Nr. 52 Jahrgang Ausgabe KS Nr. 26 VezugSpretS: Wkrklfldrl 6),— M.. monatl. W.— W. rrei in» Haus, vorau» jntllbat. Pog«n� da» fettgedruckte Wo« 3)1.(zu» Illing zw«{etlgebruckte Worte), lebe» weitere Wort l.SO VI. Stellengesuch« und Schiafftellenangoigen da» erst« Wort IA> M» sebe» weitere Wort t,— M. Worte Uder IS Buchstaben zllhlen für zwei Worte. Familien-Anzeigen für Abonnenten geile 4,— M. Die Preise verstehen sich«nschllehlich Teuerungszuschlag. Anzeigen für die n» ch st e Nummer müssen dl»«>/, Ahr nachmittag» t« Haupigeschäst, Berlin EW 68, Linden» strahe 3, abgegeben werden. Dellffnet von S Uhr früh dl» 5 Uhr nachmittag». Zentralorgan der roztaldernokratlfchen Partei Deutfchlands Neüaktion und Expedition: EW 05, 2inden|h. 3 S-rrttinrprlirt-- Redaktion Morttpla» I51»5— 97 gherniprcnirr. �xp�mon Morinvian nrsa—«ii henöerson über Genua. Das Programm öer englischen Arbeiter. Der englische Arbeiterführer chenderson hielt in Manchester eine Rebe, die als die effizielle Antwort der Arbeiterpartei auf die kürzlich von Lloyd George. Churchill, Asquith und Chamberlain ge- haltenen Steden angesehen wird, chenderson sagte, er sei trotz der amtlichen Widersprüche der Meinung, daß die Koalition schnell ihrem Ende entgegengehe. Heber die Frage der aus- wärtigen Politik sagte er, die Arbeiterpartei trete genau so f ü r d i e Konferenz von Genua ein, wie sie für die von Washington eingetreten sei. Wenn die Regierungen den Tatsachen in» Auge blickten und nicht mit ähnlichen Ideen nach Genua gingen, wie sie seinerzeit in Versailles triumphiert hätten, dann würde die Kon- ferenz von Genua für die Wirtschaftlich» Miederaufrichtung Surepa» sehr oerheigungsooll sein. Zur Frage de,»nglisch-franzlislschin Pakte» sagte Henderson, Frankreich wolle mit Großbritannien einen Bündnis« oertrag schließen, der Ihm militärische Unterstützung im Fall» eine» nicht provozierten deutschen Angriff» sicher«. Die Arbeiterpartei könne diesem Pakt nicht zustimmen, denn ein solcher würde möglicherweise andere Völker in einen Krieg hineinziehen, der die Folge einer Politik Frankreich» sein könne, auf die Großbritannien keinen Einfluß ausüben könne. Außerdem seien England und Frankreich Mitglieder de» Völkerbünde», mit desien Grundsätzen militärische Dündr.isie unvereinbar seien. Heute zeige sich die Neigung, zu den Argumenten der alten Politik bezüglich des europäischen Gleichgewicht» zurückzukehren. Auf diesem Weg« werde man nicht zum Ziele gelangen. Hierauf kritisierte der Redner die Koalitionsregierung, deren Ideen sich, wie er sagte, all« paar Wochen änderten. Da» Programm der englischen Arbeiterpariel für die auswärtige Politik sei: Internationaler Friede, Stabilisierung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse von Europa, Wieder- Herstellung vertrauensvoller und freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Nationen. Die Arbeiterpartei wolle einen Völker» b u n d, in dem alle Notionen vertreten seien. Sie wolle eine fortschreitende tatsächliche Herabsetzung der Rüstungen, ebenso sei sie für ein verbot der Ausfuhr von Kriegsmaterial durch private Firmen. Sie sei gegen Gehcimverträz«, lehne den wirt« schaftlichen Boykott ab und verlange die Unabhängigkeit für Aegypten sowie autonome Regierung für Indien. Nach Ansicht der Arbeiterpartei mach« die Methode des O b« r st e n Rate» die Wiederherstellung de, internationalen Vertrauens unmöglich. Die Schwierigkeiten, unter denen England lebe, feien eine Folge des Friedensverträge». Die Arbeiterpartei wolle eine neue internationale Politik, die vollkommen auf Gerechtigkeit, Zusammen- arbeit und gegenseitigem Wohlwollen begründet sei. Eine Arbeiter- regierung würde niemals dulden, daß sozusagen Tausende von Menschen durch eine verhängnisvolle internationale Politik ausgehungert würden. Hierauf ging der Redner auf da» Programm der Arbeiterpartei für die innere Politik ein. „TimeS" siegen Genua. London, 87. Januar.(WTB.).Times" wendet sich in einem Leitartikel gegen die geplante Wirtschaftskonferenz von Genua. Bei dem kritischen Abseitsstehen der Bereinigten Staaten und bei der wtderwilligen Zustimmung Frankreichs würde � es überraschend sein, wenn die Konferenz die Hoffnungen, die ihre Veranstalter daraus setzen, erfüllen würde. Wo» könne in den zwet Wochen, die die Konferenz dauern soll, anders erreicht werden, aw i daß alle bitteren Streitfragen Europas an die Oberfläche gebracht � werden. Die größte Bereitwilligkeit werde auf s«iten Deutschland» und Sowjetrußland» an den Tag gelegt. Neue Losung ües Neparationsproblems? Pari», ZI. Januar.(DTD.)„Masin" weist darauf hin, daß. nach feiner Kenntnis die englische Regierung eine neue Lösung des Reparatlonsproblems ins Auge fasse, durch die Frank- reich und Engsand zu Opfern verpflichtet würden, die aber ausgeglichen werden folllen durch eine Lösung der Frage der alll- ierteuSchuldeu.anderfichAmerikabeteiiigell werde. Amerika gegen Tchulden-Ttundung. Washington, 81. Januar. Im Senat wurde heute die Frage der alliierten Schulden an Amerika weiter besprochen. Senator B o r a h erklärte, in den vereinigten Staaten und im Ausland« seien mächtige finanzielle Einflüste am Werte, deren Ziel es sei, daß die alliierten Nationen die den vereinigten Staaten geschuldeten elf Milliarden Dollar niemals zurückzahlen sollten. Er sagte, wenn man der Kommission für die Schulden an Amerika die Vollmacht gäbe, da» Datum für die Zahlung der Zinsen zu verlängern, so würde die Folge sein, daß während 8 oder S Jahren keine Zinsen cingehrn würden. Das würde auf neue Darlehen an die Schuldner- Nationen Hinauslaufen auf Kosten der amerikanischen Steuerzahler, denn die Folge dieses Zustandes würde eine Cr- höhung der Steuern In Amerika sein müssen. Wie Havas au» Washington meldet, hat der Senat mit gegen 38 Stimmen ein Amendement de» Senators Johnson aus Kali- fornien zur Dill über die K o n s o l i d t e r u n g der alliierten Schul- den abgelehnt. Zur Eisenbahnerbewesung. Au« gewerkschaftlichen Kreisen wird un» geschrieben: E» ist kein Zufall, daß gewisse Arbeiter-, Angestellten- oder Beamtengruppen vom Extrem der— sagen wir— Fügsamkeit in da» Extrem de» Drauflosgehens verfallen, wie es sich jetzt bei dem Ultimatum der Reichsgewerkschaft gezeigt hat. Abge- sehen davon, daß man in schwebende Verhandlungen nicht in solcher Weise eingreift, müßte man sich bei derart folgenschweren Beschlüssen mindestens mit der eigenen Epitzenorgant- s a t i o n verständigen, in diesem Falle dem Deutschen Beamtenbund, wenn man schon einmal eine Verständigung mit den übrigen Eisen- bahnerverbänden entbehren zu können glaubt. Die Cisenbahnerverbände sind vor der Sitzung des er- «eiterten Vorstandes der Reichsgewerkfchaft, in der der bekannte Be- fchluß gefaßt wurde, nicht befragt worden und sollen scheinbar ganz übergangen werden. So hat z. v. in einer am 27. Januar statt- gefundenen Verhandlung über da» Arbeitszeitgesetz der einzig an- wesende Vertreter der Reichsgewerkschoft die Erklärung abgegeben» daß die Reichsgewerkfchaft über den Lrbeitszeitgesetzentwurf weder mit den Gewerkschaften noch mit der Regierung verhandeln werde. Eine solch« Erklärung ist vernünftigerweise nur möglich, wenn die eigenen Machtmittel so stark sind, daß auf die übrigen Organisationen verzichtet werden kann. Die Reich». gewertschaft lehnt aber nicht nur«ine Verständigung über das Arbsitszeitgefetz ab, sie weigert sich auch,«ine verständi- g u n g mit den Gewerkschaften in der Desoldungsfroge her- beizuführen Demnach nimmt der vorstand der genannten Organisation scheinbar als ganz selbstverständlich an, daß d i e anderen verbände ohne weitere» der Streikparole folgen und unter seiner Führung sich an der Aktion beteiligen. Ein solches vor- halten widerspricht allen bisherigen gewerkschaft- lichen Gepflogenheiten. Die Reichsgewerkfchaft hätte am wenigsten Ursache, eine solche Haltung einzunehmen, denn was über den Verlauf der Sitzung des erweiterten Vorstandes bekanntgeworden i't, zeugt nicht von Einigkeit und Geschlossenheit in den eigenen Reihen. Es wäre eine Verständigung mit den übrigen Organisationen das vernünftigste gewesen, wa» vor der Einleitung der Aktion hätte geschehen müssen. Alle Cisenbahnerorgantsattonen nehmen zunächst eine abwartende Stellung ein, um zu sehen, wa» die Reichsgewerkschaft eigentlich beabsichtigt. Eine Entscheidung wird' erst dann möglich sein, wenn der Deutsche Beamtenbund Stellung zu der augenblicklichen Situation genommen hat. Derselbe hat heute vormittag versucht,«ine Einigung herbeizu- führen. Durch Entsendung einer Abordnung an den Reichsverkehrs» minister Gröner will der Beamtcnbund eine Brücke schlagen. Außer- dem sucht er mit dem 23er Ausschuß de» Reichstags in Verbindung zu treten, um der Reichsreglerung«inen Vermittlungsvorschlag unterbreiten zu lassen, von dem Erfolg dieser Bemühungen wird es mit abhängen, ob der Hauptvorstand der Reichsgewerkschaft, der heute nachmittag zusammentritt, die Beschlüsse des erweiterten vor- stände» zum Streit billigt. von Regierungsseite wird erklärt, die Befürchtungen, daß es zu Eisenbahner- und Deomtenstrciks kommen sollte, seien hinfällig. Die Regierung ist verhandlungsbereit und wird die Beratungen mit den Spltzenorganisationen Ende der Woche aufnehmen, nach- dem am Mittwoch eine Fühlungnahme mit den Ländern erfolgt ist. Das eine steht fest, daß man so wie der Vorstand der Reichs» gewerkschaft«» machte, nicht verfährt, um etwas zu erreichen. vorwärts-verlag G.m.d.H., EW 88. Eiaöenstr. Z iiemiüvethrr• Verlag. Vrvedttto» und Inseraten« "' Abtctlnng Morinplay 11753-64 Eisenbahn und Kohlenmangel. Aus Transportarbeiterkreisen wird un» geschrieben: Im Reichstag ist bei der Besprechung der Interpellation Wer den Wagenmangel mitgeteilt worden, allein im Ruhr» bezirk seien 1921 monatlich 83 224 angeforderte Waggons, zusammen über 638 lKX) den Zechen nicht gestellt worden. Da man jeden Waggon mit mindestens 10 Tonnen Ladegewicht in Rechnung stellt, so würde das Fehlen dieser großen Waggonmenge bedeuten, daß mindestens 6 380 000 Tonnen Kohlen mehr abtransportiert worden wären, wenn die an» geforderten Waggons restlos gestellt wurden. Diese über 6 Millionen Tonnen hätten natürlich zunächst arst gefördert werden müssen. Geschah das, dann betrug die Ruhrkohlen- färderung 1921 nicht IM, fondern über 100 Millionen Tonnen. Ist es wirklich die Gchuld der Elsenbahner, daß mehr denn 6 Millionen Tonnen Ruhrkohlen weniger gefördert bzw. dem Verbrauch nicht zugeführt«urdan? Die von den Zechen bestätigte Mtatifttk der Eisenbahn» vaewaltung ergibt, daß in dan Monaten April, Mai und Juni die geforderten Waggon, restlos gestallt find. Der Lager» bestand betrug Ende Januar 1921 etwas Über»ine Million Tonnen Kohle, Kok, und Briketts und ging bi» Ende Juni auf 281 000 zurück. Run machte sich die Wasserkalamität wachsend bemerkbar. Die Elsenbahn wurde dsshalb stärker belastet: sse stellte im Juli, August, Septamb« den Zechen mehr Waggons als Im Borvierteljahr. Dennach fehlten von den geforderten 82 000. Im Monat Oktober wurden aber plötzlich(!) 120 814 Waggons mehr angefordert als gestellt werden konntenl Warum diese überraschend verstärkte An- forderuna? Der Logerbestand erhöhte sich in diesem Monat um 275 000 auf 634 000 Tonnen. Zur Abfuhr des neuen Lagerbestandes hätten die Zechen nur 27 500 Zehn- tonnen-WagKons bedurft. Wenn der ganze Lagerbestand abgefahren werden sollte, hätten im Oktober nind 68 400 Zehntonnen-Waggons mehr gestellt werde« müssen. Die Zechen haben aber 120800 Wag» gons mehr gefordert als gestellt werden konnten! Da» ging mit 57 400 Waggon» über das nachweisliche Bedürfnis hinaus!!!! Im Dezember forderten die Zechen insgesamt 685 906 Waggons, von denen 161 000 alz fehlend, nicht rechtzeitig gestellt gemeldet worden sind. Natürlich war diese große Fehlziffer ein ausgezeichnete» Argument für die Gegner der Reichseisenbahnverwaltung. Am Ende de, Monats lagen nicht ganz 1,1 Millionen Tonnen Kahle, Koks und Briketts auf den Holden. Zu ihrer Abfuhr hätte es höchstens 110 000 Waggon, bedurft: demnach sind 51000 mehr angefor» dert worden, als nachweislich benötigt wurden! Jeder Eisenbahner weiß auch, daß die Zechenhalden nicht vollständig geräumt werden dürfen, weil für den großen Selbstverbrouch der Zechen und Kokereien erhebliche Mengen verfügbar zu halten sind. Wenn die Eisenbahn im Dezember die 161 000 als feblend gemeldeten Waggons reftlo» stellen konnte, dann hätte die Förderung mindesten, 500 000 Tonnen höher fein dir öörsr still. Am Berliner Devisenmarkt war heute das Geschäft sehr gering. Der Dollar wurde um die Mittagsstunde mit! 200— 201 gehandelt: auch am Effektenmarkt blieben die Umsätze verhältnismäßig gering. Man führt diese Erschei»' nung in Börsentreisen auf den hohen Umsatz stempele zurück, der angeblich bei den jetzigen geringen Kurssibwan-! kungen der Spekulation keinen Gewinn mehr läßt. Etwas' lebhafteres Geschäft vollzog sich nur am Markt der Kaliaktien.! Esne notwendlye Abberufung. Ministerialrat Dr. Schellen,! der bisherige Vertreter vreuß en» bei der bayerischen Re- gierung, ist, wie die„München-Augsburger Abendzeitung" hört, in gleicher Eigenschaft noch Dresden versetzt worden. Dieser Schellen war bekanntlich wiederholt beschuldigt worden, mit den bayerischen Monarchisten aktiv in Verbindung zu stehen. Wa» er nun in Dresden soll, ist nicht recht verständlich. t benutzt, selbst dann, wenn die letzte Tonne Lagerbestand ab» gefahren worden wäre. Den Eisenbahnern ist nicht unbe- rannt, daß die Zechen lieber einige tausend Waggon, mehr als gebraucht werden an- fordern. Man kann nicht haargenau die unbedingt'nötige Waggonzahl vorausbcftellen. Es ist jedoch direkt auffallend, wie außerordentlich hoch die Waggonanforderung nun über die wirklich benötigt« Zahl hinausgeht. Das muß auf den Eachunkundigen einen starken Eindruck machen, wenn die Presse berichtet,„in einem einzigen Monat" feien über 160 000 Waggons.zu wenig" gestellt worden. Das Publikum kann allgemein nicht wissen, daß in diesem„einen einzi- gen Monat" die angeforderte Waggonzahl so weit über da, tatsächliche Bedürfnis hinausging, daß, um dl« 685 900 Waggons all« zu beladen, die neue Förderung 800 000 Tonnen höher hätte fein müssen und außerdem die gesamten Halden- bestände fortgeschafft werden mußten. Dagegen wird man einwenden, wegen Wuggonmangel hatten Feierschichten Platz gegriffen. Wenn aber auch alle Schächte von Feierschichten verschont geblieben wären, die Mehrförderung hätte auch dann bei weitem keine 500 000 Tonnen betragen. Die Presse berichtet, die totale Ruhrkohlen- förderung habe sich im Dezember v. I. auf 8 054 517 Tonnen gestellt, im Bergleichsmonat 1920 feien 8 286 267 Tonnen gefördert. Die Presse erläutert dazu,„daß im Dezember 1920 das Ueberfchichtenabkommen in Geltung war". Die Mehrförderung m i t den Ueberfchichten betrug somit nur 181 750 Tonnen. Wären nun im letzten Dezember alle an- geforderten Waggons gestellt worden, so mußte die Förderung etwa 200 000 Tonnen höher sein als Dezember 1920, und es hätte auch der Lagerbestand restlos abgefahren werden müssen, um die Gesamtzahl der angeforderten Waggons zu beladen. Diese Tatsachen kennt das breite Publikum nicht. Damm ist es leicht, es in den Irrglauben zu versetzen, für die im Dezember 1921 von den Zechen angeforderte« 685 900 Waggons sei Ladegut vorhanden gewesen— die Eisenbahn habe„versagt". Warum die rheinisch-westfülischen Zechen im legten Vierteljahr auf einmal 355 900 Waggons mehr anforderten, als gestellt werden konnten, wofür auch das ausreichende Ladegut bei weitem nicht vorhanden war, darüber haben die Eisenbahner ihre eigenen Gedanken. Wer kann es ihnen ver- Übeln, daß sie dabei auch an die E n t st a a t l i ch u n g s» plane der Privatunternehmer gegenüber der Reichseifen- bahn denken? die Schützer ües Portemonnaies. Der einstmals ungekrönte König von Preußen, Herr von Heydebrand und der Lasa, hat im alten Reichstag einmal das geflügelte Wort gesprochen, daß sein« Partei— die konservative, jetzt d e u t s ch n a t i o n a l ei— es als ihre Hauptaufgabe ansehe, dasPortemonnaiederDe- sitzenden �'u schützen. Das Wort ist den Junkern nicht vergessen worden. Jetzt kommt nun der deutschvolksparteiliche Abgeordnet» Dr. V e c? e r- Hessen, um der Welt bekanntzu» geben, daß Heydebrands Rolle von der heutigen Deutschen Volkspartei übernommen worden ist. In einem langen Artikel, der im schwerindustriellen„Tag" abgedruckt wird, bespricht dieser Finanzsachverständige der Volkspartei die Ver- Handlungen über dos Steuerkompromiß und das Kompromiß selbst. Zunächst oerrät er, was allerdings Ein- geweihten ohnehin nicht unbekannt war, daß die Volksparteiler während der interfraktionellen Verhandlungen ihre deutsch» nätionalen Freunde ständig und bis in das letzte Stadium auf dem laufenden gehalten haben. Vor ollem aber, sagt Decker werter, hat die Volkspartei „auch sachlich dafür gesorgt, daß keine Position, die die bürgerlichen Parteien In erster Lesung des Steuergesehes in mühsamem und zähem Kampfe errungen hatten, preisgegeben wurde. Die Aus- einandersetzungen, in denen dann unter Zuziehung der Soziald«mo- kratie die Verhandlungen geführt wurden, waren lebhaft und a n g w i e r i g. Weitestgehenden Dorschläge der Sozialdemokratie stand der zähe Wille der übrigen Parteien gegenüber, festzuhalten an dem Errungenen, und zur Herbeiführung eines Kompromisses nur das nachzugeben, was unbedingt nachgegeben werden muhte. Mancher üble Vorschlag wurde abgelehnt, die Ersassung der sogenannten Sachwerte konnte oerhindert wer» den, der Plan, die etwa sür Sachleistungen in Betracht kommenden deutschen Wirtschaftsgruppen für diese Sachleistungen der Gruppen- ongehörigen besonders zahlen zu lassen, wurde abgelehnt. Di« Zah- lung weiterer zwei Drittel Notopfer mit Erfolg bekämpft, und wenn man schstlichlich den Plan einer Zwangsanleihe annahm, so war dies das geringste Opfer von allen, die in diesen verhand- lungen dem Desilz zugemutet worden waren.. Diese Zustimmung zur Zwangsanleihe, di« nach Meinung Beckers die mildeste Art der Heranziehung des Kapitals darstellt, ist den Volksparteilern besonders deshalb leicht ge- worden, weil, wie Decker weiter sagt,„der Gedanke, die letzten zwei Drittel des Notopfers einzuziehen, auch schon in bürgerlichen Kreisen etwas A n» klang gefunden hatte, und die Gefahr nahe lag, daß die Ab- ficht, ihm zuzustimmen, langsam aber erfolgreich weiter fraß." Dieser Gefahr vorzubeugen, den deutschen Kapitalisten einige zwanzig Milliarden Reichsnotopfer abzu- nehmen, das war der Zweck der Zustimmung der Volkspartei zur Zwangsauleihe. So sucht der schon als volksparteilicher Reichsfinanz- minister in her Presse bezeichnete Dr. Becker bei den Kapita- listen um mildernde Umstände zu plädieren. Seine ganze Beweisführung läuft daraus hinaus, daß die Deutsche Volkspartei die beste Hüterin, wenn nicht des Portemonnaies, so doch der Brieftaschen unserer besitzenden Klasse ist. Verbindet man diese Beweisführung mit den volksparteilichen „Bedingungen" über„sachliche und persönliche Garantien", so „herbstvöger" von WaZther Ciölitz. (K o m m e r s p i e l e.) Ein junger Dramstiker, der in Idyllen lebt und sich an der Lyrik erlustigt, muß straucheln. Walther Eidlitz ist vorläufig einer von diesen Halben, die noch nichts von ihrem Weltbilde überlegen ausformen können. Di« zahlreichen dichterischen Elemente, über die er verfügt, schließen sich nicht zusammen. Man ist versucht, solche Ohnmacht einen Dilettantismus zu nennen. Man würde dann aber dem Dichter unrecht tun. Denn er besitzt Gaben, die ihn zu lieben Durchschnittsidyllikern stellen. Es sieht aus, als wenn ihm Keime geschenkt wurden, damit er ein leichter Lustspielmusikant würde. Dann hätte es die Jugend nur verschuldet, daß er sich in? Tragische verrannte. Er verrannte sich ins Traqische, weil er zwischen der Wirklichkeit und dem Abstrabten noch keinen Ausweg findet. Die Pubertät des Menschen spielt für ihn eine große Rolle. Ueber das Liebesbämmsrn der Jünglinge und Jungfrauen sagt er denn auch Erquickliches. Der Ton ist dann nicht ganz echt, er ist aus Ueber- kieferlem, nicht aus überspitzter Originalität geschöpft. Wenn ein junger Dichter die Liebcspubertät zum Stoff« nimmt, so pflegt er übrigens immer wie ein Greis oder wie ein Gott zu reden. Das Unverständliche wird zur Znngenrederei. Der Grad der Aufrichtig- keit entscheidet, ob dies Gestammel, das der Dichter sehr ernst nehmen muß. in di« Ewixkcitswelt eingeht. Dos ist bei dem kräftig feinhörrnen. nach außen gelenkten, trotz oller Innigkeit schnell versagenden Walcher Eidlitz selten der Fall. Das Gnmofymbol, das er aufstellt, wird niemals ausgedeutet und endgültig aufgelöst. Der jung« M-mn, den der Tod holen soll. empfängt als Leihgut die Se«l? der gütigen Samariterin. Run kann er als Gesunder ausziehen. Lieb« erwirbt er. Es kann aber mcht Treue mit der fremden Samariterinseeie halten. Und da er die Geliebte verläßt, ertränbt sich die Verlassene. Run kreuzt sich diele, Schicksal mit noch drei Schickungen, in die drei Paare geworfen sind. Liebesbindungen finden statt. Diese Szenen sind lieblich an sich, unorganisch aber, wenn das Ganz« betrachtet wird. Die Lnrik der vereinzelten Liebesszene kehrt in der Rhvthmik des Dramas immer wieder. So ist nur Wiederholung, die auch in dem Nebenwerk ermüdet. Schließlick, wird gefragt, was denn der Titel bedeutet? Die Antwort wird nicht gegeben. Trotzdem Hans Vrousewetter das Gut« und Weich« des Stücke als der problematische Jüngling rettet. Trotzdem vier Frauen. RomaVahn.LisclotteDenera.JlsabeDieck. Erika von Thellmann mit Junafernsüßigkeit durcheinander» huschen. Der Mondschein, der das Wort geben sollte, kam über all diese L'ppen, die sich ous der Dichtung weihen wollten Aber es war kein romyntischcs Licht, es war schließlich doch bloß Literatur. ___ MaxHochdorf. Gegen das„KeichsschnkzerstSrnng-geseß". Eine vom Bunde entschiedener Schulreform«? Berlin einberufene öfsent- liche Versammlung sprach in einer Reselution..ibre En,rüst'm, darüber em*. doß d»s vom deutschen B-'k, verwerfen« Reich». s ck, u l z c r st ö r u n g S g e s e tz zum Artikel l-lü, Abs. t d?r Reichsver- sassung nun doch an da» Plenum de, Reichstage» gelangt und der wird man zu der Ueberzeugung kommen, daß die Z u st l m- m u n g der Voltspartei nur ein Manöver darstellt, und daß sie sich den Rücken freihalten will. Es ist hier schon früher gesagt worden, daß ein A u s b r e ch e n der Volkspartei auch den anderen Parteien ihre H a n d l u n g s f r e i- heit zurückgeben würde. Im übrigen aber wird man aus den Darlegungen Beckers aufs neue entnehmen können, daß der Besitz auchüberdieZwangsanleihe hinaus zu den Lasten herangezogen werden kann und muß. Juso- fern stellt der lange Artikel Deckers ein verdienstliches Werk dar. Fabrikanten als Steuerörückeberger. Gewisse Industriell« von Markneutirchen, dem Sitz der Musikinstrumentenindustrie, sink in einer für sie peinlichen Weise eis Steuerdrückeberger entlarvt worden. Der Vorgang ist so bezeichnend für die Steuermoral gewisser Kreise, daß er verdient, weit bekannt zu werden. Die Fabrikanten Markneukirchens, fast durchweg schwerreiche Leute, die in den schönsten Villen des Vogtlandes wohnen, führen seil einiger Zeit«inen heftigen Kamps gegen die S t e u e r e i n- schätzungskom Mission. Diese mußte kürzlich in die Oeffent- lichkeit flüchten, und mitteilen, daß sich im ganzen Vogtlande die Einschätzung glatt vollziehe, nur in Markneukirchen nicht. Die Mitglieder der Kommission erhielten Drohbriefe schlimmster Art, in denen ihnen sogar die Ermordung angedroht wurd«. In einem dieser Drohbriefe wurde auf den Steuersekretär Fickert, weil er bei der Einschätzung amtlich mitzuwirken hatte, ein Kopfprcis von 100 000 M. ausgesetzt. Fast alle Fabrikanten fühlten sich überschätzt und beriefen eine öfsentliche Versammlung oller derer ein, die sich wie sie ebenfalls überschätzt glaubten. Die Arbeiter aber und Fcstbesoldeten, Beamten usw. traten ebenfalls an und so kaP e», daß die Versammlung ein bitteres Fiasko für dieSteuer- scheuen wurde. Einmal hatte angesichts der anwesenden Arbeiter niemand den Mut, die vorgesehene Rede zu halten. Dann aber traten unsere Genosien auf den Plan und zerzausten di« Ausreden des Einbsrufers, eines Fabrikantensöhnchens, über die„zu hohe Ein» schätzung". Das rief auch den Steuersekretär Fickert auf den Plan, der die Kommission in Schutz nahm, aber darüber hinaus noch der „Plauener Volksstimme" folgendes«rklärte: Die Kommission habe DeNarationen erhalten, die seder vc- schreibung gespottet hätten. Das Finanzamt sei sehr zurückhaltend mit Strafanträgen aber es seien die unglaublichsten Dinge vor- gekommen. So hätten Fabrikanten mit 15 Beschäftigten ein Warenlager von— sage und schreibe— 6000 M. an» f legeben! Durch Nachprüfungen der Bücher in 64 Fällen sei estgestellt worden, daß 7 Millionen Mark Einnahmen verschwiegen worden seien. In 24 Fällen habe das Strafversahren eingeleitet werden müssen. Mehrfach Höllen Fabrikanten ein niedrigeres Einkommen angegeben, als ihre Acbeiier oder Heimarbeiter gehabt hätten. Gegen diese amtlichen Darstellungen wagte niemand etwas ein- zuwenden. Aehnliche peinliche Enthüllungen macht« sodann ein Mitglied der Einschätzungskommisston, das erklärte, man habe jogar festgestellt, daß doppelte Bücher geführt«vürdenl Eine Firma mit 150 Arbeitern Hab« sich mit nur 300 000 M. eingeschätzt. Man müsse cm Trottel sein, wenn man solchen Angaben Glauben schenke. Ihm seixein Gruseln angekommen, als er Detlaratbren gelesen habe von Leuten, di« einen Ricsenaufwand treiben und«in jährliches Einkommen von 6000 M. angaben. Auch der Stadtoerordnetenvorsteher Tölling er- klärte, er habe sich eine Auslese von Deklarationen gemacht und wenn man ihn zwinge, werde er auch mal die Namen preisg.'ben. Einer der größten Fabrikanten Markneukirchens habe sich mit nur 40000 M. eingeschätzt. Wenn er den Nomen angäbe und der Herr sei anwesend, dann würde ihm die Dcrsamm» lung das Leder vollhauen. Einer der bekanntesten Geigenmocher, der 6 Gehilfen beschäftige, schätzt sich mit 10 000 M. ein und ein anderer, der ohne Gehilfen arbeite, mit 21 000 M. Diese Enthüllungen werden die Regierung hoffentlich veran- lassen, die Zustände in Markneukirchen und anderswo gründlich unter die Lupe zu nehmen. Ausschußarbeit übergeben worden ist. Kleine Zugeständnisse, neben- sächliche Abänderungen innerhalb seiner Formulierungen könnten der Verderblichkeit dieses Gesetzes nichts nehmen. Die Versammlung fordert die Ablehnung dieses Gesetzes und die Ein- bringung eines Nolgesetzes über die Anstellung und Beschäftigung von Lehrern, die den Religionsunterricht verweigern. Die entschiede- nen Schulreformer schieben denen, die dieses Gesetz annehmen, die Verantwortung dafür zu, daß dadurch für Generationen Haß u n v Entbildung in die deutsche Jugend getragen, die Anbahnung wahrer Volkskultur verhindert wird Wie oft gehl der Deutsche in» Kino? Nach den statistischen Mitteilungen der, Lichtbild-Bühne" gibt es in Deutschland zurzeit 3851 Kinos mit 1 304 605 Plätzen. Es kommt also je ein Kino cuf 15250 Einwohner. Die Zahl der Vorstellungen ist verschiedm, in manchen Orten spielen die Kinos ihr Programm 3- und 4mal täg- lich, mindestens aber zweimal. Bei einer Mindestzahl von 2 Bor. stellungen, deren jede zu drei Vierteln besetzt ist, müßten danach täglich rund 2 Millionen Deutsche ins Kino gehen: jährlich also 730 Millionen. Das heißt: jeder Deutsche geht durchschnittlich 12mal im Jahre in ein Lichtspielhaus, oder, um der Wahrschcinlichleit noch näher zu kommen, jeder dritte Deutsche all« 10 Tage einmal. Geheimnisse all"« Häuser. Düstere Geheimnisse und seltsame Romane, die durch Jahrhunderte in tiefer Verborgenheit geschlum» wert, werden manchmal beim Abbruch alter Häuser aufgedeckt. Von einigen Borfällen di-ser Art, die sich kürzlich in England ereigneten, berichtet John Parr in einem Londoner Blatt. In einem Landhaus zu Kent, das kürzlich niedergerissen wurde, entdeckte man im Innern der Treppe einen geheimen Aufb-wahrungsplatz für geschmuggelte Waren, der augenscheinlich seit 144 Jahrhunderten unberührt geblieben war. Es fanden sich hier Flaschen mit Alkohol, Pakete mir vermodertem Tee, einige kleine Ballen mit flandrischen Spitzen usw. In einer Nische des Schornsteins war eine metall me Tabakdefe verborgen, in der sich Münzen aus dem Jahre 1789 befanden. In einem Londoner Hau», das niedergerissen wurde, entdeckte man ein kleines Geheimzimmer, das 8 Fuß 4 Zoll zu 6 Fuß maß und äugen- scheinlich aus der Z-it der Koni'in Elisabeth stammte. Es war unter dem Dach in den Winkel cincr Wand an ein Schlafzimmer angebaut. Licht und Luft fanden durch ein winziges Fsnster Zutritt, das so verborgen war, daß man es nur von einer bestimmten Stille des Daches aus sehen konnte. Eine Röhre führte in den Raum, durch den Nah- rung hereingebracht werden konnte, wenn der eigentliche Zugang versperrt war. In diesem seit Jahrhunderten nicht mehr betretenen Loch entdeckte mon den Hut eines Geistlichen, einen Rolenkranz. ein Gebetbuch, einen Becher und einen Zinnteller. Auf der Wand waren die folgenden Worte eingeschrieben:„Bin seit vielen Stunden ohne Essen und Trinken: fürchte, es ist etwas Schlimmes vorgefallen." Einen viel grausigeren Fund machte man, als ein altes Gutshaus in Porkshire in der Näh« von Harronate niedergerissen wurde. Es ging die lifberlieferunn. daß dieses einsame Haus im 18. Jahrhundert als Zufluchtsort für Wegelagerer oedient hatte. Man stieß auf ein geheimes Zimmer, das in die dicke Wand eines Raumes eingemauert «ar. Darin f«,d««» da» Skelett eines Mann«,, d», sich in h«lb kniender und halb sitzender Stellung zeigte. Der Unglückliche, der hier seinen Tod g sunden, war mit Reitstiefeln. Rnthcscn und einem Reittack beNeidet. Eine Pistole, die tn seinem Gürtel gesteckt hatte, Der Golöbeftanö üer Neichsbank. Im Hauptausschuß des Reichstages begannen am Dienstag die Etats beralungen unter dem Vorsitz des Abg. Heimann (Saz.). Zuerst wandte man sich der Besprechung des Gesetzentwurfes betr. den Kassenbestand der Reichsbank zu. Berichterstatter Dr. Ricßer(D. Vp.): Tie sür die Reichsbant bestehenden Schwierigkeiten bei Beschaffungen der zur Befriedigung der Zahlungsbedürfnisse des Reiches erforderlichen Devisen können durch die Hinterieaung eines Teiles der Goldbestände der Rcichsbanr bei einer ausländischen Zentrolnotenbank zwecks vorübergahenoer Lombardierung gemildert werden. Reichsbankpräsident Hoornsicin: Die Reichsbankverwaltung hat in dieser Richtung bereits mitder Bank von England Ver- einbarungen gettoifen. Ehe sie jedoch zur Ausführung gebracht werden können,- erscheint eine Aenderung der bankgesetzlichen Vor- schriften aus überwieoenden Zwcckmäßiqdeilsgründen geboten. Als Darlehnsgeber kommt nicht nur die Bank von England, sondern auch die Zentrolnotenbank eines anderen Lande» in Betracht, zu deren Gunsten jene als Treuhänder und Pfandhalter dienen wird. Die Abdeckung der Darlehen hat alsdann zu erfolgen entweder durch die allmählich« Umwandlung vorhandener Valuten in di« Tarlehensvaluta oder dadurch, daß ausstehende Valutaforde- runqen später eingehen. Es besteht nicht die Absicht, daß in die Tresor» der Bank von England zu überführend« deutsch« Gold zu langfristi'en Krediten sür Reporationszwecke zu benutzen, sondern e» handelt sich ledigtich um Kredite vorübergehender Art. Auf Antrag des Abg. H e l f s e r i ch(Dnat. Bp.) wurde In den ?! 1 des Gesetzes folgender Satz hinzugefügt:„Es ist jedoch in den Wochenausweisen und Jahresbilanzen der N«ichsbonk das im Aus- land niedergelegt« Gold getrennt von dem in ihren eigenen Jteflen befindlichen Golde nachzuweisen." Tsckernoff über üie 5aae in Rußlanü. Der alte Wortführer der russischen Partei der S o z i a l i st e n- Revolutionäre und ehemalige Präsident der Einlagskonsti- tuante, Viktor Tschernosf, hielt am Montag vor dichtgefülltem Zluditortum einen zweistündigen Dortrag über die Lage in Rußland und die Stellungnahme der von ihm repräsentierten Partei. Der wirtschaftlich maßgebende, politisch aber völlig entrechtete Teil der Bevölkerung, die Bauernschaft, führt einen hartnäckigen Kampf gegen die Sowjetgewalt, die jetzt aus wirk- schastlichem Gebiete kapituliert und den Rückzug angetreten hat. Der Bauernschaft fehlte bislang die Führung der Stadt, des Fabrik- Proletariats und der geistigen Arbeiter. Diese Schichten stellen sich indes immer mehr und mehr in die Kampfront gegen die Bolschewiki. Auf welche Weise wird nun die Slblösung des Bolschewismus er- folgen? Der Weg der Evolution sei ausgeschlossen, denn die stärkste Konzentration der politischen Macht ist die erste Bor- aussetzung des Bolschewismus, die es ihm ermöglicht, aus Wirtschaft- lichem Gebiete weitgehende Zugestädnisse an den Kapitalismus zu machen, wi« er es eben tut. Daß die Bolschewik! von diesem Standpunkt abgehen, ist ausgeschlossen. Der zweite Weg, der Weg einer bonapartistischen Gegenrevolution, sei illusorisch, dazu fehlen alle Borbedingungen. Ce bleibe also der Weg einer gewaltsamen Aullehnung des Volke», der Weg der aus seiner Mitte entstehenden und zum höchsten Punkt steigenden Revolution. Ob dieser Weg nicht die winzigen kulturellen Aktivposten, die noch bisher vor der Zerstörung bewahrt geblieben sind, völlig zerttümmer« und das Land in den Zustand eine» Chaos hineintreibe? Der Redner glaubt- nicht daran. Zwar werden die Gewaltsamkeiten nicht aus- bleiben und manche Schichten der Bevölkerung darunter zu leiden hoben, doch werde der Umsturz kein« so verhängnisvollen Folgen haben, wie vielfach befürchtet wird. Der Bcrwaltungsepporat des Staates könne ebensogut auch ohne di« paar Kommunisten arbeiten. und der gesunde Menschenverstand der Bauern werde sogleich den Aufbau der Wirtschaft und der Ordnung stützen und erleichtern. Mehr als einmal hat dieser unerschütterliche Glaube der rufst- schen Partei der Sozialisten-Revolutionäre an den„gesunden Mcn- schenverstand" und die sozialistischen Tendenzen der Bauernschaft schon bittere Enttäuschungen gebracht. Werden sie sich nicht auch dies- mal verrechnen, abgesehen davon, daß andere wichtige Momente und Faktoren der politischen Wirklichkeit in dem Konzept unberück» si'chtigt geblieben sind? war auf den Boden gefallen; ebenso hatten die Taschen ihren Inhalt verloren, und zwei goldene Uhren, zwei Ringe und einige Gold» münzen mit der Jahreszahl 1776 lagen herum. Wahrscheinlich hatte der Räuber in seiner verzweifelten Lage Selbstmord begangen, denn der Schädel war zertrümmert. Eine weniger unheimliche Geschichte gab ein Geheimzimmer preis, da» mon beim Abbruch eines alten Hauses in Warwickshire fand. Es enthielt eine größere Anzahl von Kinderspielsache», hauptsächlich Puppen, die nach ihrer Kleidung auf die Zeit der Königin Anna von England hinwiesen. Es ist anzu- nehmen, daß Kinder vor 200 Jahren dieses Kämmerchen als Aus- bewahrungsort ihrer alten Spielsachen benutzten, daß es dann später zugemauert wurde und vergessen war, bis jetzt diese verstaubten und zerbrochenen Zeugnisse alter Kinderlust wieder ans Licht traten. Der„Vrokenhill-Mensch". Neben dem Neandertal-, dem Zlurignec-, dem Cro-Magnon-Menschen und anderen vorgeschicht- lichen Menschenrassen wird man künftig auch den Bröken Hill- Menschen nennen. Ln einem Bergwerk in Brokenhill in Nord- Rhodesien, an der Kap— Kongo-Bahn, also im nördlichen Teil Süd- afrikas, ist nämlich kürzlich in cincr Tiefe von 80 Metern unter der Erdoberfläche und 20 Meter unter- dem Grundwasserspiegel der Schädel eines oovrgeschichtlichen Menschen gefunden worden, der in manchen wesentliche!, Merkmalen den bereits au» Europa bekannten Typen fossiler Mcnschenschädel ähnelt, in anderen aber wieder ganz für sich steht Der neue Schädel ist im allgemeinen auffallend gut erhalten, nur ist leider gerade ein sehr charakteristi- scher Teil, der Unterkiefer, zerbrochen, doch ließ sich feststellen, daß dieser noch massiger und plumper gewesen sein muß als der in ahn- licher Tiefe— 24 Meter— im Ncckarlol oberhalb Heidelberg ge- fundene Unterkiefer von Mauer, der bisher der urtümlichste, ticr- ähnlichste menschlich« Unterkiefer war und wie dieser noch ganz ohne Kinn. Der Schädel s-lbst hat typisch menschliche Form, das Geh'rn. das er enthalten hat. muß mindestens so schwer gewesen sein wie das der heutigen Menschen, und die Lag« des graben Hinterhauptlvchcs läßt deutlich erkennen, daß der Tröger des Schä» dels einen ausrechten Gang gehobt, also den Ucbcrqang vom Tier zum Menschen bereits vollzogen hat. Die Augenhöhlen sind groß und viereckig und die Augenbraucnwülste springen möchtig vor wie beim Neandertaler, lo daß der Gesicht-ousdruck des Brokenhillcrs sehr finster gewesen sein muß. Der englische Gelehrte der die erst« Beschreibung des neuen Fundes veröffentlichte, meint, daß dieser den Schädeln der Neandertolrasse. die man bei La-Chapelle-aux- Saint» in Feankeeich fand, am nächsten steh«, alsv ein echter Reander- taler sei. während ein anderer englischer Gelehrter ihn für eine viel urtümlich-re Form erklärt, von der der Neandertaler erst eine spätere Abzweigung und Weiterbildung darstelle. Mag dem sein wie ihm will, das erscheint zweifellos, daß wir es auch bei dem neuen F-nd nicht mit einer der lange gesuchten Zwischenformen zwischen Mensch und Affe, sondern mit einem wirtlichen Menschen zu tun haben._ Aruir Zickler»18 Jtltnt-Tlrfiier. Hl»>. Tee-Vriduktl»»«!r8 t emnichg»er stii» l ti«f» r i I t» r», Ptm*« und Heit«! e» w S eitten iion tl r I u r Z i ck> e r> über di« Lci'-ivand gi-ben. Die'tittl!e!«?tu!nabmen lind unter der Regie von ileo ÜaSta m vollem Gang«. Die weibliche Hauplrolle lpieU R e s i e I Ort». Veutsckvolkistbe �etze gegen Rathenau. Hamburg, 31. Januar.(TU.) Der HauptgeschSftsführer des Deutschoölkischen Schutz, und Trutzbundes, Roth, hat an den Reichspräsidenten und den Reichskanzler ein Telegramm gerichtet, wonach der Bundesvorstand des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes schärfften Einspruch gegen die Wiederberufung Walter Rathenaus in die Reichsregierung erhebt. Für Dr. Rathenau ist es zwar sehr ehrend, wenn diese Kreise sich gegen ihn wenden, ober e» sollte ihnen doch in sehr energischer Weise ihre völlige Belanglosigkeit attestiert werden. Generalstreik im Krieasfalle? Dien, 31. Januar.(TU.) Das Komitee des I n t e r n a t> o> nalen Metallarbeiterbundes, in welchem Delegierte von Ig Staaten, darunter auch Deutschland, vertreten sind, beschloß eine Kundgebung an die Alliierten, endlich O e st e r x e i ch den dringend notwendigen Kredit zu gewähren. Eine andere Kundgebung beschäftigt sich mit der Frage der M u n i t t o n s» erzeugung und schlägt dem am 22. April in Rom zusammen- tretenden Internationalen Arbeiterkongreß vor, im Falle eines Krieges den Generalstreik der organisierten Arbeiterschaft-der ganzen Welt zu proklamieren, um den Feindseligkeiten sofort ein Ende zu bereiten. Diese Kundgebungen wurden mit allen Stimmen gegen die des sugoslawischen Dertreter» zum Beschlüsse erhoben. Weiter wird die organisierte Arbeiterschaft aufgefordert, eine strenge Kontroll« über die Herstellung von Waffen und Munition zu üben und diese Produktion aus das Maximum der Bedürfnisse des Zivils zu beschränken. Zrei-Staat Memel... Das„Memeler Dampfboot' knüpft an die B. S.-Meldung von der Einrichtung einer polnischen Propogandastelle in Memel den Kommentar, es habe von einer solchen Stelle noch nichts gemerkt und nehme deshalb an. daß es sich um ein« der üblichen Tatarenmeldungen handle. Da das»Memeler Dampfboot" von den Gefahren, die dem deutschen Memel drohen, überhaupt nichts zu merken scheint, vielleicht auch auf Befehl der sranzäsischen Zensur nichts merken darf, erlauben mir uns, die Oeffentlichkeit auf Dinge aufmerksam zu machen, über die öffentlich zu sprechen gewissen Kreisen Mchnels offen- bar unbeouem ist. Die Memeler Handelskammer hat den Ober- kommissar Petisnö dahin beeinflußt, für den»Freistaat� Memelland ein nicht auf allgemeinen Volks- mahlen begründetes berufsständisches Parlament vorzusehen und der Botschafterkonferenz einen entsprechenden Verfossungs- ent vurf zu unterbreiten. Damit würde die politische und staat- lich» Vorherrschaft der Handelskammer in Memel verewigt werden. An der Spitze der Handelskammer steht aber jener Herr Kraus, dem schon in einer ostpreußifchen Zeitschrift g u t b e g r ü n d e t vorgeworfen wurde, sich inWarschau mit der polnischen Oberhoheit einverstanden erklärtzuhaben. Es gibt Leute, die trotz gewisser Er- kkörimgen seitens des Herrn Kraus den Vorwurf nicht für widerlegt halten. Die Haltung des»Memeler Dampfboots" Ist aber sachlich höchstens ein Beweis dafür, wie schlimm die Dinge schon stehen. Wirtschaft Die HEG. Im �aßre 1921. I» Vergleich mit dem geschäftlichen Ergebnis der britischen P.z>intaufszentralen. die für 1S21 einen wesentlichen Umsatzaus- fall zu verzeichnen haben und unter Berücksichtigung der schwierigen wirtschaftlichen Derhältnisie, mit denen Deutschland und auch seine Kcnsumgenosienschaften im verflosienen Jahre zu kämpfen hatten, kann unsere Großeinkaussgesellschost Deutscher Konsumverein» wiederum von guten Fortschritten de- richten. Eine Gegenüberstellung mit dem Jahre 1020 ergibt nachstehendes Bild: Es betrug der Gesamtwarenumsatz 1S21 2 403 982 699,89 und im Jahre 1920 dagegen 1 851 224 382.11 M.. demnach fand ein Mehr- Umsatz 1921 von 1 055 758 317,73 M. statt, das ergibt eine Umsatz- stcigerung von 78,13 Proz. Eingeschlossen in den G e s a mt w a r e n u m s a.tz von zwei Milliarden und annähernd 407 Millionen Mark sind die Wert» der in den eigenen Betrieben der GEG. hergestelltenWaren. Auch hier zeigt sich eine weitere Aufwertsentwicklung, wenn sie auch den überzeugten Genossenschaft- ler nicht voll befriedigt im Hinblick darauf, daß die mustergültig einzenchteten Betriebe der GEG. zu weit höheren Leistungen in der Lage sind. Entsprechend den in den eigenen Ftkbrikbetrieben erzeweten Waren besief sich der Umsatzwert 1921 auf 234 734 773,55 Mark, im Vorjahre betrug er 156 429 448,82 M., mithin ergibt sich ein Mehrumsatz 1921 von 78 355 324,73 M.. oder eine Umsatz. stdgerunz von 60,09 Proz. Die Bankabteilung berichtet über ein« rege Ausdehnung ihres Geschäftsbetriebe». Es betrug der abgerundete Umsatz auf SIrokonta 1921 Insgesamt 3 437 000 000 M.. er hatte 1920 I 754 000 000 M. betrogen, so daß im letzten Jahre ein Mehrumsatz von 1 683 000 000 M. gleich 95,96 Proz. verzeichnet werden kann. Das verflossene Gslchäff,>ahr zeigt ansehnliche Fortschritte auf dem Wege der genossenschaftlichen Warenerzeugung und-Verteilung durch die GEG. Die vorhandenen 19 Eigenbetriebe sind mit wenigen Ausnahmen bei weitem noch nicht voll ausgenutzt, sie erwarten eine Jnfpnichnohme bis zum äußersten, um den Beweis Ihrer Leistungsfähigkeit erbringen zu können. Das Netz der Waren- verteilungsstellen ist erweitert, die Zahl der Jnlandsläger ist auf 1» erhöht, außerdem wurden 14 Konstgnattonsläger für dte Schmolz- versaraunq neu errichtet. In C h em n i tz schreitet der Neubau eines gewaltigen Zentrallaper» voraussichtlich bis Ende dieses Jahres seiner Bor'endung entgegen. Neue Prcsekte sind in Vorbereitung. Um die Mittel für die Neuerrichtung bzw. den Ausbau bestehender Betriebe zu erhalten, hat die GEG. 1921 ein« Obligattons- « n l e i h e herausgegeben, auf die bis Ende de» Jahre» 1921 bereits 35 Millionen Mark gezeichnet waren. Bei der durch. aus sicheren Anlage dieser Gelder, welche mit 51£ Proz. verzinst werden, ist zu hoffen, daß die Zahl der Zeichnenden eine ständige Zunahme erfährt und die GEG. damit in die Lage versetzt, in immer größerem Umfange zur Eigenproduktion überzugehen. Gar vieles gibt es noch für die deutschen Kansumgenossenschafter nachzuholen, um nur annähernd den Stand zu erreichen, den die britischen Großelnkaussgesellschasten mit ihren zirka 200 Eigenbe- trieben Im eigenen Lande und ihren vielen überseeischen Besitzungen bereits erreicht haben. Wer die deutsche Ksnsumaenossenfchasts- bewegung stützen und fördern will, sorge mit dafür, daß seiner ge- £ nossenschostlichen Versargungszentrol«, der GEG., die nottvendiaen Betriebsmittel für den weiteren Auf- und Ausbau der Ge- meinwirtschoft zur Verfügung gestellt werden. D. Momberg. Weiße Woche. Nach den Neujahrsinventurausverkäufen kommt die„Weihe Woche". Das hat sich nun schon seit Jahren in Berlin so einge- bürgert. Auch in diesem Jahre haben sich die großen Warenhäuser wieder blendend weiß ausstaffiert. Die Folge ist ein Riesenandnng des Käuferpublikums. Jeder, besonders aber jede hofft, hier sine gute Gelegenheit zu finden, um gut und billig einzukaufen, denn Wäsche, Tischzeug usw. gehören immer noch zu den Dingen, deren Anschaffung der Minderbemittelte immer wieder zurückstellen muß. Kennzeichnend für den gewaltigen Ansturm der Konsument.» ist die Tatsache, daß das Rote Kreuz in den Geschäften provisorische Unfallstationen eingerichtet hat, ti« mit fahrbaren Krankenwagen ausgerüstet sind und ohnmächtig werdenden Besuchern erste Hille bringen sollen. Aber auch unerfreuliche Zustände zeitigt die Weiße Woche. In einem großen Warenhaus am Alcxandcrplatz ourden am gestrigen Montag allein 40 Taschendiebe bei ihrer Tätigkeit ab- gefaßt und der Polizei zugeführt. Nicht unerwähnt mag schließlich bleiben, daß neben den hekann- ten Berliner Warenhäusern und sonstigen Geschäften auch die Kon- s u m g e n o s s e n s ch a s t Berlin mit der Zeit geht und in ihren drei Warenhäusern eine Weiße Woche eingerichtet hat. Oer Neuaufbau ües Jeuerlöfchwefens. Di« städtische Depuation für das Berliner Feuerlöschwesen ttat gestern in den Räumen der Houplseucrwache in der Lindensttaße unter dem Dorsitz des Stadtrats Ahrens zu ihrer ersten Sitzung nach der von den städtischen Körperschaften beschlossenen Zusammen- fassung und Neueinteilung der Groß-Berlrner Feuerwehren zusammen. Zur Einteilung der Stadtgemeinde Berlin I n 6 Löschbezirke wurde ein besonderer Ausschuß von 6 Mitglie- dern gewählt, dem außer den Bcrtrctern der Stadwerordnetenver- sammlung auch Branddirektor Reichel angehört. Derselben Kam- Mission wurde die Frage der Trennung de» Telegraphen- dien st es vom Exekutivdienst und gewisser organisatori- scher Aenderungen im Bezirk der 1. Kompagnie in Alt-Berlin zuge- wiesen. Es handelt sich hier vor allem um die Frage, ob die Zug- wache 3 in der Mauerstraße, die wegen der Nähe des Re- gierungsviertels und des in feuerpolizeilicher Hinsicht wichtigen Film- Viertels der Friedrichstadt besondere Bedeutung I>at, infolge der unzureichenden Räum« aufgelöst werden soll. Da Alt-Berlin sonst ausreichend mit Feuerwachen versorgt ist, soll auch die Feuerwache an der F i s ch e r b r ü ck« verlegt werden, wodurch dringend be- nötigte städtische Amtsräume srei werden. 5rachtkosten und Lebensmittelpreise Aestskellungen. die sich der Käufer merken saL. Die hohen Lebensmitelpreise werden, besonders in letzter Zeit, von feiten der Kaufleute auf die hohen Frachtsätze zurückgeführt. In wieweit das zutrifft, mögen die folgenden Feststellungen be- weisen, die unserem Gewährsmann von einer unter Aufsicht der Stadt arbeitenden Lebensmittelfirma authentisch belegt wurden. Reben den Frachtqebühren spielt auch der Einfuhrzoll— der allerdings nur für ausländische Waren in Frage kommt— eine er. hebliche Rolle. Seit dem 15. Dezember 1921 wird z. B. auf ein Pfund Gänsefleisch au» Danziq, Holland oder aus dem Memel- gebiet ein Einfuhrzoll von 5,50 M. erhoben. Unter Berücksich- tigung der augenblicklich geltenden Frachtgebühren entwickelt sich bei den von auswärts einttessenden Lebensmitteln nun foloende» Preis- verteilunqsbild: Die Firma erbielt z. B. eine Kiste mit 2 9 Hasen aus Pommern, die 180 M. Fracht kostete. Ein Hasc mit einem Durchschnittsgewicht von zirka 7 Pfund erforderte asso zirka 6,30 M. Fracht oder ein Pfund Hasensieisch 0,85 bis 0,90 M. Daß die Fracht bei Hasen auch noch höher sein kann, zeiat eine Sendung aus dem Hannoverschen. 19 Tiere kosteten 199 M. Fracht. I Hase also 10,10 M. oder pro Pfund 1,40 M. Die Fracht für 75 mittlere Gänse, die au» der Provinz Sachsen kamen, betrug insgesamt 493 M., pro Gans also auf 6,50 bi» 6,60 M. 12 kleine lebende Hühner, die aus Mielitsch(Posen) kamen, kosteten 59 M. Fracht oder 4,90 M. pro Stück. Ein Kalb, das aus Mecklenburg gesandt wurde und 54 Pfund wog, kostete 58 M. Fracht. 174 Pfund Leberwurst au» Lippspringe kosteten 240,30 M. Fracht. 1 Pfund also zirka 1,35 M. Für einen Waggon mit 648 Stück Geflügel aus Niederbayern mußten 9638 M. Fracht be- zahlt werden. Auf ein Pfund Geflügel entfallen somit etwa 2 M. Fracht. Die D u t t e r. die aus dem Holstelnlfchen oder au» Pommern kommt, ist durchschnittlich mit 1,10 bis 1,15 M. dos Pfund mit Fracht belastet. Eine Bruttotonne, die zirka 100 Pfund Netto- gewicht hat, kostet 113 M. Fracht. Au; Ostpreußen soll die Zufuhr setzt sehr spärlich werden, Die Großhändler erklären, daß das ebenfalls an den hohen Frachtsätzen liege. Man versende die Ware erst gar nicht mehr, sondern v e r- kaufe sie gleich an Ort und Stelle. Dort könne die ganze Ware unmöglich von der Bevölkerung verbraucht werden, trokdem sie dort mit 25 bis 30 Prozent billiger oerkauft wird. Die Folge wird eine Lebensmittel st auung sein, die im schroffen Gegensatz zu der spärlichen und daher ebenfalls verteuernd wirken- den Lebensmittelzufuhr in anderen Gebieten Deutschlands steht. Was sind HanSreparatnren? Der Begriff der Hausreparaturen im landläufigen Sinne und im Sinn« der Höchstmietenverordnung ist bekanntlich neuerdings erwettert worden durch ten Begriff oller Aufwendungen, die zur ord- nungsmäßioen Verwaltung eines Mietshauses gehören. Ein Teil der Vermieter verlangt nun, wie es von vornherein in der Röchst- mictenverordnung vorgesehen war, die Erstattung von höchstens 15 Proz. des für wirkliche Reparaturen am Hause aufgewendeten Betrages, während die meisten Vermieter jetzt Bilanzen für das voraufgegangene Kalender- oder Steuerjahr aufstellen und den ge- samten Feblbettag zwiscben Einnahmen und Ausgaben, den sie mit schöner Abrunduna nach oben heraus'-cchnen, von den Mietern ersetzt haben wollen. Was da alles den Mietern aufgepackt werten soll, grenzt ans Komilche. So findet man in den den Mictseini- gungsämtern eingereichten Liquidationen u. a. folgendes: Bezugsgeld für Hausbesitzer- und ander« Zeitung«». Jabresbeittag zum Housbesitzerverein, olle Fohrkasten bei den öffentlichen Der- kchrsmitteln, Reparaturen am Fahrrad, Stteichhölzeroerbrauch. Spende des Hauswirts zu einem Kinderlest. Neujahrs�cld für den Portier, Geschenk zur silbernen Hochzeit des Portiers, Bockvier- zeche aus Zlnlaß einer Housbefitzerversammlung. Alle so'che und ähnliche Slntrö�e sind zweck'as. verärgern nur und haben nicht die geringste Aussicht auf Beriicksicht'gung. Der Löwen- anteil bei Erstatiunosansprüchen au» der Pilan.z entfällt aus Hnpo- thekenzinsen, die gleich In die Tal�end« gehen. Vielfach Warden hohe Beträge üder den gemeinen Wert de, Hauses vom 1. Juli 1914 hinaus eingesetzt. Auch dies« Ansprüche haben nicht auf Er- füllüng zu rechnen._ Der elektrische Tod im Strgs-enbnßnwttiien. Im Straßenbohnbetriebe der Stadt Wien bat sich ein eigen- artiger Unfall zugetragen. Ein sechzehnjähriger Kaittmannslehrling fubr, wie die ,.Arbeit-r-?eituna" meldet, mit einem Zuge der elet- irischen Landesbehn Wien— Landesar enze. von einem Besuch in Fischamend heimkehrend, mit einem aleichaltrigen Freunde nach Dainbura. Er hatte knrnv ver Deutl'h-Vs'enburq eine bequeme Sitzart einaenommen, lebnte sich wit dem Kovle an die m e t a l l e n e Gepäckträger st nnae über der Rückenlehne und berührte mit den Füßen den elektrisscben Heizkörper der gegenüber- stehenden Dank. Plötzlich verfärbte er sich und Schaum trat au» seinem Munde. Gleichzeittg beobachtete ein Nachbar ein Aus leuchten am Kopf« de» Sitzenden. Der Mitreisenden bemäch. tigte sich eine große Bestürzung und sie riefen nach dem Schaffner. Obwohl der Bcrunglückte sofort aus seiner gefährlichen Lage befreit wurde und das Bohnpe'ssonal Wiedel belebungsversuche unternahm, blieben alle Bemühungen vergeblich. Der herbeigerufene Arzt konnte nur noch feststellen, daß der Tod durch den eUktriichen Strom der Heizanlage herbeigeführt wurde, zweifellos in- folge ungenügender Isolierung der elektrischen Anlage. Der Un- glllcksfall versetzte die Bevölkerung an der ganzen Bahnstrecke in nicht geringe Aufregung, zumal da er nicht der erste Unfall ähn- licher Art ist, wenn auch die früheren Dorfälle harmloser oerliefen. Es ereignete sich nämlich in letzter Zeit in den Zügen dieser Bahn wiederholt, daß Reisende beim Berübren der Metallnegenftände im Waggon, der Eisenteile der Gepäckträger, der Fensterrahmen, b�r Griffstangen, der Fußbodennägel, der Heizkörper elektrische Schilde erhielten, die in den einzelnen Fällen höchst unangenehm empfunden wurden. „Siedlung und Kleingarten", unsere illustrierte Beiloge. liegt der heutigen Postauflage bei. Auegefperrl wurde gestern die aus etwa 80 Mann bestehende technische Belegschaft der August Scherl, Deutsche Adreß- b u ch G. m. b. H., weil sie die Berhandlungszeit zwischen der Festlegung des Akkordpreises und dem Eintritt in die Arbeit, bezahlt haben wollte. Um 24 000 dänische Kronen betrogen wurde ein Ausländer In Berlin von einem Frachtbriefschwindler Karl Klee» au, Düsseldorf. Der Ausländer war nach Deutschland gekommen, um Stiefel zu kaufen, und trat auch in Verbindung mit Klee». Dieser bot ihm 6000 Paar Stiefel für 24 000 dänische Kronen an. Der K a u f p r« t» sollte aus einer Berliner Großbank bezahlt werden, sobald der Per- käufer«in Duplikat des Frachtbriefes vorlege Die Kriminalpolizei stellte fest, daß das Duplikat des Frachtbriefe» in allen Einzelheiten von Klees sorgfältig gefälscht war. Auf die Ergreifung de» Gauners ist eine Belohnung von 6000 M., fiir die Wiederbefchassung des erschwindelten Geltes eine Belohnung von 10 000 M, ausgesetzt. Meldungen nimmt die Jnspekllon v 5 der Kriminalpolizei in der Georgentirchstr. 30», 1 Tr., entgegen. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Zeilwette etwa« auMarend. jedoch«der. wiegend trüde und neblig mit wiederdolten NiederiwlZqep und grShtentell« schwachen nördlichen Winden. Temperalmen nahe bei Null. die Gpfer See Theaterkatastrophe In Washington. Washington, 80. Januar.(MTB.) Um Mitternacht hatten die freiwilligen Retter im wesentlichen die Räumung der Trüm- mer de» Lichtspielhauses Knickerbocker beendet bis auf einen Teil, in dem sich dos Orchester befand und in dem man kein« weiteren �Leichen zu finden glaubt. Di« Zahl der ver- letzten erhöhte sich aus 134, darunter 14 Schwerverletzte. Die meisten Toten sind identifiziert worden. Sin neue« Sroßseoer in Dessau. In der Paulu»kirch« zu Dessau Ist gestern ein Brand ausgebrochen, dessen Ausdehnung«ch noch nicht übersehen läßt. Die Feuerwehr arbeitet fieberhaft an der Löschung des Brandes. Gewerlfchaftsbewegung Die öergarbeiterbewegung Im �uslanüe. Die Krise im englischen Bergbau. Das Zentralkomitee der Bereinigung der Kohlengrnbenbesstzer hat beschlosson, sich der Forderung der Bergarbeiterföderation anzu- schließen und von der Regierung die Einladung zu einer Enquete zu verlangen, die die Gründe der Kohlenkrise feststellen soll. Das Ratio- nale Bureau für Lohn- und Arbeitsbcstimmung wird in einigen Tagen zusammentreten, um über diese Forderungen, die Arbeiter und Grubenbesitzer gemeinsam erheben. Beschluß zu fassen.. Wie aus New Park gemeldet wird, beschäftigt man sich in industriellen Kreisen lebhaft mit der MöglichkeiteinesSen e- r a l st r e i k» der Bergarbeiter. Es seien Maßnahmen ergriffen worden, die Kahlenvorräte bedeutend zu erhöhen, um dem Streik mit Ruhe entaegenzusehen Dir Streik der Bergarbeiter in Kapstadt dauert schon efnijse Monate. Die Behörden seien sehr beunruhigt, da mehr al» 80 Proz. der Streikenden Holländer und die Polizeikräste ebenfall» hol- ländischer Abstammung find. Ministerpräsident S m u t s hat die Unternehmer zum Nachgeben aufgefordert. Von den Angestellten-Verslchernnqswnhlen. Dem Allgemeinen freien Anaestellten-fAfalBund liegen bl» �etzt au» 440 Wahlbezirken Meldungen über den Ausfall der Wahl vor, wonach sich das vorläufige Gesamtergebnis wie folgt gestaltet: Aia-Hund............. 162 291 Stimmen Deulicbnationaler Handlung?gehilfenderband 55 5�9, Vereiniqce Frauenberuf, verbände.... 24 872» Geweilicbafiebund der Angestellten.... 64942, Verschiedene Verbände........ 42 689» Actt die einzelnen Listen entiollen an Eitzen: Afa-vuad...... 445 Vertrauensleute 987 Erlatzlenti DHB........ 281, 411 Frauenverbände.... 19, 66, Kdä......... 204. 869 veiilb'edene verbände. 862„ 696 Demgegenüber ill es Interessant, festzustellen, daß im Jahre 1912 insgesamt aus die freigewerkschaftlichen Listen nur 183 Der- trauensleut« und 462 Ersatzleute entfallen waren. Es ist also be- reit» jetzt ein ersreulicher Fortschritt zu verzeichnen, trotzdem die Wahlen noch längst nichl obgesch'.ossen sind. TlngesteNte deS Lebeusmittel-Kleinhandels' Di« Arbeitgeber bezeichnen in ihrer Fachzeitschrift„Der Kolonial- warenhändier" unsere Forderungen al» unvernünftig«. Man ver- sucht, die Kolleginnen und Kollegen durch diese Pressenotiz irrezu- führen, indem man behauptet, wir hätten die Arbeitgeber bis zum Erscheinen der Zeitung ohne Antwort gelassen. Diele Behouvtung ist unwahr. Wir haben mit Brief vom 23. Januar 1922 nochmals um Verhandlungen ersucht. Bewe st. daß Ihr gewillt seid. Eure Interessen in jeder Beziehung wahrzunehmen und erscheint zu der Versammlung am Donnerstag, d-n 2. Februar 1922, abends 8 Uhr in den Sophien-Sälen. Sophien str. 17/18. Zentralverband der Angestellten. Lohnabkommen der Sisberarbeiter. Die Silberarbeiter babcn durch zwei langwierige Verhandlungen mit den tzlrbeitaebern ein neues Lohnabkommen erreicht. H e I p t und H e n s ch e l benchHen hierüber am Mentagabend in einer qut besuchten Versammlung der Branche. Die Forderung einer Stunden- zusage von 2.50 M auf alle Löhne fond bei den Arheitagbern hart» näcknen Widerstand. Sie beriefen sich hierbei darauf, daß an ande» ren Orten im Reiche niedrigere Löhne gezahtt würden. Endlich kam sollend« E i y i a u n g zustande: Vollorbeiter erhalten einen Zuschlag von 1.75 M aul den Stundenlohn, Drück»? 4 M.. Voller«rinnen 1,20 M, Jugendlich» und Augelernte 75 Pf.— Diese Sätze gelten ob l. Februar b!» 28. Februar diese« Jahre«.— Wenn den»rfirfem das eigene Werkzeug entzwei geht, ist ihnen das Stück zu ersetzen und bleibt ihr Eigentum.— Der bisherige Arbsiksnachazeis bleibt bestehen. Der im Manteltarif festgelegte Urlaub soll erweitert werden. Cr soll betragen nach i Jahr sechs, nach 2 Jahren sieben, nach Z Jahren acht, nach 4 Jahren neun und nach S Jahren zehn Tage.— Die Arbeitgeber behalten sich vor, älteren Arbeitern einen längeren Urlaub zu gewähren. In der sehr sachlichen und ruhigen Diskussion über das Ab- kommen wurde die Bewilligung als ungenügend bezeichnet, doch wurde das Abkommen mU großer Mehrheit angenommen. Der Verband der angestellten Dentisten und Heilerinnen h'.elt am 2«. Januar 1322 seine Monatsversammlung ab. Ueber die Frage:„Wie verbessern wir untere wirtschaftlich« Lage?" referiert« S ch m o I i n s k y vom Afa-Bund, der für den Anschluß an die freien Gewerkschaften eintrat. In der anschließenden Aussprache wurden Angelegenheiten des Arbeitsnachweises, der Lehrlingsausbildung u. a. berührt. Zum Schluß konnte der Bor- sitzende über zahlreiche Neuaufnahmen berichten. Die nächste Ver- an staltung ist am 8. Februar in den Musikersäien, Äaiser-W�helm- Straße 21. Dlno». Werke, Tempelhof. Morgen nachmittag 2 Uhr: Beleg- schaftsocrsammlung, Wilhelmsgarten, Tempelhof. Bcrantw. tflr den r-d-kt. Stil: fftanu itltihs Berlin. Licht-rsklde; für«n- »inen: Th. Slocke. Berlin. Bering Borroärl»-Verllig iL. m. b. H.. Berlin. Druck! Vorwllrl«.B»»!>ruckerei u. Verlngsnnlinlt Pnul Singer u. Co.. Berlin. Lindenstr. 3. v //-/ f-- v-y ,, Miinzstr.24 Erste Etage BERLOWITZ Miinzstr.24 Erste Etage Große G ara Auswahl!-f Billigste Preise! ntie für Haltbarkeit! wm. Selbslmord i§t es, sein schwer verdientes Geld unnütz zu vergeuden!! Sie sparen Geld, wenn Sie Ihren Bedarf an Schuhwaren. j bei uns decken II Goid-, Silber-, Platin-� und Qegenstande, Pfandscheine(ROckkaufsrecht) Kottbu�er Damm 6, Einkautsbureau �3 Zinn Gold«. SHber« Tiruch, Quccttsil&er, Niel, Kupier, Platin u»w.• laust zum Cngroeoretle ZcharnoM, Lange Sir 35 \ am Sdilestsche» Bahnhot Einige Beispiele:---------------------- -z" 160.- QQfiOalbsebabe .... von •«SS SÄiit feinste Lederausführung, kurze Form, moderner Absatz. 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