Nr. 35 ♦ 39. �ohcgtmg Ausgabe A Nr. IS VezngSprriSi ®l*rtrii51)tu6U,— aJU. monatl M twi in« s>au«. porou» zahlbar. Post» bezug. Monatlich 20.—-HL rmschl. stu- ftmuiittsgf büstr. Unter Kreuzband für Peulschland. Danzig, da» Eaar- und Metnelgebiei. wwie die ehemal» deut» scheu Sedlete Polen». Oefterrelch Uthörn und Luxemburg dt.— M, tlir da» Übrige Au«land 72.— M. Pott- deftellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tlchemo» Slowatei, Däne- «arh Holland. Luremburg. Schwede» und die Schweiz See»Parwärt«' mit der Sonntag». deilage.Pol! und Reit*, der Unter» Morgen Ansgabe tag« und Montag» einmal. Pelraeamm-Ad reife. �Sazlaldemorral vcrNn« Verlincv Vollrsblntt � 70pf«nnlg) AnzetgenvreiS: Sie zehngeirtilteni Zlongarrillezeile lostet S,— M..ftleitu Mnjelgca" da» ellgednukt» Don M.o«tre>w- Vrrla».«pxvrdition und Inseraten. »cr•»»dteilun« MoriNPIab 11733-34 /lsquith gegen Versailles. tondan, 20. Lanuar.(MTB.) vor dm Seschäftsleutm der City führt« Aequith in einer groben Rede aus, daß die Arbcitslosiz- keit in einem noch nicht dagewesenen Maße fortdauere. Sie kost« dem Staat im gegenwärtigen Augenblick unmittelbar etwa 2 Millio- nen Pfund in der Woche und mittelbar eine unberechenbare weitere Zahl von Millionen. Der wahre Grund der herrschmdm Erwerbslosigkeit und de» Niedergongs des internationalen Handels England» fei, daß andere Nationen nicht in der Lage feien, unter Bedingungen zu taufen, unter denen England verkaufen könne und umgekehrt. Der industrielle und wirtschaftliche Zusammenbruch Deutsch- k a n d« habe verhängnisrolle Folgen zeitigen muffen. Dar dem Kriege fei Deutschland der b e st e Kunde und größte Liefe» rant Rußlands, Italiens. Oesterreichs und einer Anzahl kleinerer Staaten auf dem Kontinent und der zweitgrößte Kund« und Lieferant Großbritanniens gewesen. Der industrielle und finanzielle Z'lsanimenbruch Deutschland» müßte daher die ernstesten Folgen noch sich ziehen. Unglücklicherweise fei dl« Frage de» Wiederaufbaues de» hungemdcn Europa fast die letzte Sorg« der Staatsmänner und Diplomaten in Versailles und Paris gewesen, die sich mehr damit beschäftizten, die Weltkart« neu zu zeichnen und in großem Maße imaginäre(eingebildete) Reparationen festzusetzen. Auf dm Waffenstillstand und den Friedensvertrag, die dm Frieden für die erschöpfte Welt hätten sichern müssen, sei unmittelbar der neue Tarlskrieg gefolgt, kn dem Frankreich. Spanien. Stallen und Teile des früheren Oesterrcich-Ungam und Rußlands sowie Jugoslawien» stch eifrig mit der Errichtung von Tarifmauern beschäftigten. Die wilden Schwan- kungen der Wechselkurse seien nur Symptome und Folgm, nicht die Ursache der wirtschaftlichen Unordnung. Jeder wirkliche Wirtschaft- liche Wiederaufbau sei unmöglich, bevor nicht die Fragen der Repa- rationm und der alliierten Schulden« nd g ü l t i g geregelt seien. Seit der Unterzeichnung des Dcrfailler Vertrages hätten nicht wmigcr als zehn europäisch« Konferenzen über die Rcparations- frage stattgefunden, die vor kurzem in dem Ziasko von Tanne» gipfelien. Jede der Konkerenzm sei damit beschäftigt gewesm, das Werk der vorigen Konferenz abzuändern oder ungültig zu machen. Was die Welt,-was die Geschäftswelt wolle, fei Gewißheit und End- gültigkclt. Dies« werde man nicht erhalten, wenn man nicht ein für allemal im Lichte der Tatsachen die unmögllchm Dcstimmungm de» Versa'.llec Zriedensoerlrages »bänder«.(Beifall.) E» sei keine Frag« der Mild« gegen Deutschland, sondem eine Frage de» eigenen Interesses für«ine Anzahl von Staaten, die den Dohlstand Europa« nur neu schaffen könnten, wenn ste die gegenseitiz« wirtschaftliche Abhännigkeit voll o n« r k e n n e n.(Bei- fall.) Eine wirkliche dauernde Wiederherstellung könne nicht statt- finden, bevor sich nicht die großen und kleinen Rationm bereit zeigten, da. Erbe, das der Krieg zurückließ und das alle gemeinsam tragen müßten, mutig aui sich zu nehmen. London, 20. Januar.(WTB.) Die Zahl der eingeschriebenen Arbeitslosen Großbritenniens betrug am 10. Januar 1 93Z 450 gegen 1885 743 am 30. Dezember 1921. Di« Höchstzifser im Juni 1921 war 2 177 899. Arbeitslosenunruhen im freien Irland. London. 20. Januar.(EP.) Die Arbeitslosen von Dublin habm dm größten Teil de» Runtondegebäudes besetzt und weigern sich, es zu räumen. Aus dem Gebäude ist die rot« Flagge gehißt wordm. In Dublin sind 30 000 Arbeitslose.— Die Bureauräume einer Zeitungsdruckerei sind von Sinnfeinem zerstört worden. Die Direktion der Zeitung hatte stch geweigert einen Artikel oufzuneh- mm, der gegen da» Abkommen mit England gerichtet war. Setz- Maschinen und Motor« wurden beschädigt. pomcsi-ö— ia Ouerre. Doris, 19. Jan.(MTB.) Der„Radical* schreibt: In gewissen Vierteln kämen di« Kinder zitternd au» der Schule und fragen ihren Dater, ob es wahr wäre, daß es wieder Krieg gäbe. Ob es wahr wäre, daß Poincare dasselbe sei wie der Krieg.(Die sozialistischen Arbeiter Frankreich« geben längst dieser Wertung kurz und bündig Ausdruck durch die Zusammenzichung Poincare— I» Guerre. Red.) Es sei traurig, darin ein Anzeichen für die Atmosphäre erblicken zu müssen, von der einige Gemeindeschulm erfüllt seien und was noch trauriger sei, man könne sich fragen, ob e» nicht im höheren Unter- richtswescn Frankreich», nicht einmal an der Sorbonne, Lehrer gäbe, die sich durch ihren Beruf verpflichtet fühllm, da« Beispiel der Ruh«. de» kritischen Geiste», der Vernunft und de» Maße» zu geben und die imstande wären, ein« entsprechend« Atmosphäre um sich zu schaf- fen. Auf einem Bankett der Liga der Republik habe man u. a. ver- bluffenden Dingen vernehmen können, daß Frankreich, inmitten Europa» isoliert, allein auf einem unfruchtbaren Felsen erdrückt unter der Last seiner Rüstung, der wütenden, verabscheuten, von allen verlassenen Wal kür« gleich« und Redner habe ge- fragt:- War das unser« Darstellung, als wir für Frankreich Sieg, Vergötterung und Liebe erträumten? Dies«, vom Philo- sophieprofesior Camille Douge— von der'Poriser. Universität— stammenden Worte verrieten in der Tat einen philosophischen Geist von bewunderungswürdiger Gewichtigkeit und seltener G«» rechtigkeit. Aussithten der Drohpolitik. Mailand 20. Jan.(TU.) Dom„Corriere della Sera' wird au» Paris gemeldet, es sei«in Irrtum, Poincare für nicht geneigt zu hallen, die Sanktionspolitik des„bioc national* in Verhandlungen zu vertreten, die nach seiner Erklärung der Unterzeichnung des Ga- ranticvertrages vorausgehen werden. Die hohen Töne, die er an- schlägt, bezwecken nur, die Kapitulation der Nationalisten vor dem Zwange nicht zu ändernder Tatsachen zu verschleiern. Im Grunde seien die von ihm unter Androhung neuer Sanktionen ge- stellten Forderungen mit dem Reparationsproblem für Frankreich und Deutschland erledigt. Deutschland habe sich dazu bereit er- klärt. Es blieb« die Frag« der Auslieferung der„Kriegs. Verbrecher*, die allerdings zu Komplikationen führen könnt«, wenn der Oberst« Rat die Beschlüffe des interalliierten Justiz- ausschuffes sanktioniere. Das fei aber wenig wahrscheinlich, da hiermit der Oberste Rat die an die Wiederberstellung und die Wohl- fahrt Europas geknüpften Hoffnungen sejhjt vernichten würde. Ein wensepunkt in Italien! 0. L. Rom. 17. Januar. Die wachsende Zusvitzung der innerpolitischen Lage und die Sorgen, die die Unsicherheit der auswärtigen Politik zeitigt, haben nun auch die italienische Arbeiterbewegung da« hin gebracht, die Frage einer Revision der Partei- t a k t i t als aktuelle, sofort auf eine Losung drängende Frage ins Auge zu fassen. Die Generalföderation der Arbeit hat am 12. d. M. in einer Sitzung ihres leitenden Ausschusses eine Resolution an- enoi«»«n, die für die sozialistische Parlamentssraktion das �»ohert, ein M i n i st e r i u m z u u n t e r st ü tz e n, das „die Wiederherstellung der elementaren Volksrechte und die Verwirklichung eines Programms gewährleistet, das den dringendsten proletarischen Forderungen Rechnung trägt". Diese Tagesordnung bedeutet den offenen Bruch mit der in Mailand bestätigten Jntransigenz und wird im Leitartikel des „Avanti" vom 15. d. M. als„der Weg zum Verderben" be- zeichnet. Was die Konföderation der Arbeit, die Zentrale der ita- lienischen Gewerkschaftsbewegung, bestimmt hat, der Arbeiter- klaffe diesen Weg zu weisen, ist in wenigen Worten dargelegt. Etwa ein Drittel oop Ober- und Mittelitalien steht heute unter der Diktatur der Fascisten. In einigen Gegenden ist es dahin gekommen, daß man, um sich von einem Ort zum anderen zu begeben,«inen von dem lokalen„Fascie" ausgestellten Paß braucht! Die systematische Zerstörung unserer Gewerkschafts- Häuser und Arbeiterkammern dauert an. In diesen Tagen aben die Fascisten gar einer ganzen Stadt. P r a t o in Tos- ana, einem Ort mit mit 57 000 Einwohnern, der durch seine an- archistifchen Traditionen bekannt ist, Urfehde geschworen und seine Zerstörung angedroht. Sie haben durch Maueranschlag bekanntgegeben, daß die Stadt in Brand geseht Die Steuerberatunst. Die interfraktionelle Sitzung zwischen Zentrum und So- zialdemokratie zur Beratung der Steuerangelcgenheiten tagte am Freitagnachmittag mehrere Stunden. Das Ergebnis ent- spricht, wie der„Sozialdemokratische Parlamsntsdienst" schreibt, keineswegs der Zeitdauer der Verhandlung. Ein Weg zur Verständigung wurde bisher nicht gefunden. Eine Einigung über Einzelfragen scheint leicht möglich, jedoch ist man in den Hauptfragen der Lösung nicht im geringsten nähergekommen. Das gilt vor allem van der inneren Anleihe, die für die Sozialdemokratie gewissermaßen die Grundlage der Verhandlungen bildet. Das Zentrum scheint fegen eine solche Anleihe im jetzigen Zeitpunkt weniger grund- ätzlicke, als taktische Einsendungen zu erheben: Höchstwahr. cheinlich wird sich de? Reichskanzler in den nächsten Togen clbst an den Kompronüßverhandlungen be-eiligen. Vorläufig ind die Sckwierigkeiten. die einer Verständigung zwischen Zentnim und Sozialdemokratie im Weg, stehen, nicht un- erheblich. vor öe? KanzlerreSe. Der Reichstag wird bestimmt auch im Monat Februar noch tagen, um mindestens die dringendsten Arbeiten zu er- ledigen. Es sollen nötigenfalls nur ganz kurze Pausen ein- treten. Für Dienstag ist die große politische Debatte, die mit einer Rede des Reichskanzlers eröffnet werden wird, vorgesehen. Dr. Wirth beabsichtigt nicht nur«in« Regierungs» erklärung über die Reparationsfrage abzugeben, sondern auch das Plenum von der Erledigung unserer Verpflichtungen und der hierzu notwendigen Maßnahmen in groben Umrissen in Kenntnis zu setzen. Außerdem wird die Kanzlerred« alle innen- und außenpolitischen Probleme behandeln, insbesondere aber auf die letzten öffentlichen Ausführungen des englischen und des französischen Ministerprä'identen antworten. Die Aussprache wird mehrere Tage in Anspruch nehmen. Vie MiMerkonferenz. Die Konferenz der Reichsrcgierung mit den Ministerpräsidenten dauerte mit einer kurzen Unterbrechung bis in den späten Rachmittrg. An den Verhandlungen nahmen außer den Reichiministern die Regierungschefs aller 18 Län- der oder ibre Vertreter sowie ihre Berliner Gesandten teil. Nach der Begrüßungsansprache des Reichskanzlers erstattete Dr. N a t h e n a u ausführlich Bericht übe? seinen Aufenthalt in London und Paris und über die Konferenz in Cannes. Daran schloß sich zunächst eine Aussprache über die außen- politische Lage, in deren- Verlauf einzelne Regierungschefs, namentlich die Ministerpräsidenten von Preußen, Bayern vnd Württemberg, ihrem vollen Verständnis für die Schwierig- f keiten der dnitsthen Außenpolitik Ausdruck gaben und den festen Enstchluß ihrer Regierungen bekundeten, auch fernerbin in allen Gefahren treu zum Reiche zu st c h? n. Sie j regten an, die Reichsregierung möge durch ähnlich« Konfe- renzen die Regierungen der Länder über die schwebenden Fragen der Politik stetig auf dem laufenden hasten. Der Reichskanzler erklärte, die Regierung werde dieser Anregung bereitwilligst nachkommen� Hierauf trat die Konferenz in die Erörterung innerpolitischer Fragen«in. Vizekanzler Bauer schloß die Konserenz mit dem Dank der Reichsregierung an die Vertreter der Länder. werden würde, falls einer der Ihren, der in einem 5ion- fsikt verwundet wurde, an der Verwundung sterben sollte. Es handelt sich also um eine neue Vollzugsgewait, die, ohne sich um die herrschenden Gesetze zu kümmern, ihr eigenes„Rechr" öffentlich bekanntgibt und ungehindert anwendet. Macht man es sich nun klar, daß die fascistische Bewegung sich gegen die st ä r t st e politische Partei des Landes. eben die sozialistische Partei wendet, die 125 Abgeord- nete im Parlament hat und 2000 Kommunen verwaltet, die Mehrheit in einem Drittel oller Provinzialverwaltungen inne- hat, so wird man begreifen, daß ein derartiger Zustand in den Massen die Forderung auslösen muß:„Schützt uns gegen diese Gewalt oder lehrt uns, uns selber zu schützen." Die Partei hat bisher weder das eine noch das andere getan. Zum Schutz gegen den Fascismus gab es zwei Wege: di« Massen bewaffnen und der Gewalt Gewalt entgegenstellen, oder die Regienmg zwingen, den Fascismus auf gesetzlichem Wege im Zaum zu halten. Run ist das Bewaffnen der Massen wohl für die Kom- munisten eine Maßnahme, die technisch spielend bewältigt und menschlich leicht verantwortet wird. Unsere Partei sieht dis Sache etwas anders an. Sie weiß auch, daß es bei der heutigen Handhabung der Gesetzgebung über das Waffentragen keine Kleinigkeit wäre, die proletarischen Massen auf eine der der Fascisten auch nur annähernd entsprechende kriegerische Aus- rüstung zu bringen. Die große Mehrheit aller führenden Per- sönlichkeiten unserer Bewegung weist überdies mit Abscheu den Gedanken von sich, den Bürgerkrieg zu entfesseln. Schließ- sich verspricht man sich— von allen moralischen Erwägungen abgesehen— wenig Erfolg von einem bewaffneten Widerstand der Massen, dem sofort die Polizeigewast, die heute mit Panzerautos und Maschinengewehren eine absolute technische Ueberlegenheit besitzt, entgegentreten würde. Unter solchen Umständen kann wobl die Gewalt aus der Situation geboren werden: sich plötzlich aufrecken, urwüchsig, wie das Leben selbst, um das es geht, vor allem geschriebenen Recht. über allem geschriebenen Recht, als elementare Selbstbehaup- wng, aber sie kann nicht von einer politischen Partei angeraten und vorgeschrieben werden. Als geplante politische Massen» oktion wäre sie eine Dummheit und ein Verbrechen, weil sie zum sicheren Mißerfolg vorbesiimmt wäre.- Und wenn die Partei die gewaltsame Abwehr nicht an- raten und nicht organisieren konnte, so lag es doch nicht im Interesse der heimgesuchten Bevölkerung, diese Unfähigkeit zuzugeben. Man hat also nur in den seltensten Fällen den Massen offen gesagt:„Mit dem, was wir an Gewalt auf» zubringen vermöchten, wäre euch gar nicht geholfen." Und durch dieses Verschweigen der eigenen Ohnmacht, das vielleicht taktisch notwendig mar, gab man einerseits den Kommunisten Gelegenbeit, das dis Gewalt ablehnende Ver- halten der Partei als Mangel an Mut ,zu bezeichnen, andererseits verwirrte man die Massen in ihrem Glauben an die Partei, denn«ine in ihren Lebenswerten und ihren teuerste» Gütern vergewaltigte und bedrohte Masse sieht es nicht ein. kann es nicht einsehen, daß man ihr nur aus moralischen und prinzipiellen Erwägungen den Beistand der Gewalt gegen di« Gewalt versagen könnte. Aus dieser Sachlage folgte eine wachsende E n t f r e m- düng der Massen, die besonders in GewerkschaftskreiseK flos Saperns Nätezelt. Mitteln dieses Regimes zu' bekämpfen.> Mönchen, 20. Januar.(Mtb.) vor dem Volksgericht München II Die nächste Zeit wird nun die beiden aus diesem Schritt begann heute vormittag M Uhr unter starkem Andrang die ver- sich ergebenden Fragen lösen, eb nämlich diese Wendung noch Handlung gegen 3„Rotgardisten�, die zur Zeit der Ratennnren im zur Zeit kommt, ob nicht die Bourgeoisie in sich genug Halt April 191? in Micsbach aus Grund eines Urteils eines Jne« gefunden hat. um des sozialistischen Beistandes nicht mehr zu-olutionstribunals gemeinsam mit 2 bereits verstorbenen bedürfen, und zweitens, wie sich der Parteivorstand und 2 geflüchteten Mittätern den Rotgardisten wacher erschossen . v' r,,"____ f____ i'v__ v__ v:- Tkt« in h�r(ihtv 20 Deusen oeladen lind, itent scharf empfunden wurde» in denen die Berührung mit den I Zwststngsdrüder de» Kriege», Dirtfchastskrise und Fafrismu», ländlichen Massen inniger ist als in der Partei. Es erklärt innerhalb des gegenwärtigen Regimes und mit-den Macht- stch, daß gerade die gewerkschaftliche Bewegung zuerst den Mut fand, der Katze die Schelle umzuhängen und laut zu sagen. was viele leise sagten. Denn für sie war der Rückschlag der Ohnmacht der Partei schwerer und unmittelbarer als für die politische Bewegung. Der Gedanke, die Abwehr gegen den Fascis- m u s, die man durch direkte Gewalt nicht durchsetzen konnte, durch Druck auf die Regierung zu erzwingen, ist so alt wie der Fascismus. Man hat diesen Druck versucht, aber� nur durch eine beständige Opposition. Nun ist aber Opposition für ein Ministerium, dem es ernst dämmen des Fascismus. ein Element der Schwäche,... Kraft. Durch Opposition von links drängt man das Kabinett harren, auch auf die Gefahr hin, die u--——--....,.. t« nach rechts, wo es die Unterstützung suchen muß, ohne die � zu vermindern, als die Arbeiterschaft durch eine Spaltung m| Nach dem Eroffnungsbeschluh haben samMche Angeklagte m es keine Mehrheit aufbringen kann- und was man von der Berwirung und Bruderzwist stürzen! � i««nemfehaft v° rs atz li chun dm. t Ueb ett. gung den Rot Rechten an parlamentarischem Schutz erlangt, das muß man- Die Konföderation der Arbeit hat es sicher nicht leichten Gardisten Lacher � � � !——,---— c v:. er �r.:ri—---- u~i v:. fronertr. iintemnmm»n h»r> SRnrfcmnrftnnh nnr»ine ln fntoen« schein(?) durchgeführten verfahren eines Revoluttonstribunals er Die Anklage lautet daher auf vorsätzlichen gemein- ühlung zu den Mafien gebung wohnhaft. in Rücksichtnahme auf die Fascisten zurückzahlen. So hat die' Herzens unternommen, den Parteivorstand vor eine so folgen-«ch"n(?) burchgefuhrten Verfahren emes KeDeluhonstribunals er Fraktion sicher durch ihre Taktik das Kabinett Bonomi l schwere Entscheidung zu stellen. Eine Rot. wie die es ist. die chosi-n D.e Anklage la"tet in der Bekämpfung des Fascismus eher gelähmt als gestärkt: heute auf dem italienischen Proletariat lastet, bricht Eisen und s chaftlich e n Mord. D,e A°rm>ttagssibung wu�e m,t der ve� durch ihre chronische bedingungslose Opposition hat sie die Re- kann auch Parteitagsbeschlüsie brechen. gierung der Zwangslage überhoben, mit der Fraktion als einem etwa zu gewinnenden Faktor zu rechnen. Demgegenüber sordert nun die Konföderation der Arbeit, die Partei solle einem bürgerlichen Kabinett/ das die Wiederher st ellung der Gesetzlichkeit verspricht, die deutschen Werke. Entscheidung verschoben. ihre Unterstützung zusichern, wodurch das Kabinett in die Lage �. � hat der deutschen Regierung nur eine kurze versetzt wird, auf so viel Stimmen von Rechts zu verzichten, Mitteilung betreffend die Deutschen Werke gemacht, die iedoch kcme als ihm von sozialistischer Seite geboten werden. Natürlich weiteren Schlüsse zulaßt, infolge dieser Unsicherheit hst sich der n-rk-dlt man siel, mu-k in d-n GVoil™ der N-sormilten" nirftt.! Arbeiterschaft der Deutschen Werte erneut e,ne große Erregung de- nehmung der Angeklagten ausgefüllt. Sie gaben sämtlich zu, an der Erschießung.teilgenommen zu haben, bestritten aber, bis auf Essig, auf den Erschostenen gezielt zu haben. Alle machten weiter geltend, sie hätten geglaubt, daß sie ein rechtskräftiges Urteil eines rechtmäßigen Gerichts auf Befehl zu voll- strecken hätten._ verhehlt man sich auch in den Kreisen der„Reformisten" nicht, � � � v daß es sich nur um einen Versuch handelt, der noch dazu in Der 3 en t r a l b e t r i« b s r a Mies Konzerns der Deutungünstigen Bedingungen unternommen wird. Das heutige...... Kabinett hat eine Mehrheit. Es braucht einem sozialistischen Vorstoß nicht zu unterliegen, es sei denn, daß es von den Klerl kalen in Stich gelassen würde. Je stumpfer auf bürgerlicher Seite das Gefühl für die Zerrüttung und Rechtlosigkeit der heutigen Lage ist, um so weniger ist das heutige Kabinett ge- fährdet, um so geringere Chancen hat der von der Konsöde- ration vorgeschlagene Versuch. Außer der Verschärfung der Fascistenplage hat auch d i e d!e Novelle zum �anöesfteueraese�. Grösiere Anteile für Länder und Gemeinde«. Aus parlamentarischen Kreisen wird der„Dens" geschrieben: sehen Werke hat demzufolge erneut ein« Verhandlung bei General. Rollet nachgesucht. In der heutigen Verhandlung erklärte Rollet Dem Rcichsrat ist ein Gesetzentwurf zur Aeuderung des Landes- dem Betriebsrat, daß die Interalliierte Militörkommission zurzeit steuergesetzes vom ÜO. Marz 1920 zugegangen. Die Einbringung noch über die einzelnen Fragen Beratungen pflege und die end- der Rovelle ist notwendig geworden, weil die bisherigen Bestim- mungen des Landessteuergesetzes auf Grund der neuen Steuer- Gnaöenerweise für Märzverurteilte. Am 19. Januar hat der preußische Justizminister eine Verfügung erlasienden gültige Entscheidung erst in etwa zehn lagen zu erwarten sei...... gesetze in mehreren Punkten abgeändert werden müssen. Bezüglich der Vergnügungssteuer wird festgestellt, daß die G e- m e i n d e n zur Erhebung einer solchen nach den vom Reichsrat zu einheitlichen Richtlinien verpflichtet sind. Das w lrt ich a f t n�Tr'iT? d?-�onMm«0N bestim� end'[erio|fö die die Begnadigung der wegen Beteiligung am M ä r z. j Landesrecht ist mit den Verfügungen des Reichsrat» em Lorlcklaa der Aenderuna der Taktik der- putsch Verurteilten betrifft. In dieser Berfugung heißt es u. o.ilii, Einklang zu bringen, kann iedoch bestimmen, ob die Steuer „Der Herr Reichspräsident Hot sich entschlosien, in lich offen mit dem Vorschlag der Aenderung der Taktik her- vorzutreten. Die Bankkrise, deren zentrale Erscheinung bis I jetzt die Bewilligung des Moratoriums für die'„Banca di i Sconto" ist, oerschärft die Krise der Produktion, da zahlreiche! Fabriken wegen Mangel an flüssigem Gelds ihre Betriebe ein- schränken oder still legen. Die Arbeiterschaft gleichzeitig der wachsenden Arbeitslosigkeit und dem Fascismus ausliefern, heißt aber, sie aus den Händen geben, die gewerkschaftliche Arbeit von Jahren zuschanden werden lasten. Zu all dem kommt die europäische Lage, die so l........■"m eine so große Rolle in der italienischen Wirtschaftskrise spielt. Die finanzielle und wirtschaftliche Lahmlegung der mitteleuro- päischen Republiken ist, wie wir wiederholt dargelegt haben, eine wesentliche Ursache der italienischen Produktions- und Ab- satzstockung. Trotz der Zollgrenzen ist die Ware der valuta- schwachen Industrieländer in Italien so billig, daß die inlän- dische Produktion nicht dagegen an kann; gleichzeitig ver» schließt sich der mitteleuropäische Markt den landwirtschaft- lichen Erzeugnissen Italiens. � Nichts ist daher natürlicher, als daß die Konföderation der Arbeit auch in der internationalen Politik von der auf dem Parteitag von Mailand festgesetzten Jntransigenz abzugehen strebt. Ein Schritt in diesem Sinne ist bereits auf der jüngsten Sitzung des leitenden Ausschusses der Konföderation getan worden, indem der Amsterdamer Eewerkschaftsinternationale �.,,,..... vom Lande oder von den Gemeindeverbänden erhoben und wie sie weitem Umfange denjenigen durch außerordentliche Gericht« verteilt werden soll. Die Beteiligung der Länderund Gemein- des Reiches Verurteilten d« n R e std e r S t r a s e bedingt zu z«„ dem Aiifkommen von R e i ch s st e u e r n soll in dem Sinne f»!Lt."'Jri! n wrn->e»>,-»» 10 Ml»Vret trtSV mr). ordentliches Gericht verurteilt sind, soll geprüft werden, ob hin- Zwei Drittel mit 2,00 Milliarden, also 1,90 Milliarden mehr als sichtlich dieser Verurteilung, soweit ihnen einschließlich der in An- bisher zufallen. Infolge der Steigerung und Erweiterung der reehnung gebrachten Untersuchungshaft oder nach Bildung einer Reiehsumsatzsteuer dürften ihnen in Zukunft 2,i5 Milliarden, etwa Gesamtstrafe eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als 1 Jahr auf- i,ss M i l l'i a r d e n mehr als bisher, zufließen. Räch den erlegt worden ist die Herbeiführung eines G n a d e n« r w e i s e s' neutn x.stjmmungen für die K r a f t f a h r z e u g st e u e r können 2*™« b-d.ngter Strafaussetzung ge-, � �der ferner auf eine Einnahme von 02,5 Millionen rechnen. boten erscheint." Auch aus der R e n n w e t t- und Gewerbeanschaffung s- die Stras�llstreckungsbehö�en"und�d>> �Äau�a�en� für�Gnadtti» � er B5Cr!)en �'e b e�'on'b�'�VielisfUireni' Wr�l922 jachen, die nach Ueberweisung der Akten durch die Seriehte prüfen Sm ganzen«erden die Lander an den Reichs steuern für 1922 sallen, ab die U n i e r b r e eh u n g des Strafvollzuges angezeigt ist.- �' t rund 22.5 Milliarden beteiligt fem. 1 Falls das Gericht die Aussetzung der Strafe beschließt, so ist nach der Verfügung des Justizministers eine Berichterstattung nicht notwendig. Lehnt das Gericht dagegen die Aussetzung der Strafe ganz oder zum Teil a b, so muß nach Erledigung der erforderliehen Ermittelungen, sowie naeh' Anhörung der Staatsanwaltschaft und des in Gnadensochen tätigen Reehtsanwaltes über die Herbeiführung eines Gnadenerweises Bericht erstattet werden. Rur bei De- teiligten, die zur Zeit der Tat das 18. Lebensjahr vollendet hatten, der Vorschlag gemacht wurde, für die bevorstehende Konferenz' und die nach übereinstimmender Ansicht der an der Bearbeitung von von Genua die Beteiligung der Gewerkschaft»- Gnadensachen beteiligten Stellen wegen erheblicher Lorstrafen und Vertretungen aller Länder zu fordern.! schlechter Führung in der Strafhaft eines Gnadenerweises unwürdig Unter dem Druck der schweren Not des Tages, von dem sind, braucht kein Berich« erstattet zu werden die Masten Abhilfe erwarten, wendet sich so die italienische Arbeiterbewegung nach rechts, mit der Absicht, die Regierung unter ihren direkten Einfluß zu bringen, um di« beiden Durch diese Handhabe der Gnadenattion liegt es also bei dem Justizministerium, die j«tzte Entscheidung in solchen Fällen zu treffen, in denen die Beauftragten für Gnadensachen ablehnend beschteden. Die vorliegende Steuernovelle will den Gemeinden nach in einer ! anderen Beziehung eine Erleichterung gewähren, indem sie die Lan- desgesetzgebung ermächtigt, die Anteile an der Umsatzsteuer, die nach dem Reiehsrecht ausschließlich auf die Sitzgemeinden ent- fallen, auf die beteiligten Sitz- und Belegenheitsgemeinden in ange- mestener Weife zu verteilen. Bisher sind alle Gemeinden, in denen das einzelne Unternehmen nur eine Betriebsstätte unterhält, van der Mitbeteiligung an der Umsatzsteuer ausgeschlossen, was für die geschädigten Gemeinden natürlich sehr verdrießlich ist. Die weiteren in Aussicht genommenen Abänderungen des Landessteuergesetzes be- treffen ferner die Verteilungsvorschriftn, nach denen den Ländern und Gemeinden die ihnen gebührenden Anteile vom Reich zugewie- sen werden. Daß die Abrechnung prompt und rechtzeitig erfolgt. ist die elementare Voraussetzung für die Erfüllung der Obliegen- hellen seitens der Anteilempfänger. Grillparzer 50?ahre nach seinem Toöe. Z u m 2 1. J a n u a r.'' Tage, an denen man nach dem Ablauf eines runden Zeitabschnitts der Geburt oder des Hingangs eines schaffenden Künstlers gedenkt, sind nicht nur Gelegenheiten zur Huldigung, sondern auch Zur Prüfung. Wieder wird das Verhältnis des Künstlers zur Welt zur Debatte gestellt, der veränderte Abstand überschaut, um zu er- messen, wie sich das Bild des Schaffenden in unserer Seele darstellt, um daraus zu schließen, wie wir uns gewandelt haben. Grillparzer hat die Frage, ob der Künstler neben der Gnade, das Werk gestalten zu dürfen, noch andere Gaben vom Leben ver- langen könne, in einem seiner ersten Werke mit einem tragischen Nein beantwortet. Das Schicksal hat ihm recht gegeben. Es hat dem Sohn des einst wohlhabenden, doch In Not früh gestorbenen Ad- vokate» und der durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Mutter ein kümmerliches Beamtendasein mit ewig gleichen Alltagen und den Bitterkeiten des Uebergangenwerdens beschert und ihm das Mück des Heims und der Ehe versagt. Den Ruhm, dessen Glanz doch Sapphos Liebestod umstrghlt, hat es ihm in seltsam bemessenen Dosen zugeteilt. Der Beifall der Menge brach rauschend aus, als der junge Dichter mit seinem ersten an die Oeffentltchkeit gebrachten Werk, der„Ahnfrau", hervortrat, nicht ohne daß der Gefeierte dabei den bitteren Tropfen kosten mußte, um einiger Konzessionen an die Bühne willen, die das Wesen des Ganzen nicht berührten, zu der von ihm verachteten Sippe der Schicksalsdramatiker gezählt zu wer- den. Der Erfolg blieb auch noch der„Sappho� treu, aber er ent- schwand plötzlich, als Grillparzer in dem großen, anspruchsvollen Werk„Das goldene Blies' sein Bestes gegeben zu haben glaubte. Es gelang ihm nicht mehr, ihn zu sich herzuzwingen: das reine Liebesdrama„Des Meeres und der Liebe Wellen' und das gra. ziös« Lustspiel„Weh dem, der lügt' wurden gleich kühl aufgenom- men. Die historischen Tragödien»König Ottokars Glück und Ende' und„Ein treuer Diener seines Herrn' stießen sogar auf höfische De- denken. So zog sich der Dichter auf der Höhe seiner Schaffenskraft in immer tiefere Einsamkeit zurück. Erst als nach 1848 im politischen Lebe» und durch Heinrich Laube auch am Wiener Hofburgtheater eine frischere Luft zu wehen begann, traten Grillparzers Werke aufs neue in das Licht der Bühne. Der Erfolg war groß, und die An- erkennung der dichterischen Bedeutung Grillparzers steigerte sich immer mehr. Aber für ihn selbst, der sich den 00 näherte, war es zu spät. Er tonnte es nicht verwinden, daß er, wie er sich in einem Verse ausdrückt, mit seiner eigenen Leiche hatte gehen müssen; alle Ehren, die ihm zuteil wurden, und die ihn besonders zu seinem 80. Geburtstag das Erlittene vergessen zu lasten suchten, fapden nur noch einen bitter und wehmütig läehelnden Greis. In der verschlösse» nen Schublade des Toten entdeckte man imbekannte Werke von hoch- ster Bedeutung:„Die Jüdin von Toledo",.Kibusta', und den„Bru- derzwist im. Haus« Habsburg', die er der Veröffentlichung oder deren er die Oeffentlichkett nicht wert gehalten hatte. Woher dies eigenartig« Dichterschicksal? War es wirklich nur die trübe Luft des Metternichschen Wien, in der Grillparzers dichte- rischer Stern nicht strahlen konnte? Hätte er in einer anderen Um- weit, gefeiert und umjubelt, auf Sapphos Wagen gestanden? Liegt es nicht doch zuletzt am Dichter und seinem Werk? Es ist kein Zweifel, � daß Grillparzer im Glück des Schaffens keinen«irklichen Frieden : gefunden hat, und daß seine leidenschaftliche Natur vergebens um das '„einfache Herz' gerungen hat, das er feine Gestalten sich erbitten ! läßt. Es ist die letzte inner« Harmonie, di« manchmal in seinen Werken zu fehlen scheint, und die ihn oft um den dauernden Erfolg betrogen haben muß. Auf das Volk konnte er weder mit der heißen Männlichkeit Schillers noch mit der tiefen Menschlichkeit Goethes wirken. So ist es seltsam zu beobachten, wie von seinen Bewun- derern— und kaum einer entzieht sich dem gewaltigen Eindruck seines hohen Könnens und seiner reinen und edlen Formkraft— dieser dem einen, jener dent anderen unter seinen Werken ihre Gunst zuwenden. Große Bühnenkünstler haben einzelne von ihm geschaf. sene Rollen dauernd mit ihrem Namen verbunden. Aber auch die neueste Entwicklung unserer Bühnenkunst hat trotz manchem Versuch keines seiner Werke zu einem rechten, stetigen Leben auf dem Thea- ter bringen können. Di« kristallene Klarheit gerade seiner klassizistt- schen Dramen ist immer etwas blaß und dünn geblieben. Der ästhe- tisch Wertende wir�, bei dem spröden Dichter freilich überall des Imponierenden und Ergreifenden genug finden. Aber es ist kaum zweifechaft, daß Grillparzer auch 60 Jahr« nach seinem Tod« der Beifall der Menge nicht treuer sein wird, als er es zu seinen Leb- zeiten gewesen. II. T. 3m Ausstattungsakesier des Staatskheaker». Groß« Bühnen, wie die Berliner Slaatsthcatcr, haben ihr eigenes Atelier, das eine besondere und interessante Welt für sich bildet. In der neuen Halb- Monatsschrift„Das Interview" findet sich auch ein« Unterredung mit dem Herrscher in diesem Reich, dem künstlerischen Leiter des Ausstattungswescns an den Berlmer Staotstheatern, Emil Piro- h a n, und wir erholten dabei zugleich ein Stimmungsbild von dieser„Werkstatt« der Kulissen'..Don seinem Atelier aus', heißt es da,„sieht man auf dos älteste Berlin; die Kuppeln vom Schloß, Dom, Kaiscr-Friedrich-Museum erheben sich über einem Gewirr von grauen Häusern. Dicht vcrbei die Stadtbahn, aber ihr Ge- räusch stört di« Großstädterohren kaum noch... Wir gehen durch die großen Ateliers, in denen alt« bemalte Leinwand zunächst aus- gewaschen, dann wieder gespannt und bemalt wird; sie macht die merkwürdigsten Wandlungen durch: je nach Bedarf wird sie zu Samt oder auch Seide— gemacht. Aus den Porräten an alten Kostümen— es handelt sich um nel« laufende— werden neue verfertigt. Wer kann all diese Arbeit richtig einschätzen? vi« Theater haben eine eigene Tischlerei, denn die nötigen Möbel müssen stabil sein. An jedem Morgen bringen di« großen Wagen die De- koration vom vorangegangenen Abend in das Lagerhaus zurück, w» jedes Stück seine eigenen Räume hat. Die für denselben Tag nötigen Dekorationen werden ins Theater gebracht und bort probe- weise ausgebaut; bei der letzten Szene wird angefangen, so daß die erste für die Vorstellung aus der vühne bleiben kann. Für da» Ein- und Auslade» sind groß« Aufzüge im Materialienhaus«in- gebaut.' Knßlan» bedroht dl« europäische»esundheil! Dem Gesund- heitskomitee des Völkerbundes ist von Dr. Norman White und Dr. L. Rajchmann«in Bericht über die rusiifchen Gesundheitsverhölt- � nisfe erstattet worden, der in der„Deutschen Medizinischen Wochen- . schrift' wiedergegeben wird. Entgegen vielfachen Meldungen wird hier festgestellt, daß im europäischen Rußland kein Fall von .Pest vorgekommen ist. Di« Cholera, die in den Hungergebieten ' im Sommer schrecklich hauste, ist unerwartet und plötzlich ver- > schwunden Am Fleckttzphus erkrankten 1919 über 2 Millionen und ! 1920 fast 5 Millionen. Dies« offiziellen Zahlen dürften aber viel ! zu gering sein, so daß man annehmen kann, die Zahl der am Fleck- ; rvphcks Erkrankten habe in den letzten zwei Jahren weit über 2 0 Millionen betrogen. Noch mehr Menschen als am Fleckchphus erkrankten am Rekurrenz-Fieber, das aber geringe Sterblichkeit . Hervorries. Pocken sind weit verbreitet, doch nimmt die Zahl der Geimpften standig zu; Malaria trat im Wolgagebiet und merk- würdigerweise auch in«rchangel in sehr schwerer Form aus. Die gesundheitlichen verhältnisi« find nach einem andern Le- richt während der letzten zwei Monate erheblich schlechter geworden. Der auf Polen sich ergießende Auswandererstrom hat die polnisch« sanitäre Absperrung erschüttert und eine Zunahm« des Tvpdus her- beigesührt, der sich jetzt gegen Westen ausbreitet, von Völkerbund- leite aus ist den polnischen Gestrndheitsbehörden vorgeschlagen wor- den, mit den entsprechenden russischen Stellen ein Uebereinkommen abzuschließen, um das sanitär« Problem als«in Ganzes und die Seuchenzone zu beiden«eiten der Grenze als Einheit zu behan- dein. Es besteht die dringende Notwendigkeit, den Kampf gegen Typhus, Dysenterie und Cholera energisch oorzubereiten, denn es ist zu erwarten, daß etwa 700 000 rusiische Flüchtlinge im nächsten Frühjahr an den Grenzen Polens und der baltischen Staaten er- scheinen werden. Die Regierungen Rußlands und Polens sind je- »och nicht in der Log«, diesen Kampf wirksam durchzuführen, wenn sie nicht vom volicrbund unterstützt werden. Mammulfunbe In veulschland. viel Aufsehen hat soeben der Petersburger Bericht über die ,n den vereisten Tundren des nörd- lichsten Oststbiriens aufgefundenen, fast völlig erhaltenen Mammut- kadaver erregt. Wer näher mit der Kenntnis dieser fossilen Elefanten vertraut ist, weih, daß»in solcher Fund bereits 1799__ isqo in Sibirien am Ufer der Lena gemacht wurde, und daß besten Knochengerüst später nach Petersburg kam. 1901 glück»- i. Sibirien(in Beresowka)«in neue» Fund; das Fleisch dieses im Eil» durch Jahrhunderte konservierten Mammuts war noch so gut dn& die Hund« es fraßen und sogar noch«ine Serumdiagnostdes möglich war. In Deutschland wurden besonders drei wichiiae »ammutfund« gemacht; in Abla in der Nähe von Minden H Stemheim dn«tuttzart und in Borna bei Leipzig. J.doch'£�5 Furcht vor einer Einigung. Die Kommunisten der.Note» Fadne" dcmuitern die NSP. in einer Wen'e, die einfach köstlich ist. Tie UTP.-Führer wer- den allertnnyS penau>o vermöbelt, wie alle ander», die nicht APD.-Führer sind und keine Heldeniatcn wie den jPiarztmlsch auszuweisen baden. Tie NSP.-Slrdeiier dagegen werden gemahnt und gewarnt nur ja auf ihre Grund'ätze«> achten, al« cb ti die loin- munistiichen Grundsätze der Z-niralleitung seien. Tie edlen Schwärmer für die.EuiheilKhoiir' Halen große Furcht vor einer A,'Näherung der USPD. an die SPD., weshalb sie alles daran- setzen, die'e zu Hinlerirciben. Obwohl sachlich ziemlich belanglos. ist es doch nichl nninimesioiit. zu sehen, wie sich die.Rote Fahne" um die Anhänger einer Partei bemüht, der sie nachsagt, daß de' deren Politik Grundsätze nnd Praxis in unveriöhnltchcm Widei« spruch zu eiuander stehen._ Setriebsratsmitglieöer im �lufsichtsrat. Lm Reichstagsausschuß für isozialpolitik wurde am Freitag der Gesetzentwurf über die Entsendung von Betriebs- ratsmitgliedern in den Aussichtsrat behandelt. Auf die Ausfüh- rungen des Abg. Aufhäufer(U. Soz.), daß einzeln« Firmen, insbesondere Gesellschaften mit beschränkter Haftung, schon jetzt das noch nichh>n Kraft getretene Gesetz zu umgehen suchen, indem sie ihrem Aufsichtsrat einen anderen Namen geben, erklärte Ministerialdirektor Dr. Ritter, daß das Detriebsrätegesetz nur »ür die Unternehmungen eine Entsendung von Betriebsratsmitglie- dern in den Aufsichtsrat vorsieht, für die ein Aufsichtsrat auch tat- sächlich besteht. Gesellschaften mit beschränkter Hof- l u n g sind aber zur Bildung von Aufsichtsräien gesetzlich nicht v e r- pflichtet. Wo also kein Aufsichterat besteht, können auch keine Betriebsratsmitglieder in ihn entsandt werden. Besteht jedoch ein Aufsichtsrat, so kommt es nicht auf feinen Namen an. fondern ledig- lich, ob dieses Aufsichtsargan Aufiichtsratsfunktionen er- füllt.— Abg. Hoch(Soz.) hielt trotz der Ausführungen des Regie- rungsvertreters die Gesetzesfaflung für unglücklich und beantragte eine deutliche Formulierung des§ 1, der die Negierung nachkommen will. Die§Sj 2 und 3, wonach die Anwendung der gleichen gesetz- lichen Bestimmungen auf beide Arten von Anfsichtsrotzmitgliedern an ihrer verschiedenen Herkunft notwendigerweise ihre Grenz« findet, fanden Annahme.— Zu§ 5, der im Hinblick auf die Bedeutung der Stellung als Aussichtsratsniitglied die gebotenen Wählbarteits- beschräntunaen behandelt, wurde vom Ausschuß beschlossen, alle nicht bereits im Bctricbsräiegcsetz vorgesehenen Beschränkungen fallen zu lassen.— 3u§ 6, der die in der Minderheit befindlichen Arbeit- nehinergruppen gegen Mojorrsierung durch die gemeinsam« Wahl schützt, wurde ein Antrag de? Abg. Mcbel(Soz.) vom Ausschuß an- genommen, wonach die Minderhrit der Arbcitnehmergrnppen, sofern ihr mindestens zwei Mitglieder des Wahlkörpcrs angehören, mit Stimmenmehrheit oder Stimmengleichheit die Entsendung eines Ber- treter« ihrer Gruppen beschließen kann.— Im übrigen wurde der Gesetzentwurf angenommen, er soll mit dem 1. Februar 1S22 in Kraft treten. Schließlich beantragten die Sozialdemokraten den Ausatz zu.» Vetnebsriitcgesitz: .Bei den bergrkch'iicken Gewertschg'ten. iür die ein Anf- sichlsrat nicht besieh.', werten ein oder zwei Beiriebsmiiglieder in den Grubenvorstand entsannt, für di« im übrigen die Be- stimmungen des Gesetzes gelten." Der Antrag wird in einigen Tagen beraten werden. Zst der Frühling jüdisch oder chrlstllch? Mit dieser schwierigen Frage muß sich die.Deutsch« Zeitung" beschäftigen. Sie Hot nämlich in einer Ziisammenstellung.rasseechter" Iudennamen, die sie irgend- wo zusammengesucht hat, auch den Namen Frühling mit auf- gezählt. Darob beschwert sich ein Oberst a. D. Frühling und weist seinen christlichen Siammbaum zurückgehend bi» auf das Jahr 1093 nach. Ein Bruder de» Herrn ist sogar Generalmajor— na also! Die„Deutsche Zeitung" aber entschuldigt mit vielen Bücklinge� ihren Fehltritt.— Der ganze Streit ist charakteristisch für das geistige Niveau der antisemltkschen Propaganda. kleber 500 Artikel dürite der vor dem Abschluß stehend« Ober- schlcsienveitraq zwischen Deuischland und Polen haben. Für veulschlanb oplleri haben SMS Scwohncr de» jetzt tscheche« slowaliicheii H u I t s ch i n e r LändchenS. Das deutsche volschast-gebäude in woshingtoa ist für seine» Zweck wieder freigegeben worden. Die Jinanzsorgen der Gemeinöen. es sich nur um Teile von Mammutskeletten, vollständige Skelette vom Mammut sind bei»n, trotz der Häufigkeit seines Lvrkommens (besonders in Norddcutschlond) noch nicht gemacht worden. Da- gegen wurden Stoß- und Backenzähne diese, gigantischen Tieres, da, größer war als der Indiiche Elefant, an vielen Stellen gesunden. besonders auch in den llrstrhmtälern der norddeutschen Tieseben,. Auch in Süddeutschland sind in neuerer Zeit bc. merkenswerte Funde gemacht. Bei Brieg a. d. Oder fand man «inen Bockenzahn, der 5 Pfund wog. Viel Ausschen machte im August 1913 die mühevolle Freilegung eines Mammutfkelett» in Breslau, wo es in einer Tiefe von mehr als 4 Meier bei Kanal- arbeiten aufgefunden wurde. In Deutschland ha� das riesenhafte Tier in der letzten Zwischeneiszeit und nach der letzten Eiszeit ge- lebt, wahrscheinlich zeitlich zusammen mit dem Moschlisochsen. der später in die Pclorgebiete abgewandert ist, wo er heute noch lebt. Der 5prachunker?!chk In den höheren Lehranstallen. Im Reichs» tagaoilsschuß für das Dildungswesan wurde Nw Antrag angenommen: .Die Reiärsregierung zu«rsuchen. mit den Ländern darüber zu ver- handeln, daß in den höheren Lehranstalten die Snrach« der Nach» barländer gepflegt wird und der Pflege der spanischen Sprache in den höheren Lehranstalten �besonder« Aufmerksamkeit zu widmen. Die Eroberung der Beauforksee. Als Vorhut einer neuen Nordpolarcxpedition de, kühnen Kanadiers Stefansfon hat eine kleine Gruppe von Leuten im letzten Herbst«ms der W r a n g e l l- Insel Quartier bezogen, Ut etwa 200 Kilometer von der Nordost- küste Sibiriens im Eismeer liegt. Diese selbst erst ganz wenig be- kannte Insel soll sozusagen ein Aussall-tor sür die Eroberung der noch fast unbekannten Beouforise«, de» großen weißen Flecke», der sich auf unleren Polarkarten von der Nordküste Alaska« bis zum Nordpol erstreckt. Und wie soll die Eroberung dieser Ei«- und Wasserwüste vor sich gehen? Ein« Anzahl kleiner Trupp» wage- mutiger Männer loll. mit geringen Eßvorräten, aber wohl ausge- rüstet mit Jagdzeug, getrennt voneinander aus die mit Ei» bedeckte Meeresfläche hinausziehen und auf ihr nordwärts wandern. Ihren Lebensunterhalt soll jede Gruppe durch Seehundjagd sich selbst ge- winnen. Indem die ganz« Reisegesellschaft in getrennt marschierende Einzeltrupps aufgelöst wird, ist die Wahrscheinlichkeit der Gewinnung der nötigen Nahrungsmenge vergrößert, außerdem wird dadurch di« Breit« des d-urckwanderlen Gebiete» viel größer und damit auch di« Aussicht, daß Inseln, die dieser nock, unbekannt« Teil ber Arktis bint nicht übersehen werden. Di« Mitnahme eine» Schisse» wird ga", vermieden und damit die Unabbängizkeit der Bewegungen viel größer ol, bei der sonst übliehen Form der Polarreisen, sreil ch auch da. Maß der Anstrenaungen und Entbehrungen, das die Teilnehmer freiwillig«mf sich nehmen.__ Epie«vlavS»dern»g. Im Operickans» wird«»nnodenb wegen«n» b-'tervrr Chfinufuf n de»£mn Kirchner statt Pkgel".Madame v u> t e r s l h" gegeben. Ter E-rllnder der Rnt«ir»bUe grsiarden. In Roifieller(Mt» flarf)«lard bieler Tonte«iae Waldmin Seiden, der Erfinder de» ersten benutzbaren, ggsolinbetriebenen Krastwagen». Tie Tarpater Nniprrsi'iitsbibltatbek. die na» bem Fr>«ben»rertrag »an Estland an lüutzllind auSztrl-eseni»m, ist nach Sor-i-�h gebracht »arben. Im Reichstag wurden am Freitag vorerst klein« An» fragen erledigt. Dem Abg. Dr. Moses(U. Soz.) antwortet ein Regicrungsvertretcr, daß die kommisiarischen Beratungen mit den Ländern wegen reichsges-tzlicher Regelung des Apothekenwesens noch nicht abgeschlossen sind. Eine Anfrage Frau P s ü l f(Soz.) beschäf. tigt sich mit der Notlage der unehelichen Kinder. Die Abfindung-v-rträge in der Zeit vor der Geldentwertung um 3009— 10 000 M. haben viele uneheliche Kinder und ihre Mütter in schwerste Notlage gebracht viele dieser Kinder fallen heute der öffentlichen Fürsorg« zur Last. Die Amtsgericht- sind sich vielfach nicht klar, cb eine Zusntzrente zulässig ist. Die Anfrag« verlangt ein Notgesetz, welches durch Aenderung de- 8 1714 des BGB. die Rcchtsverpflichtung des unehelichen Vaters zur Zahlung einer Zusatzrente festgeleat.— Ein Regierunasveriretcr erklärt, es liege im Wesen des Abfindungsvertrages, daß durch die Gewährung der Abfindung all« Aniprüa)?. die von dem Abgefundenen gegen den anderen Teil auf Grund des bestimmten Rechtsverhältnisses geltend gemacht werden könnten, endgültig zum Erlöschen gebrocht werden. Von diesem Gesichttpuntt aus hat die überwiegende Mehr- zahl der Gerichle die Ansprüche unehelicher Kinder auf Ergänzung des gewährten Abfindungsvertrages für unbegründet erklärt. Wenn einzelne Gerichte trotzdem sich der gegenteiligen Auffassung an- geschlossen haben, so ist das ein Beweis dessen, daß man die Härten ausgleichen wollte. Das Reichsjustizministerium erkennt an, daß die Veränderung der wirtsehaftlickien Verhältnisse besondere Nachteil« im Gefolge haben kann. Der Abschluß der Vorbereitungen in dieser � Angelegenbeit wird mit aller Beschleunigung betrieben. Abg. Merkel(U. Soz.) verlangt in einer Anfrage Reichsent» schädigungen der beim K a p p- P u t s» oerletzten Arbeiter bzw. der Familien der getöteten Arbeiter. Die Regierung antwortet, daß sie auf die Rechtsprechung der Tumultschädenausschüsse keinen Einfluß Hab«. Ueber den Stand des Verfahrens zur Ermittlung der Mörder Erzbergers erhält der deutschnationale Abg. v. G a l l w i tz folgende Auskunft: Die Borunterstlchung gegen den Hauptmann Schulz und den Oberleutnant Tillessen schwebt. Kapitänleutnant o. Killinger, der den Tätern Beistand geleistet haben soll, befindet sich in Unter- suchungshaft. In München wurde eine aus ehemaligen Offizieren der Marinebrigade Ehrhardt bestehende Geheimorgemisalion fest- gestellt: Schulz, Tillesfen und Killinger gehörten ihrer Oberleitung 1 an. Für die Beteiligung dieser Organisation an der Ermordung ! Erzbergers sind nicht genügend Anhaltspunkt« vorhanden. Das Verfahren wegen Geheimbündelei ist eingeleitet. Genaueres über da» Ergebnis der Verfahren kann zurzeit nicht mitgeteilt werden, da dadurch der Untersuchungszweck gefährdet würde. Dem Abg. Girblg(Soz) wird erwidert, dos Reichsministerium des Innern werde für eine ordnungsmäßige Prüfung der Fi« b�e r- thermometer sorgen. Die Frist, die das neue Gefetz über diesen Prüfungszwang vorsieht, sei verlängert worden. Der Entwurf eines ArOeitsnachweisgesetz« wird dem Sozialpolitischen Ausschuß überwiesen. Hieraus wird die Besprechung der demokratischen Interpellation über die 5'nanznot der Gemeinden sortgesetzt. Abg. henke(U. Soz) sogt u. a.: Ohne die französisch« Revolution hätten auch Stein und Hardenberg keine Selbstvermoltung geschaffen. Und ohne die deutfiße Revolution wäre das Selbstvcrwoltungsrecht der Gemeinden.ein Messer ohne Heft und Klinge geblieben. Wer den Gemeinden helfen will, muß dem Reich helfen. Wo bleibt aber da der gute Wille der bürgerlichen Parteien, wo bleibt d!« Erfaffung der Sachwert«? Reichsfinanzminister Herme«: Die Reichsregierung hat olles getan, was sie tun konnte, um die Leistungsfähigkeit der Gemeinden zu erhalten. Das beweisen die Betröge, die bereits vom Reich an die Länder weitergegangen find. Es geht nicht an. daß dir Gemeinden für Mindereinnahmen, die ihnen aus gesetzgeberischen Maßnahmen � de» Reiche» erwochsen, Entschädigung verlangen und auf der an- deren Seite di« Mehrcinnahme aus den Steuerüberweifungen be- � anspruchen. Die Umsatzsteuer hat 19?1 das Doppelte d-s Voran- schlag» gebracht. 10 Milliarden statt 4,5 Milliarden. Für 1922 werden mindestens 24 Milliarden erwartet. Davon bleiben sür die Gemein- � den 1921 mindestens 250 Millionen, für 1922 mindestens eine Milliarde. Die Stadt Berlin schuldet dem Reich schon mehr als eine halbe �Milliarde ! an Steuern, die sie für dos Reich eingezogen hat. Für seine Vor- ichußzahlungen muß das Reich Richtlinien ausstellen. Das Snstem der� Zuschüsse ist auf die Dauer nicht erträglich. Außerpolitiscbe Gründe zwingen dazu, daß die Finnnzhoheit des Reiches nicht allzu- weitgehend von den Ländern und Gemeinden ausgeübt wird. Die � Gemeinden mögen sich in der Not der Zeit bescheiden und bemühen, i zusammen mit Reich und Ländern das Unglück zu meistern, das uns ein hartes Geschick zugedacht hat. Abg. Scheidemann(Soz.): � Minister Hermes hat davon gesprochen, daß das Reich an der Finanznot der Gemeinden keine Schuld trifft. All« Redner waren sich dorüber einig, daß die Lage der Gemeinden so trostlos ist, das; unbedingt etwas getan werden muß. Ich frage den Minister: Wer hat denn die Gemeinden zu Stipendiaten des Reiches gemacht, wer hat ihnen die einträglichen Steuerquellen genommen? Doch nur das Reich! Dann hat der Minister erklärt, Hilfe müßten in erster Linie die Länder leisten, denn sie seien dazu berufen. Aber die Länder sind doch ebenfalls nrößtenteils Stipendiaten des Reicbs. Die bisherig« Regelung der Zuschüsie des Reiches an die Gemein- den ist so unvollkommen, daß jetzt die Gemeinden mit einer Summe nicht mehr wirtschaften können, die 1919 festgesetzt wurde. Das Reich selbst hat stch gescheut, oder sagen wir gelchnmt, die M i n d e st e i n- kommen zur Besteuerung beranzuziehen und hat sie den Gr- meinden zur Besteuerung überlassen. Da aber die Gemeinde selbst die geringsten Einkommen besteuerten nnd besteuern mußten, au- nulliert das Reich diese Besteuerung! Wenn Sie uns im Auaenblick kein Geld überweisen können, so sorgen Sie wenigstes dafür, daß di« Gemeinden nicht mehr belastet werden, z. B. durch D-rsetzunaen von Beamten und Mehreinstellung von Schui-polizei. In diesen Fällen zwingt man die Gemeinden. Geld kür Wobnungsbauien sliisflg zu machen, für die eigentlich das Reich aufzukommen hat. Die Gemeinden sind die beste siiossminq des Reiches, sie sind die Zellen des Reiche», und wenn sie aedeihen werden das Reich und die Länder auch gedeihen.(Beifall.) Nach einer Rede Kochs(D-m.l ist damit die Intrrnellation erledigt. Der Gesetzentwuri betresis Kürzung der Ruhegehälter und Warteaelder sowie der Rebenbezüg« bei Nersorgiingsberechtlgst". die«in Einkommen aus gewinnbringender Bcschäftiguna außerhalb des Reich, oder Staatsdienstes beziehen

>"»------........-----------„ hcitskonferenz der sranzösischen Gewerkschaftsbewegung verlangt zur sreigewerli-haftl-chen Bewegung bekannt haben hanfig find wird, haben wir in unserer gestrigen Bureausitzung festgestellt, daß>vcir inedr als die Haltte aller stimmen jur vre �ijtcn Sc« Ufa der Kongreß der französischen Minderheit st a t t g e f u n d e n hat Bunde« abzegcbe» worden. und daß diese die Spaltung vollzogen hat. Die in uns«. rem Telegramm gemachte Bedingung ist also nicht erfüllt worden. Der deutschnationale HandlungSgehilkenverband zweifelt Nachdem Sie und Ihre Freunde die Einheit gebrechen haben, be-! unsere Veröffentlichung in Nr. 26 de«.Vorwärt«" an und ver» ........... steht kein Grund mehr zur Abhaltung einer Konferenz. zeichnet folgend« Elgebnisie au« 240 Orten: A'a-Bund 176 Ver- oft haben diese Herren von der Amsterdamer InVernatianale nach Damit ist die Angelegenheit für uns vorläufig erledigt, und die iraiiensleuie»nd 493 Eifatzleule, DHV. 32t Bertraiiensleute m>d „Einheit" gerufen! Wieviel Krokodilstränen haben sie darüber Herren können mit ihren Versuchen fortfahren, in die Gewerkschafts.'>*& Ersatzleute. Frauen verbände 17 bzw. 88. GdA 207 bzw. Stt». vergossen. Sie vollziehen unter dieser Losung der..Einheit" den bewegung Uneinigkeit zu säen. Bis jetzt waren sie darin nicht sehr � ver chiedene Verbände 34 Vertrauen«!-«,- bzw. 112 E.'ayleui-. �,. testen der Arbeiterklasse: sie sind bereit, die erfolgreich. Unser« Armee von 24 Millionen Menschen steht nach?"„bald" l rt" 0'' � � fiA Lfa«rtn,fiA,0nnnn h L''" 1�® Spiel zu setzen, wenn sie immer geschlcsten und stark zu dem gleichen Programm, das 1919 in �"ellen. welche Zahlung richltg nt._ last-». An'den Schandpfabl mitten Menschen d!7 das fr�nzä! � Tarisvcrßgndlungen in der LeteNvnr.ninduftrie vertagt. sische Proletariat an Händen und Füßen gebunden der Bour. bleiben siets komp�.rn Kampf gegen d.e Re. �» den folgenden Togen fanden m geoisie ausliefern! An den Schandpfahl mit den Dorkämp'er» nfhon. 0,8 � ,"3n Rußland aus über ganz Europa verbrellet und � m r � der Klcsienharmoniel An den Schandpfahl mit den Agenten des � der Form der Diktatur Gellung beansprucht. Kapitals in der Arbeiterschaft! heitsfront!" Es lebe die proletarische Ein. Wir bedauern es außerordentlich, daß die russische Revolution. der da» ganz« Proletariat in Europa von Herzen zugejubelt hat und die wir nach bestem Bermözen und gern« unterstützen würden, von Tyrannen auf falsch« Dahnen gelenkt wird und des- halb vollständig fehlzuschlagen droht. Doch dies ist nicht"unsere ' Zur gleichen Zeit, wo man uns zu einer Zusammenkunst auf. Schuld. Wir haben die„Einheitsfront" von Anfang an ge. fordert, schimpft man uns Verräter an der Sache der Arbeiter! bildet und befestigt, und wir hcffen, sie aufrecht zu erhalten, zum Herr Losowsky, der uns an den Schundpfahl zu bringen wünscht, Ansturm gegen die Bourgeoisie und zur Verteidigung gegen die lehnt es nicht ab, mit uns ruhig über die Einheitsfront zu berat- Spaltungsoerfuche, die von Rußland unternommen werden. . Die Arbeiter werden also aufgefordert, sich von der»mster- damer Internationale loszutrennen. Das ist die Vorbereikung zur„Einheiksfronk". Vom ungarischen Hewerklchastskongress» I Deshalb forderte der Kongreß im Interesse der Arbeiter und der tfrtt...._"„! inneren Ordnung: 1. Sicherung des Vereins-, Derfammlungs- und NÄ'S»? K? LÄÄ , � Arbeitern ihre elementaren Rechte und Freu der Arbeitgeber, durch die die um mehr Brot kämpfende "[lnh*tln tlDuIre Kommentar der Arbeiterschaft zur Auswanderung gezwungen wird: 3. daß die � der ungarischen Regierung, d.e der polizeiliche Aufsicht, der Meldez�ang. das System der verfug hell. � Sauber dem Internationalen Arbellsamt Internierung und politischen Verfolgungen aufg«. Zur wirtschaftlichen Lage hoben werden. Ebenso muß auch die Zensur abgeschafft werden: 4. die Regierung soll ermöglichen, daß die Gewerkschaftszentralen stellte der Kongreß fest: als Ursachen der fortwährend steiaenden im Lande Ortsgruppen gründen und kontrollieren können; Teuerung und des Elends: einerseits die von der Regierung in den 5. die Aufhebung der Beschlagnahme der V« r e i n s l o k a l e und letzten zwei Iahren betriebene einseitige Agrarpolitik, ihre Zurückgabe; 6. die Regierung soll die Verordnung Nr. 6407 andererseits die Wirt'chaftepolitik und die Zollpolitik des Lcmd-s, oi« von 1920 aufheben, die die Bergarbeiter unter militärisch« den Wiederaufbau der Industrie hindern: daß, während die Be- Aussicht stellt und dadurch die Freizügigkeit, das Derfammlungs- und Hörden das friedliche Zusammenarbeiten mll der Arbellerschast an-«tveikrecht ohne jeden Grund hindern kündigen, inzwischen die Arbeitgeber mit Wissen der Behär»! Der Kongreß erneut« sein k®" den Arbeitern ihren Standpunkt in der Regelung der Lohn- Verhältnis zur Amsterdamer.Zaternaklonale Mit°Ra°ckstckll darau?"forde�d-r Konareü- 1 Nok VI» Be unb dankte für die tiefe Sympathie und das kameradschaftlich« Mit. Lebensmittel. 3 daß Angestellt, �.wemger a s 10«X) Kr°nen ous für sein van proletarischer Solidarität getragenes Der- ' b5r Minderbemittelten aufgenommen ��«n: er bestätigt« die Beschlüsse Ui Londoner Kongresses des „,. 1 Internationalen Gewerkschaftsbunde» und beauftragt« den(tzewerk- Ueber das koalittoa». und Skrelkrecht| schaftsrat. seine volle Kraft an die Verwirklichung dieser Deschlüffe sagt- der Kongreß, daß die um das Vereins- und Streitrecht ge- zu wenden, sobald er seine Bewegungsfreiheit zurückgewonnen hat. führten Kämpfe und die darauf bezüglichen Eingaben noch immer Inzwischen scheinen sich die Verhältnisse etwas erträglicher ge- zu keinem Erfolg führten: daß sogar die im letzten Jahre.von der staltet zu haben.__ Regierung erlassenen Verordnungen sowie die Praxis der proMonatsgehalt werden vinzialen Verwaltungsbehörden die freie Wirkung der Gewerkschaf ten hindern: daß der verichk, den der ungarische Minister des Aeußern dem Berliner Arbeitslose in München. Au« M ü n iv e n beiickuere die Iii, die dortigen Blätter der» -.■-„------------------„—-----..-icbneten mit Unlust die Tatsacbe. d. b. vom Baycritcben in« Znlernatumaleu Arbeitsamt gemacht hat, nicht der Wahrheit ent-' Deuifcve übertragen, sie fäiimpfen. daß von Berlin und„ohne jede« spricht, weil die das verelnsrechl beschränkenden Verordnungen noch\ S'nversiändni« und obne vorberige Ver'iändiguna mir dem in Geltung sind, und daß die Behörden noch über dies« beschränkenden Müncbener Arbeitsamt 64 ArbeitSloie nacb München geschickt wurden Verordnungen hinaus, dem Orgcmisaliono- und Slreikrecht eigen- mächtig Abbruch tun?lrbeller, die an der Lol-.nbewegung teilgenommen haben, sind unter Anklage gestellt und interniert worden. mit der Weisung, da» städtische NrdeilSaml solle ibnen Arbeit geben Alle Be'ch'verde» dagegen waren vergeben«. Die Berliner Arbeitslosen wnrden nun z» Kiiltnrorbecten nach Oberbayern ge'andt. Eisen ach Berbandlunaen siair, wo neben einer Reihe wichtiger Beru ungställe auch die Lohnsorderungen de« Verbände« der Sattler, kopezierer und Porieieuiller aut der Tagesordnung standen. Die Srbeltgeber verlangten e>ne Verlängerung de« alten Abkommen« bi« Milte Februar, welche durch die Ar» beiterverlreier abgelehnt wurde. In der Lohndebatte kam t§ zu einem Zwischentall, welcher den unparteirschen Vorsitzenden, AmiSaerichisrat Schül au« Offenbach a. M.. veianlaßie. lein Amt niedc/zulegen. D>e Verbandlunge» mußten vertagt werden bi« zur Nenwabl de« Vorsitzenden, welch««n den nächsten Tagen er« solgen dürste. Bi« dahin bleibt der Nachtrag 9 volltnhaltlich in Ki aft. Abbruch der Verhandlungen im ZeitungSgewerbe. Der Arbeitgeberverband tür da« Groß.Bcrl>ner ZeitungSgewerbe bot den Angestellte» für Januar eine 20piozeniige. für Februar ein« 26prozeiitig« Zulage auf die zurzeit gezahlten Ge» hälier. Bei der Germasügigkeit der letzteren in diese« Zugestäiidurs absolut unznieichend. Die am 17. Jaiiiiar veisam», eilen, im Zen« iialverbaiiS der Anaestellien orgon siertcn A n g e st« l l t« n de» ZeitungSgewerbe« haben denn auch das Angebot der Arbeitgeber abgelehnt. Sollt« der angerufene Schlicht ungsanSichuß den Wünschen der«»gestellten nicht in höherem Maße Nechiuinq trogen, dann werden die Angestellten gezwungen icin, den Kampf »IN Ihre Exist-.-nz mit allen gewerlichaitlichen Mitteln aufzunehmen. DI« gemaßregellen Dreher der LokomoNvfabrlk Hennigsdorf werden ersucht, ihre Abcesse an den Kollegen Hans B o r j cz e. Berlin, Bellermannstr. 83. einzusenden. wederstreik w Augsburg. In der großen Angßvurger Spinnerei »nd Webe, ei und lämiliche Weber in den Streik getreten. Die Fabrikleiiung hatte«iner Anzahl Weber gekündigt, weil diese sich weigeiten. drei Webstühle zu bedienen. «.r»«,» hn tMtt, rnn»«onjitag 10 Uhr»et Soffer, Webergr. 17, Bfrsan'mlun, dee SJetfeottWet. und PortlscuMre�ranchl. Hierzu sind auch alle in der Lederwarenindustrie. tötigen Buchdiuder gelade». Teil! .----- Jr.iij nm*. Berlin-Li�lerfetde: Nie ,n. Serlag Lorwarlo-Serlag D. m. b. H.. Berlin. Druck: Berantw.«tllr den eedakl. zeiar»: Th. Stocke, Berlin, i_■.......■ Borwöris Bnchdruckerei u. Berloosnnttnit Ba»I Singet u. To., Berlin. Lindenltr. L fitt» I BeUaee Bei Grippe-Sefabr schützen die facharztlich empfohlenen Panfiavin•Pastillen Erhaltlich In all en Apotheken und Drogerien. Edelster deutscher Weinbrand Weinbrennerei Scharlachberg G. m. b. H., Bingen a. Rhein Vertreter: Carl H. Bitzenhof er9 Berlin W 50, Förther Str. 3 Fernspr, Amt Uhland 524 Nr. 35 Jahrgang ÖCö eonnalcn», il.Janaotl»« vie Sarottifabrik in Ter Schwierige Nettnngsarbeiten.- vas Grohfeuer in der Sarottl-Fabrik in Tempelohf. über da« wir bereits im gestrigen Abendblatt berichteten, hat die gewaltigen An- lagen in unmittelbarer Nähe de« Tellowlanal« bis auf die Gruud- mauern eing äschert. Eine Feuersbrunst, seit dem gewaltigen Brande der viktorlaspeicher in der Eöpenicker Strohe wohl der verheireudsle Fabrlkbrand, den Berlin erlebt hat, ist hier aus winziger Uesache enlslauden, und es ist völlig unbegreislich, wie die Flammen sich trotz der massiven Decken und der Eisenbetauwände. trotz Hydranten und sonstigen Vorsichtsmahregeln mit einer derartigen windesjchnelle ver- breiten tonnten. Die Gefahr wurde unterschätzt, und es ist geradezu als ein Wunder zu bezeichnen, dah kein Mcuschculeben verunglückt ist. Alle wehren Berlln» und des Süden» waren den ganzen Tag vereint tätig, aber die-törgllchen wasierstrahlen waren gegenüber dem Flammenmeer machtlos, vie Sarolti-Fabrit brannte und glühte au». fluf öem Veae zur öranüftelle. Schon von der höhe des Tcmpelhofer Fcldes aus sah man quer über das Feld in mähiger höhe langsam eine riesige breite graue Woltenstrahe. Am Horizont sieht man die Quelle: dick sich auf- blähende und auseinanderquellende Ricsenblasen. Drohendes Dunkel- grau. Wind wälzt es zu Boden. Dann springt es in die Luft hoch auf. Und zieht, UnheU oerkündend, ab. Da ist schon Tempelhof. Eiliges erregtes Rennen in den Straßen. Ein magerer Weg, leer von Bäumen und häsern. Menschenwirren in beiden Richtungen. Drei Madchen kommen entgegen, zerzauste haar«, erhitzt, siebernde Blicke..Was ist mit euch?' Die eine mit nervös wispernder Stimme: Beinahe... hat'» mich gekriegt... das Feuer da. Ich laufe, will meine Sachen holen, will zurück... da... dicker Qualm im Flur... Alles dunkel.— Ich schreie und niemand hört... Zurück zur Wastcrleitung. Tuch naß gemacht... Um den Kopf geschlagen... Taschentuch vor den Mund und wieder in den Gang. Qualm noch dichter... Endlich eine Türe. Raus— Gerettet.' Sie atmet auf, sieht ihre Begleiterinnen abwesend an, nickt, geht mit ihnen weiter. Jetzt beginnt ein sanfter Ruß- und Aschenregen. Glühende Fetzen fliegen wie seltene exotische Blumen in der Luft herum, wer- den vom Ost, der schneidend peitscht, weit abgetrieben. Dumpfes gleichmäßiges Puffern schüttelt durch die Lust: eine der vielen Dampf. löschmaschinen. Don zwei Seiten der Straße, über das Feld, von einem Fabrikhof kriechen die dicken, roten Schlangen der Wasser- schlauche. Vor der breunenden Fabrik. Da lleqt die Fabrik. Ein breiter Betonklotz. Zwei Seiten- flügel, ein Mitteltrakt. Wo brennt es nun? Man steht nichts. Un- geheure grauschworze Wolken pressen sich mit imponierender Gewalt aus dem Innern des stumpf daliegenden Hauses, wölben sich explosiv» artig enger und zerfließen oben in einem gleichmäßig abziehenden Qualm, hellgraues Gewölk drängt sich dazwischen, ein Zeichen, daß Master in die unsichtbaren Gluten fällt. Merkwürdig tot liegt die Vorderfront. Die dunklen Wolken des Todes schießen immer wilder aus allen Oeffnungen. Der Wind preßt sie ab, wirft sie zurück, hüllt den ganzen Bau in Rauch. Jeder einzelne Stein scheint Qualm zu atmen. Plötzlich steht man in dem ersten Stockwerk einen dünnen roten Schein ausatmen. Ein« goldigrote Flamm« flackert bald hinterher, steigt höher, wird breiter. Da» Feuer ist aus dem Kell» empor- gestiegen. Jetzt faltet sich das Rot breit wie eine Blutsahne au»- «inander, schwenkt hin und her, zieht sich in die höhe, in die Weite. Rechts und links sind, kaum beachtet, neue Flammen entstanden, die sich mit der ersten vereinigen. Eine breite Feuerwand steht in den Räumen. Ein dumpfer Schlag macht die Erde zittern, ein zweiter folgt. Dann springen mit schrillem Klang Fensterscheiben, splittern scharf- zackig zu Boden. Ein neuer Schlag knallt breit und schwer..Ex- plosion! Explosion!" schreit es in der Moste, die kreischend entflieht. E» brennen die Fcnstcrkrcuze. Eine Scheibe nach der anderen zerschellt. Breit, höhnisch leckt die Flamme heraus, zuckt zurück, wieder an, zuckt höher, immer höher, schlägt wie mit gierigem "> Eine seltsame Mchl. Roman in vier Stunden von Lanrids Bruun Mamsell Berg benutzte die Pause, um sich zu erheben. � chjarmer wandte sich zu ihr. „Ich kann mir denken, daß es Sie unter diesen Berhalt- nisten nach Hause treibt— es gibt ja viel zu bedenken und zu ordnen." Er erhob stch. um ste zur Tür zu begleiten. „Wie gesagt, ich muß Sie darum bitten, alles unberührt Hegen zu lasten. Sobald die Rechtszeugen hier sind, werden Doktor Sylt und ich die legal« Leichenschau vornehmen, da- mit die Sache ohne Verzug weiter verfolgt werden kann." „Besten Dank!" Mam,ell Berg stand hochaufgerichtet und eckig da, die Hände vor sich aus dem Magen gefaltet. Dann wandte sie sich zu Frau helwig:„Gute Nacht!" sagte sie. grüßte Werner hilsöe mit dem Kopf, ohne ihn anzusehen und ging zur Kontorlür.' „Also auf Wiedersehen!" sagte HZarmer und folgte ihr. „Ich habe niemand, der Sie begleiten kann, Mamsell Berg. aber die Nacht ist ja hell." „Besten Dank!— Das ist auch nicht nötig.". Während hjarmer den Rücken kehrte, versuchte Werner Frau helwigs Blick zu sich zu zwingen, aber sie hob die Augen nicht von der Stickerei. � �« Als der Amtsvorsteher die Tür hinter Mamsell Berg geschlosten und sich wieder gesetzt hatte, räusperte hllsäe sich ""k Sehen Sie, Herr Amtsvorsteher, ich kam her, um mit dem asten Hilsöe in Geschästsangelegenheiten zu sprccken. Jetzt, da er tot ist. habe ich hier nichts mehr verloren. Nur würde es mich interessieren zu erfahren, wer ibn beerben soll. „Ich siebe selbstverständlich mit jealicher Ausklörung. che Ihnen von Nutzen sein kann, zur Verfügung: nur furchte ich, daß ich noch weniger weiß als Sie. � Herr hjarmer rückte etwas auf feinem Stuhl, wahrend £ nervös auf seine weißen Hände herabsah. v „Darf ich mir die Frage erlauben. Herr Hilsöe. Sie sind Vöhl der nächste Verwandte des Lersiorbenen?" ipelhof niedergebrannt. - Mehr a!s 100 Verunglulkte. Lachen bis hoch über das Dach empor. Scheu weicht die Menge vor der entfestelten Bestie. Splittern und Prasteln und Krachen geht durch die Räume, von denen einer nach dem anderen feurig aufglüht. Auch die zweite Decke wird durchfrcsscn. Schon scheint es in dem oberen Stockwert rot. Ein wlldes Krachen tönt. Jetzt ist alle» ein einziger riesiger Feuer- ofcn, und jedem wird klar, da ist nichts mehr zu retten. Diese Fabrik wird ganz und gar ausbrennen und nur die Umfassungsmauern wer- den stehen bleiben. Wo ist die Feuerwehr? Sie arbeitet mit einem Dutzend Spritzen heroisch. Wo ist das Master? Man sieht einen Strahl aufzischen. Das Feuer deckt ihn zu. Man sieht ihn wieder. Jetzt meint man, eine schmale weiße Feder zu sehen, die sich vermißt, diesen Vulkan auszuwedeln. vas Nettunzswerk. Räch den bisherigen Feststellungen ist es sicher, daß das Feuer zuerst in einem an der Nordwestecke der Fabrik belegenen Kcllerraum ausbrach, wo sich große holzwollaorrSle entzündet hatten, ob infolge Kurzschlusses oder Unvorsichtigkeit des Personals, mag dahingestellt bleiben. Der Kcllerbrand hatte eine ungeheure Rauchentwicklung zur Folge. In kürzester Zeit waren alle Räume der Fabrik, vor allem ober tie vier großen Treppcnschächte, von dichtem Qualm gefüllt. Als die Feuerstrene ertönte und das Personal schleunigst die Ausgänge zu gewinnen suchte, war von dem Feuer selbst in dem Gebäude nichts zu merken als der aus dem Keller hervorströmend« Rauch. Die yansseucrwehr versuchte sofort, den Sellcrbrand zu bekämpfen, doch erwies sich der Druck der Fabrithydranten als zu schwach. Als da m die inzwischen alarmiert« Tempelhofcr Feuerwehr eintraf, richtete sie all? ihre Bemühungen zunächst a« f die Rettung der in den oberen Geschostcn eingeschlossenen 200 bis 300 Angcslclllen und Arbetterinven, denen der Rettungswcg infolqe der starken Der- qualmung der Treppenhäuser verlegt war. Mit Hilfe einer mecha- Nischen Leicer, die an der Ostscite der Fabrik angesetzt wurde, sowie mittels Rettungsleinen und Rettüngsschlauch wurde das Rettungs- werk in Angriff genommen, das sich infolge der unter dem Personal der Fabrik ausgcbrochenen Panik sehr schwierig gestaltete und nur langsam vonstctten alng. Die etwa eine Stunde später eintreffenden Mehren von Neukölln, Riariendors und Britz unterstützten die Tcn'pclhefer In ihrer Rettungsaktion durch Aufrichten weiterer mechanischen Leitern. Der Kellcrbrand selbst schien in den Dar- Mittagsstunden nicht genügend beachtet worden zu sein. Man ver- suchte zwar, ihm mit mcbrcren Schlauchleitungen zu Leibe zu gehen, doch gelang es nicht, das Feuer einzudämmen. Gegen 12 Uhr mittags wurden die Löschmannschaften durch Schreien nnd Rufen der noch nicht herabg-hollen Arbeilerinncn lm vlcrlen Stock darauf aufmerk- sam gemacht, daß die Flammen, die anscheinend durch L'lltschächte hindurch den Weg nach oben gefunden hatten, auf dieses Stockwerk übergriffen. Nun erst schien sich die Feuerwehr der schwere» Gefahr richtig bew> ßt zu werden, und man rief die Berliner Feuerwehr um Hilfe an, die auf die Meldung Großfeuer unter Führuna des Dranddirektor» Reichel alsbald mit fünf Lösch- zögen an dar Brandstelle erschien. Inzwischen hatte das Feuer auch auf die übrigen Stockwerke der Westfront übergegriffen, so daß beim Eintreffen des ersten Berliner Löschzuge» aus vier Stockwerken de» Weftflüget» die bellen Flammen herausschlugen. Da die Rettung der eingeschlossenen Angestellten im vierten Stackwerk immer noch nicht beendet war, wurde zunächst ein« weitere mechanisch« Leiter an der Ostfront angesetzt und der Rest de» Personals in Sicherheit gebracht. Unter Leitung des Branddirektors Reichel beaann dann mit mehr als 20 Schlauchleitungen ein umfassender Lö'changriff an allen Fronten. Aber es war berei!s zu spät. Mit unheimlicher Schnellig- keit verbreiteten sich die Flammen von dem Westflügel nach dem Mittcltrakt und dem Ostflüqel. Anscheinend durch keinerlei Brand- mauern gehemmt, fand das Feuer an den ungeheuren Brrräten an den Arbeitstischen, Regalen reiche Nahrung. Um 1 Uhr mittags war die gesamte Fabrik ein gewattiges Feuermeer. Fast sämtliche Fensterscheiben waren geplatzt, ein heftiger Qstiriud fachte die Flammen immer mehr an und trieb eine ungeheure schwarze Rauch- sänle nach Westen. Besonder« au« den Stockwerk-n an der Nord- und Westfront, wo Zucker, Kogna?, Liköre und Spiritus lagerten, schössen riesige Flammen hervor. In der zweiten Nachmittagsstund« mußten diejenigen Löschmannschaften, die aus nächster Nähe Wasser- „Der einzige!" Werner betrachtete festen Blickes das bleich« Gesicht des Amtsvorstehers mit dem blonden, gepflegten Vollbart und fügte dann so ruhig und gleichgültig hinzu, als spräche er vom Wetter: •„Aber er enterbte mich vor einigen Iahren. Und es würde mich interejsieren..wen er statt meiner als Erben ein- gesetzt hat." Der Amtsvorsteher wich ieinem festen Blick aus, der ihn nervös machte. Er rieb seine weißen Hände gegeneinander und sagte: „Ja, nach dem, was Mamsell Berg sagt«— und ste scheint ja das Vertrauen de» Verstorbenen besesten zu haben so findet sich kein Testament in seinen Fächern. Wenn eines existiert, ist es natürlich zu Zeiten meines Vorgängers im Notariätsprotokoll eingetragen worden. Wenn Sie sich also morgen ins Bureau bemühen wollen, können wir das Pro- tokoll zusammen durchsehen." Frau Helwig sah interessiert auf. „Du hattest es ja heute abend mit, mein Freund." „Das ist auch wabr." Hjarmer sah zum Rauchtisch hinüber. „Da liegt es ja." „Eut!" sagte Werner und erhob stch.„Dann wollen wir der Qual ein schnelles Ende machen." Sie gingen zusammen hin, und Hjarmer schlug das schwere Protokoll auf. „Also Sie meinen vor ungefähr vier Iahren? „Ja, bevor Sie— und Ihre Frau hier in die Gegend kamen." „Das stimmt,!a!" Der Amtsvorsteher blättert«. „Ich finde den Namen Hilsöe nicht!" sagte er kurz danach. „Vielleicht weiter hinten." „Kanm!" „Doch hier—* Der Amtsvorsteher beugte sich interessiert herab und ver- folgte den nejchTiebenen Text mit dem Finger, während Wer- ner über seine Schulter sah. „Setzen Sie hier: Just Joachim Werner Hilsöe— Testamentarische Bestimmungen— lesen Sie bitte selbst." Massen In da» Feuermeer schleuderten, wegen Explosionsgesahr zurückgezogen werden. Bald daraus ereigneten sich kurz nacheinander zwei Explosionen wahrscheinlich im Spirttuosenlager. Letzt sah man ein, daß die Fabrik verloren war. Von weiteren fruchtlosen Löschversuchen wurde ab- gesehen und alle Anstrengungen darauf gerichtet, dos Maschinenhaus an der Ostfront und die Benzintanks am Teltowkanal vor einem Ucberqreifen des Feuers zu bewahren. Aus dem lichterloh brennen- den Gebäude ertönt« fortwährend das krachen herabfallender Ria- schincnleile. Tie Decken, die ebenso wie die ganze Fabrik au» Eisen- beton hergestellt sind, schienen zu halten, ebenso die großen ge- mauerten Bunker im dritten Stockwerk, in denen sich die Kakao- bohnen befinden. Bis in die Abendstunden hinein hielt das Feuer in unverminderter Stärke an. Gegen S Uhr nachmittags gelang es an einigen Stellen der Ostfront, wo das Feuer infolge mangels an Nah» rung ein wenig nochgelassen hatte, mittels Hakenleiter wieder in die Räume einzudringen und den Löschangriff von hier au» auf» zunehmen. Um 7 Uhr abends rückten zwei welkere Verllner Löschzüg« an die Brandstelle, um ihre völlig erschöpften Kameraden abzulösen. Die Zahl üer verunglückten beträgt nach den bisherigen Feststellungen welk über hunbert, wobei die vielen Fälle von leichteren Rauchvergiftungen nicht mitgerechnet werden. Die erste Hilfe leistete die Rettungsstelle 41 in Tempelhof und das Krankenhaus Britz, dem zahlreiche Arbeiterinnen mit schwerer Rauchvergiftung, einige auch mit Rervenchocks zugeführt wurden. Verletzungen beim Herabspringen sind nur in geringfügigem Maße vorgekommen. Das im Augenblick des Brandes beinahe Z000 Köpfe starke Personal mutzte bei der Flucht aus den Arbeitsräumrn fast alle Kleidungsstücke zurücklassen. In der dünnen Arbeitsklei- dung harrten die Arbeiterinnen vor Kälte zitternd im Hof der Fa- brik, bis es mit Hilfe der Sarotti Autos und lahireicher Kraftwagen, die die Dinos-Automobilgeselllchaft und die Kraftverkehrsgesellschaft Marken zur Berfügung gestellt hatten, gelang, alle Angestellten nach ihren Wohnungen zu transportieren. Uebcr die Ursache des Unglücks haben stch bisher genauere Feststellungen noch nicht treffen lasten. Sedr wahrscheinlich ist es, daß der Brand im Keller durch Kurzschluß entstanden ist, da unmittelbar hinter dem Stapel Holzwolle elek- trische Leitungsdrähte liefen. Wie es möglich war, daß die Flammen mit einer solchen Geschwindigkeit auf das riesig«, in Eisenbeton her- gestellte Fabrikgebäude übergreifen konnten, muß erst die amtliche Untersuchung feststellen. Die unerfreulichste Erscheinung bei dieser Brandkatastronhe ist auf jeden Fall das Verhalten der Tcmpelhofer Feuerwehr, die trotz aller Warnungen der 2lrbeiter und Arbeite- rinnen der Meinuna war, daß sie allein imstande sei, den Keller- brand zu löschen un? die die hiUe der Berliner Feuerwehr erst zwei Stunde« später anrief, als das Schicksal der Fabrik bereits besiegelt war. Die größte Scko�olaöenfabrik Europas. Das jetzt niedergebrannte Fabrikgebäude, dicht am Tellowkanal gelegen, nördlich begrenzt von der Filmstadt der Ufa mit ihren phantastischen Kulissenbauten, istdasgrößteWerkdieserArt auf dem europäischen F e st l a n d e. Ein im Jahre Willi nach den Plänen von Profestor Bruno Möhring errichteter Eisen- betonbau, eine der bemerkenswertesten Fabrikschöpfunqen Groß- Berlins. Der hohe achteckige Schornstein und der grau« Masswblock des Fabrikgebäudes ragen weit hinaus über das flache Feld, das die Industrieanlagen vom Wohnort Tempelhof trennt. Tag und Rocht wurde an dieser„süßen" Stätte gearbeitet, oft nicht nur in zwei, sondern In drei Schichten, und es bot einen feenhaften Anblick, wenn die hunderte Fenster und die tausend« kleiner Scheiben der Sarotti-Fabrik wie ein Mürchenpalast durch das Dunkel der Nacht ihr Licht versprühten. Sarott'-DwiöenSen. Das Gelände, auf dem der jetzt abgebrannte siebenstöckige Fa. brikbau von 7000 Ouadrolmetcr Grundfläche stand, wurde von der Sarotti-A.-G. 1010 angekauft. Es handelt sich dabei um«In 40 000 Quadratmeter großes Grundstück mit 300 Meter Wasterfront und mit Bahnanschluß. Hierhin wurde im Laufe der letztvcrgangenen Jahr« fast die gesamte Fabrikation verlegt. Die Sarotti-A.-G. stand im vergangenen Jahr verschiedentlich bei der Börsenspekulation alles beherrschend im Borderarund. Seine Hauptursache hat das darin, daß Sarotti nicht nur intime, im be- sonderen schwedische, Auslandsverbindungen pflegt, es sitzen in sei- nem Ausstchisrat auch prominente deutsche Dolksparteiker, z. D. der Reichstagsabgeordnete S t r e f e m a n n. Die im Vorjahre sich fort- La, da stand es wirklich. Hjarmer rrendcte hastig die Seite um und las weiter: „Ziegelhof genannt— mit allem Grundbesitz, der Zie» gelei und allen übrigen dazu gehörigen Bauten testier« ich meinem Adoptivsohn Herald Werner Hilsöe— „Sind Sie das?" fragte Hjarmer. Werner sah ins Protokoll und nickte. „Das ist also da? ursprüngliche Testament," sagte er. „Aber wo ist nun das, das dieses umstieß?" Hjarmer richtete sich auf und sagte mit einem Lächeln: „Ja, wie Sie sehen, Herr Hilsöe, ist kein solches vor» handen." „Seltsam!" Werner runzelte die Brauen und dachte nach. —„Er war ein Mann der peinlichsten Ordnung." Helwig sah van der Stickerei auf. Zum ersten Male be- gegneten sich ihr« Blicke, und ihre großen, grauen Augen ver- bargen nickck die Freude, die sie empfand. „Sie sotlen sehen. Herr Hilsöe," sagte sie,„es war nur eine Drohung!" Hjarmer schlug das Protokoll zu. trocknete feine weißen Hände im Taschentuch und trat an den Tisch. „Ich glaube, daß meine Frau recht hat!" sagte er.„Wenn olle Enterbungen in Kraft treten würden, die alt«, reizbare Leute im Zorn herausschleudern, dann waren die Erbverhält- nisse noch verzweifelter und verwickelter, als sie es schon lm voraus sind. Sie ahnen nicht, welche Erfahrungen wir Juristen darin machen. Wenn sich das Blut beruhigt hat, dann bereut man, und die Enterbung gelangt selten zu Bapier, geschweige bis zum Notar, wenn nicht ganz besondere Gründe vorliegen, die— die—" „Vielleicht lagen hier solche vor!" sagte Werner und sah ihn fest an. „Gott bewahre!" Hjarmer betrachtete diskret feine Hände. „Mir ist der oorlieoende Fall ja ganz unbekannt. Aber den- noch— wenn sich nichts im Notaric-tsvrotokoll findet und ebensowenig in seinen gewohnten Fächern— dann holte ich mich für berechtigt, Sie als den glück- lichen Erben eines großen, des größten Vermögens im Amts- bezirk zu beglückwünschen." (Fortsetzung folgt.) gesetzt verschlechternde Valuta schuf für Sarotti eine Art Elnfuhr- sperre für die Rohmaterialien der Schokoladenfabrikotioa Günstig« Einkäufe dieser Produkte, die weit zurücklagen, ermöglichten dann horrende Gewinne. Nachdem da» Geschäftsjahr 1320 noch mit 18 Millionen Mark Aktienkapital 40 Proz. Dividende zulieh, ging man 1921 daran, das Kapital mehrere Male zu erhöhen. Zu- letzt wurde e» vervierfacht. Damit wurden für die alten Aktiv- näre Gewinn« geschaffen, wie sie bis dahin an der deutschen Börse und der Oeffentlichkeit unbekannt waren. Man arbeitete aus die bewährte Art, dah die jungen Aktien zum Nominalwert aus- gegeben wurden, obwohl die alten damals an der Börse mit 2(5iX) notierten. Damit sielen als Bezugsrecht auf jeden alten Aktionär 1800 Proz..Neben"- Dividende. Bei der jüngsten Kapi- talserhöhung wurde den Sarotti-Akiionären ein Bezugsrecht von 1000 Proz. erneut in den Schoß geworfen. Es ist kaum auszurechnen, welch gewaltige Gewinne im vergangenen Jahr die Sarotti-Gesellschaft ihren Aktionären neben der Dividende auf dies« Art in den Schoß geworfen hat. Die Bilanz der Sarotti-A.-G. ist ein Musterbeispiel für die heute übliche Verschleierung gewaltiger Reserven und sonstiger Berdienste. Es ist deswegen schon heute an- zunehmen, dah den Aktionären aus dem gewaltigen Brand irgendwelcher materieller Schaden nicht entsteht, über das Schicksal der beschäftigungslos gewordenen Arbeiterinnen und Arbeiter ist noch nichts bekannt. Die jüngste Kursnotierung der Sarottiaktien ergab eine Be- Wertung von 1812, d. h. 18120 M. für eine Tausendmarkaktie. Der Jall Durg vor Gericht. Der Im.vorwärts" wiederholt besprochene Konflikt an der Fürstin- Bismarck- Schule, in dessen Mittelpunkt der Direktor Dr. Burg stehh stand jetzt vor dem Schöffengericht Charlottenburg zu einer sehr ausgiebigen Erörterung. Burg hat den an dieser Schule tätig gewesenen Studienrat Dr. Ka- w e r a u als den Redakteur der Mitteilungen des Reichsbundes cnt- schiedener Schulrcformer wegen Beleidigung verklagt, weil ein dort im September 1920 veröffentlichter Artikel über jenen Konflikt ihm eine Reihe von Vorwürfen machte. Unter anderem wurde darunter über Direktor Burg gesagt, er habe seine Schülerin- nen darüber abstimmen lassen, ob in den Schulzimmern die Kai- s e r b i l d e r wieder aufgehängt werden sollten, er habe auf eine Bismarcksahrt der Schülerinnen nach Friedrichsruh hingewirkt und Geld aus einem an der Schul« zusammengebrachten Fonds eigenmächtig zur Deckung der Kosten verwendet, er habe ferner die gegen seinen Kollegen Kawerau in einer Elternversamm- lung vorgebrachten.gemeinen und bösartigen An- griffe" indirekt dadurch unterstützt, dah er Kawerau nicht gegen sie in Schutz genommen habe, weiter habe er gegen den damals an derselben Schule tätigen Studienrat Dr. Reintjes gehetzt und grobe Unwahrheiten nicht gescheut. Der Angeklagte Kawerau, dem Rechtsanwalt Ii e i n« als Verteidiger zur Seite stand, erklärte, dah er in Wahrnehmung b e- rechtigter Interessen gehandelt habe, als er den nicht von Ihm selber verfaßten Artikel aufnahm. Darin werde nur das Er- ?ebnis der gegen Direktor Burg geführten amt- ichen Untersuchung wiedergegeben, und das zu veröffent- lichen, habe er als ein persönlich an dem Konflikt beteiligter Lehrer, zugleich als Mitglied des Elternbeirats der Schul« uno schließlich auch als Kämpfer für die entschiedene Schulreform ge- radezu die Pflicht gehabt. Gegen ihn und Reintjes sei gehetzt worden, und über ihn selber sei zum Beispiel das Märchen oerbreitet worden, daß er.im Unterricht alle Viertel st und« mindesten» einmal üon der freien Liebe rede". Der Kläger Burg behauptet unter anderem, er habe Kawerau Nicht gegen Reintjes aufgehetzt, sondern ihn vor diesem.schützen" wollen, indem er ihn mahnte:.Wer Pech angreift usw." Gegen Reintjes erhebt er den Lorwurf, dah dieser ihn. Burg, beim Ministerium Haenisch detumKiert habe, indem er ein Exemplar der von Burg festgesetzten, gegen die Bestimmungen über die Elternbeiräte verstoßenden Tages- ordnung für eine Elternratswahloersamulung ins Ministerium gelangen ließ. In der Beweiserhebung wurden zunächst die gegen Kawerau in der Elternversammlung und anderwärts vorgebrachten Angriffe erörtert. Prof. K u t t n e r, der Vater einer Schülerin, brachte allerlei ihm als sehr bedenklich geltende Dinge zur Sprache. Kawerau hatte z. B. den Geldheiraten die wahrhast sittliche Ehe einer vom Kapitalismus befreiten Gesellschaft gegenübergestellt. Dah er von»freier Liebe" gesprochen habe, stellte Kawerau aufs bestimmtest« in Abrede, und er berief sich darauf, dah alle Schü- lerinnen e i n st i m m i g diese Behauptung für unwahr erklärt haben. Von besonderem Interesse war die Vernehmung de» Minister» a. v. haenisch, der In seiner Ministerzeit sehr nachdrücklich in den Fall Burg ein- gegriffen hat. Haenisch sagte folgendes: Der Gesamteindruck, den ich vom Direktor Burg hatte, war der, daß er ein etwas unauf- richtiges Verhalten an den Tag gelegt hat. Diesen Eindruck hatte nicht nur ich, sondern auch diejenigen meiner Räte, die sich mit der Sache zu beschäftigen hatten, und zwar ohne Unterschied der fwlitischen Partei. Beim Provinzialschulkollegium hat er die Der- etzung von Reintjes beantragt, ohne diesem etwas davon zu sagen, wie es Pflicht der Kollegialität gewesen wäre. In der Aegelegen- heit der Tagesordnung für die Eltcrnratswahlvrrsammlung forscht« er dem Absender de» Zettels nach und berief das Lehrerkollegium wiederholt zu Konferenzen zusammen, wobei er auch in u n p ä d a- gogischer Weis» die ganze Schule in Aufregung versetzte. An der Schule hätte der Direktor die Minderheit gegen Vergewaltigung durch die Mehrheit schützen müssen, er aber machte sich zum Führer der Mehrheit gegen die Minderheit. Direktor Burg wehrte sich gegen diese Bekundungen. Die Sitzung, in de r auch Oberschulrätin Wegscheider- Z i e g l e r und Prof. O e st r e i ch über die Vorgänge in der Eltern- Versammlung vernommen wurden, dauerte bis zum spaten Abend. Für den Prozeh ist eine Dauer von mindestens drei Tagen in Aus- ficht genommen._ die öer'iner Kaninchenanleihe. Eine Erbschaft au» der.Großen Zeit". verlin hat während de» Krieges für den Kauf von Kaninchen- fleisch eine Anleih« von etwas über 1 Million Gulden in Holland aufgenommen, die infolge der Verschlechterung des Mark- werte» gegenwärtig zu einer drückenden Last zu werden drohte. Es ist jetzt gelungen, für den größten Teil des Betrages eine lang- fristige Anleihe bei einer holländischen Hypothekenbank aufzunehmen. Die Stadtverordnetenversammlung stimmt« gestern in geheimer Sitzung dem darüber vorgelegten Beitrage zu. V i e n e u e A n- leihe läuft auf 40 Jahre. Es ist zu hoffen, daß im Laufe so langer Zeit der Wert der Mark gegenüber dem ausländischen Zah- lungsmittel bester sein wird als heute. Immer wieder zeigen sich die Folgen der Kriegswirtschaft im Berliner Rathaus. Man überläßt es dem jeßigen Magistrat, mit diesen Schwierigkeiten sertigzuwerden, und wir sind gespannt, ob nicht auch diese Anlcihegeschichte bald irgendwo von reaktionärer Seite als Argument für dir sozialistische.Mißwirtschaft" benutzt wird. Eine??olge der Portoerhöhunfl. Infolge de» erböbten Portos bat der Magistrat beschlosten, Briete und Poükarien an Piivatperionen fBercine, Geielliwafle», Koiporaiionen u>>v) unhaukierl als portopflichtige Dienstsache ab- zusenden, wenn die Angelegenheit im Interesse des Empfängers liegt. Der Magistrat ersucht daher, allen Schreiben und Eingaben. aus die der Absender eine Antwort in seinem Intereste erwartet. da« Port« für die Antwort beizufügen. Lebensmittelpreise des Tages, Zufuhr: Fische knapp. Geschäft nihij?. Fleisch über Bedarf Geschäft etwas rege. Obst und Gemüse schwach, Geschäft schleppend. « Am gestrigen Freitag galten in der Zentralmarirthalle folgende Kleinhandelspreise: Sedeehs 11 dl.. Ksbliau 13 M. tmd Sehelldseh 10 M.. Bleie von 12 M nn nnd Hechte lg M., Stinte 3,50 M. das Ff und,— In Hasen ist die /.u'nhr reichlich, doch kostet das Pfund noch immer 11 nnd 12 W. Ein Paar Hasenkeulen 30 M Gänsefleisch kostet 25— 26 M. das Pfund.— Puten konnte man von 21 M das Pfund anhaben,— Rouladen standen mit 22 Äl. ausgereichnot und Kalbsschnitzel mit 24 M., Hammelllelsch wurde mit IL und 19 M. verkauft. Kalblloisch mit 15— 17 M.— Das Vioitelplund Schlackwurst kostete 7.50—8,50 M., Salami 8—8,50 M., Braurschweljer 7 51.. feine Leberwurst 7 M. und Landleberwursl 6,50 M. Fleiechwurst 7 M.. Zungenwurst 7.50 M.. Schabefleisch 20 M. das Pfund und Gehacktes 16 M,, Hackepeter kostete 24 M.— Margarine hatte sich im Preise nicht verändert. Naturbutter schwankte zwischen 42 und 48 M. das Pjnnd.— Schmalz kam 23 M. und Holländisches 24,50 M., Kunsttett wurde mit 19.50 M. angeboten.— Kamemberlkäse konnte man für 7,50 il. und 9 M. haben, Faustkäse das Viertelpfund für 3,40 M., Tilslfer Kise 36 M. das Pfund— WeiSkohl kostete 2.40 M.. während der Wirsingkohl 3—3,50 M. fordorte," Blumenkohl 8—12 M. der Kopf und Rotkehl 5 M. das Pfund.— Nudeln standen mit 9 und 9,50 M. ausgezeichnet und Graupen mit 7 M., Erbsen 6 und 7,50 M., Auszugsmehl 6,50 W. und Eier das Stück 4.50 M. Zur Verzweiflung getrieben. Ein überaus trauriges Menschenschicksal entrollte sich gestern vor den Geschworenen des Landgerichts I in einer auf versuchten Mord lautenden Anklage gegen den erblindeten früheren Kaufmann, jetzigen Korbflechter Mehr. Er war beschuldigt, versucht zu haben, sich und seine zwei Kinder durch Leuchtgas zu töten. Der Angeklagte wohnte in Posen, ernährte sich als Kaufmann, hatte dann da» furchtbare Unglück, infolge einer Netzhautentzündung das Augenlicht zu verlieren. Er erlernte dann die Korb- macherei, verheiratete sich in Posen und betrieb im Bercin mit seiner Frau, die ihm zwei Kinder schenkte, sein Geschäft mit gutem Erfolge. Bald aber verlorerseineFrau. Die Polen boykottierten ihn und er war gezwungen, mit seinen Kindern nach Berlin überzu- siedeln. Hier"versuchte er es wieder mit der Korbmachcrel, muht« aber fein Geschäft wieder ausgeben, da es ihm an Betriebskapital fehlte. Eine mitleidige Seele nahm sich der Dereinfamten an, führte ihm in ihren Freistunden die Wirtschaft,.bis sie durch eigen« häusliche Sorgen gezwungen war, diese Fürsorge aufzugeben. Da packte ihn volle Verzweiflung und er beschloß, seinem elenden Dasein ein End« zu machen. Eines Abends legte er die sorgsam angezogenen Kinder zum Schlafen aufs Bett, verschloß die Fenster fest, öffnete den G a s h a h n und legte sich dann selbst nieder. Während die Kinder ohne Zwischenfall einschliefen, verfehlte das Einatmen des Gases bei ihm feine Wirkung und er nahm noch etwas Sublimat, um fein Ziel sicher zu erreichen. Nachbarsleute, die durch den intensiven Gasgeruch aufmerksam gemacht worden waren, drangen in das Zimmer und fanden den Dater mit feinen beiden Kindern zwar noch lebend, aber in einem traurigen Zustand vor. Sie wurden nach dem Krankenhaus« Friedrichshain gebracht und es gelang, sie am Leben zu erhalten. Die Geschworenen verneinten die Schuldfrage, so daß der Angeklagte freigesprochen wurde. Ein j?alschmtinzerprozeh. Eine der umfangreichsten F als ch m ü n ze ro ff är e n wird zurzeit vor dem Schwuraericht des Lancqerichts I unter Bor- fitz bis Landgerichtrdivektors R« h n verhandelt. Auf der Anklage- dank sitzen 13 Personen: 1. Stemdruckereibesitzer Franz Fuchs, 2. S'eindrucker Paul Eichler, 3. Buchbinder Erich Gohner, 4. dessen Frau, Cäzilie G a h n e r, 5. Arbeiter Hermann R e s ch k e, 6. Frau Frida R« s ch k e, 7. Photograph Wilhelm I o rczi t, 8. Fuhrunternehmer Willi W« l z« l. 9. Händler Max G o ge r, 10. Händler Leib Bernzweig, 11. Arbeiter Adolf B« r n z w« i g, 12. Schankwirt Wilhelm Heb«streit, 13. Kaufmann Ludwig Wolfs.— Es handelt sich um eine im großen arbeitende Fabrik falscher S0-Mark-Sch«in«, mit deren Aufdeckung die Falschgeldst.'ll« der Reichsbank unter Leitung des Kommissars o. Liebermann feit Jahr und Tag eifrigst beschäftigt gewesen ist. Der Umsatz in Falschschein en wird auf ungefähr 8 Millionen Mark geschätzt und auf dem Gerichtstitch liegen noch e!wa 3K Millionen beschlagnahmter Falsifikat«, die noch nicht zur Ausgabe gelangt sind, vi« Verhandlung wird mehrere Tage in An- fpruch nehmen._, Auch weiter OuSkerspeifung in Ueukälln. Die kürzlich Der- öffentiicbten Meldungen über die Abreise der Ouäker zur Hille- leistnn.g nach Ruhland haben verschiedentlich den Eindruck erweckt, als ob mit diesem Zeitpiinkie nliiimebr auch die Speisungen selbst endgültig eingestellt seien. Diese Veiürchtung ist grimdle». Die Speisungen werden vielmehr mit Ui'tersliitzung der deutschen Be- bürden zunächst bi» zum I. Juli d. I weiter durchgeführt. Im Verwaltungsbezirk Neukölln bietet sich gegenwältig noch für eine Anzahl werdender und stillender Mütter Gelegenheit zur Teil- nabme und zwar werden Anmeldungen Werktags im Bureau der Ouäkerküche, Bergstr. öS. in der Zeit von 9—2 Uhr entgegen- genommen. verllner Popiermeste. Dem Landesverband Brandenburg im Reichsbund Deuifcher Papier- und Schreibwarenhändler ist e» mat Hilk« nnd Unterstützung des Berliner Magistrats und der Berliner Handelskammer in letzter Stunde gelungen, geeignete Räumlich- keilen für feine FrühjahrSmesi« zu erhalten. Die Messe findet nun- mehr vom 25. bi» 23. Februar im Gebäude der Landes- Versicherungsanstalt Berlin Ehemaliges MarinehauS) am Köllnischen Part 8. nahe Jannowitzbrücke, statt. »Ein Konsortium für Scheckschwlndel". Unter diesem Titel war in einem Bericht vom 11. Januar auch der Name eine« gewissen Senkp.d al« Mitglied de» Betriebsrate« der Firma Mal-Kah ge- iiannt. Jetzt bittet»n» der Betriebsrat der Fiima mitzuteilen, dah e«»»wahr fei, dah S. Mitglied de« Betriebsrates war. Er ivar ein« ganz kurze Zeit als Aushilfsarbeiier bei der Firma beschäftigt und wurde wegen Bummelei rnllasicn." Beschwerden In Kleingarken-Angesegenhelken. Um die Durch- führung einheitlicher Grundsätze im Kleingartenwesen zu«rmög- lichen, hält es der Oberpräsidcnt der Provinz Brandenburg und von Berlin für unerläßlich daß Beschwerden über einzelne städtische Verwaltung? st ellen, die unter Umgehung de» Magistrats unmilMdar beim Oberpräsidenten eingereicht werden. von jetzt an zunächst dem Magistrat mit dem Anheimstellen übergeben werden, um von sich aus der Beschwerde abzuhelfen oder andern- falls dem Herrn Oberpräsidenten zu berichten. Der Magistrat macht deshalb darauf aufmerksam, daß Beschwerden in Klein- garten-Angelegenheiten an den Herrn Obcrpräsidenlen als Aufsichtsbehörde aus Gründen der Beschleunigung zweckmäßig beim Magistrat der Stadt Berlin, Zentral-Klein- gartenamt, Berlin NW. 23, Klopstockstraß« 24, einzureichen sind. Umsatzlleuererklärung der Sewerbekreibenden und Angebärigen der kretett Beiu'e für da» Kaleuderjabr l92t müssen dt« spätestens 31. Januar 1923 an das zuftändi-ie ttmiatzsteueramt etngereidit werden. Auch diejenigen Personen find dazu verpflichtet, die eine Aufforderung oder ein Formular nicht erhalten Kaden. Wer die Steuererlläiung nicht oder verlpätet einreicht, hat mit der Auf- erlegung eine» Zuschlag», unier Umständen mit der verhängung .einer Ordnungsstrafe zu rechnete. Dentkch- schwedische Verelnlgnng. Anfang Fedrnar beglmre» neu- schwedilche Eprachkurie für Männer und Vorgeschrittene. Beiprechunz Montaq, 30. Januar, 5 Uhr, im Gymnanum zum Krauen Kloster, G 2 Klosterstr. 74. vordere« Schiilgebäude 2 Treppen. Nähere«uSlunst erteilt Prolestcr Kühne, NW 21 Dortmunder Str. 14. Allen Ansiagen ist eme sieigemachte Postkarte beizulegen. «in«rohe« VachmittogS.Konzert zngnnfte» de» Sunde» er- Mindeter Krieger der Mark Brandenburg wird am Sonntag, den 22. Januar er,, im Beelhovenjaal unter Milwiilung allererster künstlerischer Kräfte ftallfitiden. «ndkunft Über KirchenavStritt, Organisierung der Ausgelretenen, Mründung von ,�reideukrrolt«gruppeu, Liei-rung von kYründiiugSmatcrial. Freidenler schritten au« eigenem Verlag, Nrieren en- und AgitationZmalerial sowie der deutschen Fi cidenke, zeilschrift.Aweist' durch da« Ken trat- sekretariar de» Zentialveibande« prolelanicher Freidenfer Deutsch- land», D r e S d e n- A. I.. Kl. Plauenlche(Lasse 49. OeffrntNche Mieterversammlungen in ReukSlln. Um �»u der durch die Festsetzung der prozentualen Zuschläge geschassenen Lage Stellung zu Neimen, finden am Sonnlag. den 22. Januar, vormittao» 91/, Uhr, (ünf össenlliche Miele, Versammlungen stall und zwar im 14. Verwaltung»- bezirt. 1. Hobenstousenläle, Berlin. KoUbuler Dumm 76; 2. Nene» Klubhau«, Schinfestrane. Ecke H-rmannplatz; 3. VereinSbrauerei, Hermann« strahe 216; 4. Wo.ft« Kesell'chastthau». Wipper-, Ecke KrrchhMra-; 5. Becker» MeseN'choslSbau». Britz, Chausfeeilrahe. Da« V-Hnungsaml und Dcrlreter de« Magistrai« find dazu geladen, Die Jugendweihe im 19. Krel» fPanko«. ZNederschöirbausen. Blantenburg usw.) findet am Sonnlag, den 26, März, vormillag« II Uhr, im Lvzeum.(Sörlchstrahr(Pankow) ftalt. Anmeldungen werden in den durch Plakate bezeichneten Geichäslen unter Zahlung von 3 M. entgegen genommen. Der Vorbereitung« Unterricht beginnt Ansang Februar. Die Verhandlungen im mitteldeutschen Braunkohlenrevier, die sich nach Kündigung des Manteltarises notwendig machten, sind ergebnislos abgebrochen worden. Ein Mord in Frankfurt a. M. Der in der Hochstr. S wohn- Haft« Zahnarzt Fred B u« t t n e r wurde gestern vormittag im Beft ermordet vorgefunden. Der Mörder hatte fein Onler durch Knebe- lung erstickt und dann mit Stricken zusammengeschnürt. Die Tat dürste schon vor fünf Tagen geschehen sein, zweifellos liegt Raubmord vor; vom Täter fehlt jede Spur. Grosi-Serliner parteknackrschten. heuke, Sonnabend, den 21. Januar: s«zlalv«»akr»tischrz Mäanerchsz«rrlin-äRiit«. 8 Uhr Iahrrsgrnrralvrrsamm- lung im„Pllrg-rhrim", alt« EchSnhausrr 6tr. 23/24. Morgen. Sonntag, den 22. Januar: 4». V«t. Die SrnoRra versammeln sich zur iJluflblatrtetbteUung bei Keufner, Hagelberaee Str. 20». 1««. Abt.«»»»tchulexiseg. Früh 8'h Uhr Sitzung des•otfloithts mit den lfunktlonären bei Straubel(Echultheitz-Ouelle), Bsumschulenstr. 7. Znngsszlalltte».«Sanderun« der Srupp« Schoneberz-Triedenau nach Rlnlgs- «ustrrhausen. Treffpantt Margen» 8 Uhr Bahnhof DldSneberg. SVD.-ehir« P-en, lauer Bera»nb gri«drlch,k»in. Fr Ith«14 llhr In d-e Brauerei Friedrichehain zur ScSffnan« anwesend sein. Maz Knappe. Sunder. mann._ ?ugenüveranfta!tunyen. Betel« Aebeiter-Zugeu»«raß-Berli», SW. 8», tzindenste. S, t. d»f, 2 Tep. relrph,« Maritzplatz 121 08 121 10. heute. Sonnabend, den 21. Zanuar: Der viert« Abend des Wanderleilerkurtu» sinket heute abend 7 Uhr Im Jugendheim, Lindenste. 8, statt. Lichidildervarteag:„Die Barg-fchichte der Marl". Alle Wanderleiter müssen zu dieser Konferenz erscheinen. Morgen, Sonntag, den 22. Januar: I. Ares».(Laie sehe, T»»). Sin Lichtdildervarirog findet morgen, Sonntag, den 22, d, M,. im Jugendheim, Lindenstr. 8, Übet„Sine romantische AHein. reise" stall, eintritt 1 Mart. Ansang 7 Uhr. Hits der Partei. Ein SdjShrlger Parlelveteran. In D a b I h a u f e n a d, Ruhr beging dtejrr Tage der Genosse Leopold Rüben seinen 95. Ge- burtSiag. In Trier geboren, erlernte er dort die Budtbindetei, wurde später Schiffer und fuhr danach über 3V Jahre tu die Gruben de« Ruhrbergbaue«. von frühester Jugend an betätigte er sich politisch. Er ist einer von den wenigen Lebenden, die zu Füßen Lassalle« saßen. Oft wutde er wegen seiner politiia-en Gefiunnng gemaßregelt, aber nicht» tonnte seine KampfcSfrendigkeit mindern. BiS zum heutigen Tage ist er der Partei treu geblieben und fein sehnlichster Wunsch ist«S, die W i edervereintgnng der sozialistischen Parteien zu erleben— bevor er die ltt) überschreitet. Mit den Genossen seiner engeren Heimat, wünschen auch wir dem alten Kämpen einen sorgenfreien Lebensabend. 3e«n Martin gestorben. Im Alter von 54 Jahren ist der de- kannie rlsätfitche Partei- und GewerkichaiiSgenosse jstan Mariin in Mnlhauien im Eliaßgestorben. Er war al« junger Bursche Schreiber- lediling beim Amtsgericht in Mülhausen, bat später in der Be- wegung manch« Geiängiiiestrafe erlitten nnd ist auch während de» Kriege» wegen ontinationaler Gesinnung«om Kriegsgericht ver» urteilt woiden. Nach Verdüßung dieser Siraie mußte er da» Elsaß verlassen»nd sich bi« zur Beendigung de» Kriege» östlich vom Rhein aufhalten. Der Parieipresie hat er al« Redakienr de» Straßburger. dann de« Mülhauser Parteiblatte» und vor dein Kriege auch al« M 1 1 a r d e t t e r d«» ,B o r w ä r t»" angehört. Vorträge, Vereine unö Versammlungen/ Heute Eonnobend. den?1. Jannar: BsN»h»chsch»t.L»r»r»ee«lW SchS»et-r�.ssr!»»«n,n. Sonnahend, den». sta- nnae,« Uhr. Schulgesangsaal Beiziger Str. 48—52 in Sd äneSerg, össentlicher Bortrag Stadtbibliothekar Dr. Heyn» über„Die Runst zu lesen'. Algemei,,«isalea* lab»terbelsss« bei«etsllsrbelter, Filiale Bert!»», Mitgliederversammlung Sonnabend, den 21. Januar, abend» 8 Uhr, de! Kapsee, Aeimenbergee Sir. 154. Bu»d zse Fltbetaag»er BNzknabe.«eschäflastelle Berlin-Sieglitz,«Utecfit. strotze 158, pt. Borm. 1054 Uhr im Biologischen Laboratorium dr» Instituts Sir KSrungsgewerbr, Berlin R. 85. Seestr. 1Z, Hörsaal 2, Bortrag de» Prof. r. P. Lindner Uber Pilze und Särunssgewerbe". Eintritt frei! Säst« will- tommen. Morgen Aonntog. den SS. Jsannar: Bereinig» it« de- Freunde»«» Aeligl,» ruh Bllkersele»'«. In der Stint. tellskirche, Eharlotlenburg, Norl. August. Platz, religiöse Feierstunde. Senssss Psarrer Bleier spricht über da» Thema:„Relrgion und die Frauen". T»»e!sI«».Be:ei»„Die«atnrfre»»»«". Zbt. Weddin«. Iugendgruvve. Wanderung nach Erkner— Siöritzsee. Abf. 7 Uhr Echtes. Bahnh. Führer Wiegend. Feeleeligiise»emeinbe. Borm. II Uhr im Rathau,,.stönigftratze, Bortrr.a de, Herrn P. Rogal: Die Dokt wurde und verging". Harmonium: Borspiel „Traviata" sverdi).— PapvehAllee 15, vorm. 11 Uhr. Bortrag de, Herrn 6. Döuinig:„Die neu« preutziswe Lande»kirch«". Däsie willtommen.—„Die Eozialogie der Religion" wirb in einem Ardeilsgemeintchasiakursu» der Frei- religiösen kemeind« an 8 Abenden»an Dr. B. Nrisitt« behandelt. Di« Bete!- lignn» am X. Abend, an welchem der An!mi»mu» besprochen wird, ist frei. Der kiursu« findet stakt am Montag, den 28. Januar, Pappel. Allee 15, abend» 7 Uhr. und den folgenden Montanen. Teilnehmerkarte für alle 8 Abend» 8 M. Bund eeligiisee«»zlalisteH Denilchlanb,, Abteilang«rutöln. Aden«', 8 Uhr in der Philipp-Melanchthan-Nirch», Reukölln. Rranaldstr. 16—17, Pirole. tarisch« Feierstunde. Ptavrer Liz. Dr. Aner-Eharlatienburq spricht Uder da, Thema:„Frieden". Austerdem 5rg,lsolie. Rezitationen, Ehorvoriröge. Ein. tritt frei! Alle Männer und grauen de, Pröletariat» sind zu dieser Frier- stunde herzlichst eingeladen._____ Seschastlicke Mitteilungen. Die Gripp« tritt auch In diesem Winter In Deutschland wieder In ungewöhn- sicher Stärke auf. Der beste Schutz gegen diese strantheit besteht durch rech!» zeitige Bardengiin,. AI, Mittel find die«msee Btiaaea. and Qucleaprahutte (Pastillen und Salz) zu erwähnen. «Setter bi« esxntag«itt«g. Meist bewZlN mft»rrelnzeNen leichte» EchneesiUlt» M«nhgllrnder Hill« im» frische» ifiliche» vmdr«. Der Moröplan öes Grafen Schlieffen. Eirlih. 20. Ionuar.(Eig«ner vrahtbericht.) Die Lerhandluna wird um 9� Uhr wieder eröffnet. Der Vor- fitzend« verlieft 27 Schuldfranen. Darauf nimmt der Ober- flaatsanwalt Dr. Otto als Anklagevertreter das Wort. Er führt aus. Mordxlän« werden ja alle Tage geschmiedet und Morde kommen immerzu vor. Als u n e r h ö r t fei e, aber zu bezeichnen, wenn Leute dieses Standes sich mit der Ausführung so schwerer Verbrechen beschäftigten. Die Gräfin stammt aus einem angesehenen Haufe in Schlesien. Die er sie Schiebung, deren sie sich schuldig macht«, war der Erwerb von Rvchusberg in S a g a n. Später erwarb sie das große Gut Pulvermühle, das zu bewirtschaften sie gar nicht in der Lage war. Den jungen Grasen Heinrich ließ sie ohne Grund mit 78 Jahren für volljährig erklären. Dann erwarb sie das Gut Herzogswalde. Auch das vermocht« sie nicht zu halten. Ihre Geldmittel verringerten sich. Auch auf W a l d f ch l o h Schönberg wurde drauflos' gewirtfchaftet. Nun wollt« es das Unglück, daß in das Haus der gräflichen Familie der Angeklagte Rössel kam, ein gewerbsmäßiger Schieber, in dem hatte die Familie, die sich immer wieder über die ungerechte Ver- mögenevertcilung unterhielt, den Mann gefunden, ein« bereits ge- plante Tat zu vollführen. Rössel erhielt für die Dusführung der Tat 500 090 M. versprochen. In Stentfchke fand er einen Menschen, der ohne Arbeit zu viel Geld kommen wollt« Diese Gelegenheit wollte sich Stentfchke, ein verwahrloster Mensch, der jeder ehrlichen Arbeit aus dem Wege geht, nicht entgehen lasten, und so machte er mit Rössel gemeinsame Sache. Schlißlich tat Stentschke nicht mehr mit. Er sucht« aber Kapital au seiner Mitwisterschasl zu schlagen und teilte dem Mecklenburger Grafen den ganzen Plan mit. Er erhielt 2000 M. Er lehnte zwar zunächst ab, schrieb aber andern Tags dem Grafen einen groben Brief. Der Graf übergab nun die Sache einem Detektivbureau und die Geschichte nahm den bekannten Gang. Nun das Maß der Schuld für die einzelnen Angeklagten. Der Graf ist schuldig der Aufforderung zum Mord« und des unberechtigten Besitz«» der Waffen, aber er ist nicht das Haupt der Angeklagten. Der Mann suchte sein« Mutter zu entlasten. Die Gräfin ist eine Person, die ihr vorhaben bedenkenlos durchzuführen versuchte. Ihr Haß gegen die Verwandten in Mecklenburg ergab sich daraus, daß ihr von dort Geldmittel vor- enthalten wurden. Die Gesellschafterin ist die treueste Stütz« des Haushalts. Sie ist der Gräfin willenlos ergeben und handelt so, wie ihre Herrin es will. Der Staatsanwalt glaubt nicht, daß dj« Geschworenen bezüglich ihrer Person zu«inem Schuldig kommen werden. Der Staatsanwalt beschäftigt sich nun mit dem Angeklagten Rössel, den er in allen Fragen schuldig findet. Auch für den Angeklagten Stentschke treff« das zu. Der Anklagevertreter geht nun noch auf die einzelnen Schuldfragen ein und bittet am Schluß seiner fünfviertelstündigen Ausführungen die Geschworenen diese oder jene Schuldfrage zu bejahen oder zu verneinen. Danach kommen die verieidlger z« Worte. Zunächst der Anwalt des Grafen und der Gräfin Rechts- onwalt D e l l e r t. Er geht des Nähereit auf die Jugendjahre des angeklagten Grafen Heinrich ein und zeigt, unter welch mehr oder weniger unglücklichen Verhältnissen er aufgewachsen ist. In die Kindheit des Grafen fallt die Scheidung der Eltern. Die früh- zeitig« Volljährigkeitserklärung war für den Grafen ein Unglück. Di« Zlnschauung des Staatsanwalts, daß die Gräfin mit dem Güterankauf und Verkauf Schiebergeschäfte getrieben hat, ist nicht richtig, denn sie hat immer wieder Geld zugefetzt. Im Frühjahr 7921 konnte sie die Schuldenzinsen nicht mehr zahlen. Sie versetzte Familiensilber. So reifte denn schließlich der Plan, den alten Grafen Schlieffen und seinen Sohn in M«ck- lenburgzu beseitigen und sich in den Besitz des Majorats zu setzen. Die beiden Angeklagten, der Graf und die Gräfin, seien wirtschaftlich zugrunde gerichtet. Ihre Lage ist jetzt so, daß sie beide über irgendwelche Mittel nicht mehr verfügen. Zum Schlüsse der einstündigcn Ausführungen erörterte der Verteidiger noch die Schuld- fragen. Er bittet die Geschworenen angesichts des Gcständnistes des Grafen Milde walten zu lasten und beiden Angeklagten mildernde Umstände zugute zu halten. Rechtsanwalt Dr. Görcke als Verteidiger der Angeklagten Ru-zs verweist auf die Ausführungen des Oberstaatsanwalt» be- treffend ihrer Perspn, und bittet schließlich, dieFräuleinRups betreffenden Schuldfragen zu verneinen. Rechtsanwalt Sommer verteidigt den Angeklagten Rössel. Er führt aus, daß er in erster Linie nur die Rechtsfrage behandeln wolle. Wenn der Angeklagte auch in anderer Weis« unsaubere iAe- fchiftc gemacht hat, so ist damit noch lang« nicht erwiesen, daß er auch ein Mann einer Tat ist, wie st« die Anklage behauptet. Er hat an den verschiedensten Stellen unglaublich renomnziert. Es Ist eine altbekannte Tatsache: wer viel redet, vollbringt keine Taten. Und Rössel hat unglaublich viel geredet. Er hat ihm unbekannte Per- sonen ohne weiteres in den Mordplan«ingeweiht. Da» tut niemand, der ein solches Verbrechen«rnsthast auszuführen gedenkt. Es kam ihm nur darauf an. Geld und immer wieder Geld von dem Grafen zu bekommen. Wenn die Herren(beschworenen den Angeklagten des Betruges schuldig finden, kann er auch nicht wegen Bergehen gegen das Sprengstcffgefetz bestraft werden, in dem Sinne, wie die Anklag««» fordert. Er hat stch in diesem Fallt nur den Spreng- staff beschafft als Kuliste zu seinem Tun. Der Verteidiger bittet. alles da» zu berücksichtigen und densSpruch entsprechend zu fällen. Der Verteidiger des Angeklagten Stentschke, Rechtsanwalt Dr. Macdonald bemerkte, daß Stentschke bei der Derhandlung sehr schlecht weggekommen sei. Stentschke sei ein Phantast und neige zur Lügenhaftigkeit. Dies muß berücksichtigt werden und man darf in dieser Hinsicht nicht den Maßstab anlegen wie bei vollständig nor- malen Menschen. Daß es Stentschke nicht ernst war mit der Aus- fülrunz des Mordplanes, geht daraus hervor, daß die Sache von Rossel und Stentschke auf der belebten Weidendammer Brücke ln Berlin besprochen wurde,'und daß zur Ausführung der Tat ein Tesching gewählt wurde, also«ine Waffe, mit der man Bogel schießt, nicht aber Menschen. Der Verteidiger bespricht dann weiter die ein- zelnen Vorgänge und bittet um mildernd« Umstände für die Ange- klagten. Nach einer zweistündigen Mittagspause nimmt noch einmal der Anklagevertreter das Wort und es kommt infolgedessen zu einer juristischen Auseinandersetzung zwischen ihm und der Verteidigung. Nach einer längeren und gründlichen Rechisbelehrung der Geschworenen durch den Vorsitzenden ziehen diese sich gegen SZ-» Uhr zur Beratung zurück. Um 5Vj Uhr zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück. Sie dauerte zwei Stunden. Der XOcihrjpruch der Geschworenen. Graf Heinrich von Schlieffen wird schul- dig befunden, zur Begehung einer Mordtat ausgefordert zu haben und Im Besitz« von Militärwaffcn gewesen zu sein, und der Auffor- derung zur Begehung von Gewalttätigkeiten. Mildernde Umstände werden ihm zugebilligt. Die G r ä s i n von Schlieffen wird der Aufforderung und Borberel- tung zum Morde für schuldig befunden. Die Frage der Beteiligung der Stütze Rups wird verneint. Der Angeklagte Rössel wird der Aufforderung und Vorbereitung zur Begehung eine» Derbrechen», des Mordes, für schuldig befunden, desgleichen schuldig des Ver- gehcns gegen das Spreng st offgesetz. Der Angeklagte Stentschke wird schuldig befunden der Aufforderung und Vo-rbereitung eines Derbrechens des Mordes und de» unrechtmäßigen Besitzes von Militär- waffen. Der Strafankrag des Oberskaaksanwolles. Der Oberstaatsanwalt beantragt gegen die Gräfin die Höchststrafe von ö Jahren Gefängnis und Ab- «rkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die- selbe Dauer. Gegen den Grasen lautet der Antrag auf 8 Jahr« 3 Monate Gefängnis und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 3 Jahre. Gegen Rössel beantragt der Oberstaatsanwalt S Jahre Zuchthau, und Aberkennung der Ehrenrechte auf 7 Jahre und Stellung unter Polizeiaufsicht, gegen Stentschke endlich auf 2 Jahre 6 Monate Gefängnis. Er stellt an- heim, allen Angeklagten die erlittene Untersuchungshaft anzurechnen. j Die Angeklagte Rups ist nach dem Spruch der Geschworenen freizusprechen. vas Urteil. Es wird nun erkannt gegen 7. die Gräfin auf 2 ZahreG«. fSngni» und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Zahrrn. Die Unkersuchungshaft wird nicht ange- rechnet: 2. gegen den Grafen Heinrich Schlieffen wird auf eine Gesamtstrafe von 7 Zahr 6 Monaken Gefängnis er kanak, S Monate Unlersuchungshaft werden angerechnet, von der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte ist Abstand genommen. 3. Gegen K ö s f e l wird aus eine Gesamtstrafe von 3 Jahren G e f S n, n l, erkannt, so daß» Monake aus die llntersuchungshast angerechnet werden. Die Ehrenrechte werden ihm aus 3 Jahre ab gesprochen, von einer Stellung unter Polizeiaufsicht nimmt da» Gericht Abstand, weil rs diese Maßnahme für zwecklos hält. Der Angeklagte Skentschke wird zu 7 Jahr 3 Monaten S« f ä n g n i»»erurleilt. 8 Monate werden auf die Unkersuchungshasi al» verbüßt erachtet. Im übrigen wird ihm für den Rest der Strasr aus 3 Jahr« Slrasausschub bewilligt und die Strafe ganz erlassen. wenn er sich inucrhalb dlesrr Zeil rinwandfrci führt. Die Angeklag!« R u p» wird freigesprochen. Die kosten des Prozesse, tragen die verurteilten zu ihren Teilen und im übrigen die Staatskasse. Die Gräfin und ihr Sohn nehmen das Urteil resigniert entgegen. während Rössel und Stentschke sich sthr niedergeschlagen, eigen. Auch die Stütze Rups ist in Tränen aufgelöst. Sie hat ihr Leben der gras- lichen Familie gewidmet, ohne Lohn zu erhalten, und muß nun ihr weiteres Dasein von neuem beginnen. Der Angeklagte Stentschke wurde vom Staatsanwalt ak,«in verwahrloster Mensch bezeichnet, der herumbummelt und i«°er ehr- lichen Arbeit aus dem Wege geht. Diese Kritik muß wohl richtig sein, denn Stentschke war einige Zeit Mitglied des beruch- tigten FretkorpsAulock. dessen Angehörige ia ebenso wie die der übrigen Freikorps von unseren Nationallsten als„teutsche Heldeiijünglinge" verhimmelt wurden. Es fällt übrigens auf, daß der Staatsanwalt bemuht ist, die nichtarüflichen Angeklagten— mit Ausnahme der Gesellschafterin Rups— als besonders schwere Verbrecher hinzustellen Jeder, der den Prozeß aufmerksam veisolgte, wird zu der Ansicht gekomimn sein, daß der Gras Hans Henrich, dem ,a der Lowenant- l nach dem Gelingen des Verbrechens zufallen sollte, als inteltek. tueller Urheberdes Mordplanes mindestens ebenso ver- brecherisch gehandelt hat wie Rössel und Stentschke. Doch wer kennt sich in der abgrundtiefen Logik unserer Juristen aus. Wir hatten gestern morgen die sonderbare Berichterstattung der „Deutschen Tageszeitung" im Schlieffen-Prozeß siekenn- zeichnet. Das Blatt hatte die Absicht, außer einigen kurzen Mittet- lungen über den Prozeßbeginn nur das Urteil wiederzugeben. In der gestrigen Abendausgabe hat die„Deutsche Tageszeitung nun entgegen ihrer ursprünglichen Absicht es doch für nötig befunden, ihren Lesern einiges über die Schu'dfragen im Prozeß Schlieffen mitzuteilen. Im'Anschluß daran eröffnet sie«'ne Schimpf- kanonade gegen den„Vorwärt.s"', was wir ihr aber nicht übel nehmen, da aus jeder Zeile ihre Verlegenheit herausguctt. Wirtschaft . Eine falsche Rechnung. Ganz gleich, wie man zur Preispolitik in der Landwirlschost steht, kann es doch als allgemein anerkannte Forderung gelten, daß die landwirtschaftliche Erzeugung im Inland mit allen Kräften gesteigert werden muß. Jede Tonne Getreides, die im In land mehr erzeugt wird, erspart nach dem heutigen Preisstand z. V. für Roggen rund 780 Goldmark, die sonst in Devisen ausgebrochl werden müssen und die Handelsbilanz Deutschlands belaste» würde». Mit Recht steht also die Förderung der landwirtschaftlichen Produkt tion im Bordergrunde des Interesses. Es ist nur bedauerlich, daß die Landwirtschaft ihrerseits so wenig Verständnis den Forderungen der Verbraucher entgegenbringt, die verlangen, daß unt«r allen Umständen die Ackerfrucht so billig als möglich sein muß, und daß die lleberteuerung des Getreides und auch der Kartoffeln sich letzten Endes gegen ihre eigenen Interessen wendet. Wie wenig Verständnis die Landwirtschaft für diefe Forderun- gen hat, ist bekannt. Um die Aushebung der ihr verhaßten Zwangswirtschaft zu erzielen, hat sie selbst die Kalipreiseryöhungen begünstigt, also ihre eigenen Produktionsmittel verteuert. Sie hat den Plänen des Genossen Otto Braun, die die Versorgung mit billigen künstlichen Düngemitteln gewährleisten sollen, brüsk abgelehnt und bekämpft. Genosse Braun führt jetzt in der Land- bundpresse den Ehrentitel«Migela", was in ollleulschem Deutsch heißen soll Minister gegen die Landwirtschaft. Die Landwirtschaft macht also lieber die Verteuerung ihrer eigenen Pro duktionskosten mit, ehe sie ihr Streben nach dem Weltmarkt- preise ausgibt. Die Produzenten künstlicher Düngemittel aber denken natürlich nicht daran, in ihren Preisforderungen nachzulassen, wenn die Agrarier ihnen diese aus ihren reichen Einnahmen glatt dewil ligen. Wie weit sie sich dabei in ihren Anschauungen versteigen, da- für liefern sie selbst ein treffendes Beispiel, indem sie die neuerlichen Preiserhöhungen für schwefelsauren Ammoniak, dem wich tigsten Stickstoffdüngemittel, zu begründen suchen. Es heißt darin wörtlich: «Gegenüber den verschiedentlich laut gewordenen Klagen über zu hohen Preis des s ch w« f e l f a n r en A m m o n i a t», sei dar auf hingewiesen, daß der gegenwärtige Preis festgelegt worden ist unter Hinzuziehung sachverständiger Vertreter der Landwirtschaft, die sich davon überzeugt hoben, daß die kürzlich eingetretene Preiserhöhung berechtigt ist. Die Preiserhö hung war bedingt durch die erheblichen Lohnsteigerungen, die Erhö- hung der Kohlenpreise um rund 00 Prozent und die Steigerung der Frachten Im Ausmaß« von 50 Prozent der bereits im November bedeutend erhöhten Frachten. Hierzu kam noch, daß die zur Her stellung de» schwefelsauren Ammoniaks erforderliche Schwefelsäure — zu 100 Kilogramm schwefelsaurem Ammoniak gehört die gleiche Menge Schwefelsäure— im Preise um mehr als das Doppelte stieg. Der gegenwärtige Preis des schwefelsaurem Ammoniaks von 270 M. für den Zentner ist ungefähr 20mal so hoch wie der Friedenspreis, aber es dürfte kaum»in landwirtschaftliches Erzeugnis in Deutsch- land geben, dessen heutiger Preis unter dem SOfachen des Friedenspreises steht. Im Frieden kostete z. B. in Deutschland 1 Zentner schwefelsaures Ammoniak ungefähr 7Jsö0 M.. 7 Zentner Weizen ungefähr 70,50 M.. Hieraus ergibt sich, daß der Landwirt für 7 Zentner schwes«lsaures Ammoniak 729 Pfund Weizen liesern muhte. Heute kostet 1 Zentner schwefelsaures Ammoniak rund 270 M., 7 Zentner Weizen rund 320 M. Der Landwirt braucht also für 7 Zentner schwefelsaure» Ammoniak nur 84 Pfund Weizen zu liefern. So liegen die Verhältnisse im Inland«. In England kostet heute schwcfelsaur«? Ammoniak 73,75 Pfund gleich 275 Schilling für 7 englische Tonne, während der Preis für Weizen 50 Schilling für je 504 Pfund beträgt. Der Landxl wirt muß also für 7 Zentner schwefelsaure» Ammoniak 124 Pfund Weizen liefern. In Amerika kostet heute 7 Zentner schwefelsaures Ammoniak 287 Zent», 7 Zentner Weizen 224 Zents. Der LiliMi wirt muß also für 1 Zentner schwefelsaures Ammoniak 723 Pfund Weizen liefern. Hieraus ergibt sich, daß sowohl der englische Land- wirt, der für 1 Zentner schwefelsaure» Ammoniak 124 Pfund Weizen, al» auch der amerikanische, der für 1 Zentner schwefelsaure. Am- moniak 723 Pfund Weizen zu liesern hat, sich sogar noch in einer ungünstigeren Lage befindet als der deutsch« Landwirt, der für 7 Zentner schwefelsaure» Ammoniak nur 84 Pfund Weizen zu liefern braucht." Die Stlckstoffproduzenten verfahren nach dem beliebten Muster, einfach die Vorkriegs preis« und die Auslands preise in Gold oder in diesem Falle in Getreide ausgedrückt, zu vergleichen. Ganz abgesehen davon, daß dieser Vergleich schon darum hinkt, weil wir von den Goldlöhnen und von den Goldpreisen für Kohl« noch herz- lich weit entfernt stnd, ergibt sich dabei nach ein anderer höchst b e° denklicher Rechenfehler. Als zum Zwecke des Völker- morde» die Stickstofsproduktion in Deutschland auf das fyiler- Verfahren umgestellt wurde, verkündete man laut, daß nun die G e- stehungskosten der Stickstvfsinduftrie auf«in Drittel gesenkt würden. Folgerichtig durfte, von allem anderen abgesehen, heute der Stickstrffpreis, der vor dem Kriege je Doppel- zentner 129 Pfund Weizen war, nur 43 Pfund Weizen betrogen, er beläuft sich ober auf 84 Pfund Weizen! Diese Tatsache allein erklärt, warum der Stickstofskonzern im vorigen Jahre seinen Aktionären ein« Milliarde an Bezugsrechten zuwenden konnte. Sie sollten auch der Landwirtschaft zu denken geben, die einer solchen Vreisregelung zustimmt, noch mehr aber der Negierung, wenn sie da» Ziel der landrbirtschastlichen Produktionssteigerung durch billige Stickstofsdüngemitlet erreichen will. vsth Gäßsioff immer noch f efieferf, öädei war er flek« sehr billig. Ör ermöglicht der Lau«stau gut« Ersparnisse, ist auch praktisch und detömmsich. Wer ihn richtig verwendet, wird Ihn nicht mehr entbehren wallen. Mache«, Sie bitte et«»» Leesach! 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