Nr. SZ 4 ZH. Jahrgang Ausgabe A Nr. 27 Bezugspreis: Bttrteljiihrl.6�,— M., monatl. ZV,- M. ftei ins Haus, voraus»akidar. Polt- bezug: Monatlich 20.— M, einschl. Zu- stellunasgediivr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, das Saar- und Memelaebiel, sowie die ehemals deut- scheu Gebiet» Polens. Oesterreich- Ungarn und?uxemdurg St,— M, sllr da» iibrig« Ausland 72,— M. Post- destellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Elowalei, Däne» mark, Holland, Luremburg, Schweden und die Schweiz. Der.Rorwärts" mit der Sonntags- deilage»Volk und geit�, der Unter- haiwngsbeilag« �>ein.welt" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten" erscheint wocheniäglich zweimal. Sonn- tag» und Montags einmal. Telegramm-Adresse: «Koztoldemotra» verNa- Morgen-Ansgabe vlinev OolUsbleltt (70r»k»nnls) RnzrigcupreiS: Die zehngespaitene Nonnareillezeild kostet S,— M Kleine Anzeigen- das settgedruckte Wort S.- M.(zu- lässig zwei settgedruckte Worte), sedes weitere Wor' l,!)0 M. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen da» erste Wort 1,50 3)1., jedes welter» stvort I,— M. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien-An» zeigen für Abonnenten Zeile 4,— 3)1. Die Preise verstehen sich einschließlich Teucrungszuschlag. Anzeigen für die n L ch st e Nummer msisien bis<>/z Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin(593 68, Lindeu- ftraße 3, adgegeben werden Geöffnet non 9 Uhr srilh bis S Uhr nachmittag». Zcntralorgnn der rozialdemokratifcben Partei Deutfchlands Neüaktton und Expedition: Cv) 68, Lindenstr. Z St�rtfitip�rfs�r- Rrdaktion Mortvpla« 15195—97 Morihplad 117 53—54 Mittwoch, den 1. Februar 1922 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., SM H8, Lindenstr. Z !L«»pnk»,pp>4,-p- Verlag, ltexprdition und Jnirrarei!. !IZ!zllrlI2!£L:«btcilung Morihplap 11753-54 Rathenau Außenminister. B e r( 1 n, 31. Januar.(XP2S.) Der Reichspräsident ha! Herrn Dr. Walker Rathenau zum Reichsminlsler des Aeußern ernannt. « Die Ernennung Dr. Walter Rathenaus zum Minister des Auswärtigen war schon seit längerer Zeit zu erwarten und, den Tatsachen vorauseilend, schon wiederholt gemeldet wor- den. Rathenau, der die Verhandlungen von London und Cannes geführt hat, erschien als berufener Mann, die Sache Deutschlands auch i n G e n u a zu vertreten. Er wird das nun nicht mehr als Kommissar der Regierung, sondern als Mi- nister tun. Die Ernennung ist schon deshalb zu begrüßen, weil der Zustand, daß der vielbeschäftigte Reichskanzler auch die Ge- fchäfte des Außenministers führte, auf die Dauer nicht haltbar war. Aber auch deshalb, weil durch sie die Vorstellung, als seien gewisse Leute schon die Diktatoren Deutschlands, zerstört wird. Man darf in dieser Ernennung eine sachliche und persönliche Garantie dafür erblicken, daß jene Vor- stellung falsch war._ Amerika geht öoch nach Genua? Paris, 30. Januar.(MTV.) hava, meldet aus Washington: Die Stimmung für die Teilnahme der Vereinigten Staaten an der Konferenz in Genua scheint an Loden Zugewinnen. Infolge der Konferenz der Landwirte, die vorige Woche aus Aufforderung des Präsidenten harding hier stattgefunden hat, tritt die günstige Bewegung in den amtlichen Kreisen schärser und deutlicher zutage. Die Landwirte der Zentral- und Südslaaten sprachen sich für eine Pölttit aus, welche die europäifcheu Märkte den landwirtschaftlichen Erzeugnissen Amerikas öffnet. Der Rück- gang des Absahes seit zwölf Monaten hat in den landwirt- schaftlichen Kreisen große Verluste verursacht. Um die Revision von Versailles. Pari«, 31. Januar.((£(£.) Der„Intransigeaut" führt heute abend aus: Zwischen London und Paris gehl es heute um den vertrag von versaillrs und um die Reparationen. Eng- land denke an nichts anderes als an die Revision des Teiles im Friedensvertrage, der von den Reparationen spricht. Es scheine für seine Anschauungen bereits Japan und Italien gewonnen zn haben. Danach würde die Reparationskommission ihrer Vorrechte beraubt werden, uud die Sommisston könnte weder die deutschen Gcldzohlungeu noch die Leistungen in Ratura in Zukunft bestimmen. England wünscht einen Teil seiner Forderungen, die es an Deutsch- laud hat, auszugeben und würde dafür Frankreich und velgiea Schulden erlassen. Für dieses Opfer aber oerlangt England die Abänderung de« Vertrages von Versailles, die Revision de» Vertrages von Sövre» und die Teilnahme Frankreichs an der Konferenz von Genua. Velgiea würde vermullich einem derartigen Vorschlage zustimme». Es ist wahrscheinlich, daß ein neuer Oberster Rat einberufen wird, der über folgendes Programm zu beraten hätte: Die an Frankreich und Belgien zu zahlenden Reparationen. Friedensschluß unter allen Völkern. Wiederherstellung de» internationalen Kredits durch internationale obNgatorlsche Mittel. Ausgabe der Milliardenträume und deren Ersah durch Raturalleistungen. ' Aber die große Frage, schließt das Dlatt. Ist die. welche Auf- nähme dos Kabinett Poincare derartigen Vorschlägen be- reiten wird. Weiterleitung der deutschen Antwort. Pari». 31. Januar.(WTB.) Der vom 30. Januar datierte B e g l e i t b r i es, mit dem die Reparationskommission das deutsche Memorandum den alliierten Regierungen übermittelte, er- innert an den Beschluß, den die Kommission am 13. Januar in Cannes gefaßt hat. und fügt hinzu, daß die deutsche Regierung die verlangten Schriftstücke der Reparationskommission hat zugehen lassen. Di« letzteren überreiche sie den in ihr vertretenen Regierungen und bitte mitzutellen, ob diese die Angelegenheit s e l b st in die Hand nehmen oder sie zur Beschlußfassung ondieKommission zurückzuverweisen beabsichtigen. Das Schriftstück ist unter- zeichnet von Dubais und Bradbury. Paris, 31. Januar.(WTB.) Die K o m m e r hat in der heutig gen Sitzung beschlossen, die allgemeine Diskussion über den Gesetz- entwurf betreffend die Festsetzung des Äpezialbudgets für das Jahr lüZS über die Ausgaben zu vertagen, die in Ausführungder Friedensverträge zu erfolgen haben. Es wurde dem An- trage stattgegeben, in die Einzelberatung der Titel einzutreten. Di» Kammer beschäftigte sich zunächst mit den Krediten für die B e- satzungstruppen, alsdann mit der Frage der A u f r ä u> mungsarbeiten in der ehemaligen Kampfzone, schließlich mit der Frage der landwirtschaftlichen Arbeiter, die aus d«n Auslände herangezogen werden sollen. Nachtsitzung üer Reichsgewerkschaft. Wie wir nach Zlliklernacht erfabren, ist die Vorstands- sihung der Reichsgewerkschaft noch nicht zu einetti Ergebnis gekommen. Das Ende der Beratungen ist noch nicht abzu- sehen. (Weitere Meldungen auf der 2. Seite.) Rückgabe Schantungs an China. Washington, 30. Januar.(WTV.) Die chinesischen und japanischen Delegierten schlössen ein Abkommen über die Rückgabe Schantungs anEhina. Es bleiben nur noch einige Einzelheilen zu regeln. Gemeiner Verbrecher amnestiert. v r e s l a u. 31. Januar.(WTV.) wie die„Schses. Volksztg.' aus Oppeln zu dem Prozeß gegen den Mörder des Herausgebers der Wochenschrift..Wala Ludu", Supka, meldet, verurteilte das inler- alliierte Soodecgericht den Schlosser Myrczlk aus Scharley wegen 1 veihilfe zum Morde zu 3 Jahren Zuchthaus. Die Strafe wurde aber als durch die Amnestie erledigt betrachtet und Myrczit sofort auf sreieu Fuß gesetzt. I Kupka war aus dem Lager Korfantys in das der oberschlesischen Autonomisten übergegangen. Tie polnisch-oberschlesische Verwaltung. Die Maßnahmen der Polen zur Uebernahme ihres Oberschlesiens sind» in vollem Gange. Die Dena erfährt hierzu: Die Vorbereitung liegt in den Händen des Obersten Polnischen Bolksrates. In War- schau-wurde ein Departement für oberschlesische Angelegenheiten ge- schaffen mit Abteilungen für Bergbau-, Industrie- und Handels- fragen. Zum Ausbau des Wasserstrahennetzes soll 60 v. H. ausländisches Kapital herangezogen werden. An der sozialen Gesetz- gebung gedenkt Polen festzuhalten. Dies gilt namentlich für das Be- triebsrätegesetz, das allerdings auf das Teschen-Bielitzer Gebiet nicht ausgedehnt werden soll. Kaum einer von den deutschen Richtern hat sich zum Verbleiben bereitfinden lassen. Weitgehend« Heran- Ziehung des Laienelements zur Rechtsprechung liegt im pol- Nischen Plane. Eine Abteilung des Kattowitzer Oberlandesgerichts soll Oberster Berwaltungsgerichtshof sein. In der inneren Verwal- tung plant man radikale Acnderungen- Namentlich sollen die Stellen' der Amtsoorsteher abgeschafft werden. Dafür werden mehrere Gemeinden unter einem Distriktskommissar zusammen- gefaßt, der jedoch nicht gewählt, sondern ernannt wird. Die Polizei wird staatlich, die bewährte Kommunalpolizei abgebaut: es werden deutsche konsularische Bertretungen errichtet werden. Rußlanü bleibt gerüstet. kowno, 31. Januar.(MTB.) Nach einer hier vorliegenden Moskauer Meldung hat Lenin im Zentraloollzugsausschuß be- antragt, mit Rücksicht auf die Forderung Amerikas die Armee um SO Proz. zu vermindern. T r o tz k i aber wies auf die schweren Gefahren hin, die Rußland im Falle eines Mißerfolges der Kon- ferenz von Genua zu erwarten habe.„Täuschen wir uns nicht über Genua/ sagte er,„Genua ist die Fall«, in die man Sowjet- rußland locken will. Europa ist nach wie vor der Feind des Sowjet- jystems. Ueberraschungen sind nicht nur wahrscheinlich, sondern sie sind sicher. Ich warne dringend davor, den Sirenengesängen von London un? Washington zu trauen. Sind wir erst entwaffnet, so wird man uns erdrosseln. Harding ist kein anderer als der Nach- � folger Wilsons. Was bei solchen Dingen herauskommt, hat das Schicksal Deutschlands bewiesen." Der Antrag Lenins wurde 1 mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Zentralexekutive erklärte in| einer Entschließung, die politische Lage Europas gestatte eine ein- scitige Entwaffnung Sowjetrußlands nicht, Rußland sei nach wie vor an allen Grenzen bedroht._ Mensch ewistenfuhrer in Riga eingetroffen. Die Auslandsdelegotion der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands(Menschewiki) hat aus Riga ein Telegramm be- kommen, daß die aus Rußland nach dem Hungerstreik im Butyrki- gefängnis ausgewiesenen Sozialdemokraten bereits in Riga ein- getroffen sind. Es handelt sich um die Mitglieder des Zentral- komitees der Partei: Fedor Dan, Boris Nikolajewski, Dans Frau und die Genossin Eugenie G r ü n w a l d. Die Genossen beab- sichtigen nach Berlin zu kommen. Die Auslandsdelegation hat die entsprechenden Schritte unternommen, um die Einreisebewilligung nach Deutschland für die betreffenden Genossen zu erlangen. Der Skinkbombenwerser vaeran ist nach seiner Heldentot im Prager Parlament im Auto über die Grenze gefahren. Er teilt der � Wiener„Reuen Fr. Presse" mit. daß er nicht geflüchtet sei, sondern sich wegen dringender Familienangelegenheiten, wie er es schon vor der Tat beabsichtigte, nach Deutschösterreich begeben habH Er werde sich nach Erledigung seiner Angelegenheiten der Prager Behörde zur Verfügung stellen. Die Parlamentsmehrheit hat bereits seine Aus- j lieferung an das Gericht beschlossen. t Eisenbahnerstreik! Die Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahner, die jetzt unter neuer Leitung die Probe ihrer gewerkschaftlichen Vefähi- gung zu erbringen versucht, hat es bisher nicht für notwendig gehalten, die Oeffentlichkeit über ihr Vorgehen näher zu unter- richten. Sie hat anscheinend soviel mit sich selber zu tun. Der Deutsche Beamtenbund, dem sie angeschlossen ist, ist gegen d e n S t r e i k. Der auf dem Boden der modernen Gewcrk- schaftsbewegung stehende, dem ADGB. angeschlostene Deutsche Eisenbahnerverband ist gleichfalls gegen ihn. Gegen ihn ist auch ein Teil ihrer eigenen Mitglieder, gegen ihn ist fast die gesamte Press«. Und selbstverständlich ist auch die Regierung gegen hin. die sich in diesem Fall auf eine starke Reichstags- Mehrheit stützen kann. Es handelt sich um ein schlecht geleitetes, kopfloses Unter- nehmen, dessen Urheber sich nicht den Dank derer verdienen werden, deren Interessen ihnen anvertraut sind. Wieder ein- mal scheint es sich um einen Fall zu handeln, in dem die Sozialdemokratische Partei und die modernen Gewerkschaften schließlich alle Hände voll zu tun haben- werden, um den Schaden einigermaßen gutzumachen, der von scheingewerk- schaftlichen Dilettanten angerichtet worden ist. Im Zusammenhang mit dem drohenden Eisenbahner- streik ist die theoretische Frage des Streikrechts der Beamten aufgeworfen worden. Auch wer auf diesem Ge- biet zu weitherzigen Auslegungen neigt, wird zuqeben müssen, daß zwischen Streik und Streit ein Unterschied ist. Es ist ein Unterschied, ob z. B. die Arbeiter einer Parfümeriefabrik streiken oder ob ein Arzt die Vornahme einer lebensrertenden Operation von der Erfüllung einer erhöhten Honorarforderung rung abhängig machen wollte. Es ist auch ein Unterschied, ob Arbeiter eines privatkapitalistischen Betriebs streiken, oder ob Beamte des Staates es tun, die durch ihre Ardeitsverweige- run-g Staat und Wirtschaft an den Rand des Abgrunds bringen können. Niemand bat diesen Unterschied klarer erfaßt als der sächsische Minister des Innern, der Unabhängige L i p i n j k i. Er war es, der in der Sitzung des Sächsischen Landtags vom 4. Oktober 1921 folgendes anführte: Daß die Beamten als Gewerkschaft im Sinne der Arbeiter nicht in Bettacht kommen, das geht doch daraus hervor, daß die Beamten nich: wie die Arbeiter auf die wirtschaftliche Kon- junktur angewiesen sind, sondern eine dauernd� Stellung genießen. Das ist doch das Wesen des Beaintenverhältnisies, daß, wenn sie sich nicht Verfehlungen zuschulden kommen lassen, sie für Lebenszeit in ihrer Stellung gesichert sind. Der Arbeiter aber ist van der Konjunktur abhängig: ist der Beschäfti- gungsgrad groß, wird er beschäftigt, ist er niedrig, wird er entlasse«. Er hat die Unbill der wirtschaftlichen Konjunktur allein zu tragen und resllos zu übernehmen. Er steht in keiner gesicherten Stellung, und deshalb muß er auch im Tageskampfe immer seine Lebenshaltung den wirtschaftlichen Verhältnissen anzupassen versuchen. Dieser Kampf beschäftigt uns fortgesetzt, weil die Lebensmittelpreis« und die Preise für alle Bedarfsartikel ungeheuer steigen und das Einkommen damit nicht gleichen Schritt hält. Wie der Unternehmer zur Aussperrung greift, so der Arbeiter zum Streik. Ein solches Recht Hai der Beamte nicht, kann er nicht haben. Seine Stellung ist lebenslänglich gesichert, unter ganz bestimmten Kautel»! festgelegt. Er hat nicht bloß den Staat als Arbeitgeber gegen sich, sondern er hat zur Abstellung von Mängeln die gesetzgebenden Körperschaften für sich. Er kann durch Beeinflussung der gesetzgebenden Körperschaften den Willen des Volkes erkunden und sich auf den Willen des Volkes einstellen. Er hat also nicht notwendig, den wirsschaftlichen Kampf zu führen wie der Arbeiter, er kann deshalb auch in seiner Ocgani- saliou nicht die gleichen Wittel anwenden wie der gewerblich« Ar- beiker. Wir möchten nicht ganz so weit gehen wie der Unab- hängige Lipinski, sondern vielmehr die Frage offen lassen, ob nicht in gewissen, alleräußersten Fällen auch für die Beamten die Waffe der Arbeitseinstellung als letztes Notwehrmittel in Betracht kommen kann. Sicher aber ist soviel: Wenn schon jede Arbeitergewerkschast es sich dreimal überlegen muh, ob sie zum letzten Mittel greifen soll oder nicht, so muß eine B e- a m t e n gewerkschaft es sich zehnmal überlegen. Schon gar, wenn es sich um eine Gewerkschaft von Eisenbahnbeainten handelt, die nach einem berühmt oder berüchtigt gewordenen Wort„die Hand an der Gurgel des Staates hält". Der Kampf von Beamten gegen ein demokratisch-parla- mentarisches Staatswesen ist kein Klassenkampf zwischen Arbeit und Kapital, sondern ein Kampf einer Bevölkerungsgruppe gegen die staallich organisierte Volksgemeinschaft. Der Arbeit- geber, gegen den sich der Streik richtet, ist das Volk ielbst, vertreten durch sein Parlament und die parlamentarische Re- gierung. Diese kann keine Forderungen von Beamten be- willigen ohne Zustimmung der Volksvettretung. Die Volksvertretung aber, der Deutsche Reichstag, ver- dient nicht, von den Beamten oder einem Teil von ihnen als „Klassenfeind" behandelt zu werden. Der Reichstag steht nicht als Gegner gegen die Beamten, schon deshalb nicht, weil die Beamtenschaft an seiner.Zusammensetzung einen ganz wesent- Ucheu Anteil hat. Die Beamten können in ihm ihren Willen gellend machen burch Ausiwung ihrer demokratischen Staate' Bürgerrechte, als Wähler. Sie haben aber nicht das Recht, ihn durch Drohung mit der Arbeitsverrveigerung zu Zuge- ständnissen zu zwingen, die er vor seinem eigenen Gewissen und vor dem ganzen Volk nicht verantworten kann. Nichts wäre bequemer, als' zu sagen:„Ihr wollt zehn, zwanzig, fünfzig, sechzig Milliarden Gehalt mehr, bitte, Ihr sollt sie habenl" Milliarden sind für die Regierung ja so un- geheuer billig, man schleudert sie einfach aus der Notenpresse heraus. Aber dem Volt kommen diese Lügen- und Schwindel- Milliarden dafür desto teurer zu stehen, es bezahlt sie durch verschlechterte Lebenshaltung. Die Beamten bezahlen tie mit.'Würden heut« sämtliche Forderungen der Reichsge- werkschaft bewilligt, so wären die Beamten mit ihren Gehalts- erhöhungen schon in ein paar Wochen wieder auf demselben Punkt, an dem sie sich heute befinden; dos Elend aller ande- ren, die'an der Gehaltserhöhung nicht beteiligt sind, wäre entsprechend größer. Das Unternehmen der Reichsgewerkschaft wird also, wenn es zur Ausführung gelangt, von jedem Standpunkt aus v e r- w o r f e n werden müssen. Auch vom gewerkschaftlichen Standpunkt aus: Denn daß ein Streik von so großer Trag- weite in Szene gesetzt wird ohne Erschöpfung des VerHand- lungsweges, ohne Versuch einer Verständigung mit anderen mitinteressierten Organisationen, ohne Vorbereitung der öffent- Uchen Meinung, war in den Zeiten, in denen man geordnete Arbeitskämpfe mit entsprechenden Erfolgen führte, unerhört. Wir folgern daraus, daß die Eisenbahnbeamten einen Kampf, in dem sie fast alles und alle gegen sich haben müßten, wahr- scheinlich auch die Mehrheit der eigenen Kollegen, vermeiden sollen. Für berechtigte Wünsche, die ahn« schwere Wirtschaft- liche Schädigung der Gesamtheit erfüllbar sind, wird sich die Sozialdemokratische. Partei mit aller Entschiedenheit einsetzen. Von der Regierung.erwartet sie, daß sie zur Verständigung bereit sein wird mit Beamten, die sich mit ihr verständigen «ollen, daß sie sich aber einem Diktat nicht beugen wird! ♦« » Der haushakisausschuß zu? Streikgefahr. Der Haushaltsauschusj des Reichstages begann am Dienstag mit der Beratung der Haushaltspläne für die einzelnen Ministerien. Dabei wurde auch der drohende Eisenbahner- streik besprochen. Ministerialdirektor von Sch lieben aus dem Reichsfinanzministerium schilderte kurz die bereit» bekannten Vor- gänge und kam zu dem Schluß: Uebereinstimmung besteht darüber, daß dort, wo die Bezahlung der Beamten hinter der der Arbeiter und Angestellten in Privatbetrieben zurückgeblieben ist, eine an- Gemessene Zulage erfolgen muß. Auf der anderen Seite sind die ursprünglichen Forderungen der Beamten undurchführbar, «eil sie eine Mehrausgabe von öü— CO Milliarden jährlich erfordern. Daher mußte eine Verständigung erzielt werden. Für die nächsten Tage ist bereits eine Erledigung vorgesehen, trotzdem im letzten Augenblick das Ultimatum der Reichsgewerkschaft deutscher Elsenbahner eingelaufen ist. Fast alle Parteien, mit Einschluß der Sozialdemokraten, wandten sich gegen da» Lorgehen der Reichsgewerkschaft und betonten, daß ein solche» Lorgehen unoereinbar sei mit den Vorrechten der Beamte». Wenn die Beamten das Recht haben wollten, einzig und allei» nach ihrem Ermessen zu jeder Zeit die Arbeit niederzu- legen, um günstigere Lohn« und Arbeitsbedingungen zu erzwingen, können sie e» ihrem Arbeitgeber, dem Staate, nicht verwehren, Be- amte zu»ntlofsen oder ihr« bisherigen Lohn- und Arbeitsbedingungen aufzukündigen. Genosse Müller wies darauf hin, daß auch die Ministerien nicht immer den berechtigten Forderungen der Beamten so Rechnung getragen haben, wie wir es wünschen. Der Wunsch, die ultimativen Forderungen der Reichsgewerk- schaft abzulehnen, war im Haushaltsausschuh allseitig. Der Unabhängige Dr. R o s e n f e l d warnte davor, mit Erlassen, wie sie in der letzten Zeit veröffentlicht wurden, gegen den Streik einzu- schreiten. Das würde einen ganz anderen Erfolg haben, als beab- pchtigt wird. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. ?luch ein tzellseher. Bon Fritz Müller. Chemnitz. Am Stammtisch der Bahnhofswirtschaft zu M. unterhielt man sich recht lebhaft über das zeitgemäße Thema Okkultismus. Ein Herr in mittlerem Alter erzählte von feinen Erlebnisien in fpiri- ttstifchen Veranstaltungen. So wurden einmal die Anwesenden auf- gefordert, verteilte Briefbogen mit kurzen Fragen zu beschreiben, in Umschläge zu stecken und die Umschläge zuzukleben. Umschläge wie Briefdogen bestanden aus ganz dickem, undurchsichtigem Papier. Die verschlossenen Umschläge wurden auf einem Teller einer Dame über- reicht. Dieses„Medium" legte den ersten Brief auf die ausge- breitete linke Hand, schloß die Augen, begann zu zittern und sagte fchlleßlich:„Berlin!" Dann öffnete e» den Umschlag und la», nach- dem»« den Briefbogen entfaltet hatte, zur Ueberraschung der An- ««senden:„Wie heißt die Hauptstadt von Deutschland?" Genau so »erfuhr die Dame mit den übrigen Briefen. Die Antwort, die sie gab, solange sie den verschlossenen Umschlag in der Hand hielt, paßte stets auf die Frage, die sie hinterher von dem Briefbogen ablas. Man'erörterte diesen„Fall" eingehend. Jemand meinte, die Dame sei ein F t n g e r s p i tz e n m e d i u m. In ihren Finger- spitzen- und Handtellerncrven sollte die seltsame Kraft wohnen, ge- heim'nisvolle Strahlen wahrzunehmen, die von den Schriftzeichen im Innern des Briefes ausgehen! Da erhob sich von einem Nebentisch ein Herr und griff in das Gespräch«in:„Meine Herrschaften, das Kunststück bringe ich auch fertig!" Er ließ sich vom Wirt einige Bogen Schreibpapier bringen. Daraus schnitt er Dlättchen in Briefbogen- größe. Da der Fremde behauptete, die Fragen aus h e l l s e h e r i- s ch e m Wege auch dann beantworten zu können, wenn die Zettel dreimal gefaltet würden, verzichtet« man auf Umschläge. Während man am Stammtisch emsig tuschelte und schrieb, las der unbekannte Gast erst in einer Zeitung weiter, dann entfernte er sich aus dem Zimmer. Als er wieder eintrat, wurden ihm die zu- sommengefalteten Fragezettel übergeben. Er nahm den ersten in die Hand, zog die Stirn« in Falten und sagte:„Ebert!" Dann entfaltete er ihn und las vor:„Wie heißt der Reichspräsident?" Mit dem zweiten Zettel in der Hand sagte er:„So ungefähr 180 Mark!" Als er ihn geöffnet hatte, verlas er:»Wieviel gilt der Dollar?7 Jemand rief:„Das war meine Frage!" So ging es bis zum letzten Zettel. Stets paßte die im voraus erteilte Antwort auf die nach- t r ä g l i ch vorgelesene Frage; und jedesmal bestätigte ein Gast, daß e»„seine" Frage sei. Man bestürmte den' Fremden, zu erklären,«ie er in den Besitz dieser geheimnisvollen Kräfte gekommen sei. Er war bereit, die Auskunft zu erteile», wen» ihm jeder Gast eine Mark geben würde. Das Geld wollte er nicht für sich behalten, fandern es zu einem Kulturzweck verwenden. Er versprach auch, so bald al» mög- Uch den„Nachweis über die stiftungsgemäße Verwendung" zu liefern. Da« hatte zur Folg«, daß fast alle Anwesenden mehr ak» dl» vorstanösfltzung öer Nelchsgewerkfthafi. Die Sitzung des Hauptvorstandes der Reichsgewerkschaft verlief, wie die B. S.-Korrespondenz meldet, außerordentlich stürmisch. Die Verhandlungen begannen nachmittags um 2 Uhr und zogen sich bis in die späten Abendstunden hin. Der 1. Borsitzende der Reichs- gewerkschaft Menne leitete die Verhandlungen. Es waren ins- gesamt 30 Vertreter der Beamten aus Berlin und dem Reich an- wesend. Di« Oppositionsgruppe, die den Streik verurteilt, hatte sich im Laufe des gestrigen Tages noch etkoas vergrößert, doch standen der radikalen Richtung von Anfang an nur 8 Vertreter von Beamten gegenüber, die sehr heftig gegen die Ver» bandsleitung vorgingen. Nach ihrer Ansicht sei das Angebot der Regierung durchaus annehmbar gewesen. Die Reichsgewerk- schaft müsie den Mut aufbringen, ihren Mitgliedern im Lande zu sagen, daß die innen- und außenpolitische Lage de» Reiches im Augenblick so schwierig sei, daß jede schwere Erschütterung unüberseh- bare Folgen haben würde. Die Vertreter der Unterbeamten, be- sonders der Lokomotivführer, erklärten dagegen, daß die Zugeständnisie der Regierung für weiteste Schichten der mittleren und unteren Beamten unannehmbar feien. Sowohl der Fi- nanz- als auch der Reichsoerkehrsminifter hätten es an dem nötigen Willen zur Derftändigung fehlen lasten. Außerordentlich erregte Debatten entspannen sich über die Re- gierungserklärungen, die ein energisches Borgehen gegen die Be- amten ankündigten, die sich an dem Streik beteiligen würden. Diese Maßnahme der Regierung bedrohe die Koalitionsfrei- heit der Beamten. Die Bertreter des Streikgedankens erklärten, daß sie trotz oller Warnungen der Regierung die Führung übernehmen würden, doch verlangten sie, daß bei etwaigen Maßrege- langen die Eisenbahnbeamten sich hinter die Leitung stellten und sie deckten. Es wurde hierauf bekanntgegeben, daß die Fachgruppen der Reichsgewerkschaft, die für den Streik eintreten, in dieser Richtung bereits das Notwendige veranlaßt hätten. Es feien Fonds gezeichnet worden, aus denen Gcmaßregelle finanzielle Unterstützung erhalten sollten. Die Debatte wurde gegen 7 Uhr abend» so erregt, daß der Vorsitzende die Sitzung auf einige Zeit unterbrach. « Vertreter des Deutschen Beamtenbundes haben am Dienstag erneut Besprechungen mit Vertretern der zustän- digey Reichsministerien gehabt. Im Berlaufe derselben wurden den Beamtenvertretern die Zusicherung gegeben, daß ent- sprechend der Erklärungen im Reichstag in Kürze VerHand- langen mit den zuständigen Organisationen über die Besoldungs- fragen stattftnten werden. Der R e> ch s p o st m i n i st c r hat durch Rundtelegramm an alle Pestanstalten den Befehl erteill, kein« Telegramme aufzuneh. men und zu befördern, die zu einem Streik der Beamten auffordern. 5oröerung öer höheren öeamten. Osnabrück, 30. Januar.(WTB.) Heute sind hier Vertreter der höheren Beamtenschaft Nord- und Westdeutsch- l a n d s zusammengetreten, um zu der feit Oktober um SO Proz. gestiegenen Teuerung und der durch die Kehaltsbewegung der Eisenbahner geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Die Neuordnung der Besoldung noch sozialen Gesichtspunkten auf der Grundlage des Existenzminimums wurde für dringend notwendig erklärt. An den 23. Ausschuß de» Reichstags wurde drahtlich die Aufforderung gerichtet, die Arbeiten zur Einführunaber gleitenden Gehaltsftala zu beschleunigen, um der Forderung auf auto, matische Anpassung der Gehälter an die sinkend« Kauf- kraft des Geldes unverzüglich entfprechen zu können. die verleumöung öer Schutzpolizei. Der Reichsverband der Polizeibeamten Deutschlands und die Fachgruppe Schutzpolizei im P r e u ß i- scheu Polizeibeamten verband übersenden uns eine ErNärung(unterzeichnet Asmus, Dr. Frank«, Richter), in der gegen den Artikel des„Tag" scharf Stellung genommen wird. Di« genannten Verbände sind der Auffassung, daß die Schutzpolizei in unverbrüchlicher Pflichttreue zu der vom Volke eine Mark gaben. Außer einigen Fünfmarkscheinen kam auch ein Zwanzigmarkschein ein. Run lüftete der„Hellseher" sein Geheimnis. Die Frage, wie der Reichspräsident heiße, hatte er selbstgeschrieben und diesen Zettel zuletzt gelegt. Die Antwort aber gab er z u e r st. Auf dem ersten Zettel stand eine andere Frage. Die merkte er sich, wäh- rend er sagte:„Wie heißt der Reichspräsident?" Auf die Frage, die er sich gemerkt hatte, gab er dann die zweite Antwort. Während er dann die Frage oerkündete, die er sich gemerkt hatte, prägte er sich die Frage ein, die in Wirklichkeit auf dem Zettel stand, usw. usw. Die Sache war also grundeinfach. Die Gäste hätten den„Hellseher" sofort entlarven können, wenn einer auf den Gedanken gekommen wäre, nachzusehen, was der Fremde vorlas. �Inzwischen rückte die Abfahrtzeit seines Zuges heran. Cr be- zahlte die Zeche und verabschiedete sich von der Stammtischrund«. Am nächsten Tag« hörte man, daß es ein s o z i a l d e m o k r a t i- scher Abgeordneter war, der im Orte einen Vortrag gehalten hatte. Das war für die braven Spießbürger schon eine unangenehme Ueberraschung. In ganz eigenartige Stimmung kamen die guten Leute, als ihnen der Wirt ein paar Tage darauf ein« sozialdemo- kratische Zeitung übergab. Die hatte der Briefträger als Drucksache gebracht. Ein paar rote Striche verwiesen auf folgende Mitteilung: Freiwillige Beiträge zum Wahlfonds: Gen. M. M„ Einnahme für„Hellsehen" in der Bahnhofswirt- schaft zu M. 98 Mark. Pantomimen in den„kammersplelen". Lukion, Hofmannsthal, Bie, Pinthus, Klabund und andere haben die„Blätter des Deutschen Theaters" aufgeboten, um die neuen„Pantomimen des DeutfchenTheaters" aus der Taufe zu heben. Dlete Theorien lesen sich sehr schön, und wenn nur ein Teil von Ihnen erfüllt worden wäre, so könnte man erfreut nach Hause gehen. Aber' aber! Die erste Pantomime war eine veristische Oper ohne Text und die zweite eine Barietcnummcr, und noch dazu eine schlechte. Wo bleibt der „Mythos"; die„Urkunst"; das Erlebnis, daß dies notwendig sei? Sind wir nach Haus« gegangen, wie Hofmannsthal aus Luklan zitiert, indem wir diese stummen Schauspiele„als eine Erfüllung jenes delphischen Gebote:„Erkenne dich selbst!" erlebt haben? Wir gingen ernüchtert von bannen, mit dem Lorsotz, wenn wir wieder einmal „Pantomimen sehen wollten, in die„Skala" oder In den„Winter- garten" zu wandern, und bieten das„Erkenne dich selbst!" den Kammerspielen zurück, in der Hoffnung, hier wieder durch das Wort zum Geist zu kommen und nicht durch die Worllostikeit zum Kitsch. Denn Kitsch war gänzlich die zweit« Pantomime..Da» Abenteuer", verlogene orientalisch« Romantik, die selbst da» Umbrechen in«inen Witz nicht schmackhaft machte. Reden wir nicht davon! Und auch „Der B o I o z z o", den man nach Leoncaoallos Mustt panto- mlmisierte, liegt auf nicht viel höherem' Niveau und wurde zum Kunftwerk.hnlichen nur durch Werner Krauß und. in Abstand. Helmuth Lötz, den Eanio und den Beppo der Kraußchen Truppe. Krauß hatte ein paar große Moment«, die da» Fehlen seiner einzig- artigen Stimme für den Moment vergessen ließen. Dl« Tänzerin eingesetzten verfassungsmäßigenRegierung steht und sich unter keinen Umständen von Bestrebungen leiten lassen wird, die darauf hinauslaufen, die Polizei ihren eigentlichen Aufgaben durch unverantwortliche Verhetzung zu entziehen. In diesem Sinne haben sich die Verbände bereits am 20. Januar gegenüber dem preußischen Ministerium de? Innern erklärt. An der im„Vorwärts" vom 26. Januar v->r- öffentlichten Kundgebung der anderen Verbände haben sie sich nicht beteiligt, well diese Erklärung am Schluß eine be- sondere Vertrauenskundgebung für den Ministerial- dirigenten Dr. Abegg enthielt, mit dessen Stellungnahme in der Beamtenfbage und der Frage der lebenslänglichen An- stellung die Verbände nicht einverstanden sind. Wenn daraus von der Rechtspresse eine Uebereinstimmung der genannten Verbände mit dem Inhalt des„Tag"-Artikels gefolzeer wird, so ist das vollkommen abwegig. Wie wir von zuständiger Seite erfahren, steht ein Erlab des pre: ßischen Innenministers bevor, der die Befugnisse der B e- amtenausschusse und der Beamtenorganisationei: in der Schutzpolizei obarenzt. Das Ministerium steht auf dem Standpunkt, dcß die Verbände nur die wirtschaftlichen Interessen der Schutzpolizei wahrzunehmen berechtigt sind, daß ihnen aber ein« Einmischung in dienstliche Befugnisse in keiner Weise zugebilligt werden kann. Wie wir ferner erfahren, hat der Minister des Innern eine Vorschlaesliste von 50 Zinlerbramten eingefordert, die i» der nächste» Zeit zu Oberbeamken befördert werden sollen. Gegen den Haupiwachmeister Lehmann von der ehema'.tesn Hundertschaft z. b L., der im Mordprozeß Buchholz eine Rol- spielte, ist ein Verfahren wegen Unterschlagung eingeleitet worden. In Rhcinland-Westfalen sind in letzter Zeit eine Anzahl Oberbeamte der Schutzpolizei wegen reaktionärer Aus- schreitungen entlassen worden. So hatte ein Hundert- schaftsführer in angetrunkenem Zustande seine Leute antreten la'!-n und ihnen gesagt:„Es kommt wieder ein Putsch. Wer s ü r Schwarz-weiß-rot ist, soll vortreten, die anderen(folgt ein nicht wiederzugebendes Schimpfwort) können stehen bleiben." Der Minister des Innern. Genosse S e v e r i n q, steht auf dem Stand- punkt, daß in solchen Fällen, ebenso bei Mißhandlungen und Be- schimpfungen der Unterbeamten, Geldstrafen nicht in Frage kommen, sondern die sofortige Entlassung einzutreten hat, zumal sich herausgestellt hat, daß Pollzeiformatiouen, in denen das Vertrauensoerhältr.is zwischen Ober- und Untcrbeamten durch Kadavergehorsam ersetzt ist, im kritischen Moment versagen. die 5ol?en öer Kriegsverbrecherflucht. Wie TU. erfährt, hat der englische Botschafter die Reichsregierung um Auskunft über die F'ucht'des Oberleutnants zur See Dittmar ersucht. Der Reichsjustizminister hat sich mit der preußischen Regierung in Verbindung gesetzt, um die notwendigen Unterlagen über die Flucht Dittmars zu erhalten. Don Dittmar fehlt bisher jede Spur. D Von Informierter Lette erfahren wir zu der Angelegenheit, daß die Strafvollstreckung gegen Ttttmar in der Hand des Reichs- an w alt» lag, während die preußische Justizverwattunq lediglich den Gewahrsam hatte. Die preußisch« Justizverwaltung hätte Ditt» mar lieber in K o t t b u s untergebracht, weil dort bessere Garantien gegen sein Entweichen gegeben waren. Der Reichsanwa't bestimmt« jedoch Naumburg als Gewahrsamsort, weil dert Dittmars Frau wohnt. Für dies Entgegenkommen hat sich Herr Dittmar nun auf„völkisch" revanchiert. Nach der Flucht wurden fünf Metallsägen vorgefunden, mit denen Dittmar die Gitterstäbe durchsägt hat. Er hat sich dann an einer Leine Heruntergelasien, die er aus dem in Streifen zer- schnittenen Laken und Wäschestücken gefertigt hatte. Die Leine muß vier Meter Über der Erde gerisien sein, so daß Dittmar offenbar aus dieser Höhe abgestürzt ist. Für ein Verschulden der Ge- fängnisverwaltung liegt bisher kein Anhalt vor. Wera Karel.lt, die in beiden Pantomimen die Hauptrollen hatte, ist eine tüchtig« Technikerin. mehr nicht. Die Haremsdamen de» „Abenteuers" erinnerten freundlich an Celly de Rheydt. Man ver- mißte nur die gedeckten Tische, den Sekt und die bedienenden Ober- kellncr. Das Publicum war begeistert und rief zum Schlüsse Charech der mitwirkte. O. E. H. Wie Einsteins Theorie nachgeprüft wird. Die britische Sonnen- finsternis-Expedition nach der Weihnachtsinsel im Indischen Ozean, die im September Einsteins Relativitätstheorie nachprüfen soll, har soeben England verlassen, um ihre Lorbereitungen auf" der Insel zu treffen. Der Leiter des Unternehmens, H. Spencer Jones vom Observatorium in Greenwich, hat sich vorher über die Absichten und Aussichten des Unternehmens geäußert. Er erinnert daran, daß eine der Vorhersagen der Einsteinschen Theorie darin besteht, daß ein Lichtstrahl, wenn er in der Nähe einer Materie vorbeigeht, vo» seiner Richtung abgelenkt wird. Der Grad dieser Ablenkung ist so gering, daß der einzige Körper, mit dessen Hisie diese Annahme be- wiesen werden kann, die Sonne ist. Ein Lichtstrahl von einem Stern, der in der Näh« der Sonne vorbeigeht, wird abgelen't, und diese Ablenkung enthüllt sich uns durch ein« sichtbare Veränderung der Stellung des Sternes der Sonn« gegenüber. Aber da« Licht der Sterne in der Nähe der Sonn« zu Photographie«» ist»ur möglich, wenn die Sonne während einer Sonnenfinsternis vom Mond verdunkelt ist. Die Beobachtungen, die bei der Sonnenfinsternis von ISIS gemacht wurden, bestätigten die Borhersagen Einsteins. Aber die Ergebnisse waren noch nicht so exakt, daß sie all« Zweifel hätten verbannen können.„Die kommende Sonnenfinsternis," er- klärt Spencer Jones,„ist für diesen Zweck nicht so günstig, wie es die von ISIS war. Da wir uns aber jetzt die in Brasilien gewönne- nen Erfahrungen zunutz« machen können und ein größeres Jnstru- ment verwenden, jo ist zu hoffen, daß diesmal viel genauere Eo> gebnisie erlangt werden. Da» wäre auch sehr zu wünschen, den» viele Jahre hindurch wird keine Sonnenfinsternis für diesen Zweck mehr so günstig sein, wie die vom 21. September. Es muß jedoch beachtet werden, daß der zu mesiend« Effekt außerordentlich gering- fügig ist. Die Veränderung in der Lage der Sternbilder wird fest. gestellt durch den Vergleich der während der Sonnenfinsternis auf- genommenen Photographien mit anderen Photograpdien, die drei oder vier Monate früher de» Nachts von demselben Himmeisgebiet aufgenommen wurden. Die Li der der Sterne in der Nähe der Sonne in den Sonnenfinsternis-Photographien werden um den etwa zweitausendsten Teil eine» Zolle» in ihrer Lag« verändert sein. Mit der Messung so winziger Veränderungen steht und fTt die. Einsteinsche Theorie. Aber die Metboden der fwdernen astro» nomischen Messungskunst sind dieser Aufgab« gewachsen." EI» Virtuose der Sch m e r a d Ritters trat für Piontek ein. Ritter gab aber weitere Schüsse auf ihn ab; ein dritter Schuß traf ihn in die Seite, ein vier» tsr Schuß ging wieder fehl, ein fünfter Schuß verwundete ihn aber- mals an der Seite. Run riß Wendler dem Ritten den Karabiner letztenmal auf der Bühne stand, ist schon mehr als ein halbes Jahr- hundert her. Bor ein paar Iahren hat man feine Tagebücher auf- gefunden: sie berichten aufs genaueste über Rollen, Reisen und Gastspiele, wir staunen über die Zahl von 2985 Abenden, an denen er spielte, und darüber, daß er 265 polnische und 284 deutsche, also im ganzen 550 Rollen, beherrscht habe. Können wir aus diesen Angaben das gewaltige Gedächtnis des Mannes würdigen, auf«ine große Energie wenigstens schließen, so helfen uns die Schilderun- gen der Zeitgenossen mehr dazu, uns den leidenschaftlichen, beweg- lichen Künstler polnisch-jüdischer Abstammung vorzustellen, aus dessen Sprache ein weicher slawischer Klanj} trotz unablässiger Sprechstudien nie völlig wich. Dawison war ein Star, ein Virtuose, wie die Epoche st« wünschte. Er ergriff sein« Rollen mit Leidenschaft, er- füllte sie mit hinreißender, individueller Lebenslvahrheit, und wenn er so auch eine Episodenfiqur in den Bordergrund der Bühne riß, so dankte ihm das sein Publikum mit jubelndem Beifall. Seine Rivalen waren freilich weniger damit einverstanden; so zog sich Emil Devrient grollend zurück, als Dawison unmittelbar nach dem Beginn seine» Dresdener Engagement» ihn in der vunst der Menge ausstach. M-.nschlich.bietet Dawison» Leben da» Bild unablässiger, gewal- tiger Energie. Immer wieder hat er sich von tieferen Stufen zu höheren emporgeschwungen. Al« der Sohn armer Eltern am 15. Mai ISIS in Warschau geboren, war er zuerst Abschreiber und Schildermaler, bi» er eine Stelle al» Schreiber fand. Während dieser Zeit lernte er Deutsch und Französisch, wurde Uebersetzer und Journalist. Cr schrieb Theaterkritiken und nahm zugleich bei einem Schauspieler praktischen Unterricht. Neunzehn Jahre alt, stand er zuerst auf den Brettern. In Lemberg ging er zum deutschen Theater »"»her. 1846 ging er nach Deutschland, debütierte in Hamburg und wurde engagiert. Seine beiden Hauptengagements waren von 1849 bis 1853 am Wiener Durgtbeater und dann am Dresdener Hof- theater. Hier hatte er seit lö� einen Kontrakt auf Lebenszeit. Aber er löste ihn schon nach zwei Iahren, um gastierend durch die Welt zu ziehen. Er besuchte die größten Städte Europa», dann die Am«. rikar. Sein Rollengebiet war ungeheuer; zu den von ihm am häu- stgsten verkörperten Gestalten gehörten Mephisto und Shylock, Hamlet lind Richard III. Das mit ungeheurer Willensanspannung empor- abtrieben? Temperament brach sch'iehlich plötzlich zusammen, noch wimnen Jahren de» vegetieren» starb Dawison am 1. Februar 1872 in Dresden. Für die Schaffting einer deutschen Elnhelt�unschrlft hat stch soeben eine Konferenz von Vertretern der Reichsregierung und fast all»r Landesregierungen««»gesprochen. Da» Einheitssystem soll untor Zugrunde'egvng de« Einheitsentwurf» der Schu'en Wabeis- berner und Stolze Schrey«usgenrbeitet«erden. Da, Reichsmini» sterium de» Innern wurde ersucht, die«eiteren Schritte zu unter- nehmen und da» Ergebnis der Arbelten de» Ausfchust«» den Re- «ie-ungen de» Reiches, der Sonder und Deutsch-Oesterreich» zur An» nähme zu empfehlen.__ ?ie Vrichr ZfinckMon? w'rt wa�r'chrinllch nin 11. ftcSruar von Urugiiot» nach Snglant» übntfltjrt. Die Shackleton>Exp«ditisn wird am 15. stell uat Wied« nach«üben abgehen. ** A* Im Reichstag wurden am Dienstag zunächst Anfragen er- lsdigt.— Auf die Anfrage dos Abg. Löwcnstein(II. Soz.), wieweit die einheitliche reichsgesetzlich« Regelung des Berechtigungs- w e f e n s an den öffentlichen Schulen vorgeschritten sei, antwortet Frau Minisieriolrat Dr. Bäumer: Die Einjährig-Freiwilligen-Prü- sung ist, soweit sie als Vorbedingung für den Eintritt in bestimmte Berufe vorgesehen war, abgeschafft worden. Die Reichsregierung, die über die Neuordnung des Berechtigungswesens mit den Län- dern verhandelt, geht von dem Grundsatz der Reichstagsentschließung aus, daß die öffentlichen Schulen nur Berechtigungen erteilen sollen, die aus ihren Bildungsaufgab-m und Lehrzielen folgen; dabei ist ein dem Wesen der Einheitsschule und den sozialen Erforder- nissen entsprechender' Aufbau des Schulwesens zur Grundlage ge- macht worden, mit dem sich in den nächsten Tagen der Rcichsschul- ausschuß beschäftigen wird. Das Bedürfnis, den Erwerb der Be- rechtigungen auch denen zu ermöglichen, die in einem freien Bil- dungsgange das Lehrzicl erreicht haben, wird von der Reichsregie- rung anerkannt Eine endgültige Regelung ist aber erst bei einem gewissen Abschluß der organischen Umgestaltung unseres Schul- wefens möglich. Erst wenn die neuen Grundschulen im wesentlichen feststehen, wird man eine befriedigende Lösung herbeiführen können. Es folgt die Fortsetzung der ersten Beratung ües Neichshaushaltspians. Abg. Dielrich-Doden(Dem.): Wir halten die Zwanzsanleihe nicht für ein Mittel, eine dauernde Ordnung in die Finanzen zu bringen. Hoffentlich wird die in Aussicht genommen« innere An- leihe Erfolg haben. Der Berwaltungsapparat ist unbedingt zu groß. Eine kleinere Beamtenschaft könnte dasselbe leisten, wenn sie gut eingearbeitet ist(Der Redner führt zahlreiche Beispiele für die Untücht'gkeit der Beamtenschaft an.) Man muh den Beamten beibringen, daß ihre Tätigkeit eine Denk-, keine Sitzarbeit ist. Die vom Reichsschatzministerium oerwalteten Heeresbestände wer- den, anstatt daß sie verkauft werden, nur vermietet. Die Reichselsenbahn darf niemals verstaatlicht werden. Ihre schlechte Finanzlage beruht auf der Untätigkeit ihrer Beamten und der Tatenlosigkeit der Regierung. Die Forderungen der Eisen- bahnbeamten dürfen nicht überspannt werden. Die Eisenbahn. arbeiter glauben, daß ihre Wirtschaftslage von der direkten und indirekten Steuer abhängig sei. Das ist irrig. Nur durch Hebung der Produktion kann ihre Lage verbessert werden. Die Einfuhr muß verringert werden. Ein etwa ausbrechender Eisenbahnerstrcik wird nur die arbeitende Bevölkerung der Städte schädigen. In der Erwerbsoscnfürsorge muh eine schärfere Kontrolle ausgeübt wer- den. An ihre Stelle muß die Erwervslcsenversichsrung treten. Es muh nachgeprüft werten, wie es kommt, daß im Dezember vorigen Jahres von etwa 145 000 Erwerbslosen im ganzen Reiche'lu> sich in Berlin aufhielten Die Fraae der Sicherung des Hausbesttzes muß endlich gelöst werden. Die Presse befindet sich in einer nicht zu verkennenden Rotlage Trotzdem bat sich die Eisenbahnverwas- tung geweigert, Druckpapier zu«mäßigten Preisen zu befördern. Da besteht die Gefahr der Aebersremdung der Presse durchausländisches Geld. Di« Kapp Geschichten und ähnNche Dinge sollte man besser begroben sein lassen. Abg. Ersing(Z.): Der übergroße Beamtenapparat mutz ab- gebaut werten. Der steigenden Rot kann nicht gesteuert werden durch Kämpfe, wie sie jetzt die Reichsgewerkschaft deutscher Eisen- bahner androht; ihr Ultimatum ist , ein llliimalum an das deutsche Volk und ein Verbrechen. Die Beamten müssen sich darüber klar sein, daß Streikrecht und Beamte-'recht miteinander nicht vereinbart wer- den können. 30 bis 36 Milliarden für Gehaltserhöhungen sind feit August bewilligt warten. Trotzdem soll die Regierung den be- rechtigten Wünschen der Eisenbahner soweit als möglich entgegen- kommen. Wenn gestern Sckcitemann über die Haltung, mancher Offiziere und Beamten gegenüber der Republik klagte, so muß man doch manche unliebsamen Vorkommnisse mehr psychologisch betrach- ten. Man darf nicht vernessen, daß die Beamten im großen und ganzen ihre Pflicht getan haben. Abg. Henke(U Soz.): Gerade das deutsche Volk in seinen drei- ten Massen, das uckter terselben Notlage leidet wie die Eisenbahner, hat Verständnis für die Eisenbahner. Kein Geringerer ols Max Weber hat das Streikrecht der Beamten anerkannt, ja geradezu gefciert. Auch wir wollen keine Streiks, die das Wirijchoftsleben schädigen. Aber wenn der Borredner psycho- logisches Verständnis für dcutschnationale Beamte fordert, dann fordern wir psychologisches Verständnis für die Notlage der Eisen- bahner. Mit Groeners Methoden kommt man nicht weiter.— Herr Hermes betonte selbst, daß der Druck aus die Lohn- und Ge- haltscmpfänqsr in Deutschland stärker sei als in den Ländern der Entente. Wo bleiben aber die Konsequenzen? E» ist n i ch t r i ch- tlg, daß die Entente die Anpassung unsere» Steuersrstems au das ihrer Land« verlangt hat. Die Agrarier find noch nicht zu» fort und schoß den Piontek in den Hinterkopf, so daß die Kugel zur Stirn wieder herausflog. Wend'er behauptet, daß er die Quälerei des Piontek nicht mehr habe mit ansehen können und deshalb durch einen Gnadenschuß Ihm sein Leiden habe abkürzen wollen. Auch will er geglaubt haben, daß Piontek zum Tode verurteilt war- den sei. Ritter hat im Lorversal.ren die Tat zugegeben; er sei durch das Messer d-s P. gereizt worden und habe gefürchtet, daß dieser fliehen würde. Auch vor seinem Hauptmann hat er ein Ge- ständnis abgelegt, später hat er aber jede Beteiligung an der Bwi- tat bestritten und den W e n d l e r als alleinigen Täter bezichtigt. Die Anklage vertritt Staatsanwaltschaftsrat Weyermann.— Bei der Vernehmung der Angeklagten beschuldigen beide sich gegen- seitig, den tödlichen Schuß abeggeben zu haben. Die Leweisaufnahme. Witwe Muri« Piontek war zugeegn, als ihr Mann aus ihr unbekannten Gründen verhaftet wurde. Sie weiß, daß ein Gefrei- ter Konig ihren Mann mit dem Kolben gedroht und gesagt habe: „verfluchter Hund, Dir müßt« man gleich den Sckädel einschlagen!" Die Zeugin schildert In ergreifender Weis«, wie sie von Pontius zu Pilotus gelaufen sei, um zu erfahren, was au» ihrem Manne ge- worden sei und wie sie ihn schließlich mit verschiedenen Schußwunden tot aufgefunden habe. Der Kopf sei vollständig zertrümmert gewesen.— Der Führer der Patrouille, Unteroffizier B a ch n e r, bekundet« u. a.: Da» Erschießen des P. habe ln der Kompagnie große Eni üstung «rreat, da eigentlich kein Anlaß dazu vorlag. Vn der Kompagnie fei Ritter als„Mörder" bezeichnet worden. Ein Mesier htft der Zeug« bei Piontek nicht gesehen, auch eine Drohung von diesem nicht gehört. Der nicht ermittelte Unteroffizier Herzog bat in den verlesenen verschiedenen Protokollen wiederholt ganz bestimmt Ritter al» denjenigen be-eichnet, der den Sch'delschuß abgegeben hat. Der Zeuge hat den Ritter dadurch von seiner Tot abhalten wollen, daß er seinen Karabiner auf ihn anlegte. Ritter habe sich seiner Tat»"ch gerühmt. Piontek habe mehrmal» um sein Leben gebettelt, Ritter habe aber welter geschossen. Sonderbarer» weise hat dieser Zeug« bekundet, daß er Wendler überhaupt bei dem Vorgang nicht gesehen habe.— Die Beweisaufnahme ergibt u. a. weiter, daß Piontek— entgegen den Behauptungen Ritters— zunächst zur Kompagnie geführt worden sei und seine Erschießung frieden. Sie wollen tie volle freie Wirtschaft und drohen mit dem Uebergang zur extensiven Wirtschaft. Sie wollen also streiken auf Kosten des hungernden Volkes. Das landwirtschaftliche Hilfswerk ist genau so ein Schwindel wie die Kredithilf« der Industrie, die nur ein Bluff war gegen die Erfassung der Sachwerte. Run haben wir das Steuerkompromiß. Die Rechtssozialisten haben nachge- geben um ihrer Koalitionspolitik willen. Sie glauben noch inuner, daß Minist erlesiel Machtpositionen sind. Wir billigen wohl hie Außenpnlitik des Kabinelts Wirth-Bauer. Aber wir sind nicht für die Erbaltung dieses Kabinetts um jeden Preis. Bei dem Kabinett Wirth-Bauer legen wir den Nachdruck auf Wirth; denn für Bauer haben wir nicht viel übrig. Der Innenpolitik des Kabinetts können wir nicht folgen. An die Stelle der»Feldjchlacht�, von d« Wirth sprach, trat der Kuhhandel. Wirth hat an Vertrauen bei uns eingebüßt. Er stellte sich in einem wichtigen Augenblick auf die Seite der Bourgeoisie, nicht auf die Seit« der Arbeiter. Die 10 Punkte der Gewerkschaften sind doch nicht für den St. Rimmerlcins-Tatz auf» gestellt. Man redet von Sparsamkeit, aber Ministerialdirektor Huber erklärt, die mittleren und oberen Beamten des Neichsernäh- rungsministeriums sträubten sich gegen die Auflösung. Gegen einen Abbau der sozialen Tätigkeit der Regierung sträubt stch Herr Hermes natürlich nicht. Der Abbau d« Lebensmittelzufchüsie wird wiederum mit der Berufung auf die Entente vorgenommen. Die Entente verlangte ober nur diesen Abbau, wenn er mit der Notwendigkeit, soziale Unruhen zu vermeiden, vereinbar sei. Wäh- rend die Not des Volkes steigt, soll den Lebensoersichcrungsgesell- schasten von der Regierung Hilfe zugesagt worden sein.— Scheidemann sprach vom Schutz der Republif. Das berührt etwas eigenartig, wenn man Fchrenboch erzählen hört, daß Ebert vor der Revolution im Norden von Berlin gegen die kommende Revolution arbeitete. Scheidemann sagte, der Glaub«, es könne die soziale Frage mit Gewalt gelöst werden, sei tot. Bei ihm und seinen Freunden mag das der Fall sein. Innerhalb der alten Sozialdemokratie bestand immer die Auffassung, daß unt« Umstän» den auch Gewalt, im Klassenkampf angewandt werden müsse. Die Arbeit« haben sedensalls für Scheidcmanns Auffassung kein Der- ständnis; denn sie spüren die Brutalität der herrschenden Klasse am eigenen Leibe. Scheidemann spricht vom Schutz der Republik, und in Preußen setzen sich die Rcchtssozialisten mit den Monarchisten zusammen in ein Kabinett. Scheidcmann klagt« über den alten Geist im Auswärtigen Amt. Waren nicht Scheidemann, Hermann Müller und Bauer Reichskanzler? Waren nicht Müller und Koester Außenminister? Scheidemonn sprach für die Amnestie. Aber warum waren seine Leute nicht für die Beseitigung der Sondergerichte? Scheidcmann sprach von Republikanern in der Reichswehr. Wir teilen seinen Optimismus nicht. Die Reichswehr ist kein Schutz für die Republik, höchstens ein Schutz für den Kapitalismus in der Republik. Scheidemonn» Rede war Theaterdonn«. Sie sollte über das Steuerkompromiß hinwegtäuschen. Abg. Emming«(Baner. Vp.): Wenn der Abg. Scheidemann meinte, daß eine neue Gefahr aus Bayern drohe, so ist das falsch. Das, was der Arkikel Abels in der.Welt am Montag" enthüllt, ist genau so unrichtig, wie es die Märchen waren, die über Escherich verbreitet worden sind. Die Reichstreue Banerns ist unzweifelhaft. Das Steuerkrmpromiß bedeutet mit seiner Zwang». anleihe einen schweren Eingriff in die Substanz des Vcr» möqens. Begünstigung d« Genossenschaften bei der Um- satzsteuer würde nur Verbitterung schaffen. Wann verschwinden endlich die Kriegsgesellschaften mit ihren Milliordendefiziten? Inz Eisenbahnerstreik muh die Regierung hart bleiben. R«ichsfinanzminister Dr. Hermes: 1921 betrugen die Lebcnsmittelzuschüsie insgesamt rund 22,5 Milliarden, demgegenüber 1922 nur noch 1 Milliarde für Verbilli- gung des Brotes. Die Preise für das Umlogegetreide find nicht erhöht worden. Die Bcrteuming des Brotes fällt also nicht zu Losten der deutschen Landwirtschaft, die bisher ihre Umlagcpflicht sehr gut er- füllt hat. Wir können unserer Brotversorgung mit Ruhe enö> gegensehen. Die Reichsgetrcidestclle hat sehr sparsam gewirtsthaftet. Ende der Woche wird dem Reichstage eine Reichshaushaltsordnung zugehen. Gewiß herrschten bei den Kriegsgesellschaften nicht zu be» schönigende große Mißstände. Aber von Korruption war bei ihnen nicht die Rede. Ein vernünftiger Abbau des Personals ilt anoe- bahnt. An der Bcrzögerung der Veranlagung waren die Verhält» nisie schuld, nicht die Zentralisation selbst. Abg. Koenen(Komm.) fordert bei Vertagung als ersten Punkt für die Mittwochsitzung eine Erklärung der Rcichsreoierung über den Eisenbahuerstreik. Da der Reihsfinanzminister erklärt, daß für das Plenum eine Regicrunqserklärnnq in Aussicht nicht gestellt, dies« vielmehr im Hauptausschuß erfolgt sei, wird der Antrag Koenen abgelehnt.— Mittwoch, 1 Uhr: Kleine Dorlagen, Fortsetzung der Etatdebatte.— Schluß 7 Uhr. erst nachher stattgefunden habe.— Dem damaligen Hauptmann, jetzigen Strofanstaltssekretür P u t a k ist Ritter als roh und blut» dürstig nicht bekannt, er habe aber immer sehr auf die Kommunisten geschimpft. Damals habe allerdings eine Erregung unter den Leuten geherrscht, denn e» fielen dauernd Schüsse gegen die Soldaten. und e» waren verschiedene getötet worden. Eine standrechtlich« Erschießung, habe bei seiner Kompagnie überhaupt nicht stattoefun- den.— Nach Aussage de« Untersuchungsrichters haben die Ange- klagten ihr Geständnis so abgelegt, wie es protokolliert worden ist.— Ein Gefreiter Lenz bezichtigt W« n d l e r, daß dieser den tödlichen Schuß abgegeben habe. Einem anderen Zeugen hat Wendler gelegentlich erzählt, daß e r den Piontek erschossen habe. Der Feldwebel Kasten weiß, daß Ritter den Spitznamen ..Blul-Rikter" führte und die Kompagnie wegen dieser Tat auf Ritter sehr schlecht zu sprechen war.— Der Staatsanwalt empfahl den Geschworenen, bei Ritter die Frage nach versuchtem Mord, bei Wendler aber. der ohne Ueberlegung sich von seinem Gefühl habe yinreißen lasien. die Frag« nach Totschlag zu bejahren, aber die Frage nach mil- dernden Umständen zu verneinen. Die Geschworenen sprachen Ritter des versuchten Tot- schlage» schuldig und bewilligten Ihm mildernde Umstände. Bei W e n d l e r wurden die Schuldfragen verneint. Der Staats- anwalt beantragte gegen Ritter die höchste zulässige Straf« von vi« Jahren sechs Monaten Gefängnis. Das Gericht verurteilt« Ritter zu drei Jahren Gefängnis unter Anrechnung von neun Monaten Untersuchungshaft, wendler wurde freigesprochen und der Haft» befehl gegen ihn aufgehoben.__ Ulrich Rauscher auf dem Wege nach Deul'chlar.d. Wie die B. V. 9f. bören, bat ter deiilkckie Gesaudle in DfliS, Ulrub Rausch«, «m 25. Januar eine Urlaub, reise nach Deutschland angetreten. Schw«Iz«sscher Republikschuh. Der Nalionalrat hat die Lex H a e b e r t r n mit 166 gegen 30 Stimmen angenommen. Sie sieht besondere Strafen zum Shuv der Verfassung und gegen die revolutionäre Propaganda vor. Gegen die Borlage stimmten die Kommunisten, die Sozialdemokraten, sowie vi« weiter« Abgeordnete. SewerGhaDbewegung Die Metallarbeiter-Internationale. Am Sonnabend trat in Wien das Zentralkomitee des Inter- nationalen Metallarbeiterbundes zusammen. Jnwesend sind: Jlg (Schweiz), Solau(Belgien), Hansen(Dänemark), Reichl und D i ß- mann(Deutschland), Brownlie(England), Merrheim(Frankreich), Danz und Peter(Holland), Buozzi und Guarnieri(Italien), Brasinec und Kunsic(Serbien), Teller(Polen), Hampl und Kaufmann (Tschechoslowakei), Johannsson(Schweden) und Miskits(Ungarn), Domes, Schorsch, Wiedenhofer und Stein'(Oesterreich). Vom Inter- nationalen Gcwerkfchaftsbund ist Mertens, von der osterreichi- scheu Gewerkschaftskommission H u e b e r erschienen. Die Konferenz gab sich folgende Tagesordnung: Sekretariats- bericht und Festsetzung der Beiträge. Berichte: a) Erhebung über Kriegs- und Waffenfabrikation: b) Lohnstatistik und Lebensmittel- preise(Kongreßbeschluß August 1921). Stellungnahme zur allge- meinen Situation und besonders zur Konfernz der Vertreter der Internationalen Berg-, Transport- und Metallarbeiter(November 1921) in Amsterdam und zum Internationalen Gewerkschaftskongreß in Rom(April 1922). Anträge. Der Sekretär der Internationale der Metallarbeiter Jlg er- öffnete mit einer kurzen Ansprache die Beratung. Zum Präsidenten wurde Domes, zum Vizepräsidenten Solau(Belgien) gewählt. Den Bericht des Sekretariats vom Internationalen Metall- arbeiterbund erstattete dir Sekretär Jlg. Er führte aus: Aus dem Bericht sind die besonderen Bemühungen hervorzuheben, um mit den amerikanischen Verbänden in Fühlung zu treten. Bekannt- lich sind die amerikanischen Maschinenbauer unserem Bund angeschlossen. In Amerika bestehen ungefähr 29 Metallarbeiter- organisationen. Es war bisher nicht möglich, sie zum Beitritt zum Bunde zu gewinnen, obwohl die Hoffnung nicht aufzugeben ist, daß es möglich sein wird, einen Teil dieser Organisationen zum Beitritt zu bewegen Wir haben in der Presse gelesen, daß Gompers im Namen des amerikanischen Metallarbeiterbundes Protest dagegen eingelegt habe, daß auch die Sowjetregierung zu der Konferenz in Genua eingeladen worden sei. Sollte dies richtig sein, müßte man daraus den Schluß ziehen, daß die geistige Verfassung in Amerika noch sehr weit von unserem Ziel ist. Durch einen per- sönlichen Freund haben wir Mitteilung, daß es gegenwärtig außer- ordentlich schwer sei, die amerikanischen Arbeiter für eine Inter- nationale zu gewinnen, weil sämtliche Organisationen gegen eine Schwere Reaktion zu ringen haben und weil die ameri- anischen Unternehmer gegenwärtig auf die gänzliche Zerstörung der Verbände ausgehen. Im Vordergrund stehen Lohnreduktionen und Arbeitszeit. Es ist nicht gelungen, Spanien dem Bunde zuzu- führen, und leider ist zu befürchten, daß die Zahl der organisierten Metallarbeiter sehr zusammengescholzen ist. Bulgarien und Rumänien gehören dem Bunde nicht an; sie besitzen nur schwache Organisationen. Es ist möglich, daß ein Teil der rumänischen Me- tallarbeiter dem Internationalen Metallarbeiterbund zugeführt wer- den kann. Von S ü d s l a w i e n war es schwer, Mitteilungen zu erhalten. Die anderen Länder sind dem Internationalen Metall- arbeiterbund angeschlossen, mit Ausnahme Rußlands. Wie die Organisation in Rußland aussieht und funktioniert, ist uns nicht bekannt. Wir haben aber den Beschluß gefaßt, daß, solange die russischen Metallarbeiter der Moskauer Internationale angehören, sie nicht in den Bund aufgen ommen werden können. Im großen und ganzen können wir sogen, daß unsere internationale Or- ganisation durchaus gefestigt dasteht und alle jene Länder, in denen eine kräftige Organisation besteht, dem Internationalen Me- tallarbettcrbund angeschlossen sind. B o u z z i(Italien) regt an, einen Appell an die ameri- konischen Metallarbeiter zum Beitritt in den Internatio- nalen Metallarbeitcrbund zu richten. B r ow n l i e(England) stimmt den Ausführungen des Sekretärs zu. Robert D i ß m a n n- Deutschland: Was die Anregung bezüg- lich eines Manifestes an die amerikanischen Metallarbeiter betrifft, können wir im Prinzip damit einverstanden sein. Das Beste wäre, wenn wir einen Kollegen beauftragen könnten, in Nordamerika von Organisation zu Organisation Fühlung zu nehmen. Bezüglich Ruß- land können wir der Hoffnung Ausdruck geben, daß es bald zu einer Verbindung kommen wird. Bezüglich Frankreich ist es betrübend, daß die französischen Metallarbeiter in ihrer Organisation so stark zurückgegangen sind. Wir wollen uns keinesfalls in die engeren Verhältnisse eines Landes eindrängen, doch haben wir die llcberzeugung, daß die ganzen Fragen der Arbeiterschaft im eng- sten Zusammenhang mit den Arbeitern der übri- gen Länder gelöst werden können. I l g detailliert die Berichte über die einzelnen Länder. In Spanien ist die Gewerkschaftsbewegung sehr schwach. Ein eigener spanischer Zentralmetallarbcitervcrbänd besteht überhaupt nicht. Die Vorbedingung zum Anschluß ist in Spanien noch nicht erfüllt, weil eine zentrale Organisation nicht besteht. Zwischen Polen und Deutschland ist nach unserer Meinung kein akuter Streit. Es fragt sich nur, ob die Arbeiter Obcrschlesiens, das an Polen abgetreten wurde, bei den deutschen Gewerkschaften bleiben sollen oder den polnischen Gewerkschaften beizutreten haben. Bezüglich der eng- lischen Kollegen muß ich betonen, daß sie große Anstrengungen ge- macht haben, sich international zu nähern. Erschwert wird die Organisation in England durch den Bestand von achtzehn verschiedenen Verbänden der Metallindusttie, neben denen «s noch mehrere Dutzend kleine Verbände oder Lokalorganisationen, die nicht dem Bunde angeschlossen sind, geben soll. Bezüglich Frank- reich wäre eine internationale Aktion ganz gut denkbar: denn in jeder ipternationalen Aktion der Arbeiterschaft ist die Voraussetzung, daß die Arbeiter von Frankreich, Großbritannien, Italien und Deutschland beteiligt sind. Bezüglich Rußland müssen wir auf dem Standpunkte stehen, daß es zwei Internationalen neben- einander nicht geben kann. Solange die Moskauer Inter- nationale nicht aufgelöst ist, ist ein Zusammenarbetten mit den russi- schen Gewerkschaften nicht möglich. Nach Erledigung der Beitragsfrage wird hiermit die Sitzung unterbrochen._ Zur Wahl öer öerliner Holzarbeiter. Für die Delegiertenwahl im Holzarbeiterverbande ist die Aui- stellung der Kadidatenlisten beendet. Gewählt wird am 6. Februar. Die Wahlvorschläge sind aus den Betrieben gemacht worden und erst nach Aufstellung der Listen übersieht jeder der Parteirichtungen die Anzahl der für sie in Betracht kommenden Kandidaten. In den Branchen, wo jede der Parteien soviel Vorschläge hat, wie Dcle- gierte zu wählen sind, stehen sich alle drei feindlich gegenüber. In den übrigen Bezirken und Branchen wird die Frage der gcgenseittgen Unterstützung eifrig diskutiert. Wir vertreten natürlich n i ch t die Ansicht, die Kommunisten aus der Generalversammlung zu oerdrängen. Wir sind für eine Zu- teilung der Mandate nach der Zahl der abgegebenen Stimmen, na- türlich nicht nur dort, wo wir die Mehrheit haben, sondern auch wo die Unabhängigen und Kommunisten vorherrschen. Heute bekommt aber alle Mandate die Partei, welche die einfache Mehrheit aus- bringt. Eine Unterstützung der Kommuni st en kann nach ihrem bisherigen Verholten nicht in Betracht kommen. Für die Aufstellung gemeinsamer Kandidaten mit den Unabhängigen und gegenseittge Unterstützung wären wir bs- reit gewesen, wenn sich eine gleichmäßige Durchführung eines Wahl- abtömmens ermöglicht hätte und die Gegenpartei dies wünschte. Die Unabhängigen haben sich auch mit dieser Frage in einer USPD.- Holzarbciterversammlung beschäftigt. Wie bei solchen Gelegenheiten immer, so haben dort Redner weidlich auf die Reckitssozialisten ge- schimpft und behauptet, sie hätten wiederholt für Kommunisten ge- stimmt und den Unabhängigen eine Niederlage bereitet. Tatsächlich trifft es zu, daß in den vorjährigen Generalversommlunaen unab- hängige Kandidaten in der Stichwahl gegen die Kommunisten unter- lagen, trotzdem Sozialdemokraten und Unabhängige die Mehrzahl hatten. Ueber die Ursachen der Wahlresultate liegen keinerlei Fest- stellungen vor. Da nun Beschlüsie und Vereinbarungen der Parteien nicht vor- liegen, wird es in der einen oder anderen Wahlabteilung unab- bängige Wohlparolen geben, keinen Rechtssozialisten zu wählen. Unsere Genossen werden auf eine derartige Agitation achten und ihr Verhalten danach einrichten. Die Kommunisten dürften dort wohl mit Genugtuung einen Erkolg verbuchen. Wird diese Taktik überall eingeschlagen, dann wird es auch mit der unabhängigen Ortsverwaltung aus sein. In den meisten Bezirken und Branchen schlugen die Mtasieder einen anderen Weg ein. Ob mit oder ohne Vereinbarung haben sie schon bei den Vorschlägen aufeinander Rücksicht genommen und stimmen gemeinsam für»die Kandidaten beider Richtungen. Das trifft besonders in den Bezirken des Ostens und des Nordens zu. In den wenigen Bezirken, wo jede Richtung eine eigene volle Kandidatenliste zusammengebracht hat, stimmt aber jeder für seine Parteirichtung._ Neberschreitungen der SlrbeitSzeit. Mehrere Fachzeitschriften hoben die Mitteilung gebracht, daß sich nach einem Reichsgerichtsurteil Arbeitgeber, die ihre Arbeiter mit deren Zusttmmung länger als 8 Stunden beschäftigen, n t cf) t' strafbar machen. Diesen Veröffentlichungen liegt das auch schon früher bisweilen unrichtig wiedcrgegebene Urteil des Reichs. gerichts, II, Strafsenat vom S. Juli 1920(2 D 500'1920 IX 800) zugrunde, das jedoch lediglich zum Ausdruck bringt, daß sich bei Ueberschreitunq der zulässigen Arbeitszeit nicht der Arbeit- n e h m e r, sondern nur der Arbeitgeber strafbar macht. Das Reichsgericht geht hierbei von der Auffasiung aus, daß die in der An- ordnung über die Reaelung der Arbeitszeit gewerblicher Arbeiter vom 23. November 1918 enthaltenen Strafandrohungen allein auf Arbeitgeber, nicht auch auf Arbeitnehmer, die sich an den Achtstunden- tag nicht halten, anwendbar sind Die Frage, ob Arbeitgeber, die ihre Arbeiter mit deren Zustimmung über die gesetzlich zu- gelasiene Arbeitszeit hinaus arbeiten lassen, sich dadurch strafbar machen, wird in dem Urteil nicht berührt. Da die neuerlichen Ver- öffentlichungen von Arbcitgeberseite geeignet sind, zu irrigen Folge- rungen und zu einer unerwünschten Rechtsunsicherheit Ver- onlassung zu geben, hat der preußische Handelzminister die nach- geordneten Behörden, insbesondere die GewerbeaussichtsbeaMten an- gewiesen, die beteiligten Kreise über den der Reichsgetichtsentschei- dung zugrundeliegenden Tatbestand aufzuklären. Die Luxuspapierbranchenversammlung vom 30. Januar, die den Geschäftsbericht der Branchenleitung entgegennahm, nahm einen äußerst stürmischen Verlaus. Schon während des Berichts zeigte sich durch Zwischenrufe, daß man mit den Erfolgen der Branchenleitung nicht sonderlich zufrieden war. Als dann aber im Ver- lauf der Diskussion von einem Diskussionsredner auf das wider- spruchsvolle Verhalten des jetzigen kommunistischen Sekretärs der Branchenleitung, L ü d i ck e, hingewiesen wurde, der vor seiiter Wahl mit den bekannten kommunistischen Phrasen die alte Gewerkschafts- taktik mit ihrer Tarifpolitik in Grund und Boden verdammt hatte und jetzt froh sei, wenn er Tarife abschließen könne, die zum Teil weit hinter den Reichstarifen der anderen Branchen ständen, verstieg sich Lüdicke in seiner Erwiderung zu den gemeinsten Ausfällen und persönlichen Anrempelungen, ohne daß er hierbei von seinem Parteifreunde Ezicke als Versammlungsleiter deshalb aerüqt wurde. Noch stürmischer gestaltete sich die dann folgende Neu- wähl der Branchenleitung, weil die kommunistischen Kapi- talswächter der SPD.-Kollegin Messer das Recht absprechen wollte«, wiederum als Mitglied der Ortsverwaltung zu kandidieren, da sie jetzt als Hilfsarbeitcrin im Bureau des Verbandsvorstgndee beschäs- tigt fei. Mit allerlei Tricks versuchte der„unparteiische Vorsitzende immer von neuem ein den Moskaujüngern genehmes Resultat aus der Versammlung zu destillieren. Nach etwa einstündigcr äußerst stürmischer Debatte votierte die Versammlung für die Kollegin Messer, und sie wurde daraufhin mit der Branchenleitung e i n st i m- m i g gewählt. Lichtslreik ia Stettin. Im städtischen Elektrizitätswerk Stettin ist Dienstag die Arbeit niedergelegl worden. DaS Werk, dnS die ganze Ueberlandzcntrole mit elektriickeM Strom versorgt und auck> über die balbe Provinz Pommern verbreiiet ist, wird von der technischen Nothrlfe au'recht erhalten. Kondllorelpersonal. Die Arbeitgeber versenden ein Rundschreiben, worin der Pergleicti über die ob 1. Januar 1922 zu zahlenden Löhne entHallen ist. Dar»? erklären sie, daß da? Brdieuungspeisonal das VedienunaSgeld aufschlagen soll. Dieie Fassung ist falsch. Ueber diese Frage ist noch nichi verhanlKIt und nach den begebenden tariflichen Bestimmungen ist das Bedienungsgeld«in- zrkalttilieren. Sattler und Dortefeuillcr. Nachdem die Versammlung am Sonn« abend beichlosien hat, am Moniag die Arbeil wieder auizuiitbinen, glaubt die Firma Rudolph u. Rudolph. Leipziger Str. 75 76, ihren Arbeitern die Arbeilsausirahme verwehren zu können. Die Firma begründsr da« damit, daß sie den Arbeitern während des Slreik» die Entlassung zugeiandr habe und daß sie rbren Betrieb um« stellen wolle, lieber den V/irieb ist somit die Sperre ver« hängt und die«olle gen in den Belrieben ersuchen wir, Streik- arbeit»ichr auszuführen. Deutscher Sattler- und Porteieuiller« verband. Verbindlich erklärt kür das Gebiet der Stadlgemeinde Berlin ist der am 10 Okiover 1921 abgeichloslene Tarüvertrag für die An gestellten rn der Leder Wirtschaft nt>t Wirkung ab 1 Okiober 192l, sowie der am 19. November 1921 erkolgte Nachtrag zu dem allgemein verbindlich erklärten Tansverirag von, 25 Juli 1921 für die L ii g e st e l I l e u des M ö b e l h a n d e l s, und zwar mit Wiriung ab 1. November 1921. Tarifverträge sind im Bureau des ZeniralverbandeS der Angcstelllen, Bellealliaiicestr.7/l0, erhältlich. geutrolverband der Schuhmäch«?(Friedrichs«»». Maßbranche). Heu»« 9 Uhr Streilveriammlung im Saal 1 des(Scwerkscl)ajtsd»uses. � Donnersläg 6!4 Uhr» Deneralversammliing im Gemertschafishaus. Wahlen zur Ort-verwaltung. 'Ohne Mitaliedsduch oder-karte kein gutritt. Bund der techupche»«»«-stellten und Beamten, Vrtnverwaltuna Slealitz. Donnerstag 8 Uhr Mitgliedervcrsammlung im Restaurant zum«Ithoss. Bor- standswahu Zcntealocrbaud der«naestevtea. Donnerstag: Chemischer Kleinhandel. Mitglicderversammlung 8 Uhr Reue Philharmonie, Kijpemrfer Str. 96— 97.— Freitag i S4 Uhr Reue Philharmonie, Ztüvenicker Str. 96—97. «uto»Rcparaturbetri-b«. Donnerstag 7 Uhr bei Poweleit, Joswstr. 7, Funktionärsitzung der Auto-Rcparaturbetriebe. gentralverband de« Maschinisten und Seizer. Maschinisten und Heizer in den Holzbetrieb«». Freitag 6 Uhr gusammenkunft bei Hummel, Sophien- straße». Wir bitten die Betriebsräte der Holzdetriebe, die Maschinisten und Heizer auf diese gusammenkunft aufmerksam zu machen., Deutscher Wcrkmeisteruerband, Berlin 11. Freitag 7 Uhr Frankfurter Alle« Nr. 813 Mitgliederversammlung mit Lichtbildervartrag. Berantw. fllr den redall. Teil: Feunz ftliih» Berlin-Lichterfelde: für An. zeigen: Th. Slack«, Berlin. Verlag Borwärls�Berlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei u. verlaasnnftai» Paul Singer u. Ca.. Berlin. Lindenftr. 8. Hierzu> velluae. 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Auf die Notwendigkeit einer solchen Erhöhung wies gestern die sozialdemokratische Fraktion durch Genossen P a t t l 0 ch nochmals hin. Den Be- schlössen des Ausschusses stimmte die Versammlung zu.— Die zur Beratung desManteltarifsderGemeinde- a r b e i t e r eingesetzte gemischte Deputation will als Eini- g u n g s a m t mit dem Recht, nötigenfalls einen S ch i e d s- f p r u ch zu fällen, eingesetzt werden. Dieser von der Deputa- tion selber eingebrachte, von allen Fraktionen unterstützte Antrag wurde zum Beschluß erhoben. Man darf von ihm eine allseitig befriedigende Lösung der zur Verhandlung stehenden Fragen erwarten.— Im letzten Teil der Sitzung kam der Brand bei S a r 0 t t i zur Sprache aus Anlaß einer Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion wegen der Mängel in der Bekämpfung des Brandes. Genosse Wilde- gans wies in seiner Begründung darauf hin, daß diese Vor- kommnisse ganz ohne Berechtigung wieder gegen Berlin aus- geschla-Wet worden sind. Stadtrat Genosse A h r e n s gab eine Schilderung der völlig unbegreiflicben Lässigkeit, deren die verantwortlichen Personen der F a- b r i k l e i t u n g sich schuldig gemacht haben, indem sie unter vergeblichen Löschversuchen den Brand sich zu einer riesigen Feuersbrunst entwickeln ließen und dann erst die Tempelhofer Feuerwebr riefen. Er stellte fest, daß der Vorwurf, die Feuer- webren Tempelhofs, Neuköllns und Berlins hätten versagt, völlig unberechtigt ist. Sltzungsberkcht. Ein Drinqlichkeitsan trag sämtlicher Mitglieder der q e m i s ch- ten Deputation zur Beratung des Manteltarifs für die städtischen Arbeiter und nichtständigen Angestellten geht darauf hin- aus, sie als Einigungsamt einzusehen und ihr, falls«ine Einigung nicht zu erzielen fein sollte, das Recht zu verleihen, einen Schiedsspruch zu fällen. Die Dringlichkeit wird anerkannt. Zur Beratung für heute und Donnerstag stehen 71 gegen- stände. Auf Antrag Schumacher fKomm.) werden die kom- munistischen Anträge betreffend Arbeitslosenunterstützung vorweg- genommen. Der ständige Ausschuß für Erwerbslosenfürsorge läßt durch f). Kunze lSoz.) Bericht erstatten und empfiehlt, den Antrag Eäbel wegen Neuwahl der Erwerbslosenräte abzulehnen. Bezüglich des Antrags Gäbel, einmalige Beihilfen für die Erwerbslosen zu gewähre», stellt der Ausschuß folgende Anträge: 1. Die Bersamm- lung hält eine Erhöhung der laufenden Unterstützungen um 40 Proz. für dringend erforderlich und ersucht den Magistrat, alle Maßnahmen zu ergreifen, um diese Erhöhung mit Wirkung vom I. Februar ob baldigst bei der Staats- und Reichsregierung durchzusetzen: 2. die Versammlung hält die Forderungen des Antrags Gäbel hinsichtlich der Schulspeisung usw. für praktisch nicht ausführbar, empfiehlt da- gegen, die Kinder der Erwerbslosen möglichst und bevorzugt bei der Schulspeisung und Verteilung von Winterkleidung zu bedenken: die vorbereitenden Arbeiten in der produktiven Erwerbslosen- sürsorge sind zu beschleunigen, die Reichsregicrung zu ersuchen, die Sperre für Notstandsarbeiten aufzuheben. Ostrowski(Komm.) beharrt bei der Forderung einmaliger Deihilfen als des einzigen Weges, auf dem die Not der Erwerbs- losen wirklich zu lindern sei: auch alle anderen Anträge einschl. der Neuwohl der Erwerbslosenräte hält er ausrecht. Stado. L ü d t k e lDnat.) beginnt eine Rede abzulesen, tritt aber ab, nachdem der Vorsteher Dr. E a s p a r i bemerkt hat, daß das Vorlesen von Reden nicht gestattet ist. P a t t l 0 ch(Soz.): Der Ausschuß hat d«r Erhöhung der laufenden Unterstützungen vor der Gewährung einmaliger Beihilfen mit guten Gründen den Vorzug gegeben. Nur so ist es möglich, daß die Gelder auch wirklich den Erwerbslosen und ihren Familien zugute kommen. Wir halten für sicher, daß die große Mehrheit dem Ausschusse beipflichten wird. Stun- dung der Gasschulden kann jeder bei der Stadt beantragen: etwas Kontrolle muß doch auch bleiben, daher geht es nicht an, freies Gas und Streichung der Gasschulden zuzugestehen. Eigentümlich ist, daß Herr Ostrowski heute so eifrig für die Unorganisierten eintritt: die Erwerbslosen sind doch durch die Gewerkschaften durchaus zweck- mäßig vertreten. Seinerzeit haben Leute, die Herrn Ostrowski nahe- stehen, die Neuwahl der Erwcrbslosenräte sabotiert. Zimmermann(U. Soz.) erklärt sich für die Ausschußvor- schläge im Wesentlichen aus den vom Vorredner vorgetragenen Gründen. Nachdem noch Dr. K l i n k h a r d(D. Vp.) die Annahme der Ausschußvorschläge empfohlen, gelangen diese mit einem Zusatz- antrage Lüdtke(Dnat.) betr. die Notstandsarbeiten zur Annahme. Der oben erwähnte Dringlichkeitsantrag wird einstimmig an- genommen. Es wird bekanntgegeben, daß Reuter aus der kommunistischen Fraktion ou-aetreten und zur kommunistischen Arbeitsgemeinschaft übergetreten ist. Wegen der vom Stadtrat Wege veranlaßten Entfernung einer bei der Beerdigung Sylts verwandten roten Kranzschleife aus dem Arbeitszimmer des Betriebsrats der Wohnungs- und Miet- cinigungsämter entspinnt sich eine längere Debatte, in der Genosse Krüger(Soz.) erklärte, daß die Behandlung solcher Bagatellen weder die Geschäfte noch das Ansehen der Versammlung fördere. Partei- politische Kundgebungen solle man von den Amtsräumen der Stadt überhaupt fernhalten. Künftig müsse der Magistrat auch gegen solche Kundgebungen anderer Parteien nachdrücklich Stellung nehmen. Moses(U. Soz.) meinte, daß diese Angelegenheit nur humo- ristisch-ironisch-satirisch behandelt werden könne. Vom 12. Oktober 1921 datiert eine� dringliche Anfrage der U. Soz. an den Magistrat, was er zu tun gedenkt, um die städtischen Parks und Plätze nicht weiter der Verschandelung preis- zugeben? Z u b e i l(U. Soz.) begründet die Anfrage. Stadtrat A h r e n s antwortet, daß der Magistrat sich der hier vorliegenden Unterlassungssünden bewußt ist. Es seien aber seiner- zeit dem Magistrat S Millionen für die Pflege der Grünflächen gestrichen worden. Heute liege der Versammlung eine Forderung von 1 170 000 M. unter anderem zur Aufrechterhaltung der st ä d t i- schen Gärtnereien im Humboldthain und in Blankenfelde vor: damit werde immerhin einiges geleistet. Dr. Kirchner(Dnat.) empfiehlt einen Antrag seiner Freunde auf Errichtung von nahe der Stadt gelegenen Spiel- und Sport- Plätzen. Ein Antrag der Kommunisten verlangt die Hergabe der Ka- sernenhöse und Exerzierplätze für die Erholungsspiele der Jugend. Zobel(Dem.) macht die Bebauungspläne für den Mangel an Grünflächen und Spielplätzen verantwortlich. Man müsse eine Aus- wähl treffen. D i t t m e r(Svz.): Die volle Wiederherstellung der Spiel- und Parkplätze ist bei der heutigen Finanzlage unmöglich. Es wird nichts übrigbleiben, als möglichst viele Park- und Grasplätze in Spielplätze umzuwandeln. Auch Waldschulen müssen er- richtet und es muß ein Teil des Naturkundeunterrichts an Ort und Stelle erteilt werden. Exerzierplätze und Kasernenhöfe sind dem Jugendamt für seine Zwecke zum Teil unter den nichtigsten Vor- wänden verweigert worden. Es sprechen noch Tropfte(D. Vp.), Dörr(Komm.), R. Kunze(Dtsch.-soz.) und nach Ablehnung eines Schlußantrages noch Zubeil(U.Soz.). Die Erörterung endet mit der Annahme der erwähnten Magistratsvorlage und mit der Ueberweisung der Anträge an den Magistrat: diesem wird auch ein Antrag Zobel überwiesen, der vom Magistrat eine Nachweisung über die zur Be- Hebung des Mangels an Spielplätzen getroffenen Maßnahmen bis zum IS. September erwartet. Annahme findet auch ein Antrag Kunze(Dtsch.-soz.) auf Ermittelung der Gründe, die den Forstfiskus zum Verkauf des Wannsee-Ufers bei Beelitzhof an eine Aktiengesell- schast veranlaßt haben. Dos Jever bei Sorotti. Am 21. Januar haben Heimann u. Gen.(Soz.) folgende A n- frage eingereicht: Der Magistrat wird«sucht, sofort darüber Auskunst zu geben: 1. Wer die Verantwortung für die verspätete Alarmierung der Berliner Feuerwehr bei dem Brande der Sarotti-Fabrit trägt. 2. Welche Maßnahmen getroffen sind, um für die Zukunft eine rechtzeitige Herbeirufung ausreichender Feuerlöschhilfe in ähnlichen Fällen herbeizuführen. 3. Wer die Verantwortung dafür trägt, daß bei dem Bau der Sarotti-Fabrik die baupolizeilichen Feuerstcherheitsvorschriften gröb- lich mißachtet sind. Nachdem W i l d e g a n s(Soz.) die Anfrage begründet, gibt Stadtrat A h r e n s«ine ausführliche Darstellung des Brandes und seines Schauplatzes. Der Brand ist schon vor 9 Uhr früh bemerkt worden: bis 10� Uhr hat die Fabrik- leitung allein an der Löschung gearbeitet und dann hat erst die Feuerwehr eingegriffen. Es han- delt sich um ein Gebäude von 90x60 Meter, der ganze Keller ist ein einziger Raum ohne jede Schutzwand, in dem große Lager von Holzwolle, Packmaterialien und anderes sich be- fanden. Der Keller bildete mit dem Lichthof bald einen Krater, dessen ganze Glut nach oben strömte. Auch die sämtlichen vier Treppenaufgänge führten zu diesem Licht- Hof, keiner nach der Straße: es ist unverständlich, wie so etwas hat zugel äffen werden können. Erst nach 11 Uhr wurde Berlin alarmiert: inzwischen war der Brand ein Feuermeer geworden. Die Kakaobohnen brennen heute noch. Zur Verhütung ähnlich schwerer Feuersbrünste ist an- geordnet, daß Berlin von jedem Brande sofort verständigt wird. An der ordnungs- und sicherheitswidrigen Kelleranloge ist die Ber- liner Baupolizei unschuldig. Der Fabrik war die Sicherung der Kelleranlage aufgegeben, die Frist dafür aber bis 1. April 1922 verlängert worden.— Gegen das Funktionieren der Tempelhofer f r e i w i l li g e n Feuerwehr ist ebensowenig ein Vorwurf zu er- heben, wie gegen die dortige Berufsfeuerwehr. Wir werden über- Haupt mit den freiwilligen Feuerwehren in Groh-Berlin noch lange zusammen arbeiten müssen. Damit ist die Anfrage erledigt. Auf Antrag Fabian wird hierauf die Sitzung um 9 Uhr geschlossen. « Aus der sostaldemokraflschen Stadtv erordnet enfraksion ist der Stadtverordnete Genosse Kohl ausgeschieden, nachdem seine Wieder- wähl zum unbesoldeten Stadtrat bestätigt und er in sein Amt eingeführt worden ist. Sein Stadtverordnetenmandat ist auf den Genossen S e i b k e- Wilmersdorf übergegangen, der hiermit in die Stadtverordnetenversammlung eingetreten ist. Cin Eiü„zweiter Klaffe"? Daß ein Eid eine ernste Sache ist, galt zu allen Zeiten als selbstverständlich. Die Bedeutung des Eides als eines in feierlicher Form abgegebenen Versprechens rechtfertigte den bisherigen Brauch, daß bei einer öffentlichen Eidesleistung alle Zlnwesenden sich erheben. Vor Gericht wurde bei Zeugenvereidigungen immer streng darauf gesehen, daß während der Vereidigung jeder im Saal mit aufstand. Wer aus Unkenntnis oder Gedankenlosigkeit sitzen blieb, hatte eine nachdrückliche Mahnurch zu gewärtigen, die mancher Gerichtsvorsitzende zu einer richtigen Straf- predigt auszugestalten verstand. Wir haben nie gemeint, daß der Brauch aufzustehen dem„Gott" galt, den der Zeuge anrief und selbst dann anrufen muhte, wenn j er an keinen„Gott" glaubte. Wer einsieht, daß eine Gesellschaft nicht ohne eine geordnete Rechtspflege(solange die Menschen keine Engel sind) bestehen kann, für den wird der Eid auch ohne �Anrufung eines„Gottes" eine„heilige" Handlung sein. Darum war es uns nicht zweifelhaft, daß nach Einführung der auf die Anrufung„Gottes" verzichtenden neuen Eidesformel, deren Gebrauch dem Belieben des Schwörenden überlassen wird, man fest- halten würde an dem die Feierlichkeit der Eidesleistung betonenden Brauch aufzustehen. Es. scheint aber, daß die Justizverwaltung auch das dem Belieben überlassen hat— dem Belieben des Gerichts- f Vorsitzenden nämlich. Am Schöffengericht Charlotten- � Eine felkfame Nacht. Roman in vier Stunden von Lanrids Bruun. Mamsell Berg betrachtete den Stummel mit einem Blick. als wäre es die Mordwaffe selbst. „Heiliger Himmel." Der Amtsoorsteher legte den Stummel wieder hinein und schob die Schachtel in die Mappe, die er sorgfältig verschloß. „Nun sagen Sie mir, Mamsell Berg, erinnern Sie sich, ob der Verstorbene jemals Zigaretten geraucht hat?" „Nein, niemals. Herr Hilsöe raucht« eine einzig« Zigarre noch Tisch und sonst nur seine Meerschaumpseifen. Er hatte eine für jeden Tag in der Woche." „Haben Sie darauf geachtet, ob der Pferdehändler Sörup rauchte, als er kam?" „Iesses ja! Sörup kam immer mit seiner Holzpfeife an, und die nahm er nicht aus dem Mund, außer wenn er aß und trank." „Und soviel Sie wisien, ist niemand heute, gestern oder vorgestern über die Verandatreppe zu Herrn Hilsöe ge- kommen?" „Iesses nein! Es kam keiner zu ihm, der nicht über die Haupttreppe ging." Der Amtsoorsteher erhob sich. „Ja, Mamsell Berg," sagt« er, indem er die Mappe auf den Rauchtisch legte,„mehr Fragen habe ich wohl im Augen- blick nicht an Sie zu stellen. Nur noch eines— was ich Ihnen hier mitgeteilt, habe, erfordert natürlich strengste Diskretion!" „Was erfordert es?" Mamsell Berg sah ängstlich, ver- ständnislos mit ihrem Vogelblick zu ihm auf. „Ich mein«, Sie dürfen niemand gegenüber erwähnen, was gefunden worden ist— was ich Ihnen eben mitgeteilt habe. Verstehen Sie? Ich mache Sie dafür verantwortlich!" Mamsell Berg zog erschrocken ihren eckigen Oberkörper zurück. „Heiliger Himmel!— Nicht ein Wort soll über meine Lippen kommen!" „Gut. dann sind wir fertig für diesmal. Sie werden später— vielleicht schon bei einem Verhör morgen— Ihre Erklärungen unter Eid wiederholen müssen." Mamsell Berg sah ihn feierlich an und hob die Knöchel- Hand, als ob fie gleich eine» Eid ablegen wolle: „Ich kann jedes einzige Wort beschwören, Herr Amts- Vorsteher!" „Nun, um so besser!" Hjarmer reichte ihr die Hand. „Gute Nacht, Mamsell Berg!" Die Haushälterin aber blieb stehen, drehte sich verlegen und strich mit ihren groben Händen über die Taille. „Haben Sie noch etwas auf dem Herzen?" fragte Hjarmer und sah sie müde an. „Ja, was ich noch sagen wollte—" kam es zögernd, während es um den strammen Mund zuckt«,„man ist ja so unwissend wie ein neugeborenes Kind!" „In welcher Beziehung?" „Was aus einem werden soll und so— denn der Tod des Herrn Hilsöe ist ja solch ungeheurer Verlust für mich." „Es tut mir leid um Sie, Mamsell Berg," der Amtsvor- steher rieb sich ungeduldig die weißen Hände,„aber ich weiß nichts Besseres, als daß Sie sich an den Erben wenden und ihn bitten, im Namen des Verstorbenen etwas für Sie zu tun!" „Die Sache ist aber die, Herr Amtsvorsteher." Mamsell Berg wurde eifrig, und die blauroten Flecke vergrößerten sich auf den Backenknochen, während die dunkelgerandeten, hell- grauen Augen unruhig blinkten,„ich weiß nicht recht, wie ich mit dem jungen Hilsöe stehe." „Mich dünkte, er sagte, daß er Sie von früher her kenne!" Hjarmer verbarg ein Gähnen hinter seiner weißen Hand. „Ja, aber sehen Sie, das hat nun so seine eigene Be- wandtnis, denn offen gestanden— aber Herr Amtsvorsteher müssen mir versprechen, daß es unter uns bleibt— der junge Hilsöe wurde seinerzeit fortgeschickt, weil er den Namen des Alten auf einem Wechsel gefälscht hatte— oder wie man es nennt!" „Was Sie sagen!" Hjarmer war wieder ganz Ohr. „Woher wissen Sie das, Mamsell Berg?" „Das hat mir Herr Hilsöe gesagt. Denn er war so fuchs- wild, als er den Brief von der Bank bekam, daß er seine Galle an jemand auslassen mußte. Und dazu gebrauchte er gewöhn- lich mich— weil er wußte, daß von mir nichts unter die Leute kam, was nicht Weiterkommen sollte." „Sie meinen also, daß Herr Hilsöe Ihnen nicht freundlich gesinnt ist!" scbnitt Hjarmer ihren Wortstrom ab, der sich in die Länge zu ziehen drohte. „Nein, sicher nicht." Mamsell Berg nickte entschieden mit dem Kopf«ch wischte sich ihr« lange Nase mit der Knöchelhand, bevor sie wieder begann: „Denn sehen Sie/ da war ja die Enterbung— und das ist es eben, was mir bei der ganzen Sache vollständig unbe- greislich ist, denn ich Hab doch das Papier, das er damals schrieb, mit meinen eigenen Augen gesehen— darauf könnte ich einen Eid leisten!" „Das Testament, von dem Sie sprachen und das Sie nicht finden konnten?" „Ja!— Denn es war dasselbe, in dem er mich, rein herausgesagt, wegen meiner treuen Dienste bedachte und im übrigen der Stadt und dem Amtsbezirk das Ganze vermachte." „Ja, ja!" unterbrach der Amtsvorsteher.—„Im Erbschaftsamt werde ich später Gelegenheit haben, mich näher mit dieser Sache zu beschäftigen. Aber ich will Ihnen doch jetzt schon soviel sagen, Mamsell Berg"— und der Amtsoorsteher richtete seine Augen schärfer auf sie—,„wenn Sie, die Sie all« Verhällnisse kannten und— hm!— den Schlüssel zu seinen Schubfächern hatten— wenn Sie dieses Papier nicht finde» konnten— dann wird es wahrscheinlich gar nicht mehr existieren. Er hat sich wohl später eines Besseren bedacht und es vernichtet." Mamsell Berg schluckte. Es zuckte wie Weinen um ihre schmalen Lippen. „Ach, Himmel— das ist ja das Traurigste bei der ganzen Geschichte!" Den Amtsvorsteher dauerte die offenbare Ratlosigkeit der ältlichen Person. Sie war doch Zeit ihres Lebens eine treue Dienerin gewesen. „Ich will gern," sagte er zögernd—„das heißt, wenn Sie es ausdrücklich wünschen— Herrn Hilsöe darauf aufmerksam machen, wie viel Sie augenscheinlich seinem Onkel ge- wesen sind." Mamsell Berg bekam plötzlich Tränen in die Augen, die klar wie Glas wurden. Sie ergriff Hjarmers Hand und sagte, während sie geräuschvoll durch die. lange, knochige Nase atmete: „Dafür wäre ich Ihnen von Herzen dankbar, Herr Amts- vorfteber!" „Ja. ja, soll geschehen!" sagte Hjarmer tröstend und zog seine Hand zurück. „O, tausend Dank, Herr Amtsvorsteher!— Und Gottes Segen über Sie!" »Schon gut, Mamsell Bergt"(Forts, folgt.) Burg konnte man vor kurzem kn ewem zwek Tage dauernden Prozeß beobachten, wie der den Borsitz führende Amtsgerichtsrat regelmäßig bei der alten Eidesformel mit der An- rufung„Gottes" sich erhob und bei der neuen „gottlosen" Eidesformel sitzen blieb, und wie die Schöffen und der Gerichtsschreiber samt allen im Saale anwesenden Zeugen und Zuhörern diesem Beispiel folgten. Der Borsitzende fragte vor jeder Vereidigung gewissenhaft, ab der Zeuge die alte oder die neue Formel gebrauchen wollt«, und von der Antwort hing es dann ab, ob er dem Eid seine Beverenz erwies oder nicht. Als einmal ein« Zeugin Irrtümlich die alte Formel'verlangte, aber dann bei dem Wort„Gott" stockte und nun erst um Anwendung der neuen Formel bat, sank mitten in der Eidesleistung der bereits feierlich dastehende Gerichtsvorsitzende auf seinen Sessel nieder, alle anderen Anwesenden taten es' ihm nach, und danach führte der Vorsitzende die Eidesleistung nach der neuen Formel zu End«. Dielleicht überlegt sich die Justizverwaltung einmal, wie die geschilderte unterschiedliche Vehondlung der Eide aus jeden seine Eidespflicht ernst nehmenden Menschen wirken muß, und ob es der Rechtspstez« nützt, wenn, der ohne Anrufung„Gottes" geleistete Eid sozusagen zu einem Eid„zweiter Klajse" gestempelt wird. Ter„amerikanische Bürger" nfnS Saleniki. Einen guten Fang machte gestern eine Streife der Kriminal- polizei vor einer bekannten Tanzdiele im Zentrum Berlin», chier fielen den Beamten zwei Herren in Pelzmänteln und Lackschuhen durch ihr Verhalten aus. Einer der beide» rief»iederhait ei« künstliche» Ge- dränge hervor und der andere machte sich dann dicht an die Leute heran. Ihr besondere, Augenmerk richteten sie auf M ä n n« r, d i« angetrunken aus der Diele herauskamen. Plötzlich versenkte ider eine seine Hand in dt« Tasche eines Herrn und zog ihm die Brieftasche heraus, ohne daß er es merkte. Jetzt griffen die B«- amten zu und nahmen die beiden„feinen" Herren fest. Dies« be- stritten den Diebstahl und spielten die Harmlosen und Entrüsteten. Der eigentliche Dieb hatte auch die gestohlene Brieftasche rasch zu Boden gleiten lassen, w» man sie fand. Die Beamten ließen sich aber nicht stören und brachten beide nach dem Pollzeipräsidium. Hier wurden sie sestgeftellt als ein W i d e l l a Z i e tz m a n n aus der Nassauischen Straße und ein Albert N o b> n, der aus Solo- uiki stammt. Dieser verwahrte sich besonders gegen die Beschuldi- gung des Diebstahls und behauptete, daß er eben erst aus Aachen nach Verlin gekommen sei, um hier Handelsgeschäften nachzugehen. Die Kriminalpolizei aber wies ihm bald noch, daß er sich schon länger in Berlin aufhält, und bei Zietzmann oder in Hotels hauste. Er hat schon wiederholt mit der Polizei zu tun gehabt und war vor einiger Zeit unter dem Verdacht de» Notendieb st ghl» schon ein- mal festgenommen. Für seine Taschendiebstähle hatte er Zietzmann als Helfershelfer gewonnen. Er verlangt« erst, dem amerikanischen Konsulat vorgeführt zu werden, weil er amerikanischer Staatsbürger sei. und wollte zunächst auch kein Wort. deutsch verstehen. Dann aber beruhigte er sich und auch mit der deutschen Sprache ging es endlich ganz. gut. das Urteil gegen öas Fola-Sach-daliett. Gefängnis- und Geldstrafen. Die Beweisaufnahme in dem Prozeß gegen den Veranstalter und die Mitglieder des Lola-Bach-Aalletts ging verhältnismäßig schnell vonstotten, da da» Gericht infolge der gestrigen„Jnauzen- scheinAohme" imstande war, vieles Nebensächliche in Wegsall kommen zu Elsten. Heiterkeit rlek die Bekundung einer als Zeugin geladenen Frau Pfeiffer hervor. Diese'war, als sie im Skala-Theoter keinen Platz mehr erhielt, auf Veranlassung ihres Mannes zu einer Ver- «Niftjjltunz der„Gesellschaft der Kunstfreunde" mitgegangen,»hne vorher zu wisien, um wns rs sich handelte. Sie hätte dort den „Spitzentanz" gesehen und diesen so unanständig gefunden, daß sie ihren Mann selbst aussorderte, nach dem ersten Tanz zu gehen. Landgerlchtsdlrektor Drennhausen bemerkt hierzu, daß die Zeugin in ihrer Anzeige davon gesprochen habe, daß gerade E h e m L n n.e r ständige Besucher derartiger Nackttänz» seien und daß dadurch das Eheleben zerrüttet werde. R.-A. Dr. Fr» y stellt demgegenüber unter Beweis, daß der Ehemann dieser Zeugin im strikten Gegensatz zu ihrer jetzigen Angab« erklärt habe, daß er die Tänze keinesfalksunanständig gefunden,.sondern'sich sogar 'noch stundenlang dabei gut«miisiert habe. Die Vernehmung mehre- rer Mitglieder der„Gesellschaft der Kunstfreunde", s» des Haupt- manne Schmidt von Stempel, Jnstizobersekretär G« n t s ch, Kaufmann Julius u. a., welche die Kontrollbeamten beobachtet hatten, ergidtz daß die Kontrolle eine sehr genau« war, um den Zutritt fremder Personen zu verhindern. Die Zeugenvernehmung war hiermit beendet und die Sachver- ständigen hatten das Wort. Der Sachverständige Ballettmeister V l«« v a l e t bekundet, daß er die Tänze nicht als vollwertig künstlerisch ansehen könne. Schriftsteller V r e t t s ch n e i d« r, früherer Generalsekretär des Verbandes Deutscher Varietotheater-Direktoren und gerichtlicher Sachverständiger für artistische Dinge, erklärt« in seinem Gutachten, daß nach seiner Meinnug bei dem Lolo-Vach-Vallett der kunst- l« r I s ch e Wert und der künstlerische Ernst alle übrige» M« m e n t'e ü b e rw i e g t. Der Sachverstandize Schriftsteller Karl V a n s« l o w vertritt die gleiche Ansicht. Sachverständiger Dr. S e b o l i t s ch k« bekundet u.«., daß die Darstellerin der„Nonne" in einem oberbaqerischen Dorf diese» wahrschein- lich'nicht lebend verlassen würde, ebenso aber auch die Darsteller der„Pfarrhauvkomodie". Gerade er als Katholik habe an der„Nonne" keinerlei Anstoß genommen, sondern sei durch die rein künstlerische Darstellung der Seelenerregungen der Nonne ties ergriffen gewesen. Die Sachverständige, Tanzlehrerin Grimm- St e i t e r, bezeichnet die Angeklagte Lola Bach, al» ein« sehr b e- gabt« und strebsame Tanzkünstlerin mit sehr viel ernstem Wollen und Können. Sie selbst sei Gegnerin der Nackttänze. In später Abendstunde wurde da» Urteil verkündet. Lala Wach wurde zu 1 Monat, Dr. Völker zu Z Monate» Gestngni» unter Zubilligung von Bewährungsfristen verurteilt. Außerdem wurde aus Geld st ras»« von 500 bis.lOOo Mark erkannt. Annoncen dne btr gefährlichsten Formen der Woh> nungsverschiebung darstellen und geeignet sind, die Stim- mung der wohnungsuchenden Bevölkerung zu erregen, die immer wieder darauf hinweist, daß derjenige, der über genügende Mittel l«erfügt, in der Lage ist, sich durch Kauf eines Hauses eine Wohnung zu verschaffen._ Neberschwemmungen durch Wasserrohrbrüche. Mehr als 100 Ueberschwemmungen sind in den letzten Stunden bei den Feuerwehren Groß- Berlin? gemeldet worden. Infolge des strengen Frostes sind viele Wasierrobre eingefroren. Die Folgen davon sind zahlreiche Rohrbrüche, die ins- besandere dann großen Schaden anrichlen, wenn die Inhaber einer Wohnung nicht zu Hause sind, und die erst bemerli weiden wenn das Wasser durch die Decke in die unlere Wohnung zu rieseln beginnt. Ztraßenbahnzelkkarken erst vam Z. Februar ab. Mit Rilcksichi darauf, daß die Entscheidung der Sladtverordnetenveriammtung über den künftige» Straßenbahniarif erst am 2. Februar erfolgen kaiin, werden Zeitkarten und Zeitkarienmarlen für Februar e r st vom S. Februar a b ausgegeben. Die HaupianSgabestelle Leipziger Platz 14 und die Zweigstellen Rollendorsplotz, Straßen- bahnbot Ackerslraße und Eharlottenbnrg-Westend sind am b. Februar v«»» bis S Uhr geöffnet. Die Zeilkarten für Januar gelten bis zum Ablauf de« 3. Februar. Ver Milchprels für freie Ballmilch und Emulsionsmilch wird inf»l«e Herautlctziiiig des Erzeugerpreises frei Beilin um 15 Pf mit Wirkung vom S. Februar d. I. ab auf S.20 M. kestgeietzt. Der Brei» für Kartenmilch beträgt nach wie vor 4 M. Für die in Graß-Berliner Kuhhaltungen erzeugte Milch gelten dieselben Klein- Handelspreise, ver Tod»» Ose». Der Sattler Albert Lemke wurde gestern abend in seinem Ladengeschäft, Landsberger Sir. IIS, auf'einem Stuhl vor dem Ofen sitzend, tat aufgeiunden. Allem An- schein nach hat L., als er sich an dem Ofen aiifwärmeii wollte, ausströmende Kohlen oxydgaje eingeatmet und so seinen Tod gefunden. Da» Ausspringen auf einen fahreuden Eisenbohnzug hat wieder ein Opier geiordert.' In der vergangenen Nacht wollte der 45 Jahre alte Arbeiter Rabert Richter am dem Balnhos Aleranderplatz den Stadtbahnzug. der sich ioeben in Bewegung gesetzt halte, be- steigen. Dabei wurde er vom Zuge erfaßt, zu Bo.den ge- schleudert und ein«Strecke mitgeschleiit. Mit schweren Betletzungen sand«r im Kranlenhause FrwdrichShain Aufnahme. Grofi-Serliner parteinackrichten. Niel«, kharlottendurg. Mittwoch, de» t. gebruar, Uhr, er- Ta�Vf-Ei weiterte Vorstaiidobhuna im zimmer 1 dco Aaihause«. AicU. Lchöueberg. fliüJuio«, de» t. Februar, 8 Uhr, bei Friedrich. Wartburgstr. S, wlchtizc Lltzuug der P«ltcil»uktlonäri»»cn und Mitglieder de» Wohifahrt,°N«schuffeo. gm». Tiergarten. 2or.n»r»t,z. de» i. Fetr««r, 7 Uhr, Kreisvor- siand»gh!!»».— T.i Uhr erweiterte*tti»o»vfi«iitis(i()«»9 bei Tiiim- pee, FIe»«burgee Et«. 3. wichtige r»le»»id»ung. «tel». Nxazbe.'g. f»r,Ket»t«j, de»». Fetr»«e, Uhr, Sijinng der Ur»eit,»e»ei«sch»st»ee OSte»»beirtte Sei tzein,«. Di s'enbach. srraße S7.»licrnbeiigie und inieregierte««»»gen habe» Zutritt. ,— Ferner Sonnerotgg, den l. Februar, 7 Uhr, Nonfrienz be: Fun!- tionarinnr» bei Steim. Urbanstr.». Lebensmittelpreise des Tages. Zufiihr: Fisch.«tTris»usreichend, Geschäft rnhi». Fleisch r.i.hlioh, Geschäft rege. Obst und Gemüse schwach, Geschäft flau. * Arn jeestTigen Di.nsta«; wilt.m in der Z.ntralmarkthall. folgende Kleinhandelspreise: Lciieade Hechte 24—25 M., in Eispacknng 11— 12 M. Plötzen 8 dl. und Flundern 10 M. das Pfund. Bleie 12 M., Karauschen 18 M. Schleie kostete* 80—84 M. und Seeforellen 9 M. Das Pfund QrUnd Heringa 5,50— C M.— Hammelfleisch 18— 17 M. Schnitzel stand mit 24 M. »usgezeichnet. Schweinebauch 25 51. nnd Kamm 24 M. Eisbein das Pfund 10 M. Rinderleber 22 M., Schweincleber 24 M. nnd Kalbsleber 26 il. Könlgsberger Fleck 9— 12 M. das Pfund. Kalbsgekröae 10 M. Knochen 3—5 M. Schabefleisch 20 M. Schmorfleisch ohne Knochen 18 M.— Puten 22—25 M. nnd GSnse 28— 23 M.— Naturbutter 45—62 iL Margarine 23, 25 und 30 M. Gänseschmalz 45 ick., Rückenfett 28 M.— Das Viertelpfund Spilzkäse kostete 3,40 U.— Fetler Speck das Pfund 82—36 JI.— Eier waren nicht an haben.— WeiBkohl 2.80 3 il. und Wirsingkohl 3,50 14. Rhabarber 10 M. das Bund. Rote RDboe ein Pfund 1,76 M. Wivtfäaft vrotgetreiöepreise im letzten Monat. Die kommende BrotpreiSerhöhung wirft ihre Schatten voraus. Mühlen und Bäcker suchten sich im letzten Monat noch billig einzudecken, um dann an den höheren Preisen profitieien zu können. Dazu kam jedoch, daß am MonatSanfong bereit« die Preise de» freien Marktes dadurch über ihre normale Höhe hinausgegangen waren, weil die ReichSgetreidesielle am freien Markt al« Käufer auftrat, um ihren Bedarf an Einsubrgetreide, deren Bezahlung Devisen erfordert, durch Ankauf inländischen Ge- treide» verminder« zu können. Eine Gegenüberstellung amtlicher Kotierungen deS Berliner Pro« duklenmarktei von Anfang und Ende Januar ergibt folgendes Brid: 2. Januar S1. Januar Weizen, märkischer, 5V kx 876-882 407 Weizenmehl 100 tg. 930— 1075 1040—1140 Roggenmehl 100,. 730—810 840— 010 Obwohl alio schon am MonatSansang preiserhöhende Momenie vorlagen— am 15. Dezember v. I. war die Weizennotierung auf 334—887 3*. je 50 Irx g-slieg-ii. während der Roggen ebenfall» inner- halb der beiden letzten Wochen de» vergangenen Jahre» um rund 40 M. je 50 kg gestiegen war—, setzte sich die Bewegung im Januar noch sort und e« kam zu weiteren Preissteigerungen am freien Markt. Nicht unwesentlich wirkte tzdabei die Verschlechterung de» Mliristande« von rund 180 auf rund 200 je Dollar im Lauf« des MonalS mit, zumal durch den freien Handel die inländischen Getreidepreise mit den bei Balutaschwankungen starken Aenderungeu unterworfenen Welimaritpreise» eng verlnüpjt sind. Heute. Mitttroch, den 1. Februar: IL Abt. 7 Uhr FunQlonäroersammlunz bei verger, Leeetzow.. Ecke Iagow. ftr-ijje. !«. Alt. 7 Uhr eOnflTidj bei fflidjmenn, rSetgenburger Str. 1, Sitzung oller ffunliianLr«. 32. 7>bt. Pünktlich 8 Uhr gunkiiar.irsitzung bei Schuckert, Vübereborser Sir. 3. Abtechmm. für Heu Betgengenen Mannt. Erscheinen Pflicht. 7». Abt. Schoneierg. Zu dem heute nbend 7V4 Uhr im Zeichensaale der Ee- meindeschule geuriostr.«7 fwilfinbenden Vertrage„Jugend und Sazlalie- mus" werden unsere Genassinnen und Genassen ersucht, teilzunehmen. lb«. Abt. Reinidendeif.pft.« Uhr Sitzung de« engeren Vorstandes bei Lind- stedt, Refldenzssr. lZv— tvt. Zungsezielist«».»rttgne•chinebetg-sstirdenen. IV, Uhr»ffentlich- Versammlung in der Gemeinbeschule Reurigflt. 57. Thema:„Jugend und Soziallsmus". Jl-f. Weimann.— SesemtB-renssaltung für fäntUiche OtUßiuppen. »7>4 Uhr im Saal der Zurlflischen Surediftunde, Lindenstr. 8, Vortrag Uber: „Planwirtschaft und segialisllsch, Wirtschaft«», litil". jleferent Redakteur Saternu«. Frauenveranstallunzen: »». ML«IpenIS. IM Uhr bei JRüIet, Alter MarkL ZNorgen, Donnerstag, den 2. Februar: ?'.?,.�br bei»urg, Veen, lauer Aller IM,«ichtige flunktienärsitzung. Zungsazinliften. Gruppe Schtzneberg.Friedeneu. 7',; Uhr bei Gross, Sedan- ftrass« 17, lese abend:„Um die Jahne der deutschen Republik". » «chwng, Beamte und Angefielt«»er gefinen und bleue,,»all, ei! Danners. tag, den 7. und Freitag, den 8. Februar, 7 Uhr, in der Aula des Sophien- Ncalaymnastums, Deinmeisterftr. 15, Versammlung. Tagesordnung:„Die Pflichten und Rechte der Beamten im neuen Deutsdiland". Nef. llcgations, rat Dr. Walter gechlin. Freie Ausspreche. Zum Ausbau drr kohlen wirkschafi. In den Bcrbandsorganen einiger Afa-Verbände ist ein Artikel G. Werner» zum Ausbau dcr Kohlenwirtschast erschienen, der sich mit der durch die Verhandlungen in Cannes notwendig gewordenen Erhöhung der Koblenpreise befaßt und der darauf hin- weift, daß auf Grund des Kohlenwirtschaftsgesetzes der Rcichskohlen- ' rat die Möglichkeit Hai. äußerst weitgehende Eingriffe in die Kohlen- Wirtschaft vorzunehmen, soweit der Absatz in Frag« kctrmL Der Reichsko'iienrot soll nach dem Gesetz die„g e m e i n w i r ts ch 0 s t- liche" Organisation der Kohlenwirtschast regeln. In de« Aus- führungsbestiwmungcn heißt es: „Z 47: Der Rcichskohienrat leitet die Brennstoffwirtschast ein- schließlich dcr Ein. und Ausfuhr nach gemeinwirtschaft- lichenGrundsähcn....... 5 49: Er hat d». Recht, allgemein- Richtlinien für die Brenn- stofswirtichast zu geben, insbesondere zur Ausschaltungun- wirtschaftlichen Wettbewerbes und zum Schutze derverbraucher" Auf Grund dieser weitgehenden Befugnisse ist der Reichskohlenrat imstande, grundlegende A-nderung«n in der Kohienwirtschaft vorzu- nehmen. Die Kohienpr.ise sind infolge der heutigen Art der Festsetzung für gleiche Sorten in verschiedenen Revieren sehr»erlchteden. So kostet z. B. die Tonne Steinkebke gewasch. R»ß: Rbeinlaud-Westfale» 440 M. Waldenburg... 807„ «achen-Rordsiern. 750. Braunkoile-Briketts: Rheinland... 222 M. Mitteldenlskblanb 825, Frankfurt a. d.O. 407„ ?ugenüveransta!tttngen. Aerein«rieltei-Z-gcat»ress.Aerlin, S«.«». iindenfir. I, S. tzef, S Trp. Zelcphen Meritzpletz>!t 0»- 171 t». ZNIkgliedsrversammlungen am ZNiktwoch. den t. Februar: «»hnsdsrf. Jugendheim«-»eindeschule Dahmefiresse.— heim Gemeindeschule»erktplatz.— Friedricheleld«. J»g Strasse«4.— Fried, i«»Hagen. Jugendheim Scharnweberl ?m Zeichen Üer Wohnung»not. „Für Käufer wird Vierzimmermohnung frei." Durch Zellungsanzeigen Wohnung?, und Geschäftsräu«« ohne Erlaubnis de» Wohnungsamt» derjenigen Gemeinde, in der die Räumlichketten liegen,«nzubirten, ist nach 5 1 der Verordnung des Wohnmigsverbandes Sroh-Berlin vom 24. Dezenrber ISIS verboten. Derartige Anzeigen, die häusig in den TagezzeiUingen »rscheinen. sind geeignet, da» Publikum zu dem Versuch zu verleiten, nicht auf dem ordnungsmäßigen Weg« der Zuweisung durch das Wohnungsamt, sondern unter dessen Umgehung anderweitig in den Besitz einer Wohnung zu kommen. Gegen diese Verordnung verstieß ein« in einer Berliner Mittags- zeiiung erschienene Annoner. in der ein in Ehariottenburg gelegenes Wohnhaus zum Kaufe angeboten wurde, insofern, als st- mit dem Zusätze versehen war:„F ü-r Käufer wird D i e r» � z i w.m erwohnung frei". Die Annonce wurde infolgedeffen Segenstand der Strafverfolgung,.die dazu führte, daß der Wohnung». «nbieter in der Berufungsinstanz»an der ersten Strafkammer des Landgerichts III Verlin««gen unbefugten Inserierens einer Woh» nung zu 10 0 M. Geldstrafe, im Unvermögensfall zu 10 T a g e n Haft und außerdem zu den Kosten des Verfahrens verurteilt wurde. Es muß mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß derartige- LtzpeniS. Juzend» stresse«4.— Fried, i«»hegen. JugeäShei» Scharnwe�erstr. 1(5, Varlr,»� „Crffe Hilf« bei Ungltick-fällen".— NealsSetf. Jugendheim Gemeindeschui, Adolsfiress«.— vichienber». Jugentheim Parkeue Ig, Vortrag:„Die Revalu- ti,»»,n 1(4»".—«ahlsderf. Jugendheim Gemeiudeschule«alderseefiratze.— «erieNderf. Jugendheim Schulderes-«tznigstratz,.— Aceuileuec Verteilt. Jugendheim«emeindeschula«enefeldertir.»— t.—»chlneberg I. Jugendheim Zeichensael»emeindeschni« ffeuriefir. g7, Varirae:„Jugend und Parte!".— Achtznheus«,»rrpedt II. Jugendheim Semeindeschule ib-lhsemanestrass-.— «4peniFe,»ieetel. Jugendheim»emeindeschule»raugelfir. I?5.— r-mpel- baf. Jugendheim Scrmaniastr.«— 7.— Besten. Jugendheim Bauaewerksa.ule Nursllrstcuslr. 141._ Vorträge, vereine und versammlunaen. »erel« de« ffriideel» für fftnertedattnng. V«,ie, Ai.gNtz.«irtm.ch,»en I. fiehruer, edend» 7� Uhr,»itglieberVersammlung bei Schellhas«, Steglitz, «hernstr. Ii». Die Senessen werben ersucht, fich reg, ,u»eUiUgen. «,„ff-�d Ihtlmihmmu Reede«»ecHn IW ernnfWIMea AAgNch ihr »f«»l«hrig»e« i u t e r s ch«>» m k e ft in dem gut besuchten« i e a t» e d « e d b i n g. Da, Vregramm wickelte fich flstt eb. Reigen,»tef-lten, Teller- tauchen und Speingen wechselten, dezleiiei vam Veisall her anwesenden»äste. Sehr viel Sei! wurde auf de»„Valksiilmlich«"' gelegt, das durch den ganz hübschen Jugendreigen, den van S Damen» nnd i Herrenmligliedern eufgc- führten«unitreiaen und durch da» sehr gilt ausgearbeitete ssigurenliegen zum Ausdruck gebracht wurde, sswe, Basserballspiele beendeten da» Fest. Resuftet«. Sskele«rtzffnungsftafett«(4X50. Meter): I.„Vsr. wfirts" iM; i.„Belle" 7�7; 3.„Rarden" Sch».— Int. Tellertenchen (15 Teller): 1. Fischer, 12 Teller; 2. Vurkhardi, 10 Teller: 3. Reumann, 3 Teller. — Lakeies Mädchensch w i m m e n(75 Meter): t. Deisler.Vörden" 1.22; 2. Hardt„Varwiirts" I�2)t; 3.«laiie.VeuiLIn" 1,24.— Int. »Snnerbru st schwimmen(100 Meter):»> über 17?.: I. Grund' 1-33'i: ». Bunde 1,-l34t: b) unier 17 I.: I. S. Schill»« t.SO; 2. Vrunlkew-ki IH,�.— �r«l»» tfjsjy I>*;:» e N N« r� 1. Lehmann.Ttarwär.»� S»u tr&etf % P.; 2. Prebel„Veuk'dll»" 26% 8. Uli-„Verden" Zi V.— Lekale ugen». Lagen- Stafette s«XS» Vteter): 1...Veu5dlln" Z.«g: 2...«ar- �«rt» 2,46: 3.„Melle" 2M0k.— Pnmen-Vruftfchwimmen: gl über 17 J. 1« Meter: 1. Ktzgler 2 Rick 2.»: d) unter 17 J. 5« Meter: 1. SB.«!.«>: 2.«br.h.m l.gdOt.— tetales Snti n g e n: 1. Thulmenn „Belle" H% V.; 2.«rund„«»»den" MM P.;». Srnchie„Verden" nM P.; 4. Kreutzer„Verden" 1»?.— Int. NurDe Strecke(0« Meter): 1.«rund 310t; 2. Steinke 33; 3. Strahl ZSfit.— Lakele Jugend- Bru st stafette (4X50 Meter): 1.„Vorwärts" 3)4; 2.„Neuiälln" 3,03; 3.„Südost" 3,05.— Wafserballfpiele: Berliner Schal imm-Unwn—Larwürts-Lichtenbg. o: 6; Welle— verwaris-Ziardeit»:«, Di- Schwierigkeiten, bie sich aus der verschiedenen Preishohe be- reit» heute ergeben, müffen sich In absehbarer Zeit, wenn, wie es schon in anderen Ländern der Fall ist. auch in Deutsckland Kohlen- Überfluß einsetzt, ungemein verschärfen Im Gegensatz zur Vorkriepgzeit können die Löhne der Arbeitnehmer nidii mebr diese eroßen Unterschied« wie früher«"iweisen sondern e» muß mindesten, f-ivi-l aezcßlt werden, um dem Arbeitnehmer die Arbeitskraft zu erbalten. außerdem aber den Bergbau zu befähigen, neue Ar b e i i, k r S f t e- aus anderen Industrien heranzuziehen Diese Sckiwierick-iten werden durch die Forderungen der Entente in Gfnn'* noch verschärft werden. Eine grundlegende Reuregelung mawt sich notwendig D-shoib wird die Forderung autgestellt, der ReichskoHlen- rat solle d's Kohlenwirtfchaftsgesetz dahin auslegen, daß 1 für al eiche Sorten gleich« Breite kür da» gesamte 'Deutsche Reich innerhalb der Grenzen, die durch Frachten vf». be- hingt find, d. h. mit einem Echlagwart ausgedrückt, Einheitspreise ' �unabhängig»an den V'rkanfevreif-n die Greise sestaeletzt w-Den. die den»« r k e n für ihre«rnduktion»u»«dlen lind. d. H. es müssen Berrechuungspreis« fesraelegt»erden, die de» Berkau feeinheitevreis unterschreiten und übersteigen und die aus den S- i b st k» st e n der Werke bolleren v v.»,« Praktisch bedeutet da», daß dem Reichskohlenverband die Befug- niffe eine« Zentraisnndikates übertrogen werden, welche« als Reichsousgieichskalle wirkt. � m-*., v. Diese voroeschionenen Aend-rungen lienen m der Riwwng ver Koh!enf»ziolisier"Ng di» b-kanntlich im R'mkt? der zehn Färber unaen der Gewerkfchoften enthalten ill. Es ist u. E. erforderlich, daß di, sozialistischen Part-i-n lle iw Bariament unv s«»ndfich den gemeinwirtschastlichen Auahau der Kohienwirtschaft»orwart, treiben. Di« S Wfiernn, der Kahllaikpreise.«h* die erßSbte Kalle». lleuer v»n so Pia,, in Kreit getreten ist. hat der ReußSkablenrat ein« Heraufietzung der Koblenmeiie um 50 M. je Tonne im rheinifiki- wellkälische" Gebiet und enisprecbei'd in den anderen R-Vieren be- fchlallen. Im Ei'enwirlschaftShund tll eine E�niaune üher em, vor. iäusige Preis-rböHllttg um hurdif-hnittlicki etwa 7 Pr»,. erfofaL Stabeisen stellt llw dann nnk 5550 mf., anNatt bi'her 8030 M ie Tanne. In dieser PteiSerböbiina ill di- Erböhiina der K-bi-n. ft fiter, der Fra«'en und d-r fanftiaen SeibdkaNen b-reit, berück. llibtigt Die tn Her letzten S-Ann« de» Roheifenai'Sichi.lle» de» Eis-n-Wii>fd'«'fSbnnde»»ewä'ckte Kommi'll«,,'-tzte die M o b e i k e n. v e r f a»'«V r r i fe tssr».-'ernn»-n aß 1 Februar wie faM frft; Daematit S07N m,„m 83 Vt höher.« i e ß e r e i r a h e' s'N I 3447"W.. um 121 8? häh-r. G i e tz e r e i r» H e i s e n III»»71»d, gleichfalls um 1S1 M. Höher. V?etier bis Tonnerafog miftag. NeSermtegend frfide m't wieder- baffen stliedeifchläaen und schwachen Winden auS den östlichen Richtungen. V-�tzttzch, chtlltzl' sifil?Zl,I7 Kohlen sparen Sie durch Gebrauch des seBMttClisen Waschmittels„ P c r$ 1 1". Ohne Chlor oder schädliche Bestandteile 1 11. Wäscht und bleicht gBeichzeillg * SV � niur cinnwligem'/«stüncBgcm Kochen. igeld Preis: das Paket M. 7.00. Alleinige F�xikanten: HENKEL& CIL.» DÜSSELDORF, •Mh der JUakm". IMcel's V«di- mi Blekh-Soda. I axrrxxxxxx 39 PJD' f Tläeater I liöitftssldufw,! «o CSOOO AJCNASüOaOu Operuhaos Außer Auonnement Die Zauberftote __ 7 Unr_ Sc�anspielhaGS Peer Qynt Vi, Unr Deutsch. Theat. 71/,: Gin Traumspiel Donners». 8: Bajazze. Das Abenteuer Kammerspiele S: Anatol Donne staf I Anatol Gr.Schauspielh. TolksitihHcT Theater trr Bülowpiat* »'.''.itÄ1 X'1 ;s-.-r 1* '•ijÜtll'■ h! di«■rstmuit ahruno im Thieaiter i. d. Königgrätzer Str.: Die wunderlichen Geschichten des Kapellmeisters Kreisler Phantastisch* Melodram nach E. T. A. Hoffmanns Leben nnd Erzählungen Ton Carl Meinhard nnd Rudolf Bernauer, Musik von E. N. v. Reznicek ist Ruf Sonnabend, den 4. Februar, verlegt worden. Prer* fÄr die Premiere: 30—400 Mark Preise für die Wiederholungen: 12— 250 Mark (Karlstr«ßc> 7 Uhr z 1. Male: Schwedisch. Ballett Donnerst,?1/»• Schwedisches Ballott Theater 1. 4, Röniooratz.St. Bis Pretia« keschlos« Sonnabd. 2um 1 Male; O. wunderlichen Geschichten des Kapeilmeisters Kreisler Pnanust. Mrlodrsm noch E-T A Holtmanns Leben u Erzihluneen von Carl Meiakard u. Kud. Bernauer. Musik am tel'w. Benutzung von Motiven aus Holl- manns-Urdine" und Mozarts„Dos Juan" von E N. von Reznicek. Ludwig Hartau, Alfr.Abcl,Charl. Schultz, Franzis. Kinz, Paul Büdt, Frieda Richard, Robert Scholz, Ernst Dernburg, Paul Rehkopf, Hermann Picha, HeinzAlexander Ernst Behmer KomSdienbaos r*g.ich7�o U»r K®TusSe„ mit Maria Orska Joh. Riemaan Ralph Art. Roderts Berliner Tb. Täglich 7�0 thr: (Prinseffin Öfafri ymfyWwWH�ww tmmy Sturm 1 Herb. Kiper, L*.ls IJCalJ�rjWallTKMl, Rotterbühnekj - Tägl. I U.- IV Tria.on. Theater B L O A Kl. in*. Th.at.r Bahea hie aicki» zu vertanen? Residenz■ Theater Heut« 7 U• z 1 Male Emerrautkn.rtdeiitnag Mieriüsifss (Rose-Thcatcrl 7 V, Uhr: Die fträfln ton Kempioski _ ISprecathsasrl_ Cäsinö-Theatcr Loihring.Str.77 TIgl.7%4 Die neue Berliner Posse TamilieUHsekltii Vorher Lackende Lleke Cev-Hossem d neuest Schlager.Bumme trotf Stg. 3', Geatlndala RalcNshallaaTh.atar Allabenulich 7'/, Uhr u . Sonnt nehm 3U. Stettiner Sänger Nachm. > halbe Pr h'i t&hl Dönhoff- Brettl i AnLJ'/tUhi u'; Baoer als Millloiiiir Lesslnp-Theat. u'hr Die rote Robe Donnerstag 7 U.: Pesr Gynt froltsg bis Mantf Vfr- Plamsi« BeatseliesHÄStler-TI Heute bi. Breiig 1>, Vei'tieilizekivbni� Adalbert.) Sonnah. 7: Gastip de« Moskauer Kflnstler-Th. Der Klrachgartea Sonniag 7: Jede Wellheil ktt elnea Hdkca Montag*7 Uhr zum 1. Male Hamlet Central-Thaatar uhiDes Detektitmiiiiel Deulachts Cparahtus 7V, Uhr; ObCrOfl Friede.-Wilhelmst. Th. ?'/, Uhr; Intime« Thtaier 8; Badende Nympita (iiausig. Experimenl Qusitve, e« kliizt Klaln. 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