Nr. 32 ♦ 39. Jahrgang Misgabe& Nr.lb vezugSpret», «erteil iihrl. SU.— M.. mvn-tl.».— Vt frei ins Haus, voraus zahlbar Pvst- aezug.-3!onotliii) 20,— 3)L tinfihL Sil' stellunasgebuhr. Unter Ztreuzband für tveulschiand, Dauzig, das Eaar- und Memeiciebiet, iowie die ehemals beut» Ichen Gebiete Pviens, Oesterreich Ungarn und Luxemburg it.— M. wr das übrige Ausland 72,— M. Post- bestellungen nehmen an Oesterreichs Ungar». Tfcheibo- Giowalei, Däne- marl. Holland, Luxemburg. Schweden und die Schweiz, Der.Vorwärts' mii der Smmtag«- beilage.Volt und Zeit', der Unier- ballungsbeilage..Heimweit' und der Keiiage.Siedlung und Kleingarten' «rlcheini wochentäglich zweimal, Eoim» tags und Montag» einmal. Teiearamm» Adresse: «Sozialderuakrat verNn" Aliend-Ansgabe c . vse-iin»o r»». »»»«Skts so pkennlg ) jBerlinev Volksblstt Anzeigenpreis: Die zehngeipalieiu Zlonpareillezelle lostet S.— M,„kleine Anzeigen" das etlgedruckte Wor' 3,— llii. lzu- läffig zwei ietigedruckle Worte!, iedes wettere Wort l,50 Vl. Eiellengeluche und Schiafstellenanzeigen das erste Wori l,S0 M. edes weitere Wort l.— M. Worte über IS Buchstaben zählen ilir zwei Wone, ffamilien-An- zeigen tili Abonnenten Zeile M. Die Preise.verstehen sich einschließlich Leuerungsulchlag, Anzeigen istr die nächste Nummer mllssen bis<> 2 Uhr nachmittags im Hauptgeschäii, Berlin SW»3, Linden. ftraße u, abgegeben werden Geöffnei von g Uhr irüh bis ü Uhr abend». �entralorgan der rozialdemokratirchen parte» Deutschlands Redaktion und Expedition: SW öS, Lindenstr. Z oiedaktinn Morihplah lSlnö— i>7 �ernfprelyer. M-richvli«, ii«s»-«»z Donnerstag, den 19. Januar 19ÄA vorwärtS'verlag G.m.b.H., SW bö, Ltnüenstr. Z Rcrniüreiher• Irring.«L-xvedition und Inseraten. ttrrnlprrrycr. Ap�ilung Morioplan ,,7 5.» Llopö George bleibt im �mt. London, 19. Zannar.(WZ'B.).Times' berichkei, Ende der lehien Woche seien die Meinungsvcrschiedenheilen im Kabinett so groß gewesen, daß die MSglichkcit des Rücktritts Lloyd Georges be- standen hätte. Diese Möglichkeit bestehe jedoch jetzt nicht mehr. Lloyd George wolle erst den verlrag mit Irland unter Vach und Fach bringen und fei sehr daraus bedacht, alle Mögllchkeiten voll auszu- nutzen, die fich auf der Wirkschaftskonferenz von Gen"7 bieten. vor öer Reüe polnca?6s. heute nachmittags werden PoincarH in der Kammer und Barthou im Senat das Programm der neuen Regierung ent- wickeln. Es ist wohl eine Demonstration der„Radikal-Sozia- listen" für die Politik von Cannes., daß sie einstimmig be- schlössen haben, Herrn Briand in den Auswärtigen Ausschuß der Kammer zu entsenden. Durch Havas wird bereits folgende Inhaltsangabe der Regierungserklärung noch vor ihrer Genehmigung durch den Ministerrat verbreitet: Die Erklärung erwähnt zunächst in lobender Weise die An- sprachen, die Bourgeois und Peret im Senat bzw. in der Kammer bei ihrer Wiederwahl zu Präsidenten dieser Versammlungen ge- halten haben. Die Regierung werde sich die darin ausgesprochenen tz�edanken bei der Erfüllung der Aufgabe, die sie übernommen habe und deren Schwierigkeiten sie sich nicht verhehle, zunutze machen. Sie rechne damit, daß ihr das Vertrauen des Parlaments nicht fehlen werde, um die Aufgab« zum guten. Ende zu führen. Kammer und Senat hätten bereits große und loyale Anstrengungen gemacht. indem sie das Budget für 1922 vor dem Schluß ihrer außerordent- lichen Session erledigt hätten. Künftighin werde man sich nicht mehr mit den provisorischen Dudgetzwölfteln behelfen. Deshalb verpflichte sich das Kabinett, in Kürze den Budgetentwurf für 1923 vorzulegen. Bevor die Kammer in der Sage fein werde, das Budget zu prüfen, werde sie von wichtigen Arbeiten in Anspruch genommen sein, wie von der Verabschiedung des Budget, der zurückzuerstattenden Aus- gaben, der Gesetze für die nationale Verteidigung, die mit der V e r- kürzung der militärischen Dienstzeit in Einklang ge- bracht werden mußten, und endlich der Verabschiedung der Gesetze über die soziale Solidarität. Der Teil der Erklärung, der sich mit der auswärtigen Politik befaßt, bekräftigt die Sorge der Regierung, die Allianzen Frank- reich- aufrechtzuerhalten und zu befestigen, ebenso wie ihren Willen. sich auf den Vertrag von Versailles zu stützen. Bezüglich der auf der Tagesordnung stehenden Fragen wie der Konferenz von Genua ist das Kabinett der Ansicht, wie Poincare bereits bei Ge- legenheit erklärt hat, daß Frankreich im voraus von den Sowjets Sicherheiten fordern müsse. Deutschland, das feine Unterschrift unter den Vertrag von Versailles gesetzt habe, müsse sich endlich entschließen, seine Verpflichtungen zu halten und die von ihm verursachten Ruinen wiederherzustellen. Am Schluß appelliert die Erklärung an die nationale Einigkeit im Interesse der Größe und de» Gedeihens Frankreichs. Efteurope meldet noch, Poincare werde anführen, daß Europa endgültig von den deutschen Träumen befreit werden müsse. Frank- reich wolle zwar Beweis» seiner Geduld, seines guten Willens und seiner Mäßigung ablegen, e» müsse aber, um die gerecht- fertigten Reparationen erhalten zu können und sederzeit zum Schutze der neugegründeten Staaten fähig zu sein, sich be- reltbalten. Frankreich müsse somit zu dem einzigen Mittel greifen, da» sich seit Januar 1920 als wirksam erwiesen habe: Es müsse zu einem milikä'ifchen Druck an den Rhelnbrückenköp°en schreiten und sich das Recht zu einer direkten Verfolgung Deutsch- land» vorbehalten. Wenn der von Lloyd George vorgeschlagene Vertrag Wirkung erlangen soll, müsse Frankreich innerhalb der im Friedensvertrag verzeichneten Fristen volles Recht haben, alle sein« Druckmittel Deutschland gegenüber in Anwendung zu bringen, um dieses zur Erfüllung feiner Verpflichtungen zu zwingen und von allen Revanchsgedanken, die es in Osteuropa zu verwirk- lichen suche, abzuhalten. Die» sei weder Imperialismus noch Militarismus. Man habe die Erfahrung gemacht, daß kein Volk sich freiwillig schweren Verpflichtungen unterwerfe: auch ein so zahl- reiches und mächtiges Volt wie da» deutsch« werde auf seine g«- walttätigen Ueberlteferungen nicht vernichten, wenn es nicht während einiasr Jahr« die Gefahren dieser Gewaltpolitik zu »rmsssen imstande sei. Der tschechostomaksslße Ministerpräsident Dr. B e n e s ch sagte im Senatsausschuß über die Reparationsfrage, er hoffe, daß es mit der Aeit zu einer Lösung kommen werde, so daß es nicht nötig fein werde, diese Frage in gewissen Zeit- abschnitten wie bisher ständig immer wieder zu erörtem. Die französische und die englische Regierung seien, wie er glaube, rezüglich der Reparutionssrage nicht in Uebereinstimmung, soweit es sich um die t a k t i s cd e Seite handele, in der Cache selbst aber seien sie bisher volltommen einig gewesen. Die | Differenzen zwischen diesen beiden Kontrahenten würden not- ! wendigerweise dazu tührrn, daß früher oder spätir irgendein ! st a b i l e r Plan in der Reparationsfrage gefunden werden � würde, damit ihretwegen zwischen den beiden Staaten leine J Schwierigkeiten mehr entstehen. Vorbereitungen in Genua. London. 19. Januar.(WTV.).Daily Telegraph" meldet aus Mailand, daß die italienische Regierung bereits eifrige vorberei- tungen für die Konferenz von Genua treffe. Man erwarte, daß über 1900 Delegierte zugegen fein werden, wozu noch SlXl Presse- Vertreter kommen. Zur sofortigen Erweiterung der Telephon- und Telegraphenvcrbindungen mit Rom, Mailand und Turin sind 10 Millionen Lire zur Verfügung gestellt worden. Die italienisch« Marine richtet einen besonderen drahtlosen Dienst zur rascheren Verbindung mit Prag, Mo ekau und Berlin ein. Die weit- reichende Coltano-Radiostation In der Nähe von Pisa wird für den Ueberscedienst vorbereitet. Die deutschen Kohlenlieferungen. Paris, 19. Januar.(EP.) Die Reparationskommission hat fol- gende offizielle Erklärung abgegeben: Die Reparationstommission i hat beschlossen, für die folgenden Monate Februar, März und April � ein Programm für die deutschen Kohlen- und Kokslieferungen auf- ' zustellen, das die Lieferung von S 7S0 909 Tonnen vorsieht. Der | Koks ist nach feinem Kohlenwert eingerechnet. Die Mengen sind regelmäßig auf die einzelnen Monate verteilt zu liefern. Die deutsche Delegation hat fest versprochen, dieses Programm durchzuführen. Dollar ISS. Im Hinblick auf die gestrige Senkung des Markkurses an der Berliner Börse zeigte der heutige Berliner Devisen- markt wieder sehr feste Tendenz. Die Umsätze waren aller- dings geringer als an den letzten Tagen. Dollarnoten wurden um die Mittagsstunde mit 188/189 gehandelt. An der Effektenbörse geht es wieder lustig aufwärts. Besonders ge- sucht sind noch immer Kaliaktien und Kohlenwerte aller Art. Der Zrieüe üer Zerstörung. Wien,' 19. Ianuar.(WTv.) Räch einer Meldung der»Arbeller- Zeitung" aus Innsbruck zcrslärlr die Interalliierte kontroll- j kommisslon dort werlvolle der Sachdemobilisicrung gehörende optische Inslrumenle, Sättel und Riemenzeug sowie andere Gegenstände im ! werte von Millionen, weitere Gegenstände sollen noch zerstört werden._ Die Saarregieruna als Ankläger. Saarbrücken, 19. Januar.(MTB. aus„Saarbrllcker Zeitung".) Der 10. periodische Bericht der Regierungskommisston an den Völker- i bund beschäftigt sich vorzüglich mit der Frankenlöhnung: der größte Teil der Eaar-Eemeinden Hobe sich aus freien Stücken der An- ordnung gefügt. Rur noch fünf Gemeinden haben bei dem Ober- ocrwaltungsgericht Berufung eingelegt. Zur Stunde bezahlen alle bis auf ein Dutzend kleiner Landgemeinden, von denen jede kaum zwei oder drei Beamte beschäftigt, und von Saarbrücken, wo die Gemeindearbeiter noch Markbezahlung«rhalten, ihre Arbeiter und Angestellten in Franken. Zum Schlüsse beschwert sich die Re- ! gieruniskommission über die Opposition, gegen ihre Anordnungen, die nicht wernq dazu beitrage, im Saargebiet«ine sortgesetzte Gä» rung zu unterhalten. Die Veröffentlichung des Deutschen Weiß- b u ch e s habe die Bevölkerung erregt: das Weißbuch enthalte eine Anzahl Dokumente, die nur aus unrechtmäßige Weise zur Kenntnis der deutschen Regierung hätten kommen können, insbesondere einen der Regierungskommisston in ihrer Sitzung vom 7. Juli 1920 vor- gelegten vertraulichen Bericht, der nur in 6 Exemplaren an die Mit- glieder und an den Generalsekretär der Regierungskommisston ver- teilt worden war. Rur durch strafbare Indiskretion eines Beamten sei es der deutschen Regierung möglich, eine Kopie zu veröffentlichen. ■ Die Regierungskommisston zieht daraus den Schluß, daß die deutsche � Regierung noch immer indiskret« Beziehungen zu den , Beamten der Regierungskommisston aufrechterhalte: im Saargebiet müsse das Vorhandensein von Agenten vermieden werden. Taifächllch ift das eine dieser Dokumente vorher in den Zel» t u n q e n des Saaraebietes erschienen. Im übrigen soll die Der- dächtiaunq der Dcamten wohl gewisse Maßnahmen vorbereiten, die im.demokratischen Geiste de» Völkerbundes" liegen. Der Fronkenbefehl wurde übrigens von 17 gegen 10 Ge- meinden abgelehnt, und letztere gaben nur unter Protest Ibre Zu- stimmung. Erst nach monatelangem Kampf hat auch ein Teil der 17 Gemeinden sich auf den Boden des Frankenbefehls gestellt, nach- dem in einem Schreiben der Reglerungskommission in ultima- t I o e r Form Innerhalb 48 Stunden, unter Androhung entsprechen- der Maßnahmen, die Annahme gefordert worden war. Das ungarische Experiment. Don Alexander Szänto. In der innerpolitischen Situation Ungarns ist um die Jahreswende eine bedeutsame Aenderung eingetreten. Die Sozialdemokratie, die seit dem Siege der Gegenrevolution in- folge der unerhörten Unterdrückung völlig aus dem politischen Leben ausgeschaltet war und dem weißen Terror der Offiziers- banden nur die Passivität der Arbeiterschaft entgegenzusetzen vermochte, tritt wieder als handelnder Faktor auf den Plan und nimmt zusammen mit den übrigen demokratischen und republikanischen Gruppen des Landes aktiv an dem Kampfe gegendas Horthy-Regime teil. Die besonderen Um- � stände, unter denen sich die Einschaltung der Sozialdemokrati- | schen Partei in das politische Leben vollzog, haben Anlaß zu heftigen Angriffen seitens ausländischer sozialistischer Organe gegen die verantwortlichen Arbeiterführer in Ungarn gegeben, und es erscheint daher notwendig, über die augenblickliche Situation Klarheit zu schaffen. Das Regierungssystem i)orthys sieht sich nach über zwei- jährigem Bestehen vor dem völligen Bankrott. In der inneren Politik wie auf dem Gebiete des Finanz- und Wirtschafts- wefens hat es nur Mißerfolge erzielt und Land und Volk an den Rand des Abgrundes gebracht. In der Außenpolitik sind trotz krampfhaften Liebäugelns mit einzelnen Staaten der Großen Entente die hochgespannten Hoffnungen auf Wieder- erlangung der verlorenen Gebietsteile unerfüllt geblieben. Enttäuschung nistet sich überall ein und öffnet auch denjenigen die Augen, die bisher, verblendet durch„christliche" und chauvinistische Phrasen, als Mitläufer den Kabinetten des weißen Terrors Gefolgschaft leisteten. Die Parteien, die bis- her das Horthy-Syftem unterstützten und so lange einig waren, als es galt, die Arbeiterschaft niederzuknüppeln, sind sich in- zwischen längst gegenseitig in die Haare geraten und befehden sich auf Leben und Tod. Legitimistisches Magnatentum kämpft gegen horthyfreundliche Bauernschaft, die liberalen Ideen huldigenden Kreise in Handel und Industrie wenden sich gegen die r e a k- t i o n ä r e n Elemente im Heer und in der Beamtenschaft. Ueberall Zerfahrenheit, gegenseitige Kritik, Intrigen und ge- hässige Kämpfe, Austoben persönlicher Feindschaften und oft sehr niedriger Leidenschaften— eine Atmosphäre, gefüllt mit Explosivstoff und ungeeignet für jede produktive Aufbauarbeit. Selbst in der unter stärkstem Terror zustandegekommenen Nationalversammlung kann die Regienmg keine arbeitsfähige Mehrheit zusammenbringen: es vergebt kaum eine Sitzung ohne Tumultszenen oder ohne Enthüllungen über zahllose Korruptionsangelegenheiten, in die oft die höchsten Organe des Staates verwickelt> nd. Die Mehrheit des Volkes sehnt längst den Zusammenbruch dieser Willkürherrschaft herbei, und so stützt sich Horthy in Wirklichkeit aus nichts anderes mehr, als aus die ihm zur Verfügung stehende bewaffnete Macht, deren wichtigsten Bestandteil die Terrordetachements" der Mörder- offiziere P r o n a y und H e j j a s bilden. Innerlich ist also das Horthy-Regime reif zum Zufam» menbruch, und der Zeitpunkt erscheint einigermaßen günstig, durch eine kraftvoll geführte, sich auf breiteste Volksmassen stützende, freiheitliche Bewegung das wankende Säbelregiment vollends zu stürzen. Nun sind totsächlich Kräfte am Werke, die einen zähen und erbitterten Kampf gegen die Horthy- Hejjas-Bethlen-Herrschaft führen und die seit Wochen durch immer heftiger werdende Angriffe in Parlament und Presse die Regiening in die Defensive gedrängt haben: aber von diesen oppositionellen Elementen hat die ungarische Arbeiter- schast wenig oder nichts zu erwarten. Denn diese Opposition ist zusammengesetzt aus bürgerlichen Elementen, zum Teil sogar aus solchen, die, wie bereits erwähnt, ursprünglich selbst die stärksten Stützen des Horthy-Kurses waren und ersi zu einem späteren Zeitpunkt sich gegen ihn wandten. Den KernderOppositionbildendieLegitimisten. die Horthy nur deshalb bekämpfen, weil sie an seine Stelle den Habsburger setzen wollen, und deren Ziel die Wiederherstellung des„avoion räxime" ist, das heißt die Rückkehr zu den Vor- kriegszuständen, wo unter dem Deckmantel eines Schein» Parlamentarismus und eines vorgeblich„liberalen" Regie- rungsfystems alle tatsächliche Macht sich in den Händen der Magnaten und der industriellen Unternehmer befand, während das werktätige Volk nur Objekt der Gesetzgebung war. Gegen« über diesem legitimistischem Hauptteil der Opposition spielen die wenigen wirklich demokratisch gesinnten bürgerlichen Gruppen, die augenblicklich aus taktischen Gründen mit ersteren zusammenarbeiten, nur eine untergeordnete Rolle. Ein Sieg der legitimistiscben Opposition wäre kein Triumph der Demokratie und würde der Arbeiterschaft nichts nützen. Diese muß vielmehr, eingedenk des Wort??, daß die Befreiung der Arbeiterklasse nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein kann, der Macht des Horthy-Regiments ihre eigene Macht entgegensetzen. Sie muß dafür sorgen, daß der bevor- stehende Sturz Horthys zugleich das Ende der Reaktion be- deutet und daß nicht ein Abkömmling Habsburgs mit„libe- j ralen" Schlagwörtern die arbeiterfeindliche Politik fortsetzt, öle 1 Horthy mit„christlichen" Phrasen bisher köhet«. Das ungarische Proletariat muß selbst den Kamps aufnehmen, es muß um jeden Preis aus seiner bisherigen passiven Haltung heraus und das Cewicht der aktiv austretenden Massen in die Wagschale des politischen Lebens werfen. Die Gelegenheit zu einem solchen Schritt bot sich, als Ministerpräsident Bethlen, am Ende seines Lateins angelangt, die sozialdemokratische Parteileitung davon verständigte, daß er bereit sei, die Versammlungs- und Pressefreiheit wieder- herzustellen, den Gewerkschaften ihre volle Freiheit wiederzu- geben, die Ausnahmejustiz abzuschaffen und die politischen Ge- fangenen zu amnestieren. Die in Budapest befindlichen vier Führer der ungarischen Sozialdemokratie, Peyer. Vancsak, Miakits und F a r k a s, glaubten, an diesem Angebot der Regierung nicht achtlos vorübergehen zu dürfen. Sie waren sich im klaren darüber, daß die Versprechungen zwar nicht in vollem Um- sang« verwirklicht werden würden, aber sie sagten sich, daß auch eine nur teilweise Durchführung— die inzwischen stattgefunden hat— der Arbeiterschaft die Möglichkeit zur politischen Tätigkeit geben würde, sie dachten vor ollem an die unbeschreiblichen Leiden der Verurteilten und Internierten und glaubten es nicht verantworten zu können, diesen Unglücklichen die Aussicht auf'sofortige Befreiung, die sich wenigstens einem Teil von ihnen bot, zu rauben. Sie stimmten dem Anerbieten des Kabinetts Bethlen zu, lehnten es aber ab. als Gegendienst dafür irgendwelche innerpolitische Verpflichtungen auf sich zu nehmen. Sie erklärten sich ledig- lich, einem Wunsche Bethlens entgegenkommend, bereit, in außenpolitischer Hinsicht durch ihre internationalen Verbin- düngen die Agitation für eine friedliche Revision des Trianoner Vertrages und insbesondere für eine Erleichterung der Ungarn auferlegten Rerarationslasten zu unterstützen. Ein Vorstoß gegen die sozialdemokratischen Prinzipien kann hierin um so weniger erblickt werden, als ja auch die sozio- listischen Parteien aller anderen Länder einen entschiedenen Kampf für die Reviision der Friedensdiktate führen. Die Haltung der vier genannten Genossen ist im Ausland« lebhaft kritisiert worden, und auch in Ungarn selbst sollen Stimmen des Widerspruches laut geworden sein. Es kann ober nicht geleugnet werden, daß sie in gutem Glauben gehandelt haben, der Sache der ungarischen Arbeiter- bewegung einen Dienst zu erweisen. Der vorläufige Erfolg ihres Schrittes ist, daß einige hundert Arbeiter die Horthy- Kerker verlassen konnten, daß die Pressezensur aufgehoben und die Versammlungsfreiheit teilweise wiederhergestellt ist, und daß eine Reihe von Gewerkschaften, die über zwei Jahre lang ausgelöst waren, ihre Arbeit wieder aufnehmen konnten. Die Arbeiterschaft kann also auf dem Gebiets der Agitation und der Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen wieder handelnd austreten, sie ist aus ihrer bisl)«rig?n Passivität herausgetreten. Diese unbestreitbare Tatsache darf nicht unterschätzt werden, denn nach dem oben Ausgeführten war der Wiedereintritt der Sozialdemokratie ins politische Leben eine zwingende Rot- wendigkeit. und es besteht berechtigte Aussickt dafür, daß gerade die neu erwachte Kampfkraft der Ar- b e i t e r s ch o f t den Schlüssel zu den kommenden Ereignissen in Ungarn bilden wird. Man wird also mindestens die weiteren Handlungen der ungarischen Sozialdemokratie ab- warten müssen, bevor man die Handlungen von Männern verurteilt, die seit Jahrzehnten in der Arbeiterbewegung tätig sind und deren persönlich« Ehrenhaftigkeit über jeden Zweifel erbaben ist. Im übrigen wird durch einen voraussichtlich im Frühjahr abzuhaltenden Parteikongrcß den Massen der ungarischen Arbeiterschaft selbst G-'egen'-elt ne�eben werden, ibr l t'l über die bisherige und ihre Entscheidung über die künftige Taktik der Partei zu fällen. kirlse In Aumtinien. Die rumänische Kammer hat mit 190 von Z?t Stimmen, also mit Ameidrittclmehrheit, da» Vertrauen dem Kabinett I o n e s c n verweigert. Ioncscu bat den Rücktritt der Ne- giernng angemeldet. Als aussichtsreichster Kandidat gilt Brantianu, der die Ermächtigung zur Auflösung der Kammer und zu Neuwahlen erhalten fall. Die Tänzerin. Gestern abend habe ich eine Tänzerin gesehen. Sie tanzte ' einen iubelnden Tanz. Im hauchzarten Kleid— im buntschimmernden Licht— über die Bühne hin— rasend— ekstatisch— entzückend... Das letzte Wort sprach jemand aus dem Publikum. Ich dachte darüber nach.„Entzückendr Wirtlich, ich berauschte mich an dem Wort— an dem Tanz— an der Tänzerin dort oben auf der Bühne— an ihrem wirbelnden Rhythmus— an ihren hin» schnellenden Beinen. Diese schönschlanten Beinel Auf und ab wiegte sich der Körper auf ihnen. Wie eine Blume... wie eine Glocke... im Reigen und Schwanken. Es war schön... so schön... Wer hatte diese Beme— geschnitzt? Fast mochte man meinen, daß sie ein Gott geformt habe. Welch ein Gedanke!— Aber das sie da waren— da waren und tanzten... I Das be- rauschte— das machte glücklich. Glücklich---? Ich ging hinaus. Und draußen, im Bogenlicht des Portal», saß eine Gestalt— in Feldgrau gehüllt— die streckte— ein Holzbein vor. Das echte— das Bein aus Fleisch und Blut— war draußen zerschossen worden— während die Tänzerin ihr« Beine pflegte und sich nicht um den Krieg kümmerte. Und alle, die gestern abend der Tänzerin zusahen, hätten weinen müssen vor Scham, als sie im Hausportal dos Holzbelu de» Kriegs. krüppel» sahen. Sie taten es nicht. Alfred Frltzsche. Masernschulz. Die Masern selbst sind für schulpflichtige Kinder zwar nicht io gefährlich als für Säuglinge und Kleinkinder, wohl aber die Rachkrankbeiten destelben: Keuchhusten und Lungen- rntzündung, Diphtherie und Tuberkulose sind gar oft die Folgen solch einer harmlos erscheinenden Maserncrtrankung, und gerade diel« Folgekronkheitcn enden oft tödlich. Dos Absondern der Kranken ist kein sicheres Mittel, denn meist hat das kranke Kind schon andere Kinder angesteckt, bevor man die Krankheit bei ihm ermittelt hat. Ein Heilmittel gegen die Masern ist bis jetzt ebensowenig bekannt wie der Erreger der Krankheit selbst Und doch scheint die ärztliche Wissenichasl ouf gutem Wege in der Bekämpfung dieser Krankheit. Der Münchener Kinderarzt D e g k w i g hat gefunden, daß man mit dem Serum von masernkranken Kindern andere, v e r e i t» ange- st eckte Kinder vor dem Ausbruch der Krankheit s ch ü tz e n k a n n. Am 7. bi» 10. Tage der Erkrankung ist dieses Serum am wirksamsten, und es genügen 3�-7 Gramm davon, um ein anderes Kind gegen die Masern zu festigen. Man hat es somit In der Hand, eine beginnende Masernepdemie auf ihren Ausgangsherd zu beschränken, indem man alle mit dem ersterkronkten Kinde in Beriihnma gekommenen Kinder baldmöglichst der Schutzimpfung unterzieht. Für Krippen, Säuglingsheime und Kindertran kenhäuier Ist diese Derhütunqsmöglichkelt von größter Bedeutung. Aber auch In der Priootpraxi» wird die Schutzimpfung immer häufiger ange» wandt werden, wenn erst einmal die Furcht vor der Blutentnahme bei den tranken Kindern oder noch mehr bei den Eltern derselben Spstem Nicolai. „Tie Kriegsberichterstattung sollte nicht ernsthaft sein." Der deutschnationale Kriegsberichterstatter Adolf Zimmermann führt in einem zweiten Artikel seine Aus- einanderfetzung mit dem Obersten Nicolai, dem Leiter des Nachrichtenwejens der OHL., fort. Der Ausgangspunkt der Debatte war bekanntlich ein Telegramm Nicolais vom März IDITtz das Genosse Kuttner in einer Neuaustage seiner Schrift: „Der Sieg war zum Greisen nahe" veröffentlicht hat. In diesem Telegramm wurden die Kriegsberichterstatter durch Nicolai u. a. angewiesen, zu berichten„nicht, was sie sehen, sondern was die Armeeoberkommandos für zweckmäßig halten". Zimmermann schreibt dazu: „Welche Klasse nehmen Tagesschriftsteller«in oder auf welche Rangtlasse beabsichtigt man Berichterstatter zu drücken, die unter ihrem Namen und entgegen der Annahme ihres Leser- treises„nicht berichten, was sie sehen, sondern was die Armee- oberkommandos für zweckmäßig halten": die also nicht nur uncr- wähnt lassen sollen, was die ohne Zweifel erforderliche militärische Zensur nicht verössentlicht zu sehen wünscht, sondern posiilo nach Diktat zu berichten bereit sind? Die man auszuschicken wazt unter gleichzeitiger dienstlicher Benachrichtigung irgendwelcher Komman- dos; diese sollten den Herren ruhig Zwecktelegramme nach ihrem Ermessen aufgeben, sie dabei aber„unter scharfer Leitung und Zensur" holten?" Ueber die Drangsalierung der Kriegsberichterstatter durch das System Nicolai weiß Zimmermann folgendes zu be- richten: Wer seine Berichterstattung halbwegs ernsthaft und dem wahren Gesicht des Problems gemäß einzurichten suchte, wurde schnell mißliebig. Man wollte eben nur Berichterstatter, die „nicht schrieben, was sie sahen", sondern„was zu veröffentlichen für zweckmäßig gehalten wurde"... Die Kriegsberichlerstattung sellle grundsätzlich nicht ernsthaft sein... Schielen nach der Berliner Wilhelmstraße und die Privatwünschs einflußreicher H o f g« n e- r a l e mögen dabei mitgesprochen haben: entscheidend war ober auch in diesem Falle die innerlich falsche Einstellung des maßgeben- den Mannes im Großen Hauptquartier und dann bei der Obersten Heeresleitung. So ein d e u t s ch n a t i o n a l er Journalist, der noch Sinn für die Würde der Presse und unabhängige Ge- sinnung sich gewahrt hat. Doppelt kläglich nehmen sich da- gegen die Schweifwedeleien der o o l k s p a r t e i l i ch e n Blätter„Zeit" und„D. A. Z." vor Oberst Nicolai aus. Drei- fach kläglich, wenn man sich erinnert, daß die„D. A. Z." sogar in einer Kritik des Systems Nicolai das Verbrechen eines An- griffs auf die Ehre des deutschen Volkes(!I) erblicken wollte. Den Herren scheint ganz das Gefühl dafür abhanden ge- kommen zu sein, daß es Dinge gibt, in denen die gesamte Presse einig sein sollte und— während des Krieges— sogar mitunter auch einig war. Die verantwortunyslcbeuen. Bon den Vertretern des alten Systems wird uns immer die„Der- antwortungsfreudigkeit", die fein Wesen ausgemacht haben soll, als Muster gepriesen. Der Vorgesetzte habe die volle Verantwortung für seine Handlungen übernommen, wcrouf sich der Untergebene be- dingungslo» habe verlassen können. In der Praxis schaut es umgc- kehrt aus. Wilhelm sucht bekanntlich die Verantwortung für seine Flucht nach Holland auf seine— ihm untergebenen— Ratgeber abzuwälzen, diese wiederum wälzen sie weiter auf ihre Ratgeber (man erinnere sich der Linie Wilhelm— Hindcnburg—Gröncr) oder' auf die noch weiter unter ihnen stehenden Offiziere, die bei der Be- sprcchung am 9. November 1918 die Beraniwortung für die Truppen nicht mehr übernommen hätten. Namentlich durch Ludendorff und den Oberst Bauer sind die damals im Großen Hauptquartier versammelten Offiziere des Dersogens und der Feigheit beschuldigt worden. Gegen diese Version wendet sich in der„Kölnischen Zeitung" Generalleutnant a. D- K a b I s ch. der zu den damals versammelten Kommandeuren gehört hat. Er führt aus, daß den Offizieren die geschwunden sein wird. Um eine einheitliche Dekämpfung der Masern durchführen zu können, ist die Meldepflicht für Mascrnerkrankungen natürlich Voraussetzung. Diese wird desto leichter sich durchführen lassen, je mehr die Allgemeinheit über die guten Auesichten auf eine Verhütung der Krankheit und ihrer Folgen aufgeklärt wird. Englische Lehrer gegen den Hport. In London tagt zurzeit die Konferenz der englischen Lehrer und Schuldirektoren. Man hat sich dabei über alles mögliche unterholten und kam auch auf die Frage des Schulsports zn sprechen, über den man sich im Ausland meist ganz falsche Bearisfc macht. Glaubt man doch im allqcmcinen, daß in englischen Schulen Kricket und Fußball Hauptfächer seien, die etwa dem Lateinischen im Lebrplan deutscher Gymnasien entsprächen. Das ist aber ein Irrtum. Sogar in den Privatschulcn, wo dem Sport besonders stark aehuldigt wird, spielt man ledialich bei gutem Wetter dreimal in der Woche Kricket oder Fußball. In den großen ösfent- lichcn Schulen finden aber überhaupt nur zweimal wöchentlich Sport- spiele statt. Trotzdem hat die Lehrerkonferenz mit überwältigender Mehrheit eine Entschließung angenommen, die sich qegcn sede Cr- w-iterung d-s Sportprogramms der Schule und vor allem der Sport- kämpfe ausspricht. Die Direktoren erklärten sich einstimmig dahin, daß man in keinem Fall die Schüler ermutigen dürse, den Sport aus Eitelkeltsgründen zu betreiben. Man wolle� keine Gladiatoren heran- bilden. Di« Direktoren gaben auch ihrem Bedauern darüber Aus- druck, daß die Presse beispielsweise den Ruderwettkampf zwischen Cambridge und Oxford als nationales Ereinnis bewertet und ihn demzufolge mit übel angebrachter Ausfübrllchteit behandelt. Europa» Luftneh 192Z. Im ne"cn Jahre wird da« europäische Luftnetz so ausgebaut werden, daß fast alle Hauptstädte unseres Erdteils untereinander verbunden fein w.-rden. Wie der enalische Fluasachverständige Masor W. T. Vlake mitteilt, wird der Luftdienst zwischen London und Irland ansaebmit. der tägliche Verkehr zwischen London und Paris bi« nach der Schweiz ausgedehnt und auch ein ständiger Dienst zwischen London und Brüssel einarrichtet. Frankreich wird seinen ständigen Luiwerkehr nach London, Brüssel, Amsterdam, der Tschechoslowakei, Warschau und Marokko durch eine neue Route� erweitern, die von Prag über Budapest und Bukarest nach Konstontinrpel führt. Eine zweite Strecke nach Konstantinoyel soll über Marseille und Genua geleat werden. Däne- m a r k hat sich mit Deutschland in Verbindung gesetzt, um hier Ma- schinen zu kaufen, mit denen verschiedene Luftwege über ganz Stand» navien beflogen werden sollen. Portugal eröffnet einen Lull- verkehr von Lissabon nach Pari» über Vallodolid und Bordeaux. Ein anderer portugiesischer Lustdienst ist vorgcsebcn von Lissabon nach Oporto, vön Lissabon noch Madrid und von Lissabon nach Fero. Der neue portugiesische Luftweg noch Baris wird auch einen direkten Verkehr zwischen London und Lissabon möglich machen. Romantik der Schatzgräber. In Tasmanien wurde sünast ein Weg gepflastert, und die Arbeiter bemerkten, daß die Stein», die sie dabei verwendeten, ein pelbliche. Leuchten ausstrahlten. Zu ihrer Ueherraschung erkannten sie, daß es Gold war, und nun wurden die kostbaren Pflastersteine durch ein weniger wertvolle» Material er« setzt. Auf äfmllche Weise sind auch anderwärts Riesenschätze an unerwarteten Stellen gefunden worden. Die Goldfelder von Santa Barbara in Kalifornien entdeckt« man dadurch, daß Lage in einer Welse geschildert und die entscheidende Frage in einer Formulierung vorgelegt worden sei, daß eine andere Antwort gar nicht herauskommen konnte. Er sagt dann weiter: „Schon an und für sich ist eine solche„Befragung" äußerst bedenklich: was Friedrich der Große vor Leuthen für Antworten bei einer„Befragung" seiner Regimentskommandeure bekommen haben würde, kann man sich vorstellen. Tie Truppe will ihren Mut an der Zuversicht und Kraft des Führers st ä r k e n. nicht ihm den Antrieb zum Handeln geben. Fühlt sie aber heraus, daß er gern eine„timiäe"(z a g h a s t e) Antwort haben möchte, dann wird die naturgemäße Begleiterscheinung aller Masjenenlschlüsse, daß die Bedenklichen, die Zag- haften, die Hofsnungslofen... das kaudinische Joch dem Sprung über den Abgrund vorziehen, auch tapfere Gemüter zur Halbheit verleiten: und unter diesem Eindruck standen die Frontabordnungen vom 9. November in Spa." Nach Kabischs Ansicht sei den Offizieren in Spa nur vorzu- werfen, daß sie. an blinde Gehorsamspflicht gewöhnt, nicht den Mut zu der einzig richtigen Antwort gefunden hätten, dem Feld- Herrn zu sagen: „Wir sind nicht dazu da, um Dich zu beraten, sondern um Deine Befehle auszuführen. Befiehl uns, unser Leben für die Erhaltung der Disziplin einzusetzen, dazu sind wir bereit. Politische Gutachten abzugeben, sind wir nicht befähigt und nicht gewillt. Die Vcran'worluug, die aus Deinen Schullern ruht, darsfl Du nicht auf un» abwälzen." Diese Antwort ist vernichtend, aber richtig für ein System, das ouf dem Kadavergehorsam beruhte und bei dem die oberste Beschlsgewalt zusammenlief in den Händen eine» größenwahn- sinnigen, neuro st henischen Narren. Der Mann, der sich so prunkend ols„Instrument Gottes" und Steuermann des„rich- tigen Kurses" gespreizt hatte, konnte im entscheidenden Moment die Verantwortung nicht abwälzen. Im übrigen irrt aber auch Kabisch aus seiner beschränkt militä« Tischen Betrachtungsweise heraus, wenn er In seinem Artikel meint, daß ein anderer Entschluß in Spa die Monarchie hätte retten können, da es sich in Teutschland nur um ein«„Matrosenreoolte" gehandelt habe. Ln Wirklichkeit konnte in Spa nur noch über die mehroderwenigerehrenvolleForm entschieden werden, in der das deutsche Kaisertum untergehen sollte. Ein Angriff auf die Schutzpolizei. Die preußische Schutzpolizei ist den Reaktionären ein Dorn Im Auge, weil sie dank der Bemühungen Severings und seines Ministerialdirektors Ab egg in viel höherem Maße für die Republik zuverlässig ist, als zum Beispiel die unter Geßlers Regiment von Republikanern chemisch gereinigte Reichswehr. Gegenüber republi- konischen Formationen wendet die Reaktion' da» bekannte Rezept des Wolfes aus der Lcssingschen Fabel an, der kranke Schase für tot und gesunde für krank erklärt. Co hetzt setzt auch Im„Tag" ein anonymer Schupo-Osfizier gegen die Schutzpolizei mit der Be- hauptung: Wenn Severing glaubt, daß die Beamtenschaft der Schutz. polizei heute noch auf dem Bo de n d« r S P D., da» heißt, hinter ihm steht, so irrt er sich gewaltig. Die Beamten sind größtenteils U S P D., viele sind Anhänger der KPD. und KA?V. Wenn es noch eine Partei links von der KülPD. gäbe, so würde diese wahrscheinlich genannt werden. E» handelt sich in Wirtlichkeit um haltlose Denunziationen der Sorte, mit der schon seit drei Jahren die Reaktionäre jeden NichtMonarchisten au» Reichswehr und Schutz- polizei hinauszudrängen suchen. Wer Wilhelm nicht hnchleben läßt, .st eben ein„Lolschewist". Wir sind überzeugt, daß diese Derdächti» gungen eines anonymen Verleumders aus Genassen Severing keiner- lei Eindruck machen werden, auch wenn der„Tag" versucht, dt« Deutsche Bolksport�i'als preußische Koalitionspartci gegen Ihn scharf zu machen. Sehr komisch berührt es dabei, wenn der „Tag" gegenüber Severing da»„Verständnis dcs früheren Innen» Ministers D o m i n i c u s" rühmend hervorhebt. Dieses Derständni» bestand betanntlich darin, daß Dominicu» die beiden Polizeiofsizlere in Hamborn, die über die Ermordung Erzberger» mit gemeinen Ausdrücken frohlockten, lediglich mit einer kleinen Geldstrafe belegt und im übrigen in der Schutzpolizei welter belassen hat. Für solche» �Verständnis" fehlt un» allerdings da» Ler» ständnis. --— r- kleine Goldkörner in den Kröpfen von S0 getöleten Hühnern gefunden wurden. Schon viel Federvieh war vorher an dieser seltsamen Rah- rung erstickt. In einem anderen Teil Kalifornien» suchten zwei Männer nach Gold, ohne das geringste zu finden, bis endlich der ein« vor Ermattung und Enitöulchung starb. Als der andere dem Kameraden sein Grab grub, fand er einen Goldklumpen von 160 Pfund, den er sür mehr als 7000 Pfund Sterling verkaufte. Di« Goldfelder von K l o n d i k e wurden von einem mischblütigen Trapper entdeckt, der beim Auscinanderstoßen des Holze» seine» Laaerfeuers einen merkwürdigen gelben Glanz auf dem Boden bemerkte. Als er das seinen Freunden erzählte, begann man sofort zu graben, und es zeigte sich, daß jeder Klumpen Erde Gold enthielt. Als bereits olles Geld und jede Hoffnung verloren war. förderte der letzte Schlag der Picke eines Schatzsuchers die fabelhafien Reichtümer der Silber- mine von Bonansa ans Licht, aus der man dann für 40 Millionen Pfund Sterling Silber gewann. Die romantischste Geschichte der Art aber Ist die Entdeckung der südafrltonischen Dtaman- t e n. Im Jahre 1867 blieb ein gewisser John O'Reilly über Nacht bei einem Farmer namens Nickerck. Er sah Kinder mit hübschen Steinchen spielen, die sie im Fluß gefunden hatten und meinte:„Die scben ja au, wie Diamanten." Der Farmer lachte über den Witz, O'Reilly aber nahm einen der Steine mit und brachte ihn nach Kap- stadt, wo er als ein Diamant von 22� Karat festgestellt wurde und O'Reilly 600 Pfund dafür erhielt. Damit war die Ausmerksamkeit aus die großen Diamantschätze Südafrika» gelenkt. Eine versinkende Stadt. Eine Stadt, die langsam vcrstntt, ist Soranton in Pennsylvanien, der Mittelpunkt eines großen Kohlenbergwerkgrbietcs. das hauptsächlich vorzüalichen Anthrazit liefert. Die Stadt, die eine Bevölkerung von 127 000 Seelen hat, stürzt nach amerikanischen Berichten langsam zusammen. Biel« Häuser sind bereits eingestürzt und eine Aiizabl von Menschen ist unter Ihnen begraben warben. Gegenwärtig sind 300 Häuser be» droht, und die ganze Stadtqegend, in der sich diese Gebäude befinden, ist wegen der Einsturzgefahr verlassen. Die Beunruhiaung der Be- völkerung wird durch unterirdische» Dröhnen verstärkt und durch einzelne Erdstöße, wie bei einem Erdbeben. Besonders gelitten hat der Stadtteil, der„Minooka-Dcrf" heißt. Dirscr Stadtteil Ist von den schwersten Erschütterunaen heimgesucht, und man versucht durch fieberhafte Arbeit, die wankenden Gebäude zu stützen und dadurch da» Unhell oulzuhalten. Der rorsäd'.Ige Wandkalender de»..Dorwärt»" mit der tief emp. sundenen und formstrengen Umrahmung orn Wilhelm Oester!« ist von der Karlsruher K u n st h o l I« für die dortige Samm- lung graphischer Kunstwerke a n g e t a u f t worden. volköbübne, ZVatee nrn BiUvwplaY. Fnlolge plähli-her Er. lnmkrntn eine« Hauvtdarftellert rnifc am ff r«> t a g, den 20., nnftotl .Masse Mensch' um 7>/, Uhr;„Der fahrende Echüler bannt den Teusel' und„Der gefttejette Kater'»ur Auisühruni gelangen. «Titard Shaw«!» VarI,iWent»kandt»at der«rhettervartei. Verna, d kdaw bot»rklZrt. daß er wabr'chetnlich bei den igeuivablen für da« englische Parlament kandidieren werde, und zwar alt Kandidat der Labour Party sür dt« Umgebung von Edinburgh. der Treuhänöer. tlns wird geschrieben: In ihrer Nummer vom(V Januar 1922 veröifentlicht die.Tägliche Rundschau' einen Artikel„Das ameri- kanische Vermögen in Deutschland', dessen Verfasser sich mit der Realisierung des in Deutschland befindlichen amerikanischen Ver- Mögens beschäftigt. Der Verfasser macht Insbesondere die Art der Verwaltung der amerikanischen Forderungen durch den Treuhänder zum Gegenstand seiner Ausführungen und bringt hierfür genauestes Zahlenmaterial bei, er kann es sich dann weiter nicht versagen, seine Angaben mit Ausfällen gegen den amerikanischen Staat zu begleiten. Die„Tägliche Rundschau' leitet diesen Artikel mit den Worten «in:„Don unterrichteter Stelle wird uns geschrieben.' Es sei daher die Frage gestattet, ab etwa die Reichsregierung zu Ihren Vcröfcntlichungen sich jetzt wieder der„Täglichen Rund- schau', desselben Blattes bedient, da, in jeder Nummer nichts anderes zu tun hat, als die Reichsregierung und ihre Organe in der widerlichsten Weise mit Schmutz zu bespritzen.(Wir halten dos für ausgeschlosien. Red.) Oder aber Ist die unterrichtende Stelle. was bei der Abfasiung de» Artikels sehr naheliegend zu sein scheint, vielleicht in der Leitung des Treuhänders selbst zu suchen, und glaubt für diesen Fall die leitende Persönlich» k e i t des Treuhänders, auch bei der Veröffentlichung von amilichem Material ihr» politische Einstellung nicht mehr schset.hast verbergen zu sollen? Eine Freisprechung in Nainz. Main,. 19. Januar.(WTB.) Der Vorsitzende der Mainzer Zweigstelle der Reichsvermögensverwaltung und Vertreter des Reiches beim Oberkommando der französischen Rheinarmee. Ober» regicrungsrat L a n z. halte sich wegen angeblich ungehörigen Verhaltens gegenüber einem französischen General vor l>em französischen Militärgericht zu verantworten. b Die Besitzerin de» Hauses, in dem der General in Wiesbaden wohnt, hatte durch ihren auswärts wohnenden Bruder brieflich beim Reicbsministerium des Innern um Räumung der Wohnung nach- suchen lassen. Der Brief enthielt einige Bemerkungen gegen den General und gegen Frankreich, die von der Besatzungsbehördc als Beleidigung aufgefaßt wurden. Der Angeklagte hatte aus dem ihm vorschriftsmäßig auf dem Instanzenwege zugegangen Brief die beleidigenden Aüsdrücke entfernt und da» Schreiben dem Ober» kommandierenden der Rheinarmee vorgelegt. Nach Ansicht der An- klagcbehörde sollen sich in dem Brief aber noch einige Aiisdrücke de- funden haben, die als lingehöriges Verhalten unter Anklage gestellt wurden. Der Angeklagte bestritt entschieden, sich einer beleidigenden bzw. ungehörigen Haltung gegenüber der französischen Besatzungs- behörde schuldig gemacht zu haben. Der Militärstaatsanwalt bean» tragt? 1000 M. Geldstrafe, der Verteidiger Freisprechung. Das Gericht sprach den Angeklagten frei, weil ein subjektives Verschulden bzw. die beleidigende Absicht nicht vorliege. Die Not üer Leitungen. Der Verein Deutscher Z e it u n g» v e r l e g e r hat auf einer Tagung in Potsdam sich mit der außerordentlich drückenden Not der Zeitungen befaßt, die insbesondere infolge der hohen Preise für Druckpapier und seiner unzureichenden Lieferung aus das Schwerste bedroht sind. In einer Resolution, die sofortiges Eingreifen der Behörden fordert, macht- er folgende Vorschläge: 1. Sofortige und gänzliche Sperrung de rAusfuhroon Zell st off, bis die ausreichende Belieferung der Druckpapier» labriken im Inland zu angemessenen Preisen durchgeführt und ge» sichert ist: 2. Zeitige Sperrung der Ausfuhr sämtlicher P a p i e r a r t« n, mit Ausnahme der Luxuspapiere, bis das� Zci- tungs- und Buchdruckqewerb« im Inland dauernd und genügend mit" Papier versehen Ist: Z. Maßnahmen, die geeignet sind, eine Umgehung der die geordnete Papierausfuhr regelnden Bestimmungen zu verhindern: 4. Maßnahmen der Regierungen von Reich und Ländern zur Senkung der ständig steigenden Preis« für Papierholz. soweit es für die Herstellung des B-darfs der deutschen politischen Tageszeitungen an Druckpapier erforderlich ist: S. Befreiung der für' die Druckpapiererzeugung in wich- tigen Herstelliingsgebieten unentbehrlichen, bereits im Ursprungs- lande hochbesteuerten böhmischen Braunkohle von der deutschenKohlensteuer: ö. Sorge für bessere und beschleunigte Wogenge st ellung für das Zcitungspapier und die zu seiner Herstellung erforderlichen Rohstoffe: 7. Versetzung de» maschinenglatten Druckpapiers In die Tarif» klaffe B des Eisenbahngütertarifs, wie es der Reichstag bereits zwei- mal in Entschließungen gefordert hat. Unbedingt erforderlich ist außerdem: 8. die Beseitigung der ungerechten und durch nichts zu recht- fertigenden Sonderbe st euerung der Umsätze der Zei- tungsanzeigen Im Umsotzsteuergesetz und 9. die Unterlassung jeder weiteren Belastung der deutschen Presse durch behördliche und gesetzgeberische Maßnahmen, insbesondere der Erhöhung der Post'eitungsgebührcn., Der Verein hofft und erwartet, daß an Hand der oorgeschlage- nen und ähnlichen Maßnahmen es gelingen muß, dem Niedergang und der Vsrkümmening der deutschen politischen Tagespresse, die sich bereits in vielen Fällen erschreckend deutlich gezeigt haben, doch noch in letzter Stunde Einhalt zu tum Schlesischer fochaöel in Untersuchung. Wegen Hochverrat Da» Hamburger 8-Uh,-Abendblatt halte seinerzeit eine Anzahl oberlchlesiicher Adliger beschuldigt, die Geldgeber de» Korps Ober« l a n d zu'ein und der darin bestehenden Mordorganilalion. Der Oberstaatsanwalt bor nun, wie das„Hamburger Ewo' er- fährt, gegen Graf P r a i ch m a, Ergs S i« r S» o r v k und gegen die Gräfin S a u r m a- Jellsch da» Ermlttlung»oersahren wegen Hochverrat» eingeleitet._ Süüüeutsche Yolzarbeiterausfperruny. Die Verhandlungen in der Holzindustrie über ein« von den Arbeitern gefordert« S0prozentiqe Lohnerhöhung find endgültig gescheitert. Die Arbeitgeberverbänd« Württem- bergs und Baden» haben wegen de» ausaebroehenen Streiks die Aus- fperrung über sämtlich« Betrieb« oerhängt. tkover Pascha ist nach einer Reuter-Meldung aus Ersuchen der Regierung von Angora von der Sowjetbebörde verbaitet worden. er soll nach Angora gebracht und dort wegen Hochverrat» vor Ge» richt aetzellt werden. Ausweisung der Exkaiserin Zita. Den„Boster Nachrichten' zufolge ist der Exkaiserin Zita von der Schweizer Bundesbehörd« mitgeteilt worden, doh sie Innerhalb dreier Tage, von dem Tage an gerechnet, an dem der operierte Knabe von den Aerzten als außer Lebensgefahr stehend erklärt werde, die Schweiz z u verlassen habe. Wenn öas Reich Goto kaust. Kramend in Erinnerungen und Andenken vcrkrieglichcr Zelten, kommt mir ein Zehnmarkstück in die Finger. Sicher habe ich es einst als Talisman betrachte! und hernach vergessen. Ich gehe in die nächste Post, mache Augen wie ein Schaukel» pferd und ein Gesicht wie ein fideler Mops. Bescheiden stelle ich mich vor Schalter 3 und reiche das Goldstück dem Beamten. Dessen Gesicht glänzt. Dann höre ich das Zehnmarkstück ein halbes dutzend- mal aufschlagen, es ist ob seiner Echtheit geprüft und für echt be- funden. Der Beamte holt ein dickes Aktenbuch und blättert und liest und denkt nach. Daraus sagt«r:„Das verstehe ich nicht."„Ich och nich,' tröstet ein Beamter aus dem Nebenraum. Daraus werden Aktenstücke von Telegrammen, Verordnungen und Widerrufen hör- bcigeschleift. Alle Bemühungen bleiben resultatloe. Aus dem Neben- räum kommt ein Beamter und hält einen wissenschaftlichen Dortrag. Die Abfertigung stockt. Eine resolute Frau stemmt die Arme in die 5)üften und fragt:„Wal is denn nu passiert?" Ein begütigender Mann sagt:„Na, von all die Verordnungen kann man och fusselig im Kops werden.' Die Beamten suchen. Schalter 2 schließt. Die Wartenden verstärken die Reihe vor Schalter 3. Allgemeines Gemurmel. Laute Unterhaltung draußen und drinnen. Erregte Stimmen hinter Schalterfcnster 2:„Macht nich so'n Krach, wir haben hier Uebcrgobe.' Stimmen aus dem Publikum:„Na, wenn wir man wo: überjebcn könnten."„Steh'n hier wie de Affen." „ülach schlimmer, als wenn man uff de Elektrische wartet."„Een G!ü geheizt ist wenigstens, da tau ick mir'n bißchen usf." sagt ein Hausciener und geht an den Ofen.„Wenn det hier noch lange dauert, klauen se draußen mein Rad," jammert ein anderer. Der Verkehr stockt.„Na, Fräuleinchen, wat haben Se denn nu egent- lich," fragt teilnehmend ein Wartender. Ich kleinlaut:„Ich will ein Goldstück abliefern."„Mächen, laß Dir doch'n Zahn plombieren," schreit jemand aus der Menge. Mit einem Ruck wird Schalterfenster 3 geöfsnet und d«r De» amte sagt zu mir:„Gehen Sie, bitte, an Schalter 1." Von dort ruft jemand:„Wo ist die Dame mit dem Gold?" Daraus komplizierte Rechnung und Ausstellung eines Scheines.(Und das bei den heutigen Tinten- und Papierprciscnl) Damit wandere ich nach Schalter 3 und dort kriege ich endlich 360 M. Wütende Blicke fressen mich. Ja, es ist nicht so leicht, das letzte Goldstück loszuwerden, wenn Bureaukrotius die Hand im Spiele hat. Bureaukratius, der die leib» haftige Ordnung sein will, aber nur der Schutzheilige der Umstand» lichkeit ist. Sseftraße— Neukölln. Die neuen Untergrundbahnhöfe. Um d«n Uebergangsverkehr von einem Verkehrsmittel auf das andere in Groß-Berlin zu erleichtern, ist beabsichtigt, auch die Bahn- Höfe der Nordsüdbahn mit den Bahnhöfen der Hoch- und Unter- grundbahn und der Stadt- und Ringbahn zu verbinden und einen erleichterten Ueb ergang zu schaffen. In welcher Weise dieser Plan bei der Ringbahn durchgeführt werden soll, steht noch dahin, obwohl auch schon hier Perhandlungen schweben. Der Ucbergang von der Nordsüdbahn zur Hoch- und Unter- arundbahn bildet einen Teil des Vertrages mit der Hochbahngesell» schaft. Diesem Zweck dient auch das Bestreben, die Namen der Bahnhöfe der Nordsüdbahn derart zu wählen, daß sie möglichst mit den Bezeichnungen der Ringbahnhöfe und Hochbahnhöfe gleich- lauten. Um dieses Ziel zu errcicben, ist vom städtischen Verkehrsamt beabsichtigt, � die bisher vorgeschlagenen Namen der erwähnten Kreuzungs- und Ucbergangsbaimhöfe der Nordsüdbahn z» ändern und sie in Uabernnstimmung mit den gleichen Bahnhöfen der Hoch- bahn und der Ringbahn zu bringen. Demgemäß sollen die Bahn- Höfe der Nordsüdbahn folnende Bezeichnungen erhalten: l. See- stroße. 2. Leopoldp'atz, 8. Wedding(bisher Rinabahn). 4. Reinickendorfer Straße(bisher Weddina), 6. Schwartzkopffftraße, 6. Stettiner Bahnhof(bisher Invalidenfbrnfe), 7. Oranienburger Tor, 8. Fried- richstraße, 9. Französische Straße, l0. Leipziger Straße, 11. Kach- straße, 12. HalMches Tor(bisher Bcllc-Alliance-P'atz), 13. Gneifenau- straße. 14. Mittenmalder Straße(bisher Schleiermacherftraßc), 15. Kaifer-Friedrich-Platz. 16. Hermannplatz, 17. Fuldastraße, 18. Steinmetzstraß«, 19. Neukölln(bisher Südring).— Auch die Hochbahngefellfchaft beabsichtigt ihren Bahnbof„Fricdrichstraße" in .Leipziger Straße" mit Rücksicht aus den gleichen Bahnhof der Rordlüdbahn und ihren Bahnhof„Leipziger Platz" mit Rück- sicht auf den Potsdamer Ringbahnhof�n Bahnhof„Potsdamer Platz" umzubenennen. » Der Vertrag zwischen der städtischen Nordsüdbahn und der Hochbahnaasellschaft, über den wir bereits berichteten, ist fetzt a b- geschloffen worden. Die Hochbahngefellfchaft wird danach die Nordsüdbahn mit eigenem Perfonal und eigenem Waoen- Material betreiben. Der Vertrag ist auf 12 Jahre abgefcblossen worden, und man hofft, noch in diesem Jahre einen Teil der Sirecke eröffnen zu können. Einzclheilen des Vertrages belogen u. a., daß zunächst vierzehn Vierwagenzüge und vier Drei- waqcnzüge in Dienst gestellt werden: die Stadt liefert den elck- Irischen Strom, wogegen die Hochbokneefellschaft den Betrieb der elektrischen Unterwerke übernimmt. Der fiochbahnaefellschaft werden die Selbstkosten für die Unterhaltung der Wagen. Erneuerung. Abgaben usw. vergütet: für die allgemein« Verwaltung werden normal 30 Pf. für jeden auf der Nordsüdbahn gefahrenen Wagen- k'üomctcr erstattet. Tie Stadt behält sich die Festlegung der Fahrpreise vor: die Fahrkarten der Hochbahn gelten bei gleichen Tarifen auch für die Nordsüdbahn beim Umsteigcverkehr. Hciznngsstreitisskciken«zchörcn vor die Nnitssierichte. Das Kammergericht hat in einer Klage wegen des Er- lasse? einer einstweiligen Verfügung auf ordnungsmäßige Beheizung der Wohnung durch die Sammelhcizung des Lzauscs, die beim Landgericht anhängig gcmachl worden war. dahin erkannt, daß hierfür nicht das Landgericht, sondern das Amtsgericht zu- ständig ist. Nach§ 23 Z. 2 des Eerichtsverfassungsgcfctzcs gehören ohne Rücklicht auf den Wert des Streitgegenstandes zur Zuständigkeit der Amtsgerichte Streitigkeiten zwischen dem Ver- mieter und dem Mieter von Wah"räu»ien wegen Ueberlassung, Be- Nutzung und Räumung. Die.Beheizung der Wohnung gehört zu ihrer Benutzbarkeit und der vorliegende Antrag hat die Denutz-ing der Wohnung zum Gegenstände. Er gehört deshalb ohne Rücksicht aus den Wert des Streitgegenstandes vor das Amtsgericht. Das Verschulden eines Bauführers. Beim Ausbau der C o r p u s- C h r i st!- K i r ch e In der Thorner Straße 64 ereignete ssch am 24. Mai 1920 ein folgenschweres B a u u n g l ü ck: ein Gewölbe stürzte plötzlich ein und riß fünf Maurer mit in die Tiefe. Alle fünf erlitten zum Teil erhebliche Verletzungen: einer erlitt Rippenbrüche, ein anderer war 22 Wochen krank, am meisten gelitten hat aber der Maurer feleinmaus, der Krämpfe bekommen hat und an seinem linken Bein lahm geworden ist, sa daß seine Erwerbsföhigkeit fast vollständig geschwunden ist. Die Staatsanwaltschaft und d'» Schöffengericht bürdeten dem Bau- führer Otto Straube die Verantwortung für dos Unglück auf, und das Schöffengericht Bcrlin-Mi'te verurteilte ibn wegen fahr» lässiger Körperverletzung zu drei Monaten Gefängnis. Die Fahrlässigkeit wurde darin erblickt, daß der Angeklagt« von den Arbeltern auf bedenkliche im Gewölbe sich zei- gende Risse aufmerksam gemocht worden war, trotzdem aber weiterarbeiten ließ, indem er die Bedenken beschwichtigte. Die Bausachverständigen Bavrat Ochs, Professor Bernhardt und Ctadtbaurat B a e r w a l d konnten sich über die . eigentliche Ursache des Einsturzes nicht einigen. Das Gericht erblickte ! lediglich darin eine Fahrlässigkeit des Angeklagten, daß er trotz der � Weigerung der Arbeiter, weiter tälig zu fein, dem Bauleiter nicht Meldung erstattet, vielmehr auf eigene Verantwortung die Arbeiter zur Wcltcrarbeit veranlaßt hatte. Das erste Urteil wurde � dahin abgeändert, daß der Angeklagte zu 1000 Mark Geld» st r a f e verurteilt wurde._' Die neuen Tarife. Im Eisenbohncxpreßgutverkehr wird vom 1. Fe» bruar ab der bisherige Ki'omclcrtarif durch einen Staffeltarif ersetzt, der durch einen ävprozentigen Zuschlag zum jeweiligen Eil» auttarif gebildet wird. Die M i n d e st f r a ch t beträgt 12 M., Mindestgewicht für Frachtbercchnung 10 Kilogramm. Die Mindest- entfernung 10 Kilometer. Die Beträge werden auf volle Mark auf» gerundet. Auch die Fracht für beschleunigte» Eilgut wird vom 1. Februar ab nicht mehr durch Verdoppelung de» Gewichts, sondern nach dem einfachen, abgerundeten Gewicht für gewöhnfches Eilgut unter Zuschlag von 60 Prozent berechnet. Mindestfracht 20 M.. Mindestgewicht 20 Kilogramm. Damit sind die Tarife für Expreßgut und beschleunigtes Eilnut mit Rücksicht auf die Gleich- artigkeit der Beförderung gleichgestellt, mit Ausnahm« der geringen Unterschied« im Mindestgewicht. vestäligung der neugawähssen Skadkräle. Der Obcrpräsident hat die neugewählten unbesoldeten Stadträte des Der» liner Magistrats, den Rechtsanwalt Dr. T reitet(SPD.), den früheren Stadtverordneten, städtischen Werkbuchhalter Hermann Letz(KPD.), sowie die Stadlnarordneten Direktor Busch(W.) und Regiernngsrat Dr. Richter(Dnat. Vp.) bestätigt. Die Einführung der� Bestätigten in ihr Amt kann in der nächsten Sitzung der Stadt- verordnetenvcrfammlung vorgenommen werden. Vermißt wird seit dem 28. Ottober die 30 Jahre alte Tochter Erna des Schlächtermeisters Stein mann aus der Belziger Straße 8. Das junge Mädchen verließ an jenem Tage heimlich die Wohnung der Eltern und hat seitdem nichts mehr von sich hören lassen. Weil es früher einmal in Köln a. Rh. gewesen ist, so vermutete man. daß es sich dorthin begeben habe. Aber auch in Köln blieben die Nachforschungen der Kriminalpolizei und der Zen- tralstelle für Vermißte erfolglos. Die Berjchrvlmden«, ein hübsches Mädchen, ist 1.60 Meter groß und schlank, hat schwarzes Haar und bva-.ine Augen und trug, als sie wegging, ein braun gestreiftes Tuch- kieid, einen schwarzen Astrachanmantel, schwarze Halbschuhe und keine Kopfbedeckung.- Verloren: Am 18. d. 5)31». abend»»wi'Sen'Iß und 8 Ubr von der Llndeiistraße. Ecke bis zum Kino am ArNe-AMance-VInb schwarz« V c i u ch» d a» d t a l ch e. Indalt S Schlüssel. 100 Marl und etwa» Kleina eld lewic 1 Tnichentlich. Der chiliche Finder wird aeb-ten nur die Schlüssel abzuliefern, in der Duchhandiung„Vorwärt»', Lindcnstraäe 2. BezirkSbildnng»a»Sicbui, Mrob-Beriin. Frellaa, 20. Januar, abd». 7 ltbr im Kentrol-ßalgendbeim. llindenttr. 3, 2. Lwf 3 Trp. Konferenz der Kreisbildiingsauelchud-M'tglicder.?aac»oidi»lng: 1 liniere Stellung zum Film tNen. Bktcher, Nedaltrurl. 2. da» Lichtlpiclacictz(Wen. Nechts- anwalt Tirllcl), 3. Au»lvrache.— Sonntag, den b Fcbiuae, nachmittag» 3 Ubr im Neuen VolkSIdeatrr. K?venicker Str. 68,„Die Heuchler' nou P. Sbaw. KaUen k 6 60 M. eintchliesuich Kleiderablage und Tbeater- zetlel im kurean de» Vezlrksbildi ng»au»>chisslt» und im Bureau de» Verein» .Albciler-Iugrnd', Lindcnstr. 3, 2. Hof 2 Treppen. H»„Iugriidweibc Demprlbof. Mariendorf, Marienfelde. Lichten- radc. lürmeldung S»in abend. LI. Januar, nachm. 3 Uhr in TcmvelM, II. Wemcindclckule, Friedrich-Dilbelm-. Ecke Derderilraße. Im Anschtuh baran: Beginn de» Vorbercilungzuniei richte». Ellern haben slet» Fiilrllt. Jugendweihe am 26. März, vorm. 10 Ubr in Mariendorf, Gymnasium'. Wetter für morgen. Berlin nnd Nmgeaend. Ein wenia tälter. zeitweis« etwa» auskiarend, jedoch überwiegend nebelig bei mäßigen lüdösUlchen Winden, keine erheb- lichen SBicdcrfchlSgi._ Groft-Serliner parteinackrichtea. Morgen, Freitag, den 20. Januar: Nrutölla. SVD..Lebrcr. 7'/4 Uhr Versominlung Im geichensaal der 31. De- meindefchule, Ruttlistrohe. Dortrag dr« Genosse» k>r. Korsen:„Die De» nieinschoflsschule". Die EPD.-EItrrnbeirLIe sind herzlich«Ingelade». S. Abt. 7V, Uhr Sihuna dcr Funklionöre und Delrieb-vertraucnoleut» im Blirgcrheim, Alte Eck önhouler Str. 23— 24. 8. Abt. 7V4 Uhr Ertrozohlodend in den betonnten Lokalen. 4.1. Abt. T,» Uhr Bezirlsfiihicrsihung bei Schüttler» GrLfestr.», 125. Abt. Wcihcnsee 70, Ubr UN Geiangemot dr» Reatgyninamim« Wdlkgromenad« Dere.mmlung Erilffnrmfl des Etntbhrnnoetursus in da» Vorteixrograinm. 7e!lnobme fi'.r DarlelmitgUeb-r rmenlaeltl-ch. MUaliodobuch>11 vorrnzeloen. Wichtige Schrlversammlung. 7 Uhr Elternversommlung der Schulen Dochumcr und LeveSowstrohe in der Echulaulo Levehowstraße. Sief. Schulz-Lichtenberg. Der Moröplan ües Grafen Schlieffen. Görlitz. 18. Januar. In dcr gestrigen Derhandlung im Prozeß Schlieffen wurde nach der Vernehmung des Angeklagten der Briefwechsel der Gräfin Schlieffen verlesen. Die Briefe, die zum Teil sehr kompromittierend sind, behandeln Vermögensangelegenhejlen und im besonderen das Bestreben dcr Gräfin, eine Bcrmögensheirat zustande zu bringen. Gewisse Teile der Briefe raten sogar, Verdrehungen vorzunehmen, damit das Vermögen dem Eingriff der Kinder entzogen wird. Einer der Briese ist von dcr Gräfin, wie sie selbst zugibt, ent- warfen, von dem Grafen abgeschrieben und an R ö s f e l geschickt worden, der der Mittäterschaft an dem Mordplan bezichtigt wird. Rössel wurde aufgefordert, den Grafen Georg Wilhelm o. Schlieffen zu töten. Briese Rössels wieder beweisen, daß dieser fortdauernd Erpressungen durch Geldforderungen ausgeübt hat. Dann wird dcr 63>ährige Majoratsherr Graf Ernst Martin v. Schlieffen vernommen, dessen Sohn der 2Siährige Georg Wilhelm v. Schlieffen ist. Der alte Graf sagt über Dermögensangelegenheiten aus und schildert u. a. den Besuch, den der Angeklagte S t e n f ch k e dem Schlieffen gemacht hat. Nach der Aussage des Grafen wären im Falle der geglückten Sprengung mindestens 26 Personen um» Leben ge- kommen. Durch die vorhergehende Verhaftung der beiden Atten- tätcr in Berlin konnte jedoch die Katastrophe verhindert werden. Aus der Vernehmung des Angeklagten, des Handelsmanns Rössel, ist hervorzuheben, daß er nach feiner Behauptung die ganze Mordsach« niemals ernst genommen habe, fondern stets nur bestrebt gewesen war. von dem Grafen Schlieffen in Schöneberq Geld zu erpressen. Der Borsitzende treibt Rössel in die Enge durch den Hinweis daraus, daß er mit dem Tesching von Gör» litz über Berlin nach Güstrow aereist sei und durch Angabe eines falschen Namen» bei der Uebersiedlung in Neustrelitz und Güstrow sich verdächtig gemacht habe. Rössel behauptet, durch seine zahl- reichen Derzögerungen den Beweis aeliefert zu haben, daß es ihm nicht ernst gewesen sei.— Vors.: Weshalb zogen Sie Stenzke zu, wenn Ihnen die Sache nicht ernst war, und nahmen ihn für G«ld mit nach Schliessenberg?— Rössel: Ich zwang ihn nicht.—- Rössel behauptet sern«r. daß die Gräsin ihm auch lebhaft zugeredet habe. Sie habe Ihn gefragt, wie weit die Sache s«i und ihn mit Himvel, auf die halbe Million Belohnung anzutreiben versucht.— Bor s.i Wofür erhielten Sie von der Gräfin di« Brosche?— R ö s f« l: Für die Tat! j 1 GswerMastsbewegung Lohnregelung in öer karösserlebranche. Die In den Wogen- und Karosseriefabriken beschäftigten Arbetter Und Arbeiterinnen Groß-Berlin» nahmen am Mittwoch abend in einer überfüllten Versammlung Stellung zu dem Resultat der Lohn- Verhandlungen. Zunächst berichtete H e n s ch e l über die Einleitung der Verhandlungen. Die den Arbeitgebern schriftlich eingereichte Forderung einer Stundenzulage von 3,50 M. wurde brief- lich von diesen abgelehnt, und zwar mit der bekannten Be- gründung, daß die derzeitige Lage in der Industrie eine Erhöhung der Löhne nicht gestatte. Watzlawczyk berichtete über den Ler- lauf der Verhandlungen vor dem angerufenen Schlichtungoausschuß. Zunächst lehnten die Vertreter der Arbeitgeber auch hier jede Lohn. erhöhung ab. Endlich wurde nach langen Verhandlungen ein Spruch gefällt, der allen über 17 Fahre alten Arbeitern eine stündliche Lohn. »lag» von 50 Vf., den unter 17 Fahre alten von LS Pf. ab S. Fanuar und ferner ab 1. Februar dazu eine Teucrung-zulage von 50 bzw. LS Pf. bewilligt. Die Vertrauensleute der Organisation haben über diesen Spruch beraten und empfehlen seine Annahme. Doch sollen unverzüglich neue Forderungen gestellt werden. Für die Facharbeiter in Gruppe 1, die setzt einen Stundenlohn von 10,S0 M. und eine Teuerungszulage von 2,50 M. erhalten, würde sich der Stundenlohn nach der durch den Spruch gewährten Zulage ab 16. Fanuar auf 13,80 M. und ab 1. Februar auf 14 M. stellen. Ein Antrag, den Spruch abzulehnen und die Verhandlungs- kmnmission zu beauftragen, die Arbeiterschaft aufzufordern, nicht eher In die Vetrieb» zu gehen, bis die Forderung bewilligt ist, wurde mit erheblicher Mehrheit nach der Aussprache abgelehnt. Dagegen wurde»in Antrag der Vertrauensleute, den Spruch anzunehmen, ober Anfang Februar erneut Forderungen zu stellen, gegen eine starke Minderheit angenommen. UrbeitSkämpfe in England. Dondon, IS. Fanuar.(Intel.) Die vom Parlament zur Aus- stlhrung von Notstandsarbeiten bewilligten Kredite sind fast v ö l l i g e r s ch ö p f t. Die Arbeitslosigkeit wächst von Tag zu Tag. Falls nicht dringende Maßnahmen getroffen werden, ist mit einer rapiden Steigerung der A r b e i t s l o s e n z i s f e r zu recknen. Di« Dockarbeiter sind von einer Lohnherabsetzung um 3 Schilling pro Tag, die ihren Lohn a-uf 10 Schilling herunter- dringen würde, bedroht. Das Komitee der Arbeitgeber will diese Lohnrcduktion bereit» am 2. Februar in Kraft treten lassen. Der «m 24. Januar zusammentretende Landeskongrep der Dockarbeiter- union, die bisher ihren Mitgliedern schärf st en Protest gegen jede Lohnherabse syung empfohlen hat, wird zu der Lag« endgültig Stellung nehmen. De? Kampf um den Achtstundentag wird vor dem Nationalen Vureau für Lohn- und Arbeitsbestimmungen zwischen den Vertretern der schottifchen Eifenbahngesellschaften und der Eisen- bahnerunion fortgesetzt. Die schottischen Eisenbahnaesellfchaften haben ssch auf den Standpunkt gestellt, daß st« ein Recht haben. ihre Arbeiter nach Beliehen acht oder neun und sogar zehn Stunden arbeiten zu lassen. Vor dem Bureau für Lohn- und Ardeitsbestimmungen haben freilich ihre Vertreter zugeben müssen, daß es dem Achtstundentag zu verdanken ist, wenn dt« Zahl der Slrbeitslosen in England nicht ins Unermeßlich« gestiegen ist. Die Eisenbahnerunionen haben zahlreiche Verlamm- lungen abgehalten, in denen der Entschluß, für de» Acht- stundentag z> kämpfen, zum Ausdruck kam. Die Lohnbewegung In Weingroßhandlungen und LlkSrbetrieben beschäftigte am Mittwoch die Kellerarbeiter und-orbeiterinnen sowie die Ehailffaure und Kutscher aus den genannten Betrieben. Die direkten Verhandlungen mit den Arbeitgebern, die auf eine Lohn- erhöhung von LS Proz. abzielten, verliefen ergebnislos. Der Transportarbeiterverband rief deshalb den Schlichtungsausschuß an. Ucber die Verhandlungen vor diesem berichtete L i e h« n o w. Es kam ein Beraleieb zustand«, wonach mit Wirdunq ab 1. Januar die bestehenden Lohnfäfc« ssch pr o Woche erhöhen sollen für männliche Arbeiter um V0 M., für weibliche Arbeiter um 7S M. und für Jugendliche um SS M. Das Abkommen soll bis zum LS. Februar gelten. Die Berhandlungskommifsion empfiehlt sie Annahme des Vergleichs. Nach einer lebhaften Diskussion nahm die V«r- sommlung den Vergleich gegen wenige Stimmen an.— Aus der letzten Versammlung ist nachzutragen, daß zum Branchenlciter wieder Ulrich und zu seinem Stellvertreter Zwanzig gewählt wurde. In der Krefeld er Seldenlndustrle ist, wie dem..Konfektionär' gedrahtet wird,«ine Lohnibewegung im Gange. Die Weberverbände verlangen eine SOprozentige Erhöhung der Teue- ? u n g» z» l a g«. Die Arbeitgeber find nur zu ewer B e r l ä n g e« r u n g der bisherigen Zulage bereit Falls nicht vor dem Ablauf der derzeitigen Tarifverträge am 20. Januar Verhandlungen beginnen, find ernste Folgen zu befürchten. Die Leipziger Skraßenbahner sind wegen Lohnforderungen in den Streik getreten. Im tschechischen Bergbau bringt der neu« Kollektivvertrag den Bergarbeitern wesentliche Verschlechterungen. Di« für die Ein- und Ausfahrt in Rechnung gestellte Zeit wird herabgesetzt, der Zuschlag für die Sonntagsschichten statt mit 100 mit 50 Proz. fest- gesetzt, sie Ueberstunden werden statt mit 50 mit 2S Proz. vergütet, für eine Leistung von 7,7S Meterzentner pro Mann und Schicht wird der Heuerlohn 58 Kronen betragen. Die Vertreter der koalierten Bergarbeiterverbände faßten auf einer Konferenz in Teplitz den Be- schluß, gegen die 5>erabsetzung der Löhn« im nordböhmischen Braun- kohlenrevier nötigenfalll» mit der Arveitsein- st e l l u n g anzukämpfen. Die Arbeitslosigkeit in Ikallen. Roch den Zusammenstellungen der Provinzialbehörden zählte Italien am 1. Dezember 1921 insgesamt S12 280 Arbeitslose, davon 104 816 Frauen. Im November ist eine Zunahme der Arbeitslosigkeit um 19 892 Personen ein- getreten. Wirtschast Kosten des Ilahrungsmikkelauswandes. Dtr Hoffnung, baß durch den Rückschlag, der Anfang De- zember 1921 am Devisenmarkte eintrat und eine vorübergehende Steigerung der Kaufkraft der deutschen Mark an den Auslands« märklen brachte, sich auch die Kaufkraft unseres Gelbes im Jnlande heben würde, bat sich bekanntlich nicht erfüllt. Der Monat De- zember hat eine weitere Steigerung der LebenShaltungS- kosten gebracht. Nach der jetzt vorliegenden Lebensmittel- preiSstatistik Richard Ealwers für rund 200 Plätze des Deutschen Reiches betrugen die Kosten des NohrungSmitielaufwandeS einer vierköpstgen Familie, Eltern und zwei Kinder, im Dezember wöchent- lich S14,S3 M. gegen 478,89 M. im November und 369,75 M. im Dezember 1920. Im Vergleich zum letzten Monat der Vorkriegszeit sind die Kosten der Ernährung nach diesen Erhebungen auf mehr als das Zwanzigfache gestiegen. In den einzelnen Monaten ergaben sich folgende Schwanlungen: Gegen Anfang 1919 rund Achtfache gestiegen. ist der Nahrungsmittelaufwand auf das Englisch« Sorgen wegen der deutschen Konkvrrenz. DI«„Cologne Post" meldet folgende interessante Einzelheiten über die Auswirkung der deutschen Schleuderkonkurrenz: Die Arbeitnehmer in einer der führenden Industrien von Aberdeen in Schottland, in der Granit- Industrie zur Herstellung von Denkmälern, Grabsteinen usw., sind von einer drohenden Lohnverkürzung in Kenntnis gesetzt wor- den, die 3 bis 4 Pence pro Stunde je nach Arbeitsleistung betragen soll. Die Ursache dieser Lohnoerminderung ist einmal die, daß keine Aufträge für Grabsteine oder Kriegerdenkmäler vorliegen. Di« Ar- beitgeber hatten keinen Erfolg damit, die Kriegergräberkommission zum Abschluß eines Vertrages zu bestimmen. Die Deutschen stellen zurzeit die allerernsteste Konkurrenz dar. Es wird berichtet, daß amerikanische Großhändler, die früher große Mengen von Abcrdeener Granit zu kaufen pflegten, für 10 000 Pfund Sterling Grabsteine gekauft haben, die au» skandinavischem Granit hergestellt waren. Und damit nicht genug, beziehen große englische Städte Grab- steine und selbst Grabdenkmäler aus Deutschland billiger als die Zlberdeener Firmen bei den heutigen Löhnen produzieren können. Die lleberfremdungsgcfahr in Bayern. Im bayerischen Landtag hat der Handelsminister Hamm im Rahmen einer zweistündigen Rede über wirtschaftliche Fragen mitgeteilt, daß die Ueberfremdungs- gefahr nicht zu gering zu schätzen sei und daß in München im letzten Jahre über SOOHäuser im Werte von 144 Millionen Mark in den Besitz von Ausländern übergegangen feien. Der Minister bezeichnete als wünschenswert die Beteiligung von außerbayerischem deutschen Kapital an der bayerischen Industrie, weil Bayern nicht die ausreichenden Kapitalskräfte zur Lösung großer Aufgaben aus- hingen könne. /lus öer Partei. Seldeakwerwng und Parteibeilräge. Die Geldentwertung hat den Parteigenossen Veranlaffung gegeben, die Finanzen ihrer politischen Organisation etwas ins Gleickigewicbr zu bringen. Ja den meisten Bezirken wurde der wöchentliche Partei- beitrag auf 1 Mark für männliche und 50 bis 60 Pf. für weibliche Mitglieder festgesetzt und wird seit Jahres- beginn auch erhoben. In drei Bezirken erklärten sich die Genossen bereit, 1.50 M. für männliche nnd 80 Pf. bis 1 M. für weibliche Mnglieder zu zahlen. Nur im Bezirk Franken werden 60 Pf-, in Mecklenburg, Baden, Chemnitz, Hannover, München und Oberpfolz 80 Pf. und 1 M. gezahlt. In Kirn n. d. Nahe beschloß die zu- meist auS Steinbruch- und Lederarbeitern zusammengesetzte Mit« gliedichast einstimmig einen Wochenbeitrag für männliche Mitglieder von 2 Mark und 50 Pfennig Lokalzu schlag, in Saarbrücken ab 15. Januar für männliche Mitglieder 2 M.» für weibliche 1 M., mit den, Zusatz, bessergestellte Genossen seien verpflichtet, durch Leistung freiwilliger Beiträge die Parteikafle.so zu stärken, daß sie aus eigenen Mitteln die Kosten kommender Kämpfe bestreiten könne. So wie die Berhällnisse sich wcirer ent« wickeln, ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Genoflen mit den niederen Beiträgen die Finanzgebarung der Partei durch Zahlung böheret Beiträge verbeflern. «erantw. für den redakt. Teil: Franz«IfiHa. Derlin-Llchirrfrlde; für An- zrigen: Td- Slackc, Berlin. Beriag Vorwiirt». Bering0. Eichwald«. Kchmöckwlßt» ü t h n, r. Bahnhofstr. 69. Erkner: Aider- N-rnick» örtedrichstr. 21. Fichten»»:« r a e ß k e, Bismarckstr. 1.., > trnoe:,: s II l z w 4 n n, ffoltenberg, Gartenstadtstr. 18. FrledenaN: Rheinstr. 27, Ecke Rönnedergstraße. Fredersdori-Pelersdagen: U'tenwaller Belershagen Frledrichshagen: H, f f m» n n. Friedrichshageir, Kurze Straße I. Srünan: st ISN, Klein Frlebrlchstr.>0. Halenfee, Grunewald: Halensee, Ivhann-Sigismund-Ste. 13. Kerzselte: Martin Smolidowsti. Senalosdo-i: E m m u: a> Rothe,-austr 7. Hohennencndorf: E t e g e 1 1 s. Biomarckstraße. Sohauaisldat Stwin Gammi'iv Bisntacckstr 8. Karlehorst: Frau Stank». Henilgstr. 82. vorn parterre. Kaulsdorf: L i e h I g, Finsterbcrger Str. 14. Königswustcrhaafen: E. Mener, Potsdamer Str. 9. «opcnick, Hirschgarten: Schlag,«ießer Str. 6(Laden). Deöffuet v,n 9—6 Uhr. üichtrudcr» 1: Lichtender«. WartenbergHr. l.«llfsnet »au 9-6 Uhr Llchtenderg U,«»mmeledurg, Stralru:«ichleuber«, Box. Hagener Str. 62. Geöffnet oon 9—6 Uhr. Achte nderg lu. Fried rtchsseld«: Frauktnrter Alle« 132. Laden. W i ch u r». Saiser-Fried rich-Str. 9. H. W« n« 9 t. Lankwitz Kaiser- Lichtenrade: Franz Restaurant. Llchteilelde-Ost, Lankwlß: Dildelm-Etr 5. L!chtets:ld«-West: Hindenburadamm 58. Mahlaborf: 2 m 1 1 Rausch, uemkestr. 25. Marieudors! A u» u st L e> p Ghausteestr. 29. Martenseld«: Berliner Sir. 145. Reuruhageo v» a, l e Kiegelstr. N. Neukölln: Neckarstr. 2. Geöffnet von 9—6 Uhr. Neulilln-Briß: Siegfeiedstr. 28/29. Geöffnet von 9—6 Uhr. Riederfchöneweide: H a r I r a m p f. Brstckenftr. 10 N. Riederfchönhauseu, Nordend: D d z d» w S k i, Niederschön- Hausen. Treskowstr. 27. Rawawe»-. Kar, Krodnd»ra Ellendabnstr>0. vrauienburg: Helnr. Loenhardt. Siralfunder Str. 6. OlxrlckiöarweiS«, Rodert Baut Mathildenstr. 6. Pankow! R t st m a n n Mllhlenftr. 78. -Potsdam: Frau Lack. Kiirlllrftenftraße ll. Rahnodork- Z» ch e r i Forststr. 7. Reluickendori-Oft SchlahoU: Albert«aßl» Provinz straste 56 rLadeni Netnickrndoif-Rofenthal: W. Pur» Prtnj-Heinrlch-Str. 84 Schmargrndors! N e h a h Breite Str. 4. Schöneberg: Beiziger Str. 27. Geöffnet oon 9—6 Uhr. „ Kühn. Hauptstr. II. Gen,!», Mittenwal»«, Schenkeodorf, NIebeelehm«, Neue «ühle, Keruodors, Eadi-w: Fried,»»lt. Sengig. Ghauffiestr. 54. eirmengstadt: Stein Rannendamm-Alle« 99«. Spandau: Liudenufer 84. Staaken: B 5 I k e l, Gschenwinkel 16. «tegliß: Winter. Schloßstr. 97. TLdeude- Ludwig balotestr 86 regel, Borstawalde, Relnlckendorf-West, waldmanualust, Frele Schale, Hermodors. Birkenwerder.«ergs-ld-, Stolpe, Borgsdo.I und Heinersdors: Borsigwalde. Rckufch- straße 16. Geöffnet oon 9—6 Uhr. retto«! H ä s- l. Ritterstr. 29. Tempelhos: Kaifer-Wilhelm-Str. lll. Tempelhos: Kandier. Hohenzollerniorso Ii. Tredbi»! Döring, Bahnhosstr. 62. Treptow: Si r a m e n z Kiefbal-.Nr 412. vor» 1 Tr. Weißraser: M e n e r, Berliner Allee 54. S i I l m a n n. Garmen-Sillpa-Etr. 57. Wildau-Hohenlehme: R n d. L e 1 1 o w. Wilhrln-.shagen. Hestenwinkel: Schulz«,»ilhelmohagen. Wilhelmstr. 81.. Wlliuersdo f: volsleiirlfche Str. l». rabinger Str. 2». Wittenau: Wllh. stimmermann Rofenthalrr Str. 4ch SoUerodorf, Schurbaum Sidiendamm 22. stedleadorl Sd>I-ck»eaI" Rikal-slee, W» a a e r stehlen- darf Zeltower Str. 8. F-ulheu, Nieradors: A. Behling, Bahnhosstr. 2. -jollen: Ulbert Stet» tvituenwald««tr. 17. Sämtlich, Literat» lamie-0» wistenlchakttichen«erb, werden geliefert. «,»»t«a« sind die GetchSstastelle» ae'chlale».