Nr. 21 Jahrgang Ausgabe Nr.1I Bezugspreis: brl.&X— M.. monatl. 10�- tcei ins vaus. voraus zahlbar. Pofl- Mrmclacbicl. lowie die ehemals dcut- scheu Gebiete Polens. Oesterreich Ungarn und Luxemburg St.— M. für das übrige Ausland 72,— St. Posi- desteUungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tlchecho- Slowakei, Diiue» mart. Solland, Luremdurg. Schweden und die Schweiz. Ser„Porwaeis" mit der Sonntag»- deilage»Polt und ntlf. der Unicr- haltungsdeilage„Heimwe!!� und der Beilage»Siedlung und Kleingarteir' erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. bezugi Monatlich ZV,— M. einschl. Au- siellungsgedühr. Unter Kreuzband iür Dentichland, Danzig, da, Saar- und ?e> egramm-Adresse: «Sojlalbcinottot vertta» Morgen Ansgabe rt illcr Oolltsbleitt Zcntratorgan der rozialdcmokratirchcn parte» Deutfchtandd (70 Pfennig) Anzeigenpreis: Sie zehngespaliene NonpareMezeNe tollel 9,— M,»NIeiae Ülnzelgen" da» etlgedruckte Wort z.— M.(zu- lässig zwei iengedruckte Wortes jedes weitere Wort 1,20 M. 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Der Präsident der Republik Millerand hat die De»nission des Kabinetts angenommen. Das Ministerium trat«m 4'/» Uhr zurück. dann mit seinen Ministerkollegen in die Kammer und recht fertigte dort noch einmal die Grundlinien seiner Politik, von deren Verlassen er schweres Unheil für Frankreich prophezeite. Aber statt eine Entscheidung der Kammer abzuwarten, gab er die Erklärung ab, daß er zur Fortführung seines Amtes nicht mehr die nötige Autorität besitze und verließ die Kammer, um dem Präsidenten der Republik Millera-nd die Demission des Kabinetts mitzuteilen. Sie wurde angenommen. Der stürmische Beifall, mit dem die Linke Briands Ab- fchiedsgeste begleitete, zeigt, daß das überraschende Schauspiel dieses Regicrungsswrzes ohne Kammeroowm nicht allen uner- wartet kam. Briand war wohl bereits mit heftigem Unwillen über das Treiben der Opposition hinter seinem Rücken nach Paris gekommen, er hat es mit Recht als einen unmöglichen Zustand empstmden, daß ein Ministerpräsident während der wichtigsten Verhandlungen, die er zu führen hat, zu seiner Rechtfertigung vor die Kammer zitiert wird, und er hat in Gesprächen mit Freuuben es als das richtigste gefunden, diesem undisziplinierten Parlament den Bettel vor die Füße zu werfen. Briand ist also nicht gegangen, um zu entsagen, sondern er bat es getan, um stärker zu werden. Er will seine � Politik, nötigenfalls in der Opposition, weiter fortseßsn. um � sie früher oder später als Ministerpräsident zum Ziel zu führen. Durch diese Taktik hat er seinem Nachfolger die Sache nicht leichter gemacht. Man nennt in der Oeffentlichkeit als mutmaßstchen Nach- fvlger P o i n c a r ch aber von vielen, die mit den Pariser Perhältnisien genauer vertraut sind, wird ein Ministerium Bart ho u für wahrscheinlicher geHallen. Aber Poinearö oder Barthou oder ein anderer, auf keinen Fall ist der Nach- folger Briands um seine Aufgabe zu beneiden. Gebt er den- selben Weg wie Briand. so wird er mit demselben Widerstand ,zu rechnen haben, verläßt er ihn, so findet er in Briand und seinem Anhang einen gefährlichen Gegner. Obwohl uns Deutsche natürlich vor allem die Frage inter- esiiert, wie sich n"n die Beziehungen Fmukreickis zu Deutschland weiter gestalten werden, so müsien wir doch die Tatsache uns vor Augen halten, daß dos Problem, um das es sich bandell, zunächst ein englisch-französisches ist. Wäre Briand nach beißem Kampf als Sieger nach Cannes zurückgekehrt, so hätte das zweifellos eine Stärkung Frankreichs gegen England bedeutet, denn Briand wäre dann als der Mann gekommen, der die Politik des enqlifch-fran- zösischen Einvernehmens durchgesetzt hat und der dafür oder auch Entoegenkommen von England erwarten kann. Der Abschied Briands unter den gegebenen � Umständen bedeutet aber eine Stärkung der Stellung Englands, denn jetzt ist die Lage so. daß zwar England eine starke Füh- runq besitzt, Frankreich aber keine, daß England eine klare Politik hat. während Frankreich selber nicht recht zu wissen schein», was es will. Briand bat im Abaeben seinen Gegnern wie einen stbw-ren Felsblock die M'»»-ilung zugeschleudert. daß die Mebrbeit der Reparationskommission Deutschland den nachgesnch»en Zablnngs- aufschub bewissiat bat. Da« i� eine To�-"t'e. mit -"chnen utid H«l i'"U V»'"» boß er Fea-ki-giu, in rn? MinderdcH«"!»"'»*:« n'irr*. wenn e-»ine andere No'st'k»r»'bt gsq bAriand?ed?r S3»rbich, dem BeWuß der R»n',,T''ti',n5*'»'->mifr,»ri e�tg-gen- z"'-nnb«sn und.»rotz ordn''Ng«rr'"M newefu�en Mornfnrü'uw mi» Zwongsmaßregeln gegen Dentschland vorn-geben, wäre jetzt ein flagranter Bruch des Vertrags von Versailles, eine cherausforderung der ganzen Welt. chat die Renarationskommission tatsächlich den Zahlungs- aufschub beschlossen und ist sie entschlossen, von dieser Entschei-- dung nicht mehr abzugehen, dann hat Briand tatsächlich gar oeis schlüssig, daß schweres Unheil ge- Die Vorgange, die sich gestern in Paris abspielten, lasien' nicht anders denn als kluger Sachwalter fran» sich noch nicht ganz klar überblicken. Briand hat im Ka- zö fisch er Interessen gehandelt, wenn er bei der binett seine Auffassung dargelegt, und dort wurde sie, wie Festsetzung der Bedingungen dieses Aufschubs möglichst viel offiziös berichtet wird, einstimmig gebilligt. Er begab sich an politischen und wirtschaftlichen Sicherungen für Frankreich herauszuholen suchte, und dann ist sein Beweis kein sranzösischer Ministerpräsident, ohne über Frankreich zu bringen, anders handeln kann, als er handelt hat. Somit stände im Augenblick nichts fest als der Deutsch- land gewährte Zahlungsaufschub, alles andere, Cannes, Genua, das euglisch-sranzösische Garantieabkommen, alles, alles wäre in Frage gestellt. Selten sind mit einem Streich soviel Töpfe zerschlagen worden als mit dem Streich, den die nationalistische Opposition gegen Briand geführt hat, und es ist Frankreich, das vor einem Scherbenhaufen steht. Wieder einmal scheint es sich zu erweisen, daß die lautesten Redner von des Vaterlandes Macht und Ehre in der Wir- k u n g die allerschlechtesten Patrioten sind/ In Deutschland wird man gut tun, der kommenden Re» gierung Frankreichs mit Spannung, aber ohne Vorein- genommen heit entgegenzusehen. Die Notwendigkeit, das Verhältnis zwischen den beiden Nachbarn erträglich zu gestalten, ist so zwingend, daß keine französische Regierung imstande sein wird, ihr auszuweichen. Der gute Wille zu einer Verständigung, wie er sich beim Abschluß des Wies- baden er Abkommens gezeigt hat, muß und wird in Deutschland lebendig bleiben. Nichts wäre verfehlter als die Fesllegung auf eine Politik mit England und Briand gegen Frankreich und Briands Nachfolger. Die französische Politik kann,--enn sie nicht von allen guten Geistern verlassen ist, von drei Dingen eines nicht, nämlich auf eigene Faust gegen Deutschland mit»Sanktionen" vorgehen. Dann bleiben aber nur noch zwei Möglichkeiten:' entweder die Rückkehr auf den Weg Briands, zur Politik des fjand-in- Handarbeitens mit England, oder aber der Versuch, z u- nächst einmal selbständig das Verhältnis zu Deutschland zu regeln. Deutschland würde sich grundsätzlich nicht zu weigern brauchen, diesen Weg zu be- treten, wenn dabei festgehalten wird, daß es eben nickt nur Frankreich, sondern auch den anderen Vertragsinächten gegenüber Pflichten zu erfüllen hat. Deutschlands Ziel ist nicht die Revanche und nicht die Annullierung seiner Verpflichtungen. Es fehlt hier nicht an Verständnis für die überaus schwierige Lage Frankreichs, in der die letzte Ursache dieser kopflosen Krise zu suchen ist. Der wahre Frieden, den alle suchen und den keiner findet, heischt die Heilung der Wunden, die der Krieg allen geschlagen hat, und auch die Wunden Frankreichs, nicht nur un- sere eigenen, sind schwer. Deutschlands Wille zum wahren Frieden ist keine Maske, die abgeworfen wird, wenn die Ge- legenhett günstig scheint, das wird unsere Politik bei der un- gewissen weiteren Entwicklung der Dinge beweisen müssen. Die nationalistische Politik muß sich totlausen, sie hat es vielleicht jetzt schon getan. Ueberall erweist sie sich als die Unheil- und Unruhestifterin, auch das sranzösische Volk wird sich eines Tages mit Uebcrdruß und Ekel von ihr abwenden. Vielleicht feiert sie heute noch im Siegesrausch den Sturz Briands, aber schon dämmert ein grauer Morgen. Obersten Uake» z w e i f e l h a s t sei. einer internen Beratung geklärt werden. Die KoiTerem von Cannes labmae�eat. Cannes. 12. Januar.(HJIB.) Deutlchersclts wird offiziell gemeldet: In der hei kl"?«.Da-» mittagssitz, mg des Olerskm Bct?s beendete Beicksminister a. D. Dr. R a t h c n a u seine Ausführungen, in denen er besonders die von der Reicksrenlei'ung ins Auge gefaßten ZNaßnahmen wr Beseikiguna der finanziellen Schwierigkeiten darlegte. Während der Sitzung ging aus Paris die Rachrichl vom Rück- tritt Briands ein. worauf Loucheur den Obersten Rat verließ. Bach Beendigung der Ausführungen Dr. Rathenaus erklärte der Vorsitzende Lloyd George, daß angesichts des Fehlens einer alliierten Regierung die Beschluß- und verhaudlungssähigkeit des Die Frage muffe erst in Die Sitzung wurde darauf gegen 6% Uhr vertagt. Cannes, l2. Januar,(havas.) Minister Lollcheur erklärte dem Chef der alllierlen Delegationen, er befinde sich in der Rot- wendigkeit. Cannes heute abend zu verlassen. Trotz des Versuchs von Lloyd George beharrte Loucheur dabei, abzureisen. Der Oberste Rat hat die Mitglieder der Reparationskom- Mission angegliedert, um nach der Abreise Louchcurs die Verhandlungen mit den deutschen Vertretern fortsetzen zu könnon. Erst nach der Bildung des neuen sranzösischen ka- b i n e t t s könne die Rede von einer Cinbernsiing eines neuen Obersten Rates sein. Ein Teil der französischen Delegation verläßt heute abend mit Minister Loucheur Cannes, der Rest wird morgen abend abreisen. Lloyd George verläßt Cannes amSonntag. örianüs �büankungsreüe. Baris, 12. Januar.(<£(£.) Bach einer Antrittsrede des wiedergewählten Präsidenten Raoul Berel ergrisf Ministerpräsident Briand das Moit, um eine Erk.ärung abzugeben. Die Kammer ist stark besetzt. Mehr als 500 Abgeordnete sind anwesend. Vriand führt« in seiner Rede aus, daß er die Unruhe zerstreuen wolle, die im Lande wegen der Konferenz von Cannes herrsche. Diese . Unruhe sei durch tendenziöse und lügenhaft« Informationen hervor- gerufen worden. Der Ministerpräsidmt kommt aus die Tagesord- nung der Konferenz zu sprechen, die es sich zur Zzaupiairfgabe gemocht > habe, den Weltfrieden auf eine sichere Grundloge zu stellen. Dieser Weltfrieden könne nur durch die internationale Soli- d a r i t ä t gerettet werden. Das Reparationsproblem werde durch ! die Wirtschaftskonferenz von Genua keineswegs behandelt werden. kein Angriff auf den Verfailler Verlrag werde erfolgen und Frank- l»eich werde alle Sicherheiten behalten, die ihm zustünden. Auch von den. S o w je t v e r t r e t e r n habe man ernstliche Garantien 1 erhalten. Die Konferenz von Genua dürfe aber keineswegs obge- halten weiden, ohne daß Frankreich auf ihr vertreten sei. Briand l legt sodann das Programm dieser Wirtfchastskonserenz dar, die ans- schließlich wirtschaftlichen und finanziellen Charakter haben werde. Cr oerweist darauf, daß alle Länder, die nach Genua berufen worden � sind, weitgehende Sicherheiten zugestehen müßten, daß sie die Grenzen ihrer Nachbarn anerkennen und nicht verletzen wollen. Derartige Sicherheiten dürften von niemandem gering geachtet werden. Das zweite Problem, mit dem man sich in Cannes beschäftigt habe, sei das der Reparationen. Erregte Zwischenrufe. Als Vriand nunmehr die Tätigkeit der Reparallonskommisfion schildert, erregt seine Erklärung, daß innerhalb der Reparations- k o m m i s f l o n für die Gewährung eines Moratoriums an Deutschland eine Mehrheit bestehe, große Erregung auf zahlreichen Bänken. Zahlreiche Zwischenrvfe werden laut: was machen Sie mit dem Abkommen von London? Briand wiederholt: Es ist eine Tatsache, es gibt eine Mehrheit, die den jetzt geltenden Zahlungsplan abändern will (Leon Daudet ruft dazwischen: Das ist bedauernswert!). Ministerpräsident Briand wartet einige Minuten, bis sich der Lärm gelegt hat; Kammerpräsident P e r c t fordert die Kammer- Mitglieder auf, den Ministerpräsidenten in Ruhe anzuhören. Briand fortfahrend: Das ist keine Regierung s° frage. Hören Sie doch zu, wie weit die Dinge gediehen sind. Weil es unmöglich ist, diesen Zahlungsplan zu verhindern, ist die fran- zösifche Reaierunz bemüht, die französischen Interessen sicherzustellen. Wenn der Zahlungsplan für 1922 abgeändert sei, welche Garantien habe man dann, damit die Lage nicht 1923 die gleiche werde? Frankreich habe auf seine Leiden hingewiesen, auf die Lage seiner Finanzen und erklärt, es könne nicht zu- geben, daß das Jahr 1922 es auch nur um einen Cen- time beraube. Wenn der Zahlungsplan abgeändert werden müsse, verlange Frankreich, daß Garantien für eine Kon- trolle gegeben würden, die Deuischlan.d verpflichteten, das zu unternehmen, was es bis jetzt noch nicht getan habe. Darüber seien die freiuidschostlichsten Verhandlungen in Cannes geführt worden Engsand bringe ein großes Opfer, wofür Belgien und Frankreich dankbar seien. sDie Röchle unker- brichi Driand von neuem.) Briand gibt seiner Entrüstung darüber Ausdruck, daß politische Absichten in die Debatte hineingetragen werden. Er legt dar, welche Vorteile Frankreich daraus ziehe, daß eine neue Kombination über die Zahlung der Saargruben gefunden worden fei. Die Schwierigkeit wegen der 400 Millionen Mark bezüglich der Saargruben sei also zu Frankreichs Vorteil gelöst worden. Er wisse ganz genau, daß die ungünstigsten Ange- legenheiten gegen die Negierung ausgebeutet würden, während man über Oberschlesien, Nuhrort, Düsseldorf und andere günstigen Lösungen schweige, weil man dies alles rasch vergessen habe. Frankreich sei in der Lage, mit einem Gläubiger, der sich mit anderen Gläubigern an einen Tisch gesetzt habe, über die Unmöglich- teit eines Schuldners, zu bezahlen, zu verhandeln. Man könne Nein sagen. Aber alsdann müsse man sich vor Augen halten, was sich ereignen werde. Es sei ja sehr leicht, zu behaupten, dl« R«» gicrung gebe die Rechte Frankreichs preis. Aber er wünsche, daß das Volk und das Parlament aus der Atmosphäre der Beunruhi- gung herauskomme. England habe ferner zugestimmt, daß das Wiesbadener Abkom- wen in Wirksamkeit gesetzt werde, obgleich es ursprünglich nicht ge- willt war, dies Abkommen zu ratifizieren. Frankreich hat große Vorteile zu erwarten, wenn die Konferenz von Cannes zu einem gedeihlichen Abschluß kommt. Wird diese aber abgebrochen, dann verliert Frankreich alle ihm zugesicherten Vorteile. Vriand erinnert dann an seine Unterhaltungen mit Lloyd George und schildert, wie das englifch-französische Abkommen zur Sprache kam. England habe keinerlei Bedingungen gestellt, die Frankreichs Sicherheiten berühren könnten. Derarlige Bedingungen würde er auch Briand niemals abgenommen haben. Es sei selbstverständlich, daß zwischen beiden Ländern gewisse Fragen in freundschaftlicher Weise geregelt werden müßten. Die Bedeutung dieses Abkommens liege in der Hauptsache darin, daß England sich verpflichtet habe, diesem zur Seite zu stehen. v!e Sitzung unterbcochsn. Briand kommt dann zum Schluß seiner Ausführungen und er- klär?, daß er nicht die notwendige Autorität besitze, die Besprechungen von Cannes fortzusetzen. Unker allgemeiner Erregung des Hanfes verläßt Briand, gefolgt von allen Ministem, den Saal. Auf der Linken erhebt sich stürmischer Beifall. Del den Sozialisten werden Rufe laut:»Kammer auf- lösen, an das Land appellieren!" Die Sitzung wird ontebbrochen. Zur Vorgeschichte öes Sturzes. Paris, 12. Januar.(WTB) Der„Malin" glaubt zu wissen, der Präsident der Republik habe an den Ministerpräsidenlen nach Cannes«in Telegramm gerichtet, das mit folgenden Worten begonnen habe:„Nicht ohne Bedauern und Besorgnis... usw." Darin Hab« er die Befürchtung ausgesprochen, die jeder das Recht Hab« zu«mpfiniden, wenn Frankreich sich aus einer internationalen Konserenz Deutschland gegenübersetzen solle. Dann sei der Ministerrat vom Dienstag zusammengetreten mid nach einer sehr bewegten Beratung hätten die Minister einstimmig sich über folgende Punkt« geeinigt: 1. Di« Minister teilen vollkommen die Ausfassung und die Befürchtungen des Präsi. denken der Republik, was die Konserenz von Genua anbetrifft: 2. die Minister sind der Ansicht, daß, wenn trotz der Ansicht der Reparaiionskommission die Nachuntersuchung in Paris ergeben Hab«, Deutschland könne im Jahre 1V22 mindestens 1100 Millionen Mark bezahlen, ein Moratorium Deutschland de- willigt werden soll«, dies nur geschehen könne nach befriedigenden Garantien, nach Errichtung einer Kontrolle und nach ge> gebensn Pfändern. Auf keinen Fall dürfe die belgisch« Priorität angetastet werden. Drittens erinnerten die Minister daran, daß sie «m« eventuelle französisch-englische Allianz einmütig so aufgefaßt hätten, daß sie aus absolut gleichem Fuße und als Steigerung der Garantien ange'ehen werden müsse, die der Friedensvertrag festsetze. Der Vertrag düife nicht der Vorbote anderer Pakte sein, zu denen Deutschlandzugelassen werden solle und auf dem Fuße der Gleichheit Bedingungen diskutieren Kriegs- und Zrieöenschristentum. Von Werner Dreiburg. Kurz nach der amerikanischen Kriegserklärung brachte der „Kladderadatsch" oder irgendein anderes reaktionäres Witzbialt ein Bild, das manchem Deutschen gewiß sehr gefallen hat, von den meisten Amerikanern aber sicherlich als unerhört schändlich empfunden worden ist. Es stellte den zähnefletschenden Präsidenten Wilson dar und hinter ihm, behaglich grinsend und die Arme wie zum Segen ausgebreitet, den Teufel. Darunter die Worte:„Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen h n b e." Recht originell, nicht wahr? Nun stelle man sich aber vor, ein amerikanischer Quäker wäre gekommen und hätte uns daraus aufmerksam gemacht, daß hier ein heilig-schönes Bibelwort verhunzt und„gemein vSkhöhnt" werde„durch den schauderhaften Ausfluß einer vergifteten Phantasie und eines verschmutzten Herzens", und daß solchen deutschen Schriftstellern und Zeichnern„das Erhabenste und Heiligste" dazu dienen müsse,„ihren gemeinen Spott damit zu treiben und die schmutziaen Ausflüsse ihrer verkommenen Phan- taste darüberzugießen". Man denke sich etwa, der fromme Ameri- kaner würde weiter gesagt haben, daß„die erschütternde Wucht und der heilige Ernst" des dritten Kapitels aus dem Matthäus-Evan- gelium„so großartig und erhaben" sei, daß„sedes Gemüt davon 'ergriffen und heilig durchschauert werden" müsse! und daß nun trotzdem eine germanisch„verschmutzte und entartete Phantasie" dieses Kapitel benutzt habe,„um ihrer frechen Spottsucht daran Ge- tfüge zu tust".„Diese grauenhafte Schändlichkeit" und„schändliche Untat" zeige so recht, wie„die Früchte beschassen" seien, an denen das Deutschtum zu„erkennen" und von ollen anderen Nationali- raten zu unterscheiden sei. Selbstverständlich würden wir berechtigt sein, diesen sonderbaren Heiligen auszulachen. Und Sie, lieber Herr Neichsbote, würden ganz gewiß von diesem Recht herzhast wiehernd Gebrauch gemacht haben.> Nun gestattet sich ein M'tarbeitenr des„Vorwärts", den 9 0. P s a l m zu politisch-polcmischen Zwecken zu verwenden— genau wie jenes Witzblatt die Stelle aus dem dritten Kapitel des Mat- chäus-Evangeliums: freilich mit dem Unterschied, daß jener brav hetzende Humorist die Völker noch mehr mit Haß und Kriegswut zu erfüllen sucht«, während der voterlandslose Geselle im„Vorwärts" bisher immer stolz daraus war, mit allem, was er an Fähig- keit des Geistes in sich spürte, ein ganz klein wenig mitarbeiten zu dürfen an der entsetzlich mühseligen Zurüstung Europas für das große Versöhnungsfest der Völker, für den Advent der Vernunft, für die gewaltige Weltwcihnachtsseier der Güte. Darum veröffentlichte er im Feuilleton des„Vorwärts" om 4. Adventssonntage den „9 0. Psalm der Junker- und Kaiserkaste", eine Sabre, die unerbittlich und kraß den kreischenden Gegensatz zwifchen Gewalt- und Machtgier und demütig-sanstem Bibelgeist zeigen w-llte. (Warum mag sie das wohl gewolU habep? Schnurrig und seltsam, nicht wahr?) Der Verfasser hatte eben mit seinem Psalm begonnen, da trat das Pastorenblatt„R e i ch s b o t e" mit Hakenkreuz und flatterndem Talnre heftig vor ihn hin und sprach zu ihm wörtlich jene soeben in Anführungsstrichen gegebenen Zornausbrüchs des imaginären amerikanischen Quäkers! Statt„germanisch" sagte er freilich„sozial- demokratisch" und statt„Deutschtum"„Sozialdemokratie". könne, die es In Versailles unterzeichnet habe. Das sei Briand nach Emmes sofort berichtet worden. Noch eine zweit« Depesche sei abgegangen. Darin werde Briand die Versicherung gegeben, daß alle seine Kollegen seine An- strengungen in Cannes zu schätzen wüßten und den vollkommenen Glauben an seinen Patriotismus hätten. Nach Empfang dieser Depesche habe sich Briand entschlossen, nach Paris zurückzu- kommen, um mit dem Präsidenten der Republik und seinen Kollegen zu verhmileln. Die Fragen, die debattiert werden, betressen nicht die nebensächlich« Frag« der Existenz des Kabinetts, sondern die Hauptfragen der Politik Frankreichs gegenüber Deutschland, England undGuropa. * Briand hat damit zum vierten Male in seinem politischen Leben aufgehört, Ministerpräsident zu sein. Er bekleidete zum ersten Male diesen Posten im Jahre 1908, und damals währte sein Kabinett die für französische damalige Verhältnisse m gewöhnlich lange Zeit von zwci Jahren. Später übernahm er als Nachfolger Poineares, nach dessen Wahl zum Präsidenten der Republik, die Bi dung eines Ministeriums, das aber nach knappen fünf Wochen durch Clemeneeau und die wahlreformfeindliche raditalsozialistische Mehrheit des Senats gestürzt wurde. Erst während des Krieges kam Briand wieder als Chef der Regierung zum dritten Male ans Ruder, als nämlich Divianis Prestige durch die serbische Kala- ftrophe im Herbst 1915 erschüttert wurde. Doch mutzte er im Com- mer 1916 das Feld räumen, well man damals angesichts der kritischen Lage Frankreichs meintö, ein Ministerium R i b o t, an dem alle früheren Ministerpräsidenten Frankreichs ohne Unterschied der Partei teilnehmen würden, gegenüber der öffentlichen Meinung des Landes und gegenüber der übrigen Alliierten größere Autorität für die siegreiche Fortsetzung des Krieges besitzen würde. Endlich wurde Briand zum vierten Male Ministerpräsident, als etwa vor einem Jahre, im Januar 1921, das Kabinett L e y g u e s wegen seiner vermeintlichen Nachgiebigkeit in der Reparatursrage(Projekt Seydoux) von der Kammer gestürzt wurde. In diesen zwölf Monaten bestand Briands Politik darin, die scharfmacherischen Tendenzen der nationalistischen Block-Mehrheit zu befriedigen und zugleich Frankreichs drohende Jsolie- rung zu verhindern. Dies war von Anfang an eine außer- ordentlich schwierige Aufgabe und an ihr ist er jetzt gescheitert. Die Befriedigung der nationalistischen Instinkte des nationalen Blockes versuchte er einerseits, indem er gegen Deutschland Kraft- ausdrücke anwandte(„An den Kragen packen",„Den Gerichtsvoll- zieher schicken" usw.), andererseits indem er, zwischen der Forde- rung nach Besetzung des gesamten Ruhrgebietes und der Ab- neigung Englands gegen militärische Gewaltmaßnahmen vermittelnd, einerseits bei den Alliierten die Besetzung der Brückenköpfe und seither die Aufrechlerhaltung der militä» rischen Sanktionen, anderseits es erreichte, daß sich die Mehrheit des Parlaments damit begnügte. Es war ihm auch nach der! renz des Obersten Rates in Paris gelungen, die unversöhnlichsten unter seinen Gegnern, die Elemeneisten-Gruppe(Tardieu, Mandel, Klotz) fcheinbor leicht zu schlagen. Nach den Parlamentsfereien war ein zweiter Vorstoß der politischen Gegner von ihm gleich abge- schlagen worden, und zwar war es ihm damals gelungen, die republikanische Bereinigung", die Kerntruppe des nationalen Blocks, In etwa zwei gleiche Teile zu spalten und deren linken Flügel sowie übrigens auch die sozialistische Fraktion für seine Politik der Mäßigung gegenüber Deutschland bzw. gegenüber England zu gewinnen. Da seine Gegner aber nicht nachließen, und da besonders Poinears drohte, falls er in Washington die geringste„Schlappheit" gegenüber der Entente an den Tag legen würde, auf die Seit« seiner offenen Gegner � zu treten, hielt er auf der Abrüstungskonferenz jene bekannte Rede, die sicherlich nicht seiner eigenen Ueberzeugnng entsprach, die aber notwendig war, um die Parlamentsmehrheit zu beruhigen. Nach seiner Rückkehr nach Paris schien seine Stellung eine Zeitlang befestigt. Inzwischen war die Reparationsfrage infolge der deutschen Volutakatastrcplze wieder akut geworden. Deutschlands Ersuchen um Aufschub schuf eine neue, für Briand außerordentlich schwierige Lage, da eng- lischer- und itolienifcherseits die Notwenidigkeit einer Acnderung des Lyndoner Ultimatums offen anerkannt wurde, andererseits aber Frankreich auf diese Wendung der Dinge gar nicht vorbereitet war. m_ Lieber Herr Reichsbote, wo waren Sie in der„großen Zeit"? Sagen Sie uns doch, wo waren Sie damals immer dann, wenn biblische Worte und Gedanken erniedrint wurden zum Gegenstaude chauvinistischer Humorigkeit? Waren Sie zu sehr damit beschäftigt, die' Wahlrechtsreform zu verhindern und Waffen zu segnen? Berzeihen Sie bitte diese peinliche Frage. Das Wichtigste folgt jetzt: Jener von Ihnen in heiliger Entrüstung gebrandmarktc verkommene Satiriker ist in sich gegangen und hat sich bekehrt! Zur Charakteristik des Scheusals sei erst noch dies gesagt: Er ist mit dem Schreiber dieser Zeilen identisch, wurde als Sohn eines evan- gelischen Geistlichen in tiefster und innigster Religiosität erzogen und hat, als er vierzehn Jahre alt war, Taue und Rächte bitter und wild geweint, weil er die unhemm'iar« Pflicht in sich fühlte, der Logik zu gehorchen, die IHM hart und unerbittlich besah', von seinem frommen Kinderglnuben.�an dem er mit allen Faser» des Herzens hing, sich teszurclrtn» Schon mit vierzehn Jciirren muß er vollkommen verroht gewesen sein. Denn er empfand diesen Gehorsam als schmerzlich und doch als berauschend schön. Warum? Well über dem Gehorsam gegen die eigene Loaik dos unscheinbare W�rt „Wckhrhaftigkeit" hing. Trotzdem hat er sich immer eine warme Cr- inncruug bewahrt an die edle und rührende Schlichtheit vieler Psalmen und an den gütigen Heiland, der ebenso wie die meisten Propheten des alten Testamentes ihm ein radikaler AntiMilitarist und Pazifist zu sein schien. Mit sechzehn Jahren mußte er in der Schule einen Aufsatz schreiben über das Thema„Der Krieg als Quelle des Segens und des Unheils". Hier erlaubte er sich, auf den Antimilitarismus Jesu hinzuweisen und in knabenhaft mutwil- ligem Trotz über den damaligen deutschen Kaiser Wilhelm II. einige kecke und scharfe Andeutungen einzuflcchten. Da wurde er, wie es sich gebührte, vom Gymnasium verwiesen. Diese Strafe schien ober bisher nicht genutzt zu haben. Ihnen, lieber Herr Reichsbote, blieb es vorbehalten, ihn zu innerer Umkehr zu veranlassen Der vater- landslvse Geselle und humane Fricdeneschwätzer ist letzt überzeugter Militarist und Rotionalist gewcrden und ist sogar bereit, Ihnen zu helfen bei der Bertuschimg der Tatsache, daß Militarismus und Christentum Gegensätze sind. Wie wäre zum Beispiel, wenn wir das Gerücht verbreiteten, der bisher bekannte Text der Selig- prellungen und einer gewissen Stelle der Weihncchlserzählung sei falsch, der wahre sei sreben ausgegra' en worden und enthalte eine miliiaristische Zukunstsvision aus das Lahr 1923 oder 1924? Und dies sei sein Wortlaut: „Da aber Ludendorff das Belk sah, ging er ans einen kleinen Berg in Hi.rttrprmmem und schneuzte sich: und die Hakenkreuz- jünglinge traten zu ihm. Und er tat seinen großen Mund auf, lehrte sie»mh sprach: „Selig sind die Unvcr'öhnlichen und die Unbarmherzigen: denn sie werden s>äter stets vcm sie e ihm Feinde Larmhcrz''kcit verlangen. Selig sind, die menarchislischen Herzens sind: denn sie weroen S. M. schauen. Selig sind die Kriegslustigen: denn sie werden brave Kinder heißen. Selig seid ihr, wenn ihr eure Mit- menschen, um meinetwillen schmäbet und oerfolget und redet allerlei Uebles wider sie, so ihr daran lüget. Seid fröhlich und getrost, es wird euch von Stinnes wohl bezahlet werden! Und alsbald war da bei dem General wieder eine Menge felbarauer Heerscharen, die lobten S. M. und sprachen:„Ehre sei Wilhelm in der Höhe und Krieg auf Erden und den Kanonensaorikonten ein Wohlgefallen." Briands Versuch, zwischen beiden weitauseinandertlaffenden Standpunkten zu vermitteln, hatte insofern Erfolg, als er m London ein Kompromiß mit Lloyd George schloß, das in Cannes und später in Genua seine interalliierte Bestätigung finden sollte. Der weitere Verlauf der Dinge in Cannes in den letzten Togen und bis zum Rücktritts Wriands ist bekannt und wird an anderer Stelle des Blattes besprochen. Sestürzung in Irankreich! Paris, 12. Zanuar.(EP.) Die Rede Briands in der Köenmer wurde von zahlreichen. Zwischenrufen unterbrochen, so daß er mehrere Male verhindert war, weiter zu sprechen. Die Demissicnserklärung kam gan'z unerwartet und rief eine nn- geheure Bestürzung hervor. Oer Ministerrat für SrkanS.. Paris, 12. Januar.(WTB.) Die Sitzung des Minister. r a t s, die um 11 Uhr begann, war um 1 Uhr beendet. Es ver- lautet, daß die Minister die Erklärungen Briands einstimmig gebilligt haben. Briand hatte vor Beginn des Ministerrats eine ziemlich lang« Unterredung mit Millerand. öemühungen um Sie Nachfolgerschaft. Paris, 12. Januar.(WTB.) Der Präsident der Republik hat bereits feine politischen Perhandlungen zur Lösung der Ministerkrise begonnen, um 6 Uhr hat er den Kammerpräsidenten R a o u l P e r e t empfangen. Rathenau vor üem Obersten Rat. Cannes, 12. Januar.(Haoas.) Der Oberste Rat hat heute mittag 12 Uhr mit der deutschen Delegation verhandelt, es waren von deutscher Seite Reichsminister a. D. R a t h e n a u, Staatssekre- tär a. D. Hirsch, Staatssekretär a. D. Bergmann und Staats- sekretär Fischer erschienen. Den Vorsitz führte Lloyd George. Dr. R a t h e n a u begann mit seinem Expose über die wirt- schaftliche und finanzielle Lage Deutschlands. Er gab ungefähr die selben Erklärungen ab wie gestern vor der Reparationskommisston. Dr. Rathenau sprach französisch und übersetzte seine Ausführungen dann selbst ins Englische. Die Reparationskommission ersuchte Rathenau, heute, Donnerstag, seine Ausführunzen fortzusetzen, er äußerte aber den Wunsch, vorher die Punkte zu erfahren, über die man ihn be- fragen wolle, damit er die Unterlagen beibringen könne. Die Reparationskommission beschloß, diesem Wunsche zu entsprechen. Die zweite Verhandlung mit der deutschen Delegation wurde daher auf einen' späteren Zeitpunkt verschoben. �llerköchftöerfelbe als Grenzzieher. „Wir kämpften nicht um Landgewinn" hat L u d e n d o r f f in Frankfurt a. d. O. beteuert. Wie weit das auf die höchsten und allerhöchsten Herrschaften in Deutschland zutrifft, dafür ein kleiner Beleg, der des humoristischen Beigeschmacks nicht entbehrt. Der Herausgeber der„Krone", eines monarchistischen Hetzblättchens, sendet den„Mänchener Neuesten Nachrichten" eine Berichtigung, die den verstorbenen Bayernkönig Ludwig als Urheber phan- tastischer Annexionspläne zeigt. Es heißt in der Be- richtigung: „Seine Majestät haben mir seine Allerhöchste Zustimmung zur Wiederherstellung der allen dculschcn Reichsgrcnze von 1592(II) cillerqnädigst durch seinen Oberstkämmerer über- Mitteln lassen. Graf Heriling legte mir eine Landkarte Seiner Mose st Lt vor. In der Allerhöchstberselbe die gedachi« Grenze Allerhöchstselbst eingezeichnet hatte. Leider hat mir die Frankfurter Zensur den Hinweis auf die Kriegezielrede des Königs gestrichen, mir überhaupt deren Verbreitung verboten." Der Chronist unserer Zeit wird als unvergeßlichen Moment festzuhalten haben, wie„Allerhöchstderselbe" zum Bleistift greift und gnädigst geruht, eine Grenzlinie zu ziehen, durch die eine Million Franzosen in das Deutsche Reich hineinannektiert werden.(Die Grenze von 1552 umfaßt z. B. die damals an Frankreich verloren gegangenen Bistümer Toul und Der dun!) Und es Ist cigent- lich unverständlich, daß es anders gekommen ist, wo Serenissimus von Bayern Allerhöchstselbst es doch so anzuordnen geruht hat. !-- L>.—..!■_.— jjj_ I-- 1.___» Gor echt, g-eilsliebe oder Entgleisung?„Der Heimgang 6es außerordentlichen Mannes, der zu den Stillen im Laude gehörte, ruft uns recht eigentlich die beschämende Tatsache ins Be- wußtsein, daß die deutsche Oeffentlichkeit, von Marktlärm und Scheingrößen abgelenkt, sich um ihr« wahrhaft bedeuten- den Kopfe nicht im geringsten kümmert.... Alles, was man sonst an der deutschen Literatur der Gegenwart schmerz» lich vermißt: hier wird man es finden.... Seine Schlichtheit, fein Seelenadel als Mensch wird ebenso gerühmt wie die Un- bestechlichkeit seines Geistes. Eine umfassende, ein- dringende Monographie über den hochbedeutenden Manu bleibt eine Ehrenpflicht der Nachwelt." So äußert sich der Deutschnational« Ernst Wochler in der gestrigen Nummer von Wulles„Deutschem Abendblatt", dem dröhnenden Tuthcrn des Rassenantisemitismus, das grundsätzlich alles in den Pfuhl der Hölle verdammt, was nicht rein arischer Herkunft ist. Der„außercrdenftiche Mann", der „wahrhaft bedeutende Kopf", dessen Seelenadel und Unbestechlichkeit hier gepriesen wird, ist aber kein anderer als der vor kurzem verstorben.' Wiener Philosoph Josef Popper. Naive Leser werden sich vielleicht über den Seelenadel und die unbestechliche Gerechtigkcitsliebe des„Deutschen Abendblattes" freuen, das wahr- hafte Größe und überragende Verdienste anerkennt, wo es sich findet. Wir aber, denen die tiefgründige Sech» und Personenkenntnis Wulles und seiner Leute bekannt ist, slckd davon überzeugt, daß weder Herr Wachler noch die Redaktion des„Deutschen Abendblattes"«ine Ahnung davon hatten, daß Josef Popper— Jude war. Urania. Geheimrnt Winkel aus Marburg schilderte in einem Vortrag die Eisriesenunterwelt des Tennengebir« g e s bei Salzburg. In der durch den Salzachdurchbruch losgerissenen Fortsetzung des Hagengebiroes und Gölkv'-es der V�rchtesiodener Alpen(Tennengebirge) wurde im Innre 1908 eine riesige Höhl« von märchenhafter Pracht entdeckt, die von Berasteigeru und Jägern wegen des eisigen Luftzuges, der ihr entströmte, wohl gemieden wurde. Von der Bahnstation Tenne�g ist der Aufstieg zu dem ungefähr in 1600 Meter Hohe liegenden Blockhaus des Höhlenvereins, In dem die Be- such-r n It dem Nötigen ausgerüstet werden, für Verasteiger ziemlich (ficht. Bis z"M Jahre 1914 hatten eifrige Höhlenforscher erst einen k'ein-rn Teil des gewaltigen F:lfensobyr'''ths erforscht- in den letzten drei Jahren sind tonn in unermüdlicher Arbeit riesige Fortschritte ge- Macht. Zurzeit ist tie l'ntcrwelt in einer Länge von 30 SV'cr-'t.-rn erforscht und kar c graphisch sestaeleat.— In wunderbar plastischen Bildern zogen die oroteeken Ciebildungen in Türmen, Verdüngen, Wossorfällen. fpiegelasatten Eisflächen und riess-en Höhlen bis zu 70 Meter Höhe, langen Gän-cn uno Trepfsteinbildungen von l'/j Meter Durchmesser an den A—'en der erstaunten Hörer rrrßber. Ein bc'onderer D'rzuN tiefer M"rchenw-lt besteht darin, daß sie für den modiH'-en Mass nbesuch nach nicht vr.-fchonde't nnrsc, sondern In Ihrer Ursprüngltchteit erhalten ist und bleiben soll. B—r. 25 000 Berufe. Das ena'l'cke Arbeitsministerium bereret ein Lexikon vor, in dem sämtliche Berufe Großbrüanniens verzeichnet sein sollen. Dieses Buch wi d«ine Summe von 25 000 verschiedenen Erwerbszwaigen enthalten, mit denen sich Arbeiter in Großbritannien ihr Brot verdienen. Die'« Namen sind zum Teil nu? im engen Kreis bestim.m'er Industriezweig« bekannt, und es bedarf der An- gaben von Sachverständigen, um genau festzustellen, was die einzelne • v*."■ !Tt. 21 ♦ 39. Jahrgang Seilage des vorwärts Freitag, 13. Januar 1922 � Di e Straßenremigungspflicht üer Grundbesitzer � Sn dem Prozeß gegen die Tänzerin Frau Cac.lie Seweloh j Atts bCt Geschichte bßt Berliner StrafteNreittigUNg. sCelly de Rheydt), den Ooerleutnant a. D. Seweloh, gegen eine An-,, �" zahl Tänzerinnen und eine ganze Reihe anderer Persönlichkeiten! Die Nachricht, daß der Berliner Magistrat zu den Kosten der eine Pauschsumme bezahlen und den Kehricht zur Nutzung über- wurde auf Antrag des Verteidigers Rechtsanwalt Dr. Arthur Wolfs Straßenreinigung einen Beitrag der Grundbesitzer fordern' will, lassen wollte. Auch daran wurde gedacht, die Grundbesitzer der ein- gestern vormittag im„Neuen Theater am Zoo" eine geschlossene' dürfte in chauswirtskrcisen einen neuen Entrüstungssturm hervor- zelnen Stadtteile zu Vereinen zusammenzufassen, die ihre Straßen- Prioaworstellung abgehalten, die nur für die Richter. Verteidiger, rufen. Oder werden diesmal die Hauswirte ruhig bleiben, weil t Angeklagten, Angehörigen der Presse und der Jugendfürsorge und be-, wird die StrafKnSgungie.fgab� übngcns seit Einführung derGassen- sonders Gemdene zugänglich war.. wettzumachen � Daß tn manchen der setzt zu der E.nheitsgemeinde ejn öffentliches Straßenreinigungs- Jn dem breiteren Mittelgang im Parkett war der Richtertisch Berlin gehörenden Vororte eine Stragenreinigungspflicht der Haus- �esen, in dessen Dienst die Gassenmeister standen. Dieses von der placiert, erleuchtet durch eine schnell installierte Notlampe, das ein-> 5s2rntumer noch heute besteht, wurde in uiilerer Tjitteilung(in Polizei verwaltete öffentliche Straßenreinigungsweten hatt dafür zu zige Licht in der Finsternis. Geräuschlos schlüpften einige Musiker, � 19) uber 003 DOm Magistrat ausgearbeitete, die Einheitlichkeit sorgen, daß die Fahrdämme vor öffentlichen Gebäuden, die Straßen- in den Saal und unter gedämpften Klängen teilte sich der Vorhang. 1 be6 Straßenreinigungswesens anstrebende Ortsgesetz schon erwähnt, kreuzungen und die Plätze geeinigt wurden. Bei den erwähnten Am blauen Kuppel!, orizont leuchteten einige Sterne auf. Es war Mer selbst für das Berliner G-meindegebiet bisherigen Umfanges Verhandlungen über die Umgestaltung des Straßenr°ln.gungs- Märchenstimmung. Das Lied von der Loreley ertönte. C-lly he-st-3 noch nicht so sehr lange her. daß die Haus- wesens tauchte auch der Vorschlag auf. die polizeiliche Straßenrem.. Rheydt tanzte mit der ihr eigenen Anmut und freudigen Hingabe> � 3 ü m e r für die Reinigung der straßen samt gung zu«ÄhfiMv»! Einrirfthmn an die Lockungen des Rhythmus. Andere Tänze folgten- ein 5 Nch° f f u n g d e s K eh r i ch t s° e r a n t w° r t l i ch w a r e n allgemeine., ftadlischeu Einnchtung wirbelnder„Cancan" nach der Offenbachschen Orpheusmelodie, ein u n d d i e K o st« n z u t r a g e n h a t t e n. Als die Gemeinde ihnen auszubauen, die den Grundbesitzern ihre Pflicht abnehmen und dann schwer geheimnisvolles Tanzbild„Vampyr", ein Czardas, ein bie Straßenreinigungspf'.icht abnahm, nahm sie auch die Kosten auf aus einer besonderen Straßenreinigungssteuer oder aus einem Zu- sich, ohne dafür von den Hauswirten— wie sie es später bei Ein- schlag zu der damaligen Mietsteuer unterhalten werden sollt«. Von führung der Kanalisation mit Recht tot— eine Abgabe zu fordern. i847 ob ließ der Mogistrat versuchsweise zunächst in zwei Stadt- Gladiatorentonz, ein Tanzbild„Opiumrausch" usw. Die Vor führungen dauerten bis �-2 Uhr mit einer offiziellen Pause von 10 Minuten, in der sich die Anwesenden in teilweise recht erregten Gesprächen über das Gesehene äußerten. Am Sonnabend geht die Verhandlung weiter und die Sachverständigen werden sich zu äußern haben, ob und was an diesen Tänzen, die seit bald zwei; reinigungspflicht der Grundbesitzer wurden in den durch den dreißig ysdec fegte vor feiner eigenen Tür. teilen die Straßenreinigung durch die Stadtverwaltung besorgen. im April 1848 wurde der Versuch auf das ganze Stadtgebiet aus- gedehnt, und im Jahre 1881 beschlossen die Gemeindebehörden die tr..r.______ f._ v.._„c___"T". r. �_ i � a..£ �..x l � Jahren in Berlin gezeigt werden, in sittlicher Beziehung aus zusetzen ist._ Lebensmittelfchiebungen in Schöneberg. „Blinde Quillungen" eines Oberstadlfekrekärs. Wie jetzt erst bekannt wird, befindet sich der Schöneberger Ober- fiadtsekretär Gustav Lange auf« Veranlasiung der Staats- anwalischaft vom Landgericht III seit Weihnachten in Unter- suchungshaft. Lange hat sich umfangreiche Lebensmittel- fchiebungen zuschulden kommen lassen, die noch in das Jahr 1919 zurückreichen. Der Prozeß gegen Lange dürfte aller Wahrscheinlich- keit nach zu einem Massenverfahren gegen Schöneberger Kausleute führen, die mit Lange in unerlaubter Geschäftsverbindung gestanden haben. Die Privatgeschäfte Langes begannen im Herbst 1919, als ein gewisier Thalmann Leiter der Filiale 4 der Beamtenwirtschafts- vercinigunz in Schönet crp geworden war. In dieser Stellung hatte Thalmann Lebensmittel für die Beamtcnvereinigung zu empfangen und fragte Lange eines Tages, ob er nicht für private Zwecke einen Posten Mehl bekommen könnte. Cr hätte einen guten Abnehmer für die Ware und könnte Lange mit einem ansehnlichen Nutzen beteiligen. Der Stadtobersekretär ging auf das Geschäft ein und es entwickelte sich bald ein reguläres Geschäft, an dem sich auch ein anderer Beamter der Kolonialworenabteilung namens Röhlke beteiligte. Lange lieferte namentlich zuerst einem Herrn Sternbcrg, der mit Röhlke befreundet war, Mehl usw. ohne Marken, und allmählich dehnte sich das Privatgeschäft des Stadtobersekretärs c...i_._ v.r.!___ i.„k. V ITTw«* A.4V*"X /*»• CID aYvXv-S n rt I- VW A Cl Ci Eine regelmäßige Reinigung der Straßen und die Straßen- Üebernahme der gesamten Straßenreinigungslast auf die Gemeinde. ------------- v—------->•—-- v._ v—j. V.. Man hielt es aber aus Sparsämkeitsrückfichten für zweckmäßig, die Ausführung der nun allgemein„städtischen" Straßenreinigung an die jährigen Krieg heruntergekommenen Städten Berlin und Kölln an der Spree, deren Straßen zum Teil nicht gepflastert waren und sich eben damals umgestaltete Feuerwehr zu übertragen, womit die im Schmuck ländllch-idyllischer Misthaufen darboten, vom Kurfürsten gesamte Straßenreinigung zu einem Berwaltungszweig der„tönig« Friedrich Wilhelm im Jahre 1660 angeordnet. Seine„Brunnen- lichen" Polizei wurde, an die man die Feuerwehr bei ihrer Umge- "und Gassenordnung beider Residenz- und Haupt- staltung angegliedert hatte. Dieses Verhältnis, bei dem die Spritzen- städte Berlin und Kölln an der Spree" schrieb vor, daß männer als Straßenfeger dienten, aber im Bedarfssalle durch an- jeder Grundbesitzer die Straße vor seinem Grundstück genommene Tagearbeiter unterstützt wurden, bestand bis 187S. bis zur Mitte des Fahrdammes reinzuhalten hatte. Der Grundbesitzer fegte entweder selber oder ließ durch eine von ihm auf seine Kosten zu beschaffende Arbeitskrast fegen, der Kehricht ober wurde durch angestellte Gassenmeister abgefahren, deren Be- Zahlung gleichfalls dem Grundbesitzer auferlegt war. Als später die Gassenmeister abgeschafft wurden, mußten die Grundbesitzer selber auch dafür sorgen, daß der Kehricht abgefahren wurde. Die Ber- liner Hauswirte, die begreiflicherweise über die Strohenreinigungslast nicht zu knapp schimpften, suchten sich von der Erfüllung ihrer Pflicht möglichst zu drücken— und so blieb es vom 17. Jahrhundert durch das 18. bis in das 19. Jahrhundert. Der Spritzenmann als Straßenfeger. Die immer wiederholten Forderungen, das Straßen- r s i n i g u n g s w c s e n auf eine andere Grundlage zu stellen, führten im 19. Jahrhundert zu dem Plan, es an einen Unternehmer zu oergeben, dem man Reinigung und Abfuhr durch Die Hauswirte konnten lachen. Die Ausgaben für Straßenreinigung und Kshrichtabfuhr hatte die Gemeinde zu zahlen, die ja überhaupt für die Kosten der'„königlichen" Feuerwehr aufkommen mußte. Als Berlin sich immer mehr ausdechite und hiermit auch die Aufwendungen'für die Straßenreinigung immer welter stiegen, begriff man allmählich im Berliner Rathaus, wie unklug es gewesen war, den Grundbe- sitzern dies« La st„für immer" ohne jede Gegen- leistung abzunehmen. Am 1. Oktober 1875 ging auch die Ausführung der gesamten Straßenreinigungsarbeiten auf die Stadtverwaltung über, aber abgefunden hatte Berlin sich mit der Tat- fache, daß die Hauswirte feit 1851 der Kosten ledig waren. Erst die Not unserer Zeit hat jetzt dem Magistrat wieder den Gedanken nahe gelegt, den Stadtsäckel von den Kosten der Straßenreinigung zu entlasten. versuchte der Festgenommene auch jetzt noch durch ander« Personen, „die Affäre aus der Welt zu schaffen". Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen die gesamten Geschäfts- derart ans, daß jetzt nach den Ermittlungen der Behörde etwa 4 00| bücher und Rechnungen der Langefch-n Abteilung beim Bezirksamt bi-SO0KaufleuteinEchönebergMarkenwareüber> Schöneberg beschlagnahmen lasten. Die Untersuchung wird ihr Kontinqcnt hinaus erhalten haben. Lange er- � sich bei dem ungeheuren Material voraussichtlich wochenlang hin- hielt in diesen Fällen, wie er selbst bei seiner Vernehmung angegeben hat, angemessene Provision. Eines Tages erhielt nun die Wucherpolizei Schöneberg eine Anzeige, der vier Rechnungen bei- gefügt wären, in denen die Stadrkafle der Lebensmittelabteilung über nicht unerhebliche Beträge für gelieferte Kolonialwaren quittiert hatte. Der Kriminalbeamte Krüger wurde mit der Ermittlung be- traut und vermachte Thalmann, der beim Anblick der Rechnungen die Fassung verlor, zu einem umfassenden Geständnis zu veranlassen. Dann wurde Lange mit dem Dezernenten der Lebens- mittelabteilung zur Vernehmung geladen und legte auf Grund der Angaben Thalmanns auch seinerseits ein umfangreiches Geständnis . Cii___ r±___"f � I � s. i.*11 L S.vtv» f'J ♦ �7 ,4 1 r-\»> rt.. ziehen, da jeder auf den Rechnungen vorhandene Posten mit den Ein tragungen in den Kastenbüihern verglichen werden muß. Bisher konnte festgestellt werde», daß Lange in einer Anzahl Fälle„blinde Quittungen" ausgestellt hat. Die Bolle-Tchlagsaline. In dem Prozeß vor dem Wuchergericht des Landgerichts I gegen den Milchgroßhändler Gesche war durch einen Zeugen behauptet worden, in einer Bolle-Filiale seine Schlagsahne gekauft zu haben, die sich bei der Untersuchung angeblich als echte und somit für den ab.�"Äm luchsten Tage"jedoch t'ci'lte Lange dein Bez�; Verkauf verbotene Schlagsahne herausgestellt habe. Dazu teilt uns berg mit, er habe in der ersten Aufregung sich selbst fälschlich be- das Milchamt der Stadt Berlin mit: zichtigt. Gleichzeitig erschien der Stadtobersckretär jedoch in der � Seit dem Jahre 1915 ist von den städtischen Meiereibetrleben Wohnung des Kriminalbeamten Krüger und bot ihm 40000 M.!keine Naturschlagsahne in denVerkehr gebracht Bestechungsgelder, wenn der Beamte die bereits angelegten worden. Es ist unrichtig, daß in der Meierei Bolle Akten verschwinden ließe. Krüger teilte diesen Bestechunazversuch die vom Wucheramt dorthin zur Prüfung über- der Staatsanwaltschaft mit, die nunmehr Lange verhaftete. Trotzdem sandt e beschlagnahmt e Sahne als Naturschlag- sahne f e st g e st e l l t worden i st. Es ist vielmehr nur erklärt worden, daß sich eine solche Feststellunq einwandfrei nicht treffen lasse. Von der Meierei Bolle wurde seit Juni bis Ende Oktober 1921 hochprozentige K u n st sahne fabriziert und vertrieben, aus der die Bezieher Kunstschlagsahne herstellten. Dies war gesetzlich bis zum 1. November 19 2.1 zulässig. Die in einem Prozeßbericht.gegebene anders lautende Darstellung ist nur dadurch ermöglicht worden, daß der als Zeuge zu dieser Verhandlung geladene technische Di- rektor der Meierei C Bolle nicht vernommen worden ist. Die Verhandlung gegen den Angeklagten Gesche ist nicht vertagt worden, um Feststellungen wegen eines Verschuldens der Meierei Bolle zu treffen, sondern nur, um durch Ladung weiterer Sachverständiger die Schuldsrage bezüglich des Angeklagten Gesche zu klären._ venkmalsbcraubnng. Gestern morgen gegen 8 Uhr bemerkte man, baß in der Siegeßallee am Denkmal Friedrich Wilbelm I. die beiden Bronzekrone», die neben der Siatue angebracht waren, feblien. Sie waren ausgebrochen und einwendet worden. 8?ei der Besichtigung der anderen Denkmäler entdeckte man. daß auch am Denkmal Friedrichs des Großen versuch« worden war, eine der Bronzekronen herauSziibrechen. Allem Anschein nach sind die Täter dabei gestört worden'. ->> Eine seltsame Nacht. Roman in vier Stunden von Lanrids B r u u n. Frau Helwig wandte sich hastig zu Fräulein Selma um und legte ihre Hand um deren Nacken. „Ach. Selma!" sagte sie in plötzlicher Angst..Knud darf hiervon nichts erfahren! Hören Sie, dies eine darf er nicht wisien. Hilsöe reist wieder dorthin, von wo er kam. Dann ist alles vergessen und ausgelöscht— wie ein Iohannls- seuer, das ein letztes Mal in der hellen Nacht aufflammt, be- vor es für immer verlöscht." Fräulein Selma ergriff ihre Hand und blickte ernst in Frau Helwigs graue Augen, die grotz und tief geworden waren. „Ich werde nie ein Wort darüber verlauten lasten,. Frau Hjarmer— darauf können Sie sich verlassen! Das wäre Sünde um ihn: denn es würde ihn docb sehr schmerzen." Ihre klaren Augen wurden feucht, während sie dies sagte, und ein plötzliches Zittern wie von Kälte überlief sie. Im selben Augenblick läutete es an der Haustür. Zwei kurze Glockenschläge und ein langer. „Das ist Doktor Sylt!" sagte Frau Helwig und richtete sich auf. Fräulein Selma atmete erleichtert auf. „Gott sei Dank!" sagte sie und schüttelte das Gefühl des Unbehagens von sich ab, das sie kürzlich ergriffen hatte. „Es ist, als kämen Spukgestalten mit dem Mondlicht herein." -„Sind Sie behext. Fräulein Sindal?" fragte Frau Helwig und lächelte. „O. ich glaube, es sind die Syringen," sagte sie an der Tür zum Kontor,„sie duften so stark!" Frau Helwig sab zu dem großen Kristallglas hinüber. „Die Springen?" wiederholte sie in Gedanken, während Fräulein Sindal durchs Kontor hinausging und die Tür hinter sich offen lieg. 9. Die tiefe, gutmütige und heisere Stimme des Doktors sieh fick, aus Hiarmers'Kontorzimmer vernehmen: jMa, na, Kleine, ist es wirklich so schlimm?" Frau helwig erhob sich und ging ihm entgegen. „Guten Abend, Doktor!"— Sie gab ihm die Hand, die er mit seiner kurzen, behaarten Bärentatze schüttelte. „Guten Abend, Frau Hjarmer!" Dann nahm er seinen großen, weichen Hut ab, besten breiter Rand gegen Sonne und Regen nach allen möglichen Seiten gebogen werden konnte, und trocknete sich mit dem Rücken seiner Hand den Schweiß von der Stirn. Er blieb mitten im Zimmer stehen und pustete seine dicken, sonnverbrannten Backen auf, die von dem wildwachsen- den Vollbart halb verborgen waren, während seine kleinen, scharfen, hellblauen Augen mit ihrer verstohlenen Munterkeit Lustig von der einen zur anderen blinzelten. „Fangen Sie auch Grillen im Mondschein?" fragte er und blickte von der Seite zu Frau Helwig auf. „Nein, aber Fräulein Sindal sagt, daß Ellen Fieber hat." „Das haben wir allesamt, wenn wir Backenzähne be- kommen!" Plötzlich griff er vor sich durch die Luft, als bekäme er einen Erstickungsanfall. „Puh ha!" Der klare Schweiß perlte ihm von der breiten, ninden Stirn berunter, die weiß war, soweit der Hutrand reichte. „Was ist denn los, Doktor?" fragte Frau Helwig. wäh- rend Fräulein Selma seinen Hut nahm und ihn am Noten- ständer aufhängte. „Nicht ein Atom Lkift in dieser gesegneten, hellen Nacht!" sagte er und schüttelte mißbilligend seinen runden Kopf mit dem dichten, braunen Haar. „Was sollen wir denn machen?" Frau Helwig zeigte auf den Garten.„Das Fenster steht ja offen!" Doktor Sylt maß die Fensterscheiben mit einem hastigen Blick, während er eilig durchs Zimmer auf das dreiteilige Fenster links neben dem Erker mit der Glastür zuging. Er reckte feinen schweren, vorgebeugten Körper über den langen Blninentisch, der das Fenster unten verdeckte. Es glückte lbm, den Haken zu öffnen, aber das Fenster! war und blieb gesthloffen. „Natürlich," sagte er mit komischer Verzweiflung,„zu-, genag»lt." „Das ist der Blumen wegen," erklärte Fräulein Selma und lachte. „Glauben Sie vielleicht, daß die keine Luft gebrauchen!"' Die beiden anderen Fenster gingen dagegen schnell auf. Als er zum Fenster links im Erker kam, stieß er wieder auf Hindernisse. „Und das ist noch dazu aus farbigem Glas— wie in einer Königsgruft I" Das rechte aber stieß er auf. Er stand einen Augenblick im Mondenschein und sog die Luft ein, so daß sich sein ganzer Körper dehnte. Dann trat er sichtlich erleichtert ins Zimmer zurück. „Diese schlechte Angewohnheit, immer im Zimmer zu hocken!" sagte er und schlug seinen Rock weit zurück, damit die Körperwärme abziehen konnte. „Sollen wir beide einsamen Frauenzimmer vielleicht nachts auf der Landstraße spazieren rennen?" fragte Frau- lein Selma und sah ihm lachend in die Augen. Doktor Sylt zog seine weite Leinenbose hoch, die ihm so lose um den Magen hing, als könne er sie jeden Augenblick verlieren. „Ja. freilich sollen Sie das," sagte er und setzte sich in den Sesiel.„wenn ich hier was zu sagen hätte!" „Das wäre ja reizend!" Frau Helwig lachte. Dann beugte sie sich zu ihm und sah ihn mit ihren dunklen, grauen Augen fest an: „Wissen Sie, was ich glaube?" Doktor Sylt blickte sie von der Seite mit seinen kleinen. scharfen Augen an. in denen die heimliche Munterkeit noch stärker blitzte als sonst. Er oerstand gleich, was sie meinte. „Ja, ich weiß es!" sagte er.„Aber es stimmt nicht." „Sie haben in der Stadt gebummelt!" fuhr Frau Helmig in demselben inquisitorischen Ton fort. „Aber durchaus nicht. Denn ich bin schon mit dem Acht- ubrznge zurückgekommen. Aber ich war noch beim Land- inspektor und habe zum Geburtstag gratuliert. Denken Sie nur, das hatte ich ganz vergessen. Es fiel mir erst ein, als ick im Hotel„La France" zu Mittag ah. Deshalb fuhr ich gleich nach Haufe." „Beim Landinspektor ging es wohl hoch her?" neckte Fron Helwig. „Nicht höber als sich geziemt! Die Leute waren gerade bei dem Punkt angelangt, wo man entdeckt, daß man mit Instinkten geboren ist." (Fortsetzung folgt.) < Das Nachtafpl. In die traurigen, armseligen Verhältnisse der Insassen des städtischen Asyls für Obdachlose leuchtete eine Verhandlung hinein, die gestern das Schwurgericht beim Landgericht I beschäftigte. An- geklagt wegen Raubes waren der Obdachlose Walter M a l s ch a- k u s und der Arbeitslose Karl K a a tz. In einer Sommernacht des vorigen Jahres waren dem sieb- ziglährigen Insassen des Asyls, Habakuk, seine Stiefel im Scblafsaal gestohlen worden. Die beiden Angeklag- ten halse» ibm suchen, gingen mit ihm auf den Hausflur hinaus, drängten ihn in eine Ecke, steckten ihm ein Taschentuch in den Mund, um ihn am Schreien zu verhindern, umklammerten seine Arme und entrisse,, ihm die Brieftasche mit 30 M. Inhalt. Kaatz, der wegen seines Handelns mit Himbeersaft im Asyl den Spitznamen„H i m- b e e r k a r l" führt, hate ebenso wie der Mitangeklagte vor Polizei und Untersuchungsrichter die Tat zugegeben, leugneten dagegen im gestrigen Termin. Durch die Aussage eines Zeugen, der sie bestimmt wieder- erkannte, wurden sie jedoch so überführt, daß der Staatsanwalt gegen beide das Schuldig beantragte. Die Geschworenen bejahten bei Malschakus die Schuldfrage, billigten ihm aber auf Antrag des Rechtsanwalts Grünewald mildernde Umstände zu. Bezüglich des„HImbcerkarl" bat Rechtsanwalt Dr. Frey um Verneinung der Schuldfrage, da der Zeuge in dem iiur matt erleuchteten Flur sich immerhin geirrt haben könne. Dem Wahrsvruch der Gc- schworencn gemäß wurde„Himbeerkarl" freigesprochen, Malschakus zu 1 Jahr 5 Monaten Gefängnis verurteilt. keme Wohnungszuweisung gegen Se!ö. Der Berliner Stadtverordnetenausschuß, der zur Vorbereitung des Antrages wegen der Annahme größerer Geld- betröge für die Zuweisung von Wohnungen außer der Reihe ein- gesetzt worden war, hat gestern in eingehender Verhandlung die diesem zugrundeliegenden Mißstände in der Zwangswohnungswirt- schaft erörtert. Von verschiedenen Seiten wurden die zum Teil be- reits bekannten Fälle derartiger Wohnungszuweisungen an kapital- kräftige Leute durch die Wohnungsämter gegen Geldzahlung zur Sprache gebracht, wie sie in den Bezirksversammlnngen, besonders in Wilmersdorf, öffentlich verhandelt worden sind. Der Ausschuß verurteilte ein derartiges Gebaren und nahm ein- stimmig folgenden Antrag an:„Die Stadtverordnetenversamm- lung ersucht den Magistrat, zu erklären: Bevorzugungen bei der Zuweisung von Wohnungen oder von Räumen zu geschäftlichen oder gewerblichen Zwecken gegen Geldzahlung sind grundsätzlich unzulässig. Ausnahmen können nur auf Beschluß der Bezirkswohnungskommission oder des Zentralwoh- nungsamtes gemacht werden." Der„vergeßliche" Kaßenbote. Mit Hilfe einer nicht gerade sehr glaubhasten Ausrede versuchte der Kassenbote Adolf Wagner eine von ihm begangene Unter- schiagung von 200 000 M. bar als eine Armlose Vergeßlichkeit hinzu- stellen.— Wagner war bei der Sparkasse in Reinickendorf als Kassen- böte tätig gewesen, nachdem ihn, nach seiner Angabe, die Kommunisten und Unabhängigen in der Ge- m e i n de v e r t r e t u n g angeblich aus seiner Stellung als Schuldiener hinausgedrängt hatten, um einen ihrer Parteigänger dort hineinzubringen. Eines Tages erhielt W. von dem Rendanten den Auftrag, die Summe von 200000 und 105 000 M. in zwei Pakeien zur Reichsbank zu bringen. Als er hier eintraf, erklärte er plötzlich mit allen Zeichen des Schreckens, er fei soeben von zwei Männern um das Paket mit den 200 000 M. beraubt worden. Hierbei blieb er auch bei der Polizei, bis man in seinen Taschen einen Gevückausbcwahrungsschein von demseldm Tage fand. Erst als man bei der Gepäckstclle des Bahnhofs Slle.randärplatz in einem Koffer das angeblich geraubte Banknotenpaket fand, bequemte sich W. zu einem Geständnis. Er Hab« seiner Braut, einer geschiedenen Frau, einen Koffer schenken wollen und diesen, um sich nicht damit herumzuschleppen, aus dem Bahnhose aufaeqeben. Wie das Banknotenpaket dort hineinge- kommen sei, sei hm unerklärlich, und nur die Furcht, als vergeßlicher Beamter entlassen zu werden, habe ihn zu der Erfindung des Raub- mifalls oeranlaßt. Bor Gericht trat Rechtsanwalt Dr. S. Eisen ftaedt durch Bezugnahme auf die Gutachten'des Geh. Med.-Rats Prof. Straß- mann und des behandelnden Arztes Dr. Iacobschn den Beweis dafür an, daß der Angeklagte ein schwerer Neuro st heniker sei und wcitmöglichst« Milde verdiene. Der Siaatsanwalt beantragte 1 Jahr 6 Monate G e f ä n a n i s, während'das Gericht dem Verteidiger folgte und nur auf 900 Mark Geldstrafe erkannt«. Znr Unterschlaguncs bei der Polizeihauptkasse. Der Unierwachtmeister Zibler, der mit seinem freunde Fechner der Polizeibauplkasie in Berlin 850 000 M. unterschlug, ist immer noch nicht ermittelt. Angehörige von ibm haben den Verdacht laut werden lassen, daß er von der schlenschen Verwandtichaft des verhafteten Fechner ermordet und des Geldes beraubt sei. Ihnen gegenüber soll er schon früher geäußert haben, daß er von der Gc- scllichaft, d. h. Fechner, nicht mehr loskommen könne. Die Kriminal- Polizei geht allen dielen Andeulnngen nach. Oberwachtmeister Bender entdeckte bei einem Verwandten Fechner« in Grünberg in einem Stallgebäude Geld, das aus der Unterschlagung herrührt Es sind allerdina« nicht, wie irrtümlich durch die Zeitungen ge- gangen ist. 250000. sondern nur 2150 M. lieber den vermutlichen Antenthalt Ziblers sind ans der Provinz bei der hiesigen Kriminal- Polizei wiederholt Meldungen eingelaufen. Keine jedoch hat zur Ermittelung des Flüchtigen geführt. Zustimmung zur Mietkündignng. Unter dem 10. Dezember hat das Mietet nigungsamt Berlin eine allgemeine einstweilige Anordnung erlösten, in der den Vermietern für bestimmte Kündigungsfälie zuin l. April 1922 die v o r l ä u f i g e Zustimmung z u r K ü n d i- gung gegeben wurde. Für die Verwaltungsbezirke Neukölln, Treptow, Lichtenberg. Cöpentck. Pankow und N e i n i ck e n d o r f sind bereits vorder äbnliche zum Teil noch weitergehende Anordnungen von den dortigen Abteiluisigen des MieieinigungSamiS veröffentlicht worden. Es sind nu» Zweifel darüber lani geworden, ob die Kündiaungen auf Grund der letzteren Änorduungen wirksam sind. Zur Aufklärung sei deshalb darauf hingewiesen, daß die in den genannten Vet waltungsbezirken erfolgten diesbezüglichen Vetanntmachungen ihre Geltung behalten auch in- soweit, als sie über den Rahmen der von der Zentrale des Miel- einigungSamteS erlassenen Anordnung hinausgehen. e:ne vor: peyenoe Wagcngruppe aus. �wel<)uaoeamic wuroen ge- tötet, drei Zugbcainte und ein Biehwagenbegleiter teils schwer, teils leicht verletzt. 27 Wagen lmd 2 Lokomotiven sind entgleist. Groft-Serliner parteinacbeichten. heule, Freitag, den 13, Januar: 18., 19.»ud 20. Abt. Dencsscn der 98. Verkaufsstelle der Aonsumgenosscnfchast, Borncmannstrastc, treffen sich um 7 Uhr zu einer Besprechung bei Äerfin, Pankstr. 60. 136. Abt. Ncinickeudorf. 7 Uhr Funttionärsihung bei LindsteM, Residenz- strasie 120/121. Wichtige Tagesordnung. Stellungnahme zur Neuwahl des Vorstandes. Junniozialisten. Arbeitsgcmetnsihaft Süden! 7>,4 Uhr in den Räumen der Juristischen Sprechstunde, Lindcnstr. 8, Besprechung mit dem Genossen Frist Schloß.— Gruppe Norden: TA Uhr in der Semcindeschule Putbuser Straße 8'0, Talladcnabcnd.— Truppe Lichte rfcldc: l'A Uhr im Jugendheim Albrcchtstr. Ha, Vortragsabend. Morgen, Sonnabend, den 14. Januar: Truppe Bernau. Versammlung abends 7 Uhr im Elpsium in Bernau, Genosse Dr. Lohmann spricht über„Schule— Sörlitzer Programm— Rcichsschul- gesetz". Uebermorgcn, Sonntag, den IS. Januar: 8. Wahlkreis Wcdding. Vormittag» 10 Uhr Bestchtlaung der FcucrwachlM Stock- holmcr und Edinburgcr Strasie am Schillerpark. 40. Abt. Vormittags O'/i Uhr findet die Bestchtigung der Ztonsumgenoissenschaft in Lichtenberg, Rittcrgutstrasic, statt. Treffpunkt und Abfahrt 8 Uhr srllh Poretstrake. Truppe Nordbahn. Versammlung nachmittags 8 Uhr In Glienicke, Lqtal Alter- mann. Genosse Kreutzigcr spricht über„Schule— Görlitzer Programm— Reichsschulgesest". Truppe Ahrenafelde. Versammlung nachmittags Uhr in Sccifeld, Lokal Buchholz. Genosse Drllgemsiller spricht Uber„Die kommende Lanogemcinde- ordnitng". Truppe Erkner. Versammlung nachmittags 143 Uhr in Erkner, Lokal Handtkc. Genosse Streuer spricht über„Die Finanzlage des Streifes und ihre Aus- Wirkung auf die Steuergcdarung der Gemeinden". 0. Strels Strcuzberg. Montag, den l0. Januar, abends TU Uhr, erweiterte Streisvorftandssstzuna bei Reim, Urbanstr. LS. Achtung, Erwachsene Mitarbeiter de, Verein» Arbeiter-Zugeub Troß-Berlin. Die vorgesehene Stonferenz finde? am Sonnabend, den 14. d. M., nicht statt. Die nächste Stonferenz findet er? im März statt. ?ugenüveranstaltunaen. Berein Ardeitcr-Jugend. Sekretariat: SW. 08, Lindenstr. 3, 2. Hos links, 2 Treppen rechts. Telephon: Mpl. 121 08—10. heuie. Freilag. den 13. Januar: Moabit: Jugendheim Gemeindefchulc Waldenserstrasie, Vortrog:„Iii fremden Welten".— NculSlln-Süd: Jugendheim Rogatstr. 53, Vortrag.— Niederschönhaufen: Jugendheim Gemeindeschule Vlankcnburger Str. 69/70. Lese- abend:„Die Arbcitcrjugcn dbewegung".— Nordosten: Jugendheim Gemeinde- schule Hcinersdorfer Str. 19, Vortrag:„Utopischer und wissenschaftlicher Sozia- lismus.— Petersburger Viertel: Jugendheim Gemeindeschule Strastmannstr. 0, Vortrag:„Warum muß steh der Jugendliche organisieren?"— Schäneberg Ii: Jugendheim Gemeindeschnle Feurigstr. 85, Mitgliederversammlung.— Tegel: Jugendheim Dahnhofftr. 15, Dislnsston:„Warum big ich im Verein Arbeiter- Jugend?"— 14. SUeis Treptow. Jugendheim Glsenstr. 3, Mädchenabend. Vor- trag:„Die Stunst zu leben".__ Wietsichaft Aiedersachsisches oder rheinisch-tvcsifälifchcs Wirkschaslsgebiet? Eine Geschäftsführer- und Bcvollmächtigten-Konferenz des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes für den Bezirk Bielefeld, Münster, Osnabrück und die Lippischen Staaten beschäf- tigte sich rnit den Bestrebungen der 5)andels-, Handwerker- und Land- wirtschaftskammern, sowie den Vertretungen der Kommunen, die eifrigst an der Arbeit sind, das nordöstliche Westfalen einem niedersäch fischen Wirtschaftsgebiet einzuverleiben. Bezirksleiter Kollege Spiegel hielt das einleitende Referat, er besprach auch die Konferenz der Ortsausschüsie der freien Gewerkschaften der obigen Bezirke, die im Februar 1921 bereits nach einem Referat des Genossen K. Schreck einstimmig den Anschluß an Riedersachscn ab- lehnte. Nach reger eingehender Aussprache wurde folgende Eni- s ch l i e ß u n g einstimmig angenommen: „Die am 8. Januar 1922 in Münster tagende Geschäftsführer- und Devollmächtigten-Konferenz des DMV., Bezirk Bielefeld, unter Hinzuziehung der erweiterten und engeren Bezirkskommissionen, nahm auch Stellung zu den Bestrebungen der Handels-, Handwerker- und Landwirtschastskammern des östlichen und nördlichen Westfalen, Anglicderung an ein zu schaffendes niedersächsisches Wirtschaftsgebiet. Die Konferenz lehnt mit aller Entschiedenheit die An- gliederung nach Riedersachsen ab, da die wirtschaftlichen Verhältnisse viel mehr sich dem rheinisch-wcstfälischen In- du st riegebiet zuneigen. Die Konferenz erwartet von den Instanzen des Verbandes, alles zu tun, um die Bezirke Minden, Münster, die beiden Freistaaten Lippe und den Kreis Osnabrück dem rheinisch-westfälischen Wirtschaftsgebiet anzugliedern und auch den Reichswirtschaftsrat In diesem Sinne zu unterrichten." Für den Bezirk Bielefeld kommen allein rund 30 000 Metall- arbeitcr in Betracht, so daß man nicht achtlos an dieser Willens- äußerung vorübergehen kann. Empfehlenswert ist es, wenn auch die übrigen Gewerkschaften auf ihren bezirklichen Tagungen zu dieser Frage und zu den Bestrebungen der wirtschaftlichen Unternehmer- organisationen Stellung nehmen.- Arbeitersport. Rrbkitcr-Radsobrer-Vcrcia„Srosi-Verlia". Sonniag nachmittag l'.j Uhr: Mlillcrs Svroe-Ncftourant. Start Marianncnplatz. Mittwoch, 18. Januar, Eciicralversammluna bei Matschen», Forster Str. 9. Arbeiter-Nadlahrer-Band„Solidarität" Belli». Touren für Sonntag, den 15. Januar. 1. Abt.: Museum für Meereskunde. Treffpunkt 12 Uhr Georgen- strasie. 2. Abt.: MönchmUHIc. Start 1 Uhr Planufer 63, Ecke Wilmsstrcisie. 3. Abt.: Eichwalde fWittci. Start Iii Uhr Lausttzer Platz. 4. Abt.: Fusitour nach Treptow lParkschlosi). Start 2 Uhr Weberwiesc. 5. Abt.: Spandau (Tivoli). Start 1 Uhr Eomwreiplatz. 0. Abt.: Glienicke, Nordbahn(Alter- mann). Start 1 Uhr Stopcnhagencr Str. 26. 8. Abt.: Marienfcloe. Start 1 Uhr Waldstr. 8. 9. Abt.: Wilhelmsruh. Slart 2 Uhr Schulstr. 114. 10. Abt.: Vestchtigung der Arbciterwohlfahrtsausstellung. Trcsfvunkt 1 Uhr. Ortsgruppe Tegel: Glienicke(Zur Waldkläufe). Start 2 Uhr Echlieperstr. 64.— Freitag, de» 13., abends 7 Uhr, Sitzung des Sportausschusses, Rungcstr. 7. Vorträge, Vereine unü Versammlungen. Freitag, de» 13. Januart vercl»lz»ng proletarischer Stinderfreunde. Mitgliederversammlung abends 7 Uhr im Ralhausc in Berlin, Eingang Illdenstrasie, Zimmer 109 lll. Tages- ordnnng: 1. Bericht über unsere Entwickluna. Referent Genosse Stadtrat Dr. Kurt L ä w c n st« i n, M. d. R. 2. Die Rachmlttagobeschäftigung der Schulkinder. Referent Genossin Rcg.-Rat Fran Strau». Fessel. Reichsvereinignug ehem. Srieg-gcsangcncr, Gruppe Norden 2. Abends Ti Uhr im Restaurant Bcrolina-Frstsälc, Schönhauser Allee 28, Generalvcr- sammlung mit Dan.«». • Arbeiter-Aistiueuten-Bund. Ortsgruppe Berti». Die MitaNederverfamm- lunq am 13. d. M. fällt aus. Generalversammlung am Freitag, den 20. Januar, 7 Uhr, in der Oberrealschule, Rlederwollstr. 12. Fr»»e»chor„Frohsinn", SPD.-Ehnrlottenbnrg. Uebungsstunden leden Mon- tag, abends von 8—10 Uhr, in der Aula der Hindenburg-Echule, Euerickcstr. 82. Sangesfreudig« Genossinnen werden gebeten, unsere Uebungsstunden zu besuchen. Wetter bis Tonnabend mittag. Zeitweise aufklarend, jedoch über- wiegend bewölkt, verschiedentlich noch leichte Schncejälle. Temperaturen nahe bei Null. Ein gleitender Tarif für Ausfuhrabgaben. Die für die Abgaben von der deutschen Ausfuhr bestehenden Bestimmungen sollen jetzt grundsätzlich neu geregelt werden. Das gegenwärtige System mit seinen starren Sätzen konnte den dauern- den Dalutäschwänkungen nicht folgen, obwohl auch dafür gesorgt werden mußte, daß die Höhe der Ausfuhr sich nach dem iniernatio- nalen Wert der deutschen Mark richtete Es ist ohne weiteres klar, daß die Ausfuhrabgabe höher sein kann, wenn infolge starker deutscher Geldentwertung die Ausfuhr steigt und alle Well sich um die deutsch? War? reißt. Die Situation ändert sich aber, wenn bei steigendem Werte des deutschen Geldes die Ausfuhr nachläßt und sich der deutsche Kaufmann bemühen muß, Abnehmer für seine Ware zu finden. In diesem Fall würde eine gleichbleibende Aus- fuhrabgabe(wenn sie in einer Epoche niedrigsten Standes der deutschen Währung geschaffen ist) den Export außerordenlich er- schweren, vielleicht sogar verhindern An' einer Aufrechtcrhaltung einer so wirkenden Exportabgabe hat auch die deutsche Arbeiterschaft kein Interesse, da auch sie den größten Wert darauf legen muß, die Ausfuhr steigern zu helfen und dadurch stärkere Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Der Versuch, einen neuen Toris mit gleitender, sich den wechselnden Valuta- und anderen Verhältnisien anpassenden Skala zu schassen, entspricht daher einem wirklichen Bedürfnis und muß begrüßt werden. Wünschen möchte man nur, daß es der Regierung gelingt, diesen neuen Toris bis zum 1. Juni d. I. fertigzustellen. Bis dahin soll der alte Tarif seine Geltung behalten. NZ. Die Inanspruchnahme der Reichsbant duröb Kredite und An- forderunge» von Zahlungsmitteln war gegen Ende des Jahres außerordemlick stark, bat aber nach dem Ausweis vom 7. Januar bereits wesentlich nachgelassen, nachdem die in den Tresors auige- sammelten Ncichsschatzanweisungen Ab'atz gefunden haben. Auch der Zahlung-tmittelumlauf zeigt im Gegensatz zu den vorder- gegailgeiien Wochen, wo er erheblich angeschwollen war, einen Rück- gang. E« konnten V, Milliarde Mark an Banknoten und 91,7 Mil- lionen Mark au Darlebnktassenscheinen dem Verkebr entzogen worden, so daß noch für 113,1 Milliarden Banknote», für 8.2 Mil- liarden Darlehnskassenscheine, insgesamt für mehr als 1 2 1 JK i l- l i a r d e ii Mark Papiergeld im Umlauf find, das ist beträchtlich mehr als noch Anfang Dezembrr v. I. Die Erfossuiig der Börsengewinne. Die österreichische Regierung hat dem Nationalrat einen Gesetzentwurf unterbreitet, der die Er- fassung der Börsengewinne zur Aufgabe hat und der auch für uns ein großes Interesse beanspruchen wird. Bei den enormen Kurs- steigeruugcn im letzten Bi�teljahr des voraufgegangenen Jahres wurde auch bei uns in der Presse die Anregung gegeben, die Kurs- gewinne, die beim Verkauf von Papieren an der Börse entstehen, steuerlich zu erfassen. Dus Reichswirtschaftsmini st ertum ist diesen Anregungen sofort nachgegangen, hat aber, soweit wir unter- richtet sind, bisher mit seinen Bemühungen keinenErfolg gehabt. Um so wichtiger ist es, daß Oesterreich, das sinanziell immer noch ungünstiger steht als Deutschland, zu diesem entscheidenden Schritt ausholt und die Gewinne, die bei Valuten, Devisen oder Effekten er- warben werden, besteuern will. Ohne Unterschied soll die Besteue- rung eintreten, ob die Veräußerung an oder außerhalb der Börse "■ gilt unser Damen-Spangenschuhe'TO Leder, schwarz......... von M.» tLs Damen-Schnürschuhe"t Q � mit u.ohneLackkappe, mod Form, von M. JLw'v/ 50 an 50 an Damen-Schnürstiefel"l/CC von M. JLU«J Herren-Schnürstiefel von M. JL# 00 an 00 an 1950 >M. 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In weiten Kreisen der Bevölkerung würden diese Bemühungen eine sehr lebhafte Zustimmung finden. Wohnungsbau und Lausloftraqe. 5)albamllich wird mitgeteilt: Infolge ber weiteren Steigerung der Lohn-, Transport» und Bau- kosten wird der Wohnungsbau m der kommenden Bauperiode auf erneute Schwierigkeiten stoßen. Um deni Baustoftmanget, besonders dem Mangel an Ziegeln, zu begegnen, wird es vielleicht notwendig sein, in vermehriem Umfanoe auch auf ander« bewährte Bauweifen zurückgreifen. Unter den Naturbauweisen wird der Lehmbau, vor allem auf dem Lande Bedeutung behalten, namentlich dort, wo Lehm auf der Baustelle vorhanden ist und andere Baustoffe wegen hoher Transportkosten nicht herangefchafft we.den können. Neben dem Lehmbau haben sich, wie in einem aufklärenden Er'aß des preußischen Ministers für Bö'kswvblsahrt hervorgehoben ist, auch eine Reihe anderer Bauverfahren als wirtschaftlich und brauchbar erwiesen. besonders die Bauweisen mit Ziegelhohlmauerwerk und chohlsteincn mir Schlackensteinen und Schlackenbeton. Um die mit diefen Bauweisen gewonnenen Erfahrungen zu erweitern, zu sammeln und der Vauwirtschast nutzbar zu machen, sollen die von dem preußischen Minister für Vo'lswohlfahrt für Beratungsstellen für Naturbouweifen ausgebaut und ihre bisher auf die Förderung der Lehmbauweise beschränkten Aufgaben auf das gesamte Äebiet der wirtscfccfäichen Bauweisen ausgedehnt werden. Ihre A'zeichnung wird demnach künftig in„bauwirtschaftliche Beratungs- Thea&r, lidtfspleie usw. I stellen" geändert. Bei Ihrer Au fklärungsarbeft sollen künftig auch die staatlichen Ortsbaubcamten mitwirken, die bei ihrer prüfenden und beratenden Tätigkeit Gelegenheit haben, die Verbindung zwischen den Baulustigen und den Beratungsstellen zu vermitteln. Eine Torfaucslellung. die die Gewinnungsmöglichkeiten, die Produktionsweise und Verwertung des Torfes in Hausbrand, In- dustrie und Landwirtschaft veranschaulichen und so die Steigerung der Brennstosferzeugung fördern will, sindet vom 18. bis 27. März in der Stadthalle zu Hannover statt. Der deulhch-russische Bankverkehr aufgenommen. Zwischen der russischen Staatsbank einerseits und der Deutschen und Dresdener Bank andererseits ist der offizielle Bankvcrkehr auf- genommen worden. Am 6. Januar erfolgte, so meldet Intel, die erste Ueberweisung in Höhe von l'A Millionen Mark von Moskau nach Berlin. Damit find die seit 714 Jahren unterbrochenen Bank- beziehunaen zwischen Nußland und Deutschland wieder aufgenommen. Einsuhrbewilligung für Pcivalgüker nach Rußland. Die Handels- Vertretung der russischen Sowjetrepublik in Berlin, Lützow-Ufer 1, hat bestimmt, daß für Rußland die Einfuhr sämtlicher Privat- g ü t e r einer Einfuhrbewilligung seitens der genannten Handelsvertretung bedarf. Diese Vorschrift umfaßt auch solche Güter, die für die H i l f s a k t i o n oder zu Wohltätigkeitszwecken bestimmt sind, wie auch dasjenige Rcisegut, das über den persönlichen Bedarf hinausgeht. Die Handelsvertretung empfiehlt Reisenden, die Pässe nach Rußland beantragen, in Zweifelssällen an der bczeich- neten Stelle Auskunft einzuholen. Arbeitseinschränkunzen in der tschechischen Industrie. Die Tschccho- slowakei, deren Valuta in letzter Zeit sich außerordentlich gehoben hat, kommt jetzt in die Absatzschwierigkeiten der valutastarken Staaten. So wurde nach der TU. auf dem Obcrwerk in Pilsen, dem größten Werk der tschechischen Metallindustrie, in mehreren Ab- telkungen die Arbeit eingeschränkt, vor allem in der Lokomotivfabrik und in den großen Maschinenwcrkcn. In den Gießereien werden nur vier Tage in der Woche gearbeitet. Der brikische Außenhandel, dessen Niedergang entscheidend auf die Stellung der englischen Regierung in der Reparationsfrage ein- gewirkt hat, zeigt im letzten Jahre erheblich geringere Wertziffern als im Jahre 1920. Die englische Einfuhr bclief sich im Jahre 1921 auf 1086 Millionen Pfund Sterling gegen eine Einsuhr von 1932 Millionen Pfund Sterling im Jahre 1920. Die Ausfuhr hatte einen Wert von 703 Millionen Psund Sterling gegen 1334 Mil.- lionen Pfund Sterling im Vorjahre. (Schluß des redaktionellen Teils.) 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Al.xandcr ßeutsches'iiinstler-üi 7; Gastsp. d. Moskauer Kün t er»Theaters vi uuLi Sonnab 7: Nachtasyl Sonnt. 7(letzt. Gastsp). Der Klrscbgarten Montag 71 2: Dei heilige Atnbi osius (Max Adalbert) Resldenz-Thcat Täglich 7'/, Uhr: Irene Trleseh, Arnold Korff, Schroth, Haidt, Pospischil Sbd. 4 U.: lloikJppchen Berliner Theat. Täglich 7,30 U. r �rtnsQffin Klelaes Theater Täglich VU Ohr: Ssqueitae Car.Toeile, Falk enstein, Albers, Werk meist, Bern Sbd.4 U.: Schneewittchen Trianon-Theat. täglich 8 Uhr. E 1 g a v. Gerbart Hauptmann (Tina Durieux, K. Veiui. Becker, Klein, Saliner) Sonnab 4 U. kl. Preise Rotkäppchen RossJeitseli. Theater lEriilieVepl' Goltzstraße 9 Nollendorf 1613 Anfang 8Va Uhr VürsIciloilB illatendllch! 1 RemesTtopmcTjfidigniit IbV Theater�; J)lr. Jam. Klein r jDiEAasslaiüinjjs-: 1 Variete-Scliaui i||Aktein ver-| lll-cdieileneoz Jy Ländern !ill chlneslsolien Frcudeiihause-.j Auttfs ta der Slmrij-Hal-Tnippeil Natscbas SWüsL-Dressaren 1 i.d. Hauptrollen. j Else Berns ! Oscar Sabo ) Martin KettnerJ Fritz Stcidi Else Reval Alfred Walters! eJnventur»- Ausverka uf ■Cobu', Eolos-Manjen-Buner MAEGABINI BetgilcMfaxK i/ch€ NaJ-gaiinrWcrhe »sefSiiedLJt A.Q. [Elberfeld und lief Ii n Pi che Ii dorf. icneralvcrtretung: Franz Jos. Gfrörcr BERLIN Wso, Antbadier Str. 50. Fermpr.t Steinnlatz 4848 o. 12144 Jimmy Bturm, Ralph Arthur Roberts. N. Klper, Wally Kocli Central-Theator �Das Detektinnäde! Deutsches Opernhaus 7«/, Uhr RigOlettO Frledr.-WilhelmsL Th. 7-,.Uhr: Rlgoletlö Intimes Theater Zum ersten Malcl 7: Die badende Nymphe! Ein grausig. Experiment| Gustave, es blitzt; Kloin. Scheusplolhaus j 7'/. uhr Die Mütter Lustspielhaus 8 unr: Der Werwe!! Meiropol-Thoater �D-SlraSensängeflii Neues Oporellen-Th. i s uhr Königin dJacbt Neues Operettonhaus Schöneher g, Hauput.144. 8 Uhr: Blnmnl kommt| dlo Stunde••• Neues Theater am Zoo »uhr: Annette Ncies Volkstheator j tv. unr: Heuchler Schiller-Th. Charlbg. I u:EiaWlnteriii2Fet]8n'. SchloBparit-Th StegllU\ Kleines Haus Vit Uhr: Paria Scheiterhaufen Thalia-Theater VI, Unr; Die Herren von und zu... I Theat BmNoilendorlpl.{ v' Die Ehe im Kreise Thoa'er des Westens UM* Braut ILuenlliis Th.i.tl. Kommandant Str (Jtid. Kilustler-Tfa.) 1 TV,: Jankcl der Schmie� I Wailner-Theater| �t.Die Spltzsnkönigln Walhalla-Theater » Uhr Dl« Mond. sehclndame I (Rose-Theatcr) 7'/, Uhr: (Spreeathcnerl iv.iipr/j Dir Jam. Kleie\ Die große Revue Der Ken der Well j KelneBühDeder Weltbiet.sGlehe PraciKacsstat!. Kamen k- puhaiiDarsiell. F0L1ES C&PRICE Limenstr. 132 am Oranienourger Tor Täglich 8 Vlir: Pension Liebeslaube Lillys Seitensprünge II. nnmoral. Wohnung Frd. G rür.ccker, R. Beryl Gaslno-Theater l.othring.Str.37 Tägl.TV/. Nur noch kurze Zeit ri erfolnreicheSrhlager in-. ftlf Volksstück i 4Aufia> en Stg. 3V,; GestCndals {�assage? Theater 1 Unter d Linden 22/23! • Soilman, J 2 Uraufführungen 2| ; Rennbahn-! ! 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Wer erinnert sich nicht noch der wunderbaren militärischen Appelle, wo bei denen, die hereinfliegen sollten, immer wieder etwas auszusetzen war? Mochter. die als Opfer Auserkorenen noch so eifrig geputzt und gebürstet haben, das Auge des Feldwebels entdeckte tod- sicher noch«in Staubkörnchen oder einen mikroskopischen Rostflecken. Wer dagegen gut angeschrieben stand, der konnte sein Zeug auch arg vernachlässigt haben, bei ihm wurde nichts gesehen. Solche Appelle gibt es auch anderswo, z. B. im Bereich des Preutzischen Unterrichtsmini st eriums. Noch immer harren eine Anzahl- neugewähltsr Schuldirektoren ihrer Bestätigung. Denen, die stramm deutschnational sind, wird vom Provlnzialschul- kollegium natürlich ohne weiteres die Oualifakition zuerkannt. Ob sie in ihren Schulstunden monarchistische Propaganda treiben, da- nach fragt niemand. Wehe aber denen, die als Sozialist e'n verschrien sindl Drei- mal wehe, wenn ein solcher einmal gewagt hat, gegen einen Bescheid des Prooinzialschulkolleziums die ministerielle Entscheidung— und obendrein mit Erfolg für sich— herbeizuführen. Ihm geht es genau wie dem Muschkoten, der beim Militär eine Be- schwerde riskiert hat. Man zahlt seine Staubchen, bis man daraus seine Unbrauchbarkeit nachgewiesen hat. Es gibt dabei allerhand Methoden. Man revidiert z. B. die Klasse des Betreffenden am letzten Tage vor den Weih- n a ch t s f e r i e n, wo die Schüler bereits in Feststimmung sind. Wenn trotzdem der Erfolg ein unerwartet guter ist, so fordert man sich sämtliche von dem Betreffenden korrigierten S ch u l h e f t e ein. Zwei(Bcheimräte des Brondenburgischen Provlnzialschulkollegiums mühen sich die ganze Zeit der Weihnachtsferien über Mit nichts anderem ab, als diese Hefte— nach stehengelassene n Feh- lern zu durchschnüffeln! Hat man dann etliche gefunden, so erfolgt der Bericht an da» Ministerium: Unbrauchbar. Es gibt auch noch weitere Mittel. In einem anderen Fall ent- deckt die Schuldeputation, daß der sozialistische Bewerber einmal die Reste eines Bückling» im Konferenzzimmer habe liegen lassen. Es ist niemand über diese Bücklingsreste gefallen, aber der sozialistische Sünder soll darüber straucheln. Denn wer einmal Bücklingsreste hat liegen lassen, der kann sein Lebtag nicht Direktor werden. Was er sonst weiß und kann, spielt keine Rolle neben den Bücklingsrcsten. Diese Fälle sind tatsächlich vorgekommen. Wir er- warten und oerlangen vom Unterrichtsmlnlster, daß er seiner endgültigen Entscheidung nicht diese kleinlichen und gehässigen Gesichtspunkte zugrunde legt, daß er nicht nach mühsam zusammen- geklaubten LZchcrllchkelten, sondern nach vernünftigen Maß- stäben die Qualifikation der künstigen Schuldirektoren beurteilt. Der Parteitag öer USPD. V. Lest. Leipzig, 12. Januar, f die Berliner Ihrem Antrag gegeben hätten, seien falsch. Der Redner Zu Beginn der Nachmittagssitzung wurde das Resultat bat um Ablehnung aller Abänderungsanträge usll VA )art�!vorstandes der USP. bekanntgegeben. Diese �Zahlen mit Einschluß der von Berlin gestellten abgelehnt. Des weiteren können wohl als das Interessanteste dieser ganzen Tagung azurde ein Antrag Ludwig angenommen, der den Bezirken empfiehlt, betrachtet werden. Es»st hier bereits darauf hingewiesen den Wochen beitrug alsbald auf 2 Mark für männliche worden, daß ein Hauptmerkmal dieses Parteitages die sorg- � und 1 Mark für weibliche Mitglieder festzusetzen. fältige Vermeidung von Richtungskämpfen! Am Schluß der Abstimmung weist der Vorsitzende Dittmann und Machtproben war. Diese stillschweigende Vereinbarung noch einmal ausdrücklich darauf hin. daß mit der Annahme des konnte jedoch niemand über das tatsächliche Bestehen dieser Organisationsstatuts alle Entgegenstehenden Beschlüsse | Richtungen hinwegtäuschen. Bei der Abstimmung haben jedoch � die Delegierten diese Rücksichten fallen lassen und nun ist das! wahre Bild der Unabhängigen Partei in Erscheinung getreten.>.jeaende-l�Entwurk Einmal bei der Wahl der Vorsitzenden. Etwa 60 Delegierte,'> i d. h. etwa ein volles Drittel des Kongresses, haben auf ihren Stimmzetteln den Namen Ledebours durch Die Mietssteuer im Reichsrat. Erhöhung von 5 auf 525 Proz. Am Donnerstag hielt unter dem Vorsitz des Innenministers Dr. Koestsr der N e i ch s r a t sein« erste Sitzung im neuen Jahr ob. Eine Anzahl von Gesetzentwürfen, u. a. der Gesetzentwurf zur Anpassung des Strafgesetzbuches an das Derfassungsrecht, wur- den den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Bei dem Gesetz über die Erhebung einer Abgabe zur Förderung de» Woh- nungsbaue» tMIetssteuer) vom 2« genau« Bezeichnung sowie Erklärung der einzelnen Arbeitsleistungen soll nicht etwa nur lprachwissemchastlichen oder kulturgeschichtlicken Zwecken dienen, sondern den: Arb-iteministerlum eme wichtige Unierlag- für alle Bestimmungen und Erlasse bieten. Der Marsch der Heuschrecken. Südafrika leidet gegenwärtig unter dem furchtbarsten Angriffs der Heuschrecken, den es seit 20 Jahren zu oerzeichnen hat. Diese flügellosen Heuschrecken, die wie ihre geflügelten Verwandten auf der Wanderschaft die schreck- lichsten Verhccrunaen anrichten, haben den Namen„V o e t- g a n g e r well sie zu Fuß gehen. Sie sind der Vernichtung etwas zugänglicher, da man in der Erde Gräben anlegen kann, in die sie hineingehen, und sie dort leichter vergiftet. Aber der Marsch dieser ungeheuren Heuschrcckenscharcn bleibt deshalb nicht minder furcht« bar. Die Heuschrecken sind Kinder der Wüst«: die ungeheuren Weiten Mittelasiens und Arabiens, der Sahara sind ihre Heimat. In dieser Herkunft liegt ihre Stärke und die Unmöglichkeit, sie voll- ständig auszurotten. Vögel und Käfer mögen noch so viel von ihnen fressen, es ist doch vergeblich, denn Ihre Zahl ist wie der Sand am Meer. Gift hilft etwas und ebenso Lärm, der die marschieren» den Massen stört, sie In ihrer Richtung ablenkt und daher gestattet, große Mengen von Ihnen in die afrikanischen Seen zu treiben, wo sie ertrinken. In Gegenden mit engerer Besiedlung sind sie nicht so gefährlich, denn hier kann die Bekämpfung durch Gift und Lärm verstärkt werden. Aber die Wüsten bleiben, und mit ihnen bleiben die Helmstätten der Heuschrecke, In denen sie sich immer wieder zu unzähligen Massen vermehrt. So erscheinen sie denn von Zelt zu Zeit ganz plötzlich und überraschend, wodurch der Schrecken ikircs Austretens noch vermehrt wird. Dem Farmer sind sie das Zeichen der Verwüstung, drm unbeteiligten Beobachter ein schanrig-pdan- tastischer Anblick. Lord Bryce hat einmal den Marsch der Heu- schrecken als schaurlg-schön besebriebeni sie leuchteten in der Sonne wie riessae rote Schneedecken. Ein anderer schildert sie wie den seit- sam gefärbten Rauch eines Urwaldfeusrs am Horizont, d-r nllmäh- lich zu einem dichten gelben Nebel von..wimmelnden Millionen* a-Uchmiut. d>'rch fci" der Reiter sich seinen Wen bah"!, bis der wider- liche Gestank ibm Erbrechen rerursacht. Ein Mittel gegen die 5)eu- schrecken ist bisher von der Wissenschaft nicht gefunden worden. Mii'cii'n- sügrnng"». Am Zenntaa, 9>/, lliir vorm üiidc» w'sien- bfinlirchc sifidi iirgen dinrfi?Irello» Igireamie ii'i etailn'-.Friedrich. Muicnni(51 in b be» IK F brd»»d«l«i. im Sitten SR nie um(ffl'ie- tfiiirfie?!>!> n-rke) und im SR n i e n m I 0> V ä I k e r k n>, d e tTüdamerlta» «Nücke Slbteiliin"— Ziilri»kalten(1 M.) sind vot beginn am Eingan t der Äuieen erbäUl ch. Slrne-�ole.Zlbende. Am 8. Fednmr tiäjp Anna v ZI and-Filbring im MeiU tiacU D'cktliii->en nu» tum, V f) n" 1 n t n 3" vor.—" m 13. und 21. ftebriier smgt Hrni q Cbrjücivheritn im Schwcchlen-Zaal den.D a s n> S" nach 5to,nposil oncn von Waller Llümel. Ter Verein Berliner Tnutenztichler lgegrÄndet 1896) veranstaltet vom 14. dl» 56. Ja, uar leine 17.«illocinciiic Tnubenlcha» ni t>cr vrauerei Vlcsfcrberg, Schönhauser Alice 176. Zur SiiiSiiellung gelangen etwa 600 Nummern der selientien Taubcmasien.- Die Ausstellung ist geöfsnet von , Uhr srüh bi« 8 Uhr abends. s ch.a f t ersckiwere In diesem Sinne hat der zweite Leipziger Parteitag der, USV.— im sohrosfen und erfreulichen Gegensatz zum ersten im Dezember 1919— der Sache der Einigung des sozialdemo- kratischen Proletariats wenigstens Nicht geschadet. Lehker Tag. 25. Leipzig, 12. Januar 1922.(Eig. Drahtbericht.) Slemsen> Essen: Den Berliner Antrag halte ich für sehr be- denklich.(Sehr richtig!) Wir schassen damit Parteimitglieder zweiter Klasse. Konsequcntcrweise mübten wir dann eher sagen: Wer einer Kirche angehört, kann nicht Mitglied unserer Partei sein.(Sehr richtig I) Man vergißt vollkomnicn, daß die ursprünglichen Ideen des Christentums nur durch den Scziaiismu« zu verwirklichen sind. Im Industriegebiet im Rheinland und Westfalen ist eine st a r k e religivs-sozialistische Bewegung vorhanden, unt-r der wir Anhänger haben. Anch die O u ä k e r b e w e g u n g ist durchaus christlich, geht aber Mit der sozialistischen Bewegung zu- sammen. Die Quäker haben in Deutschland anch in weltliwcn Schulen Schulspeisungen vorgenommen und erklären sich mit der Einrichtung der weltlichen Schulen durchaus einverstanden. Wenn dem Antrag Berlin stattgegeben würde, so würde das zu einer Schädigung unserer Partei führen.(Lebhafter Beifall.) Nach Schluß der Debatte über das Organisationsstatut betonte Minister Lipinokl in seinem Schlußwort, daß d!" Partei es ausdrücklich abgelehnt habe, die Zugehörigkoit zur Partei von einem Religionsbekenntnis abhängig zu machen. Die Begründungen, die aufgeben.. Der Redner bezeichnete die Reichszentrale alz eine Spitzslzentrale. Bergholz- Zeitz unterstützte diesen Antrag. Schon aus Reinlich- keitsgrünoen müsse man dieser Forderung zustimmen. Wir in Mittel- döutschland, so erklärte er, wollen mit dem Heimatdienst nicht» zu tun haben, denn er kompromittiert uns. Der Antrag wurde angenommen, desgleichen die vom sächsischen Kultusminister Fleihner eingebrachte Resolution zur Genossen- schaftsfrage. Ferner gelangte eine Resolution gegen die Reaktion in Polen einstimmig zur Annahme. Dann hielt Dittmann die Schlußansprache: Die USP. ist jetzt eine Partei mit einheitlichen Grundauffassungen.(Sehr richtig!) Diesmal brauchten wir uns nicht in tagslangen unfruchtbaren Debatten mit Vertreter» einer dem Wesen der Partei fremden An- schauung auseinanderzusetzen, wie es seit der Revolution auf allen unseren Parteitagen der Fall gewesen ist. Ernster Wille zur Duld- samkeit und brüderliches Zusammcnabciten war aus unserer Tagung vorhanden. Dex Parteitag war eine große Tribüne der politischen Oeffentlichkeit, der proletarischen Internationale.(Lebhafter Beifall.) Klar und scharf haben wir Politik und der Weltpolitik zu allen wichtigen Fragen der inneren Ztcllung genommen. Wir haben gegen die bayerische Reaktion, gegen die deutsche Schnndjustiz und gegen die Begünstigung der Revanchepolitik unsere Stimme erhoben. Die Koalitionspotitit mit bürgerlichen Parteien, die Ursache der proletarischen Ohnmacht unserer Tage, haben mir l klar und scharf ab g e l e h n t. Den Arbeitern aller Parteien haben wir diese Politik als Lzaupthindernis für eine Einigung denunziert und ihnen gesagt, daß nur der revolutionäre Klassen- kämpf den Boden für eine Einigung abgeben kann. Mit einem Hoch aus die USPD. wird der Parteitag geschlossen. Einberufung öes Reichstags. Der Präsident des Reichstages hat die nächste P 1 e n a r- sitzung auf Donnerstag, den 19. Januar, nachmittags 3 Uhr, festgesetzt, wenn nicht der Verlauf der internationalen Verhandlungen eine frühere Einberufung erforderlich macht. * Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages ist von dem Vorsitzenden, Abgeordneten Dr. Stresemann, auf Mittwoch, den 18. Januar, berufen worden. Um üie Seomtengehälter. Nach Erledigung der Besprechungen über die Lohnrege- lung der' Staatsarbeiter traten Vertreter der Regierung und Gewerkschaften neuerdings zusammen, um sich über die G e- haltsverhältnt'sse der Beamten und Ange- stellten schlüssig zu werden. Die Gewerkschaften fordern eine Erhöhung der Grundgehälter und ent- sprechende Teuenmgszuschlöge. In den-Verhandlungen am Donnerstagnachmi'kag le'nte die Reg'zrung eine Rsvifitm des Vesoldungege'ezes ad. Der deutsche Vcomtenbund, der die Verhandlungen im A strage der Gewerkschaften leitet, er- klärte auf Grund dessen, daß seine Vollmachten erschöpft seien, und cr't um Fressc-g der D' n�esoorstand zu dem Standp nkt der Regier'mg Stellung nehmen müsse. Gegen ly, Uhr oben s murren die Verhandlungen unterbrochen, um den ver- handelnden Parteien zu einer besonderen Aussprache Ge- legenheit zu geben Trotz der ablehnenden Haltung der Regierung erwartet man in Gewerkschastskreisen, daß die Verhandlungen noch im Laufe der Nacht bzw. am Freitagvormittag zu Ende geführt werden. Verurteilung antisemitistber Raömchdöen. München, 12. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Heute abend fand ein politischer Prozeß ein Ende, der für die Haupthetzer der bayerischen antisemitischen Bewegung eine schwere moralische und gerichtliche Niederlage bedeutet. Auf der Anklage- dank saßen der berüchtigte Führer der bayerischen„Nationalsozia- listischen Arbeiterpartei" H i t t l e r und mehrere seiner Kumpane. Die Anklage warf ihnen Landfriedcnsbruch vor, verübt durch gewaltsame Sprengung einer Versammlung des Diplomingenieurs Baller- stedt. Die Justiz ging mit ziemlicher Schärfe vor, allerdings war die gesprengt« Versammlung auch keine sozialistische oder pazifistische, sondern es handelte sich um eine ziemlich weit rechts stehende Gruppe, die von den Hlttler-Leuten als unbequeme Konkurrenz empfunden wurde. Die Verhandlung brachte den Beweis, daß Hittler und feine Anhänger mit militärisch crganisicrkcn Sturmtrupps in die Ver- fammlung eingedrungen waren und schlimmsten Terror verübt hatten. So wurde u. a. der Redner vom Podium herunterge- schleudert und blutig geschlagen. Hittmann erhielt wegen Landfriedensbruch drei Akonate Oesänguis, seine Komplicen wurden zu Gefängnisstrafen von drei bis serhs Monaten verurteilt. München. 12. Januar.(Eigener Trahtbcricht.) Nach fast zwei- monatlicher Dauer ist der sogenannte Bach-Prozeß heute noch- mittag zu Ende gegangen. Vach, der Inhaber eines Kiciderge�chäfts- ba' s:s, hatte wahrend des Krieges durch Z rückholtung seiner Waren- bestände und Preiserhöhungen Ucbergewinne erzielt. Er wurde zu süas Monaten Gefängnis und hoher Gell strafe verurteilt. Das Verbot des Uniformlragens. Die„Kreuzzeitunz* hält hartnäckig daran fest, daß die Ausnahmeverordnung über das Uniform» verbot durch den Neichstagsbeschluß vom 17. Dezember 1921 auige- hoben ln. Dcmgaaenüber weist eine offiziöse Meldung des MTB. daraus hin, daß diele Ausfossung irrig ist und das Verbot nach wie vor fortbesteht. OewerMaftsbewegung Ilster Seutfther Hewerkfthastskongreß. Der ADGB. bervft den eisten Kongreß der freien Gewerkschaften Deutschlands für den IN. Juni 1922 nach Leipzig ein. Folgende Tagesordnung ist vorgesehen: I. Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten(Wahl der Kornmissionen, Prüfung der Mandate). i. Bericht des Bundesvorstandes. 3. Betriebsräte und Gewerkschaften. 4. Orgoniiationssormen und Methoden der EewerkschaftS' bewegung. ö. Arbeitsgenrvinschastrn und Wirichoktsräte. 6. Das zukünftig« Arbeitsrecht in Deutiäriand. ?. Aendcrung der Bundessoßungen. 8. Wahl des Bundesvorstandes. 9. Erledigung sonstiger Anträge. Der Kongreß wird arn 19. Juni 1922, vormittags 9 Uhr, er» öftnet und wird bis einschließlich Sonnabend, den 24. Juni, tagen. Die Vertretung aus den Gewerkschaf: skongreffen regell sich pack den Satzungen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes. K5; 32 und 33. A n t r ä g e an den Kongreß können nach Z 34 der Satzungen von jeder ang�schifsjenen Gerverischast oder ihren Bezirks- und Ortsocreinen gestellt werden. Anträge einzelner Gewerkschaftsmitglieder werden nur dann zugelassen, werni sie von einem Ortsverein oder dem Zentraioorstaftd der Gewerkichaften unterstützt werden. Di-.- Anträge müsien nach§ 35 der Satzungen acht Wochen vor dem Kongreß, also bis zum 2 2. April 1922, an den Bundesvorstand eingereicht werden, der sie spätestens sechs Wochen cor den: Statisindcn des Kongresses zu veröffentlichen hat. Internationale Seemannstonferenz. Am 11. Januar, vormittags ll Uhr, wie wir bereits kurz meldeten, trat im Gewerkschastshaus Jamburg eine von der Jnter- nationalen Transportarbeiterföderation einberufene Internationale Seeleutekonferenz zusammen. Aus der Tagesordnung steht die Be- sprcchung der internationalen wirtschaftlichen Lage sowie die Beratung von Mahnahmen seitens der Seeleute, um die drohende Verschlechterung der Arbeitsbedingungen abzuwehren. Der Präsident der Internationalen Transportarbeiterföderation, Robert Williams �Großbritannien), eröffnete die Tagung und wurde zum Lorsitzenden der Konserenz gewählt. Franz Köhler (Deut scher Trairsportardeiterverband) hieß die Delegierten im Namen der deutschen Seeleute willkommen. Vertreten waren acht Organisationen aus sechs Ländern, und Zwar: Belgien durch C. Mahlmann, I. Chapelle, Deutsch- ! a n d durch I. Döring, F. Köhler, I. Mann, N. Lilienlhal, F. Zeis, 21. Juch, C. Ehlert, E. Werner ans Danztg, Großbritannien durch Ben Smilt, Ben Tillet, I. Levis, Jos. Cotlcr, Norwegen durch Oskar Nieisen, Holland durch I. Bräutigam, T. A. Hof, Schweden durch Erhard Griphand, G. Zl. Haldin. Die Internationale Transportarbeiterföderation ist vertreten durch den Dorsitzenden Robert Williams, den 2. Vorsitzenden I. Döring und den Sckretär Edo F i m m e n. Der erste Derhandlungstag wurde durch Berichte der Delegierten über die Lage der Seeleute in den einzelnen Ländern ausgefüllt. Franz Köhler(Deutschland) wies besonders auf die schweren Mängel der deutschen See mannsordnung und auf die schwierige Lage der deutschen Seeleute in fremden Häfen infolge dos niedrigen Markturses hin. Griphand(Schweden) betonte, daß die Einheitsorgani- sation für die Transportarbeiter und insbesondere für die Seeleute unbedingt notwendig sei, da diese sich in einer noch schwierigeren Lage als die anderen Arbeiterkategorien befinden. C o t t e r(Großbritannien) wies an Hand von Tatsachen nach, daß die eigentliche Ürfach« der Zersplitterung unter den See- leuten in den Ambitionen gewisser Persönlichkeiten wie Havelock Wisson zu suchen ist. Ehemalige preuhischc Eisenbahnbeamtc. lieber die beschleunigt« Gleichstellung der ehemaligen preußiichen Eiienbahnbeamten mit denjenigen der anderen Länder hören die PPN. an zuständiger Stelle folgendes: ES ist bereits früher bei den Verhandlungen mit deni Reichs- verkebrSministerium über bessere Beteiligung der ebemalS prciitzisckicn Eiienbahnbeamten an den Stellen der höheren Gruppen Fühlung genommen worden. Der alsbaldigen Uebertiagung freiwcrdendcr Stellen aus anderen Landesbezirken auf Preußen-Hesscn stellen sich indessen Hemmungen entgegen. DoS R e i ch s v e r l e h r s m i n i st e r i n m glaubt, auZ Grünben der AZinschaftlichkeil von der Vorschrisr d«S£ 7 der ReichsbouS- haltSgeketze für 192l, die planmäßigen Stellen bis auf 75 Proz. durch Einsparung jeder zweiten freiwerdenden Stelle herabzusetzen. nicht ohne Prüfung der Notwendigkeit der Wiederbesetzung Abstand nehmen zu dürfen. Sodann aber hält es eine V e r g l e i ch n n g der Leben?- und Dienslalterkverhällnisie in den einzelnen Ländern sowie die Feststellung, od und inwieweit llebersluß an Plan- stellen rn den einzelnen Bezirken vorbanden ist, für erforderlich. In dieser Feststellung bedarf es einer Bewertung der ein- z e l n e n D i« n st v o st e n nach einheitlichen Genchtsvunklen. Bei dem Umfang der ReichScisenbahnverwaltung erfordert die Schaffung SpV. Staöt- u. Sezirksverorünete Magistrats- unö Seztrksamtomitglieöer Heute, den 13. Zamiar 1922, abends 6 Uhr. im Berliner Raihaus, Sladlverordnekcnflhnngssaal sSmkl. Stadtverordneten, Bezirksverordneten. VLt�lllNNllUllA der Magistral»- und Lezirksamtsmilgllcder. Tagesordnung: „Zum Kampf um unser Schulprogramm. � Referent: Obcrstadlschulrat Genosse P a n l s e». Die Mitglieder des Bezirksvorstandel und Obleute der Ellern- beiräle nehmen an der Versamnilung teil und sind hiermit ein- geladen. Bezirkssekretariat. dieser Unterlagen, die seit geraumer Frist in Angriff ge- n o m m e n worden ist, längere Zeit. Sie liegen noch nicht voll- ständig vor. lieber den Wegfall, die Umwandlung und Üedertragung von Planstellen von einem Bezirk auf einen anderen beabsichtigt das Reichsverkehrsministeriurn ein Abbau Programm aufzustellen, zu dem die Arbeiten ebentallö bereits eingeleitet sind. Tie preußiiche StaatSregierung wird dauernd besorgt sein, die Interessen der ehemals preußischen Eisenbahnbeamten hierbei zu vertreten.__ Metallarbeiter, meidet Bremen 1 Tom Werftarbeiterstreik(Oktober l92l) der, sind noch eine An« zahl unterer Vertrauensleute rrnd Funtlionäre ge maßregelt nur weil sie im Rahmen de? Tarifs die Arbeileiinteresien vertreten haben. Durch geheime Maßregeln rst die Freizügigkeit der Arbeiter aufgehoben. Wer wegen schlechter Lohn» und Arbeits- bedingungen in einem Betriebe ordnungsgemäß ausbört, wird in keinem anderen Betriebe der Meiallrndustrie wieder eingestellt. Solche Kollegen msGen irgendwo in anderen Be- rufen unterschlüpfen. Facharbeiter baben in großer Zahl als Un- gelernte in anderen Betrieben ongeiangen, weil sie dort mehr ver- dienen und den D r a n g s a l i e r n» g e n der Unrernebmer nur so entgehen können. Die emstandenen Lücken suchen die Unternehmer auszufüllen, indem sie auswärlL Facharbeiter anwerben. Seil Monaten sind wir in fortwährender Lohnbewegung. Bremen ist laut Reichsstatistik die t e u e r st e Stadt..Die Ver- dienste, speziell der Metallarbeiter, sind niedriger als in anderen Großstädten. Die jetzige Lohnforderung ist von den Unternehmern alatl abgelehnt worden. Einer der Dokioren des Arbeitgeber- Verbandes bat dageaen den Lohnabbau angelürrdiat. Wir stehen also rn Tarif- und Lohnkämpsen, die in den nächsten Tagen zur Arbertsniederleguiig führen können. Bremen Ist gesperrt. -Deulscher Metallarbeiler-Verband.� , OrtSverwaltuirgBrcmen. Wir ersuchen die Arbeiterpresse um Nachdruck. „Wenn der Tollar steigt". Fortgesetzte Beschwerden der Angestellten der Firma Müller n. B r a ir n ," Kolonialwaren. Landsberger Straße 92. geben uns nunmehr Veranlassung, der Oefsentlichkeit zu berichten, welch„glück- liches Leben" ein Angestellter führt, der mit dieser Firma ein Ar- bcitsverhältnis eingeht. Qualifizierte Kräfte, auch Verheiratete, erhalten ein Monatseinkommen von 1499 bis 1 559 M.. während die K o n t o r i st e n mit einem Gehalt von 659 bis 1299 M. entlohnt werden. Will der?lngcstelltenrat über irgendwelche Mängel im Betriebe oder über Wünsche der Angestellten mit der Geschästsleitung ver- handeln, so hat er zunächst einmal Mühe, eine solche Verhandlung innerhalb einer Woche zustande zu bringen, und hat die Geschäfts- leitung sich dann gnädigst herabgelassen, die Angestelltenvertretung zu empfangen, so wird ihr kurzerhand erklärt, daß an eine Ver- Handlung erst wieder gedacht werden kann, wenn der Dollar steigt. Ganz besonders nobel zeigt sich die Firma bei Bezahlung der Ueberstunden, die bisher mit 4,59 M. pro Stunde ver- gütet wurden. Natürlich hat eine Anzahl der Angestellten sich ge- weigert, dafür Ueberarbeit zu leisten, woraus ein Geschästsführ« die Erklärung abgab, daß er diesen ausverschämten An» gestellten für die Zukunft Ueberstunden zudik»' tieren werde. Die Demobilmachungsverordnungen sind für die Firma schein- bar nur ein Fetzen Papier, denn sonst könnte es nicht vorkommen. daß ohne Streckung der Arbeitszeit zum 31. Januar 1922 19 Angestellten gekündigt wurde. Weitere Auskunst erteilt der Zentralverband der Angestellten, Berlin SW. 68, Bclle-Alliance-Str. 7/19. Zu den Verhandlungen über die Relchslöhne ist nachzutragen. daß die weiblichen Beschäftigten über 29 Jahre 59 Pf., irr ftingeren Attersgrenzen 39 Pi. Lohnzuschlag pro Stunde erhallen. Für die besonders teuren Orre werden später noch lieber» renerungSzn schlage festgesetzt. Emiprechende Berhandtnngen beginnen am LS. Januar. Die Frage, ob die Zahlen als tariflichem Grundlohn oder als Teuerungszuschläge gelten, wurde offen ge>- lassen und soll erst nach Erledigung der Beaintensrage endgültig entschieden werden. Die Angestellten der Warenhäuser Groß-Berlins. welche dem ZdA. angeschlosien sind, vollzogen am Mittwoch abend die Neuwahl der Settionsleitung und beschäftigten sich dann mit den Lohn Verhandlungen. Nach einem Referat von Grete Weinberg, in dem diese auf die Wichtigkeit der Wahlen hinwies und empfahl, nm solche Personen zu wählen, die fähig und willens sind, die Jnter- essen der Mitgliedschaft bestens wahrzunehmen, wurde zur Wahl geschritten. Gewählt wurden die Kollegen Arnold. Schu» macher, Rosenbera, Grix, Buchholz und Schneider, ferner die Kolleginnen Kunze, Wille. Schulz, Weggen, W e g g e l er und D o st. Hierauf berichtete Grete Weinberg über die bisherigen Lohnoerhandlungen mit den Arbeitgebern. Die Forderungen einer 49prozentigen Erhöhung der Löhne sei von letzteren abgelehnt war- den.' Die Tarifkommission sei dann auf 35 Prozent zurückgegangen. Aber auch diese Forderung sei von den Arbeitgebern als viel zu hoch bezeichnet worden. Die ganze ijaltung der Arbeitgeber lasse nicht auf ein Entgegenkommen schließen. Allein die Warenhäuser haben gewaltige Bestellungen zu hohen Preisen gemacht, so daß die Betriebe den Fortgang des Geschäfts nicht entbehren könnten. Wenn eine Derständiaung nicht möglich sei, werde letzten Endes nur dos schärfste gewerkschaftliche Mittel zur Erreichung einer Lohnerhöhung verblieben. Hierbei werde die Angestelltenschast auf die Solidarität der Transvortarbeiter und auch die der Handelshilfsarbeiter rechnen können. Zunächst sollen für die großen Betriebe Sonder-Bersamm» lungen einberufen werden. Keiner darf fehlen, wenn zum Kamps aufgerufen wird.(Lebhafter Beifall.) Zm Streik der Blüllkutscher stand gestern eine Verhandlung vor dem Demob'Imackmngstommrsiar an. Da jedoch beide Parteien über den eigemlichen Tarif eine gründliche Aussprache noch nicht gepflogen harten, empfahl der Demobilmachungskommissar Arbeit-- gebern und Arbeitnehmern, zunächst noch einmal über den Gesamt-- tarif, der für Müllkutscher einen Wochenlohn von 759 M., kür Mit- fabrer einen solchen von 739 M. borsieht, z» verhandeln. Jntolge« dessen wird heute eine erneute Besprechung mit den Arbeitnehmern in der WirlschastSgenossenschasr der HanS- und Grundbesitzer statt- sinderr, in der beide Parteien zu einer Einigung zu kommen hoffen. Todesstrafe gegen streikende Bergarbeiter? Aus Belgrad meldet Intel: 255 Bergarbeiter baben sich bor dem Gericht in TuSla(Bosnien) wegen Vornahme der Or« ganisierung deS Bergarbeiter streik« am 22. November 1929 und wegen Vorbereirung des StoarörrmsturzeS zu veranrworten. Gegen 39 Angellagte wurde die Todes st rate beantragt. Dia „Wiener Arbeiterzeitung" wendet sich in einem Artikel scharf gegen dieie Methoden der Rechtsvrechung, die nur noch mit weißem Schrecken bezerchnet werden könne. Von Rechtsprechung kann bei solcher Rechtsbeugung nicht mehr die Rede sein. Dcrantw. filr den rcdatt. Teil: grau»»liids Berlln-Lichterkelb«: für An» zeigen: Zh. Glocke, Berlin. Verlag Borwärti-Berlag>3. m. l>. H., Berlin. Druck: DarwärtZ-DuchZruckcrciu. Verlaasanliali Paul Singer u. Co.. Berlin. Llndenslr. 3. Hierzu 1 Beilage. Bei Gripp�ftefahr schützen die fach&rztllch empfohlenen Panf lavin» Pastillen Erhältlich in allen Apotheken und Drogerlen. Aalqimppen lebend... Pfund Sprotfbüddingc Pfund 9s0 Margarine Pfund ISw Camembert feine Qual. Schadifel 0.25 HaserfZm'!S,.64n Hirschfleisch qh Pfund von � an �-Marmelade Marke Helveiia Dose 10 Pjd. Inhalt.. Ä\JM AWferthei m Konserven Kolonialwaren Gemüse etc. Amcr. 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Brust Schweineschinken•...*�*20 so Kalbsnierenbraten... 16m Schweinebauch«. ßiaii paw 20so Kalbskeule ganz». geteilt Pfund 16m Schweinerücken...... w»«* ZOso Gehacktes Rind- und Schweinefleisch p�nd 15m Sdtwadi entölter Deuischcr Kakao... /y-w 30 m im Er fr sdmngsraam von-Ii Uhr abt Gefüllter Streuselkuchen 10m Zwiebelleberwurst Pfund ISfi Rotwurst Pfund 18 m Sülzwurst m 18m Landleberwurst Pfund ZtSh Jagdwurst Pfd. 25m Sdünkenwurst harte, wesifSL Pfd.*3Gm Spezial-Mischun g 25% fern ah!. BoJnurnkißes./« u. TS% Iiaßcc-E. sa'.z P, und II M Inventur Verhmif Sonna'jend leMa