kk.ss 4ZH.�ab?ga«g Musgabe 3 Nr. 14 BezvgSpretSi Slerteliäljtl 60,- SU mmialL Ky-« tcci ins Saus, voraus zahlbar, Pvft- Abend-Ansgabe Memelaebiet, louue die ehemai» beut- schm iSebieie Polens, Oesterreich Ungarn und Lurcmdurg S4,— NU Istc das übrige Ausland 72,— M. Post» bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tlcheebo- Elowalei, Däne- mar!. Holland, Luremdurg, Schweden und die Schweiz, Der„Vorwüris" mit der Sonntagsbeilage„Voll und Aeit�, der Unter- Haltungsbeilage„Heimmelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten� ertchcint wochentäglich zweimal.Sona» tags und Montag» einmal. Telegramm-Adrestei �Zozlaldeinotro« verll»- ( auswart« 50 Pfennig D � f Oevlinev Volksblstt AnzetgeupretSi Dl« zehngespalleni Nonpareillezeil« tostet 9,— N!, Kleine Anzeigen" da» fettgedruckte Wor 8,— Di.rn»»,n--rl,nr- Verlag, lkrveditiou und Inseraten. MorinvlaN 11753 54 Die Konferenz poincare-llorö Curzon Paris, 17. Januax.(EE.) Ueber d«n Verlauf der gestrigen Bs- fprechung zwischen P o i n c a r e und Lord C u r z o n weih das „Petit Journal" zu melden, Poincare habe sich mit dem englischen Vorsäzlage, daß erst eine allgsmeine Liquidation der zwischen Frankreich und England schwebenden strittigen Fragen stattfinden müsse, ehe ein englisch-sranzösischer Garanticvertrag geschlosien werden könne, grundsätzlich einverstanden erklärt, und zwar soll die Regelung aller dieser Fragen aus diplomatischem Wege und nicht durch die direkten Ministerkonferenzen erfolgen. Es würden somit von den Botschaftern zwischen Paris und London demnächst Roten gewechselt werden. Französischerseits ist man entschlossen, diese Verhandlungen soviel wi« möglich zu fördern, damit die ur- sprünglich aus Mitte Januar festgesetzte Konferenz der Außenmini st er spätestens Ende Januar stattfinden kann. Dies sei um so notwendiger, als das englische Unterhaus am 1. Fe- bruar zusammentritt, wonach Lord Curzon London schwer ver- lassen könnte. Zudem wünschen die Außenminister zu einem mög- lichst frühen Zeitpunkt zu tagen, weil die Schneeschmelze in Ana- tolien den Wiederausbruch des griechisch-türkischen Krieges zur Folge haben könnte. Was das Reparat ionsproblem angeht, so habe Pom- care erklärt, daß hierüber zwischen der französischen und der eng- tischen Regierung keinerlei Meinungsverschiedenheit bestehe. Die englische Regierung habe immer erklärt, daß sie die Durchführung des Friedensvertrages wolle. Das Reparationsproblem werde so- mit in die diplomatischen Verhandlungen der nächsten Zeit nicht auf- genommen werden, sondern man werde darüber gesondertver- handeln. Zur Reparationsfrage meldet der„New Pork Herald" noch: Poincare und Lord Curzpn find übereingekommen, haß zunächst ein- mal die Entscheidung der Reparationskommission abgewartet und diese zur Grundlage der Besprechung zwischen Frankreich und England gemacht werden solle. Deutschland soll auf- gefordert werden, seinen guten Willen zu bekunden, indem es w i r t- schaftliche und budgetäre Reformen einführt. Täte Deutschland dies nicht, so hätte England nichts dagegen, daß Frank- reich alles aufbiete, um aus Deutschland an Entschädigungen heraus- zuholen, was Frankreich zukomme. Sie 5rage von Tanger. London, 17. Januar.(EE.) Wie die„Daily Mail" meldet. sind im Laufe der Besprechungen zwischen Poincare und Lord Curzon auch die Schwierigkeiten, die sich der Lösung der Frage von Tanger entgegenstellen, erörtert worden. Diese Verhandlungen be- wcglen sich auf folgender Linie: Das Statut der Stadt Tanger ist von den Mächten immer noch nicht endgültig geregelt. Tanger war in das franzöfisch-fpanische Abkommen von 1312, das die Einflußzone der beiden Staaten umgrenzt, nicht aufge- l nommen worden. In der 1913 zwischen England, Frankreich und � Spanien geschlossenen Konvention von Madrid war die I n t e r- � Nationalisierung der Stadt in Aussicht genommen worden.' Letzteres Abkommen wurde von England und Frankreich unter- zeichnet, aber der Friede verhinderte die Unterzeichnung des Ab- tommens durch Spanien Frankreich und Spanien fordern nun gleichzeitig die Zuweisung der Stadt Tanger. Frankreich �erklärt, daß der Sultan unter französischem Protektorat stehe. Die Spanier oerweisen darauf, daß sich die spanische Aonq rings um die Stadt erstrecke und sie führen auch für die Zuweisung der«tadt strategische Gründe an, die aber von Frankreich und England nicht anerkannt werden. Auf der Konferenz von Cannes hatten Driand Eine Krastvergeuöung. London, 17. Januar.(WTB.) In einem Leitartikel gibt die „Daily Mail" der Hoffnung Ausdruck, daß der Oberste Rat dem Vor- schlag der Miierten Kommission, die Auslieferung der Kriegs beschuldigten zur Aburteilung zu fordern, nicht stattgeben wird. Jedes Gericht, das von Alliierten gebildet sei, werde ebenso wie das deutsche Gericht dem Vorwurf der Partei- lichkeit augesetzt werden. Es würde keine praktische Politik bedeuten, gerade im gegenwärtigen Augenblick diese Aufgabe zu übernehmen. Keine deutsche Regierung könne oder werde die beut- schen Kriegsbeschuldigtcn ausliesern. Der Versuch, sie dazu zu zwin- gen, würde eine Kraftvergeudung bedeuten. Iasziftentämpfe bei Nailanü. Mailand. 17. Januar.(Intel.) In mehreren Gemeinden in der Umgebung von Mailand fanden gestern Zusammenstöße zwischen Faszisten und Kommunisten statt. Don den Be- Hörden wurden in allen Lokalen der kommunistischen Sektionen Haussuchungen angeordnet. Di« Lokale wurden von Polizei besetzt und nach Beschlagnahme der Register und Akten gesperrt. Zwei kommunistische Teilnehmer an den Kämpfen mit den Faszisten wurden verhaftet. Die Arbeiter der Werft von Piombino wurden ausgesperrt, weil sie zum Protest gegen die Einäscherung der Arbeitskammer durch Faszisten in einen eintägigen Streit getreten waren. zustande, daß eine Konferenz demnächst nach London berufen werden solle, auf der England, Frankreich und Spanien vertreten sein werden, um die Einzelheiten der InterNationalisierung zu regeln. Es�steht noch nicht fest, ob Poincare den zwischen Briand und Lord Curzon vereinbarten Beschluß ratifizieren wird. po:ncar6 unö seine folgen. Washington, 17. Januar.(WTB.) Der Senat hat gestern die Resolution Mac Cormick angenommen, in der das Staatsdeparte- ment aufgefordert wird, eine Untersuchung über die europäische Finanzlag« und die Wirkungen anzustellen, die die Land- r ü st u n g e n der europäischen Länder auf die europäischen Schulden an die Vereinigten Staaten haben könnten. Prag. 17. Januar.(Intel.) Die„Tribuna" schreibt, daß der Fall Briand einen bedeutenden Einfluß auf die auswärtige PoiUik der Tschechoslowakei ausüben werde. Es fei Zeit die eng-! lischen Weg« zu gehen, von welchen der Außenminister Benesch kürzlich gesprochen habe und mit denen er eine politische Methode meinte, in der die Rücksicht auf die eigenen wirtschaftlichen Inler- essen olle anderen Erwägungen überwiege. Die Tschechoslowakei � würde, wenn sie zur Politik Englands hinneige, gewiß nicht weniger gewinnen, als sie von Frankreich verliert, das eine Offensive gegen Deutschland und dadurch auch gegen ein» rasche Konsolidierung Mitteleuropas vorbereitet. Hamburg unter Verkehrssperre. Hamburg, 17. Januar.(TU.) Mit Bezug auf die von der Reichseisenbahnverwaltung erneut über den Verkehr vom Westen nach Hamburg verhängte G ü t e r s p e r r e hat der Senat an den ReichsoerkeHrsminister ein Telegramm des Inhalts gerichtet, daß die sich immer wiederholende Verkehrssperre eine völlig u n- erträgliche, schwere Schädigung des Hamburger Han- dels sei, daß es dringend notwendig sei, die Verkehrsverhältnisse der Strecke nach Hamburg schleunigst zu ordnen, daß die jetzige Sperre baldigst wieder aufgehoben werde und weiterhin Vorkehrungen gegen ihre Wiederverhängung getroffen werden. Der Schiffahrtsverkehr gehe unter der Wirkung der Sperre auffallend zurück, und eine starke Abwanderung der Ausfuhrgüter nach ausländischen Häfen sei be- reit? heute festzustellen. Zrankreich in Memel. Unsere Mitteilungen über eine der Stadt Memel von einer fran- zösischen Gesellschaft zugemutete Finanzaktion, die den städtischen Grundbesitz jener Gesellschaft zuführen sollte, wurden von dem demokratischen„Memeler Dampfboot" eigenartig bemängelt. Niemand wußte besser als die Leitung dieses Blattes, daß der „Vorwärts" höchstens zu wenig von dem mitgeteilt hatte, was Tat- fache war. Trotzdem bestritt das„Memeler Dampfboot" zum Teil unsere Mitteilungen. Seine einzige Entschuldigung bildet die Feststellung, daß es auf einen, allerdings mehr einem Befehl ähnlichen Wunsch der französischen Besatzungsbehörde hin nichts wissen wollte. Doch mußte das Blatt selbst unter diesem Druck gegenüber unserer Andeutung schweigen, daß es sich, wenn Oberkommissar Petifue selbst nicht an der Gesellschaft beteiligt sein sollte, einmal in seiner Verwandtschaft umsehen möge. Das hat bei denen, die durch das demokratische Blatt die öffentliche Meinung Deutschlands blenden zu können glaubten, so durchschlcgend gewirkt, daß wir auf eine weitere Erwiderung ver- geblich warten mußten. Wer ein kluger französischer Mann von starkem Ehrgeiz, der trotz des Wechsels des Oberkcmmissars in der Stille blieb und wirkte, mußte plötzlich vorübergehend nach Frankreich und Genf. Seitdem ist es ganz stille geworden von der so fein erklügelten Millicnenopcration. Allerdings die Gefahren find damit vom Mcmelland keineswegs abgewandt und wir haben Grund zu der Annahme, daß man in memelländischen Kreisen heute in manchen Fragen klarer sieht als noch vor kurzer Zeit. Optimismus an öer berliner öorfe. Am heutigen Berliner Devisenmärkte zeigten sich nur sehr geringe Schwankungen. Der Dollar wurde wie gestern mit 184—185 gehandelt. Am Effektenmarkte scheint sich eine neue Hausse vorzubereiten, da man an der Börse die politische und wirtschaftliche Lage jetzt ruhiger beurteilt. Besonders starke Kurssteigerungen vollziehen sich auf dem Markte der K a l i- A k t i e n und der Kohlen- werke. Es sollen bereits wieder große Fusionspläne in der Montanindustrie spruchreif fein. Die Tendenz der heuti- gen Effektenbörse war fest. Die Inkerolliierte Kheinlandkomwlsslon in Koblenz hat nach einer Meldung der„Frankfurter �Zeuung" jede Kundgebung und Feierlichkeit aus Anlaß des Gründungstages des Deut-, schen Reiches verboten. t Neuwahlen in öraunsthweig. Von Dr. Wilhelm Bolze, Draunschweig. Am 6. Januar ist die Braunschweiger verfassunggebende Landesversammlung geschlossen worden, und am 22. Januar sollen die Wahlen für den ersten Landtag des Freistaates Braunschweig stattfinden. Unsere Parteigenossen blicken mit außerordentlicher Spannung auf den Ausfall dieser Wahlen. Nichts Geringeres steht auf dem Spiele als die Aufrechterhaltung der sozialistischen Parlamentsmehrheit und das Weiterbestehen der reinsozialistischen(aus Sozialdemo- traten und Unabhängigen bestehenden) Landesregierung, deren Beseitigung von allen bürgerlichen Parteien, einschließ- lich der Demokraten, mit unerhörter Leidenschaft und Erbitte- rung angestrebt wird. Eine Pressepropaganda von selten er- lebter Verlogenheit und Gehässigkeit hat in den letzten Jahren versucht, den Freistaat Braunschweig im ganzen übrigen Reiche in schwersten Mißkredit zu bringen und die„sozia- listische Mißwirtschaft" zu lästern, die dort angeblich getrie- den worden sei. Ein Rückblick ai�f die Wirksamkeit der braunschweigischen sozialistischen Regierung dürfte deshalb von Interesse sein, um die Erfolge sozialistischer Regierungs- Politik ins rechte Licht zu setzen. Nachdem die Wahlen zur Braunschwciger Verfassung- gebenden Landesversammlung am 16. Mai 1S2V eine sozia- Ustische Mehrheit ergeben hatten, erfolgte die Bildung einer reinsozialistischen Regierung auf Grund eines Regierungs- programmes, dessen Forderungen im Wesentlichen"auf dem damals für unsere Partei noch maßgebenden Erfurter Pro- gramm fußten, bei dem also alle undcmokratischen Grund- sätze des Leipziger Aktionsprogramms der Unabhängigen ausgeschaltet blieben. Der Landeswahlverband, ein Gemisch von Deutschnationalen, deutscher Volkspartei, Wessen, Zen- trum und Landbund, nahm von Anfang an mit den schärfsten Mitteln, u. ä. durch wochenlange' Obstruktion, den Kampf gegen die sozialistische Regierung auf, und sein Sprecher Hampc erklärte bereits in der Sitzung, in der sich die Re- gierung der Landesversammlung vorstellte, ausdrücklich. „seine Fraktion werde der sozialistischen Regierung das Leben so sauer wie möglich machen". Freilich sind alle diese Be- mühungen fruchtlos geblieben, und selbst der Versuch, die An- nähme einer Verfassung zu hintertreiben, der sogar in einem Appell an den Staatsgerichtshof gipfelte, endete mit einer schmählichen Niederlage der bürgerlichen Opposition. So ist denn endlich noch in der vorletzten Woche des verflossenen Jahres die Verfassung verabschiedet worden, die zwar infolge der kommunistischen � Gegnerschaft nicht alle sozialistischen Wünsche verwirklichen konnte, aber immerhin eine brauchbare Grundlage für eine freiheitliche Entwicklung des Staatslebens bietet. Die Agitationslüge von der„sozialistischen � Mißwirtschaft" wird am deutlichsten angesichts der Finanzwirtschaft der sozialistischen Regierung. Der braunschweigische Staat schließt mit dem für heutige Verbältnisse sehr geringen Fehl- betrage von 20 Millionen Mark ab. Ohne den erst in jüngster Zeit notwendig gewordenen Bedarf von 32 Millionen Mark für die Beomtenbesoldungsreform würde sich so- gar ein U e b e r s ch u ß von rund 12 Millionen Mark er- geben. Damit stehen die braunschweigischen Finanzen nach Baden am zweitgünstigsten von allen deutschen Bundesstaaten. Die vom Staate in eigene Bewirtschaftung ge- nommene Domäne Salder hat einen Reingewinn von über 280 000 Mark ergeben. Ganz anders würde freilich das Bild aussehen, wenn die Eigentumsforde- rungendesehemaligen Herzogs bewilligt word-n wären, deren Höhe nach heutigem Geldwert auf über eine Milliarde Mark beziffert werden muß. Die Bewilligung dieser Forderungen wird vom Landeswahlverband aufs eifrigste propagiert; ja, sie werden sogar als noch zu niedrig bezeichnet. Wichtige Fortschritte sind ferner in der Rechtspflege ge- macht worden. Die Handhabung des Strafrechts und der Strafvollstreckung wird von sozialen und humanen Gesichts- punkten diktiert, ein Gcfängnisbeirat übt die Kontrolle des Strafvollzugs aus, ein aus Nichtjuristen aus allen Schichten der Bevölkerung bestehender„Beirat in Gnadensachen" beim Staatsministerium wirkt auf größtmöglichen Erlaß, Milde- rung oder Umwandlung von Straftn hin; für weitgehende Heranziehung der Arbeiterschaft als Schöffen und Geschworene ist gesorgt worden, und das Richterpensionierungsgesetz er- möglicht es, ricbterliche Beamte, die die Altersgrenze von 68 Jahren überschritten haben, durch iunge, in moderneren Rechtsanschauungen aufgewachsene Beamte zu ersetzen. Ebenso ist für eine durchgreifende Demokratisierung der Polizei gesorgt worden, deren Beamte sich aus- schließlich aus zuverlässigen Republikanern zusammensetzen Im Zusammenhange damit stand ein lehr heftiger Kamps der sozialistischen Regierung zur Durchführung der Entwaff- nung und zur Auflösung einer ganzen Reihe gegenrevolutio» närer Organisationen ojjk der Art der Orgesch, Don fortschrittlichem, freiheitlichem Geiste durchsetzt ist seit der Wirksamkeit der sozialistischen Regierung auch das braunschweigische Schulwesen. Besonders hervorgehoben zu werden verdient der vielumstrittene„Kulturerlaß", der unter Berufung auf den Artikel 148 der Reichsverfassung Er- Ziehung im Geiste der Bölkerversöhnung fordert. Bon großer praktischer Bedeutung war sodann die Berufung unseres Ge- Nossen Stölzel, eines modernen Schulreformers, als Landes- schulrat für das höhere Schulwesen, der sich rühmen kann, sich den grimmigsten Haß aller braunschweigischen Reaktionäre zugezogen zu haben. Der Unterschied zwischen unterer und mittlerer Bürgerschule wurde durch Einrichtung einer allge- meinen Bolksschule beseitigt und die geistliche Ortsschulauf- sicht aufgehoben. Ueberhaupt wurde Sorge getragen für Ein- schränkung des Klassencharakters der Schule, Ermöglichung des Aufstiegs der Begabten und mannigfache Förderung der Volksbildung. Dielleicht die schwierigsten Leistungen hatte der Ernäh- rungsminister. Genosse Antrick, zu vollbringen, nachdem das Reich an den Abbau der Zwangswirtschaft gegangen wav. Um so mehr ist es anzuerkennen, daß es ihm gelungen ist, die B r o t p r e i s e sehr niedrig zu halten und die zur Bertei- lung an die Bevölkerung gelangende Brotmenge um 3lX) Gramm pro Kopf und Woche höher zu bemessen als im ganzen übrigen Deutschland. Versuche, auch die Kartoffel- belieferung zu erleichtern und verhältnismäßig niedrige Kar- toffelpreise festzusetzen, und dahingehende Anträge auf den Ernährungsministerkonferenzen scheiterten leider an der Hal- tung der Reichsregierung. Der Milchpreis konnte bis zur Aufhebung der Fettbewirtschaftung durch das Reich auf 1,10 Mark pro Liter gehalten werden. Erfreuliche Ergebnisse bat die sozialistische Regierungs- Politik ferner in der Landbeschaffung und Siede- lung gezeitigt. Bisher find 109 00O Morgen Land für Landbedürftige bzw. Kleinpächter beschafft, 700 Morgen Land für Äiedlungsbauten enteignet und bereits 1700 Siedlungs- Häuser errichtet worden. Zum Schutze der Kleinpächter gegen wucherische Verpächter ist eine Pachtschutzordnung er- lassen worden. Die geplante Reform der Kreisordnung hat leider noch nicht erfolgen können,� ebenso die sehr wichtige Umgestaltung der Landwirtschastskammer, weil das Reich bisher noch nicht das angekündigte Rohmengesetz erlassen hat. So sieht also— und es könnten noch weitere Beispiele angeführt werden— die„sozialistische Mißwirtschaft" in Wirklichkeit aus. Die Wiederkehr einer sozialistischen Parla- mentsmchrheit und Regierung könnte als zweifelsfrei be- trachtet werden, wenn nicht leider gerade in Braunfchweig der sozialistische Brudcrstreit so viele Kräfte absorbiert und die Werbekroft der sozialistischen Idee so empfindlich gcschä- digt hätte. Von der Stellung der braunschweigischen Unab- hängigen zur proletarischen Einheitsfront wird es abhängen, ob sich am Wahltage die sozialistische Parlamcntsmehrheit siegreich gegenüber dem wütenden Ansturm des reaktionären Bürgertums wird behaupten können. Zentrum unü Republik. Die heutig« Verhandlung des Zentrumvarteitages be- «inii mir dem Referat des Sencttspräsidcnlen Marx, Vorsihendcn der Rcichsiagsfral-tion des Zentrums, über„Ideen und Ziele der Zentrumsporte i". Marx verwahrte seine Partei Haupt- sächlich gegen Vorwürfe, die ihr von der rechten Seite gemacht werden: das Zentrum hätte sich als christliche Volkspartei nicht mit der Sozlaldemokralle verbinden dürfen. Hieraus erwiderte Marx, daß es sich bei der Koalition nicht um einen Bund oder eine Verschmelzung, sondern lediglich um eine Arbeitsgemeinschaft handle.(Tos ist auch die Auffassung der Sozioldematra'üe. Red.) Ricmols sei vom Zentrum ein Auf- aeben seiner V�eltanfchauunc, oder seiner Grundsätze verlangt wer- en In der Weimarer Verfassung sei die Freiheit der Kirche besser gewahrt, als man es zurzeit der Wahlen zur Natianalvcrsammlung für möglich gehalten habe.— Weiter werde dem Zentrum oarge- Der Vogel, Ser sein eigenes Nest beschmutzt Von Werner Dreiburg. Es war einmal ein Vogelnest. Die Vögel, die darin saßen, waren noch nicht ganz flügge, aber die meisten von ihnen schienen für ihr Alter bereits recht verständig. Einer indessen machte einen weniger guicn Eindruck. Seine Bewegungen sahen arragant und herausfardernd aus. Unter den Augen, zu beiden Seiten des Schnabels, sträubten sich seine Federn kühn empar gleich dem Schnurrbart eines Katers. Unter dem linken Flügel hing eine Feder, die irgendwie an die Pointe einer Komödie gemahnte. Diese Feder schleppte am Loden und raschelte sa laut, daß es fast wie ein Rasseln klang. Ueberhaupt schien dieser forsche und Impulsive Vogel nicht nur forsch und impulsiv, sondern in einer ununter» brachencn Aufregung zu sein. Gar oft hatte er einen nervösen Durchfall. Dann legte, wars, schmetterte er unermüdlich und rück- sichtslos seine Exkremente mitten ins Rest. Ob des Gestankes, der sich hierauf erhub, murrten nicht nur die Nestgenasien, sondern aus allen benachbarten Nestern, endlich aus dem ganzen Walde kamen ergrimmte oder verwunderte Vögel herbeigeflogen, und einige von Ihnen meinten, dieses Nest verpeste mit seinem Gestank die ganze Nachbarschaft und müsse entweder von allen gemieden oder gar boykottiert oder ausgerottet und den Baumwipfeln gleichgemacht werdew Andere aber sagten, man dürfe die Hoffnung nicht auf- geben, daß die Zustände in jenem Neste sich einmal bessern würden: Vernunsi und Liebe für Sauberkeit gäbe es auch dort. Dabei wiesen sie auf einen van den jungen Vögeln hin, der dem Vogel mit der Schleppfedcr eine scharfe und mutige Mahnrede hielt und seine Nestgenassen ausfarderte, mit ihm zusammen den Unrat des forschen Durchfallvagels zu beseitigen. Der aber brauste auf und schrie ihn an:„Kerrrl! Was erlauben Sie sich? Sa eine Unoerfchämtheitl Pfui Deibell Sie schämen sich nicht, die Ehre Ihres Vaternestes vor den Bewohnern der anderen Nester zu schmähen und herunterzureißen? Sie sind ja— äh— Sie sind— äh gewissermaßen ein Vogel, der sein eigenes Nest be- schmutzt." Dann wandte er sich van dem mutigen Mahnredncr verächtlich ab und seiner gewohnten Beschäftigung zu, und es klang wie»in Zlrammelwirbel. Denn er legte, warf, schmetterte unermüdlich und rücksichtslos seine Exkremente mitten in- Nest. Internationale Prunnerei. Eine Proklamattan an alle Mohammedaner, die' der Minister für Kultur der kcmalistischen Regierung in Angora erlassen hat, lenkt die Ausmerksamkeit der Gläubigen auf das„skandalöse Benehmen" der türkischen Frauen von heute, besonders in Kanstanttnopel. Das Tanzen, das bei den Türtinnen eingedrungen ist, wird hier als ein« schamlose und allen warfen, daß es ein« grundsätzlich monarchistische Partei gewesen sei und sich nicht ohne weiteres mit der republikanischen Siaalsverfassung habe abfinden dürfen. Marx stellte demgegenüber fest, daß die Weimarer Der- sassung, was van der Rechten meist übersehen werde, aus rechtlich durchaus einwandfreie Weise zustande gekommen sei nämlich durch die nach dem freien Wahlrecht gewählten Vertreter des gesamten Volkes. Republik und Monarchie, sagte Marx, beide Staaksfarmen sind mit der christlichen Auffassung vom Wesen des Staaics durchaus vereinbar. Das Zentrum werde nur eine Nach- Prüfung oder Aenderung der Derfassung verlangen, wenn wichtige' Gründe vorhanden sind Zurzeit sei es das denkbar Un.zwcck- mäßigste, sich auf Derfassunaskämpse einz-lassen. Es sei Gewissens- Pflicht jedes überzeugten Christen, der Obrigkeit Untertan zu sein: ab sie ihm gerade paßt oder nicht, ist dabei v o l l st ä n d i g gleichgültig.— Schließlich verteidigie Marx das Zentrum gegen den Vorwurf, in unzulässiger Weise den E i n h e i t s st a a t gefördert zu haben. Wenn die Rechte der einzelnen stark einge- schränkt worden seien, so sei es nur geschehen, weil das f i n o n> zi e l l e Interesse des Reiches es dringend verlangt habe. In demonstrativer Weise spendete Marx dem Reichskanzler Dr. W i r t h warmes Lob. den er als weithin leuchtendes Bei- spiel und Vorbild pries. Wirth habe mit Hintansetzung aller per- sönlichen Interessen kühn die Fahne des Führers der deutschen Politid ergriffen, wenn andere zaghaft und zweifelhaft, oft aus kleinlichen Parteirücksichten zur Seite traten und sich scheuten, Ovfer zu bringen. Dar Parteitag unterstrich dieses Lob durch stürmischen Beifoff._ In einem Teil der Presse wor nämlich behouptei worden, daß Marx dos erste Porteitagsreserat über die politische Loge, für dos er ursprünglich vorgesehen war, das ober vom Reichsa.rbeits- minister Brauns a ehalten wurde, aus politilchen Gründen entzogen worden sei, weil Morx ein Gegner der Wirthschen Politik wäre. Am Schlüsse seiner Ausführungen wies Marx diese Behat'plung aus- drücklich zurück und betonte:„Namens der Fraktion erklär« ich nochmals, daß die Rcichstagsfraklion des Zentrums hinker dem Reichskanzler steht. An der Tatsache, daß die Politik des Reichskanzlers und der Fraktion vollen Erfolg gezeitigt hat. ist heut�nicht mehr zu rütteln." An das Referat schloß sich eine D> s k u s s I o n, In der Zunächst H i l d e b ra n d t- Saarbrücken für das Saarrevier sorach, das deutsch ist und die Wodervereinigung mit dem Deutschen Reich ersehnt.(Stürmischer Beifall.) Dohrenbach und die Tcutschc Volkspartci. Der scharfe Angriff Fehrenbachs gegen die unzuverlässigen Ele- mente der Deutschen Valkspariei veranlaßt die„Ratlonallibarale Karrespondenz", das offiziös« Organ der D. Dp., zu einer Erwiderung, in der es heißt: Es entspringt wohl nur der besonderen Vorliebe(?) des Herrn Fehrenbach für einzelne ihm besonders nahestehende Mitglieder der Deutschen Volksparlei(!). wenn er meint, diese seien für eine Koalition mit dem Zentrum geeignet, andere du- gegen nicht.... Lringt die Deutsch« Volkspartei das O p f e r(!!), in die Regierung einzutreten, um zur Durchführung der Regie- rungspalitik alle diejenigen geistigen und wirtschaftlichen Krösie einzusetzen, deren Vertreterin sie ist, so tut sie das nur, wenn sie die Gewißheit hat, daß sie gleichberechtigt mit jeder anderen Partei im Sinne ihrer Anschauungen aus die Re- gierungspalitik einwirken kann. Welch» Männer sie zu ihrer Der- tretung in der Regierung für geeignet hält, muß dann Herr Fehrenbach, selbst aus die Gefahr hin, daß ihm die Vertreter acht sanderlich gefallen, schon der Deutschen Valksparlei überlassen, wie ja auch das Zentrum bisher in n eiteftgehen- dem Maße dieses Recht für sich in Anspruch genommen hol. Die Erklärung weist ferner„mit aller Entschiedenheit" die Be- hauptung Fchrenbachs zurück, daß es in der Deutschen Volkspartei Elemente gibt, die den Eintritt in die Regierung nur dazu benutzen würden, um die Regierungstätigkcit zu sabotieren.— Dos alles trifft den Kern der Fehrcnbachschen Ausführungen nicht. Will die „Rat. Karr." mit ihren Worten die Absicht ausdrücken, das Kabinett Wirth mit den Männern aus ihren Reihen zu verstärken, die jetzt Schultsr an Schulter mit H e l f s e r i ch und Konscrtcn die Aus- landspalitik des Kabinetts Wirth in der gehässigsten Weise bckämp- fcn, sa bestätigt sie letzten Endes damit die sachliche U n m ö g- l i ch k e i t, in dieser Weise«ine Verbreiterung der Regierungsbasis eintreten zu lassen. Ueberlieferungen des Islam hohnsprechende Betätigung verdammt, und ebenja wird das Ausgehen von türkischen Frauen mit Nicht- Mohammedanern als ein„großes Aergcrnis' gegeißelt. Der Erlaß des Ministers erklärt, daß das türkische Parlament mit Bedauern habe feststellen müssen, daß einige Türlinnen in Kanstanlinapel sich nicht entolödct hallen, mit Richttürken Ausslüge zu machen.„Eni- sittlichung dieser Art", heißt es weiter,„untergräbt die allen Gc- wahnhcitcn des Volkes. Aber diese gerügten Unsitten werden im geheimen betrieben, und es sind nur wenige, die dem europäischen Einfluß erliegen". Wie man sieht, ist die Brunnerei keine lokale Krankheit, sondern ein« Weitseuche wie die Grippe, die weder Staatsgrenzen noch Relizians- und Rossenunterschiede respektiert. Rur die Symptome sind verschieden, je noch den örtlich herrschenden„heiligen",„ewigen", „allgemein menschlichen",„gesunden" und„normalen" Sittlichkeits- begriffen. Wir würden uns nicht wundern, wenn demnäcksst aus den Polau-Inseln die Nachricht einträfe, daß dort eine kraftvoll« Bewegung gegen die neueste, immer mehr umsichgreifende skandalöse Modctracht der jungen Insulanerinnen eingesetzt hat. Die entsittlicht« Damenwelt von Polau w-.ll sich nicht mehr mit dem durch Maral und Herkommen geheiligten Lendenschurz begnügen, sondern sie entblödet sich nicht, noch dem Vorbild einer verkommenen curo- päischen Bevölkerung, auch den Nabel und die Brüste schamlos zu verhüllen. Theater stellungslascr Schauspieler. Um der großen Arbeits- lasigkeit unter den englischen Schauspielern in etwas zu steuern, hat die englische Bühnengenossenschast einen Fonds für stellungslose Schausp'clcr geschaffen und eine Organisation ins Loben gerufen, die den broilosen Künstlern Beschästnung zu vcr- Mitteln sucht. Man will aus den stellungslosen Schauspielern Thoatertruppen zusammenschließen, die in den Londoner Vorstädten und in den kleineren Städten Großbritanniens Darstellungen geben sollen. Bei diesen neuen Theateroraanisotionen werden nur Mit- qlieder der englischen Dühnen'-enassenschaft beschäftigt. Die durch die Gesellschaft gegründeten Theaterlruppen sehen ein Mindest- boncrar von drei Pfund die Woche vor. Von allen überschüssigen Gewinnen sollen 40 Proz. an den Fonds abgeführt merken. Die neuen Theatertruppen werden die verich'edenartissten Gattungen pflegen und imstande sein, sowohl ein Shakcspeareschcs Trauerspiel als auch eine Revue vorzuführen. Die Opfer. der„Trockenheit". Dos Alkaholverbot hat in Amerika sehr unerwünschte und verhängnisvolle Fallen gehabt, wie wieder einmal durch einine Vorfälle der letzten Tage b-lc�t wird. Sa meldet der New Parker Palizejbericht. daß seit dem Beginn des Jahres 10Z Todesfälle innerhalb wenig mehr als einer Woche bekanntgeworden sind, die durch das Trinken von giftigem Alkohol verursacht wurden. D!« Staatsanwaltschaft des Staates New Park wendet sich an die Düraer mit einem Aufruf, in dem es beißt, daß die Nichtbeachtung des Alkvhalverbates durch angesehene Männer eine allgemeine Verachtuna des Gesetzes hervorrufe, die sich in einer gefährlichen Zunahme der Derbrechen äußere. Ebenso lenkt der Gouverneur des Staat«, Virainia die Aufmerksamkeit auf die allgemeine Nichtachtung des Alkoholverbotes und empfiehlt die An- nahm« eme» Gesetze«, nach der all« Bewerber um amtlich« Posten Der Moskauer Hungerstreik. Ein Teilerfolg der deutschen Protestaktion. Dos Eintreten des deutschen sozialdemokratischen Proletariat« für die mit dem Abtransport nach Turkestan bedrohten mensche- wistischen Gefangenen hat ein t e i l w e i s e s Nachgeben der Moskauer Sowf�.rcgierung zur Folg« gehabt, obwohl die„Rote Fahne" mit den verzweifeltsten Mitteln gegen die Gefangenen hetzte und jede Folterung der Inhaftierten mit der wunderbaren Begrün- düng guthieß, daß sie, die man ahne Anklage und Urteils- s p r u ch gefangen gesetzt hatte, paiitische Gegner der Sowjetregicrung seien. Wie der„Freiheit" aus Mockau mitgeteilt wird, sind am Diensteg, den 10. d. M.. die im Mostauer Butyrki-Gesängnis inter- nierten Sazialdemakraten in Freiheit gesetzt worden. Ucber dos Schicksal der übrigen politischen Gefangenen(Sozialrcoalutiar.äre, Anarchisten usw.), die sich bekanntlich auch am 5gungerstreir b>> teiligten, ist man vorläufig noch nicht unterrichtet. Der Beseht zum Abtransport der Zö Genossen nach Turkestan. der die Veranlassung zum Hungerstreik gab, ist a u s g e h a b e n. Statt dessen sind die aus dem Gefängnis«nttassenen Genossen—. nicht nur die 38. sondern auch die übrigen— angewiesen, sich binnen sieben Tagen nach einigen ihnen angewiesenen entlegenen Provinz st ädten (u. a. auch Wjatko) zu begeben, die sie zwei Jahre lang nicht verla ssen dürfen. Ferner ist denen, die es wünschen, ge- stattet, sich ins Ausland zu begeben. In diesem Falle werden die betreffenden Personen bis zur Grenze Sowjetrußlands geschafft und dort ihrem Schicksal überlassen. Di« Sowjetr'egierung läßt es also bei der milderen Praxis des ehemaliasn Zarismus bewenden, ihre paiitischcn Gegner in entlegene Pravinzarte zu oerbannen. Diese Verbannung erfolgt nicht wegen irgendwelcher strafbaren Handlungen, sondern lediglich wegen abweichender politischer Gesinnung. Diese Bestrafung der Gesinnung, nicht der Tat, bleibt charakteristisch für das boische- wistische Herrschaftssystem. Einer von vie'en. Aus Leipzig wird uns berichtet: Wegen Beleidigung de» Reichspräsidenten Eberl und de» srüljeren Reichskanzlers Lauer ist vom Land- g«richt Stade am 1. Juli o. I. der Cehnfileker der„Tostedier Zeitung", Paul Daum in Tostedt, zu SManaten Gefängnis oerurteilt worden. Strafantrag war von den beiden Herren gestellt worden wegen dreier Artikel, die im vorigen Jahr« in der„Tostedier Zeitung" erschienen und vom Angeklagten verfaßt worden sind. Der erste Artikel».schien am 18. Januar 1921 unter der Ueberschrift „Gasmasken h-rausl" Es ist darin die Rede von der„Roten Räuberrepublii", welcher gewiss- Dünste entsteigen, von Iudenwirtschaft, Judengenossen usw.„ll-ber allem," so heißt es da'nn weiter,„thront hoch und erhaben Fritz Eberl." Dann ialgt eine Charakteristik des Reichspräsidenten, die sich Haupt- stichlich aus senre äußer« Erscheinung bezieht und d!eAbsichtP«r- länlich«r H«rabsetzung deutlich erk«nnen läßt. In«inem zweiten, am 18. Februar unter der Ueberschrift„Man munkelt" er- sch:«nenan Artikel wird gesagt, jemand, der gute Beziehungen zu gewissen Kreisen habe, habe erzählt, daß der Reichspräsident sich für mehrere Millionen Mark ein Gut gekauft habe, während seine armen Verwandten auf Unterstützung angewiesen seien, um mcht zu ver- hungern. In dem dritten Artikel, der am 22. März er ch>:nen ist, wird dann wieder in unschöner und absichtlich verletzender Weise die Persönlichkeit des Reichspräsidenten kritisiert und ihn law:» dem früheren Reichskanzler Dauar der Vorwu.f gemach', daß sie zur Zeit drr Zwangstnirt'ckxtst der Leb-r.smitttt Schieich bandet getrieben hätten, um sich hinreichend mit Fleisch zu versorgen usw. Das Gericht hat in allen drei Artikeln da-- To hondeniein einer Delcidiguna erblickt. Teilweise bandest es sich um reine Be- sch i m n s i' n g e n im Sinn« des 8 185. teilweise um üble Nachrede gemäß§ 183. Gegen das Urteil hatte der Angeklagte Revision«ingelcat die jetzt das Reichsgericht beschäftigte. Er sucht« nachzuweisen, da.- der Schutz des 8 193 ibm zu Unrecht r-ar'agt worden sei, denn er Hobe nur ös'entlickje Mißstände ausdecken wollen. Im einzelnen wand!« er sich dann noch gegen die Beweiswürdioung und mein'« u. a., das Wort„Parteibudiker" entl?alie durchaus nich's Entehrend:?. Das Reich gcricht hielt das Ur'eil nach kfcer Rich'ung hin für einwandfrei und verwarf die Revision des Angeklagten als unbegründet. einen Eid schwören sollen, in dem sie geloben, das Alkohoiverbot nicht zu überschreiten und olle Uebcrtrclungcn des Verbotes unnachstchilich zu verfolgen.,.., Wenn Gewichte gewogen worden. Maß und Gewicht spielte in früheren Zeiten e ne größer« Rolle, indem man immer fürchtete, daß„mit falschem Maß" gemessen werde oder betrügeriiche Gewichte zur Verwendung tämen. Heut« sind wir im allglmeinen über die Richtigkeit der Wagen beruhigt: aber wenn auch nicht mehr so arge Ungenauigkeiten vorkammen, wie sie in früheren Zeiten die Empörung des Volkes hervorriefen, so fehlt es doch auch unfern Maßen und Gewichten an vollkommener Nichtigkeit. Da unsere Ge- wichte nicht aus„unveränderlichem" Metall bestehen, ja werden sie besonders durch Dämpfe und Feuchtigkeit angegriffen. Sie ver- ändern sich auch bei langem Gebrauch. Atmosphärische Wandlungen können leichte Veränderungen von Tag zu Tag und sogar von Stunde zu Stunde hervorrufen. Während manche Gewichte mit der Zeit leichter werden, werden andere schwerer. Man hat ge- sunden, daß Gewichte, die nach fünsjöhrigem Gebrauch zur Prüsung gesandt wurden, mehr wogen als am Anfang. Viele Un�enauig- leiten an Gewichten und Wagen werden durch tinoorsichfge Behandlung, durch allzu vieles Reinigen, durch die beständige Reibung der Gewichte gegeneinander oder der Eewich!« gegen die Wage hervor- gerufen. Die Gewicht« und Maß» eines Landes müssen daher in bestimmten Zeilräumen an Grundgewichten und Grundmaßen auf ihre Richtigkeit aevrüst werden. In England erfolgt dieie feierlich« Zeremonie alle 20 Jabr«, und zwar im Unterhaus durch Regierungs- bcamt«. Wie dieses Wiegen der Eewicfite mit dem Normalgewicht vor sich geht, beschreibt ein Eewichtsinspektcr. Die Grundnormen werden durch zwei sorgfältig bewahrte Gegenstände bestimmt, näm- lich durch ein Pfundoen'icht und ein Pordmaß. Das Rormalnfund besteht aus Platin und ist trotz seines Gewichics nicht größer als ein Kubikzall. Das Rarmalnard ist ein« Branzestang» van 38 Z�ll Löns« Bei der Handhabung dieser beiden Instrumente wird die größtmöglich« Sorralt angewandt. Das Pfundgewicht wird auf die empfindlichste aller Wa-en gkegt. das Pard mit einem Mikra- metcr gemessen. Ist die Prüsung beendet, dann wird das Normal- vfund in ein besonderes weiches Papier gehüllt und in einen ver- stlberten Kasten gelegt, der wieder in einem Bronzekasten seinen Platz findet. Der Branzekasten kommt in eine Halzkist». die ver- sienelt wird. Da? Normalvard wird in eine Mohagonikiste gelegt und ebenfalls versiegelt. Di? beiden Nnrmalinstr'.'me'-te kommen dann in eine B'eikassette. die nachmals versiegelt wird: diese Kassette wird van ein-r starken E'chenlist» ausgenammen und diese fonfälfig versck'ossene Kiste kehrt in ihr Grab in der Mauer des Londoner Unterhauses zurück, um erst nach 20 Iahren wieder hervargehalt zu werden._ TnS TTrater de? Svesten? bleibt»m«AthfliS rm> Tw-'nerttsa irtclne der Voibereiinnnen für die nrn g-rr tag batlfinbende SrflaiMbiuna der Operette.DerTanzin?<»Iückatick>Ioisen. Tie Tentsch-Persjsche Getelltckiaft vcranstnilel am Freitag, den nn abend? 8 Nhr. im Hör iaal Nr. 3 de» g-öriaalaebäude» der Ilniversiizi' Dorotbeenllr. 6, einen Vortrag mit Lichtbildern. Brot. Dr'd K a» f h n u s e r in den einzelnen Orten zusammen- nssen und sie bei hoher Vertragsstrafe verpflichten, sich den Ve- chlüssen der Kartellleitunq strikt zu unterwerfen. Man rechnet au? nefe Weise mehrere tauseud Firmen, unter ihnen die wichtig' en Großabnehmer, zusammenschließen zu können, und glaubt, daß Sperrnnaßnahmen meist gar nicht erforderlich sein werden, weil schon das Vorhandensein der Organisation genügen würde, um die Wünsche der Abnehmer zur Geltung z» bringen.— Die Bestrebun- gen im Tcxtilcinzel Handel sind deshalb zu begrüßen, weil gegen- über der Karielldiltalur der Produzenten nur eine ge- schlossene Macht der Abnehmer Aussicht darauf hat, auch Wünsche der Derbraucher zur Geltung zu bringen. Der Sozialist kann aus den im Landet schwebenden Derhandlimgen auch das lernen, um wieviel stärker er seine Macht zur Geltung bringen könnt«, wenn sämtliche Konsumenten in großen Genossenschaf» t e n zusammengefaßt wären und nur die Androhung eines Käufer- stneiks genügen würde, rm Uebergriffe einzelner Produzenten- gruppen im Keime zu ersticken. Di« amerikanischen Exportoorschüss«. vor rund einem halben Jahr« wurde die Ausoebe der jetzt als Expertkre�itinstitut arbeiten- den Amerikanischen Kriegsfinanzbant auf die Gewährung long- fristiger Kredite für den verkouf von Ackerbauerzeiignisfen erweitert. Das bat nach einem Bericht d-r Kommission an den Kongreß er- freulich? Wirkungen gezeitigt. Bis zum Zg. Rooember, dem Datum des Berichts, belicfen sich die B o r f ch ü f f« der Korporation für Verkäufe von Bodenerzeuanissen und Vieh auf über 82 009 000 Dollar, darunter für Verkäufe von Baumwolle auf 22 000 0�1 Dollar, von Getreide aus 16 000 000 Dollar und von Vieh auf 13 000 000 Dollar. Außer an die Farmer wurden, so meldet FPS., Export- Vorschüsse in Höhe von insgesamt 61 600-000 Dollar gegeben, darunter für die Finanzierung der Baumwollaussuhr 28 000 000 Dollar und der Getreideausfuhr 11600 000 Dollar. Bon den ge- samten Darlehen der Bant haben Genossenschaften 62 S00 000 Dollar, Bank- und Finanzinstitute 72 000 000 Dollar und Exporteure 0 000 000 Dollar erhalten. Die Erhöhung öes SLraßenbahntarifs. Die neuen Fahrpreise. Die Stadtverordnetenversammlung wird die Deckungsvor- läge mit der weiteren Steigerung der städtischen Tarife an den Ständigen Haushaltsausschuß zur Vorberatung überweisen. Vor- ausgesetzt, daß der Ausschuß seine Verhandlungen in der nächsten Woche beenöel, können die erhöhten T a r i f e d e r Werke sür die Standaufnahmen im Januar und sür die Straßenbahn Ende Januar, für die Zeitkarten am 1. Februar in Kraft treten. Der vcrwaltungsrat der Straßenbahn hat für die Durchführung der Straßenbahntaoiferhöhung folgenden Einzelvorschlägcn des Verkehrs- amts zugestimmt: Einzelfahrscheine auf dem gesamten Straßenbahnnetz 2 M.0"ch ihres Bruders vor, der ihr ein Weihnachtsgeschenk von 5000 31? machen walle, während e«— Smith— van dem auf 28 000 M lavwnden Scheck 23 000 M. er- holten fo'fe. Der Streich, den er in Gemeinschaft mit dem Bau- arbeiter Schade ausgeheckt h-'te, gelang. Erß nnebträ�lich kamen d�r Frau B-denk-w, In denen sie van oaberer Seite bestärkt wurde. Sie ainn seist zur Pelizei und so kam der varagni z"r Kenntnis der Kriminalpostdl-nststelle. die den Aushelser Wächter und den Sckade als Schwindler entlarvt'n und kestnohmen. Bei den Ber- baftet-n fand man nichts wehr vor. Schade behäi'p'-tz er habe geige, zgj obbekamw-n. diese seien ißm aber von eii-em?3?ädchen a«. stöhlen worden. Wächte- wallt? alle? onSiweehen baden. Beide hasten sich auch neu eingess-idet und anck lae-st statt aelobt. Man de- zweifeste atz-r doch, daß er seinen agnzen A'-te'i an der De:ste durch- e>-bracht habe, i'n>i sgh ll-echdcsbalb in seiner llmnehnna näher i m. So fa-d man bei leine- M"ster in ei"ew"'"«ziehtifeh unter der Blatte versteckt n'och 7000 M.. die beschlagnahmt wurden. Die fartnesctzten Beriintre"i'n-'en dieser?lrt lassen es vistleichi aeraten erscheinen, daß die Best B-icPc«"'» Amerika nicht me�r an die(5mn?ängcr austragen, sondern diese die Triefe auf dem Amt ab- holen läßt._ Ter Senzi�er Ra»bnberfall vor(Ycricht. Bor dem Schwi-rgericht des Landzerich!? ll begann heute die Berbandlung aeeen drei aus vo'en stammende Slngek'a.ete. die sich wegen Ermordung des Mühlenbcsitzers Stöberl in Senzig bei K ö n i g s'w u st e r h a u l e n zu verantworten haben. Es handelt fick um einen bcionders dreisten steter fall einer Räuber- band- von 5 33erfo"en.. zu der die drei 2lngeklachen aehö-ten, auk den Mühlenbesitzer Stöberl in feinem ohnri-ienen Hause, wobei dieser getötet wurde. Nach in derselben Nacht gelang es. einen der Täter, den Zln-vstagten P r z n h n l I k i. sestz meämen. durch hellen Ausia-'en die Midonaeklasten D o l i n s k- a und Biliös er- mittclt werden kannten, während die anderen— gleichfalls Pa'cn— nicht gepatzt wurden. D°« umßan-reiche Dieiinngs-Por9and-Ei-mng., Elternbeiräte und Giellnerlreler Berlin-Mitte. 7 llhr Perfammlung im Bllrz«»- Helm, Alle Schönhauser Slraße 23 Der Dürgermeiftermorö im GSenwalö. Heidelberg, den 16. Januar. Ein Doppelmord, der im vergangenen Sommer das größte Auf» sehen erregte und der in der Geschichte des Odenwaldes nicht feines- gleichen hat, begann vor dem Heidelberger Schwurgericht. Die Annage richtete sich gegen den Bahnarbeiter Leonhard S i e f e r t, der beschuldigt wird, den Herforder Oberbürgermeister Busse und den früheren Herfvrder Bürgermeister Werner am Pfalzgrasenstein bei Heidelberg ermordet zu haben. Siefert ist ein schlank gebauter j:ngcr Mensch mit schwarzem, nach hinten gekämmtem Haar und kleinem Schnurrbart. Er macht keinen unsympathischen, aber einen verschmitzten Eindruck und würde, wenn man ihm aus einsamen Wald- wegen begegnete, auch bei ängstlichen Gemütern keine Furcht erregen. Sieferl bestreitet die beiden ihm zur Last gelegten verbrechen, denen folgende Tatsachen zugrunde liegen: Oberbürgermeister Busse hatte om Städtetag in Stuttgart teil- genoxnmen und war im Juni v. I von dort nach Heidelberg "efahren, wo er seinen seit zwei Iatzren im Ruhestand lebenden Freund Weener besuchen wollte Am 20 Juni, dem Peter- und Poulstage, waren beide nachnsttiags mit der Bergbahn auf den Königsstuhl gefahren, um einen kleinen Waldspaziergang zu unternehmen, non dem sie nicht mehr zurück- kehrten. In de» folgenden Tagen wurden umfangreiche Streifen der Polizei»"ck den vermißten unternommen, die ergebnislos ner- liefen. Die Ciadt Herford setzte lOOOO 23? Belohnung für die Zlnf» finduna ibres Oberbürgermeisters ans. die Schwester des Bürger- meistcrs Werner sicherte 5000 M. Belotznung zu, die Stadt Heidel- borg und das badische Justizministerium setzten etzensa'i» se 5 000 53?. für die Ermittlung der Täter aus Der Reckarstadt bemächtigte sich eine von Tag zu Tag wachsende tiesgetzende Erreguna. hatte doch bis- her der Odenwald mit seinen gut ausgeschlossenen Wegen als eines der sichersten Gebiete Deutschland? gegolten. Da lH plötzlich zetzn Tage nach dem verschwinden der beiden Bürgermeister bei d-, Staatsanmaltschaft eine Anzeige von Wichtig- Nt ein. die de» Weg ngch d-eni mutmaßlichen Mörder mies, der sckon bald dorons verboftet meaden konnte. Ein junges Mädchen, Berta Krai'msi'ler, 7ocht-r der Wirtin Kratzmüller in Zieaelhauscn, teilte d-r Staotsann'aftschgst mit. daß si- b-i dem in d-r Wirtschaft ihrer �5?>-tter in Miete wohnenden Bahnarbeiter Leonhard S i e s c r t «Inen Brief gefunden ba.be, der an den Oberbürgermeister B sie adressiert und von dessen (ll-mnblin-relchrieben war Als bald daraus die Staatsanwaltschaft Siefert verhastete, fand sie bei einer Haussuchung in einer mit alten Lumnen zu-'-deckten Kiste mit Dlntspritzern behaftete Wäschestücke und in der Talch« Siefert» eine silberne Uhrkette, die Busse aeich-s« und die feine BlutPpi'ren aufwies. Siefert bestriO, van der U>-rket'e etwas zu wissen, und er tövn- nicht sagen, wie sie in seine Ta'che gekommen sei Am Tac>e dT Mordtat trat er abends um 1/:1t l'tzr wieder in die Wirtschaft Kraßmüller und Pagte, er habe nun«ine Erlllchaft aewacht, bei>ab't« auch gl-ich 1200 M. und einige Tane später den Rest mit 500 M Auch sonst machte er in den nächst-n Tagen aräbere?lu?gnben Anck nach der verbastuna Sieperts, der se�e Schuld an dem Mnrbe bis beute enKchieden b-Ptreitet/ barg der W"!d noch tagelang das düstere Getzwmnj? der beiden ErPchlaaenen. Erst am 11. Juli wurden aberhalb d-s Kümmelbacherhofe» am Aufstieg zum Pfalzgrasenstein die Leichen unter Fcleklob-n vorsteckl gesunden. Beide Teten laeen eklua 80 Meter voneinander entfernt und waren unterhalb des Weaes im Halbdunkel des Waldes so gur begraben, daß nur der lllerwesnnosneruch den Ort schließlich verraten konnte. Bei der vntersucki'Ng im Pathologischen Institut stellte sich heraus, daß Oberbürgermeister Bull? von einem Schuß durchbohrt war. der die Herzwnrzel zerriß, während'der Bürgermeister Werner von binten mit einem Gew'ehrsckaft ans der Flucht ersrhloyen wurde. Er hart» in-hrere schwere Schädesbrüche. In der Hosen- tasch- der L-iche Busses fand man den abgeschnittenen rech. ten Rinnfjnqer des Ermordeten. Der Täter hatte den Ehering von dem Finger nickt schnell aenug abstreifen können und dann kurz-rband den Finger obgePchnitten. Der Ehering von Busse, sowie ein Dn"antrinq von Werner wurden von Siefert einem Uhrmacher in Heidelh-rg gegeben. Der Fro-cksurter Gerichtschemiker Dr. Papp hat eine Reihe von blutigen Fingerabdrücken, die er an der Brieftasche des ermorde- ten Bürgermeisters Werner fand, mit den Fingerabdrücken Sleferks oerglichen und eine genaue Uebereinstimmung gefunden.» Ferner entdeckte er in der Innenseite de? Rockes'von Siefert blutige Fingerabdrücke. Auch an dem Zlnzug Sieferts, namentlich am Rock- ärmel, wurden zahlreiche Blutspuren entdeckt. Siefert selbst behauptet bis zum heutigen Tage, daß er vollständig u n s ch u l d i g sei und nicht das geringste mit der Mordtat, weder als Täter noch als Mitwisser zu tun Hobe. ) GewerKschostsbewegung Die Lohnbewegung in der Herrenkonfektion. In einer Versammlung aller in der Herrenkonfektion öeschllftigten Zuschneider, Zuschneiderinnen, Schneider und Schneide- rinnen berichtete K u tz e b a ch über die im Reichsarbeitsministsnun geführten Lohnoerhandlungen. Diese haben nach den Ausführungen des Redners kein befriedigendes Ergebnis gezeitigt. Das Schiedsgericht'hat am 9. d. M. getagt und einen Spruch gefällt nach dem nur 10 Proz. statt der geforderten 40 zugebilligt werden Die Beiräte haben über den Spruch beraten und sich nach Würdi- gung aller vorliegenden Verhältnisse für die Anna h m e aus- gesprochen. Auch Verhandlungskommission und Betriebsräte sind zu diesem kntschlub gekommen. 9Us«in erfreuliches Zeichen hob der Redner hervor, dah die Mtgiiederzahl des Bekleidungsarbeiterverbandes im letzten Viertel- jähr um 6000 zugenommen habe. Nach einer sehr umfangreichen Aussprache wurde eine Resolu- tivn gegen wenige Stimmen angenommen, in der die Versammelten gegen die Stellungnahme des Beirats„über ihre Köpfe hinweg" pro- testieren, da über Annahme und Ablehnung eines Schiedsspruches die Mitglieder selbst zu entscheiden haben. Ferner wird gegen die Zulage protestiert und die Leitung aufgefordert, sofort neue Lohnforderungen zu stellen und mit allen Mitteln dafür einzutreten, daß der Reichstarif noch im Frühjahr 1922 in Kraft treten kann. Die llsberarbeit im Bergbau beschäftigte eine Konferenz des Gesomtvorstandes und der Bezirksleiter des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands, die in Bochum tagte. Die iUbcrarbeit wurde von der Erfüllung einer Reihe bekannter Forde- rungen abhängig gemacht, u. a. von einem Reichsmantel- !arif für den Steinkohlenbergbau und der Zahlung des Sozial- lohnes und der Urlaubsverglltung nur an Mitglieder der Vertrags- oerbände. Ferner wurde verlangt, daß bei allen künftigen Tarif- Verhandlungen die Arbeitsvermittlung auf paritäti- scher Grundlage durchgeführt wird. In der Steuerfrage stimmte die Konferenz einmütig den 10 Forderungen des Allge- meinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Afa-Bundes zu. Bu»d der technischen Angestellten und Beamten. Fachgruppe Hoch- und Tiefbau und Architcklen. Frcgag 7