Nr. 41 ♦ 3$. Jahrgang Musgabe A Nc. 21 BezuASprciS: Merteljähr.. SU.— iU.. msnai l. 30.— 9t ttci ms£>au«, oorous jaJjitHir. Post» bezug MonlUlich ÄI.— Al. emidjL&i- fitUimnsflefaüijt Unter Strembanb tut Peurichlanv. Donzixt. das Saar- und Memeiaebiel. mane dte edemai» dem- etntwe!t" und der Vellage»Siedlung und ftlctngnrtett* «ttcheinl wachentäglich zweimal. Eonr»- lag» und Montag» einmal. Te egtamm- Adresse. aSojiaUcmoCcal Occlln" Morgen Ansgabe Berliner Bolkslilntt ( 70 Pfennig� AnzelncnvreiS: Sie neljngclpalteni Nonpareillezell» kostet 9,— M..Steine Anzeigen- da» letlgebnntte War' 3,— M.(zu- ILsstg zwei iettgedruckle Watte», tede» weitere Wort 1.30 M. Stellengesuch» und Echlasstellenanzeigen da» erste Wott ISO M. tede» weitere Wort l.— M. Botte tider Id Buchstaden zählen sllr zwei Sorte. Familien-Anzeigen(Ut Abonnenten Feile 4.— M. Sic Preise a erstehen sich einschließlich Teuerung« Uschlag. Anzeigen Hit die nächste Nummer Miissen d>» 4'/, Uhr nachmittag« im HauptgeschSit. Berlin EW 68. Linden» (ttußeä abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr»rilh dt, i Uhr abend«. Zentralorgan der rozialdemohratifchen parte! Deutfchlands Neüaktion und Expedition: EID 68, iindenstr. Z a<>riiitir<-Hrer• Rrvattian s.'!i»rillpla>, IIil!i5-U7 jycrinprcnicr. �rdteton Marivvlau ii7äa-»4 vorwärts-verlag G.m.b.H., Sw 68, Lindenstr. 3 itertlförffher- Verlag. Vxprdition ,iu» Inseraten. «blriliin# Moril-Pian ll75:>-54 Em letzter Ausweg. In den gestrigen Derstandlungen über die Finanzreform, die sich zunächst recht kritisch geslalteien. wurde zulegt ein Plan zur Erörterung gestellt, aus den sich möglicherweise So» zialdemotratie upd Zentrum einigen werden. Es handelt sich dabei im wesentlichen darum, die K r e d i t h i l f e, wie sie seinerzeit von der Industrie bedingungsweise in Aussicht gc» stellt wurde, gesetzlich zu firieren. Würde ein solcher Entwurf einer gesetzlicyen Kredithilfe durch ein Mantelgesetz mit den Steuerentwürsen fest verbunden, so ergäbe sich daraus ein Ganzes, dem die Sozialdemokratische Partei voraussichllich ihre Zustimmung nicht versagen würde. Eine andere Frage ist, ob dieser Plan, der für die So- zialdemokratie die Grenze des Entgegenkommens bildet, die Zustimmung des Zentrums und der Demokraten finden wird. Datz dies der Fall sein werde, ist als einigermaßen wahrschein» sich zu betrachten, dagegen scheint bei der Deutschen Volks- partei irgendeine Neigung, den Forderungen der Sozialdemo- kratie entgegenzukommen, nicht zu bestehen. Dann würde, vorausgesetzt, daß eine grundsätzliche Einigung mit Zentrum und Demokraten zustande käme, eine Mehrheit nur m i t Hilfe der Unabhängigen zu schaffen sein, deren Vorstand für heute 11 Uhr vormittags zum Reichskanzler ge> beten worden ist. Des schweren Ernstes der Loge dürften sich fetzt alle be- t-Uigten Parteien bewußt sein. Die sozialdemokratische Fraktion hat deutlick, zv erkennen gegeben, daß ihr nichts ferner siegt als die Absicht. Ministerftürzerei zu treiben, daß sie im Gegenteil sibon im Lnteresie unserer Außenvolitik das Verbleiben des Kabinetts Wirth im Amt dringend wünscht. Aber dieser Versuch kann nicht so allbeherrschend werden, daß die Partei um seinetwillen von Forderungen ablösten könnte, deren Notwendigkeit und Gerechtigkeit von den breitesten Massen des Volkes, weit über unsere Parteikreise hinaus, erkannt wird. Die bürgerlichen Parteien misten setzt genau, woran die Sozialdemokratie unter ollen Umständen festzuhalten entschlossen ist. Es lieft bei ihnen, ob sie den Weg zur Lösung betreten oder aber das Reich in eine heillos« Krise hineingleiten lassen wollen. Der.Srzialdemekrctlsch- Parlamentsdienst- mcldctr Am Dienstag nachmittag trat unter Beteiliiung de» Reichs- kanzlers der Interfraktionelle«usschuh zusammen, um über dos Stcuerkompremiß zu oerhandeln. Die Sitzung kam aber der Verständigung um keinen Schritt näher. E? bestanden nach wie vor große Schwierigkeiten in bezug auf die Fragen, ob die gesamten Steuervorlagen von einem Mantelgcsetz umfaßt werden sollen, ob den Genostenschosten eine Ausnahmestellung im Umsatzsteuergeseh zu gewähren ist, über die Höh« der Umsatzsteuer, die Kohlensteuer und über die Wertbcmestung der landwirtschaftlichen Grundstücke bei der Steuereinschätzung. Schon der Blick auf die Anzahl und den Charak» tcr dieser Differenzpunkte. zu denen noch weitere traten, zeigt, mit welchen Schwierigkeiten bei den Verhandlungen gerechnet werden mußte. Ueber ein sichtbare» Opfer de» Besitze» war in der interfraktionellen Sitzung gleichfalls kein Weg zur Derständi- gung zu finden. Unter diesen Umständen ist verständlich, wenn die Gerüchte über eine bevorstehend« Regierungskrise kein Ende nehmen wollten Um S Uhr nachmittag» trat die Sozialdemokratische Fraktion zu einer mehrstündigen Sitzung zusammen, die natur- gemäß den Steuerfragen galt. Die Debatte ließ keinen Zweifel dar- über, daß sich unsere Partei von der immer und immer wieder- holten Forderung einer sichtbaren Anspannung dt» Besitzes nicht denkt zurückdrängen zu lasten.— Um 5 Uhr nachmittag» begann ein« neue interfraktionelle Aussprache, um 6 Uhr sollte das Reichs- kabinett zusammentreten. Für 8 Uhr abends war die Fraktion wieder einberufen. Sie begann bald darauf ihre Sitzung, die kurz war, da man sich darauf beschränkt«, den Bericht de» Genosten Hermann Müller über die vorangegangenen Verhandlungen entgegenzunehmen. Der Tag bsieb ohne Entscheidung. Die für nachmittag» 8 Uhr angesetzte Kalinellssttzung fiel aus. well der Interfraktionelle Aus- schuh bis gegen 8 Uhr abends tagte und dann ohne Ergebnis aus- «inanderging. Es ist sicher, daß Reichskanzler Dr. Wirth sich persönlich bemüht» sein öffentlich ge- geben«» Wort, den Besitz stark heranzuziehen, in die Wirklichkeit umzusetzen. Die bürgerlichen Parteien zeigten aber wenig Neigung, ihn in dieser Hinsicht zu unterstützen. Die Situation wird durch die Tatsache gekennzeichnet, daß Demo- traten, Zentrum, Deutsche Dolkspartei und Bayerische Voltspartei am Mittwoch vormitag im 9Vi Uhr ohne die Sozialdemokratie verhandeln werden, um den letzten Versuch zu einer Ber- ständigung zu machen. Für 11 Uhr ist die Führerschaft der USP. zum Reichskanzler geladen. Im Laufe des Nachmittags wird die Sozialdemokratische Partei neuerdings versammelt. Die Zeit drängt zur Entscheidung! Es ist deshalb mit großer Bestimmtheit zu er- warten, daß bis heute abend eine Klärung erfolgt und Sicherheit darüber verschaffen wird, ob dos Kabinett Wirth am Ruder bleibt oder einem rcin bürgerlichen Plag macht.' Etwas optimistischer meldet TU.: Die bürgersichen Parteien sind bemüht, einen Weg zu finden, um z u e l n e r E i n i g u n g mit den Sozialdemokraten zu kommen Man wird versuchen, zu dem bis- herigen noch ein weiteres Opfer des Besitze» zu brtn- g e n, um eine Einigung zu erzielen. poincarö zu Kompromiß en bereit! � Wir wiesen im gestrigen Morgenblatt auf eine offiziöse Hava»- Meldung hin, in der über die angebliche Ansicht der englischen Re- gierung in der Frage des«nslisch-französischen Bündnisses berichtet wurde Es hieß darin, England werde möglicherweise damit einverstanden sein, die Dauer des Vertrages auf 30 Jahre anzusitzen. Eine Mi itärtonvention und die Ausdehnung des Abkom- mens auf Polen lehne England ab. Wir knüpften daran die B«> merkung, daß es sich um ein R ü ck z u.g s m a n ö v e r P o t n c a r e s zu handeln scheine. Dies« Auffassung bestätigt sich insofern, als eine zweite offiziöse Haoas-Meldung FrankreichsHaltungbeiden Verhandlungen mit Enzland, die in London wieder aufgenommen werden, dahin präzisiert, die französische Regierung schlage die Aus- dehnung des Vertrages auf 15 bis 20 Jahre vor. Nicht nur ein deutscher Angriff auf französisches Gebiet, sondern auch-in solcher gegen die alliierten Truppen in der neutralisierten Rheinzone müfsi als eine siindfelige Handlung gelten, durch die das Abkommen wirksam werde. Im übrigen nehme man von der Forderung einer Milit'irkonrention Abstand und begnüge sich mit dauernden Abmachungen zwischen den beiden G-neralstäben. I:, der k l e i n a s i a t t s ch« n Frage sei man mit einer Konferenz zwischen England. Italien und Frankreich einrerstanden, auf der man über eine Vermittlung in dem griechisch türkischen Streisi zu beraten haben werde, und auch über die Konferenz von Genua wünsche man sich auszusprechen. Lloyd Georges deutliche Worte scheinen also mckst ohne Eindruck geblieben zu sein. Luch der.Temps" warnt davor, den Bogen allzu straff zu spannen. In einem Artikel seine, Lenden« Korrespondenten heißt es es gäbe Engl-mder, die die Kriegsgefahr von französischer Seite kommen sähen. Das fei eine der Folgen der Besetzung von Frank- fort und Dormstudt im April 1020. Weiter heißt es in dem Artikel. Eng'and fei nickt ohne weiteres bereit, eti�ugreisin. wenn an der Ostgrenz« der Desatzungszone Schwierigkeiten entstehen sollten, auch kirne eo nicht den terrilori-cken 5iind in Enrova, wie er im Her- falller vertrag iestarsitzl sei. verbürgen. Besonderes Miß- trauen zeige sich Polen-gegenüber Auch hier werde alles von den Ereignissen abhängen. Französischerseits dürfe man nicht perfuchen. die Klausel allzu streng zu fasten. In der„Ere Nouvelle- veröffentlicht Gaston Jesi einen Artikel über die„neue- Politik, in dem ausgeführt wird, das deutsche Der- mögen bestehe größtenteils aus Privateigentum. Indem Jesi weiter auf die Schwierigkeiten eingeht, dieses Privateigentum zu erfassen, stellt er für den französischen Standpunkt folgende Thesen auf: 1. Es ist äußerst schwierig, eine so ungeheure Forde- rung, wie die Forderung an Deutschland einzuziehen. Wenn das gelingen soll, müssen die Alliierten sich darum bemühen. Ein isoliertes Vorgehen wird absolut ohnmächtig sein 2. DieZuhilfenahmederGewalt wird uns in u n- lösliche Schwierigkeiten stürzen sowohl bei den Deutschen als bei den Alliierten. 3. Selbst unter Mitwirkung der Alliierten wird die völlige Einziehung der Forderung von Deutschland u n» möglich sein, wenn Deutschland sie nicht will, denn die Zah- lungsmlttel müssen durch die Arbeit des deutschen volle» herbei- geschafft werden. Wir mülsen also das deutsche Volk davon über- zeugen, daß«z ein Jntereste an der Bezahwni hat. Dazu müsten alle Völker der Welt die Dcutlchen durch Wirt'chofts. und Finanz- f bmackungen zur Produktion anreizen, anstatt Zoll- schranken vor ihnen aufzurichten und ihre Waren unter Prohibitw- maßna'men zu stellen. Es ist Immerhin bemerkenswert, daß auch in dem Frankreich Poincar-s die Stimmen der Vernunft nicht verstummen. Verständigung in Kleinasten? Reuter meldet au» Kcnstantinopel. die Verhandlungen zwischen Frankreich unb Großbritannien über die Problem« des nahen Osten« feien sowest vorgeschritten, daß Lord Curzon«in« Rote unterbreitet habe, in der die Bedingungen Großbritannien« auseinandergesetzt werden. Es verlautet, daß die Räumung S m y r n o s zugestanden werde unter angcmcstenen Bürgschaften � für die griechischen Minderheiten. Die Grenze.Thraziens werde etwa südlich rm Schwarzen Meer über Tschorlu verlaufen und bei Rvdcsto am Marmaromecr endigen. Diese Grenze werde jedoch sowohl in sranzösischen als auch in türkischen Kreisen als strategisch mangelhaft angesehen. Man hoffe dah-r, daß die Grenze so ab- geändert werde, baß sie auch die Dardanellen umsosse mit einem besonderen Regime für W c st- T h r a z i« n nach Abhaltung einer Volksabstimmung. t Der wohnungsneubau in Gefahr Von Jng. Martin Wagner. Der Reichstag hat in diesen Tagen eine schwere Entschei- düng zu fällen. Durch die Verabschiedung des Wohnung s- abaabegefetzes sollen die Mittel für den diesjährigen Wohnungsneubau bereitgestellt werden. Obgleich die interessierten Kreise die Reichsregierung wiederholt auf eine beschleunigte Bereitstellung der Baumittel gedrängt haben, und obgleich der Wohnungsausschuß des Reichstages schon im November vorigen Jahres ein Wohnungsbauprogramm von jährlich 2V0 000 Wohnungen der Reichsregierung mitgeteilt hat, stehen wir heute wieder vor der traurigen Tatsache, daß wegen der Verzögerung der Mittelbeschaffung der Wohnungsneubau vor Juni/Juli dieses Jahres kaum in Fluß zu bringen sein wird. Sofern das Reich morgen das Gesetz verabschiedet, müssen erst die Länder und Gemeinden ihre Beschlüsse fassen, und erst aus Grund dieser Beschlüsse können die verschiedensten Bauherren mit der Ausarbeitung der Pläne und daraufhin erst mit dem Bau beginnen. Erfahrungsgemäß gehen nach der Mittel- j bewilligung noch mehrere Monate ins Land, ehe mit dem Bauen angefangen werden kann. Ist eine Verzögerung, die ein« wesentliche Verteuerung der Neubauten nach sich ziehen wird� schon zu beklagen, dann > müssen wir noch mehr bedauern, daß die zur Bewilligung be- antragten Mittel völlig unzureichend sein werden, um ein Dauprogramm von 200 000 Wohnungen zur Durchführung zu bringen. Als der Unterausschuß des Wohnungsaueichufses des Reichstages im August vorigen Jahres über das Wohnunas- bauprogrrmm für die Jahre 1922/1923 oerhandelte, erreichten die B a u st o f f p r e i s e das llfach« des Friedenspreises. Zu der Zeit, als der Wohnungsausschuß des Reichstages sein Programm der Rcichsregierung übergab(4. November 1921), waren die Baustoffpreise bereits auf das löfache des Friedens gestiegen. Als die Reichsregicrung den gesetzgebenden Kör-- perschaften den neuen Entwurf eines Wohnungsabgabegesetzes �vorlegte(Anfang Januar 1922), waren die Baustoffpreise gar auf das 28fache der Friedenspreise gestiegen. ! Durch den Gesetzentwurf der Reichsregierung sollen nur 3 Milliarden Mark für die Abbürdung der überteuerten Bau- kosten flüssig gemacht werden. Fragen wir uns, w ie viel Wohnungen wir mit diesem Betrage bauen können, und zwar o) für den Fall, daß die Wohnungsabgnbe von 3 Milliar- ! den Mark direkt zur Verteilung von Baukostenzu- .schössen verwendet wird, und d) für den Fell, daß die 3 Milliarden zur Hälfte �direkt und zur Hälfte zur Verzinsung und Tilgung einer auf 20 Jahre aufzunehmenden Anleihe verwendet werden, dann würden wir in folgenden Monaten nach Fall» und K folgende Zahl von Wohnungen bauen können: Im Monat Nach Fall a) Nack Fall d) August 1021.... 60000 300000 November 1021.... 43000 260000 Januar 1922.... 27000 170000 Mai 1922.... 21000 130000 Juli 1922.... 17 000 100 000 Oktob/r 1922.... 12000 80000 Wenngleich die oben genannten Ziffern auch nur die mutmaßliche Steigerung der Baukosten bis zum Ok- tober dieses Lahres und damit die Hemmungen der Neubau- tätigkeit zum Auedrvck bringen, so wird doch jeder Fachmann, der die Vauwirtschaft im Zusammenhange mit der allgemei- nen Wirtschaft zu beurteilen in der Lage ist, zugeben, daß wir mit einer weiteren Steigerung der Preise für Arbeitsleistung und Baustoffe zu/rechnen haben, und daß die obige Schätzung eher zu niedrig als zu hoch gegriffen ist. Welch« Schlußfolgerung haben wir aus den obigen Zahlen zu ziehen? Das Gesetz, das dem Reichstage vorsiegt, kann unmöglich in der Fassung angenommen werden, daß die Wohnungsab- gäbe auf nur 25 Proz. begrenzt werden soll. Die Städte und Gemeinden müsien die Möglichkeit haben, die Wohnungsab- gab« mit steigender Geldentwertung zu er- höhen, wenn die Bauherren nach Beginn der Bauten nicht in die Verlegenheit kommen wollen, aus Mangel an Mitteln die Fortführung wieder einzustellen. Diese Erhöhung der Wobnungsabgabe ist auch für den Fall notwendig, daß die Spekulation auf die Kapitalbeschaffung auf dem Anleihcwege ein« F« b l spekulatwn wird. Schon heute ist vorauszusehen. daß bei steigender Geldentwertung Anleihen aus dem allge- meinen Kapitalmarkt zu erträglichen Bedingungen nicht unter- zubringen sind, weil das verfügbare Kapital durch die In- dustrie i'Nd durch den Handel mit steigender Geldentwertung voll in Anspruch genommen wird. Weiterhin muß der Reichs- tag noch den Beschluß fasten, daß der Ausgleichsfonds des Reiches wesentlich erhöbt und nicht, wie der Reichsrat in välliaer De'kennung der Sachlage beschlossen hat, von 10 auf 5 Proz. der Bruttoeinnahmen herabgesetzt wird. Da» Reich muß zu zeiten steigender Geldentwertung hinreichendes Kapital zur Verfügung haben, um in den dringendsten Rot- fällen eingreifen zu können. Vor allem muß es Mittel zur hwm» schtknt ans hafenjechnffchm Srflnben nicht in demsewe» Maß« dringlich. Ein Austausch der chamburg«r Exklave Moorburg. soweit fi« südlich der Süderelbe liegt, gegen das preußische Gebiet auf den Elbinseln, käme viel mehr bei Verlegung der Landesgrcnze in den Lauf der Süderelbe in Frage. Weiter sei eine engere Derwaltungsgtmeinschaft der preußischen und hamburgi» schen Gemeinden westlich bis etwa Wedel, nördlich bis zu den Ham» burger Exklaven(sog. Walddörfern) und östlich bis etwa Reinbeck notwendig. Bei Einverleibung von Gebietsteilen der Provinzen Hannover und Schleswig-Holstein noch Hamburg müßten die finanziellen Interessen der beiden Provinzen und der beteiligten Kreise gewahrt werden, indem ihnen für die verloren gehende Steuer- kraft ein voller, auch die künstigen Entwicklungsmöglichkeiten berück- sichtigender Ersatz, wie im Kommislsionsbericht vom 30. April 1921 vorgeschlagen, gewährt wird._ Die„teueren' Setriebsräte. Pro Tag und Kopf 1,30 M. Im 2Zer Ausschuß des Reichstags ließ die Regierung am Mon- tag anläßlich der Beratung des Beamenrätegesetzes bekanntgeben, wie groß die Zahl der Betriebsräte und Beamtenvcrtreter im De» reiche der Reichseisenbahnverwaltung ist, wieviel Ar- beitsstunden die Betriebsräte versäumen und wieviel Millionen Mark sie dem Reich kosten. Aus dieser offenbar zu bestimmten Zwecken mit ganz besonderem Fleiß bearbeiteten Aufstellung ergibt sich, daß es im Reichseisenbahnbetrieb rund 2S 000(genau 24 798) Betriebs- röte und 28 000 Beamtenvertreter gibt. Die Betriebsräte versäumen insgesamt im Monat 200 000 Arbeitsstunden. Dieser Aussall be- dingt einen Mehraufwand für Löhne von zirka 850 000 M. monatlich, da für die Betriebsräte während ihrer Abwesenheit zum größten Teil Vertreter gestellt werden müßten. Die jährlichen G es a m t k o st» n, die die Einrichtung der Betriebsräte dem Reiche verursachen, belaufen sich aus zirka IT Millionen Mark. Ueber die Beamtenvertretungen liegen genaue Berechnungen noch nicht vor. Schätzungsweise kosten sie 11)4 Millionen Mark im Jahre. Dieses Zahlenmaterial läßt 9ie reaktionäre Presse natürlich in fetter Aufmachung aus ihre Leser wirken, um ihnen zu zeigen, was für ein kostspieliger Apparat doch dieses Mitbestimmungsrecht der Arbeiter ist. Die Endsummen sollen wirken und werten sicher auch bei den.sparsamen" Kapitalisten, Wucherern und Schiebern Eindruck machen. Wie sehen aber die Dinge in Wirklichkeit aus? Rund 2SOOO Betriebsräte versäumen im Monat infolg« ihrer gesetzlichen Tätigkeit 200 000 Arbeitsstunden. Das macht pro Kopf und Mona«» Stunden, la der Woche nicht ganz 2 Stunden und auf den Tag umgerechnet Ii bis 20 Minuten. Die 23 000 Be- triebsräte verursachen im Monat 850 000 M. Kosten, das macht auf den Kopf umgerechnet 34 M. im Monat, nicht ganz S M. in der Woche und zirka 1,39 M. pro Tag. Dazu kommen noch zirka 11 M. Spesen pro Betriebsrat im Monat. Wie bei den Arbeitern, so liegen di« Dinge auch bei den Beamten. Wenn man berücksichtigt, daß di« Betriebsräte und Beamten- vertrete? schon allein dadurch, daß sie in hundert verschiedenen Fällen ernsthafte Konflikte schlichteten. Millionenverluste oerhindert haben, dann erscheinen di« 25 Millionen Mark, die mon im Jahre für sie ausgibt, doch recht gering. Wenn man darüber hinaus noch all dir vielen brauchbaren Vorschläge, di« di« gesetzlichen Arbeiter- und Deamtenvertretungen zur Verbesserung und Ber- billigung des Betriebes gemacht haben, verwirklichen würde, man würde das Vielfach« desien aus dem Eisenbahnbetrieb herauswirtschasten können, was die Betriebsräte und Beamten- Vertretungen kosten. Aber daraus kommt«» der bureaukratischen und reaktionären Verwaltung gcr nicht an. Ihr Ziel ist es, die Arbeiter- Vertretungen zu diskreditieren, und um dieses Ziel zu erreichen, scheut sie keine Mittel und keine Arbeit. Dielleicht machen die Vertretungen der Arbeiterschaft einmal ein« Ausstellung darüber, wi« viele der höheren Ver- waltungsbeamten weniger als acht Stunden arbeiten, und wieviel die Eifenbahnoerwaltung ersparen könnte, wenn auch dies« Kategorien den Achtstundentag voll ausnützen würden. Eine neue Reichstagsfraktl'on. Elf Männlein alS„Bereinigte" Kommunisten. In der Konimunistischcn ReichStagsfraktion hat sich der von uns bereits angekflndigtc Szenenwechsel am Dienstag vollzogen. AuS der Vereinigten Kommunistischen Fraktion sind ailsgctrcten: Tie Abgcordncien Geyer jr.. Eichdorn. Malzahn, Braß. Frieß. Plcttuer und Verlcle. Damit ist die Kommunistische Arbeitsgemeinschaft, zu der die Ausgetretenen übergegangen sind, auf 13 Maim und so zur Fraktionsstärke angeivachsen. Die Vereinigte Kommunistische Fraktion zählt jetzt nur noch 11 Mitglieder und hat hiermit jedes den Fraktionen zustehende Recht verloren. Kein Hungerstreik in Hamburg. Hamburg, 24. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Die kommu- nistische Presse verbreitet die Nachricht, daß sich politische Gefangene im Hamburger Staatsgefängnis schon den zweiten Tag im Lzungcr- streik befinden und fordert im Anschluß daran die„Freilassung der politischen Gefangenen". Die Tatsache ist folgend«: Bon 115 anläßlich der Märzaktion bestraften Gefangenen be- finden sich lediglich noch 19 in Hast. Davon haben 8 den Hunger- streik erklärt. In Wirklichkeit aber hat sich bis zur Stunde noch kein Gefangener geweigert, irgendwelche Nahrung aufzunehmen. Die ganze Aktion beruht auf einer Erfindung der Kommunistischen Partei. Steuerakten, öie nicht verschwinden. Die seltsam« Methode, politische Gegner mit Hilfe von Privat- dctektiven zu bekämpfen, kam in einer Verhandlung gegen den In- haber eines Privatdetektioinstituts und Kriminalwachtmeister o. D. Louis H a u I ch i l d wegen versuchter Bestechung gemäß der K§ 1 und 4 der Verordnungen vom 3. Mai 1917 und 12. Februar 1920 zur Sprache. Wie dos Gericht in den Urteilsgründen als fest- gestellt ansah, hatte der Angeklagte einem bei dem Finanzamt Wilmersdorf tätigen Steuerasfistentcn für die Abschrist jeder Seite der Steuerattcn Dr. Helfferichs 1000 M. geboten. Hauschild erklärte dabei, daß er auch den Austrag habe, das Haus- personal Dr. Helfferichs auszuhorchen. Der Steuerbeamt« erstattete bei seiner vorgesetzten Behörde Anzeige über den Vorfall. Das Gr- richt sah auf Grund dieses Sachverhalts den Angeklagten als schuldig an und verurteilte Hauschild zu 3 0 00 M. Geldstrase. Ohne voreilige Schlüsse daraus zu ziehen, fei daran erinnert, daß im Fall Erzberger und im Fall van den Kerkhos, als es sich darum hcndelte, einen republikanischen Minister bloß- zustellen und einen deutschnationalcn Abgeordneten vor der Bloß- stellung zu bewahren, Steuerakten mißbraucht wurden bzw. ver- schwinden konnten, ohne den Urheber des Vergehens festzustellen. Internationaler Minöerheitenstbutz. Die Kommission für M i n d e r h e i t s f r o g e n, die der Welt- verband der Bölkerbundsvereine eingesetzt hat, versendet über ihr« erste Tagung folgenden Bericht: Die Tagung fand am 19. und 20. Januar in Brüssel statt und hat einen Bericht vorbereitet, der der Bollvcrsammlung des Wcltvcrbandes in Prag Anfang Juni vorgelegt werden soll. Den Vorsitz führte Sir Willoughby Dickinfon, früheres Unterhausmitglied. Vertreten waren: Deutschland durch den Grafen Bernstorff. Belgien durch Senator Lafontaine, Frankreich durch Professor Aulard. weiterhw Argentinien. Griechenland, Polen, die Schweiz, die Tschechostowakei und Ungarn. Geschäftsführer wa» der General- sckretär des Weltverbandes, Professor T h. R u y s s e n. Für die Frage der Minderheiten in der Tschechoslowakei und Polen. Oesterreich, Ungarn, Rumänien und Jugoslawien wurden Unterausschüsse eingesetzt. Die Art der vcrhand- lungen eröffnet die besten Aussichten auf die künftigen Befchlüsie. Ein« zweite Tagung wird im April voraussichtlich in M ü n- ch e n statifindcn. Vertreter der Minderheiten werden«ingeladen neiden, das Material der Kommission durch persönliche Ausführungen vor chr zu ergänzen. Littfllgimg SaSen, am R«» Baaffvffwucher» tuf den ein oroßer Teil der Daukostensteigerung zurückzuführen ist, bekämpfen zu können. Aus allen diesen Gründen ist es notwendig, das Woh- nungsabgadegesetz beweglicher zu gestallen als der Ge- fetzentwurf der Reichsregierung dies vorsieht, sonst kommt der Wohnungsbau bei steigender Geldentwertung zum Erliegen, sonst schädigen wir nicht nur die Wohnungslosen, sondern auch hie Bauarbeiter und den gesamten Baumarkt. von dessen Beschäftigung eine Reihe wichtiger Industriebetriebe abhängig ist. �_ Staütetag und Wohnungsbau. Der vorstand de« Deutschen Stadt«tage» bat dehufS Vertretung der Wirderberstellung der finanziellen Unabbäugigkeit der Städte sowohl dem Reichsfinanzminister wir dem ReichSrat und Reichstag gegenüber einen Ausschuß gebildet, der au» den Ober» bürgermeistern Vöß- Berlin, Adenauer» Köln, vluha• Dresden, «laeßing- Darmstadt. Luther-Esien und Mitzlaff, früher in Brom- berg, besteht. In Ueberemstimmung mit dem vom Wohnungsausschuß des vorläufigen ReichSwirtickiaftSrate« gefaßten veübluß hält der Vorstand de« Deutschen EtädtetageS trotz aller volkswirtschaftlich ent« gegenstehenden Bedenken die Erhöhung der ReichSwohnungöbau« abgab« auf 100 Prozent der Friedensmiete für unver- meidbar. Ferner wurde zum Beamlenrätegesetz und zum Arbeits- nachweiSgesetz Stellung genommen und über die vorarbeiten zur Gründung eine» HaflpflichtverstcherungSverbande» der Stadlgemeinden Mitteilung gemacht. Republikanisthe Reichskonferenz. In Weimar fand am Sonntag, den 22. Januar 1922, unter dem Borfitz de» thüringischen StaatSministerS Freiherrn v. Bran« den stein eine Konferenz der Vorstände d«S Republikani- fchen Reichsbundes von Weimar und Bayern, de« Republika» nifchen Lehrerbunde» und de« Republikanischen Richterbunde» statt. Zugegen waren u. a. Bundesvorsitzender Spitz au« München, UniversitälSprofesior Dr. Kantorowicz au« Freiburg i. Br. und AmtSgerichtSrat Marquard au» Chartotienburg. Es wurde ein gemeinschaftliche» Arbeiten auf allen Gebieten der Ausbreitung republikanischer Kultur und Gesinnung zur Festigung der demo» kratischen Republik verabredet. Insonderheit ist die Gründung weiterer Ortsgruppen des Reichsbunde« und der ihnen ange- gliederten Fachverbänd« fokie der Anschluß weiterer republikanischer Organisationen an den Republikauischen Reichsbund in die Wege geleitet worden._ Sausteine zum Einheitsstaat. Wir haben in Deutschland noch immer«in« Reihe von kleinen und kleinsten„Staaten", die nicht recht in unsere Zeit hineingehören. Es war deshalb seinerzeit ein großer Fortschritt, wenn sich di« thüringischen Staatsgebiete zu einem einheitlichen Staatsganzen zu- sammenschlosien. In diesem Sinne erfolgte vor kurzem auch der Anschluß de» Ländchens Pyrmont an Preußen. Da» Nachbargebiet Wal deck steht vorläufig noch außerhalb der Gemeinschaft. Die Zentral st«lle für Gliederung de»R«Iche»hat daraus- hin in ihrer letzten Sitzung folgenden Beschluß gefaßt: „Die Zentralstelle stimmt der Angliedcrung Pyrmont» an .Preußen zu. Sie hält aber auch dos Weiterbestehen de» Landes Waldeck, daß ohnehin schon seit 45 Jahren eine» s« l b st ä n- digen Lebens als Land entbehrt, nicht als im Sinn« der Reichsvcrfassung liegend und empfiehlt dem Reichsminister des Innern, alsbald unter Anhörung der Waldecker Bevölkerung Ber- Handlungen wegen einer Bereinigung Waldeck, Mit Preußen herbeizuführen." In der Etrektfrage zwischen Preußen und Grvß-Ham- bürg hält die Zentralstell« eine Einverleibung der preußischen, auf den Elbinseln liegenden Gemeinden Wilhelmsburg, Neuhof. Alten- wärder und Finkenwärder nach Hamburg für wünschenswert, Die Ausdehnung der einheitlichen Hasenverwaltung über di« Süderelbe Arthur Nitisch. In der feierlichen Stunde, da er vor den Berllnern kn der Philharmonie dirigeren sollte, schloß Nikisch di« Augen. Nun heißt «» Donk sammeln dem Meister, der unser aller Führer war im Land der klassischen, der romantischen Musik. Ueber ein Viertel- jahrhundert hat er, der legitime Nachfolger Bülows, die Konzerte geleitet, di« der Hauptstadt Weltruf verschafften. Di« Seele wußte sich geborgen, Aug' und Ohr labten sich, wenn Nitisch da» Podium betrat. Man wühl«: in dieser einzigen Hand des einzigen Dirigier- genies deuteten Ruhe, Heftigkeit, Locken und Drohen immer nur die Demut, die Erschütterung, die Inbrunst einem Schöpsungswerk gegenüber. In seinen Teilen, liebevoll betreut, mosaikartig gebaut, feftgetittet durch die seiertäglich« Gesinnung«ine» Urtönners, wurde die Sinfonie, das Konzert, das Programm neu geboren. Der alles konnte, kannte nur ein» nicht: Stillstand. Der alles beherrschte. konnte sich nicht genug tun im Retouchieren, Neugestalten, Ueben, Fonnen. Ohne Probe hätte er Brahm» und Beethoven und Schubert nicht gespielt, auch nicht zum 100. Male. Sein Gewisien, feine Gewisienhaftigkrit zerflossen nicht in der Geschäftigkeit, sie schwanden auch nicht in dem Gefühl einer stet» bereiten und stets wirkenden Suggestion auf Musiker und Publikum. Nie ist au» Ruhe und Verhallenheit eines Dirigenten solch stark lebendig-», tempera- ment- und schwungvolle«, abgeklärte» und zouderhaft.innige» Musizieren geworden wie in den Philhannonijchen Konzerten. Dieser wahre Lehrmeister lernte nicht aus, weil feine Liebe zum Werk sich immer neu entfachte. Momentane Ausdrucks kunst, allgegenwärtig« Inspiration, Beherrschung der Stimmung vom ersten di» zum letzten Ton, Unfehlbarkeit der technischen Handhabung ohne jede» Gefühl de» Drill»— da» waren Imponderabilien, an denen der Zauber, das Fluidum, di« magijch» Kraft Rikisch» hing. Ein Miniaturzeichner: gewiß: aber das Werk gab sein« Farben, sein Leuchten, seine Tönungen in vollendetster Form her. Seine große Liebe waren Beethoven, Brahm«, Tschaitowsky und die deutschen Romantiker, denen er mit fast weiblicher Inbrunst Treue hielt. Am Modernismus, der über Ltszt und Strauß ragen wollte, ging«r zwar nicht achtlos vorüber, aber zu seinem festen, in Mensch, Leben und Geschmack verankerten Programm gehörte das Nur-Neue, Modisch« nicht. Das hätte selbst bei dem konservativen Publikum der„Philharmonischen" über kurz oder lang einmal zu einem Konflikt führen können. Diesem inneren Kampf hat höher« Macht«in ruhiges End« gemacht. Boller Schmerz holten wir di« Frage zurück, was nun werden wird. Wir fühlen die große Lücke, den schneidenden Riß, und wir trauern in Dankbarkeit um den«inzigen großen Dirigenten seit Bülow, der im Reproduzieren von Kunstwerken wirklich wieder fchöpserisch Kunstwerke schuf. Do, Leben geht weiter, auch in der Musik. D«r Geist so heiliger Tradition aber, wie er im Nomen und Wirken Nikisch» lebendig war, kann nicht in Aeonen untergehen. _ Dr. Kurt Singer. ver Tod eine» Papste, war in mittelalterlichen Zeiten für das »Axttsch« Volk ein Freudenfest..Da, Hinscheiden de« Oberhaupte»," erzählt Greaoroviu» in seiner Geschichte der Stadt Rom im Mittel- alter,.brachte jedesmal ausgelassene Freude unter dem Dolk her- vor: denn da» Schiff Petri schien gestrandet, und fein Gut herrenlos und plünderungsfrei." Dt« Diener des Papste» und das Boll mach- len von diesem.Strandrecht" ausgiebigen Gebrauch. Sie brachen in di« Gemächer de» Toten ein, plünderten den ganzen päpstlichen Palast und schleppten alles, was sie dort fanden, mit sich fort. Und sie fanden Vieles und Wertvolle». Denn die heiligen Bäter pflegten damals einen pomphaften, durchaus unchristlichen Luxus zu treiben. Ihre Wohnräume strahlten von Gold, Purpur und Samt: sie speisten auf goldenem Geschirr und tranken ihren Wein aus kostbaren Bechern oder Trinkhörnern. Beim Gastmahl erfreute ihre Sinne der An- blick schöner Tänzerinnen und kein Brunner mißgönnte ihnen diesen Genuß. Daß da» römisch« Dolk vor diesen Stellvertretern Christi besondere Ehrfurcht hegen sollte, war nicht zu erwarten; dazu sah es die Dinge zu sehr aus der Nähe. Und so löste auch der Tod eines Papstes keine schmerzlichen Gefühle aus, fondern nur das Bedürf- nis, den Zustand der Anarchie bis zur Wahl eine» neuen Oberhauptes nach Möglichkeit auszunutzen. Aber auch der neue Papst mußte sich — so gebot es die Sitte— da« Wohlwollen seiner römischen Unter- tanen zunächst erkaufen. Er mußte die Priesterschaft und die Klöster mit Geld beschenken und Lebensmittel an die ärmere Bevölkerung der ewigen Stadt verteilen. Das verursachte.oft groß« Schwierig- leiten, weil er Schatzkammer, Keller und Dorratsräume bei seinem Einzug in die lateranlsche Residenz regelmäßig total ausgeplündert vorfand. Wenn er kein eigene» Vermögen befaß, sah er sich daher genötigt, gleich bei Amtsantritt feine Zuflucht zu einem größeren Pump zu nehmen, was wieder für die römischen Bankiers nicht un- vorteilhaft war. So bracht« da» Ableben eines Papste» vielfachen Segen mit sich und es ist kein Wunder, daß dem damaligen Klerus und der Bevölkerung der Stadt Rom die möglichst häufige Wiederkehr dieses Ereignisses wünschenswert erschien und daß man, wenn sie einmal gar zu lang« auf sich warten ließ, mit kleinen Mitteln wirk- fam nachzuhelfen sucht«. Daldeyer» Hände. Alz vor einem Jahre Wilhelm Waldeycr starb, erregte seine letztwillige Verfügung Aussehen, wonach sein Gehirn und seine Hände aufbewahrt werden sollten. Zu welchem Zweck der berühmte Anatom diese Bestimmung getroffen hat, dar- über berichtete Hans Virchow in der letzten Sitzung der Berliner Gefellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. In Waldeyer» Testament heißt es:.Ich bin ein alter Anatom, wir Anatomen müssen mit gutem Beispiel vorangehen... Meine Kinder wollen«» ihrem Dater, der mit Leib und Seele Anatom war, zugute halten, wenn er so verfügt." Die Aufbewahrung de» Gehirn» ist nach den Untersuchungen, die z. B. in früheren Iahren von Hanse. mann mit dem Gehirn von Hclmholtz und dem von Adolf Menzel angestellt hat, verständlich. Die Ausbewahrung feiner Handstclette sollte nach der von Hans Virchow ausgebildeten Methode erfolgen, und so ist sie inzwischen im Berliner Anatomischen Institut aus- geführt worden. Diese Methode dient dazu, festzustellen, wieviel die Gesamtsorm der Hand der Skelettgrundlag« verdankt. In Waldeyer» letztwilliger Bestimmung heißt es:„Meine Hand ist eine Schleid« band. Es hat vielleicht ein anatomifch-physiologisches Interesse, eine solch« Hand mit der anderer noch dem Verfahren Virchow» zu ver- gleichen. Den Kollegen Fick(den Amtsnachfolger Waldeyer») bitte ich, meiner Hand einen Platz im Anatomischen Museum der Uni- versität einzuräumen." Dementsprechend ist nun verfahren morde». Charakteristlsch bis in die kleinste Bildung ist die Ausbiüuing der rechten Hand Waldeycr» als Schreibhand, der linken Hand als Stützhand,— z. B. mit der charaktcriftifchen Abbiegung der Finger. die den Federhalter zu führen gewohnt find, und der Umbiegung des kleinen Fingers der linken Hand, die das Papier zu halten pflegi. Die Hände eines großen Gelehrten sind also hier als ausdrucksvoller Teil feines Körpers im Skelett erhalten geblieben. Das warnende„Singen" der Grubenlampe. Das einzige Mittel, um die dem Bergarbeiter drohenden Schlagwetter zu erkennen, ist die Benzinsichcrhcitslan pe, deren Flamme sich verfärbt und ver- längert, wenn gesäbrliche Grubengase austreten. Durch di« Ein« führung der elektrischen Grubenlampen ist nun dem Bergmann die Möglichkeit genommen worden, stets an seiner Lampe das Herein- brechen sck.lagender Wetter selbst feststellen zu können. Deshalb wird in jedem Grubenorte der sog.„Orlsölteste" mit einer Benzinsicher- heirslampe versehen, und sein verantwortliches Amt ist es, durch Lc- obachtung der Flamme die Schlagwettergefahr zu erkennen und die Arbcitsgenosien durch Zuruf zu warnen. Wi« Prof. Al. Schwarz in der„Umschau" mitteilt, ist es nun gelungen, die Warnung vor Schlagwettern nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar zu machen. Der Prosesior an der Bergwcrkshochschule in Leoben Fleihncr hat durch Bcrfuche festgestellt, daß mit der sog. chemischen Harmonika Methau und alle brennbaren Gase durch das„Singen" der Flamme nachzuweisen sind. Er hat cincn tönenden Schlagwetteranzciger in der Form einer Grubensichcrheltslampe hergestellt, dcr die Silber- beit im Bergbau sehr erhöht. Diese„singende" Lampe entspricht in der äußeren Gestalt der Benzinlampe: doch sind im Oberteil und am Brenner Cii.richtungcn für die Tonerzeuaung eingebaut. Durch die Bergrößcrung der Benzinslamme beim Austreten brennender Gase entstehen Schwenkungen, die vermöge diese» Apparates in einem deutlichen Tönen wahrnehmbar werden. Sobald der einziehenden Luft keine brennbaren Gase mehr beigemischt find, hört das Tönen auf und die Flamme brennt wieder in nqrmalcr Weise. Zahlreiche Versuche haben ergeben, daß diese singende Lampe ein absolut zu- verlässigcr und sicherer Anzeiger für das Austreten von Schlag- wettern ist, und die Warnung wird dadurch nicht nur einem«in- zelnen Beobachter gegeben, sondern sie dringt zugleich in alle Ohren. Schreckcnsfzcnen aus einem brennenden Schiff. Grauenhaft« Einzelheiten über die Katastrophe des deutschen Dampfers„Besta", der, wie bereits gemeldet, infolge der Explosion der au» Naphiha und Spiritus bestehenden Ladung während«in«, furchtboren Sturme, auf hoher See in Brand geraten war, werden von den in Landen gelandeten Ueberlebenden berichtet.„Unmittelbar nach der Explcsioi erzählte der zweite Offizier,„wurde das Deck von einer Flammenwell« überflutet. Kurz darauf erfolgte eine zweite Explosion. Ick stand neben«em Kommandanten auf der Kom- mandobrücke, als, wie sie eben aus dem Schlaf gefahren war. feine junge Frau laut schreiend vor uns auftauchte. Der Kapitän erst feit drei Wochen verheiratet, nahm die vom Schrecken völlig' Gs. lähmt« in den Arm und sprang mii ihr, ehe wir e» hindern' komi- ten, in die See. in der er fpurlo» v'erschwand. Ein» der Rettung� boote war in Brand geraten, da» ander« wurde von den W«ll«u ______ Wirtschaft Deutschlands Kohlenförderung l9Zl. Die FölderunzSergebnisie de? deutschen KohlenbergdaueS im Ichrs werde» jetzt bekanntgegeben. Sie zeigen bei alle» Produkten de§ KoblcnbcrgbaneS eine bemerkenZweits Steigerung gegen das Vorfahr. So konnte die Sieinkohlcufördernng um rund d Millionen Tonnen gegen das Vorjahr erhöht werden, die Braun« kohlenfördernng stieg nm lk.t, die KokSerzengung«rn 2,7, die Her- stcllnng von Prestkohlen aus Steinkohlen um 0,3, diejenige ans vrannkohlq/,«in fast t Millionen Tonnen. Bemerkenswert ist dicieS Ergebnis vor allem deshalb, weil die Erhöhung der Steinkohlen« fördernng im Gegensatz zu vorigem Jahr ohne wesentliibe Leistungen von Ncbcrickicbtcn erzielt wurde und die Förderung OberstdlesienS im ersten Halbjahr unter dem Druck der Polenunruben stand. Im Vergleiw zu früheren Jahren zeigt die Förderung im Gebiete des bemigen, durch Gebiettabiretnngen und durcki die LoSlrennung des S.rargebiete» verkleinerten Deutschland mit Einschluß von Ober- schlesien folgendes Bild: Jahr Steinkohlen Braunkohlen Koks S.-.n;°�B7aun'k°hl- in Millionen Tonnen tvl3.. 173,1 87,2 8->,6 6,8 22.0 1917.. m,4 95.5 82 4 6,2 22,0 1018.. 148,1 100,6 823 6,2 23,1 1919., 107,0 93.8 21,2 4,0 19,7 1920.. 131,3 111,9 25,2 4,9 24,3 1021.. 130,2 123,0 27,9 6,7 28,2 Die Gegenüberstelknng des JahrrS 1913 und 1921 zeigt, das; die S t c i n k o h l e n s ö r d e r n n g immer noch um 36,9 Mill. Tonnen hinter der VorkriegSsördcrung zurückbleibt. Rechnet man dazu die Ausfälle, die der deuifche» ftohlei, Versorgung durch die Lieferungen an die Eiilenle entstehen, so erklärt sich die gegen- wärt'ge Kohlenknappheit ohne weiteres. Bester steht eS mit der Braunkohle. Deren Förderung ist gegen 1913 um 35,8 Mtll. Tonnen,(lifo um mehr als zwei Fünftel gestiegen. Doch ist die Braunkohle kein voller Ersatz für die Steinkohle, da ihre Brennkrast nur rund»in Drittel der Steinkohle beträgt. Die KokSerzeugung wurde in den letzten Jahren kräftig gesteigert und bleibt nur noch wen'g— um 4,7 Mill. Toiinei»— hinler der Vorkriegsleistung zurück. Die Herstellung von Preßkohlen a»S Steinkohlen ist geringer, während Braun« kohlenbrikeitS in größerer Fahl hergestellt wurden als vor dem Kriege. Die Braniilohlenbrikelterzeugung»st dabei nicht fo stark gestiegen wie die Braunkohlenförderung. Sehr lehrreich ist ein Vergleich mit dem von Streiks und Putschen dirrchiobten NevolntionSjahr 1919, das»inen besorgniserregenden T i e f ft a n d der Kohlenfördernng mit sich brachte. Damals wurden 23,0 Mill. Tonnen Steinkohlen, 29,2 Mill. Tonnen Braun- kohlen weniger gefördert, als im letzten Jahre, und auch bei den weiter verarbeiteten Erzeugnifien ergeben sich riesige AiiZsälle. Tie Ziffern de» letzten Jahres sind»in Beweis dafür, daß die Arbeitsfreude sich merklich gehoben hat; freilich wurde die Mchrförderung zu einem erheblichen Teil durch Ber- mehiuirg der Belegschaflen erreicht. Ist e« nicht aber auch ein Be- weis Ivachfender AibeitSfreude, wenn viele Zehntau'ende denrscher Arbeiter ihren Beruf aufgegeben und sich der schwersten Arbeit zu- gewandt haben? Ist e» nicht auch ihr Verdienst, daß die Förderung in die'em Umfange gehoben werden konnte? Gegen das Jahr der ArbeitSkämpie fördern wir fetzt an Stein« kohlen 23.6 Millionen Tonnen mehr. Trotzdem leidet die Industrie unter der Kohlennot. da e» besonders an hochwertiger Kohle fehlt. Tie Enlcntelicferttngen, obwohl sie bereit« geringer sind, als sie im Friedensdiktat vorgesehen waren, nehmen einen großen Teil deS UebcrschusscS in Anspiuch. Aber fast die gleiche Menge wie diese Mehlsördrriiiig, nämlich 24,4 Millionen Tonnen, verlieren wir durch die Teilung OberschleiienS. Wohl bleibr Polen zur Liescruirg«ineS großen Teile« der Fördernng verpflichtet, Aber diese Lieferungen müssen wieder mit Warenausfuhren bezahlt werden, deren Ertrag wir zur Rohstoff- und Lebensmittelversorgung DeiirschlandS ebenso notwendig braiichen wie zur Bezahlung der Golrinarlichuldcn auS den Reparationen. So ist zu befürchten, daß die Zeit der Kohlenknapphcit noch längst nicht überwunden ist, eS lei denn, daß eine industrielle Krise, wie sie nach Abbau der Lebensmittelzuschüsse und nach Erhöhung der Kohlenpretse auf den WeltinarkiprerS von vielen erwartet wird, den Bedarf der Industrie verringert._ Auch Thyffen begib« sich in die Elektroindustrie. Der Thyssen- Konzern baut ieine Verriebe in großem Umfange an«. Kürzlich wir.de gemeldet, dafe er mehrere neue Scbächte in seinen Kohlen- gnrbor niederbringt, serner sind Erweiternngen dcS HnitendetriebeS geplant und auch schon begonnen. Jetzt wird bekannt, daß Thyssen eine große Anlage für Herstellung»leklrotechnrtcher Ar- t» k e l plant. Auch hier sind also Bestrebungen im Gange, die große Rohstofferzeugriiig de« Konzern» mit der Fertig», dustrie zu verschmelzen, ähnlich wie eS der StinneS-Konzern durch die An- glicdcrnng der StinneS�Werk« getan hat. während die AEG, von der Elektroindustrie an» nach den Rohstoffen bin Konzentration«- bestrebungen verfolgt hat. Außerdem sollen die Röhrenwerke stark ausgedehnt werden._ Deutsche tlot in West und Gst. Der PreußischeLandtaghat gestern die Vorlage über die Gewährung von weileren Teuerungszuichlägen an die unmittelbaren Staatsbeamten verabschiedet und die Vorlage über die Teuerungezuschläge zu den Gebühren der Notare, Rechts- anwälte, Gerichtsvollzieher uiw. in erster und zweiter Lesung an- genommen. Darauf wird die Beratung der Großen Anfragen und Anträge über die Lage im besetzten rheinischen Gebiet fortgesetzt. Staatskommissar für die Volksernährung Dr. Hagedorn bespricht die Maßnahmen der Reichs- und Staatsbehörden zur Behebung der Crnährungsfchwierigkeiten. Abg. yaas(Soz.): Das Ministerium Poincare bedeutet wahrscheinlich eine Ver- stärkung der Französierungsbestrebungen im Rheinlande. Wir haben bedauerlicherweise diesen Bestrebungen nrchts entgegenzu- setzen, als die Reichstreue der Rheinländer. Die preußische und die Reichsregierung müssen noch mehr als bisher versuchen, persön- liche Verbindungen mit den Behörden und der Bevölkerung dort herzustellen. Dem Zentrum santrage aus Uebernahrne der den Ge- mernden auferlegten Wirtschaftsbeihilfenzuschüsse auf die Staatskasse stimmen wir z», wünschen aber Ausschußberatung. Die Gesamt- kosten der Belatzungszulagen usw. müßten eigentlich von der Ge- samtdevölterung des Reiches getragen werden.(Sehr richtlgl) Die Gemeindebehörden sind überhaupt nicht mehr Herr im eigenen Hause. lleberall reden die Besahnngsbehörden hinein; sie belegen Schulen und andere öffentliche Gebäude für Ihre Bureauzwecke und mischen sich in Gehalts- und Lohnstrcrtigkeiten. Die Wohnungsnot hat im besetzten Gebiet einen ganz uner- träg'ichen Umfang angenommen. Für Wohnungsbauten müssen die Gemeinden gewaltig» Summen aufwenden, so bisher 359 Millionen Mark. Die Soldaten, insbesondere die Chargierten, bringen ihre Angehörigen mir. Dazu kommen die Valutaschieber, Kaufleute usw. In Köln haben sich eine ganz« Anzahl ausländischer Firmen nieder- gelassen. Ausländisches Kapital versucht in deutsch« Unternehmnn- gen einzudringen und ein großer Teil der deutschen Kapitalisten unterstützt dieses Eindringen. Die Verordnung, die den Ausländern verbot, deutsche Bedarfsgegenstände zu kaufen, kam viel zu spät und wurde durch ausländische Schieber unter deutscher TNilhll'e umgangen. Den kleinen Schiebern ging es an den Kragem die großen gingen frei aus. Es ist Pflicht der Regierung, den Rhein- ländern über ihre Ernährungsschwierigkeitcn hinwegzuhe'fen und das Abschätzungsverfahren der Kriegs- und Vesatzungsfchäden zu beschleunigen. Geschäfte auf Kosten des Reiches können aber dabei nlcht geduldet werden.(Sehr richtlgl) Wie steht es mit dem Per- sonenschädengcsetz? Beschämend i't es, wenn Villenbesitzer ihre Dillen den Besolzungsbehörden anbieten, lediglich zu dem Zweck, um von deutscher Einmictnng verschont zu bleiben! Die Zahl der Scpa- ratissen ist in erfreulicher Weise zurückgegangen; von dem Minister- Wechsel in Frankreich erhoffen sie eine wesentliche Förderung ihrer Bestrebungen. Die rheinische Bevölkerung, insbesondere die Ar- beiterschafe, will von dem Franzoscnfrcunde Smeets und seiner Ge- folgschaft nichts wissen. Sie fällt auf die SlrenenNänge von der großen westlichen vemokrasie nicht mehr hinew. denn sie weiß, daß die größte Gefahr für die Ruhe und den Frieden Europas im Augenblick der französische Miss- tarismus ist.(Sehr richtig! b, d. Soz.) Dem Eingreifen der Mi'i- tärbehörden in die deutsche Jusii> im Falle Smeets rciht sich würdig an des Derlanoen der Rhelnlonötommission nach Ueberwachung der Schulen daraufhin, ob der Schulunterricht auch im Sinne der Er- bassung des Weltfrieden? gemäß Art. 148 der Rcichsver- fassung«rsolge. Wir Sozialdemokraten wünschen natürlich auch, daß Artikel 148 beachtet wird. Aber das ist eine rein deutsche An- gelegenheit, und wir werden schon allein mit den Lehrern fertig, die gegen ihn verstoßen und lehnen die Einmischung der Be- satzungsbebörden ab. Manche deuksck'nalionalcn Blätter werden von ihrem 5>asse gegen„das rote Preußen" dazu verführt, einen Ton in der Polemik anzuschlagen, der nur den Separolisti'n Wasser auf ihre Mühlen leitet. An demselben Tage, an dem die Rheinland- kommission den Schulübernachnngsansschvß einsetzte, fragten Pariser Schulkinder ängstlich ihre Eltern, ob die Andeutung Poincards über einen drohenden Krieg stimme. Der verlorene Krieg hat bei uns Deutschen derarrige Eindrücke hinterlassen, daß die übergroße Mehr- heit des deutschen Volkes sich stets in dem Rufe vereinen wird: Nie wieder kriegt Wenn aber die Zahl der Andersdenkenden in Deutschland gewachsen ist. so ist das auf die Politik der Entente, insbesondere der Franzosen und Belgier und auf. die Uebergrisse ihrer Kolonial- truppen zurückzuführen. Wir wünschen nur, daß sich alle Länder so vom Militarismus befreien würden, wie es Delltschland getan hat. Angesichts der Drohungen und der Worte PoincarSs, daß die An- rechnungszeit der Besatzung noch nicht begonnen habe, müssen all« Parteien und die Regierung ihr Verhalten so einrichten, daß sich die Verhältnisse im besetzten Gebiet nicht noch schwieriger gestalten. Sollten wirklich die Tage des Erfüllungskabinetts Wirth gezählt sein, nur weil die Besitzenden nicht in ihren Geldbeutel greifen wollen, so würde das«lne ungeheure Stärkung der imperlalistischen and militaristischen Bestrebungen in Frankreich bedeuten. Wenn wir demgegenüber mit aller Kraft darauf drängen, daß an der Erfüllungspolitik festgehalten wird, dann treiben wir damit eine Politik, die nicht nur der Bevölkerung des besetzten Rheinlandes, sondern dem ganzen deutschen Volke zugute kommt.(Lebh. Beifall b. d. Soz.) Abg. Dankler(D. Vp.): Die Rheinländer sind mit Leib und Seele Preußen. Abg. Plenge(Komm.): Gerade die besitzenden nationalistischen Kreise im besetzten Gebiet sind es, die dem Eindringen des Entente- kapitalismus die Wege bahnen. Viel schlimmer als die schwarze Schmach ist die weiße Schmach in Mitteldeutschland.(Pfuirufe rechts und in der Mitte.) Abg. Ulmer(ll. Soz.): Die Belegung des Rheinlandes mit schwarzen Truppen ist nicht auf Bosheit zurückzuführen, sondern aus wirlschastllch? Gründe. Die schwarze Schmach wird vielfach übertrieben. Viele Lehrer haben tatsächlich gegen Art. 148 ver- stoßen. Wir sollten nicht vergessen, was das elsässische Volk vom preußischen Militarismus erdulden mußte.(Pfuirufe.) Poincare ist Fleisch von Ihrem(zur Rechten) Fleisch. Die Rechtssozialisten sollten es einmal der Rechten überlassen, zu zeigen, wie sie die Rot der besetzten Gebiete und des ganzen deutschen Volkes lindern kann. Die Aussprache schließt. Die Anträge gehen an Ausschüsse, der Antrag auf Beschleunigung des Abschiitzungsversahrens hinsichtlich der Kriegs- und Desatzungsschäden wird angenommen. Die i Genehmigung zur Strafverfolgung des Abg. Schoenbeck(Komm.) wird mit 176 gegen 155 Stimmen der drei sozialistischen Parteien, die Genehmigung zur Strafverfol- gung des Abg. Eber lein mit 263 gegen 50 Stimmen der Un- abhängigen und Kommunisten erteilt. Die soforkige Inhaftnahme Eberleins wird mit 172 gegen 134 Stimmen genehmigt.(Lebh. Pfuirufe und Lärm b. d. Kommunisten.) Es folgt die Beratung der deutschnationalen Anträgt zugunsten der aus Neupolen vertriebenen Ansiedler. Landwirtschaftsminister Dr. Nendorfs sagt zu, daß diese Land- wirte bei Reuvefpachtung staatlicher Domänen in erster Linie be- rücksichtiot werden sollen. Nach mehreren anderen Rednern spricht. Abg. Wende-Lerlin(Soz.): Auch wir fühlen mit den deutschen Brüdern und wollen ihnen helfen. Leider schüren die Polen die nationale Leidenschast miü den Fehlern der alten preußischen Polenpolitik. Die An- siedlirng hätte damals nicht nach politischen Grundsätzen getrieben werden dürfen. Der Großgrundbesitz, der Siedlungsland genug zur Verfügung hat, muß die Vertriebenen ansiedeln. Von den vertriebenen Arbeitern haben die Vorredner leider nichts gesagt. Auch ihnen muß geho'fen werden. Das Verdrängungs- schädsngesetz, das in nächster Zeit vorgelegt wird, macht einen Teil der Anträge überflüssig. Der vorzugswcisen Berücksichtigung ver- triebencr Ansiedler bei der staatlichen Domänenverpachtung stimmen wir zu. Mittwoch, 10 Uhr vormittag: Ctatsrede des Finanzministers. Ein internationaler Zusammenschluß Im Bertchrsgewerbe. Die Aktiengesellschaftfür Transport und Verkehr gab zu ihren Z Millionen Dark Aktienkapital für 3 Millionen Mark neue Aktien aus. und zwar an die Interkontinentale Aktiengesellschaftsür Transport- und Verkehrs- wesen in Trieft, dcren Nomen sie jetzt übernimmt. Durch diese Verschmelzung mit Zcm österreichisch imgarischen Unternehmen erhält, die deutsche Aktreigcselllchaft etwa 60 Auslandsfilialen. polen beschlagnahm! nicht mehr. Bisher sind vielfach aus der Eiserrbab» beiörderre Güer wäbreiid ihrer Beförderung durch den polnischen Korridor beschagnahwr worden. Da« polnische Krieg«- Ministerium»nd da«>ol»ische Transitkomitee haben jedoch vor kurzem ein strenge« Vc-bot gegen die Be>ch!agiiahnic an die ort- lichen Grellen erlassen. Wenn eine polnische Siclle den Durch- trarrSport bestimmter Euter für»nznläissg hält, so dürfen diele nicht mehr beschlggirabn«. sondern sie müssen zurückgewiesen werden. lieber die Ziilässigkeit»ner derartigen Zurückweisung sind Ver- Handlungen zwischen Pilerr»nd Deutschland irr AiiSsichr genommen. Im allgemeinen kann joach bereit« jetzt damit gerechnet werden. daß sich der Verkehr nach Ostpreußen in Zukunft ohne weitere Be« schlagnahmungen abwickeln wird. Wegen der Ausgleichung von Schäden für die zurückliegende Zeit sind noch Berhandlungen im Gange. SchadenSaiitrnge. d'e sich ans Beschlagnahmiingeir im Korridor in der Zeit vom 1 Ollober 1919 ab bczirhen, können bei dem RegieinngSrat Päyold, Eiscnbahndirektioii Osten, Bahnhof Zoo. angebracht werden. Die Krise In Schweden. Die schwedi'ckren Werften beschäf« tigten am 1. Januar 4069 Arbeiter gegen 10 907 am 1. September >920. wa« eine Verringerung der Arbeiterzabi um 63 Proz. bedeniet. In der EleklriziiätSindnssrie ist die Arbeiterznhl während derselben Zeit um 47 Vroz. zvrilckgegangen, in der gesamten Ma« schinenindilstrie von 60 000 auf 27 000, d. h. um 64 Proz. Die Dlamanscnschleiscrci macht zur Zeit eine schwere Knie durch. In Antwerpen, nach Amsterdam einem der bedeutendsten Sitze der D i a in a n t i u d ri st r i e. wächst die Zahl der Arbeitslosen diefcS Geweibe.zlveigcS täglich. In der abgelariscnen Woche waren 1439 Arbeiter obne Bcschästignng, während in der Woche vorher die Zahl der BeichäiiignngSlose» 1366 betragen bat. itousicliulte noch sehr hiliio Schlüpfer mit KordeUoUe, bunt- farbig, warme» FllxfuUer Grösse 36—42 21/° _____ I Prina Kemel' Füz- A haar-Sclilüpfcr Schnallenstiefel mit Fz- und Ledcrsohle, gute, reiche und mo'Iige Ware. Gr. 43-47 19,— Kamclhaarsioff- Schnallcnsticfcl Lederspitze, mit File- und Ledersohlen u. Absalsfieck Grösse 31-35 EchtKamelhaar- Umschlagschuhe mit»ehr schönem Jelden- pompon, la weisse dicke FlU- und Ledersol.le, nur -.GK 29,- 29,- ss 69,- schwarz, m. gutem, weissem Frlesfuiler, vorzügliche?p Qualm Gr. 43-47 59,— K Grösse 36—42 29,- KreuzfQchse 300 M. 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BecKer, K ein) Sig 4 U., kleine Prerse Hein Freund Teddy (Kansualie) Vi,: Orpheus in der Unterwelt Dono. 7',: Orpheus In der Unterwelt Theater I. d. K9uiggrätz.Str. 7.30 Die Fahrt Uhr: las Blaue Ricbarj. Ande', Engl, Pröckl.Stieda Demburg Eomödienhans Täglich Tfio U.ir Karusse|, mit■ Maria Orska Job. Riemann Ralph Arth. Roberts; Berliner Theat. Täglich 7J0 Uhr: (Pr/nse/fin Rer"e IDerKerr der Well jUsire BOhne derl | Well biet, reiche j ny Sturm t Ktper, Louis er, Wally Koch (Rose-Theater) 7 7« Uhr MnGil (Spreeathener) küperiv. ' Dir Jaui. Klein Die große Komödienhaus Sonnabendt Zum 3,$, Male mit �üsse// Johannes Riemann Ralph Arthur Roberts Maria Orska Urteil der Presse: Berliner Tageblatt:... Der Belksll war groB. Beel. I.oknlanzclnen. Es Ut de e n«II« rllr ba tss Weibchen In d»m Slllrk, ein Orska- Weibchen. ▼od ihr gelbst dargestellt, also unübertrefflich ,.. Ein Tergnllgter, ein prickelnder Abend, Berl. Moroenpoati•.. Vernonil lel eine grolle Kammer.,. Nene Berliner Zfff.t.Ksrasseir— ein Brnronr- stOck dramatischer Ti>chmk...Di« Orska glühte and eprühie in junfter, kokotienhnfter Laune. Sie Ist doch Etwas ganz Besonderes; Heitsime Rassigkelt spricht aus Ihr, und nicht nur Ihre Kleider sind kühn... Herl. Volksselfanfi: Die Auf fOhr ang im KomO* dienhaus gehört zu den erfreulichen Er- sienisaen derßatMon. Vor Milte nächa'er Saison wird dl�s glückliche Theater kelno neuen Spielpian- sorgen bähen. Der Tag: Mari» Orsk» schöpft da« Charlottchen völlig au«, und im Qe«wit«oher Ihrer Kinder- Stimme, in jeder Gesie und Bewegung, im blonden, wuschigen Lonkenkopf treiben alle Naiviiäten und Perversitäten ihre frommen unzüchtigen Spiele, Oenfsche Zvlfnn�:... Da bricht der Beilall tobend aus. gewaltiger Sturm bewegt das Hau«... BerL Mopo«?n*®"««na:••■ wenn sie«o amüsant sind wie Louis Vernenil«.Karussell', von Bruno Frank»n elegantes Deutsch übe i tragen, von Ralph Arihur Roberts mit raffiniertem Geschick in- szenleri. von Maria Or»kn, Johannes Riemann und R. A. Roberts mit Schneid und flotter Laune gespielt. Kleinen Juiiraul:.., auch haut« macht das dar Orska niemand nach.•. CiRCDS BOSCH Tal 7> ,.Sta auchSU Die Witwen- VerbrennuDg Packende Epis de im indixchfn Maneacschau�tOcV OliScblancederDiirgi W VorvKf Welheim u Circu Kaszeng Casino-Theater Lothring.Str.J? Tägl.7»/, Nur noch bis 27. Januar DerWegz.Glück kb Sonnabend, 28. Jan. Die reue Berliner Pos*e Familie Gfinsekleln Stg. Z>, Oeständnis »NeueM Arnold Scholz Hasenbelde 108/14] Herne, Mittwoch, den 25. Januar: fcliteiag Bockbier Test! {M in den bayer. Alpen 8 Kapeilen 30 bayer. Mad'i 1 _ ElnlaB 6 Uhr a/mr Voranzeige i Wal Morgen, Donnerstag, den 26. Januar Qr. Schweineschlachien FOLIES CAPRIGE Linenstr. 132 am Oianiennurger Tor Tä lieb"/, S uhr: D. 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UnerbitI- lich sintt die Oneckiill'eriäiile des TcrmomelerS. und wenn dann noid der eisige Nordostwind übers Land fegt, ist jeder froh, wenn er im schützenden Zimmer einen Unieis.�lnpt findet..Bei'olchein Weiler jagt man keinen Hund hinter dem Ofen vor', schimpsi dann wohl der eine oder der andere. Aber Wind und Kälte scheren sich den Teiiiel darum, und beide wirken einig zusammen, um den Men'chen deS Winters Können recht eindringlich klarzumachen. Der Verkehr auf den Slrasjen ist in besonderer Eile, die Fahr- gaste in der Etrastenbahn frieren zu Eisklnnipe». und nur die Glücklichen, die jetzt die Eisenbahn benutzen lönnen. sind, wenn auch oit in drückender Enge, im Warmen. Aber viele zwiiigi der B e- ruf rum Verweilen in der grausame» Kälte. Da arbeiten in nächtlicher Si»»de Männer an den Schienen der Slrajjenbah». Wohl haben sie Handichuhe an, aber bald schaue» die Fingerspive» durch das Gewebe und dann sticht die Kälte enu findtrch. Die letzten Ttrasienbahnfabrgäste stehen mit hochgeschlagenem Kraaen, bibberi'd, von einem Nein aufs andere hüpfend, da.»nd mancher mag sich im stillen freuen, daß er nicht mir, uschaffen braucht. Wenn bei harter Käl'e die blosten Fmger da« bitfiige Eisen treffen, kommt es vor. das; sie wie von einem Magneten ange,ogen werden, so das, man sie nnr mit arotzer Mühe und Vorsicht zu lösen vermag. Das Arbeiten am Eisen während der Winter zerr ist eine wahre Tortur. Man frage einmal die Werslarbcitcr in den grojzen Seestädten, die in den eisernen Leibern der Niesenschiffe, die die Kälie so gierig fresien, schaffen müssen. Werkzeug und Material>i»d alsdan» gleich umrerrndlich»nd die Menschen werden es auch. Die Jungen, die die Nieren wärmen und die rasch mit den Hände» über die Glut streicheln, als ob sie sie greisen wollten, brennen ans der einen Serie beinahe an, während sie auf der anderen Seite die g imniige Kälte packt.»Kiek mol, Hein', ruft solch ein Bririche seinem Kolleren zu.»uv de ein Sid sün wi am Aequator. rrp de an»er am Nordpol'. Auf den Decks quälen sich Schlosser und Schiffbauer mit dem kalten Eisen, und im Innern sind die Leute zwar vor dem Wind geschützt, aber die Kälte macht im Vmin mit der stickigen Luft den Ausentbalt zur Oual. ES rsi ein wahres, uingckehrleS Höllendascin. Sie alle sehne» den Frühling herbei»nd mit ihnen Tausende und aber Tausende, die nicht jo unter der Uubrll der Witterung zu leide» haben. Zuflucht nehmen muß, weil das Reichsfinanzministerium jede andere Einnahmequelle verweigert. Augenblicklich würden die Werke auch ohne die Erhöhungen oer Tarife noch folgende Erträge bringen: Elektrizitätswerke 125, Gaswerke 6(statt 42 nach dem Etat), Wasserwerke 3(statt 14) Millionen. Diesen Uebcrjchüssen steht einzig das Defizit der Straßenbahn mit 77 Millionen (nach der Fahrprciserhöhung auf 2 Mark) gegenüber. Auf Antrag der Deutschnationalcn gaben die Werksleitungen einen llebcrblick über die bisher gctrcffenen Maßnahmen zur Erhöhung der N e» t a b i l i t ä t der Werke, insbesondere über die Entlassung übcrslüssigcr Arbeiter und die Durchführung des Achtstundentages. Die Unabhängigen lehnten jede neu« Tarif- crhöhung kateger.fch ab, gleichgültig, welche Folgen sich daraus für die Werke und für die Stadt lm allge- meinen ergeben sollten. Sie erklärten ganz eindeutig, dag die Stadt Berlin nach ihrer Auffasiung den verhängnisvollen Kreislauf der Berteucruag unserer Lebensbedürfnisse von sich aus an dieser Stelle ein für allemal unterbrechen könne und solle. Einer solchen kindlichen Betrachtung volkswirtschaftlicher Zusammenhänge geaenrbcr wies der Vertreter unserer Fraktion darauf hin. daß eine Stadtgemeinde sich natürlich ebensowenig wie ein Privatmann von der Zwangsläufig- keit einer solchen Entwicklung auslösen könne. Die sozialdemokratisch? Fraktion könn« aber den Schematis- mus dicjcr Tariferhöhungen nicht länger mitmachen, Die Serllner Tariferhöhungen. Das Schicksal der Deckungsvorlagen noch ungewiß. Der Ständige Etatausfchuß der Berliner Stadtvcrcrdnetcnoer- sammlung trat gestern in die allgemeine Aussprache über die Deckungsvorloge ein, die ja im wcfentlichen in den neuen Tariferhöhungen für Gas auf 3 M., Wasser auf 1,30 Mark, Elektrizität auf 6 M. und Straßenbahn auf 2 M. besteht. Dcr Kätnm«r«r zeichnete eingangs der Sitzung das Bild der städtischen Finanzen und gab Auskunft über die Art, in der sich Berlin bisher in feiner schwierigen Finanzlage zu helfen versucht hat. An eine Lalancierung des Etats ohne Hilfe des Reichs ist nicht zu denken. Der Kämmerer empsahl dringend die schleunige Annahme dcr Tariferhöhungen, die zwar nur einen Teil der Ausgaben decken, die aber unumgänglich feien, weil das R«ich Zufchüffe zu städtischen Betrieben grundsätzlich verweigere. Die in großer Zahl vorgelegten Unterlagen gaben«in anschau- (iches Bild von dem jetzigen Stand unserer städtischen Werke. Die Befürworter dcr„gemischtwirtschaftlichen' B-ctriebe muffen endlich das Verlogene ihrer Agitation einsehen, wenn sie erfahren, daß olle städtischen Betrieb« auber der Straßenbahn sich auch heute noch rentieren. Dos etatmäßige De- fizit ents«ht nur daraus, daß die U e b e r f ch ü f f e ohne Tarif- erhöhungen nicht voll erreicht worden können. Die Tarif- «rhöhungcn sind also notwendig für den Sesimkhauzhalk der Slidi. das heißt letzten Endes für ihre sozialen und kulturellen Aufgaben, nicht aber zur Balancierung der ein- zelnen Werksetats selbst. Es handelt sich hier, wie Ge- uoffz Heimann unlängst im Reichstag sehr richtig ausgeführt hat, im Grunde um verklausulierte indirekte Steuern, zu denen man seine b c i t s k r a f t im Sinn« dcr Tcstrcbungen der Privatindustrie bestehen. Der Ausschuß hat sich bis Donnerstag vertagt, um noch Auf- klärungen über diese grundsätzlichen Fragen entgegenzunehmen. Dos Schicksal der Dccknngsvorlage ist noch durchaus ungewiß, da einstweilen die Deutschnationaleri ebenso wie die Unabhängigen und Kommunisten zu ihrer glatten Ablehnung bereit zu sein scheinen. �rklärunzen zum Scan) in Tempeihof. In der Dezirksoersammlung des Verwaltungsbezirks Tempel. Hof, die gestern zusammengotreten war, lagen in bezug auf den Brand der Saretti-Fobrit sowohl von den beiden sozialistischen Frat- tioncn wie auch von den bürgerlichen Anfragen vor. die für das Be- zirksamt vom Vürgermeißer Groß, Stadtbaurat Bräuning, Stadtrat Ewald und von Brandmeister Kölsch als Sachvorständigen beant- wertet wurden. Aus diesen Erklärungen ist folgendes zu ent- nehmen: Der Brand im Keller der Werke ist etwa um g Uhr vor- mittags ausgebrechen. Die Tcmpelhcfer Feuerwehr wurde aber erst um 1 0 U h r 10 alarmiort, und zwar nicht von dem auf dem Fabrikgrundstück befindlichen Feuermelder, sondern von anderer Seite durch telcphznischs Meldung. 10 U hr 26 gab der sofort nach dem Alarm zur Brandstelle Teilcstraße geeilt« Brandmeister nach Tempclhcf die Meldung zurück:„Sarctti Großfeucrl' Die Sirenen in Tempelhof ertönten und alarmierten die gesamte Wehr. 10 Uhr 28 wurden die nächstgclcgenen Wehren in Britz und Neukölln alarmiert, 10 Uhr 45 traf die Neuköllner Wehr ein. 11 U h r 5 wurde die Berliner Wehr zur Hilfe gerufen, die zunächst einen Zug entsandte. Die Tcmpelhofer Wehr mußte nun bei ihrem Eintreffen ihre Arbeit daraus beschränken, die merkwürdigerweise trotz dcr großen unten herrschenden Gefahr noch immer in den oberen Stockwerken anwesenden 350 Arbeiterinnen, di«— wie der Brandmeister Koksch bekundete— l er ch en d aus den Fenstern heruntersahen, unter großen Schwierigkeiten über Leitern und mit Stricken retten. Die Tempelhöfer Wehr habe schnell und nach allen Richtungen hin tadellos gearbeitet. All gegen sie in der Ocsfentlichkeit erhobenen Vorwürfe seien völlig unbegründet. P o n der Baupolizei waren keine Brandmauern im Innern vorgeschrieben. Ein Fehler bei den Lösch- arbeiten sei allerdings die falsche Beurteilung der für Hitzewirkungcn vorgesehenen Dehnungssuge. die irrtümlicherweise für einen Riß angesehen wurde und eine 2gminutige Unterbrechung der Löscharbei- ten zur Folge hatte. Bei eincm Wiederaufbau der Fabrik wert« man> icht gestatten, daß der alle Zustand einfach wicderhcrge- stellt werde, sondern genau prüfen, was dem erhalten gebliebenen Bau noch zugemutet werden könne. Wir erhallen ferner folgende beachtenswerte Zuschrift: Jetzt wird genauer bekannt, mit welcher Summe die Sarotti- A.-G. ihre Tcmpelhoser Anlagen versichert hat. Es sind SO Millionen Mark. Interessant wird die Zahl erst dann, wenn man diese Summe, wie es das„P. T." tut, mit den in der Pilanz stehenden Summen für die Tcmpelhofer Anlagen vergleicht. In der jüngsten Bilanz standen die Fabrikgebäude der Saroiti-Aesellschast mit 2,7 Millionen zu Buche, die Moschinen- und die Fabrikeiurichtung mit— 1 21.! Da eine Uoborvorsichorung bei einer Gesellschaft von der Bedeutung s des Sarottj-Unternehmens schon deswegen nicht angenommen werden kann, weil dies Betrug wäre, so muß die Versicherungssumme von 90 Millionen Mark dc'm wirklichen Wert der aogebranuten Tcmpcl, hofer Anlagen nahekommen. In den Büchern standen sie aber mit einem lächerlichen Betrag. Man sieht, was Sarotti an geheimen Reserven besitzt. Uebcrdies läßt sich das noch ! an einer anderen Bllatizzifser nachweisen. Im jüngsten Jahres- abschluh wurden die Warenbestände mit 30 Millionen Mark aus- gewiesen. Jetzt wird bekannt, daß Sarctti in anderen Lägern, die nicht mit verbrannt sind, allein für 30 Millionen Mark Vorräte lagern hat. Also auch bei der Bewertung der Vorräte ist im Jahresabschluß eine Summe angegeben worden, die weitab, von der Wirklichkeit steht. Eine Anfrage der SPT.-Stadtverordneteu-M'aktion. Zum Brand der Sarctti-Fabrik hat die S o z i a l d e m o k r a- tische Stadtoerordnctensraktion beschlossen, folgende Anfrage an den Magistrat zu richten: Der Magistrat wird ersucht, sofort darüber Auskunft zu geben: 1. Wer die Verantwortung sllr die verspätete A l a r m i e- runq der Berliner Feuerwehr bei dem Brande der Sa- rotti-Fabrik trägt; 2. Welche Maßnahmen getroffen sind, um für die Zukunft eine rechtzeitige Hcrbeirufung ausreichen- der Feuerlöschhilfe in ähnlichen Fällen sicherzustellen; 3. Wer die Verantwcrtung dafür trägt, daß bei dem Bau der Sa» rotti-Fabrik die baupolizeilichen Fcuersicherheits- Vorschriften gröblich mißachtet sind. Heimann und Genossen. • 3« der gestrigen Ausst chlsraleffßunz dcr Sarolll-A.-G. wurde folgendes beschlcffen: Die Sarotti-A.-D. erwirbt die Fabrikanlagen der Firma I. D..Crcß-Derlin, um unter eigener Leitung während der Zeit des Wiederaufbaus dcr Fabrik den dringendsten Anforde- rungen genügen zu können. Bereits von heute ob werden diese An- lagen zur Erzeugung dcr Serotti-Fobrikate benutzt werden. Außer- dem schweben Verhandlungen zur Mictung anderer gocizncber in der Röhe dcr alten Fabrik gelegener Fabrikcäume. Um die 12 Mil» lionen Mark Aktien der I. D. Eroß-A.-G. zu erwerben und den Wiederaufbau des ganzen Unternehmens xu erleichtern, soll in einer außerordentlichen, auf den 27. Februar d. I. einzuberufenden Gene- raloersammlung der Derrvoltun�xrot ermächtigt worden, neue Aktien im Nominalbeträge bis zu 23 Millionen Mark unter Ausschluß des Vezugsrcchts der Aktionäre auszugeben. Der falsche KartoffelIroMLnSler. Glück und Ende eines modernen LelteZünglinzs. „Baron Ernst vonLepcl' nannte sich der noch jugendliche Kaufmann Gustav Kaegler, dcr sich in Gcmcm.fchast mit dem Kaufmann Dehme wegen Urkundenfälschung in vier Fällen und Betrugs in drei Fällen vor der 2. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten hatte Kaegler war bei einem Lcbensmittel''eschäft angestellt. Bei dem Steigen der Kariofsclpreise im vorigen Jahre kam er aus di« Idee, man könne durch den Kartosfclhandcl Geld in solcher Höhe ver- dienen, daß man leicht den„Kavalier' spielen könne. Er machte Offerten an rheinische Städte, die ihm, veie z. B. Dülken und Keoe- laar, Akkreditive auf Großbanken in Berlin eröffneten. Mit diesen Akkreditiven und mit gefälschten Frachrbriefduplikaten arbeitete er und es gelang ihm in einem Falle 23 030 M., in einem anderen auf ein Zlkkreditiv von 410 000 M. 120 000 M. bezahlt zu bekommen. Die Gelder wurden in leichtsinnigster Weise ver- praßt. An Autofahrten bezahlte cr in einer Woche 25 000 M. Der Staatsanwall beantragte gegen Kaegler 4 Jahre Gefäng- n i s und gegen Dehme wegen Beihilfe 7 Monate Gefängnis. Rechtsanwalt Dr. Frey machte für die Angeklagten geltend, daß die jugendlichen Menschen ein Opfer der Zeitver» h ä l t n i s s e geworden seien und mehr aus Leichtsinn, als aus verbrecherischer Neigung gehandelt hätten.— Das Gericht verurteilte den Pfeudobaron zu zwei Jahren Gefängnis unter Anrechnung von 9 Monat.n. und seinen Helfer zu vier Monaten Gefängnis, unter Setzung einer Bewährungsfrist. 21] Eine seltsame 7!aHk. Noman in vier Stunden von Laurids Bruun Frau Helwig wich seinem Blick aus und sagte kalt:„Ich glaubte nicht—' „Danke, gnädige Fraul" siel Werner ein. ,Lch habe be- reits im Bahnhofsrestaurant gegessen.'" „Das ist etwas anderes!" Hjarmer nahm Brot und beeilte sich, es zu streichen. „Sie entschuldigen, wenn ich esse, nicht wahr?— Es ist ja ein ernstes Geschäft, das mich erwartet: und ich bin heute nacht schon einmal unterwegs gewesen.— Aber darf ich Ihnen nicht eine Zigarre anbieten?" Hjarmer stand auf und ging auf den Schreibtisch zu. „Nein, ich danke, Herr Amtsvorsteherl" sagte Werner und hielt ihn zurück.„Ich rauche nur Shag und Zigaretten." „Damit kann ich leider nicht dienen!" Hjarmer setzte sich wieder zum Essen nieder.„Aber bitte, rauchen Ste. wenn Sie selbst damit versorgt sind." „Danke!" segle Hilsöe, aber er machte keine Miene, zu rauchen. Hjarmer aß, nervös und hastig, während Helwig und Hilsöe je an einer Seite des Tisches Platz nahmen. Niemand sprach. Dann begann Hjarmer zu konversieren. „Ja, jetzt gilt es die Spur ausfirdig zu machen!" „Welche Spur?" Hiliöe sah geistesabwesend auf. „Die Spur des Mörders." „Ja, jo." Frau Helwig hatte dagesessen und Hjarmer angesehen, mährend er aß, alz wolle sie ihre Gedanken zwingen, sich nur mit ibm zu beschäftigen. Dann wandte sie plötzlich ihren Kopf Werner zu. „Da das Unglück nun einmal geschehen sollte," sacche sie und sah ihn fest an,„so bin ich froh, daß es in dem Distrikt meines Mannes vorgefallen ist." „Wieso das, gnädige Frau?" „Äadurch bekommt er endlich mal mit einer großen Sache zu tun. Und Beförderung. Herr Hilsöe, ist etwas sehr Wich» tiges für eine junge, vorwärtsstrebende Familie wi« wir." Es ging wie eine plötzliche Freude über Hjarmers ner- vöses Gesicht mit den bleichen, rechtschaffenen Augen. „Da werden Sie sich wohl kaum hineinversetzen können, Herr Hilsöe. In Ihrem Fach ist man an ganz andere Hono- rare gewöhnt, als wie sie bei königlichen Beamten an der Tagesordnung sind. Aber für uns ist es, wie meine Frau be- merite, fast ein Glück, eine größere Sache unter Behandlung zu bekommen. Denn dadurch führt der Weg zu größeren Aemtern. Ich habe gerade einen Posten nachgesucht, der ledig geworden ist." „Und wissen Sie," fiel Frau Helwig ihm in die Rede, „weslralb wir gerade diesen Posten haben möchten?" „Das kann ich nicht gut wissen, Frau Hfarmer!" Werner sah sie schwer und ungewiß von der Seite an. „Weil der, der ihn vorher inne hatte, von dort zum Land- rat avanciert ist." „Aber Liebste!" Hjarmer schüttelte lächelnd seinen Kopf über ihre ldsscn- Herzigkeit. „Und dann meinen Sie, gnädige Frau?" „Ich meine, dos ist das, was man einen Prazedenzfull nennt. Herr Hillöe!" „Ah so, gnhb'g, messen Frzn Landrätin werden!" Sie genoß die tle'e Enttäuschung, die durch seine Worte klang, und die seine Stimme vergebens zu verbergen suchte „La, denn sehen Sie. Herr Hilsöe— ich war eine Land- ra'stochter!" fügte sie hinzu und sandte ihm einen großen, bedeutungsvollen, fast monieren Blick zu. J m selben Augenblick läutete es an der Haustür— zweimal k rz und einmal, lang. i „Das ist Daktor Sylt!" sagt« Hjarmer frofi und sah sich zur Kontortür um, von wo Doktor Sylts kurze, schwere Schritte bere'is hereinklangen. 9. Doktor S'fft stand in der Tür und trocknete sich den Schweiß von dcr Stirn. „Na, wieder da, lieber Doktor?" Hiarmer streckte ihm die Hand entgegen. „Entsckmldlgen Sie, wenn ich sitzen bleibe!" „Die Tür stand offen!" sagte Doktor Sylt und trat näher. „Ja, ich erwarte die Rechtszeugen. Und das Haus kommt> heute nacht doch nicht zur Ruh." i Doktor Sylt betrachtete den Fremden forschend mit seinen kleinen, scharfen Augen. Gleichzeitig machte Hfarmer die beiden Herren miteinan» der bekannt. „Darf ich vorstellen— unser Hausfreund Doktor Sylt! — Herr Ingenieur Hilsöe!" Werner erhob sich und grüßte schweigend. Der Doktor aber ging auf ihn zu und reichte ihm die Hand. „Ihr Gesicht ist mir bekannt!" sagte er, und als Werner kein Zeichen des Wicdererkennens gab, fügte er hinzu: „Ich sah Sie in der Eisenbahn im selben Eoup6." Werners Augen hefteten sich auf den runden Kopf des Doktors mit dem ungepflegten Bollbart unter den kleinen, klaren Augen. „Ich entsinne mich nicht!" „Nee, da irren Sie sich, Doktor," sagte Hiarmer, wahrend er sich eine zweite Tassee Tee einschenkte.„Herr Hilsöe kam erst mit dem letzten Zug." „I bewabre!" bestand Doktor Sylt und schüttelte den Kopf.„Ich saß sogar und zerbrach mir den Kops, wo ich Ihr Gesicht schon früher gesehen hatte." Frau HAwig wandte sich nervös zu ibnen. „Nun,''äs ist ja gav' gleichgültig!" jag e sie schnell.„Er- zählen Sie lieber vom Mord, Doktor." Sylt zog den Hosenbund hoch und setzte sich auf den Puff. „Ja, der Mord!" sagte er ernst und streckte die Beine von sich.„Ein Schlag von der Seite gegen die linke Schläfe mit einem st-'mpfen Instrument— Keule oder so was. Das war alles; aber es war genug. Und der alte Widder—" Hiarmer unterbrach ihn rasch. ,�m!— Herr Hilsöe ist ein Nesse des Verstorbenen!" Doktor Salt wandte den Kopf und betrachtete wieder mit Aufmerksamkeit Werner Hilsves große Züge und breite Schul- tern. „Dann habe ich Sie mal vor vielen Iahren behandelt. Mir schien es wohl, daß ich Ihr Gesicht kannte." „Schon möglich." Hillöe sah gleichgültig vor sich hin.— „Ich war während der Akademieferien auf dem Gutshof zu Besuch." (Fortsetzung folgt.) Vke Süggestfoas-falle. Vhankaflen eines„Kriminalpsychologen". Dor dem Landgericht III hatte sich unter der Anklage des De- trugs ein junger Mann namms Heinz Wolff-Pinner, seines Zeichens „Kriminalpsi�chcloge", zu verantmorten, weil er seine Befähigung zur Wachsuggestion, zur Hypnose und zum bezwingenden Blick in einer Weise betätigt hatte, die den Beifall des Gerichts nicht finden tonnte. In einem märkischen Orte in der Nähe von Kreuz war dem Besitzer Wilh. Bijhnte eine? Tages ein? Summe von 20(KK) M. gestohlen worden, ohne daß man über den Täter sich Klarheit vcr- schaffen konnte. Der Bestohlene wandte sich deshalb an die Detektei und diese hielt den Angeklagten für die geeignete Person, die Sache eufzukläven, da ihn der Nimbus umgab, mit chilfe der hypnotischen Suggestion sehr schnell Verdächtige zum Geständnis zu bringen. Er ging dann auch energisch ans Werk, indem er einem gewissen Verdacht, der gegen die Braut des jungen Böhnke aufgetaucht war, nachging. Der Angeklagte suchte dos jung« Mädch«n, dessen völlige Unschuld an dem Diebstahl nachträglich so klargestellt ist, daß die Hochzeit des jungen B. mit ihr am 30. d. M. stattsinden soll, auf, um mit ihr sich über den Dicb�ahl zu unterhalten. D a- bei will er sie in den Zustand der Wachsuggestion versetzt und sie dadurch bewogen haben, ein au-- sührliches Schuldbekenntnis ihm in die Feder zu diktieren. Er überbrachte ein solches auch mit der Unterschrift der Zeugin dem Bestohlenen aus einem zuscmmengcknifften Vogen, der an einer anderen Stelle nochmals den Nomen der Zeugin auf. wies, den sie unter den selbstgeschriebenen Spruch:„Ich bin k le i n, m e in Herz i st rein' gesetzt hatte Der Angeklagte liquidierte für angebliche Auslagen 1300 M. und glaubte, eine weitere Summe von 2000 M., die für die Detektei bestimmt waren, als Extragratifikation für seinen.glänzenden! Erfolg" für sich persönlich behalten zu dürfen. Die verdächtigle Draut war außerordentlich empört, als sie von ihrem angeblichen Schuldbekenntnis hörte. Die Sachverständigen � Sanitätsrat Dr. Leppmann und Dr. K r o n f e l d hielten die i Angaben des Angeklagten über den Zustand der Wachsuggestian, in> den er das Mädchen versetzt haben will, nicht für sehr wahrscheinlich,! während der Angeklagte nachdrücklichst dabei blieb, daß das Mädchen! tatsächlich in diesem Zustand das Eostäntmis abgelegt habe und— I wie dos ja stets� der Fall sei, fiel, im wachen Zustande auf nichts � mehr besinnen könne. Das Gericyt kam nach der Beweisaufnahme zu der Uebcrzeugung, daß der Angeklagte sich des Betrugs schuldig gemacht habe und»erurteilte ihn mit Nücksicht auf die Gefährlichkeit derartiger Eingriffe in die Rechtspflege zu 7 Monaten Ge- f S n g n i». Das Lieschen von Richte. Das Mitteilungsblatt des Turn- und Sportvereins „Fichte" bringt in seiner Nr. 1 vom 1. Januar 1922 einen„Aufruf", s in dem es heißt:„Eine entsetzliche, nie dagewesene Hungersnot wütet im weiten Rußland. Hunderttausende von Menschenleben; sink) ihr bereits zum Opfer gefallen." Ein paar Seiten weiter aber tut sich das Fichte-Iugendblatt auf und darin dichtet ein Lieschen H. von der 2. Jung-Mädchenalteilung ein Gedicht, in dem es u. a. herzig heißt:„Ich möchte nur den Vortrag des Genossen Lieste erwähnen, da kann sich jeder Proletarier ein Beispiel dran nehmen, wie man in Rußland so brüderlich lebt und jeder ProletarierohneSorgensichschlafenlegt... Wir müssen uns dasselbe Los erringen, wie es dem russischen Proletarier beschicden ist". Was muß das für ein merkwürdiger Vortrag gewesen sein, der dem deutschen Proletariat dasselbe Los wünscht, das ein paar Seiten vorher in dem genannten„Aufruf" so grauenhaft gekennzeichnet wurde. Wieder ein Merd durch»Gutsverkäufer�. Svoo Mark Belohnung. Ein Raubmord in Ostpreußen, dem der Holzhändler Walter Kuchenbeck er aus Allen st ein zum Opfer gefallen ist, d?st!)ö tig-t die Berliner Kriminalpolizei. Kuchenbecker wurl« am "2. Dezember von zwei Männern nacki FInster-Damrau im Kreise Ortelsburg gelockt, wo sie ihm ein Grundstück verkaufen wollten. Nachdem sie in Oitclsburg gemeinsam«in Ease r.nuckt halten, fuhren sie nich Irsch o witz und gingen dann etwa Isj Kilometer nordöstlich in einen Wald, wo sie ihn niederschlugen, erschossen und erwürgten und 60 000 M. i n Tausendmarkscheinen raubten. Wie fest- gestellt werden konnte, haben sie einen davon in einem Gasthaus in Jcsckwwitz gewechselt. Dort haben sie sich kann Fahrkarten dri-ster Klaffe noch N-eidenburg gekaust, ob sie jedoch hingesah'en sind, weiß man nicht. Die Täter, auf deren Ermittelung«in« Belohnung von PCCO M. ausgesetzt worden ist. werden auctz vom Kriminal- kommissa? Trettin. Zimmer 103 de- Berliner Polizeipräsidiums, der ähnliche frühere Fälle bearbeitet hat, gesucht. K a u f l u st i g e werden zur Vorsicht gemahnt und tun auf alle Fälle oust sich vorher mit dem Kommissar in Verbindung zu setzen. Di« Mörder des Kucbenbecker werden wie fol-~t be'chriebsn: Der«ine als ein e'wa 1£0 Meter großer schlanker Mann mit bleichem Ge- ficht, vorstehenden Backenknochen, und war bekleidet mit einem kurzen graucn Ulster und hello-auer Klappmüi-c. Der andere ist keiner und hat ein volles Gesicht und kleinen Schnurrbart und war ungefähr 25 bis 30 Lahre alt.____ Der mißlungene Raub auf dem Postamt 4 ln Neukölln hat sich nach den Crn ittlungkn der Kriminalpolizei und der Postverwaltnng als ein von langer Hand geplantes Verbrechen hcrausaestellt. Der Näubcr ist ein 22 Jahre alter Mann namens Rudolf Mü'ler, der feit drei Monaten in der Doßsir. 28 zu Steglitz wohnte. Dem Schalter- beamten auf dem Amt 4 hielt er mit der einen Hand eine Pistole vor dos Gesicht, um mit der anderen zuzugreifen. Seine Raub- absicht hat er der Neuköllner Kriminalpolizei auch eingeräumt. Drei Todesurteile für Raubmord. Das Schwurgericht in Erfurt verurtei'te den Bäcker Patze-Kleinmölsen, den Schlosicr Stange- Erfurt und den Schäfer Junge-Binderslebcn, die am Abend des 8. Juni 1921 In der Nähe von Erfurt den Handelsmann Koch- Bindersleben ermordeten, wegen Mordes bzw. Anstiftung dazu zum Zpht. Die Seal» bat ln diesem Monat Artisten seden lltenreZ verprlichtet. Neben dem beiannlen Sooercign, der daS Tiabalospicl w einer Kunst beranSaebildct bat. bewundert man vor allem die drei Pbilippz. die vor- zllgliebe ertirnbalar-cen aussübren. Der Tan, lomml auch diesmal wieder nicht zu lur,: in einer vbairtnstiich asiatische» Szene«so nennt sie sich wenigsleusi ilbt sich ein Mann m der Rolle cin-r Bauch'äuzeun, was nach lclner R chlung bin besonders gechmackvoll wiilt Gut sind die Schwestern Arnim a»Ib in amerikanilchen Tänzen. I. Brclers iribrt rallschublaufrnde. zweiradsabrende und tanzende Bären vor, Dinge, die den Petzen viel Per- znsigrn zu mache» scheinen. Neben L>. Wati. der bochgeipannle Ströme durch scineu Körper leitet, seien noch die Exzeiitrilalrodatcn Bennos erwähnt. Im Apollo- Tbcatrr icilt man in einer Variclö? Ansslattnngsschau „Rund nm d! e W e 1 1', wobei sich räch ein er iatal seutimeutalen Einleitung ansrioidrnllich htzrlei lieppeimiähige Dinge ereignen. Jmmerbm sei teslaestellt, bah das Ganze scbr bübich mlzeniert ist und dasi viel: junge und älle e Tomen herumtanzen, was ja wohl der Zweck der„Reiie um die Bell" ist. Im Rabmcn des Ganzen produzierl sich eine recht gute chinesische Gantlerlruvpe, und eine schön gewachsene Dame.Nadschura" zeigt einen oorlresslich dressierten Elcsanten. Das Tbcatcr Folieö CTaprice gibt wieder drei neue Einakter. „Im LiebeSlanapee" mit Wienerischem Einschlag spielt ein Diwan eine Nolle. woiin siw jemand vcislccken tan». Damit ist rrhes ge'agt. In der.Zalichen Nummer" nähert man sich icbr den Heniisclds, und obgleich der Unsimr wortwörtlich kaum ans eine Kubbant geht, so Ist er doch lustig genug, nm � lachen zu, rönnen. Eine Krrminalasiäre.Das Käuzchen* patzt nicht ganz in dielen Rabmen. wurde aber gut dargelielll. Gut in der Darstellung war wie immer Mari« ISrünecker-Jolly, Ferdinand Griimcker, vor allem liudols Bergpl. I-ebensrnftteLprekse des Tages. Zufuhr: FiEcie llinnpp. Geschäft mhigr, Preise etwa« trölrer. Fleisch reichlich, Gescliäft etwas lege. Objt und Gemüse schwach, Geschäft ruhig. • Am gestrigen Dienstag galten in der ZentralmarkthaUe folgende Kleinhandelspreise: Seelachs 11 M. barsa 12 M. Flundern wurden mit 12 und 13 M. gehandelt. Für einen Vollhering zahlte man 0,90 dl. und für einen Fetthering 2—2,20 M. Ein Viertelpfund Sardellen testete 7,50 dl. Geräucherten Lachs muQto man mit 60 dl das Pfund bezahlen.— Kalblleisch kam 15 M. und Schnitzel 26 M. Leder 20— 2t dl. das Pfund. lleulade» 20 M., Eisbein wurde mit 17 Ist. angeboten. Schabefleisch kostete 19-20 M. Landspeck das Viertelpfund 8 M.— Limburger Käse 6 M. das Viertelpfund und Kochkäse 11 M. das Pfund.— Bruchreis 6 M. und Vollre.s 7 M, Porlbohnen 7 M., während Langbahnon 8 M. kosten. Hafarflooken das Pfund 5,20 dl— Pflaumenmus 7,50 M. Eingemachte Pre'selbeeren 8 dl und Vierfruchlmarmelada 6,50 ist.— Eier 7,50 M das Stück. Rotkohl kostet noch immer 5 dl. Teltower Rübchen 2.50 dl. Mohrrüben 1,50 dl. WeiSkohl 2,50 dl.— Citronen 1 dl. das Stück und Zwiebeln 2,20— 2.50 Ist. SPD.-Elternbeiräte Grost-BerlinS! Die Sprechilnnze am Frei- lag sällt ans.— Herne, am 25 Januar, beginnt oer erste Kursus sür Ellernbeiräte. aus den wir nochmils biuweijen. Es werden bebandelr: a» drei Abenden:.Die Banlseinche Gemeinichastsich rle" und an drei Abenden: .Die wellirche Gcmc-nichlMsjchnle". Jeden Miitwoch von 70, Uhr abends in der Sopliienschuic. Weinm iiterstr. 16/17. Hörgcbiibr 6 M. Hörertartc» bei den a bleute». BildungSiusichntzmnglicdern und am Ein ang des KururSIokals. Teilnehmen lönncn alle Genosse» und Genossinnen, die diese Fragen interesfirren.__ Groft-Serliner parteinachrichten. 1. ftttls Mitte. Donnerstag, den 20. Januar, 7 Uhr Im Lotal Aenfels pa.urou.e, gnaalideuslr. 1, Ecke B.unncnjirahe, g.oßc»ss.aliichc Volisae.jamwiung. Then:-:„Tentsalands innere und auhe-e PotUii". bieserenl Otta A-r.-, M. d. R. S. K.c.a Ftirdrichstzain. Arbeilsgemclnsil,>ast»Irr drei fozlalistischrn Parte icnl Tonne. stag, den Ai. Jnauar, 7 Uhr, Bersamwlung in der Schute Petersburger Str. 4, girumee 12. Thema:„Moderae Lchulgcdauleu'. S.cjc.eut Dr. F. ig«ästen. 11.«.eis Er..äncbc!g-�r>cden»n. Tie Vortragsreihe„Wirtfckastspro- bleme der Eegruwart", Dr. Vcndiner, beginnt Donnerstag, de« 26. Januar, 7 Uhr. im«l-sseuzimmc» der Hsh-nzollcru-Schnle, Brlz.gtr Err. 4«, 52. 1Z.«rc.z Mariendost. Donnerstag, den 2S. Januar, TA Uhr, Frauen- »ersammlung in der Schule«onigjtrahe. Thema:„Eiusuhrung in dos neue Partcip.cgrarum'. Nesrrcnt«urt«iehmann. 14.»reis Nrulälln.B.itz. Tsnnerslog, deu 26. Januar, 7 Uhr, Sitzung der gunitiooärinncu im SeZrcta.iat Jägcrpr. 66. Die Adteilunzs- lciterinuen müsicn unbedingt ericheinr». «.eis Lichtenberg. TA Uhr bei Rothe,»rrisnarflandssitzuna. Letzte Ouarta.sobrcä.uung abliesern.— 6 j Uhr im Rathaus, Molleudorf- strotze, zirnncr 2Z, Volloc. sawmlung drr Eit-rubeiräte und«lasieu- vertronenslente mit den Lehrern. 17. heute, Miltwoch. den 25. Januar: 4.?bf. Sämtliche Funiticnäce und Beiriebsnertroucnsleuts treffen sich zur Firzblättrerdreilunz um Uhr bei Echwartz, Bionkenseldestr. 10. 22. Abt. 7>4 Uhr Zahklbende in solgenden Lokalen: Iiiner, Buchst!.»: Slad- zan, Brnsieler Str. 4Z und Senkel, Utrechter Str. Ib. 24. Abt. 7>4 Uhr Zahlabend drr Gruppe Rösner bei Winzer, Chrrstburger, Ecke Wlnoslruze. IS.»!bt. Dl- autzerordcntliche Milgli-derversammlung fällt and. 42. Abt. TA Uhr ficijlabcntc In den betrnnten Lokalen. 117. Bbt. Lichtenberg. ilansumgenosser.schaftomiigNedcr der 2S. Berkaufssielle müssen zu dieser Bcrsoo.mlr na erscheintn: 7 Uhr im Zeichensaal des Pesta- lozzi-Lnzeums, Prlnz-AIberi-Slr. 44. 131. Abi. Ricde-stchönhausea. TA Uhr gahlabcndl in den bekannten Lokalen. Erscheinen Pflicht. IIS. Abt.«arom. Der Zahlabend sällt aus. Nächster gahlabend 22. Februar. Frauenveranstaltung: 70. Abt. TchSuebeig. 7'- Uhr bei Groß, Sedanstr. 17. Thema:„Uns« nettts Parte lprogramm". Neferent Äutt Aietzmann. Morgen. Donnerstag, den 26. Januar: 17.«reis. Uhr bei Roth«, Ecke Frankfurter Allee und Gudruns» ratze,»reis SPD° Lchr»?nd �L-hrerinn-u Eharlottcninrga. TA Uhr im Raihaus«aal 2. Thema:„Wesen und Bedeutung einer dekenntnissreicn Gemernschast». sdinlc". Referent Lehrer Knies. �... IZ. Abt. VA Uhr bei Kienitz, Simon-Dach-€tr. 24, Ecke Renaler Straße, Kon- sercnz sämtlicher Bezirlsführcr, Bctriebsvcrtrauensleute, Frauenagitations. und Eltcrnbeiraismitglirder...... Eharloktenbu g. Sä. Abt. VA Uhr bei Jakob, Bismarck-, Ecke Ecs-nheim-i Lirctze. Miiglicdernersammlung. Thema:„Unser Parteiprogramm und der Parteiiag der USP.' Neferent Arthur Häußler.— 57. Abt. Unserm Abtcilvngrieiter. Genossen Rausch, welcher mit seiner Saitin am 2«. Januar die Silberhcchzeli seleit, bringen die Genossen und Genossiimech der Abteilung dl- cherzUchsicn Glückwünsche dar mit der Hossnun«, daß sie dem Leben und der Partei noch recht lange erhalten blerben. M. Abt.«ritz. 7V4 Uhr Elicrnversammlung der 2.«emeindeschulk, Bvrger. strotze. 1. Bortrag des Genossen Nektar Böse:„Die Gem-mschafisschule". 2. Bericht des Elternbeirates....... Jnngsozialiden. Gruppe Eck Sncberg.Fricdenan: VA Uhr bei Groß, fijedan. straßc 17, außcrardcnilich« Miialiederversammkung._.. Wichiioe«chnloersammlung! Schule Turmstr. 86, Ali-Maabit und Gerhardt» Schule: Elternocrsammlung in der Aula Turmstr. 86. Referent Psarrer Blcier. Thema:„Ist die weltliche Schule religionslos?" Frauenveranfialkungen: 1«.«dt. Fricdrichehageu. 7>4 Uhr Im Lokal vtio, Kirch-, Ecke«ilh-lmstr-ße. Thema:„Unser neues Parteiprcgramm". Neferent Karl Littke. 1Z«. 716t. Rrlnickendo k-Ost. TA Uhr im Bürgergarten, Hauptstr. 51. Referentin Genossin Müllcr-Oesireich:„Das Einküchenhaus unj die Arbeiterfrau". Achtung, Beamte und Angestellte der Reichs-, Staats- nnd Ge- meindebchS.den, sowie der grünen und blauen Polizei! Donnerstag, den 26. und Freitag, den 27. Januar, 7 llhe, g oß- össentliche Bestamrn. lunaen in der Aula der Gemelndeschnie Wrairgellir. 128. Tageamduung: „Wie wird sich unsere Znknnst stellen?" Reserent Reichstagaabgeord- neter Willi Steinkopf. Freie Aussprache. ZO. Abt. Achtung! Wichtig- Zusammcnkunst aller Genossinnen am Freitag. den 27. Januar, bei A. Carl, Bichertstr. 60. ?uaenüveranstaltungen. Berein«ebeiter.Jngenh«roß.Berltn, SD. 6». Liadenstr.», 2. Oos, 2»sp. Telephon Moeitzpletz 121 08-121 16. Auberordenkliche ZNitgNederoersammlungen am Rlittwoch, den 25. Januar: «öoenicker Biertel: Jugendheim Gemelndefchule Wrangelsir. 12».— Prent- lauer Vorstadt: Jugendheim Demeindeschnle Seneselderstr. 6/7.— Ma-iendars: Jugendheim Schvlbaracke Känigstraße.— Di-adors: Jugendheim Gemeindeschuie Schulstratze.—«onlsdori: Jugendheim Gcmeindeschnle Tldolfstroße.—«anls- dors-Süd: Jugendheim Restaurant Sanssouci, Molikestr. 1.— Mahlodors: Jugendheim Gemeindeschuie Walkersecstratze.— � Lichtenberg: Jugendheim Park- aue Id.— Feiedricheseld«: Jugendheim Schnldaracke Rnmmclsburger Slrabe.— Tempeihof: Iuaendheim Gcrmaniastr. 6i7(Kinderhort).— Behnsdost- Jugend- heim Gemeindeschuie Dahmestraßc,— Lickt-rf-lt«! Iugendbeim.— Rordott-n- Jugendheim Geineindeschule Heincrsdorfcr Str. 18.— Westen- Jugendheim Baugewcrkschule Kursürstenstr. 141. vortrage, vereine unü Versammwnnen. B-reiniguna Berorwaltlgtcr Völker. Dortrag des Herrn Ehcmpakara. man P i I l a r am nllittwoch, den 25. Januar, abends 8 Ilhr, in der Aula de? Augusta-Viktoria-Schule, Nürnberger Str. 63, über„Indiens Freiheitskampf und die Gandhi-Bewegvna". Zentraliustitut sür Erziehung und Hnimlcht, Botedamer Str. 120. Dr. Fritz Klatt, Leiter des Jvgrni'crholung-helms in Prerow(Ostsee) spricht Mitt- woch, bau 25. Januar, 8 Uhr abends, über ,st!cbcnsrhy!hmus und Erziehung. Jedermann bat Zutritt 13 M.) Volksfürsorge. Freitag, den 27. Januar, abends 7 Uhr. findet eine OMeitie» perfammlung im Gewernchaft-Haus, Engelufer 25, Saal 10, statt. Tagesordnung: Jahresberichte für das Jahr 1021. Referenten Genossen Hirsch und Lohmeyer.__ vnefkaften öer Neüaktion. Banee, Zenerscn. Ausführliches über diese Fragen finden Sie!« jedem großen Lexikan. Die am Baden sich bildenden Eismassen(Gründels) werden durch die Slräniung gehoben(Treidels): mit diesem Aamen bezeichnet man auch größer« Eismassen, die pan der Arktis und Aniarkiis in die Ozeane ge- langen.__ Wettreborickrt bis Tonnrrstag mittng. Trocken und überwiegend heiter, nur im Binnenland« zeltweise etwa» stärker bewölkt bei ziemlich scharsen östlichen Winden; überall strenger Forst. Sozialistische Silöung. Bern Albert H o r l i tz. Am 24. Januar 1922 beginnt die Sozialistische Dil» dungsschule ihre fünfte Arbeitsperiode nach dem Kriege. Wenige Tage über drei Jahrzehnte ist es heute her, daß unser un- vergeßlicher Führer, der alte Liebknecht, in begeisternden Worten eine nach taufenden zählende Menge zur Gründung der Berliner Arbeiterbildungsschute aufrief. Was am 12. Januar 1891 unter dem stolzen Kampfruf„Wissen ist Macht" gegründet wurde, hat im Laufe der drei Jahrzehnte viele Wandlungen durchgemacht: bis schließlich in methodischer und stofflicher Richtung der zweckmäßigste Weg für erwachsene Männer und Frauen gesunden wurde, die erst nach des Tages Last und Mühen an die systematische Durchforschung und Gliederung geistiger Schätz« herangehen können. Die letzte festgefügte Form unserer Schule wurde stark erschüttert durch den Krieg.' Nicht durch diesen allein: zum alles zerstörenden Bölker- mord kam der Bruderzwist, um den Trümmerhaufen noch grözer zu machen. Nur unter großen Mühen gelang es der Partei, mitten in dem fast alle Kräfte verzehrenden politischen Kampf, wieder eine Stätte ernster, wissenschaftlicher Arbeit, die„Sozialistische Bildungz. schule", aufzubauen. Wer wollte heute noch ihre Bedeutung als wichtigen Kultursaktor bestreiten! Die bisher erreichten Erfolge geben uns die Gewißheit, daß wir die mit Neugründung der Schule gestellten Aufgaben lösen werden. Allen kämpfenden Sozialisten soll sie Verbreitung und Vertiefung des sozialistischen Wissens bringen, alle mit Erkenntnis aus- rüsten und jedem als Frucht seiner Arbeit leuchtende Klarheit spen- den. Es gilt neue geistige Werte zu erobern, um Helfer und Führer sein zu können. Nur wer selbst gefestigte Anschauungen bc- sitzt, kann die Fülle der Geschichte beherrschen und im brausenden Strubel unserer Zeit, den Blick aufs Ziel gerichtet, fest und sicher stehn. Der Lehrplan der Schule beschränkt sich auf das engere Gebiet der Geisteswissenschaften, unter ihnen vornehmlich W i r t s ch a f t s- lehre und Geschichte. Damit ist nicht etwa«in Werturteil über unsere Stellung zu anderen Wissensgebieten zum Ausdruck gebracht. Ein Tor, wer etwa die Beziehungen der einzelnen Wissensgebiete untereinander übersehen sollte, nur das sind die guten Weber, welche die mannigfach sich kreuzenden, aus allen Wissensgebieten hinüber und herüber laufenden Fäden zu einem harmonischen Gewebe von Kraft und Schönheit verknüpfen können. Nur aus reinen Zweckmäßigkcitsgründen überlassen wir die Be- arbeitung des umfassenden Gebietes der Naturwissenschaften, den Unterricht in Musik, Kunst und Literatur, zum Gebiet der Geistes- Wissenschaften gehörend, der Berliner Volkshochschule. Ihr breit angelegter Betrieb, ihre ausgedehnte organisatorische Grundlage und nicht zuletzt die ihr zur Verfügung stehenden Mittel gestatten allein eine intensive und erfolgreiche Tätigkeit aus diesen anderen Gebieten. Auch an der Entwicklung der Volkshochschule arbeiten wir tatkräftig mit. Durch die intensivste Beschäftigung mit den Ge- sellschafiswissenschaften, als da sind: Rechts- und Staatswissenschast, Soziologie, Wirtschaftslehre, Geschichte, Technik usw. wollen wir den Geist wahrer Voltsgemeinschast erwecken, und alle Bcrwärtsstrcbcn- den rüsten und stählen für den Kamps, durch den wir die Welt dem Sozialismus erobern wollen. Der neues!« Stcfsplan kündigt für die Zeit von Januar bis März dieses Jahres 3 Arbeitsgemeinschaften und 11 Vortragsreihen an: Eine philosophische Arbettsgomcinschast(Leiter: Dr. V. Engelhar.t) beginnt Dienstag, den 24. Januar, abends 7 Uhr, im Sitzungssaal des Bezirksvorstandes, Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Trep. pen. Sie soll kritisches Verständnis für die geistigen Bewegungen der Gegenwart erringen. Die engere Auswahl der Themen wird sich im Verlauf der Arbeiten ergeben. Die zu bearbeitenden Haupt- gebiete sind„Neueste Philosophie, religiöse Strömungen unserer Zeit, Jugendbewegung, soziale Ethik, Volksbildung u. a." Di« zweite Arbeitsgemeinschaft bringt unter Leitung des Genossen Max G r u n w a l d selbständige Arbeiten für Fcrtgc- schrittene in schriftlicher und mündlicher Form über wirtschafttick)« und histcrisch-politische Fragen. Sie beginnt am Freitag, den 27. Januar, abends 7 Uhr, im Zentral Jugcndhcim, Lindenstr. 3, 2. Hof, 3 Treppen. Di« dritte Arbeitsgemeinschaft ist«ine Sonderveranstattunz für Mitglieder der Kreisbildiingsausschüsse, welche am Dienstag, den 21. Februar, abends 7 Uhr, im Sitzungszimmer des Bezirks- bildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof, 4 Treppen, stattfindet. Sie beschäftigt sich mit dem Prcblem der Volkserziehung durch die Kunst. Dr. JoN wird sprechen über Instrumentalmusik— Gesang — Oper. Daran schließen sich 11 Vortragsreihen an. Für die in den Elternbeiräten tätigen Genossen behandeln die Genossen Kreuziger und Schröter in sechs Abenden die Paulsen- sche und die weltliche Gemeinschaftsschule. Die Vor- lesungen beginnen am 25. Januar, endigen am 1. März und finden in jeder Woche am Mittwoch von 7X bis 9 Uhr abends in der Aula der Sophienschule, Weinmeisterstr. 16 17, statt. Eine besondere Vortragsreihe für J«ucn behandelt In sechs Abenden unter Leitung der Genossin Wachenheim das Thema „Sozialistische Lebensführung". Die Vorträge beginnen am 24. Ja- nuar und werden bis zum 28. Februar jeden Dienstag von 7 bis 8'/, Uhr abends im Saal der Juristischen Sprechstunde. Lindenstr. 3. 1. Hof ptr., abgehalten. „Die Entwicklungsgeschichte des Sozialis- m u s" behandeln zwei Vortragsreihen, je sechs Abende umfassend. Im Kreis 5, Friedrichshain, vom 24. Januar bis zum 23. Februar jeden Dienstag von 7 bis 8'A Uhr abends in der Aula der Ge- meindeschule Litauer Straße, und im Kreis 1, Verlin-Mitte. vom 27. Januar bis 3. März jeden Freitag von 7 bis 8� Uhr abends in der Aula der Gemeindeschulc Auguststr. 68. Weiter bcschäftigen sich zwei Vortragsreihen von je sechs Stun- den m.t dem Thema„Die deutsch« Arbeiterbewegung". beide unter Leitung des Genossen Dr. Schütte: die erste im Kreis 13, Tempelhof, in der Zeil vom 24. Januar bis 23. Februar, jeden Dienstag von 7 bis 814 Uhr abends in der 2. Gemeindsschule, Friedrich-Wilhelm-, Ecke Wcrdcrstraße: die zweite im Kreis 3, Wedding, vom 27. Januar bis 3. März jeden Freitag von 7 bis 814 Uhr abends im Physiksaal des Lyzeums, Pankstr. Ecke Wiesen» straße. Dr. Bendin er behandelt In zwei Vortragsreihen„Wirt- fchaftsproblem« der Gegenwart" und zwar im elften Kreis, Schöneberg, vom 26. Januar bis 2. März jeden Donnerstag von 7 bis 814 Uhr abends und im 9. Kreis, Wilmersdorf, vom 27. Januar bis 17. März jeden Freitag von 714 bis 9 Uhr abends in der Hindcnburg Oberroalschule am Eeepark. Im Kreis 12, Steglitz, unterrichtet Dr. Borchardt in acht Abenden vom 27. Januar bis 17. März über„Praktische Kommunalpolitik" jeden Freitag von 8 bis 914 Uhr abends im Lokal von Stowasser. Stsglitz-Südende, Stephanstr. 1. Im Kreis 14, Neukölln, findet unter Leitung des Genoffen Theodor Raschk« vom 24. Januar bis 28. Februar eine Vortrags- reihe über„Die Entwicklung der Geschick) ts-, Staats- und Gesellschaftslehre bis Karl Marx"(6 Abende) statt, jeden Dienstag von 8 bis 149 Uhr abends, in der Aula der Mädchenschule, Dcnaustraße. Hörerkarten und Stoffpläne sind zu haben bei den Dildungs- ousschußmiigliedern und im Bureau des Dezirksbildungsausschusses. Mitglieder der„Arbeitcr-Jugend" und der„Jungsozialisten" zahlen sür all« Veranstaltungen die halbe Hörgebühr. Der Manteltarif öer Gememüearbetter. Ein Beschlutz der sozialdemokratische» Fraktion. Mit den schwebenden Verhandlungen über den Mantel- tarif der Gemeindearbeiter hat die s o z i a! d e m o k r a t i s ch e Stadtverordnetenfraktion sich eingehend beschäf- tigt. Sie hat zu den wichtigsten Fragen solgenden Beschluß einstimmig gesaßt: „Die Fraktion erklärt, daß sie eine Durchbrechung d e s 21 ch t st u n d e n t a g e s für die städtischen Arbeiter m i t aller Entschiedenheit bekämpfen wird. Eine geringere Arbeitszeit kommt nur für besonders schwere ui.'> gefundheitsgefäbrliche Arbeit in Frage. Der Urlaub muß auch weiterhin so bemessen werden, daß er eine wirkliche Er- holungsmöglichkeit bietet. Das Mitbestimmungs- recht der Betriebsräte ist in dem Umfange aufrecht zu erhalten,, daß den Betriebsräten nicht nur in den Fragen des Arbeitsverhältnisses, sondern auch bei der Wirtschaft- l i ch e n A u s g e st a l t u n g der städtischen Betriebe Gelegen- heit zur Mitwirkung gegeben wird." Den Schluß des Kongresses bildeten Referate, die sich mit den Aufgaben der Betriebsräte, mit internen Organisationsfragen', den Unfall gefahren und Berufskrankheiten sowie deren Bekämpfung beschäftigten. In der Aussprache klagte ein saarländischer Delegierter über die Leiden, die die Arbeiter des Saargebietes unter der französischen Herrschaft zu erdulden haben. In einer einstimmig angenommenen Resolution erkennt die Konferenz an. daß zur nachdrücklichen Wabrnehmung ihrer Interessen eine starke einheitliche Organi- s a t i o n notwendig ist. Aus diesem Grunde lehnt sie ent- schieben alle Bestrebungen ab, die darauf hinauslaufen, Teile der Organisation, sei es aus besonderen aber falsch verstände- nen Berufsinteressen oder parteipolitischen Motiven, obzu- splittern. Dieses Bekenntnis zur Einheit bildete den würdi- gen Abschluß der arbeitsreichen Tagung. Sie hat aufs neue erwiesen, daß sich die Gewerkschaften und ihre an verantwort- licher Stelle stehenden Funktionäre ihrer hohen Mission be- w'ißt sind und daß sie nichts scheuen, um ihre Kenntnisse auf wirtschaftlichem und fachtechnischem Gebiete zu erweitern, um das so Gewonnene nußbrinoend anzutvenden zum Wohle der Allgemeinheit, der sie dienen. Moskau unü Genua. Das Allrussische Zcntralexekutivkcmitee ist auf den 27. Januar einberufen worden, um über die Teilnahme Sowjctrußlands an der Gcnueser Konferenz zu beschließen und die Konfcrenzdelegation zu wählen. Die Antwortnot« Tfchitfcherins auf die Einladung Bonomis erklärt, daß die russische Delegation mit allen Vollmochten aus- gestattet fein werde und ersucht, möglichst bald genaue Angaben über die Zusammensetzung der Konferenz und über ihr Programm zu machen. Tschitscherin wendet ssch in einem Rundschreiben gegen die Be- haupiung der französsschen Presse, daß Sowjetrußland die Konferenz - von Genua dazu ausnutzen«erde, um sie zu einer Propaganda- tribüne zu gcstaltcn. Tics fei absolut unwahr.„Wir erstreben schon längst eine Annäherung an die anderen Mächte, vor allem m Wirtlchaftsfragen, und gehen mit dieser Absicht zur Konferenz. Der Wiederaufbau Rußlands ist die Aufgabe der Sowjetregierung, die damit nicht den leisesten Gedanken an Pro- paganda verbindet. Wenn der„Temps* vom 18. Januar sich auf ' die„Prawda" beruft, die von einer Fortsetzung unseres Kampfes in einer neuen Form spricht, fo meint die„Prawda" nicht anderes als den Kampf um unsere Existenz und die Besesligung der Volks- rezicrung in Rußland. Uebrigcns muß man davon Notiz nehmen, daß die„Prawda"«in P r i v a t o r g a n ist, für welches die Sowjetregierung bzw. dos Volkskommissariat des Aeußeren nichl verantwortlich ist." Dei den Südsiroler Vemeindewahlen erhielten die Italiener in Bozen, Meran uiw. keine Mandate. Die Tagesleistung öer Cine kasernentrayööie. Eine Verhandlung, die ein grelles Schlaglicht auf die Verhält- nisse der Reichswehr wirft, stand am Dienstag vor dem Tchöslcngericht Beriin-Tempelhof an. Anoeklagt waren der Ge- freit« Fischer und der Krastwogensührer S t a n d t k e, die beiden Vertrauensleute der 1. Kompagnie der Kraftfahrerabteilung Nr. 3 in Lankwitz. Die Anklage lautete auf Achtungsverletzung gemäß ss 91 des Militär-Stral-Gefetzbuches mit folgender merkwürdiger Begiiindung: ?m Sommer 1921 nahm ssch der Soldat Uhlig das Leben. Auf feinem Stcrbeloaer bat er die beiden Angeklagten, feinem Vater mitzuteilen, daß er durch schlcchl!- Behandlung seiner Dorgesctzten zum Selbstmord gelrieben worden sei. Sie sollten auch dafür lorgen, daß der Vorfall in eine linksstehende Zeitung käme. Den Wunsch des Sterbenden hoben die beiden Anacklogicn ausgeführt mit der Folge, daß gegen ste Anklage erhoben wurde, weil sie durch ihre Mitteilung eine Achtungsverletzung gcaen ihre Vorgesetzten be- aangen hätten. Dem nicht miiitärilchen Normolmenschen wird eine solche Anklage allerdings nicht in den Kopf oehen. Die Verhandlung nahm den vorfcdrifi: mäßig militärischen Vcr- lauf. Die Vorgesetzte� durch deren Behandlung Uhlig, wie er er- klärt hat, zum Selbstmord getrieben worden ist, waren nicht die Anoeklagtcn, sondern wurden als Zeugen über ihre Izandlungs- weife vernommen. Natürlich waren sie sich nicht der geringsten Schuld bewußt und nahmen die Gelegenheit wahr, um dem toten Uhlig und den beiden angeklaoten Vertrauensleuten ein schlechtes Keugnis über das andere auszustellen. Wer beim Militär pewefen ist,� weiß, doß ein Vorgesetzter ouf streu a vorfchrifts- mäßigem Wege, ohne gegen die kleinste Bestimmung zu ver-. stoßen, einen Unt<"-gcben«n zur Verzweiflung tr-uden kann.— Ein Zeuge aus dem Mounicholtsstand bekundete, daß Uhlig an seinem Todestage ihm wörtlich gesagt hat: „stch möchte erst dem haunZmon-' und dann mir eine Kugel durch den Kops Wehen." Einen Höhepunkt bildete der S t a a t s a n w a' t. Er erklärte, daß das Verhalten der Aneekleoten rrn ehrlo'cr Gcsinnunq zeuge. und bcantronte negen Fi-ch-r vier Alonale. oegen Stondtke zwei Monate Getängrüs. Der Dcrteidigcr der Angeklagten. Rechts- onwolt Dr. Schweitzer, erklärte die Ank'age ols geradezu u n« sittlich, weil sie dem sittlichen Emplinden des Vv?k<>s widerstreite. dos die Uebcrmittlung der lebte» Worte eines Sterbenden ols Ehrenpflicht betrachtet. Er beootrogte Frcilprechung. Das Gericht kam zu d»m Ernsbnis. daß die Veweisaufngdme nicht er- aeben hätte, daß die Vorgelebten am Tode des Uhlig schuld seien. Die Angeklagten hätten ilwe Stellung ols Vertrauensleute verkannt und eine bewußte Boleidigung ihrer VorgeseHen angcstr-'ht.(?) Fifch-w wurde zu 43 Tog-m Gefängnis. Stondtke zu drei Wochen Arrest vernrieilt. Beiden Verurteilten wurde bedinote Begnadigung und eine Bewährungsfrist von drei Jahren gewährt.— Dieses llrteil wird niemand im Volk begreifen, am wspiasten ober den Derrn S i a a t s a n w o l t, der in der Ucbcrmittlnna dos letzten Wunsches eines Sterbenden„ehrlose Gesinnung" erblickt! Die Rache öes Mil'tariemus. Der Scheiftstellcr Wandt, der in der„Etapv: Gent" die Sünden der Eioppeahcngste bloßgestellt hat. wird dafür vom Mili- tarismus mit der ganzen diesem eigenen Rachsucht verfolgt. Die Verwechslung der Personennummer eines Fürsten R e u ß fdie Fürsten Reuß heißen bekanntlich alle Heinrich und untc'rlchriden«ich nur noch der Nummer) büßte Wandt mit sechs Monaten Gefängnis Am 11. Oktober 1921 wurde Wandt unter der Anschuldigung des diplomatischen Landesverrats(Veröffentlichung von Geheim- .dokumenten) verhaftet. Es handelte sich um Ärisasgerichts � alten der 4. Armee, welche Wandt in dem gegen ihn anhängigen Beleldigungeprozesse wegen des Buches„Etappe Gent" z u r F L h° rung d es Wahrheitsbeweises benutzen wollte. Obwohl Rechtsanwalt Bahn in einer anderen Sträsfache Hastkaution ge- stellt hatte, mußte Wandt 13 Wochen in Unlersuchungshasi zubringen. Jetzt stellte sich ober der Verdacht des Lendesverrats als haltlos heraus und demgemäß wurde Wandt auf telcgraphifche Anweisung des Oberreichsanwalts gestern aus der chaft ent- lassen. Der Militarismus hat gleichwohl feine Rache genommen. Fünfzehn Wochen hat der unbegueme Enthllllcr qrundlos im Ge- sängnis zubringen müssen. Wird man nun vi-lleiebt erfahren, welche Stelle die Inhaiticrung veranlaßt, und welche Justizbehörde es war, die diesem. Wunsch so leichten Herzens � stattgegeben hat? die widerlegte Klassenjustiz. Der Redakteur B e r g h o l z von der unabhängiaen Zeitzcr Zeitung„Der Volksbot?" wurde"nach Meldung des„V. T. von der Naumburg«? Strafkammer zu fünf Mona en Gefängnis ver- urteilt� weil er anläßlich der Sondergcrichtsvcrhatidlungen die Ur° teile mehrerer Richter als Klassenjustiz bezeichner hatte. Kann man bündiger- beweisen, daß es keine Klassenjustiz gibt? das Schiestprivileg öerer v. Kähne. Unzählige Male haben die Junker von Kähne, die auf Schloß Petzow am Schwielowses sitzen, die Potsdamer Gerichte bqchäfiigl. Die Herrschaften haben nämlich die angenebme Eigenschaft, auf jeden Menschen zu s ch i c ß c n, der— wenn auch gänzlich unabsichtlich— den Boden ihres Schlosses betritt oder den Schwielowsee befährt. Schon eine ganze Reihe von Aussiüglern sind durch die Kugeln derer von Kühne zu Krüppeln geschossen worden. Der Unfug obre hört nicht auf, weil die Justiz eine heilige Scheu hat, einen derer von Kähne etwa ins Gefängnis zu stecken, wohin jeder wandern würde, der sich als Nichtodliger so etwas erlaubt?, sondern immer wieder nur Ge'ld strafen gegen die Junker verhängen, die von diesen mit verächtlichem Lachen gezahlt werden. Am Dienstag stand nun wegen eines ganz gleichen Vorfalls der jüngste Sproß der Familie, Karl v. Kähne, wegen versuchten Totschlags vor dein .Potsdamer Schwurgericht. Ein Auto hatte sich am 8. Juli 1929 verfchren und war— wider Willen— auf das Gebiet des Herreu � sttzes gelangt. Karl v. Kähne feuerte auf das Auto aus dem Fensler des Schlosses drei Schüsse ab, die zum Glück nicht trafen. Der frivol« Schütze, d-r dos Auto zu Pkerde verfolgte und cinhelte, hatte aber rwch die Frechheit, zu dem Inhaber des Autos zu sogen:„Schade, daß die äugelu nicht gelroffen. sonst hätten Sie hochgeiianden wie cin Haje." Wieder versagte die Justiz völlig. Die Geschworenen v? r- n e i N t e n die Hauplfrage nach versuchtem Totschlag und b e s a h t e n nur die Frage nach Bedrohung. Staatsanwalt Geriach dem-. tragt« gegen den Angeklagten, der bereits dreimol wegen Kör?:?- nerl-tzung mittels einer Waffe vorbestraft ist. fcckiz Wochen Grfängni?. Urteil: 10 009 Marl Geidsttase. Die Zuhörer nahmen das Urteil mit Empörung auf, die wir teilen. mit solcher Gewalt gegen die Schifssplankcn gepreßt, daß es zer- trümmert wurde und mit den drei Mann, die in ihm Platz genom- men, verschwand. Inzwischen war das Deck des eachisfs cin Glut- ofcn geworden. Hitze und Ranch erstickten uns. Wir waren ge- nötigt, besiändiz Mund und Rase mit nassen Lappen zu kühlen. Trotz unseren verzweifelten Zeichen wurden wir von keinem Schiff gesichtet. Das Deck stand bereits in Flammen, und wir hatten jede Hoffnung aus Reitung ausgegeben, als uns endlich ein Fisch- dampf« bemerkte und heransteuerte." Der Kapitän des Rettung»- dampfers berichtete über die Schwierigkeiten der Hilfsaktion. Als er mit einer Schaluppe an das Schiff herangekommen war, rief er den Leuten zu, sich ins Wasser zu wersen, aber nur einer hatte den Mut, den Sprung zu wagen. Di« Schaluppe legte sich nun dicht an das brennende Schiff, und der Kapitän selbst kletterte mit einigen Matrcsen an Bord, von wo er acht Mann rettet«. Ein alter Ma- trose klamm:rt« sich verzweisell an die Schisfswand. Cr war zu schwach um sich selbst zu retten. Nachdem der Kapitän die übrigen Matrosen an Bord seines Schiffes gebracht hatre, fuhr er so nah an die brennende„Vesta" heran, daß es der Mannschaft möglich war, den armen, alten Matrosen, dessen Schuhe bereits Feuer ge- sangen hatten, und den die Kräfte zu verlassen drohten, ans das Schiff zu ziehen. Kurze Zeit daraus versank die„Vesta". Rochmals da» leere kaiserkonsol. Z> unserem Artikel vom 80. November:„Wie lange noch?" schreibt uns jetzt das Provinzial- Schulkollegium, daß die Angaben in diescin Artikel nicht zuträfen: es sei„amtlich" festgestellt worden, daß sowohl die Büste Wilhelms des Letzten als auch da» dazu gehörige Konsol schon im Jahre l919 entfernt und an der dadurch lccrgewordenen Stelle eine hölzerne Ehrentafel angebracht worden sei— und zwar auch schon 1919. Demgegenüber stellen wir nochmals auf das bestimmteste fest, daß das ledige Kaiserkonsol noch am 30. November 1921 seinen alten Platz inne hatte und daß zu diesem Zeitpunkt an dieser Stelle von einer Ehrentafel nichts zu sehen war. Unser Artikel bewirkte zu- nächst, daß das Konsol verschwai d; ab« noch Mitte Dezember war an dem leeren Platz von der Ehrentafel ebensowenig etwas zu be- merken, wie vorher. Erst jetzt im Januar stellte unser Mitarbeiter fest, daß man an der leeren Stell« eine hölzerne Tafel angebracht hatte Das Provinziolschulkollegium ist somit„amtlich" falsch unter- richtet und es täte gut. in Zukunft mit seinen„Berichtigungen" und den daran geknüpften moralischen Belehrungen etwas vorsichtiger Zu sein._ Volksbühne. Iheoter«m vülowplaü. Jnlolge«weS Bühnen. befekt» mutz am Donnerstag. den 2 nnßalt.Der wbrende Schüler bannt den Teufel- und.Der gesttesette Kater- um 7Uhr, Konig Lear- zu: Aufführung gelangen. Tel folgende Schelmenstreiche Sonntag nachm: �Pri»»-----_,,.------__ pws Schelmenstreich«-. Montag:.T> aumlpiel-. In de» Kammer. spielen wird Sonntag nachm..OÜ-'N- gegeben. .Gedicht« der«esangenen- von Ernst Toller ipitchi Ernlt Friedrich am L«. abends 7'/. Uhr. w der Arbeiter. Kunstausstellung, Peter»burger Str. 30. die Schulöebaöe öes Reichstags Der Reichstag hat gestern noch Erledigung einer Reihe vott Anfragen die Aueforache über das Reichsschulgesetz fortgesetzt. Abg. kunert(U. Soz.): Der Gesetzentwurf ist sehr mangelhaft. Eltern und Lehrerschaft sind nicht dazu gehört worden. Der Deutsche i Lehrcrvercin spricht sich ganz entschieden gegen den Entwurf aus. Die Glaubens- und Gewissensfreiheit, die die Neichsverfassung ver- bürgt, wird durch den Entwurf aufgegeben. Es ist das Refullak des Wcimarcr Schulkompromisse». Wir werden die Vorlage entschieden bekämpfen. Eigenartig berührt es, wenn man dem Staatssekretär Schulz die Ansichten des Schul» resormers Schulz gegenüberstellt, der geschrieben hat, die Schaffung eines Reichsschulgcsetzes müsse auf der Grundlage der Weltlich- k e i t des gesamten Schulwesens erfolgen. Abg. Weiß(Dem.): Die Beratung zeitte bis jetzt, doß die kon- fessionellen Gegensätze noch sehr, lies das Volk zerreißen. Festzuhal- ten ist, daß der Staat Schulherr ist. Der Staat ist Träger, nicht Wächter der Schule Merkwürdig berührte es, den Staatssekretär; Schulz betonen zu hören, daß die pädagogischen Gesichtspunkte hinter den politischen hätten zurücktreten müssen. Dielleicht hält Staats- sekretär Schulz mit dem Schulreformer Schulz im stillen.Kämmerlein eine kleine Zwiesprache. Der§ 13 des Entwurfs macht aus der Be- kenntnioschule ganz etwas anderes, als sie früher war. In der neuen Bekenntnisschule soll nicht nur Religionsunterricht erteilt werden, sondern der gesamte Unterricht soll im G iste des Bekennt- nisses gegeben werden. Wir bestreiten, daß nur dem Religions» Unterricht ein besonder» hoher erzieherischer Wert innewohnt. Der Gcschichts- wie der naiurkundliche Unterricht, um nur zwei Beispiele � zu nennen, haben«densalls erzieherische Bedeutung. Dos Hinüber- j wirken der Konfession aus die anderen Fächer sührt pädagogisch zu Unzuträglichkelten. An der Simultonschul« kommen olle Unterrichts- sächer in gleicher Weise zu ihrem Recht. Di« wellanschaunngsichulen sind Luxus in einer Zeit, wo alle Gemeinden und auch der Staat und die Länder kein Geld haben. Das Elternrecht in allen Ehren, aber es hat seine Grenze an dem Recht des Staates. Die Abgrenzung der Rechte des Staates, d« Kirche und der Familie ist von größter Wichtigkeit. Diese Abgrenzung verlangt auch die Verfassung, wenn sie vom „geordneten Schulbetrieb' spricht. Unser Ziel ist die nationale Ein- heitsschule, doch wollen wir der Bekenntnisschule die versassungs- mähige Gleichberechtigung zugestehen. Staatssekretär sszeinrich Schulz: Bei diesem Gesetzentwurf ist es nur zu verständlich, wenn der Politiker das Wort führt, ohne natürlich den Schulsachmann beiseite zu schieben. Die Anhörung der Lehrer wie der Bischöfe hätte ins Uferlose geführt. Die V«treter aller Parteien sind gehört worden. Absichtlich yat die Regierung alles weggelassen, was nicht unmittel- bar mit dem Artikel 140 Absatz 2 zusammengehört.' Dieser Artikel ist on und für sich schon ein so kompliziertes und schwi«iges Ding, daß die Beschränkung aus das Wesentliche durchaus notwendig war. Die Regelung des P r i v a t s ch u l w e s e n s ist in Angriff ge- nommen. Sie soll jedoch unabhängig von den hier zur Beratung stehenden Fragen erledigt werden. Den Vorwurf der Derfossungs- Widrigkeit weisen wir zurück. Die Formel des Weimar« Schulkom« promisses ist eben sehr vieldeutig. Die Ausschutzberatunq wird viel- leicht zeigen, daß d« Entwurf doch nicht so schlecht ist. Der Entwurf wurde von dem Redner der- Demokraten und der Deutschen Volks- parte! heftig tritisicrt, aber die Deutsche Bolkspartei saß zu der Zeit, als der demokratische Minister Koch den Entwurf herstellen ließ, in der Regierung. Ich bin nicht der Vater des Entwursss, viele Fat- torrn im Reich und in den Ländern teilen sich in die Vaterschaft. Di« Fraoe der Stellung der Lehrerschaft in dem neuen Schulwesen und die Wahrung ihrer staatsbürgerlichen Recht« ist ein sehr bedeutsames Kapitel, dos hoffentlich im Ausschuß die Förderung findet, die es verdient. Wenn Abg. H«Ilm an n meinte, die Gemeinschaftsschn!« sei tine verkappte Bckettntnisschule, so stimmt dos mchi ganz: denn .in der Vclennwisschul«.hat. die.Konfession aus alle Fächer Eiviluß. Auch dir Regierung ist T, keine Areundtn der Welkcnschrrnnngsschule. Ihre Aufnahme in den Entwurf verdankt sie lediglich der juristischen Gewissenhaftigkeit. Im Ausschuh sind die Fachleute näher bekin- ander, und es ist zu hoffen, daß vhle Schwierigkeiten eine besser- Lösung finden als in diesem Entwurf. Ich habe unter diesen Em wurf meine Unterschrift gesetzt, weil ich glaubte,, ihn g e r a d? n r- ch verantworten zu können. Ein Entwurf ist noch kein Gc?:tz, hoffen wir, daß dieser Entwurf zu einem Gesetz führt, das die so notmcn- dige Beruhigung der Geister bringt. Abg. Frau Lang> Brumnnn(Bayer. Bolksp.): Die Gemeinschaftsschule sieht der weltlich:» Schule zum Berwechseln ähnlich. 7-k Bekenntnisschule wird zurückgesetzt. Wir lehnen doshalb den Gesetzentwurf ob. Die Schule ist nur eine H i l s s a n st a l t der Familie: deshalb hat die Familie das erste Wort zn sprechen. Abg. Frau Zetkin(Komm.): Die gestrigen Ausführungen des Staatssckretärs waren kein« Begründung, sondern nur eine Entschuldigung, ein Plädoyer auf iinldcrnde Umstände. Der Gesetz- cntwurs ist eine faul« Frucht von dem faulen Baume des Wcimarer Schulkompromisscs. Die neue Schule muß das Durchschnittsniveau der kommenden Gen«atian«n geistig und sittlich heben. Wir weisen weltliche Neben schulen energisch zurück und verlangen, doß die weltliche Schule an Stell« der alten nationalen Schule die Houpterziehungsanstolt werde. Das Schicksal der Schule des Volkes wird nicht hier im Reichstag geschossen. Wir führen den Komps um die Schule als Kulturkampf und den. Kulturkampf als Teil des proletarischen Klassenkampfes. Erst nach dem Siege des Proletariats ist eine wirk- liche Schulreform möglich. Staatssekretär Schulz: Dieser Entwurf ist nicht jenes Retchsjchulgesetz, das sozusagen eine Schulrcoolutton oder die ganze große Schulreform bedeutet. Dieses umfassende Rcichsschulgesctz soll durch den vorliegenden G'-- setzentwurf nicht ersetzt werden und kann nicht mit einem Zuge er- reicht werden, sondern bleibt das große Ziel, zu dem wir«tappen- weiss vordringen können. Dos taten wir bcrslts durch die Bcr- abschiedung des Grundschulgesetzes, das tun wir durch das kommende Lehmbilduiigsgesetz, das den linterrichtsverwaltüngen der Länder vorliegt, das tun wir durch die Förderung de» Arbeilsuntorrichis. durch die Förderung begabter Kind«, durch dos Jugendwohlfahrs?- gcfetz, dos hoffentlich in ablehborer Zeit verabschiedet wird. Der vorliegende Gesetzentwurf steht lediglich mit der traurigen Tatsache der Zersplitterung des Volkes in Weltanschauungen und Konfessionen im Zusammenhang. Wir müssen so viel als möglich dafür sorgen, daß technische Leisttmg und Organisation des Schalwesens durch die weltanschauliche Zersplitterung nicht gehemmt wird. Zu dem, was ich geschrieben habe, stehe ich heute so gut wie gestern. Die Gegen- wartsarbeit, die wir Sozialdemokraten tun, die praktische Mitarbeit tun wir nur so weit, als unser Ziel, da» dasselbe geblieben ist, ge- fördert wird. Abg. Adolf Hofsmann(KAG.): Der Staatssekretär ist dem Zentrum äußerlich und innerlich sehr nahe gekommen. D« Staats» sekretär kommt mit seinem Gesetzentwurs und sagt:„Hier, bitte— es ist zwar nicht viel, aber mache du etwas daraus!" Dos Zentrum kann zufrieden fein.(Zuruf vom Zentrum: Nein!) Das glaube ich, Sie sind erst zufrieden, wenn der Papst im Berliner Schloß sitzt. Diese Schule hat uns zum Frieden von Versailles gebracht. Im Krieg wurde Sengen und Morden als christliches Gebot erklärt. (Zuruf rechts: Uns wollen Sie an die Laterne bringen!) Nein,.wir wollen Ihnen das Arbeiten beibringen. Das wird für Sie die schärfst« Strafe sein. Die Vorlag« geht an den Bildungsausschuß.— Mittwoch 1 Uhr: Interpellation Her gl(Dnat.) über den Wagenmangel bei"der Reichs- essenfeohn. Ansschußberichte über die Frage des Alkoholmißbrauchs. 1 GswsrMQftsbewegung Schutzpolizei— Serufsbeamtentum. Auf der Konferenz der Polizeibeamten, die gestern in Berlin tagte und über deren Beginn wir bereits kurz berichteten, waren vertreten! Preuhen, Sachsen, Bayern, Baden, Hamburg, Thüringen, Württemberg, Hessen, Bremen, Lübeck, Oldenburg, Mecklenburg. Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Braunschweig und Anhalt. Außer. dem der Verband der Beamten de» Reichswasierschutzes, der Der. band der Polizeibeamten der ehemaligen Kolonien und der Reichs. verband der Kriminalbeamten. Die Beamten der ehemaligen Kalo. nien wurden durch Hessen, Bremen wurde durch Hamburg vertreten. Zur Tagesordnung:.Schutzpolizei— Berufs» beomtentum"— sprach der Generalsekretär des Verbandes Dr. F r a n ck e. Der Redner verbreitete sich in seinem sehr umfang reichen Referat im wesentlichen über zwei Gesetzentwürfe für die Schutzpolizei. Dom preußischen Ministerium des Innern lieg««in Entnv.irf vor, der zur Regelung der gesetzlichen Dcrhältnisie für die Schutzpolizei dienen solle. Dem Inhalt dieses preußischen Refe. rentenentwurfs für das zu schaffende Schutzpolizeigesetz, ta» auch den Ländern einpfählen werden solle, könnten aber die Polizei- beamten nicht zustimmen, ste erwarten vielmehr, daß die ge» setzgebende Körperschaft des Ruches gemäß Artikel IG, Ziffer 3 der Reichsverfassung ihren Forderungen Rechnung tragen wird, die in einem Gegenentwurf des Reichsoerbandes festgelegt worden sind. Dieser Gegenentwurf verlangt lebenslängliche Anstellung mit Pensionsberechtigung, während der Regierungsent- wurf nur ein Anstellungsverhältnis auf 12 Jahre vorsieht und nach Ablauf dieser Zeit den zur Entlastung kommenden Angestellten eine Zivilversorgungsberechtigung zuerkennen will, wie bei der Reichswehr. Der Referent forderte die Eingliederung der Schutzpolizei in das allgemeine Deamtenrecht. Auf alle Fälle müste eine Basis für die Berständigung mit der Schutz. polizei gefunden werden, der.m erhaltende Tätigkeit im staatlichen Interesse leider viel zu wenig gewürdigt werde. Der Beamten- körpcr müste endlich aus der durch fein« unsichere Lage genährten Beunruhigung herauskommen, um arbeitsfreudig seinem schweren Beruf nachgehen zu können. fBeifall.) Geheimrat K r e ß meint«, cbgleich zwischen beiden Cnt- würfen ein klaffender Unterschied besteh«, sei«in« Der- ständigunq doch nicht ausgeschlossen. Der Rcichsverband will den B e r u f s b e a m t e n, die anders lautenden Gedanken des Rcferentencntwurfs müssen glatt abaclehnt werden. Wir können dem nicht zustimmen, daß der Schutzpolizeimann 12 Jahre als Beamter dienen, dann aber in Unsicherheit mit dem Zettel in der Hand warten soll, bis er in andere Bcrhältniste berufen wird. In seinem Ziel auf die Reinhaltung des Beamtenkörper» geht unser Entwurf viel weiter als der des Ministerium«. In der Aussprache trat auch Dr. D älter vom Deutschen Be- amtcnbund für die Forderungen der Referenten ein, die in einer Entschließung zusammengefaßt vorlogen und in namentlicher Ab- stimmunq durch Aufruf der vertretenen Ortschaften und Organisa- tionen einstimmig angenommen wurden. Ausammeubrnch öes müden Eisend ahnerstreiks. Dresden, 24 Januar.(Eigener Drahtbericht.) Di« kommunistische Prcste meldet eine Ausdehnung de« Eisenbahner- streik? in Sachsen. Diese Meldungen entsprechen, wie wir festge- stellt haben, nicht den Tatsachen. Sie finden ihre Erklärung durch Falschmeldungen, welche von den hinter dem Eisenbahner- streik stehenden sächsischen Kcmmunistenführern verbreitet werden. Der Zweck ist offenbar, weitere Eisenbchnerkreise zur Arbeitsein- stellung zu veranlassen. Einen Erfolg haben diese Bemühungen nicht gehabt; im Gegenteil, es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Streikbewegung vor dem Zusammenbruch steht. Die Lage war am Dienstag folgende: In Dresden-Reustadt werden die Personen- und Güterbahnhöfe vollständig in Be- trieb gehalten, ebenso der Bahnhof Welliner Straße. Auf dem Hauptbahnhof Dresden hat sich die Schicht fast restlos zum Dien st gemeldet. Da inzwischen dem Personal de» Haupt- bahnhofes die Absicht der wilden Streikleitung bekannt wurde, den Streik möglichst sofort zu beenden, hat ein« stark« Friedens- stimmung Platz gegriffen. Jedenfalls dürfte der Verkehr in ganz kurzer Zeit wieder voll aufgenommen werden. Am Dienstagmorgen wurden die Berliner und Leip- zizcr Schnellzüge sowie die Personenzüge wieder sämtlich abgelassen. Rur der Schnellzug München ist noch ausgefallen. Obwohl das Personal in Pirna in den Streik getreten war, sind die Züge pünktlich im Hauptbahnhof eingetroffen. Auf dem Bahnhof Dresden-Friedrichstadt zeigte sich eine vollständige Betriebs- p»Su»s. weil«in« seh» groß« Anzahl eingetroffener Güterzüge nicht bedient werden konnte. Die am Dienstagvormittag in großem Umfange erschienene Belegschaft des Bahnhofes hat inzwischen wieder eine Anzahl Züge abgefertigt. Einzelne Betriebsstockungen werden sich in den nächsten Tagen nicht oermeiden lassen. Außerhalb Dresdens ist von dem Streik sehr wenig zu spüren. Nach den aus dem Lande eingetroffenen Mitteilungen ist es den mit der Führung der gewerkschaftlichen Organisation be aufttagten Personen überall gelungen, die Eisenbahner von dem Anschluß an die wilde Streikbewegung fernzuhallen. Aus Leipzig und Zwickau liegen zwar Meldungen vor, daß die Werk- stätten noch im Streik verharren, doch kann auch hier mit einem baldigen Abbruch gerechnet werden. Nochmals. OrtSklasseneittteilttttg. Die Klagen der Beamten über die Eintellung ihrer Wirkungsorte in zu niedrig« Ortsklassen nehmen kein Ende. Es ist unmöglich, ste allesamt, soweit sie uns zugehen, zu verzeichnen und hoffentlich auch überflüssig, da wir in der gestrigen Morgenausgabe des„Bor- wärts"' bereits berichten konnten, daß eine gründliche Umänderung bevorsteht. Erwähnt sei hier noch eine Klage aus Hahnenklee- B o ck s w i e s e, dem teuersten Kurort des Oberharzes, der in Klasse C eingereiht wurde. Kommen hier auch nur wenige Beamte in Frage, so gibt es doch eine ganz« Reih« ähnlicher kleiner Orte, die schemotisch eingestuft werden, ohne Rücksicht auf chren Charakter als Kurorte, der eine ganz ausnahmsweise Höhe der Kosten des Lebensunterhalts bedingt, zumal in Höhenorten, die von der Bahnoerbindung weit entfernt sind und eine Kurperiode von 0 bis IG Monaten haben. Im vergangenen Sommer mußten sich in Hahnenklee-Bockswiese sunge Beamte wochenlang das Mittagassen versagen, während sie zusehen mußten, wie die ausländischen Kurgäste mit unserem Papiergeld umherworfen. Es führte zu weit, alle Gründe hier anzuführen, die es notwendig machen, den Doppelort in die Ortsklasse A einzureiben, bis die beabsichtigte Umgestaltung bewirkt ist, bei der die besonderen Derhättniss« auch besonders gewürdigt werden müssen. Lohnvelhanölungen im Netchsverkehrsmknisterinm. Am DlenSlag vormittag begannen im ReichSverkebrvmmisserium die Verbandlunge» zwischen GcwerkichafiSvemetern und Eisenbatm ver wattung über die Neuregelung der ,n§ö deS Loh»- tarisvertrageS vorgesehenen UeberieuerungS- ,us Wusse. Da eine glündliw« Piüsung der Frage ersolgt. bürsten die Lerhanblungen längere Zeit dauern. Zniiäwst lamme» die DiiekttonSbenik« des beictzien rheiniscden Gebietes sowie deS westlichen IndtiuriegebteteS in Betracht. An den Berbandlungen itnd neben den Bertieiern der Gewerksita'iSvorstände auw die ,»- ständigen Bezirksletter und now im Dienst der Ettenbahnverwaltinig stehenden Ei'enbabner beteiligt. ES ist m�r Sicherheit atiziinehmen, daß e« zu einer B er st ä n d t g un g kommt, die den berechtigten Wünschen der Arbeiter in den tenien Bezirken entspricht. » Am Montag fanden im ReichSsinanzntintsterium Verhandlungen mit den Gewetbchafien statt, um das sogenannte Schwester- abkommen der Eisenbahner auch auf die Ber- w a lt u n g»- un d B e t r i e b Sa r b e i t e r de« Reiche» zu übertragen. Eine Einigung konnte leider nicht erzielt wer- den. da die Regierung im Augenblick au« prinzipiellen Gründen der Forderung der Gewcrlichasien nicht stattgeben wollte. Die Der- Handlungen mußten schließlich vertagt werden, um der Re- gteriing Gelegenbett zu geben, sich mit dem zuständigen Ausschuß d.S Reichstages tn Verb ndung zu sehen, damit die schwebende Regelung der Bezüge kür dte Beamten in den besonder« teuren Oiten mit größtmöglicher Beichleimigung ihre Erledigung finden lann. Hiernach dürften aber dann für die Regierung die prinzuiellen Bedenlen nickt mehr bestehen, und r« ist dann zu er- warten, daß den Fotdeiungm der Gcwerischasicn voll entsprochen wird. Im gegenteiligen Falle wäre mit«lnsteu Konflikten zu rechnen._ Ter HauptbetrkebSrat beim NeichSarbeitSministerium. Am lö. Dezember mußten die Wahlen zum HauptbetticbSrat beim Retchsarbett-ministerium neu vorgenommen wetden, da der trüber« Hauptbetriebsrat wegen Fehler des WahlvoiftandeS durch Sprnch de« vorläufigen ReichSwirtschastSrateS aufgelöst winde. Ter Mahlgang von lg2l unterichted sich von dem deS Jahre« lS2G insofern, al« dieie» Mal vier Listen statt lS aufgestellt waren. Die Sonderlisten einzelner Dienststellen sind verschwunden. In diesem Jahr« kamen nur eine sretgewerlschastliche Liste. ZvA, Siaatk- und Gemeindearbeiter verband und der RdD. trnd je eine Liste de« GdA.. de« GdaG. und die der ReichSvereintgung in Frage. Letztere setzt sich teils au« Mitgliedern verschiedener Vetetttiguvgen, teil« au« Un organisierten zusammen. ES standen alio der freien Liste drei Listen gegenüber. Dennoch entfielen bei der Wabl aus die fretgewerktchaitliche Liste 1353« Stimmen den L2 SM abgegebenen Stimmen und der Rest von SSK5 Stimmen au' die drei gegnetiichen Listen und zwar 3Gö8 auf die Liste de« GdA.,<1l4 auf die der Reick«- ve-eini ung und 1993 aus die de» GdaG. Damit ist der Beweis erbracht, daß auch in den Kreisen der Angrstellien, trotz der Eigen. brödelci der Rktchsvetr'ttigung. der sreigewerkichaftliche Gedanke tiefe Wurzel gefaßt ho«. Trotz aller Weissagungen de« GdA. und de« GdaG.. trotz aller Versprechungen berReschSveresnsgnng siegten die freien Gewerffchatten und weiden da« nächste Mal noch größere Erfolg« haben, wenn alle Funktionäre ihre Pflicht erfüllen. Bon den dreizehn Mitgliedern de« HBR. stellen acht die freien Gewerkschafien, zwei der AdA., zwei die Reichsvereinigung und eines der GdaG. Besonder» erfreulich ist, daß bei den Wahlen der DHV. to kläglich abgeschnitten bat, wenn man bedenkt, wie gerade dieser Verband tmnter und immer wieder«o großes Wesen davon machte, derjenige Vetbaiid zu sein, der bei der Angestellten« schafi das gtößle Veriraucn genieße. Aber man weiß in den Angeftellienkreisen sehr genau, daß man von ReickSlagSabge- ordneten wie Herrn Thiel von der Deutschen Volb/partei und Herrn Lambach von der Dentschiiationaien BolkSmtei sicher nicht viel Gute« für die Angestellten erwaiien lann. wenn man bedenk«, daß e« gerade diese zwei Parteien waren, die mit dem GdA.-Demokraten den Antrag der Soztaldemokratticken Partei, der von dem Abgeordneten Grevel gestellt war,.Angestellte bei Em« stellung von Beamten nicht zu entlasten', niedetslimäiten. Während man aus der einen Seite um die Gunst der Ange» stellten buhlt, läßt man sie im Reichstag im Stich. Deutichnationale und Deutsche VolkSparteiler des DHB. m-t de» Dcmokraicn de» GdA., friedlich beisammen, reichen sich die Hände zum löbl'chen Tun. um die Angestellten in den Behörden mundtot zu machen. Das soll ihnen nicht gelingen! Vergleichsverhandlmtgen im Mühlenarbeiterstreik. Am Montag fanden vor dem DemobilmachiingSkoiiimissar Ein>qttngsve>ha>'dlu»gen im Berliner Mütilenorbeiiei streit statt, die ,u folgendem Ergebnis führten: Die Vertieter beider Parteien lauten dahin übetetn. ihren Mitgliedern folgenden Vergleich?» Vorschlag zur Annahme zu empieblen:.Die Lohnsätze der Berliner Mühlenärbeiter werden unter Beibehalninq von 4 Pfund Freimehl pro Wo»e wie solat erhöbt: Für die Zeit vom lb. Tezeniber v. I. bis 3t. Januar 1922 von 460 M. um 100 M. oder 22 Proz. auf 550 M. und für die Zeit vom l. Februar 1922 ab von 550 um wettere 25 M. oder 5 Proz. ani 575 M. Di« Arbeit ist möglichst sofort wieder aununehineit. Sämtlicke am 28. Tezen ber in den Streik getretenen Arbeiter sind wieder einzustellen. Die Streilioge werden nicht bezahlt." Der lransporkarbeikerstrelk lm_ Ruhrgeblek ist beendet. Die Arbeit ist am Montag in allen Städieri wieder au'genoinmen wo'den. Die«p tzenlödue sind von 530 auf 585 M. erhöht worden. Maßiegeluiipen eifolaen nicht. Zu der Hagen-Zchwclmer Elsen- uud Melalliuduflrte ist eine neu« Labiibeivegung im Gang«. Die Aibeiigeber lehnten die Forderungen der Arneiier ab. Em von den Gewerkschaften ange« ntsenes SchiedSget ichl erklärte si b tta.v längeren Ber Handlungen außerstande, einen Schiedsspruch abzugeben. Daraushin ba' fast die gesamte Arbeiterschaft mit t4tägiger Frist gekündigt. Wenn innerhalb die'er Frist«ine Einigung nicht erzielt wird, t'o ist nach 14 Tagen mrt dem Stillstand der Werk« im ganzen Bezirk zu rechnen. Eisenbahner. Diejenigen Mitglieder unserer Organisot'on. die noch Siieiluniersiützniig erhalten, haben dieselbe bis spätesten» soiiiiobeitd auf umerem Bureau, Linirnfti. 83- 85 Zimmer 10, in der Zeit von 9—4 Uhr abzuholen. Spätere Rcklamatiott wird nicht berücksichtigt. Deutscher Meiallarbeiter-Verband. SPV.-Dckleidvugsarbriler. Donnerstag 7 Ubr im Eewerksckast?- hau«(saall), Engeluser, Vetsannnintig. TageSotdiiung: Die Ans- gaben der Gewcrlichatten und die bevorstehende OrtSvetwollungS- wabl.— Mitgliedsbuch der Parier und Geweikickofr legitimiert. Uhr I« der Schult. aller in der Metall» beschälliaten Kalleeeu. tlunertclUe de« Solzludustrie. Heuie 7 Uhr in den Sorchlen-SSlen, Loxhicn. strahe 17/18. Dersammluna. Bericht Uber den Stand der Tarifverhandlunzcn. Verband der Gemeinde- und Ttuateurbeiter. Gasarbiitir: Ddnnersiag «14 Uhr in der Brauerei, Prenzlauer Allee, Bollverfammlunz. Bericht »an der Derkkonfcrenz in ttalfel. Iahresdericht. Neuwahl der Easbrauche. Als Ausweis dient Mitgliedsbuch.— Die Branchenleilung. Deutscher Transpoitarbeitervcrbaud. Gravhisches Kewcrb«, Gruppe A Buch. Zaudcl: Donnerstag 7i4 Uhr im Nationalhof, 28., Blllowlir. 87, Gruppenvar. ammlung. Bericht über die Urabstimmung.— Branche Eefckäüetutfcker, Lagerarbeiter, Gruope ttarionkuischcr: Dannerstag 7 Uhr im Latal Fcn'ara, Mclchiorstr. 18, BcrsamiAluna. Bericht über die Verhandlung mit dem Arbeit. teberoerband stier Löhne und Entschädigung sllr Eanntagsaroeit.— Gruppe C, Mineralöle und Feite: Donnersiag 7 Uhr bei Witt«, Boststr.!t), Gruppen- Versammlung. Bericht über den Eicmd der Lohnverhandlung.— Branche 8b, Glas- und Nerrmischer Erohhandel: Donnerstag s48 Uhr im Saal 5 des®c. wcrkschofishausc», Engelufer 24/25, Branchcnvcrsammlung. Bericht der Lohn- tommisston. Lcrband der Gärtner uud SättnereiMitelter. ffreilog 8 Ilhr bei Schuh, Elisadethstr. 80, Gruppe Gemeiudeardeiter. Brancheurersammlun« für Groß- Berlin.__' Ms öer Partei. Die Sreiskonserenz de» 17. Relchskagswahlkre se» Oss-Hannover lagt« am 24. Januar in Harbnig itnd beschloß mit allen geaen vier Stimmen, den Oberpräsidemen der Provinz Hannover. Genosien Gustav NoSke, als Spitzenkandidat für die nächste ReickSraaSwahl auszustellen.__ Berantw. für den redatt. Teil: Franz»lSH, Berlin. LiiMerfelbe: für An. »eigen: Ih.«lacke. Berlin. Verlag Borwäris-Berlag G. m. d.£>.. Berlin. Druck: Porwaris Buchdruckerei u. Lerlaosanstati Vaul Singer u. Co., Berlin. Lindenstr. 8. dierzn I BrUaae »eil c i r llctillzrb llstnrlia-d Berwaiiungsftelle «rtlin Den Mitglieberu zur Nachricht, daß uuier Kollege, der Schlosser tliligsl! Knutti Memeler Sie 79 am 20 d. M. ge- ttotben ist. Die Beerdigung findet am �.iitwoch. den 25. Januar, vor» mittag» KP., Uhr von der Leichenhalle de« Gerne udr>Znedhoiee tnFricdrichsse.de aus stau. Ferner starb unser| ttollege. bei Schlosser vtla lZusit NeutbUi, Munchcner Sir. S am 22 d. M. Die Beerdigung flndrl am Donners. tag. den.8 Januar, uachmttlag» 2 Uli, »au der Leichenhalle de» GemeiNde-Fried- Hofe» m Neutall». Jtai tendaejer Sex, au* statt ESr: ibrsn Itdeakag! RegeBeteillgung wartet Iii Die Orl»vrru>a'tung. aucheruanki MRft 2- sah Mittel WWW ä Rauchen ganz ■JSr ua. ic.lw einzu KM stellen Wirkun-. WuLmbl Ausk uwr �7eis.»anit Art V dg Cneibrecht. Mäuch. R.M6, Knpuz.Sl9. ec» I /10 Inanngskrankenkasse der Dach-. Schicler-n. Am Dannerataa, den 3. Febr. 1922, abend» » Übt. tm Restaurant wallfch igez, Adalbert straste 21: Slusirrordentllcke AusslW-S Wg. Tagesordnung: l. Wahl de» Rechnung». ansschusse» Illr dir Prümng derRechnnng sstr da» Jahr ISuI - Bclchiußiassnng über Satzungsänderungen. 8. Berschiedenc». lSl 16 Der VontniiJ. OranteantraBe verkauie i a.s. für 1. Hypothek 10 lahre trsi 1»II. u 1«. A.8S2 Rudoli Misse, rauei.tiienstr. KrnflwBsciir�e „Sofort rein" rainlft dl*{Und* rB-r.lait.Farle.HDf8 und JeglichoB S'rhrautx, desinns>ert and die Haut nicht an. Cbarall•ihaiil>'chv •Öioi-äes. m. b. n. i Ber.in-Oiicrtchör.cwcIdW Oslendslrane 14. Tal. Oja&hvr. 365, II Iker?M»?«I«lI» llestl» 1 54. LinlüitlnSe 83 85. GefchSstazeit von vor». 9 Uhr dl» nach«. 4 Uhr Telephon: Amt Narben«83.»8«.«38. 83«. MItiMiR Ott MklMMM Untergruppe 17 iZustalloiau, Alkumu- laloreu, Palletleo, Elemeule». Srellag. Den 27. Fannor, abends 7»Hr. im tSesangsfaal der Schal* Sleinstr. 31/34: Ketriebsräteversammlung 111/8 CI« Or'aneraatlnng. Z>e«W.5eNW«l>lh.-vmeiiIi SPD..Frattton. Csnnctsfas- den 2». Zannnr. abda 7»Hr. im Saal 1 de» tvearerlkchostshanir«, kngelustr: AkttlW'VttsoilMvg Tagesordnung Die Aufgaben der De» werlschasten und dir be». rstehend» Ortsver. waltaug wähl Referent Kollege Fritz Kunze. Milgliedaduch der SPD. und de» Betdavdr» i�g'limiert. 31,3 Der grattwnevorstand. J. A.: Fritz«roll. "HeWleAs-G' 0aM'. Unterleldslelden. Syphiil». frisch u ver alter, bei Männern und Frauen. ohne Berus»st8rung. Heiivsriadren tlder M Jahre dewähii durch hnuderl, evehelll»— Sprech. u. Bchandiungszeit: 9-1. 4—l'j, Sonnlag. t—t.— Heilansiali i. e!,tlro.pdi,si,. und Lichi- Tderapie- u NaiUt-Seilverfahren. Bernn Sl)I6 BrSckenstr. tob iBahnhos Zannowitzdrllcke! prok.vr.ffied.p.Ulztöls�.Arz, ropr. I. Aast., r. a. deuiteh. llegierunb anerk. SOtdCjelg« Praxis Platin-. Gold- n. SUberbmcii 1 IU«.au, U. LYUUVIWAHUU Zahnscblsse, Uhren« Ke ten, Ringe Ä Altmetalle Boseneck, Berllii 0 Sc,,rü"e'«r-" eine Minute vom Bntinhot Frank! A lee, und Epnklllln 7tett,«sa»r. 4.1.» der Bergstr. eCUAUIUI,- PahrgetavergGtang■■ GtOBtes Absatigeblrt lur-. Sndlei .varen e» gros Eiozslrerkaol« AlaskafBcbae.Kreor- (Bchae. PalzkiageBY (CO M.«n.PelzmOntB Hstreu- Sportpelze » Heus Könlgstr. 21 (Gr onnanr Haut; ka'a Laden, II. Stock StligeniiisFIraii N< ndHiisainBirZ! zn sslrte»! 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