Nr.SZ 4Z�.?akrgong Ausgabe A Nr. 42 Bezugspreis r N>?rteIiiihrl.S!).— M., nu>ncUl.ia,--M, frei uxs Saus, voraus zahlbar. Post- «zug: Moaalllch SI,— M. einschl. gu- ftellunASgediihr. Unter ltreuzdand für Deutschland, Danzig. das Saar- und Wenielaebicl. sowie die ehemal» deut- scheu»elelete Polen». Oeslerreiti?- Ungarn und?uxemdura 5t.— M., sür da« Übrige Ausland 72.- SU Post- beftellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tschecho- Slowalel. DLne- rucri, Solland. Liireindura. Schweden und die Schweiz. De«„Barwüm* mit der Sonntagsbeilage.Soll und S'it*. der Unier» bartnugsbeiiage �semiwelt� und der Lleitoge �Siedlung und Kieingarlelk' erscheint wocheniiiglich zweimal. So»»» tag« und Montag» einmal. Telearamm-Adreffe: �I»zi»ldcll>»S-»7 ,stern,prenier.«viorthplan 1,73»— n, Vonvörts-Verlag G.m.b.H., SV tt, tindenstr.? �rrnfttrcdirr: veelag.»rveditlon UN» Inseraten. �ulit,z.tru,rr. M�rinpla» ,,7S2-S« KammeröebaKe über Petersöorf. 66040 0,0,01 Widerspruchsloses Vertrauensvotum für polncare. Paris. 17. Febr. iE(5.) In der Kammer fragte Wg. Bou- teille nach den Maßnahmen, durch die die Regierung künftighin Morde an französischen Soldaten in Oberschlesien verhüten wolle. In Petersdorf seien französische Alpenjäger von bewaffneten Banden mit Handgranaten angegriffen, zwei der An- gegriffenen getötet und 20 verwundet worden. Dies fei«in neuer Beweis dafür, daß Deutschland weder materiell noch moralisch ad- gerüstet habe. Aus einem Bericht Rollet» gehe deutlich hervor, welchen feindseligen Geist die deutschen Arbeiter gegen die inter» alliierte Kontrollkommission bekunden und wie sehr die Tätigkeit der Kommission durch diese Tatsache erschwert werde. Deutschland ver- füge nach wie vor über die notwendigen Kräfte, um eine neue Armee aufstellen zu können. Es sei unbedingt von der deut- f ch e n R e g i e r u n g sür den Zwischenfall von Pctersdors Genugtuung und sür die Familien der Getöteten und Verwundeten Eni- fchädigung zu fordern. Hätte man sofort nach dem an dem Major de Montalegre begangenen Morde'Deutschland Sanktionen auferlegt, wäre ein ähnlicher Zwischenfall, wie jetzt in Petersdorf, oerhindert worden und französische Soldaten hätten nicht ihr Leben eingebüßt. Hierauf führt« Mutsierpräsideol Polncare aar. Der verbrecherische Anschlag von Petersdorf fei nur«kn« Epi- fode in der Geschichte der gegen die französischen Truppen bisher oerübten Attentate in Oberschlesien. Es habe sich dabei, wie man vermuten müsse, um ein von Freiwilligen ausgeführtes Atten- tat gehandelt, die allerdings von der deutschen Großindustrie unterstütz» würdeo. Der Ministerpräsident erinnerte hier an die verschiedenen Jeit dem S. Oktober vorigen Jahre» auf die alliierten Truppen in )berschlesien verübten Attentate, besonders an die Entdeckung von Woffenlagern in Ratibor, Posen, an anderen Orten, und auch in Pctersdors. Die deutschen Angreifer hätten hier die von den sranzösischen Truppen beschlagnahmten Waffen wiedererlasigcn wollen und sich dabei zu dem schändlichen Attentat auf die Alpen- gger verleiten lassen General L e Rand habe sofort nach dem ttentat die notwendigen Abroehrmaßnahmen ergriffen und den Belagerungszustand verhängt. Von der Interalliierten Kommission sei General Rollet sofort ersucht worden, an die Botschafterkonferenz umgehend zu berichten und diese zu ersuchen, bei der deutschen Reichsreaierung Vorstellungen!su erheben. Auch Botschafter Lau- rent in Berlin sei mit einem gleichen Austrage betraut worden. Die Reichsregierung habe zwar daraufhin eine Untersuchung eingeleitet, deren Ergebnis aber, wie sie selbst zugegeben habe, negativ sei. Die Interalliierte Kommission könne sich jedoch nicht mit dieser Fesistellung begnügen; sie werde die Untersuchung fortsetzen, und wenn es sich dabei ergeben sollte, daß die Verantwortlichkeit der deutschen Regierung durch den Schluß cr klärt« Poincare, die Verhandlungen zwischen id Deutschland seien so weit fortgeschritten, daß in oller Zwischenfall von Petersdorf berührt werde, werde auch die Bot- fchafterkonferenz die notwendigen Sanktionen vorschlagen.(Leb- hafter Beifall.) Poincare widmet hieraus den in Oberschlesien Ge- 'allenen einige ehrende Worte. Die Alpensjägcr hätten ihr Leben ür die Sicherung des künftigen Friedens gelassen. Man müsic in Betracht ziehen, daß Petersdorf und(Blelwitz zu dem Gebiet gehören, das an Deutschland zurückkehre, das aber noch augenblicklich ausschließlich unter der Autorität der inrer» alliierten Kommission stehe. Aber die interalliierte Kommission setze ihre eigenen Untersuchungen fort. General L« Rond werde nichts vernachlässigen, damit der Gerechtigkeit Genüge geschehe. Er habe den Eindruck, daß der Angriff in Petersdorf von Elementen einer mächtigen deutschen Organisation geleitet worden sei, die aber nur fortbestehen könne unter der Mkschuld von deutschen Beamten und llndnstriellen. Zum Schluß erklärte Poincare, die Polen und..■-, Kürze die interalllerte Kommission den deutschen und polnischen Behörden mittellen werde, daß sie Besitz von den Gebieten ergreifen könnten, die ihnen zugesprochen worden seien. Sowohl die polnische wie die deutsche Regierung mühten die Rechte der anderen Seite achten. Gerade deshalb habe die Negierungskommisfion in Ober» schlesien beschlossen, alle versteckten Waffen zu erfassen. Der Ministerpräsident schlägt dann vor, die Tagesordnung Dignac anzunehmen, die der Negierung das Vertrauen ausspricht. Diese Tagesordnung wird mit öllv gegen keine Stimme an» genommen, und die Kammer geht zur Beratung des Budgets über die von Deutschland zu deckenden Auslagen über, die bereits be- gönnen worden war. Parts, 17. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Die sozio- listisch» Kammcrfraktion hat sich an der heutigen Debatte nicht beteiligt und hat sich der Abstimmung enthalten. » Paris, 17. Febr.(EE.) Die deutsche Regierung hat heut« mor- gen die Reparationskcmmission verständigt, daß sie die vierte Raten- zahlung in Höhe von 31 Millionen Goldmark in ausländischen De- visen bei den von der Rcparationskommission angegebenen Banken hinterlegt habe. » Pari», 17. Febr.(EE.) Die Gerüchte über Verhandlungen zwischen Frankreich und Sowjetnißland, die bereits zum Abschluß eines Vertrages geführt haben sollen, werden in amtlicher Form in Abrede gestellt. Die französische Regierung sei in keinerlei Weise mit der Sowjetregierung in offizielle Berührung getreten. Die ihr gemachten Anträge seien von ihr abgelel?nt worden. Uebrigens stände die Hallung. die man der französischen Regierung unter. zuschieben versuche, in vollem Widerspruch mit der von ihr bis- her verfolgten Politik. Diese habe stets daraus abgezielt, vorerst mit den Alliierten die russische Angelegenheit zu prüfen, um dann Rußland gegenüber eine einheitliche Politik betreiben zu können. st-il rem Ungarischer Nlöröerschutz. De« Mörder« falsche Päste» die deutsche« Detektivs ausgewiesen! Dresden, 17. Februar.(TU.) Unter dem Tlkel.Sühne für Griesbach oeröffentlicht Dr. Alfons Steiger in der»SSchs. Polls- zeitung"(Zentrum) eine Schilderung der Verfolgung der Erzberger- Mörder. Die Darstellung bringt eine Aufzählung aller der Um- stände, die die Ergreifung der Täter auf deuischem Gebiet unmöglich gemacht haben. Der vegleiler Erzberger», Abg. Diez, konnte bei seiner ersten Vernehmung in völliger seelischer Erschütterung nur eine sehr ungenaue Beschreibung der Mörder geben. Einige Presse- Vertreter hatten von der Auffindung eines von einem der beiden Mörder geschriebenen Z e t t e l ch e n» berichtet and dadurch sind die Mörder in München gewarnt worden. Die Geheimhalkung diese» Beweisstückchens hätte möglicherwrise zur Verhaftung der Täler führen können. Anfang Okkober hörte man von einem Brief der beiden steckbrieflich Verfolgten an den Reichstagsabzeordneten Wolle in Berlin. An der E ch l h e i t dieses Brieses ist heute nicht mehr zu zwei'clu. Er datiert vom 3. Oktober, ist ober erst am S. Oktober in Emden aufgegeben worden. Es erhebt sich die Frage. warum Herr wulle, von der Echtheit des Brieses überzeugt, ihn den Untersuchungsrichter nicht sofort zugesandt hat. Schulz und Tillejseu waren vor einiger Zeil in Ungarn gesichtet worden. Man hegt den verdacht, daß das.christliche" Ungarn den beiden Straf- verfolgten Vorschub leistet. Dr. Steiger richtet daher an den Polizeipräsideuten von Budapest ösfenlllch die Bitte, so- fort zu erklären, daß es unrichtig sei, wenn mau sage, er habe um den 20.- Dezember 1321 herum den Erzberger-Mördern falsche Pässe ausgestellt. Der Artikel' schließt mit dem Hinweis daraus, daß der Fall Killinge und Genossen, der Ende April oder Anfang Mai das Schwurgericht in Offenburg beschästigen soll, eine Bestätigung dieser Angaben bringe» werde. Budapest, 17. Februar.(TU.) Aus absolut zuverlässiger Quelle kommt die Nachricht, daß im Verlauf der vergangeneu Woche die deutschen Beamte», die im Einverständnis mit der ungarischen Regierung die Nachkorschungeu noch den Mördern Erzberger? an- gestellt hatten, au» Ungarn ausgewiesen worden sind. Neuwahlen in Ungarn. Budapest, 17. Februar.(UK.) Die Rationaloersammlung ist aufgelöst worden. Bon ihren Aufgaben(Bodenreform. Finanz- � resorm und ein neues Wahlrecht) hat sie keine einzige gelöst. Der ■ Zwiespalt zwischen Legitimisten und Habsburggcgnern, die persön» � lichen Feindschaften der Abgeordneten, immer wiederkehrende Eni- � hüllungcn über Korruptions- und Terrorafsärcn verhinderten jede sachliche Arbeit. Nach welchem Wahlrecht das neu« Parlament gc- wählt wird, soll eine Iuristenkommission entscheiden. Da das allge- � meine, gleiche und geheime Wahlrecht � eine völlige Niederlage der Negierung und de» ganzen bisherigen Systems bringen würde, ist ' anzunehmen, daß die Kommission dem rückschrittlichen Wohlrechts- entwurf des Grafen B e t h l e n zustimmt, der das Stimmrecht an Bon Carl Lindow. Eine Forderung, die von der Reichsgewerkschatt in id Kamvfe aufgestellt wurde, war die mechanische An- ssungderLöhneundGehälterandiePreks- g e r u n g, die sogenannte gleitende Skala. Die Regie- rung griff diesen Gedanken merkwürdig schnell auf;«>enn sie auf die übrigen Wünsche der Beamten ebenso prompt reagiert hätte, wäre es wahrscheinlich nicht zu dem unhelloollen Streik «kommen. Schon am 1ö. Februar wurde im Reichstagsaus- chujj für Beamtenangelegenheiden über diele Frage verhan- elt, und der Vertreter des ADGB. soll dabei nach dem Bc- richt des„Vorwärts" erklärt haben, daß die gewerkschafi- lichen Organisationen„seiner Meinung nach" nicht gegen die Einführung der gleitenden Lohnskala sein würden. Ich hoffe, daß der Vertreter des ADGB. wirklich nur für feine Person gesprochen hat und daß seine Meinung in den Reih freier Gewerkschafter möglichst wenig Gegenliebe findet. allgemeinen haben unsere Gewerkschaften dieser Bequem- lichteits Methode bisher nicht viel Sympathie entgegen- gebracht. Di« Orts- und Gauvorständekonferenz des Deutschen �.ransportarbeiterverbandes hat z. B. das System erst vor einigen Wochen einmütig abgelehnt. Auf den ersten Blick scheint es ja oerlockend, den Gewerkschaftsmitgliedern als Gegengewicht der steigenden Teuerung eine gleich große Lohnsteigerung ohne viele Umstände zu- wenden zu können. Die Sache hat aber mehr als einen Haken. Zunächst wird es außerordentlich schwierig sein, einen alle Parteien zufriedenstellenden Index zu finden. Reben dem Reich bemühen sich heute Ealwer, Elsaß, Silbergleit. Kuczynski und ander« darum, brauchbare Meßzahlen zu finden. Jeder kommt zu einem anderen Resultät, weil die Grund läge ihrer Systeme voneinander abweicht. Hinzu kommt, daß lue größeren Städte, Hamburg, Leipzig usw., eigene Teue- rungsstatistiken herausgeben. Ader zugegeben, daß sich dieser Zustand überwinden läßt, so bliebe noch zu erörtern, ob die heute vom Reich seiner Berechnung zugrunde liegenden Ra- tionen nicht etwas sehr niedrig bemessen sind. Sie müßten bedeutend erhöht werden, denn ein schwer arbeitender Mann. «in in voller Entwicklung begriffenes Kind eisen etwas mehr als die Reichskanaricnvogelration. Der Reichsarbeitsininister Dr. Brauns hat ja schon zugegeben, daß die Reihe der zu berechnenden Bedürfnisse bedeutend erweitert werden muh. Ich wage zu behaupten, daß keine Indexmethode den Bedürf- den kann. Gerade in werc Nissen einer großen Familie„ kinderreichen Familien kommt es mir zu leicht, vor, daß heute ein Teller zerbrochen, morgen eine Gabel dos Zeitliche sejjnct, übermorgen ein Haarband verloren geht oder gar eine zerschlagen wird. Bei den vierzig-, fünszigsachen Preisen, die diese Artikel heute gegen früher kosten, karni da bei einiger Geschicklichkeit der Kinder leicht ein Sümmchen zusammenkommen. für dag im Index kein Gegenwert erscheint. Rechnen wir mit der gleitenden Lohnskala als mit etwas Gegebenem., In Hamburg ist in der Woche vom S. bis zum II. Februar die Teuerungszahl um mehr denn 11 Proz. ge- stiegen. Man wird nicht gut jede Woche neue Löhne fest- setzen können, sondern dürfte mit monatlicher Anpassung zu rechnen haben. Steigt die Teuerung so weiter wie in der Woche vom S. bis zum 11., dann muß die Hausftau mit dem Hinweis auf die fällige Lohnsteigerung Schulden machen. Run ist das Abzahlen bedeutend schwieriger, und wenn die Schul- den im Laufe des März getilgt sind, stellt sich heraus, daß, wenn die Hausfrau Luft holen will, die Löhne für den April tzefunken sind, weil die Preise im Mär z unter denen im Fe- bruar standen. Und wieder beginnt dieselbe Würgerei. Man kann einwenden, daß bei freier Vereinbarima zwischen Gewerkschaften und Unternehmer die Löhne auch inimer erst nach der Preissteigerung hochgehen. Das ist unbestreitbar, aber Bethlens Programm. Budapest. 17. Februar.(DA.) In der Landwirte-Partei ent- wickelt« Ministerpräsident Gras BetHlen sein Wahlprogramm. Er erklärte, Ungarn konnte bi» in die jüngste Vergangenheit hinein keine vollständige Konsolidation durchführen, weil es an der dazu erforderlichen Konsolidation des Parlament» mangelte. Die Koalitionsregierungen in Ungarn trugen schock bei ihrer Geburt den Todeskeim in sich. BetHlen will nun durch die Wahlen eine ein- h e i t l i ch e Partei schaffen, die den sozialen Frieden und die politische Konsolidierung bringen soll. Er erhofft den Zusammen- schluß der unteren und oberen Schichten de« Voltes zur Rettung des nationalen Geistes. BetHlen schloß:„Wir stehen aus der Grundlage des nationalen Königtums und werden es erkämpfen. Wir sind kein« Klasienpartei, wir be- nötigen keine gewulttättgen Mittel, kein« Bestechung, keinen Terror (üben sie aber desto fleißiger! Red.). Es ist genügend, wenn wir vor da» Volk treten und ihm sagen, wa» wir wollen." Das genügt freilich, wenn es nicht wöhlen darft keitsmethode untätig zusehen muß, wie die unzulänglichen Löhne sofort nach unten gehen und die Arbeiter weiter ver- elenden. Es müßte meines Erachtens die Vor- aussetzung für die Annahme der gleitenden Skala sein, daß der Lohn oder Gehalt etwas höher steht als das Existenzminimum. Ist dies nicht der Fall— und wo wäre das zu konstatieren?—.dann bedeutet die Einführung der gleitende« Skala eine Verewigung, ja, bei steigenden Un- terhaltskosten eine Verschlimmerung des Elends, das heut« Lohn- und Gehaltsempfänger gleichermaßen drückt- Man braucht sich die Wirkung des Systems nur an einem praktischen Beispiel klarzumachen. Eine Beamtenfamilie hat mit einem Einkommen von 30 09(1 M. ihre Lebensansprüche zu bestreiten, die sich aber nur mit 33 000 M. decken lassen. Di« Teuerung steigt um 10 Proz.. d. h. also, der Beamte steigert sein Einkommen um 3000 M. aus 33 000 M.,' indes die Lebenskosten um 3300 M. aus 36 300 M. gestiegen sind. i Nicht nur ist die Familie um nicht» gebessert, der Reallohn lies Beamten ist sogar gesunken, die Spannung zwischen dem faktischen und dem lebensnotwendigen Einkommen ist anstatt kleiner, größer geworden. Ich finde nichts Verlockendes an diesem mechanischen Existenz- recte Todeskampf der Proletarier. Einer starken Gewerkschaft aber, die sich in nicht allzu ungünstiger Position befindet, wird es bei richtiger Taktik(sie muß also anders aus- sehen als die der Eisenbahnbeamten) stets gelingen, bei sin- kenden Preisen die errungenen Löhne zu verteidigen. Darum halte ich die Einführung der gleitenden Lohn- skala für schädlich und hoffe, daß, wenn die Beamten dem selbstbereiteten Schicksal nicht mehr entrinnen können, dies üble Beispiel wenigstens nicht auf die privatkapitalistisch Ausgebeu- teten bösen Einfluß hat. Ich lobe mir den frischen Gewerkschaftskampf. Der Schaden, den die Wirt- fchaft dabei erleiden kann, ist nicht halb so groß wie der Schaden, den Arbeiter und Volt dadurch erleiden, daß aus dem geistig regsamen, um Freiheit und Leben kämpfenden Werteschafser ein von der Indexmaschine regierter, seelenloser Helote wird._ Zur Srotpreiserhöhung. Die Herren Grostarbeitgeber möchten bremsen. Aus Arbeitgeberkreisen wird der„Ts!«graphen-llnion* mitgeteilt: Nunmehr hat auch der Reichswirtschaftsrot zu der Brot- preiserhöhung Stellung genommen. In einer Entschließung ersucht er die Regierung, Maßnahmen zu treffen, durch die die Lohn-, Te- Halts-, und Rentenempfänger sowie die erwerbsunfähigen Klein- rentner in den Stand gesetzt würden, die Folgen der Brotpreis- erhöhung zu tragen. Roch den Darstellungen der Arbeitnehmerver- treter im Reichswirtschaftsrat und in einem Teil der Presse sieht es aber so aus, als ob die 50- bis 7Sprozentige Brotpreiserhöhung sich in der gleichen Prozentzahl auf die gesamte Lebens- Haltung auswirken würde. Dem ist aber nicht so, da in statistisch allgemeingültigen Aufstellungen die Kosten für Brot nur etwa K Proz. unter den gesamten Lebenshaltungsposten ausmachen. Es kann also von einer Lebenshaltungsstcigerung um SV bis 75 Proz. keineswegs die Rede sein. Etwaige Lohnforderungen könnten demgemäß nur im Rahmen der Gesamtteuerung Berücksichtigung finden. Das soll wohl heißen, daß die Freunde der„Telegraphen- Union" mir im Umfang des Broianleiles an den Indexziffern, also in der Höhe von ü Proz., Lohnerhöhungen bewilligen wollen. Das möchte man auch tun, wenn die Preissteigerung eine allgemeine ist und nicht auf das Brot beschränkt bleibt. Die Herren scheinen vergessen zu haben, daß bei der Bestimmung der Lohnhöhe die Ar- heiter auch einiges mitzureden haben. Beschlüsse des worden sind. erweiterten Borstandes fast einstimmig gefaßt Entgegen der in einem Flugblatt der Ortsgruppe Elberfeld der Reichsgewerkschaft ausgestellten Behauptung über den Umfang von Maßregelungen, stellt die Eisenbahndirettion Elberfeld fest, daß im ganzen Direktionsbezirk, der rund 14 000 Beamte und rund 21000 Arbeiter unifaßr, bis jetzt nur ö Beamte durch Kündigung e n l- lassen wurden und gegen 9 weitere Beamte das Difzi- plinarverfahren eingeleitet worden ist. USP.-st ßßS. Gestern fanden sich die Vorstände der USP. nnd der KAG. zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, in der die E i n i g u n g s frage beraten wurde. Mit ihr will sich auch der Parteirat der USP. im Laufe der nächsten Woche be- schäftigen. Fraglich ist, ob die KAG. in Bausch und Bogen übernommen oder ob sie als eine angebotene Kollektion zum Aussuchen behandelt werden soll. Im zweiten Fall würden sich die Mitglieder der KAG. einzeln bei den znständigen Be- zirksorganisationcn der USP. zu melden haben und diese würden dann von Fall zu Fall über die Aufnahme ent- scheiden: Levi, Adolf H o f f m a n n, Geyer Vater und Sohn, Braß. Malzahn ufisx Es ist nicht heiter, sich s o„einigen" zu müssen. Aber zwischen diesen Gruppen, die sich immer wieder auseinander- und zusammenspaltcn, kann es wohl nicht anders sein. Die Reichsgewerkschaft in öe? Reichskanzlei. Der Vorstand der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamter versendet folgende Mitteilung: Der erweiterte Borstand der Reichs- gewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamler und-anwärter hat in zwei- tägiger Sitzung zu der aus der Streikbewegung sich ergebenden Sach- läge Stellung genommen. Insbesondere zur Frage der D i s z i p l i- n i e r u n g e n. Aus allen Ländern und Direktionsbezirken lagen Berichte vor über eine wachsende, tiefgehend« Erre- gung infolge der Massenmoßregelungen. Alle Delegierten waren «inmütiZ der Meinung, daß diese Maßnahmen im Widerspruch stehM'zu den V« rs prrchu n g e n, die der Reichskanzler Vertretern der Reichsgewerkschaft gegeben hat und die mit zu dem fofovtigeu Abbruch des Streiks beigetragen Hadem 'Elne zur Klärung der Sachlage entsandte Abordnung wurde vom Reichskanzler im Kanzlerzimmer des Reichstages empfangen und erhielt Zusicherungen, die der erweiterte Vorstand der Reichsgewerkschaft für ausreichend erachtete, um weiter b e- r u hig�e n d auf die Mitgliedschaft wirken zu können. Der erweiterte Vorstand betrachtet die Aktion jedoch erst dann als abgeschlossen, wenn die Frage der Maßregelungen endgültig befriedigend gelöst sein wird. Im Gegensatz zu irreführenden Sensationsmeldungen wird festgestellt, daß sämtliche Wuchernüer Stkhlhelmyeift. Aus München wird uns geschrieben: In Bayern wuchert die von Kohr und Pöhner ausgestreute rechtsbolschewistische Saat der- artig empor, daß selbst rechtsstehende, aber besonnene Männer"wie Graf Lerchen selb kaum mehr imstande sind, den Geist eng- stirnigen Parteigezänks und die Stickluft blindwütigen Rasienhasses aus dem schönen Bayernland hinauszutreibem Eine Reformation cm„Haupt und Gliedern" täte da wirklich not, um der politischen Berdummung selbst der höchsten Würdenträger der bayerischen Republik zu steuern. Der Minister des Innern Dr. Schweyer predigt einer lauschenden Parteiversammlung, Rat Henau habe der Bank von England den bekannten Brief von der Kreditunfähigkeit Deutsch- lands„en flockt"! Co fällt dieser sicbengescheite bajuwarische Politiker der. Reichsregierung in den Rückenl Der Iustizminister a. D. R o i h erklärt ebenfalls in aller Oesient- lichkeit, Oberschlesien wäre nicht zu Polen gekommen, wenn Ludwig III. noch auf dem Königsthron gesessen hätte! Der Sozialminister Oswald führt den Kampf gegen die Sozialdemokratie mit folgenden geistreichen Argumenten:„Im Landtag führen sie sich auf wie in einer Schnapskneipe! Ihr Götzenbild ist das goldene Kalb, wie die Teilung der Gewinne mit den Biel)- Händlern zeigt!" Der oberbayerische Regierungspräsident v. Kohr predigt berg- auf und bergab den.Stahlhelmgeist", an dem Deutschland gesunden müssei Um so verdienstvoller war die Tat des Grafen Lerchenfeld, daß er in einer großen Dsrfammlung vor das Volk trat, um an- gefichts dieses politischen Tiefstandes seiner Gehilsen über die„Er- Ziehung des Volkes zur Politik" zu sprechen und dem„M i e s- d a ch e r Geist" Fehde anzusagen. Es unterliegt keinem Zweifel mehr, daß gegen Lerchenfsld bereits eine nicht un- beträchtliche Rechtsopposition vorhanden ist. Selbst das führende Organ der Bayerischen Volkspartei, der„Bayersschc Kurier", versucht sich fortgesetzt in der Variierung des Themas vom „leitenden Staatsmann" an ihm zu reiben. Die schärfsten Gegner besitzt er aber in den Münchener Nationalsozialisten, die Lerchenfelds Frau als nicht„judenrein" verdächtigten und neuer- dings den politischen Mord so unverhohlen predigen, daß sie in einem ihrer Organe die Erzbergermörder als„Rächer" feierten! Diese Sturmtruppe der.Hrdnungszelle" versuchte nun, den oben erwähnten Bortrag des Ministerpräsidenten mit allen Mitteln zu verhindern. An allen possenden und unpassenden Stellen der Rede wurde Lerchenfeld das Wort„Die Juden" zugeruf n. Als Lerchen. feld über das russische Problem spricht, fliegt ihm wieder das Wort „Die Juden" an den Kopf. Er sagt:„Ich warne Sie, alles Schlechte nur in einem Prinzip zu sehen! Nicht alles,.'was in der Well- geschichte schlecht ist, ist auf die Juden zurückzuführen!" Bei der Be° sprechung der rheinischen Abtrennunosbcstrebungen des Dr. Dorten wird ihm zugerufen:„Rathenau will dasselbe!" Wütend entgegnet Lerchenfxld:„Ich b e st r e i t e, daß ein deutscher Minister sich solcher Verfehlungen schuldig macht!" Die nationalsozialistische Pestbeule, das Gezücht Kohrs und Pöhners, pöbell weiter. Der„Stahlhellngeist des Oberland" wirkt sich also bereits in würdiger Form aus! Man kann nur hoffen, daß Lerchenfeld die Energie aufbringen möge, trotz aller Hemmungen von bürgerlicher Seite den größten Mist aus dem bayerischen Augiasstall auszufegen!_ Untersuchungs-verfahren gegen Pittinger. - Herr Redakteur Abel schreibt uns:„Wie aus einem an mich gerichteten Schreiben des Ersten Staatsanwalts beim Landgericht München l. hervorgeht, ist auf Grund meiner Veröffentlichungen gegen Pitt'inger und Genossen die Untersuchung wegen Hochverrats eingeleitet worden. Meine zeugenschaftliche Vernehmung findet in den nächsten Tagen durch den Ersten Staatsanwalt beim Landgericht München I statt. Nenschenfchinöer Millers Revision. Leipzig, 17. Februar. sTU.) Vor dem zweiten Senat des NeicksgenchtS fand heute vorminag die Revisioiii-verbandiung des Oberleutnants a. D. Hans Hiller statt, der am 18. März vorigen JabreS wegen Mcßhandlmig deS Toldalen Helmbake, die zu oeren Tode führte, vom Scbwurgeticbt Berlin zu fecbs Monaten Festung(!I) verurteilt worden war. Der Angeliagie Hiller war ielbst zur Verhandlung ei schienen. Ter Reichsanwali beantragte Verwerfung der Revision. Las Utteil wird am 14. M ä rz verkündet._ L Dittmars Helfershelfer. Leipzig, 17. Februar.(TU.) Nach einer in den Biättern der» öffenilichien Bekanntmachung deS Oberstaatsanwalt von Naumburg hat der Negierungepräsident von Merseburg auf die Ermittlung der Täter, die den in der Nackt vom 23. Januar d. I. aus dem Raumburger GerichtSgesängniS entwichenen Oberleutnant zur See a. D. Ludwig Dittmar bei der Flucht behilflich gewesen sind. eine Belohnung von 20000 IN. ausgesetzt. pinkerton gegen»vorwärts". In der Privatklagesache Berndt(im Namen der Deutschen Pinkerton-Gesellschaft) gegen die verantwortlichen Redakteure Lepere und Dr. Peiftr wegen Beleidigung kam am Freitag vormittag in einer Verhandlung vor dem Schöffengericht Ait-Moabit folgender Vergleich zustande: „Die Angeklagten erklären: Durch die heutige informatorische Vernehmung einiger Zeugen haben wir die Ueberzeugung gcwon- nen, daß die Deutsche Pinkerton-Gesellschaft für dle im Sommer 1920 durch die„Magdeburgische Zeitung" und andere Blätter verbreiteten sensationellen, unrichtigen Nachrichten nicht verantwortlich und an ihnen nickt beteiligt ist. Wir nehmen deshalb den Ausdruck„Pinkerton-Senfationsschwindet". und die ähnlichen Ausdrück« als Worte beleidigenden Inhalts, di« auf der Voraussetzung einer solchen Beteiligung der Deutschen PinkertonGescllschaft beruhten, mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück." Die Parteien kamen dahin überein, daß die Angeklagten die Gerichtskosten tragen, während jede Partei ihre außergerichtlichen Kosten selbst trägt. Die Kläger zogen daraufhin die Privatllage zurück. Der Kommunist Joseph Schwarz, der seit langem wegen Bei- bilfe zum Hochverrat geiucht wurde,»st in München verhastet worden. Zranz Marc. Im Kronprinzenpalais wurde gestern ein« Aus- stelluna eröffnet, die— man darf es ohne Uebertreibung sagen— den Mittel und Höhepunkt dieser Berliner Kunstsaison bedeutet. Sie ist dem Andenken des im Weltkriege gefallenen Malers Franz Marc gewidmet, dessen Lebenswerk sie in etwa 60 vorzüglich Gewühlten und gut geordneten Arbeiten vorführt. Wer im letzten ahrzehnt die Ausstellungen des„Sturm" regelmäßig besucht hat, der lernt hier freilich kaum etwas Neues' kennen: fast olle diese Werke sind dort schon einmal gezeigt werden. Aber in dieser zu- sammensassenden Fülle bedeutet die Schau im Kronprin�enpalais doch ein ganz neues Erlebnis, ein Erlebnis von unerhört ttefpacken- der und aufrüttelnder Wucht. Den stimmungsvollen Auftakt bildete ein meisterhafter Dortrag von Dr. Alois S ch a r d t, der in knappen, klaren Zügen eine Analyse von Marco Welt- und Kunstanschauung gab. Dann las Frau Mary Dietrich, in zarter Nachempfindung des Gedanken- gehalts und schlichter, tief zu Herzen gehender Sprache aus den Briefen und Kriegsaufzeichnungen des Künstlers vor. Daran schloß sich ein erster Rundgang durch die Ausstellung. Auch die Witwe Marcs und fein bester Freund, der große russische Maler Kandinsky, waren zugegen.. Im Vorwort zum„Blauen Reiter", dem ersten grundlegenden Manifest der neuen Kunst, erklärt Franz Marc, daß„die Formfrage der Kunst eine sekundäre ist, daß die Kunstfrage vorzüglich eine Jn- haltsfroge ist," Wenn wir heute fein Lebenswerk überblicken, so er- kennen wir aber, daß bei ihm. wie bei jedem wahrhaften Wnstlrr, InHall und Form untrennbar miteinander verschmolzen sind. Frei- lich Ist der Inhalt, dos zum Kunstwerk gestaltete Gefühl, insofern das primäre, als er sich die Form erst geschaffen hat. Marc be- ginnt. mit Landschaften, mit Figuren- und Tierbildern, die er aus äußeren Natureindrücken gewann und in deren Formgebung daher der impressionistische Stil vorherrscht, der die Komposition. den rlzylhmjschen Organismus aus Linien und Farben, zugunsten des Naturbildes bis zu einem gewissen Grade vergewaltigt. Einige Werke dieser Periode erinnern stark an van Gogh. Allmählich abcr Wendet er sich von der äußeren, sinnlich wahrnehmbaren Natur ab. Der Rhythmus des Vildaufbaus wird das Gerüst, dem die Limen und Farben der Naturbilder sich eingliedern müssen. Zusammen- ««rollte Stiere und Hunde, Pferd? mit seitwärts zunickgebogenem Hlilse zeugen von dem Streben nach geschlossener Bildform, fries- artig geordnete Affen oder Esel vom Streben nach rhythmischer Reihung. Dieser Rhythmus ist noch ganz aus dem Gegenständlichen enuo-ckclt und mit staunenswerter Geschicklichkeit wird'jede Gewalt- famleü nieder Haltung und Bewegung vermieden. Ein starkes plastisches Empfinden spricht aus den Arbeiten dieser Entwicklunqs- «poche. Marc hat sich auch als Bildhauer versucht, und das Marmor- bild e.ncs Pant-rs. das ich sah. crinnert trotz seines kleinen Formats an Mickzemngclos Formcnwucht und Majestät. Auch die Gemälde dieser Zeit haben in der Gedrungenheit und kompakten Zusammen- ballung ihrer Linien etwas Michelangeleskes. Die etwas allzu„ge- fällig?" Schöntonigkeit der früheren Werke ist verschwunden. An ihre Stelle tritt setzt eine überirdische Etut und Gewalt des Farben- fläfchchen nicht von ihrem Verteidige?/ den sie einmal abblitzen ließ, «Ubmicks� Auj, Gesiihl, Empfindung, Stimmung ist alles gestellt, j fondern von dem Ichahr igen Sohn des Gerichtspräftdenten, de» sie Die landschaftlichen Elemente der Tierbilder geben nicht mehr Nachahmungen irgendeiner äußeren Wirklichkeit, sondern sind lineare und färbige Ausdrucksformen für bestimmte seelische Erlebnisse. Unter dem Einfluß Kandinskys wandte sich dann Marc immer mehr vom Gegenständlichen ab. Er erkannte, daß die Wirkung von Färb- formen ebenso stark und vielleicht stärker ist, wenn diese an keinerlei natürliche Ochekte gebunden erscheinen. Er gibt zunächst Fragmente von Naturbildcrn. die von ungegenständlichen Linien und Forben- rhythmen kühn durchschnitten oder umflossen werden. Und schließlich gelangte er zu einer Auffassung, die der sogenannten„absoluten Maleret" Kandinskys ganz nahe steht. Seine letzten Bilder sind Musik in Linien und Farben, die nichts mehr„bedeuten", nichts „darstellen" wollen, sondern nur durch sich allein zur Seele des Be- schauers sprechen. Man kann diese Entwicklung, die zugleich der Entwicklungsgang des modernen malerischen Expressionismus ist, an den Werken der Ausstellung deutlich verfolgen. Welche Wege der Künstler weiterhin eingeschlagen haben würde, ob die absolute Malerei für:hn wie für viele andere nur eine Durchgangsepoche zu vertiefter Auffassung und Gestaltung des Gegenständlichen gewesen wäre, das läßt sich nicht ahnen. Im März 1916 machte ein Granatsplitter dem Leben des Sechsunddreißigjährigen ein Ende und entriß uns einen Künstler, der vielleicht die stärkste, gesündeste und tiefste Persönlichkeit in der jungen Makergcneration Deutjchlands gewesen ist. ___ John S ch i to ws t i. Lleines Theater:„Das Weib auf dem Tiere" von Bruno Arank. Frau Conto, die vor den Geschworenen steht, erzählt, warum sie ihren unsittlichen Lebenslauf begonnen hat. Der Staatsanwalt springt auf und schreit dazwischen: Soll sich ein deutsches Geschworenengericht so etwas gefallen lassen? Viel wichtiger ist die Frage, ob sich ein deutsches Theater so etwas gefallen lassen darf. Denn es ist wiederum, was als Literatur ausgegeben wurde, ein elender, auf die allergrößte Dummheit und Geschmacklosigkeit speku- lierender Kino.— Frau Conto eröffnete also mit den Gaben, die der liebe Gott ihrem Körper geschenkt. hat, ihre Lebenslaufb'ahn. Es kamen hundert, es kam einer, den sie liebte, dem sie alles hin- gab, der war ein Schuft. Darum knallte sie ihn nieder. Darum sitzen auf der Buhn« all« Geschworenen, darum marschieren die Zeugen auf, darum wird von der Zuhörerbank in den Saal binein- krakeelt usw., alles nur gröbster Effekt. Das Ergebnis ist, daß die Mörderin nach vielem Hin und Her schuldig gesprochen wird. Und nun beginnt noch ein Melodram. Es wird dunkel, als es wieder hell wird, sitzt Frau Coito auf der Bank des Gerichtspräsidenten.! Sie verhört die jungen Frauen und die alten Frauen, was sie zu i dem Fall zu sagen haben Es sollen wchl sciaphische Stimmen i sein, die verkünden, daß es eben Frauenschicksal ist, wenn der! Henker sein Beil schwingt. Welch eine Verblödung und Ver- sumpfung.— Die Armesünderglocke ertönt wirklich. Der Scharf-! richter kommt zwar nicht, aber man soürt in der Lust, daß er bald! da sein wird. Auch dieses natürliche Ereignis darf nicht geschehen. damit die Hintertreppe nicht ins Wackeln gerät. Die Mörderin hat! Gift genommen, das wird bekanntgezebeu. Sie erhielt dys Gift erhört hat, und der auch eine Verteidigerrolle auf der Bühne spielt. Die Aufdeckung dieser Verhältnisse erscheint dem Verfasser wohl als besondere Feinheit.— Fürchterlich! Obwohl Maria Fein recht tapfer den mörderischen Engel oder den engelhaften Mörder mimt. Selbstverständlich muß sie durch Routine ersetzen, was ihr der Dichter nicht gibt. Herr B« n d o w, sonst ein ungezogener Spaß- oogel im Tingeltangel, zeigte als verliebter Gymnasiast, daß er beinahe ins Tragische hinaufklettern kann. M. H. Das Zolkwang-Mufeum für Esse«. Die Verhandlungen de? Stadt Hagen mit den Erben Osthaus' hoben sich zerschlagen.� Hagen hatte für die Bestände des Museums Folkwang und das Haus eis Millionen geboten. Essen bietet dagegen 15 Millionen, ihm wurde bis zum 24. Februar das Vorkaufsrecht von den Erben Ostbaus' zu- geständen. Auch die Stadt Düsseldorf hatte fick um den Folkwang beworben, kam aber zu spät. Die Lösung, die die Sammlungen in den Mittelpunkt des Industriegebietes bringen würde, ist nach Lage der Dinge jedenfalls als die Glücklichste zu bezeichnen. Allm-Trara. Und wird geschrieben: Die Herren Lub lisch und D a v i d s o h n von der Ufa waren in Amerika und haben dort man- cherlci Wichtiges erledigt und sicherlich auch Nützliches angeknüpft. Vor kurzem sind sie zurückgekehrt. Am Bahnhof spielte sich eine erhebende Szene ab. Da stand, wie der Zug langsam in die Hall« brauste— man kennt diese Satzwendung von früheren Monarclwn- begriißungen Hey— wohl keine Ehrenkompagnie der Fitminbujlrie und auch nicht etwa die Palaskgarde der Ufa, aber dafür eine reget- rechte Musikkapelle. Und die intonierte, als die beide» Herrscher nn Reiche der Inpiterlampen den Wagen, versteht sich, elastische» Schrittes oerließen, eine Hymne. Welche Hymne, das hat der Beob- achter nicht festgehalten, vielleicht hieß sie„Heil dir im Flimmer- kränz!" Aber jedenfalls, die Musik war da, und sie begrüßte die Amerikafahrer. Aehnlich wie bei Kaisers, wenn man von Auslands- reisen zurückkam! Herzlichkeit ist eine schöne Sache, aber zur Komik soll sie nicht ausarten. Wenn unsere Minister von Konferenzen zurückkommen, bei denen Deutschlands Schicksal entschieden wird, würden sie sich bedanken, empsinge man sie mit Bum-bum und Tschingdadara. Die Herren Lubitsch und Davidsohn aber ließen sich anblasen. Die vielen kleinen Unarten und Unmöglichkeiten im Rhythmus des Lebens der Filmleute sind um ein wenig erquick- liches Bild reicher geworden. üullurcn, die noch der Enidecknng harren. In vielen Teilen der Welt, in den Sandwüsten Zlegyptens, wie ftn Urwald Zentralafrikes, in den Dschungeln von Ceylon wie in den tropischen Wäldern von Südamerika, ist die„Wissenschaft des Spatens" eifrig an der Arbeit. die Ueberrcste alter Kulturen auszugraben und dadurch unsere ge- schichtlichen Verstellungen zu bereichern. Während des Krieges haben diele Arbeite» naturgemäß gestockt, aber jetzt sind sie mit erneutem Eifer wieder aufgenommen worden. Dach soviel man auch schon dem Schoß der Erde entrissen, so Ueberraschcndes man ans Licht ge- stellt hat, es bleibt dcch noch sehr vieles zu tun. Wie Christepher Beck in einer Zusammenstellung betont, sind ü'ier ganz Brasilien, von der Ostküste bis in die unbekannten Gebirge von Mattä Grosso/ Ruinen in großer Anzahl oerstreut, du oen einer außerordentlich alren Kultur Zeugnis ablegen. Ue.berall stößt mau auf Inschriften, die uns ganz unverständlich sind. Erst wenn es gelungen fein wird. Der Raubritter von Petzow. Ein neues Opfer des Tchieftznnkers v. Kaehne. Aus Potsdam schreibt uns unser Korrespondent: In dem am Glindower See gelegenen Krankenhaus liegt wieder ein Opfer des Raubritters von Kaehne und kämpft mit dem Tode. Der 61jährige Arbeiter und Familienvater Karl N i e t e r t aus Glindow liegt hier mit einem schweren Lungenschuß danieder. Sprechen kann der Kranke nicht, der Arzt hat es ihm verboten, aber seine Augen sprühen chaß, als er bemerkt, daß man von dem spricht, der ihn zur Strecke gebracht hat. Aus einem Armee revolver kam diesmal die Kugel und diesmal war es wieder der alte Raub- rittsr Karl von Kaehne, der auf Msnschsnjagd ausgegangen war. Nicht in seinem Revier hat er gejagt, er suchte sich das Menschenwild auf Nachbargebiet auf. Am Sonnabend vergangener Woche, gegen 8 Uhr abends, wollte cherr von Kaehne von Petzow nach Glindow fahren. Auf der Chaussee von Äleistow bemerkte der alte Raub- ritte? zwei Männer aus der Rochower Forst heraustreten. Sofort wandte von Kaehne sein Führwerk, um den Rochomer Förster zu benachrichtigen. Er traf den Beamten schon unterwegs und mit den Worten:„Sie haben Diebe in Ihrem Forst, ich fahre Sie zu den Kerls hin", litb er den Förster ein, in seinem Wagen Platz zu nehmen. An einer Waldecke stieß dag Fuhrwerk auf den Kljähri- gen Arbeiter Karl Nietert, der eine Säge umgehängt hatte. Der Förster verlangte die Söge und als Nietert dies oerweigerte, kam es zu einer Rauferei, wobei der Förster und Nietert zu Fall kamen. Sofort sprang v. Kaehne hin und rief:„Hände hoch oder ich schieße". In demselben Moment krachte. auch schon der Schutz. Als Nietert stehen blieb, rief v. Kaehne:„Dahabichwohlnicht gut getr offen." Erst als der Arbeiter wankte, senkte v. Kaehne die Schußwaffe. De? Getroffene schleppte sich noch 3V0 Meter bis gegen Glindow und brach dann blutüberströmt zusammen. Ein Obst- züchte? lud ihn auf seinen Wagen und brachte ihn in das Glindower Krankenhaus. Am Sonnabend vergangener Woche hatte sich dieser Borgang ereignet und der OberlandjLger Pelz hat sofort pflichtgemäß die Staatsanwaltschaft in Potsdam benachrichtigt,' aber erst gestern, als der Berichterstaller von dem Oberlandjäger Erkundigungen einzog, sieh die Skaaisanwaltschasl von Potsdam etwas von sich hären. Der Oberstaatsanwalt fragte telephonifch an, ob der Mann, den Herr v. Kaehne angeschosien habe, tot sei. Als dies verneint wurde, gab der Oberstaatsanwalt die Anordnung: Sollte der Mann sterben, dann ist die Leiche zu beschlagnahmen. Weiter ist bisher von der Staatsanwaltschaft nichts geschehen, aber Glindow tut etwas aus sich heraus. Die Erregung in dem sonst so friedlichen Obstdörfchen ist ungeheuer. An allen Ecken, im Amtsblatt, an den Amtskästcn stehen Ankündigungen, die zu einer großen Protest- Versammlung am Sonntag alle Bürger, Obstzüchter und Arbeiter auffordern. Der Protestaufruf hat solgenden Wortlaut: Große Protestoersammlung gegen den Raubritter und M?n- 1 shmsäger von Petzow. Tagesovdnung: 1. Justizreform: Z. Wie schätzen wir die Einwohner von Petzow, Glindow und Umgegend gegen die dauernden Bedrohungen der Bevölkerung von seilen derer von Kaehne? Cinberuser ist dos Gewerkfibastskartell. Die ; Versammlung findet in dem Großen Saal von Albrecht in Glin- dow statt. Als Herr von Kaehne gestern nachmittag die Sirahenbiegung von Klcssow passierte, naht% die Bevölkerung eine derartig feindliche Halkung �' an, daß Herr v. Kaehne gezwungen war, sein Gespann umzulenken. Der Oberlandjäger hat die Anzeige-- gegen Nietert aus Ferstdi es stahl und Widerstand erstatiet. Gegen v. Kaehne lautet die Smzeige wie üblich aus„Körperverletzung". Nietert gibt zu, eine Fichte in der von Rochowschen Forst abgesägt zu haben, um für seine kranke Fron eine warme Stube zu schassen. Holz- wert: 1S,Z0 ZR. .Die Erregung der Bevölkerung gegen Kaehne ist auf den Siedepunkt gestiegen und man hört schon vielfach davon reden, daß bei dem völligen Versagen der Justiz gegen die schießwütige das Rätsel dieser amerikanischen Hieroglyphen zu lösen, werden wir eindringen könne» in die erstaunliche Gcschui»? der großen Tolteken- Rasse, die in sehr fernen Zeiten riesige Städte in Südainerika er- baute und dort gewaltige Kulturwcrke schus, wo heute der Urwald sich dehnt. Ebenso gibt es in Südafrika zahlreiche Ruinen, die noch der Erschließung harren. In Südrhodesien liegen die g-walti- gen Trümmerfelder von Zimdabwe, in denen man das sagenhafte Goldland Ophir des Königs Salomo vermutet hat. Nördlich von Zam- besi, tief im fast unbekannten Urwaid. erheben sich die Ruinen einer noch größeren Stadt mit ähnlichen Türmen, massiven Sauten von Mauerwerk und in den Felsen gehauenen Wohnungen. Obwohl einige Forschee big zu dieser Ruinenstütte vorgedrungen sind, ist bisher doch noch nichts daaon ausgegraben. Eine andere wenig bekannte und für die Wisi-nschaft unentdeckie Ruinenstätte ist die von I f e in Süd- niegerien. Etwa 12 Fuß unter" dem gegenwärtig dort liegenden Ein- qeborenendorf stieß man bei zufälligen Grabungen auf schöne Bronzearbeit»» und Schnitzwerke, die das Vorhandensein»mer uralten Kultur ahnen lassen. In Türk est an, am rechten User des Zlmow Darja, und in der Nähe der Stadt 5�-rrki ist eine unterirdische Stadt, die in den massiven Felsen gehauen ist und ein riesiges Laby- rinth von Straßen und Durchgängen mit zwei- und dreistöckigen Häusern darstellt. Gesäße und Münzen sind bier in großer Menge gesunden worden. Ceylon ist voll von noch ganz oder zum Teil begrabenen Städten, die den Archäologen für viele Jahre Arbeit geben, und ebenso bergen die Dschungeln in Anam und Hinterindien Ruinen von erstaunlicher Ausdehnung. Annksprüche als Sinderspiel. Der amerikanische Handelsminifter Hovver hat eine Konferenz nach Washington einberufen, dle über die Mittel und Wege beraten soll, um die drahtlose Telegraphie und das drahtlose Telephon einer Regierunoskontrolle zu unterstellen. Wie offiziell erklärt wird, hat die übermäßige Benutzung von radio- telegraphischcn im� ra-'' iotrlcpbonischen Einrichtungen seitens des Drivatpublikums solche Ausmaße angenommen, daß es heute schon nahezu unmöolich ist, eincn geordneten staatlichen Dienst aufrecht- zuerhalten. Da die Dinge keinesfalls fa weitergehen können, be. findet sich Amerika heute in der�Zwangslaa?, ej»« strenge Kontrolle einzuführen und eigens einen Stab von Beamten zu diesem Zweck in Dienst zu stellen. Das Spiel mit der drahtlosen Telegraphie und drahtlosen Telephonie bat sich nämlich insbesondere bei der r e i ch e n amerikanischen Jugend zu einer wahren Manie entwickelt, und dies: Jugend steht heute im B-griss, sich zu einer Bereinigung zu organisieren, die die„Freiheit des Funkverkehrs für jedermann" verteidigen soll._ (?in neues NnssifckeS ZHenter in Berlin. Temnächli wird im »n iebautzii Lokal Knrsllrltendamm 32 unter der Leitung des Dichter» N.?!-nswzess ein' rnsälches Tbealer. N a n j I a Witanjka" er- ifinet. Der llrndan und tne Kustüme tind nach den Sniwülsen des Raiers A. An�rejesk, als Maler dcS Mastauer Künitler-TbeaterZ bekannt, ausgcsührt, die Wandmalereien und die Dekorationen von i!>m selber geschaffen. Ter Erreger de» Mückfallsieber» entdeckt. Die medizinischen Kre'te Petersbnrgs legen ein protzes Intereffe iür die Entdeckung des Proslffors.«lulbsch an den Tag. der den Lr»'«ger des Ztbckiallfleders selige- flclU Lat. Nach Zweijähriger iivbeif gelang es dem Srosesjor, in Bck'erien, die van erkrantten vrgan-n, wsb.-ionvere von de« Nieren und der Satten- blast auSzeschreden werden, den KranchcitScrrezer zu fmd«. Ilmksrstppschafi fc?e B svölkerunz selber für ihre» Schutz sorgen müsse. « Die sozialdemokratischen Abgeordneten I a h n k e- Spandau und Kuttner« Berlin haben aus Veranlassung dieses Falles eine An- frage an die preußische Regierung gerichtet. In der Anfrage wird ausgeführt, daß erst im Januar d. I. der Junker Karl v. K a e h n e wegen des vierten() Falles rechtswidrigen Waffengebrauchs(Gewehrschüsse auf ein Automobil) vom Schwurgericht Potsdam zw der allerdings lächerlich geringen Straf« von IlllXKj Mark verurteilt wurde. Die Folge dieses völligen Versagens der Justiz zeigt der neue Fall Nietert. Die Staatsregierung wird angefragt, ob sie dafür sorgen werde, daß der Familie v. Kaehne sämtliche Waffen, Waffenscheine, usw. sofort entzogen werden. In Anbetracht des Nmstandes, daß die Mitglieder der Fa- milie Kaehne systematisch zur Gewalttätig'' erzogen werden, wird die Regierung ferner gefragt, ob sie Schritte cinzuleiren gedenkt, daß das Erziehungsrecht über etwaige minderjährige Familienmitglieder den bisherigen Erzishungsberechtigien entzogen und auf Personen übertragen wird, die für eine vernünftige Art der Erziehung bürgen. Schließlich wird die Regierung gesra.,t, ob sie der Unterftlchung der Familie von Kaehne auf ihren G e i st e s z u- stand und ihrer eventuellen Znlcrnierung in. einer Irrenanstalt schon näher getreten ist. Die Zukunft der SchutzpoÜZeibeamten. Vom Reichsminiftcrium des Innern wird uns mitgeteilt: Aus den Reihen der Schutzpolizei sind in letzter Zeit häufig Klagen und Befürchtungen laut geworden, die eine bange Sorge um die Zu- kunft erkennen lassen. Der Regierung gegenüber tritt besonders der Dorwand hervor, sie beabsichtige gm nicht, die Schutz poli- zei in die übrige Beanrienschas! einzugliedern, vielmehr im Interesse eines möglichst militärischen Aufbaues das AngestelltenoerhälMis zu erhalten. Hierzu ist zu bemerken, daß die Regierung von jeher bestrebt war, so schnell wie möglich eine Rechts- sichcrung für die neue Beamtenschaft zu schaffen. Es war von vorn- herein klar, daß die Aufgaben der Schutzpolizei eine l e b c n s- längliche Anstellung in den Polizeikörper selbst nicht zuließen. Bei der großen Zahl der Beamten, die sich anfänglich auf 70 600 belaufen sollte, war auch an eine Ueberführung aller Ausscheidenden in lebenslängliche Beamten st ellungen anderer Dbenstzw eige nicht zu denken, wenn es auch klar ist, daß dieses Ziel im Laufe der Zeit unbedingt angestrebt werden muß. Zunächst kam es darauf an, im Verordnungswege die nötigsten S i ch e- rungen für die Ueoergangszeit zu Ichassen. Die Ber- sorgung wurde vorläufig geregelt und dabei für die Unfälle und Verletzungen bei Kampfhandlungen die weitgehenden Bestimmun- gen des Unfallfürsorgegesetzes in Anwendung gebracht. Die Ein- gruppierung in das Beamtendienfteinkommen- g e s e tz war der zweite Schritt zur Sicherung der Beamten, dem im Januar 1020 die Etatisierung und mit Erlaß»om 10. Mai 1021 die Verleihung der Beamteneigenschaft durch Aushändigung einer Bestallungsnrkunde folgte. Die endgültige Regelung erlitt sine bedauerliche Verzögerung durch die Notwendigteit eines Ausgleichs der Verhältnisse sämtlicher Länder des Reiches. Ein R e i ch s r a h m e n g e s e tz soll in nächster Zelt als Grundlage der iandesgesetzlichen Regelung dem Reichstage vorgelegt werden. Ein hierauf fußender preußischer Gesetz- entwurf ist nunmehr völlig fertiggestellt. Die äußere Aehnlichkeit der Einstellungs- und Entlassungsoerhältnisse bei Wehrmacht� und Schutzpolizei trotz Verschiedenheit in Aufbau und Tätigkeit führte zu einer ähnlichen Versorgungsart.— Daneben kommen die Vorschriften des Reichsoerforgungsgefetzes zur An- wendung. Im Sinne der Versorgung sind alle Stellen der staai- lichen und kommunalen Polizei lediglich kür die. Schutz- polizeibeamten vorbehalten. Für die schwierigen Verhält- nisse der Uebergangszelt werden diese für alle Ausscheidenden noch nicht ausreichen. Die polizeilichen Bedürfnisse selbst werden aber schließlich die Verhältnisse selbst bessern. Die öffentliche Sicherheit verlangt schon jetzt eine stärkere Ueberführung von älteren Beamten in den Einzeldienst. Die Zahl der zu festen Verbänden zusammengeschlossenen Beamten wird sich dadurch verringern, die Zahl der lebenslänglich anzustellenden Beamten gleichzeitig vermehren, so daß später ein Ausscheiden aus dem Polizeidienst nicht mehr nötig sein wird. Auf die neuzeitliche Regelung des gesamten Deamtenrechts kann dle Schutzpolizei nicht warten, sie muß in das bestehende Be- amtenrecht eingegliedert werden So regelt das kommende Schutz- polizeibsamtengesetz auch nur die Sonder bcdürfnisse der Schus',- polizei, ohne der späteren Neuregelung des Gesamtbsamtsnrechts vorzugreisen. Diese kcmmt ihr dann von selbst fsugute. Eine der- artige beschleunigte, auf den praktischen Dedünfnissen beruhende Re« gelung ist beabsichtigt und geeignet, den Schutzpolizeibeamien die Sorge um ihre Zukunft zu nehmen. De? Jall Mnnig. Auf eine Kleine Anfrage der Unabhängigen im Landtag hat der Minister des Innern geantwortel: Gegen den damaligen Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen, W i n n i g, ist wegen Beteiligung an dem sogenannten Kapp-Putsch sotavyl ein Strafverfahren als auch ein Disziplinaroer- fahren mit dem Ziel der Entfernunz aus dem Amte eingeleitet worden. Nachdem jedoch der Oberreichsanwalt das Verfahren gcge?! Winniz auf Grund des Gesetzes über die Gewährung von Straf- freiheit vom 4. August 1920 eingestellt hatte, wurde auch das Diszipllnarverfahrenwiederetngestellt und Winnig mit einer Ordnung! st rase belegt. Das geschah im September 1SZV. Hiernach kann nicht zugegeben werden, daß das Disziplinaroer- fahren in die Länge gezogen worden ist. Die Bezüge Winnigs der inzwischen in den einstweiligen Ruhestand wcrseht ist, regeln sich nach den gesetzlichen Bestimmungen. Es bestehr keine Mög- lichkcit, hiervon in dem vorliegenden Falle abzuweichen. Zum �ebammengzsetz. Der Ünterausschuh de» Ailssämsses siir Vevöikeinng'po'itik deS Preußischen Landtages beriet am Donnerstag über das Heb- a m m e n g e s e tz. ZI wurde mit den Aenderungen des Siaats- rate? angenommen. Unverändene Annahme fanden die ZZ 2 und 8. Bei Z 4(BorauSietzung iür die Ausübung der Geburtshilfe) gab cS eine längere Ausspräche über die Frage: frei praklizierende Hebamme mit NiederlasiungSgenebmigiiiig oder angestellte Hebanime. Geheimrat Dr. Krahne hob hervor, daß zwar 85 Proz. der Hebammen die A n st e l l n» g wünschen, wie sie der erste Eni- ivurs vorsah, betont aber, daß die S a ch v e r si ä n d i g e n, Aerzte. Hebammenlehrer. gegen die A n st e l l n» q sind. Abg. Frau Ege(Soz.) wies nach, daß die Anstellung den Staat nicht höher belaste. Trotzdem wurde Z 4 in der Fassung der RegicrunaSvorlage angenommen nnd der AbändernngSantrag der so>ialistiichen Parteien(Anstellüngl abgelehnt. Angenommen wurde dagegen ei» Antrag Meyer(Saz.). die Beitreter der Krankenkaiienverbände noch einmal als Sachver« ständige zu hören._ Das englische Lnkerhau» bot den Vertrag mit dem irischen Freistaat« angenommen. Ein von den Adgoordneten für U l st e r eingebrachter Abändccungsantrag wurde mit L02 gegen .SS Stimmen ab�eleh.»!. Nansen in Paris. Parts, 17. Februar.(Eigener Drahtberkcht.) Lr. Nausen, der in den letzten Tagen in der Schweiz und in England zugunsten der Hungerleidenden in Rußland sehr erfolg- und erträgnisreichs Vorträge über seine Erlebnisse und Eindrücke in den Hungcrgebieten gehalten hatte, ist heute hier eingetroffen. Er wurde von Führern der französischen Arbeiterbewegung, darunter L o n g u e:. empfangen. Am Abend hielt er im„Trocadero"-Saale einen von der„Liga für Menschenrechte" veranstalteten Vortrag zugunsten der Rußlgndhilfe. Der Saal saßt viel« Tausendc von Menschen, ist je- doch bereits seit Dienstag gänzlich ausverkauft. » Krassln, Rädel und Stomoniakow reisen heute nach Moskau zurück.— Zur Hilfe s n r die Hungernden und zum Kamps gegen die Seuchen sowie zur Besserung des Loses der vom Staate unterhaltenen Kinder wird in Sowjetrußland eine allgemeine Staatsbürger st euer von allen arbeitsfähigen Männern vom 17. bis zum 00. Jahre und Frauen vom 17. bis SS. Jahre erhoben: befreit werden lediglich die Angehörigen der Roten Armee und der Miliz im aktiven Dienst, die Schüler der staatlichen Unterrichts« cmstaltcn, Frauen, die mehr als ein Kind unter 14 Jahren zu er- halten haben usw. Der Betrag der Steuer wird in Vorkriegs- goldwährung festgesetzt. Wirtschast veutsch-amerikanische Znkeressen in Rußland. Vor Jahresfrist hörte man, daß es der Hapag gelungen sei, mit der russischen Sowjetregiernng ins Geschäft zu kommen. Es wurde von beiden gemeinsam eine Transportorganisation gegrün- det, die den Zweck hat, den russischen Außenhandel zu pflegen. Damals wurde viel vermerkt, daß es Stinnes trog seiner Be- mührungen nicht gelang, bei dieser großen Zukunftssach« sich zu beteiligen. Für die Kundigen war das verständlich, war doch Stinnes einige Zeit vorher aus dem Aufflchtsrat der Hapag her- ausgewählt worden, weil er diesem Unternehmen mit seinen eigenen Schiffen in der südamerikanischen Fahrt Konkurrenz machte. Jetzt wird authentisch bekannt, was schon bei der Gründung der deutsch-russischen Transportorganisation vermutet wurde, es dal sich ihr der amerikanische Harriman-Konzern angeschlossen. Es handelt es sich dabei uni jene gewaltige amerikanische Transport« macht, die schon seit einiger Zeit mit der Hamburg— Amerika-Linie Semeinsam arbeitet. Damit ist einem direkten amerikanisch-rnssi- hen Handelsverkehr über Deutschland der Weg geebnet. Aufhebung der Beschränkungen im polnischen Transitverkehr. Warschau, 14. Februar.(O.-D.) Im Einverständnis mit den zuständigen Ministerien hat das Handelsministerium beschlossen, die Warendurchfuhr ohne Genehmigung des Ein- und Ausfubramtes gnindsätzlich zu gestatten 1. durch den Polnischen Korridor ohne Rücksicht auf das Ursprungs- oder Bestimmungsland: 2. aus Rumänien nach der Tschechoslowakei und umgekehrt Über die Zoll- änner Sniatyn enierieirs und Oswiecim. Szczakowa. Zebrzydowica und Dziedzice andererseits; 8. über Danzig nach Ru-näuien und der Tschechoslowakei und umgekehrt ohne Rücksicht auf das Ursprungs« land der Waren:»r a ch Deutschland aus allen Nachbarländern ohne Rücksicht ans das Ursprungsland: 5. aus Rußland, Weißruthcnien und der Ukraine nach ollen Ländern. Praktisch wird eine besondere Erlaubnis aber erforderlich sein im Ber« lehr mit Rußland und Deutschland bis zum Abschluß erneS Handels« abkommen? mit diesen Ländern. Gleitender Pachtzins für Rebennahungen der Staatsforslev. Der amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Die Rücksicht auf NÜl™ Finanzlage des Staates hat den Minister für Landwirtschaft, Do rnänen und Forsten veranlaßt, die Fo r stn e b e n n u tz u n gsm-isaj (verpachtete Aecker, Wiesen,'Weiden, Steinbrüche, Lehmgruben usw.) in verstärktem Maße als Einnahmequellen zu er- schließen. Es soll in der Weise geschehen, daß alle Pachtverträge, die nicht bis zum 31. Dezember d. I. ablausen, einer Nochprüfung unterzogen werden, ob die Pachtsätze unter den heutigen Ver- Hältnissen noch dein Werl der Pachtung angemessen sind. Ist dies nicht der Fall, so loll zunächst eine gütliche Verständigung mit dem Pächter über Pachtgelderhöhung angestrebt, und erst wenn dies er- folglos ist, das Pachteinigungsamt angerufen werden. Um bei N e u- Verpachtung die Unsicherheit, die durch den schwankenden Wert der Mark bedingt ist, nach Möglichkeit zu. beheben, ist folgende.F o r m der Verpachtung angeordnet: Die Gebote sind in Mark abzugeben. Der Pachter hat im ersten Jahre(z. B. 1922) den ge- botenen Preis zu zahlen. Im nächsten Jahre(z. B. 1923) hat er einen Pachtzins zu zahlen, der sich zu dem vorhergehenden(z. B. 1922) oerhält wie der Roggenpreis zu Martini(11. November) des vorher-. gehenden Jahres zu dem Martint-Roggenpreis des zweiworher- gehenden Jahres. Wird Streu abgegeben, so ist dafür ein Preis zu zahlen, der dem Wert der Waldstreu im Vergleich zu anderen Streumaterialien wirklich entspricht. Tarisermäßigunzen in der Schweiz. Der starke Rückgang des Fremdenverkehrs in d-r Schweiz, der hauptsächlich infolge des hohen Valutaftandes der Schweizer Währung eingetreten ist, zwingt die dortigen Behörden, den Verkehr durch Tarifermähigungen anzuregen. Der Verwaltungsrat der schweizerischen Bundesbahnen beschloß jetzt, auf den 1. Mai 1922 für die Reisen von mindestens 300 Tariskilometern Tarifermähigungen von 20 Proz. für einfache Fahrten, für Hin- und Rückfahrten und für feste und zusammen- stellbare Rundfahrten. Der Rat beschloß ierner die Herabsetzung de» Schnellzugszuschläges für Entfernungen über 200 Kilometer, die Er- Mäßigung der Schnellzngszuschläge für Kinder von vier bis Zwölf Jahren auf die Hälfte sowie die Einführung eines neuen Gesellschafts- tarifs mit besonderen Vorteilen für kleinere Gesellschaften. Die Zand nach den Oelfeldern. Die Zwei mächtigen Oeltrusts, Standard Oil und Shell, haben jetzt den Schauplatz ihrer Jagd nach den Oelfeldern auf ein neues Gebiet, nach Südamerika, oerlegi. Die Nachforschungen haben nämlich ergeben, daß in Südamerika riesige Oelgebiete vorhanden sein dürsten: Venezuela ist an der Spitze, außerdem aber Argentinien, Peru, Kolumbien, Volioia usw. Die Oclvorräte sollen nach Ansicht der Geologen größer sein wie die in den Vereinigten Staaten, sie sind auf mehr als 9 Milliarden Faß geschätzt, während die Borräte im Erdinnern der Vereinigten Staaten auf 7 Milliarden veranschlagt werden. Demgegenüber beträgt die Oclproduktion in den Vereinigten Staaten 00 Proz. der gegen- wärtigen Gesamtproduktion, während die Ausbeutung der stldameri- kanisllzen Oelselder sozusagen noch gar nicht in Angriff genommen wurde. Hier stecken also große Möglichkeiten. Die Aufftndung der Oelquellen ist durch die Konstruktion eines neuen Werkzeugs, eines Diamantölbohrers, sehr erleichtert und die Kosten der Erbohrung sollen nach Angaben des„Manchester Guardian" infolge dieser Er- sindung auf ein Viertel gesunken sein. DI« Sonsumgenossenschastsbank ia Moskau. Am 10. Februar fand die erste Versammlung der Aktionäre der neuen russischen Konsumgenossenschaftsbank statt. An der Versammlung nahmen Delegierte von 59 Genossenschaftsorganisationen teil. Die Bank wird sich vorwiegend mit Kredit- und Warengeschäften be- fassen. Während des ersten Halbjahres soll das Grundkapital aus 2 Millionen Goldrubel bestehen, im zweiten Halbjahre soll es auf 4 Millionen Goldrubel erhöht werden. Die Staatsbank wird außerdem der Konsumgenossenschaftsbank einen Kredit von 3.5 Millionen Goldrubel eröffnen. Die Dank wird in 35 Städten Sowjet- rußlands Abteilungen haben. 10 Proz. des Grundkapitals werden dem Hilfsfonds für die Hungernden im Wolgagebiet überwiesen. Dem Aufsicht-rat der Bank gehören 20 Personen an, darunter fünf Vertreter der Staatsbank und drei Vertreter des Zenirosiojus (Zemral-Genossenschaftsverband). GewerMastsbewegung Ei«»moralischer Erfolgs. In ihrer letzten Nummer beschäftigt sich die.Internationale�, die Wochenschrift der ortbodoxen Kommunisten, mit dem Eisenbahner- streit und schreibt ,um Schluß: .Die Tatsache kann nicht genug betont werden, daß die Be- amten durch ihren kühnen Kampf einen Alpdruck von der Arbeiter« sdiatt weggenommen haben. Sie haben es zum erstenmal gewagt, nicht nur den Drohungen der Eberl und Ztichler zu trotzen, sondern auch den Verrat der'GewerlschaftSführcr mit der richtigen Antwort zu quillieren, mit der Verschärfung des Kampfes. Damit ist der Bann gebrochen. Der trügerische Schein von der Macht des Deutschen Gewertschastsbundes der Leipart, Robert Schmidt und Genossen i st zerstört, die strerkenden Eisenbahner haben diesen moralischen Erfolg der gesamten Arbeiterklasse gescheult. Ihn gründlich auszu- werte», das wird die Ausgabe, dre zu erfülle» ist, bis zum nächsten großen Kampfe.* Hier ist einmal recht dentlich wieder zum Busdruck gekommen, was die Kommunisten mit ihrer Gewerkschaflspolitik bezwecke» wollen, aber immer wieder bestreiten. Die nach ihrer Meinung erfolgte Schwächung der Macht des ADGB. feiern sie als.morali» schen Erfolg* und fordern die gründliche Auswertung desselben. tzu Deut'ch beißt das: Gott sei Dank, daß der ADGB. eine gründliche Abfuhr erhallen bat. das nächste Mal werden wir ihn völlig vernichten. Die Bolichewisten aber nennen da«: Erhaltung und Nevolulionicrung der Gewerkichoilen, Herstellung der Em- beitssronl! Glücklicherwetse hat der ADGB. durch de» Streik der Elienbahiigewerkschasl ebeni'o wenig Schaden clliiten, wie durch den der städtischen Arbeiter in Berl'm Darum sind alle kommunisti« schen Schlußsolgeningen trügerisch. Der ADGB. ist io stark, daß er auch in Zukuntr die Opier de? kommunistischen PutschismuS vor den schlimmsten Schäden bewahren kann. 5comme Unternehmerwüafthe. Dom Verband der Bergarbeiter Deutschlands wird uns ge- schrieben: Kein Unheil kann so groß sein, als daß es nicht den Unternehmern zum Besten dienen könnte. So muh nun jetzt der Eisenbahnerstreil! für die Bergbaugewaltigen herhalten, um Regie rung und Volt gegen die B e r g a r b e i t e r s ch a s t aufzubringen. gut..,. den Verhandlungstisch gesetzt hat, und, weil sie an der»Frage der sinngemäßen(Michaelis!) Anwendung des Achtstundentages" schwankend zu werden beginne. Und nun kommt der Salto mortale: „Wir sind gespannt darauf, wie sich Wirth gegenüber den Lohn- Forderungen verhalten wird, welche die Bergarbeiter schon wieder angemeldet haben"— mit andere�, Worten: beim Eisen- bahnerstreik hast du ocrsagt, lieber Reichskanzler, nun erfülle uns wenigstens gegenüber den Bergarbeiterfordcrungen unsere Wünsche. Um ihre Leser etwas graulich zu machen, erzählt die„Bergwerks- Zeitung" ganz ungeniert, der alte Vergarbeit»rverband hätte eine Lohnerhöhung um 30 Proz. gefordert. Demgegenüber muß festgestellt werden, daß der alte Bcrgarbeiterverband über- haupt'noch keine Lohnforderung beziffert hat. Di«„Bergwerks-Zeitung" müßte doch wissen/ daß der alte Berg. vrbeiteroerband lei Lohnoerhandlungen mit den anderen Berg- nrbeitcrorganisationen zusammengeht. Was soll also solch eine Mitteilung bezwecken? Weiter erzählt dann die„Bergwerts-Zei- tung", daß eine ZOprozentige Lohnerhöhung den Kohlenpreis um zirka 200 M. je Tonne steigern würde. Das möchten die Zechcnbesitzer wohl schon gerne haben. Selbst nach den Ksherigen Umrechnungsgrundlagen des Reichskohlenoerbandes, die im wesentlichen auf in der Praxis völlig unkontrollierbaren Zechen- üugaben beruhen, würde beispielsweise bei einer ZOprozentigen Lohnsteigerung der Kohlenpreis sich um 111,85 M. erhöhen, in welchem Preis 6V Proz.„Materialzuschlag", 10 Proz. für Ange- stelltengehälter, 3 Proz. Handesprofit, sowie 20 Proz. Kohlen- und 2 Proz. Umsatzsteuer enthalten sind und zwar unter Zugrunde- kegung von 0,56 Tonnen absatzfähiger Leistung und 108,74 M. Ge- samtdurchschnittslohn pro Schicht. Wie kömmt die„Bergwerks- Zeitung" auf„zirka 200 M."? Sollte da Herr Stinnes etwa vor- laut gewesen sein? Wenn die Zechenbesitzer solche Hokuspokus- rechnungen aufmachen, dann trifft auf sie zu, was sie von den Berg- arbeitern behaupten: nämlich Bereicherung auf Kosten der Allge- meinheit.' Im Zusammenhang damit fragt die„Bergwerks-Zeitung* die Regierung, was sie wohl machen würde, wenn die Bergarbeiter in einen Streik eintreten würden Ob Beamten- oder Arbeiterstreik, der Unterschied wäre„lediglich formal-suristischer Natur*. Die Kohle sei für unser Wirtschaftsleben so unentbehrlich wie ein regel- mäßiger Eisenbahnverkehr. Das also ist der Pserdefuß! Der Re- gierung wird hier der eindeutige Rat gegeben, so ähnlich wie es schon die wilhelminische Regierung vorhatte, den Bergarbei- tern das Streikrecht abzusprechen. Die„Formal- juristen". der„Bergwerks-Zeitung" mögen beruhigt sein: es wird keine Regierung in Deutschland mehr geben, die ihren törichten Rat befolgen würde._ Oer SchieSssvruch!m Gastwlrtsgewerbe. Zur Entscheidung der Lohndifferenzen zwischen den Arbeit- gebern und Arbeitnehmern im Eastwirtsgewerb« trat am Mittwoch ein Schiedsgericht unter dem Vorsitz des Herrn Reg.-Rat Dr. B r a h n im Rcichsarbeltsministkrium zusammen. Der gefällte Schiedsspruch Hot den Arbeitnehmern Lohnerl?öhungen für die Monate Februar und März zugebilligt. Für die Gruppen mit Löhnen bis zu 300 M. sollen 25 Proz., von 300 bis 500 M. 20 Proz., über 500 M. 15 Proz. Zukag« ab 1. Februar gezah« werben. Ab 15. März sollen neue Verhandlungen über die Festlegung der Löhn« ab 1. April erfolgen. In der Nacht zum Freitag nahmen zwei össentlich« Bersamm- lungen der Arbeitnehmer in den Germaniasälen und im Blüthner- Saal zu diesem Schiedsspruch Stellung. Nach einleitenden Referaten der Vorsitzenden des Zentraloerbandes der Hotelangestellten Bürde und Saar und ausgedehnter Diskussion wurde folgende Resolution angenommen: Die Versammlung aller Arbeitnehmer im Gastwirtsgewerbe erklärt den über die geforderten Teuerungszulagen ergangenen Schiedsspruch des Reichsarbeitsministeriums als absolut unzu- länglich. Di« ob 1. Februar zugebilligten Lohnerhöhungen ent- sprechen in keiner Weise der eingetretenen Teuerung der Lebens- Haltung und stehen bedeutend hinter den Löhnn der gleichen Arbeit- nehmergruppen in anderen Gewerben zurück. Die Grundlöhne des Bedienungspersonals, die 1800 M. und 2000 M. pro Monot betragen, serner die Löhne der Maschinisten, Heizer und Handwerker, ebenso . die Löhne des weiblichen Küchenpersonals, die durch den prozen- > tualen Zuschlag benachteiligt wurden, fordern geradezu die Ab- l e h n u n g des Schiedsspruches. Die Versammelten erwarten daher baldige Einleitung neuer Verhandlungen, um einen gerechten Ausgleich zwischen den Löhnen und der Teuerung zu er- zielen. Sie überlassen die endgültige Entscheidung über die An- nähme oder Ablehnung der Schiedsspruches dem Borstand des Kar- tells der im Gastwirtsgewerbe vertretenen Arbcitnehmerorgani» sationen._ Tie Transportarbeiter im graphische« Gewerbe nahmen zum letzten Jahresbericht Stellimg. der vom Branchenleiter P o d u b r I n erstattet wurde. In eingehender Weise schilderte er die Schwierigkeiten, welche zu überwinden waren, um den Forderungen der Mitglieder gereckt zu werden. Es sei nicht alles ln Erfüllung gegangen, da die Arocitgeber starken Wider- stand leisteten. Soll die Schlagkraft der Organisation nicht er- lahmen, sei es Aufgabe aller Berufskollegen, sich mehr als bisher um ihr« eigenen Angelegenheiten zu kümmern, so daß nicht der Branchenleitung allein die Aufgabe zufällt, olle Arbeiten, die im Interesse der gesamten Mitgliedfchaft zu erfüllen sind, zu erledigen. Wie stark die Branchenlcitung in Anspruch genommen war, be- weise, daß im verflossenen Jahre an Verhandlungen, Dersamm- lungen usw. 611 Veranstaltungen zu bewältigen waren. In der Diskussion kam zum Ausdruck, daß man mit der Tätig- keit der B r o n ch e n l e i t u n g e t n v e r sta n d e n ist, daß ober die Kollegen alles daransetzen müssen, um die noch Fernstehenden der Organisation zuzuführen, damit olle Bewegungen, die geführt werden, Erfolg haben. Die Wahl der Branchenleitung ergab die einstimmige Wiederwahl des Kollegen Podubrin als ersten, sowie des Kollegen B u tz i n als zweiten Branchsnleiter. Als Schriftführer wurde der Kollege Geerds gewählt. Beschlossen wurde, die Branchenmarke ab 1. April 1922 auf 50 Pf. zu erhöhen, damit in Rücksicht auf die erhöhten Unkosten den Funktionären eine höhere Entschädigung gikzohlt werden kann. Unter„Branchenangelegenheiten* wurde mitgetellt, daß mit dem Berein Berliner Papiergroßhändler das Lohnabkommen erneuert worden sei, mit Wirkung ab 16. Januar. Aufgabe der Kollegen sei, in Zukunft nicht hinter den mit dem Arbeitgcberverband getroffenen Vereinbarungen zurück- zustehen. Auch können die Arbeitgeber bei einigermaßen gutem Willen von selbst, genau so wie die Mitglieder des Arbeitgeber- Verbandes, vom 1. Januar 1322 ab die neuen Sätze, die eine Zulage von 65 bzw. 70 M pro Woche ausmachen, bezahlen. Für die Buchdruckereien sind ebenfalls die Verhandlungen beendet und betragen die neuen Zulagen 30 bis 51 M. pro Woche. Das Abkommen läuft gemeinsam mit dem der Hilfsarbeiter. Auch sind mit dem Verband Berliner Buchbindereibesitzer durch Verhandlung neue Lohnsätze vereinbart worden, die mit Wirkung von der ersten vollen Lohnwoch« im Monat Februar 1922 ab in Kraft treten. In der Photo- und chromolithogra- phlschen Industrie sowie in den Luxuspapierkabri- ken sind ebenfalls neue Zulagen vereinbart worden und können alle hier in Frage kommenden Tarifverträge und Vereinbarungen im Bureau des Deutschen Transpcrtarbeiierverbandes, Engelufer 24-25, II, Zimmer 33, gegen Mitgliedsausweis in Emp- sang genommen werden. Auch gibt der Kollege Podubrin, ebenda, sede gewünscht« Auskunst. Tarifkampf im Ruhrgeviet. Die Verhandlungen über die neue Gshaltsregelung für die Angestellten der rhcinisch-wcstsälischen Schwerindustrie sind am Mittwoch nach mehr als fünfstündiger Dauer gescheitert. Die Forderungen der Angestellten betrugen etwa 56 Proz. in den unteren, iallend bis 37 Proz. In den höchsten Gruppen. Di« Arbeit- gebe? boten als letztes eine Erhöhung der Tarifsätze von Januar um 35 Proz., uuter Wegfall der Januar. Teuerung s- zutage, die 25 Proz. der August-Gehälter ausmachte, so daß eine etwa 13prozentigc Gehaltserhöhung in Frage kam. Das Kindergeld sollte generell auf 250 M. pro Kind festgesetzt werden, während man den jugendlichen Angestellten bis 22 Jahre ein Mindestgehalt garantierte, das über den Satz von 35 Proz. hinausging. Nachdem sämtliche Angestelltenoertreter erklärten, die Verant- Wartung für dieses geringe Angebot allein nicht übernehmen zu können und den Vorschlag machten, zunächst die führende Ange- stelltenschaft aus den Betrieben zu bcsragen, erklärten die Arbeitgeber kurzerhand die Verhandlungen als gescheitert und zogen das ganze Angebot zurück. Die rheinisch-westfälischen Eisen- und Stahlindustriellen haben bisher eine überaus kluge Tariipolitik betrieben. Sie verstanden es. den Angestellten zur richtigen Zeit Brosamen auf den Tisch zu legen, die zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel waren. Es galt, die Grundgehälter möglichst niedrig zu alten. So bestanden noch im Dezember die Grundgehälter vom ugust. Die sozialen Zulagen halten eine sellene Höhe erreicht, wofür man die Ledigen desto schlechter bezahlt«. Del der letzte» Verhandlung wollten wahrscheinlich die Arbeitgeber den Spieß um« kehren und nunmehr die Verheirateten gegen die Ledigen ausspielen. Die Einkommen der Angestellten sind durch das Manöver der Arbeitgeber— und infolge der großen Ange- stelltenzersplitterung— der anhaltenden Teuerung nicht im ge- ringsten gefolgt. Zum T-il werden die Angestellten weil s ch l« ch- ter entlohnt als die Hilfsarbeiter in der Industrie. Die gesamte Angestelltenschaft muß erkennen— und diese Erkenntnis wird ihr noch von den Arbeitgebern eingebläut—, daß sie um ihre Existenz einen energischen Kampf führen muh, will siw nicht ganz und gar oerelenden. Es ist vorbei mit der Harmonie zwischen Angestellten und Arbeit- gebern._ Neue Verhandlungen in Frankfurt a. M. Zum Konflikt in der ssranliurter Meiallindustrie wird gemeldet, daß in Frank'urt neue Verhandlungen eingeleitet wurden. Dagegen haben sich die B-rbältn>sse in Mainz, Wiesbaden und Geisenheim so zugespitzt, daß dort für die nächste» Tage mit einem Slreik gerechnet werden muß In der Berliner vamenkonscklion ist es dem Deutschen Be« kleidungsarbeiter-Veibaiid gkliinge», siir die Stückbsigler einen Lobnlarif ,u veie'nbaren. der ab 6 Februar rückwirkend in «rait tritt. Dieter Toni sieht Stnckbllgellöhne für Damen- und Kindermänlel, Jacken, Röcke»nd Kleider vor. Etwa vorkommende Exiraarherten, wie gefniterte Sacken, Fallen, weilere Nähie. Blenden. Bieten uiw. werden extra berechne«. Der Tarifverirag ist für unsere Mitglieder im Bureau, Sebastiansir. 37—38, ,u baben Zu der Gewerschafksunlerkommission für den 15. Verrvattungs- bezirk gab Thieme einen Bericht von der Plenarsitzung über die Arbeitenachweisfrage. In der Diskussion war allgemein die An- sicht vertreten, das versucht wird, den Einfluß der Gewerkschaft«! aus diesem Gebiet« zu brechen, es muß deshalb alles aufgeboleu werden, um jede Verschiechlcrunq zu verhindern._ Kollege Bomke machte kurze Ausführungen über die Vetriebsräteversamm- lu n g, von deren Verlauf er sehr enttäuscht war. Kolleg« Schweitzer hielt einen sehr sachlichen Vortrag über die 10 Punkte des ADGB. Eine eingehende Aussprache setzte über die diesjährige Maifeier ein. Man will nicht wieder wie in den letzten Jahren die Zersplitterung weiter treiben, sondern als geschlossene Masse den 1. Mai feiern. Der Lcrtreter des Sportkartells erklärte, daß von ihrer Seite ein Beschluß bestehe, nur mitzuwirken bei einer gemein- samen Feier. Einstimmig beschlossen wurde, eine Kommission ein- zusetzen, die die Dcrarbeilcn leisten soll. Heber Wohnungsnot und Siedlungsbauten wird am Dienstag, 6 Uhr, bei O. Pamp berichtet. Bei der Firma Deutsche Legrit-werke, Jnbaber C LmditrSm, Berlin, Krauistr. 62, ist ein Streit ausgebrocken. Ter Betrieb ist gesperrt und von der aetomlen Arbeiterkckaft zu meiden. Rrbener, übt Solidariiärl Arbeiter sreundlicke Blätter werden um Abdruck gebeten. Verband der Fabrikarbeiter. Gebr. Siemen»» Go.. Lichtenberg. Montag 7 Uhr: Aufnahme der Arbeit in allen Avteilungen. Verbandsbücher sind mitziibrirrge«. Der Beiriebsrar. Die Löhufrage im Mlleldevtschen Braunkohlenbergbau. In der noch schwebenden Lobnslreiiigkeit i», Mitteldeulicke» Biaunkohlen- bergbau konirle in eurer Veibaiidlring, die am 14. Februar unter Vorsitz des Neserenten vom Reicksarbeitsministerium in Halle start- fand, eine Einigung zwischen Arbeilgebervervand und Gewer!- sckaften erzielt werden. Streik im Mansfelder Bergbau. Nach einer WTB.-Meldung aus Eisleben beschlossen die Bergarbeiter in Heldra angesichts der Ablehnung ihrer Forderungen durch die Mansfeldsche Syndikat- Aktiengesellsckaft(ehemalige Kupferschiefer bauende Gewerkschaft) am Sonnabend in den Streik zu treten. Ueber den Verlaus der Der- Handlungen berichteten wir bereits am Freitag früh. So»....___________,. Boilers Feflsälert, Weberstraße. Bericht Uber die ablehu ternchmer zum Dbschwß eiurs Torifes. Erscheinen aller gollcgen und Solle- ginncn ist Pflicht. Die Branchcnleituna. stomvunale«etiiebseSte Scrllu».«ollvcrsammlung am Mittwoch t> Uhr in Nlicms FeslsSIen, Hasenheids Ib— 15. Ohne Legitimation kein gutritt. zcntralo-.baud der Slaser. Montag Mitgliedcroersammluna 7 Uhr i« Gewcrkschastshaus. Bericht von der Beiratslonserenz. Erhöhung der DettrSge. Tarisiitndioung. Perband de» Puchbinder»ud Pnpieroeraibeitee. Montag 7 Uhr im S-> werlschastshars, Ellgelufer 25, außerordentlich« Veperaloersammlmig. Stellung» nähme zum Verbond-tag. Deutscher Lolzarbciteroertaud. Branche der Jaloustearbeiter. Montag liiHns Übe Wahl der Delegierten zur Generalversammlung und Urobsilm. mung, anschließend Branchenversammlung im Arbeitslosensaal. Rungestr. SV. Veronlw. süt den rcdalt. Teil: Franz glfih» Derlin-Lichterfelde; für Anzeigen: Th. tölockr. Berlin. Derlag Dorwarts-Berlag D. m. b. H., Borlin. Druck: Borwiiris.Buchdruckereiu. Verlaasonltoit Paul Singer u. Co.. Berlin. Lindenltr. 2. Hier»»> Beliaae Vertieta: Karl Kars'. Potsdim. Bismarckslr..1 Fernsptechei: Amt Potsdam Nr. 366 WMelm WrtieL, Hentn-V/ilmer dar/, Mick cnburgtsctie Straße 20, Fernsprecher; Amt P/aleburg Nr. 3100. Am Montag, den l!!. Februar, verstarb! unser stcllverirclender Berbandsvorsixender Äw�aast IMelz&9 Wir verlieren In dem Dalnngcschiedenrn I «wen treuen Mt» rrbeiter und Förderer unserer i Sache, einen pstichi treuen Angestellten und l lieben Freund Ein ehrende» Angedenken bleibt! ihm gestchert.>80 121 Die Beerdigung stndet am Montau, den I 20. Februar, nachm. 2 Uhr, von der Lci-be». I balle de» Neuen Jacabi irchho es, Neutölln, I Hermannstr. loa, au» Natt. Der Voi-staiul des Verbandes der Porzellan- nnd verw. Arbeiter nnd Arbeiterinnen Mm IS Fei rnar cr. brachte der Tod um sere: Schwlster Ggltnii! Wels Erlösung von langen. qualvollen Leiden Die Beerdigung sin- det am Montag, den 20. Februar, nachm. H'/j Uhr. van der Leicheuhalle de» Ge- meinvesriedhoke» in Fricdrtchshagen aus Fllr�ie Angehörige» VomllMsftkH« Berlin l> 54, LinlnnitiiBe 83 85. »«schält Bekanntmach u n g. <�aspreis. Die DemeindedehördlN haben den Easprei»!IU da« Bersorfungegedier siimilichcr Gemeinde. 8a wer e, aiio der ehemaligen Berliner Ciiarloiien- urger, Neuköllner, L�chtenterger. Svandauer, Eapenicker, Tegeler. Wilteiiauer, F iedrichsdagener Herm«dor er und Hciiigenseer Gaswer e mit Wir- tung von der im Anschluß an diese Bi kanntmachung erfolgenden Staiidauinadme ab einheitlich auf 3,»t» M. sitr da» Kubilmeter festgesetzt. Beschluß der Siadloerdrdnetenversammlung S«m 18. Februar 1622. Berlin, den 16. Februar 1922. ttagilltaL Zarbing. .»zeit von vorm. 6 litt bis naGm. 4 Uhr Telephon: Amt Norden 888, 884, 835, 836. Stonlao, den 20. Februar, abend» 0, Ahr. im yurnboldl. wirmnasinru, Garleultr. 25: Branchenversammlnng aller Hobler, Bohrer, Sloser. Aräser und weibliche« Berussongehörlc.e». Tagesordnung: 1. g«itstnvi»m.Lqste». 2 Dtstulston S Brancheuangelegenhesten und Berjchiedene» - Mitgliedsbuch legitimier.~WI ifliserate Montag. 6en 20. Stbtuat.«och». 5 Ahr. Badurafze 4V 41 BnliamtznMn-notftmi} der Geldjchrankschlosser. Tagesordnung: l. Bericht der Allord- ommijston 2. Bronchenangelegenheiten 8 Ber- chiedenes. IUI Vorv/Zsts *»rbUra«n Erfolg Ticktuna! WUMIM. Acktiing: itir Herren u.Damen nocti wiikllch billig auf leilzahiong Anzüge Rag lans Damen-Mantel Kostüme ROcke Beiscr Lothrin er S'r, 67 Montan e«n 2».?cbruar. nachm. vßi Uhr. im vorbandshau», Linienstr 83/85, Zimmer 8 Funktionär-Konferenz aller In den Eisenbahnwertstälten be- schäftißlcn Sollegen, welche Mitglieder de» ventschen Metallarbeiterverbande» sind. 11308 Sia Octaaecnalttwe. = Silberfuchs= schön gr. Exemplar., nagelneu M 750-, eben so fr. Woll M 700,. Wartburgatr.ZchlTreppe iinkt, Amt Stephan 30. Leipziger Str. Zahlansserleicliterngg 9ngenieur> Akademie Wknar i. st Oifse j Prcr.std.Senrestrla Je:ler NoigeliUniicler der sien siändig libtr die Ansrha iuneskosten einer Samm ung klar sein»III.'Ollte sich d ig in meinem V'er a e erschienene Merkbuch für Notgeldsammicr M2 Seilen siam, zum Preise von M. 24.. lüi Vi 2650portofr. esre len Ver aneen sie b t e Pro- sp'kt Einiges über Not geld" geg Einsendung von M 1— portofre. MlMIiiiMM Zimi M> Goid'e SüJicreBruch, üueenseZver, Blei, Kopier, Platin usw.• taust zum Engrospreise SahainLi», Lange Elr 85 am Schlestsche» BaHnHo: D!« UslreNmiS ierLeUieslraäii von Uni».-Professoren A. Brstjahn i. 6. Radbröel) Withlifl "Gr Bheleuie, Aerztc i und H�banimeia j Preis M. 3.- öiichhandlg. Vorwirts Berlm SW. Lindenstr 2 I i Die höcbstzahlende Stelle!< BriSianten große, prima Elrine dl» 50060 M. pro Karat nnctiweisllch und für solche di» 2 601 M. mehr ol» Höchstgebote Mim MlsWM.smmgSe. ZaiÄiieüschmM. m\a. Mieci. Kellest. Wge. WA-. Will!. Si'veMlbeii.lngSLir SWle kaufen KU« hdchstenAus!a»dskllrO,Pfavd. löse» ein und Kcchle» den Wert �n. ÄarUver Soe.�ialgeschä't f. d Anlauf großer Odjekie Z Cnben patf: LÜiZOUffttr. �2 ein �ain- von Lrr V ot« da me r Ctra't' li!Zv!ttll8b!K ullll lleptzriluieo, Er. I.. vunzarlz. lteMl!ii,8öiIi!!il!l.!5». Evrospr. Neuk.2354 en gros von Fabrikanten und Händlern Fernsptecher; Montzpi 667- Mailannenplatra Vet treter besuch z Freie Abholung Nr. 83» ZH. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Sonnadenü,? 8. Februar 1922 ?m Lager öer Die Zentrale der Landarbeiter am Enckeplah. Ein Teil der„natleidenden" Großagrarier hat sich in dieser Woche wieder einmal„unpolitisch" und„patriotisch" im Zirkus Busch betätigt. Nach den Zeitungsberichten ist der„Brandenburgische Land� volktag" auch wirklich wie ein„Zirkus" verlausen, und nach Schluß des Spieles sollen sich viele dieser sittenstrengen Herren in einer dos Familionlebe» sehr wenig fördernden Weise belustigt haben. Schließ- llch mußten sie sich von ihrem Kamps gegen die verhaßten Roten doch erholen. Ja, sie hasten die„Roten" und von diesen wieder insbeson- dere den Deutschen Landarbeiterverband, besten Tätigkeit es zu ver- danken ist, daß das wirkliche deutsche Landvolk beginnt, sich aus den Banden jahrhundertelanger Knechtschaft zu lösen. Die größte LanSarbeiterorganisation. Mitten im industrioreichen Berlin, am Enckcplatz, liegt das Haupt- quartier der deutschen Landarbciterorganisation, die trotz aller ltln- feindungen, trotz des besonders schwierigen Bodens, den sie beackern muß, groß un) stark geworden ist und die mit berechtigten Hoff- uungen in dieZukunft blicken darf. Der Aufschwung des Landarbeiter- Verbandes setzte nach dem Zusammenbruch im November 1318 ein. Die Organisation war während des Krieges von 20 333 auf 8333 Mitglieder zurückgegangen. Heule hol sie etwa 733 333 Landarbeiter zu einer geschlosteucu Moste zusammengefaßt und läßt damit die 33 333 Gelben und die 33 333 Zentralverbändler weit hinter sich. So wurden denn die alten Bureauräume am Michaelkirchplatz zu eng, und infolge eines günstigen Umstandes wurde ein Haus am Encke- platz erworben, auf dessen Hofgrundstück sich eine Seifenfabrik be- fand, deren große leere Räume in kurzer Zeit von einer Arbeiter- bougenostenschaft in Bureauräume umgewandelt wu.den. Ein Nunügcmg. Zunächst statten wir der Expedilion einen Besuch ab. Hier herrscht rege Tätigkeit. Täglich laufen 1333— 1533 Briefe ein, die sofort geordnet und auf die einzelnen Abteilungen verteilt werden müssen. In den ersten Wochen eines Vierteljahrs laufen dazu noch etwa 333— 333 Geldsendungen täglich ein. � Dreimal in der Woche werden die von den Abteilungen angelieferten Briefe postfertig gemacht. Frankiermaschinen versehen sie mtt Briefmarken, in großen Körben oerlassen sie auf einem Handwagen das Haus. Die Der- bands'eiluvg wird zweimal im Monat versandt. Dazu werden je 3333 Adresten aus Streifbänder und Pakeizettsl von der elektrisch betriebenen Adressiermaschine unter Benutzung von kleinen Blech- tafeln, aus die die Adresten ausgeprägt sind, hergestellt. Nachdem wir noch die Buchhandlung besichtigt haben, die erst vor kurzem eintze- richtet wurde und sich bemüht, den Mitgliedern gute Literatur zu ver- Mitteln, wenden wir uns den übrigen Abteilungen zu, die das Bu- reauhaus bis zu seinem vierten Stockwerk füllen. In der Registratur werdeu die erledigten Eingänge alphabetisch geordnet und ausbe- wahrt. In einem weiten, vom Licht durchfluteten Raum werden die Arbeiten der Buchballung erledigt. Hier sowohl als auch in den übri- gen Abteilungen ist dafür gesorgt, daß stets dieselben Angestellten die von ihnen schon einmal bearbeiteten Eingänge wieder zugewiesen erhallen. Dadurch wird eine genaue Kenntnis der Einzelheiten und eine ausgezeichnete Kontrolle erzielt. ftus üem Arbeitsgebiet. 2» der Abteilung für Lohnbewegung und Statistik werden die Lohnbewegungen, die Anträge auf Streit- und Maßregelungsunier- stützung bearbeitet. Gern wird uns über die hier geleistete Arbeit Auskunft gegeben. Zur Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen wurden im Jahre 1323 nicht weniger als 4 4öZ 8Ö9 Mark ausgegeben. Gerade in der Landwirtschaft sind die Kämpfe um geregelte Lohn- und Ar- beiisbedinaungen besonders hart. Tarifabschlüsse waren noch vor wenigen Jahren völlig unbekannt. Die Arbeitszeit währte vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Recht- und schutzlos war der- Landarbeiter, der sich noch dazu'unter die Gesindeordnung zu beugen hatte, allen Launen und jeder Willkür des Guisherrn preis- gegeben. Nichts lasten die im Landbund organisierten Unternehmer unversucht, die Arbritcx vom Eintritt in den Landarbeitcrverband abzuhalten, bzw. ihren Austrttt zu erreichen. So hat der Landbund sich eine„Arbeiinehmcrgruppe" zugelegt, die ihm erhebliche Ausgaben verursacht. Die Landbündler oer'vrechen den Arbeitern höhere Löhne, als sie der Landarbesterverband erreicht hat. Im stillen ober denken sie wohl an die allen Zeiten ihres Herrentums, wo ihnen der fleißige Mann der Hacke und der Sense, mit jeder Brotrinde zu- frieden, die Scheuer füllte. Im Gegensatz zu diesen Landbündlern gibt es auch eine Unti>rn.ehm--rorl'ppe, die Londarbeiieroerband anerkennt und in sachlicher Weise mst ihm verhandelt. Im Hinblick auf die früheren Zustände hat der Landarbeiteroerband große Er- folge erreicht, die ihn aber nicht abhallen werden, das Begonnene fortzusetzen. v:e soziale Fürsorge. Wir durchschreiten noch manche anderen Räume, so die kranken- ! unkcrslühungsabteilung. die 1323 mehr als VA Millionen Mark au Unterstülzuugen auszahlte: wir sehen den tadellos geregellen Marken- 1 verfand, die Redaklion der verbandszeitung. und vor allem den ge- , jchmackvoll Heraerichteten Sitzungssaal. Hier»erden Konserenzen mit den Gauleitern usw. abgehallen. Zur fachkechnischen Durchbil- : dung der Kreislester, die in den mehr als 33 Gauen tätig sind, wer- ; den hier auch Kurse abgehalle», an denen stets 25 dieser Funktionäre reilnehmen. Zum Scbluß steigen wir noch hinab in den Keller, in | dem zwar keine Weinfäster, wohl ober Textilwaren aller Art lagern, j die zum Selbstkostenpreis an die Berbandsmitglieder abgegeben werden. » Wer dieses Haus durchwandert hat, wer gesehen hat. wie pro- zife und genau hier alles geregelt, durchdacht und geordnet ist, der muß Achtung bekommen vor dieser Organisation, und er wird das schlichte Haus am Enckeplatz in dem sicheren Bewußtsein verlosten, daß die freie Organisation der Landarbeiter den Kampf mst dem Großagrarierwm des Landbundes siegreich bestehen wird. Das Recht auf öen Gimmel. wie die Stadl Berlin einen Prozeß verlor. Die Berliner Stadtverordneten haben in einer ihrer letzten Sitzungen dem Ankauf des Grundstücks Großbeeren st raße 13 auf Anregung des Bezirksamts Kreuzberg zugestimmt. Der Bezirk Kreuzberg will später das Grundstück zur Vergrößerung des auf dem Nachbargrundstück gelegenen Luther-Lyzeums ver- wende«. Mit diesem Grundstücksankaus hat ein merkwürdiger Pro- zeß sein Ende gefunden. Ms die Stadt Berlin, kurz vor Beginn des Krieges, auf ihrem Grundstück Tcmpclhoser Ufer 13 mit dem Bau des Luther-Lyzeums begann und die Pläne öffentlich ausgelegt wurden, erhoben die An- lieger gegen den Bau in de? oorgeschriebenen Frist keinerlei Ein- spruch. Erst als der Bau schon im Gange war, legten die Besitzer des Nachbargrundstücks Großbcerenftraße 13, die G o l l m i ck f cy e n Erben auf Grund des Z 142 des Allgemeinen Landrechts für die Preußischen Staaten gegen Weitersührung des Baues Einspruch ein. Dieser Paragraph des an sich für unjer öffentliches Recht gruud- legenden Gesetzes bestimmt, daß ein Neubau von den Fenstern des Nachbarn f o weit zurücktreten müsse, daß der Nach bor aus den ungeöffneten Fenstern des unteren Stockwerks den Himmel erblicken könne. Die städtische Bauverwaltung kam nachträglich den Wünschen der Gollmickschen Erben entgegen, indem sie den Giebel des Schulbaues verkleinerte und mit einem hellen Putz oersah— vergebens! Die streitbaren Erben Nagten, die Sache ging bis ans Reichsgericht und dieses hat in letzter Instanz den Prozeß um den Blick auf den blauen Himmel dahin entschieden, daß von den ungeöffneten Fenstern des Nachbarhauses tatsächlich der Hümmel erblickt wer- den könne. Das Reichsgericht war jedoch der Meinung, daß die „Körperhaltung", nämlich ein? gewisse Neigung des Kopfes nach hinten, in der dies geschehen könnt«, nicht derjenigen„auf- rechten und ungezwungenen Haltung" entspräche, die der Gesetzgeber des Allgemeine» Landrechts(nämlich die. Juristen Cramcr und Suarez) bei der Ausstellung des Z 142 im Auge gehabt hätten. Der Berliner Magistrat wurde daher endgülltg ver» urteilt. d�n betreffenden Bauflügel einzu» schränken. Während des Krieges ruhte der Schulhausbau und damit auch die Durchführung des Rechts auf den blauen 5)immeZ. Jetzt nach 8 Jahren ist, wie erwähnt, der„h'.mmlifche Prozeß" da- durch aus dem irdischen Diesseits geschafft worden, daß die Stadt aus Grund länocrer Verhandlungen mit den Gollmickschen Erben das Grundstück für den Preis von 235 333 M. erworben hat, wozu die Kosten des Rechtsstreites in Höhe von 6533 Goldmark hin- zuzurechnen sind._ irreführende Serichterstattunq/ Mi dieser Ueberschrift bringt die„Freiheit" eine Betrach» iung des Abstimmungswirrwarrs der Stadtverordneten- f i tz u n g, in der die Tariferhöhungen als unbefristete ab« gelehnt und mit Befristung bis 33 Juni anaenommen wurden. Sie nennt eine Reihe Blätter, die mitgeteilt hätten, daß„durch An» nähme des deutschnationalcn Antrages auf Befristung der Tarif» erhöhungen bis 33. Juni die eben vorher in der Gesamtabstimmung mit 135 gegen 84 Stimmen abgelehnte Vorlage trotzdem ange- nomMen sei, und nennt darunter auch den„Vorwärts". Die„Frei. heit" gefällt sich von Zeit zu Zeit darin, den Zensor der Rathaus-' berichierstallung zu spielen, wobei sie ihre eigenen Leistungen in ein mitunter unverdient vorteilhaftes Licht zu rücken sich bemüht. Der„Vorwärts" hat in sach'icher Berichterstattung über die Stadt» verordnetensitzung lediglich festgestellt, daß die Tariferhöhungen schließlich mit der Befristung angenommen wurden. Dabei hoben wir ausdrücklich hervor, daß der Vo r st e h e r sie für angenommen „erklärt" habe. Erwähnt haben wir auch, daß sich daran ein Streit um die Frage der Rechisgülliokeit der Abstimmung knüpfte(über dessen Entscheidung auf der Pressetribüne nichts zu hören war). Wieso die nackteMitteilung dieser Tatsache eine„irreführende Berichterstattung" sein soll, möchten wir wissen. Für die Äbstim- mungen der Stadtverordnelenversammlunq und ihre Ergebnisse kann i doch der„Borwärts" nicht verantwortlich gemacht werden! Wir ! fühlen uns versucht, auf die Berilbterstattung der„Freiheit" über die Berichterstattung des„Vorwärts" das Wort„irreführende > Berichierstatiung" anzuwenden. Die-„Freiheit" klagt noch darüber, daß die drei Parteien der Linken nicht vollzählig vertreten wären. Dabei behauptet sie. gerade die rechtssozialistische Fraktion habe in letzter Zeit sehr große Lücken gezeigt. Wie anders doch die Dinge aus» sehen, wenn man sie von der anderen Seite belrachiet! Genau denselben Eindruck, den d.ie„Freiheit" von den Rechtssozialisten gehabt hat, haben wir von den Unabhängigen gehabt. Eine raffinierte Fälschung. Ein groß angelegter Bonkbetrug führte den Karre» spondenten Johannes P sch e i d l und dessen Bruder, den Hand» lunqsgehilfen Otto P sch e i d l, vor die 8. Strafkammer des Land« gerichts I. Auf eine Zeitungsannonce hin schrieb der erste Ange» klagte unter dem Namen„Theodor von Seydlitz" mehrere Bewerbungsschreiben an eine hiesige Bank und wurde als Karre- spondent angestellt. Um ihm seine Anstellung zu ermöglichen, hatte ihm der zweite Angeklagte eine Urkunde und �in Empfehlungsschreiben einer Firma in Dresden gefälscht, bei der ein anderer Bruder tatsächlich angestellt war. Nach zwei Monaten teilte der erste Angeklagte der Bank mtt, daß er erkrankt sei und blieb vom Dienst fern. Er wurde dann entlassen. Der zweite Angeklagte hatte sick, inzwischen unter dem Namen „W alter Häßler" bei einer Depvsitenkasse der Bank ein Kont? eröffnen lassen und zahlte 1453 M. bar und 175 M. auf einen Scheck ein, der auf die Zentraldeposttenkaffe der Bank lautete. In letzterer war der erste Angeklagte beschäftigt. Den beiden Ange- klagten ist es dann in überaus raffinierter Weise mit Hilfe g e- sälschter Urkunden, Briefe, eines gefälschten Uebertrags- formulars gelungen, eine angeblich von der Bankfiliale in Lehe be- antragte Gutschrift in Höhe von 215333 Mark aus Konto Walter Häßler zu erwirken. Die Gutschrist wurde auch ausgeführt und der Angeklagte Otto Pscheidl hat dann mittels Schecks im ganzen 214 333 Mark abgehoben. Die beiden Angeklagten haben dann in Saus und Braus gelebt; von der erbeuteten Summe hat Johannes Pscheidl 12 333 Mark erhalten. Für letzteren suchte Rechteanwalt Dr. Siegfried Eisenstaedt das Moment der Beihilfe auszuscheiden und bezüglich der Hehlerei mildernde Um- stände zu erreichen. Das Gericht glaubte aber beide Angeklagte gleichmäßig bestrafen zu müssen und verurHlte sie z u 3 Jahren Gefängnis, unter Anrechnung von 8 Monaten Untersuchungs. hast. 40] Eine seltsame Nacht. Roman in vier Stunden von Lau rids Brunn „Weshalb?"'' Er blickte mit seinen matten, braunen Augen flehend von einem zum anderen und sagte in demselben wimmern- den Ton: „Ich Hab immer gehört, wenn Verbrecher ihr Herz öffnen und bekennen, dann kriegen sie Branntwein und Bier und Festtagscsfen für ihre Willigkeit." Der Doktor legte ihm die Hand auf die Schulter und ver- sucht: seinen matten Blick mit seinen kleinen, scharfen Augen festzuhalten. „Es wäre Sünde, dich darum zu betrügen, Kasper!" sagte er.„Denn als du aus dem Abhang saßest und nachsannest, da dachtest du wohl, daß du Branntwein zur Belohnung be- kämst, wenn du dich selbst melden würdest?" Kasper sah zu ihm auf und nickte treuherzig.„Das ist wahr, Herr Doktor! Das wird man dir nicht abschlagen, dachte ich, wenn du wahrheitsgemäß bekennst." „Du sollst so viel Sckjnäpse bekommen, wie du haben willst!— Dafür stehe ich ein. Kasper!" „Aber bester Doktor!" Hjarmer sah erschreckt mit seinen hellen Augen zu ihm auf. ..Können Sie nicht sehen," der Doktor zog irritiert seine Holen in die Höbe,„daß der Mann m i r überlassen werden muß?— Er ist kein Verbrecher. Er ist krank— krank, weil er sein ganzes Leben hindurch gegen gesunde, natürliche In- stinkte hat ankämpfen müssen, die die öffentliche Moral ver- urteilt. Die Natur aber läßt sich nicht kneckten. Was keine Daseinsberechtigung haben darf, was beständig niedergedrückt wird— das gräbt sich tiefer ein, versumpft und vergiftet die ganz? Konstitution— Trunksticht. Eeisteekrankheit, Monomanie!— Und eines schönen Tages geht das Cefchwür auf. Nur ein Nadelstich— Eelegenbeit gibt's genug!— Glauben Sie mir. hätte er heute abend wviel Schnövi» bekommen, wie er nötig hatte— dann wäre der alte Hilsöe nicht ermordet word°n. Und darum ist kein Platz im Krankenbaus!" Doktor Salt richtete sich auf und sah zur Koniortür. „Der Schutzmann ist draußen— nicht wahr?" fragte er. „Er sitzt im Entree!" antwortete HZarmer. „Gut!— Dann können wir uns zusammen seiner ,an- «ehmen!" Er legte die Hand auf Kaspers Schulter: „Komm nur mit, Kasper!— Du sollst so viel Schnäpse bekommen, wie du verdienst!" Die matten, braunen Augen flammten in plötzlicher, gieriger Freude auf. Er machte einen mißglückten Versuch, den Rücken zum Honneur zu strammen, während die Aussicht auf die Schnäpse ihn über den ganzen Körper zittern machte. Der Doktor schob ihn vor sich her durchs Kontor hinaus. 4. Hiarmer griff sich an die Stirn und lächelte mit seinen müden, nervösen Augen. „O, Liebste!" sagte er.„Wie ist doch alles sonderbar! Es ist wie ein Märchen! Vorhin war alles düster, und jetzt ist wieder alles hell und lächelnd!" Frau Helwig stand am Flügel und sah in tiefen Gedanken vor sich hin. „lind Fräuleist Sindal?" fragte sie. „Ach, erinnere mich nicht an sie!" Ein plötzlicher Schmerz > jagte über sein müdes Gesicht.—„Ich will sie zu vergessen ' suchen!" Helwigs große, graue Augen ruhten forschend auf den feinen. Dan strich er sich über die Stirn und sagte:„Ich will , nur daran denken, daß Ellen gerettet und der Mörder ge- ■ sunden ist. Ist es nicht wie eine Vorsehung? Erst diese Angst — und das Kind wird gerettet! Dann die Enttäuschung nach �der Hoffnung! Und trotzdem kommt der Mörder im Mond, 'schein anspaziert und gibt sich selbst in meine Hand! Ist das nicht wie eine Prüfung?" Frau Helwig richtete sich auf und ging auf ihn zu.'Jetzt endlich hatte sie einen Entschluß gefaßt. „Eine Prüfung, die bestanden sein will!" sagte sie. Hjarmer beachtete nicht ihren feierlichen Ton. ..Ja." sagte er.„und wir haben sie bestanden! Und jetzt ist alles wieder gut." „Nein, die Prüfung sängt jetzt erst an!" Diesmal merkt? er, wie ihre Stimme zitterte. „Was meinst du damit? fragte er und sah ihr in die Augen, die so seltsam tief in ihrem weißen Antlitz leuchteten. „Das Schwerste kommt noch!"' „Ich verstebe dich nicht!" legte er und wurde unruhig bei dem feierlichen Ernst ihrer Stimme. „Hast du in dieser Nacht nicht etwas gelernt?" „Was willst du damit sagen?" Wieder sah er sie erstaunt, und ängstlich an; so hatte, er sie noch nie gesehen. „Ich wünschte, du hättest nur halb so viel gelernt, wie ich in dieser Nacht gelernt habe!" Es ging plötzlich wie ein Schimmer der Freude über ihr Gesicht, während, die großen Augen sich mit klaren Tränen füllten. Er staunte sie mit offenem Mund an: „Liebste— weshalb bist du so bewegt?" Ihre Augen strahlten durch Tränen, und die Oberlippe hob sich zu einem schmerzlichen Lächeln. „Oh— ich bin so unsagbar glücklich in diesem Augenblick obgleich ich dir einen großen Kummer bereiten muß!" „Helwig!" bat er angstvoll und streckte die Hand ab� wehrend gegen sie aus. Sie ging auf ihn zu und nahm seine Hand in ihre beiden. „Ach. mein Freund!" sagte sie leidenschaftlich.„Wenn du mit meinem Herzen fühlen, wenn du mit meinen Augen, die jetzt geöffnet sind, sehen könntest— dann würdest du dich mit mir freuen, daß ich endlich, endlich Mut gefunden habe—" „Wozu?" sagte er atemlos. „Ein ehrlicher und natürlicher Mensch zu sein! Oh, nimm dich zusammen. Knud! Vergiß einen Augenblick deine Stellung, dein Amt, Geld, Ansehen, Gesellschaft und das alles!" Hjarmer zog seine Hand aus der ihren. „Zieh dich nicht zurück!" bat sie exaltiert.„Es steht so viel für dich und für mich und für uns alle auf dem Spiel!" „Ich versteh dich nicht! Weshalb soll ich vergessen?" Sie bemölbtigte sich wieder seiner Hand und hielt sie fest zwischen ihren beiden. „Lebe einen Augenblick mit deinem Herzen allein! Sei einen Augenblick der gute, gerechte Mensch, der du in deinem Innern bist!" Hjarmer starrte sie in angstvoller Ahnung an. „Helwig— was soll das bedeuten? Ihr großer, exaltierter Blick umfaßte seine schinächtig« Gestalt mit einer Macht, der er sich nicht zu entziehen ver» mochte. „Versprich, daß du es versuchen willst. Knud!" „Ja, ja!" stammelte er. Wenn sie es doch erst sagen würde!- (Fortsetzung folgt.) Sie Srotkartenkhiebungen In LlchierfelSe. Erklärungen des Slegliher Vürgermeifkers. Die vor einigen Mannten festgestellten Unterschleise bei der Lichterselder Brotkartenoerteilung in Höhe von etwa S M i l l i o- n e n Mark beschäftigten die letzte Sitzung der Steglitzer Be- zirksverordnetenversammlung. Auf eine Anfrage van sozialdemokratischer Seite erklärte Bürgermeister Sem- b r i tz k i, daß der schuldige Beamte seinerzeit sofort-vom Dienste enthoben und ve r h a s t e t worden sei. Das Strafverfahren gegen ihn schwebe noch, da Zweifel an seiner Zurechnunqssähiqkeit entstanden seien und er augenblicklich auf seinen Geisteszustand vntersucht werde Nach den bisherigen Feststellungen könne man sagen, daß die Unterschlagung und Entwendung der Brotkarten durch eine mangelhafte Kontrolle begünstigt worden sei. Wie in vielen anderen Gemeindeverwaltungen sei auch in Lichter- felde die Zahl der Beamten in den Jahren, als die Zwangswirt- schaft voll einsetzte, eine sehr geringe gewesen, die Beamten seien mit Arbeiten überlastet worden und man habe zur Einstellung un geschulter Hilfskräfte schreiten müssen. Wie sich die Entwendung der Brotkarten im einzelnen vollzogen habe, und welche Unterlassungen dabei eine Rolle gespielt haben, könnte erst nach Durchführung des Strafverfahrens einwandfrei fcstaestellt werden. Ein unmittelbarer Schaden fei der Lichterselder Bevöl- kerunq eigentlich iibcrhaupt nicht entstanden, weil niemand ein Pfund Brot oder Mehl zu wenig erhalten habe. Die Allgemeinheit sedoch sei insofern geschädigt, als das Reich bekanntlich erhebliche Zuschüsse zur Berbilliqung des Brotes gezahlt habe, die nun-durch die überctotsmäßige Anforderung von Brotkarten in unrechte Ka- näle geflossen seien. Die Höhe des angerichteten Schadens könne nicht genau angegeben werden, da die Zahl der entwendeten Brot- karten nicht einwandfrei feststehe. Ter Totschlag in der Landsberger Allee anfgeklärt. Der entsetzliche Voriall, der sicki. wie wir berickteien, in der Nackt vom 10. zun, 1l. Februar in der Landsberger Allee abspielte und bei dem der Konditor Krone sein Leben einbüßte, als er zwei Ruhestörer beschwichtigen wollte, hat eine überraschende Aufkiärimg gefunden. Die Täter sind zwei Unterwachtmeister der 1. Hundertschaft der Berliner Schutzpolizei namens Karl Losch und Friedrich K u d e. Beide wurden durch Kriminal- kommissar Dr. R i e m a n n ermittelt und sofort verhaftet. Ein Nennzehnjähriger wegen Fahnenflucht verurteilt. Bor der Z. Strafkammer des Landgerichts II hatte sich am Donnerstag der R e i ch s w e h r s o l d a t L a n g e von der T r a i n- obteilung in Lankwitz wegen Fahnenflucht zu verant- warten. Lange, der Elektrotechniker von Beruf war, hatte sich im vorigen Jahr als Neunzehnjähriger, weil er arbeitslos war, auf zwölf Jahre für die Reichswehr verpflichtet. Als er aber später von Freunden hörte, daß in seinem alten Beruf Arbeit leicht zu finden sei, v e r l i e ß er im Dezember vorigen Jahres kurzer Hand seinen Truppenteil und nahm eine Stellung in der Industrie an. Seine Spur war bald entdeckt, und am Neujahrstag wurde er unter dem Verdacht der Fahnenflucht verhaftet. In der gestrigen Ver- Handlung machte sein Verteidiger, Justizrat Dr. B r o h, zu seiner Entlastung geltend, daß infolge der Minderjährigkeit Langes eine rechtsgültige Uebernahme der Soldaten- pf l i chten nicht zustandegekommen sei, und daß das Militärstrafgesetz keine Anwendung aus ihn finden könne. Wenn auch der Vater des Angeklagten seinem Sohn schriftlich die Genehmigung zum Eintritt in den Militärdienst erteilt Hobe, so wäre es doch Pflicht der zuständigen Behörden gewesen, sich vor Abschluß des Dienstvertrages genau zu vergewissern, ob der Vater mit diesem Schritt seines Sohnes einverstanden sei. Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf die Jugendlichkeit des Angeklagten auf die niedrigste fesetzlich zulässige Strafe von sechs Monaten Gefängnis, uf die sechs Wochen Unter s-uchungshaft angerechnet wurden. Der Haftbefehl gegen den Fahnenflüchtigen wurde auf« gehoben. Das viebeskomplott auf öem Güterbahnhof. Ermittiungsbeamle als Hehler. . Massenhafte Diebstähle auf der Eilgutabsertigung des Hamburg» Sehrter Güterbahnhofes siihi ten 15 Perionen ivegen Diebstahls bzw. Hehlerei vor die ö. Slraflammer des Landgerichts I. Dem BahnhossvoNtebcr waren die vielen Neklamationcn ausgefallen. die 1020 wegen fehlender Güter einliefen. Jnfolgedesien beauf- tragt« er den Lukenausseber H ä d r i ck, mit Recherchen. Diesem wurden nun eines Tages von einem Güterarbeiler 0 500 M. mit dem Bemerken ,n die Tasche gestecki:„Hier sind 0.5 1" Im Laufe der Zeit gelang die Au'klärung der Diebstähle. Erichwert wurde die Entdeckung dadurch, daß'die Beamten der ErmittlungS- stelle u n i er einer Decke mit den Tätern standen und so manvverierten, daß sie sich von den Verluste reklamierenden Firmen die Frachlbriefc änshändigen und dann verschwinden ließen. Das Gericht verurteilte drei der Augeklagten, die die Beamten- qualirät baiten, zuzwei Jahren sechs Monaten, die noch nicht angestellten Dienstanfänger zu je neun Monaten Ge- fängnis, die als Hehler Beschuldigten wurden zumeist frei- gesprochen. Verschärfung der Schankerlaubuissteuer. Die preußischen Minister des Innern und der Finanzen sind in einem gemeinsamen Erlaß den Bestrebungen der Kreis- und Gc- meindeverwaltungcn entgegengekommen, die Schankerlaubnissteuer noch schärfer als bisher anzuspannen. Schon an sich werden die Er- höhung der Reichsumsatz st euer und die Novelle zum K o m- munalabgabengesetz, wonach die Betricbsstcuer in der Regel mit dem gleichen Hundertsatz wie die Gewerbesteuer belastet werden soll, eine erheblich höhereBesteuerung desSchank- g e w e r b e s qls bisher herbeiführen. Trotzdem erachten die Minister die einmalige Abgabe auf die Erteilung der Schankerlaubnis doch noch für st e i g e r u n g s f ä h i g. Aus diesem Grunde haben sie die Steuerhöchstsätze für neue Schankgenehmigun- gen verdoppelt. Es gelten hinfort folgende Beträge als Höchstmaß der Besteuerung: 4800 M., wenn der Gewerbetreibende wegen geringen Ertrages und Kapitals von der Gewerbesteuer frei ist! 9000 M., wenn er in der vierten, 19 200 M., wenn er in der ; ittc 28 800 M., wenn er in der zweiten, 40 000 M., wenn er m d-i ersten Gewerbesteuerklasse veranlagt ist. Da aber hierbei nicht die genügende Rücksicht auf die verschiedene Höhe des Ertrages oder de.- Anlage- und Betriebskapitals genommen und dadurch den For- derungen steuerlicher Gerechtigkeit nicht entsprochen wird, wollen es die Mimster auch zulassen, daß eine kommunale Schank- erlaubnissteuerordnung die Steuersätze je nach Höhe des Ertrages oder des Anlage- und Betriebskapitals oder nach beiden JR-r-«Wiben zugleich staffeln darf, wofür die Minister bestimme Mindest- und Höchstsätze vorschreiben. Die Staffelung ist den be- soi' eren örtlichen Verhältnissen anzupassen. Für Beeren- und Pilzzettel werden, wie im borigen Jahre. 10 M. für die Person erhoben. Für sckiulpflicklige Kinder. Rentenempfänger, KriegSbesckädigre und OrtSarme ermäßigt sich der Gebührensatz auf5'M. Es wird dafür gesorgi werden, daß die Schüler ohne Schwierigkeiten und ohne besondere schriftliche Anträge Zeiiel laufen können. Billige» Aleisch in Reinickendorf. Vom Dienstag, den 21 Fe- bruar, ab gelangt in den Fleiichverlaufsstellen Berlin-Reinickendorf, Residenzstr.>8. Provmzstr. 52. Kögelstr. 3, Berlin-Rofenlhal, Nieder- strabe 5, Berliir-Tegel, Babnboiftr. 7 8. Schöneberger Straße, Ecke Echlieperftraße. verbilligtes Schweinefleisch zu folgenden Preisen zur Ausgabe: Liefen und Rückenfett 20 M., Kotelett und Kamm 9i Vi, Schinken 20 SU, Bauch 22 W, Kops und Bein le M., Die Wohnung Im Reichstag erklärte gestern auf eine Anfrage des Abg. Henke(U. Soz.) Mimstenglb-rektor Dr. Jon cq vre res. daß einige Lebensoersicherungsgefellichafien, die auch im Auslände ar- beitcn, der Währungsfchwierigkeiten wegen um Hilfe geb'.tcn haben. Das Reichskabinett hat beschlossen, unter gewissen Voraussetzungen diesen Gesellschaften durch Beschaffung von Krediten zu helfen. Die Verhandlunzen sind noch nicht abgeschlossen. Es folgt die zweite Lesung des Gesetzes über die Erhöhung der Wohnungsbauadgabe von 10 Proz. auf 50 Prvz. der Friedensmiete. Ministerialdirektor Dr. Riller: Die Streitfrage war die. ob die gesamten Mittel zum Bau der neuen Wohnungen von den Mietern erhoben werden oder ob ein Teil durch Anleihe beschaff: werden oll. Das Gesetz Hot einen Mittelweg eingeschlagen. Die Träger der ozialen Versicherung haben sich zur Hergabe von Mitteln bereit er- klärt. Ich spreche ihnen den Dank aus. Abg. Bazille(Dnat.): Man wird uns bald zumuten, die Ab- gäbe von 50 auf 100 und 200 Proz. zu erhöhen.(Hört, hört!) Die Verfechter des Sozialismus wollen bei der Wohnungsfrage in die Gesetzgebung eine Tendenz zur Sozialisierunz hineinbringen. Die Wege der Rgierung führen nicht aus der Wohnungsnot heraus. Die Ursachen der Wahnungsnot sind: der Krieg, die Rückkehr der Soldaten, die keine Wohnung mehr hatten, die falsche Wohnungs- Politik und die verfehlte Wirtschaftspolitik. Dazu kommen die schematische Durchführung des Achtstundentages und das Streik- fieber. Die Zwangswirtschaft im Wohnungswesen legt die Neu- bautätigkelt still. Das Gesetz wirkt antisozial; es belastet den Fa- millenoater mit vielen Kindern mehr als eine kinderlose Familie. Abg. Silberschmidt(Sog.): Im Unterausschuß ist gefordert worden, daß auch in Zukunft für das Wohnungswesen an der Zwangswirtschaft festgehalten wird, da sonst die Gesundheit der Bevölkerung aufs schwerste bedroht würde. Vor dem Krieg bauten wir aus den Ueberschüffen des Volkseinkommens. Heute gibt es keine Ueberfchüffe. wir leben von der Substanz, und eben deshalb muß beim Bauen vor allem der Volkswirt- f ch a f t l i ch e Gesichtspunkt obenan stehen. Es muß so gebaut werden, daß produktive Werte zugleich damit geschaffen werden. Bauen wir Bergarbeiterwohnungen, dann schaffen wir Vermehrung der Kohlen, bauen wir Landarbeiterwohnungen, dann schaffen wir Vermehrung der Nahrung. Das Bauprogramm der nächsten Jahre muß zur Steigerung der Kohlen- und Düngemittelproduktion und der Ausführ dienen. Deshalb darf das Bauen nicht dem freien Spiel der Kräfte überlasten bleiben. Wenn die sozialistischen Parteien diese Grundsätze beob- achtet wissen wollen, dann streben sie darauf hin, daß das Bauproblem aus dem engen Rahmen und dem engen Horizont herausgehoben wird, in dem es leider ein großer Teil des Volkes noch immer sieht. Die Regelung des Bauproblems ist eine Voraussetzung für den ge- samten Wiederaufbau und für die Förderung unserer Wirtschaft. Mit kleinlichen Gesichtspunkten ist da nichts anzufangen. Milliarden find bereits angesetzt worden für die Hebung des Wohnungsbaues, diese Summen sind aber durch die Entwicklung bereits überholt. Die 200 000 Wohnungen, die 1922/23 nötig fein und wofür 6 Milliarden aufgewendet werden sollten, reichen heute nicht mehr aus. Das Gesetz kommt viel zu spät. 3—4 Monate sind oerstrichen und viele Bauvorhaben werden jetzt wieder eine Verzögerung erfahren. Gerade weil die Belastung der Mieter viel größer sein wird, als die Regierung annimmt, weil wir eine neue Belastung bis zu 200 Proz. erwarten müssen, deshalb sind wir gezwungen, erst recht dafür ein- zutreten, daß die Groschen der Mieter und Steuerzahler in der Bau- frage und Wohnungsfrage volkswirtschaftlich und nutzbringend ver- wandt und nicht verschleudert werden. Wir treten für das Gesetz ein, weil wir damit die Mieter zu schützen hoffen. Wir könnten uns die Sache ja auch leicht und bequem machen und sagen:„Hier, Reichstag, hier. Regierung, sind unsere Vorschläge: werden sie nicht angenommen, so fällt die Verantwortung auf Euch!" Allein mit dieser bequemen Methode ist kein wirklicher Schutz für die Mieter geschaffen. Verschiedenen Herren bei den bürgerlichen Parteien, auch beim Zentrum, möchten wir aber sägen, daß ihre Kritik und ihr Verhalten in der Wohnungsfrage sehr stark an jenes be- kannte Wort des überschlauen Jungen erinnert:„Ganz recht, wenn meine Hände frieren, warum kaust mir mein Vater keine Hand- schuhe." Die Form der Abgabe erscheint uns unrationell. Wir müssen von dem gemischten System loskommen. Ist bei der heutigen Lage und Organisation des Baugewerbes klagen von einkaufenden Havsfrauen richten sich gegen eine eigentümliche, oft kurze, unfreundliche und fchn'ppiiche Art der Be- bändlimg, die den Käuserinnen von städtischem Fleisch seitens der betreffenden Verläufer und Lerkäuserinnrn in der Markthalle aus dem Marhernekeplatz zu teil wird. Die bedauernswerten Frauen, die. um auch einmal billiges Fleisch zn bekommen, sich nachts um 1 oder 2 Ubr bereits anstellen, haben wiederbolt feststellen müffen, daß sie. trotzdem sie trotzdem sie bei Eröffnung des Verkaufs mit zu den Ersten ge- hörten, sonderbarerweise die gewüns-bten Fleischstücke gar nicht mehr erhalten konnten. Die AufsichtSorgane tären gut, darauf zu acbten, daß das geiamte zur Verfügung stehende Fleisch offen ii nd frei vor der Käuferschaft auS- gebreitet wird, damit sie wählen kann, und daß ohne jede andere Rücksicht zuerst einmal die wollenden Frauen bzw. Käufer der minderbemittelten Bevölkerung bedacht werden. Eine Senossenschaft Deutscher volkserholungeheime ist vor einiger Zeit gegründet worden, die den löblichen und fördernswcrten Zweck verfolgt, den Angehörigen de« Mittel- und Unte, klaffen für die Zeit des Urlaubs und der Ferien Wohnung»nd Verpflegung zn erfchiving- lichen Preisen zu verschaffen und zwar in ErholungS- he'men. die sie zu diesem Zweck erbauen bzw. erwerben will Da der einzelne kaum noch imstande ist. bei den ungeheuren Fahr- und PensionSvreii'en sich und seiner Familie»inen»»«wäittgen Erholitiigsansenthalt zu rönnen, so soll der Veriuch der Selbstbikse gemacht werden. Im AutsichtSrat der Genossenschast(Berlin O. 2, Poststr. 10) sitzt Genosse Stadtrat P o e tz s ch). Die tvasprciserhöhnug auf 3,30 Mark pro Kubikmeter kündig! der Berliner Magistrat im Inseratenteil dieser Rummer an. �.edeusmittelpreise des Tages. fufohr; Fische reichlicher. Geschäft flau. Fleisch über Bedarf, Geschäft ruhig-. Obst und Gemüse schwach, Geschäft ruhig. • Am Freitag galten in der Zentralmarkthalle folgende Kleinhandelspreise; Lebende Aale 50 M. Barsche 10—12 IL Bleie 12— 14 M. Hechle 20 M. Karpfen 24-28 M. RIBtzen 12 M. Schleie 25-30 M. Zander 24 M. In Eis: Aale 25-45 M. Barsehe 6-9 M. Bleie 6-10 M. Hechte 14— 15 M. Karpfen 17 M. Zander 20 M. Schellfisch 10 M. Flundern 6—10 M. Schollen 11 M.— Rindfleisch 20-25 M. Kalbfleisch 18—25 M. Hantmelflelsch 20—24 M. Schweinefleisch 25 M. Hasen 14— 15 M. Puten standen auf 30 JL Enten 30 M. Hühner 26—28 M. Wildschwein das Wund 25?>l. Gänse 25— 26 M.— Naturbutter 44 bis 52 M Marflarine 24— 30 kl. Schweineschmalz 32 M.— Eier 5.20 JI. das Stück.— Kartoffeln 10 Pfund SO M. Rotkohl 6 M(ausländischer bis 8 M.) Weißkohl 3.76 31. Rosenkohl 12 M. Mohrrüben 1.50—2.50 M. ZwMwln 4 M, Bituwskeki 12-15 M. } W***# 19 V&l** ♦ eine rationelle Verwendung der großen Mittel für den Wohnungsbau möglich? Kein Zweifel, große Teile des Baugewerbes stehen geradezu unter dem Zwang, volkswirtschaftlich unproduktiv und un- rationell zu bauen. Fast bei allen Bauarbeilen der Stadt Frank- furt war eine Ueberteuerung festzustellen. Die Steuergroschen werden aber auf diese Weise verschwendet. Es ist ja bekannt, daß Preisabmachungen getroffen werden, die verteuernd wirken. Reichsregierung und Länder haben Sorge zu tragen, daß der unwirtschaftlichen Produktionsweife im Baugewerbe entgegengearbeitet und eine Senkung der Preise herbeigeführt wird. Aber wo bleibt dann das Kleingewerbe? Wir kennen diesen Hilferuf. Wir wollen nicht einmal im Urteil so weit gehen, wie Silberberg in der Sozialisierungskommission, als er sagte:„Was sterben will und sterben muß, muß kaputt gehen, damit Neues und Besseres ent- stehen kann." Wir wissen, daß auch in der neuen Wirtschaft das Kleinhandwerk feine Kräfte verwenden kann und wird. Aber die rationellere Gestaltung des Baugewerbes darf nicht leiden. Millionen und aber Millionen werden von dem üderflüffigen Vanfioffhcmdel verschlungen. Die ganze Baustoffproduktion ist heute syndiziert und das hat nicht zu einer Berbilligung geführt. Neben den Syndikaten beteiligen sich auch noch die Länder an der tollen Jagd nach Gewinn, die den Wohnungsbau lähmt. Mit dem Bauholz wird ein förmlicher Wucher getrieben. Die Syndikate sichern vielfach nur rückständige Werke vor der Schärfe des Konkurrenzkampfes. Weil auch die rückständigsten Betriebe noch einen möglichst hohen Profil einstecken wollen, wird die Rationalisierung des Gewerbes hintan- gehalten. Das alles gehl schließlich auf Kosten der Steuerzahler. Die Baustoffe haben sich um das 28sache verteuert, die Lölme da- gegen nur um das Ififache. Reichstag und Regierunq müssen ihr Augenmerk darauf richten, daß ökonomischer gearbeitet wird. Die Zahl der Arbeitskräfte, die zur Verfügung stehen, ist zusammengeschmolzen. Der Krieg hat vor allem die Lau Handwerker und Bauarbeiter dezimlerk. Diele Bauarbeiter haben in anderen Berufn ein Fortkommen gesucht. Die Bauarbeiter können nicht warten, bis der Reicksiag die Mittel für den Wohnungsbau beschafft hat. Bei ökonomischer und ratio- neller Gestaltung des Baugewerbes werden die Arbeiten je nach der Jahreszeit oerteilt und vorgenommen. Dann können auch die Bauarbeiter dem Baugewerbe erhalten bleiben. Der Krieg hat ganz Europa verwüstet, der Wiederaufbau Europas kann ohne den deutschen Bauarbeiter nicht bewerkstelligt werden: seine Lei- stungen sind in der ganzen Welt bekannt. Ersatz für diese Arbeits- kraft gibt es kaum. Wir deutschen Bauarbeiter sind stolz darauf und fühlen uns verpflichtet, am Wiederaufbau der Well mitzu- arbeiten. Wir grüßen unsere französischen Brüder, die sich von dem Gedanken befreien, als ob es ein Makel wäre, wenn deutsche Bauarbeiter die nordfranzösische Wüste wieder in Kulturland ver- wandeln. Der deutschnationale Redner sprach hier ungereimtes Zeug über den Achtstundentag. Es ist doch bekannt und die Unter- nehmer geben es selbst zu, daß der Ächtstundentag im Baugewerbe nicht zu einer Verminderung der Produktion geführt hat. Das Baugewerbe war während des Krieges schlechter bezahlt als irgend- eine andere Industrie. Und nach dem Krieg sind größere Streiks im Baugewerbe nicht zu verzeichnen. Wenn wir dem Gesetz zustimmen, dann tun wir es in der Erwartuna, daß Reich und Länder gegen die Preistreiberei im Baugewerbe Front machen und daß der überflüssige Baustoffhandel eingeschränkt wird. Es genügt aber nicht, daß die Wohnungsfürsorge- und Siedlungsgenossenschaften und die großen Städte zum direkten Bezug der Baustoffe übergehen und dabei die Unterstützung der Regierungen finden. Das Reich muh sich e i g e n e Produktionsstätten schaffen und mit ihrer Hilfe durch Kontrolle und Konkurrenz die Ausbeuterei der Syn- dikate und die Rückständigkeit im Baugewerbe bekämpfen. Im Interesse der Mieter und Steuerzahler ermahnen wir Reichstag und Reichsregierung, diesen Gedanken recht ernst zu nehmen und ernsthaft durchzudenken. Seine Verwirklichung ist notwendig, wenn wir aus dem Sumpf des Wohnungselcnds herauskomme» wollen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Tremmel(Z.) spricht für die Aufhebung der Zwangs- Wirtschaft. Ministerialdirektor Ritter: Das Reichsarbeitsministerwm ve- vorzugt den Bau von Wohnungen für kinderreiche Familien. Es ist mit der Gewährung von Baukostenzuschüssen an Ledigen- Heime einverstanden. Nach weiteren Ausführungn der Abgg. K u h n t(ll. Soz.), Heydemann(Komm.), Bohr(Dem.), I o u d(B. Bp.) und T e u b e r(Komm.) wird die Beratung abgebrochen. Sonnabend 12 Uhr: Weiterberatung.— Schluß gegen 7 Uhr. Zimmer gesucht? Für Landtageabgeordnete werden mehrere Zimmer mögltcht bald aesuckit. Angebote erbitten wir an das Sekretariat der SPD.- Fraktion des Land- lages, Berlin, Landtag, Prinz-Albrecht-Siraßs. Eltelnbund ktir weltliche 2chule. Eonniag. den IS. Februar, nachmittags 5>/, Uhr. in der Aula des Gymnasiums, Steglitz. Heeieftrane. „f o z i a I i st H ch e F e i e r st u n d c». Boitrag des Genoflen Pfarrer -fMeier über„Mehr Picht" unter Mitwirkung deS MätmerzesangvereluS Sleglitz-Friedenau. tter Verein der Freidenker für Feuerdestattnng E.V. Sitz Berlin, der etwa 175 000 Mitglieder zählt und zwei eigene Leichenautomobile in Betrieb bat, hält In der Zeit vom 20. bis 26. Februar Bezirks- und Orts- g'uvpenversammlunge'n od. in der die Neuwahlen der Bezirlsleiter und der Delegierten zu der im März slatllindenden Kenecalveriammlung gewählt werden sowie Jahresbericht und die neuen Mitteilungsblätter gegeben werden. Pavieigenosien und Leser deS„BorwSitS" soweit sie Mitglieder deS Vereins sind, mögen sich rege an den Versammlungen beteilige». (Vergleiche Inserat vom Sonntag, den 19. d. M.) Bolksbildungsamt?k-ur«lln. Die im Staatlichen Schaufpielhause am 12. Februar 1922 nachmittags auSgesalleni Brnttlellung findet am 12. März 1922 statt. Die gelösten EinIriitStarte» behalten Gültigfeit. Näheres i» zirka 3 Wochen in den Tageszeitungen. DaS Zlonzcrt des Hops- TrioZ(Klavier. Harmonium, Cello, Harsch welches aar sonsttag. den 5. Februar, in der Aula des Rcsoim-ZiealgymiiaäuinS insolge LichtmmzelS ausfallen miigie. ist aui den 2. April d. I. m t gleichem Programm oc-.- legt worden. Die Eiiitriltsfarten bebaite» Gültigkeit.-Am 19. Februar findet in der Aula deS Rcsorm-R.-algymnasiumS leine Veranstaltung statt. Kleingärtner, Siedler, Bsdcnrekormer. Sonntag, den 19. Febr., findet um 10 Ilhr vormittags eine vom Zenlralvcrband der Kleingarten- vereine Deutschlands einberusenc Protc st Versammlung gegen die Fahrpreisverteuerung stalt._ Schon wieder ein Riesenbraad. In Duisburg wurde» sämtliche Lager und Werfanlagen des BaugeschästeS Gebr. Kiefer eingeäschert. Die Ursawe de» BrandeS ist unbekannt. Der Schaden beläuft sich auf mehrere Millionen Mark; er soll nur zum Teil durch Versicherung gedeckt sein. Da» abge- brannte Werk war eines der größten dieser Art Im Industriegebiet. SO-MiMarden-llnierfchlogung einesvollzugskomiice». Das geiamte Personal des VollzugSkomitees des Gouvernements Perm wurde verhaftet und dem Gerichte des RevoiniionS- iribunalS übergeben. Der Grund zu dieien Berhaflnngen bildete der Umstand, daß das Petsonal deS Permer VollzugSkomitees in der bei ihm bestehenden amtlichen Geldfabrii für fünfzig Milliarden Rubel Geldscheine drucken ließ, ohne dam von der Moskauer Regieiung beauftragt worden zusein. Der genannte Beirag wurde von den einzelnen Mitgliedern deS VollzugSkomitees für eigen« Zwecke verausgabt.__ Wetterbericht bi« Sonntag mittag. StwsS wärmer, trübe ml teüaetz««ebiig mü Niederjchlägui unl nätzigen f übliche» Uiaba. Mch im Landtag Streitüebatte. Der Preußische Landtag hat sich gestern zunächst dafür ausgesprochen, die Aufsicht über die Arbeitsbedingungen der Ksllne- rinnen weiblichen Gewcrbcaufstchtsbcamtcn im Benehmen mit den Gastwirtsgehilfenorganisattnnen zu übertragen. Angenommen wurde, auch der sozialdemokratische Antrag, wonach als Tarifverein- barungen nur solche Abmachungen gelten sollen, bei denen eine g e- werk fch ältliche Organisation beteiligt ist. Abgelehnt wurde dagegen der demokratische Antrag, wonach Zimmermädchen in Hotels usw.micht unter diese Anordnungen fallen sollen. Es folgt die Beratung der flnträgs zum Eisenbahn- und Hemeinöearbeiterftreik. Ein USP.-Antrag will die Verfügung des Berliner Polizeiprästden- ten vom 1. Februar außer Kraft setzen und mit größter Beschleuni- gung gegen den Polizeipräsidenten ein Verfahren wegen grober Ucberschreitung seiner Befugnisse eingeleitet sehen. Ein KPD.-Antrag wünscht, daß schon vollzogene Maßregelungen rückgängig gemacht werden und neue unterbleiben und der Streikbrcchcrorganisation Technische Nothilfe jede Unterstützung entzogen werde. Abg. ZUcier-Derlin(U. Soz.) wiederholt die bekannten Reden seiner Parteigenossen im Reichstag über den Streik, das Streikrecht der Beamten, die Maßregelungen ufw Abg. Kncth(Komm.) beschimpft die Spitzenverbände, den ADGB. und die sozialdemokratischen Gewerkschaftsführer. Abg. Krüger(Soz.): Der Eisenbahnerstreit hat die Frage des Deamtenrechts erneut aufgerollt. Hier muh es bald zu einer Entscheidung kommen. Jede Partei, die es ernst nimmt mit der Vertretung der Interessen der Arbeiter und Beamten, aber auch mit der Vertretung der Inter- essen des Staates, muß die Ursachen des Streiks prüfen und, soweit berechtigte Beschwerden vorliegen, aus ihre Beseitigung dringen. Leds Partei aber, der es nicht auf leeres Geschwätz ankommt, muß auch prüfen, ob nicht nur auf selten der Regierung, sondern auch auf feiten der Beamten Fehler gemacht worden sind. Die Ursache der Beamtenstreikbewegung ist die gewaltige Preisstciqe- rung. Die letzten Besoidungserhöhungen baben die hohen Be- amten sehr begünstigt, auch in steuerlicher Beziehung. Das mußte Beunruhigung und Erbitterung schaffen. Die Beamtenvertreter ließen sich leider bei ihren Verhandlungen mit der Regierung durch die Drohungen der Regierungsvertreter, daß dann gar nichts zustande käme, dazu verleiten, sich mit dieser Regelung einverstanden zu erklären. Den politischen Parteien kam es auf eine schnelle Regelung und schnelle Hilfe für die Beamten an. Auch ließ die Regierung nicht rechtzeitig erkennen, daß mit der kam- Menden Brotpreiserhöhung eine Erhöhung der Gehälter eintreten werde. Die berechligken Ansprüche der Beamten müssen erfüllt werden. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Kommunisten haben es sehr leicht, unerfüllbare Forderungen zu stellen, denn sie machen ja bei der Lösung der Aufgabe nicht mit, dem Staate auch die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen.(Kommunistische Zurufe: Erfassung der Sachwerte!) Die„Rote Fahne" hat, als zum erstenmal von der Erfassung der Sachwerte die Rede war, diesen Plan als S ch w i n- d e l bezeichnet. Das Arbeitszeltgesetz war erst in einem Borstadium und konnte deshalb nicht Gegenstand eines Streikes sein, ebensowenig wie die Behauptung, es drohe die Stinnesierung der Eisenbahn. Ties« könnte vom Reichstag nur mit Zweidrittelmehrheit beschlossen werden, da es sich um eine Derfassungzänderunq handeln würde. Wir ncbmen nicht an, daß die Kommunisten der Rechten ihre Stim- wen auch hierzu zur Verfügung stellen werden.(Heiterkeit.) Der Eisenba.hnerstreik ist nur zu erklären aus der gewerkschaftlichen Uner- fahrenheit der Eisenbahner, der Beamten überhaupt. Unmittelbar vor Ausbruch des Streikes schwebten zwischen den Beamtenver- bänden und der Regierung über die Bcsvldungsfragen Verhandlungen, die einen erfreulichen Verlauf nahmen. Es ist nicht gewerk- schaftliche Art, daß in einem solchen Augenblick sich eine Organi- sation von der Gesamtbewegung r r e n n t und der Regierung ein kurzbefristetes Ultimatum stellt. Das kann und darf sich keine Regierung gefallen lasten. Auch die Sowjetregierung würde das nicht tun. Aber Sie(zu den Kommunisten) wollten ja nur als Hyänen des Schlachtfeldes bei den Bernnlen Stimmenfang treiben.(Lärm links.) Einen Streik mit so unübersehbaren WIrkun- gen kür das gesamte Wirtschaftsleben proklamiert man nickt ohne Einvernehmen mit den übrigen Arbeiterorganisationen. In der „Freiheit" hat Emil Barth ein Urteil über das Vorgehen der Reichs- ycw-rkschakt gefällt, das in schroffem Gegensatz zu den Ausführungen des Abg. Meier steht. Zluch hier gibt es zwei Richtungen in der USP. Unsere Stellungnahme gegen diesen Streik bedeutet durchaus nicht«ine Stellungnahme gegen das Streikrecht der Be- amten überhaupt. Luch die Verordnung des Reichspräsidenten richtet« sich nicht grundsätzlich gegen das Slrntrechl der Beamten, sondern nur gegen diesen Reichzeisenbahnerftreik. Wenn die Deutschnationalen von gesunkener Staotsautorität sprechen und ein scharfes Vorgehen gegen die Streikenden fordern, so erwidern wir, daß die Streikenden zu einem großen Teil ihrer Partei nahestehen und ein Produkt ihrer Erziehungsarbeit sind. Hat nicht die frühere konservative Regierung die Beamten stets unterdrückt und sie zu Sklaven gemacht?(Widerspruch rechts.) Gerade Sie haben ja verhindert, daß die Eisenbahner gewerkschast- liche Erfahrungen machen konnten, und Ihre Partei hat auch maßlos gegen die Regierung gehetzt und die aufrührerischen Be- amten, insbesondere die des Kapp-Putfches, stets geschützt. Ilnd jetzt wollen Sie sich als Hüter dieser von Ihnen selbst untergrabenen Staatsautorität auswerfen?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Streik ist auch nicht von der Reichsgewerkschaft geführt worden, um die proletarische Einheitsfront herbeizuführen, fondern weil sich die Beamten gerade gegen ihre Proletarisierumi wehrten. Für Polizeibeamte darf es unter keinen Umständen ein Streitrecht geben, weil sie ein politisches Machtinstrument des Staates find. Amts- gerichte machen viele Dummheiten. Daher wundert mich das Vcr- halten des Schöncbcrgcr Amtsgerichts, das die Satzungen der Reichs- gcwerksÄakt mit der Streikklausel genehmigte, ganz und gar nicht. Der Vorschlag, die wohlerworbenen' Rechte der Beamten abzubauen, ist undiskutabel. Wer sie ihnen nimmt, macht sie zu freien Arbeitnehmern und unterwirft sie damit dem Willen ihrer Arbeit- geber, d. h. ihrer Dienstvorgesetzt«,. Jede Rcqierungsverändcrung würde dann auch z» einer völligen Umgestaltung des Beamten- apparates führen. Dabei ist eine geordnete Verwaltung unmöglich. Auch die Beamten haben das Koalitions- und Streikrecht, allerdings! nicht in dem Ausmaß wie die freien Arbeiter. Es muß ein» Regelung dieses Streikrechts herbeigeführt werden, die, bevor es zum Streik kommt, die Durch- führung eines genau geregelten Schlichtungsverfahrens vorsieht, s an dem die in Frage kommenden Organisationen beteiligt sein müssen. Dabei machen wir keinen Unter'chied zwischen den lebens- j}1- länglich angestellten und den sonstigen Beamten. Daß das nicht eine Verletzung sozialistischer Grundsätze ist, beweist die Stellungnahme des sächsischen unabhängigen Ministers L i p i n s k i. Uebrigens ist ja auch in Rußland jeder Streik in Staatsbetrieben verboten. Gewiß sollen städtische Beiriebe Aiuslerbelrlebe Groß-Serlmer partewachrlchten. Bezirksvorstand. henie nachmittag S Uhr: Wichtige Sitzung im Sekretariat. Lindenstr. i. Die üreisvorsitzendendeu sind ganz besorders eingeladen. sein. Aber auch hier gibt es Grenzen, die gegeben sind dadurch. daß wir in einem krpitalistischen Staate leben. Stellen sich in solchen Betrieben Differenzen heraus, so muß ein Ausgleich gefunden wer- den, was leider zwischen dem Berliner Magistrat und seinen Arbei- kern und Angestellten nicht geschehen ist. Das Kampfobjekt, die Gel- tungsdauer des laufenden Manteltarifs, war eines Streikes nicht wert. Nur die maßlose kommunistische Hetze brachte es dazu. wobei nicht einmal die Streikleitung wußte, worum es ging. Die unabhängigen Magistratsmitglieder haben durchaus denselben Stand- punkl eingenommen wie wir. Auch sie waren sich klar darüber, daß die Technische Nvtbilse eingesetzt werden mußte, nachdem die Streikleitung erklärt harte, daß nicht einmal die Wasserwerke weiterarbeiten sollten. Wenn leider die Gewerkschaften nicht stark genug sind, um die Verrichtung der Notstandsarbciten zu sichern, dann muß eben die Technische Nothilse eingesetzt werden. Ww bedauern, daß durch diesen Streik die Agitation der Rechten gegen Groß-Berlin und die Kommunalisierung so gute Waffen erhalten hat, und hosten, daß die Arbeiter aus diesem Streik die rechte Lehre ziehen und nunmehr wisien werden, w o ihre wahren Freunde zu finden sind.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdem.— Lärm links.) Abg. Blank(Z.) lehnt das Beamtenstreikrecht ab. Beim Kapp- Putsch hat die Beamtenschaft nur einer verfasiungswidrigen Regie- rung die Gefolaschaft verweiaert. Abg. Baecker(Dnat.): Wir haben den Streik weder entfacht noch unterstützt. Die Forderungen der Eisenbahnbeomten waren teilweise berechtigt. Auch wir wollen keine Politik der Rache gegen- über den Streikenden, aber gegen die eigentlichen Führer muß vor- gegangen werden. Der Innenminister hat den Erlaß des Reichs- Präsidenten sabotiert. Minister des Innern Severlng: Herrn Baeckers Wunsch, das Volk zu einer großen Volks- gemei-nschast zu einen, teile ich durchaus. Solche Reden wie die oben gehörte erreichen aber eher das Gegenteil. Herr Baecker sagte, durch den Streik sei nichts erreicht, in der„Deutschen Tages- zeitung" des Herrn Baecker wurde aber der Streik als ein großer Erfolg der Beamten bezeichnet. Die Berbindong des Radikalismus rechts und links trat hier noch deutlicher zutage als im Reichstag. Gerade die deutsch- nationale Hetzerei hat nicht wenig zum Streik beigetragen. Wenn die Autorität der Regierung jahrelang systematisch herabgesetzt wird, können die Beamten wohl zu der Ausfassung kommen, daß ihnen ein Streikrecht zusteht. Die Angrisse Baeckers gegen die Zivilleitung der Schupo weist der Minister als absolur unberechtigt noch. Ich halte die Technische Nothilfe deshalb für eine Nonoendigkeit, weil durch Ihre(zu den Komm.) gewissenlose Agitation die Gewerk- schaften so sehr an Einfluß verloren haben, daß die Erhaltung lebenswichtiger Betriebe nicht mehr verbürgt war. Die Berliner Streikleitung hat uns ja schriftlich versichert, daß sie die Belieferung mit Wasser und die Versorgung der Krankenhäuser mit elektrische»! Strom nicht zu den Norstandsarheiten rechnete. Darauf- gab es kein Besinnen mehr, die Technische Nothilse mit Unterstützung der Schupo einzusetzen. Die Unabhängigen ober sollten wieder politische Ehrlichkeit beweisen und keinen zu großen Unter- schied erkennen lassen zwischen ihren Reden im Landlog und ihren T a t e n i m R a r h a u s. Die unabhänaiqm Stadträte waren mit dem Einsatz der Nothilse einverstanden. Wenn Sie(zu den U. Soz.) sich hier hinterher beklagen, so ist das Politik mit doppeltem Boden. Wer nicht den Mut hat, den Arbeitern zu sagen, daß auch die Macht der Gewerkschaften eine Grenze hat, der ist ein Verräter.(Lärm links.) Die Schupobeamtcn haben nicht daran gedacht, den Streik zu unterstützen. Eln einziger Beamter hat in der Versammlung w der Fidicinstraße vier Durchsckläge eines solchen Aufrufes verteilt und Ist daraufhin sofort entfernt worden. Ich werde darauf hinwirken, daß die Verbände der Schupobeamten ihre Angehörigen noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, daß ihnen ein Streik- recht nicht zusteht. Der Erlaß des Berliner Polizeipräsidenten hat den Eindruck erzielt, daß wir nötigetzsalls scharf vorgehen werden. und dadurch Schlimmerem vorgebeugt. Die Beschlagnahme der Etreikgelder war nur eine vörläusige, eine Verhaftung der ge- samten Streikleitung hätte ich nicht für richtig gehalten. Ich glaube nicht, daß die Bewegung von Bolschewistenagenten des Austzmdes in Szene gesetzt worden ist, es mußte aber verhütet werden, daß unverantwortliche Hetzer es schließlich zum Genoral streik trie- den. Im Sinne der vorliegenden Anträge hat die Preußisch« Re- gierung schon vor der Beendigung des Streiks bei der Reichsleitung und beim Berliner Oberbürgermeister Vorstellungen erhoben, daß nicht etwa ein kleinlicher Rachejeldzug eröffnet würde. Zu den ge- forderten Maßnahmen gegen die Technische Nothilfe kann ich mich nicht bereitfinden lassen.(Bravo rechts und in der Mitte.) So- lange die Gewerkschaften ihre alte Disziplin nicht wieder haben und mit einer Schädigung lebenswichtiger Be- triebe gerechnet werden muh, ist die Technische Nothilse nicht ab- zuschössen. Wenn es sich um die Gesundheit von Volksge- nossen handelt, müssen wir eine Organisation haben, die frei von Tagesmeinurigen ihre Pflicht tut. Wenn vorhin auf Berg- arbeiterstreiks hingewiesen wurde, so traue ich den Bergarbeitern soviel Pflichtgefühl zu. daß sie auch bei erbitterten Lohnbewegungen die Schächte nicht ersaufen lasien und so der deutschen Wirtschaft unermeßlichen Schaden zufügen.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Ein kommunistischer Antrag, die Amnestieanträge morgen auf die Tagesordnung zu setze», wird abgelehnt. Sonnabend 11 Uhr: Weiterberatung, Kleine Dorlagen, Schluß nach k Uhr. .eng), Rruno Lchnert(Bioline), Eugen Eouerboen(Klioier). Ptogrammo zum Preise von L M. lind noch an der llasse zn Hoden. heule, Sonnabend, den IS. Acbraar: l:)l. Abt. Riederschinhauscir. Vü Uhr Funttioniirsitzung bei B entert, Ahwno- Juristische Sprechstunde joden Sonnabend 4 bis 8 Uhr Rosinen Spandan. 'i:str. 4. ZNorgen. Sonnfaej, den 19. Februar: 20. Abt. 10 Uhr Sitzung der Porteifunklionlire bei Pose, Kolonicstr. Id. M. Lbt. O'/j Uhr bei Schirm, Ehorlottensir. Ö, Flintlioiiärsitzung. 45. Abt. 10 Uhr Sitzung sämtlicher isunktionlire, Betrirdsverlrauenslonie, Elierndciriite im Lolol früher Minnig. ßorstr: Str. 8b. «I. Abt. Reuibla. 9 Uhr fftughlaltvcrbrci'.ung für die Aonsumgonosienschast vom Lotal Ruppelt, Kaiser-Friedrich., Ecke Noseggersirohe aus. Unsere Ge- noffinnen und Genossen morden um rege Deieiliaung ersucht. S'.sippe Nordbahv! Ernppcnkonfcrenz in Hohen-Nenendorf, naedmiltaas 9 Uhr, Lolal Klaus, am Bahnhof. Thema:„Eemeindovorfassung". Ref. Ecnoffo D-iigcmiMer. Insbesondere Heu«Semcindevcrtreiern rriro Erscheinen zur Pflicht gemacht. Srnppe Errne». Gruppeukonfcrcnz nachmiitaas 9 Uhr bei Handike. Thema: „Die Krantenkassenloahl in Riederbarnim�. Ref. Genosse Rilhl. Krummensee. Nachmittags 8 Uhr öffentliche Versammlung im ckolal Birkssolg. Thema:„Die politische Loge". Ref. Genosse Woywod. Iungsmialisten.«Seupvc Schöneberg-irriedenari. Kreiswcindernng durch den Krämer-Wald. Trcsfpunk.- früh*46 Uhr Sahnhof Schöncberg. Fugenüveransta!tungen. Oerel» Ardelter- Jugend Sroh Berliu, SB. 08, Lindenstr. S, 2. ßof, 2 Top. Telcpheq Moritzplag 121 08—121 10. heute, Sonnabend, den IS. Februar: Heute abend 7 Uhr beginn! im Wohlfahrtsminifterium, Leipziger Sir. 8, Zimmer 105, die Ailsholocgneriiche Iuzrndfiihrerschuie mit dem Vortrag:„Al- tohol und altoholische Eetränle". Jeder Jugendliche kann daran unentgeltlich teilnehmen. Der 5. Abend de« Wanhcrlciterknrlng. findet Heu!« abend um 7 Uhr im Jugendheim, Lindenstr. 8, 2. Hos, 8 Treppen, statt. Vortrag des Genossen Mllnilc über„Kartenkunde", anschliessend gemeinsame Diskussion. Morgen, Sonnkag, den 19. Februar: Bohnsdarf. Desuch de: Eiernivarte. Anschliessend Desuch der Abteilung Niedcrschöncweide. Treffpunkt 8 Uhr Lahnhof Grünau.— Britz. In der Aula der 1. Eemeindeschule, Ehausscestr. 182, Elternabend. Einlriit 1 M. Anfang 6 Uhr.— Halcasee. Schnltzellagd nach dem Ernnervald. Treffpunkt. ZHO Uh: Bahnhof Halensee.— Schönederg l. Wanderung durch den Faiien Hagener Ferst. Treffpunkt 94.5 Uhr Bahnhof Sä'öneberg.— Reickonberger Viertel. Besuch dös Echlossmuseus. Treffpunkt th« Uhr Görlitz«! Bahnhof, UnfaUstation. Arbeitersport. Neue Turnabteilungen Westen und Wcdding. Im Westen Berlins haben sich sozialistisch« Jugend- und Kinderoruppen nebst einer Anzahl Genossen der„Freien Turnerfchast Gross-Borlin anz?. schloss-n. Da im Westen Berlins die Arbeiterlurnberoegung noch sehr schwäch ist, so roerdcn Turnfrcunde und Eltern um ihren Beitritt und Agitation unter Jugendlichen und Kindern gebeten. Turnstunden: Turnhalle? u I m- st r a(j r 15: Dienstags)46— ZjS Uhr für Mädchen: M— MilO Uhr für Er wochsene: Donnerstags v— 8 Uhr für Knaben.— Turnhalle G e n t h i n e r E t r a tz e 4: Mitnoochs von>,H6— HS Uhr für Knaben. Ferner ist der„Tu rn. Sportverein Wedding 1802", einer der ältesten Turnvereine Berlins, mit etwa 500 Angehörigen und Turnabteilungen für Männer, Jugendliche, Turnerinnen und Kinder, der„Freien Turnerschaft Grotz-Berlin" beigetreten. Eule turnerische und sportliche Kräfte dielen Ge- währ für einen guten Turnbetrieb. Als Turnhalle steht die Holle des Lossiug. tOvmnastmns. Panlstr. 18, eine der grössten Hallen Berlins, sowie die Turnhalle Panistr. 20-22, zur Verfügung. Die Arbeiterschaft des Wcbdings, befo». bers die Jugend, wird um Unterstützung der neuen Abteilungen gebeten. Jugend- und Kindergruppeu föwie Turn- und Sportvereine, welch« sich dem Ärbeiter-Turri- und Eportbund anschlichen wellen, können.nähere Auskunft erhalten bei F. Stllhm, Neukölln, Pannierftr. 18. tipvetkartell Eharlottendurg. Der am Sonntag, den ö., ausgefallene Pro pagandaadend findet in nächster Zeit statt. Die gekauften Billetts behalten ihre Gültigkeit. Bitte die Presse zu beachten. Märkische Tviel-Direlnignnq(Bez. Grotz-PerLn). Um dem. Beschloß des Berrretertages Geltung zu verschaffen, fallen die für den 19. Feoruar-'angc setzten Fußball spiele aus. Zeniralansschuß. I-. St.: Erich Seeij.— Sorten- I v i e I e: Auf den Plätzen an der Cchönimuscr Allee: Fichre-OO l—?darz»tt-n- burg!t lOVi— 12 sDittbörner— Haubenschiid): Lichtenberg I— Fichte III- r-'r-8 (Rothe— Lenz): Fichte 12 I— Roland 8>ch— 4(Klahn- Kroll). Sporlviatz in Wilmersdorf, Württemderpifche Straße: Schönholz I— Fichte 101 0— lOM>. tKiene- Düsse); Moabit N— Ficht« 12 II lOVi— 12 lSerzog- Sallensloben). Städtischer Spielplatz in Schönholz: Schönholz 11— Moabit IN 2— 314(Schröder— Brust). Der Arbeiter-Turn- und Svortbund, 0. Bezirk, Kreis l patra Sonnt. 2l/t: Louis Ferdinand Prinz v. Prciiften b: Bajazzo.— Das Abenteuer Kammerspieie L: Anstel Stß?»/,: Die deutsch. Klclcsiddter Vjt: Kaazllst Krehlcr Gr.SchaQspielh. (Karlstra.c) n>- OrpUeu» in.er Unterwelt Sonnta* TU: Orpheus In der Unterwelt Theater I. d. Koni�grätz.Slr. Täglich 7.30 Uhr: SieradKiich.58- scbiebtsnOapeli- mslstsrs Kreisler KomOöleuhans Täslich 7.3« Unr: mit Maria Orska Joh. Riemaan Ralph Art. Roberts Berllaer Theat. Heute/ Uhr; Zugunsten der Wohlfahrtskasscn des Vereins Berliner Presse i Einer von unsere Leat! mit Carl Clewlajc« Oscar Sabo und Leonhard Haakel m......' Die Sensation der diesjährigen Theaterspielzeit: NillllUllltlllKIlUMIlllllllUUUlllllllllUlllllilUliUlUflllllllllininitlllilllUllllllltillHlllllillllllUlllllllllllllllllllllllllllllllllUU Sie wimderlieben QeseUeiien des Jüpethaelsfers Jtreisler Phantastisches Melodram nach E. T. A. Hoffmanns Leben und Erzählungen tn 3 Teilen(42 Bildern) von Carl Meinhard und Rudolf Bernauer, Musik mit teilweiser Benutzung von Motiven aus E. T. A. Hoffmanns Oper„Und ine" und Mozarts„Don Juan" von E. N. von Reznicek Regie: Carl Meinhard and Rudolf Bernauer Hauptdarsteller: Ludwig Hartaa ✓ Alfred Abel s Charlotte Schulij s Paul Btldt Frieda Richard s Robert Scholz s Robert Klupp y Ernst Dernburg Paul Rehkopf y Hermann Picha y Heinz Alexander y Willy Appell Albert Spenger y Ernst Behmer u. a. m. TtSfjlicß 7.30 Vßr im Tßeaier 1.. Traumlandschstt lBalieU> DL Szene am Baum. 1«. Tor dem Wehnhaoee d. Familie ilark. 77. Julias Zimmer. 72. Theodors Zimmer. 7S. äuüue Zimmer. 74. Wehazimrner h. FarnBIe Aark. Iß. TuIIas Zimmer. 7«. Die eebwarze Messe 77. Klostersakristei. IS. Julia« Zimmer 7. 19. Wohnzimmer bei Ts- mllle Mark /zeitig. 20. Julia» Zimmer. 21. Ratl im Hause des Beichea. 22. Julia» Zimmer. 26. Theodors Zimmer. 2. Teil:„Euphemia'' t 24. Saal Im Schlosse r.u- Dresden. 25. Die Neider Kreisler»(Nacht- spnk). 2ß. Theodors Zimmer. 27. Aratsr.immer des Ministers. 28. SchloBparlc. 29. Kreisler bei der Arbeit(Nacht- spuk), 80. Bühneneingang. 91.1 Die Bühne des Eoftheute« tn Sil Dresden(Opernaullülining). 33. CübnoDeingang. 3, Teil:„Dorna Annagt 34. Theodors Zimmer. 33. Die Btihne des Hoftheaters Ib Potsdam(Opernszene). 38. Theodors Zimmer. 37. Die Bühne des Hofthaters In Potsdam(Opernszene). 38. Theodors Zimmer. 38. Jn der Theaterloge Nr. 28. 40. Theodors Zimmer. 41. Die Bühne des Hof-"1 theaters in Potsdam(Nach� mit der Theaterloge( spuk. Kr. 23 j 42. Theodors Zimmer. Bas Tagesgespräch von Bertin! Veihsiit'ine Theater am Bülowptat? 7, D. letzte Stunde Thoaf. a Kottb.Tor TeLMuritz.IS077 Sit(lL7",UI)tM. 6lo nechi». 3 U. 10 gerten! »Itz! RomitI Rm.Hdlb.Pteis« Vuh.i l-l'i,u4 6 RelchshallenTheater AllabenJIich 7V, Uhr o. Sonnt, nehm. 3 U. Stettiner S S n K e r Nachm. halne Pr Üehrenstrahe 84 7-1, Uhr Das lustige Februar. Jjom&er %SWattoei ysg.Katsrrh, Husten us.w MM noch zu billlKen Preisen solange Vurrat reicht garolTeilzalilüss bei kleinster An- und Abzahlung Bfirgerl'ebe Wohnyngseinricbi 'Miizlm,Scliiafziinn. SpelsezIiiiin.Herrßiizloin. Bunte Küchen Einzelne IHSbel Liefere auch n. aus». Lagerung; kovtenl, Möbsl-GohR Gr.Ffank!urterStr.53 3 Min. v. Atexandcrpl, Fil.Badstr.47/48 > Min.v.Bhi.Gesundtr. .�Sehansp/ff/, An die Äbonnenlen! Uro sämtlichen Abonnenten die Aufführungen von Orpheus In der Unierweli zu ermöglichen, werden folgende Vorstellungen verlegt; die für den 28. MSrz vorgesehene Vorstellung auf den 22. Februar a„. 22, März„ 24. Februar ...10. April„„.. 22. Februar ... 11. April a... 28. Februar a a, 12« April...» 2. März ... 13. April, a a a 4. März a a a 25. April a a». 8. März Die am 29. Dezember 1921 ausgefallene Vorstellung ------ wird am 22. Februar nachgeholt---------------- Karten-Umtausch nicht erforderlich. HANSOM BAROCK DOMÄNE Die hochwertigsten aromatischen Zigaretten »«u- Jede unserer Packungen trägt das Bild unseres Seniors JASMATZI, des Pioniers und Bahnbrechers üer deutschen Zigaretten- Industrie. Gestutzt auf dessen in mehr als 50 Jahren erprobte fachmännischen Kenntnisse biirgt dieses Zeichen für Qualitäian in höchster Vollendung 3 lehrreiche Helte Ober_____ I, HarnrChpenlelden(ft.scn und veraltet) mit Anhang; Welßllulä d. Frau. 2. Behandlung d Syphilis. 3 Nervenschwache bes Mannes. schwache. Viele Anerkennungen Zusendung völlig diskret. Schreiben Sie S' fort Dr. med. H. Sohmidl. Speziallnstitut G. m. b. H. Berlin NW lIZ.Ratnenowerstr 73,SpiCchst.lO-I,4 7 Üuaiitlts-Bauetens.r zigamn-Fabrfken WklÜI'. GlZei lMeZl Gute Qualitäten von 80 Pf. an faiernoroßeBtrrimer Fritz LoEwe, Berlin-Ff leüBBHD Telephon: Amt Rhein au 1990. Varzlncr Str. 3, KLEINE ANZEIGEN Jedes Wort l.SO M. und Schlafstellenanzelse* das erste Wort«fettgedruckt) l.SO M., jedes weitere Wort I.— M.— Worte mit mehr als 15 Buchstaben zahlen für zwei Worte die für die nächste Nummer bestimmt sind« müssen bis /1kaiÄ'CÄS 4�, Uhr nachrnlttaxs In der Hauptexpedition des Vorwärts« Berlin SW. 68« Llndenstrasse Nr. 3« abxexeben werden. Dieselbe Ist wochen« taxs v#n vormittags 9 Uhr bis nachmittags 5 Uhr ununterbrochen?;e3ffnet ------ I FtüHjaHrsmSutel 195.--, UebergangsmSn- t-l fr5.-, Cooercoat. mdutcl 225.—, Zumpir» tleibcc 850.-, Modell. ' Ziklri'chee Rrenzsuch«, 1 mdntel, MobeDtoftUmc | selten schbn, 475, Pracht- spottbillig. Riesenaus» voller Silbersuchs 575, roah! direkt. Werkstatt. m Siloecmolf 4'" perkäuflich. Goldmdnn,: scherinartt. »usterdem Eilberwolf Ältnlann, Rvsenthaler. uni, Blunfuchs billig strast, 44, III. Hecke- », Klerai'.drinenstraze 4411, '�Tcke ktommondanlen. str-ste.» kW.-veÄÄli.fiiente!' KfdiWW GoltzstraEv 9 Noilendor; 1613 Uni äug»�2 Uhr Vorsiailuni allsiirdüch! IlsalsrOslsns IR.se-Tbeater) 37i Uhr: l«öl Nacht t/, Uhr: Die Orifin von Ksmpinsiii rSLIESCAPRiCfi l.inicusir. 132 Täglich'1,0 Uhr: D. Liebeskanapee Das Kfiuzctaen Die falsch« Nummer Frd.Orünecker. R. Berel vir. Strebe! «IttenseSf», Silberfüchse 4M,-, Rteujfüchft S00,-,«BT. I» 400,-. GelstsUchse. Röbel«.«lo-!a!llchse. Skunks. Rarder enorm billig. Pelzmäntel 2000.—. � Spsrtpelze Z-hrrabankanf. Stnienstraste 1>. HOT' f eifur-Äu; j �rierTeSÄc.�: ftnlagec, ffielegcnljeiten. ftec, Cutnmana, So Sie linden. w°- Sie stitnle. Mäntel. Tc. '"""- 212 L verkauft Leistbaus i-eihhan»> Röbelkredit. Schöneberg, Seban- bei kleinstrr Än- und straste 7, gegenüber l'Aböabluiig. 7lon:ple|lc Bahnhof, beleiht höchst.! Wohnung«- Elnrichlun- zahlend alles. Stets gen. eidjene Schlafzim» Verkauf oon Werl- mer. farbige»Uchen. fachen. Stephan 2033. einzelne Möbelstücke. Richard tkichelmann.»jEärilch. Stralauer Plast Leihhaus Friedrich.«cke Zruchtstrak«. ftrahe 2 fKallesches Tor) �881 Schlestschen Hahn- ocrkauft lootlbllllq|b»s�___ Serrengarderobe uns| 180! PeLzwaren. Reine Lom- entzückende Rstchen, bardware.»j weist, farbig und la. unm« Joseph Zaiatfi, Goldschmied, kaust zu günstigen Preisen: Pia- Iln-, Gold-, Silberbruch, unmodernen Schmuck, Rahngebille.Brennstlst.-. Eigene Verwertung. Goldwaren-�abrii. Brunnenstraste ISO.* «istol RTcibmigeftiSt, Wäsche, ....... kauft. tersebiedenes Selb sofort auf Pfandscheine. Zvertsadien, Wäsche. RücklaufsrechL Joseph. Vraunsbcrgcrstr. 4. «ovie Retalibettcn n.'I J'"-, i l-Ume. Mäntel. Tco- stichen, gut und billsg. picho, Gardinen. Wäsche vorkauft Leihhaus Wilhelm» 16» MrmknsGti?»Ä*- Alexanderplatz. �.-. Potfterouflagrn,1� J/K-n. �Nte. Äorbm5beI, biDiflflt ttoiiTtd! Älöhelhaus Gelegenheiten. Ringlet, o�en, nur 30 Andreas- 31ciu...n, Wcjerstraste. ftt0ge 80. kinsegnungs- anzüge, Herrenhosen, Schlüpfer, Gummimäntel, Damenmäntel, Wäsche, Sardinen. Der Weg lohnt stch. Riesen» auzwahl. Leihhau» Bsihagenerstraste 47.» Ans Trilzahlunq Serrenanzüge. Gut»- »a». lllstee. Schlllpser. Msderne Rastarbeit. Bequeme, diskrete Ra- teiuahlung. Leiier (»ottiieb, Nollendorf. straste 22». Nabe Nolle::. dorfal-st.«eifffnet 9-7. Moristplast 58». Lombardware. steine lZIst» 700, Shaiselongue» Metallb allbetlen Rsosgezuede Metallschmelze. Neanherstraste 35vll°son:. Prozent billiger. mr+ fW"*'."(n.b«■ Loa, bardware. Leih., �mriVHtLmr.Li stau»_ Nosenlh-lerior.| "inlenftcafeF"33/ 4 Ecke preiswert zum Eintel- Borowskt. R°sÄ-l?eNr'.st-.-«vkausi„Berliner Mä. straste Z. Schallplattcn, alt«, zerbrochene, Silo gramm 27,—. Pla:ten> Umtausch. Sange. Bergmannstrab« (Kreuzberg). Schell-« kauft höchstzahlenb fr den Posteu.*' Unterricht Suche für sofort Balanzierer für Milchzentrisugen (Tellertrommeln), der gleichzeitig alle vorkam- Monden Reparaturen an schwedischen Septv rataren auszufübren hat. Karl Busse, Ber. lin-Neukölln, Weier» straste 175. 83.18 Pr Heinrich rioat-Ru! � Maurer« Ruschueideschllle Statut euerregeudl Sämtliä!« Pelzwaren setzt zu ganz bedeutend herabgesetzten, fpottbil- lizcn Sommerpreisenl steine Versatzwaren. Spezial-Peszoerkaus im Leihhaus! Warschauer» straste 7.• belhaus, Moritz Hir fchowitz, Südosten, Ska Ittzerstr. 25, Hochbahn Kottbuser Tor!» Ghaiselougne», Umbausofa». Auflage- Matratzen, Palentma- trotzen 240.—. Walter. Stargarder Straste achtzehn.» straste 2379.___ «Uberschu stlonat, st' Damenschneiderei. Putz Gebrüder kurse. Schnittzeichnen. Rufchneiden. NäHIurke. Schnittmuster. Lanfmäbcheu bis 18 Jahre, von an- | ständigen Eltern. Z!eu> , mann, Mantcuffel. ; straste 07. T40 Gncisenau� Nollendorf /3 _ 1211! Uz« Ehrl- stöpenicker» Iraste 20»(gegenüber der Manteuffelstraste). kauft"' Rahngebisse. Platinab> Rudolf Maurer', Pripat.Rufchneidrschul« �E-rr4.S«stem>, Znha fälle,«chmuckfachen. Dlühstrumpfasche.Lueck- sämtliche Me. 14«» stlber, toll«. Alfred Maurer. Friedrich straste«1. ge. gründet 1871.■ Herren- und Damen-Schn eiderei. Wäsche. Moden- hutstverlag. Telepho» «ilWmek >ucht Wller Cltilmmu Fabrik tllr gelochte Bleche Sreifswalder Str. 140-41 Kazenssfinifzer finden dsuernden gulbszsliiten PialZ!. Angebole ui>t. F. P. 4032 an RuJ. Mosse, Pforzheim H�etaSlschSeifep und Metalldruckcr suchen tVeiss& Snmek, Botenfrauen u. ESamier werben zu den neuen,(ehr stark erhöhten Löhueu eingellelli: Morlusstratze 30 Mülleritrage 3t-> Petersburger Platz 4 Priu-enstraste Ol Steglitz,? Srraste 37 Wattstraße!) Wübelmshaoene: Str. 4Z Ackerstr 174 Istoppenplatz) Bärwaldstraß» 42 Bastianstraße 7 Boxbagener Straße LZ Grellen dar, euer Straße 22 Zmmanueltirchstraße 2t Lausiger Plast 14,15 Liidc. er Siraße 1 varNqwntde, Räuichstraße 10 Ltehtenberg, Wartendergst aße I Jteutölln. Neckarstr 2 und Sieg'riedstr. 28/29 lllieberichönctvelde, Brilckenstr. 10 Hiederschönhuusen. Trestowilraße 27 Reinickenbocf-Ofl, Provinzstraße 56 Schöueborg, Bclziger Siraße.7 Tempelhus. staisor-Wilhelm-Straße 72 Treplow, stiesholzstr. UZ