Nr. 74»ZY.?ahrgasy Musgabe Ä Nr. 57 Bezugspreis: W«rWjii>!rl.SO,— M., numstl-M,— SBt k«i ins Saas, voraus zahidar. Pok- drzug: Monatlich ZU� M. einschl. Zn- stellunqozeliülir. Uuler Kreuzband m: Deuischland, Dauzig. da» Eaar- und Meineiaebict. koirie die ehemals dem- scheu Sed'et» Valens. Oesterreich- Ungarn und?uxemdurg hj.— M., für das übrig» Ausland 72.— M. Poll- besisUungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tscheche- Slowalei. Dane- mar!, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der»Pornillris» mit der Sonntag». bcilage„Salt und Zeit", der Unter- ha.iungsbeilage.Heimmelt* und der Seilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint«ochentiiglich zweimal. Sonn- tags und Montag» eiuinal. Delegramm-Adrefle: »Sozioldeinotral verlin" Abend Ausgabe c 0r«>a»Ssr»n 40 Pf, auswärts 50 Pfennig D Bcrltiicn Poütelilall AozetgenpretSi Die zehngespaUrn,«onoareRejetle kostet S,— M„Aletue Anzeigen" das tettgedruckte Wort M.(zu- lüsstg zwei fengedruckte Wone). tedes weitere Won UM M. Stellengesuch! und Schlafstellenanzeigeii da» erste Won 1,50 M.. ledeo Vettere Wort l,— M Wort» Uder 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Zramilien-Bn- «eigen für Abonnenten iirtl» 4,— M Die Preise verstehe» ftch«tnschliehlisti Teuerungszuschlag. Anzeigen für dt» n 2 ch st e Nummer müssen dt»«>/, Ahr nachmittag« im Hauptgeschäft. Berlin SW A, Linden- itroße Z, abgegeben werden. Seössnei von« Uhr srüh bt» 5 Uhr nachmittag, �entralorgan cler fosialckemokratifcken Partei DeirtlcHancls Neüaktion und Expedition: SL? dS, Ltndenstr.Z Redaktion Storitiplat, IKlvS—»7 �erntprrrqrr. �,�tton Rtori-vla« II7SS— Sä Montag, den 13. Februar 13ÄÄ Vonvärts-Verlag G.m.b.H., SW 08, Lindenstr.? Seerntat-relirt-- Bering. Trpediti»» und Inserate». • Abteilung Morinviatz 11753-54 Konferenzbeginn nach Ostern. man rin t>7lnversilinvnts n nxlde von englischer Seite die Ansicht Best? sei, die B o l s ch e w i st e n zu gen ver tschechoslowakische Ministerpräs Das Londoner Kabinett wird sich heute mit der Note Poincarcks über die Verschiebung der Konserenz von Genua beschäftigen. Noch sollen Lloyd George und auch Bononii gegen die Verschiebung sein, aber Hcvas pricht von Meinungsverschiedenheiten im englischen Kabinett und nach einer Gsteuropc-Meldung glaubt man in Paris, daß England einer kurzen Vertagung, bis nach Ostern, zustimmen werde. Nach dem„Observer" zu schließen, geht Poincar�s Absicht dahin, die Konserenz möglichst ausschließlich mit R u ß l a n d zu befassen. Die letzten Aeußerungen Lloyd Georges zeigen ja schon, daß über Versailles und Reparation in Genua nicht geredet werden soll— wenigstens nicht offiziell. Unter solchen Umständen wird ja nicht allzuviel für die Besserung der Weltwirtschaft herauskommen! Mit Poincar�s Vorschlag, das Gcnuescr Prograinm durch englisch-französische Sachverständige vorberaten zu lassen, wo- durch ja der Konferenzbeginn auch hinausgeschoben wird, soll sich England, allerdings nach französischer Meldung, schon ein- verstanden erklärt haben. Inzwischen gehen die O r i e n t Verhandlungen zwischen London und Paris weiter.„Echo de Paris" meldet dazu. Eng- land verlange immer noch, Frankreich solle sich unverzüglich bereit erklärt, der Regierung von Angora die neue Fassung des Friedens von E�vrcs, auf die sich Frankreich, England und Italien einigen könnten, mit Ge w a l t aufzuzwingen. Während auf französischer Seite die Meinung vorherrsche, der türkisch- bolschewistische Block könne am besten dadurch aufgelöst werden, daß man ein Ekn v e rst ä n'd n i s mit den Türken suche, Seite die Ansicht vertreten, daß es das zu gewinnen. �, lterpräsident Dr. B e n e s ch ist in Paris angekommen. Er erklärte einem Vertreter des„In» transigeantch er wolle die alliierten Regierungen vor der Konferenz von Genua über die Lag« in Mitteleuropa auf- klären. Die Staaten der Kleinen Entente hätten schon vor einigen Tagen beschlossen, unter sich eine Vorkonferenz abzu- halten. Aus Washington meldet der„Daily Chronicle", daß man . dort für die Verschiebung der Konferenz sei, aber nach wie vor mit der Sowjetregieruna nichts zu tun haben wolle. Nach dem„Intransigeont" ist am Sonnabend eine Dele- aation der Reparationskommisston unter Führung des. belgi- i-ben Delegierten Bemelmans nach Berlin abgereist, wo sie sich mit Dr. R a t h e n a u in Verbindung setzen wird, um eine o.rSßkrc Regelmäßigkeit in den Sachlieferungen zu verlangen, di- Deutschland außerhalb des Wiesbadener Abkommens zu leisten hat. Die internationale Reparationsanleihe. Varls. 1Z. Februar. bestehe die Absicht, noch vor der Konferenz von Genua sich mit der Frage einer internationalen Wleihe für die deutschen Reparationen zu beschäftigen. Pertinar in„Echo de Paris" gesteht zu. daß der in Vondon arszestellte Plan für die Verteilung der deutschen Iahlungen nicht aufrechterhalten werden könne. Die Hauptsache sei. die Icic" abzukürzen, innerhalb der Deutschland stine Derpflich- tunqen abzutragen habe. Dies sei jedoch nur möglich durch die inter- nationale Anleihe. Aufgebracht werden könnten V. 200 Millionen Vfund Sterlinn, 100 Millionen Dollar. 500 Millionen Schweizer Franken, 200 Millionen belgische Franke». 100 Millionen Lire. Per-. tinax nennt diese Summ« ein Linsengericht. Mit den 720 Mil- lionen Goldmork, die Deutschland 1S2Z zu bezahlen habe, müsse man sich wenigstens vorlöusig begnügen. Jugoslawien revidiert. velgrad. tZ. Februar.(„Franks. Zig.".) Zm«veifie des ab- geschlossenen handelsverirage» mit Deutschland beschloß die Regie- rung, in den Beziehungen mit der deutschen RepubNk den Aersailler Artikel IS, betrrsfend das Pfandrecht gegen das deutsche Eigentum im Aaslande, außer Kraft zn sehen. Hierdurch wird das Zröhle Hindernis für die freie Eulwickluug der gegenseitigen Handelsdeziehuuzeu Die Dorfe in guter Laune. An der heutigen Berliner Börse trat eine kräftige Auf- wärtsbewegung des Dollars ein. Er wurde bereits im Laufe der ersten Börsenstunden mit 202 bis 203 gehandelt. Am Effektenmarkt prägt sich die Hausse immer deutlicher aus. Die Befürchtungen hinsichtlich einer bevorstehenden Kabinettskrise vermögen das Geschäft nicht zu stören!-_ Staatsstreichgefahr in Ungarn. Am den wahlrechksraub durchzudrücken, plant horkhy einen Staatsstreich. Me die»Ung. Korr." meldet, tlchlele dle OppofiNoa au horthy ein Manifest, worin sie ihn an seinen Eid erinnert und aus die kataskrophaleu Folgen eine» Verfassungsbruches hinweist. Es erscheint ausgeschlossen, daß die Rationalversammlung, deren Mandat Donnerstag abläuft, bis dahin das neue Wahlrecht annimmt. B echten beabsichtigt dann, entweder auf dem verordnungswege seinen reakNo. nären Wahlrechisentwurf zum(des eh zu erheben oder eigenmächtig die Mandalsdauer der Rationaloersammlung zu verlängern. Er hat für seine Pläne nunmehr auch die Partei der kleinen Landwirte ge- wonnen, die unter Verleugnung ihrer bisherigen GrundsShe dem Wahlrechlseniwurf zustimmt, welcher gerade einen großen Teil der Kleinbauern vom Wahlrecht ausschließt und den Schluhpontt der reaktionären Bewegung der letzleu zwei Jahre bilden soll. Arbeitspflicht. Budapest, 12. Februar.(Uft.) Dle ungarische Regierung hat den Entwurf eines Gesetzes ausgearbeitet, auf Grund dessen jeder männliche Staatsangehörige von 18 bis 43 Jahren im Bedarfsfalle zu Arbeiten von öffentlichem Interesse einberufen werden kann. Die linksstehenden Parteien, insbesondere die Sozialdemokratie, kündigen den schärfsten Kampf an, da die Regierung offenbar damit den Zweck verfolgt, billig« Arbeitskräfte zu beschaffen und Streiks, selbst Lohn- bewegungen zu verhindern. Ein politischer Mord? Budapest. 12 Februar.(Uft.) Der Abg. Michael Kerekes ist unter mysteriösen D e c g i f t u n g s erscheinungen plötzlich ge- starben. Die Polizei hat die Sektion der Leiche angeordnet.— Kerekes, der im 50. Lebensjahre stand, war einer der wenigen Ab« geordneten, die in der Rationalversaminlung von Anfang an gegen den weißen Terror ihre Stimme erhoben und dessen Schandtaten an den Pranger gestellt haben. Dos trug ihm die Todfeindschaft aller terroristischen Elemente ein, die wiederbost Drohungen gegen ihn richteten. Es wurde gegen fterekes auch ein Strafverfahren wegen Aufreizung eingeleitet, das mit seiner Verurteilung zu 3 Monaten Gefängnis endet«. Ob sein jetziger Tod die Folg« eines Mord» a n s ch l a g« s ist oder ob fterekes seinem Herzleiden«um Opfer siel, soll sich noch ergeben. Die petersüorfer Untersuchung. Staatssekretär Dr. Peters Hai sich von Breslau nach Berlin zurück begeben, um der Reichsregierung Bericht zu erstatten. Die eingehenden Ermittlungen haben, so schreibt WTB., keine An- Haltspunkt« dafür ergeben, daß die Vorfälle in Oberschlesien etwa ihren Ursprung außerhalb des besetzten Gebietes haben und Zeichen einer allgemeinen militärischen Bewegung sind, wie dios französischerseits angenommen worden ist. Die Borfälle sind von keiner Stelle außerhalb des besetzte» Gebietes geplant oder ins Werk gesetzt worden._ Keine Kuhc in Jrtand. I» Clonts(Provinz Ulster) beschossen republikanische Truppen und Spezialkonstabler einander: vier Konstabler und ein republika- nischer Soldat wurden getötet. Die republikanischen Militärbehörden haben über den Bezirk von Croßmolma(Provinz Connaught, Grafschaft Mayo) wegen der vorgekommenen Gewalttätigkeiten. Brandstiftungen und Diehdiebstähle das S t a n d r e ch t verhängt. Zehn Personen wurden wegen Biehdiebstabls vcrhaftet. „Daily Chronicle" meldet, daß die Ermordung der fünf Ulster- Polizisten durch irisch« Republikaner in Clones die Regelung des irischen Gesamtproblems wesentlich erschwert habe. Unter dem Vorsitz Churchills wurde eine Ministerkonferenz obgc- halten, auf der eine sehr ernsthafte Auffassung vorge- herrscht hahe. Der Premierininister van Ulster, Sir James G r a i g. habe den Borschlag gemacht, daß britisch« Truppen den Schutz der Grenze Ulsters übernehmen sollen Den Wahlfcldzug der Repu- blikaner gegen die Freistaatkpartci eröffnete eine Dubliner Rede de Laleras, in der er sagte, daß sich die Republikaner in keiner Weise durch den Londoner Vertrag als gebunden»achteten. Für die Lösung der Ulsterfrage empfahl er Bolksbefragung. Der russische volk-beanfiragtc kcasstn ist heute auf der Durch- reise von London nach Moskau in Berlin zu kurzem Aufenthalt «wgetrossen. Stinnes vor den Toren! Laßt ihn doch nicht herein! „Stinnes steht vor den Toren!" So überschreibt die „Freiheit" ihre Betrachtungen über die neue Krise. In der letzten Zeit haben wir öfters gelesen, er sei schon drinnen, und so ist es uns doch einigermaßen beruhigend, zu erfahren, daß er einstweilen immer noch vor den Toren steht, obwohl der Artikel der„Freiheit" stark auf den Ton Ver höchsten Be- sorgnis gestimmt ist: O weh, wir sind verloronl Er steht schon vor den Toren! Die„Freiheit" meint nämlich, die Deutsche Lolkspartei Hab« diese Krise herbeigeführt, um desto schneller an das Ziel ihrer Wünsche zu kommen, und schreibt zum Schluß: Wie die ftrise enden wird, läßt sich noch nicht absehen. Wahr- scheinlich werden die Tage bis zum Mittwoch dazu benützt werden, um mit der Deutschen Voltspartei«in Kompromiß zu schließen. Die Herren um Stinnes werden in der Ausstellung ihrer Bedingungen sicherlich nicht zurückhaltend sein. Durch ihre eigene Schuld hat sich die Regierung in diese Lage Hinein manövriert. Stinnes steht vor den Torenl Zwischendurch versucht die„Freiheit" allerdings, ihren Lesern wieder etwas Mut einzureden, indem sie erNärt: Will die Regierung den fturs im Innern steuern, den der Reichskanzler am Donnerstag und den die Herren Groener und Hermes gestern gezeichnet haben, so soll sie offen ihr Gesicht zeigen und in die große Stinnes-ftoalition aufgehen. Wir werden den Kampf dann nicht allein führen, sondern hinter uns wird die Masse der arbeitenden Bevölkerung stehen. Und bei der Wirtschaft- lichenftraft.die dem deutschen Proletariat innewohnt, braucht uns um den Ansgang dieses Kompfes nicht bange zu fein. In Wirklichkeit liegen die Dinge doch ein wenig anders. Die Krise, aus der die„Freihest" keinen anderen Ausweg sieht als ein Kompromiß mit Stinnes. ist doch nicht von der Deut- schen Voltspartei allein herbeigeführt worden, sondern auch von den Unabhängigen. Di«„Freiheit" sagt mit hübscher Ironie, man werde nicht länger sagen können, daß der Reichstag unproduktive Arbeit leiste, denn er habe nicht weniger als fünf Mißtrauensanträg« produziert. Aber trifft diese Ironie nicht auch die Fraktion der USP.? Man soll eben keine Mißtrauensvoten einbringen, bloß um stramme Hal- tung zu markieren in der Hoffnung, daß sie doch nicht ange- nommen werden. Das soll man nur tun, wenn man die Ab- ficht hat. die Regierung zu stürzen, und diese Absicht kann man vernünftigerweise nur haben, wenn man schon einen feste» Plan hat, was man an ihre Stelle setzen soll. Sonst wird man, statt Subjekt der Politik zu sein, ihr Objekt und fördert, statt die eigenen, die Pläne der anderen! Die„Freiheit" ist aber auch insofern im Irrtum, als sie annimmt, die augenblickliche Temperatur sei günstig für ein Kompromiß mit der Deutschen Volkspartei. Das gerade Gegenteil ist richtig. Nachdem die Volkspgrtei«in gegen den Reichskanzler persönlich zugespitztes Mißtrauensvotum eingebracht hat. ist ein Komvromiß m i t i h m überhaupt nicht mehr möglich. Die viel beredete„große Koalition" wäre heute nicht billiger zu haben als durch den Sturz von W i r t h, R a t h c- nau, Schmidt und wahrscheinlich noch einiger anderer, wobei nicht uninteressant zu bemerken ist. daß der Reichsver- kechrsminister Groener auch auf der oolks Partei- lichen Proskriptionsliste steht. Glaubt die„Freiheit" erust- lich, daß die Sozialdemokratie ein solches Geschäft machen könnte? La kennt sie wahrhaftig Buchholzens schlecht! Also eine rein bürgerliche Stinnes-Regierung? Kein Kompromiß, sondern eine neue Koalition, gebildet von allen bürgerlichen Parteien unter Führung der Deutschen Volks- Partei? Die Neigung zu einer solchen Lösung ist weder beim Zentrum noch bei den Demotraten groß. Und selbst die Deutsche Volkspartei hat durch ihr Verhalten im Sommer 1920 bewiesen, daß sie ein Regieren gegen die Sozialdemotratte für unmöglich hält. Trotzdem könnten die bürgerlichen Par- teien auf diesen Weg gedrängt werden, wenn Wirth«m Witt- woch stürzte und nach einer langen ratlosen Krise kein anderer Ausweg bliebe als dieser. Die rein bürgerliche R e- gierung wird erst�dann möglich, wenn die sozialistische Linke durch ihr eigenes Ver- halten ihre Bildung erzwingt. Mit anderen Worten: Stinnes kommt nur dann durch das Tor. wenn die USP. es aufmacht und ihn mit aller Gewalt hineinzieht! Di«„Freiheit" tröstet: Wenn die Stinnes-Regierung komme, dann werde man ihr es schon zeigen! Auch wir glauben, daßdieganzeMassederSroeiterund ein großer Teil der Angestellten und Beamten gegen eine selch«- Regierung mit aller Macht ankämpfen würden. Aber was ist das für eins Taktik, den Gegner erst in die Festung zu lassen, um sie dann von außen her zu berennen? Dadurch wird der Kamps jnur erschwert und es entsteht dl« Gefahr, daß man das, was man freiwillig aufgegeben hat, nur ncch als einen brennenden Trüiumerhausen zurückerobern kann. Die Situation wäre ganz anders ohne die verfluchte Spaltung. 108 Sozialdemokraten sitzen im Reichstag, zu- gleich zogen 75 Unabhängige in ihn ein, von Kiefen gingen dann 24 zu den Kommunisten über, 14 spalteten sich später wieder von diesen ab. Alles in anderthalb Jahren. Hätten die 108 Sozialdemokraten und die 75 Unabhängigen einen ein- heillichen Block von 183 Mann gebildet, dann wäre heute das Slngstgeschrei nicht nötig:„Stinnes vor den Toren!" Stinnes steht den Toren so nah oder ist von ihnen so weit entfernt, wie es den Unabhängigen beliebt. Die Unabhängigen brauchen am Mittwoch nur zu erklären, daß sie zwar das Ber- halten der Regierung im Eisenbahnerstreik nach wie vor kritisch beurteilten, daß es ihnen aber jetzt darum gehe, die Bildung einer reaktionären Katastrophenregierung zu verhindern, und daß sie darum den Antrag Marx-Peterfen- Müller annähmen, und das ganze Stinnes-Eespenst ist zerronnen. Dann würden sich die Unabhängigen eine Macht- Position geschaffen haben und sie könnten uns helfen, dafür zu sorgen, daß bei der Liquidierung des Eisenbahnerstreiks, entsprechend dem Versprechen Wirths, keine Rachepolitik ge- trieben wird. Helfen sie aber am Mittwoch der Rechten, die Regierung zu stürzen und kommt infolgedessen eine Scharf- macherregierung' ans Ruder, dann können sich die Beamten und die Arbeiter für alles, was daraus wird, bei der USP. bedanken. Wenn also die„Freiheit" voll Schrecken ruft:„Stinnes- steht vor den Torenl", so können wir darauf nur antworten: .Laßt ihn doch nicht herein!" * Natürlich ist die Presse angefüllt von Betrachtungen über die Entscheidung am Mittwoch und mit Vermutungen über ihren Ausgang. Dabei wiegt die Meinung vor, daß das von den Regierungsparteien beantragte Vertrauensvotum mit einer wenn auch knappen Mehrheit angenommen werden wird. Die Rechtspresse tröstet ihre Leser jetzt schon damit, daß Wirth mit einer so geringen Mehrheit, wie er sie erhalten würde, nicht mehr lange werde regieren können. Da das Verhalten der Regierungsparteien auf der einen Seite, der äußersten Rechten und der äußersten Linken, auf der. anderen eindeutig bestimmt ist, interessiert man sich be- sonders für die Bayerische Volkspartei, die Deutsche Volkspartei und die Unabhängigen. Von der ersten will der„Lokal-Anzeiger" wissen, sie werde die Abstimmung freigeben, und dann würden etwa fünf Mann für das Vertrauensvotum stimmen, die anderen llch enthalten. Die Deutsche Volkspartei zeigt in ihrem offiziellen Organ, der „Z e i t", äußerste Kampfbereitschaft. Man findet da solzende Erklärung: Von der Reichstagefrakrioa der Deutschen BoSepartei tmm man jedenfalls mit aller Sicherheit behaupten, daß sie auch nicht einen Buchstaben ihres Mißtrauensvotum» preisgeben wird, und daß Herr Dr. Wirth, wenn am nächsten Mittwoch die Der- trauensfrage gestellt wird, von ihr mit aller Sicherheit ein Nein erhalten wird. Die„Dena" will erfahren haben, daß die Fraktionssitzung der Voltspartei am Sonnabend sehr erregt verlaufen sei. Herr v. K a r d o r f f sei in temperamentvoller Weise für die Negierung eingetreten und habe auf die unabsehbaren Folgen einer Krise hingewiesen, aber nur ein einziger Mann, ein V e a m t e n Vertreter, habe ihn unterstützt. Daß gerade ein Beamten Vertreter für die Regierung eingetreten sein soll, ist bemerkenswert und durchaus wahrscheinlich, denn die Be- muten haben ja von einem Regierungswechsel in diesem Augenblick das wenigste Gute zu erwarten. Von den Unabhängigen war schon oben ausführlich die Rede. So bleibt nur noch hervorzuheben, daß es auch bei den Deutschnationalen einige Meinungsverschiedenheiten zu geben scheint, wenn auch natürlich nicht über die Abstim- mung zum Vertrauensvotum. Die„Deutsche Zeitung" ist nämlich sehr erbost darüber, daß die deutschnationale Fraktion dem Antrag des Zentrums, die Entscheidung auf Mittwoch zu vertagen, zugestimmt hat. Sie meint, es wäre famos gewesen, Wie ruiniert man einen Staat? Bon Haus Klabautermann. Erste Kapazitäten haben sich die erdenklichste Mühe gegeben, das blühende Deutsche Reich kaputt zu machen. Es ist eine mühevolle Arbeit. Di« Diplomaten hatten es verhältnismäßig leicht. Das Studium der Geschichte und der Staatskunst zeigte ihnen, welche Methoden falsch sind und wie man einen Staat in kurzer Zeit an den Rand des Abgrundes bringen kann. Da sie meist von gekrönten Häuptern in ihrem Streben unterstützt wurden, gelang es ihnen durch planmäßige Anwendung dieser Methoden, dem hohen Ziel näherzukommen. Tatkräftige Hilfe wurde ihnen auch von selten be- währter Staatsmänner, besonders der Minister für das Auswärtige und für die Finanzen. Die gebildeten Kreise machten stet» aus ihrem Unwillen kein Hehl, wenn zufällig einmal ein fähiger Mann ans Ruder kam— bis in die jüngsten Tage hinein. Man denke nur an Rathenau. Das Beispiel Helfserich zeigt, wie durch geniale Or» ganisation eines feit Jahrzehnten als verfehlt anerkannten Systems die Staatsfinanzen in bemerkenswert kurzer Zeitspanne in den Zu- stand heilloser Zerrüttung geraten. Wenn die Anstrengungen solcher Männer nicht ausreichten, zog man hohe Militärs zu Rat, die sogar ihre Nachtruh« opferten, wenn es galt, irgendwelche Erfolg« aus der Welt zu schaffen. Diese Leute hatten es am leichtesten. Sie brauchten sich nur in die Politik einzumischen, und die Karr« war völlig ver- fahren. Die unbestreitbar« Tatsache entbehrt allerdings des logischen Kausalzusammenhangs. Denn obwohl unbestritten die Politiker von Politik auch nichts verstanden, hatten ste es lange nicht so gut heraus, internationale Verwicklungen unentwirrbar zu verknäueln. Das deutsch? Volk hat aber ein zähes Leben wie ein Aal. Es hielt recht schwer, es klein zu kriegen. Da verfiel die Generalität auf eine glänzende Idee. Millionen wußten und hatten es«m Ihrem eigenen Leib gemerkt, daß man es von außen her mit einer neuen Art Kriegführung versuchte. Zu dem militärischen Krieg war der Wirt- fchaftskrlea gekommen. Die Generäle hielten ober an ihrem alten Stiebet fest und schlugen siegreiche Schlachten nach klassischem Muster. Der Wirtschaftskrieg bestand für sie einfach nicht. Außerdem drangen sie darauf, zur See eine Art der Kriegführung anzuwenden, die Deutschland militärisch zwar nur wenig, aber wenigstens politisch nennenswerten Schaden verursachte. Nachdem es ihnen auf diese Weise glänzend gelungen»or, großartige militärische Erfolge ohne den geringsten Nutzeffekt für Deutschland zu erzielen, machte ihnen plötzlich ihre Aufgabe keinen Spaß mehr, und sie überließen die Arbeit, das Reich zu zermürben, der Entente, indem sie Hals über Kopf ihren Elegeszug durch ein kurzfristige» Waffenstillstandsver- langen abbrachen. Der Entente, vornehmlich Frankreich, blleb«» vorbehalten, der deutschen Wirtschaft empfindlich an die Gurgel zu iohren. Aber Deutschland röchelte immer noch. Auch Herrn General» -andichaftsdirektor Kapp glückte es trotz der Mitarbeit hervorragen- der Männer nicht, die Siegespalme in dem Ringen um die Vernich- .ung Deutschland» z»«rwerheit die Regierung zu stürzen, während ihre Anhänger wegen des Eisenbahner streiks nicht in Berlin fein konnten, und sie findet den Verzicht der Deutschnationalen auf ein solches Manöver ein wenig schlapp. Englische Stimme» zur öeutschen Krise. London, 13. Februar.(MTB.) Der Berliner Berichterstatter der„Morningpost" schreibt, niemand nehme an, daß, falls die Re» gierung Wirth stürzen sollte, die Rechtsparteien oder die Links- Parteien eine Kombination bilden könnten, die stark genug wäre, um die neue Regierung zu unterstützen. Es sei klar, daß eine solche Regierung sofort tr.ik den Alliierien ln Konslikl geraten würde.— Der Berliner Berichterstatter des„Daily Telegraph" schreibt: Dr. Wirth habe wehr als all« früheren deutschen Regierungen und Minister zusammengenommen getan, um in Westeuropa das Ber» trauen zur deutschen Politik wieder ins Leben zu rufen, ohne das eine Wiederherstellung der normalen und gesunden Beziehun- gen in Europa unmöglich ist.— Der Berliner Berichterstatter der „Daily Nervs" erwartet, daß Dr. Wirths Stellung durch die Ab- stimmung am Mittwoch gestärkt werden wird. Konraö tzaußmann gestorben. Eines der'dienstältesten Mitglieder des Reichstags ist in der Nacht zum Sonntag gestorben: Konrad Haußmann, der Stuttgarter Anwalt und alte süddeutsche Demokrat. Er erlag, Söjährig, einer Lungenentzündung. Seit 1830 gehörte Hauß- mann dem Reichsparlainent an, sowohl dem alten Reichs- tag wie der Nationalversammlung wie auch dem ersten republita- Nischen Reichstag. Aus einer alten schwäbischen Politikerfamilie stammend, schloß er sich gemeinsam mit �seinem Zwillingsbruder Friedrich Haußmann schon früh der damaligen Süddeutschen Bolls- partei an. Nach ihrer Bereinigung mit den Freisinnigen gehörte er zur„Fortschrittlichen Aolkspartei" und sert der Revolution zur Deutschdemokratischen Partei. Er gehörte zu den wenigen alten und echten Demokraten, die im kaiserlichen Deutschland bekanntlich nur sehr dünn gesät waren. Beim Zusammenbruch trat er. in die Re- gierung des Prinzen Max von Baden als Staatssekretär ohne be- sondere? Amt ein, eine Tätigkeit, die selbstverständlich mit dem Aus- bruch der Revolution beendet war. In der Verfassunggebenden Nationalversammlung war Haußmann Borsitzender des Verfosiungs- ausschusses und hat durch fein« sachkundige und geschickte Leitung die schwierigen Verhandlungen wesentlich gefördert. Im Reichstag genoß der Verstorbene allgemeine Sympathie, der auch der Reichs- tagspräsident, Genosse L ö b e, in einem Beileidstelegramm an die Witwe Haußmanns Ausdruck gab. Es kennzeichnet ganz die politische Richtung Haußmanns, wenn er als einer der ersten der bürgerlichen Parlamentarier sich dazu «ntschloß, gemeinsam mit den Sozialdemokraten i n t e r n a t i o- na l« V e z i e h« n g» n mit den fri«d»n»sr»undlich»a Parlamen» tari»rn, besonde« Frankraiche, ansabahnm. S» nahm sc«m den von Ludwig Front angeregtsn deutsch. stanzöFsche« Parlamentarier- konfercnzen teil, die im Lahre vor dem Kriegsausbruch auf Schweizer Boden stattfanden, um die Annäherung der beiden Länder vorzu- bereiten. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion schrieb an den Vorstand der demokratischen Fraktion: „Zum Tode Ihres Konrad Haußmann sagen wir der Fraktion der Deutschdemokratischen Partei unser herzliches Beileid. Konrad Haußmann wird als Förderer der Demokratisierung in der Uebexgangszeit zur deutschen Republik in der Ge- schichte fortleben." Der Reichspräsident hat an die Witwe Konrad Hauß- mcmns nachstehendes Beileidstelegramm gerichtet: „Zu dem Tode Ihres von mir hochverehrten Gatten spreche ich Ihnen und Ihren Kindern meine herzliche Teilnahme aus. Di« großen D« r d i e n st e, die sich der Verstorben« in seiner dreißig» jährigen parlamentarischen Tättgteit und durch sein« hervorragend« Mitarbeit an der Lösung der Fragen der neuen Gesetzgebung, ins» besondere der Reichsverfassung, erworben hat, sichern seinem Namen ein dauerndes Andenken." Nachfolger Haußmanns im Reichstage wird der demokratische Handwerkskammersyndikus Hermann, der auch schon der Ratio- nalversammlung angehörte. Neuerdings packt man die Aufgabe von anderer Seite an. Wenn alle Zimperlichkeit beiseite gelösten wird, ist es schon möglich, bester« Erfolg« in der Crdrostelung der deutschen Republik zu erzielen. Die Streiks werden nicht rücksichtslos genug und in zu unregelmäßigen Zeiträumen durchgeführt. Das sollten sich die Stteikausschüste ge» sagt sein lassen. Man darf nicht aus der Uebung kommen. Da tut eine großzügige Organisation not. Jeden Tag muß eine neue Be» rufsgruppe in den Streit treten. Die zurzeit nicht streitenden Ber» bände müssen in steter Kleinarbeit das Streiken üben und damit ihr« politische Reife Vokumentieren. Einige Hinweise werden von Nutzen sein. Den Ausschlag hat einzig und allein die Erfolgsaussicht zu geben. In diesem Sinne sind die folgenden Beispiele zu bewerten. Für die Bedienung des Förderkorbes eines Bergwerks ist es ratsam, in dem Augenblick in den Streit zu treten, in dem sich die Insassen gerade in halber Höhe befinden. Da sie entweder wieder nach oben oder nach unten müssen, werden die Forderungen der Bedienungs» Mannschaft zweifellos erfüllt. Die Feuerwehr hat ihre Arbeit ein- zustellen, sobald sie an der Brandstelle eingetroffen ist. Am besten eignen sich solche Brände, bei denen Menschenleben in Gefahr sind. Für den Chirurgen ist es eine Kleinigkeit, seine Forderungen be» liebig hochzuschrauben, wenn er seine Operation nach den ersten Schnitten unterbricht. Wir hoffen, daß künftig moralische Ueberlegungen nicht mehr angestellt und Gewaltmaßnahmen an die Stelle von Vernunft und Recht gesetzt werden, damit wir möglichst bald in den bewährten An- schauungen des Mittelalters leben. ZMktelalterNches von amerikanische».Anioerfiläten". Ein Kampf gegen die Freiheit der Wissenschaft wird gegenwärtig an einigen Universitäten Amerikas geführt. Nun sind es allerdings nicht die besten Hochschulen, an denen dies geschieht. An erster Stell« steht die Universität von„Zion City", der Hauptstadt jener religiösen Sekte, deren„Prophet" heute ein gewisser Wilbur Boliva ist. In Zion Eity soll jetzt an allen Unterrichtsanstalten gelehrt werden, daß die Erde flach ist. Das in dieser Stadt als allein richtig anerkannte Weltbild greift auf das tiefste Mittelalter zurück. Alle Kinder und Studenten werden von setzt ab lernen, daß der Himmel eine große Kuppel aus festem Material ist, an der die Sonne und alle Sterne als Lichter aufgehängt sind. Di« Ränder dieser Kuppel ruhen auf einer Eisemnauer, die um die tellerslache Erde herumgeht, um zu verhindern, daß die Seefahrer von den Rändern herunterfallen. Die Sonne ist unfähig, dieses Eis zu schmelzen, weil sie nur ein SO Kilometer im Durchmesser umfassen» der Körper ist und S000 Kilometer von der Erde entfernt. Ernster zu nehmen ist schon ein Gesetz, das bei der Regierung von Kentucky eingebracht worden ist und das Lehren der Darwinschen Theorie verbietet. Der bekannt« Polittter Bryan hat sich zum Vorkämpfer dieser Bewegung gemacht und hält überall im Land« Reden über die Gottlosigkeit der Entwicklungslehre. Die Landkreise von Kentucky sind für das Gesetz, während in den Stadtkreisen, und besonders bei den Lertretern der Universität von Kentucky, ein heftiger Widerstand dagegen besteht, daß man eine doch immerhin schon allgemein bekannte Anschauung wie die Darwins einfach aus Gerlachs Austritt. Der Politiker H e l m u t v G e r l a ch. ein Mitbegründer der Demokratischen Partei, hat jetzt seinen Austritt aus dieser Partei erklärt. Wie er in der„W. a. M." mitteilt, hätten ver- schiedene Ausschlußanträge gegen ihn vorgelegen, die mit der Kritik Gerlachs an dem Verhalten der Demokratischen Partei begründet waren. Don Gerlach bemerkt hierzu, daß er zwar die Begründung der Ausschlußanträge nicht für ausreichend gehalten habe, auch sonst den politischen Kampf nicht scheue. Aber er kämpfe nur dann, wenn das Objekt ihm lohnend erscheine. Das fei hier n i ch t d e r F a l l. Deshalb habe er seinen Austritt aus der Demokratischen Partei vollzogen. Ueber lein Ver- hältnis zu der Demokratischen Partei schreibt er: Mit großer Freude habe ich gleich nach der Revolution an der Begründung der Deutschen Demokratischen Partei teilgenommen und ihren Eründungsaustuf unterschrieben, wie ich ihn auch heute noch Wort für Wort billige. Aber die Entwicklung der Demokratischen Partei hat in jeder Beziehung meine Erwartungen enttäuschr. Weder in bezug auf Pazifismus noch auf Sozial- oder Steuerpolitik, noch auch nur auf die Vertretung des demokratisch-republikanlschen Standkpunkts(ich erinnere an die Fiaggenfrage und die Haltung der bayerischen Demokraten) hat sie meines Erachtens die Pflichten erfüllt, die einer radikal-bürgerlichen Partei oblagen. Die Intoleranz der Partei gegenüber der Unabhängigen Sozial- demokratie und ihr Liebeswerben um die Deutsche Volkspartei� schienen mir gleich charakteristisch dafür, wie die Deuische Demo- kratische Partei steht, und wie eine Partei der äußersten bürgerlichen Linken nicht stehen soll. Am Schluß betont Gerlach, daß er nach wie vor über- zeugte? Demokrat bliebe und in der konsequenten Demokratie das politische Heil Deutschlands und der Menschheit erblicke. Nochmals Marburg-Nlechterfteöt! Bor dem Ersten Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig findet am heutigen Montag, wie Korrespondenz B. S. meldet, die R e v i. sionsverhandlung in dem letzten der bekannten Marburger Studentenprozesse statt. Die ehemaligen Angehörigen des währcn» der Kapp-Unruhen in Thüringen im März 1920 ausgestellte» Mar- burger Studentenkorps, Referendar Dr. G ö b e l, und di« Studenten I o n a s und G ör d t hatten sich im Februar vorigen Jahres vor lwr Strafkammer in Kassel wegm Mißhandlung einiger von ihnen während der Kämpfe in Thüringen gefangen genommenen Arbeiter zu verantworten, doch wurde das Verfahren gegen ste damals auf Grund des Amnesticgesetzes vom 4. August 1920 ein g e. ste{ t t. Zwei der Angeklagten, und zwar Göbel und Jonas, rr-aren mit einer Reih« ihrer Kommilitonen bereits im Jahr« 1920 wegen der Erschießung einer Anzahl von Gefangen»n a»f tm Thausise Eisenach— Gotha angeklagt aeweseo, ste»wdan ab« sämtlich.«ie erinnerlich, sswoht vor dem jkie-gagcncht als auch vor dem Schwur- gericht in Kassel freigesprochen. Gegen die Anwendung des Amnestiegesetzes im Mißhandlungsprczcß hatte Rechtsanwalt Theo- dar Liebknecht als Rechtsbeistand der als Nebenkläger zuge- lassen«» mißhandelten Arbeiter, die zu demselben Gesangenentrans- port gehörten, in dem sich auch di« auf der Flucht erschossenen Ge- fangen«« befanden, Revision beim Reichsgericht angemeldet. T>lr werden über den Ausgang der Verhandlung berichten. Ein deukschnetlonaler Keschicht»''"scher. Das.,53. T." veröffentlicht ein« interessante Zuschrift des bekannten Professors Hans Delbrück. Der olldeutsche Geschichtsprofessor Dietrich Sckä- fer hat in einem seiner Bücher geschrieben:„Ein deutscher Pro- fessor habe während des Krieges verkündet, es wäre ein Unglück,- wenn Deutschland über England siegen würde." Da diese Worte von gewisser Seite auf Delbrück bezogen wurden, so bat dieser bei Schäfer inzwischen angefragt. Schäfer hat geantwortet, daß er Delbrück nicht gemeint habe. Wen er aber eigent- lich gemeint habe, das hat Schäfer bis heute nicht gesagt.— Herr Schäfer wollte gewiß mit diesem Satz seine Eig- nung zu„exakter wissenschaftlicher Geschichtsforschung" demon- strieren. Die erste Vollsitzung der oberschlesischen Schiußverhand- lungen in Genf ist Dienstag nachinittag._ dem Lehrplan streicht Der Präsident der Universität hat die samt- lichen amerikanischen Universitäten zum Protest gegen diesen „geistigen Selbstmord" aufgefordert. Fortsetzung der Shackleion-Exvebition. Kapitän Hussey telegraphiert der„Daily Mail" aus Montevideo die letzten Nachrichten über die trotz dem Tode Shackketons fortgesetzt« antarktische Expe- ditton. Am 16. Januar hat die„Quest' Süd-Georgien verlassen, um sich gegen das Polareis zu wenden. Kommandant Wild hat die Absicht, sich nach Osten zu wenden, um dann zur antorkt'schen Küste nach Süden vorzudringen. Alsdann wird er gegen Westen zurückkehren, um Ende März Süd-Georgien wieder zu erreichen. Dann wird er di« Fahrt nach den Inseln Tristan da Cunha und Gough fortsetzen, um im Juni oder!wli das Kap der guten Hoffnung zu- erreichen. Hier wird Kapitän Wild di« Weisungen aus England ob- warten, um zu erfahren, ob er die Expediton fortsetzen soll. Die Eisoerhältniss« sind dieses Jahr nicht günstig, so daß Kommandant Wild vielleicht erst nächstes Jahr weit genug nach Süden vordringen kann. Reue Radiumquellen? Aus Brüssel wird gemeldet: Eine Person- lichkeit, die aus dem belgischen Kongoqebiet zurückgekommen ist, hat erklärt, daß in der Ebene von Katango ein r a d i u m- haltiges Mineral entdeckt wordej, ist, dessen Radi umge halt weit größer fei. als der gegenwärtig in Amerika ausgebeuteten Mine'alien. Es könne fast zu ebener Erde gewonnen werden. Eine Fabrik fei gegenwäriig im Bau begriffen, di« jährlich 30 Gramm Radium ge- Winnen zu können glaubt. Die Hast de» Großstädters� als Todesursache. Ein anschauliches Bild von dem Leben des heutigen Neuporkers ist in einem Bericht des Gesundheitskommissärs dieser Stadt enthalten, der die Zunahme von Todesfällen infolge von Herzschlag gegenüber dem letzten Jahre zu erklären sucht.„Er ist stets auf dem Trab," besagt der Bericht,„vom Ausstehen bis zum Schlafengehen hetzt er sich ob. Cr eilt die Treppen der Untergrundbahn hinauf, immer zwei Stufen auf einmal. Die Transportmittel sind so überfüllt, daß er bei drei Fahrten höchstens einmal einen Sitzplatz erwischt. Cr ist nervös, auch wenn er ausruhen kann. Er verschlingt seine Mahlzeiten in aller Hast, und wenn er spät abends nach einer langen Fahrt in der Untergrundbahn gerade zur Zeit des ärasten Andrangs bei Theaterschluß heimkommt, so hat er den Tag über auch nicht einen einzigen Augenblick Rüde gehabt."— Die Zahl von Todesfällen infolge von Herzschlag ist in der Stadt New Uort von 11 384 im Jahre 1920 auf 12 008 im Jahre 1921 gestiegen. Dies ist be! weitem die stärkste Zunahme, die eine einzelne Todesart erfahren hat. und um so auffälliger, als im übrigen der Gesundheitszustand der Neu- Yorker ein sehr guter ist und die Sterblichkeitsrate für 1921 eine der niedrigsten war feit Bestehen der Stadt. «»Ik«. Symvboniekonzerte im(Yrsben Sibansvle"'au«. fnt trftt V«Ik»>Tymvb»niekonzerI be««rohen Gcbausvielbauie« stnbet Zonn- taa, den 26., II1/, Utr. flatl«, ogromm: Deelhooen. Tqmont. Öune-türe unv Violinkonzert. Tchubrrt. E-snr-Stimpbonie. Vfrieent:«tnn« T-rirtpä- heim.®oli(t: Georg Suienfornpff-ßoft. Kartenvertau' durch die Streeif. schaftskommi sion im BewersschastShauS, Enzeluser LS, sowie w de» meist« grSger« Betrieben. die Z�oßbocher Sanöe. In der„Welt am Montag" veröffentlicht ein ehemaliges Mitglied des Freikorps Rohbach, namens Martin Richter, einen ausführlichen Bericht über das Treiben dieser Banden in Oberschlesien. Er entspricht durchaus dem, was unsere Leser bereits aus diesen Spalten wissen, wo wir eine ganze Reih? einzelner Exzesse und Ueberfölle mit genauer Angabe des Ortes, der Zeit und Person mitgetellt haben. Alz„Kul- turbild" teilen wir folgende Absätze aus den Schilderungen des ehemaligen Rohbachmanncs mit Gor viel zu leiden hatten insnche Bauern in Äostelitz, Radlau, Alt-Karmunkau, Friedrichswill« usw., kurz in der ganzen Umgebung. In allen mSglichen Verkleidungen, mit geschwärzten oder m i t Maske versehene» Gesichtern gingen die Rotzbach-Leute, auch die Bischdorfer, wie ich mich persönlich überzeugen konnte, zu den Bauern, um angeblich nach Waffen zu suchen, wozu noch nie einer den Auftrag erhalten hatte. Wofsen wurden natürlich nie. gefunden, was ja auch Nebensache war. denn, was sie suchten, war Geld, und das wurde mit Hilfe der Gummiknüppel und Karabiner, welche eine Wünschelrute voll ersehen, meist auch gefunden. Und die Apo in Kostelitz sah nichts. Die Apo-Leamten in Sternalitz, die ich schon erwähnte, werden sich sehr gut an die R a u b L b e r f ä ll e und Schietzcreien erinnern können. Fand irgendwo im Dorf«ine Hochzeit statt, fanden sich auch alsbald einige schwer bewaffnete Roßbach-Leute ein auf dem Tanzboden. Die Gastwirte waren meistens froh, wenn sie Reibereien vermeiden konnten, dadurch, daß sie die Kerls umsonst bewirteten. Ieder zweite Tanz beinah« wurde von ihnen.be» s ch l a g n a h m t". Ab und zu stellten sich die„Herren" im Saale auf: heil dir im--, das sog. Roßbach-Lied usw. Nahm einer der Gäste Akistoh, hotte der Friede ein Ende und die Festlichkeit der armeu Leute auch. Die Gastwirte in Radlau, Koftelitz und Friedrichs- will« können ein Lied davon singen. Amüsiert habe ich mich über ein« Dame, die sonderbar veran- lagt scheint. Es war«ine„Frau Hauptmann" Fleck, die öfter zu uns im Auto kam mit Offizieren, die sie fuhr. Sie trug O f f i- ziersuniform, Breeches, Gamaschen, ließ sich von uns Ehren- bezeugungen machen wie ein Offizier. Es war an» geblich eine geschiedene Frau, die ihren Wagen den Herren Ossi- zieren zur Verfügung stellte. Das ist mir ein kleiner Ausschnitt aus den Schilderungen Richters.— Durch ein raffiniertes Lohnabzugssystem werden auch die Leute gezwungen, bei dem Freikorps zu bleiben, die iich gern von dieser Gesellschaft lösen wollen. Dazu treten dann noch persönliche Bedrohungen. Natürlich blüht auch de? W a f f e n s ch m u g g e l bei dieser Gesellschaft. Am Schluß teilt der Einsender mit, daß nach seiner festen Ueberzeugung trotz der Auflösung des Freikorps Rohbach dieses ebenso wetterbefteht, wie seine Werdestellen in Breslau und W a n n s e e.— Das stimmt, nur haben sie sich jetzt als „Detektivburcan" maskiert. Die disziplinieruna ÜerEifenbaknbeamten. Di« Neichsgewerkfchaft Deutscher Eisenbahnbeamten und -onwärter hielt Sonntag in Berlin«ine Sitzung ab, zu der Ber- lreter aus ollen Teilen des Reiches erschienen waren. Der Zweck der Aussprache war, festzustellen, in welchem Umfenge in den ein- zelnen Eisenbahndirektionen Maßregelungen nach dem Streik oder Disziplinierungen von Beamten vorgenommen worden stnd. De- sonders lebhafte Klage wurde von einer Anzahl Beamtenvertreter darüber geführt, daß über den Rahmen der vom Reich sverkehrs- minister fijroener angekündigten Verfahren nunmehr auch Anträge auf Einleitung von Disziplinierungen van den Direktionsprösidenten oder anderer Dienftstellenleiter gestellt worden seien. Im Direk- lionsbezirk Frankfurt a. M. feien allein S00V Verfahren gegen Beamte beantragt worden. In Berlin betrage die Zahl der Disziplinierungen annähernd 90. Insgesamt sei die Zahl der Anträge auf Disziplinarverfahren mit dem Ziel der Dienstent- lassung oder der Kündigungen bei vertraglich beschäftigten Eisen- bahnen, aus etwa 30 000 einzuschätzen. Die Neichzgkwerkschoft hat heute dem Reichskanzler eine Eingabe überreicht, in der der Kanzler gebeten wird, dafür Sorge zu tragen, daß die Disziplinierungen sich im Rahmen der vom Kabinett aufge- stellten Richllinien hatten. Weiter heißt es in der Eingab«, daß dos bisherige Vorgehen der nachgeordneten Dienststellen bei den Eisen» bohnern große Erregung hervorgerufen habe und daß, falls die R«- gierung nicht für Abhilfe sorg«, mit neuen örtlichen Aktionen gerechnet werden müsse. Die �nverantwortlicken". In Berlin verbreitet die Deutschnationale Volks- Partei ein Flugblatt, das aus dem SUeik der Eisenbahner und der städtischen Arbeiter Kapital für die Reaktion zu schlagen sucht. Natürlich ist an jedem Uebel nur die Sozial- öemokratie schuld. Es heißt in dem Flugblatt: Kann überhaupt eine Regierung, In der S o z i a l d e m o- kraten ausschlaggebenden Einfluß hoben, einen Streik ehrlich verurteilen?... Ha, nicht die Sozialdemokratie überhaupt seit Jahrzehnten den Klassenkamps gepredigt, das Berussbeamtentum bekämpft und damit in ihren Anhängern und Nachläufern jeden gesunden Staatsgedanken ertötet? Wenn heute sogar die Bc- amtenschoft teilweis« ihre Pflicht dem volksganzen gegenüber aufs gröbste verletzt, so ist ollein die Sozialdemokratie dafür verantwortlich zu machen.... Hat nicht die Deutschnationale Volkspartei recht gehandelt, wenn sie jedes Paktieren mit den Zerstörern des Staates, den Sozia- listen, entschieden abgelehnt hat? Dieses Selbstlob der Deutsch., ationalen erfährt eine eigentüm- liche Beleuchtung durch die Feststellung, die der Unabhängige Ab- geordnete Dittmann im Reichstag machte, daß nämlich eine An- zahl deutschnationaler und vottsparteilicher Reichstagsabge- ordnete der Reichsgewerkschaft der Eisenbahner angehören, und daß die Skreikmehrhelt der Reichsgewerkschaft aus Anhängern der Deutschnattonalcn und der Dolksparlel bestanden hat. Auf diese präzisen Feststellungen hat die..Deutschnationale Parteitorrespon- denz" nur mit ollgemeinen Phrasen geantwortet, in denen aber— und das ist. das Entscheidende,— lein Dementi der Behaup- tungen enthatten ist, daß die deutschnationalen Mitglieder der Reichsgewerkschaft an dein Streikbeschluß beteiligt waren. Der Fall Oerter. In der..Lraunschweigischeu Landeszeitung" verölsenüicht der Großfabrtkont W em m e l in Hehlen eine eides- stattliche Erklärung, daß er den bekannten Brief des früheren braun» schwe laischen Ministerpräsidenten Oerter, in dem dieser für geleistete amtliche Dienst« drei Prozent des Reingewinns samt» UHrr Wemmelscher Unternehmungen forderte, niemals erhal- ten und daß Oerter niemals für geleistet« Dienst« Gegen! ei- stungen vpn ihm empfangen habe. Oerter hat indessen seinen Parteifreunden bereit, zugegeben, daß er den Brief im Entwurf selbst geschrieben Hab«. Darin hat M« USP.-Leitung selbstverstllnd- Uch die Absicht des A b I« d c n s erblickt und die Folaerunzcn daraus gezogen. An der Gesinnung wird durch die Richtabsendung natMich auch gar nichts geändert. Großfeuer im Gstbahnhof. SpsichervorrSke an Lebensmiiieln vernichtet. Zum zweitenmal in dieser Periode strengen Frostes wird Berlin von einem großen Brands heimgesucht. Seit heule srüh Uhr stehen die Anlagen des Ost bah»Hofe, am S ü st r i n e r P l a h in hellen Flammen, hier befinden sich große Speicher mit Lebensmitteln und anderen BorrSten. Zahlreiche Feuerwehren sind ,nr Stell« und mit dem Ablöschen de, Brandes beschösl'gl. Der Schaden ist vorläufig unübersehbar. Der Ostbahnhof dient jetzt als Speicher für Mehl, Erb- s c n und ander« H ü l s« n s r ü ch i«. Mitten in der alte» Per- fonenbahnhosshalle ist ein leicht gebauter T a n z s a a l errichtet, der mtt reckst luftigen und leicht brennbaren Girlanden, wie sie bei Bock- bierfcsteii üblich sind, ausaeschmücki ist. Di« Decke des Tanzsaales dient auch zur Ausschmückung und besteht aus ber Deck« der ehe- moliaen Empfangsholle des Bahnhofes. Die Speicherräume schlie- ßen sich an. Das Feuer wurde zuerst in diesen Räumen bemerkt und hatte dort an den Speichervvrrnten reiche Nahrung gefunden. Als der 7. Löschzug an der Brandstelle ankam, hatten die Flammen schon eine solche Ausdehnung erreicht, daß„Mittelfeuer" an samt- liche Wachen gemeldet wurde. In kurzer Zeit waren etwa 30 Fahr- zeuge versammelt. Bon allen Sotten wurde kräftig angegriffen, wo- bei Steckleitern benutzt wurden, um an den Brandherd heranzu- kommen. Mit den Rohren der Motorspritzen wurde der Angriff eröffnet, und es gelang, den T a n z s a a l mit seinen leicht gebauten Kojen zu schützen. Schwieriger war die Löschung des Speicher- brandcs. Stundenlang mußte Wasser gegeben werden, bevor die Gefahr als beseitigt gelten tonnte. Um 7% Uhr wurden die Lösch- züge abgelöst. Die vollständige Ablöschung und Aufräumung dürfte Achtung, fibteilungsvorstänöe! Znfo'ge Druckfehler» ist in der gestrigen Sonntags- ausgab« des„vorwärts" statt Funktionärinnen- Konferenz von Funktionär-Konferenz gesprochen. * Die angefetzt? Dbteilungsvorstanüs-Sitzung findet wie angegeben in den Armmhallen um 6 Uhr statt. im Laufe des Tages beendet fein. Der Schaden ist natürlich erheblich, läßt sich aber noch nicht übersehen, weil mehrere Pro- duktcnhandlungcn, der Fiskus u. a. betroffen worden stnd. Das Wahrzeichen des Ostens. Hat man sich auf einer Straßenbahnfahrt nach dem Berliner Osten durch den„Grünen Weg" hindurchgewunden, so kommt man auf den weitränmigen Küstriner Platz, dessen Hintergrund von einer mächtigen monumentalen Fassade iitteren Stils beherrscht wird. Es ist das die Kopsfeite des ehemaligen Ostbahnhofs, der vor etwa 30 Iahren den Bahnverkehr über Schneidemühl— Brombcrg nach West, und Ostpreußen und darüber hinaus nach Petersburg ver- mittelte. An die verhältnismäßig schmale Kopffsit« schlieft sich«in etwa 300 Meter langes Ewpfangsgebäude, das nach Süden von der Straße am Ostbahnhof, nach Norden von der Bromberger Straße begrenzt wird. Nach diesen drei Seiten ist der ehemalige Bahnhof frei zugänglich. Die vierte, die Ostseite, bildet den Ein- gang für die Gütergcleis«, die wiederum einen Teil des ri'sigen etwa 800 000 Quadratmeter großen Geländes bilden, daß der Schle- si'chen Güterbahnhoj einnimmt und von der Mühlen-, Frucht-, War- schauer und Bromberger Straße begrenzk wird. Der alt« Ostbohn- Hof ist ein ganz bekanntes Wahrzeichen des östlichen Berlins. Der wieöererwaKenÄe Eisenbahnverkehr. Die Skatkbahnzüge noch ohne Aeleuchkung. Die Wiederkehr der Ordnun, im Eisenbahnbettiebe macht lang- sam« Fortschritt«. Der regelmäßig« Fahrplan konnte bisher auf den Fern st recken noch nicht aufgenommen werden: noch immer fallen eine Zlnzahl, wenn auch weniger wichtige Züge aus. Trotz- dem verkehren schon ein»', 80 v. H. aller von Bert in ausgehenden Fernzüge, von �encu die meisten Schnellziig« wieder in die täglich berichtigten Fahrpläne aufgenommen worden sind.— Der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortverkehr, der gestern wieder im Zeichen des Rodel- und Eissportes stand, ist regelmäßig, wenn auch an einzelnen Stellen noch verspätuneen aufzetteten sind, die jedoch mehr auf den Massenandrang zurückzuführen waren, als auf Folgen des Streiks. Da die Gasversorgung noch nicht in vollem Umfang« ouiaenommen werden konnte, so waren aus einer gon'«n Reihe von Vahnhöfen in den Abenttunden noch die Not- beleuchtungen im Gang«, wäbrend die Eisenbahnzüne des Vor- ortverkehrs noch zum Teil u n b« l e u ch t et.gefahren werden muß- ten. Die Aufnahme der Preßgasb«?? tunz wird bei ausreichender B-elkforung der Preßgosanstait in Stralau-Rummelsburg voraus- sichtlich noch im Laufe des heutigen Tanes erfolgen können, so daß damit zu rechnen ist. daß die Znabeleuchtung von morg-en ab wieder in Ordnung kcmmt.— Der Güterverkehr ist in ver- siärktem Maße aufgenommen wanden, so daß ein großer Teil der Gütersperren/ die infolge des Streikes verhängt werden mußten, wieder aufgehoben werden konnte. Ätnckcrsiattunq aus Monat», und Wochenkarten. Aus Anlaß des Eisenbahnerstreiks soll, wie die Eisenbahn- direktion Berlin mitteilt, der ans die Zeit der Nichtbenutumg der Eisenbahn monats karten entfallende Fahrpreisonteil für jeden Tag) erstattet werden. Di« Richtbenutzungszeit besinnt am 2. Februar und endet mit dem Tag. de- der Wiederaufnahme des regelmäßigen Verkehrs vorausgeht lv. Februar). Schriftlicher Reklamationen bedarf es nicht. Di« Anträge sind von den Karteninhabern am Monat sfchluß persönlich bei der Fahrkartenausgabe anzubringen, wo'»die Karten gelöst sind. Die Auszahlung der Erltottunasbettäqe erfolgt sofort an Ort und Stelle gegen Ouittung. Auch für nicht voll aus- genutzte Wochen karten o"s der Wach« vom 29. Januar bis 4. Fe- bruar kann auf gleichem Wese die Erftattuna von drei Siebenteln des Fahrpreises verlangt werden. Solch« Anträge können sofort gestellt werden. Für später gelöste Wochen- und Monatskarten linde! keine Erstattung statt. Das Publikum wird gebeten, Re- klamationen nur in den verkehrsschwachen Stunden vor- zubringen, um unliebsame Verzögerungen und großen Andrang zu vermeiden. Das pfunö Kartoffeln örei Mark! Am Sonnabend waren in der Zentralmarkthalle größere Posten Kartoffeln cingetrolfen. Der Zentner wurde mit 226 M. angeboten. Dl« meisten Kleinhändler lehnten ab; st« erklärten, bei solchem Groß- bandelspreis das Pfund nicht unter 2,78 bis 3 M. verkaufen zu können, und fürchi-ten, bi« schwer boltbare Ware nicht loezuwcrde». Kaufende Händler hotten Kundschaft an der Hand, die auch für Kartoffeln jeden geforderten Preis zahlt. Noch U_, Jahr Ist es her, daß zahlreiche Landwrychalts» verbände erklärten, sie würden de*_ Zentner mit 25 b. s 40 M. abgeben, wenn sie die Gewißheit hätten, daß die Kartoffeln unmittelbar in die verbraucherhände gelangen. Tatsächlich stnd auf diesem Wege große Mengeo Kortoffeln geliefert worden, aber fast ausschließlich an glückliche Bevorzugte. Di« Massen hatten nichts davon. Im vorigen Herbst konnte man unschwer Kartoffeln für 80— 80 M. prr Zentner erhalten. In wenigen Monaten ist also der schandbare Wucherpreisächon wieder um 200 Pro- z e n t g e st i e a c n, was auch durch die Frachtpreiserhöhung nicht gerechtfertigt wird. Dabei kommen aus anderen Landes- teilen fortg«setzt Nochrichten über oiel billigere K o r t o f s e l p r e i s e. Es ist unbedingt zu fordern, daß gerode jetzt, wo doch wohl sehr bald die Oesfnung der Kortoffelmieten bevor- steht, dem immer frecheren Treiben der Kartosselschieber energisch entgegengetreten wird. In vielen Tausenden von Groß-Berliner Familien hat man seit Wochen nicht eine einzige Kartoffel genießen können. Wennzehn Pfund Kartoffeln und ein Brot fast fünfzig Mark kosten, ist eine neue Periode der Unterernährung und Berelendung nicht abzu- wenden. Die Lkeb?sfalle im f�uto. Kostspielige galante Abenteuer Berliner Droschkcnchauffeure kamen in einer Verhandlung vor der Strafkammer des Land- gerichts l zur Sprache Angeklagt wegen Diebstahls im straf- scharfenden Rückfalle, war dt« angebliche Schauspielerin Maria Magdalena Kork. Die schon vielfach, darunter auch schwer mit Zuchthaus vorbc- strafte Angeklagte arbeitete mit folgender raffinierter Methode: Sie ließ sich von einem Krastdreichkensührer nach irgendeinem Hause im vornehmsten Westen fahren, zahlte dort den ordnungsmäßigen Fahrpreis und gab sogar ein besonders gutes Trinkgeld, welches den sonst fe�r mürrischen Herren Chauffeuren eine freundlichere Miene abnötigte. Dies hatte die weiter« Folge, daß ein Gespräch zustande kam, in welchem die hochelegant gekleidete Dame die Arme sehnsüchtig reckte und dem erstaunt aufhorchenden Chauffeur er- zählte, daß sie gern aus ollen Luxus, mit dem sie ihr schon in den sechziger Jahren befindliche Gatte umgebe, verzichten wurde, wenn--. Dieses„wenn" führte schließlich dazu, daß der Chauffeur etwa eine Biertelstunde später feststellen konnte, daß bei dem im Wageninnern ersol'ten Umarmungen des liebebedürftigen „Autoliebchens" seine— Briestasche mit der gesamten Tagesein- nähme in Höhe von einigen Tausend � Mark verschwunden war.— Erst ein Droschkenkutscher Sp., dem seine Kollegen ihr Abenteuer mit der eleganten Diebin erzählt hatten, gelang es, die gefährliche Diebin abzufassen, nachdem er zum Schein auf ihre Lockungen ein- gegongen war. Dos Gericht erkannt auf die niedrigste Strafe von t Jahr Zuchthaus, rechnete der Angeklagten aber die volle Untersuchungshaft an.__ Aus der Straße erstochen wurde in der vergangenen Rocht der SZ Jahre alte Hilfsmvnteur August E al e i k aus der Wolliner Straße 42 von dem Kraftwagenführer Georg Sauermann aus der Demminer Straße 28. Der Täter wurde verhaftet. Sauermann belästigte an der Ecke der Brunnen- und Schönhtstzer Straß« zwei Frauen, die sich mit ihren Ehemännern auf dem Nachhausewege be- semden. Es kam zu einem Streit, in dessen Verlauf Sauern, ann zum Messer griff und dem Hillsmontour August Soleik einen Stich in die Brust beibrccht«? Psssanten brachten den Verletzten nach dem Lozarus-Krankenbous. wo der Arzt nur noch den Tod festzustellen vermochte. Der Messerheld wollte jetzt verschwinden, wurde aber oon� Possanten verfolgt und von hinzukommenden Beamten der Schutzpolizei festgenommen und nach de? Weddingwoche ge- bracht. „Doutschlsnd. Deutschland über nklrs", In der vergangenen Rächt kam es in den Rheinischen Winzerstuben i:i der FrunzösisHen Straße zu einen, unannenehmen Zwischenfall. Als die Kapelle das Lied„Deutschland, Deutschland über alles" spielt«, erbobc» stch samt- liche Gäste von ihren Plätzen bis auf einen Herrn P. aus Nieder- schöneweide. Als die anderen Gäste ihn zur Rede stellten und sich aus ihn stürzen wollten, zog V. einen Revolver aus der Tasche, um die Anaveiler abzuwehren. Auf Veraniassunq der Eeschästkleitung wurde V. f«stgenomm»n und noch der Kuvfergrabenwache geführt. Hier wies er einen Wofsenschein vor und wurde, nachdem seine Persönlichkeit festgestellt worden war, wieder entlassen. Ein sehr selteucr ttnglückasall ereignete sich gestern nachmittag im einer„Elektrischen" Als qegen 2 Uhr ein Straßenbahnwagen der Linie 8 durch die Mecklenburattche Straße fuhr, ertönie plötzlich in- folge der Explosion des Lufikessels ein heftiger Knall Sämtliche Fensterscheiben das Straßenbahnwagens zcrspranoen und zwei Fahr- gaste, ein Fräulein Elisobeth Eeldeimann aus Wilmersdorf, Geis- berastroße 29, und ein Fräulein Auguste Trappe, cbenfolls aus Wilmersdorf, 5wlst,inische Str. 18, erlitten erhebliche Verletzungen im Gesicht, am Kopfs und om Rücken. Die beiden Verletzten wurden nach Anlegung von Verbänden zu einem Arzt gebracht. 3m Zoolezischen Garlen ist ein Mungos angekommen, eine kleine Jchneumo-ori aus Indien. Das unscheinbare, grau- bräunlich gefärbte Tierchen ist ein äußerst genzandets und beweg- liches Heines Raubtie-, das mit Vorliebe Schlangen nachstellt und sogar vor der gefährlichen Eobra odrr Brillenschlange nicht zurückschreckt. Deshalb wird es in seiner Heimat vielsach gezähmt im Hause gehalten. Die Schalferien l9?2 Für Groß-Bcrlin find die Scbulfrrien >ür da« Schuljahr 1022'23 w!« folgt iksigesetzt worden. Osteru: Schullchliitz• Freiiag. 7 April, Wiederbeginn otd Unterricht? Dounerstan, 20. April: Pfingsten: SZniHcblup Freilag. 2. Juni, Riederbeaini, Freitag, 0 Juni: Sommer: Schulichlutz Domier.?iag 6. Juli, Wiederbeamn Ticn'iag. 18. August: Herbst: Schiilschltiß Freitag, den 29 September, Wiederbeginn Diendlag, l0. Oktober; Weib:, achten: Doiinergiag. 2l. Dezember. Wiederbeginn DonnerSlag, 4. Januar 1023: Ostern 1023: Sitiilfchluß Diendlag, 27 März, Wiederbeginn Mittwoch, tl.etortl ,028. Beschaffung von Umsabsieuerw.arken. Die Oberpostdirektion hat den Verkauf von Umsatzsteuerniarken in Berlin 40 Postämtern über- tragen, die über dos ganze Gebiet von Groß-Berlin verteilt find. Zur Orientierung der Steuerpslichtigrn wird die Oberpostdirektion in jedem Postamt einen Aushang anbringen lassen,'n dem das Publi- tum auf das nächstliegende Postamt hingewiesen wird, bei dem Um- satzsteuermorken in jeder Höhe bis zu 800 M. Wert zu hoben sind. Die Umsah- und Ärnnderwerbsteuer-Ableilung des Fina» amlS Niederbornim»nd die Fin a n, lasse Ntederbarn in, werden am 18. d. Mt§. von Dirckienstratze 20/27 nach Friedrich- straße 107 verlegt. Die Beerdigung der drei ködlich verunglückten Ilolheiser soll In würdiger Weise vor sich gehen. Am Mittwoch, den 18. Februar, mittags 1 Uhr, findet im Lichthof der Technischen Hochschule, Ehar- lottenburg, Berliner Straße, eine Trauerfeier statt. Vieüer Seemen— New Zork. Der Dampfer„Seydlitz" des Norddeutschen Lloyd trat gestern von Bremen aus die erste Reise nach New Vork an und eröffnete damit nach achtjähriger Unterbrechung den regelmäßigen vierzehntägigen Passagier- und Frochtdampserdienst mit eigenen Dampfern des Norddeutschen Lloyd. Infolge der im Eisenbahn- verkehr bcrrlchenden Schwierigkeiten erreichte nur ein Teil der ge- buchten Passagier« rechtzeitig den Anschluß so dnß der Dampfer mit etwa 128 Reisenden abfahren mußte. Mit Rücksicht auf den schweren Eisgang begleiteten ihn drei starke Schleppdampfer bis zur Wesermündung._ . Wetter für morgen. r-rlin und Umgegend. Trocken und noch»itlsach Heller und über- wiegend ftärker bewölkt, nacht« ziemlich streng«, am Tage gelinder Frost bei mäßigen südöstlichen Winden. GswerMastsbeWegunH Nach dem tschechischen Gewerkschaftskongreß. Der tschechoflowakische Gewerkschaftskongreß in Prag hat sich mit einer Majorität von zirka 12g 000 Stimmen für das Ißeiteroer- bleiben bei der A m ft e r d a m e r Gewertfchafiszenirale und g e g e n einen Anschluß an Moskau entschieden. Dieser Kongreßbeschluß ist van weitragender Bedeutung für die gesamte Arbeiterschaft der Tschechoslowakei und für die Entwicklung des Sozialismus in diesem Staate. In dem Beschluß tritt die immer mehr Platz greifende Er- nüchtcnmg der tschechoslowakischen Arbeiterschaft zutage, welche der bombastischen Phrasen und der gegenseitigen Zcrfleischung schon müde ist und sich nach ruhiger gewerkschaftlicher Ar- b e i t sehnt. Die Arbeiterschaft sieht, wie sie infolge der Spaltung in der politischen Bewegung in die Defensive gedrängt worden ist und wie die Unternehmer nur darauf lauern, um, sobald sich die Arbeiter auch gewerkschaftlich entzweien, die bereits vorbereiteten reaktionären antisozialen Maßnahmen ssegen die Arbeitnehmer er- greifen zu können. Es ist aber auch höchste Zeit, daß sich die Arbeiterschaft endlich besinnt, denn der Ansturm der Kapitalisten wird immer stärker. Bestehend« Kollektivverträge werden noch Ablauf nicht mehr verlängert, Arbeitsordnungen willkürlich geändert� Lohn- Herabsetzungen und Verlängerung der Arbeitszeit gefordert. Ein aufgezwungener Streik folgt dem andern; der Generalstreik der Bergarbeiter scheint unabwendbar zu sein, in Nordböhmen streiken die Glas- und Bijoutcriearbsiter, und unter den Arbeitern fast aller Industriezweige ist eine große Unzufriedenheit infolge des a'ggres- sioen Vorgehens der Fabrikanten. Die Industriellen scheuen keine Mittel, um die Gewerkschasts- organisationen zu zertrümmern und die Schlagfertigteit der Ar- beiterschaft zu lähmen. Der größte Exponent des Kapitalismus, di« Nationaldcmokrotische Partei, gründet zu diesem Zwecke eigens gelbe Arbeiterorganisationen und sucht die Arbeiter durch Gewäh- rung von materiellen. Vorteilen, sowie durch finanzielle und sonstige Unterstützung an sich zu. locken. Sowohl die sozialdemokratischen als auch vis kommunistischen und nationalsozialistischen Arbeiter lehnen es ab, mit diesen kapitalistischen Söldlingen in einem Betriebe zu arbeiten, die Unternehmer dagegen, sowohl Tschechen als. auch Deutsche, betrachten die nationald mokratischen Arbeiter als ihre Schützlinge und ergreifen scharfe Gegenmaßregeln gegen ihre Arbeiterschaft. So kam es bereits in einigen großen Betrieben, wie z. B. in den Skodawerken in Pilsen, ,zu Reibungen zwischen den gewerkschaftlich organisierten und gelben Arbeitern, und in der großen Maschinenfabrik Ringhoffer in Prag wurden olle Arbeiter ans diesem Grunde ausgesperrt. Es verlautet, daß auch die anderen Prager Metallfabriken eine Aussperrung über ihre Arbeiterschaft verhängen wollen, um hierdurch ihre Sgmpathien für die gelben nationaldeinokratischen Organisationen zu bekunden. Die Unternehmer geben auch den Aufftieg der tschechischsn Krone als Grund an für die Arbeiterentlassungen, die insolge der hierdurch hervorgerufenen Exportunfähigkett vorgenommen seieiu Die In- dustricllcii haben jetzt eine neue Waffe gegen die unzufriedenen Ar- beiter, erklären, daß die voll« Beschäftigung ihrer Betriebe für sie nicht mehr lohnend sei und sie ruhig einen StrHjk über sich ergehen lasten können, ja daß ihnen ein solcher willkommen wäre. Bei dieser Sachlage bedeutet der Beschluß des Prager Gewerk- schaftskongresses ein großes Glück für die Arbeiterschaft. Da es den Kommunisten nicht gelang, die Leitung der Gewerk- s ch a f t s b e w e g u n g an sich zu reißen, werden sie es jetzt nicht mehr wagen, irgendwelche neue kommunistische Fachorganijatione» zu gründen, da ihnen, abgesehen von anderem auch das organifato- rische Talent fehlt. Die Gewerkschaftsbewegung in der Tschecho- slowakei bleibt einheitlich und muß einheitlich bleiben. Ja, es ist berechtigte'Hoffnung vorhanden, daß in nicht ferner Zeit(jich die deutschen gewerkschaftlichen Organisationen in der Reichenbcrger Gewerkschaftszentrole sich der tschechoslowakischen Gewerkschaftsver- einigung in irgendeiner Weise angliedern werde». Wenn man bedenkt, daß die deutschen Kapitalisten gemeinsam mit den tschechichen im»Zentralverbvnd der tschechoslowakischen Industriellen" schon fast zwei Jahre einheitlich organisiert sind, und daß sie überall dort, wo es sich um ihren Profit handelt, insbesondere jedoch, wo es gilt, scharfmacherisch aufzutreten, Schuller on Schuller mit den tschcchi- scheu nationaldenivkratischen Fabrikanten gegen die Arbeiter vor- gehen, erkennt man auch die Notwendigkeit' und Wichtigkeit des Zu- fammenfchlustes der gewerkschaftlich organisierten tchechischen und deutschen Arbeiter an. Der Beschluß des Gewerkschofiskongresses in Prag hat schließlich auch bewiesen, daß die kommunistischen Ideen unter der tschechischen Arbeiterschaft recht wenig verbreitet sind, daß der Kommunismus der Arbeiter eigentlich ein sozialistischer Radikalismus ist, und daß auch dieser immer mehr abflaut. Nach dem Ausfalle des Kongresses kann dt« tschechoslowakische Sozialdemokratie-mbig in die Zukunft sehen, die Kommunistische Partei in der Tschechoslowakei ist nicht so stark, wie man zu glauben gewöhnt war, und auch eventuell« Neu- wählen würden den Kommunisten die von ihnen erhofften Borteile j nicht bringen. Parlamentswahlen werde» zwar, falls sich die poli- tische Lage in absehbarer Zeit nicht ändert, nicht stattfinden, sondern! nur Wahlen i» alle Gemeindevertretungen in der Tschechoslowakei (im Sommer dieses Jahres), und auch bei diesen werden die Koia- munisten die Majorität nicht erlangen, Rudolf Illovp. die IlrbsttsISHite«irtsprechend herabgesetzt wurden? Außerdem forderten sie ein« Verlängerung der Arbeits- z e i t. Bei den darüber geführten Verhandlungen wurden beide Forderungen von den Arbeiteroertretern abgelehnt. Um den Konflikt zu vermeiden, griff das staatliche Schiedsgericht ein und fällte einen Schiedsspruch, der zwar die Löhne etwas ver- ringert, aber nicht in dem Maße, das die Unternehmer gefordert hatten, jedoch die Arbeitszeit unverändert läßt. Die Leiwng der Gewerkschaften hat den Arbeiter» empfohlen, den Schleds- fpruch abzulehnen. Die Abstimmung ist noch im Gange, nur bei den Buchdruckern ist sie bereits beendet, und zwar durch Ab- lehnung: sollte jedoch die Mehrheit für Annahme des Schiedsspruchs lauten, fo würden die Buchdrucker sich wohl auch der Mehrheit fügen. Nun haben aber vorgestern die Unternehmer in einer General- Versammlung beschlostcn, den Schiedsspruch abzulehnen; fle er- mächtigten ihren Ausschuß, die Aussperrung zu verhängen, di« aber frühestens Sonntag abend, wahrscheinlich erst jedoch am Montag abend verkündet werden sollte. Es ist danach nicht allzu wahrscheinlich, daß die Aussperrung be- reiis im Gange ist. Man hofft in Dänemark— und diese Hoffnung kommt auch in der Arbeiterpresse zum Ausdruck—, daß der drohende Riesenkampf doch noch verhütet werden wird. Tarifkündigung im Holzhandel. Die Holzhändler haben den Angestelltenorganisationen den Manteltarif zum 1. März gekündigt, nachdem von Arbeitnehmerseite zu. diesem Zeitpunkte die Gehaltssätze einer erneuten Revision unter- zogen werden sollten. Die Arbeitgeber bezwecken, aus der leider allzugroßen Indifferenz ihrer Angestelltenschast einen noch größeren Nutzen ziehen zu wollen und für die Zukunft tariflos zu bleiben, um die Lohn- und Arbeitsbedingungen nach ihrer Willkür und ihrer Laune. festzulegen. � Geschlossenheit zur Abwehr dieses Vorstoßes der Unternehmer ist notwendig und restlose Erfassung der Kräfte in einer kampfbereiten Organisation. Angestellte des Holzhandels, organisiert Euch im Zentralverband der Angestellten!__ Tas International!: ArbertS-Iahrbuch < herausgegeben vom Internationalen Arbeitsamt, Genf) ist unentbehrlich für jeden Sozialpolitiker oder Gewerk- ichafter. Der zirka Gill Seiten starke Band enthält eine Zusammen- stellung sämtlicher Ministerien aller Länder der Welt, unter beson- derer Würdigung der Regierungsdienststellen, die sich mit Arbeiter- fragen deschäftigen, sowie ein Verzeichnis der Arbeitgeberverbände aller Länder. Ein weiterer Teil des Luches enthält sämtliche Ee° wcrkschaften, Beamten- und Angestelstenoerbände der Well, des- gleichen eine Zusammenstellung aller Genossenschaften und Genossen- schaftsverbände. Der«inleitende Teil gibt«ine Uebersicht über den Aufbau und die Organisation d«s Völkerbundes und der Internatio- nalen Arbeitsorganisation. Das Buch ist zu beziehen vom Internationalen Ar- beitsaint, Amt Berlin, Alexander Schlicke. Berlin NW. 4 0, S ch et t n h o r st st r. 35. Tel,: Norden(2831).— Preis: 50 Mark. verbindlich erklärte Tarifverträge. Durch Verordnung des ReichtarbeitSmmisteriumS ist der am 2. Dezember 1021 abgeschloflene 0. Nachtrag zum Tarifvertrag für die lautmännischen Angestellten im Kurz-, Galanterie- und Tptelwarengroßhandel. sowie der 3. und 4. Nachtrag vom 2l. Oktober l02l und 80. November 1021 des Tarifvertrages für die kaufmännischen Angestellten im Baumwoll«, Leinen- und Kkeiderstoffgroßhandel mit Wirkung vom 1. Oktober 1021 nir den 3. Nachtrag, vom 1. November 1021 für den 4. Nachtrag für daS Gebiet der Siadlgemeinde Berlin für allgemein verbindlich erklärt worden. Nähere AuSkünrt erteilt der Zentralverband der Angestellte», Belle-Allmnoe-Etr. 7/lO. tveneralstreik in Granada. Nach einer WTB.-Meldung aus Madrid ist Sonnabend in Gronada der Generalstreik aus- gebrochen. In den Gas- und Elektrizitätswerken wird unter mlli- tärischem Schutze weitergearbestet. Die Ordnung in der Stadt wird durch Truppen aufrechterhalten, Der Vergarbeiterflreik in Südafrika geht»ach dem Beschluß von 5000 Bergleuten in Johannesburg weiter. Www der technischen Angestellten und Benin!««. Mltglirderoersammlunge» deute. aB.tdau, piuxtoUBcr'cn, f, Uhu Zlordwett II, Iugeudhaus, Ratl>eneis-r Etraße S», 7>Z UZu— Dien»t«g.?!chtirie,ld:-Z-hiend»rs. SsiRNjollern, Linden- durgdnmni Süs. Übe. Pantow. Restaurant Linder. Lrcitestrahe?t. TV, Udt.— Smtag, Tegel. Rereinshaus Laniuseck Lauptstrahe, TV» liste Versamoilung bei Bermessunget-chniTer im Berliner Klubhau-, Ohmstraße?,?>/. Uhr. Die Aussperrung in Dänemark. lleber die Vorgeschichte der drohenden oder vielleicht auch schon in, Kraft getretenen Aussperrung d zr dänischen Ar- beiter erfahren wir: Infolge eines Rückganges der Lebensmittelpreise verlangten die dänischen Unternehmer bereits vor einiger Zeit, daß Wirtschaft Die Rentabilitäl der Akiicngesellschaften. In seiner bekannten Schrift hat Geheimrat Deutsch festzu- stellen oersucht, wie hoch die Rentabilität der Unternehmungen m Industrie und Handel ist. Er kam dabei zu dem erstaunlichen Er- gebnis, daß, auf den Kurswert einer Aktie berechnet, die Renta- biiität im Durchschnitt von ISZ Gesellschaften nur 2,7 Prvz. betrage, Die Lyckenheftigkeit und Unzuverkässigkeit dieser Berechnungen ist schon oft betonh worden, ohne daß bisher«in ernsthafter versuch ge- 1 macht worden wäre, zahlenmäßig zu beweisen, wie hoch nun iaU sächlich die Rentabilität einer Aktie im Durchschnitt ist. In der ersten Nummer der neuen Zellschrift„Die Wirt-« schaftskurve", die jetzt vierteljährlich im Verlag der Frank- furter Societätsdruckerei erscheint und neben einer Fülle von statisti- schem Material zur Venrteilung der Wirtschaftslage in regelmäßiger Folge auch die bekannten Indexziffern der„Frankfurter Zeitung" bringt, wird nun der Versuch einer solchen Rentabilitätsberechnung für einige Gruppen an Attienwerten gemacht. Um das E r g e b- n i s vorwegzunehmen: Nach dieser Berechnung trugen 10 Aktien von Maschinenfabriken in der Zell vom 15. Juni 1020 bis zum 15. Juni vor. Jahres 40V Prvz.. 10 Zementaktien in der gleichen Zeit 15 Proz. und 10 Aktien von Automobil- fabriten 80 Proz. durchschnittliche Rente! Den Rekord unter den einzelnen Papieren halten die Horch-Werke mll 180 Proz., die Mindestrentabilität brachte die Armaturen- un!> Maschinenfabrik ,A.-G. vorm. Hilpert in Nürnberg mit 7 Proz. Also selbst die M i n d e st,r e n t e geht weit über das Doppelte der von Deutsch errechneten Durchschnittszahl hinaus. Es liegt ohne Weiteres auf der Hand, daß so verschieden ge- artete Ergebnisse nicht mögllch wären, wenn nicht ganz verschieden- artige Untersuchungsmethoden zur Anwendung gelangten. Geheimrat Deutsch, dessen Schrift durch di« Handelskammer Berlin vertrieben wurde, beschränkte sich darauf, die Dividende als Gradmesser der Rentabilität anzusehen. Dies« ist aber ein völlig unzureichender Maßstab. Denn die Gewinn« der Aktienbesitzer fliehen in den letzten Iahren viel mehr aus Bezugsrechten als aus Dividenden, die ja durch Kapitalverwässerungen be« wüßt niedrig gehalten werden. Darum hat auch die ge- nannte Zeitschrist von vornherein di« Gewinne aus Bezugsrechten zu' den Dividenden hinzugerechnet, um die Rentabilität für die Aktionäre zu finden. Sie nahm an, daß«in Aktionär das betreffende Papier am 15. Juni 1920— also ohnehin zu einem teuren Kurse— erstanden hätte. Die Rentabilität wurde nun ermittelt, indem man die ausgeschüttete Dividende und den an der Börse erzielten Erlös Inzwischen eingetretener Bezugsrecht« zusammen in«in Pro- zentverhältnis zu dem Anschaffungskurs setzte. Man wird zugeben müssen, daß diese Art der Berechnung der Wahrheit bedeutend näher kommt als diejenige des Geheimrais Deutsch. Bor ollem wird sie dem Charakter der Aktienwerte als Spekulationspapiere bedeutend mehr gerecht, als di« Dividenden- rechnung, die man allenfalls auf Anleihepapier« anwenden kann. Nimmt man nun an, der Aktionär hätte sein Papier nach einem Jahre verkauft, so ergibt sich, daß er dann außer Dividende und Bezugsrechte noch einen Kurs gewinn von 148V Proz. bei Ma- schinenfabriken und von 184V Proz. bei Zcmentsabriken«rziell hätte. Bei Automobilfabriken ist ein Vergleich für alle 10 untersuchten Werte nicht möglich, weil drei von ihnen nicht an der Börse notiert werden. Für die übrigen 7 ergeben sich«rheblich geringer« Kurs- unterschiede. Die Aktien mll der höchsten Durchschnittsrente zeigen demnach geringere Kursunterschiede als die mll niedrigen Renten. Eine auffallende Erscheinung, die sich aber leicht daraus erklärt, daß bei den durch Dezugsrechte sehr rentablen Unternehmen infolge der Kapitolverwässerung der Kurs niedrig blieb. Man sieht jedenfalls aus der Gegenüberstellung, daß niedrige Dividenden keineswegs ein Beweis für die Behauptung sind, die Aktienwerte brächten dem Aktionär mir geringe Erträge. Bei all diesen Feststellungen ist zn beachten, daß die von der „Wirtschastskurve" ermittelte Rentabilität sich auf den Kurswert von Mitte 1020 bezieht. Würde die gleiche Berechnung vorgenommen sein im Hinblick auf den Nominalwert oder auf den Vorkriegs- kvrs, als das-Aktienkapital der Unternehmnngen noch«in Drittel bis«in Fünftel des Nochkriegskapitals betrüg, so würde sich für die meisten untersuchten Werte einwandfrei ergeben, daß di« Aktien- gesellschaften denjenigen Aktionären, die Goldkapitol eingezahlt haben, auch Golderträge abwerfen. Damll dürste die Fabel von dem notleidenden Kapital endgültig erledigt sein. ver Zusammenschluß der Provinzbankea, von denen bisher die Allgemeine Deutsche Kreditanstalt in Leipzig sich mll dem Darmer Bankverein und der Bayerischen Hypotheken» und Wechselbank zu einer Bantcngemeinschast zusammengefunden haben, zieht jetzt weitere Kreise. Die Allgemeine Deutsche Kreditanstalt in Leipzig tritt jetzt mll der Braunschweigischen Bank- und Kreditanstalt in«ine Interessengemeinschaft ein und übernimmt von dem Aktienkapital des letzteren Unternehmens, dos von 50 auf 100 Millionen Mark erhöht werden soll, ein Fünftel. Andererseits gibt sie an die Lraunschweigifche Bank- und Kredit? anstatt einen Teil der ihr noch von der letzten Kapitalerhöhimg zur Verfügung stehenden Aknen. Auf diese Weise wird der unter der Führung der Leipziger Bant stehende Konzern, der jetzt schon über ein Aktienkapital von 1200 Millionen Mark verfügt, erneut ge- stärkt. Ueber»Tab Tteuerproblem� wird NeichSminijier a. D. Dr. Scholz in den wntschastZZiolitischen Korsen der Deutschen H» ch s ch u l e Tür- Politik am Dienstag, den lt. Februar, abends 8 Uhr, in der Hochschut,-. Schinkelplatz 6(Alte Bauakademie), sprechen. ißetatti». füt de» redakt. Teil: ffttai ttlfih«. Berlin.Lichterfelde: fät 1«. «eigen: Th. 6U<(, Berti». Rertag SotrnätU.Setlag®. m. i. H.. Berti«. Druck: Larwiirlo.Duchdruckerei II. Ber!ag»anlialt Baut Singer n. So.. Berlin. Liudenstr. 8. aus feinstem Weizenmehl mit Dollei Teigwaren ! sind die»ochsertige Aehlspels« für Ledermann, wohlschmeckend nnd von hohem Nährwert. »ederell ,» tzaten. Großvertrieb durch Vereinigte Deutsche Teigwaren-Zabrilen G. m. b. S.> Mannheim. Maccaroni echte, ans reinem Hartweizengrteß BebrenstraBu' 04 VI, Uhr Das lustig: Febraar- Frajcramm QoltzstraBe 9 Nollendorf 1613 R!»»st«i, 14. Pekruar: Preitiiere Zweiten PfograiMS Vantettoog«llibutf lieb 1 1 Krie«jbeschädig(e u. 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