Nr. 66 ♦ 39. �abrgong flusgabe S Nr.AZ Bezugspreis: Merteljä>>r>.>U� monatl. M.— SBL fiel In« Saus, voraus johlbat. Postbezug: Monatlich 20.— M. einschl. Zu- stellungsgeblldr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danj:g, das Saar- und Meinelgebiel. sowie die ehemals deut- scheu Deb'ete Polens, Oesterreich- Ungarn und Luxemburg St.- M„ siir das übrige Aueland 72.— M Post- beltellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tichecho- Slowakei, Däne- marl. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz Der.Vorwar is* mit der Sonntagsbeilage.Boll und Zeit', der Unter- haitungsdeilag».©ernimelf und der Beilag».Siedlung und Kleingarten" erscheint wocheniiiglich zweimal. Sonn- tag« und Montags einmal. Zelegramm-Adreste: „Sojial&cmotcat Berlin** Abend Ansrlabe Berliner BoIhr�Ulatt c GroS- Berlin 40 Pf auswärts 50 Pfennig D AnzetgenvrctS: Die zehngei Valien, Nonoareillezeil» kostet S,- M.Kleine Anzeigen** da« tettgedruckle Wort M,>zu- lässtg zwei seitgedruckle Wortes lede« weilerr Morl I.S0 M Stellengesuche und Schlaistellenanzeige» das erste Won lchii M., ledes weuer» Work M Warte Übel 15 Buchstaden zählen siir zwei Worte FamiIien-�!Uz» zeigen Mi Avonnenten Zeile». M. Die Preise verstehen sich einschließlich Teuerungszukchlag Anzeigen Hl« Die n it ch>1 e Bummer müssen bis«'-i Ahr nachmittag, ml Haupigeschält, Berlin 6® 118. Liiidea- straße 3. abgegeben werden ibeoffnet von 9 Uhr irüh dt, 5 Uhr nachmittag», Zcntralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands Rcdoftien und«fxpcöition: SW 08, Lindenstr. Z �-.r„i,,!'.>ri,er- Redaktion st-Uoritiplaii>»>!»»—»? ,Pern,prz rt,rr. Morigvlat, II7S»-»k Mittwoch, den Februar Vorwartsrverlag G.m.b.H., EM b8, Lindenstr. Z Aarntne-refHar> /ierlag,(»N'rdition»iid Mineralen- }>rrni|irf. hu.tpiiniin Morinvla« 11753 51 Vor der Entsttmöung in Serlin. Heute vormittag hat in allen städtischen Betrieben die Urabstimmung über die Annahme des Schiedsspruchs des Rcichsarbciks- Ministeriums und damit über die Wiederausnahme der Arbeit stattgesunden. Das Ergebnis der Abstimmung liegt bei Schluß des Blattes noch nicht vollständig vor. Es soll sich eine Mehrheit sür Forlselzung des Streiks ergeben haben. Die Versammlung der Obleute tagt gegen- «ärtig, noch. Wir hoffen, daß sie der Situation Rechnung tragen und auch den Berliner Streik beenden wird. Eine gewerkschaftliche Katastrophe. Es ist natürlich, daß die Arbeiter sich gegen Verschlechte- rungen chrer Lohn- und Arbeitsbedingungen wehren und um deren Verbesserung ringen. Eine soziakistische Gemeinde wie Berlin muß es als Ehrenfache betrachten, ihren Arbeitern und Angestellten möglichst günstige, vorbildliche Arbeitsbedingun- gen zuzugestehen, soweit dies irgendmöglich ist. Die städti- Ichen Betriebe dienen in erster Linie dem Gemeinwohl. Sie dienen nicht der Plusmacherei, allein sie stehen inmitten der kapitalistischen Winschaftsiveise und müssen sich mindestens de- zahlt machen. Nicht nur das, sie sollen auch einige Ueber- schüsse abwerfen zugunsten der vielgestaltigen sozialen Auf- gaben der Millionenstadt, die sie für Hilfsbedürftige aller Art und für die Bevölkerung in jedweder Beziehung zu erfüllen hat. Riesengroß sind diese Aufgaben, die finanziellen Mittel zu ihrer Bewältigung aber zwerghaft gering. Den städtischen Arbeitern und Angestellten ist unter dem Drucke wiederholter Streitdrohungen und Streits manches Zugeständnis gemacht worden, das unseren städtischen Arbeitern und Angestellten wohl zu gönnen wäre, wenn es sich mit der Wirtschaftlichkeit der Betriebe auf die Dauer in Einklang bringen ließe. Das ist leider nicht der Fall. Der Magistrat versuchte daher bei der Beratung des neuen Manteltarifs nach Möglichkeit abzu- bauen, während die Arbeitnehmervertreter verpflichtet waren, möglichst das zu erhalten, was die Arbeitnehmer sich errungen hatten. Die Verhandlungen zogen sich allzulange hin, so daß der alte Tarif ablief und. ein neuer noch nicht zustande ge- kommen ist. Den städtischen Arbeitern war die Idee sugge- riert worden, die bürgerliche Mehrheit im Rathaus habe die Absicht, das Experiment einer Verschlechterung der Arbeits- bedingungen bei der Stadt Berlin vorzunehmen, wobei dem Unternehmertum auf keinen Fall ein Risiko entstehe. Glücke das Experiment, dann gehe das private Unternehmertum zur Verschlechterung der Arbeitsbedingungen ihrer Arbeiter über. In diesem Sinne wurden die städtischen Arbeitnehmer be- stimmt, von ibren Vorrechten kein Jota abzulassen. Die Versammlung am 1. Februar war längst vorbe- reitet, da sie zur Entscheidung über den neuen Manteltarif notwendig war, dessen Abschluß man bis dahin erwartete. Der neue Manteltarif ist aber heute noch weit von seinem Abschlüsse entfernt. Die von der Stadtoerordnetenversamm- lung als Einigungsamt eingesetzte Deputation zur Beratung der neuen Mantettarifverträge hat in drei Sitzungen durch Schiedsspruch einen Teil der strit.igen Punkte erledigt und auf Drängen der Organifationsvertreter, die nicht mit leeren Hän- den vor ihre Funktionärversammlung treten wollten, diesen Teilschiedsspruch bekanntgegeben. Die Funktionärversamm- lung lehnte den Schiedsspruch ab. Der kommunistische Stadt- verordnete D e g n e r forderte den sofortigen Eintritt in den Streik, doch wurde beschlossen, eine Urabstimmung in den Betrieben darüber vorzunehmen. Unter dem Eindruck der Mißstimmung über die Verzöge- rung des Tarifabschlusses und übertriebener Befürchtungen hinsichtlich seiner endgültigen Fasiung, kam es zur Ablehnung des Schiedsspruchs mit übergroßer Mehrheit. Das war vor- auszusehen. Um noch im letzten Augenblick das Unheil eines Streiks zu verhüten, griff das Reichsarbeitsministsrium ein und fällte einen Schiedsspruch, der den ganzen Differenzen die Spitze nahm. Zur Erledigung der Streitpunkte war keine Zeit mehr; man schob sie beiseite und entschied, den bisherigen Manteltarif solange weiterlaufen zu lassen, bis in neuen Ver- Handlungen ein neuer Tarif abgeschlossen werden konnte. Anstatt nunmehr der durchaus veränderten Sachlage ent- sprechend, eine erneute Entscheidung der Belegschaften über diesen Schiedsspruch herbeizuführen, berief man sich auf den wegen des erledigten Schiedsspruches gefaßten Streik- beschluß und überließ die Entscheidung der Streikleitung. Diese machte nun das Experiment, das sie von den Vertretern des privaten Unternehmertums in der Stadtver- waltung befürchtete, im umgekehrten Sinne. Das war ein fo leichtfertiges Unternehmen, daß es mißlingen mußte. In der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung steht der Fall glücklicherweise vereinzelt da, daß ein Streik pro- klamiert wird, bei dem die Streikenden nicht wissen, warum sie streiken, bei dem Streikobjekt und Streikziel fehlt, in dem die Arbeiterpresse und die Verbandsvor- stände gezwungen sind, sich ohne weiteres und in der unzweideutigsten Weise gegen den Streik zu wenden, der sich gegen eine Entscheidung richtete, die überholt war, der eine neuere günstigere Entscheidung der höchsten Instanz miß» j Eifenbaknerstreik enüaültig edeüiyt. Der Sozialdems-ralische Parlamenlsdienst meldet: Der Abbruch des Eisenbahnerstreiks ist endgültig. Auch der Hauptvorstand der Reichsgerverkschaft hat sich in der Rächt vom Dienstag zum Mittwoch den V e r e i n b a r u n- gen seiner Vertreter mit dem Reichskanzler einstimmig angeschlossen. Allgemein wurde während der Vera- lungen des Hauptvorstandes zum Ausdruck gebracht, daß man vertrauen zu dem Reichskanzler habe und der Ueberzeugung ist, daß Dr. Wirth die mündlickzen Zusicherungen an die Rnterhändler auch durchführen wird. Außer der Zu- � sicherung der Vermeidung von Massenenllassun- gen gab der Kanzler den Vertretern der Reichsgewerkschast eingehende Formulierungen über das Arbeitszeitgeseh, die Garantie dafür bieten, daß das Arbeilszeilgefctz nicht zu einem Sondcrgeseh sür die Eisenbahner wird, sondern eine allgemeine Regelung erfährt, an der sämtliche Gewerkschaften beteiligt sein sollen. Weiter teilte der Kanzler unter nachdrücklicher Betonung nochmals mil, daß schon in den allernächsten Tagen Spezialberatungen über die Erhöhung der Grundgehälter usw. stattfinden sollen. Der Reichsfinanz- minister versicherte, daß die Einleitung baldiger VerHand- lungen auch in seiner Absicht liege. Wie wir hören, hat die Reichsgewerkschast heule nochmals ' eine Delegation zum Reichskanzler gesandt, die noch ! weitere Auskünste über die Absicht der Regierung in einzelnen Fragen einholen will. In maßgebenden Eisenbahnerkreisen erwartet man, daß schon innerhalb 24 Stunden ein ziemlich geregelter Personen- verkehr wieder durchgeführt ist. daß jedoch die Wiederauf- nähme des Güterverkehrs winde st ens 48 Slun- d e n in Anspruch nehmen wird. Zurzeit liegen nur vereinzelte Rachrichten vor. daß Angehörige der Reichsgewerkschast bereits wieder zum Dienst erschienen sind. Der Erfolg der Parole auf Abbruch des Streiks wird erkennbar werden, sobald die Dezirksorganisationen der Reichsgewerkschast die An- Weisungen des Hauptvorstandes an die Mitgliedschaft übermittelt haben. I �chtuna, ftreikenüe Eisenbahner! Laut Beschluß der Heuligen Funktionärkonferenz ist die Arbeil bis spätestens morgen. Donnerstag, und im Lause de» selben Tages wieder aufzunehmen. Die Ortsverwaltung des DSV. Berlin. im Austrage der Funktionärkonserenz. Wieüeraufnahme ües Eisenbahnverkehrs? Trotz der grundsätzlichen Beilegung des Eisenbahnerstreiks ist nur mit einer allmäblichen Wiederaufnahme des Verkehrs zu rechnen. Die Situation wird dadurch erschwert, daß noch am Dienstag nachmittag der Aktionsausschuß die Parole auf ver- stärkte Weiterführung des Streiks ausgegeben hatte, die wenige Stunden später gründlich geändert werden mußte. Heute morgen um g Uhr hat die Reichsgewerkschast durch Telegramme ihren Mit- gliedern gemeldet, daß der Aktionsausschuß zu der Ueberzeugung gekommen sei, der Streik solle sofort abgebrochen werden. Infolge- dessen ist zunächst in der Beamtenschaft einige Verwirrung ent- standen und es wird heute dafür Sorge getragen werden, daß die Abmachung mit der Regierung und der Nachtbeschluß des Attions- ausfchusses überall bekannt werden. Insofern war es auch nicht verwunderlich, daß heute sargen nur sehr wenige Beamte sich zum Dienst zurückqcmeldet haben. Bis mittag ist die Zahl der Zurückkehrenden allerdings schon gestiegen, und es ist anzuneh- men, daß am Danneretag morgen die Beamten wieder ausnahmslos Dienst tun werden. In Berlin liegen die Dcrhältnisie durch den Streik der städtischen Arbeiter noch erheblich schwieriger, als anders- wo, und man muß berücksichtigen, daß namentlich die außerhalb Ber- lins wohnenden Beamten bisher keine Gelegenheit hatten, ihre* Dienststellen zu erreichen. Was die Wiederaufnahme des Betriebes anbetrifft, fo ist vor Ende der Woche nicht mit einem regelmäßigen Personen- und Güterverkehr zu rechnen, da durch den Streik das Meschi-er.mn'erial erheblich gelitten hat, Weichen und Schienenanlagen zum Teil vereist und eingefroren find. Doch hofft man, der Schwierigkeiten durch verstärkte Arbeit Herr zu werden. Einsatz. Er darf nie und nimmer derart leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden, wie es hier geschehen ist. Nicht eine unzufriedene Stimmung, nicht die Erregung des Augenblicks darf da den Ausschlag geben, sondern die Vernunft, die kühle sachliche Ueberlegung muß entscheiden. Der Arbeiter- schaft darf nicht nach dem Munde geredet werden, ihr muß jederzeit der Standpunkt klar gemacht und unerschrocken die Wahrheit gesagt werden. Dieser Streik ist eine Katastrophe für die Stadt Ver- l i n, zugleich aber eine Katastrophe sür unsere g e w e r k- s ch a f t l i ch e Organisation. Ist die gewerkschaftliche Organisation nicht oder nicht mehr imstande, derartige Streiks zu verhüten, dann muß das Vertrauen zu ihr schwinden als Verhandlungs- und Tarifkontrahent. Wie weit es unter dem Einfluß der Wortradikalen gekommen ist, wie weit die Organisationen noch entfernt sind, von der Schulung der Massen, das hat dieser Streik mit aller Deutlichkeit gezeigt. Er war ein Musterbeispiel dafür, wie es nicht gemacht wer- den darf, woraus die notwendigen Lehren für die Zu- kunft zu ziehen sind, wenn nicht die Gewerkschaftsorgani- sation zusammenbrechen, jeder Halt verloren gehen und d i e SachederArbeitnehmerschaft unermeßlichen Scha» den erleiden soll. Mögen die städtischen Arbeiter einsehen, daß sie in diesem Falle einen falschen Weg gegangen sind, mögen sie die Mahnung des Schlichtung sausschusses be- herzigen, mit allen Kräften für die möglich st e Wirtschaftlichkeit der städtischen Betriebe Sorgezutragen, damit diese nicht doch noch dem Privat- kapital ausgeliefert werden müssen. * Wie die B.8.-Korr«spondenz erfährt, hält der Magistrat an seinem am letzten Montag gefaßten Beschluß fest, daß alle städtischen Arbeiter, die am Dienstag nachmittag um 2 Uhr nicht zum Dienst erschienen waren, entlassen sind. An'dieser Haltung des Magistrats fall auch das Ergebnis der Urabstimmung nichts mehr ändern. Selbst wenn aus bctricbs- und verwaltungstechnischen Gründen die große Mehrzahl der Streikenden wieder eingest'• werden muß, so wird es doch auf keinen Fall möglich sein, olle bisher Beschäftigten wieder in den städtischen Betrieben anzunehmen, weil einmal ein« gewisse Anzahl von Stellen inzwischen bereits neu besetzt sind und weil sich der Magistrat auf der anderen Seite auch eine Auswahl unter den sich wieder zum Dienst meldenden Arbeitern vorbehatten wird. Wollte der Magistrat lediglich aus der Tatsache, daß die Ar- beiter nicht schon gestern nachmittag um 2 Uhr die Arbeit wieder aufnahmen, derartige Maßnahmen herleiten, so müßten wir dies bedauern. Seine Aufforderung, die erst gestern früh bekannt wurde, konnte einmal nicht allen Streitenden rechtzeitig bekannt fein, weiter aber mußten diese sich nach den Weisungen ihrer Organisationen richten, die zu dem Aufruf Stellung nehmen mußten, was nun ge- schehen ist. Das Reichsverkehrsministerium ließ den Eisenbahnern Frist bis heute früh, das Reichspost- Ministerium sogar bis morgen. Wir misten zwar, daß der Magistrat, abg-fehen von dem Zwange, der Situation gefolgt ist, doch ändert das nichts an der Tatsache, daß die Frist, die er ge- stellt hat, zu kurz bemessen war. Daraus aber dürften den Arbeitern und Angestellten keine Schwierigkeiten gemacht werden. Irankreich fordert verstMebrnta von Genua. Paris.«. Februar. swTV.) wie der..Petit parisien" ossiziös mitkeilt, hat die französische Regierung in ihrer Rote an die englische Regierung über die Konserenz in Genua darauf hingewiesen, daß die Fimnrkonferenz von Brüssel, die der Völkerbund organisiert habe, sechs Monate Vorbereitungen erfordert habe. Die französische Re- gierung drücke daher ihre Befürchtung aus, daß die Konferenz un- fruchtbar bleiben muffe, wenn so verwickelte und ungeheure pro- bleme diesmal unvorbereitet in Angriff genommen würden. Di« Rote rate deshalb an, die Konferenz von Genua um we- nigstens drei Monate zu verschieben und diese Zeit zu benutzen, die unerläßliche Vorarbeit zu leisten. Schließlich soll in der Rote gesagt sein, daß die alliierten Mächte das Recht zur Intervention haben müßten, wenn die Wicdcrhcrstcllnng einer militaristischen Monarchie in Deutschland oder Ungarn erfolge. Der letztgenannte Punkt interessiere besonders die kleine Entente. achtete, wobei die Streikenden nicht einmal befragt wurden, keine Gelegenheit hatten, erneut zu entscheiden. Die Bestreikung des gesamten Berliner Gemeinwesens, zumal in einem Augenblick, in dem der ganze Eisenbahnver- kehr von Beamten stillgelegt ist, die der sreigewerkschaftlichen Organisation fernstehen, das ist ein Unternehmen, das nur im alleräußersten Notfalle und nach reif- licher Ueberlegung und nur im Einvernehmen mit der Gesamtheit der Vertreter aller Berliner Ge- werkschaften gewagt werden darf. Das Wohl und Wehe der gesamten Berliner Bevölkerung, in erster Linie der Arbeiter- familien selber, der Schwachen und Hilflosen, ist hier der Die enoliscbe Thronrede. London, 7. Februar.(WTB.) In der Thronrede heißt es noch: Der große und anhaltende Umfang der Arbeitslosigkeit verursacht mir die tiefste Sorge und wird weiterhin mit ernster Aufmerksamkeit von meinen Ministern verfolgt werden. Das einzige Heilmittel für dicfe betrübliche Lage liegt in der V-fchwichliZUNg der internationalen Rebenbuhlerfchaft und des Argwohns, sowie in der Verbesserung der Bedingungen, unter denen der Handel der gesam- ten Well sich voll steht. Aus diesem Grunde begrüße ich die Vor- kehrungen, die jetzt getroffen werden für den Zusammentritt einer internationalen Konferenz in Genua, auf der es, wie ich hoffe, möglich fein wird, den Frieden in Europa auf einer gerechten Grundloge zu errichten und eine Regelung der zahlreichen wichtigen Fragen zu erreichen, die aus der dringenden Notwendia- die„Pübfcn 6co*>od>tcr� Als der Eilenliahnerstreik auf der Höhe stand, schrieb der Varsilzende der Deutschnationalen Partei, Herr H e r g t, einen Artikel, der zwischen den Zeilen deutlich erkennen liest, mit welchem Vergnügen die Feinde der Republik den ent- standenen Schwierigkeiten zusahen. Herr Hergt legte dar, dast der Konflikt zwischen Regierung und Eisenbahnern seine Partei zunächst nichts anginge, die Deutschnationalen könnten als »kühle Beobachter" darauf warten, wie lange sich die Be» völkerung solche Zustände noch gefallen ließe. Dementsprechend war die Deutschnationale Partei bis zum letzten Augenblick bemüht, Oel in das Feuer zu gießen, an dem sie ihre Partei- suppe zu wärmen hoffte. Eine Erklärung der deutschnatio- nalen Reichstagsfraktion fordert von der Regierung, dast die »gerechte Sühne des von den Streikenden begangenen Unrechts durch Zugeständnisse nicht verhindert werden darf". Wie das gemeint ist, zeigt die Stellungnahme des deutschnationalen„Tag" zu der jetzt vollzogenen Einigung, der schreibt: Gestern abend ist es zwischen der Regierung und der Reichs- gewerkschaft zu einer.Einigung" gekommen, deren Formel nur mühsam die nahezu völlige Niederlage der Regierung verbergen kann. Die Regierung hat sich bereitfinden müssen, chre Hauplabsicht, nämlich die Maßregelung der streikenden Be- amten, größtentells fallen zu lassen. Denn die Fälle, in denen sie sich eine Strafoerfolgung> vorbehalten hat, sind so be- schränkt, daß das Ergebnis lediglich eine Aufmunterung der Streikenden sein wird, ihr verbrecherisches Treiben bei günstigerer Gelegenheit von neuem zu beignnen. Hinter diesen Zeilen erkennt man die schlecht verhüllte Wut der Deutschnationalen darüber, dast es der Regierung gelungen ist, den Eisenbahnerstreit in einer für beide Teile erträglichen Weise zum Ende zu bringen. Sie hätten es viel lieber gesehen, wenn die republikanische Regierung und der republikanisch gesinnte Teil der Beamtenschaft sich bis zur äußersten Möglichkeit und bis zur gegenseitigen Vernichtung er fleischt hätten. Dann rräre der Augenblick für die einde der Republik gekommen gewesen. Durch das Einlenken beider Teile ist diese äußerste Gefahr noch einmal gebannt worden. Aber man darf sich nicht darüber täuschen, dast auch so in den hinter uns liegenden Tagen ge- kämpft worden ist auf Kosten der Festigkeit und derKraftderRepublik. Deshalb das Bemühen aller Feinde der Republik, den Streik zu verewigen, deshalb ihre Enttäuschung über seine Beendigung. Das gilt nicht nur für die Deutschnationalen, sondern auch für die K o m m u n i st e n. Aus dem Klagegesang der„Roten Fahne", über den Abbruch des Eisenbahnerstreiks geht ganz klar hervor, dast sie auf die Gelegenheit gehofft hatten, diese Bewegung bis zu dem Hitzegrad anblasen zu können, bei dem die demokratische Republik ausgebrannt wäre, um dann auf der rauchenden Trllmmerftätte die Rätediktatur zu errichten. Immer wieder betont die„Rote Fahne", dast es ein Fehler gewesen sei, den Kampf um rein wirtschaftliche Ziele zu führen. Die Eisenbahner müßten erkennen,„daß es t e i n e .Kämpfe mehr gibt, die beschränkt werden könnten auf r e i n w i r t s ch a f t l i ch e Ziele". Eins ist daran richtig, nämlich die Tatsache, daß derartige Streiks, die an den Lebensnerv des Staates und der Gesell- schaften tasten, ohne politische Folgeerscheinungen nicht blei- den können, selbst wenn sie ursprünglich nur als rein wirt» schaftliche Kämpfe gedacht waren. Es ist viel leichter, ein« solche Bewegung zu entfesseln, als sie in den weiteren Stadien in der Hand zu behalten. Gerade deshalb ist immer wieder zu ver- lakigen, daß vor einer solchen Bewegung die verantwortlichen Führer und Organisationen mit der größten Gewissenhaftig- keit die Frage prüfen, ob wirklich alle anderen Wege erschöpft sind. Die Selbsttäuschung der„Roten Fahne" liegt in einem anderen Punkt: nämlich in dem irrigen Glauben, daß der Fortgang der Bewegung nach ihren Wünschen zu der von chr ersehnten Rätediktatur geführt hätte. Er hätte in Wirk- lichkeit einen Sieg der monarchistischen Reaktion a u f d e r g a n z e n L i n i e herbeigeführt. Die..kühlen Be- obachter' um Herrn Hergt spähten nur auf den Moment der äußersten Erschöpfung der Kämpfenden, um von ihrem Be- obachterposten herunterzusteigen und mit geschonten Kräften ihre Diktatur aufzurichten. Wie in Ungarn und in Bayern wären auch hier die Kommunisten nichts gewesen als die Schrittmacher der Reaktion. ßrankrekchs neue �eeresvorlage. Nebrr Millionen Mehrauegabe. Wir veröffentlichten in unserer Dienstag-Abendausgabe ein Schreiben des Rcichstansabgeordneten Dr. D e r n b u r g, in dem es zum Schluß hieß:„Daraus ergibt sich, daß Frankreich seine ge- waltige Rüstung gegen England und Amerika aus dem Geld« be- streitet, daß es beiden Ländern schuldig bleibt." Der Etat der neuen französischen Heeresvorlage wird nunmehr bekannt. Der Entwurf beding! in seiner gegenwärtigen Form eine ZNchrauegabe von über 40!) MMonen Frank gegenüber dem vcrslosscnen Zahre. Davon entfielen LliO Millionen auf die Unterstützung der bedürftigen Fa- Milien, die durch den Militärdienst ihres Ernährers beraubt werden. Der Rest verteilt sich wie folgt: Einberufung der Reservisten für die Jnstruktwnsperiode 71 Millionen. Vermehrung der Berufssoldaten von 69 000 auf 110 000 Mann 80 Millicnen. Sold für Ergänzungsoffiziere 17 Millionen. Erhöhunq der Ei«geborenen- Kontingente von 15 000 Mann auf 80 000 37 Millionen. Militärische Vorbereitungen ÜMs Millionen. Aber man scheint inzwischen in Frankreich zu der Einsicht ge- langt zu sein, daß diese Heeres„rcform" nicht geeignet ist, im Aueland neue Freunde zu werben und wlte Freundschaften zu erneuern. Deshalb hat P o i n c a r c ein System von Abstrichen ersonnen, das die militärischen Lasten dieses Lahres den Ausgaben des vergangenen Jahre« angleicht, ohne doch die Sache zu treffen. Er empfiehlt dem Parlament, die 200 Millionen für die Familien- Unterstützung fallen zu lassen und Abstriche im Etat für Freiwilligen- Werbungen und militärische Vorbereitungen zu machen. Womit ja wohl bewiesen ist, daß Frankreich die friedlichste Nation der Welt ist. fkuolanösrunSscbau. Pius XT hat unmittelbar nach seiner Wahl die auch von uns erwähnten Aeußerungen dementieren lassen, die er noch als Kardinal einem Verichterstchtcr der„Nozionc" gegenüber getan haben sollte, und die ihn in dcnMus[er Deutschfcindlichkeit gebrocht haben. Demgcge über bält allerdings der Berichterstatter den In- halt des Interieurs aufrecht. Uns scheint, daß es weniger darauf ankommt, ob er als Kardinal jene Aeußcrungen tatsächlich ge- braucht hat, al» ob er sich als Papst zu ihnen bekennt. Der albanische Innenminister Ahmed Bey Matt Ist er- mordet worden. Serlln hofft! Heber Berlin hat die düstere Wolke des Mißmuts eine kleine Aufhellung erfahren. Die Bevölkerung hofft auf die baldige Arbeits» wiederaufnähme und aus die Wiederkehr geordneter Berhäitnisse in absehbarer Zeit. Wenn nur die fürchterlichen Entfernungen in der Riesenstadt nicht wären! Für viele ist es latsächlich unmöglich, zu Fuß die Ar- beitsstätte zu erreichen. Daher staut sich die Menge vor den Hoch- und Untergrundbahnhösen in lebensgefährlichem Gedränge. Dort herrscht tatsächlich die Ellenbogenfreiheit in des Wortes verwegenster Bedeutung. Schwer keuchen aber auch die Autoomnibusse unter ihrer menschlichen Last. Sogar das Verdeck, der Berliner nennt es schön das Blumenbreit, ist trotz der Hundekalte knackend voll. Und' die Schaffner mahnen und warnen viel, um Unvorsichtige auf Ge- fahren aufmerksam zu machen Ferner nimmt die Zahl der Fuhr- werke aller Art, die sich in den Dienst der Mzuischenbeförderung stellen, ständig zu. Doch schaffen sie nicht viel, weil es den Pferden gar zu sauer wird. Die unterbundene Gasversorgung macht sich neben der Kohlen- not auf das unangenehmste bemerkbar. Vor den Kohlenstellen ist natürlich Hochbetrieb und um ein paar Kloben Holz muß man gar grausam lange anstehen. Die Holzladungen werden auf Schlitten. in Kinderwagen usw. forigeschasst. Oft mühen sich Kinder und Greise ab, und der Heimtransport der Feuerung geht zuweilen weit über ihre Kräfte. Die Hamsterei geht weiter, und die Ladenbcstände erfahren zu- sehends Verminderungen. Das einzige, was zunimmt, ist der Müll auf den Höfen, weil er so schön danach angetan ist. auch seinerseits noch die Unannehmlichkxilen zu steigern. Leichte Besserung im Verkehr. Der Abbruch des Eiscnbahnbeamtenstreiks tonnte sich Im Laufe des Vormittags im Berliner Bertehr noch nicht bemerkbar machen. Noch waren die Nothclser an der Arbeit, aber der Notoerkehr auf den einzelnen Vorvrlstrecken zeigte gegen die Vorlag« schon wesent- liche Besserungen. Während aus Ring- und Vorort st recken der Berkehr noch ootlständig ruhte, wickelt« er sich aus der Wannseehbahn schon mit einiger Regelmäßigkeit ab. Die Züge fuhren bereits in Abständen mit einer halben bis einer ganzen Stunde— Im Fernverkehr des Potsdamer Bahn- Hofs konnte außer den sonst verkehrenden Zügen noch ein Schnell- zug in der Richtung nach Magdeburg— Braunschweiq in den Vor- Mittagsstunden abgefertigt werden, während der übrige Fernver- kehr in den Vormittagsstunden in gleicher Weis« bedient wurde, wie an den Borkigen. Eine Besserung wird erst die allmählich fort- schreitende Arbeitsaufnahme bringen können.— Die Unter- g r u n d b a h n und die K r a s t o m n ib u s s e waren wieder außer- ordentlich stark besetzt. Auf einzelnen Untergrundbahnhösen waren die Bahnangestellten, wie auch an Bortagen, gezwungen, wegen der außerordentlichen Ueberfüllung der Züge und der Bahnsteig« die Zugänge zu den Bahnhöfen vorübergehend zu schließen. Der Verkehr zeigte späterhin»ine geringe Abnahme, so daß der Zugvcr- kehr wievcr geordnet wurde.— Im Güterverkehr machte sich der Frost sehr störend bemerkbar und erschwerte die Abfertigung der Züge außerordentlich. Der leichte Schneefall war ohne Einfluß, doch litten die großen Rangierbahnhöse unter erheblichem Personalmangel, so daß auch hier die Ausnahme eines geordneten Der- kehrs noch nicht möglich war. Z?ahrgelderstattuntz für Zeitkarteninßaber. Der Reichsverkehrsminister hat angeordnet, daß Anträge auf Erstattung von Fahrgeld aus Anlaß der jetzigen Vertehrseinstellung mit größter Beschleunigung und in entgegenkommender Weise erledigt werden sollen. Bei Zeitkarten aller Art ist das ahrgeld nicht nach dem Grundsatz der Anrechnung des regelrechten Inzelpreises für täglich zwei Fahrten, sondern nach dem Ver- hältnls der Benutzungszeit zu erstatten. Aus Zeitkarten, die nach der Wiederaufnahme des Betriebes gelöst werden, findet diese Anordrwng keine Anwendung. fromme versammlungsstörer. Die.Freie Swu Ige m einde Berlin- Tiergarten", die in lürzester Zeit sich icdon reck» stark einwickelt bat, veranstaltete iür Die drei t a i h o l>> ch e n@ Aulen Moabits eine Eltern- Versammlung. In den vorhergebeiiden Tagen batte sie die evange- liiwe Elternlä'ait IN Versammlungen Mit den Ziele» der modernen Schulpädagogik belaningemacht. Während nun in diese» Ver anim- lungen Bcsürworier und Gegner ver Scknilrelorm und der weil- liAen Schule debaitierieri. kam die katboliiche Eltein'ckiafl mit einer bestiminien Parole in die Beisammlnug. AIS P-arrer Genosie Bleier in'einem Vomag« ,J st die weltliche S rb u l e religionslos?" daS Wort erhielt, erschollen viele Nu'«:.Zur TageS« ordnung!", unterstützt durch Vormarsch gum VorstandSliich und elus« stehen aller übrigen, allgemeines Diirchemonde� sprechen aller.Frommen" machte es unmöglich, zu erfahren, worin die N suche oder daS Ziel der Ansregung zn suchen war. Endlich verichaffie sich der Vor- sitzende Gebär, flnf leine Frage, was man eigeniliw mit dem Tumult berweckie, war die«nrwort, daß die katholische Elternschaft e« ablehne, mit AnderSdenlende» über Fragen der Schulreform und der Kinder- erziehung ,u sprechen und es nIS eine. F e ,i> b e i t leiienS der Genosse»" betrachte, katholische Eltern z»„ememmmer Sitzung zu lade». Die Führer forverten ihre Schä'lein aui, de» Saal zu verlassen und nach der ewen-n Versammlung in der Zwii'glistratze zn gehen. Durch die aui den Treppen und dem Schiilhoi»mberstehend«" Gnip'en erfahr man, daß jene Herr- ichaften. die meiit aus polnischen Kreise» zu stammen schienen, z» d-m auSichlieiU'che» Zweck der BersammlungSiprengung erschienen tvaren. M in hatte selber den Vorsitzenden und den Nefe, ente» stellen un' eigene Smichließungen durchsetze» wollen. Die Be'oiineiiheit unserer Genosie» vcrdindcrie spl'minere Folgen dieser Herausiorveruug. Auch linsere Fiauen halten übrigens bei der Verteilung vo» EiniadungSzetieln vor den Schulen sich gröbsten Belästigungen aussetzen müssen. Veraubuvgen von Güterwagen. Aus beraubten Güterwagen stammt ohne Zweitel ein großer Posten Waren aller Art, der gestern Kriminalbeamten tn einem Lokal in Reinickendorf in die Hände oefallen ist. Die Beamten beschlagnahmten d-art sür über 100 000 M. Chromleder, Weinkrüge mit Bromsalz, Blechbehäiter mit Oel u. a. m. Die Verpackung der Ware läßt erkennen, daß«s sich um Sendungen handelt, die aus Eisenbahn- wagen oestohlen worden sind. Außer diesen Waren wurden noch leere Säcke und anderes Vrrpackungsmai«' ial be'chlognahm', das verschiedene Firn-enbezrichm ngen trägt, wie Kluge u. Komp., Telka, Berlin. P. A. Mannheim? Brockau Meyer, Ossenbach u'w. Do zum Teil die Eigentümer des besch'aanahmten Gu'es noch nicht bekannt sind, so wenden diese er'ucht, sich im Zimmer 06 des Ber« liner Polizeipräsidiums bei K iminalkommisiar Ouecß zu melden. Veilhiebe aus wehrlose Frauen. Eine schwer« Bluttot bat sich in Potsdam abgespielt. Der bei der Witwe Emma Bai er im Hause Junkerstraße 49 zu Potsdam wohnende Arbeitclose Gustav Moritz, ein zu Gewalttätigkeiten neigend r Mann, ver- setz« gestern nachmittag durch einen Ang ist auf sein« Wirtin und die Hauseigentümerin Frau Emilie S ch w e n n die Hausbewohner in Aufregung. Moritz geriet mit der Wirtin in einen Sireit, holte ein Beil und zertrümmerte die Wohnungslüren. Dann ließ er'eine Witt an den Ein Ichtt-naea-'aens'Lnden aus und ariff auch die Witwe Baier an, die vor ihm flüchtete. Er verletzte sie durch Beilbiebe an Kopf und Händen. Moritz wurde verhatte', während die schwerverletzten Frauen in ein Krankenhaus überführt werden mußten.__ Hrost-Serliner partemachricktten. Heute, MItlwoch, den S. Februar: III. Abt., Llchwribera. 7'/, Ubr AbieN»»g»»»rsammluni Im«rsangssaal d,» tacrllenlyjcmn». Reserent! Daniel Börtel. Thema. Da» neue Parteiprogramm. Gewerfschastsbewegung Deutscher Bekleidungsarbeiter-Verband. Die Jahresgeneraloersammlung der Filiale Berlin fand am 30. Januar in den Räumen der Brauerei Friedrichshain statt. Kollege Kölsch gab zunächst die Abrechnung vom letzie» Quartal 1921. Dann gab Kollege Lehmann den Jahresbericht. Die Mitgliederzohl ist im letzten Ouarlal gegenüber dem vorhergehenden um rund 6000 gestiegen. Dazu bedurste es intensiv- ster Arbeit oller Funktionäre. Redner wies insbesondere darauf hin, daß in Anbetracht der bevorstehenden Situation in f i n a n- zieller Hinsicht tii Organisation wesentlich gestärkt werden müsse. Für die Arbeitslosen wurde ein Fonds geschossen, aus dem dieselben periodisch Zuschläge erhalten. Lehmann erinnerte auch an die Listen der Rußlandhilse, woraus im Laufe des Jahres 47 858,75 Mark eingegangen sind. Zur Erledigung der Lerwaltungs- und Agitationsausgaben waren zusammen 2000 Sitzungen und Versamm- lungen notwendig. Zur Schulung der Betriebsräte soll die Organi- sation mit ausklärende» Vorträgen eingreifen. In den 25 Branchen der Filiale sind im einzelnen trotz großer Widerstände Erfolge erzielt worden. In der Hauptsache sind die Frauenlöhne den Männerlöhne» wesentlich nahe gekommen und um durchschnittlich weit über 100 Proz. gegenüber dem Vorjahre erhöht worden, in einigen Branchen sogar um über 200 Proz. Zu- sammenfassend erklärte Redner, daß innerhalb der Organisation sieberhakt gearbeitet wurde, daß gegenwärtig und in den letzten Mo- naten sich der Schwerpunkt der Tätigkeit in der Wahrnehmung aller Interessen der Mitglieder gegenüber dem Unternehmertum kenn- zeichnete. Da» gesamte Berbandsleben drehte sich im letzten Jahre lediglich um den Tariflohn. Jeder Tarifabschluß wurde, ehe die Tinte der Unterlchrift trocken war, von der fortgesetzten Preissteige. runq bereits überholt. Redner verwies dann welter daraus, daß heute im Unternehmerlager alles mit Kampsesstimmung erfüllt ist, und daß wir uns besonders unserer Pflicht bewußt sein müssen. Wir haben die Schlußfolgerung zu ziehen, die Stärkung unseres Ver- bandes mit allen Mitteln zu betreiben. Während der Berichterstattung erschien der aus dem Verbände ausgeschlossene kommunistische Stadtverordnete Schumacher al» Berichtes st alter der„Roten Fahne". In der Diskussion buhlten die kommunistischen Mitglieder um die Stimmen der Rechtssozialisten. An dem Jahresbericht selbst konnten sie eine ernsthafte Kritik nicht üben: nur der Fall Schu- macher hatte es ihnen angetan. Sie beantragten, daß die Mit- gliederversammlung gegen den Ausschluß Sch.s protestieren und dieser nach wie vor Mitglied der Filiale Berlin bleiben soll. Ueber diesen Antrag konnte in der Ortsverwaltnng nicht mehr entschieden werden. Der Antrag wurde jedoch nicht zurückgezogen, die Der- sammlung aber geschiossen. Seit einem Jahre war die Berliner Filiale durch tumultartige Szenen kommunistischer Mitglieder nicht in der Lage, eine ord- mmgsgemäße Generaloersammlung abzuhalten. Dieser Zustand muß ein Ende nehmen. Es ist daher notwendig, daß die Betriebs- räte und Vertrauensleute zu dieser Siluatlon Stellung nehmen und Beschlüsse fassen, die ejne fernere gedeihliche Fortentwicklung der Filiale gewährleisten._ Neue Löhne im??uhrgeh>crbe. Durch Verhandlung mit der Fuhrherrninnung zu Berlin und dem Deutschen Transportarbelterverband find die Löhne für da» Last- und Lelchtfuhrwerksgewerbe Berlins für die Zelt vom 27. Ja- nuar 1922 bis 28. Februar!922 wie folgt vereinbart worden: für Lastkraftwagenführer, Schwerfuhrwerkstutscher, Arbeiter, Stalleute und Wächter 500 M., Lelchtfuhrwerkskutscher 530 M., jugendlich« Zeitung»- und Aktenwagenkutscher bis zu 18 Jahren 350 M., Leicht- fuhrwerkskutscher. die durch Unfall oder Invalidität weniger leistungsfähig sind, mindestens 470 M., Arbeiterinnen 400 M. wöchentlich. Unständige Arbeiter erhalten pro Stunde 12,75 M.. Ueberstunden werden mit l2,75 M. bezahlt, an Jugendlich« mit 9.50 M. Für die Pserdepflege an den Sonntagen vormittags er- halten dl« Kutscher für die erste Stunde 12 M., bis zu zwei Stunden 16 M. Das Füttern der Pferde an den Sonntagen nachmittags wird mit 12 M pro Stunde bezahlt. Der ebenfalls neu abgeschlossene Manteltarifvertrag»st tm Bureau des Deutschen Transportarbeiterverbandes. Engelufer 24 25, v. II, Zimmer 36. bei den Kollegen John oder S y d o w«rhättlid*. Beamtcnmusiker. Aus Gewerkschaftskreisen wird uns geschrieben: Die organisierten Berussmusiker führen einen schweren Kamz� um ihre Existenz, der ihnen vor allem dadurch erschwert wird, daß sich die Beamten durch gewerbliche» Musizieren eine Doppelexistenz verschaffen. Zwar besteht eine Berfügung des Ministeriums des Innern, noch der„den Beamten grundsätzlich dos gewerbliche Musi- zieren nur auf Grund einer besonderen Genehmigung und in Aus- nahmefällen gestattet ist. Dabei loll besonders daraus Rücksicht ge- nommen werden, daß durch die Erteilung der Genehmigung die ge- werblichen Musiker nicht geschädigt werden." An diese Verfügung kehren sich weder die Unternehmer noch vre Beamten. Die ersteren nicht, iveil sie In den Beamten billige Kräfte finden, und die letzteren nicht, weil sie tn ihrer Beamtenstellung sich einen Nebenerwerb verschaffen wollen. Die Beriilsmuslker wollen und können sich diese Schmutz- tonkurrenz nicht gesotten lassen. Do sie jedoch bei den Unternehmern wie bei den Beamten für ihren sch.veren Komps um ihre Enstenz kein Verständnis finden, alle Vorstellungen und Ermahnungen keinen Erfolg haben ersuchen sie die Berliner Arbeitnehmerschaft, sie in diesem Kampfe zu unterstützen. Die Musiker stützen sich dabei auf einen Drschluß der Plenarversammlung der Gewerkschaft-kommission. durch den ihnen diese Unterstützung zugesichert worden Ist. Zu den Etablissements. In denen Beamtenmusiter beschäftigt werden, gehört der Sportpalast. Potsdamer Strabe72,>n dem trotz Dorstelllnwerden von der Direktion nicht» geschehen ist, die Beamten zu entlasten und an deren Stelle Beruf,- musiker zu belchäftinen. Die'es unsoziale Verhalten der Direktion und der bei ihr mustzierenden Beamten muß von der Berliner Ar- beiterschoft nach Gebühr gewürdigt werden. Nahrhafte LlgitationSmethoden. Im Betriebe der Norddeutjchen Eiswert«. Berlin, Köpenicker Straße 40— 41, sind unter anderem auch einige im..Zentraloerband christlicher Fobrik- und Transportarbeiter" organisierte Proletarier befchäiiigt. Auch diese haben erkannt, daß Hunger und Not bitter weh tun und offerieren— lediglich aus christlicher Nächlleniiebe— jedem, der sich ihrer, Gott und den Kaptalisten wohlgelälligen Or�anlsatton anschließt. Kartofsein zum Preise von 100 M. pro Zentner. Wer also keine Kartofsoin Hot, kann hier— wenn er nur ein klein wenig Talent zum Gesinnungslumpen Hai— welche zu erschwinglichen Preisen ergattern. Wenn diese„Christen" nun auch noch dafür sorgen, daß in jeder Kirche eine Schlächterei«in- gerichtet wird, die all« golteslürchtigen Seelen mit R-nd-, Schweine- fleisch und Suppenknochen usw. zu herabgesetzten Preilen oersorgt, dann ist'die Arbeiterfrage gelöst und im Himmel Hochkonjunktur m der Zuwanderung geretteter Seelen. vrenstein n. Koppel. AkI..Ges„ Spandan syauplfabrlk). Infolg« Kohlenmangels setzt die Belegschaft außer Sägewerk, Glühofen, Reparaftirabtebung und Transportarbeiter, bis auf weitere» aus Alle Berliner Kollegen erhalten Informationen im Arbeilslosenraum des Deutschen Metallarbe'terverbande» In der Zeit von 9—1 Uhr oormitteo-i. Die Lohozahlnng iür die Berliner Kolleaen findet am Freitag 3'A Uhr im Berbandshous des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, Linienstr. 83— 85, statt. Vtriianb der Sattler. Tav», Irrer«nd Port-IrvINrr.»onnrrrtas. adrnd, 7 Ndr, ftatire«'®rnfralofr(ammiima im Sani I d« Iahre«- dtriiMf"brr Sortih-Nden und Rafnrrrr. Einlrrti nur gegen Legitimation. Deutscher Hoiiarbeltrr Derdand Die Aranchenoersammiung der ModeNtttchirr -n den Privaidenleden iindel tente. nicht Donnereiag. adend»«>',«hr im Arbeit». wirnlaal. Rnngerirade 30,(tatL Tagerordnung: Unter Lohnoh'ommen Die DranchenIeUnna Peraniw. tllr den redall. Teilt gran» ltliih» Berlin-Lichte rseldei fllt An- «r.acn: Tin®lo