Nr. 45» ZH. Jahrgang Busgabe A Nr. 23 Bezugspreis: . Siertc IiöIjTl. 6 M>, tr.onotL 20,— M. Irci ins Haus, voraus zahlbar, Poll- Pezug: Mona!lick> 20.— M, euischl. Zu- stellungsgedlikr. Unter Kreuzband llir Deutschland, Dan.ua. das Saar- und Memelflebirt. sowie die ehemals deut» scheu Gebiete Polens, Oesterreich- Ungarn und Luxemburg 5t,— M., für das übrige Ausland 72,— M. Post- destellungcn nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Slowakei. Däne- mark, Holland, Luxemburg, Schweden »nd die Schweiz. Der„Vorwärts"' mit der Sonntags- bcilage„Polk und Zeit", der Unter- hattungsbeikage„Heimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telcqramin-Adresse: »Sozialvemokrot Berlin- Morgen-Ausgabe Berliner Volksblntt ( TOPffennls j Anzeigenpreis: Die zehngespaltene Ronpareillezeile tostet 9,— M.„Meine Anzeigen- da» fettgedruckte Wort».— M. lzu» lässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weiter« Wort l.50 M. 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Der Reichskanzler Dr. W i r l h hat mit seiner gestrigen großen Rede eine Debatte eingeleitet, die manches an inter- efsanten Einzelheiten und Zwischenfällen bringen mag, die aber doch des Reizes dramatischer Spannung entbehrt. Denn Herr Wirth ist nicht in den Reichstag gekommen, um zu siegen, sondern er ist dort erschienen, nachdem er schon gesiegt hatte, er muß um seine Mehrheit nicht mehr kämpfen, sondern er bringt sie als Frucht der mühevollen und zeitweilig kritischen Verhandlungen, die in den letzten Tagen geführt wurden, schon mit. Es wird vielleicht noch Gelegenheit sein, auf diese Verhandlungen zurückzukommen und die Frage zu unter- suchen, ob in ihnen die parlamentarische Maschinerie richtig funktioniert hat. Wie dem auch immer sei. Herr Wirth kann mit dem Cc» gebnis zufrieden sein. Denn seine Politik hat jetzt überhaupt keine Gegner mehr, wenn man von den Häuflein ganz rechts und ganz links absieht. Die Deutsche Volkspartei ist bereit, ihm das Vertrauen zu votieren oder doch wenigstens ein Miß- trauensvotum abzulehnen, die Unabhängigen machen zwar zur Steuerverständigung ein saures Gesicht, aber daß sie ernstlich dieser Regierung an den Kragen gehen würden, wenn sie könnten, wird gerechterweise bezweifelt. Es muß noch mehr bezweifelt werden nach der gestrigen Rede des Reichs- kanzlers, die ein erneutes kräftiges Bekenntnis zu seiner bisherigen Politik war, also zu jener Po- litik, deren geistige Vaterschaft Dittmann jüngst für die Unab- hängigen reklamierte. Abgesehen van dem sauertöpfischen Westarp, dem krakehlenden Hijllein und ihrem geringen An- hang ist schließlich jedermann im Reichstag froh, daß die Kriscnschatten vorbeigezogen sind und daß das Regierungs- schiff wieder glatte Fahrt hat. Die Verständigung über die Finanz- Politik, auf die sich die neugewonnene starke Stellung des Kabinetts stützt, ist gestern in den Nachmittagsstunden perfekt geworden. Ihr Gesicht hat sich seit vorgestern noch etwas günstiger gestaltet, so daß auch die hauptsächlichsten Bedenken der Unabhängigen ausgeräumt sein dürften. Diese hatten es in ihrer gestern nachmittag hier abgedruckten Erklärung be- mängelt, daß die Zwangsanleihe einen in Papier- nicht in Goldwert ausgedrückten Betrag erfasse. Die sozial- demokratischen Unterhändler haben aber zum Schluß noch durchgedrückt, daß aus den 40 Milliarden Papier ein Betrag im Werte einer Goldmilliarde wurde, was bei dem beutigen Kursstände etwa 50 Papiermilliaroen entspricht. Die Un- abhängigen hatten weiter getadelt, daß über die V e r z i n- sung nichts gesagt sei, jetzt ist bestimmt, daß die Zwangs- anleihe in den ersten drei Jahren zinslos bleiben soll. Auf der anderen Seite ist die U m f a tz st e u e r statt auf Vroz. auf nur 2 Proz., die Zuckersteuer statt auf 400 M. pro Doppelzentner auf 50 M. festgesetzt worden. Wer glaubt, daß ein besseres Ergebnis erzielt worden wäre, wenn die Sozialdemokraten über den Sturz der Regierung hinweg eine andere Lösung gesucht hätten? Auffällig bleibt das Verhalten der Deutschen Volks- Partei. Da es zweifellos in einem gewissen Gegensatz zu der bisherigen Politik dieser Partei steht, ist in der deutsch- nationalen wie in der kommunistischen Presse der Verdacht aufgetaucht, es sei durch das Streben nach Minister- p o st e n bestimmt. Die parteioffiziöse„Zeit" weist diesen Verdacht mit den schärfsten Worten zurück und erklärt, von der Frage, ob sich die Deutsche Volkspartei an der R e- gierung beteiligen solle, sei bisher mit keiner Silbe die Rede gewesen. Wir können diese Erklärung von unserer Seite aus nur bestätigen. Es ist uns darüber hinaus bekannt, daß infolge der letzten Ereignisse von London und Cannes ein Umschwung in der Auffassung der Deutschen Volkspartei eingetreten ist und daß sie— schon vor Abschluß des Steuer- kompromisses— bereit war, der gegenwärtigen Regierung ihr Vertrauen zu votieren. Sie wallte auf diese Weise recht- zeitig flüchten vor der lächerlichen Rolle derer, die im Irrtum beharren und die noch heute versichern, das Schönste wäre es gewesen, wenn die Franzosen im Mai v. I. das Ruhrrevier besetzt hätten. Die Deutsche Volkspartei hat eingesehen, daß jetzt die Fortführung der Politik der versuchten Erfüllung eine Rot- wendiqkeit ist und daß man um das„sichtbare Opfer des Besitzes" nicht herumkommt. Aus dieser Lage haben sie mit aller Vorsicht, deren sie fähig sind, die Konsequenzen gezogen. Daß ihre Opferwilligkeit sehr begrenzt ist und daß es notwendig bleibt, ihr gegenüber die Augen offen zu halten, darüber ist man sich in der Sozialdemokratischen Partei durch- aus im klaren. Wenn nun gestern Dr. Wirth seine Politik, gestützt auf eine starke Mehrhest und auf ein weites Finanzprogramm. vertreten konnte, so war seine Aufgabe verhältnismäßig leicht. Er hat sie überdies mit großem Geschick gelöst. Daß seine Polemik gegen den neuen Kurs in Frankreich streng im Rahmen des Sachlichen blieb und der Möglichkeit einer späteren Verständigung nicht die Türen verriegelte, hat in den Reihen der Sozialdemokratie angenehm berührt. Der Kanzler, der unter lautloser Aufmerksamkeit des übervollen Hauses etwa eine Stunde lang sprach, wahrte mit nüchterner Festigkeit die Würde des deutschen Volkes hundertmal besser, als es irgendein nationalistischer Klopffechter mit seinen hallenden Tiraden vermocht hätte. Und er setzte in glücklich gefundenen Wendungen sehr richtig das Wesen der Er- füllungspolitit auseinander, die nicht die Erfüllbarkeit des Londoner Finanzdiktats behaupten, sondern im Gegenteil durch einen ehrlichen Erfüllungsversuch seine tatsächliche U n erfüllbarkeit beweisen will. Als einer der letzten, der das nicht verstanden hat, stellte sich dem Hause der deutschnationale Graf W e st a r p vor. Als er mißvergnügt und mürrisch wie immer über die Erfüllungs- Politik zu dozieren begann, ohne die das Reich schon so viel besser dastünde, ergriff der größte Teil der Abgeordneten und der Tribünenbesucher lachend die Flucht. Auch die Ueberfülle der Diplomatenlvge verwandelte sich im Augenblick zu gähnen- der Leere. Hoffentlich darf inan das als ein Symbol dafür nehmen, daß das Ausland diese Art von Opposition nicht mehr ernst nimmt. Im wetteren Lauf dieser Rede trq) der Sozialdemokratische Parteivorstand in Erwägungen darüber ein, ob man nicht ganze Teile von ihr als Flugblatt zur R e ch t f e r t i g u-n g des Verhaltens der Sozialdemokraten beim Abschluß der Steuerverständigung herausgeben könnte. Aber rein sachlich verdient es bewertet zu werden, daß selbst Gras Westarp zum Schluß die Notwendigkeit, den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete Nordfrankreichs aus deutschen Mitteln zu bestreiten, anerkannte. Also auch auf ihn sogar hat die„Er- füllungspolitik" schon abgefärbt! Die Rede Westarps war ein noch größerer Erfolg für die Regierung als die Rede des Reichskanzlers. Denn sie bewies, daß die Opposition zurzeit überhaupt so gut wie nichts zu melden hat. Heute um 1 Uhr wird die Debatte fortgesetzt. Es werden sprechen: Für die Sozialdemokratie Genosse Hermann Müller- Franken, für das Zentrum Marx, für die Un- abhängigen B r e i t s ch e i d, für die Deutsche Volkspartei V ivg l e r, für die Demokraten Petersen, für die wilden Kommunisten Klara Zetkin und für die zahmen Paul L e v i. Das Ergebnis kann, wie gesagt, nicht zweifelhaft sein. Vorher, um 11 Uhr vormittags, tritt der Auswärtige Ausschuß zusammen, um über die Reparationsnotc zu beraten, die am Abend abgeschickt werden soll. ISO. Sitzung, Donnerstag, 6 Uhr abends. Die Ausgaben zur Förderung des Nachrichtenwesens im In- lande sowie für Uebergangsmaßnahmen zur Umwandlung geeig- ncter ehemaliger Bildungsanstalten in bürgerliche Reichsbildungs- anstalten werden genehmigt. Es folgt die Entgegennahme der Erklärung der Neichsregierung: Reichskanzler vr. Wirth: Als die Reichsregierung in ihrer jetzigen Zusammensetzung am 26. Oktober mit einer programmatischen Erklärung vor den Reichs- tag trat, vertrat ich im Namen des Kabinetts die Meinung, daß die inner« und auswärtige Politik, die am 21. Mai eingeschlagen wurde, in ihren Grundlinien auch in der neuen Lage fortgeführt werden müsse, auch dann, wenn die ungünstige Entscheidung des Obersten Rates über Oberschlesien eine neue Lage geschaffen hat. Diese Politik bedeutet, kurz zusammengefaßt: Erhaltung und Wiederausbau des Reiches, Ueberwindung der wirtschaftlichen, sozialen und moralischen Kriegsschäden, innere Konsolidierung der Nation. In der auswärtigen Politik: Mitarbeit Deutschlands an der Herstellung eines wahren Friedens in der Welt. Als Mittel hierzu dient unsere feste Bereitwilligkeit, die Leistungen Deutschlands aus dem Friedensvertrage und seinen Ergänzungen bis zur Grenze des Leistungsmöglichsn zu erfüllen. Im Mittelpunkt aller Probleme steht die Frage der Reparation?- kosten, die eine Frage der äußeren wie der inneren Politik ist. Ge- rade der Reparationssrage hat in den letzten Wochen die Haupt- sächlichste Arbeit und Sorgfalt der Regierung gegolten. Entsprechend unserem Programm der Leistungen richtete die Regierung am 2 5. November, nachdem si« festgestellt hatte, daß die am 15. Ja- nuar und 15. Februar fälligen Leistungen aus unseren Reparations- Verpflichtungen aus laufenden Mitteln nicht bezahlt werden können, an die Bank von England das Ersuchen, Deutschland seine Zahlungen durch eine langfristige Anleihe von 500 Mil- liarden Goldmark oder entsprechend kurzfristige Bankkredite zu«rmöglichen. Dieses Gesuch ist von der Bank von England mit der Begründung abgelehnt worden, daß unter den Bedingun- gen, die zurzeit die Zahlungsbedingungen Deutschlands beherrschen, ein Kredit in England nicht erhälllich.(Lebh. Hört! Hört!) Damit war zum erstenmal festgestellt worden, daß die Deutschland auf» erlegte Last seine Kreditwürdigkeit vernichte, solange diese Zahlung?- Verpflichtungen nicht geändert sind. Die deutsche Regierung zog aus dieser Antwort die Folgerungen, daß sie an die Reparations- kommission ein G e s u ch u m S t u n d u n g der im Januar und Februar fälligen Barzahlungen richtete. In Cannes wurden die Zahlungen von der Reparationskommission unter einer gewissen provisorischen Regelung gestundet und die endgültige Be» schluhfassung über eine Aenderung des Zahlungsplanes für 1921 von der Vorlegung eines Reform Programms innerhalb von 14 Tagen seitens der deutschen Reichsregierung abhängig gemacht. Dieses Programm wird in Form einer kurzen Denkschrift morgen an die Reparationskommission abgehen. Bekanntlich war der offi- zielle Schritt der deutschen Regierung von aufklärenden Be- sprechungen von. privater deutscher Seite mit Wissen der Re- gierung in London und dann in Paris begleitet. Dr. Ralhenau hat sich in dankenswerter Weise und mit Einsetzen seines ganzen Wissens und Könnens der Aufgabe unterzogen, endlich mit den ehemaligen Gegnern in eine nähere Berührung zu kommen und viele Mihverständnisie und unzulängliche Aussassungen über unsere Lage zu beseitigen, die bisher-ine vernünftige Regelung unserer Beziehungen zum Ausland erschwerten. Herrn Dr. Rathenau ge- bührt deswegen ein warmer Dank im Hamen des deutsche« Aalre» (Lebh. Bestall), für die Aufopferung, mit der er sich diesem Dienst« unterzogen hat. In Cannes ist es uns zum erstenmal gelungen, in freier Weis» und ander» als in einem Leryör die wahr« Lage Deutschlands auf der Konferenz auseinanderzusetzen. Diese Kon- serenz hat Deutschland zn einer nächsten Konferenz eingeladen, auf der die gesamte Weltwirtschaftslage und die Probleme einer Erneue- rung friedlicher internationaler Wirtschaftsbeziehungen, sowie die mitteleuropäischen Fragen und die Frage Rußlands beraten werden sollen. Bon der Konferenz in Genua hoffen wir, daß durch eine Vertiefung der weltwirtschaftlichen Pro- bleme und Zusammenhänge auch die Reparationsfrage immer mehr dort in ihrer vollen Bedeutung erkannt wird und dadurch die von j uns erstrebte Lösung gefördert wird. Wir werden nach Genua kam- men nicht etwa mit dem Dolch, im Gewände(Heiterkeit rechts). ' sondern mit offenem Visier und mit der Devise: Verständigung aller � Nationen, der Sieger und der Besiegten mit dein gemeinsamen Ziel der Viederherftellang internaiisnaler wirtschaftlicher Beziehungen. �(Lebhafter Beifall links und in der Mitte.) Nur in diesem Sinne habe ich kürzlich auf der Tagung der Zentrumspartei von einem „Erfolg t' auf der Konferenz von Cannes gesprochen, was der französische Ministerpräsident in der Kammer so ausgelegt hat, als ob ich die Konferenz als ein Mittel aufgefaßt habe, um dort in erster Linie das Reparationsprogramm aufzurollen. Ich möchte im Anschluß daran noch einiges sagen über das, was wir in der letzten Zeit aus unserem westlichen Nachbarlande gehört haben. Der stanzösische Kabineitswechsel ist fast in der ganzen Welt, nicht nur in Deutschland, als ein Symptom dafür angesehen worden, daß in der Wiederherstellung eines dauern- den politischen und wirtschastlichen Einoernehmens Rückschläge kommen können.(Sehr wahr!) Es steht der deutschen Regierung nicht zu, derartige Prognosen aufzustellen, sondern ich bin der Mei- nung, daß d'e deutsche Regierung jeder französischen Politik gegen- über, ob si« von Herrn Briand oder von Herrn Poincar«, die- selbe Haltung einzunehmen hat, nämlich die des ehrlichen Friedenswillens und der aus nüchterner Erkenntnis der realpoiitifchen Machtverhältnisse andererseits sich er- gebenden Bereitwilligkeit zur Erfüllung unserer Verpflichtungen, die nur irgend in unserer Macht steht. Die Beurteilung unseres aufrichtigen Willens ist natürlich abhängig von der Sinnesart d«r Politiker und Staatsmänner, mit denen wir uns auseinanderzusetzen haben. Ich kann es deshalb nicht unterlassin, mich mit den Aus- führungen des französischen Ministerpräsidenten, die er nach der Uebernahme seines Amtes gemacht hat, zu besästiftigen. Ich werde ihm nicht aus das unfruchtbare Gebiet historischer Erörterungen sol- gen. Das erschwert nur die Lösung lebenswichtiger Probleme. Dies« Fragen werden auch von unserem Volke mit dem starken Ruf« nach Gerechtigkeit erörtert. Ich bin überzeugt, daß die Entwicklung diesen Lauf nehmen wird, aber es gilt jetzt, die Grundlage für eine friedlich? und glückliche Zukunft Deutschlands. zu suchen und zu finden.(Zustimmung.) Herr Poincare hat zum Eingang seiner ersten Rede in der Kammer erNärt, Deutschland Müsse endlich an- fangen, sein« Verpflichtungen zu erfüllen und die angerichteten Schäden wieder gutzumachen. Wenn damit, der Eindruck erweckt werden soll, daß Deutschland noch gar nicht begonnen habe, seine Reparationsverpslichtungen zu erfüllen, so muß ich dem laut und energisch widersprechen.(Sehr wahr!) Wenn man das von Herrn Poincare hört, muß man annehmen, daß man in Frank- reich tauben Ohren predigt, diese Vorwürfe beruhen auf einer völligen Berkennung der ökonomischen Grundlagen der deutschen Entwicklung in der letzten Zeit. Poincare hat weiter behauptet, Deutschland erhöhe wenigerSteuern alsFrankreich und suche künstlich einen Staats bankrott herbeizuführen. Diese Auffassung kann der nicht teilen, der die deutschen Derhällnisie an Ort und Stelle u n- voreingenomme» studiert hat. In der Aufklärung Mer W wirtschaftliche Lage tn Deutschland, über die Lage der Weltwirt- schaft überhaupt klafft da noch eine Lücke, die wir zu schließen be- mühr sein werden. Wir werden unsere finanzielln und wirischaft- lichen Berhältnisse, wie man uns aufgetragen hat, genau darlegen, obwohl wir hätten annehmen dürfen, daß schon durch unsere bis- Simgen Darlegungen wenigstens einige Irrtümer hätten aufgeklärt ein können. Der Erfolg wird davon abhängen, wie unsere Auf- klarungen wirken werden. Mehr aber noch wird es darauf an- kommcft, ob Frankreich sich überhaupt aufklären lassen will.(Sehr wahr!) Schwer wird es freilich fein, in Deutschland für eine in dieser Beziehung optimistische Auffassung einzutreten, wenn man die Stellung des französischen Ministerprüsi- denten in der Frage der sogenannten Kriegsschuldigen steht. Er stimmte dem Borschlage der Kammer zu, die deutsche Regierung aufzufordern, die Angeklagten den Alliierten zur Aburteilung aus- zuliefern.(Lebh. Pfuirufe.) Soweit damit. Wenn dem Spruch des Obersten deutschen Gerichtes der Borwurf der Parteilichkeit gemacht wird, muß er mit aller Schärfe zurückgewiesen wer- den.(Sehr richtig!) Ich kann nicht annehmen, daß der Oberste Rat dies Verlangen als berechtigt anerkennen wird. Es wird jedenfalls keine deutsche Regierung geben, die den Versuch machen wollte, die AttslieWung zwangsweise durchzuführen.(Stürmischer Beifall bei der Mehrheit.— Abg. Adolf.<) offmann(Komm.) Die Ver- brecher freuen sich immer!— Präsident Löhe ruft den Abg. choff- mann zur Ordnung.— Unruhe links.) Die französische Regierung will noch andere Fragen benutzen, um von neuem da System der Garantien und Sanktionen anzuwenden. Wir werden diesem negativen und unfruchtbaren Programm ein p o s i t i v es Programm entgegensetzen, das hoffentlich die öffentliche Meinung in Frankreich eines Besseren belehren und befriedigen wird. Das Wichtigste darin ist ein v- baldiger Aufbau der zerstörten Gebiete Nordfrankreichs� Das von Loucheur und Rathenau zustande ge- brachte Wiesbadener Zl b k o m m e n ist vor allein dazu be- stimmt gewesen, dem französischen Wunsche noch Wiederaufbau der zerstörten Gebiete in den allernächsten Iahren Rechnung zu tragen. Auf innerpolitischem Gebiete ist die Regierung bemüht, einerseits durch neue Steuern die Einkünfte dös Reiches zu vermehren, andererseits die Ausgaben zu verringern und die hauptsächlichsten und schwersten Defizite des Etats zu beseitigen. Die neuen Steuergesetze haben den langen und schwierigen Weg durch die Ausschüsse hinter sich und werden in aller. nächster Zeit dem Reichstage zur Beschlußfassung zugehen. Das Ge- samtaufkommen unserer Steuern überhaupt nach Annahme der Steuergesetze wird auf rund l0S Milliarden Mark geschäht, gegenüber dein Etat für 1321 mit 85 Milliarden Mark. Zur Cr- reichung dieses Zieles war ein Kompromiß nötig, das heute zu- stände gekommen ist.(Gelächter bei den Deutschnationalen.) Diesem Kompromiß habei. sich die Partelen der Mehrheitssozial. demokratie bis zur Deutschen Volkspartei ange» schlössen. Es ist wie folgt zustande gekommen: 1. Der Zuschlag zur Reichsvermögenssteuer soll 200 Proz. betragen. Dazu soll eine Zwangsanleihe in Höhe von 1 Mil- liarde Mark Goldmark aufgebracht werden. Diese ist in den ersten drei Iahren unverzinslich. 2. Die N a ch k r i e g s st e u e r n, die ein nicht genügendes Auf- kommen ergeben, sollen fallen gelassen werden. 3.. Bei der Umsatzsteuer soll ausnahmslos ein Satz von 2 Proz. zur Anwendung kommen. 4. Die Kohlen st euer soll grundsätzlich �0 Proz. betragen, Mit der Möglichkeit der Anpassung an die Wirtschaftslage. 8. Die Z u ck e r st e u e r soll mit Rücksicht auf die starke Vor- belastung des Verbrauchs und die Umsatz- und Kohlensteucr und mit RülMicht? guf die Bedeutung des Zuckers für die Säuglingsernährung auf SO M. für den Doppelzenmer festgesetzt werden. d 6. Die Zölle auf Kaftee, Tee, Kakao sollen nach den Dorschlägen des Reichswirtschaftsrats bemessen werden. 7. Bei der B i erste u e r sollen die Beschlüsse erster Lesung aüfrechteryollen werden. 8. Die Einheit der Gesomtsteuervorlage soll durch ein Mantel- gesetz gewährleistet werden; in diesem sollen die Borschriften über die Zwangsanleihe Aufnahme finden. Im Anschluß an dieses große Gsfetzgcbungswerk(Gelächter bei den Deutschnationalen) und mit Rücksicht auf die riesige Geld- e n t w e r t u n g muß im Interesse einer möglichst schleunigen Durch- Die Sache öer Gerechtigkeit. Personen: Der Patriot. D»? neutrale Gelehrte. Der Patri ot: Mein Besuch, Herr Professor, bezweckt, daß Sie sich mit der ganzen Autorität Ihres Namens für die Sache meines Landes einsetzen. Der Gelehrte: Wie käme ich dazu? Der Patriot: Weil die Sache meines Landes die Sache der Gerechtigkeit und damit der ganzen Menschheit ist. D e r G e l e h r t e: Es ist eine verzeihliche menschliche Schwäche, daß jeder die Sache seines Landes für gerecht hält. D e r P a t r i o t: Ich bin frei davon. Mein glühender Eifer wurzelt in der felsenfesten Gewißheit, daß die wahre, die wirk- l i ch e, die einzige Gerechtigkeit auf unserer Seite ist. Der Gelehrte Sehen Sie sich vor. Der Satz„Recht oder Unrecht— mein Vaterland' atmet gewiß barbarische Urwüchsigkeit ubd steht im Gegensatz zu jeder tieferen Ethik. Aber er gibt seinen Anhängern eine sicher? Grundlag«. Daß Ihr Land Sie geboren hat, daß Sie seine Sprache sprechen, ist unumstößliche Tatsache. Der Glaube an das Recht Ihres Landes aber könnte sich eines Todes als falsch erweisen, und dann ständen Sie vor dzr peinlichen Notwendigkeit, gegen Ihr eigenes Land Partei ergreifen zu müssen. Der Patriot: Das Recht und die Unschuld meines Landes stehen für mich so felsenfest, daß ich Ihnen ohne Zögern antworte: An dem Tage, wo dieses Recht sich als Unrecht erwiese, würde ich jede, auch die letzte Konsequenz aus der neuen Erkenntnis ziehen. Der Gelehrte: Ein kühnes Wort, ein tapferes Wort. Aber die Gegenseite sieht bekanntlich die Sache ganz anders an. Sie stellt Behauptungen auf. wonach gerade Ihr Land eine große Schuld an der Entstehung des Krieges trifft. Der Patriot: Verdrehungen, Schwindel!(Zieht eine Broschüre aus der Tasche.) In dieser Schrift sind alle Behauptungen der Gegenseite widerlegt. Der Gelehrte: Ich gebe zu, die Dokumente sind Zweifel- Haft. Es könnte jedoch ein Dokument existieren— Ihnen und der Welt heute noch unbekannt—, aus dem unzweifelhaft und unwider- leglich eine furchtbare Schuld Ihrer Regierung her- vorgeht. Der Patriot: Hypothese! Der Gelehrt e: Doch mehr als Hypothese. Ich habe von einem solchen Dokument reden hören. Der Patriot: Fälschung! Der Gelehrte: Seine Echtheit ist unerschütterlich. Der Patriot: Und aus ihm sollte hervorgehen... Der Gelehrte:... daß die Regierung Ihres Landes den Krieg absichtlich und frivol herbeigeführt hat. Der Patriot: Haben Sie dies Dokument gesehen? Der Gelehrte: Ich habe es gesehen. Der Patriot: Ich aber werde nicht daran glauben, als bis i ch es gesehen habe. Der Gelehrte: Das Vergnügen können Sie haben. Der Patriot: Was heißt das? Der Gelehrte: Das Dokument befindet sich in meinem Zvesitz. führung der Gesetzgebung auf das Bedürfnis der Steuerverwaktung unter möglichster Vereinfachung der Gesetzgebung Rücksicht genommen werden. Lloyd George meinte in einer Rede, die Welt könne nicht gesunden, wenn nicht das Vertrauen von Volk zu Volk, von Regierunq zu Regierung, von Volkswirtschaft zu Volkswirtschaft wiederkehre. Ich nehme fein Wort vom internationaftn Vertrauen auf als ein großes politisches Be- kenntnis. Der Kriegsgcist soll mit dem Kriegsbeil begraben werden, das ist die Hoffnung der Völker. Durch die Politik der Macht, der Gewalt und der Drohungen, die 7 Kriegsjahre lang geherrscht hat, ist die europäische Staatenwelt, insbesondere wirtschaftlich, in Trümmer gegangen. Die wirtschaftliche Not in allen Ländern wächst; selbst bei den Siegern. Die wirtschafiliche Vernunft muh wiederkehren. Die jetzige Arbeitslosigkeit ist eine deutliche Warnung, Unter den unmöglichen Zahlungsverpflichtungen Deutschlands kann die Weltwirtschaft üüberhaupt nicht bestehen. Sie ist ein Organismus, bei dem die Schwächung eines Teiles auf die Dauer zur Schwächung des Gesamtorganismus führen muß. Die jetzigen Reparationsforderungen haben den Welthandel in die größte Verwirrung gebracht. Die Ueberspannung der Reparationsaufgaben muß unausbleiblich zu einer großen Not des arbeitenden Volkes in allen Teilen der Welt führen. Die Gewaltpolitik ist keine Politik der Dauer. Sie führt zur Katastrophe der Weltwirtschaft. Der Weg zur Rettung der Welt aus der harten Not der Zeit kann nur zu einem dauerhaften Frieden führen auf dem Wege der Ver- ständigung und der wirtschaftlichen Vernunft. Nachdem sich die Atmosphäre gereinigt hat, können die Männer der Wirtschaft zu- sammentreten, sie müssen die weltwirtschaftlichen Tatbe- stände ruhig durchstudieren, unter Zurückstellung aller nationalen Leidenschaften und das Ziel eines wahrhaften Wiederaufbaus ver- folgen. Wie die Weltwirtfchastskonferenz ausgehen wird, wissen wir nicht. Weitestgehende produktive Beseitigung des Erwerbslofenelcnds wird ein Hauptziel von Genua fein müssen. Mit den anderen Mächten sind wir, wie ich glaube, darin eins, daß der Wiederaufbau Rußlands nur im Einvernehmen mil Rußland durchgeführt werden kann. Wir hegen die größten Bedenken gegen eine Politik, di? Ruhland wie eine Kolonie betrachtet und be- handeln würde, Namens der Reichsregierung des deutschen Volkes beklage ich, daß in dem Papst Benedikt XV. der vornehmste Förderer des Friedens die Welt verlassen hat.(Redner verliest die Friedenskundgebung des verstorbenen Papstes am 1. August 1917 an die Oberhäupter der kriegführenden Völker.) Damals ist dieser Appell u n g e h ö r t verhallt. Er ist aber heute noch ebenso dring. lich wie damals. Ich richte ihn ebenso dringend an alle, von denen der Frieden der Welt abhängt: Macht das Wort wahr: Fried« auf Erden!(Unruhe und Zwischenrufe links.) Aber der Friede ist nur denen beschieden, di« guten Willens sind.(Sehr richtig! bei der Mehrheit.— Unruhe links) Diesen guten Willen haben wir gezeigt und werden ihn weiter zeigen.(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Das Haus trist sofort in die Besprechung der Regierungs- erklärung ein. Abg. Graf Westarp(Dnatl.): Ich möchte die Aufmerksamkeit von den allgemeinen Redensarten des Reichskanzlers zu ernsteren Fragen abkehren. (Große Unruhe und Zurufe bei der Mehrheit.) Wir protestieren aufs schärfste gegen die unparlamentarische Behand- l u n g der Antwort an die Rcpara'ionskommission. Mit der Uebcr- gehung des Reichstags hat sich das parlamentarische System selbst das schlimmste Urteil gesprochen. Die Konserenz von Genua ist für uns mehr eine Gefahr als ein Erfolg. Die neuen Garantien, die Sie dem Fcindbund anbieten, find eins objektive Un ehrlich- k e i t. Wir versagen dieser unmöglichen Politik unsere Zustimmung. (Während der Rede des Abg. Graf Westarp erlitt die Abgg. Frau Z i e tz(U. Soz.) einen Ohnmachtsanfall und mußte au« dem Saal getragen werden.) Nach der Rede Westarps vertagt sich das Hous auf Freitag t Uhr: Kleine Anfragen. Weiterberatung. Schluß%9 Uhr. Polikik und Geschäft. Zu dieser Notiz ersucht uns der Moden- zeitungsverlag W. Bobach u. Co., Dessauer Str. 34, mitzuteilen, daß er mit dem Kunstverlag Willy Vobach, Dessauer Slr. 38, von dem das durch uns kritisterte Rundschreiben ausging, nichts zu tun hat. Der besagte Willy Vobach ist seit 1. Juli 1920 aus der Firma W. Bobach u. Co. ausgeschieden. Der Patriot: Nicht möglich! Der Gelehrte: Dort in jener Schublade liegt es. Der Schlüssel steckt. Bedienen Sie sich. Der Patriot(springt wie ein Wahnsinniger zur Schublade): H e r d a m i t!(Er reißt ein Bündel Papiere heraus und wirft sie mit Blitzesschnelle in das Kaminfeuer, wo sie auslodern. Nachdem sie verbrannt sind, ausatmend.) Gottlob, diese Gefahr wäre beseitigt! Der Gelehrte(sehr ruhig):' Lieber Freund, was Sie eben verbrannt haben, ist ein Haufen alte Rechnungen. Das Dokument, von dem ich sprach, besitze ich natürlich nicht. Seine Erfindung entschuldigen Sie wohl, weil ich auf experimentellem Wege die Tiefe Ihres Gerechtigkeitsfanatismus erkunden wollte. Das Experiment ist geglückt. Sie haben offenbar keine weiteren Mitteilungen an mich. Der Patriot(verläßt ziemlich begossen das Zimmer). (Nachwort des Verfassers: Diese kleine Szene kann in jeder europäischen Sprache aufgeführt werden, ohne an welthistorischer Treue zu verlieren.) Atta Troll. Nikischs Tolenfeler. Gestern nachmittag fand die E i n ä s ch e- r u n g der Leiche N i k i s ch s auf dem Leipziger Südfriedhof statt. Wie das„Leipziger Tageblatt" berichtet, widmete in der Kapelle, wo die Familie und die Mitglieder seines Orchesters waren, als ein- zigcr Sprecher Dr. Arthur Nikisch, des Meisters ältester Sohn, den der Vater am letzten Lebenstage darum gebeten halte, diesem einen Nachruf. Er sagte ihm Dank für die viele Liebe, die von ihm er- wiesen worden sei. Sein Leben sei nächst der Kunst seinen Freunden in immer großer Güte gewidmet gewesen. Am Dirigentenpult habe er sich nie schwach und krank gefühlt, er habe den Körper vergessen. Schon nach dem legten Konzert in Berlin hätten sich die Vorboten der tückischen Krankheit gezeigt, aber er habe noch nichts von Ruh» und Schonung wissen wollen und habe nochmals in Leipzig vor dem Orchester gestanden. Er habe stärker sein wollen als der Tod, aber der Tod fei stärker als wir alle. Dann erklang das Adagio für zwölf Celli von Julius Klengel, das Nikisch für diese Stunde bestimmt hatte. Nach dem Adagio setzte die Orgel ein, und der schwarzoerhüllte, mit weißen Blumen bedeckte Sarg sank in die Tiefe. Ein Wolkenkratzer in Kassel. Aus Kassel wird uns ge> schrieben: In der Hauptstadt der Provinz Hessen-Nassau har sich ein Konscrtium gebildet, das bezweckt, auf dem Platze der ehe- maligen Garde-du-Corps-Kascrne einen Wolkenkratzer zu er- richten. Es soll, um der Wohnungsnot zu steuern, ein Turmbau entstehen, der die Bureaus aufzunehmen bat. Die Baukosten sind mit 80 Millionen Mork veranschlagt. Die Stadt Kassel, der Be- zirksverband für den Regierungsbezirk Kassel und verschiedene Korporationen des Handels und des Handwerks bewilligten B-iträge zu den Entwürfen. Das Unternehmen ist, wie verlautet, gesichert. Eine„Deutsche Akademie des Städtebaues?" Der Ausschuß des Bundes deutscher Architekten beschäftigte sich dieser Tage in einer Sitzung, zu der Vertreter aus allen Bezirken des Reiches an- wesend waren, auch mit der Gründung einer Deutschen Akademie des Städtebaues. Bei der Gründung, die unter Leitung des hin- �uriftenreform. Wie die PPN. hören, hat der preußische Kultusminister im Einvernehmen mit dem Ministerium des Innern und dem Justizministerium ein Reformprogramm über die Vor- bildung der preußischen Beamten der Justiz und der inneren Verwaltung ausgearbeitet. Als wesentlichste Gesichtspunkte dieses Reformprogramms könen folgende Ge- danken bezeichnet werden: Die wachsende Verknüpfung von Recht und Wirtschaft verlangt die stärkere Betonung wichtiger Rechtsgebiete im Studiengang: ins- besondere muß die wirtschaftliche und öffentlich-recht« liche Vorbildung der Juristen und Verwallungsbeamtcn ver- tieft werden: finanzwissenschaftliche Probleme und wichtige oer- waltungsrecblliche Materien(Arbeitsrecht, Sozialversicherung, Ge- werberecht, Steuerrecht usw.) brauchen Raum. Andererseits brauchen unbeschadet des anzuerkennenden Wertes der rechtsgeschichtlichen Darbietungen die Prozeßrechte nur in den Grundlagen ge- lehrt zu werden. Durch Vorlesungen und auf das Wesentlichste be- schränkte Ergänzungsvorlesungen kann weiter Raum für die nach Neigung, Anlagen und Arbeitsziel zu wählenden Sonderstudien ge- schaffen werden. Eine straffe Durchführung der konservatorischen Methoden wird diesem Ziel zustreben. Das für Justiz- und Ver- waltungsjuristen gemeinsame Studium soll eine gemeinsame Prüfung abschließen. Als wesentliche Neuerung ist hier die Ab- legung des mündlichen Teils der Prüfung in zwei zeitlich dicht folgenden Terminen vorgesehen, deren erster im wesentlichen im engeren Sinn« des Wortes juridische Fächer umfassen soll, während im zweiten das öffentliche Recht und die wirtschaftlichen Staats» Wissenschaften geprüft werden sollen. Der großen Schwicriokeit, in der knappen Zeit von sechs Semestern die theoretische Schulung für die besonders verantwortungsvolle gerichtliche Tätigkeit zu vollenden, will die Regierung dadurch gerecht werden, daß die Re- ferendare nach etwa 2 Jahren der praktischen Borbereitung zu einem auf 6—3 Monats bemessenen zweiten akademischen Studium gebracht werden. Man geht kaum fehl, wenn man in dieser Iuristenreform einen Erfolg des Vereins für Sozialpolitik erblickt, der auf seiner letzten Tagung gute Anregungen für eine Stu- dienreform der Juristen und höheren Verwaltungsbeamten gab. Bei geeigneter Durchführung kann die von der Regierung eingeleitete Reform des juristischen Studiums grundlegende Bedeutung erlangen. Auch in bürgerlichen Kreisen wuchs in letzter Zeit die Erkenntnis, daß zwischen unserer Justiz und dem Volk eine Kluft besteht, die dazu beiträgt, die Autorität des Staates und das Ansehen der Gerichte zu untergraben. Es ist nicht lediglich eine Phrase, wenn man von der Welt» fremdheit der Richter spricht. Eine Erweiterung des Gesichtskreises der Rechtsbeflisienen nach der Volkswirt- schaftlichen Seite hin wird zweifelsohne dazu beitragen, gewisse Gegensätze und Starrheiten zu mildert), wenn es auch Haupt- bedingung bleibt, daß sich der Geist von einer überlebten Tradition loslöst. Auch für die Verwaltung, die bislzer von 9<1 Proz. Nurjuristen und 10 Proz. Volkswirtschaftlern betreut wurde, ist es eine Genugtuung, wenn Volkswirtschaft und Rechtslehre enger aufeinander eingestellt werden. Vom Standpunkt der Studierenden aller- dingz läßt sich nicht verkennen, daß die Neuordnung manche Härten in sich birgt. Die Nurvolkswirtschaftler konnten bislang nach dreijähriger Studienzeit in das praktische Leben treten; wenn dem auch westerhin nichts im Wege steht, so läßt stch doch nicht verkennen, daß ihnen in Zukunft in dem volkswirtschaftlich durchgebildeten Juristen ein wahrscheinlich nicht ganz bequemer Konkurrent erwächst. Für die I u r i st e n bedeutet: der Entwurf eine neue Verlängerung ihrer an sich bereits sehr ausgedehnten Studien- und Lehrzeit und den Minderbemittelten schrecken weitere materielle An- spräche vor dem Studium der Rechtswissenschaften zurück. Demgegenüber muß allen Ernstes die Frage erhoben werden. ob es nicht an der Zeit ist, mit dem System des Refe- rendars als unbesoldeten Volontär zu brechen. länglich bekannten wilhelminischen Burgenbauerz Bodo Ebhardt steht, wird die Absicht verfolgt, 18 Architekten als Aus- lese über die deutsche Fachwelt hinauszuheben. Dies Vorhaben erregt um so mehr die Verwunderung weiter Kreise der deutschen Architektenschaft, als es lediglich der privaten Initiative einiger Berliner Architekten entspringt. Auch der Name„Deutsche Akademie des Städtebaues" könnte irre führen. Der Ausschuß des Bundes beschloh, vorläufig eine abwartende Stellung einzunehmen und behäst sich endgültige Schritte vor. Der englische Astronom William Ehristie ist im Alter von 77 Iahren gestorben. 1881 wurde er zum Direktor des wclt- berühmten Observatoriums in Greenwich berufen. Diese Stätte der astronomischen Wissenschaft, deren Leitung Ehristie mehr als 40 Jahre innehatte, verdankt ihm im wesentlichen den Ausbau der Stern- warte zu einem Institut, das an Gebäudeumfana und Ausstattung mit modernen wisienschaftlicben Instrumenten kaum von einem anderen Observatorium der Welt erreicht wird. Besonders große Erfolge erzielte der verstorbene Astronom auf dem Gebiete der Sternphotographie und der Beobachtung von Sonnen- f i n st e r n i s s e n. Geheimnisvolle Abreise des„Btuc Roy". Das bedeutendste Werk der englischen Bildnismalerei, Eoinsboroughs„Blue Boy" l Blauer Knabe) verläßt England Ende dieser Woche, um seinem neuen amerikanischen Besitzer zugeführt zu werden. Die Ueberfobrt des Gemäldes vollzieht sich unter den geheimnisvollsten Sichcrheits- mahstahmen. Der Name des Schiffes, mit dem der„Blue Boy" reist, wird völlig geheim gehalten. Ebenso kennt niemand das Datum der Abfahrt, und auch an Bord des betreffenden Dampfers wird niemand wissen, daß der blaue Knabe zu den Passagieren zählt. Während der Ueberfahrt ist das Bild einem Angestellten der Kunst- firma Gebr. Duveen anvertraut, der Befehl hat, weder bei Tage noch bei Nacht das Bild zu verlassen. Geaen die Gefahren der Ueberfahrt wurde der„Blue Boy" mit etwa 130 000 Pfund Sterling versichert. Geburtenabnahme in England. Nach den neuesten Mitteilungen des Britischen Statistischen Amtes haben die Gsburtsziffern für 1321 in England und Wales einen starken Rückgang aufzuweisen. Es wurden etwa 830 000 Geburten verzeichnet, also rund 100 000 weniger als im Jahre 1320. Es ist dies die niedrigste Geburten- Ziffer feit dem Jahre 1878 mit alleiniger Ausnahme der Kriegs- jähre von 1313— 1918. Andererseits ist aber die Zahl der Todes- fälle mit 460 000 die niedriasts, die seit dem Jahre 1862 festgestellt wurde. Der Ueberschuß der Geburten über die Todesfälle betrug im Iohre 1321 nur 400 000 gegen fast 500 000 im Jahre 1320. Die Steigerung der Geburten nach dem Kriege Hot also wieder aus» gehört, und die Geburtenziffer fällt unter den Borkriegsstand. Tie Galerie Vdnard?chiilte bnogf in lSrer neum AnSNevung oufecr einer Sammlung der Berliner 51 ü n st l e r g r» v v« Jag» und Sport noch umlangreiche Kolleitionen von Pi ofeffor SI u g u st von Brandis. Aachen, Prof. Otto H. Engel. Berlin, Profeflor Philipp Franck- Wannsee, Katl He st m e r t- Berlin, Otto Thiele- Berlin und Pros. Robert Weise- Starnberg. Regierungskrise in Wien. Annahme des Vertrages von Sana. Dien. 26. Zanuar.(DIB.) Der Nalionalrak hak dos polliisdje Abkommen mit der Tschechoslowakei in namentlicher Abstimmung mit 104 Stimmen der Sozialdemokraten und Ehristllch- Sozialen gegen 23 Stimmen der Grohdeulschen aage- n o m m e n. Der Bundeskanzler Schober erklärke nach eingehen- der Polemik gegen die Grohdeulschen, daß er der wiederholten Auf- sorderuog der Grohdeulschen Bolkspartei, zu demissionieren, unmittelbar nach Schluß der heutigen Hlhung nachkommen werde. Dr. D i n g h o f e r(Grohdeulscher) erklärte in seiner Rede, daß die Hauptursache des österreichischen Elends der unglückselige Friedensvertrag sei, an dem die Hauptschuldigen K r a- marsch, Benesch und M a s a r y k seien. Angesichts der tag- täglichen Drangsalierungen der Deutschen in der Tschechoslowakei finde es die österreichische Regierung richtig, gerade mit der Tscheche- slowakei als ersten Staat ein politisches Abkommen zu schließen und darin noch dazu den Friedensvertrag von St. Germain freiwillig an» zuerkennen. Bundeskanzler Schober sagte gegenüber dem Dorwurf der Großdeutschen, daß er ebensogut deutsch fühle wie sie und in seinem Herzen die deutsche Flamme ebenso rein und hell brenne. Er habe niemals den Beifall der Entente erstrebt, aber den Beifall und das Vertrauen der Dsutfchösterreicher. Der englisch-belgische Schtiiwertrng. Paris. 26. Ianuar.(BJXB.).Petit Parisien" veröffentlicht den Text des geplanten englisch-belglschen S ch u h v e r- k r a g s. Der Entwurf, der augenblicklich der Prüfung des Londoner Kabinetts unterliegt, hat folgenden Wortlaut: Im Hinblick darauf, daß das belgische Gebiet, das zwischen Deutschland und Frankreich liegt, in besonderer weise exponiert ist. und im Hinblick darauf, daß Deutschland, um Frankreich anzu- greifen. Ansang August 1314 in Belgien eingebrochen ist. sowie im Hinblick darauf, daß Belgien noch unter den durch Einfall und Be- sehung verursachten Schäden leidet, haben der englische König und der König von Belgien sich zu folgendem Abkommen entschlossen: Art. 1. Im Falle eines direkten und provozierenden Angrisf» auf Belgien wird Großbritannien Belgien sofort mit allen Streitkrösteu zu Wasser, zu Lande und in der Lust zu Hilfe eilen. Art. 2. Belgien wird alle seine militärischeu und Luftstreitkräfte verwenden, um seine Grenzen im Falle eines Angriffs oder einer Verlehung seines Territoriums zu verteidigen. Belgien wird keinen Vertrag schließen oder kein Abkommen treffen, das mit diesem Abkommen unvereinbar ist. Heute Deutschland-Tebatte in Paris. P a r i s, 26. Januar. swTB.) heute vormittag hat unter dem Vorsitz Poiucares ein Kabinettsrat stattgefunden. Die Re- gierung hat beschlossen, die Kammer zu ersuchen, die Debatte über die von Deutschland zu erstattenden Ausgaben auf der Tagesord- nung für die morgige Sitzung an die zweite Stelle zu rücken. In erster Linie werde über die Sanierung der Banque industrielle de Chine verhandelt werden. Paris, 26. Januar.(MTB.) Der Senatsausfchuß für aus- wärtige Angelegenheiten hat mit IS gegen 14 Stimmen den radikalen Senator Doumergue zum Vorsitzenden gewählt. Die 14 Gegen- stimmen sind für de S e l v e s(Poincarist) abgegeben worden. Paris, 26. Januar. fEP.) Die„Ciberte" schreibt, es fei ein Irrtum, zu glauben, daß Deutschland niqt bezahlt. Deutschland bezahlt die Eampagne der sranzösischeu Kommunisten gegen Frankreich(!) und insbesondere gegen die Politik Poincares. Es hat auch in Italien die jüngste Eampagne bezahlt, die uns mit den italienischen Freunden entzweit hat. Es bezahlt auch heme in den Vereinigten Staaten eine gewisie Presse, die uns als blut- rünstige Militaristen bezeichnet. Aber das Abscheulichste ist jedesmal, wenn die kommunistische Presse behauptet, daß Poincar« den Krieg gewollt habe und ihn noch wolle. Das Bild unseres Zum 27. Januar. Deutschnationales Iammergetön: Unser Kaiser, Gott, wie war es schön! Auf weißem Roß t■"der Kavallerie.,, So was sieht man.-x niemals nie! Marmoralleen, Herb,. Parade, ... und dann die Suade! ..Auf Vater und Mutter...�—„Keine Gefangenen"— Das zählt, ach, alles zum Vergangenen. „Dreizack— Panzerfaust— schimmernde Wehr"— Patriotenherz, was wolltest du mehr? „Schwarzseher duld' ich nicht"—„Rinnsteinkunst"— Alles umsunftl Der Mann, der so ritterlich gesprochen, Was hat er eigentlich verbrochen? Er hat doch stets das Beste erstrebt, Mit Orden seine Weste beklebt, Den Schnurrbart martialisch hochgezwirbelt,— Und dann wird er davongewirbelt! Er wollte unser aller Glück: Denkt an die Rückenfalte zurück, Den Pächterrausschmiß von Kadinen, Und wie er dann für die Marinen Den halbrechtwintligen Gruß erdacht.- Und zur Strecke gebracht auf Romintens Flur Die fünfzigtausendste Kreatur.— Das hat in der Welt uns groß gemacht! So bleibt er, stets von uns bewundert, Der größte Deutsche in diesem Jahrhundert. Trotz des republikanischen Spottes Das auserwählte Instrument seines Gottes, Der durch IHN, den Gebenedeiten, Uns entgegengcführt hat herrlichen— Pleiten! M i ch. böv. Lindenhecke». MnkeumSfahrnngen. 5tm Sonntag, den 29., 9'/. Uhr finden wissen. sckaslliche siübrungrn durch Tiiel!oiia!beam>c im Kaiser. Friedrich- M u i e u m iRembrandt und Franz Halt) und im Alten Siuseum sAnlikc«leiiilunsl in Bronze) statt. Eirttafikanen ZI M.) sind vor Beginn der Führungen am Eingang der Museen erhältlich. Im Neue» BolkStheater wird zurzeit neben der Vorbereitung von Julius Maria Becker«.Letztem Neri cht' ein«erk von M a x B r o d-instudiert, sür dat Bernbard Reich als Regisseur und Raoul Lange vom Deutschen Theater als Darsteller gewonnen find. Sinen Wettbewerb für das beste dentsch« kthanion ichreibt Trud« Hesterberg, die tünstleriiche Leiterin der..Wilden Bühnen', au«. Die Em- sendungen müsien, mit der Zchreibmaichin« in td Exemplaren hcrgcstelll. bis zum 1. März bei Frau Hesterberg, Charloltenburg. Kantstr. 12, eingelaujen sei». Preise i 4000, 3000, 2000 M. „Hainborger Zpceldcel-- Ist eine neue niederdeulllbc Biibne in Hamburg, die sich baupliächllch der Pflege niederdeutscher Mysterien. spiele sowie übeiliaupt platldcuischcr Bühuenwelke widmen will. Als erst« Aufiübrung wird ein nach dem Lüdecker Totenlanz bearbeitetes Drama »Dodeodanz' von Edgar Schacht gegeben. loyalen Mnlsterpräsidenlen kann nicht mehr auf der Leinwand eines Kinos der Borstadi erscheinen, ohne daß sich der Ruf erhebt: Nieder mit dem Kriege! In Berliner Kinos wird weniger aufgehetzt. Kämpfe in Regppten. Rom, 26. Januar,(EP.)„Il Monde" meldet aus Kairo: Die englandfeindlichen Auf st ä nde in Aegypten haben einen großen Umfang angenommen. Es ist zu Zusammenstößen zwischen Nationalisten und der Polizei getommen, in deren Verlauf es 13 0 Tote und über 1000 Verletzte gegeben haben soll. Die Aufständischen waren mehrere Stunden lang Herren der Stadt Kairo, die erst wieder mit einem größeren Trup- penaufwand in die Gewalt der britischen Behörden kam. das Programm öes Reichspoftminifters. In der Sitzung des D e r k e h r s b e! r a t s des Reichspost- Ministeriums machte am Donnerstag der R e i ch e p o st m i n i st e r Ausführungen, aus denen wir kurz hervorheben: Die Hauptgründe der großen Fehlbeträge in den letzten Iahren find die olle Dienstzweige noch stark belastenden Folgen des Krieges, das sprunghafte Anwachsen der P e r f v n a lk o st e n und sächlichen Ausgaben und nicht zum wenigsten das Zurückbleiben der Post-, Telegraphen- usw. Gebühren hinter der Geldentwertung. Seit 1313 hat sich das Durchfchnittsjahreseinkommen einer Arbeitskraft um das Fünfzehnsache erhöht, die Preise der hauptsächlichsten Mate- rialien sind in derselben Zeit um das Zwanzig- bis Fünfund- zwanzigfache, ja Fünfundoierzigfache gestiegen. Der Personalbestand ist von 266 460 auf 426 100, also um 153 700 Köpfe gestiegen. Die Kopfzahlvermehrung hat schon während des Krieges ein- gesetzt. Die D e m o b i l m a ch u n g hat weiteren Zufluß gebracht. Ferner machte der Minister verantwortlich sür die„Aufblähung des Personalbestandes" die Ausdehnung des Urlaubs, die Zu- nähme der durchschnittlichen Krankheitsdauer, vor allem aber die„schematische Durchführung des Acht st un- d e n t a g e s". Die Verwaltung habe schon umfangreich« Entlassungen vorgenommen, einer rascheren Abstoßung über- flüssiger Kräfte stehen aber Widerstände entgegen, namentlich der politischen und Berufsvertretungen. Der Ar- beitswille des Personals habe sich gehoben, aber den alten Stand noch nicht wieder erreicht. Ueber die Wirkungen der neuen Gebührenord- nung teilte der Minister mit, daß in einzelnen Verkehrszweigen ein Rückgang eingetreten fei, der sich aber nicht gleichmäßig äußere. Im Fernsprechverkehr ist eine Entlastung der stark be> lasteteten Fernlinicn bis jetzt nicht eingetreten, die Abnahm« im Orts- und Nahverkehr entspricht den Erwartungen. Die Zahl der Kündigung von Anschlüssen ist sehr gering. Der Minister verbreitete sich dann über die getroffenen Maß- nahmen zur Vereinfachung und Aerbilligung der Ver. waltung. Aus dem Gebiet des Personolwcsens sei das Ziel die volle Inanspruchnahme der Arbeitskräfte. Seit September 1821 wird die Dicnstbereitschaft nur zur Hälfte auf die Aibeitszeit angerechnet. Höher bezahlte Kräfte werden fortgesetzt durch Bc- omte mit einfacherer Vorbildung und geringerer Bezahlung ersetzt. Bei dem ganzen Werke der Vereinfachung und Berbilligung soll der kaufmännische Geist voll zur Geltung kommen.(Aber der soziale Geist nicht gänzlich verloren gehen! Red. d.„D,") Nach dem Minister machte Staatssekretär Dr. Bredow Mit- teilungen über den Funkverkehr mit den Bereinigten Staaten und den Wiederaufbau des deutschen Kabelwesens, ferner über den innerdeutschen Funkverkehr. Erleichterter Steuerabzug bei Beamten. Zur Eiuiühuing de« erleichterten Berfah-en« bei der Steuer» erhebung von Beamten und Angcstellien, die in einem dauernden Dieiistvcrhältni« sieben, von Ruhegebalisempsängern und Hiulcr- bliebenen bei Reichs- und Landesbehöiden iowie bei Gemeinden mit ausreichender Sicherbeil bestimmt ver preußische Finanzminister im Namen de« Ge'amlininisteriiimS folgende«: DaS Kleben von Sieuermarken und das Aus'chreiben von NebcrweisiiiigSblälteiu kommt vom 1. Januar 1322 ab in Wegfall, Die einbehaltenen Sleuerbeiräge werden nicht wie bisher unier Beifügung einer namentlichen Liste der zuständigen Finanzkasse überwiesen; vielmebr find sie von den Kassen in kürzester Frist nach den regelmäßigen Zahllagen, spätestens bi» znm 10, de« MouaiS, der Finanzkass« in einer Summe ohne Aufführung der einzelnen Sieuerpflichiigen in, Neichsbonl» der«»»estelte». FtNalleit-rlnn-n der Spritinduilrie: Man. ta,» Uhr iffeniliche V-rI-mm!nn, in den Sephien-Sälen, Eophlenftr. 17/18. «erantw. Mr den redaki. Seil: Uran,*18»«. Verlin-Licht-rf-lde: flir An- »eisten: Th. Siecke. Striin. Verlast Barw-ris-Serlag G. m. b.L.. s-rlin. Druck: Seewärts Suchdruckerei u.'Serlastsanfiait Vanl Singer u. So.. Seriin Cietis 1 SeUastc. Lindenstr. 3. Gegen rauhe aufgesprungene Maul CREME MOUSON vollkommenstes iidulpflegemittel Stoffe fürHerren-n.Datncn-Bekleidunjr Me Fabr|lf!te, jreBe IlBswiiij.VsrtJtf ineternslss b." H." Koch Seeland G"" Gertraudtenstrafte 20—21. SZM'sFZGK&i£is€& Suppe�fäeisch Pfund S c h m o rf I e£ s c h ni.i!.KnpcuHS Pfund IHlareimeifEeisch... HamnteSkeule...... Ka8h>iVordlerfieisch KaSbskeuie........... Sdiweineflessch behacktes EEsheino Pfund Pfund Pfund Pfund Pfund (Rindfleisch) (E/epökelt)........ Pfund SS50 (3S" 14" 15" 2«°° 15°° II50 Lebensmittel WeiZeniBe&l.. Pfund 5C0 KononolBrsnnfwein UlböiWs 65pf ksWgv'LMvspko S� Manuel..... n«-h-zi°" Margariae... Pfund 2100 GeürannleGerstßFfd ß80 Klarer........ �«31°" CameiKert 625 Pfiamneßrans.p�?50 WM....... �«34°° Harzer Ease. �6 1250 WiSFstwmen Leberwurst.......... p�nd I809 flotwurst................ pfund I800 Landleberwurst pnmd 26°° Jagdwurst.............. pfu"d 2500 Ifteitwurst ÄBÄ Pf0„d 2600 WÜrstcheVKamerik.)•• Dose S�3 Leberwurst« z-rfund-Dos« 14� Rindertalg lauseelassen). Pfund 23°° Speisefett.............. pfund 2500 Nr. 45-»ZH. Jahrgang Beilage öes vorwärts Ireitag, 27. Januar 1922 Die Verteuerung öer Krankenhauspflege. Gemischte Deputation zur Beratung des Mauteltarifs der Gemeindearbeiter. Die gestrige Stadtverordnetensitzung brachte die Einführung der aus den Stadtratswahlen hervorgegangen neu Möst unbesoldeten Stadträte, unter denen acht wiedergewählte und vier neugewählte sind. Die sozial- demokratische Fraktion hat infolge ihrer bei den Stadtoerordnetenwahlen erzielten Verstärkung auch einen un- besoldeten Stadtrat mehr erhalten, neben den wiedergewählten Genossen Ahrens und Kohl als dritten den neugewählten Genossen Rechtsanwalt T r e i t e l, dem ein Unabhängiger hat Platz machen müssen. Bei der Eidesleistung versprach der kommunistische Stadtrat Letz:„Ich schwöre Treue der Reichs- Verfassung."— Viel Zeit wurde wieder mit Geschäftsord- nungsdebatten vertrödelt. Der Beschluß, dem A l l g e in e i- nen Deutschen Gewcrkschaftsbund ein Grundstück in Treptow zu verkaufen, konnte durckigedrückt werden. Ilm die Erhöhung des Kurkostensatzes der Krankenhäuser wurde noch einmal in langer D-batt: gestritten, aber sie war infolge der finanziellen Notlage der Stadt und ihrer Krankenhäuser nicht zu umgehen. Die Redner der sozialdemokratischen Fraktion, Genossin Dr. W y g o d z i n s k i und Genosse Krüger, traten den Behauptungen der Unab- hängigen und der Kommunisten entgegen, daß nach der Kosten- satzcrböhung eine Minderung der Kranken ha usüber- Weisung von Kassenmitgliedern kommen werde. Es wird Sache der Mitglieder sein, die Kassenvorstände auf ihre Pflicht Hinzumeisen, falls die Kranksnhausüberweisung verweigert werden sollte. Sehr wichtig war die dringliche Vorlag-, zur Prüfung des M a n t« l t a r if e s der Ge- meindearbeiter eine gemischte Deputation ein- zusetzen. Dieser sür die weiteren Tarifverhandlnngen be- dcutungsvolle Antrag des Magistrats wurde fast einstimmig zum Beschluß erhoben. Sitzungsbericht. Eröffnung nach 5% Uhr durch Dr. Caspar?. Zunächst erfolgt die E i n f ü h r u n g der wieder- bzw. neu- gewählten unbesoldeten Stadträte Wege, Benecke, Krause, Peter, Kohl, Ahrens, Schlichting, Rechtsanwalt Dr. Treitrl, Kauf- mann Letz und Frau Dr. Weyl. Oberbürgermeister B ö tz nimmt Anlast, in seiner Cinführungsansprach« nachdrücklich zu betonen, daß der Sitz der Selbswerwaltung des Organismus Krost-Berlin nicht in dessen Gliedern, sondern im Zentrum, bei der Stadtverordneten- Versammlung und dem Magistrat, sich befindet. Er gedenkt mit An- erkennung auch der verdienstlichen Dätigkeit der ausgeschiedenen Stadträte Scholz, Gallas, Ranke und Frau Deutsch. Die Oben- genannten werden sodann, soweit noch erforderlich, auf die Reichs- Verfassung und auf die preußische Verfassung vereidigt und auf ihr Amt verpflichtet. Hierauf heißt auch der Vorsteher die unbesoldeten Stadträte willkommen. Eine langwierige GeschSstsordnunZsdebotte knüpft stch nunmehr an ein« Beschwerde von Dörr(Komm.) über geschäftsordnungswidriges Verfahren des Vorstehers und seines Stellvertreters Fabian gegen die Kommunisten im Falle eines Widerspruchs gegen die Vornähme der zweiten Lesung einer vor- läge. Nach langem Hin und Her wird die durch den Protest von Dörr angeregt? prinzipielle Frage, wann spätestens dieser Wider- spruch erhoben werden muß, mit.101 gegen 31 Stimmen dem G e- schSftsordnungsausschuß zur Prüfung überwiesen. Eine dringliche Magistratsvorlaae schlägt zur Beratung des Alelnteikarifs für die Gemeindegrbeilsr eine gemischte Deputation vor.— Auf Anfrage von Schumacher (Komm.) nach dem Stande der Verhandlungen erklärt Stadtrat Koblenzer, daß diese noch nicht zum Abschluß haben gebracht werden können, da eine Verständigung bisher nicht erzielt sei. Man hoffe aber einen Weg dazu noch zu finden.— Rom einer kurzen Ab- wehrbemerkung von Stadtrat Koblenzer wird die Einsetzung einer Deputation aus 8 Magistratsmitgliedern und 17 Stadtverordneten beschlossen. Der verkauf einiger Parzellen vom stadtischen Siede- lnngsg«lande Eichkamp wird in zweitrr Lesung entgegen den Wünschen der Kommunisten genehmigt.— Der Verkauf des städtischen Grundstücks in Treptow an den ADGD. für Bureauhauszwecke steht ebenfalls zur zweiten Lesung. Bender (Dnat.) beantragt Ausschußberatung und wird darin von Streiter (D. Vp.) unterstützt, wahrend Haß(Soz.) und R e i m a n n(U. Soz.) die sofortige Annahme warm befürworten. Der Antrag aus Aus- fchuhberatung wird in namentlicher Abstimmung mit 88 gegen 70 Stimmen abgelehnt, die Vorlage in einfacher Abstimmung angenommen.— Krüger(Soz.) rügt, daß beim Namensaufruf die Namen der bürgerlichen Mitglieder mehrmals aufgerufen wurden. Der Vorsteher verspricht für die Zukunft Abhilfe. Zum Berk auf des F äbrikgrund st ücks" Flotten- st r a ß e 4 8 in Derlin-Reinickendorf(Wirtfchaftsamt) teilt Stadtrat H i n tz e mit, daß die Verschiebung der zweiten Lesung für die Stadt insoweit gute Frucht getragen hat, indem jetzt 400 000 M. mehr geboten sind, so daß der Verkaufspreis auf 7'/4 Millionen steigt.— G ä b e l(Komm.) plädiert für Ablehnung der Vorlage und erneuert seinen Protest gegen die Verschleuderung städtischen Grundbesitzes an da? Privatkapital. Ihm schließt sich Richard Kunze(Dtsch.-Soz.) mit scharfen Seitenhieben auf die Linke und ihre Sozialisierungs- bestrebungen sowie unter Hinweis auf das an ausländische Kapi- talisten verschobene Bornsdorf an. Nachdem noch S ch m i d l(U. Soz.) und Koch(Dnat. Bp.) sich für den Berkauf ausgesprochen, wird dieser in von den Kommunisten beantragter namentlicher Abstimmung mit 144 gegen 21 Stim- men genehmigt. lieber die Erhöhung der kurkoslensähe in den städtischen Krankenhäusern soll heute ebenfalls in zweiter Lesung beschlossen werden. Dr. Weyl(U. Soz.) hält den Wider- spruch gegen die Erhöhung aufrecht und behauptet, daß die An- nahm« des Magistrats, die städtischen Selbstkosten pro Kopf und Tag seien auf 80 M. gestiegen, mit den Tatsachen nicht stberein- stimmt. Jedenfalls sei ein Satz von 40 M. täglich sür einen Kranben in 3. Klasie unerhört hoch und kaum noch erschwinglich. Redner beantragt Ausschußberatung. Dr. Kirchner(Dnat. Vp.) alaubt nicht, daß ein Kranker für 40 M. in seiner Behausung verpflegt und behandelt werden kann. Wolle man die Krankenhäuser nicht zugrunde gehen lassen, so müsse man der Erhöhung zustimmen.— R i n t o r f(Komm.): Es handelt sich hier um die vitalsten Interessen der Aermsten der Armen, für die die Stadt aufkommen muh. Wir beharren auch bei unserem Antrage der Bereinfachung der Saziolversicherung, stimmen aber heute.zunächst für den Antrag Weyl.— Frau Dr. W y z c d- z i n s S i(Soz.) tritt Wsyl und Rintorf entgegen. Die Behandlung zu tzause k»ste mehr als im Srankenhause. Für die Kranken mit geringerem Einkommen(für beide Ehegatten zusammen bis zu 28 000 M.) sei ja der Satz auf die Hälfte ermäßigt. Der Vorwurf unsozialen Verhaltens der Sozialdemokraten falle damit in sich zusammen.— Krüger(Soz.) wendet sich ebenfalls gegen Weyl und Rintorf und stellt nochmals fest, daß man hier bei dieser Gelegenheit, trotz grundsätzlicher Uebereinstimmung, die Frage der Vereinheitlichung unmöglich lösen bann. Auch Kunze(Dtsch.-Soz.) beteiligt sich an dieser„fchrrsichen" Debatte: er will nur die G-bührensatze der 3. Klasse dem Ausschuß überweisen. lieber einen Antrag Weyl, die Vorlage dem Magistrat zur Ber- oollständiglm? de? zisferntyätzigen Unterlagen zurückzugeben und bis dahin die Beschlußsossrnch anszuseßen, wird auf Antrag Dörr namentlich obgeftimmt. Der Antrag fällt mit 128 gegen 53 Stimmen.— Auch der Antrag Kunze wird abgelehnt; die M a g i- stratsoorlage gelangt zur Annahme. Die Errichiung eines Schlackensteinwerks auf dem Grundstück und im SebSud« der stillgelegten Trockengemüse- anstalt in der verlängerten Winsstraße hat der ständig« Etatsaus- fchuß genehmigt und die Ißl Millionen Mark Anlagekosten be- willigt. Die„Städtischen Schlackensteinwerke Berlin" sollen in eine G. m. b. H. umgewandelt werden. Die Kommunisten beantragen, in den Aufsichtsrat der G. m. b. H. auch den Betriebsrat aufzunehmen. Ein Vertreter der Deutschen Volkspartei lehnt dieses Verlangen ab, da damit diese stäotische G. m. b. H. wieder politisiert würde.— Nach weiterer Debatte ge- langen die Aueschußanträge mit einem Antrag H e i t:n a n n lSoz), wonach die zur G. m. b. 5). übertretenden Arbeiter den Anspruch auf Ruhegeld und Hinterbliebenenversorgung unverändert behalten, zur Annahme. Der Antrag Weyl, der den Magistrat ersucht, der Versamm- lung schleunigst ein« Vorlage für eine räumliche Neuordnung oer Taubstummenschule und eine den gegenwärtigen An- forderungen an Ausbildung, Fortbildung und soziale Fürsorge der Taubstummen entsprechende Regelung des Taubstummenwesens zu- unterbreiten, ist Gegenstand einer Ausschußberatung gewesen. D«r Ausschuß, für den Kreuziger(Soz.) referiert, hat den Antrag einstimmig angenommen, sich aber auch nach Besichtigung der heutigen Anstalt, die gegenüber den Provinzialan- stalten durchaus dürftig und unzureichend erscheine,. zu einem Zusatzantrag vereinigt, der die Bereitstellung einer aus- reichenden Anzahl von Klassen- und Oekonomieräumen fordert.— Beide Anträge werden einstimmig angenommen. Die Borlagen wegen Fertigstellung der Rordsüd- bahn, betr. Aenderung der Kraftdroschkevordnung, betr. Abänderung des Berliner Statuts der Erwerbslosen- s ü r s o r g e und die Gebührenordnung für die Erteilung der Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen werden der Ausschußberatung überwiesen. Eine Reihe weiterer Verlogen wird ohne Erörterung genehmigt. Gegen 1410 Uhr schließt die öffentliche Sitzung. Selbstlose �lutobesttzer. AIS die neue Berliner Kraftdroschlensteuer, die den Fahrgast mit 10 Proz. deS Fahrpreises belegt, in Berlin eingeführt wurde, ant- lvorteten die Drosibkenbesitzer bekanntlich unter lebhaftem Protest ihrer Angestellten und Chauffeure mit einem Streik. Sie haben sich bald eine? Besseren besonnen und machen nun die Rechtsparteien in der Berliner Stadtverordnetenversammlung mobil. Zur Unterstützung deS dahingehenden deutschnational-volksparicilichen Antrages ließ der Verein der Kraftdroschtcnbesitzer ein gedrucktes Rundschreiben an alle Stadtverordneten ergehen, von dem man nur sagen kann: Wenn da« nicht zieht, zieht gar nichts mehr! Sie rechnen in musterhafter Ausführlichkeit zusammen, was eine Autodroschke alleS dem Staat und der Stadt an Steuern einbringt, wobei die Einkommensteuer der Arbeiter, die die Droichke vor Jahren fertiggestellt haben, eben- sowenig vergessen wird, wie der Zoll, der auf Oel und Venzin liegt. So ergibt sich die irrsinnige Summe von 198 810 Mk. Wie selbstlos die notleidenden Kraftdroschkenbesitzer aber im Interesse der Allgemeinheit arhciten, erkennt man erst bei genauerer Betrachtung dieser Steuersummen. Nach der in Ansatz gebrachten Umsatzstcuersumme beträgt das Jahreseinkommen eine? TroschkenbesitzerS brutto 135000 M.. noch der angesetzten Ein- kominensieuerhimme netto rund 40000®? Nach den übrigen Steuersätzen hat er aber im Laufe des JabreS folgende Ausgabe» zu leisten: Gummiverbraiich 72 000®?., Benzin und Oel dOOOOO M., Reparaturen 15 000 M, Jnftaudhaliung 5C00 S?.. Amortisation 50 000 vk. da? sind zusammen 242 000 M. Ausgaben. Dazu kommen dann außer den Ebauffeurlöhnen noch all die Steuern, die aber im Vergleich zu dielcr Summe so klein sind, daß wir sie getrost außer Aniatz lassen können. Also e» ist Tatsache— die Droschkenbesitzer beweisen eS un? schwarz aus weiß: Jeder Droschkenbesitzer gibt Jahr für Jahr weit über 100 000 V?. au« seiner Tasche zu, um seinen bedürftigen Mitmenschen das Vergnügen einer Autofahrt zu verschaffen. Kann man die Selbstlosigkeit weitertreibe»? Und ist es nicht in der Tat eine Barbarei.>vie sie nur ein RaleZ HauS fertig brinaey kann,,, solchen Idealisten noch eine Steuer zuzumuten, die ihre Fahrgäste tragen sollen? Aber wir sollten meinen, die Droschenbesitzer hätten doch ein ganz direktes Interesse an dieser Steuer. ES könnte doch stroch einige ganz verstockte Sünder im Roten Hause geben, die sich von dieser mit solchem Fleiß zusammengestellten Tabelle auch noch nicht überzeugen ließen. Da würde denn die Einnahmekontrolle durch die neue Steuer ein ganz unwiderlegliches BeiveiS- Material erbringen. Auch der Böswilligste würde dann ebenso wie die «teuerverwaltung erkennen, daß die Einnahmen eines Kraftdroschken- besitz«» in der Tat 100 000 Mk. weniger als seine Ausgaben be- tragen, daß kein Kraftdroschkenbesitzer bisher sein Einkornmen zu niedrig angegeben oder etwa gar Steuern hinterzogen hat. Die Stadt würde dann sicherlich Mittel und Wege finden, mn diese ihre selbstlosen Mitbürger ganz Eine seltsame Nacht. Roman in vier Stunden von Laxrids Sruun. „Er kann ja im Wirtshaus einkehren!" „Das kann man ihm nicht anbieten— jeZt, da er der reichste Mann des Amtsbereiches ist!". Frau Helwig antwortete nichts. Sie merkte, wie ihr: Augenlider zitterten, und sie strich sich wie aus Müdigkeit über die Stirn. Hjarmer aber lieh nicht nach. „Wir müsien ihm freundlich entgegenkommen, du, � sagte er eindringlich.„Man kann nie wissen, wozu es gut ist, be- sonders jetzt, wo wir uns um die Stellung bemühen; vielleicht hat er Verbindungen— nicht?" Werner Hilsöe Verbindungen! Trotz ihrer Nervosität konnte sie kaum ein Lächeln unter- drücken. „Dann bitte du ihn darum!" sagte sie schließlich.„Ich tue es nicht!" „Liebste— ist das Gastfreiheit?" wandte Hjarmer vor- wurfsvoll ein. Dann ging er auf Hilsöe zu und sagte sehr zuvorkommend: „Ich bin überzeugt, Herr Hilsöe. daß es Ihnen peinlich sein wird, unter den augenblicklichen Verhältnissen im Ziegel- hos zu übernachten. Wenn ich Sie bitten darf— bei uns vorliebzunehmen!" Werner verbeugte sich. „Besten Dank. Herr Amtsvorsteher!" sagte er formell, in- dem sein Blick hastig zu Frau Hjarmer schweifte. „Ich glaube kaum, daß ich Ihr Angebot annehmen darf!" fügte er zögernd hinzu..„., Hjarmer, dem sein Blick auf die Frau des Hauses rncht entgangen war, beeilte sich, den Eindruck von dem seltsam unwilligen Benehmen seiner Frau«bzuschwächen: „Es wird mir und meiner Frau ein großes Vergnügen sein, Sie als Gast bei uns aufzunehmen!" Jetzt wandte Werner sich offen an Frau Helwig und fragte laut: „Was sagt die Frau des Hauses dazu?" Frau Helwig tat, als hörte sie es nicht, während Hjarmer ihr hastig zuvorkam: „Meine Frau ist ganz meiner Meinung— wir haben bereits darüber gesprochen." Er wandte sich zu Fräulein Selma, die an der Eßzimmer- tür stand und mit dem Doktor über Ellen sprach: „Ach, Fräulein Sindal!— Das Fremdenzimmer ist wohl in Ordnung, nicht wahr?" „Das Fremdenzimmer?" Fräulein Selma sah hastig von dem einen zum andern. Sie ahnte Frau Helwigs Nervosität und sagte schnell: „Ich glaube kaum, daß—" Jetzt wurde Hjarmer ärgerlich. Was sollte nur diese Widerspenstigkeit bedeuten— erst bei seiner Frau und nun bei Fräulein Selma. „Ja, natürlich," sagte er scharf,„weshalb nicht?" Fräulein Selma fand in der Eile einen Vorwand. „Wir haben die ganze Wäsche dort liegen.— Morgen soll geplättet werden!" Hilsöe verstand. Der Schatten eines schmerzlichen Lächelns glitt über seine dunklen, festen Augen. „Ich danke Ihnen für Ihre Freundlichkeit, Herr Amtsvor- steher!" sagte er.„Ich fürchte aber, daß mein Besuch unge- legen kommt." Hjarmer war bös«. Er sandte Fräulein Selma einen strengen Blick zu. „Aber gewiß nicht!" sagte er mit Entschiedenheit.„Wollen Sie dafür sorgen, Fräulein Sindal, daß das Zimmer instand gesetzt wird." Um keine weiteren Einwendungen zu hören, trat er jetzt an Doktor Sylt heran und sagte: „Ich erwarte Sie also drüben, Doktor, sobald Sie hier ferkig sind." „Ja, Hjarmer. Ich komme, sobald ich kann!" „Gut. Wir legen inzwischen die Siegel auf!" Während der Doktor, von Fräulein Selma gefolgt, durchs Eßzimmer ging, trat Hjarmer an seine Frau heran. „Adieu, Liebste!" sogt« er und beugte sich herab, um sie auf die Wange zu küssen, die sie ihm hastig zukehrte. „Sei ein bißchen freundlich gegen ihn!" flüsterte er und fügte eindringlich hinzu:„Bedenke, daß er der reichste Mann des Bezirks ist! Dann wandte er sich zu Hilsöe: „Auf Wiedersehen!— Und hm Sie ganz, als ob Sie zu Hause seien!" Dann ging er durchs Kontor hinaus und schloß die Tür hinter sich. Frau Hjarmer stand noch immer über den Tisch gebeugt und suchte im Nühkorb; sie wagte nicht, sich zu Hilsöe umzu- drehen, weil sie wußte, daß ihre zitternden Lider und das nerööfe Beben der Oberlippe ihre innere Erregung verraten würden. Während er so mitten im Zimmer stand und sie unver- wandt anstarrte— sie suhlte seinen festen Blick im Nacken—, dachte sie einen Augenblick daran, ob sie nicht lieber zu den anderen hinaufgehen sollte. Aber was würde der Doktor denken, wenn sie den Gast allein ließ?— Und Fräulein Selma, die bereits so viel wußte!... Sie würde glauben, daß etwas zwischen ihnen vorgefallen sei. Sollte sie Kopsschmerzen vorgeben und zu Bett gehen?.. Nein— nein— er sollte nicht glauben, daß sie vor ihm davonlief. Und außerdem— während vier langer Jahre hatte sie nicht mit ihm gesprochen, nicht mit ihm musiziert— nur bin und wieder von ihm geträumt und sich gesehnt. Sie hatte ja keine Schuld;— das Märchen hatte sie zu- samy-lengeführt;— weshalb sollten sie sich nicht an ihrer gegen- söitigen Gesellschaft erfreuen und die kurze Stunde in alten, gemeinsamen Erinnerungen genießen?— Und dann morgen — adieu für immer! Außerdem hotte Knud recht; der reichste Mann des Be- zirks hatte Anspruch auf Gastfreundschaft im Hause des Amts- Vorstehers! Jetzt schlug ihr Herz ruhiger, und es schien ihr, daß sie ihr Gesicht beherrschte. Wenn sie nur einen Blick in den Kaminspiegel erhaschen könnte, bevor sie sich zu ihm umdrehte! Da hörte sie seine Schritte auf dem Teppich. „Fürchten Sie sich. Frau Hjarmer?" Die tiefe, feste Stimme, mehr als die Worte, forderte ihren Stolz heraus. „Fürchten?" fragte sie und wandte sich hocherhobenen Hauptes zu ihm um, während die Oberlippe sich zu einem Lächeln kräuselte. tFortsetzung folgt.) 4 besonders zu ehren und sse von leglicher Steuer zu befreien. Llso, meine Herren Kraftdroschienliesiver, diese Steuer liegt doch in Ihrem allereigeusten Interesse. Weshalb sträuben Sie sich nur dagegen, daß Ihre Selbstlosigkeit dokumentarisch festgelegt werden soll?! Sie brauchen dann künftig überhaupt keine Steuern mehr zu bezahlen, und auch Ihre Angestellten werden in ihren Lohn- sordemngen künftig bescheidener sein, wenn sie aus dieser Ein- nabmekoutrolle ihres Arbeitgebers erkennen, daß er überhaupt nilblS verdient, sondern etliche 100 000 M. alljährlich zusetzt. Also, nicht wahr, wir probieren's wenigstens mal e'.n einziges Jahr lang lediglich in Ihrem Interesse! Hilfsaktion für öie Sacottl-firbeiterfchaft. Der.�Zentraloerband der Bäcker und Konditoren" teilt uns mit, daß er in seiner letzten Bezirksleitersitzung einen sofortigen H i l f s- fon.ds von 100 000 Mark seitens der Zentralverwaltung zur Verfügung gestellt hat, und daß auch die Mitgliedschaft Berlin ZOO 0 0 M. sofort verfügbarer Gelder flüssig gemacht hat. Diese sollen zunächst einmal für die in äußerst« Nor geratenen Arbeiter und Arbeiterinnen, soweit sie ihre notwendigen Kleidungsstücke verloren haben, oerwendet werden. Es ist ferner beschlossen, eine Hilfsaktion über den gesamten deutschen Verband durch frei- willige Sammlungen einzuleiten. Am heutigen Tage werden weitere Verhandlungen mit der Firma in die Wege geleitet, wieweit diese von sich aus der Hilfsaktion beitreten will. Wie an dieser Stelle wiederholt ausgesprochen, wäre es vor allem Pflicht der trotz der Brandfchädiaung noch immer so außer- ordentlich gut fundierten Firma, den Arbeitern zunächst das zu er- setzen, was sie bei dem Brand an materiellen Werten verloren haben. Das Femgericht. „Snochenbrechers" Ende auf dem Athlet enball. In ein eigenartiges Milieu leuchtete ein Voruntersuchungsver- fahren hinein, das augenblicklich den Untersuchungsrichter des Land- gerichts I beschäftigt und auf Mord lautet. Der schon vor einigen Jahren durch Veranstaltung eines merk- würdigen„Herrenabends" bekannt gewordene„Klub Roland", dessen Mitglieder sich aus zumeist im Norden und Osten Berlins wohnhaften Ringkämpfern, Boxern und Athleten zusammensetzen, hatte am 24. April 1920 in den„Germania-Festsälen" in der Chausseestraße einen großen Lall veranstaltet, an dem etwa 2000 Personen teilnahmen, u. a. der Rerein„Osten" mit seinem Vossitzen- den Georg Döring, genannt„Der Knochenbrecher". Diesen«igen- artigen Ehrentitel hatte D. wegen seiner ganz kolossalen Körperkräfte, wegen deren er selbst von der Polizei ge- fürchtet wurde. Gegen zwei Uhr morgens entstand an der Rutsch- bahn ein Streit, den Düring in einer dem ganzen Milieu entsprechen- den Weise dadurch zu beenden versuchte, daß er einige andere Athleten von oben die Rutschbahn herunterwarf. Plötzlich knallten mehrere Revoloerschüsse und der„Knochen- brecher" sank zu Tode getroffen zu Boden. Auf die Auffin» dung des Täters setzte der Verein eine Belohnung von 100 000 Mark aus, und auf eine anonyme Anzeige hin erfolgte die Verhaftung des Rsstaurateurs Friedrich M a i e r unter dem Verdacht des Mordes. Der Verein„Osten" behauptet sogar. daß Döring derartig gefürchtet gewesen sei, daß man schon immer mit seiner gewaltsamen Beseitigung gerechnet habe. In be- stimmten Kreisen habe sich eine Art modernes Femgericht gebildet und auf den Beschuldigten Maier sei das Los gefallen, den D. erschießen zu müssen. In dem Untersuchungsverfahren hat der Verteidiger für den Beschuldigten geltend gemacht, daß er in der Notwehr gehandelt habe. Wie behauptet wird, wird die Untersuchung in dieser Sache und damit die völlige Aufklärung dadurch sehr erschwert, daß viele Zeugen, darunter solche, welche für M. sehr entlastend aussagen «.könnten, mit ihren Aussagen aus F u rcht vor der Rache der Freunde des Getöteten sehr zurückhalten. Keine Briefstatistik. Eine Berliner Korrespondenz hatte die Mitteilung verbreitet, daß im Reichspostministerium neuerdings Erhebungen über den Rück- gang des Brief-, Telegramm- und Fernsvrechver- k e h r s angestellt worden seien und daß sich seit dem 1. Januar beim Brief- und Telegrammverkehr ein Rückgang von nahezu SO Proz. ergeben habe. Das Reichspostministerium teilt hierzu mit, daß allgemeine Ermittelungen beim Briefverkehr vorderhand nicht in Au ssicht genommen sind, weil crsahrungsgemäß der erste an eine Gebührenerhöhung anschließende Monat zuver- lässige Unterlagen über den Umfang des Briefverkehrs nicht zu lie- fern vermag. Bei den Telegrammen, die im Gegensatz zu den Brief- sendungen fortlaufend gezählt werden, ist gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang von etwa lS Proz. festgestellt, so daß jetzt der Vorkriegszustand erreicht ist. Beim Fernsprechverkehr stellt sich der Rückgang im Ortsverkehr auf 1Z Proz., im Fernverkehr auf 14 Proz._ Die verräterische Silbcrsigur. Ein gefährlicher Verbrecher, bei dessen Verfolgung ein Unbe- teiligter getötet worden ist. macht« gestern der Strafkammer des Landgerichts II und mehreren medizinischen Sachverständigen viel Arbeit. Der vielfach vorbestrafte Händler Otto G r u n e r t war wegen Einbruchsdi ebstahls und fahrlässiger Tötung angeklagt. Grunert hatte am 12. Juni 1919 im Hause Potsdamer Str. 21 einen Wohnungscinbruch verübt und eine Menge Silberzeug er- beutet. Er wurde aber von dem Portier des Hauses Bindzus dadurch ertappt, daß ihm im Flur von seiner Beute eine S i l b e r f i g u r entglitt, er entfloh und wurde von Bindzus im Auto verfolgt. Um sich seines Verfolgers zu erwehren, gab der Verbrecher mehrere Schüsse aus seinem Revolver ab, von denen einer den völlig unbeteiligten Hausdiener Engel traf und tödlich o e r l e tz t«. Mit Hilfe eines Dr. Wossidto wurde der Einbrecher dann festgenommen: er ist schon einmal wegen einer ähn- lichen Revolverschießerei zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. die er zurzeit verbüßt. Inzwischen har G. den„Z u ch t h a u s k n a l l" erlitten und ist mehrmals in eine Irrenanstalt zur Beobachtung überwiesen worden. Auch gestern war sein Verhalten derartig, daß Rechtsanwalt Dr. Puppe als fem Verteidiger die Behauptung aufstellte, daß Grunert nicht verhandlungsfähig fei. Die vernommenen drei medizinischen Sachverständigen waren sich in diesen Punkten nicht ganz einig, so daß das Gericht dem Antrage des Dr. Puppe entsprechend beschloß, noch weitere Erhebungen über den Geisteszustand des Angeklagten anzustellen und namentlich auch den Anstaltsarzt zu hören.__ Die Ursachen des vesiauer Theaterbranöes. Der Brand des Friedrich-TfjeaterS in Dessau ist, wie nunmehr festgestellt ist, auf einen Schaden in der Heißluft Heizung zurückzuführen. Eine Flamme schlug durch eine schadhaft gewordene Stelle der HeizungSanlage und setzte die Bühne, unier der sich die Heizung befand, in Brand. Da? Künstlerpersonal ist dadurch hart getroffen, daß eS im Falle eines Brandes al« entlassen gilt. Das Kuratorium hat sich. für- den Wied eraufbau des Theater« entschiede«.. Lebensmittelpreise des Tages. Zufuhr: Sesfisehe an-reichenfi. FlußfiKch« knapp. Fleisch reichlich, Geschäft ruhig. Obst und Gemüse schwach, Geschäft flau. • Am gestrigen Donnerstag galten in der Zentralmarkthalle folgende Kleinhandelspreise; Schweineohr kostete das Pfund 14 M. Leber schwankt« zwischen 22 und 24?.I. KSnipsberner Fleck 9 M. Hammelfleisch 14,50—17 M. Rindlleisch 15 M.— Hasen 11—12 M das Pfund. Gänse konnte man für 24— 26 M. das Pfund erhalten. Puten 22— 24 M. Ein Paar Hasen- keulen kosteten 30>1.— Sehellfisch 0— 10 51. Schollen 12 M. und Goldbarsch 951. Kabeljau wurde mit 12 M. und Rotzungen mit 13,50 M. angeboten. Hechle in Eisverpakung 17 M, Quappen 12— 13 51. Plätzen 8—10 51— Gänseschmalz ein Pfund 45 51. und Schweineschmalz 23 bis 29 M. lieaen kamen 26—28 M. Naturbutter 42— 50 51., Maigarlne 20, 22 und 28 51. das Pfund.— Eier 4.50-4,60 5l. das Stück.— MehrrCben 1,40—1,50 M, und Wirsingkohl 8 51. Teltower Rübchen 2.50 das Pfund. Sellerie 3 51.— Mandarinen 12— 13 51. Kschbirnen 4,50 51. Apfelsinen 2—3,50 51. das Stück.— Der Räucherhoring kostete 8,25 51 und das Viertelpfund Kieler Sprotten 3,30 bis 6 51, Schleiblicktinge standen mit 11—13 51. das halbe Pfund ausgezeichnet fluf der Käsefährte. In einer der letzten Nächte wurden dem Meiereibesitzer Taruttis in Neu-Iägerischken im Kreise Tilsit durch Einbruch etwa 7 Zentner Käse und 14 Zentner Butter im Gesamtwerte von 23 VV0 M. entwendet. Die telephonisch be- nachrichtigte Kriminalpolizei in Tilsit entsandte einen Kriminal' assistenten mit dem Polizeihund„B r i l o" an den Totort. Hier er- hielt der Hund Witterung, nahm sofort eine Spur aus und verfolgte sie auf einer mit Eis bedeckten Kies-Chnussec. Nach etwa einem Kilometer sprang das Tier in den Chausseegraben und scharrte aus dem Schnee einen Sackzipfel heraus. Man legte die Stelle frei und fand nun eine in Säcke eingehüllte Käserolle im Gewicht von 1!� Zentnern. Abermals nahm der Hund die Spur auf der vereisten Chaussee auf und lief noch einem entfernten Fried- Hof, wo drei weitere Käserollen— an den Gräbern versteckt— aufgefunden wurden. Dann trabte das Tier schnurstracks nach einem 800 Meter entfernten Gehöft, wo er im Flur de» dort wohnhaften Invaliden August Killat einen Haufen Säcke„verbellte", unter dem man zur allgemeinen Ueberraschunq einen Rodelschlitten entdeckte, dessen Spur man vorher bereits sestaestellt hotte. Der Besitzer des Hauses gab unter dem Druck de? Beweisstücke an, daß zwei in Tilsit wohnende Arbeitslose den Diebstahl bei Taruttis ausgeführt und die gestohlene Butter und den Käse am Maraen dieses Tages zu ihm gebracht hätten. Beide Täter wurden dem Gerichtsgesängnis übergeben. Der wackere Hund hat feine Ausbildung in der Staatlichen Zucht- und Lbrichteanstalt in Grünheide i. d. Mark erhalten._ Belm Brand in der Sk. ZohannisArche ist leider auch der 46jährige Kirchendiener Augnst Riemer zu Schaden gekommen. Als Riemer, der auf demselben Grundstück wohnt und die starke Rauch- entwicklung sah. den Saal betrat, stürzteerdurchdenbereits durchgebrannten Fußboden in den Keller hinab und trug neben schweren Brandwundn am rechten Arm einen Rip- penbruch davon. Er wurde nach dem Mocbiter Krankenhaus gs- schafft. Todesurteil gegen ein Mörderehspaar. Das Schwurgericht in Essen verurteilte grsternwin später Abendstunde das Ehepaar Burkhardt wegen Ermordung seiner ISsährigen Tochter Elisabeth zum Tode und zu dauerndem Ehrverlust. Berloren wurde gestern früh im Zuge ab Gesundbrunnen in Richtung Westend ein- braune Aktentatche mit Partei- nnd GewersschastS. Mitgliedsbuch, lautend auf den Slawen Franz Büchel. Der ehrliche Finder wird gebeten, diele gegen gute Belohnung in der.Dorwärti'-Expedition, Lindenstr. S. abzugeben_ COciter bis Sonnabend Wittag. Trocken und überwiegend heiter OeMich der Oder nack ziemlich strenger Frost, weiter westlich ein wenig gelinder bei frischen östlichen biS südöstlichen Winden. Grosi-Serlmer parteinackrickten. Im Berliner Aquarium find nach längerer Zeit wi-d« sogenannte Wach Drosen eingctl offen, prächtige große, zu den Aitinien gebarende Habltiere. die einen äuSgezeichneien Schmuck des großen Seewasterbasalt-- beckens Nr. 10 bilden, wo sie zusammen mit dickhörnigen Seerosen. Purpur- roten und Röhreuwürmern Hausen. Da die WachSrose nur im Mittelmeer vorkommt.|o ist sie jetzt ohne sehr große Schwicrigfeiten und Kosten n'.cht zu beschaffen._ /lchtftunöentag und Arbeitsleistung. Von Otto Bach. Je weiter dt« durch den Bertrag von Versailles hervorgerufenen WeÄwirtschasisverhältnisse dem Chaos zutreiben, desto eifriger� sind die an diesen Verhältnissen schuldigen Kresse aller Länder auf der Suche nach einem Sündenbock für dieses internationale Wirt- ichaftselend. Augenblicklich ist es der Achtstundentag, der in allen Ländern der Welt aufs heftigste befehdet wird. Ohne Rück- ficht auf die Tatlache, daß der Krieg iV> Jahre lana den internatio- nalen wirtschaftlichen Verkehr unterbunden hm, ahn,- Rücksicht darauf, daß dadurch in allen Ländern schwere Krisen verursacht wurden, oer- sucht das international« solidarische Unternehmertum an Hand von billigen Statistiken nachzuweisen, daß der Achtstundentag allein die Schuld an den traurigen Verhältnissen trägt. In diesem Zusammenhang ist es interessant, einmal festzustellen, welch« Erfahrungen mit dem Achfftundentag schon gemacht wurden. Man kann dies« Ersahrungen zurückvcrfolgen bis auf die Anfang« der modernen Industrie. In einer englischen Gesellschaft für chemische Produkt« wurde im Jahre 1892 die Präsenzzeit der Ar- besser in der Fabrik von 12 aus 8 Stunden herabgesetzt. Zuerst Heute, Freitag, den 27. Januar: es.«»t.» Uhr von«ohtz.»ranbenbnrgstr. 20,-US fflugblattorrbr-ituns. IIS. Bit. Lichtenberg. 7 Uhr bei Albrecht, Ditrtelgr. 17. Sitzung per Ab- teijungsleitung. Partei- nnp Betriebsfunktionäre. Die«arten bee Be» triebovertrauensleute werben dort abgesteinprlt.. Iungsszi-Ust-n.»«»p»« Norden, 7>d Uhr in der Kemeindeschul« Putbmer Strotze S C Unterholtungsabrnd.— Licht-rselde: 7�4 Uhr IM Jugendheim Albrrchrstr. 74» Bortraasabend.— Arbeitsgemeinfchaft Süden: 1V3 Uhr IN der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. tz, Disfusstonsadend.— In samt- tichen Leronstoltungen sieht zur Taaesordnuna nach dem Portrag: Au«- sprachr über unser« Zeitschrift„Iungsozialistische Bluter*. morgen, Sonnabend, den 2$. Januar: 34. Bit. 7 Uhr Funttionärsttzung bei Thiedtle, Litauer, Ecke Sraudenzer Str. 77.«bt. Schinrbrrg. 8 Uhr Familienabend bei«ill. ZNariin-Luther-Str. So. ?ugenüveranftaltungen. Verein Arbeiter. Zugend«rstz-Verfin, EW. 88, Lindenstr. I, 2. Hos, 2 Titz. Telephon Vtoritzplatz t2t«8—121 1«. Auberordentlich« mitgliederversammlungeu am Freitag, den 27. Januar: «eitzensee: Jugendheim Ledigenheim Boelckpromenade.— NicberschSn. hänfen: Gemeindeschute Slanfenburger Str. 88 70.— vchoniiertz!: Jugendheim Nupens», Gck, Sauptstratz».— Bl-nfendnig: Jugendheim Semeindeschule Trist- stratzc.— Soleuse«: Jugendheim Gemeindeschule Ioochim-Friedrich-Str. 43.'— Schdncberg II; Jugendheim Eomeniuoschule. isrrmf-nstr. 1«.—«oebit: Jugendheim Gemelndeschule Waldenserstr. 21.— v'db:ng: Zugendheim Ge- meindeschute Müller-, Gcke Triststratze.— Nculöltn-Tüdi Jugendheim Rogat- strotze 33.- Ehsrlottenbnrg: Iug-Ndheim Rosinenstr. 4.—»srbnften: Jugend- beim Gemeindeschul« Seinersdorfer Str. 18.— Stitz: Jugendheim Ghaussee- stratzr 45 sistathano). Dortrag:„Wo« ist Sozialismus'.—«blershrf: Jugend» heim Schulbaracke Hockenbcrgstrotze. Vortrag:„Kijrperpflegr".— Veter-bnrger Viertel! Jugendheim Gemeindcschule Stratzmannstr. 6. Vortrag!„Alt-Berlin*. — Vnnkow: Jugendheim Breite Str. 32, Eingang Finanzamt. Vortrag!„Wir und dir Zreidrutschrn".___ Vorträge, vereine und Versammlungen. Urb»«etnnltcfoim nnd Sernalvödagogik sprechen am Sonnabend, den 28. Januar,"!% Uhr abends, in der Aula Kochstr. 13 in Berlin in Sff-ntlicher Versammlung der-ntschirden-n Schulreformer der«r,t fbr. Mar s-dan-r und die Väsagogen Dr. Sieafried« a w e r a u und Lndia S t ö ck e r. Schlesier-Veretn„Rübezahl", Eharlottenburg. Sonntag, den 20. Januar, Feier de» lojährigen Bestchen» im«aifer-Friedrich-Zelt. Verliner Str.»5. Anfang 8 Uhr nachmittags, u.a. Theateraussührung rn schlesischer Mundart. Glisle willkommen._ � Tsnriflen.Vcrein„Die R-tnrfrennde".«ht. Mitte. Sonntag Bestchtiquna des Botanischen Garten». S-chkundia-r Führer. Treffpunkt>,<.P Uhr Bahnhof Steglitz. Teilnehmergebühr 1,25 R. Kinder unter 12 Jahren keinen gutrrtt. Geschäftliche Mitteilungen. Einschränluna»»n Brsnben. Da, glotze Borhanbenfein der sorg eich riebe- nen Feuerlöschmittel ollein genügt nickt, um die Möglichkeit der Ausdehnung eine» Brandes auszuschlieäen. Ihrer Bestimmung entsprechen all« Feuersdiutz. mittel erst dann, wenn st- stiindig durch geschulte, Personal überwacht uad instandgeholtcn werten. Eine solch« TSIigkeit hat sich die ,.I f s a zur Auf. gäbe geüellt. Sie übernimmt es, in Betrieben jeden Umfange» die Plane zu zweckmätzigen Feuersckutzanlagen aus-.uarbciten, vorhandene zu überwachen und instandzuhalten, sowie, fall, erwünscht, die notwendigen F-u-eldschaerate und dergleichen zu liefern. Die..Isfa". Aktien-Gesellschaft, deren Zentrale sich in Berlin W. 8, Wilbelmstr. 8»«. befindet, versendet ans P-rlang-n Broschüren, au» denen alle» Nähere über ihre Tätigfeit ersichtlich ist. 3)1« Firm«„Der Schuhhost veranstaltet zurzeit ihre» diesjährigen Inventur- Ausverkauf.(Sieh« Inserat.» Summ« dessen, was unter dem früheren System verdient wurde, und der g-nstige und seelisch« Zustand der Arbeiter hatte sich allgemein gebessert. Dabei worerr die Gewinn« der Gesellschafl dauernd gestiegen. Ein« Vermehrung der Produktion durcki Einführung de? Achtstundentages wurde ferner erzielt in den optischen Fabriken von Zeiß, Jena 1900: in England: in der Fischkonscrvierungsindustrie, in der Stahl- und Zinkplallenindustrie, in den Kohlenbergwerken von Porkshir«: in den Vereinigten Staaten: in den Hochöfen von Cleveland, m den Kohlenbergwerken von Illinois, in den großen staatlichen Dapier- iabriken sowie in einer Anzahl verarbeitender Industrien. In der Granitbearbeitungsindustrie wurde durch allmähliche Verkürzung der Arbeitzeit festgestellt, daß der Sieben st undentag die vor- teilhast« st«n Ergebnisse liefert. In Amerika besteht«in Studienomt von Arbeitgebern, dem mehr als 50 000 am-trikanssche Industrielle anaehören. Dieses Amt hat umfangreiche Erhebungen über Arbeitszeit und ArbeitÄeistung angestellt. Aus den Berichten über die sorgfältige Erhebungen die'es Amtes geht hervor, daß die V e r k ü r z u n g der Arbeitszeit in großen und kleinen Betrieben die besten Resultate erzielte. Einen glänzenden Leweis für die trügerischen Vorteile des langen Arbeitstages haben die«nglsschen und sranzösijchen Munitionsfabriken während des Krieges geliefert. Zu Beginn des Krieges verzichteten die Ar- heiter und Arbeiterinnen auf die Sonnabend» und Sonntagsruh« und nahmen aus nationalen Gründen Arbeitstag« von 12, 13 und mehr Stunden an. Nach einem Jahr« war die Produktion pro Kopf des Arbeiters so gesunken, daß man,„um die Produktion zu heben', die wöchentliche Ruhezeit wieder«inführen und die tag» liche Arbeitszeit verkürzen mußte. Seit dem Jahre 1915 haben sich die Kenntnisse über die Frage des Achtstundentages wesentlich vertieft und bereichert. Heute sind es nicht mehr die Forschungen der Physiologen oder die Erkahrun- gen einzelner Industrieller, die uns über die Folgen der Arbeitsdauer und der Arbeitsbedingungen Aufschluß geben, sondern es sind bereits in verschiedenen Ländern d-tr Welt vier grosse� Erhe- hungert") mit großem Aufwand an Mitteln und Zeit unter Führung hervorragende? Spezialisten durchgeführt worden. Die erst« Er- Hebung dieser Art wurde von dem„Ausschuß zum Studium der Er» müdunq" der britischen Tet«ll'chaft zur Förderung der Wissenßhasten unternommen. Dieser Ausschuß kam. bei Betrachtung der Ermüdung vom volkswirtschaftlichen Standpunkt au«, zu dem Schluß, daß die langen Arbeitstage durch die Abnahme der Pro- duktion, durch die größere Anzahl der Unfälle und die Zunahm« der Ausschußprodukt«, durch das höufioe Fehlen der Arbeiter, den Unternehmer schädigen. Eine zweite Erhebung� hat ein enstlilcher Professor aus Bristol im Aussrage des„Home Office" an- aestellt, die sich sowohl der physiologischen Methoden als auch der Forschungen über den Ertraa bedient. Das Ergebnis seiner For- schung stellt fest, daß die Verlängerung des Arbeits- tages, die Uebersiuisten. die Nachtarbeit, die früh« Morgenarbeit. die Unterdrückimg der Ruhepausen und des wöchentlichen Ruhetages. ungenügende Ernährung ulw. eine ganz beionders schabt» gen de Wirkung haben. Unter solchen Bedingungen ist die Produktion manchmal so schwach, daß z. B. der Ertrag des Zwölfftundentages unter den des Achtstundentages heraosmkt. �Etne weiter« Untersuchung hat das englische„Munitionsmmislenum nn- aestellt und hat während einer Beobachtungsdauer von nahezu mns Jahren ähnliche Eraebnisse erzielt. r wöchentlichen Arbeitszeit von v8,2 auf 412 Stun- den— 7 Proz. hat den Wochenerrrag um 22 Proz. vermehrt Bei Frauen wurde die Arbeitszeit von 6ö,2 auf 4S,Y Stunden- 20,6 Proz. zurückgesetzt, was«in«? Vermehrung des Wochenertrages von 9 Proz. gleichkam. Di« vierte Erhebung dieser Ast wurde von der amerikanischen Kommission des Rates der nationnl-n Verteidigung m'der gleichen Wesse fortgeführt. Das Weientlichst« aus diesem Bericht ist die Feststellung, daß auch hier zur Steigerung der Produktion die Arbeitszeit verkürzt werden mußte. Alle dieie Erhebungen haben von neuem die Ansicht bestätigt, die bereits im Jahre 1902 nach vierjährigem Studium der vom Kongreß der Bereinigten Staaten ernannte industrielle Ausschuß äußerte: Die Industrie bewegt sich zweifellos in der Linie zu- nehmender Anstrengungen. Angesichts dieser Tassach« gibt«s nur ein Mittel, die Gesundheit und Langlebigkeit unserer arbeitenden Bevölkerung zu schützen: Derkürzung der Arbeitszeit. Niemals hat die Einiührung der oerkürzten Arbeitszeit die Kon» kurrenzfähigkeit eines Landes auf dem Weltmarkt« geschwächt. De- sonders wertvoll sind diese Feststellungen, weil sie unter Füh- rung Industrieller Kreis« gemacht wurden und ausnahms- los ein günstiges Urteil über den Achtstundentag enthalten. Auf der internationalen Arbeitskonferenz in Washington wurde bereits«in internationales Uehereinkommen zur Einführung des Achtstundentages getroffen. Dieses Ueberein- kommen soll von den beteiligten Ländern ratifiziert werden und somit der Achtstundentag in die nationale Arbeitsgesetzgebung auf. genommen werden. Aber gerade in der Ratifikation dieses lieber» emkommcns machen sich in den meisten Ländern heftig« Wider- stände des Unternehmertums geltend. Während sich aber die meisten Länder damit begnügen, das Abkommen einlach nicht zu ratifizieren, geht Engkemh bereits offen zum Angriff auf den Achtstundentag über, indem es an den Verwaltungsrot des Internationalen Arbeltsamis in Genf den Antrag fl-ellt«, das Acht- stundentagabkommen auf der nächsten Internationalen Arbeitskon- ierenz einer Revision zu unterziehen. Die Erhaltung und die Erkämpsung des Achtstundentages ist also nach wi« vor eine Frage der Stärke der Arbeiterbewegung in den ein» zelnen Ländern. Für die deutsche Arbeiterbewegung ist die Frage insofern von Bedeutung, als auch das deutsche Unternehmertum mit allen Mitteln versucht, den Achtstundentag wieder abzubauen, um so mehr, als das internationale Uebereinkommm über h-n Acht- stundentag von Washington demnächst dem Reichstage zur Rott- fikation zugehen wird. ') Int. Arft.-Amt Genf: Erhebung über die Produktion. Bd. Ii Einlettende Denkschrift. Etatsöebatte im Lanötag. (Schluß aus der Abendausgabe.) In der Etatsdebatte des Landtags führte Genosse Heitmann weiter auS: Cbarakitristisch hierfür ist der Fall des demokratischen LandrateS Friedensburg. An der Hetze gegen ihn hat sich auch der vorgesetzte Regierungspräsident, ein Gras von BauZissin, beteiligt. Die Demolratifierung der Verwaltung mutz mit allem Nachdruck fortgesetzt werden. Dringend zu fordern sind baldigst Gesetze über die Reform der Lehrerbildung und über die Trennung von Kirche und Staat. Die Arbeiter verstehen es nicht, datz die Ausübung der Zufliz immer noch ein Klassenvorrecht Jum Schluß setzte sich der Redner mit großem Nachdruck für die ErfüllungSpolitit de? Kabinetts Wiilh ein und begrüßte es, daß sich im Reichstag jetzt eine Mehrheit für den Weiterbestand des Ka- binettS Wirlb und feine Steuerpolitil gefunden habe.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Dallraf(Dn.) wendet sich gegen die Ueberspannnng des Cinheitsgedankens. Di« Grundsteuer muh als reine Rommu- n o l st e u e r ausgestaltet werden. Die zerrissene Gegenwart ist für eine Derwastungsreform wenig geeignet. Abg. Dr. hager(Ztr.) stimmt den Ausfiihrungen des Finanz- Ministers namentlich in dem zu. was er von den staatlichen Be- triebsocrwaltungen gesagt hat. Die Ausgaben für die Schutzpolizei erscheinen uns zu hoch. An der konfessionellen Schule halten wir fest. Wir stehen aus dem Boden der Verfassung, wenn auch ein großer Teil meiner Fraktion monarchistisch gesinnt ist. Abg. Leid(USP.): Die Teuerung wächst unaufhaltsam. Nun soll auch noch der Brotpreis von 7 auf 14 M. steigen! Die Grund- fteuervorlage lehnen wir in der vorliegenden Fassung ab. Die Steuersätze sind uns zu gering. Der Besitz muß kräftiger erfaßt werden. Wenn man 1918 den Besitz der hohenzoilern als Staatseigentum erklärt hätte, dann brauchte jetzt nicht mehr so viel Zeit darauf oerwendet zu werden. Eine Koalitionspolitit, die zu einem Ministerium B o e l i tz führt, ist der schlimmste Schade für die Arbeiterklasse. Abg. Dr. v. Campe(DVP.): Der Abg. heilmann meinte, die Beamten der Finanzämter wollten nicht für die Republik arbeiten. Nein, der Grund ist, daß sie infolge der Unübersichtlichkeit und UeberhSufung mit der Arbeit einfach nicht fertig werden. Die Etat- beratung muß bis zum 1. April abgeschlossen sein. Abg. Rogg(Komm.): Die Unrentabllitäl der Staatsbetrieb« ist darauf zurückzuführen, daß die Industrie den Staat bei feinen Ein- käusen schamlos über das Ohr haut. Di« deutsche und preu- ßijche Politik wird zurzeit von Stinnes regiert. Die Sozialdemo- traten sind wieder einmal umgefallen und haben offenbar auf die Erfassung der Goldwerte verzichtet.(Widerspruch bei den Soz.) Wir haben tem Vertrauen zu dem Ministerium, s e o e r i n g ist für uns die Verkörperung der Reaktion.(Gelächter bei den Soz.) Abg. Oeser(Dem.): Man darf nicht nur Sparsamkeit mit War- ten fordern, man muß auch danach handeln. Di« Annahme des Londoner Ultimatums hat sich trotz der schwerwiegenden Folgen für unsere Valuta als richtig erwiesen. Nicht eine Politik von heute aus morgen, fondern das zielbewußte Begehen des dornenvollen Weges der Erfüllung kann uns zum neuen Ausbau führen. Daraus wird die Aussprache abgebrochen. Das Hans vertagt sich auf Freitag, 11 Uhr: Weiterberatung. Schluß nach Uhr. örkefkaften üer Reüaktl'on. Briefliche Auekunst wird nicht erteilt.— Jeder für de» Briet- kalten bestimmten Ansraz« sitze man einen Buchstaden und eine Stummer bei. Eilige Auslagen trage man in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr.& 1. Hos pari, linke, vor. Schrlslstllcke und SertrSge find mitzubringen. P. v. Uns ist darüber nichts bekannt: wenden Sie sich an die Seelogisch« Landesanftalt, Berlin 3!. 4, Inoalideustr. 44.—«. 1. Unseres Willen, gibt es einen sslchen Alma nacht fragen Sie bei der Redaktion des„Film-gurier*, B. st., Leipziger Str. 3S,«ue, �_ Wivtfdyafi Akkive Handelsbilanz Deutschlands im Dezember. Der deutsche Außenhandel hat im Monat Dezember ein über- raschendeS Ergebnis gezeitigt. Hatten sämtliche vorangegangenen Monate einen starken Ueberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr gebracht, so überwog im Dezember die Warenausfuhr dem Werte nach um 0,9 Milliarden Mari den Import. Erkauft wurde diese günstige Wendung der Handelsbilanz mit einer starken Ein- schränkung der Einfuhr, die mit 20,9 Mill. Doppelzentnern der Menge nach den niedrigsten Stand seit dem Monat Juli erreichte, dem Wert nach allerding« gegen November noch um 1,4 Milliarden oder 11,1 Proz. zugenommen hat. ES ist dies eine Folge der Balutaverschlechterung. Die Warenausfuhr hingegen ist sowohl dem Werte wie der Menge nach gegen den Vormonat gestiegen und erreickte im Werte den höchsten Stand, seitdem Einzelangaben über den Außenhandel der Nachkriegszeit vorliegen. Die Gegenüber- stellung von Ein- und Ausfuhr ergibt für diese Zeit folgendet Bild: Einfuhr Ausfuhr Menge in Verl in Menge in Wert in MAwnen Milliarden Millionen Milliarden Doppelzentner Merk Doppelzentner Mark Dezember 1921 SO.S 18,7 19.3 14.« November„ 25,3 12,3 19,1 11,9 Oktober, 30,0 18,9 19,7 9,7 September„ 25,3 10.7 18,7 7,5 August. 21,1 9,4 18,3 6.7 Juli. 192 7,8 15,6 6,2 Juni. 18,2 6,4 16,1 5,4 Mai. 15,3 6,5 11,4 4,5 Dezember 1920 20,0 17,6 7,8 Trotz des günstigen Ergebnisses im letzten Monat de» Jahre« bleibt die Handelsbilanz nach den Berechnungen des Statistischen RetchSamte« immer noch stark passiv. Die Einfuhr überragte in den Monaten Mai bis Dezember, für die Sinzelangaben bisher vorliegen, die Ausfuhr dem Werte nach immer noch um 12,1 Milliarden Mark. Der Ausfuhrüberschuß deS letzten Monats wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht die Einfuhr von NahrungS« mittel» stark eingeschränkt worden wäre, ein Vorgang, der volkswirtschaftlich durchaus unerwünscht ist, weil er die Lebens- Haltung de« Bolle« herunterdrückt, der sich aber au« der Batuia- Verschlechterung erklärt. Hier zeigt sich deutlich, wer bisher in Wirklichkeit die Goldmarkschulden«n die Entente bezahlt hat,»äm» lich der Verbraucher._ Reichswlrtschafisrat und Droipreispolikik. Der Ausschuß de» Reichswirtschaftsrats für Landwirtschaft und Ernährung beschäftigte sich mit dem Beschluß der Reichsregierung auf Erhöhung der Mehl» und Brvtpreise mit Wirkung vom 16. Februar ab. Der Vertreter des Reichsministeriums für Er- nährung und Landwirtschaft begründete die Maßnahme der Reichs- regierung mit dem Verlangen der Entente auf Abbau der Reichs- Zuschüsse zur Entlastung des Reichshaushaltes und der seit der letzten Festsetzung des Brotpreises eingetretenen außerordentlichen Ver- schlechterung der Valuta. Im Anschluß daran legt der Vorsttzende der Reichsgetreidestelle die E i n k a u s» p 0 l i t i k dieser Stelle in eingehenden Ausführungen dar, die für oertraulich erklärt wurden. Auf eine Anfrage von Ver» tretern der Landwirtschaft, warum im September und Oktober des vergangenen Jahres nicht freies Inlandsgetreide zu den damals noch billigen Preisen aufgekauft worden sei, erklärte er, daß der Markt in diesen Monaten sehr klein war, wie Börsenberichte zeigen, die Um- sätz« von nur SOO Tonnen aufweisen. Jeder Käufer beein- fluhte die Preis«, Käufe der Reichsgetreidestelle hätten sie also stark hochgetrieben. Eine derartige Preissteigerung hätte aber gerade nicht im Interesse der Landwirtschaft gelegen, die sich zu der Zeit auf dem freien Markte eindecken wollt«, teil» zur Er- füllung der Umlage, soweit sie sich nicht aus eigenem erfüllen konnte, teils ffir ihre sonstigen Betriebszchecke. Außerdem lag im SepleftbeJ der inländische Getreidepreis noch über dem Weltmarktpreis. In der Erörterung wurde allgemein anerkannt, daß es sich bei der Brotpreiserhöhung um eine notwendige Folg« der passiven Handels- und Zahlungsbilanz der deutschen Dolkswirtschast und der damit verbundenen Markentweriung handelt. Im einzelnen wiesen die Arbeitgeber der Landwirtschaft darauf hin, daß die Brotpreis- erhöhung der Landwirtschaft in keiner Weise zugute komme, da der Umlagepreisderalte bleibt. Vertreter der A r b« i t n e h m e r und Verbraucher betonten, daß die Sluswirkung einer Brot- Preiserhöhung eine Erhöhung aller Preise sein würde und es dem- entsprechung mit einer Lohnerhöhung, die rein rechnerisch nur die Brotpreiscrhöhung berücksichtige, nicht getan sein könne. Eine be- sondere Hilfsaktion wurde für die Rentenempfänger gefordert. Mit 12 Stimmen bei einigen Stimmenthaltungen wurde darauf eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt: „Unter Berücksichtigung der obwaltenden Umstand« war der Beschluß des Reichskabinetts unvermeidlich. Der Ausschuß fordert indessen die Regierung auf. dahin zu wirken, daß Maß- nahmen ergriffen werden, durch die Lohn- und Renten- « m p f ä n y e r in den Stand gesetzt werden, die Folgen der Brot- Preiserhöhung in ihrer vollen Auswirkung zu ertragen. Bon der Reichsregierung wird erwartet, daß für die lieber- gangszeit von der alten zur neuen Ernte ausreichende Getreide- r e s e r v e n beschafft werden, damit nicht zum hohen Brotpreis auch noch eine Brotknapphcit hinzutritt." Deutschlands Salzausfuhr. Die Gesamtaussuhr von Stein- salz betrug im Jahre 1921 rund 637 000 Tonnen im Werte von 121 Millionen Mark. Sie ist gegen das Jahr 1920, in dem sie 1,230 Millionen Tonnen im Werte vim 280,5 Millionen Mark erreichte, der Menge nach um etwa 50 Proz., dem Werte nach um etwa 57 Proz. zurückgegangen. Der beste Abnehmer war Groß- britannien mit feinen Uebcrseegebieten, das 130 Proz. der Ausfuhr von 1920 aufnahm. Es folgen Belgien(83 Proz.), Finnland(67 Proz.), Ungarn(63 Proz.), Dänemark und Tschechoslowakei (60 Proz.), Schweden(55 Proz.) und Holland(53 Proz.). In Norwegen(29 Proz.) machte sich der Wettbewerb de? Mittelmcersalzes stark fühlbar. Nach Jugoslawien und Bulgarien kann eine Steige- rung des Absatzes erwartet werden, sobald sich die Anpassung der deutschen Salzproduzenten an die eigenartigen Bedarfsoerhältnisse dieser Länder in noch stärkerem Maße vollzogen haben wird. Polen und Rußland werden aussichtsreiche Absatzgebiete werden, denn sie sind noch auf absehbare Zeit aus die deutsche Salzaussuhr ange- wiesen. Die Ausfuhr nach Uebersee betrug 41 Proz. der Menge von 1920 und entwickelte sich verhältnismäßig günstig. Di« Umwandlung von Reichsbekleidungsämtern in Aktiengesell. schafien ist beabsichtigt. Dazu erfährt die„Deutsche Äonseklion". daß das Aktienkapital der zu gründenden Deutschen Kleider- werke A.- G. sowie der Allgemeinen S ch u h i n d>1 st r i e A..®., welche die Betrieb« der Bekleidungsämter übernehmen sollen, je zehn Millionen Mark betragen wird. An der Gründung der Deutschen Kleiderwerte A.-G. beteiligt sich das Reich mir 26 Proz., ferner einige Herrenkonfektionsfabriken. 10— 15 Proz. des Aktienkapitals sollen verschiedenen großen Ein- zelhondelskonzernen angeboten werden. Folgende Reichs- bekleidungsämter sollen von den neuen Akticngesellschasten über- nommen werden: Breslau, Stettin, Hannooer, Kassel, Ludwig sburg, Kiel, Wilhelmshaven. Eine Ausnahme- stellung nimmt das Reichsbekleidungsamt Dresden ein, das in einen gemischtwirtschaftlichen Betrieb umgewandelt werden soll, an dem der sächsisch« Staat, die Industrie, die Arbeitnehmer- 0 r g a n i s a t i 0 n e n, das Handwerk und die Arbeiter des Betleidungsamtes mit je 20 Proz. sich beteiligen wollen. Arbeitersport. Ei» IksenMche» Sntntn veranstaltet beut« aTinri) B<4 Uhr die Knabe»- Abi. Osten der Freien Turnerschast Erost-Berlin»ur Feier ihre» zweijährige» Bestehens in■ der Turnhalle Petersburger Str. i. Eltern und Kinder als SSste willkommen. 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Bericht von den Lohn- Verhandlungen. L. Etellungnahme zur neuen Em» gxgpplerung. 3. Brandjeuanaelegenheiun. IU/13 Die Octsocctoalfanf. MM» des ieloaiiim. Sonniog. den 28. Zannnr, norm. 8 /, Ahr, im Saale der SStzem-Srancrrt. Prenzlauer ote. 212: FunKtionär-Uersammlung oller Znnklionär« aas den Belrieben, weiche dem VSMZ. angeschlossen sind und zum Bletallkarlell gehören. Tagesordnung: l. Bericht vder die Beehandtungen im ZieichsardeUemtnifterium� 2. Bislulsion MW" Ziulritt nur gegen«orzeigung de» Mitglledeauswelse» einer dem Metollkartell an. aefchiosten«» Organisation und der mu dem otemprl »BMJ.»ersehenen Funttionärtarte. San melaniatltlL 3-«:«eutfchrr Metallardettcr verband. Möbelfabrik Rob. Seelisch Serlln 0 11t, Ria»«"- Str.71.7lf, 9 Min. rem Bhf. 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