Nr. S2»ZH. Jahrgang flusgabe A Nr. 41 BcznqSpr.ctSi WertkltZIirl.S�— N!.. mona». 20,— R. frei ins Sans, voraus i>ai>Idar Postbezug i Monallich 20,— M, einlchl. Zu» ftellungsgebiibr. Unier Kreuzband istr Deutfrbiand, Don,vg, das Saar» und Metneigediel, sowie die edemals deul- scheu Sediere Polens Oesterreich- Ungarn und Luxem durg it.— Sit, für das übrige Ausland 72,— Sit Postbestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tfchecho- Siowatei. Danemark. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz Der.Vorwärts� mit der Sonnlags» bcilage»Batk und Zeir�, der Unter- ba lungsbeiiage.Heimwelt" und der Beitage.Siedlung und Kieingarlen" «rschernt wochentöglich zweimal, Sana» tags und Montags einmal. Tetegramm-Adreffe: «Zoziatdomokrar Octlln" AbendAnsgabe c Groß. Berlin 40 Pf. •uswSrts 50 Pfennig yf D Vevlinev Volksvlerkk DnzelstenprctSr Die zrhngeivalten, Konvareillezrur lostet S,- M»klein» Anzeigen� da» iengedruckie Wort»,- SU(ju lässig zwei irrigedrullte Wartet lebe- weitere Wort I.dt> M Sielt engesuchl und Schtafstellenanzeigen da, erst, Won 1.5» SR., tede» weiter» Won i,— M Wort» Uder>5 Buchstaben zählen Uli zwei Won« Zatnilien-An zeigen istr Abonnenten Zeile M Die Preise verstehen stch einschliehlici Teuerungszu schlag Anzeigen istr die nächste«umme, müssen bis 4>,z Uhr nachmittags im Hanvlgeschäfi. Berlin EW stst, Linden- straße 3. abgegeben werden Seöffnel von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittag» 1�0 Zentmlorgan der öozialdemoferatifcheti parte» Deutfchlands Neöaktion und Expedition: CW 08, Lindenftr. Z D«>-nknr�«-l,-'r" Rcdaktiov Moristpiai, IklUä—»7 ,>i'.niprz riic'r. Morivpl-t, II7S»— ä» vorwärts-veriag G.m.b.H., SM 68. Eindcnfh, 3 �trrnl tirrrhi-r• Gerlag.(yztifbitian un» �nirraten- "'. 3li,tcjlunfl Mor,„vlati 117 5» 54 Rcparationsöebatte in Irankreich. Varls. 17. Februar.(MTB.) In der gestrigen Kammer- s i tz u n g wurde die Aussprache über das Finanzgesetz betreffend die Ausgaben begonnen, die Deutschland nach dem Friedens-. . vertragoon Versailles zur Last fallen. Der Berichterstatter Abgeordneter Eymond führte aus, am 1. Januar 1322 habe Frankreich für da» Konto Deutschlands 83 Milliarden Franks vor- gesehen, 45 Milliarden für Reparationen, das heißt für Sachschäden, 23 Milliarden für die an Personen zu zahlenden Entschädigungs- summen und 10 Milliarden als Zinsen für abgeschlossene Anleihen. Für das Budget im Jahre 1922 komme nock) die Summe von 10 577 Millionen Franks hinzu. Der Friedensvertrag, der eine ge- rechte Entschädigung vorgesehen, habe in San Rcmo, Boulogne, Paris und London Abänderungen erfahren, die das glückliche Er- gebnis beeinträchtigt hätten. Frankreich werde nur SO Milliarden Gold mark an Stelle der zu zahlenden 13S erhalten. Redner wiederholte als- dann die bekannten Verwürfe gegen die deutsche Regierung, besprach darauf die kürzlichen Vorschläge der deutschen Regierung zur Sa- nlerung ihrer Finanzen und betonte zum Schluß, jedes Zugeständnis, das man Deutschland mache, jeder Vorteil, den man ihm bewillige, jede Verlängerung der Zahlungsfrist, die man ihm gewähre, hätten zur unmittelbaren und unvermeidlichen Folge, dem französischen Staatsschatz neue Lasten aufzuerlegen, die er nur schwer tragen könne. Gewähre man Deutschland Erleichterungen, so überlaste man Frankreich. Der Berichterstatter verlangte schließlich eine inlernalionale finanzielle Solldarität. Abgeordnetsr Gronfiau als Vorfitzendcr des Ausschusies für die befreiten Gebiete wies besonders auf die Tätigkeit der Reparations- kommission und auf die Machtbefugnisse hin, die ihr der Friedens- vertrag zuerkannt habe. Ministerpräsident Poincare unterbrach den Redner mit der Er- kläruna, die R e p a r o t i o n e k o m m i s s i o n habe Ursache gehabt, unzufrieden zu sein, sie habe sich fortgesetzt an die Regierungen wenden müssen, von nun an aber werde sie ihre Machtbefugnisse wieder besitzen. Er habe die Befriedigung, noch dieser Richtung hin sich in vollstem Einvernehmen mit den Alliierten zu befinden. Abgeordneter Groussau behauptete, Deutschland könne zahlen. Er beglückwünschte die Regierung zu ihrem Entschluß, die vollständige Ausführung des Frietensvertrages zu erzwingen. Ministerpräsident Poincare erklärte in einer Zwischenbemerkung, die deutsche Regierung beabsichtige, ein« Zwangsanleihe auf- zuleaen, deren Ergebnis nicht so ergiebig sein werde, wie man ge- hofft habe, weil der Reichstag sich geweigert habe, gewisse Bestim- mungcn aufzunehmen. Die Reparalionskommissiou müsse also handeln. Poincare behauptete, es sei vollkommen unrichtig, zu sagen, daß der deutsche Steuerzahler schwerere Lasten tragen als der französische. Tatsächlich müsse man, um dies feststellen zu können, nicht nur die mm direkten, sondern auch die indirekten, die Provinzial- und Kommunal- steuern zum Vergleich heranziehen. Abgeordneter Loucheur unterstützte die Erklärungen Poincare» und wies auf die durch den Wechselkurs entstandeneu Schwierig- leiten hin.>! Abgeordneter Groussau verwahrte sich zum Schluß seiner Rede dagegen, daß Frankreich, wenn es seine gerechten Forderungen ver- folge und seine Sicherheit gewährleisten wolle, des Imperialismus und Militarismus bezichtigt werde. Wenn die Alliierten nicht die 1916 feierlich verkündete Solidarität für den Wiederaufbau wahrten,. sei eine Katastrophe unvermeidlich. Darauf wurde die Weiterbcratung auf morgen nachmittag ver- � tagt. An erster Stelle soll jedoch die Interpellation des Abgeordneten Bouteille über die Zwischenfälle in Oberschlesien er- ledigt werden. EngUfch'franzSflsche Gegensätze. Paris. 17. Februar.(TP.) Der»Pelit Parlslen" schreibt: Die Verhandlungen der Reparationskommission über die deutschen Reparationszahlungen für 1922 haben noch nicht offiziell begonnen. Man wartet zu diesem Zwecke endgültig die Zustimmung der englischen Regierung ab. Es scheint aber jetzt schon, daß die Perhand-! lungen von vorn, angefangen werden müssen, d. h. daß die De- schlösse von Cannes in keiner weife verbindlich sein werden. Was die höhe des Betrages anbelangt, wird man franzäsischerseits versuchen, einen höheren Betrag als 720 Millionen Goldmark herauszuholen, während England diesen Betrag auf 500 Millionen Goldmark herab- sehen will. Auch über die Garantien bestehen Meinungsverschiedenheiten. von verschiedenen Seiten wird erklärt, daß die in Cannes vorgesehenen Garantien der Earantiekommisjion einen Grad von j Selbständigkeit verleihen würden, der der Autorität der Repara- tionskommission schaden könnte. Englischerseits erklärt man. daß eine zu strenge Kontrolle die Bewegungen des Kabinetts Wirth hindern würde. Reparationskommissisn und Kapitalflucht. London, 17. Februar.(MTV.) Im Unterhause erklärte Schatz- kanzler Sir Robcrtchorne in Beantwortung einer Anfrage, daß■ die Reparationskommission nach den Verträgen von Der- sailles und St. Germain keine Macht besitze, der Abwände- rung von Kapital aus Deutschland und Oesterreich Einhalt zu tun. Der Umfang, bis zu welchem es sich vielleicht wünschenswert und möglich erweisen werde, die Ausfubr von Kapital aus Deutsch- land zu kontrollieren, werde zweifellos im Zusammenhang mit dem Ersuchen der deutschen Regierung um eine teilweise Erleichterung der Reparationszahlungen für 1922 erwogen werden. Was Oesterreich beträfe, so erfahre er, daß die österreichische Regierung selbst versucht habe, die Kapitalausfuhr einer gesetzlichen Kontrolle zu unterwerfen. Die öeutstb-polniscbe Konferenz. Die Arbeiten der deutsch-polnischen Konferenz in Genf voll- ziehen sich in diesen Tagen vornehmlich in den Unterausschüssen. Der elfte Unterausschuß unter der Leitung des Staatssekretärs a. D. L e w a l d, dessen Arbeiten noch geraume Zeit in Anspruch nehmen dürften, befaßte sich vor allem mit dem staatsbürgerlichen Recht der Minderheiten. Die deutsche Abordnung geht dabei von den liberalsten Gesichtspunkten aus. Sie erstrebt den weitestgehenden Schutz der Minderbeiten und ist bereit, alle Rechte, die sie für die Deutschen in Polni'ch-Oberschlesien zu erringen sucht, in weitestem Umfange auch den Polen in Deutsch-Ober» schlesien zu gewähren. Der zwölfte Unterausschuß, der auf deutscher Seite von Reichs- minister a. D. Dr. Simons geleitet wird, und der die Zuständigkeit und das Verfahren der gemischten Kommission des Schieds- gerichtshofes festzustellen hat, wird in den nächsten Tagen noch mit den notwendigen Vorarbeiten beschäftigt sein, dos heißt, das Material aus den sämtlichen Unterausschüssen durcharbeiten, um überhaupt zunächst festzustellen, welche Streitigkeiten aus dem künf- tigen Abkommen entstehen könnenz erst dann wird es möglich sein, die Zuständigkeit dieser neuen Organe abzugrenzen und ihr Verfahren auszuarbeiten. Der siebente Unterausschuß, an dem auch Vertreter des Internationalen Arbeitsamts teilnehmen, rechnet in den nächsten Tagen bereits auf die Mitarbeit von deutschen und pol- nischen Gewerkschaftsvertretern, die auf G-und gemeinsamer Ver- einbarungen herangezogen werden sollen. Von polnischer Seite sind Kot von der polnifchen Berufsvereinigunq, und Easpary vom pol- nischen Zentralverband, von deutscher Seite Graßmann vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund und Kaiser vom Ge- samtverband der christlichen Gewerkschaften Deutschlands angekündigt worden. Die Unterausschüsse, deren Arbeiten bereits abgeschlossen sind, redlgieren gegenwärtig die Gesamtbeschlüsse, und zwar in französischer Sprache. Entlastung üer Rheinlonüe. Wie amtlich bekanntgegeben wird, werden die amerikani- schen Besatzungstruppen in Deutschland unverzüglich um 203 Offiziere und 3000 Mann verringert. Es bleiben dann nur noch 169 Offiziere und 2217 Mann zurück. Vive le Freistaat". Korrespondent MTB teilt mit: Noch einer Verordnung de? fraiitöiiichen OberkommissorS Petikns ist die Einfübrung und Veröffeiitlichung sowie der Verkauf foiaender ZeitungSschriften für Mein ei verboten worden:.SimplizijsinmS",.Schwarze Schande� und.Vaterland"._ Frankreich und Nuftlanö. Paris, 17. Februar.(WTV.)«Echo Rational" führt das Ge- rücht, es seien Verhandlungen zwischen der französischen Regierung � und den Sowjets eingeleitet worden, um zu einem besonderen Ab- kommen zu gelangen, darauf zurück, daß K r a s s i n nach Paris i j habe kommen wollen, um ein Abkommen mit dem F r a n z ö f i-! i s ch e n Roten Kreuz, das m London getroffen worden fei, zu' � unterzeichnen. Dies fei ihm verweigert worden. Jortöauernöe Essektenhausse. Das Geschäft am Berliner Devisenmarkt hat sich etwas belebt. Insbesondere ist der Eetreidegroßhandel mit bedeutenden Käufen ausländistcher Zahlungsmittel hervorgetreten. Der Dollar bewegte sich zwischen 201 und 202. An der Effektenbörse dauert die � a u s j e an. Sie erstreckt sich in der.kzauvtsache aus Montan-, chemische und Petroleum- werte. Besonders begehrt sind auch Aktien des Stinnes« Konzerns. 1 Um die Awangsanleihe. Wir geben diese Anregungen eines Fachmannes wieder, ohne uns auf alle sachlichen Einzelheiten fest- zulegen. Red. d.„Vorwärts". Das eifrige Werben der Deutschen Bolkspartei um ihren Eintritt in die Regierung erklärt sich nicht nur aus den außer- politischen Rücksichten, die so oft vorgeschützt werden, es ent- springt vielmehr der großen Sehnsucht nach einer anderen Füh- rung der ihr zu sehr links gerichteten Politik des Reiches. In dem neuen Steuerkompromig, das die Volksporteiler an- nahmen, solange sie Aussichten a if einen Regierungseintritt hatten, das sie aber kündigten, als diese Hoffnung zu zer- rinnen begann, ist die von unseren Genossen durchgesetzte Zwangsanleihe der Punkt, gegen den sich der Widerstand der Besitzenden richtet. Nicht nur außerhalb der Regierung— Parlamentarier von der Prinzipienfestigkeit eines Eothein haben darüber keinen Zweifel gelassen,— auch innerhalb der Regierung gehen Strömungen, die letzten Endes daraus hinauslaufen, die Zwangsanleihe ähnlich wie seinerzeit das Reichsnotopfer dadurch zu entwerten, daß man feine praktische Durchführung verschleppt oder verwässert. Das„große" Opfer des Besitzes verlangt seinen Gegenwert darin, daß man es aus der Welt schafft. Das ist das Rezept der Stirnnes-Leute, die für eine„Kredithilfe" die Eisenbahnen schlucken wollten. Die Absicht, die uns bei unserer ursprünglichen Forderung nach einer Goldanleihe leitete, nachdem die Möglichkeit einer Erfassung der Sachwerte bei der gegenwärtigen politischen Lage stark zusammengeschrumpft war, war die Deckung des Extraordinariums, insbesondere des Reparationsetats, auf dem A n- l e i h e w e g e. Da die„Erwerbsstände", d. h. die Sachwertbesitzer, sich feierlich bereitcrklärt hatten, für das Reich eine Anleihe aufzunehmen, die Verzinsung und Til- gung von sich heraus zu tragen und eine Verrechnung erst später vorzunehmen, wollte die Sozialdemokratie diesem Mittel zustimmen: Eine Belastung der Sachwerte auf dem denkbar vorsichtigsten und schonendsten Wege, den die Sachwertbesitzer selbst gewiesen hatten. Es sollte also eine Anleihe aufgelegt werden, zu verzinsen und zu tllgen durch die Leistungsfähigsten der deutschen Wirtschaft; sie sollte den Reparationsbedarf zunächst für 1922 decken, und da die deutschen Neparationsleistumzen in Goldmark zu erfolgen haben, sollte sie auf Goldmark lauten. Ein solches Papier, das nach dem jeweiligen Kurse der Mark zu verzinsen und zu tilgen gewesen wäre, hätte den Sachwertbcsitzern ein starkes Interesse daran vermittelt, daß der Kurs der Paviermark sich einmal wieder nach oben bewegt— und ein solches Interesse brauchen wir. Wenn die Wirtschaft einmal beim Sinken der Mark mehr, beim Steigen weniger Papiermark zu zablen hat, ist ein starker Hebel gegen das„Draußenlassen der Devisen" geschaffen. Auch währunaspolitisch hätte eine solche Gold- anleihe ihr Gutes gehabt. Ein deutsches Goldpapier— die Goldmark etwa zu berechnen und zu verzinsen nach dem Durch- schnitt von Vi Dollar und engl. Pfund— konnte an die Stelle der bedenklichen Einsubr fremder Zahlungsmittel treten. die jetzt sogar im Inland zu Zahlungen verwendet werden, es hätte auf die deutsche Valuta schonend und stärkend wirken können. Die Weisen der bürgerlichen Parteien wußten es besser und brachten von fj�ch aus den Vorschlag einer richtigen Zwangsanleihe. Diese sollte in Höhe von einer Milliarde Gold aufgelegt, den Besitzenden aufgezwungen und von ihnen eine Reihe von Iahren gar nicht, hernach nur schwach letwa mit 2� Proz.) verzinst werden. Die Zwangsanleihe ist für den Besitz eine schwerere La st als eine frei aufzulegende, gut verzinsliche Goldanleihe gleichen Be» träges. Die letztere hätte den Ertrag belastet, die Zwangsanlcihe geht an denBesitzfelber. Sie ergreist zweifellos in vielen Fällen das Betriebskapital. Wenn aber die Interessenvertreter des Kapitals das f e l b c r a n b i e- t e n, wie hätten unsere Unterhändler diese immerhin schwerere Last für den Besitz ablehnen sollen? Die bürgerlickM Blätter berechnen den Eegenwartswert der ZwangsanleihMauf bestenfalls 80 Vroz. ihres Nennwertes. Nimmt man den Papierwert der Anleihe auf 59 Milliarden an. so ist die neue Betast"va immerhin so. daß im Augen- blick der Zahlung an das r.'ch 70 Proz., also 35 Milliarden Paviermark, umsonst gegeben sind, und die Reichsnotopfer- Zuschläge zur Vermögenssteuer gehen daneben ein. S a ch» lich bedeutet das winde st ens eine alsbaldige Wiederholung des R e i ch s n o t o p f e r s für das eine Jahr 192 2. Es bandelt sick nur darum, dafür zu sorgen, daß die Sache wirklich gemaibt wrd. und zwar so. daß der wirklich leistungsfähige Besitz schnell undsichergetrosfenwird. Die Eefabrnt. daß die Zwcmasanleihe sabotiert wird, liegen einmal beim sogenannten„Stichtag" und dann im M a ß st a b e, nach dem die Zwangsanteihe avserlegt wird. Je besser die Popiermork steht, desto weniger brautH gezahlt zu werden, desto weniger braucht aber auch das Reich für Devisen und Getreide. Deshalb können wir uns nicht mit einem Stichtage abfinden lassen. Da schnell Geld geschafft werden muß, schlagen wir vor: Zum 1. April werden, gemäß dem Goldmarkkurse vom IS. März bis 1. April zunächst etwa 300 Millionen Eold- mark in Papiermark umgerechnet und diesmal von den Zahlungspflichtigen des R e i ch s n o t o p s e r s alsbald eingezogen. Diese erhalten dafür die Stücke der Zwangsanleihe. Am 1. Juli und 1. Oktober werden je weitere 300 Millio- nen Eoldmark eingezogen, am 1. Januar 1923 die restlichen 100 Millionen Eoldmark. immer nach den Kursen um die be- treffende Zeit und nach einem neuen Umlageverfahren. Im Reichsfinanzministerium scheint man sich nämlich mit der Absicht zu tragen, entweder die Veranlagung nach dem Reichsnotopfer überhaupt machen, oder aber die Ein- ziehung zu vertagen, bis die neue Veranlagung der Vermögen nach der Reichsvermögenssteuer erfolgt ist. Praktisch bedeutet das bei der schonenden Art, mit der unsere Finanzämter vorgehen— nicht beim Lohnabzug, aber um so mehr gegenüber decki Besitz—, Dertaaung auf den Sankt- Nimmerleinstag. Das werden wir auf keinen Fall dulden können. Vielmehr müssen wir verlangen, daß der am meisten leistungsfähige und am wenigsten fluchtfähige Besitz, nämlich derjenige der Sachwerte, zur Tragung dieser Lasten nach der Erfassung der Rotopferpflichtigen in erster Linie mitwirkt. Er hat sich bereit erklärt, selbst die Auf- brinaungsgrundsötze aufzustellen. Säumt er jetzt, so wird der Reichswirtschaftsrat zu beauftragen fein, schleu- nigst das Umlageverfahren auszuarbeiten. Die Einziehung bei diesen Leistungsfähigsten der Wirtschaft wird dann wohl durcMetzbar sein. Freilich, dazu bedarf es wohl auch einiger perfön- l i ch e r Garantien. Die Dolkspartei sucht sie in zwei Richtungen. Zunächst sollen noch ihrem Wunsch zwei Minister über die Klinge springen, von denen einer einst im„Kabinett der Fachminister"— man erinnert sich doch noch des Fehren- bachschen Fachministerkabinetts— unter brausendem Beifall der Rechten als unübertrefflicher Fachkenner herein- geholt wurde. Jetzt hat der Mann der Privatisierung der Verkehrsanstalten aus guten Gründen widersprochen, und nun heult der Chor: Kreuziget ihn! Dann möchten sie gern auch im Wirtschaftsministerium„nichtsozialistische Politik". Was ist doch der Gegensatz zu sozialistischer Politik? Knpi- talistisch-plutokratische Politik. Roch haben sie keinen Papier- Pfennig bezahlt, ckder durch Sturz der Persönlichkeiten, die doch einst auch ihrem Kabinett der Fachminister gedient— freilich nickt so kapitalistisch, wie manche es gern gesehen hätton—, wollen sie die Eoldmilliarde doppelt und dreifach wieder hereinholen:„Freie" K o h l e n p r e i s«,„freie" Eisen- preise, freie Ausfuhr mit entsprechender Kapitalver- schiebung, das find die Ziele, die sie mit den seltsamen„per- sönlicken Garantien" verfolgen. Wir dagegen suchen die„persönlichen Garantien" an anderer Stelle. Zie Zwangsanleih« kann nur im Reichsfinanzmini- stemm durchgeführt werden. In diesem Ministerium herrscht restlos die Reaktion, und sie hat innen- und außsnvolitisch die bedenklichsten„Erfolge" gehabt. Ver- bleibt die Durchführung der Zwangsanleihe und ihre Verwal- tung in den jetzigen Händen, so wandelt sich in ihnen der ein- zigc Erfolg der Linken bei dem bitterichweren Steuerkom- promiß vielleicht in Nichts, vielleicht ins Gegenteil. Dem muß vorgebeugt werden. Es wird Aufgabe unserer Genossen im Parlament sein, hier Vorkehrungen zu treffen. Es darf nicht fein, daß Zweck und Sinn der Zwangsanleihe durch ihre lasche Durchführung ebenso wirkungslos verpuffen wie ander« Besitzsteuern, die durch die Notenpresse auf die breite Masse abgewälzt wurden._ Tteue Relchstagsvorlagea. Die neue SiblildtungSordnimg, der Entwarf zur Betämpkung der GektS!rankb?iten und die Vor- laac über die lleberieuerungSzuschläge für Beamte gehen dem Slciifisnure demnächst zu. Der Zweck öer Kunst. All« Berufe, die der Mensch heutzutage ergreifen und ausüben kann, dienen mit einer einzigen Ausnahme sämtlich, so mannigfaltig sie auch sind, dem einen Zweck: dem Fortschritt der Zivilisation. Möaen sie dem Handel, der Industrie, dem Staatsdienst angehören, ihr Ziel bleibt: das äußere Wohl des Menschen zu heben. Selbst die reinen Wissenschaften werden jetzt nicht mehr, wie bei den Griechen, um ihrer selbst willen gepflegt, sondern sie haben sich in den Dienst der Praxis zu stellen und werden in der Hauptsache ihrer Nützlichkeit wegen gefördert. Das einzige Gebiet der menschlichen Tätigkeit, das nichts mit der Zivilisation zu tun hat, ist die Kunst. Ihr ausschließlicher Zweck ist die Pflege der Kultur. Wir können ohne Kunst leben. Wir werden bei ihrem Verschwinden kaum eine Bequemlichkeit vermissen. Wir werden auch ohne sie alles besitzen, was wir zur Befriedigung unseres äußeren Lebens brauchen. Aber innerlich werden wir leer fein. Wir werden Barboren sein. All« Wissenschaften, Gewerbe und De- rufe können uns höchstens zu zivilisierten Barbaren machen. Die Kultur, den immateriellen Besitz des Menschen, dos vertiefte Leben der Empfindungen und Gefühle vermittelt uns allein die Kunst. Das menschliche Leben an' sich ist mit wenigen Ausnahmen so arm, so nahe dem Tierleben, daß wir ohne die Kunst nur wenig ver- schieden vom Vieh vegetieren würden. Sie allein weckt in uns den Durst nach dem Schönen, nach dem Vollkommenen, wobei unter schön nicht etwa ebenmäßig und unter vollkommen nicht abgeklärt ver- standen werden soll, sondern beide Begriffe als Symbole für etwas Nicht-Alltägliches, etwas Außergewöhnliches, aus der großen Menge der Erscheinungen Herausragendes aufzufassen sind. Durch das Erwecken dieser Sehnsucht vertieft die Kunst unser Leben. Sie ver- feinert unsere Gefühle, sie bereichert unsere Empfindungen, sie ver- schafft un» schöne Erlebnisse und erhabene StuHen, die einem kunst- fremden Menschen völlig fremd bleiben. KmM sie macht uns zu Kulturmenschen. Die Freude am tressendeiz Wort, am schönen Satz, am tiefen Gedanken, an der Schönheit der Linie, am Zusammenklang der Farben, an der Harmonie der Töne, das sind große Bereiche- rungen, die zur Veredelung der Menschheit beitragen. Und das ist der Zweck der Kunst: durch das Schaffen neuer vertiefter Erlebnisse den Menschen größer, aufnahmefähiger, vollkommener zu machen. _ M. Eh. Der letzte Gotthardpoftilllon, Peter Lyrer, ist kürzlich im Alter von SS Iahren in Flüeln gestorben. Jahrzehntelang hatte er— wie die.�kölnische Zeitung" berichtet— den gelben fünfspänni. gen Postwagen über den Gotthard geführt. Was waren das für Zeiten, bevor 1882 die Bahn eröffnet wurde! Welch interessantes Leben herrschte da aus dieser Nord und Süd verbindenden berühm- Jammer öer Deutschen Volkspartei. Herr R i p p l e r, der kultwierte Herausgeber der„Zeit". hatte sich seine Aufgabe offenbar anders vorgestellt, als er es übernahm, das neue Organ der Volkspartei zu leiten. Jetzt ist infolge des Schrecks, den er erlitten hat, seine Redaktion etwas in Verwirrung geraten, und so kann man in der„Zeit" stilistische Leistungen wie diese lesen: Das„B. T." verkündet, daß der„kommunlstisch-deutschvolks- parteiliche Anschlag gegen die Regierung, gegen die kaum wieder- hergestellte Ruhe, gegen die auswärtigen Interessen der Nation" mißglückt sei, und schließt mtt der Aufforderung zu einer Maßrege- lung gleich den streikenden Lokomotivführern.(? Red. d.„Vorw.".) Im.vorwärts" vollends wird eiu lobender, aber uubegabter hölleiu mit uur noch spärlichen Rudimenten ehemaliger Schnlbildung gegen die Volksparlei losgelassen, um ihr in einer Tonart, die die.Rote Fahne" vor Neid erblassen lassen muß, ihre politische Verworfenheit vorzuhalten. Daß dabei wieder zum hundertsten Male die huadert- mal widerlegte Lüge, daß sich die Volksparlei zur üoaliliou dränge, aufgewärmt wird, kann ebenso wenig wunder nehmen, als daß das „B. T." z. B. die Tatsache, daß seine eigenen Leute zusammen mtt dem Zentrum die Koalition immer wieder gefordert und auch zu den letzten Besprechungen eingeladen haben, weiter verschweigt. Der begabte Höllein der„Zeit" erklärt dann weiter: Eine Erörterung eines solchen Zusammenschlusses in der nach- sten Zeit(nämlich zur„großen Koalition". Red. d. Vorw.") haben wir ausdrücklich abgelehnt, was unterschlagen wird. Wir bitten die„Zeit", einmal wörtlichzuzitieren, was„unterschlagen" worden sein soll. Tatsächlich hat sie sofort wieder, nachdem der Anschlag auf die Regierung mißglückt war, treu und bieder ihre Beteiligung an der„großen Koalition" offeriert. Doch wer will ihr das Verlegenheitsgerede übel nehmen? Sie tut, was sie kann! Und das journalistische Genie, das imstande wäre, eine Partei, nachdem sie sich selber so hineingelegt hat. wieder herauszulügen, muß erst geboren werden. Die gelbe Schutztruppe. Ein überaus bezeichnendes Schreiben ist die„Freiheit" wiederzugeben in der Lage. Es ist bürgerlichen Zeitungsredaktionen zugestellt worden und stammt von der Zentrale der gelben sogenannten„Berussverbände". Hier ist es: Berlin, den IS. Februar 1922. Sehr geehrte Hauptschriftleitungl Wir bittm dringend, vom Donnerstag morgen ab jegliche Be- trochtung über den Beamtenstreik mehr gegen die drei Spitzen» gewerkschaften als gegen die ein« reine, vorwiegend bürgerliche Be- cnntenorganisation darstellende Reichsgewerkschast Deutscher Eisen» bahnbeamten und-anwärter umzustellen. Wie der anliegende in der„Täglichen Rundschau" erschienene Aufsatz unseres Vorsitzenden, des Reichstagsabgeordneten Geisler, zeigt, sind die Mlglieder der Rcichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahn- beamten und-anwärter überwiegend bürgerlich gesinnt und das Opfer einer zwangsläufigen Entwicklung, welche die Regierung und ihre drei Gewerljchaftsspitzenverbänd« verschuldet haben, geworden. Um die veamieu vor dem Abmarsch iu das(inkspollttsche Lager zu bewahren und sie von ihrer derzettigen radikaleaLeitungbe- freien zu können, muß u. E. die nationale Presse die Beamten von jetzt ad schonend behandeln.(Sonst bleibt die Saust der Linken an der Gurgel des Staates.) Unser Bestreben wird es fein, die Reichsttsenbahnbeamten für den Verzicht auf das Streikrechl and für das Festhalten au den Rechtsparteien zu gewinne». Wir bitten die verehrlich« HauptfchrWettung, uns in diesem Bestreben durch freundlich« Beachtung vorstehender Winke gütigst zu unterstützen. Mit vorzügllcher Hochachtung Naklonalverband Deutscher verufsoerbände. Die ganze Hoffnung der reaktionären Parteien ist auf die Wiedergewinnung jener Beamtenschichten gerichtet, die ten Mpenstraßel Wer es noch gesehen hat, wird nicht müde davon zu erzählen, und auch Lyrer tat es gern hinter einem guten Schoppen. Der geschichtlich denkwürdige, aber heute so verödet und einsam da- liegende Gebirgspaß sah damals«inen außerordentlich regen Der- kehr. Das war ein ständiges Hinüber- und Herüberziehen. In erster Linie natürlich Geschäfts» und Kaufleute, ursprünglich— während des ganzen Mittelalters und noch Jahrhunderte nachher— in endlosen Saumtierkarawanen, die oft die ganze Breite des Weges einnahmen, später, nachdem 1830 der Bau der Fahrstraße vollendet war, mit hochbepackten, von hellem Segeltuch überwölbten und von schweren, sckzellenbehangenen Fuhrmansgäulen gezogenen Fracht. karren. Dann Kandier und Kneckte mit ftlr den Luganefer Markt bestimmten Viehherden, ferner Eil- und Postkutschen, herrschaftliche Reisewagen, Reiter hoch zu Rob, biedere Handwerker. Geistliche und Mönche, Künstler und Gelehrte, kurz, es war ein ewiges Kommen und Gehen, das in seiner Vielgestoltigkeit einer gewissen Romantik nicht entbehrte. Geradezu dramatisch spitzte sich die Sz-n« zu, wen manchmal zwei oder aar mehrere solcher Grupven zmällig auseinanderprallten, wenn z B bei einer der zahlreichen Weg. krümmunqen ein in rascher Fahrt daherkommender Eilwaaen ploß- lick in»ine Rinderschor hineinfuhr. Dann wallt« der Staub in dichten Wolken auf. Toben und Schimpfen, vermischt mit Gelächter "ud Angstrufen. Peitschenknallen und Kvndeqebell ertönten von allen Seiten. Dazwüchendurch Rufe und Befehle der fremden Reisend-n in den verschiedensten Svrachen. Nur einer pflegte unter solch schmierigen Umständen seine Ruhe und Gnftesgeaenwart nicht zu verlieren, und das war unser braver Pastillian. Vom hohen Bock übersah er das Schlachtfeld und bedielt die Kügel fest in der Hand, um dann, wenn der Kanftikt endlich fein« Löluna aefunden, in ver- schärftem Trab die versäumt« Zeit wieder einzuholen. Ganz anders, oft weit gefährlicher gestaltet« sich der Verkehr im Winter, wenn er mit Hilfe van Schlitten bewältigt werhen mußte cmd sich Bilder entmickelten, die lebhaft an Nordpalexpeditioncn er« innerten. Auch heute noch bietet die Gottdardstraße in mancherlei Kinsicht so viel des Interessanten, daß man immer wieder gern über die Teufelsbrücke zum Hospiz Hinlnilvilgerh um dann durch» Val Tremolo, durch da» Tal. wo man da» Zittern lernen kann, zum Tessin hinabzuwoudern. Wenn der Weg, wie aesaqt, setzt nur nicht aar so elulain wäre, was beute nicht nach sedermanns Geschmack isil Dach dem soll nun im kammevdsn Sommer durch regelmähige Vastkraltmaaenverbindung aboebolfen werden. Privatautos werden sicherlich folgen, fo daß vielleicht in späteren Iobren jene lebens. vollen Szenen, van denen uns der alte Lyrer so hüblch zu erzählen wußte, nur in anderer Weise, noch einmal eine Fortsetzung erfahren werden. Ein indlanifch-s Tersiftunsiwerk in Dresden. Ein Kunstwerk von besonderer Seltenheit ist. wie Paul Sorgenlrei Im„Kunftwan- derer" mitteilt, in den Besitz des Museums lüg Völkerkunde zu Dresden gelangt. Es ist«me iocisnannte T s ch i l k a td« ck e. die aus dem Nerdw-sten Amerikas stammt und den berühmtesten asiatt- schen Knüvfarbeiten an die Secte gestellt werden kann. Di« Küsten. Indianer stellten aus der feinen weißen Wolle der Schneeziege, die sich in den Felsengebirgen des nordwestliche« Amerika fand, durch l sich während des Krieges und in der Folgezeit von ihnen ab- gewandt haben. Auf den Zustrom aus Arbeiter kreisen, , den sie früher mit allen Mitteln zu erzielen strebten, haben sie offensichtlich verzichtet und die gelben Gewächse, in deren Namen das zitierte Schreiben an die bürgerliche Presse ge- richtet wurde, führen bisher ein für die Unternehmer zwar kost- spieliges, aber deshalb doch höchst überflüssiges Dasein. Ter Vorstoß in die Reihen der Beamten, die zunächst von den reaktionären Parteien wegen des Streiks aufs äußerste be- schimpft wurden, kennzeichnet aber die Absichten eben dieser Parteien. Die„Deutsche Zeitung" ist bereits gestern abend dem zarten Winke der Gelben gefolgt. Sie versichert in einem spaltenlangen Artikel, daß die„inneren Zusammenhänge" des Eisenbahnbeamtenstreiks der Oeffentlichkeit nicht genügend be- kannt seien. Deswegen hott sie das Berfäumte nach und tellt mtt: Ueber den Charakter der Reichsgewerkschaft ist zu sagen, daß sie eine reine Beamtenoereintgung darstellt. Zhre Rlilglieder sind größtenteils Anhänger der bürgerllchen Parteien, welche sich aus Abscheu vor sozialistischer Gleichmacherei ihre eigene Beamtenver- einigung geschaffen haben... Es sind hier nicht die Früchte sozio- listischer vcrhehungsarbeil gewesen, welche der großen„Reichs- gewerkschaft" das Verantwortungsgefühl für das öffentliche Wohl ge- nommen haben. Wenn man der„Deutschen Zeitung" also Glauben schenken darf, so stellt sich die Sache so dar, daß nicht die kleinere Zahl der s o z i a l i st i s ch e n Mitglieder der Reichs- gewerkschaft zum Streik getrieben hat, sondern daß sie umge- kehrt von den überwiegend bürgerlichen Elementen dieser Gewerkschaft zum Streik gegen die Republik gedrängt worden seien. Das entspricht ganz dem, was ein bekanntes Gewerkschaftsblatt,„Der Korrespondent für Deutsch- lands Buchdrucker", kürzlich über den Eisenbahnbeamtenstreik unter dem bezeichnenden Titel„Prätorianer der Reaktion" schrieb. Der„Korrespondent" sagt, die Reichs- gewerkschaft habe deshalb jede Verbindung mit den anderen Gewerschaften abgelehnt, weil sie auch andere politische Ziele verfolge. Das Blatt wird aber noch deutlicher, indem es ausführt: Hinter dieser Bewegung der Rcichsgewerkschaft, die sozusagen> nur den Auftakt ju jener großen Bewegung bedeutet, die von führenden Kreisen und Personen der deutschen Groß- kapital» sten schon im vergangenen Jahre im Monat März. dieses Jahres angekündigt wurde, wo es sich zeigen werde, w e r in Deutschland das Heft in die Hände bekomme, da stecken die Draht- zieher der Ludendorffer und der Stinnes-Leutel Noch sind die Karten, die diesen Rechtsputsch verdecken sollen, nicht alle klar zu sehen. Die groß« Masse der deutschen Lokomotiv- führer und der sonstigen Mitglieder der Reichsgewerkschaft der deutschen Eisenbahner hat kein« Ahnung davon, zu welchen» Verrat am deutschen Volke sie mißbraucht werden sollten. Sie mögen aber einmal die in ilzrer Reichsgewerkschaft befindlichen ehemaligen Offiziere etwas näher ins Auge fassen, da werden sie Beobachtungen machen können, die ihnen sofort die Augen öffnen werden. Hier in Leipzig sind in dieser Richtung schon ganz eigenartig« Vorkommnisse zu verzeichnen. Noch liegen dia Fäden dieser Beziehungen hinter den Kulissen der Reichsgewcrk- schaft nicht klar genug zutage, und die bürgerliche Presse wird sich hüten, dies« Fährten zu verfolgen. Die geheimen reaktiv- nären Verbindungen sind zu raffiniert angelegt, um sie restlos zu fassen und zu brandmarken.... Nu»r volkswirtschaftlich und politisch unklar« Köpfe könne» dieser reaktionären Giftmischerei noch Sympathie entgegenbringen. Sie stellt ein» der rasflnicrkesten Atteulak« gegen die gesamte deutsche Arbetterschafl dar, des je in de? Geschichte de« deutschen Volkes zu verzeichnen war. Diese Andeutungen finden durch das Eingreifen der Gelben jetzt einigermaßen ihre offizielle Bestätigung. Man wollte die Beamten verärgert machen durch das vorauszusehende Mißlineen ihres Streiks und sie dann ins reaktionäre Fahrwasser hinüberziehen. Augenscheinlich aber bat die Regie nicht richtig geklappt, denn noch während des Streiks ließ die„Deutschnationale Partei" in Berlin ein einfaches Rollen mit der Hal»d Fäden her, die dann durch Pflanzen- fast schlvarz, blaugrün und gelb gtzfärbt und mi» der Hand zu teppich- artigen Geweben verknüpft wurden. Diese'Tschilkatdecke»st ein neuer Deweis dafür, daß sich die Ausübung der tertilen Kunst bei sonst nicht gerade auf hoher Kulturstufe stehenden Völkern zu hoch- ster Vollendung steigert. Die Decke diente als Umhang den Haupt- lingen und Schamanen bei Tanzfesten. Nur wenige europäische Museen sind im Besitz derartiger Decken, die von allergrößter Sellen- heit sind. Die Decke, die letzt in das Dresdener Museum gekommen ist. erscheint trotz ihre» Allers wie neu. was auf die äußerst sorg- fällige Behandlung und Verwahrung zurückzuführen ist. die die In- dianer solchen D«cken zuteil werden ließen. Das Muster stellt eine heraldische Stllisierung der Menschen- und Tiergestalt dar und weist neben der grauen Naturfarbe des Wollgexvebcs tiefschwarze, blaugrüne und gelbe Färbung auf, wobei die schwarze Farbe als breite Umrandung besonders hervortritt. Eigentümlich ist das auf der ganzen etwa Meter breiten Deck« wiederkehrend« Auge, das in verschiedenen Formen als Motiv dargestellt ist und als Symbol der Wachsamkeit gegen böse Dämonen eilte gewisse talismanartige Be- deutung besitzt. Das Filmarchiv de» Reichswirsschafismufeums. Von dem Reichswirtschaftsmufeum in Leipzig hat die Industnefilmgcsellfchaft Berlin einen sehr interessanten Film aufgenommen. Die sehr schwierige Aufgabe ist dadurch geläst worden, daß das Institut in einzeln« Abteilungen zerlegt in Buchform dem Beschauer vor Augen geführt wird. Dadurch wirkt der an sich spröde Stoff anregend und belehrend und gibt nicht nur einen ausgezeichneten Einblick in den Aufbau des Instituts und die Art der Darstellung, sondern auch einen recht anschaulichen Ueberblick über die verschiedenen Wirt- lchastsgebiete der deutschen Volkswirtschaft. Gleichzeitig hat das Reichswirtschaftsmuseum sich ein eigenes Filmorchiv angelegt. Es sind ihm von führenden Firmen der deutschen Industrie Filme hier- für gestiftet worden. Dadurch ist das Institut in die Lage rerfetzt worden, nicht nur in Leipzig, sondern auch in weiteren Teilen Deutschlands volkswirtschaftliche Lorträge an der Hand u-»d unter Benutzung von Filmen halten zu lassen. Die Lichtbildersammlung des Reichswirtschaftsmuseums erfreut sich ebenfalls lebhafter Unter» stützung._ Julius Maria Becker»»Letztes««?!»<->. da« am Tonntag vor» mittag im Neuen Volkstbeoter zur erben Aufführung gclmut. wird bier in einer der Buchausgabe ciegenüber ve> änderten Fassung getpielt. Die Hauptrollen find mit Paul Bildt, Karl Ludwig Achaz und Leonore Ehn besitzt. Konzert- Verlegung. Der VII. Melo»» Kammermusik- abend, der Arnold SibönbergS Streichquartett Nr. II,?is-dloII. bringt, ttt aus den L2 Febiuar, 7'/, Uhr, im.Sturm- verlegt.— Da» S. Simonie» Kolizcct de» Deutilhen.-Overnbnu»-Orch«fters ist wegen de» am 18. Februar staUfindcndeu WohlläiizteitssesieZ aus Sanniag, den 26. Fe» bruar verlegt. Die Leitung der Pbilbarmonischen Konzerte. Da» 7. Philhar. manische Konzert wird Felix Wetngartner leiten. Zur Leitung der svlgendcn 3 Konzerte find Fritz Busch, Werner Wolss»Mb Bruno Walter in Aussicht genommen. Flugblatt verbreiten, in dem über den Beamtenstreit folgendermaßen losgezogen wird: Dabei Handel: es sich gar nicht um berechtigt« Lohnforderungen, sondern um einen verbrecherischen wilden Streit, der nichts anderes als rein machtpolitische Ziele einer linkeradikolen Minderheit verfolgt. Ist das nicht tatsächlich die Diktatur des Proletariats, die, nach russischem M u st« r über Leichen gehend, ganze Wlker zugrunde richtet? Selbstverständlich, daß dann auch gegen die Re- g i e r u n g scharf gemacht wird, weil sie die Beamtenbewegung nicht vollends niederschlage... Es handelt sich also um ein Spiel mit verteilten R o l l e lt. Dem Bürgertum gegenüber schimpft man auf die„radikalisierten Beamten"', und den verärgerten B e- amten versucht man den Glauben beizubringen, daß nur in den Parteien der Reaktionäre ihr Heil zu finden sei. Wieviele von den noch hauptsächlich in bürgerlichen Vorstellungskreisen b«fangen-n Beamten auf diese Leimrute kriechen werden, muß abgewartet werden. Die verhanölungen üer Neichsgewerkschast. Ueber die Tagung des erweiterten Vorstandes der Reichsgewerk- schüft der Eiscnbahnbeamten berichtet die B.Z.-Kmrespondenz, daß es gestern noch nicht zu einer klaren Entscheidung gekommen sei. Die Gegensätze zwischen der wirtschaftsfriedlichen und der radikaleren Richtung innerhalb der Reichsgewerkschaft hätten sich erheblich ver- schärft, Die gestrigen Beratungen waren dadurch beeinflußt, daß der größte Teil der etwa 150 Mitglieder des erweiterten Vorstandes eine disziplinarische Bestrafung zu erwarten hat, weshalb die Erörterungen sich mehr um diesen Punkt als um die Gcsamtbeqjegung drehten Der Verbandsvorsitzende habe ein mehrstündiges Referat über den Streik und die Haltung des Aktionsausschusses beim Abbruch der Bewegung erstattet- Die Reichsgewerkschaft habe, so erklärte der Redner, keinen Fußbreit nachgegeben, sondern auf der Höhe ihrer Kraft den Streik abgebrochen, um zu verhindern, daß die K o m m u- n i st e n die Bewegung tzu ihren Gunsten ausnutzten. Die Reichs- gewerkschaft habe den Streik nicht abgebrochen, sondern nur unterbrochen, um der Regierung eine Atem» pause zu gewähren. Die andere Partei wandte sich gegen diese Ausführungen des ersten Borsitzenden und erklärte, daß derartige Ausführungen nur als Phrasen bezeichnet werden könnten. Wenn die Streikleitung wirklich noch auf der Höhe ihrer Macht gewesen wäre, so hätte sieniejnalsduldendürsert, daß die Regierung überhaupt Maßregelungen vornehme. In der Streikleitung seien Wirrtöpfe und vor allem eine Anzahl Personen, die den Streik, der ursprünglich wirtschaftliche Tendenzen hatte, auf das poli- tische Gleis zu schieben bemüht waren. In der Oefscntlichkeit seien unwidersprochen Behauptungen aufgestellt worden, die von einer Verbindung mit der Kommunistischen Partei gesprochen hätten. Man könne vom Reichsverkehrsminister unmöglich verlangen, daß er. jetzt die Disziplinierungen, die bereits eingeleitet seien, rückgängig mache. Eine solche Maßnahme würde die Autorität der Regierung untergraben, sie würde die leitenden Beamten in den Direktions» bezirken ebenso wie den Minister selbst unmöglich machen. Wenn die Regierung in diesem Punkt nachgebe, so bedeute das nichts ande- res als eine Verbeugung vor der Straße. Dies« Ausführungen führte» zu außerordentlich hef- tigen Auseinandersetzungen auf beiden Selten und teil- weise zu einer periönlichen Zuspitzung der Debatte. Die Anhänger der radikalen Richtung erklärten wiederholt, daß der Eisenbahner» streik lediglich eine Machtsrage geworden sei und daß aus diesem Grunde die Beamten von neuem in den Ausstand treten müßten, um die Zurücknahme der vom Kabinett auf- gestellten Richtlinien und der Disziplinarverfahren von dem Minister Gr o e n e r zu erzwingen. Die von der Regierung jetzt beliebten Maßnahmen seien die des alten Obrigkeitsstaates, der die Beamtenschaft stets zu entrechten getrachtet habe. Besonders die Vertreter aus dem Industrierevier, aus Frankfurt a. M. und Breslau, setzten sich sehr lebhaft für eine Wiederaufnahme d e s A u s st a n d e s ein. Um 1 Uhr nachts wurden die Verhandlungen abgebrochen, da noch etwa 20 Redner auf der Liste standen. Die Besprechungen sind dann heute vormittag um 10 Uhr wieder aufgenommen und mit gleicher Schärfe weitergeführt worden. Man nimmt an, daß erst heute in den Abend st unden eine Entscheidung fallen wird. Ekn neue? Vorstoß öer Rechten. Streichung des WiederaufbaumiNisteriums. Im Hauptausschuß des Reichstag, wurde am Freitag der Etat des Reichzrr.inistcra ms für Wiederaufbau behandelt. Abg. Dr. Reichardt fDnotl.) beantragte die Streichung des Minister- Postens,«benso Abg. Dauch(D. Ap.). Abg. Dr. Pachnicke (Dem.) trat für«instwellige Beibehaltung ein. Einzelne Minister» posten würden aufzuheben sein, die Frage sei aber als h o ch p o l i- tische im ganzen zu lösen und nicht willkürlich an dieser einzelnen Stelle. In demselben Sinne äußerte sich Abg. Müller»Franken (Sozialdemokrat). Staatssekretär Dr. Müller(Reichsministerium für Wiederaufbau) bat, die Frage der Beibehaltung des Ministergehalis nicht h'er bei diesem Etat zu beraten, sondern bis auf die Beratung der Bei- beHaltung der verschiedenen Minister zurückzustellen. Der Redner oeb dann einen allgemeinen Uebcrblick über die Aufgaben des Reich ewinisteriums für Wiederaufbau und führte besonders aus, daß die Lchoffung eines besonderen Wiederaufbauministeriums nicht aus parteipolitischen Erwägungen erfolgt sei, sondern aus den rein fach- lichen Erwägungen, daß«ine ordk.ungsmäßtge Durchfübrun des Friedensvertrags nur durch eine besondere Zentral« für dies« besondere Aufgabe möglich sei. Er wies auf die. schwer- wiegenden politischen Rücksichten für die Beibehaltung dieses Ministeriums hin. die in der lonalen Durchführung des Friedens. vertrazs liegen, sowie auf den Eindruck, den eine Streichung des Ministeriums im Ausland machen würde. Sie würde leicht wieder als mangelnder guter Wille Deutschlands, seine Bcrpflichtungen aus dem Friedensvertrag« zu erfüllen, ausgefaßt werden können. Abg. Slvckner(Z.) bedauert es vor allem aus außenpolitischen Gründen, daß«In Antrag gestellt werden konnte, der die Stveichung des Ministcrpostens für Wiederaufbau befürwortet. Unser Wille zur ernsthaften Reparationsleistung, der bei den Reqierungs- Parteien durchaus vorhanden ist, könne-durch solche abwegigen An» träge vom Ausland in Zweifel gezogen werden.'— Abg. Stückten (SozH schlug vor. daß eine klein« Kommission des Hauptausschufles die Frag« prüfen solle, welche Stellen am 31. Dezember d. I. ge- strichen werden könnten. Mittlerweile wäre die Regierung zu ver- anlassen, sich zu den Vorschlägen der Immission mit ausführlichen fochuchen Gegengründen zu äußern. ver Chefredakteur der«Chicago Tribüne-, Oderß Moc Cor» ntlck. ein Bruder des Senators, trefft in den nächsten Tagen in verUn ein, um sich über die politische und wirtschaftliche Lage Deut,chland» zu unterrichten. So ist öle Valuta! Der Inhaber eines Berliner Kleiderfalons sah auf einer Ge- schäftsreise in Paris einen sehr feinen Stoff und besorgte davon so viel als er verarbeiten zu können glaubte. Er stellte fest, daß sich der Stoff für einen Mantel aus etwa 300 Frank stelle. Ein Jahr später reiste sein französischer Geschäftsfreund nach Berlin, besuchte den Kunden und sah einen herrlichen Mantel, der aus seinem Stoff gefertigt war, mit starrer Seide gefüttert, vorzüglich gearbeitet und ihm wie angemessen passend. Als er sich nach dem Preis dieses Mantels erkundigte, erfuhr er zu seiner Ueberraschung, daß er 200 Frank koste. Der deutsche Kaufmann hatte im November 1020 300 Frank gleich 1200 M. bezahlt, hatte seine Arbeit und son- stige Materialien mit 3000 M. berechnet, verlangte nun im No- vember 1921 4400 M., also nach dem damaligen Kursstände 200 Frank. Wenn der französische Kaufmann etwas von den Geheim- nissen des Valutachaos versteht und daher ein um so gläubigerer Anhänger Poincarös ist, so wird er auf den Gedanken kommen, daß die deutschen Kaufleute ihre Rohstoffe aus Bosheit im Auslande teuer einkaufen, sie mit anderen teueren Materialien in der vor- züglichsten Weife verarbeiten und diese Waren zu«inem Preise los- schlagen, der ihnen nicht einmal die Kosten der Rohstoffe ersetzt. Alles nur, um Bankrott ansagen und die Reparationslasten nicht aufbringen zu müssen. Ein Winkelbankier hatte mit seinem sehr kleinen Der- mögen und dem viel größeren ihm anvertrauten Bermögen seiner Kunden sich in sehr gewagte Spekulaiionen auf Steigen des Dollars eingelassen. Zu seinem Unglück bewegte sich aber— es war im Herbst 1020— d«r Dollar anstatt nach aufwärts nach abwärts. Das schöne Gebäude krachte zusammen, die vorhandenen Bestände wurden mit Beschlag belegt und der Bankier konnte in einer langen Untersuchungshaft darüber nachdenken, wie er besser hätte speku- lieren sollen. Da aber das Gericht sehr gründlich und infolgedessen langsam arbeitete, so dauerte es nicht lange und die im Gerichtsdepot wohlverwahrten Devisen begannen erst langsam, dann immer schneller zu steigen. Das Defizit verminderie sich, verwandelte sich in einen Ueberschuß, und nachdem auf Antrag der Gläubiger— was wieder in ziemlich langsamem Tempo geschah— die Dermögensbcstände liquidiert wurden und die Schulden beglichen waren, konnte der Bankrotteur von gestern erhobenen Hauptes und als Besitzer von mehreren Millionen das Gesang- uis verlassen, da das Gericht— durch die saumselige Bc- Handlung seines Falles— so glücklich für ihn spekuliert hatte. Die Nörü— Süü-Sahn wirS weitergebaut. Einstellung der Arbeiten an der AeukZllner Strecke. Die letzte Magisttatssitzung hat sich mit der Frage der Ein- stellung der Bauarbeiten an der Nord— Süd-Bahn beschäftigt. Hier- bei handelt es sich, wie wir von unterrichteter Seite erfahren, nicht um die Arbeiten an der Stamm st recke, die zum weit- aus größten Teile bereits fertiggestellt ist, und die Linie von der Müller- Ecke Seestraße, einschließlich des Abstellbahnhofs im Norden, bis zum Bahnhof Lelle-Alliancc-Platz, einschließlich der Gieis- anlaaen in der Belle-Alliance-Sttaße bis zur Teltower Straße, wo die Bahnstrecke vor Herstellung des Anschlusses an die Neuköllner Bahnstrecken einen vorläusigen Abschluß erhallen soll. Diese Stamm- strecke, die an ein« Reihe von Unternehmern vergeben worden ist, soll nach dem bisherigen Plane fertigqebaut und in Betrieb genommen werden. Bei der Einstellung der Arbeiten am Bau der Nord— Süd-Bahn handell es sich vielmehr um den- semgen Teil der Arbeiten, der vor einiger Zeit an der Strecke Hallesches Tor— Hermannplatz in Angriff genommen worden ist und der in städtischer Regie ausgeführt werden sollte. Diese al» Notsrandsarbeiten gedachten Bauten, die zur ver- mehrten Einstellung Arbeitsloser führen sollten, müssen nun zurück- gestellt werden, well hierfür keine Mittel verfügbar sind. Die„paßzentrale" kn üer Kneipe. Eine wohleingerichtete Wertstatt für Urkundenfälschungen wurde gestern von der Kriminalpolizei in der Brunnensrraße ausgehoben. Sie bildete eine Art Paß-Neben stelle neben der rechtmäßigen Paß stell«, nur daß sie erheblich teurer war als dies«. Dafür war allerdings auch �.ihr Ge- lchäftsgang- wieder viel einfacher. Ihr Inhaber war ein e-chgeider Spiegel aus Galizien, der Schere und Nadel schon lange nicht mehr anfaßte, dagegen um so eifriger mit Feder und Stempel umging. Sein««Dienststelle- hatte Spiegel in der Grenadiersiraße einge- richtet. Hier nahm er in einer Schankwirtschaft Bestellungen ent- gegen, um sie in seiner Behausung auszuführen. Auch die Aus- händigung der ausgefertigten Urkunden erfolgte in der Grenadier» ftraße. Spiegel lieferte alle nur gewünschten Po» piere, bis zu Aus- und Einreisezwecken ersorder- li ch sind, Standesomtsurkunden, Steuerbefcheinigungen und auch die Pässe selbst. An der 5>and hatte er eine Reihe von Schleppern, die ihm d'e Leute, alles Po'en und Galizier, zuführten. Die Preise waren«mz oerschieden. So forderte er sür einen deutschen Paß bis zu 6000 M., für einen Ausreiseschein nach Kongreßpolen und Galizien bis zu 8000 M. Eine Steuerbescheinigunq des Finanzamtes besorgte er schon für 300 M. Bei der Haussuchung fand man in dem Kopfkissen des Bettes nicht weniger als 10 Stempel von Standesämtern ufw. in Polen, der Ukraine usw. Die Vordrucke, die Spiegel zu benutzen pflegte, hatte eine aufsallend starkbnsige Frau unter ihrer Kleidung verborgen. Tägliche Rodelunfälle in de» Müggelbcrge». Die behördlicherseits mtt Unterstützung von Sportvereinen an- gelegte große Rodelbahn in den Mügqelberqen ist vor einigen Togen oer Benutzung entzogen worden, weil sie schon zu ausgefahren war. Die täglich in großen Scharen eintreffenden Schüler und Schule- rinnen benutzen nun zum Rodeln allerlei schmale Aufstiegwege, die ein zu großes Gefälle haben, stark mit Bäumen durchsetzt und für das Rodeloergnügen geradezu lebensgefährlich sind. An- wesende Lehrer erklären, keine Verantwortung mehr zu übernehmen, aber auch den Wagemut der Schuljugend nicht eindämmen Zu können. Täglich kommen Unglücksfälle vor. Erst vorgestern mußte ein schwerverletzter Schüler ins Krankenhaus befördert werden.— Auf dem Kreuzberg hatte sich übrigen« während der Frostperiode die Jugend, abseits von der von der Parkverwaltung und Stadt «ingerichteten Rodelbahn, gleichfalls ihre eigene Bahn eingerichtet. Die Folgen waren sehr bedauerliche Beschädigungen an Rosen- und Ziersträuchern, deren Ersan. falls er überhaupt möglich ist, mit ganz bedeutenden Kosten verknüpft sein wird. Es wäre eine Aufgabe der Sport- und Iugendverein«, durch Vertreter für Ordnung zu sorgen._ Reu« Sohlenprelserhöhlmg. Zur Verhütimg von Stockungen in der Kohlenverftrqung Berlins hat die Preußische Kohlenwirt- schaftsstelle in den Marken als Berusunasinstanz in einem zwischen dem Berliner Kohlenhandel und dem Magsstrat Berlin hinsichllich der Preisfestsetzung entstandenen Konflikte die Preise für Braunkohlenbriketts und Koks für das Geoiet der Gemeinde Berlin im Einvernebmen mit der Sttiatsschcn Berteilunpsstelle bis auf weiteres wie folgt feftaefetzt: Für Braunkohle'nbriketts ab Lager auf 82,4? M., frei Keller auf 33,45 M., G a s k o k s 50,70 b-w. 51,70 M. Die Erhöhung ist infolge der mit Wirkung vom 1. d. M. «ingetretenen Erhöhung der Produktionspreise und Bahnsrachten sowie der beim Handel im eigenen Betriebe durch gestiegene Be- triebsunkosten. insbesondere Löhne usw.. erforderlich geworden. Adlershof. Meldet Eure Kinder für die Westliche Schule ani In nächster Zeit haben die Schulanmeldungen für diejenigen Kinder stattzufinden, welche mit dem 1. April d. I. schulpflichtig werden. Bon allen Genossen dürfen wir erwarten, daß sie ihre schulpflichtig werdenden Kinder der weltlichen Schule unseres Ortes, die sich die drei sozialistischen Parteien unseres Ortes im Jahre 1920 unter Beseitigung vieler Hindcrnisie erkämpft haben, zuführen. Die An- Meldung für die weltliche Schule in Adlershof muß am Disns- tag, den 7. März, vorm. 11 11 hr, erfolgen. Nähere Ans» kunft über die Anmeldung erteilen jederzeit die Mitglieder des Elternbeirats der Schule. „Volt und Ze'.i". unsere illustrierte Wochenschrift, siegt der heutigen Postauflage bei. Wetter für morgen. Berlin und Uwgegeiid. Ziemlich trübe und etwas nebelig mit ge» ringen Niederschlägen und mäßigen südöjllichen Würden. Temperatl« wenig öder Null. Sport. Das neunte Berliner Sechs-Tage-Rcunen wird heute abend im Sportpalast feinen Anfang nehmen. Die Starterliste weist folgende dreizehn Mannschaften auf: van Rck-Richard Huschke(Holland- Deutschland), B. Walthour-Blemmings(Amerika-Holland), Jenssem Magnussen(Dänemark), Spencer-Roß(Amerika-Australien), Kauf- mann-Rosellcn(Schweiz-Deutschland), Lorenz-Aberger(Deutschland), Saldow-Bauer(Deutschland), Stellbrink-Appclhans(Deutschland), Lewanow-Adols Huschte(Deutschland), Hahn-Oskar Tieg(Deutsch- land), Schrage-Pawke i Deutschland), Stabe-Kohl(Deutschland), Tadewald-Packebusch(Deutschland). Wir werden über den Verlaus des langen Rennens berichten.___ �ewerkschostsbewegurig Unhaltbare Austanöe. Es ist der Oeftenllichkeit längst bekannt, daß Angelegenhetten, die im privaten Leben im Handumdrehen erledigt werden, bei den Reichs- und Staatsbehörden oft einer monatelangen Be- arbeltung bedürfen, bis die Sacke getiärt ist Die Amtsschimmel der verschiedenen Geheim- und sonstigen Röle sind ineist nur sehr schwer in Trab zu bringen, und man geht über den dreimal heiligen Bureaukratismus in der Regel mit geringschätzigem Lächeln hinweg, soweit es sich um Angelegenheiten untergeordneter Natur handelt. Anders wird die Sache dann, wenn es sich um das Wohl und Wehe Tausender von Arbeiterfamilien handelt. Bekanntlich haben am 12. Januar die Spitzeworganisaiionen eine Lohnvereinbarung mit der Reichsregierung getroffen, wonach ob 1. Januar 1922 die Löhne der oollbeschäf- rigten Arbeircr um 75 Pf. pro Stunde erhöht werden sollen. Trotzdem der Reichstag die Mittel hierzu längst bewilligte und somit die Regierungsbehörden Zeit und Gelegenheit genug gehabt hätten, die hierzu nötigen Verfügungen zu erlassen, gehen uns heute noch täglich mehrere Schreiben aus allen Gauen Deutschlands zu mit Klagen der Arbeiter darüber, daß sie bis heute noch nicht in den Genuß dieser Lohnerhöhung ge- langt sind. Diese Tatsache muß aber aus die Beteiligten noch um so unangenehmer wirken, als gleichzeitig festgestellt wird daß die Beamten, die bei der gleichen Behörde tätig lind, ihre bewil, ligten Zulagen schon lang st ansgezahll bekommen haben. Bei aller Beachtung der in den einzelnen Behörden sich ergebenden Schwierigkeiten bezüglich der Berechnung der Löhne usw., müssen wir doch mtt aller Entschiedenhett darauf drängen, daß hier Abhilfe geschaffen und für die Zukunft ein Weg gefunden werden muß, der es ermöglicht, nach Lohnvereinbarungen, die Zulagen sofort den Ar- beitern zugute kommen zu lassen. Um nicht falsch verständen zu . werden, wollen wir ganz besonders bemerken, daß Schuld an diesem Zustande nicht etwa die zuständige Abteilung des Reichsfinanz- Ministeriums trägt. Es ist uns sehr wohl bekannt, daß dieses di« Erlasse so rasch wie möglich an die einzelnen Ministerien heraus» gehen läßt. Aber der Widerstand liegt meistens bei den nach- geordneten Behörden und nicht zuletzt auch darin, daß die einelnen Ministerien unter keinen Umstünden von ihrer Sclbstherr- lichkeit etwas preisgeben wollen. Wir sind der Meinung, daß, nach- dem das Reich dazu übergegangen ist. die Löhne zentral zu regeln, auch ein Weg gefunden werde» muß, der die Möglichkeit schafft, von einer zentralen Instanz aus alle in Frage kommenden Behörden durch ein Rundschreiben von der Zahlungs- berechtigung vereinbarter Lohnsätze in Kenntnis zu setzen. Rur, wenn seitens der maßgebenden Instanzen so verfahren wird, wird es den Soitzenorganisaüoneu möglich sein, die Arbeiter zu beruhigen und dos Vertrauen derselben zu ihrem Arbeitgeber zu festigen. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeitcr.. Cinigumg im Bäckcrgctverbc. Der Verband der Bäcker und Konditoren(Ortsvcrwattung Berlin) nahm am Donnerstagabend Stellung zu dem Ergebnis der Verhandlungen mit den Arbeitgebern. Der Bericht wurde von Schumann erstattet. Redner stellte zunächst fest, Z.rß die bevorstehende, öffentlich bereits angekündigte Brolverieuerung mtt der Lohnbewegung der Arbeiter in den Bäckere-ibetrieben nichts zu Run habe. Diese Verteuerung sei vielmehr auf die Forderungen zurück- zuführen, die von den Vertretern der Entente auf der Konferenz in Cannes an Deutschland gestellt worden sind, die bed'naen, daß aus den Mitteln des Reiches keine Zuschüsse mehr für die Brot- und Mehlbeschaffung gewährt werden dürfen.— Bei den Lohnverhand- lungcn mit den Arbeitgebern sei nur vereinbart worden, daß die ge- trofsenen Abmachungen noch dem Eintritt der Brotverteucruim in Kraft treten sollen, vorausgesetzt, daß sie die Billigung der Mit- glieder finden würden.'Die von den Arbeiigebern nach langen Vor- Handlungen bewilligten Löhne sollen betragen: in K l e i n b ä ck e reien für die Werkführer 650, für die Koeter 630 und für die „Dritten" 610 M. wöchentlich. In den Großbetrieben je 10 M. mehr. Verkäuferinnen sollen 1050 M. monatlich.und Arbeiterinnen 875 M. wöchentlich erhalten. Bessere Bedingungen zu erreichen se! auf dem Verhandlungswege nicht möglich gewesen. An der Kolleqenschaft liegt-es nun, sich über Annahme oder Ableh- nuug zu entscheiden. Was mehr gefordert wurde, erscheine unter den derzeitigen Lebensverhältnissen völlig gerechtsertigt, ob es sich aber verlohnen würde, das letzte gewerkschaftliche Mittel in Amven- dung zu bringen, dürfe wohl zu verneinen sein. Immerhin Hobe man einen durchschnittlichen Lohnzuschlag von 150, 140 und 130 M. erreicht. Bei der Abstimmung wurde das Abkommen mit großer Mehrheit angenommen. Ferner wurde beschlossen, den bis zum 25. April laufenden Manteltarif zu kündigen. Ttrcik in dor Metallindustrie Frankfurt a. M. 2 Der Schiedsspruch für die Metallindustrie und die handwerksmäßigen Betriebe ist sowohl von den Arbeitnehmern wie von den Arbeitgebern abgelehnt worden. Es steht daher ein Streik bevor. 1 Gewerkschafkskarkell Rawawes. Die Bücher der Gewerkschafts. bibliothek werden fcrtab jeden Sonntag von 9 bis 11 Uhr vor- mittags bei Himke, Wallstr. 55, ausgegeben.— Morgen nachmittag 3:4 Uhr Friedhcf Goethcstraße Urnenbei'ctzung der Genossin Himke. Um reg« Beteiligung ersucht der Kartellaüsschuß._ Secanlm."für den r-dat!. Teil: Flau,»lühs Verlin-Lichi-rfelde; tllr An- i>ei«en: Th. Sloike, Berlin. Bering BorwLris-Derlag®. m. b. H.. Berlin. Druck: Lorwärtt-Buchdimtcrel u. Lerlagoauftalt Paul Singer u. Co., Berlin, Lindenstr. 8. Gold-, Silber-, Plalin-i Zahngebisse, Brillanten kauii zu höchsten Tagespreisen Invaliäenstr.144 Andreasstraße 31 Kosen! Kosen! | Militarhosen.•• 95.— 128.— 148.— j j Arbeitshosen.• 68.— 98.— 158.— I ■ Gestreifte Hosen. 88.— 118.— 148.— j dito Ersatz f. 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