bis nach Indien mit großem Erfolge führen. Man müsse sich entschließen. Lloyd George kam hierauf kurz auf die Klagen der Armenier wegen der Massakres in Kleinasien zu sprechen und sagte, diese Tat- fache habe gewisse Regierungen nicht verhindert, Abkommen mit dem Volke zu schließen, weiches für diese Gemetzel verantwortlich sei. E» sei unmöglich, die Russen zurückzuweisen unter dem Vorwande. daß ihre Hände mit dem Blut Unschuldiger befleckt seien, und die T ü r k e n aufzunehmen, denen ähnliche Misse- taten vorgeworfen werden. Um die Welt wiederherzustellen, gebe es nur ein wirksames Mittel, das sei der Friede. Lloyd George er- klärte, er schlage die Einberufung einer Konserenz vor, auf der alle europäischen Länder vertreten sein würden, deren Auf- gäbe es sein würde, den wirtschaftlichen Wiederausbau Mittel- und Osteuropas zu fördern. Wenn Rußland eingeladen werde, so müsie ihm deutlich gesagt werden, daß man mit ihm nur verhan- dein werde, wenn es bereit sei, die Grundsätze zu brachten, die bei den zivilisierten Nationen maßgebend seien, seine Schulden zu be- zahlen und angerichtete Schäden wieder gut zu machen, die beschlag- nahmten Güter wieder herauszugeben, gesetzliche Bestimmungen be- treffend die Berträge zu treffen und von jeder Propaganda abzu- sehen, die daraus hinzielen könnte, die Einrichtungen eines anderen Landes zu stören, und endlich, seine Nachbarn nicht anzugreifen. Hierauf verlas Lloyd George den Wortlaut eines Resolutionsentwurf e». vle ,Viskuylon'. Hierauf ergriff der Vertreter Italiens das Wort. vonomi erklärte, er fei für den Dorschlag der Einberufung einer Wirt- fchaftskonferenz. Die Mächt« Mittel- und Osteuropas dürften nicht länger auf wirtfchaftlichem Gebiete g� t r e n n t von der Übrigen Welt bleiben. Rußland gegenüber habe Italien keinerlei Bedenken gegen die Anerkennung seiner gegenwärtigen Regie- rung Nach Bonomi ergriff der belgische Ministerpräsident Theunis das Wort und sagte, Belgien stimm« der von Lloyd George vorge- schlagen«» Resolution zu, wünsche aber, daß die einzelnen Bestim- mungen sorgfältig geprüft würden. Belgien sei an der Wiederher- stellunq Europas ebenso oder noch mehr wie jede andere Nation interessiert. Die Dichtigkeit seiner Bevölkerung sei viermal so groß, wie die Frankreichs. Deshalb müsse Belgien Lebensmittel und andere Waren aus dem Auslande einfübren. Die finanzielle Lage Belgiens werde sich erst an dem Taqe bessern, an dem der Stand der Wechselkurs« in ganz Europa wieder n o r m 1 ge- worden sei. Der japanische Delegierte Graf Zshij sagte, er nehme davon Abstand, eine Ansicht über die Einberufung einer Wirtlchaftskonferenz auszusprechen, an der nur die«uro- päischen Mächte teilnehmen sollen. Indessen werde er später einige Bemerkungen bezüglich der Anerkennung der Sowjettegierung machen. Als letzter ergriff Ministerpräsident Briand nochmals das Wort und erklärte, er wolle im Augenblick nicht auf das eingehen, was von den Vorrednern über die Reparationsfrag« gesagt worden sei. Wenn der Sonderausschuß und die Sachverstän- digen ihre Berichte fertiggestellt und eine zweckmäßige Besprechung möglich gemacht haben würden, werde er die allgemeine Auffassung der französischen Delegation zum Ausbruck bringen. Jetzt werde er sich darauf beschränken, die Frage der internationalen Wirtschafts- konferenz zu prüfen. Er stimme grundsätzlich vollkommen dem Borschlage des englischen Premierministers unter dem Vor» behalte zu, daß die Einzelheiten einer näheren Prüfung unterzogen werden. In dieser Angelegenheit, sagte Briand, sind wir der Meinung, daß man sich nicht von senflmeutalen Erwägungen leiten lassen soll. Die ernsten Interesien der Gegenwart dürften nicht einem Vorurteil geopfert werden. In dem Augenblick, wo Lloyd George seine Ansichten über diese Frage entwickelt h che, habe er das Gefühl gehabt, daß ein riesiger Stein in seinennh sie beute na-�- n.lü™.17. rriizemen geprusi, oezvgNch gewisser Punkte verbessert und nach erfolgter Diskussion ergänzt würden. Unter diesem Dorbehait stimme die französische Delegation dem Dorschlage de» britischen Premierministers zu. Nach d?r Rede Briands wurde die Debatte geschlossen. -n,- oie.;» loutü« im Grunchatz angenommen. Entsprechend den von Briand ausgesprochenen Wünschen wurde die Prüfung der Modalitäten und Garantien auf die Nachmittagssitzung verschoben. ver /lufbauplan. Eannes. K. Januar.(Havas.) In feiner am heuttgen Rachmtttas abgehaltenen Sitzung hat der Ausschuß der Konferenz folgende Resolution angenommen: Die auf der Konferenz vertretenen Mächte sind einstimmig der Ansicht, daß eine Wirtschafts- und Finanzkonferenz Anfang März einberufen werden soll, zu der olle europäischen Mächte eingeladen werden sollen. Sie sind der Ansicht, daß«in« derartige Konferenz «inen wirtlichen und wesentlichen Fortschritt auf dem Wege zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Mittel- und Osteuropas bilde. Sie sind ferner der Ansicht, daß die Premierminister einer jeden Ration. womöglich in Person, dieser Konserenz beiwohnen sollen, damit den Anempfehlungen durch letzter« jo schnell wie möglich die Tat folgen kann. Die alliierten Mächt« sind der Meinung, daß die Wiederauf» nahm« de» internationalen Handels in ganz Europa sowie die Ent- witflung der Hilfsquellen aller Mächte notwendig sei, um die Menge der im Wirtschaftsleben Tätigen zu vergrößern und die Leiden, denen die Bevölkerung Europa» ausgesetzt ist, zu vermindern. Ein« ge- meinsam« Anstrengung der Kräfte ist notwendig, um den europäischen Wirtschaftsidcen die jetzt gelähmte Lebenskraft wiederzugeben. Diele Anstrengungen müssen die Beseitigung aller Hindernisse zum Gegenstand haben, d>edenHandelhemmen. Sie müssen auch auf die Bewilligung von ausgedehnten Krediten an die schwäch- sten Länder ausgedehnt werden, ebenso auf die Zusammenarbeit aller zur Wiederherstellung des normalen Produktionslebrns. Dl« alliierten Mächte sind der Ansicht, daß die unentbehrlichen Grundbedingungen in ihren großen Linien folgend« sind: 1. Die Nationen dürfen nicht das Recht in Anspruch nehmen, sich gegenseitig die Grundsätze aufzuerlegen, nach denen sie die Fragen des Besitzes, die Wirtschaftsregeln und die Regeln im Innern ihres Landes bestimmen wollen. Es ist jedem Lande da» System zu lassen, das es in dieser Beziehung bevor- zugt. 2. Auf jeden Fall darf ausländische» Kapital nicht dazu benutzt werden, einem Lande Hilfe zu leisten, außer wenn die auswärtigen Eigentümer dieses Kapitals die Gewähr haben, daß ihr« Güter und Rechtsansprüche geachtet werden und daß der Gewinn aus ihren Unternehmungen ihnen gesichert ist. ö. Jedes Gefühl der Sicherheit kann wiederhergestellt werden. wenn die Nationen(oder die Regierungen der Nationen), die aus- ländische Kredite zu erhalten wünschen, freiwillig folgende Verpslich- lungen auf sich nehmen: -0 alle Schulden und öffenklichen Verpfllchkungen anzuerkennen. die von den Staaten, den Gemeinden und anderen öffentlichen Körperschaften eingegangen sind und die Derpflichtung anzuerkennen, ausländische Interessenten für die B e r l u st e u n d S ch ä d e n. die ihnen aus der Tatsache der Konfiszierung ihres Eigen- tum» erwachsen sind, zu entschädigen oder ihnen das Eigen- tum wieder zuzustellen: b) ein gesetzliches und juristisches System einzurichten, durch das die unparteiische Ausführung aller Handele- und sonstiger Der- ttäge sichergestellt wird. 4. Die Nationen müssen über bequeme Austausch- mittel verfügen, allgemein gesprochen müssen bezüglich de» Finanz- und Geldwesens Bedingungen bestehen, die dem Handel genügend Sicherheit bieten. 5. Alle Nationen müssen sich verpflichten, von seder Pro- paganda Ab st and zu nehmen, die die Ordnung und das poli- tische System eines anderen Lande» benachteiligt. 8. Alle Länder müssen gemeinsam die Verpflichtung auf sich nehmen, von jedem Angriff auf ihre Rachbarn abzusehen. Wenn zu diesem Zwecke die für die Entwicklung des Handel» mit Rußland notwendigen Bedingungen gesichert sind und dl« russische Regierung ihre offizielle Anerkennung fordert, so können die alliierten Mächte dies« Anerkennung nur aussprechen, wenn die russische Regierung die vorgenannten Verpflichtungen annimmt. die Steuerforüerungen üer Gewerkschaften. Auf Veranlassung der Gewerkschaften fand am Freitag im Reichstag zwischen den Vertretern des Allgemeinen Deut- schen Gewerkfchaftsbundes, des Afa-Bundes und der b e i d e n sozialdemokratischen Parteien eine erneute B c- sprechung über die Steuerfrage statt. Die Ge- werkschaftsvertreter ließen sich über den Stand der parlamen- tarischen Verhandlungen und die gesamten Steuerfragen in- formieren und brachten eine starke Unzufriedenheit über die Tatenlosigkeit der Regierung hinsichtlich der Heranziehung des Besitzes zu den Steuer- lasten zum Ausdruck. Die beiden sozialdemokratischen Par- teien sind noch wie vor einig in dem Willen, sich für die im November veröffentlichten Steuerforderungen der Gewerk- schasten mit ganzer Kraft einzusetzen. Der Rückgang üer KPD. Die Opposition in der KPD.(Braß, Fricsland, Maltzahn usw.) veröffentlicht einen zweiten Aufruf, den die„Rote Fahne" diesmal abdruckt, um ihn im redaktionellen Nachsatz als„dummes und plumpes Machwert" zu beschimpfen, ohne jedoch auch nur«inen einzigen Satz sachlich zu widerlegen. Aus dem Aufruf der Oppo- sition Hot folgender Satz Jntercsie: „Es ist kein Zufall, daß von den 400 000 Mlgtlcdern der USPD., die sich in.s?alle zur Dritten Internationale bekannten, daß von den 500 000 Mitgliedern auf dem Voreinigungsparteitag der VKPD. Im März IV2l nur noch 300 000 vorhanden waren und heule nur noch 180 000 bis 200 000 ZNllglieder vorhanden find." Nun weiß man. warum die„Rote Fahne" so einen großen Spektakel macht, wenn in einem hinterpommerschen Dorf einmal zwölf Mitglieder geworben oder für hundert Mark Broschüren ver- kauft werden. Kommuniftenprozeß in Leipzig. Bor dem zweiten und dritten Strafsenat des Reichsgerichts be- gann nach Meldung der TU. am Freitag ein neuer Kommunisten» p-tzefc. Es handelt sich um den Plan, die Hochbrücke überden K a i s e r- W i l h e l m- K a n a l bei Rendsburg zu sprengen, der im März 1820 während des Aufruhrs in Mitteldeutsch- l a n d gefaßt worden war, wodurch der Zuzug von Reichswehr» truppen nach Mitteldeutschland, insbesondere durch die Lahmlegung des Eisenbahnverkehrs über den Nord�stfeetanal, verhindert werden sollte. E» sind Insgesamt acht Personen, darunter sieben Holsteiner, von denen sechs sich in Untersuchungshast befinden, angeklagt. Der Eröffnungsbeschluß legt den Angeklagten Hochverrat in Tatein- heit mit Spreng st offverbrechen und Eisenbahntransport- gefährdung zur Lost. Die Verhandlungen werden voraussichtlich nur zwei Tage in Anspruch nehmen. �ergt unü feine Leute. Tcutsch monarchistische Mordhetze. Hamburg, 7. Januar.(Eigener Drahtbericht.) In Hamburg scheint die natronalistische Agitation wieder einmal aus «Inen Höhepunkt zuzusteuern. Die Deutschnationalen hatten sich gestern abend zu einer Versammlung ihren Vorsitzenden H e r g t kommen lasten. Er hielt eine unglaubliche Brand- rede gegen die Regierung, die allein Schuld daran sei, daß Deutsch- land in einer so oerzweifelten Lage ist. Die heutigen Minister, die an dem Platz eines Bismarck stehen, aber nicht fähig seien, dessen Schuhriemen aufzulösen, sollten wenigstens etwas mehr Energie zeigen. Dem Publikum würde von der Re- gierung nach wie vor blauer Dunst vorgemacht. Um die erste Milliarde zu bezahlen, habe man die Lebensmittelgelder In Anspruch genomen. Die Regierung sei an der Teuerung schuld. In Hamburg ist ein neues deutschnationale, Zei- tungsorgan erschienen. Es heißt„Reichsflagge". In der ersten Nummer, die am 6. Januar erschien, wendet sich der Heraus- gebcr In einer geradezu unverschämten Weis« gegen die Reichs- regierung und den Reichskanzler. Er schreibt unter anderem: Eine Kulturtat. Bor kurzem wurde in diesen Spalten gezeigt, wie Europa kolonisiert. Ein Gegenstück dazu ist der en g Iis ch- ch i n e s i s ch e Konflikt der Jahre 1840 bis 1842.- Die englische Ostindische Kolonie führte seit 1773 Opium nach Ehina ein und machte dabei Riesengeschäfte. Der chinesische Kaiser Toa-kuang, der natürlich von europäischer Kultur keine Ahnung hatte, fand aber, daß dieser Opiumhandel für die Volksgesundheit verderblich sei und außerdem eine Unmasse Geld unnötig aus dem Land führte, und verbot daher kurzerhand zunächst den Gebrauch und dann den Handel mit Opium. Damit eri eichte er, daß sich ein ausgedehnter Schmuggel entwickelte und eine ungeahnte Blüte er- lebte. Im Jahre 1839 riß der chinesischen Regierung endlich die Geduld. Sie konfiszierte auf den eingelaufenen englischen Handels- schiffen 20 000 Kisten Opium und vernichtete das Gift. Da sie kul- turlos genug war, die Entschädigungsforderungen der britischen Kaufleute abzulehnen, kam es zu Feindseligkeiten, und schließlich wies die Regierung alle Engländer aus dem Lande. Das war ein Schlag auf die heiligsten Güter der Ration. „Nichtswürdig ist die Nation, die nicht Ihr Alles freudig setzt an ihre Ehre." England erklärte also an China den Krieg. Begeisterung war schnell entfachl, und Tausende von Menschen starben den Heldentod fürs Vaterland. Der Schlachtcngott segnete die englischen Waffen und führte die Truppen von Sieg zu Sieg. Am 29. August 1842 unterwarfen sich die Chinesen im Frieden zu Nanking. Sie mußten v Millionen Dollar Entschädigung zahlen, den Engländern die Insel Hong-kong abtreten und fünf Höfen dem freien Handel öffnen. Wie nicht anders zu erwarten war, hatte die gerechte Sache ge- siegt. Die Europäer hatten sich das Recht erkämpft, ein großes Volk mit einem verderblichen Gift zu versorgen. Die Opiumproduktion in Indien betrug 1873 in einem Jahre(5 358 590 Kilogramm, wovon nicht weniger als 6 144 100 Kilogramm nach China exportiert wurden. Unsere Kultur hatte sich Eingang in Ehina verschafft. Iltis. „Anatol" in den Kammerspielen. Die zarte Halb weltchronik. di« Arthur Schnitzler zur Unsterblichkeit des Wiener süßen Mädels und des artigen Lebemannes Anatol geschrieben hat, wird jetzt m den Kammerfpielen ausgeführt. Es ist immer das gleiche, mit feinster Hand gestreifte Problem von der Liebelei. Es ist auch Immer der gleiche melancholisch« Reigen der Liebeleien, weil es sich stete um den gleichen Licbes'chüler, den jungen Herrn Anatol, handelt. Er geht zwar am Schlüsse des letzten losen Stückleins zur richtigen Hochzeit, aber er tut«s in äußerster Ungläubigkeit vor der Banntrast dieser Bindung. Man überschätze diese lieben Sächelchen nicht, wenn man sich davon Rechenschaft ablegt, daß stur ein ganz sublimer Künstler so leicht über dies« heiNen Ding« hingleiten kann. Aber man setze dies« Kunst der wirklich holden Frivolität nicht durch bissige» Moralisieren herab. Gewiß, die Moral ist dünn, da» süße „Welche Art von Geisteskrankheit, Verrücktheit oder geistiger Verfall hat denn nun eigentlich die Gewaltigen des Landes befallen, insbesondere Herrn Reichskanzler Wirth? Ein solcher Mann dürfte nicht 12 Stunden länger Kanzler sein. Er soll sich endlich davonmachen, dieser Unglückselige. Jetzt muß ja diese Ministergescllschaft überhaupt springen. Nach dem 15. Januar gibt es keinen dieser Leute mehr am Ruder." An anderer Stelle schreibt er:„Gott erhalte Ebert, Wirth und Scheidemann, Erzberger hat er schon erhalten!" Kaum ist die Verordnung des Reichspräsidenten verschwunden, so wagt sich auch die deutschnationale Mordhetze wieder unverhüllt hervor! Preußen unü Groß-�amburg. In einigen Tagen wird ein« Denkschrift des preußischen Han- delsministerium» über das Verhältnis der preußischen Staatsregie- rung zu den Groß-Hamburgischen Bestrebungen erscheinen. Es handelt sich um die Frage einer zweckmäßigen Organisierung der gewaltigen Wirtschafts-, Kraft- und Siedlungsgebiete an der unteren Elbe. Schon 1315 hat der hamburgische Senat bei der preußischen Staatsregierung Landabtretungen zum Zweck der Hafenerweiterung beantragt. Preußen hat damals die Ve- reitwilligkcit erklärt, all das abzutreten, was für die wirtfchaftlich notwendige Erweiterung des Hamburger Hafens im deutschen Ge- samtintcresse gebraucht wird und darüber mit der hamburgischen Re- gierung in freundnachbarliche Verhandlungen einzutreten. Im Jahre 1919 aber hat die vorläufige Regierung in Hamburg, gestützt auf den Zentralarbeitcrrat fürdasgesamteGebietderUnter- el b e, viel weitergehende Forderungen erhoben und Ist sogar soweit gegangen, daß der ganze Uferstreifen recht» und links der Unterelbe von Bergedorf bis ans Meer mit Groß-Hamburg vereinigt werden sollte. Gegenwärtig fordert Hamburg eine Dergrößerung seines Staatsgebietes von 414 auf 1200 Quadratkilometer, also um 183 Proz., und seiner Ein- wohnerzahl von 1,05 auf 1,5 Millionen, also um 23VH Proz. Das Bestehen starker Schwierigkeiten auf der Untcrelbe, die zum Teil mit der staatlichen Grenzführung zusammenhängen, ist ganz unbestreit- bar und eine Aenderung durchaus notwendig. Ham- bürg fordert weiter Industriegelände an seeschifftiefem Wasier, Siedlungsgelände an vier verschiedenen, jetzt preußischen Stellen und Berwaltungseinhelt für da, ganze Wirtschaftsgebiet in bezug auf Polizei, Wohlfahrt, Schule, Armenwesen, Verkehr, öffentliche Werke, Be- und Entwäsierung usw. Di« Verhandlungen werden beweisen, daß Preußen sich In der Berücksichtigung der Reichsinteressen von Hamburg nie übertreffen lassen wird. Preußen ist entschlossen, im deutschen Gesamtinteress« auch Gebietsoeränderungen zu bewilligen, selbstverständlich auf dem Wege de, Vertrag», wobei auch die Gegenleistungen geregelt werden müssen. Da» Reichsinteresse gebietet ganz allgemein, den Gedanken de» Unitarismu» nicht ver- kümmern zu lassen und den Wiederaufbau de» politisch mächtigsten Staates im Reiche nicht zu vernachlässigen. Die Frage de» deutschen Einheilsstaate» wird nicht in Hamburg und nicht in Berlin gelöst, auch nicht in München und Stuttgart, sondern in Paris, London, Prag und War- schau. Diese Erwägungen zwingen besonders dazu, da» kräftigste deutsche Staatsgebilde nicht unnütz zu schwächen. Um die jetzigen Zustände zu verbessern, ist es vor allem nötig, die Frage aus der leidenschaftlichen politischen Erörterung heraus- zuhebcn und Festlegungen zu vermeiden. Eine Heranziehung zum kommunalen Lastenausgleich mit den nicht hamburgischen Vorort- gemeinden, etwa nach Z 53 de» preußischen Kommunalabgaben- gesetzes, hat Hamburg begreiflicherweise abgelehnt, sie muß aber auf dem Wege des Vertrages versucht und betrieben werden. Eine ratio» nelle� Vereinheitlichung ist auch ohne Veränderung der Landes- grenzen möglich, Vertragsentwürfe dafür sind vorgelegt oder in vor- bereitung. Preußen wird es bei den Verhandlungen an Großzügig- keit in keiner Weise fehlen lassen. Das neu errichtete Staats- kommissariat soll nicht nur die Verhandlungen mit Hamburg führen. sondern Maßnahmen finden und in dos Nerwaltungsrecht umsetzen, die die Lage der preußischen Gemeinden de» Unterelbegebietes ver- bessern. Mädel mutet heute schon etwas großmütterlich an. Herr Anatol gar verdient eigentlich, daß man ihn in einen Narrenkäfig einsperrt und vier Wochen auf Wasser und Brot setzt: aber Schnitzler ist doch der erste, der dies« morbiden Geschöpslem erschuf. Die Nachahmer haben verdorben und vergröbert, was er aufs fröhlichst« und vor- nehmst« ziseliert«. Herr Edthofer spielt mst einer etwa» zu hoch schnarrenden Ueberlegenheit und nicht sehr verträumt den Anatol. Ueberhaupt huldigt der Regisseur zu Uixrecht dem Schwanktempo. Es müßte leiser hergehen, wiegender, wahzermähiger. Wienerisch in diesem Sinn bleibt vollkommen nur Herr Thimig. Erika von Thell- mann,- Margarete von Bukovics. Fräulein Christians und Stella Arben ina beleuchten mit ihrem Talent das unwantwlbar«, trotzdem ewig verwandelt« Bildchen des süßen Mädels. Und Lina Lossen steht einige Minuten auf der Bühne als die bürgerlich feste Frau, di« ihr eigenes gewichtiges Herz gegen das flotter« Herzchen all der flattrigen Nebenbuhlerinnen ver- techigt. M. H. »Die Istükter" im Kleinen Schauspielhaus. Käthe Dorsch erfüllt eine literarische Mission. Diese» lebendige Menschenkind, da» sich mit ihrem ganzen Wesen gegen alles, was Stil und Stilisierung. heißt, stemmt, zwingt die Berliner Bühnen, aus Dramen einer Epoche zurückzugreifen, die eine ganz« Generation belächeln zu können glaubte. Georg Hirschfelds Schauspiel„Die Mütter" ist fünfundzwanzig Jahre alt. Wenn das Drama auch ein wenig konturlos ist, so leben in ihm doch Menschen, die man nicht wieder vergißt. Die„naturalistische Weitschweifigkeit", die man den „Müttern" oft vorgeworfen hat, stört uns heute gar nicht. Im Gegenteil: Diese Art, Menschliches zu nüancieren und zu stufen, ist eine wahre Erlösung. Hier ist ein Stückchen, ein Cckchen Leben, zu dem man ergriffen in seinem eigenen Innern das Gleichnis lucht. Wieder einmal hänat hier ein Mann oder ein werdender Mann zwischen Weib und Werk— diese Poliererin Marie Weil ist beinahe eine Photographie der Näherin Elise Leasing, die mit Hebbel durch- machte, was diese Marie mit ihrem Robert Frey erleben muß—, wieder einmal verzichtet ein Weib auf den Mann um des Werkes willen und geht au» einem Lebenskreise hinaus,— mit dem verschwiegenen Geheimnis ihrer Mutterschaft. Käthe Dorsch ist diese Marie Weil. Man kann nur eine» sagen: daß man nach diesem Erlebnis nichts zu sagen vermag, weil Worte und Textstellunqen die Tiefe und Größe de» Erlebnisses nur zerstören würden. Wer einen Menschen lieben, leiden und verzichten sehen will, der gehe hin. Und der. dem über den Gehalt hinaus auch das Artistische zum Erlebnis zu werden vermag, wird mit Freude konstatieren, daß hier Sein und Können in einer Weise sich ausbalancieren, die man genial nennen muß. Reben ihr als Robert Frey K a r l L u d w i g A ch a z. Er hat noch nicht die nacht- wandlerische Sicherheit der Dorsch für das Echte. Aber er ist auf dem Wege. Die Sprache will oft»och nicht so, wie Eiste und Blick wollen, mit denen er sein Stärkstes gibt, wie etwa in der sehr heiklen Situation vor dem Napfkuchen aus Mutter» Tisch. Ger» t r u d E y s o l d t al» Mutter dieses Sohnes fand nicht den richtigen Ton. Manchmal sprach sie sogar Jamben. Rur die Haltung und ein paar überlegen-humorige Gesten überzeugten. Daneben unter Der aülige Protokollführer. Bei der Besprechung des Vorfalles, daß Amtsgerichtsrat West» p h a l in Potsdam bei einer gerichtlichen Vernehmung der ehe- maligen Prinzessin Eitel Friedrich an Stelle des protokollführenden Kanzleiassistenten einen adligen Referendar, nämlich den Grafen von der Groeben, das Protokoll hat führen lassen, wurde in einigen Blättern behauptet, der preußische Justizminister Dr. am Zehnhoff habe dies Verfahren gebilligt. Diese Behauptung ist, wie den PPR. von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, unrichtig. Der preußische Iustizminister hat im Falle Wcstphal bisher keinerlei Entscheidung getroffen. Dagegen ist das Verfahren des Amtsgerichtsrats Westphal von seinem un- mittelbaren Dienstoorgesetztcn, dem Landgerichtspräsidenten in Potsdam, Im Wege der Dienstaufsicht aufs ernstlich st e miß« billigt worden. Die hiergegen von dem Amtsgerichtsrat West- phal eingelegte Beschwerde ist vom Kommc-gerichtspräsidenten am 4. Januar d. I. als unbegründet zurückgewiesen wo.-- den, nachdem der weitere Antrag des Amtsgerichtsrats Westphal, gegen ihn wegen der Anordnung des Landgerichlspräsidenten das Disziplinarverfahren einzuleiten, vom zuständigen Disziplinargericht als gesetzlich nicht zulässig abgelehnt worden war. Preußische Justizreform. Wie die PPN. hören, fand am Donnerstag im preußischen Justizministerium eine Besprechung mit � sämtlichen Oberlandcs- gerichtspräsidenten Preußens statt, bei lier u. a. Fragen der Justizresorm den Gegenstand der Erörterung bildeten. Em neues Seerecht. Die Abrüstungskonferenz in Washington hat in letzter Zeit schwere Krisen durchgemacht. Es hat den Anschein, daß man sich über die chinesische Frage und die Frage der kleineren Flotten- cinheiten einschließlich der Unterseeboote nicht verständigen wird. Die Verständigung über den zweiten Punkt scheiterte an dem Widerstand Frankreichs. Es ist nicht zu verkennen, daß das Ver- hältnis zwischen England und Frankreich dadurch einen heftigen Stoß erlitten hat. dessen weitere Auswirkungen von dem Ergebnis direkter Verhandlungen zwischen den beiden Großmächten abhängen wird. Auch die Vereinigten Staaten haben sich sichtlich von Frank- reich zurückgezogen. Einen wie hohen Grad die Mißstimmung auch hier erreicht hat, ging aus der Erregung hervor, die ein G-rücht über französifch-japa-.ifche Gcheimübereintünste In Sibirien hervor- rief. Das Gerücht ist inzwischen offiziell dementiert worden, da» Unbehagen geblieben. Um nicht mit leeren Händen auseinanderzugehen, hat man sich in Washington über die Verwendung der Unterseeboote im Kriegsfall geeinigt. Das Abkommen umschreibt zunächst das Verfahren, nach dem Handelsschiffe nach vorhergehender Untersuchung beschlagnahmt werden dürfen und gestattet einen Angriff nur bei einer Weigerung, die Untersuchung durchführen zu lassen oder nach gegebenen Vorschriften zu fahren. Eine Ver- n i ch t u n g des Fahrzeuges ist verboten, wenn nicht zuvor Be« satzung und Passagiere in Sicherheit gebracht worden sind. Die Unterseeboote sind von diesen Vorschriften nicht entbunden und müssen auf jede Maßnahme verzichten, wenn di« Umstände ein völkerrechtliches Vorgehen unmöglich machen. Da dies aber in der Regel der Fall sei, so folgert das Abkommen weiter, so sei es eine allgemeine Forderung der Menschenrechte, die Verwendung der Unterseeboote als Zerstörer des Han- dels generell zu verbieten. Die in dem Vertrag unterzeichneten Mächte erklären infolgedessen, daß sie„dieses Verbot' untereinander als bindend betrachten, wobei es allerdings nicht ganz einwandfrei feststeht, ob sich das Verbot auf die zuletzt erwähnte Verwendung der Unterseeboote überhaupt oder auf die in drei Punkten fest- gelegten Einschränkungen bezieht. Gewiß wäre es gut, wenn auch die anderen Völker, wie es da, Abkommen anregt, sich den Vereinbarungen anschlössen, indes wäre«ine Beschränkung der Waffe selbst die größere Sicherheit gewesen. Aber es ver- hält sich mit den U-Booten wie mit den Giftgasen, man ist entsetzt über ihre Wirkungen, nennt ihre Verwendung barbarisch und— pflegt sie sorgsamst weiter. Schwanncke» zurückhaltender Regie er selbst, Fritz D e l i u s, Nelly B o n d a, Else Bäck, Hans Balder und— auf- fallend— Eva Brock. Der Eindruck war ungewöhnlich stark Der Dichter konnte sich bereits nach dem zweiten Akt für den Beifall be- danken. O. E. H. Spott dem SpSller! Man weiß, mit welch bissigem Hohn Moli-re die medizinischen Charlatane seinerzeit bedacht hat. Die modernen Acrzte haben aber feurige Kohlen auf das Haupt Ihre» erbitterten Feindes gesammelt und beschlossen, sich auch ihrerscit» an der Feier de» bevorstehenden Dreihundertjahrjubiläums zu be. teiligen. Nach der„Times" hat«in Pariser Arzt in der französi- schen Akademie der Medizin diese Ehrung mit folgender merkwürdi- gen Motivierung begründet:„Gerade, weil Molicre die Aerzte seinerzeit io bitter verhöhnt hat, hat er Anspruch auf unsere Dank- barkeit. Wenn«r sich so kaustisch über den Gebrauch von Abführ- Mitteln, von Senfpflastern und von Aderlässen lustig machte, so hat er dadurch nicht zum wenigsten dazu beigetragen, die Derbreitung der Arterieskleros«, der Zuckerkrankheit und der Gicht den Boden zu bereiten. Damit aber wurde er der hauptsächlichst« Förderer der Prosperität, deren sich heute die Aerzte zu erfreuen haben. Und dafür schulden wir ihm aufrichttgen Dank." Das ist eine Huldigung, von der sich Moliir« gewiß nicht» hätte träumen lassen. Kupfer in Französisch-Marokko. Im französischen Marokko hat der amerikanische Berpwerksingenieur Frank Gardner Kupfervor- kommen von großer Ausdehnung entdeckt. Die durchschnittlich? Mächtigkeit beträgt 1 Fuß. die nröstte Tief« der Gän"? erstreckt sich bis zu 150 Fuß. Eine viertelmillion Tonnen des Material, soll ganz oberflächlich gelagert sein. Gardner, der mit mehreren In- genieuren, die als Eingeborene verkleidet sind, Marokko bereist, meint, die Franzosen könnten mit diesem Kupfer nahezu ihre ganzen Kriegsschulden bezahlen. Krstaufknbrunge« der Woche. Mittw. Wawallatbeater:„VI« Mondlibelndame-.— Freit. Intime, T5cater:.Ein grausige» Experiment".— Neue» VolkZIheater:»Heuchler«.— StaatZoper:»Die Zauberflöte". In der tlranla in der Taudenstrahe wird Montrag Kurt HIelicher seinen Voi trag»Spanien, Land und Leute" wieder- bolen. Mittwoch spricht Oiedcimral W intet au« Marburg über die»Eis- riesenunterwelt im Teimcngebirge bei Salzburg". va» Filmwerl»Im Kamps mit dem Berge" gelangt Sonntag. vonnersiag und Tonnabend abend« 8 Uhr und Mittwoch nachm. VI, Ubr, da« stilmwerk»Wunder de» Schneeschub«" vlenSiag und ftiei- lag. abend» 8 Mr. und Montag, vlenslag und Donnerstag, nachmittag» VI, Mr zur Darstellung. Echul-KunstauSstellung. Tim 8. b. M., 11 Mir vormittag«, eröffnet der Bund sür Sans Kunstantslevungen leine erste diesjährige Brronslaiiung in der Kirschner-Oberrealschule, Berlin NW 87, Zwinglisir. 2. Tprech-Cbor Ernst Friedrich. Di« klrbelier-Kunstausffellnng hat unter der lünlilcrtlchen Leitung von Ernst Friedrich einen Sprech-Ebor ge» bildet, der jeden TienStag und Freitag abend» 7'/, Uhr in der Sovbien- Stule. Weinmeifterslratze tS— 17, seine Uebunaistunden abbäli. Keprobt wird zunächst ein kborwert von Ernst Toller. Männer, Frauen und Jugend- liche au» dem Lelertreise unserer Zeitung, die gewillt find mitzumachen, wollen fich in einer der Uebungsstunden melden. Dollar 154. Die Ungewißheit über den Ausgang der Konferenz in Cannes lähmt noch immer die Spelulation am Devisenmarkte. Dollarnoten setzten heute mit ISl) ein, gingen im weiteren Verlause auf etwa 184 zurück und zeigten später wieder etwas festere Tendenz. Amtlich notiert Kabel- New Jork 185.73, London 780, Amsterdam-Rotterdam 6823. Nach der Festsetzung der amtlichen Kurse machte sich eine Be- festigung geltend. Ter Rubelkurs. ZNoskav, i. Januar,(gk.) lieber den Wert de« russischen Rubels geben folgende offizielle Kurse der Reichsbank Auskunst: Ein Dollar= 200 000 Rubel, eine Mark 1000 Rubel, ein lettischer Rubel= 300 Rubel, ein(Sottrubel= 90000 Papierrubel. Sie Wahlen W AngeAMen-Verflchenmg Die Konferenz von Cannes. Pari», 7. Januar. sDTV.) Der vcrichlerskaller d«.Echo de Paris" meldet aus Cannes, man habe gestern abend angekündigt. daß die belgische Regierung grnndsählich ihre Zu- st i m m u n g zu dem scanzösisch-engüschen Abkommen vom 22. Dezember über die Reparationen erklärt habe. Sie verlangte, daß die deutschen Zahlungen etwa» höher würden, nach einigen Gerüchten bis zu einer Milliarde, und daß der Anteil der anderen Länder herabgesetzt werde. Aber Italien erhebe Ein- Wendungen nnd verlange, daß der Werl der Staatsgüter in den Gebieten, die annekNerl wurden, in Anrechnung kommen solle. Dag beziehe sich aus die Sohlengruben de« Saargebiets. Was die Sohlen anbetreffe, so werde die Berechnung für d.e von Deutschland zu leistenden Lieserungen nach dem deutschen In- landspreis erfolgen.' Cannes. 7. Januar.(EP.) cheute morgen 11 Uhr wird die Frage der Zahlungsfähigkeit Deutschlands besprochen werden, wenn die Sachverständigen ihre Berichte bt» dahin sertig» gestellt haben. IranMsthe Scharfmacher. Paris, 7. Januar.(WTB.) Der Abg. de Lasteyrte hat feinen Bericht über das Budget der Ausgaben, deren Zurückerstottung Deutschland nach dem Lersailler vertrag zukommt, vollendet. Er gibt diesem Bericht eine allgemeine politische Betrachtung über das Reparatlonsproblem bei, dessen Inhalt er selbst im »Matin" wiedergibt. Darin sagt er, die S f f e n t! i ch e R» i» nung In Frankreich sei erregt wegen der Verhandlungen, au» denen niemals für Frankreich etwas andere« al» Enttäuschung her- vorgehen werde. Sie lege sich Rechenschaft davon ab, daß Deutsch- land nur etwa« zu erreichen suche,«» wolle Zeit gewinnen, denn n i« m a l» Hab» es aufrichtig die Absicht gehabt, die Reparation zu begleichen, s!) Deutschland sei in keiner Weis« ruiniert. E» durchlebe eine Pertode industrieller Tätigkeit, um die die meisten anderen Völker»« beneiden könnten. Der Sturz der Mark komme keineswegs von den Reparationszahlungen. Er sei die Folge der Finanzpolitik, die Deutschland seit dem Waffenstillstand betrieben habe. Frankreich müsi« mit den Alliierten kurz und bün» dig reden In Berlin müsse eine Kommission der Dette Publique analog denen eingesetzt werden, die in Aegypten, in der Türkei und in Griechenland bestanden hätten. Damit aber Deutschland diese Kontrolle annehme, müsse man die B e- setzung des linken Rheinufer» und der Brückenköpfe von Düsseldorf als Garantien betrachten. Rückkehr Rathcnaus. Pari», 7. Januar.(WTB.) Dr. Walter Rathenau hat gestern abend die Rückreise nach Berlin angetreten. General Rollet ist heute vormittag nach Berlin abgereist. Deutsche öeegbauangeftellte in ffollanö. Der Ortsausschuß des Afa-Dundes in Aachen hat dem Bor- stand der sozialdemokratischen Reichstagssraktion folgende Angelegenheit unterbreitet: Die Angestellten des Aachener Steinkohlenbergbaues haben im Sommer gestreikt. Der Streik ging nach 314 Wochen verloren. Bon 800 Streikenden flogen 192 aufs Pflaster, worunter fast alle Mit- glieder der Betriebs- und Angestclltenräte. Don 47 Mitgliedern der SPD. wurden 42 gemaßregelt. Der Schlichtungsausschuh entschied zwar, daß etwa die Hälfte der Angestellten wieder einzustellen sei, allein sie wurden durch Zahlungen abgefunden, so daß sich im ganzen 112 Mann neue Stellung suchen mußten. Diese Suche blieb erfolglos, da sowohl im Ruhrrevier wie im holländischen Bergbau den Gcmaßregelten erklärt wurde, vor dem Frühjahr könnten sie auf Beschäftigung nicht rechnen. Da» Gebot der Bergwertsgewal- tigen:„Die Ausgesperrten sollen M Jahr lang für den Streit büßen", wird offenbar streng befolgt. Auf der Suche nach Beschäftigung fanden 14 Mann solche als Hauer im limburgischen Bergbau, teil» aus fiskalischen, teils auf Prioatrechten. Hier ging da» Kesseltreiben gegen die Angestelltes weiter. Die holländische Regierung soll dabei hilfreich« Hand leisten. Trotzdem diese Hauer sich einwandfrei führten, wurden Ende November zwei Mann entlassen, die auf einer Staats- zeche arbeiteten. Die Betriebsverwaltung hatte ihnen baldig« An- stcllung als Steiger versprochen und setzt« sich für ihr verbleiben «in. Der Endentscheid der Generaldirektion ging jedoch dahin: „Es sei erwiesen, daß die beiden ihre kommunistische Gesinnung noch immer nicht geändert hätten. Beweis: die Feststellung, daß si, den„Vorwärts" nach wie vor be- zogen. Es ist bezeichnend wie man von Holland au» in dem Betriebe der Deutschen R e i ch» p o st so gut Descheid weiß. Ein anderer Fall betrikft zwei Mitglieder der SPD. und d e r A f o, die auf einer Privatzeche in Arbeit standen. Diese Bermaliung hat siK anscheinend nicht berufen gefühlt, die Rache. gelüste der deut'chen Arbeltgeber zu befriedigen. Darum mußte «ine andere Instanz mobil gemacht werden. Am 13. Dezember d. I. wurde den beiden Genosien von der Gendarmerie der Grenzpaß entzogen ohne jede Motivierung. Es wurde ihnen bestätigt, daß die Pässe durchaus in Ordnung waren. Die Wcrksdirektion hat den beiden erklärt, sie wolle von einer Eni- lassunq nichts wissen und lege Wert auf die Feststellung, daß die Paßentziehung erfolgt sei, weil die beiden Genossen von der deutschen Bebörd« als Kommuni st en denun» ziert worden seien. Bon welcher speziellen Instanz aus die» geschehen sei, konnte leider nicht mitgeteilt werden." Das Schreiben besagt zum Schlüsse: „Do» Los der Ausgesperrten(zurzeit noch 42 Mann) ist schon elend genug. Eine besondere Verschärfung seitens der niederländischenDehörden könnte gut entbehrt werden." Uns scheint, daß hier weniger die niederländische Regierung schuld ist als die Rachsucht des deutschen Unternehmertums» das die Ausgesperrten mit ihren Denunziationen über die Grenze verfolgt. Allerdings sollten sich die holländischen Behörden für zu schode halten, um auf niedrige Denunziationen hin mit derartige« Maßnahmen gegen friedliche Angestellte vorzugehen. Mit diesem Thema beschäft-.gte sich eine Versammlung, die, vom Afa-Vund«lnberusen, gesteru in den Gcrmaniasälen tagte. Als Re- ferenten sprachen die Reich-tagsabgeordneten Aus Häuser und Giebel. Aufhäuser wies In seinen Ausfllhnmgen daraus hin. baß sich bei diesen Wahlen zwei Gruppen gegenüberstehen: die freien Angeslellienoerbände, die im A f a» B u n d organisiert sind und alle anderen Verbände, unter denen sich auch der GdA. befindet. Es sei eigentlich recht erfreulich, daß hierdurch» o l l e K l a r h e i t für den Wahlkamps ge- schassen worden sei. Die Gegner des Afa-Bundcs vertreten den Standpunkt, daß die Angestelltenversicherung als eine besondere bestehen bleiben müsse, ein verlangen, für das auch die kapitalisti» schen Unternehmer ein volle, Verständnis bekunden/ während der Afa-Bund für eine vereinheitlicht« und damit verbilligte und verbessert« Sozialversicherung eintritt. Der kapitalisti- schen Entwicklung ist damit gedient, angesichts der zunehmenden Proletarisierung sich die Herrschaft durch möglichste Trennung der Arbeikergruppen zu erhalten und so erklärt sich auch di« kapitalistische Vorliebe für di« Sonderversicherung der Angestellten. Di« Gegner sprechen da- von, die Angestellten dürften nicht unter di« große soziale Dampf- walze kommen, sie helfen aber dem Kapitalismus, die Angestellten unter seine Dampfwalze zu bringen. Wie in der Angestelltenver, sichernng gewirischastet wird, sprechen folgende Zahlen aus: Sür Renten wurden im Jahre 1920 ausgegeben 1348 000 M., >eitrag»»r stattungen 6 582 000, für Heilverfahren 44 924 000 M.. dagegen allein für Verwaltungskoste» 58122 000 Mark. Nnd dabei wird in Aussicht gestellt, daß die Derwoltungskosten sich welter auf 20 Proz., also aus den fünfier. Test der Versicherungs. beiträge steigern werden. Am Schluß sorderte der Redner unter lebhaitem Beisall zur regen V-teiiigung bei den Wahlen auf. Hieraus sprach Genosse Giebel, der die Ausführungen des Lorredners wesentlich ergänzt«. Er wandte sich insbesondere gegen di« unwahren Behauptungen in den Flugblättern und der gegneri- schen Presse, die er auf ihren wahren Wert zurückführte. Wenn von ven deutschnationalen Verbänden die gering be- zahlten Handlungsgehilfen damit verhöhnt werden, daß ihnen vorgeworfen wird, sie müßten sich das Gehalt vorschreiben lassen, so sei dos bezeichnend, denn man gehe nicht" fehl in der Annahme, daß heute«twa 8 5 Proz, der Gehilfen weniger erholten, als zur Aufr«chtcrhaliung einer dürftigen Existenz notwendig ist. Und das wäre die große Zahl der Kollegen, um die sich unsere Gegner nicht kümmern wollen. Leider gebe es unter den Anacstell- ten noch vielc, die bei dem Wort Proletarier eine gelinde Gänsehaut bekommen und auch über das Wort Streik noch erschrecken. Die Behauptung der Gegner, daß wir durch die Vereinheitlichung der Sozialversicherungen die Proletarisierung der Angestellten betreiben wollen, ist also ein Unsinn, denn diese Versicherungen sind erst infolge der Proleiarisierung der Angestellten erstanden. Und die Vereinheitlichung ist, wie die Mißerfolge der Angestellten» Versicherung deutlich genug zeigen, ein« Notwendigkeit ge- worden, um ein« bessere Leistungsfähigkeit zugunsten der Versicherten herbeizuführen, was b-i der unzweckmäßig aufge- zogenen Sonder Versicherung der Angestellien nicht erreicht Verde« kann. An der Hand vorliegender Lügen Und Derdrehungskünste wies der Redner nach, wie gegen die freien Verbände der Angestellten Stimmung zu machen versucht wird. Gerade aus nationalen Grün- de« müsse« all« arbeitenden Kräfte in eins gemeinsame Versicherung gebracht werden. Alle bedürfen der gleichen Fürsorge. Es muß jedem zum Bewußtsein gebracht vxrden, daß er ein: Tor- heit begehen würde, wenn er gegen die Liste de, Lfa-Vuude« stimmen wollt«. Ehrensache eines jeden AngcstMen muß es sein, dafür Sorge zu kragen, daß der Wahltag zu einem wahren Sieges» tag für den Afa-Bund und damit für alle Zlngestellten wird. Die Ausführungen des Redners fanden lebliaftcn Beifall. Der Vorsitzende, Fla tau. konstatierte die völlige Ueberein- stlmmung mit den Darlegungen der Referenten und schloß die Ber- sammlung mit der Aufforderung an die Kollegen, alles aufzubieten, um den erwünschten Sieg zu erringen. Darum: wählt alle:„Äste Hfa-Sunö"! Fnventurausveekauf. E«»ligt sich jetzt, wie berechtigt di« Warnungen her Presse vor einer Anteilnahme an der wilden Warenhamsterei in drn Monaten Oktober und Ropember gewesen sind. Unmittelbar nach Wisijmachir« Hoven aus der ganzen Linie stärker Venn j« umfang' reiche Inventurausverkäufe eingesetzt, und man fragt sich mit Recht, woher den« jetzt plötzlich dieser Warenüberfluß kommt, nachdem noch vor wenigen Wochen Detailisten wie Fabrikanten sich in Schilde- rungen der großen Warenknappheit überboten. Besonders auffallend ist die betriebsame Reklame, mit der vcr- schieden« Zweige des Bekleidungsgewerbes jetzt ihre offenbar recht großen Warenbestände an den Mann zu bringen suchen. Es handelt sich hierbei nicht nur um Dinge, die einer rasch wechselnden Mode unterworfen sind und die deshalb möglichst schnell untergebracht wer- den sollen, sondern häufig werden Wäsche, Schuhe, Kleiderstosse usw. zu angeblich ermäßigten Preisen angeboten, die man sehr wohl in diesem wie im kommenden Jahr tragen kann, ohne mit der Mode in Konstikt zu kommen. Die derzeitige Lage Deutschlands ist über- Haupt nicht danach angetan, daß auf die Mode allzu große Rücksicht genommen werden muß. Solange noch Hunderttausende deutscher Kinder unzureichend bekleidet in der Wintcrkälte herumlaufen, sollte man dem von einer dünnen Oberschicht getriebenen Klcidcrluxus energisch entgegentreten. Denn gerade die Angehörigen jener Kreise, die das Geld im vergangenen Jahre tatsächlich spielend und schiebend oerdient haben, waren neben den ausländischen Valutarittern die Regisseure der Verteuerung aller wichtigen Gebrauchsgegenstände im letzten Quartal 1921 Sehr viel haben zur Verteuerung die stark gefärbten Jnter- essentenberichte über Verminderung der Vorräte und Knappheit an Rohmaterialien in der hinter uns liegenden Hamsterperiode beige- tragen. Das Publikum wurde systematisch zu Angstkäufen' ange- peitscht, da» gilt ganz besonders vom Bekleidungsgewerbe. Noch vor wenigen Wochen konnte man überall lesen, daß die Schuhfabriken und die Grohkonfektionäre nicht in der Lage seien, den Ansprüchen de» Detailhandels zu genügen Merkwürdigcrwelle stehen wir jetzt kurz nach Weihnachten vor der Tatsache, daß der Markt gerade mit diesen angeblich so knappen Artikeln überschwemmt wird. einstweilen nur für die Dsuer»a« 2—3 Monate» geplant, um aus diese Wels« Feststellungen übe? dl« Zahl der iicn der Strsßen» bahn zur Hochbahn und umgekehrt umsteigenden Fahrgäste zu treffen. Für späte? ist di« Echastung»ine» einheitlichen Umsteige- fohrschelne»»orgesehen, der sowahi den Uebergang von Straßen- bahnlinien zu Straßenbahnlinien wie zur Hochbahn und eventuell auch zu den Autobuslinien gestattet. Zu diesen Plänen wird auch die Stadtverordnetensersammlung sich noch zu äußern haben. Ja, tn vesson! Da» Deffauer Sladtparlnment hat in seiner ersten Gemeinde- ratssitzung den Sozialdemokraten, Genossen Li'ppmann zum Stadtverordnetcnvorsteher gewählt, und zwar mit 21 Stimmen samt- licher sozialistischer Parteien sowie der Deutschdemokraten aezcn 14 Stimmen der übrigen bürgerlichen Parteien. Vor der Wahl hallen die Reaktionäre versucht, einen einheitlichen Bürger- block zustande zu bringen. Um die Demokraten hierfür zu ködern, hallen sie sogar dem Führer der Deutschdemokra» tischen Partei. Hkrrn Dr. Rausch, den Posten des Stadt- verordnetenvorstchers angeboten. Herr Dr. Rou'ch erklärte jedoch: Er und seine parle! hioiien an dem Grundsatz fest, daß der stärksten , Parket der Vorsitz gebühre, deshalb lehne er eine Wahl ab und werde . für den Sozialdemokraten als den Vertreter der stärksten Fraktion 1 stimmen. Dieser Grundsatz gilt aber offenbar nur für die Deutschdemo- traten in Dessau. Vis nach Berlin ist er noch nicht vorgedrungen. v!e Strkgenbahntariferhkhunq. llmstefflefahrschelne zwischen Skraßenbahn und Hochbahn. Der Verwaltungsrat der Berliner städtischen Straßenbahn beschäftigte sich gestern abend mit der vom Magistrat oorge- schlagenen Erhöhung des Straßenbahnfohrpreises. Er st i m m t e der Erhähung zu und setzte die Tarifsteiacrung für die Vorort- straßenbahnen, sowie die neuen Preise für die Monatskarten, Schüler- karten usw. im einzelnen fest. Bon der Beschlußfassung der Stadt- verordneten wird e» abhangen, Ivann die Tariferhöhung auf der Straßenbahn in Kraft tritt. Kommt es bereits am Dienstag, den 17. d. M., zum Beschluß, soll die Tariferhöhung am zweiten Tage darauf, am 19. Januar, Geltung erlangen. Da aber die Deckung?- vorlag« an den ständigen Haushaltsausschuh der Stadtverordneten- Versammlung zur Vorberatung überwiesen werden soll, ist auch dieser Zeitpunkt nach unbestimmt. Wie Stadtbaurat Dr. Adler in der Verwaltungsratssitzung mit- teilte, ist es nach monatelangen Verhandlungen zwischen Hochbahn- gesellschaft und Straßenbahn gelungen, einen Zlbrechnungsmodu» zwischen den beiden Verkehrsunternehmen zu finden, der die lang- erstrebte Einführung von Umsteigefahrscheinen von Straßenbahn zur Hochbahn und umgekehrt ermög- licht. Etwa eine Woche nach Einführung des 2-Mark.Tarife« soll mit dem Umsteigeverkebr begonnen werden. Zu diesem Zwecke wer- den besondere Umsteigefahrschein« zu 3 Mark zur Ausgabe gelangen, die einen Uebergang zur Hoch- und Untergrundbahn auf allen Dahn- Höfen dieses Verkehrsmittels und nach beliebigen Richtungen hin und von der Hoch- und Unt-rqrundbahn zu allen Straßenbahnlinien er- möglichen. Eine Beschränkung der anschließenden Hochbahnfahrt auf 6 Stationen vom Uebergangsbahnhof ab kommt nicht in Frage, der Umsteigefahrschein berechtigt vielmehr zu einer Fahrt von be- Nebiger Läng« auf dem gesamten Liniennetz der Hoch- und Unter- grundbahngesellschaft. Selbstverständlich kommt nur«in Uebergang zur dritten Wagenklasse der Hochbahn in Frage, Benutzung der zweiten Wagenklasse erfordert die Nachzahlung der entsprechenden Fahrpreisdifferenz. Die Ausgabe besonderer Umsteigefahrscheine ist Roch keine Spnr dcS Buchholzer Mörder?. Zu dem Mord in Buchhclz wird mitaeieilt, daß der Mörder immer noch unbekannt ist. Er ist, wie wir schon sagten, ohne Zweifel in dem engsten Kreis« der Bekannten des Ermorde. ten zu suchen. Eine besondere Mannschaft der Kriminaspolizei ist nusqeboten worden, um diesen Kreis vollstän'oin zu erforschen. Bis heute moraen hat sie jedoch einen bestimmien Anbait noch nicht ge- funden. Sie setzt ihre Ermittlungen heute fort. Am Tatort erschien aestern nachmiitag auch ein Vertreter der Staatsanwaltschaft. Die Bcsichtiqunq der Kopfverletzungen und des Bettzeuges, an dem der Mörder das blutige Werkzeug wiederholt abgewischt hat. führte zu der Annahme, daß er höchstwadrscheinlich ein dolchartiges Messer benutzt hat. An den Anschlagsäulen erscheint beute eine Bekanntmachung des Polizeipräsidenten, in der eine Belohnung von 5000 M. ausgeschrieben wird. Wem gehärk da» Kind? Einen eigenartigen Dank erntete gestern in der Reuen Friedrichstraße«ine Frau für die Betütigunq ihre» Mitgefübls. Bei ihr erschien ein s u n g e s Mädchen, das einen etwa S Wochen alten Knaben auf den Armen trug, und sprach sie um«ine milde Gabe an. Die Frau liest sie eintreten, setzte ihr Kaffee vor und gab ihr dann Geld, damit sie sich dazu auch Schrippen hole. Das Mädchen kehrte aber nicht zurück, liest vielmehr den kleinen Knaben im Stich. Der gutherzigen Frau blieb nichts anderes übrig, als das Kind durch die Polizei nach dem Waisen- , Hause bringen zu lassen. I« ein krovische» Meeresbeckc« ist der Behälter 2 der Seeroasser- I Abteilung des Berliner Aquariums durch Anbrmguna einer lieizung | umgwandelt worden. Des Becken wird von einer prächtigen, großen, echten Karellschildkröte, einem kleinen Trupp junger, auf grauem ' Grunde schwarzgefleckter Argussisch« und von zwei von der Firma � Cart Ha penbeck in Stellingen bei 5)«rmburg hier eingestellten Diamant-Schildkröten bevölkert. Die Jngendwetbe in OberiibSneweide findt im März d. I. Oatt. Änw.eldimgen sii d di» zum Ib. d M.-n nachstellende Stellen in Ober- fchöneweive zu r'chih Uhr: Der Waffenschmied. 15. Die verkaufte Braut.— ' iller-Theater: 8. u. 15. Dan. Earlvs. Il..Minna von Barnhelm.. 14. Prinz Schi! Friedrich von Die Gezierten, Homburg.— Neues VvlI».The-ter: 8. Der zerbrochene Krug. . 15. Jugendfreunde.— Die Tribüne: 8. u. 15. Totentanz.— ostler-Theater: 8. u. 15. Flamme.— Kleine» Schaufpielhausr igädie.— Triaaon-Theater: 8. Mein Freund Teddy.— Refidc Theater: 8. Easanovas Sohn.— Zentral-! Deutsche« Ksinstler-Theaier: 8. u. 15. Flamme. 8, Kindertragädie.— Trianon-Theater: 8. Mein Freund Teddy.— Nefidenz» Theater: 8. Easanovas Sohn.— Zentral-Theatcr: 8. Desdemona.— Lustspiel- hau«: 8. u. 15. Nachtasyl.— Theater de« Westea«: 8. u._J5. D-r.crsten Lieb« goldene Zeit. 11. u. 14. Hänsel und Gretel.— Kleines Tbeater: 8. Der Dieb. Walhalla-Theater: 15. Scheidungsreise.— Theater des Osten»(Rose-Theater): 14. u. 15. Rotkäppchen.— Kafino-Theater: 8. Onkel Sammy.— Neue, — Walhalla-Theater: 8., 14. u. 15. RotkS,..,__________ Theater am Zoo: 11. u. 14. Iphigenie. 15. Metanveiten.— Schloßpark-Theatee Steglitz, Kleins Hau»: 8. Extemporale. 15. Raub der Sabinerinnen. G r o ß e» H a u»: 8. u. 15. Der gestiefelte Kater.— Bdmiralspalast: 15. Abrakadabra.— Intime, Theater: 8. Eine Liebesnacht usw.— Theater am Kur. sürstendam«: 8. u, IS. Bnnbury.— Schauspielhaus Potsdam: 8. Peters Bilderbuch._ Groß-Serliner parteinachrichtea. Morgen, Sonntag, den fc. Januar: 48. Abt. Früh 9 Uhr: Handzetteloerbreiiung bei Wichnowski. Prwzenstr. 110. Srupp« Nordbahn. Gruppenverlammluna fällt wegen Stadtverordneten-Wahl t» Oranienburg au» Freiwillig« Heiser melden sich beim Genossen Glaser, Oranienburg, Bernauer Straße 2. Genosse Krentziger spricht am 14. Januar in Glienicke. « LterschSueweid«. Einen Kannnermusikabend(mit Gefanaevorträgen) ausgeführt oom Steiner-Rothstein-Qnarteti. veranstaltet der Bezirk 15 am Montag, den 8. Januar, abends T*/, Uhr im Realgymnasium OberschZneweid«. Mus See Partei. Eine alte stämpferin ist dieser Tage in der Person der Genossin Anna Ramm. Altona gestorben. Schon unter d«m Sozialisten- gesetz war sie dabei, wenn es galt, der Behörde ein Schnippchen zu schlagen und dem Volke einen Dienst zu«rw«isen. So blieb es auch später. Die bitterste Not und die größten Sorgen tonnten die Tapfere nicht oon der Erfüllung ihrer Pflicht für die Partei ab- halten. Noch im letzten Jahre versäumte die Zweiundsiebzigjährig« keine Versammlung. Jetzt hat man sie zu Grabe getragen, aber als leuchtendes Vorbild wird sie noch lange im Andenken aller jener bleiben, für die sie fast SV Jahr« so erfolgreich gewirkt hat. Berantw. sür den redakt. Teil: Franz Klsih». Berlin-Lichterfelde: für An- zeigen: Th. Glocke, Berlin. Beriag Borwärts-Berlog G. m. b. H., Bcrl:n. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin. Lindensir. 8. .Fett mi Wissen 99 Jede» Heft, reich illustriert, mit Unischlag 3S Seiten stark, I Volker— Da« Kleimierleben— Hypnotismus und Suggestion dringt 12—20 Artikel von ersten Fachleuten, z(Je-!-- Wie man das Ameiseniebe» beobachtet— Der Mensch vor schwindigkeit der Gedanken— Der Wille ush dessen Gym-! MM Ztthrrii—»ä» Leben unter Wasser— Ist der Welten- ..,. v.—....,„„..siiA.»— �Llyz�Sedankep. ssbkrtrqzhgr? Da« 2.- M«»«! Mml öle WeaMk der oanjea feit für phonie— Die Eiszeit in Norddeutsch'and—_ Künststm. Nahrungsmittel— Sitten und GsbxäuG, � Um zu ermägiichen, daß «urde-b»-�»'' MeZZMa c«e» jDrfnirfc" AndieExped.oon„Wettzznd V Der kolossale Andrang beweist, was wir bieten:™ In 16 Auslagen und 25 Spezialabteilungen zeigen wir Ihnen Qualitätswaren zu enorm herabgesetzten billigen Inventurpreisen. SCHNELLER EINKAUF UNBEDINGT LOHNEND! IUI Korb-n.Rohrmöbe! Elg. Fabrik, stets hervorrag. Neuh. Gr. Ausw. Bill. Preise. HdmandVoB.QIn-fleukdlln Berliner St. 14, Nihehermann- platr— Tel.: Neukölln 2264 Reparatur, sämtl. Korbwaren Zahfl-Ätelier H.Kcapß?orffl,Feaker Sprechstanden 9—1 o— ö, Sonntags 10—12 Kottbuaer Damm 70/71. Telephon: Mpl 7827 ES KLINGT IM STURM EIN ALTES LIED JULIUS heraus�egseben zum 70. 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