Nr. 34 ♦ Zch.�tchrgang flusgabe SZ Nr. 17 BezugSpreiSt MkrtkllShr�.�.- itk.. mona».«.—« irn ms»nus. oorou« zahlbar. Post» brzug: Monallich A.— A!» rinschl� Zu» ftrUirngsflüMihr. Unter Hrruzbon» Tür Deutschland. Danztg. da» Eaar- tm» M-niel.— M. Watte liben Id Buchsladen zilhlen fflr zwei Watte. Foniilien-An- -eigen illr Abonnenten Zeile 4.— M. Vir Preise verliehen sich einschliehlich� Truerungstuschlag. Anzeigen wr die nöchsle Rümmer milsien b!» 4'/, Ahr nachmittag» im Hauptgeschdii. Berlin EW«». Linden. slraße 3. abgegeben werden. Geöffnet von» Uhr lrijh bi,» Uhr abend». �entralorgan äer so�ialÄemokrati scken Partei Veutfcklancls -sz» Neüaktion unü Expedition: CW 08. Ltnöenftr. Z S?l-e-ni»,,-<>rl,or- Nedaktion riarichpla«»7 z>rrn,p»Ori,rr. Marii-vlan, Freitag, den 30. Januar 1933 vorwärtsoverlag G.m.b.H., Sw öS, LinSenstr. 3 &rrtttlir<*rh<>r• Vorlag, chöxvrdition und 3m'cratrii. Jltiiciiung Morivplav 11753-54 Eine zweite Rede poincares. Paris, 2S.?anuar. flvTD.) Nach den MsrgenblZttern ist die Prioriläi dcr Tagesordnung Arego, die während der Sitzung verkündet wurde, nlchl mit 47Z gegen 107. sondern mit 434 gegen 74 Stimmen bei 74 Enthaltungen ausgesprochen worden. Die Verlrcumstageserdnvng selbst wurde mit großer Mehrheit an» genommen. Segen die Priorität der lagcsordnul.g Arago haben gestimmt: 2 Kommunisten, 52 Sozialisten. 5 republikanische Sozialisten, darunter auch hennessy. S Radikale, 7 Lbgeordnete, die keiner Partei angehScen. 74 Abgeordnete haben sich der Abstimmung enthalten, nämNch 12 republitanischr Sozialisten. 53 Radikale, 4 Mit» giieter der demokralllch-republitallischen Linken und MIlglirder der republikanischen und sozialistischen Zraktion, 1 Mitglied der Partei Arago, 3 Mitglieder, die keiner Partei angehören und schließlich der Kammerpräsident, der die Sitzung leitete. « pari», S0. Januar. sWTB.) vor dcr bereit« gemeldeten An» nähme der Dertraucnstoqrsordnung Arago ergriff nochmals P o i n. c q r e das Wort. Er führte aus-. Sie hoben mich nicht nach meiner Vergangenheit, sondern nach meinen zukünftigen Handlungen zu be» urteilen, aber ich habe nichts zu desavouieren, denn ich wollte stet» dem Lande dienen.?ch war Ministerprästdent. als die ersten Wolken a»f dem Balkan auffliegen Mit dem Präsidenten dcr Republik flallillres und dein Bcifland aller Deputierten haben wir uns bemüht. die Gefahr zu beschwören. Segen den Millen dcr sranzäsifchen Re- girrurg ls! der Krieg ausgebrochen.(Lebhafter Beifall mit Ausnahme der äußersten Linken. Alle Abgeordneten erheben sich und klatschen Poincnre Beifall.) Wenn ich der Mann wäre, als den mich Cechin hingestellt hat, so würde ich mich selbst verabfcheueul' (Lebhafter Beifall.(Don dcr Linken wird gerufen:»Die Geschichte wird urteilenl*) Pomeore fährt fort:»Ich fürchte das Urteil der Geschichte nicht, aber ich haste die Geschichtsfälscher.(Beifall.) Al, der lirdeg gegen Frankreich erklärt wurde, war mein einziger Wunsch, den Sieg mit dem Beistand alier im Burgfrieden stcherzustellcn. Mi» uistcr aller Parteien wurden berufen, um mit dem Prästdenten der Republik zu arbeiten, heute würde ich keine Aufgabe übernehmen. die nicht einer nationalen Einigkeit entspränge. In der .�ufammenscht'ng meine» Kabinett» hätte ich gern noch klarer diesen Wunsch nach Ausommcnnrbeit ausgedrückt. Es hing nicht von mir ab. daß das nicht möglich gewesen ist. Unser» Politik muß den schweren Problemen dcr Außenpolitik untergeordnet werden. Ich apxe",,!,<,» die Unparteilichkeit aller. Im Innern verlangen wir, daß die Präsetten mit Gerechtigkeit ihr Amt verwalten."(Es wird auf der äußersten Linken gelacht.) Pcincarö fragt:„Wem gilt diese» Lochen?"(Bon der äußersten Linken wird gerufen:.Dem nationalen Block!") Polncare fährt fort: „Wenn dieses Lochen gegen mich gerichtet gewesen wäre, so würde ich antworten, daß ich immer ein Llnksrepublikaner gewesen bin, daß ich, ohne mich um' Lob und Tadel zu kümmern, mir selbst treu bleiben wußte, und daß ich die republikanischen Institutionen gegen jeden Anariff oerteidigen werde." fach in ruft:„Was werden die Reaktionäre denken? Po in rare antwortet:„Ich rede nicht, um Beifall zu ernten, ich rede, um zu sagen, wa» ich denke."(Lebhafter Beifall auf last allen Bänken.) Der Ministerprästdent ging dann dazu über, die mimstenelle Erklärung zu kommentieren. Die Regierung habe nur ein Ziel: die Ausführung des Friedensoertrages von Ver» faUIcs. Man müsse anerkennen, daß dies das gemeinsame Jnter» esse Frankreich, und Englands sei. nur über die Ausführungs» Methoden gebe es Meinungsverschiedenheiten. Cr habe nichts von dem zurückzunehmen, was'er geschrieben Hobe. Er habe geglaubt, daß die seit ungefähr zwei Jahren zur Anwendung gebrachte Methode der häufigen Zusammenkünste, da, was man pomphast de» Oberste« Rat nenne. nicht die sicherste Art sei, zur Lösung zu gelangen. Cr glaube, daß die Akten st u d i e r t werden müßten und daß man vorher auf dem gewöhnlichen dip'omatischen Wege Dorbereitungen treffen müsse, damit jedes Mißverständnis, jede Jmprovisierung und jede Uelerraschung ausgesch'osten seien.(Beifall in der Mitte.) Cr wisse ganz genau, daß die Konferenzen, wie die von Cannes, nicht von der fronzösischen Regierung verlangt worden feien. In der BerschwiegenheltderKabinette müßte die diplomatische Arbeit vollbracht werden und die Konferenzen müßten viel mehr das Abkommen besiegeln als es vorbereiten. Nach dem Kriege neige- jeöer dazu, nur seine eigenen Leiden zu erkennen, Frankreich aber habe das Recht zu sagen, daß e» am stärksten gelitten habe. Die heroischen französischen Soldaten hätten stch zweifelsohne für Frank» reich töten lasten, aber auch zweifelsohne für die Rationen, die erst später sich ihm anzesiMosten hätten. Die Finanzlage Frankreichs erfordere gebieterisch, daß alles. was bezahlt werden könne, bezahlt werde. Aber selbst mit dem drückendsten Budget könne das Defizit nicht gedeckt werden, wenn Frankreich nicht die beträchtlichen varfchüste zurückerhaite, die es für Deutschland gemacht habe. Die Krlegsschuide» seien ans syslemakische Verwüstungen znrückznsühre«. Eine offizielle Broschüre stelle fest, daß ein Einverständnis bestanden habe zwischen dem deutschen Generalstab und dem deutschen Groß» Handel, Frankreich, Industrie und sein« Webereien Konferenz öer Ministerpräjlöenten. Die Ministerpräsidenten der deutschen Länder sind heute vormittag 11 Uhr in der Reichskanzlei zu» sammengetreten und haben zunächst einen Dortrag Dr. Rathenaus über die Verhandlungen von Cannes ent» gegengenommen. Die sür heute vormittag angesetzte Sitzung des Aus» wärtigen Ausschusses wurde wegen der gleichzeitig statt» sindenden Konserenz der deutschen Ministerpräsidenten aus Montag vormittag 10 Uhr verschoben. zu vernichten und damit natürlich Frankreichs Macht.(Leb- haster Beifall.) Poincare fuhr fort: Jeder Verzicht auf unsere Forderung wäre eine Ermutigung dazu, ouss neue zu beginne». (Lange anhaltender Beisoll aus allen Bänken mit Ausnahme der äußersten Linken.) Ich weiß sehr gut, daß Deutschland be- hauptct, daß es für den Krieg nicht verantwortlich sei. Eine Postkarte, die von Wilhelm unterzeichnet ist, trägt die Worte: „Die Behauptung, daß Deutschland den Krieg verursacht hat, ist eine schamlose Lüge." Diese Lüge nehmen wir auf unsere Schultern. (Lebhafter Beifall.) Die Geschichte wird Deulschiand unter der Mit- schuld Oesterreichs für den Krieg veraniworllich erklären. Deutsch- (and hat die Kriegsschäden durch die Mißhandlung der Frauen, der Greise und der pastagiere der Handelsschiffe erschwert, und die Interalliierte suriltische Kommission für die Kriegsbeschuldigten hat entschieden, daß die Beschuldigten gemäß den Bestimmungen des Friedensvertrages von Versailles ausgeliefert werden sollen. Die französische Regierung ist der Ansicht, daß die Auslieferung der kriegsbeschuidiglen so bald wie möglich verlangt werden muß. Weigert sich Deutschland, dann sind im Friedensvertrag Strafmaßnahmen vorgesehen. Das wäre dann eine neue Derfehlung, die vor allen Dingen eine neue hinaus- schicbung der Räumung des linken Rheinnfers nach sich ziehen würde. Wa, di« Reparationen anbetrifst. so konnte die Repa- rationskammissian nur einstimmig eine En lcheidunq annehmen, die die Reparationen verbindet, die un» aeschuldet werden. Die Repa- rastonskommission hat einen Aufschub bewilligt, aber di« Alliierten müssen von Deulschlan'o gewiste Zahlung'garantien verlangen. Frankreich kann von seinen Forde nngen nichts aufgeben; es wird auch den GrundlaK der vriorität zugunsten seines verbündeten Belgien anfrechlerhallen. Deutschland hat nicht das Recht, die Revision des Friedensoertroges, den es unterzeichitst hat, zu verlangen. Es darf das nicht einmal auf Umwegen tun. Ein Zwischenspiel. B r i a n d ruft: In Genua kann es das nicht tun! P o i n r a r ä antwortet: Zwingen Si« mich nicht, auf Einzel- Helten einzugehen. D r i a n d erwidert: Di« Tagesordnung der Konferenz, die sorg- som vorbereitet wurde, hat entschieden, daß dies« Konserenz ein« rein wirstchaftliche und finanzielle lein wird, daß in keinem Augenblick die unterzeichneten Berträg« diskutiert werden können und daß die Reparationsfrage nicht auf der Taaesordnung stehen wird. P o i n c a r 6 antwortet: Deulsch'and wird indirekt oersuchen, di« Frage auszuwerfen, und deshalb hat der Reichskanzler sagen können, daß Deutschland sein Ziel«reicht Hab«. Sagen Sie, daß Frankreich und die Alliierten nicht gewollt lmben daß der Friedens- nertraa von Versailles in Genua in Frage gestellt werde; aber sagen Sie nicht, daß Deut'chland das nicht gewollt Habel Driand erbebt sich und erklärt: Wir und unsere Alliierten würden alsdann nicht zöaern, uns von d«r Konferenz zurückzuziehen. wann Deutschland eine solch« Haltung einnehmen wollte.(Beifall.) Der lozialisti'che Abg. Blum: Es Ist sicher, daß Deutschland die Fraae stellen wird! Polncare antwortet: Sie haben vollkommen rechk. denn ohne hles würde ihm die Konferenz von Genua zu nichl» dienen. Der Abg. Blum präzisiert das. was er vorher gesagt hat, Indem er hinzufügt: Di? sind der Ilnsi-W daß das Reparallonsproblem von dem allgemein?» Problem der Wladeraufrichtunq Europa» abhängt. Der Abg. h e r r I o t ruft dazwischen und zahlreiche Abgeordnet« stimmen ibm zu: ReinI Rein! Der Abg. Blum erwidert: Aber das lst doch der Gedanke, der dl« Konferenz von Genua infpirierk hat.(Beifall links.) Polnearä fährt fort: Driand bat gesagt, daß alle Garantien in Cannes gegen Deutschland- getroffen seien, alle Borstchtsmaß» nahmen würden von Frankreich ergriffen werden. Das Rußland anbelreffe, ft habe man ebenfalls In Cannes Garantien geschaffen, namentlich wa» die Anerkennung der Schulden betreff«. Es wäre aber logischer gewesen, wenn die Annahm« dieser Bedinqunaen dcr Einladung vor- ausgegangen wäre, aber vor jeder Diskussion müßten sie unmißverständlich angenommen werden. Heber diesen Dunkt werde sich Frankreich im voraus mit seinen Alliierten ver- ständigen. ver Ministerpräsident spricht alsdann von der Angara- Angelegenheit. Dieses Abkommen habe die Ruh« im Orient zwischen den Türken und den Franzosen hergestellt, aber nach der Schnecschwelz» könnten di« Feindseligkeiten zwischen Griechenland und den Kemalisten wieder ausgenommen werden. Da» also ge» schehen sei, soi nur provisorisch. Der vollkommene Friede müsse erste noch wiederhergestellt werden. In der Tanger-An» g e l e g e n h e i t werde di« französische Regierung versuchen, ein« befriedigende Lösung zu finden, um jede« Mißverständnis zwischen Frankreich und England zu beseitigen. Wie Lloyd Georg« sei auch er der Ansicht, daß der sranzösisch-brillsche paN die Krönung der Anstrengungen sein müsse, di« von beiden Selten unternommen würden. Ein derartiger Bertrag liege nicht nur im Interesse Frankreichs allein, ebensowenig wie er im Interesse Groß- britannien» allein liege. Wie Präsident Wilson erklärt«, sei� die Grenz« Frankreich» und Belgien» die Grenze sichere die Freiheit England» Grenz« Frankreich» und Belgien» die Grenz« der'Freihoit. Dies« Grenze sichere die Freiheit England» ebensolehr wie die Freiheit Frankreich». In einem derartigen vertrage gebe e» weder Beschüher noch Beschützte(allgemeiner vcifalll), sondern e» gebe Freund« und Assoziierte; aber in dieser Gemeinschaft müsse soweit al» möglich allen Anzeichen neuer Konflikte vorgebeugt werden. Der Ministerpräsident spricht alsdann von den mllllärifchen Vorbereitungen in Denlschland. Die Sozialisten hällrn erklärt, daß ihre französischen Freunde von den deutschen Arbeitern mit Beifall begriißl wurden; dieselben Arbeiter hätten aber Haubitzen versteckt. Der Abg Paul Boncourt ruft dazwischen:„Ohne die beut» schen Gewerkschaften hätte General Rollet seine Aufgabe nicht durch- führen können!" Poincare erwidert:„Aber in einem Berichte des Generals Rollet finde ich diele Tatsache verzeichnet. Die Alliierten seien ner» pflichtet gewesen, stch Bürgschaften gegen Deutschla-id zu verschaffen. Er wolle gern annehmen, daß Deutschland stch demokratisiere und pazifistisch werde. Aber inzwischen müsse er, wie Briand da» m Washington gesagt habe, seslstellcn. daß Deutschland weder moralisch noch materiell abgerüstek habe"(!) Der Abg. C h a u s s a t ruft:„Warum haben Sie dem deutschen Heere gestattet, seine Waffen zu behalten, anstatt es ans dem Schlacht- felde zu entwaffnen?" P a i n c a r 4 erwidert:„Der Präsident der Republik unter- eichnet keinen Waffenstillstand. Sie werden nirgends seine Unter- trist sehen." Abg. B a r t h a u ruft:„Pontius PIlatu»l" Der Kammerpräsident erklärt, ein« derartige Haltung fei einer Bvltsoertrcwng unwürdig. P o i n c a r ä fährt fort, er wolle nur für Dinge verantwortltch fein, die er unternommen habe. Als ein Mitglied der äußersten Linken„Staatsgerichts- h o fi" ruft, entsteht großer Lärm. Die Linke und die Rechte bombardieren einander mit Zwischenrufen. Schließlich erklärt Poincare, Frankreich müsse diese Der- Handlungen mit seinen Alliierten fortsetzen, gestützt oui leinen eigenen Wert, und mit allen seinen Freunden auf dem Fuße der Gleichheit sprechen. Der Vertrag von Versailles verknüpfe alle, er binde alle untereinander, wie er Deutschland den Alliierten gegenüber binde. (Lebhafter Beifall.) Tie Haltung der Radikalen. hierauf ergreift Alig. hetriot das Wort. Ucber verschiedene Fragen der inneren Politik seien die Radikalen mit dem Ministerium nicht einverstanden. Wa» die äußere Politik betreffe, so seien sse der Ansicht, daß die Konferenzen der Gehcimdiplomatie vorzuziehen seien. Die Konferenz von Genua lei zu begrüßen, auch daß Ruß- land dort vertreten fei. hier sei das einzig« Mittel gegeben, um Rußland dem deutschen Einfluß zu entziehen. Wenn ein Mann wie Lloyd George eine jo folgenschwere Entscheidung tresse, könne Frankreich sich nicht desinteressierm, aber es dürfe die Frage dcr Reparationen nicht mit der Frage des wirtichastlichen Wiederaus» bau» von Europa oerbinden lassen. Deutscyland, unter Mit- schuld der englischen Finanz, suche nach einem Mittel, diese beiden Fragen miteinander zu oerquicken. Das sei dieser Tag? klar aus den Worten heroorgegangen. die Reichskanzler W i r t h vor einer großen Reichstagskommission gesprochen habe. Wenn man die Schwäche besitzen würde, Deutschland zu gestatten, die Re- parationssrage wieder auszunüen, so würde man ein Unrecht begehen. Diese» Manöver müsse die französische Regierung zunichte machen. In Hamburg habe er gesehen, daß Deutschland seine han- delsslotte wieder aufbaue, die in fünf Jahren das sein werde, wa» sie vor dem Kriege gewesen sei.(» Die Reparationen könne Deutsch« land nur zahlen, wenn Handel und Industrie die unerläßliaien Opfer brächten, sizerriot erklärt« zum Schluß, in der äußeren Politik könne man st et» aus die Unter st ützung der radikalen Partei zählen. Darauf wurde, wie bereit» gemeldet, die v ertrau enstagtsords nung Arago angenommen. Englische Stimmen gegen pokncarö. London, 20. Januar.(WTB.) Zu der Behauptung Paincaräs, daß man befugt sein werde, zu erklären, der Termin für die Räumung de» linken Rheinuser» habe nach gar nicht begonnen, wird im Leitartikel de»„Daily Ehra- nicle" betont, die« sei ein» Ansicht, die Großbritannien auch nicht für einen Augenblick gelten lassen könne. Am oller- wenigsten angesichts der loyalen Haltung, die die Der- liner Regierung gegenüber dem Friedensvertrag« gezeigt Hab», jeitdem Dr. Wirth an ihr« Spitze getreten fei. .Daily Expreß" sagt, hinter Poincart« Rede liege, wie klar ersichtlich sei, der Traum von einer dauernden franzS» sischen Macht am Rhein und der Möglichkeit eines weite» ren Einmarsches nach Deutschland. Die Rede Poincares sei nicht dazu angetan, die Bcsucgnis in England und in den Ver« einigten Staaten wegen der Richtung der sranzösischen Politik zu beseitigen. Poincare sei gestern, wie es bei dieser Gelegenheit not- wendig gewesen sei, das Sprachrohr des französischen Chauvinismus gewesen. Der Teil seiner Rede, der am meisten Besorgnis verursachen werde, sei der, in dem er von der Aufrecht- erhaltung der Sanktionen und, wenn nötig, von der Anwendung neuer Sanktionen sprach. Zahlreich« Personen in England befürch- teten, daß die Franzosen diesen Beweisgrund nur al, eine Eni» schuldigung anwenden wollen. Dielleicht werde di« Zeit Frankreich von dem Wahnsinn des Chauvinismus überzeugen. Diese Zeit sei jedoch noch nicht gekommen. „W e st m i n st e r Gazette" schreibt, man muß Poincare dankbar sein für die Schnelligkeit, mit der er die Haltung seiner Regierung klargelegt habe Der Pariser Berichterstatter des Blattes sagt, Poincare bleibe sich selbst gleich. Der Cheftedakteur der ftüher aus selten Frankreich« stehenden „Time s", der vor kurzem in einem längeren Aufsaß von Frank- reich abrückte, hat an das„Journal des Debats" einen Brief gc- richtet, in dem er wiederholt, daß Frankreich die Nerven verloren habe und durch seine Politik die Vereinigten Staaten erbittere. Ohne Amerika könne aber Europa seiner wirtschofllichen Schwierigkeiten nicht Herr werden und der Wtedcraufbau Rußlands werde in deutsche Hände geraten. Deshalb sei es außerordentlich bedauerlich, daß Frankreich in den letzten Monaten so viele günstige Gelegenheiten unbenutzt gelassen habe. pariftr presiestimmen. Don den zahlreichen Aeußerungen der Pariser Presie zur gestri- gen Kammersttzung ist die eine besonders bezeichnend, die aus dem von der Gruppe Clemenceau-Tardieu neugegründeten Blatt„Echo National" stammt. Dieses Blatt meint, Poincare habe zu seinem Regierungsantritt eine Rede vor der Kammer gehalten, wie sie diese seit zwei Jahren micht gehört hätte. Um Poincare zu helfen, seine Worte in die Tat umzusetzen, habe die Kammer mit einer großen Mehrheit für ihn gestimmt, was ihr zur Ehr« gereiche. Noch vor drei Tagen hatte Tardieu ein ihm von Poincare angebotenes Ministerportefeuille mit Entrüstung zurückgewiesen, weil er glaubte, Poincares Politik gegen Deutschland würde nicht rücksichtslos genug fein. Nun zeigen sich sogar die Clemcncisten befriedigt, und das will nicht wenig sagen! Die übrige Rechtspresse,„Echo de Paris",„ßibre Parole", „Figaro" schwelgt in Zufriedenheit. Indem sie Poincare über alle Maßen lobt, erteilt sie Briand noch einige Eselstritte. Geradezu komisch ist folgende Gegenüberstellung des„Figaro":„Seit einigen Iahren habe ein Politiker die Kammer durch Reden bezaubert, und beinahe seien die Richter bereit gewesen, den Mörder zu begnadigen: aber nach dem Anwalt des Angeklagten habe sich jetzt der Anwalt der Zioilpartei erhoben." Danach ist Briand der Anwalt Deutschlands gewesen! Merkwürdiger Derteidiger, der seinen Klienten„an den Kragen packt!" Ablehnend verhalten sich lediglich die Organe der Arbeiter- klaffe und einige wenige linksbürgerliche Blätter. Der sozialistische „Populaire" schreibt:„Die, die sich einbilden, daß in diesem Augen- blick der Aufbau der verwüsteten Gebiete durch einen direkten Druck Frankreichs auf Deutschland sichergestellt werden kann, und nicht durch eine internationale Berständigung und Organi- sation, verkennen vollkommen die augenblickliche Weltlage und stellen den Wiederaufbau Frankreichs ebenso wie die Befriedigung Europa» � Frage." Das Gewerkschaftsblatt„Peuple" charakterisiert die Re- glerungserklärung dahin:..Aufrechterhaltung der Vertröge, Drohun- ,-gen gegen Deutschland, deutliche Anspielungen auf das link« R'heinufer— wie ein bedeutsames Interview von Barre» es hat voraussehen lassen— alle Floskeln der Rhetorik ändern nicht» daran, daß diese Politik diejenige ist, von der die Alliierten Frmik- reichs nichts wissen wollen., Von bürgerlichen Stimmen, die sich gegen Poincarö wenden, sind bisher nur die der„Ere Novelle" und der„Oeuvre" bekannt. Es kann aber nicht zweifelhaft sein, daß Poincare gegen- wärtig nicht nur die überwiegende Mehrheit der Kammer, sondern auch des Landes hinter sich hat. Der Gott. Don Erna Büsing. Vor grauen Zeiten, sagen wir bestimmend, zur Zeit Mohammeds, lebte ein armer Araber. Der fühlte den Hang zum Gottesdienst in sich, und da er den Zucker und überzuckerte Gerichte liebte, knetete er sich aus Zucker — einen Gott. Den betete er an, denn er war ein Heide. � Er wollte sein Ich in einem Werke wiederfinden, er wollte eine Heiligsprechung der Arbeit und ein Loblieb auf das Schaffen singen, darum hatte er den Gctt geknetet, aus Zucker, dem Stoffe, den er liebte. Und der Araber kniete vor dem Gott und betete ihn an, und der Ecsichtsausdruck des Gottes war eitel Wohlgefallen. Der Araber liebte die Schönheit der Wüste, die Unendlichkeit de» Sandmeeres, in dem der Tod hockt, aber auch die Wonne einer Oase. Er liebte den Himmel mit der Lichtfülle, die Menschenaugen kaum erschöpfen können, mit dem weißen Sonnenlicht, dem Abgesandten des Todes, und den milden, tieflcuchtenden Sternen der Nacht. Er empfand die Schönheit, sie durchfloß sein Dasein, er war dem Leben dankbar und besang das Schöne und kniete vor dem Gott. Und der Gesichtsausdruck des Gottes war eitel Wohlgefallen. Der Araber hatte eine Tochter. Sie war jung und schön und die Freude ihrer Umgebung. Wer sie kannte, liebte sie, denn ihr Wesen war eine Wohltot. Sie aber fand Gefallen an einem jungen Menschen eines anderen Stammes, mit dem ihr Vater verfeindet war. Die Tochter wollte sich von der Liebe ihren Weg vorschreiben lassen. Das-mißfiel dem Bater. Er sagte:„Es ist Feindschaft zwischen dem Nachbarstomm und uns, das ist mein Wille, und mein Wille ist oberstes Gebot." Mein Bart ist so lang gewachsen, er ist in Ehren grau geworden, von meiner Tochter soll mir keine Schande kommen." Und er befohl, man solle sie lebendig eingraben. Und er straffte seine Muskeln, oh, er beherrschte sie alle und seine Sinn« dazu, er richtete sich Hachaus, die Gefühle von Macht und Gerechtigkeit durch» strömten ihn, er kniete vor dem Gott, und der Gesichtsausdruck des Gottes war eitel Wohlgefallen. Zwischen seinem Stamm und dem Nachbarstamm waren Streitig- keiten ausgebrochen um den Weideplatz der Kamele. Der Araber sagte, es sind zuviel der Kamele, und er entschied sich für Krieg. Er sagte:„Die Kamele sind unser kostbarste» Gut, wir müssen ihnen Weide schaffen, aus daß wir leben. Der Nachbarstomm muß das Feld räumen." Da griffen sie zu ihren Waffen, sie waren nur primi» tio, doch in ihren Händen wurden sie furchtbar. Der Araber schlug drein, gefolgt von seiner todesmutigen Schar. Sie wüteten Unheil- voll, wateten in Blut, traten aus Gedärme und Eingeweide. Schließ- lich wurde ihnen der Sieg. Der Araber kniet« vor dem Gott, Mut, Jubel, Freudenschreie durchzitterten sein Blut, und der Gesichtsaus- druck des Gottes war eitel Wohlgefallen. Dann kam der Hunger ins Land. Er war wie eine vieltausend- köpfiae Schlange, die erdrückt« und fraß und schlang. Die Stimmen des Aufruhrs rasten in den Seelen der Menschen, Hunger war da» einzige, wo» sie dachten', Hunger war dos einzige Wort, das sie noch kannten, Hunger schrie selbst ihr Blick. Alle» stürzte, selbst di« Gott- Steuerfrage unü Kabinett Virth. Wie groß die Sorge der Rechten ist, daß es über die Steuerfrage zu einer Verständigung kommen könnte, die das Verbleiben der Regierung im Amte ermöglicht, geht aus einem Artikel der„Kreuzzeitung" hervor, in dem ausgeführt wird: Nach den„Politisch. Parlamentarischen Nachrichten" hält man d«n „Plan einer Goldanl«ih«" unter Umständen für geeignet, zu einer Berständigung zu kommen. Da» bedeutet Erfassung der Sachwerte mit anderen Worten und dürste für die bürgerlichen Par- teien unannehmbar sein. Aber man rechnet ja auf sozialdemokra- tifcher Seid« mit der Zustimmung der Unabhängigen und arbeitet eifrig daran, die Regierung nach links zu erweitern. Auf diese Weise hofft man, die Mehrheit für die Steuergesetze zu erhalten. Was das Zentrum zu diesem eindeutigen Liebeswerben nach link» hin sagen wird? Nur ein» scheint bei alledem festzustehen, daß niemand von den beteiligten Parteien eine Regierungstrisis, alias Reuwahlen, will jeder Herrn Wirth behalten und an der Krippe bleiben möchte, selbst auf Kosten von Zugeständniffen, di« nur in vcrchleierter Form gegeben werden sollen, um nicht zu fthr der Agitation der weiter links- gerichteten Gcnoffen ausgesetzt zu sein, zumal sich die Sozialdemo- kratie durch dauernd« Betonung der Sachwcrterfassung reichlich fest- gefahren hat. Sie ist zwar an. Revidieren von anfänglich alz uner- läßlich hingestellten Erundforderungen gewöhnt, hat es aber immer teuer bezahlen müffen, und geht diesmal tattisch klug und vor- sichtig vor, Indem sie„den politischen Notwendigkeiten Rechnung tragend", noch möglichst viel für sich bei dem Handel herauszuschinden hofft. Die Haltung der Sozialdemokratie wird hier ziemlich richtig geschildert. Wir wollen allerdings„für uns", d. h. für das Reich, von den Besitzenden„möglichst viel herausschinden", und wir wollen zugleich einen Sturz der Regierung ver- meiden, weil alles andere Waffcr auf die Mühlen Poincares wäre. Und für die Anerkennung dieser Notwendigkeiten versuchen wir auch die Unabhängigen in vertrauensvollen Aus- sprachen zu gewinnen. Daß diese Bemiihuvaen lli-ftt ohne Aussicht auf Erfolg sind, geht aus einem Artikel D i t t m a n n s in der„Freiheit hervor, worin ausgeführt wird, daß die Politik des Erfüllungs- versuch?, wie sie die Regierung Wirth treibt, dem Programm der USP. entspricht.'Dittmann nimmt für diese Politik die Priorität der USP. in Anspruch. Wenn wir nun eine Regierung haben, deren Außenpolitik den Auffassungen der Unabhängigen entspricht, wird man von diesen auch Per- ständnis für die Haltung der Sozialdemokraten erwarten dürfen, die über ihrem unausgesetzten Bestreben nach einer gerechten Besitzbesteuerung die große Notwendigkeit, Deutsch- lands bisherige Außenpolitik ungestört fortzusetzen, nicht überfehen? Es bröckelt weiter! Der Abgeordnete Fritz Geyer, der ältere der beiden früher unabhängigen, dann kommunistischen Mitglieder de» Reichstags, hat jetzt seinen Austritt aus der kommunistischen Frat- tion erklärt, nachdem sein Sohn Kurt Geyer schon vor längerer Zeit ausgeschlossen worden ist und setzt der Levi-Gruppe (KAG.) angehört. Augenscheinlich will der Dater setzt auch dieser Gruppe beitreten. Er gehörte zu den Mituntcrzeichnern de» Fries- land-Braß-Mslzahn-Briefes an die Zentral« der KPD. und des Aufruf» an die Mitglieder dieser Partei. Nachdem die drei Erst- genannten kurzerhand au» der Partei ausgeschloffrn worden find, war es für Fritz Geyer allem Anschein nach nur noch eine Frag« der Zeit, wann für ihn diese zwangsweise Entfernung au» der Partei der Mörzputschisten erfolge. Er hat«» deshalb vorgezogen, ihr fteiwillig den Rücken zu kehren, um zunächst die KAG. zu stärken. Die„Rote Fahne" warnt ihre Freund« sehr eindringlich vor einer neuen Unterschriftensammlung, die angeblich von den Freun- den der Kommunistischen Arbeitsgemeinschaft vorgenommen wird, um in einem Brief an den Zentrolauischuß die bekann- ten Forderungen der Brah-Malzahn neu zu erheben. Der Bries erNärt, daß die KPD. in ihren Reihen alle Arbeiter vereinigen heit fiel, denn Gott ist kein überzeugendc» Argument bei Hunger. Der Araber durchsuchte den Unrat der Kamele und war froh, wenn er ein unverdautes Körnlein fand. Sein Magen war zum Tier in ihm geworden. Da kniete er nieder und— fraß ihn, den Gott. Möllere» Tod.„Ein Arzt ist ein Mensch, der dafür bezahlt wird, daß«r im Zimmer eine» Kranken Narreteien zum besten gibt, bis die Natur diesen geheilt hat oder die Medikamente ihn um- gebracht haben." So und ähnlich pflegte Moliere im Gespräch und in seinen Werken von den Aerzten zu reden. Diese waren aller- ding» zu Molieres Tagen in der Mehrzahl noch nicht die würdigen. geschulten und geschickten Männer foäterer Zeiten, sondern kuriose Quacksalber und Scharlatane. In langen Mänteln, mit Riesen» perücken aus dem Kopfe, ritten sie aus ihren Maultieren durch die Straßen der Stadt, betraten feierlich und geheimnisvoll die Kran- kenstuben und redeten nur Latein oder ein scholastisch verdrehte, Französisch. So hat sie der Dichter oft dargestellt, hat in deutlich erkennbaren Masken auf bekannte Doktoren der Fakultät angespielt und ihnen keine Lächerlichkeit erspart. Moliere war von kränk- licher Konstitution und schon viele Jahr« brustkrank, aber die Hilfe der Aerzt« wie» er mit Spott zurück. Unter seinen näheren Freun. den befand sich ein Arzt, der ihm die gelehrten Worte und Wen- düngen der Medizin lieferte, die der Dichter in seinen Komödien, f arcen und Singspielen lustig oerwertete und verdrehte. Diesen sah önig Ludwig XlV. einmal an Moliere» Tisch« sitzen und sagte: „Ah, da ist Ihr Arzt. Wo, tut er mit Ihnen?"„Sire," antwortete der Dichter,„wir unterhatten un». Er verschreibt mir Heilmittel: ich nehm« sie nicht und werde gesund."— Aber er wurde nicht ge- stind. Ein Jahr vor seinem Tode suchten ihn seine Freunde zu de- wegen, der Bühne zu entsagen und sich ganz seiner Gesundheit und der Dichtkunst zu widmen. Die Akademie bot ihm unter dieser Bedingung einen Platz an. Moliere erwiderte es sei für ihn eine Ehrenpflicht, bei seiner Truppe zu bleiben..Wa» ist da» für eine Ehre, sagte Boileau, der Abgesandte der Akademie und Freund de» Dichters,„den Schnauzbart Sganarelle» sich anzumalen und Stock- schlage abzubekcmmen? Eine schöne Ehre für einen Philosophen wie Sie! Aber Moliere wollte seine Getreuen nicht ver- lasten. Sein Leiden verschlimmerte sich. Ein anderer hätte nun wohl doch seine Zuflucht zu den Aerzten genommen. Er indessen schrieb seine derbste Satire auf ihre Zunft in seinem„Eingebildeten Kranken", der im Februar KFZ ausgeführt wurde. Aber die Fakultät sollte gerächt werden. Am Tage der vierten Aufführung diese» mit großem Beifall aufgenommenen Stückes fühlt« sich Moliere schlechter als gewöhnlich. Die Schauspieler, rieten ihrem verehrten Direktor, nicht auszutreten, die Vorstellung abzusagen. Er war nicht davon abzubringen und spielte, selbt todkrank, den eingebildeten Kranken mit vollendeter Kunst. Erst gegen Schluß, in dem grotesken Ballett, in dem Legan feierlich in die Fakultät aufgenommen wird und den Treuschwur leisten muß, versagten seine Kräfte. Bei dem Worte„juro"(ich schwöre) brach er zusam- men. vermochte aber noch ft-fte Konvulsion durch ein forcierte, Lachen zu verbergen. Rasch gmz di« Aufführung zu Ende und gleich danach wurde der Dichter m sein« Wohnung getragen. DI» Geistlichen, nach denen man schickte, verweigerten dem Kommödlan» müffe,„die sich von der klelnvürgerllchea Polttik der Sozialdemo» kratie abwenden". Da» ist, so erklärt die„Rote Fahne", d i e Forderung der Verschmelzung oder de» Aufgehen» in der USP. Wenn diese Annahme richtig ist, wäre es immerhin ein Spiel für Götter, wie die Leviten die USPD. spalteten, um nachher wieder ihre Bereinigung mit dieser zu erstreben. Di« Spalter haben wirk» lich ihre eigene Logik! Der flrbektsplan öes Reichstags. Der Aeltestenausfchuß des Reichstages hat in seine? heutigen Sitzung beschlossen, daß der Reichstag eine Reihe von Wochen ohne nennenswerte Pause tagen soll. Am Sonnabend wird die Interpellation über Ostpreußen und kleinere Gesetz» verhandelt werden. Am Montag steht das R e i ch s s ch u l> g e s e tz auf der Tagesordnung. Am Dienstag soll die große politische Debatte mit einer Rede des Reichs- l a n z l e r s beginnen, die insbesondere eine Antwort an Lloyd George, Briand und Poincarö sein wird. Für die Aussprache sind mehrere Tage vorgesehen. Am 30. und 31. Jamior soll die erste Lesung des Haushaltplanes stattfinden, die Gelegen- heit zu einer gründlichen Ausspracheüberdieinnere Politik geben wird._ Stetgenöe Devisenkurse. Der heutige Berliner Devisenmarkt zeigte im Hin- blick auf die letzte Rede Poincaräs sehr feste Tendenz. � Der Dollar wurde mit 194 bis 196 gehandelt. Der heute veröffent- lichte Reichsbankausweis wurde von der Börse ungünstig be- urteilt, da der Notenumlauf nur eine Verminderung um Milliarde aufweist, man hatte nach dem Anschwellen des Notenumlaufes am Ende vorigen Monats einen stärkeren Rückfluß an Zahlungsmitteln erwartet. Am Effekten- markte waren bei lebhaften Umsätzen erhebliche Kurssteige- rungen zu verzeichnen. Die K a l i h a u s s e ist anscheinend zum Stehen gekommen, da die Spekulation ihre Gewinne realisiert._ Ueberteuerungszulasen. Zu den in den letzten Tagen gemeldeten Mitteilungen über die in den einzelnen Bezirken drohende Streikgefahr erfährt der Soz. Parlamentsdienst, daß in der Tat bei den Hauptvcrwal- tungen der einzelnen Organisationen besorgniserregende Nachrichten einliefen. Ganz besonders gilt das für jene Bezirke und Orte, in denen die Löhne der Privatindustrie bedeutend höher sind als die Bezüge des Personals der Reichs- und Staatsbetriebe. Vielfach liegt dabei offtnbar ein Mißverständnis vor, weil die Auf- faffung vorhanden ist. daß der für di« Arbeiter bewilligt« jährliche Betrag von 1875 M. bzw. bei den Beamten von 2000 M. das äußerste Zugeständnis der Regierung sei. In Wirklichkeit sind aber für die besonders teuren Orte noch Ueberteuerungszu- f ch ü s f e vorgesehen, um die Bezüge de» Personals der Reichs- und Staatsbetriebe den vergleichbaren Löhnen der Prioatindustrie anzupassen. Bei den neuen Verhandlungen zwischen der Reichsregierung und den gewerkschaftlichen Spitzenorganisattonen wurde u. a. auch versichert, daß neben der allgemeinen Lohn- und Gehaltszulage eine Neuregelung der bisher in Kraft befindlichen U e b c r» teuerungszuschüsse erfolgt. Bei dieser Gelegenheit wird auch gleichzeitig geprüft, in welchem Umfang« die bis jetzt nur den Cisenbahnarbeitern in besonders teuren Orten ge- währten Ueberteuerungszuschüffe auch auf die Arbeiter ande- rer Verwaltungen und die Beamten Anwendung finden können. Für die Eisenbahnoerwaltung beginnen die hierfür in Aus- ficht genommenen Verhandlungen am Dienstag, den 24. Januar, im Reichsverkehrsministerium, für die Arbeiter der übrigen Derwaltun- gen im Reichsfinanzministerium am Montag, deo 23. Januar, im Reichsfinanzministerium. Bezüglich der Beamten wird erst zu der Frage Stellung genommen werden können, wenn der Reichstag die Ergänzungsbestimmungen zum Besoldungsgesetz verabschiedet hat. Das wird voraussichtlich noch in dieser Woche der Fall sein. ten, der ihresgleichen in dem Tortuffe so erbarmungslos oerspottet hatte, den letzten Beistand. Moliere starb in den Armen von zwei barmherzigen Schwestern, die der freigebige Menschenfreund in feinem Hause gastfrei ausgenommen hatte. Der Erzbischos von Pari», ein Mann, deffen ausschweifende» Leben bekannt und bc- rüchtigt war, oerbot da» kirchliche Begräbnis, und es bedurfte erst eines Befehls des Königs, um Moliere die letzten Ehren zu sichern. Aber auch dieser Befehl wuroe nur halb befolgt. Zwei Geistliche begleiteten nachts die Bohre geradewegs zum Friedhof, ohne sie vorher in der Kirche ausstellen zu lassen. Es gab keine Musik und kein« Ansprache. Schweigend folgten 200 Menschen mit Fackeln in den Händen dem Sarge des großen Dichters. UmsaHsteaer bei Sunsterwerbuagen. Da da» neu« Umsatzsteuer- gesetz unterwegs ist, hat d«r Reich»v«rband bildender K ü n st l e r die Bekämpfung der„Cuxussteuer bei jeder Kunsterwerbung in Angriff genommen und auf seinem PertreteNag ein- stimmig beschloffen: Der Reichswirtschoftsoerband steht auf dem Standpunkt, daß im Hinblick auf die kulturell« Bedeutung der bilden- den Kunst jede Besteuerung der Erzeugniff« der bildenden Kunst, in. sonberheit jede Luxusbesteuerung, zu verurteilen ist. Kunst, ihre Förderung durch die Reichsregierung ist Wiederaufbauarbeitl Der Reichswirtschaftsocrband fordert daher grundsätzlich vollständige Um- satzsteuersreiheit für bildend« Kunst. Er erwartet von der Reichs- regierung mindestens die allerschon endste Behandlung dieser Fragen bei der bevorstehenden Regelung der Umsatzsteuer. Mst Rücksicht auf die Haltung der nochgeordneten Steuerbehörden betont der Der- band, daß, wie im Urheberrecht, so auch im Steuerrecht, die völliae Gleichstellung der sogenannten angewandten Kunst, Kunstgewerbe. mit der reinen Kunst gefordert werden muß. Das Künsttcrprlvllez der Novelle zum Umsatzsteuergesetz ist daher auch für die angewandte Kunst zur Gellung zu bringen. Theorie und Praxi». Während der letzten Wohlbeweaunq in Norwegen hatte der Derlagsdirettor de»„Moraenblad", Martens, öffentlich erklärt, er könne mindestens zehn Mitglieder de» Stört hing namhaft machen, die für das Alkoholverbot g e st i m m t hö.'.'e::, cb-r doch bei jeder Gelegenheit, die sich ihnen biete, gern einen hinter die Binde gössen. Martens w'trde deshalb vor Gericht gezogen, aber freigesprochen. Der Gerichtshof begründete das Urteil damit, daß die Worte de» Angeklagten der Ehre und dem Ansehen de» Storthing nicht zu nah« träten. Die Große VolkSober»ernnflnttet einige SonntanSnachmitt-ig«- Vorstevimqen in der Komischen Oper in»llereryer Besetzung. Trä» Borstcllnng om SS. Januar.Sohengrin" mit Kurt Taucher vom Landet» thcater Dresden in der Titelrolle. Klara Viebig spricht am 2-2., abend? 7 Mr. in der Thpoarapbl'chcn Beremigiing. tzlilla der Friedrich.Werdeilchen Oberrealschule. Nlederwall- slra»-« Vi. Arn Flügel Herr LlltowSky:«ectdoven, Rondscheinsomtte, LIttt, An der Oueve u. a.— Karten zu 2.10 M. am Eaalerngang. Dr. Kurth wird In tetnen Kunstaelchichttoorträgen mit Lichtbildern, brginnend am DIenStag. den 24. Januar, nackimttaa? tldr. in der St unft schule de« Westen» fürKeichnen und Äulen an Hand der Statue, de» D-nknr«!?, de« Bnrtorw« über Archttnng a n Sersttndnt» der G it d d« n»r t u>, ft»reche-.,.' SitzW.«'turt- jlratze 154», Fernjpcrcher: Htcmplaz 141 Hl. Die.S!itz»ichter'. Das Publikum will unterhalten sein. Es will lochen und ist bereit, dem größten Unsinn Beifall zu zollen. In einem Variete im Innern der Stadt findet allabendlich zwischen zwei„Dichtern" eine richtige„Dichtcrschlacht" statt. Rechts und links der Bühne je ein 5)crr in(Sesellschaststoileite. In der Mitte ein Schiedsgericht, ge- bildet vom Regisseur und zwei Herren aus dem Publikum. Lieber Friedrich Schiller, steige aus dem Grabe hervor und sieh dir diese Welt an! Ein Waisenknabe bist du gegen die beiden B l i ß d i ch t e r, die sich au» dem ulkfreudigen Publikum einzelne beliebige Worte oder bekannte Zitate zurufen lasten und auch das blödsinnigste Zeug zu � Versen schmieden. Hochedler Geist van Weimar, streck die Waffen! Hinter den beiden Schnelldichtcrn auf den weltbedeutenden Brettern wärest du um viele Rosenlängen zurückgeblieben. Leder des geistigen Doxer-Duetts muß die gleiche Aufgabe„dichterisch" lösen. Werden es meist auch nur Knittelverse, so sind's doch Reime. Wer bis Ende Lanuar die meisten Wcrtpunkte hat, erhält einen lumpigen braunen Lappen. Es kann losgehen! Die unmöglichsten Wortbildungen pras- sein zur Bühne hinauf. Eingebung oder bestellte Arbeit? Einer ruft unter dröhnendem Gelächter unentwegt:„Und hinten sind wir alle gleich!" Doch die Dichterlinge wählen aus dem Wust der Zurufe mit fabelhaftem Geschick, wo» ihnen besser in den Dichtcrkram paßt, und veräppeln sich minutenlang gegenseitig, um Zeit zum Denken zu ge- «innen. Der eine ist schlagfertiger, der andere witziger. Herr Kapell» meister, es kann losgehen! Was die beiden Gehirne zusammengebraut haben, muh nach einer bestimmten, sehr netten Melodie gesungen werden. Das Schiedsgericht arbeitet auch im Blitztempo. Es soll sich nicht kehren an die Größe des Beifalls aus dem Meer der lachen» den Köpfe.„Schiebung... Schiebung!" brüllt es jetzt. Das Pubsikum protestiert. Auch der Sieger des Abends protestiert... gegen das Manko an Geist bei seinem Gegner. Und Berlin lacht dazu.... Großfeuee bei Sarotti. Menschenleben ln Gefahr. Zn der Schokoladcnsabrik von Sarolti in Tempclhof, Theile- striche, brach heule vormittag gegen l0Mi Uhr ein Großfeuer aus. das in kurzer Zeit eine solche Ausdchuung nahm, daß der Ge- samkbetrlcb eingestellt werden mußte. Da» Zeuer entstand, wie an- genommen wird, durch eine Explosion in den Keller» räumen der Zabrik. die mit dem leicht enlzündbar.'n Verpackung»- Material angefüllt sind. Da die Flammen auch an den anderen Lager- Vorräten reiche Rahrnng fanden, so entwickelten sie sich so ungeheuer rasch, daß das viele Hundert Köpfe zählende Arbeitcrpersonal schleu- uigst an Rettung denken mußte. Inzwischen waren dl« Tempelhofer und Mariendorfer Feuerwehren angerückt, und auf den Alarm»Großfeuer" folgten S Löschzüg« der Berliner Feuerwehr unter Fuhrung des Branddirektors. Die Wehren mußten zunächst an die Rettung der«ingeschlossenen Personen gehen, die unter großen Schwierigkeiten vorbereitet wurde, da«in Teil der Arbeiter die Treppen und Aufzugsvorrichtungen infolge der Der- qualmung nicht mehr benutzen konnte. Mit Hilfe von Rettungs» fchläuchen und Leitern wurde das Rettungswerk vollbracht, wobei jedoch einige Personen verunglückten. Die ganze Um» gebung der Fabrik war in dicht« Rauchmasien gehüllt, die sich well über Tempelhof und Mariendvrf hinaus erstreckten Di« Löscharbeiten waren bei Schluß des Blattes noch in vollem Gange. D;e Gritoöe für öle Ueberfüllung der Verkehrsmittel. Eine grundlegende Besserung vorläufig unmöglich. Im Reichsverkehrsministerlum fand gestern zwischen der Kleinbahnaufsichtsbehörde und den Vertretern der Straßen» bahn. Hochbahn und der Omnibusqesellschaft eine Konferenz statt, in der die Gründe der Ueberfüllung sämtlicher Ler- liner Verkehrsmittel erörtert worden. Die Gründe für' die Ueberfüllung der Omnibuslinien liegen in den immerhin ziemlich weiten Abständen der einzelnen Linien. Die Kraftwogen haben in der Zeit ihres Bestehen, durch die verhältnismäßig kurzen Fahrzeiten eine steigende Beliebtheit erlangt, der leider nicht durch die Einstellung neuer Wagen Rechnung getragen werden kann. Hinzu kommt noch, daß die Betriebskosten infolg« der außerordentlichen Steigerung der Benzin- und Oelpreisz, bei weniger starker Benützung' der Kraft» wogen die Wirtschaftlichkeit der Linien in Frag« stellen und etwa notwendig werdend« Erweiterungen des Betriebe» daher nur lang» fam zur Durchführung gelangen können.— Bei der Hpchbahn» gefellfchaft liegen die Verhälwisi« ähnlich. Die Kachien» Zwangswirtschaft hat die in den Kraftwerken der Hochbahn verbrauchten Kohlen so sehr beschränkt, daß die Gesevschaft nttr eine bestimmte Anzahl von Züoen auf ihren Strecken befördern kann, trotzdem deren Leistungsfähigkeit noch nicht erschLplt ist. Während bei der Hochbahn und bei den Kraitomnibussen der Betriebsstoff der Grund für die Ueberfüllung der Betriebsmittel sind, lieot bei der Straßenbahn ein anderer leider nur zu wichtiger Grund für die Ueberfüllung zu den Haupwerkehrsstunden vor. Gegen die Äriegsjahre hat sich im Stroßenbahnbetriebe immerhin schon eine erhebliche Besserung durchsühren lasten. Die Ueberfüllung zu den, Hauowerkebrsstunden. die sich durch den Achtstundentag gegen die Vorkriegszeit erheblich ocrlchoben hat. wird durch eine Minder» beletzung zu den übrigen Tagessttmden ausgeglichen Zvr ganz» lichen Beseitiqunqder Uebersülluna fehlen leider die erforderlichen Mittel, die zur Beschaffung rollende» Material» nötig wären. Angesichts dielcr Sachlage können auch die Aufsichtsbehörden keine Maßnahmen zu grundlegender Besserung treffen, zumal mehrfach auch auf die Ueberfüllung der Stadt- bahnzüge hingewiesen wurde, bei der sedoch die Gründe auf anderem Gebiete, der Verschiebung der Wohnverhällniste in Groß»Derlin, liegen._ �estsienommeue Eisenbahndiebe. Eine viebcsjagd gab e, aas dem Stettiner Bahnhof, Ein Kontrolleur beobachtete dort, daß von einem von vier Postkarren, die an einen Zug herangefohrcn worden waren, Pakeie verschwunden waren. Sie waren von dem letzten Karren entwendet worden, der ohne Aufsicht gestanden hatte. Der Kontrolleur lieh sofort den ganzen Dahnhof und auch den O.Zug, der dem anderen Zuge gegen. uberstand, absuchen. An der großen Suche beteiligten sich auch mehrere Eisenbahnorbeiter, darunter einige mit einem ausfallenden Eifer. Audi ein feingekleideter Mann erregte Verdacht, als er in auffölligcr Weise den V.Aug verließ, um sich zu entfernen. Er wurde angehalten,»md e» ergab sich, daß auch er ein Eilenbahn- orbeiter war. Er hatte ein Paket mit Kleidungsstücken gestohlen und sich gleich im Zuge umgekleidet. um so mit der Beute verschwinden zu können. Der falsche Fahrgast wurde verhaftet, ebenso zwei andere Eisenbahnarbeiter, die an den Diebstählen beteiligt waren. Die Festgenommene» wurden der Kriminalpolizei übergeben._ Tie Notlage fcet Aufientvohner. Der 1. Februar wird un» für den Vorortverkehr ganz außerordentlich« Fahrpreiserhöhunq bringen, die von viele» in den äußeren Samten Wshnenden schwer empfunden �erdez wird. Weit schwerer aber»erden alle jene belastet»erden, di» ihr Helm in den jenseits der bisher letzten Lorortstation liegenden Orten aufgeschlagen hoben oder aber an Bahnstrecken wohnen, die unbegreiflicherweis« noch gar keinen Vorortverkehr haben. Zu diestn gehört die Werneuchener El r« ck e. Früher kasMc die Strecke Berlin— Werneuchen 60 Pf., vom l. Februar aber etwa S M. Da» bedeutet em« Erhöhung von 1500 Proz. Monatskarten werden 140 M. kosten. Wer dann noch die Stadtbahn benutzen muß, kann für die Monatsfahrl 100 M. zahlen. Die Strecke Berlin— Werneuchen ist 23 Kilometer, die Strecke Berlin— Fürstenwalde 52 Kilometer lang. Die Monatskarte kostet ober auch nur 140 M. Die Vorortstrecken nach Velten und Königs- Wusterhausen sind 28 Kilometer lang wie die nach Werneuchen, Hier kostet die Monatskarte aber nur 85 M. Die Anwohner der Äerneuchener Sirecke fragen sich, wie es eigentlich zugehen kann, daß die Eisenbahn- direktion ihre berechtigten Wünsch« auch, heute noch unberücksichtigt läßt. Großen Unwillen hat die Fahrpreiserhöhung auch in dem Städtchen D i e s e n t h a i an der Stettiner Bahn hervorgerufen. Der Vorortverkehr endigt schon in Bernau, 28 Kilometer von Berlin. Biesenthcl liegt nur 10 Kilometer weiter, 33 Kilometer von Berlin entfernt. Von hier sowohl wie von dem nur wenig weiter ent- kernten Ebcrswaide fahren täglich sehr vielePersonen nach Berlin zur Arbeit. Wenn ober vom 1. Februar ab«ine Manaiskarte von Biesenthal nach Berlin 3. Klasse 245 M., 4. Klasie 163 M., eine einfache Fahrt 3, Klosse 17 M. und 4. Klasse 11 M. kosten soll, dann hört eben sede Gemütlichkeit auf und es ergibt sich, daß die Derkehrsverhältnisie einer Weltstadt einer besonderen Rege- lung bedürfen._ „Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Skromenlnahme ohne Zähler ist strafbar. Bedauerlicherweise mehren sidz mit der Erhöhung der Strompreise die Fälle, in denen dem Leitungsnetz des Städtischen Elektrizitätswerks Strom ohne Zähler entnommen wird oder die vorhandenen Zähler durch be- trügerische Maßnahmen umgangen werden. Nach dem Gesetz'vom 5. April 1900 ist die Entziehung elektrischer Arbeit strafbar. Es muß deshalb von der Stromentnahme ohne Zähler dringend gewarnt werden, denn die Werke bringen die ihnen zur Kenntnis gelangenden Stromhinterziehungcn unnachsichtlich zur Anzeige. Es sind bereits durch die Gerichte wiederholt empfindliche Strafen verhängt worden. Auch bei neuinstallierten Anlagen ist die Stromentnahme vor Aufstellung des Zählers streng oerboten. Das Komitee.Kinderhölle"(Wirtschaftshilfe für deutsche Kinder und Familien) wendet sich wiederum an die Großherzigkeit der Berliuer Bevölkerung. Die Rot gerade der Berliner Kinder ist ungeheuer groß, und das Komitee.Kinderhölle", das Hand in Hand mit der Zentrale für private Fürsorg« und den Iugcnd-Fürsorge- ämtern arbeitet, braucht große Mittel, um seinen Menschenfreund- lichen Zwecken voll gerecht werden zu können. Der körperliche Zu- stand aller dieser armen kleinen Geschöpfe ist grauenerregend. An- nähme von Beiträgen auf Postscheckkonto Nr. 110 169. Teutlche KrirbcnSgrlelllchalt.?lm bemigcn Freitag, abenM 7 Ndr, im Bürgerlaal dcS Ratbaule-, flöniqilrabe: Bortrag von Clara B o h in- S ch u ck. M, b, R,. über:.Die Lugenb nl« Trägerin des ilttcrnalioiialen Frlcben«geb-nkeni,- Anschließend TiSlusfion. Wetter für morgen. Verlin und Nmgegeud. Zeitwelie beilere», jedoch erdeblich neblige» oder wolliges Frostwetter mit stijchcn öfllichln Winden. Keine erheblichen Niederschläge,_ Der Norüplan ües Grafen Schüeffen. Die Anträge des Slaatsanwalks. Görlitz, 20. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Im Anschluß an die Vernehmung de» Amtsgerichtsrats Neutsch wurden gestern nach zwei Sachverständige gehört. Polizciinspcktor S e g g« r bekundet, daß der bei Rössel vorgefundene Sprengstoff sehr g e s ä h r l i ch e r N a t u r ist. Die 800 Gramm würden genügen, einen großen Raum in die Lust zu sprengen. Auf Befragen eines Der- teidigers bemerkt der Sachverständige, daß es ganz unmöglich sei, mit der vorgefundenen Menge ein ganzes Schloß in die Luft zu sprengen. Sachverständiger Sanitätsrat Dr. Werner begutachtet, daß die Gräfin feiner Ansicht nach vollständig g e f u n d ist. Der Angeklagte Graf Hon» Heinrich von Schlief fen fei voll zu- r e ch n u n g s f ä h I g. Rössel fei ein Reurostheniker geringen Grades, auch er fei verantwortlich zu machen. S t« n f ch k e fei ein Phantast. Für ihn komme Z 51 nicht in Frage. Damit findet die Donnerstagoerhondlung um 7 Uhr abends ihr Ende. Heute früh 9% Uhr wurde die Sitzung wieder eröffnet. Der Vorsitzende verlos 27 Schuldfragen, worauf der Oberftaats- anwalt Dr. Ott» als Anklagevertreter das Wort nahm. Er bean- tragte, die Schnldfragen wegen Vergehens gegen da» Spreng- stoffgefetz zu verneinen, die Schuldsragen wegen der Aufforderung zu einem Derbrechen jedoch zu b e- jähen. Gegen Rössel beantragte er ebenso wie gegen Stenschke Bejahung oller Schuld fragen. GewerMastsbewegung Neichskonferenz der Maschinisten unü Heizer. Am 15. Lanuar tagte in Kastel eine vom Zentraloerband der � Maschinisten und Heizer einberufene Rcichskonserenz der Arbeiter der krasterzeugenden und-verteilenden Lndustrie, Insgesamt waren 126 Betriebsräte der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke aus allen Gegenden Deutschland» erschienen. Ueber den Wiederaufbau der deutschen Wicischast sprach Gcnoste Dr. S t r i e m e r. Er gab einen Ueberblick über die Wirkungen der in Cannes festgesetzten Reparationsverpslichtungen und besprach weiter die Maßnahmen, die von der deutschen Arbeiter- schaft getroffen werden müssen, um ihr Los trotz Rcparations- zohlungen noch erträglich zu gestalten. Die Aufgaben der Betriebs- rät« in den kommenden Zeiten seien groß und könnten nur fach- gemäß erledigt werden, wenn sich die Bcttiebsräte mit der Materie oertraut machen. Aufklärend waren die Ausführungen des G e- heimrat Lenzmann vom Reichsschatzministerium über die deulsche Elcklrizilälswirlschast. Es sei hohe Zeit, die Elcktrizitätserzeugungsindustrie, in der 41h Milliarden Goldmart investiert sind, organisch neu aufzubauen und die unproduktiven kleinen Zwischenglieder von großen leistungsfähigen, den Strom weithin übertragenden Werken abzulösen. Erst dann wird es möglich sein, Kohlen, Arbeitskräfte usw. zu erlparen und die Stromerzeugung zu verbilligen.(Selbstver- ständlich ist hierzu eine Abänderung der gegenwärtig bestehenden Nedstsverhältnisie notwendig Das Sozialifierungsgesetz vom 31. Dezember 1919 sollte hier bahnbrelbend sein. Trotz zwei- sährigen Bestehens dieses, Gesetze» ist diese Materie nicht von der Stelle gekommen.) Mit gespanntem Lntereste verfolgten deshalb die Betriebsräte die Darlegungen über de« Stand der So-ialisierung. Geheimrat Lenzmann führte das Stocken der Soziasisiekung, gemäß den Ridittinicn de» Gesetzes, auf die Schwieriakeiien der Materie und die Maßnahmen der Entente Zurück, die dem Reiche verlneten, mit eigenen Mitteln, die nicht aering fein könne» einzugreifen. Trotz- dem müsie die organische Ertwicklunti der Elektrizitätsindustrie ge- fördert werden unter Mitwirkung der beteiligten Arbsit-r. Dcrbandsvcrsitzendcr Klebe behandelte in seinem Vortrag« die vrgsnifzÄonsxestUl'.anH w de? fessteezevgio*«* 3«dustrie. ff» fei eigentümlich, daß. nachdem der Zentraioerband der Mafchini- � sten und Heizer sich der Arbeiter W<>r Industrie energisch anae- i nomine» und ein« organisatorische Selbständigkeit m der Detrieo»-! rätearuppierung de« ADGD.»erlangt hob«, all« möglichen Widerstände sich bemerkbar mochten. Kleb« belegte die Zerfahrenheit in der Organisationsgestoltung mit zahlreichen Beispielen. Er kam zu dem Schluß, daß angesichts dieser Derhältnist« es hohe Zeit fei, die 16. Zndusiriegruppe für die krafterzeugende und verteilende Industrie zu schaffen. Jeden- falls werde der Verband der Maschinisten und Heizer nicht eher ruhen, bis dies« Lndustrie als selbständige Gruppe anerkannt werde. Ln der Diskussion wurde dem Dortrage des Genossen Strieme? zugestimmt. Herrn Geheimrat Lenzmann gegenüber betonten die Diskussionsredner, daß die Betriebsräte des Verbandes der Masch!» nisten und Heizer keineswegs gewillt feien, die Frage der Soziali» sierung im Sande verlaufen zu lasten. Die Neugestaltung der Elsk- trizttätswirtfchaft zur Gemeinwirtschaft sei das unverrückbare Ziel der beteiligten Arbeiter. Den Ausführungen des Genossen Klebe» wurde durchaus zugestimmt. Hier gab es nur eine Meinung: Di« jetzt bestehenden Zustände sind unhaltbar, die Arbeiter der traft- erzeugenden Industrie lehnen entschieden ab, Vorspanndienste für alle möglichen Gruppen usw. zu leisten. Sie verlangen ihre Angelegenheilen selbständig zu regeln, ohne jede Einmischung von anderer Seit«. Der Verband der Maschi- nisten und Heizer soll als Organisation in Frag« kommen. In der einstimmig gefaßten Entschließung wird ein« gesetzliche Regelung der Elektrizitätswirtschaft nach gemeinwirtschaftlichen Grundsätzen gefordert. Die nach 8 1'des Gesetzes vom 31. Dezember 1919 zu bildenden Körverschakten oder Gesellschaften müssen m ihrem organisatorischen Aufbau m möglichst einfacher Gliederung so gestaltet werden, daß in ihnen neben den Vekriebsleikern auch Arbeilervertreter und neben den Großverbrauchern auch Kleinverbraucher einen mit» bestimmenden Einfluß in allen Dertretunaen erhalten. „Die Kralterzeugung zeigt in ihrer bisherigen und weiteren Ent- wicklunq den Aufstieg zu einer brchbedeutenden Industrie'der beut- slben Volkswirtscbflst. Dies verpflichtet Arbeitgeber und-nehmer der. selben zu hoher Verantwortung gegenüber den Verbandsinstanzen auf Errichkung einer selbständigen Gruppe in der Betriebsräteorganisatton. um den Betriebsräten der traft- erzeugenden Industrie ein« Möglichkeit zur Beratung und Vertretung der Wirtichaftssreaen zu gestatten, Bei der Entsdieiduna dieser Frage müsse das rein Volkswirtschaft- lich« Interesse maßgebend sein. Die Konferenz beauftragte den Zentralverband der Masckiinisten und Heizer als die führende Organisation in der krasterzeugenden Industrie, mit allen zu Gebote stehenden Mitte!» diese Forderungen zur Anerkennung zu brincen," Die Konferenz nahm«inen prächtigen Verlauf. Lohnbewegung der Gold- und Silberarbcitcr. Eine Versammlung aller in Gold- und Silberwarenfabnk«n beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, einberufen vom Metall- arbeiteroerband, am Donnerstag beschäfttgte sich mit der Lohnde- wegung der Goldarbeiter und mit der der Silber« a r b e it e r. Das Lohnabkommen der Goldarbeiter mit den Gas»- lchmiedemeistern lief am 31. Dezember 1921 ob. Für den Lanuar hotten die Goldarbeiter ein« Lobnzulage von 3,50 M, pro Stund« gefordert. Die Meister lehnten sedoch jede Lohnerhöhung ab und wollen,, daß das bisherig« Lohnabkommen bis zum 31. Januar weiterlaufen soll. Die Versammlung beschloß, den Schlichtmigsaus« fchuß emziTufen. Di« Silberarbeiter haben ihren Tarifvertrag mit der Berliner Veveinigung de» Dc'bandes der Silberwarensabrlkanten Deutschlands zum 31. Januar 1922 gekündigt. Die Tariikommissson bat der Arbeitgebervercinigung eine neu« Tarifvorlage eingewicht. Die Vorlage zum neuen Rahmenabkommen enthält verschiedene Ver- besserungen. Der neue Rahmentoris soll vom 1. Februar bis zum 30. September 1922 pel'en, während das neu abzuschließend« Lohn- abkommen nur vier, höchstens lechs Wochen gelten>oll. Für die Zeit ab 1. Februar wurde eine Lechnzulage von 2,50 M. pro Stunde gefordert. Die Versornrnl'.mq stimmte noch lebhafter Diskussion dem Vor- aehen der Kommission zu und forderte außerdem, daß in den Tarif die Verpflichtunq zm Bezahlunq der Feiertage hineinzubringen ist. Branchen kommission und Branedenlei'ung wurden neuaewäblt. Erster Branchenleiter wurde wieder Seipt, zweiter Dranchenleiter F r L h a u f._ Tie Gemeiudeangestellten zum Manteltarif. Roch den Arbeitern haben nun auch die Angestellten bei den Gemeindebehörden Groß-Berlins zu den Behandlungen Stellung genommen, die mit dem Magistrat zum Ablchluß eines neuen Tarif« vetttraaes geführt werden. Der ZdA. bat'« zu Donnerstag abend ein« Mitgliederversammlung ngh den» Realgymnasium in der Koch- straße einberufen. Zuerst wurde die Neuwahl der Sektionsleilung voxa« nomine n. Auf Barschtaq der bisherigen Sektionsleilung Hot die Orisleirunz beschlossen, die Zabl der zu Wählenden von 9 auf 15 zu erhöhen. Gewählt wurden: Machill, Runge, Robrbcck, Hitze. Heimsick, Lo'his, Perlen, Kirst«, Mischte. Schimmelvfenniq, Elise Ott«, Frieda Faul- baber, Da.m'di, Hertha Schatz und Erdmann: als Ersatzpersonen noch Könio. Sckiiler, Thiel«, Beeile und Stimm. Hieraus berichiet« Krüaer übcr die mit dem Mogistrot ge- führten Verhandlungen. Redner ging in seinen Ausführungen aus olle wesentlichen Punkte der Dorlaqe ein. so insbesondere aus die Bestimmungen über Arbeitszeit. Ueberstunden. Akkordarbeit, Urlaub, Mitbestimmungsrecht und sozial« Einrrchtunaen. Lelder sei von vielen Bestimmungen zu sagen, daß ihre Einführung �eine Ver- schlechterunq d>:s bestehenden Manteltarifs bedeuten würde. D'e Anaestell'en sind aber ebensowema wie die A-beiter gewillt, bc« siebende Reche preiezuoeben, auch nicht das ibnen bisher gewähre Mitbestimmungsrecht. Wir erwarten, daß, wenn«s zum Kampf kommen sollte, dieler vereint mit den Arbeitern geführt und«inen vollen Sieq im'erer berechtigten Forderungen bringen wird.(Leb- hafter Beifall.) Räch der Aussvrach« wurde«instimmia ein« Entschließung ge- faßt, die die Vcrbondlungs'übrer beauftragt, auf einen einbsitlichen Tarifvertrag für Arbeiter und Hilfsang« stellt« hinzuwirken. Die Hillsanaestell�en treten dem Beschlüsse der Gas- werksarbeiter vom 17. d. M, bei und erklären sich zu strengster Soli- darität für den Fall einer Aktion bereit. falsche BeschuIdißtMfl. Bei der Firma D a p a g. Staaken, traten am Montag die Werkzeugmacher und Einrichter wegen der abgelehnten Forderung von 2,50 M. Lohnzulage in den Streik. Darauf erfolgte am Dienstag, die Ausfperrüna der gesamten Belegschaft, obwohl die objedtive Möglichkeit laut S 615 des BGB. der Arbeitsleistung vorhanden war. Am Mittwoch wurde der Demobilmochunaskommissar von der Aussperrung benachvichttqt. AI» der Demobilmachungskommiffar die Direktion sofort um Verhandlung ersuchte, behauptete der jozial- denkende Herr Direktor Tenzfeldt, die Arbeiter hätten Sabotage verübt. Ln der darauf sofort einberufenen Detriebsversammlunq wurde von ollen Kalle'«» festgestellt, daß dies ein« glatte Unwahrheit ist. Sömtl'che Werkzeuamacher und Einrichter haben bei Verlassen des Betriebes die Werlzeuae und Maschiren eingeölt. Ebenso er- klärten sämtliche Arbeiterinnen, daß sie am Montaa, al» die Streiken. den nicht mehr im Betrieb wamn. nocb bi» Dienstag mNirnias- mö�ig arbeiten kannten. Damit ist die Beschuldigung der Arbeiter durch den Herrn Direßtor als falsch erwiesen. »--M»>-----LL- J.. L i_,_-J Bcranl». für den redakt. Stil: ffranz#155« Jinlln.S'idftrTfIbe: für 91 u itifttn;<5- Berlin. Vtrla« v»rw«ri».Vrrl»a a. m, b. 6.. Berlin. Druck! «or«iit».DuSdracktrti a. Dttlananttull Paul Siagn n.«».. Berlin, tindtaltr. 5. Grosser Inventur-Verkauf zu bedeutend herabgesetzten Preisen WlnleMiantel ilä klmo und Aiienhaut........ M Winter-Mäntel Ln�rtth8Mn Sommer-Mänlel Wollkleider»ä SelSenkleiaer�Wi, ütllllCMa ,n Spor.'fiencil und rdn- flf IU9C1I wollenen Stoffen... 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