Nr. 62 ♦ ZH. �ohrgoiig Ausgabe LS Nr. ZI Bezugspreis: ?IkrtkIj!!hrU«>),— M.. monatl. N,—?R. frei ins Haus, voraus zalildar. Poft» bezug: Monallich 20,— M, finfdiL Zu- ftcUunqsgtbllht. Unter Kreuzband Hit Deutschland, Danzrg, das Saar» und Mcmeiqediel, sowie die ehemals beut- schcn Det'ele Polen», Oeslerreich- Ungarn und?uxenidurg it.— M,, für das li'jnce Ausland 72,— M, Post- dellellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Elowalei, Däne- tnark. Holland, Luxemburg. Schwede» und die Schweiz. Der»Vorwäris� mir der Sonntag»- beilage.Boll und Zeit", der Unter- hauungsdeilage„Jitinnnelf" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sana» lag» und Montags einmal. Telegramm-Adresse: W?ozialvemorr>» verlla� Abend Ansgabe BcHiucr c Groß» Bertin 40 Pf auswärts 50 Pfennig D AuzrigenvretS,» Dt« zehnges palten, Bonvaretllezetl, kostet s,- M.»letne Auzeigea" da» lettgedruekte Wort 4.— M,(zu lässig zwei lettgedruckt» Worte), rede« weitere Wort ich« PI Slesiengeluchi and Schlaistellenanzetgen das erst, Wort lchll M., lede» weiter» Wort l.— M Worte übet Ii Buchstadeo zählen Hit zwei Worte izamtllen-An jeigen lllr Abonnenten steile 4,-® Die Preise verstehen sich emichlteftllrt Teuerungszulchlag Anzeigen fllt die nach tt e ckiumme, müssen dt» 4> Z Ahr nachmittag» im Hauptgeschält. Berlin EWtilt Lindem stratze Z, abgegeben werben Geöffnet »on S Uhr lrsih dl» S Uhr nachmittag» / �entralorgan Äer sozialclemokratiscken Partei Deutseklancis Neüaktion unü Expedition Fernsprecher- SW bS, kinüenstr. Z ■Vi ort KP lau 151»5- 07 Morispla» 117 5:1-51 i Montag, den 0. Februar!()££ VorwartS'verlag H.m.d.h., Elv öS, etnöenstr. Z » Verlag, dsirvedttlon un» �itteratri». »zerniprenier. �Ntritun« Moritivlan>i7.'.:i 5t Vermittlung im Eisenbahnerstreik. Berlin ohne Waffer«nd Licht. Die Lage Im Elsenbahnerstreik hat wsofern eine Verschärfung erfahren, als in der Nacht vom Sonntag zum Montag die b a d i s ch e n Lokomotivführer in den Ausstand traten, doch werden die aus Württemberg kommenden Züge weiter durchgeführt. � Der sozialdemokratische Parteivorstond hat nicht zuletzt aus außenpolitischen Gründen und um weitere wirtschaftliche Schäden zu vermeiden, die schwierige Aufgabe übernommen, eine Aktion zur Beilegung des Streikes einzuleiten. Schon am Sonnabendnachmittag verhandelten die Ge- Nossen Hermann Müller und Otto Wels mit dem Reichs- kanzler und später mit maßgebenden Mitgliedern der Reichs- gewerkschaft mehrere Stunden über die Differenzpunkte. Wie bereits gemeldet, wurden die Verhandlungen mit den An» gehörigen der Neichsgewerkschaft auf Sonntag vormittag ver- tagt. Am gestrigen Vormittage einigte man sich oüf Vor- schlüge, die einer um lls� Uhr stattfindenden Sitzung in der Reichskanzlei, on der von der Sostialdemokratie die Genossen Müller und Wels, vom Zentrum Spahn und Höste und von den Demokraten Erkelenz teilnahmen, vorgetragen wurden. Später trat das Neichskabinett zusammen, um über da» Er- SBebnis der Verhandlungen zwischen Parteivorstand und leichsgewerkschaft zu beraten. Nach Ueberwindung gewisser Schwierigkeiten stimmte das Kabinett dem Vorschlage zu. am Montagmorgen 10 Uhr mit den SpitzenorganUationen einschließlich dem Veamtenbund, dem bekanntlich die Reichsgewerkschaft angeschlossen ist,' Verbandlungen über die Beilegung des Streikes zu führen. Das Mandat zur Fübrung der Verhandlungen für die Neichsgewerkschaft als Unter» Organisation des Beamtenbundes h«t die V o st- u n d T e l e« graphengewerkschaft erhalten. Die Verhandlungen werden sich hauptsächlich auf sachliche Forderungen der Streikenden beziehen. Ueber die Ansprüche der Reichsgewerkschaft sind vielfach falsche Mitteilungen gemacht worden. Es trifft nicht zu, daß die Streikleiwng Aenderungen im Reicksner- kedrsministerium oder irgendwelche andere behaupteten Maß- nahmen verlangt, sondern die Wünsche gehen dahin, daß keine Verlängerung de r� Arbeits zeit und eine Erhöhung der Grundgehälter Eintritt. In /naßgebenden Kreisen erwartet man. daß die Bespreckun- gen zwischen Negierung und Gewerkschaften bald zu einer Ver- ständic�unq führen und die Reichsgewerkschaft in aller Kürze den Streikabbruch ausrufen wird. Sobald eine Einigung er- zielt und die Streikparole rückgängig gemacht ist. wird die Verordnung des Reichspräsidenten zurückgezogen werden. 5zeute vormittag begannen die Verhandlungen kurz nach 10 Uhr in der Reichskanzlei. Zunächst sprach der Reichs- kanzler über die Innen- und außenvolitisch« Lage im Zusam- menbang mit der gegenwärtigen Sittiatiov. Anschließend er- örterte der Reichsverkehrsminister die Streiklage.— Für 12 Uhr sind die Fübrer der Koasttionsporteien zur Reichskanzlei gebeten, um über den vorläufigen Gang der VerHand- lungen unterrichtet zu werden. Die Lage im Streikderstädttschen Arbeiter. det über die ganze Berliner Bevölkerung wie eine Katastrophe hereingebrochen ist, ist noch völlig ungeklärt. Einstweilen Ist dn» gesamte Erwerbsleben gelähmt, und man kämpft an ver- siegenden Brunnen um ein Glas Wasser. Aus den Kran- k e'n h ä u s e r n kommen Hilferufe wegen des schwer gefähr- deten Lebens der Kranken. Daß die gesamte Berliner Presie gegen diesen gewillen- losen Streik aufs schärfste Stellung nimmt, ist selbstoerständ- lich. Nur die„Rote Fahne" ist natürlich so..arbeitertreund. kich", ihn nicht nur aus vollem cherzen vi billigen, sondern auch mit allen.Kräften weiterzuschüren. W i r haben unterem a-stern ausgesprochenen Urteil nichts hinzuzufügen. Dieter Stteik schädigt in geradezu furchtbarer Weise nicht nur die Eristenzbedinaungen der Arbester. sondern auch ihre ganze Bewegung. Auf seine rascheste Beilegung hinzuwirken, ist die Pflicht jedes Sozialdemokraten. Warum wirÜ Serlin bestreikt! Offenbar fehlt e» an einer authentischen Erklärung Über die V». beutung des Zwischensatze» Im Schiedsspruch, wonach die alten Mantcliarlfe—„mit den von beiden Parteien überetn- stimmend für zweckmäßig gehaltenen Abänderun- gen"— bis Ende Juni verlängert werden. Während noch der Auffassung eines Organisationsvertreter» die Bestimmung böses Blut machen soll, daß die unständigen Arbeiter nicht mehr wie bisher nach sechs Monaten in den Genuß aller so- zialen Leistungen kommen sollen, spielt diese Frage— wie au» den Kreisen der Streikenden selbst versichert wird— kein« große Rolle. flufruf zum Streikabbruch. Die Porstönde de» AVGB. und der Afa werden an die streikenden Gemeinbesrbeiler einen Ausruf richten, der zur sosortigen Wiederaufnahme der Arbeil auffordert. Der Aufruf soll möglichst noch im Laufe de» heutigen Nach- mittag» zur Bevbreitung kommen. Lm Gegenteil, die älteren seßhaften Arbeiter seien nicht darauf er- picht, daß den neu hinzukommenden nach»erhältnismößig kurzer Zeit schon alle die Borteile zufallen sollen, auf die die ständigen Arbeiter jähre- und jahrzehntrlang werten mußten. Ein Genosse, der mit in der Streikleitung eine» städtischen Gas» wirk» ist und der uns als ruhiger, besonnener Mann bekannt ist, gab auf die Frage, weshalb nun eigentlich der Streik trotz der Ver- i längerung der alten Manteltarife unternommen wurde� folgende Erklärungen:„Wie in dem Schiedsspruch, wird auch in dem Aufruf des Magistrat» daraus hingewiesen, daß die Arbeiter alle w e s e n t- lichen Rechte weiter genießen sollen. Die Gerüchte über bedeu- t« n d verlängerte Arbeitszeit seien unwahr. Darin liege der Schwer» punkt, daß nicht alle Recht« aufrrchtcrhalten würden und d i e Arbeitszeit verlängert werde. Die betonten Abänderun- gen mögen zwar von den Aerhandlungskörpern übereinstimmend als zweckmäßig erachtet worden sein, doch seien sie von den Belegschaften nicht anerkannt, so daß von gegenseitigen Vereinbarungen die Rede nicht sein könne. Der Magistrot habe folgend« Aenderungen durch- gesetzt: 1. Die zwei Stunden werden nicht mehr gezahlt, um die an den drei zweiten Feiertagen die Arbeitszeit früher�pecndet wird. 2. Die Fortzahlung de» Lohnes bei Heilstättenbehandlung nach Ablauf der Krankenunterstützungsdauer findet nicht mehr statt, während bisher der Lohn solange gezahlt wurde, wie der Arzt die DeHandlung für notwendig erachtetc. Z. Bisher tonnte jeder Arbeiter wegen Erkrankung drei Tage vom pienst fortbleiben, ohne sich in ärztliche Behandlung zu be- geben und sich über die Tatsache der Erkrankung auszuweisen. i, Ebenso wenn ein Familienangehöriger erkrankt war und der Arzt die Notwendigkeit der Anwesenheit des Familienoberhauptes bescheinigt«. S. Weiter konnte jeder Arbeiter bei Beerdigung von Verbands- kollegen bis zu drei Fällen jährlich(ohne Lohnabzug) fehlen. 6. Der§ 21 sei gestrichen, der besagt, bestehende günstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen dürfen nicht verschlechtert werden. Der Teilschiedsspruch de» Einigungsamts beim Magistrat habe die Arbeitszeit um täglich Vi Stunde verlängert. Die Paus« von Zt Stunde lag bisher innerhalb der achtstündigen Arbeitszeit und soll nun nicht mehr als Arbeitszeit berechnet«erden. Da» Mit- bestimmungsrecht sei erheblich beschnitten worden. Dieser Teilschied»- spruch sei daher mit überwältigender Mehrheit abgelehnt warben. Die Streitenden befürchten nun, daß die von ihnen ab- gelehnten Abänderungen in diesem Teilschiedsspruch, in den Schiedsspruch beim Reich, arbeitsmini st erium übernommen worden seien. Auch die Frage des Tarifablaufs spiel««ine große Rolle. Ende Juli laufe auch der Reichs- manteltaris ab, und so sei zu befürchten, daß Berlin in diesen Reichsmanteltarif einbezogen werden solle, wodurch wesentliche Ver- schlechterungon eintreten würden. Zudem sei die Konjunktur im Hochsommer für den Magistrat günstiger, für die Arbeiter dagegen ungünstiger. Sobald der Mogistrat erkläre, daß' der alte Mantel- tarif in unveränderter Form bis Jahresschluß weiterlaufen soll, werde die Arbeit wieder aufgenommen" Kann davon auch die Rede nitht sein, daß alles beim alten bleibt— und unser Gewährsmann mußte selber zugeben, daß die meisten der erwähnten Abänderungen den Streik nicht rechtferti- gen—, so sind die Befürchtungen der Streikenden, die sie au» dem neuen Schiedsspruch herleiten, doch offenbar stark über- übertrieben. Wir haben die Ueberzeugung g«- « o n n« n, dsh der großen Mehrzahl der städtischen Arbeiter und Angestellten überhaupt nicht bekannt ist, was der neue Schiedsspruch besagt, mit welchen Abänderungen der alte Manlellaris weiterlaufen soll. Der Schlichtungsausschuß beim Reichsarbeitsministerlum müßte Nipp und klar erNären, we l ch e Abänderungen in Frage kommen. vergeblich versuchten wir eine diesbezüglich» Erklärung zu bekom- wen, doch kann sie ein einzelner nicht geben, sondern nur da» Ge- samtkvllegium. Um den Streik zu beenden ist also— wie der„Vorwärts" be- reits gestern früh schrieb— notwendig, 1. daß den Streikenden der Schiedsspruch genau bekannt- gegeben wird, 2. baß ihnen zugleich Gelegenheit gegeben wird, sofort durch Urabstimmung über den Schiedsspruch zu entscheiden. Denn da» ist da» Tollst« bei diesem Streik, daß die Streitenden nicht wissen, warum und weshalb sie streiken. Daß die Verordnung des Reichspräsidenten vom 10. November 1920 nicht beachtet wurdu, daß die Berliner Gewerkschaftskommission keine Gelegenheit hatte, dazu Stellung zu nehmen, daß den Verbandsmitgliedern weder ge- hörige Aufklärung gegeben, noch das Rechl eingeräumt wurde, über den neuen Schiedsspruch zu entscheiden; das ist alles der— Eile zuzuschreiben, mit der man sich in diesen Streik stürzte, als ob er nur ein« Kleinigkeit sei, derentwegen man sich nicht Kopszerbrechen zu machen braucht. Die einfachsten gewerkschaftlichen Grundbegriffe mit Füßen zu treten, jedes Berantwortlichkeitsgefühl zu mißachten, das ist ein Be- ginnen, das sich bisher noch in jedem Falle gerächt hat. Je rascher die hier begannen« Torheit beendet wird, um so besser. Und wir müssen schon fordern, daß mit diesem Streik unverzüglich Schluß gemacht wird. die„Jreiheit* gegen öen Lerimer Strei?. Die„Freiheit" schreibt in ihrer gestrigen Morgenausgabe: Der Beschluß der Streikleitung, unter diese.> Umständen den Streik in den städtischen Betrieben für Sonntag früh zu proklimie« ren, muß als unveraniwvrtllch bezeichnet werden, weil die Streik. � leitung, die nur«inen geringen Teil aller vom Streik betroffenen Kreise vertritt, für sich nicht dos� Recht in Anspruch nehmen darf, eine Frage von so schwarwiegender Bedeutung cigenmächlig und ohne vorherige vrrsländigung mit allen anderen 3nslan;m der Arbciler- bewegung zu entscheiden, ver Streik der städtischen Arbeitnehmer wird durch die Unterbrechung von Sirom-, To»- und Wasserzusuhr nicht nur der gesamten Berliner Bevölkerung in ihren Prioathaus- Haltungen ungeheure Schwierigkeiten verursachen, son- dern er führt automatisch zur Stillegung der gesamten Berliner Industrie Der Beschluß der Streikleitung widerspricht auch allen gewerk- schafklichen Grundsähen, weil die Proklamation des Streik'- vtrge- nommen wvrdcn ist auf Grund einer Urabstimmung, die vor Fällung de» Schiedsspruches stattgefunden hat. Wir freuen uns, daß die„Freiheit" in diesem Falle die vornehmste Pflicht eines Arbeiterbialtes, den Arbeitern d i e Wahrheit zu sagen, anerkennt und ausübt. Die Streiklage im Reich. Freiburg. ö. Februar.(WTV.) Räch einer Zeitteilung der(Eisenbahngsneraldirekkion Karlsruhe ist auch in Laden der Elsenbahnerstreik Sonnlag nacht 12 Uhr ausgebrochen, ver Eisenbahnverkehr in Ober- und Mittel- baden ruhl seit Sonnlag nach, 12 Uhr vollkommen. Die Technische Nothilfe ist aufgerusen worden, um de» la Aussicht genommenen Nokverkehr durchzuführen. ... �Isen. 0. Februar. sSigener Drahtberichk.) Die Skrelklage ist unverönderl. Die Gewerkschaften sind nach wie vvr gegen den Eintritt in den Slrelk. Dagegen ist aus Essen zu� berichten, daß die Milglieber de» Deutschen Eisenbahnerver- bände» die Lerbandsleiiung ausfordern, den Streik zu proklamieren. Sonnabend und Sonnlag sind überall ver- s-mmlungen der Streikenden gewesen, in denen es sehr laut und sturmisch zuging. E» wurden besonders schwer;«ngrisfe gegen den Relchspräsidenlen. die«eichsreglerung und den«eichslag erhoben. Redner, die sachlich die Lage besprechen wollten, wurden viel- fach Nied e r o e s ch r i e n. So In Essen ein Angestellter der christ- lichen Gewerkschaften und In Duisburg ein Zustizbeamter. der sich politisch zur SPD. bekennt. Dagegen konnten die kommuni- st I s ch c n Redner, die stch in allen Versammlungen elnstellken, unbehindert ihre Phrasen unter stürmischem Beifall der Versammlung votbringen. Zm sranzSsisch befehlen Gebiet sind die Beamten requiriert und unter militärische Leitung ge- stellt, lln der Duisburger veriammlung forderten!e ein Mitglied der Reicksgewerkschaft an» Duisburg und Esten die Eiienbahner auf. „In altbewährter Treue und Pflichterfüllung" ihre Dienste im besetzten Gebiet zu verritWen. um glelitzerweste den Anforderungen»er mllltärischen Kommlislon nachzukommen. Zm S o- llng r Bezirk, w, englische Besatzung in Frage kommt, ist sede Versammlung für oder gegen den Slrdik verboten. Die eingeführten Notfahrpläre funktionieren nicht besonders. Milch und Lebensmittelversorgung ist sehr gefährdel. Kohlenversorgung stockt. Die Industriebetriebe stnd ansgesordert. mit ihren Lokä. mottven Kohlen heran'itschafsen. Die kommunistischen Blätter for- dern den Rücktritt der Regierung und«in entscheidendes handeln der Arbeilersctzaft. Die Beamtenorgenlsalionen haben beschlosten, dort, wo der Streit noch nicht besteht, zu einem allgemeinen Beamtenstreik aufzufordern. Hanau, S. Februar.(WTB.) Sonnabend nachmittag zogen ungefähr 1S00 Streikende au» einer Versammlung nach dem Bahnhof, drangen trotz de» Widerstand«» der Polizeimannschaften in das Bahn- Hofsgebäude ein und entfernten die Arbeitswilligen mit Gewalt. Die Schupo hat den Bahnhof zwar wieder besetzt, ist aber außerstande, die Bahnhofsanlagen von den Streitenden zu säubern. Urabstimmung! Die Frage ewer Urabstimmung über den letzten Schiedsspruch wird auch von den Gewerkschaften gewürdigt. Die Streikleitung zeigt zwar noch wenig Neigung, ein« Abstimmung herbei- zufühfen, doch wird ihr unter dem Drucke der öffentlichen Mei- ming, der von den übrigen Gewerkschafren unterstützt wird, nichts weiter übrig bleiben, als nachzugeben. Im übrigen scheint unter der Streikleitung selbst eine gewiss« Unstimmigkeit eingerissen zu sein. Ueber den Begriff der Notstandsarbciten wurde heute zwischen Gewerkschaftsvertretern und Magistrat verhandelt.— Seit 12 Uhr befaßt sich eine Magistratssitzung mit dem Stande des Streits. Eine Erklärung ües Polizeiprästöenten. Der Polizeipräsident teilt mit: Groß und berechtigr ist die Empörung der Berliner Bevölte- rung über das unverantwortliche Vorgehen der städtischen Ardeiter, besonders über die vollständige Ab- jchneidung der Wasserversorgung, die einen schweren Anschlag auf Leben und Gesundheit der Bevölkerung darnellt. Die persönlichen Bemühungen des Polizeipräsidenten, die Streikleitung zur Auf- nähme der Wasserversorgung und der elektrischen Notversorgung zu bewegen, sind erfolglos geblieben. Es war daher notwendig, die Technisch« Nothilfe zur Inbetriebnahme der Wasserwerke und zur Inangrikfnahme der elektrischen Notoersorgung heranzuziehen. Nach Mitteilungen aus berufenen gewerkschaftlichen Kreisen wird bereits von linksradikaler Seite versucht, die Streiklage politisch auszunutzen. Es ist jedoch zu erwarten, daß der besonnenere Teil der Berliner Arbeiterschaft alles daransetzen wird, dem unverantwortlichen Treiben ein Ziel zu setzen. Der Polizeipräsident ist der Ansicht, daß der moralisch« Druck der einsichtigen Arbcitermassen stark genug sein wird, weitere Auswir- tungen des gegenwärtigen Streiks zu verhindern. Aus diesem Grunde kann vorläufig von außerordentlichen polizeilichen Maß- nahmen abgesehen werden. Sollte trotzdem oersucht werden, die öffentliche Ruhe und Ordnung gewaltsam zu stören, so ist die Polizei gonügend vorbereitet, jeden Versuch im 5l«ime zu ersticken. Nehmen wir an... Die Deutschnationalen benutzen weiter die Streiklag«, um sich in enipfehlende Erinnerung zu bringen. Mit anerkennen?- werter Offenheit bestätigt Herr ch e r g t, der Führer der Partei, im „Tag*, daß die Deutschnationale Volkspartei der Entwicklung der Dinge„als kühle Beobachterin* gegenüberstehe. Und dann fährt er fort: „Nehmen wir nur an, daß die Kappsche Regierung versucht hätte, mit solchen Mitteln(gemeint ist die Verord- nung des Reichspräsidenten. Red. d.„V.*.) gegen den Generalstreik vorzugehen: wie wäre die Volksseele zum Kochen ge- kommen! Herr Hergt hätte klüger getan, die Erinnerung an die Kapp- Tage zu vermeiden. Wir brauchen nämlich gar keine Vermutungen darüber anzustellen, wie sich die deutschnationale Kavp-Regierung zu diesen Dingen gestellt hätte, weil wir ganz konkrete Erfahrungen darüber haben. Am IS. März �S2g ließen Kapp und Lüttwitz in Berlin eine Verordnung anschlagen, wonach das Streikpostenstchen mit standrechtlicher Erschießung bedroht wurde. Daß der Erlaß nicht zur Llnwendung kam, lag nur daran, daß es wenige Stunden nach seiner Bekanntgabe mit der Kappisten-Hcrrlichkcit aus war. Oie Rumpf-Jü'nflänüerkonferenz. Einbcrufunii eiuex neuen Konferenz nach Frankfurt a. M. Es war vorauszusehen, daß die sozialistische Fünfländer- konserenz in Paris infolge des verhinderten Erscheinens der deuts en Delegierten in ihren Arbeitsmöglichkeiten arg behin- dert sein würde. Als nun am Sonntagmorgen jede Aussicht auf Abreii« verschwuichen.war, sandten die Delegierten der Sozialdcmokratisäfen Partei Deutschlands folgendes B e- griißungstelegramm: Französisches Visum Sonnabend abend bewilligt, jedoch Streik andauert. Sehen uns zu lebhaftem Bedauern gezwungen, auf Reife endgültig verzichten. Wünschen Konferenz fruchtbare Arbeit, sind von Herzen mit Genossen Belgiens, Englands, Frankreichs, Italiens. Hoch internationale Einigung Proletariats! gez.: Otto Wels. Adolf Braun. Ueber die Tagung in Paris liegen folgende Meldungen vor: Parks. Z. Februar.(WTB.) Die internationale sozialistische Konferenz, die heute in Paris unter Beteiligung von französischen, enalischen, belgischen, italienischen und österreichischen(Friedrich Adler) Sozialdemokraten begonnen hat, konnte, da die deutschen De- legierten noch nicht in Paris eingetroffen sind, heute nicht in die Be- ratungen eintreten. Paris, S. Februar.(WTB.) Die heutige Sitzung der Inter- nationalen Sozialistischen Konferenz beschäftigte sich mit der sozio- listischen Einheitsfront. Ein Beschluß ist nicht gefaßt wor- den. Morgen vormittag treten die anwesenden M i t z l ie d e r d�e r Exekutioausschllsse von London und Wien zu einer Beratung der Angelegenheit zusammen. Am Schlüsse der Sitzung wurde an die deutschen sozialisti- schen Parteien ein Telegramm gerichtet, in dem gesagt wird, für den Fall, daß die deutschen Delegierten durch den Eisenbahner- streik an der Reise nach Paris verhindert würden, werde eine neue Konferenz zu weiteren Bcrhandlungcn und zur Bcschlußfasiung in aller Kürzen nach Frankfurt einberufen werden. In diesem Falle würde die Pariser Konferenz morgen um 2, Uhr geschlossen werden. Das inzwischen beim Parteivorstand der Sozialdemo- kratischen Partei Deutschlands eingelaufene Telegramm lautet: Eure Abwesenheit wegen höherer Gewalt Eisenbahnerstreit verhindert Konferenz an fruchtbarer Wciterführung Arbeit. Teilen Euch mit, daß neue Konferenz in allerkürzester Zeit nach Frankfurt für Diskussion und endgültige Beschlußfassung ein- berufen werden nvird. gez.: Paul Faure. Nach einer Tll.-ZKeldung hat Poincar« den Rhelnstaakgründer Dr. D o r t e n in längerer Audienz empfangen. Das britische Parlament tritt heute zu seiner vermutlich letzten Session zusammen. Bormittags Thronrede— nachmittags Rede des Genossen C l y n e s, darauf wahrscheinlich Lloyd George. Der Monatsbericht des Bölkerbundfekretariats be- handelt die S a a r f r a g e, nutzt die Stellungnahme der USP. und KPD. gegen die übrigen deutschen Parteien aus und verschweigt sowohl deren große Denkschrift als ihre nach Gens gesandte Ab- ordnung. Der ehemalige Burengeneral De W e t ist gestorben. Er ist «9 Jahre alt geworden.' Vas kaltgestellte Serlin. Berlin stand am Sonntag früh vor lerren Leitungen: kein« Elek« trizität, kein Gas, kein Wasser und— keine Straßenbahn. Nicht überall war es gleich ungünstig. Im Westen setzt« wohl in den Vormittagsstunden die Wasserzufuhr aus, aber Gas und Elektrizität spendeten weiter Wärme und Licht, wenn auch in etwas verminder- tem Maß«. Besonders zu leiden hatten die mneren Stadtviertel, sowie der Norden und Osten, wo es an allem fehlte. Die Straßen waren abends völlig in Dunkel gehüllt. Selbst die Leipziger und Friedrichstraße waren ohne Beleuchtung. Besonders die Stillegung der Wasserwerke wurde fühlbarer denn je, denn infolge des starken Frostes war ein Teil der Straßenbrunnen elnge- froren. Wo die Brunnen aber Wasser lieferten, bildeten sich be- reits in den frühen Mizrgenstunden die bekannten„Polonäsen" von Hausfrauen, die m allen möglichen Behältern das kostbare Naß oft weit« Strecken nach Hause schleppten oder aus Rodelschlitten heim- fuhren. Die einzigen noch m Betrieb befindlichen Verkehrsmittel, Hoch- und Untergrundbahn und Autobusse, hatten den ganzen Tag über Massencmstllrme auszuhaltsn. Namentlich bei der Untergrund- bahn kam es auf den Bahnhöfen der inneren Strecken viel'ach zu Schreckensszenen. Während man sich in den Privathaushalten mit den unerquicklichen Zuständen schlecht und recht abzufinden suchte, hat der Streik für viele Wohlfahrtscm stalten zum Teil Verhängnis- voll« Folgen gezeitigt. Der glückliche Westen. Die westlichen Bororte Schöneberg, Schmargendorf und Wilmersdorf werden durch die Aktiengesellschaft Elektrizi- tätswerke Südwest mit Licht versorgt. Hier ist bisher eine Unter- b rechung in de- Lichtversorgung nicht eingetreten. Das Elektrizitätswerk unterhält eine Zentrale in der verlängerten Gothen- straße in Schöneberg, eine Zentralstation in der Fcrcksnbeckstraße in Wilmersdorf und eine Unterstation in der Motzstr. 48 in Wilmers- darf. Einsah der Technischen Nothilfe. Nach Eintritt des Streiks der städtischen Arbeiter hat die Tech- nifche Nothilfe zunächst für die Wasserwerke eingesetzt. Ob es den Nothelfern geüngen wird, die Wasserwerke in Betrieb zu setzen, steht noch dahin, da man teilweise, wie z. B. beim Wasserwerk in Friedrichshagen, den elektrischen Strom zur Inbetriebsetzung nicht entbehren kcnn. Wie das Nachrichtenami des Magiskra's mlileilt, sind die Wasserwerke durch die Techriscke Nokhilfe soweit in Beirieb gesehk, als sie nicht vcn den E'cklrl'Itäkiwerken bezüglich der Strom- Versorgung abhängig sind. Die größeren Eletlriziiäis- werke sind ebenfalls in Delrieb geseht. Die Gaswerke sind dagegen st i ll g e l e g i. Wirkungen auf Sie trrankenycrafer. Wenngleich es schon kein erfreulicher Anblick ist, Krüppel und Greise Wasser holen zu sehen, so ist das Bild in den Krankenhäusern als Katastrophe zu bezeichnen. In einem Krankenhause, in dem durchgängig Arbciier zur Kur weilen, haben sich, wie uns gemeldet wird, bereits Zustände herausgebildet, die für die Kranken nach jeder Richtung hin als nachteilig anzusprechen sind. Auf der„Inneren Station", deren Heilwirkung zu einem mcht geringen Teil auf die peinlichste Sauberkeit zurückzuführen ist. bann von einer solchen nicht mebr gesprochen werden. Es ist keine Möglichkeit vorhanden. Trink- wasser zu reichen, so daß die Kranken gezwungen sind, ihre Medizin ohne Wasser zu nehmen. Weit gefährlicher wirkt sich die Trinkwasser- not schon aus bei einem Luwenbluter. der von einem unsäglichen Durst gequält wird, und dadurch an den Rand der Verzweiflung ge- trieben, in Dc iricn verfällt. Durch die Wasiernot können die Klo- setts nicht gespült, Stechbecken und Urin-iläier nicht vereinigt werden, so daß hierin bereits eine nicht zu unterschätzende Gefahr l egt Besonders gefährlich gestaltet es sich, wenn Ruhrkranke zu behandeln sind. Im..O p e r a t i o n s H a u s" ist nahezu jede Operation unter- Kunden. Rur ganz dringende Flle Können unter den schwierigsten Umständen erledigt werden. Dnrch die Unterbindung der Gaszufuhr liest auch hier die Gefahr der Infektion vor. Ueberbaupt wird der Ersola einer Operation durch die äußeren'Eimlüsfe, wie sie der Streik fördert, sehr in Frag« gestellt. Bei der Wäsche muß ein schiel- (es Auswechseln vor sich gehen können, obne das eine Opcrallon überhaupt unden kbar erscheint. Aber die Knappheit zwingt, unter- siützt durch den Streik, da ein Wa'chen nicht möglich ist, den Arz: Operationen aufzuleben, die an sich bei normalen Verhältnissen not- wendig gewesen wären und nun zurückaestkllt werden müssen, wobei die Patienten immer wieder die Unglücklichen sind. Auf der ,.A e n ß e r e n Station" ist pahezu das ole'che Bild, nur daß da das Wasser und Gas noch weit mehr vermißt werden. Wunden.bäder können nicbt gemacht, Verbände nicht erneuert werden. Die In- strumente sind unbrauchbar, weil sie nicht gekocht werden können. In der„K ii ch e" aestalten sich die Schwiergkeiten beinahe unüberwindlich. Der verantwortliche Küchenvorsteher hatte durch Uwücht in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in alle nur möglichen Be- kälter Wasser gefüllt, lo daß der Sonnig� ohne aroße Stärunq in der Bernslegnng vorübergegangen ist. Aber die nächsten Tage sind für die Kranken in bezug auf Essen und Trinken recht trübe. » Prof. Dr. L. L a n g st e! n, der Direktor des Auauste-Bik- toria-Krankenbaufes zur Bekämpfung der Säuglingssterb- lichkeit im Devischen Reiche, hat als Bersttzender der Privat- und Ge- meinnütz'gcn Krankenanstalten ein Telegramm an den Magistrat der Stadt Berlin gerichtet, in dem er auf die überaus schweren Ge'ahrcn aufmerksam macht, in der sich die Patienten der Krankenanstalten durch die Absperrung von Gas. Wasser und Elektriziiät befinden. Ueberaus notwendige Operationen, die wegen der Dringlichkeit an die Minute gebunden sind, können nicht durchgeführt werden. Hochbahn und Omnibus. Auf der Hoch- und Untergrundbahn sind bisher keinerlei Störungen vorgekommen. Nach Besprechung mit dem Betriebsrat werden nur soviel Personen in die Wagen aelassen, wie es die Sicherheit des Publikums zuläßt, so daß zuweilen die Bahnhöfe infolge Uebcrsüllung gesperrt werden mußten. Zu er- warten steht eine Besprechung zwischen dem Betriebsrat der Hoch- bahn und den Gewerkschaften, Heute nachmittag findet eine Ur- abstimmung statt, die entscheiden soll, ob der Betrieb auch morqen noch aulrechterhalten bleibt. Auch der Omnibusverkeßr wird aufrechterhalten. Selb�verstäntlich sind die Wagen außer- ordentlich stork besetzt.„Wilde Fuhrwerke", wie sie bei früheren Berkehrsstrciks in qroßer Zahl bemerkt wurden sind nur hier und da zu sehen. Die Kälte mag dazu beitragen, daß die Zahl dieser.Nothelfer" so gering ist. Nur keilweiser Telephonverkchr. Der Fernsprechverkehr von Berlin wird im allgemeinen noch aufrechterhalten. Be! den Fernsprechämiern 4, 8 und 6(Moritzplatz, Zentrum, Lützow) mußte der Privatverkchr einge- schränkt werden, well die Aufladung der Batterien auch infolge Wasiermangels Schwierigkeiten verursacht. Die Technische Nothilfe ist eingesetzt. Der Fernverkehr ist sehr überlastet, so daß mit Der- zögerungen in der Abwicklung zu rechnen ist. » Die Berliner Feuerwehr ilt durch den Streit ebenfalls in eine schwierige Lage geraten, da sie bei etwaigen Bränden ihre Schlauch- leitungen nicht mehr aus den Hydranten speisen kann. Branddirektor Reichel hat deshalb angeordnet, daß bei oarknmmenden Alarmicrun- gen die Leitungen der Dampfspritzen an die Straßenbrunnen, die eine entsprechende Einrichtung besitzen, angeschlossen werden, und daß, falls sich in der Nähe der Brandstelle Gewässer befinden ein Loch tn deren Eisdecke geschlagen und das Wasser hieraus entnom» wen werden soll. Bei jedem Alarm sollen sofort zwei Lösch- z ü g e ausrücken, damit jedesmal das notwendige Schlauchmaterial für die infolge des Ausfalles der Hydranten bedeutend länger anzu- legenden Leitungen zur Stelle ist. Außerdem werden sofort beson- dere Schlauchwagcn an die Brandstellen eilen. Auf diese Weise hofft man«wem etwaigen Wassermangel begegnen zu können. Drohender Zusammenbruch der Lrotoersorgung. Die Groß-Derliner Bäckerinnungen und die B r o N fabrikanten haben am gestrigen Sonnsag dem Magistrat sowie den anderen in Betracht kommenden Stellen mitgeteilt, daß infolg« des Eisenbahner- und des städtischen Streiks die Brotoersorgung zusammenzubrechen droht. Besonders die Brotfabriken sind gezwun- gen, ihre Betriebe stillzulegen, da die Fabriken keine Kohl« mehr haben und durch die Stillegung der Wasserwerke die Teig. bereitung unmöglich geworden ist. Besonders das Erliegen der Brotfabriken, die den größten Teil der Bevölkerung mit Backware versorgen, droht bei dem Mangel an Kartoffeln sich verhängnisvoll zu gestalten. Auch die kleineren Bäckereien, die zum Teil Dampfbetriebe, zum Teil elektrische Armaturen besitzen, können nicht mehr liefern._ Der Notbetrieb auf der Eisenbahn. D!« Berkehrslage hat sich im Lauf« des Sonntags kaum oer- ändert. Durch den Streik in den Wasser» und Elektrizitätswerken haben sich die Verhältnisse noch schwieriger gestaltet, da die Bahn- Höfa, die nicht eigene Licht» und Wasseranlagen besitzen, sich vor die Notwendigkeit gestellt sahen. Abhilf« mit eigenen Mitteln zu schössen. Trotz alledem war es doch möglich, den Personenverkehr auf. der Wannseebahn und aus der wieder in Betrieb gesetzten elektrischen Bahn nach Lichterfelde-Ost zu verstärken. Auch nach Königswusterhausen, Potsdam, Wannsee, Wust er mark, Bernau und Oranienburg konnten mehr Züge als am Tage zuvor abgefertigt werden. Auf der Streck« nach Erkner verkehren etwa l�stündige„P e r f o n a l z ü g e", zu denen der Andrang sehr groß ist, die aber nur eine beschränkte Zahl von Fahrgästen mitnehmen. Auch die Milcheins u hr hat ein« erfreuliche Besse» rung ecsahren. Degen 70 000 Liter am Sonnabend, wurden am Sonntag rund 10(5 000 L i t e r M i l ch auf dem Schienenwege heran- oefüirrt,' und weiter konnten 76 Waggons B i e h nach Berlin ge- schafft werden, so daß also Besorgnisie wegen der Fleischversorgung im Augenblick nicht bestehen. Auch der Fernverkehr hat eine entschied eneBesserung erfahren. Es wurden fünf Züge von und nach Hannover abnefertigt. zwei von und nach Halle, drei nach Küstrin, fünf nach Stettin, vier nach Frankfurt a. d. O.« zwei nach Neustrelitz und drei nach K o t t b u s. Di« T e ch n i f ch e N o t h i l f e bat jetzt etwa 2000 Helfer für den Dahnbetrieb in Groß-Berlin gestellt. Es ist zu er- warten, daß infolgedessen der Notverkehr in den kommenden Tazen sich weiterhin bessert.__ Groß-Ser!iner Parteinackrichten. Hcuke, Monkag, den 6. Februar. s. Nrel», Wilinersdors. Erwe'tkrte AreisvorstantissiSung um VI, Uhr bei«enoff« Kol>ath, Hcidklberger Platz 1. ZG. Abteilung. Funkt onärverfammlimg bei Sasse, Petersburger Str.«, abend« 7>, Ubr Zuagsozialistea.«rbettsgrmeinschast Bolk-wirtschast t»r. Schwv. Putbuser ötratzc, Mt heute au».__ Gewerkschaftsbewegung Lohnzulagen im Papier-»nd Pappengrohhandel. Nack, sasi monallicher Wartezeit haben sich die Arbeilgeher dieser Giuvpe bereit etllärt, über die neuen Lohnzulagen für die Tran«Portarbeiter zu ve, handeln. In einer versamm- lung ivilide über die Verhandlung am 30. Januar berichtet. Die Versammelten gaben dem Arbeilgebern oiiheim, in Zuknntt die Verhandlungen f-üher anziiberanmen, um unliebsame Verzöge« rungen zn vermeiden. Der BerbandSverlreter erklärte, daß der Tarrt slistgeinäß zum 1. Januar gelvndigt und um baldige Verhandlung gebeten worden ser. Da« von Arbertgeberseile ge« machre Angebot belauie sich auf 66 bezw. 70 M. pro Woche, rück« wirlend ab l. Januar 1922 bi« 23. Februar 1922. Mildem Verein Berliner Papiergroßhändler sei noch nicht verhandelt. Demselben sei jedoch das Resultat mit» geteilt und es beltebe Aussicht, daß au» er sich bereit erklärt Meie Zulagen zu bewilligen. In der Diskussion wurde auSgerührt,� daß das Angebot zwar nicht befriedige; auch sei zu befürchten, daß der Verein Berliner Papiergroßhändler Schwierigkeiten machen wird. In dieienr'Kalle aber werde» dre Kollegen olle« daran letzen, auch oen Verein' zur Anerkennung der Zulagen zn bewxgen. Da« An« gebot wurde dann gegen eine starke Minorität angenommen. Bei der Neuwahl der Gruppenlrilnng wurden die bisbengen Kollegen eiiistimniig wiedergewählt. Als Gruppenleiter der Kollege Erich G l a u e.— Nähere Auskunft über den Tarif erteilt der Kollege Podubrin, Engelufer 24/26, Zimmer 33, II. Generalversammlung der Schuhmacher. Am 2. Februar tagte die Generalveriammlung der Berliner Schuhmacher. Für das abgelaufene Geschäftsjahr crstaltete der Ka'sierer. Böhler den Kanenbcrichl Die Einnahmen und AuS« gaben der Hauvlkasie betrogen 673 923,82 M, die der Lokallalse 324 672.45 M. Für Arbeitsloseniintelstutzung wurden 27 624.26 M.. für Krankenunleriliiyuiig 25 263.21 Pr.. für Slreikuiiteistützung 8236.65 M. auSgegcbeii.— Den Jahresbericht der'Orrsveiwalimrg gab der erste Bevollmächtigle Hörtz. Weder durcd reichstarifliche Regelung noch durch Teilaklioneu konnte ei» Ausgleich zwischen den röbnen und der Teueiung der Lebenshaltung gescdaffen werde». Der Bcsckiäsli.iiingSgrad m der Jndufirie und im Handwerk war tiri zu'riedenstcllender. Differenzen, die Streiks und auch Aussperrungen zur Folge ballen, wurden durch Verhandlungen bei» gelegt. Die gemaßreaelien Kollegen wurden wieder eingrstellt > eip. entschädigt. Der Mitgliederstand beirögt zurzeit 6213 zahlende Mitglieder, das sind 1786 mehr als vor einem Jahr«. In der Diskuision betonte Genosse Weiß, daß d e Forderungen des ADGV. nur verwirkllcbt werden können, wenn die Aibeilerscdast einig dahinter stehe. Wenn die gewerlschaftlicken Ziel« der Ar- beuericbast verwirklicbt werden, dann wird dieses Jahr ein fruchl» bareS für die deutsche Arbeiterbewegung sein. Bei der Neuwahl zur O r t S v e r w a l t u n g wurden wiedergewählt Job Hörtz(gPD.) zum eisten, Reinh. Böhler (USPD.) zum zweiten. Fritz Moser iKPD.) zum dritten»evoll« märfliigiei». Zu Slcllvcriretern Fritz Stockmann und Wilhelm M a t i n g