Nr. 46 ♦ 39. Jahrgang flusgade fi Nr. 25 BeMgSprciSt WnitnifctI.ftJ,— M.. msnall. 19,— S*. trei in» Saus, sotau» lablbar. PoN- leju«): Msnallich 20,— M. sln(d)L Zu» ftellnnaszkdllbr. Unter Rreujbanb tür Deutschland, Danzig. das Saar- und Memeiaediet. sowie die ehemals beut» schen Gebiete Polens, Oesterreich- Ungarn und?uiemburg dt,— M.. für das übrige Ausland 72,— M. Poß» defteaungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheebs» Glsmatei, Dänemark, Holland, Sujemburg, Schwede» und die Schweiz, vor„Porwärls� mit der Sonntogt- beilage.Volk und Seif, der Unter- haitungsbeiloge.Lennwelf und de» Seilage»Siedlung und Kleingarten� erscheint wochentäglich zweimal, San» tags und Montags einmal. Telearamtn-Adrelse: aSojUUöeinotcat OetBn" Abend Ansgalie c Groß- Berlin 40 Pf. •uswärfs£0 PfennEg D Oevlinev Dolhfiltlatt Zentralorgan der fozialdcmohratlrchcn Partei Deutrcblands rl«zcig«nv?»iS: SHt zehngefpaltene ÄonssseUIejeile kostet 9,— M,.(tlahic A»zatgS«>- das fettgedruckte Wort V— M..'zu- lässig ztpei fettgedruckte Worte), jedes «eitere Wort I�tO R Stellengetuche und Schlafstellenaxgeige« de» erste Wort 1,80 M., jedes«ei'eee Wert I,— M Worte llder l» Uuchstnden zählen für zwei Worte Familien-Ai-» zeigen für Abonnenten fjeile M. Sie Preise oerstehe« flch eenschlietllch Teuerungszuschlag, Anzeigen fllr die nächste stknmme» müssen bis<>/, Ahr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin EW 08, Linden» ftraste 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh dis»Uhr»achmrttags. Redaktion und Expedition: EW HS, Ltndenstr. Z 5ki�r-,'trn!-rt,-n- Rrdaktisn Mvrtnplat, iSlita—»7 n ern,p.cn,kr. �prdition«DiorifeUlali 117 53-51 Freitag, den 37. Januar 1933 vonvärts.verlag G.m.b.H., EW b8, Ltndenstr. Z okernivredtsr- Verlag,»xpedttivo und Inikratcn. Abtcilu»« Morit-Pla« 1,753 51 Amerika in Genua nicht vertreten. L o n d o n, 27. Zomuar. sIVTV.) R«uker meldet an» Washington: von zuständiger S.ile wird milgeteilt, daß die Regierung der Vereinigten S t a at e n nicht bereit ist, an der Konferenz von Genua, die zu dem vorgesehenen Zeilpunkte statlsinden werde, teilzunehmen. Die amerikanische Regierung würde indessen dem Plan einer w i r t s ch a s ts k o n f e r e n z, die s p ä t c r. d. h. wenn Europa Zeit gehabt habe, wieder zu stabilen Zuständen zu gelangen, abzu- hallen wäre, günstig gegenüberstehen. Die ablehnende Haltung der Vereinigten Staaten ist nicht überraschend. Es war von vornherein nicht anzunehmen, daß sich die Regierung der Vereinigten Staaten in die politischen Verhältnisse Europas einmischt. Auf der anderen Seite bält man in Amerika eine Gesundung Europas nur für möglich, wenn der Frage der Landabrüstung eine größere Auf- merksamkeit geschenkt wird, und wenn die Reparationen auf ein für Deutschland erträgliches Maß herabgesetzt werden. Das sind aber politische Fragen ausgesprochen europäischen Gepräges, über die erst einmal Klarheit geschaffen werden müßte, ehe Amerika bereit ist, sich wirtschaftlich fllr Europa zu interessieren. Was die Frage der Reparationen anbelangt, fo wissen wir heute, daß ein ernster Widerstand gegen eine Revision nur noch von französischer Seite ausgeht. Vei der Landab- rüstung kämen vor allem Frankreich, Rußland und Polen in Betracht. Aber auch hier, liegt die Entscheidung bei Frank- reich, da Polen lediglich der Treuhänder Frankreichs ist, und Rußland unter den'heutigen Umständen keinen Gr-'nd mehr hat, inmitten eines pazifistischen Europas Millionen- Heere zu unterhalten, Frankreich seinerseits ist in der Lage, seinen cheeresetat auf ein vernünftiges Maß herunterzusetzen, wenn ihm seine im Versailler Vertrag festgelegten Grenzen garantiert werden und wenn es für die Zukunft auf m i l i- tärische Abenteuer verzichtet. Die Konferenz von Genua braucht an der Absage Amerikas nicht zu scheitern, da von dieser Seite ausdrücklich erklärt wird, man werde über eine Teilnahme an dem wirtschaftlichen Wiederaufbau Eurovas zu verhandeln bereit sein, sobald die politische Seile der Frage gelöst ist. » Washington. 27. Sanuar. sWTB.) Der Senat Hot in erster AbstimmunI den Abänderungsontrag zu dem Ersetz betreffend die Konsolidierung der alliierten Schulden genehmigt, wonach der Zinssatz nicht geringer als VA Prozent sein soll. Rußlanös Delegierte für Genua. Moskau. 27. Januar. lWTV) Die Sowseireglerung wird auf der Konferenz von Genua durch Krassin, Litwinow und Joffe vertrelen sein. Das Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiken ver- lavkbart: Enigcgen den in der französischen Presse geäußerten An- schuldigungen, daß auf der Konferenz von Genua versucht werde, bolschewistische Propaganda zu betreiben, wird seflge- stellt, daß Ruhland von dem Willen beseelt ist. s i ch s e l b st w i e d e r auszubauen und am Wiederausbau Europas tätigen Anteil zu nehmen, und daß es sich auf der Konferenz von Genua nur wirifchoftlicheu Fragen widmen werde. Die Note im Ausschuß. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags trat am Frei- tag unter dem Vorsitz des Abg. Müller- Franken(Sog.) zu einer Besprechung der Note der Reichsregierung a n d i e !Reparatlonskommiss,on zusammen. Zunächst be- richtete Staatssekretär Schroeder vom Reichsfinanzmini- sterium über den Inhalt der deutschen Note, die Voraussicht- lich in den nächsten Tagen veröffentlicht wird. Hierzu sprachen noch die Abgeordneten Dr. H e l f f e r i ch sDnat.). Stampfer(Soz.), Dernburg(Dem.) und D a u ch (D. Dp.). Auch der Reichskanzler ergriff zu kurzen Ausfüh- rungen das Wort. Den Verhandlungen wohnte Dr. Rothe- nau bei, der sich aber an der Aussprache nicht beteiligte. Wahlen zum Moskauer Sowjet. Moskau, 27. Lanuar.(Intel.) Am 23. Januar begannen die Reuwahlen zum Moskauer Sowjet. Don den bisher Gewählten gehören Zv7 der Kommunistischen Partei an, 32 sind Parteilose, die von den kommunistischen„Zellen" aufgestellt wurden. Di« kommunistischen Führer, Lenin, Trotzki, Kalinin, Ka- menew und andere, wurden wiedergewählt. Die anderen Parteien, Menschewiki und Sozialistenreoolutionäre scheinen diesmal noch weniger Kandidaten durchbekommen zu haben als bei früheren Wahlen. Demertenswert ist, daß von ein- zrl.-g-n Betrieben Morty und Dadina, di« Führer der auf. rührerifchen Malrosen vom Schwarzen Meer, die in Frankreich zu schweren Gefängnisstrafen verurteilt sind, zu ihren Delegierten im Moskauer Sowjet gewählt worden sind. Die betreffenden Betrieb« haben sich an Tschitscherin mit der Bitte gewandt. Marty und Da- dina von ihrer Wahl zu benachrichtigen und die französische Regie- rung zu ersuchen, den Beiden Gelegenheit zu geben, von ihren Rechten als Mitglieder de» Moskauer Sowjet» Gebrauch zu machen. polniscte propaoanöastelle in Memel. In Memel hoben di« Polen, wie VZ. mitteilt, mit Srlaubni, der Franzosen eine amtlich« Propagandnstelle eingerich- tet, die der polnischen Propaganda iu Ostpreußen als Rückhalt dienen soll. An ihrer Spitz« steht ein berüchtigter polnischer Agent au» der Lbstimmungszeit, der nach der Abstimmung da» Abstim- mungsgebiet schleunigst verlassen hatte, nunmehr aber wieder ver» sucht, alte Berbindungen mit Allenstein und Ortelsburg aufzunehmen. Angriffe auf Severins» In der Freitagsitzung des Preußischen Landtages sprach bei der Fortsetzung der ersten Beratung des Haushaltsplanes der Abg. Drewitz(Dnat.). Hierauf rechtfertigte Minister des Innern S e- vering in längeren Ausführungen seine Amtsführung gegenüber den Angriffen der Deutschnationalen. In der zweiten Rednerreihe wird für die sozialdemokratische Fraktion der Abg. Krüger-Pots- dam sprechen. Das völkerbunöproblem. Die„Deutsche Liga für Völkerbund" hatte mit ihrer englischen Schwestergesellschaft, der./Lenpfiie of Xationa, Union" einen Schriftwechsel über die oberschle- fische Frage, im Verlaufe dessen die deutsche Liga darauf hinwies, daß in der deutschen Bevölkerung zum Teil auch des- halb eine gewisse Verstimmung gegen den Völkerbund besteh«, weil man die dem Geiste des Völkerbundes entgegengesetzte Art, wie die Entscheidung der deutschen Regierung ausge- zwungen wurdi, fälschlicherweise dem Völkerbund und nicht dem Obersten Rat zur Last gelegt habe. Derartige Mißver- ständnisie fänden ihr« wesentliche Ursache darin, daß die deutsche Regierung zu den Sitzungen des Völ- kerbundrats über Augelegeuheiten nicht Hinzuge- zogen werde, über die mitzubeschließen Deutschland als Mit- glied des Völkerbundes ohne weiteres das Recht hätte. Ohne die juristisch mögliche Teilnahme an solchen Sitzungen, so heißt es in dem betreffenden Schreiben, können die Entscheidungen den Eindruck der Parteilichkeit nicht vermeiden. Wir brauchen al» Beispiel nur da, Ihnen wohl bekannte Urteil der deutschen Oefsent- lichkeit über die S a a r p o l i t i k de» Regierungsausschusse» und da- mit de, Bölkerbunde» anzuführen, um zu zeigen, daß durch da» Fehlen Deutschland» bei den betreffenden Berhandlungen sogar solche Maßnahmen, die im objektiven Interesse der Saarbevölkerung liegen, den Stempel einer gegen Deutschland gerichteten Einseitigkeit tragen können. Man kann Gerechtigkeit von einer Körperschaft nicht erwarten, die in Saarangelegenheiten dem bewußten Willen einer Großmacht ohne die Gegenwirkung des andern an der Sache un- mittelbar beteiligten großen Bolkes ausgesetzt ist. Solange die dem Bölkerbund innewohnend« Tendenz zur Universalität sich noch nicht wenigstens bis zur Hinzuziehung Deutschlands zu solchen Beratungen durchgesetzt hat. muß der Eindruck bleiben und sich dauernd verstärken, daß der Bund von gewissen Traditionen noch keineswegs frei ist; und solange wird auch unsere Aufklärungs- arbeit in Deutschland, wie über die oberschlesische Entscheidung, nicht von Erfolg begleitet sein können. Eine Aenderung hierin könnte am leichtesten durch einen der Mitgliedstaaten selber angeregt werden. Denn jede» Dundesvolk hat das Recht, die Aufmerksamkeit des Bötterbundrates auf da» Fehlen Deutschland» in seinen Sitzungen über das Saar- gebiet als einen Umstand von Bedeutung für die internationalen Be- Ziehungen zu lenken, der das gute Einvernehmen zwischen den Däl- kern zu stören droht, von dem der Weltfriede abhängt." Das Schriftstück endet mit der Bitte, sich öffentlich für di« Beteiligung Deutschlands an der Saarge- bietsverwaltung einzusetzen. Am wirksamsten sei es allerdings, wenn d'« Regierung eine» Bundesvolkes selbst di« Initiative ergreif«. Dollar fteiat wkeöer. Infolge des überraschend starken Rückganges der Mark an der gestrigen New Porker Börse und im Hinblick auf die ablebnende Haltung der amerikanischen Regierung gegenüber der Konferenz in Genua machte sich heute an der Berliner Börse wieder eine starke Rachfroge nackt Devisen geltend. Dollarnoten wurden um di« Mittagsstunde mit Lliv bis 80? M. gehandelt. An der Effektenbörse voll.zog sich heute bei sehr stillem Geschäft ein weiterer Rück- schlag. Die Kursfenkuncren waren bei den meisten Papieren wesentlich größer als gestern. Die neue Grundvermögenssteuer Bon I. K l e i n m e y e r, M. d. L. Zur kritischen Betrachtung der Vorlag« einer neuen Grundvermögenssteuer in Preußen, di« am kommenden Eonnabend im Landtage verhandelt werden soll und bereit, mit dem Odium der Ablehnung durch den Staatsrat belastet lst, liegt um so mehr Veranlassung vor, als die Oeffentlichkeit bis jetzt wenig oder gar keine Stellung genommen hat. Für uns gilt zu untersuchen, ob die Vorlage denjenigen Anforde- rungen entspricht, die wir an«in Steuergesetz in sozialer Hin- ficht stellen, ob das Steuerobjekt richtig erfaßt wird, kein Raum für Steuersabotage gegeben und auf ein Mindestmaß von Kosten der Eintreibung beschränkt bleibt. Die Vorlag« als ganzes gesehen, ist eine gesetzgeberische Halbheit wie so vieles in Preußen. Auch als vorläufige Regelung müßt« die vorlag« heute schon klar die Richtung der späteren Regelung erkennen lassen. Hierzu ist es notwendig, den kj 2 gänzlich umzugestalten, und zwar so, daß die Erfassung des Steuerobjskts nach dem gemeinen Wert zu erfolgen hat, das ist der- Jenige Wert, den ein Grundstück nach den Begriffsbestim. � mutigen des allgemeinen Landrechts für seinen Besitzer haben .kann. Wenn diese, aus technischen Gründen vorläufi, nicht � restlos durchzuführen ist, so muß versucht werden, dem Ee° � danken so nahe wie möglich zu kommen. Die Regierungsvor- lag«, die als Besteuerungsgrundlag« die Ergänzung, steusr- werte von lOltz 17 mit entsprechender Vervielfachung vorsteht, kommt diesem Gedanken nickst so nahe, wie es unter den äugen- blicklichen Verhältnissen möglich ist. Wir haben e» hier weder mit einem Werte, der auf dem Nutzungsprinzip aufgebaut wäre, noch mit einem gemeinen Wert, im lanlstäufigen Sinne auf Grund der Beobachtungen des Grundstücksmorkte» zu tun. Vielmehr haben wir es bier mit einem Verlegenheitsvrodukt. mit einem imaginären Steuerwert zu tun. der all« Mängel einer ungleichen Belastung in sich trägt und sich u n° lo-zi al auswirkt. Zur besteren Würdigung dieser Mängel ist es notwendig, kurz die Entstehungsgeschichte der Er- gänzungsstet.ierwert« zu beleuchten.>?hnen liegt, bei dem ländlicben Besitz, die Bonitierunq nach dem Grundsteuerg-'ietz vom 21. Mai 15(11 zugrunde. Je nackt der pbvfikalischen B?» � schaffenheit des Grund und Bodens erfolgte die Ein�ruppierun-z in 5 verschiedene Klassen. Z.ur Illustration der damaligen unterschiedlichen Bebcmdlung des Großgrundbesitzes im O st e n gegenüber dem Kleinbesttz im Westen dien« falgend?» Beispiel, das ich einer Fachzeitschrift entnehme: Der durch- schnittlich« Gnindsteuerreinertrag in einem östlichen und einem westlichen Regierungsbezirk— festgestellt im Jahr» 1865— beträgt für 1 Hektar Ackerland in Mark: in Klasse. im Osten..... im Westen..... im Westen mehr. ! in Protenten... Hierbei muß jedoch festgehalten werden, daß die Rein- erträge pro Hektar gleichmäßig auf alle G r ö ß« n des l ä n d- lichen Besitzes festgesetzt wurden. Bei Einführung des Ergänzungssteuergesetze, im Jahr« 1895 sind nun diese Donitierungszahlen grundlegend gewesen für die Aufstellung der erstmaligen Tarif« zur Schätzung de» Grundvermögens. Rur mit dem Unterschied, daß nun- mehrauchnocheineStaffelungimReinertrag zwischen Groß- und Kleinbesitz eingesübrt wurde. Folgendes Beispiel derselben Zeitschrift illustriert am besten die Wirkung der auf dieser Grundlage aufgebauten Steuern. Alle neuen Erwerbungen der letzten 6 Jahre werden steuerlich in'einer geradezu ungewöhnlichen Welle geschont. Folgend« Perbesserungen des Gesetzentwurfes er- scheinen notwendig: Auch in dem vorläufigen Grundsteuergefctz muß klar her- ausgestellt werdest, daß da, Steuerobjekt nach dem„g e- meinen Wert" erfaßt werden soll. Für die Errechnung des Wertes hat zu dienen bei einem Grundbesitz die Ein- heitssätze einer Bonitierungstabelle, deren Eteueraufstellun� sofort in Angriff zu nehmen ist: für den G e b ä u d e besitz nach einem durchschnittlichen Mietwert, wofür Normaltarife auszu» arbeiten sind. Me Tarif« müssen sorgfältig mit dem Grund- stücksmarkt verglichen und periodemveife ergänzt werden. Bis zur Fertigstellung dieser einheitlichen Unterlogen erfolgt die erstmalige'Wertermittlung nach den Praktiken des Ergönzungssteuergesetzes auf Grund der Nor- l malen Kaufpreise der letzten 8 Jahre. Um mm nicht die beiden Uebel. nämkich die unterschied-> der verfassungsmäßigen i,chen Lonitierungszahlen und die Differenzierung nach der»llc, ist g-richtsbekannt. Größe, mit in Xauf zu nehmen, wäre die Grundsteuer zu staffeln, und zwar von 20 000 M. Wert mit ö pro Mille bis 1 000 000 Dt. mit 25 pro Mille. Diese Leranlagungsarbeiten wären nach den Erfahrungen des Ergängungssteuergefetzes in i— 6 Monaten durchzuführen. Für die nach dem S1. Dezember 1915 erworbenen Grund» stücke treten die G e st e h u n g» k o st« n an Stelle de» ge- meinen Werte», falls dies« höher sind. Für die Grundeigentümer, die nicht Im Deutschen Reiche wohnen, betrögt die Grundsteuer da, Dreisache der Sätze. Der Vermögenswert von Iagdrechten ist besonders zu veranschlagen. Kleinsiedlungen bis 10 chektar Größe Steuerermäßigung(näher zu bestimmen). 8 4 ist dahin zu ergänzen, daß E i n familienhäuser, deren Herstellungskosten 200 000 M. übersteigen, von dieser Ler» xünstigung ausgeschlossen bleiben. CE» wäre zu erwägen, ob nicht Einzelbesitzungen, deren Wo h n gebäudewert 500 000. M. übersteigt, mit einem Sonder» Zuschlag zu belasten wären(ausgenommen hiervon wären Miethäuser). Um den Gemeinden, die bereit» den Grundbesitz bis zur Grenze de» Erträglichen besteuern(hier wäre ein« chöchst- grenze festzusetzen), den Uebergang zu erleichtern, wäre für •ine begrenzte Zeit ein Staat» huschuß zu gewähren. Der 8 20 ist meine» Erachten» gänzlich zu streichen. Durch Artikel 101 der Preußischen Staatsverfassung vom HO. Mai 1850 wurden die Steuerprivilegien der Rittergüter und Standesherrschaften ausgehoben. Da» Entschädi» gungsgesetz nun(hierum dreht sich der ß 20), welche» im Jahr« 1861 gelegentlich der Verabschiedung des Grundsteuergesetze, von der agrarischen Mehrheit des Landtages der Regierung abgepreßt wurde, stellt ein S t e u e r v ri v i l e g dar und stand mit der verfasiung im Widerspruch. Diesem Millionen» aeschenk fehlte jeder Rechtsboden. Es ist daher sittliche Pflicht, daß die Tilgungsraten, die bis zum Jahr« 1S65 laufen, weiter» gezahlt werden. Wer könnte es beispielsweise oerstehen, wenn in einem mir bekannten Bezirk, der Fürst von Wied und zwei Familien von Eolm», von einer jährlichen Tilgungsrate von 10 000 M. auf Grund des 8 20 entbunden würden? Die Begründung der vorlog» berührt insofern eigen» tümlich, al» nur in Preußen es nicht möglich sein sollte, ein Veranlagungsverfahren durchzuführen, da», soweit wie steuer- technisch möglich, sich den heutigen wirtschaftlichen und sozialen verhältnisien anpaßt, während in fünf außerpreußi» ich e n Ländern die Grundsteuer nach dem gemeinen! Wert, mit Staffelung und neuen sozialwirken» den Bestimmungen längst durchgeführt ist. Möge das Johr 1922 da» Parlament finden, da»«in Grundsteuergesetz zustand« bringt, welche» die Fehler eine» Jahrhundert» restlos abschüttelt. Regierung war nicht zu erlangen. Da» wenn unier diesen Umständen vcrjassungs- treue Slaat»bürger zum Schuhe der bestehenden Verfassung sich zu- semmenschlofsen, so kann ihnen da» nicht zum vorwurs gereichen. Wenn diese Verhältnisse ihnen auch kein Recht gaben, sich über die geltenden Gesetze, in»btsondere die strafrechtlichen Normen, hinweg- zusetzen, so ist doch eine sorgsältige Prüfung geboten, ob im Einzel- fall« ein Verstoß gegen die Gesetze sich al» ein s ch u l d h a f t e r darstellt, stier tonnte die Ertenntni» der der Verfassung drohenden Gefahr und da» Fehlen obrigk-itlicher Anweisung e» einem oer- nünstigen und besonnenen Manne geboten erscheinen lassen,.zu außerordentlichen Mitteln zum Schutze der Ler- f a s s u n g zu greisen. St(» ein solche» Mittel tonnte er, auch bei der notwendigen besonder» sorgfältigen Ueberlcgung, die Beschlagnahme erhalten � von Waffen an solchen Stellen ansehen, die kein« volle Gewähr dafür � boten, daß von ihnen au» die Waffen nicht gegen die Verfassung»- mäßige Regierung verwendet werden würden. Daß solche Gewähr beim Kläger nicht vorhanden sei, tonnte der Beklagte ohne ver- schulden annehmen. Für die Prüfung der Frage stand bei der Not- wendigkeit schneller Entschlüsse nur kurze Zeit zur Verfügung. Wenn daher ein Mißgriff vorgekommen und der Kläger den Auf- ständischen abgeneigt gewesen sein sollte, so wäre dadurch der Vorwurf der Fahrlässigkeit gegen den Beklagten noch nicht gerechtfertigt. Zu seiner Entschuldigung muß e» genügen, daß noch manch« Candleute jener Gezenb sich mit den bestehenden Zu- ständen nicht abgrsunben hakten, und daß eine llnterstühung de» Putsch»? v«a dieser Seite im Bereiche nicht entfernter INSglichkeiten lag. Al» da» erforderliche Mittel, solche Unterstützung zu o e r h i n- d e r n, tonnte die Beschlagnahme der Waffen erscheinen." Wir sind so oft genötigt, offensichtliche Mißgriffe der Justiz hier zu besprechen, daß es als eine angenehme Pflicht erscheint, auch einmal ein solches Urteil zu registrieren. An sich selbst- verständlich, erscheint es gerade durch seine sachliche Würdi» gung politischer Geschehnisse alsweißerRabe unter seines» gleichen. In Weiße Raben. Sin verständiges Gerichtsurteil. den letzten Monaten werden in den verschiedensten Gegenden Deutschland» immer häufiger Schodenersatz- n gegen Personen geltend gemacht, die im März 1920 bei der Abwehr de» Kapp-Putiche» Waffen beschlagnahmt oder In anderer Weise In private Recht« eingegrifsen haben. Diese plötzliche, gleichmäßige Besinnung aus lang jurückliegende Vorgänge dürfte nicht einem merk- würdigen Zufall entsprungen sein, sondern der p l a n m ä ß i» gen Leitung einer unbekannten Stelle. Um so wichtiger Ist ein am 25. November 1921 vom 2. Zivilsenat de» Oberlande»g«richts Kiel erlassene» Urteil, da» die Schadenersatzklage mit folgender Begründung abweist: .Die Tat. dl» dem Beklagten zum vorwurs gemacht wird, fällt in die Zeit de» Kapp-Putsche». Die rechtmäßig« Staatsgewalt und bl» republikanische Verfassung waren domal» gefährdet. Di« Ge> fährdung erschien in Kiel und der Umgegend, besonders auch in der Probstei, w» der Ort der Tat liegt, al» eine groß«. Verbindung mit das Echo öer Kanzlerreüe. Die Aufnahme der K a n z l e r r e d e ist in der Berliner Presse im allgemeinen günstig. Bon einzelnen Ausnahmen abgesehen, be- müht man sich, angesichts des Steuerkompromisse» der Lage gerecht zu werden und der Regierung nicht überflüssige Schwierigkeiten zu bereiten. Nach der feierlichen Erklärung, die noch am Donnerstag morgen die Leitung der USPD. gegen das Steuer- k o m p r o m i ß abgab, erscheint die Beurteilung de» Regierung»- Programm» durch die unabhängige.Freiheit" um so überlegter. Die\ .Freiheit" unter st reicht wiederholt bestimmt« Erklärungen de» Kanzler», nennt die Politik Wirth» gegen Poincare.glücklich und würdig" und betont, daß er.die Uebertriedenhciten und Ungerechtig- leiten in den Anflogen Poincare» mit Recht zurückgewiesen"! habe. Seine Ausführungen über da, russische Problem nennt sie.glücklich und klar formuliert", und sie begrüßt es, daß die! deutsch« Politik den versuch einer kolonialen stcrabdrückung Nuß- land» von vornherein abweise, wie sie auch weiter den Erfül» lungswillen der deutschen Außenpolitik klar zum Ausdruck ge- bracht sehen möchte. Die.Germania" sagt:.Dr. Wirth kennt nur ein System seiner Politik auch dem französischen Volke gegenüber, mag dessen Geschicke leiten, wer will, und diese» System heißt, den in versaille, anerkannten Interessen de» Lande» soweit Besriedigung zu verschossen, wie nur irgend in Deutschland, Macht steht. Mehr hat der Friedensvertrag nicht statuiert, mehr kann auch Frankreich nicht oerlangen. Um so größer aber ist unser Recht, � aus diesem Gebiete Anerkennung unserer tatsächlichen Leistunqen zu verlangen. 5n dieser Beziehung hat Dr. Wirth eine Festigkeit der � Sprache gezeigt, die auf» neue beweist, daß die Politik der Erfüllung i nicht» weniger ist al» eine Politik der Schwöche ran, pkr»ze,. Wahrheit und Recht sind unsere einzigen Massen gegenüber dem Gegner, die zu gebrauchen wir un» keinen Augenblick zu scheuen haben." Da».Berliner Tageblatt" leitet seine Besprechung mit der Feststellung ein. daß.die ersten Vorau»setzungen für die große Koalition gegeben sind". E» sagt, daß der voltsparteiliche Abgeordnet« Dr. Becker,.in dessen f,irn sämtlich« Steuergesetze de» Reiche» und der Länder samt Aussüh- rung»btstimmungen sein registriert wie in einem Lktenschrank auf- i gespeichert sind, harrend vor der Pforte de« Reichsfinanzministe» ! rium» steht." Die„vossische Zeitung" lobt den maßvollen Ton, der die Polemik de» Kanzler» gegen Poincate au»zeichntte und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß dies» Erklärung»in Frankreich de« Widerhall findet, den die Autführungen de» Kanzler» nach dem ganzen Geist, der seine Politik durchweht, verdienen, und daß nun- mehr endlich die ruhige Ueberlegung der Boll»wirt« in den Vordergrund tritt..." Die Rechtspress« ist natür.ich mit dem Ergebni» de» tzkstrigcn Tage, keincswcg, zufrieden. Die.Deutsche Tage»ze»tuna" kann e» sich nicht verkneifen, einige Seitenhiebe dem verdienst- vollen Dr. R a t h e n a u zu versetzen, und sich in der bei ihr üb- lichen Manier am Reich»kanzler zu reiben. B«achie«»wert ist nur da», was da» Blatt der Deutschen Lolkepartei sagt:.E» g«b ein« Zeit, da war für die Deutsche Lclk»partei di« Pers»« de» Herrn Wirth, sogar al» Finanzminist' r, geschweige denn al» Kanzler,.nicht tragbar. In diesen Tagen rettet dieselb« Deutsche volk»partei den Untragbaren vor dem politischen Kontur», cpfert»ur Deckung seine» politischen Defizit» betröchtiich« Teile ihrer politischen Grundstein- legung, begibt sich auf die abschüssige Bahn einer sozialistisch beherrschten Steuerpolitik und handelt wider die klar erkennbaren Interessen der deutschen Wirtschaftss-änd«. vor allen Dingen der deutschen Landwirtschaft, obwohl diese Interessen mit denen der Allgemeinheit völlig identisch sind, wie in der Frage der Produttion»steigerung. Sie hat den langen Weg von schärfster Gegnerschaft gegen Wirth bi» zu ihrer heutigen Stellung zu ihm mit überraschender Schnelligkeit zurückgelegt. Und wenn Herr Dr. Wirth in diesen Tagen einen Sieg errungen hat, so ist e» einer über die Deutsche Dolk»partei. De« Kanzler» gestrige» Auftreten ist schwerlich geeignet gewesen, ihr diesen Sieg angenehmer erscheinen zu lassen." .Die Zeit", da, Organ der Deutschen volt»partel. hat dies«n Angriff sichcr schon erwartet und bemüht sich, den Deutschnationalen mit Vernunftsgründen beizutvmmen, indem.sie auf da» „verderbliche der sozialdemokratischen Forderungen" in dezug auf die Steuern hinweist und den Nachweis zu führen versucht, daß ohne da» Eingreifen der Deutschen Bolkspartei die Regierung„den von den Sozialdemokraten vörgezeichneten Weg eingeschlagen und dabei höchstwahrscheinlich nicht nur in diesen und ihren alten Koalition»- freunden, sondern auch in den Unabhängigen Koalitionsfreund« gefunden haben würde". Die„Rote Fahne" endlich Ist d«r Meinung, daß da» Steu«» kompromiß der Auftakt zur Stinne»-Regierung ist. Alle» in allem kann man fazen, daß der Reichikanzler und mit ihm die Regierung gestern einen beachteniwerten Parlamente- rischenErfolg errungen haben und daß trotz Westarp und Klara Zetkin ihre Stellung erneut und sehr beträchtlich ge- st ä r k t worden ist. SefrieSiguog im �usrinö. Bari». 27. Januar.(MTB.) Zu der gestrigen Rede de» Reich»- kanzler» schrtibt„Petit Parisie n", die Worte, daß Deutschland nicht mit einem Dolch im Gewand« noch Genua gehe und daß e» sich den Reparationen nicht entziehen wolle, würden gern gehört. Der Kanzler müsse jedoch bedenken, daß Frankreich Taten abwarte. Da» Abkommen von Wiesbaden, da» Frankreich Raturallieferungen geben sollte, sei immer noch ein toter Luchstabe.(Anmerkung de» MTB.: Das Abkommen von Wiesbaden Ist von dm Alliierten bi» jetzt noch nicht ratifiziert worden.) Die Zwan�»anleihe»en einer Milliarde Goidmark, die der Reichitag bewilligen werde, werde sicher nicht genügen, um die Eacklieserungen zu bezahlen und die Goldzcihlungm aufzubringen, die für da» Jahr ISlß erwartet würden. Der„vorwärts" babe von dem Widerstand der beut- schen Schwerindustrie gegen die Rcparationspolitik gesprochen. Selbst nach den seit.8 Monaten von der deutschen Regierung gemachten Anstrengungen sei e» schwierig, ihr vertrauen zu schenkm, bevor nicht durch Taten festgestellt sei, daß dieser Widtrst««d gebr»ch«n und Deutschland entschlossen sei, seinem Kanzler zu folgen. London. 27. Januar.(MTB) Der Berliner Bericht erfiatter de» „Daily Ehronicle: erfährt au» Entmtekreism, die von der deutschen Regierung für finanzielle Reformen, Garantie» und Repa- rationen im allgemeinen geplante Grundlage werde aal» b e f r t e» d i g e n d angesehen. Da» Zustandebringen«ine» annehmbaren Steuerkompromisse» sei ein großer Sieg für Dr. Wirth, dessen Prestige während der letzten Tage bei der v»- Handlung äußerst schwieriger Fragen sehr zugmommm habe. In einem Artikel schreibt„Daily Ehronicle". niemand dürfe d«r Tatsache blind gegmüberst-hcn, daß veulfchlOnd eiae HSchfkmflm»- gung gemacht habe, die nicht wiederholt werden kötwe._ Die Kleidung und ihre öeüeutung. Prof. Rubner» jüngst« Untersuchungen. Wohl seder Mensch Hotz am eigenen Leibe die Erfahrung ge- macht, daß sein körperlich»« Behagen sehr oft von seiner Kleidung abhängt. Sobald und solange di« Temperatur der unter der Klei- dung liegenden Haut etwa 82 Vrad beträgt, bedeutet dies« Wärme- empfindung für die meisten Menschen«in Gefühl der körperlichen Behaglichkeit. Der bekleideten Haut diese behagliche Wörme zu er- halten, ist nun, wie die jüngsten Untersuchungen Prof. Max Rubner» über die Beziehungen der Arbeit und der Wärm» zur Kleidung de» Menschen darlegen, eine der Hauptaufgaben der gesunden und zweck- mäßigen Kleidung. Denn nicht nur viele L«ben»gewohnheiten de» Menschen hängen mit der Art seiner Bekleidung zusammen: durch die Kleidung wird vor allem auch di« Arbeitsleistung und der Ar- beitswille bedingt. Betrachten wir»in Stück Kleiderstoff unter dem Mikroskop, so sehen wir einen dichten Urwald von Fasern und Fäserchen: in diesem Urwald soll nun aber auch«ine tropisch« Temperatur herrschen, d. h. di« Wärmegrad«,' di» für di« meisten Menschen di« Wärme-Dehag- lichkeit»grtnze bilden. Da unser Behagen dies»»2 Wärmegrad« Im Winter so gut wie im Sommer bedarf, versteht«» sich von selbst. daß e» zunächst unsere Kleidung sein muß, di« un» dies» Därme ver- schafft und erhält. Sie muß verhindern, daß im Winter Kälte an die Haut dringt, und ebenso«» im Sommer ermöglichen, daß di« von un» abgegebene Wärm« rasch nach außen'gelangt. Da» Ge- fühl der Körperwärme suchen wir un» nun in der kalten Jahreszeit durch mehrere überitnanderliegend« Stofffchichten. also durch Unter- und Oberkleider, zu erhalten. Gleichwohl ist der Stoff nicht der alleinig» Wärmespender, denn„die Wärmehaltung". sagt Rubner, „rührt überwiegend von der eingeschlossenen Lust, erst in zweiter Linie vom Stoff her". Freilich wird dief« Luft durch den Stoff stark beeinflußt. Daß unser« Kleider un» wärmen, kommt daher, daß sie schlechte Wärmeletter sind: sie erhalten also dem Körper schon de»- halb die ihm behaglich« Hautwärm«. Run ist unser„Klelderklima" aber säst immer trockener al» di« Zimmerlust, und im Faserwald de» Stoffe» ist«» zudem gewöhnlich windstill. Ein» gewiss« mäßige Be- wegung der Kleiderluft ist aber zu unserer Wärmebehaglichteit un- bedingt nötig: de»holb kann gut«, gesund« Kleldung auch reichlich lustgefüllte Hohstäumn«, sogar bi» zu 80 und 8« Pro,., aufweisen. Sehr wichtig ist«,. zu verhindern, daß die Kleidung feucht oder naß und dadurch der Raum zwischen Haut und Kleidung mehr»der weniger luftleer wird, wie«» nicht selten nartammt, wenn Schweiß. anstatt zu verdunsten, die Kleider durchfeuchtet, so daß wir schließ- (Ich«in deutliche» Rässegefühl verspüren. Diese, Rässegesühl nicht auskommen zu lassen, ist deshalb besonder» wichtig, well gerade die Feuchtigkeit de» Klelderklima» da» Körperbehagen und damit di« Arbeitslust am allerstärksten beeinflußt. Um nun dieser durch die Feuchtigkeit entstehenden Luftleere an der Haut vorzubeugen, ist e» nötig, die Haut mit Stoffen zu umgeben, die möglichst lustdurch- lässig sind. Daher wird man für die der Haut unmittelbar onlie- gend« Stofffchlcht Wolle der Baumwolle und Trikotgewebe dem leinenen Hemdenstoff vorziehen. Warum die der Haut unmittelbar aufliegenden Kleidung»stücke porö» sein müssen, zeigen die Zahlen einer von Rubner angestellten Untersuchung. Ein nackter Mensch scheidet innerhalb einer Stund« und bei 38 Grad Wärme 73 Gramm Wasser ab: ein bekleideter und denselben Verhältnissen jedoch 91 Gramm. Ist demnach die Kleidung nicht sehr porö», so sammelt sich diese Wassermenge in ihr an: die Folge ist die bereit» erwähnte Lust- leere, dt« wiederum da, Nässe- und Kältegefühl nach sich zieht. Eine weitere Bedingung für di« Erhaltung de» Behagens Im vrbeU»kleid Ist die, daß die Lustbewegung In der Kleidung gefördert wird. Die beste und gesündeste Art der Lüftung erfolgt durch den Wind. Schon ein ganz schwacher Lustzug genügt, um die Berdun- stung zu steigern und die Durchfeuchtung der Kleider zu verhindern. Im Zimmer und während der Arbeit in der Wertstätte ist freilich dt« Bewegung der Kleiderluft in der Regel nicht möglich, und daher kommt e» denn auch, daß Zimmer- und Werkstättenarbeit so viel weniger Kleiderbehaglichkeit schaffen al» Arbeit im Freien. In jedem Beruf kann unrichtige Kleidung die L«Istung»kräfte vorzeitig herab- setzen und zweckmäßige Kleidung die Arbeitslust fördern. Wenn unmittelbar nach der Arbeit die Kleider schweißdurchnäßt sind und dadurch der Körper gerade im Zustand der Erschöpfung und ersten Ruh« stark abgekühlt wird, kann sich natürlich kein Ruhebehagen ein- stellen. Au» diesem Grunde ist e, auch nicht gesund, zur Arbelt alte, abgenutzte Kleider anzuziehen, die durch Schmutz und dergleichen ihre Lustdurchlässigteit verloren haben. Alte vrb«it»kleidüng sollt« daher zum mindesten immer sehr rein gehalten werden. „Ungezählte Arbeitsstunden gehen einer Ratton durch die Mängel der Kleidung verloren", sagt Rubner. Deshalb wäre e» sehr segen»r«Ich, wenn«» der Industrie geläng«, gesunde und dabei auch verhältnismäßig billig» Arbeiitkleider herzustellen. An» der Geschichte de, vesianer Hestheaker». Da» Dessauer Theater, da, jetzt»In Raub der Flammen geworden ist, hat nicht nur In den 85 Jahren, da da» setzt zerstörte StbS"de stand, sondern auch in früheren Zeiten eine nicht unbedeutende Rolle in der Geschichte de» deutschen Theoterwesen» oespielt. Die Anfänge einer hoch- stehenden Theaterknltur in Dessau liegen in der Regierungszrit de» Fürsten Leopold Friedrich Franz, der 1777 in der zum S-blosse ge- hörigen Reitbahn ein kleine» Hoftheater errichtet«. Da die alte Reit- bahn nicht mehr genüate, s» beauftraate der Fürst den Archit-kten Erdmannsdorf, einen der hervorr««endst-n Baumeister de» deutschen Klafflfizismu», im Jabre 1738 mit der Errichtung»ine» Hostheater». Der stattlich« lheaterbau, nach dem Muster der römischen Amphi- theater aufgeführt, war damal» einer der größten in Deutschland. In diesem prachtvollen«au ist nun durch mehr al, ein halbe» Jahr- hundert gute Ihealerkunst geboten worden. Aus der Dessguer Bühne begründet« einer der genialsten deutschen Schauspieler, Ludwig Deorient, seinen Ruhm, da er von 1808— 1808 diesem Theater angehörte. Im Repertoire de» Schauspiel, herrschten Im ersten Jahr- zehnt neben Schiller und Shakespeare die damaligen Bühnenzewal- tigen Kotzebue und Jffland vor: in der Oper wurde die Kunst Mozart», Gluck», Ehernblni», Mehul» usw. gepflegt. In den folgen- den Jahrzehnten wirkte unter mannigfachen Direktoren der Einfluß der kunstsinnigen Herzöge darauf, hin, daß die Klassiker»ifrlz gespielt wurden. Am 7. März 1855 brannte der Prachtbau Erdmannsdorf, nieder. Der Wiederaufbau de» Haufe» wurde bald nach den Plänen de» Baumeister» Langhan» imternommen, und\&on am 27. Oktober 1358 konnte da» neue Gebäude, da, nun ebenfall» ein Opfer der Flammen geworden Ist, mit einer Festvorstellung von Meyerbeer,„Robert der Teufel eröffnet werden. Da, neue Theater faßte 1100 Personen: die Tief» der Bühne betrug 18«et«. Die Abonnementspreise, die damal» erhoben wurden,«erden noch heute Interessieren. Im ersten Rong kostete e, für zwölf Vorstellungen 4 Taler. auf dem Sperrst«, 3 Taler 20 Groschen, auf dem zweiten Rang in der Mittellose 3 Taler 10 Groschen und in den Seitenlogen Z Taler. Da» Kuratorium de» Dessauer Theater, hat Inzwischen bes»l»ss-n, einen Neubau errichten zu lassen und will bi» dahin ein Provisorium schaffen. Ein« seltene Operaston. In Kiel hatte kürzflel) ein Mann da» Unglück, fein künstliche» Gebiß mitzuverschlucken..Da e» ihm in der Speiseröhre Beschwerden macht?, ßirjj tr zum Arzt. Der Arzt son- dierte, konnte ober da» Stück nicht trn» der Speiseröhre herausbekommen und stieß e» schließlich, absiästiich»der au»«ersehen, in den Magen hinunter. Da der Patient hierauf ein« Erleichterung verspürte, riet ihm der Arzt, e» bi» auf weitere» so zu belassen. Nach zwölf Tagim aber traten aui» neu« EchluckMchnzerden ein. Ein« Untersuchung ergab, daß die Annahme, da» Gebiß lei in den Magen kinobqerutscht, eine Töusckning gewesen war. E» steckte noch in der Speiseröhre, ober in so großer lief«, daß»« nicht heraus» zuz-eden war. Offenbar hatte da» Stück bei der anfänglichen Un- terluchung nur vorübergeltend ein» ander« Stellung bekommen, so daß e» eine Zeitlang die Speisen auf ihrem Weg« zum Magen nicht behinderte: eine neue Umlagerung macht« sein« Anwesenheit in der Soels-röKr« wieder deutlich südibar. Der Gegenstand kann e mit der Sonde oesühit und mit dem O«sopha->oari» Senncinctle» und Menuett,{«wie«tzepln» Csnate H-moU z«n Äewrag. Luise Aietz Wie unseren Lesern aus dem Bericht über die letzte Neichstagi- fitzimg bekannt geworden, erlitt während der Bede de» Abgeord« neten Westarp die Unabhängige Abgeordnete Frau Z i e tz einen Ohnmachtsansall und mußte von ihren Freunden aus dem Saale getragen werden. Nachdem sie bis zum Abend bewußtlos im Krankenzimmer des Reichstage» gelegen hatte, wurde sie ins Urban- Krankenhaus befördert, wo sie heute in den frühen Morgen- stunden gestorben ist. Obschon in den letzten Jahren die nunmehr Derstorben» zu den leidenschaftlichsten Kämpfern gegen die alte Sozialdemokratie ge- hörte, ruft ihr Ableben doch auch in unseren Reihen allgemeine Teil- nähme hervor. Wir denken dabei an die langen Jahre der Kampfgemeinschaft, die sie in der einigen Sozialdemokratie mit uns durchlebt hat. Seit 18V2 war diese holsteinische Proletarie- rin für die deutsche Arbeiterbewegung rastlos und unermüdlich tätig. Zunächst und hauptsächlich im Dezirk der Wasserkante, in Hamburg, Schleswig-Holstein und der weiteren Umgebung. Seit ISOZ gehörte sie als Sekretärin dem Parteioorstand der deutschen So'ialdemokratie an, bis sie während de» Krieges sich der USPD. anschloß und dort alsbald im Vorstand mitwirkte. Was sie zur Aufrüttelung und Erweckung der deutschen Arbei- tcrinnen geleistet hat, wird ihr ewig unvergessen bleiben. Und wenki auch der Krieg mit seinen Folgewirkungen sie au, unseren Reihen fort- und sie in immer größere Erbitterung geaen ihre ehemaligen Kampfgefährten hineintrieb, so wird doch nicht diese letzte Periode ihre; Leben» für ihr« Beurteilung ausschlaggebend sein, sondern die größere, die vor dem Kriege lag. Sie zeigt un» Luis« Zieh al» den Typusderauf st eigendenArbeiterin, die unter den schwierigsten ökonomischen und geistigen Berhältniffen ruhelos ar- bsitet an wirtschaftlicher und kultureller Dollendung. Diese ArbeUer "nd diese Arbeiterinnen gaben der Sozialdemokratie Deutschlands das Gepräge. So stark und unberechtigt die Angriffe der kapltalistl- l�en Parteien gegen die Sozialdemokratie waren, so sehr haben die Parteien doch oft un» beneidet um den Fleiß und die Aufopferung unserer Genossen au» den Arbeiterreihen. Die Erinnerung an diese schweren Kämpfe, in denen auch Luise Zieß stet» in Reih und Glied an vorderster Stell« gestanden, wird ihr Gedächtnis auch bei denen wachhalten, denen sie in den letzten Jahren mehr und mehr entfrem- det war. Der Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei hat durch den Genossen Wels an den Vorstand der USPD. das fol- gende Telegramm gerichtet: „Die Sozialdemokratische Partei Deutschland» nimmt lebhaften Anteil an dem schweren D e r l u st, den Ihre Dar- tei und die ganze Arbeiterbewegung durch den Tod der Ge- n o s s i n Z I e tz erlitten." Die Verstorbene hatte bereits im letzten Sommer einen Schlag- a n f a l l erlitten, an dem sie längere Zeit kränkelte. Außerdem hatte sie fest Jahren ein quälende» Nierenleiden, da, sie oft an der vollen Auswirkung ihrer Arbeitskrast hinderte. Trotz dieser Beschwernisse bat sie indesien Ihre Berufs- und Abgeordneten- vfticht mit seltener Treue zu erfüllen gesucht und ist so in den S i e l e n g e st o r b e n. Sie war am 25. März 1865 in Bargteheide l?>osstein) geboren, hat also nur ein Alter von fast 57 Jahren er- reicht. Ihr Naißfolger im Reichstag wird nach der Wahlliste der Unabhängige Postsekretär Wilhelm Hoffmann in Echmargen- darf sein. Dke Fortsetzung öer Rußlanützilfe. Genf. 27. Januar.(WTB.) Die Konferenz des I n t e r n a t i o- nalen Komitee» für die Rußlandhilfe schloß heute ihre Tagung ab. nachdem sie den Bericht der einzelnen Landesorgani- sationen über ihre Hilfstätigkeit entgegengenommen und zahlreiche Beschlüsse über die Weiterführung der unter Nansens Leitung un- verzüglich fortzusetzenden Rußlandhilf« gefaßt hatte. Danach sollen die einzelnen Landesgruppen schleunigst bei ihren Regierungen dahin wirken, daß diese sofort finanziell« Hilfe leisten oder G e» treibe nach Rußland senden. Gleichzeitig wird der Obcrkommissar Nansen selbst im Namen der Konferenz einen Appell an sämt- liche Regierungen richten. Eine Botschaft an die Press» der ganzen Welt soll ebenfalls die Dringlichkeit der Hilfeleistung dar- legen. � Die Konferenz hält die Vertretung de, internationalen Komitee, auf der K o n f e r e n z von Genua für wünschenswert und beauftragt einen Ausschuß, der sich aus Nansen, Ador und Eeder- kränz zusammensetzt, mit der Bildung einer etwaigen Abordnung. Die Hilfstätigkeit de, Komitee» kann sich mit den gegenwärtigen Finanzmitteln, wie Nansen noch feststellte/ nur noch aus einige Teile Rußland s erstrecken. Auf Wunsch de» Bertreters der amerikanischen Hilfsaktion für Osteuropa, Berry. sowie auf Wunsch Ador, werden die einzelnen Landesorganisationen aufgefordert werden, sich bi» zum 1. März darüber zu äußern, ob sie einen Teil ihrer Beiträge der Hilfe für die Ukraine und die Kaukasueländer zuwenden wollen. Zur Frage des gegenwärtigen Hilfswerke» wurde beschlossen, daß, ohne gewisse Landesprodukte auszuschließen, vor allem Getreide, Saat- korn und für die Tiere Hafer nach Rußland gebracht werden soll. Als besonders dringlich wird ci« Lieferung von landwirtschaftlichen Maschinen und zu Transportzwecken geeigneten Tieren sowie vor allem von mechanischen Transportmitteln, z. D. au» Kriegsvorräten. bezeichnet. Um die Entsendung von Personal und Arbei- tern für das russische Transportwesen, namentlich die Bahnen, zu erleichtern, wird von den verschiedenen Ministerien gefordert. Pro- pagandaorganisationen zu schaffen. Wie ein englischer Vertreter auf der Konferenz mitteilte, ist eine Zusammenkunft zwischen Nansen und Lloyd George geplant.__ Eine Besprechung über Eingemeindung, ftagen wurde, einem Wunsche des Verbandes Per preußischen Landkreis« entsprechend, vom Vorsitzenden des Gemcindeausschusse» des preußischen Landtage», Genossen Scholich, am 25. Januar im Abgeordnetenhau» abge- halten, zu der außer den Mitgliedern des Semeindeausschusie» und de» Verbandes der Landkreise sämtlich« Abgeordnete de» Landtage», die Staatsregierung und der Städtetaq eingeladen waren. Im Laufe der Aussprache wurde von den Landkreisevertretern gefordert, daß die Landkreise al» den Stadtkreisen völlig gleichberechtigt von vornherein an den Eing�e in« indungsverhandlun» gen beteiligt, daß hr« Verhältnisse in derselben Weise wie die »der einqemeindendcn Stadtkreise geprüft und gegen Leistung». unfä higkeit und Zerstückelung geschützt weiden. Dies« Forderungen wollen die Landkreise bei der bevorstehenden Reform der preußischen Gemeindeverfassungsgesetze berücksichtigt sehen. Sie hosten, daß ihnen auch schon vorher von der Staatsreqierung und dem Parlament bei schwebenden Eingemeindungsfällen Rechnung ge» trogen wird. Lösung der österreichisch«« Kabinekk�rife. Nach dem Wahlvor- schlag des Hauptausschusse» setzt sich da» neue Wiener Kabinett wie folgt zusammen: Bundeskanzler und Innere, Schober. Im übri- gen kein« Veränderung, nur daß der Ackerbauminister provi- forisch die Leitung de» Ministerium» de» Leußeren übernimmt.—— Oer kälteste Winter seit 1 917. Tu' Kohle In deinen Ofen,— wenn du welche hast, denn in den nächsten Tagen dürfte die kalte Temperatur an- halten, vielleicht sich sogar noch steigern. Seit dem Februar 1917 haben wir in diesem Jahre den kälte st en Winter zu verzeichnen. Nach der geringen A b s ch w ä ch u n g, die die tiefe Temperatur cm Mittwoch erfuhr, hat die Kälte gestern und heute wieder ein« Zunahme erfahren, und es kann nach dem Stand der Bc- obachtungen, wie das Berliner Wctterbureau auf unsere Anfrage mitteilt, auf eine Verminderung in den nächsten Tagen nicht gerechnet werden. Nach dem Tagcsmiitel war g e st e r n der kälte st« Tag mit einer Durchschnittstcmperatur von—13 Grad zu verzeichnen, während da» Tagcsmittel am Mitt- woch— 12,6 Grad und am Dienstag—12,4 Grad betrug. Dagegen ist die letzte Nacht mit einer Temperatur von—16,5 Grad in Berlin die kälteste dieses Winters gewesen. Au» dem Reiche werden ebenfalls tiefe Temperaturen gemeldet. So aus Deutsch-Krone—26 Grad, La n d s be r g a. d. W.—18 Grad, Frankfurt a. d. O.— 16 Grad. Auf dem Brocken ist es da- gegen etwas.wärmer" geworden, dort wurden—12 Grad gemessen. Dagegen werden aus den linksrheinischen Gebieten ge- linde Temperaturen von minus 1—2 Grad gemeldet. Während östlich der Weser klares wolkenloses Winterwetter herrscht, ist «» In Bayern etwas neblig und südöstliche Winde haben feuchte Luft heraufgebracht._ Die Kohlen öer ftäötiscben Werke. Uebenvindung der Krise. Di« Befürchtungen, daß das Anhalten des scharfen Frostwetters die In der letzten Zeit kritisch gewordene Kohlenversorgung der Ber- liner städtischen Werke verschlimmern würde, haben sich glücklicher- weise nicht erfüllt. Zwar sind eine ganze Reihe von Schiffs- transporten mit oberschlesifchcr Kohle, die für di« Berliner Werke bestimmt waren, auf den märkischen Gewässern eingefroren. Aus der anderen Seite aber haben sich die aus dem Ruhrrevier auf dem Bahnwege kommenden Kohlenzufuhren in der letzten Zeit so erfreulich gebessert, daß die städtisä)«» Werte augenblicklich über einen Durchschnittsvorrat für zehn Tage vcr- fügten. Von einem Kohlenmangel kann sonach nicht mehr gesprochen werden und man darf hoffen, daß auch die nächsten Wochen hierin keine Verschlechterung bringen werden, um so mehr als die Stadt Berlin augenblicklich bemüht ist, die festgefrorenen Kähne mit Schleppdampfern ihrem Bestimmungsort zuzuführen. Das Ein- treffen der oberschlcsischen Kohlentransporte würde die städtischen Werke in di« Möglichkeit versetzen, ihre Vorräte erheblich auf—- fülle«._ Raubüberfall auf öen Gastgeber. Gin Opfer seiner Gutmütigkeit. Ein schweres Verbrechen mit eigenartigen Begleitumständen ist in der Lotumstraße in der vergangenen Nacht verübt worden. Ein Schauspieler lernte kürzlich in einer Wirtschast in der Linien- straße drei junge Männer kennen, die aus Bremen hierher gekommen sind, einen 21 Jahre alten Schlosser Theodor Fischer, der au» Schwerte stammt, einen 19 Jahre alten Volontär Ferdinand L u n k au, Bremen und einen 18jährigen Kontoristen Erich Kaiser. Die drei erzählten ihm, daß sie in arger Verlegenheit seien, weil fle erst in einigen Tagen ein Zimmer bekommen könnten. Der Schau- pieler halte Mitleid mit ihnen und lud sie ein, b e i 1 h m zu wohnen, bi» st« da» ihnen in Aussicht gestellt« Zimmer bezichen könnten. Diese Gutherzigkeit wurde ihm schlecht gelohnt. Nachdem er an einem Halsleiden erkrankt war, heckten die drei den Plan aus, diese Krankheit zu benutzen, um ihren Gastgeber zur Nachtzeit zu berauben. Sie spiegelten ihm vor, daß sie in Chemikalienge- schäften in Bremen tätig gewesen seien und von dorther noch Mittel besäßen, mit denen sie sein Halsleiden leicht heilen könnten. Cr brauche nur einen Tee zu trinken, in den sie geeignete Mittel, darunter auch Narkotika, hineinmischen würden. Der Schauspieler nahm arglos auch den Tee und schlief ein. Er erwachte, als ihn jemand an der Kehle würgte. Es kam zu einem heftigen Kampfe, datz da, Bett zusammenbrach. Als jetzt der Lärm auch die Wirtin und andere Leute im Hause aufmerksam machte, ergriffen die Räuber die Flucht und entkamen zunächst. Der Leiter de» Raubdezernats der Kriminalpolizei, Kriminalkommissar Wcrneburg, dem der Ueberfall gemeldet wurde, nahm mit seinen Beamten alsbald die Verfolgung auf, und e» gelang ihm auch, die Täter noch in der Nacht aufzuspüren und f« st z n e h m e n. Es ergab sich, daß Bunk, der Anführer der Gesellschaft, die Chemikalien am Weihnachtsheiligabcnd bei einem Einbruch in Bremen erbeutet hatte. Alle drei sind jetzt g e st ä n d i g. Sie geben zu, den Tee stark mit Morphium versetzt zu haben. Doppelselbftmord im Hotel. Im Hotel erschossen hat gestern«in junger Mann seine Beglei- terln und sich selbst. Da» Pärchen kehrte in der Chausseestraß« als 26 Jahr« alter Kaufmann Donath und Frau geb. Menzel, 19 Jahre alt,«in. Gestern hörten Angestellt« de» Hotel» zwei Schüsse fallen und fanden die Gäste tot im Bette liegend. Der Mann hatte sein« angeblich« Frau und sich selbst durch je einen Schuß in die Brust getötet. Di« Leichen wurden beschlagnahmt und nach dem Echauhau» gebracht. Wie die Toten wirklich heißen, steht noch nicht fest. Der Mann ist etwa 24 bi» 86 Jahre alt, mittelgroß und schlank. hat ein längliche» blasses Gesicht, hellbraune Augen und lückenhafte Zähne und trug einen blau�rün gemusterten Iackettanzug und einen braunen Winterüberzieher Sein« Begleiterin ist etwa 16 bi» 26 Lahre alt, 1,65 Meter groß und schlank, hat blondes Haar und dunkelbraun« Augen, durchlöcherte Ohrläppchen und aufgeworfene Lippen und trug«in« rote Bluse, einen schwarzen Oberrock, schwar- zen Hut mit schwarzem Pelz und einen schwarz-grau karierten Damemnantel. Ihr Taschentuch ist R. R. gezeichnet. Pro Person 4-5 Zündhölzer täglich. 106% Milliarden Zündhölzer sind nach einer Aufstellung de» Statistischen Reichsamt» 1920 in Deutschland versteuert worden. Auf den Kopf der Bevölkerung kommen 1750 oder täglich 4 bis 5 Stück. von den versteuerten und im ganzen wohl auch verbrauchten Men- gen wurden in Deutfchland etwas über 93 Milliarden hergestellt und etwas über 19 Milliarden vom Ausland eingeführt. Di« u n> versteuert« Ausfuhr betrug nur wenig über zwei Milliarden. Gearbeitet wurde in 62 Zündholzfabrl- te n von 1976 männlichen und 3244 weiblichen Arbeitern. Fe u e r- zeuge wurden in 176 Betrieben hergestellt, in 100 davon nur al» Nebenbetrieb. Di« Zündwaren st euer brachte etwa» über 59 Millionen, davon für Feuerzeug« nur 4% Millionen, für Zündsteine etwa» über 1 Million, verwendet wurde früher da» hauptsächlich au» Rußland stammende Espenholz. Im Krieg« wurde hauptsächlich Nadel- und Pappelholz verwendet, da» sich aber wegen de» hohen Abfall, weniger eignet. »voll und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Zvsam«e«fl»h zwlsche« Skraßeabah««nd Rcllwaqe«. An der Eck« der Andrea», und Holzmarkt straße stieß heute mor- gen ein Straßenbahnwagen der Linie 6 mit einem hochbeladenen Rolloegen zusammen. Durch den heftigen Anprall wurden der Kutscher T h t e l e und die Mitfahrer Behnke und Mandera von dem Wogen geschleudert und von den herabstürzenden Kisten und Säcken begraben. Alle orei erlitten erhebliche Kopf-, Brust- und Fußverletzungen und mußten die ärztliche Hilfe der Rettung»- stelle in der Holzmarktstraße°n Anspruch nehmen. Ein räi berischer lleberkall aus da» lpcsivmt in Michendorf bei Potsdam wurde aestern verüb:. Dort werden augenbl cktich Kabel. arbeiten a»?ge ühri. Während sicd der Monteur de» Kobelwerte« nllein rm Postann befand, drongen plötzlich s e« Räuber ein. Mir vorgebal'.eiiem Revolver forderren sie den Monleur aus, sich mir dem Gesicht an die Wand>u stellcn, während dann e ner mit der geladenen Waffe bei ihm stehen blieb und rhu in Schach hielt, durchsuchten die anderen vier Räume. Sie eibenietcn einen eisernen Kasten, in dem sie wahisckieinlich Geld veimnietcn. Der Kasten enlhieli aber nur Stempel, Vordrucke iür Einschreibe« sendniigen und Poslanweisungen, nicht einmal Werizeichcn. Al« der Postvorsteber morgen» o»f dem Anil erschien, iand er den Mann noch eingeiperrt. Auf Veranlass»»? der Gendarmerie»nd der Oberpostdireliion fahndet auch da» Roribdezernat der Berliner Krim nalpolizei auf die noch nfcht bekannten Näirber. Besner Bienenhonig al» Kunsthonig. Kunsthonig wird nach einer Mitteilung de» Reichswirtschaftsmimsteriumi in letzter Zeit in zunehmendem Umfange stüssig in Gläsern mit der Bezeichnung „Reiner B i e n e n h a ni g" oder unter anderen irresührenden Bezeichnungen und bildlichen Darstellungen verkauft. C» werden z. B. Aufklebungen verwendet, auf denen i« großen Buchstaben „Fein st er Bienenhonig" aufgedruckt ist, während zwischen beiden Worten in feiner, leicht übersehbarer Schrift di« Wort« „Ersatz für" eingeschaltet und aus denen Bienen oder Bienenkörbe dargestellt sind. Die Behörden, die mit der lieber» wachung des Verkehrs mit Nahrungsmitteln bettaut sind, sind des» bald ersucht worden, ihre besonder« Aufmerksamkeit diesem Miß» orauch zu widmen. Es sollen auch Waren untersucht werden, di« nach der Aufklebuna von alten, vertravenswürdigen Häusern stam- men. Dielsach werden leere Honiggläser mit dem Etikett dieser Häuser aufgekauft und mst Kunsthonig gefüllt. Mit Mann und Man» untergegangen. Der Dampfer S u n i o n der Hambura-Amerika-Linie, der bereit» al» stark überfäMg gemel» det wurde, ist ein Opfer de» Sturmes in den ersten Januartogen geworden. Der Dampfer verließ Danzsq am 81. Dezember mit einer Getrcideladuna nach Kopenhagen. Da für diese Reise nur einige Tag« erforderlich sind, ist nickt daran zu zweifeln, daß der Dampfer mit seiner aus dem Kapitän und 14 Mann bestehenden Besatzung untergegangen ist. Der Hauplgükerbabnbof in Glasgow dnrch Feuer zerstört. Drablberichie» au« Glasgow zufolge ist der dortige Hanvt» gnlerbohnhof, der«in Areal von 40 Acre» bedeckt»nd dessen Vau einen Kostenaufwand von einer balben M'llio» Pfnnd erforderte, durcb einen Brand vollkommen zerstör« worden. Infolge Rouckvergiftuna'sind seck« Personen»m» Leben ge» kommen. Der Sachschaden gebt weil über 500000 Piund bipan«. Prenzlau. Unsere Dorwärtslefer, die ihre Zeltung bisher von F. Kcrsten bezogen haben, bitten wir, da» Abonnement sofort beim dortigen Postamt aufzugeben, damit die W-itcrliefe- rung für Februar erfolgen kann. Dorwärti-Derlag. Wetter für morgen. Vrrlln und llmgegend. Trocken und ü�erwleaend heiter bei ziemlich strengem Frojl und Irischen östlichen b.i südöstlichen Winden. OerverGhoftsbewegung Riesenkampf in dänemark. Der Dänische Arbcitgeberverband kündigt zum 3. Februar die Aussperrung von etwa 100 000 Arbeitern der ver- schiedensten Berufe an, mit deren Organisationen bisher eine Eini- gung über Lohnkürzungen und Aufhebung de» Acht» stundcntag» nicht zu erreichen war. Hoffentlich gelingt e» der dänischen Arbeiterschaft, den Anschlag zurückzuweisen und d e n A ch t» stundentag hochzuhalten. Tic NrbeitSzeit in Steinkohlenbergwerke«. Dem Reichsrat ist vom Reichsarbeitsministerium ein Gesetz« e n t w u r f zugegangen, der die Absicht verfolgt, die gesetzlich zulässige Höchstarbeitszeit im Steintohlenberg» bau unter Tage festzuleqen. Der Entwurf sieht zunächst«ine einheitliche Berechnung der Schichtzeit vor. die künftig für jeden ein- zelnen Arbeiter vom Betreten de, Förderkorbc» bei der Einfahrt bis zum Verlassen des Förderkorbes bei der Ausfahrt berechnet werden soll. Als regelmäßige Arbeitszeit gilt diejenige Schichtzeit, die sich au» den am 1. Oktober 1921 geltenden Tarifverträgen ergibt. Für Ausnahmefälle, in denen am 1. Oktober 1921 kein Tansvertrag bestanden haben sollte, wird eine Schichtzeit von 7 Stunden vorgesehen, die aber bei besonder» ungünstigen wirt- schaftlichen Derhältnissen vom Reichsarbeitsminister auf Antrag u m böchstens eine halbe Stunde verlängert werden kann. Durch allgemein verbindlichen Tariiverttag soll die Arbeitszelt anders geregelt werden können. Für Dettiebspunkte mit einer Wärme von 28— 32 Grad, von über 32— 36 Grad und von mehr al» 36 Grad Celsius sollen in den Tarifverträgen abgestufte Ver» kürzunqen der Arbeitszelt vereinbart werden. Nötigensalls soll die Berabebörde die Verkürzungen anordnen. Abqeseben von diesen Gesetzesbestimmungen sollen die allgemeinen Vorschriften über di« Arbeitszeit in gewerblichen Betrieben Anwendung finden._ Die Wahlen bei den Buchbindern. In einer überfüllten Versammlung der im verband der deutschen Buchbinder und Papicrverarbeiter organisierten Arbeiter und Arbei- ttrinnen der Buchbinderbranche wurde am Donnerstag di« Ncuwobl der Dranchcnseitung vollzogen. Zunächst berichtete der bi». herig« Bronchenleiter E z e r n y über die Vorgänge in der abge'aufe» nen Gcschäftsperiode. insbesondere über die stattgefundenen Lohn, bewegungen in der Branche. Am schwierigsten waren die Verhand- hingen mit den Arbeitgebern der Geschäftsbücherfabriken, die schließ. lich zum Streik führten, der erst nach neunwöchiger Dauer beendet werden konnte und ttotz des Zusammenhalts der Streitenden einen nur minimalen Erfolg hatte. Bei allen anderen Branchen tonnte eine Verständigung mit den Arbeitgebern erreicht werden, vom Februar bis September konnten(außer in den Duchdruckereien, die etwa 2000 Kollegen bzw. Kolleginnen beschäftigen) keine nennen?- werten Lohnverbesserungen durchgesetzt werden. Der Redner rügt«, daß noch durch Ueberstundenarbeit die Lage de» Beruf» verschlechtert und gegen den Beschluß der Betriebsräte und einer Branchenver- fammlung verstoßen werde, nach dem nur In der Hochsaison, und auch dann nur höchsten» eine Stunde Ueberarbeit geleistet werden dürfe. Bon den Arbeitachern sei dieser Beschluß allerdings bekämpft worden. Die hierauf folgende Aussprache nahm den größten Teil de» Aben''» In Anspruch. Zur Wahl eines Bronchenleiter» waren Czerny(Kommunist) und K l a b u n d e illSPD.) vorgeschlagen. Für die Wahl de» leßteren lag ein gemeinschaftlicher Vorschlag der UEP.- und der SPD.-Kollegen vor. I m h o s s trat für K l a b u n d e ein. Czerny sei al» Kommunist an die Moskauer Porole gebunden. Wenn er anders handeln wollte, würde er für seine Partei erledigt sein. Redner verlos«In Schreiben au» der Münzsttaße. da» al» eine Bestätigung dafür gelten könne. Die Wahl de» Bronchenleiter» fand gesondert von der für dl« anderen Mitglieder der Branchenlcitung statt. Czerny wurde mit 966 Stimmen wiedergewählt. Klabunde erhielt 247 Stimmen. Lei dir Wahl für Me Branchenleitung fielen ruf die Liste der SPV. unt> USVD- Sil. ruf die kommunistische Liste SSS Stimmen. Es dürften mithin fünf Sozialdemokraten und sieben Kommunisten gewählt fein. In die Ortsverwaltung kamen von der SPD.- und USPD.-Liste Rudolf Peter und Emil Kämmerer, von den Kommunisten Otto Säbel und Paul Herzog.» SluS Eala«. Vom Zentralverband der Angestellten, Gau Brandenburg, v»ird uns geschrieben: Unsere Ortsgruppenleitung in C a l a u teilt uns mit, daß die Angestellten des Magistrats in Calau bis jetzt noch nicht im Besitz der Gehaltsnachzahlungen sind, die sie auf Grund der tarifvertraglichen Bereinbarungen mit dem Arbeitgeber- verdand der freisangehkirigen Skwt» de« Regierungsbezirk» Frank- furt a. d O., dem auch die Stadt Ealau angehört, ab 1. O k- tober 192l zu erhalten haben. Der Magistrat hat hierzu unterm 2«. Dezember 1921 folgenden Beschluß gefaßt: „Die erhöhten Gehälter für die Angestellten können erst ge- iahlt werden, wenn die hierzu notwendigen Mittel zur Verfügung tehen/ Ln der geschlossenen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am S. Januar wurde folgender Beschluß gefaßt: „Die Bersammlung stimmt dem Magistratsbcschluß zu, d. h., daß die erhöhten Gehälter für die Angestellten nur dann gezahlt werden können, wenn die hierzu notwendigen Mittel der Stadt zur Verfügung stehen." E» wird den Angestellten nun weiter nicht» übrigbleiben, als den Mrgistrat Zu verklag««nd«entnell im Rathause Pfändung vornehmen zu lassen. Ein« letzte Frist ist dem Magistrat bis 31. Januar gestellt. Hoffentlich haben wenigstens die Beamten der Stadt Calau vom Dürgermesster abwärts die erhöhten Beamten» gehälter ab 1. Oktober 1S21 bereits erhalten. Im Eisenn-ark Kraft bei ökelkin ist gestern früh wegen Lohn- sorderungen«in Streik ausgebrochen. Di« Technische Rothilf« wurde eingefetzt, um die Hochöfen vor dem Erkalten zu bewahren. Der a«l> de, Snttler Sanieret und PzrtescuMer. Merzen, Scr.nedtr.b, 11 Uhr. BerfammUmg der Reiseartikel- und Portefcuilleedranii'? im iehrerzere-nv hau», Alexan erstr,«1. Die Vertrauen, manner treffen sich um g Uhr nn fclbeu Saal. Berentw. für den redakt. Teil: Hre«, Nli-Ii», Serlin-Iichterfelde: für : kh. Sl»en-D.B:uicnflaueac'V*ccol (üucboMnc/ Schotte!»/ fUeibec-Selbe Trikotagen/ Schürzen/ Taschenlücher Seite Dualitätenl Sillizltc Preise! Ella Dehme!, Neukölln Stie»etzflr.» Tel.«SS 985'e Richarhu iah, laufen. A. Anders Bensselstr. 25 öenöM.Sgineii- m helreOot. preise» wir aus d. neuest. u. schicksten Formen zu den dilligil Tageepreilen bei Sinei tlrüger vis-av>s Si.Keruiaunstr. t. modernen üabnersaiz Speeebslunden»—I?—». 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