Nr. 30»ZH. Jahrgang flusgabe Ä Nr. 45 Bezugspreis i .>a— iSU monatl. 20,— 9H. frei ins Saus, ootaus zahlbar, Poft» bezug: Monatlich 20.— M. einschl. Au- slcUunasgedukr. Unter Kreuzband tür Dentschland, Danzig. da» Eaar- und Meinelflebiet. sowie die ehemals dem- schen Ged'ete Polens. Oesterreich- Ungarn und Luxemburg 54,- M.. für da» übrige Ausland 72.— M Pott- desrellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Llowalei, Däne- marl. Hostand. Luxemburg. Schwede« und die Schweiz Der.Vorwärts mit der Sonntag» beilaae»Voll und geir'. der Unter- ha.lungsbeilage„Seirnwell" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten� erscheiur wochenläglich zweimal, Sona- tags und Montags einuiai. Telegramm-Adreste: »Sozioldemarrot verll«» Abend-Ausgabe rW Deeltnev Volksblakt c Oroß• Berlin 40 Pf, auswärts 50 Pfennig D NnzktgenpreiS, Die zrhngespaltene NonvareMezeN« toste! 9,— M �kleine Anzeige»" das settgedruckte Wort».— M.5 Buchstaden zählen fvr zwei Worte Familien-An- zeigen siir Abonnenten geile 4.— M. Die Preise oerstehen sich eiuschliehlich Teuerungszuschlag. Anzeigen fvr dle n ä ch st e Nmnme, mllsien dl»«>,z Uhr nachmittag« tm Hauvlgrschäst. Berlin SW 08, Linden- Krabe 3, abgegeben werden Geöffnet oon 9 Uhr srllh dl, 5 Uhr nachmittag». Zentralorgan der Sozialdemokrati fchen Partei Deutfchlands Neüaktion und ExpeSttion: 610 6$, einöenstr. Z tifi-rfn-r•«kdaktion ivtorriiplat, I»I!»ä— i»7 Morinvlati I I7ä:t--S4 Mittwoch, den ÄÄ. Februar vonoärts.veriag G.m.b.H., 6SD 68, Lindenstr. Z itpriit»irrrfn»r• gering. t?rpedltion und Iniernten. ,Vrr«,prr»irr.„tt�z�ng Morinplah Zusammenkunst Aop Um Sie verstbiebuna von Genua. London, 22. Februar.(XDXB.) Der politische Berichterstatter des.Daily Ehronicle" erfährt, daß Lloyd George die Absicht habe, sich am Sonntag nach Paris zu begeben, um mit P o i n- rare die verschiedenen Fragen zu beraten, die die Beziehungen zwischen Frankreich und England berühren. Man erwartet, daß insbesondere die Frage der Genueser Konferenz erörtert und daß, wenn möglich, ein Einoernehmen über den Zeitpunkt der Konferenz erzielt werden soll. Man hofft in hiesigen Kreisen, daß die B e r s ch i e b u n g der Genueser Konferenz, die, wie erklärt wird, infolge des Sturzes der italienischen Regiening unvermeidlich erscheint, nichtvonlanger Dauer sein werde. Selbstverständ- llch werde es auch von der französischen Regierung abHöngen, ob die Konferenz bald slattsindeu kann. « .Petit Parisien' teilt zu den Pariser Besprechungen zwischen Lloyd George und Poincare noch mit, es verlaute, daß auch der englische Schatzkanzler Sir Roberr Hörne sich in einigen Tagen nach Paris begeben werde, um mit dem französischen Finanzminister de L a st e y r i e und den anderen alliierten Finanz- m i n i st e r n über die Reparationsfrage zu sprechen. In dieser Hinsicht habe die englische Regierung allerdings die bekannten Vor- behalte gemacht, deshalb sei man noch ziemlich weit oon einem voll- kommenen Einvernehmen entfernt. Das Blatt hofft, daß die Unter- redungen aus das allgemeine Problem der Reparationen, viel- leicht auch auf die Frage der interalliierten Schulden aus- gedehnt werden. Solange Lloyd George seine Gedanken von Ehequers, die er Loucheur gegenüber am 8. Dezember ausgesprochen habe, nicht aufgebe, werde es wahrscheinlich vergeblich sein, die wirtschaftliche Krisis zu heilen, unter der heute Europa leidet. Frankreich und England müßten sich, unterstützt oon der Kleinen Entente, entschließen, schon jetzt die großen Schmie- rigkeiten Europas zu lösen, statt noch weiter auf den Beistand Amerikas zu warten. Englands vorbehalte. Parks, 22. Februar.(EE.) Nachdem jetzt über die BeHand- lung der Rcparationsfrage zwischen Frankreich und England ein« grundsätzliche Einigung erfolgt ist, erfährt man aus dem»Echo de Paris" die Vorbehalte, unter denen England seine Zustimmung in dieser Frage gegeben hat. England verlangt, daß aus den Be- fchlüssen der Konferenz von Cannes die Artikel 8, 16, 16. 17, 18 und 19 als endgültige Entscheidung betrachtet werden und keinerlei Aenderung wieder unterworfen werden. Artikel 8 der Beschlüsse von Cannes spricht von den Besatzungskosten, Anikel 16 von dem Wiesbadener Abkommen und setzt fest, daß das Abkommen nur eine dreijährige statt eine fünfjährige Laufzeit erhält. Frankreich erhält im Jahre 1922 Naturalleistungen im Werte von 969 Gold- Millionen, im Jahre 1923 und 1921 Lieferungen im Werte von je anderthalb Goldmilliarden. Der Ueberfchuß dessen, was Frank- reich im Jahre an Naturalleistungen erhält, muß, sobald er die normalen Bezahlungen Frankreichs übersteigt, von Frankreich in zehn Jahresraten, beginnend am 1. Mai 1926, zurückerstattet werden. Diese Summe wird Frankreich mit Wirkung vom 1. Januar 1924 auf sein Sollkonto gutgeschrieben werden. DieübrigenMächte erhalten im Jahre 1922 Raturallieferungen im Werte oon 69 Goldmillionen. Artikel 16 setzt fest, daß jede einzelne Macht im Jahre 1922 den Wert der Naturalleistungen behalten soll, selbst wenn sich ein Ueberfchuß gegenüber der Forderung für dieses Jahr ergeben sollte. Artikel 17 bestimmt den K o h l e n p r e i s, der an Deutschland zu zahlen ist. Artikel 18 bestimmt, daß die Im Jahre 1921 von Deutschland gezahlte Goldmilliarde mit den im Jahre 1922 zu zahlenden 729 Goll.millionen zu einer Einheit verschmolzen wird, oon der England 699 Millionen für die Besatzungskosten erhält, Frankreich 149 Millionen und der Rest an die belgische Priorität gegeben wird. Der Wert der Saargruben wird dem fran- zösischen Schuldkonto mit Wirkung vom 1. Januar 1922 gutgeschrieben. Eine Wieöeraufboukonferenz in 5onAon. London, 22. Februar.(WTB.)!)eute fand unter dem Vorsitz von Llard Jnverforth eine Zusammenkunft des Organisaiions- ausschusses der Internationalen Korporation für den Wirtschaft- lichen Wiederausbau Europas statt, um die Grundlage zu erörtern, auf der nationale und internationale Korporationen zur Verbesierung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Europa gebildet werden können. Die heutige Zusammenkunft ist die erste einer Reihe von Zusammenkünften, die in den nächsten 2 oder 3 Tagen statt- finden werden. Es nahmen daran teil Vertreter G r o ß b r i- tonniens(Lord Jnverfor'h und Sir John Ferguson), der Der- «inigten Staaten(Scheldon und Fordes von der Firma Blair u. Co. als inoffiziell« Vertreter), Frankreichs, Italiens, Belgiens und Japans. Die Verhandlung ist nicht öffentlich. Lord Jnverforth gab der Ansicht Ausdruck, daß der Ausschuß erst nach Beendigung seiner Beratungen ein« Mitteilung zur Verössent- lichung ausgeben könne. & George-poincarü. Starker Rückgang ües Dollars. An der heutigen Berliner Börse trat eine bedeutende Ab- schwächung des Dollars ein. Nachdem am Vormittag im freien Verkehr der Dollar mit 22S genannt worden war, ging er im offiziellen Verkehr an der Börse bis auf 213 zurück. Man er- klärt diese Abschwächung damit, daß die Nachfrage des Ge- treidegroßhandels und der Industrie nach ausländischen Zah- lungsmitteln nachzulassen beginnt, da die Ankäufe zur Herein- schaffung von Getreide und Rohstoffen vor dem 1. März be- reits beendet sind. Außerdem verweist man auf die Berufung deutscher Finanzsachverständiger zu den Beratungen in L o n- d o n. Am Effektenmarkt zeigt sich ebenfalls eine leichteErmattung.dadie großen Geldgeber in der Ge- Währung von Spekulationskrediten sehr zurückhaltend sind. Meum'er klagt Glemenceau an. Paris, 22. Februar.(EE.) Als gestern spät abends in den Wandelgängen der Kammer die Nachricht von der Freisprechung Paul Meuniers und seiner Geliebten Frau Raoisi oon der durch Clemenceau gegen sie erhobenen Beschuldigung des Landesverrats eintraf, löste sie gewaltige Erregung aus. Man erklärte es nach den jetzigen Feststellungen für einfach unglaublich, wie es möglich gewesen sein tonnte, daß Meunier 23 Monate in Unter- suchungshaft behalten werden konnte. Allgemein wird der Ueber- zeugung Ausdruck gegeben, daß Meunier ein Opfer der Will- kür Clemenccaus geworden sei, der seine Macht als Minister- Präsident dazu benutzt habe, einen unbequemen politischen Gegner abzutun. Wie verlautet, wird Meunier jetzt seinerseits gegen Clämenceau wegen wissentlich falscher Anschuldigung die Anklage erheben. Meuniqr wurde im November 1919 mitten im Wahlkampse bei Nacht und Nebel verhaftet. Man vermutet, daß die letzte Ver- anlassung zu dem Vorgehen Clemenceaus die Tatsache war, daß sein Bruder Albert Clemenceau als Advokat der Gegner Meuniers war. Albert Clemenceau führte als Advokat des Wiener Bankiers von Roberg einen Prozeß gegen den Klienten Meuniers Margulies. Albert Clemenceau habe nun oersucht, da der Prozeß nicht anders zu gewinnen war, sich sowohl Margulies wie seines Advokaten Meunier zu entledigen. Das Wablrecht von k�ortkps Gnaöen. Budapest, 22. Februar.(Ungar. Telegr.-Korr.-Bureau.) Gestern fand unter Vorsitz des Reichsverwefers die staatsrechtliche Konferenz zur Entscheidung der Wahlrechtsfrage statt. Der Reichsverweser erklärte vor allem, die Regierung trage die volle Verantwortung auf ihre Vorschläge und Handlungen bezüg- lich der Neuwahlen: die Konferenz diene bloß dem Zwecke, diese wichtige Frage auf rein juristischer Grundlage zu erörtern.— Der Ministerpräsident wiederholte, daß es sich nicht um eine Abwälzung der Verantwortlichkeit handle.— Von vierzehn erschienenen Fachleuten sprachen sich zwölf für die Einberufung einer neuen Nationalversammlung aus. Bezüglich der Neuregelung des Wahlrechtes herrschte die Ansicht, daß die Regierung freie Hand habe. fius üem Deutstben Gifenbahneroerbanö. Nach einer TU.-Meldung, die nach unseren Erkundigungen zu- treffend ist, wurde in der gestrigen Generalversammlung der Orts- gruppe Berlin des Deutschen Eisenbahnerverbandes von einer Unter- redung zwischen Bezirksleitung und Ortsvsrwoltung einerseits und dem Hauptvorstande des Deutschen Eisenbahnerverbandes an- dererseits Mitteilung gemacht. Der Vorsitzende Scheffel hätte im Namen des Vorstandes erklärt, daß der Streik verkehrt gewesen sei, und daß sich sowohl B e z i r k s l c i- tung wie die Ortsverwaltung über die Beschlüsse des Hau�tvorstandes hinweggefetzt hätten, indem sie sich an die Evitze des Streiks stellten. Die Funktionäre Knebel und Willi Schulz seien den bis jetzt innegehabten Posten nicht gewachsen. Der Hauptvorstand habe deshalb beschlossen, Knebel als Ortsonaestellten nach Gleiwitz und Willi Schulz als Sekretär in das Bezirkssekretariat Berlin zu versetzen. In dieser Zusammenkunft wurde ferner mitgeteilt, daß der H a u p t v o r st a n d mit allen gegen eine Stimmenthalwnq den Funktionär Linke aus dem Verband ausgeschlossen habe.„Wenn die Mitglieder der Orts- gruppe Berlin die Beschlüsse des Vorstandes nicht anerkennen, so sind wir aewillt, die Ortsgruppe Berlin aufzulösen, die Mitgliedschaft als ungültig zu erklären und eine neue Ortsgruppe ins Leben zu rufen" Die Diskussionsredner sprachen sich sämtlich sehr scharf gegen den Hauptoorstand aus, doch wurden keine Beschlüsse gefaßt. Die endgültige Stellungnahme der Generalversammlung soll am Freitag erfolgen._ Ein spät abgeschnittener Zopf. Mit dem Inkrafttreten der neuen Heiratsbestimmungen für die Annebörhen des Re�-cheercs hat der Reichswehrminister angeordnet, daß die Einwilligung der Militär- und Marinebehörde zur Aufhebung von Ver- mögensbeschränkungen, wie Hinterlegungen, Sperrung von Einkünften aus dem Vermögen dritter Personen, Grundbuchein- tragungen zur Sicherstellung des Heiratsgutes erfolgt waren, hier- mit allgemein als«rtei't anzusehen ist. Die Hinterlegung von Heiratsgut ist nach den neuen Bestimmungen nicht mehr, notwendig. Streikbetrachtungen. Von Adolf Wuschick. ' Keiner der vielen Streiks, die wir bisher in Deutschland erlebten, hat so große Erschütterungen des politischen und wirt- schaftlichen Lebens hervorgerufen, wie der der Eisenbahn- b e a m t e n. Auch nie standen sich wohl die Urteile so schroff gegenüber wie bei diesem Kampfe. Während auf der einen Seite dieser Streik aufs schärfste verurteilt wird und die bürgerlichen Parteien, allen voran die Deutschnationale und die Deutsche Volkspartei, die härtesten Strafen für die am Streik Beteiligten verlangen, sehen wir auch wiederum, daß sich weite Kreise der Beamten, Angestellten und Arbeiter auf die Seite der Streikenden stellen. Wie so oft, liegt auch hier?le Wahrheit in der Mitte. Es geht durchaus nicht an, die streikenden Eisenbahner einfach in Bausch und Bogen zu verur- teilen und sie als Menschen hinzustellen, die in ganz verant- wortungsloser Weise mit dem Schicksal unseres Volkes gespielt haben. Forscht man nach den Ursachen, die zu dieser Arbeits- niederlegung geführt haben, so findet man, daß leider sehr berechtigteGründefürdie Erbitterung, die sich schließ- lich in diesem Streik entlud, vorhanden sind. Man braucht hierbei nur an die im Spätherbst vorigen Jahres verabschiedete Besoldungsreform zu denken, die geradezu eine schreiende Un- gerechtigkeit darstellt. Während man die unteren Klassen der Beamten nur sehr spärlich bedachte, war man desto freigebiger nach oben. Für die unteren Gruppen hatte man nur wenige tausend Mark übrig, während die Zulagen für die oberen nach Zehntausenden von Mark zählten. Vermehrt wurde auch die Erbitterung durch die vor eini- gen Monaten verabschiedete Steuerreform, durch die wiederum den großen Gehaltsempfängern ein gewaltiges Ge- schenk in den Scboß geworfen wurde. Während die Erleichte- rung bei den Unterbeamten kaum etwas über 900 M. hinaus- geht, beträgt sie nach oben hin bis zu 17 999 M. und mehr. Dazu kam noch, daß diePreisefürLebensmittel durch den wahnsinnigen Wettlauf der Agrarier und Händler von Tag zu Tag stiegen, und daß dadurch die wirtschaftliche Not, besonders der unteren Beamtenschichten, ganz gewaltig gesteigert wurde. Bei den Verhandlungen und auch in der Presse wird den Beamten, Angestellten und Arbeitern sehr oft gesagt, daß sie doch bei ihren Forderungen bedenken sollten, daß Reich, Staat und Gemeinde gar nicht in der Lage wären, die Gehälter den rasch steigenden Preisen anzupassen. Man appellierte auch immer wieder an die Opferwilligkeit, durch die allein Deutschland vor dem Untergang gerettet werden kann. Kann Deutschland nur durch Opferwilligkeit und dadurch, daß die deutsche Bevölkerung die schwere wirtschaftliche Not ge- duldig auf sich nimmt, vor dem Schlimmsten bewahrt werden, dann sollte man diesen Appell nicht nur an die Ar- bester, Angestellten und unteren Beamten, son- dern auch an die oberen Beamten, vor allem aber a n d i e Agrarierund Industriellen, die mühelos ungeheure Gewinne machen, und an die Schieber und Wucherer richten. Man kann nickt von der einen Bevölkerungsschicht, die unter den heutigen Verhältnissen schon ohnehin schwer zu leiden hat, jedes Opfer verlangen, während die andere im Ueberfluß lebt und kaum weiß, was sie mit den mühelos erworbenen Mil- lioncn anfangen soll. Trotzdem muß aber die Frage aufgeworfen werden, ob es nicht noch andere W e g e für die Beilegung dieses Kon- fliktes gegeben hätte. Und da kann man leider den Eisen- bohnern den schweren Vorwurf nicht ersparen, daß sie in recht leichtsinniger Weise mit dem Schicksal ihrer Volksgenossen und nicht zuletzt mit dem der Deutschen Republik gespielt haben. Ein solcher Streik richtet sich ebensowenig wie der der städti- schen Arbeiter und Angestellten gegen die kapitalistische Welt- ordnung, sondern er geht gegen denStaat und trifft am bärtesten die a r b e i t e n d e Bevölkerung. Wenn durch einen Eisenbahnerstreik besonders im Winter die Zufuhren an Lebensmitteln, Kohlen usw. ausbleiben, so werden die be- sitzenden Klassen davon nur wenig oder gar nicht berührt. Sie verfügen meist über ein gut versorgtes Lebens- miitellager, während die Schichten der Arbeitnehmer, die größtenteils von der Hand in den Mund leben, d. h. nur so viel Lebensmittel einkaufen können, wie sie gerade für den Tag gebrauchen. Hatte die arme Bevölkerung unter der star- ken Kälte bei dem Mangel an Brennmaterial schwer zu leiden. spürten die Besitzenden wiedenim nichts davon, da sie ja bei ihren Geldmitteln genügend„hintenherum" kaufen konnten. Und so schnellten wenige Tage nach Ausbruch des Streikes die Preise für Kohle und Lebensmittel ganz bedeutend in die Höhe. Bei einem Kampf von so ungeheurer Tragweite ist es selbstverständlich, daß man sich nach Bundesgenossen umsieht und sich zu diesem Zweck mit den Nachbarorgamsa- tionen verständigt. Das batte d�e Reichsgewerkschaft der Eisenbahner unterlassen. Bor allem hatte sie nichts getan, um die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen. Ein solcher Kampf kann nur mit Aussicht auf Erfolg geführt werden, wenn man über starke Bundesgenossen verfügt und die ösfenMche Meinung für sich hat. Daher wurde in den Kreisen der organi- sierten Arbeiterschaft zuerst der Streik aufs schärfste verurteilt. Da kam plötzlich der Erlaß des Reichspräsidenten und des Berliner Pvlizeipräsidenten den Streikenden zu Hilfe. Die bisher gegen die Streikenden gerichtete Stimmung der Arbeiter, Beamten und Angestellten schlug sofort um, und es drohte, trotz der Bemühungen der Spitzenorganisationen, zu einem Kampf zu kommen, der weit über die Kreise der Eisen- bahner und städtischen Arbeiter hinausging. Daß trotzdem der Kampf schließlich einen Ausgang nahm, der zwar nicht alle Teile restlos befriedigte, aber doch den be- rechligten Wünschen entgegenkam, ist nicht zuletzt das V e r- dienstderSozialdemotratie, die sich eifrig für eine Verständigung einsetzte. Wie auch von der Reichsgewerkschaft der Eisenbahner in ihrem Organ vom 12 Februar zugegeben wird. Hier wird auch der Ausgang des Streiks als Erfolg be- zeichnet, indem unter der Spitzmarke:„Die Ergebnisse unserer Streikbewegung" folgendes berichtet wird: was waren unsere Forderungen? l. Erhöhung derGrund- g e h ä l t e r der Gehaltsklassen I— VII mit sofortiger Zluszah lung einer Beihilfe. 2. Zurückziehung des Entwurfs des Arbeitszeitgesetzes und Ungültigkeitserklärung der nach diesen Entwürfen bereits aufgestellten Dienstpläne. 8. Es dürfen keinerlei Maßregelungen vorge- nommen werden, weder der Lei- ter noch der Streikenden. »■ u 4. Die Regierung muß es d e r Reichsgewerkschaft über- lasien, wen sie als Vertreter zu den Verhandlungen benennt. wie welk wurden sie durch- gesetzt? !. Größtenteils er» reicht! Schleunigste Erledi- gung seitens der Regierung in feierlichster Form durch den Reichskanzler zugesichert. Be ratung in den nächsten Tagen. 2. Voll erreicht! Ein revidierter Arbeitszeitgesetzentl wurf wird statt des von uns be- kämpften mit sämtlichen Spitzen- organisationen beraten werden und infolgedessen den Charakter des von uns oerlangten allge meinen Arbeitszeitgesetze, halten! 3. Größtenteils er- reicht! Sämtliche Entlassain- gen und Kündigungen werden aufgehoben. Rur die bereits ein- geleiteten Führerdisziplinierun» gen werden abgewickelt. Ein- sprüche der Reichsgewerkschaft ge- gen Fehlsprüche schlichtet das Reichskabinett. Zwei Führer dürf- ten allerdings vielleicht auf der Strecke bleiben. 4. Voll erreicht! Die von uns ernannten Vorstands- Mitglieder haben allein und ohne Hinzuziehung fremder Gewerk- schaftsführer die Einigungsver- Handlungen mit dem Reichskanz- ler zu Ende geführt. heute noch ein sehr großer Teil der Cisenbahnbeamten diesen Parteien nach. Verständnisvolles Eingehen auf die berechtigten Wünsche der Arbeitnehmer, gleichgültig ob in Privat- oder Staats- betrieben, ob im Arbeitskittel oder Beamtenrock, ist dringend notwendig. Aber ebenso müssen sich jene Kreise der ungeheuren Gefahren bewußt sein, die sie durch ihr Vorgehen für das Be- stehen der deutschen Republik heraufbeschwören. Wenn sich Regierung lind Arbeitnehmerschaft ihrer großen Verantwor- tung bewußt sind, darf man hoffen, daß in Zukunft solche un° gehcuerlichen sozialen Kämpfe unseren Volkskörper nicht mehr erschüttern, sondern daß es tn gemeinsamer Arbeit gelingt, aus dem furchtbaren wirtschaftlichen Elend herauszukommen. Necktfprechung und Autorität. Wenn das von den Eisenbahnern als Erfolg betrachtet wird, so ist das nicht zuletzt der Sozialdemokratie, die Regierung und Reichsgewerkschaft an den Verhandlungs- tisch brachte, zu verdanken. Man sollte sich darum auch in den Kreisen der Eisenbahner und der übrigen Beamtenschaft klar werden, daß. wie vor Jahrzehnten, auch heute noch die Sozial- demokratie die einzige Partei ist, die bisher praktische Arbeit für sie leistete. Das zeigt gerade auch wieder dieser Streik. Ueber die Stellung der Sozialdemokratie zum Streikrecht der Beamten hat sich der Genosse Wels in der Reichstagsver- Handlung vom 10. Februar deutlich ausgesprochen, ebenso über die Maßregelungen. Die Linksparteien, USP., besonders aber die Kommunisten, hatten wiederum für die Streitenden nichts als radikale Phrasen übrig, während ihre praktische Tätigkeit gleich Null war Die bürgerlichen Parteien, bis in die Reihen der Demokraten hinein, fanden, wie schon bemerkt, für das Vorgehen der Eisenbahner nur Worte Härte- ster Verurteilung. Aus dem Blätterwald der Deutschnationalen und der Deutschen Voikspartei klang ein einziger hysterischer Schrei nach härtester Bestrafung der Streikenden. Leider läuft In der„Deutschen Tageszeitung" schreibt ein'Staats- anwalt Dr. Richter über die Zulassiing der Frau zum Richteramt. Er lehnt sie ab aus Gründen, die eine kurze Be- trachtung verdienen. Staatsanwalt Dr. Richter geht von dem Grundsatz aus:„Ohne Autorität keine Rechtsprechung". Es genüge nicht die bloße Furcht vor der Staatsmaschine, son- dern es müsse auch ein Akt i n n e r e r Z u st i m m u n g, Ach- tung und Beugung vor der Persönlichkeit des Trägers der Autorität vorhanden fein. Die der Rechtsprechung Unterworfe- neu dürften nicht nur sich dem äußeren Zwang fügen, sondern müßten sich auch innerlich der Rechtsprechung aus Achtung vor ihren Trägern unterwerfen. Das aber könne nicht der Fall fein, wenn die Frau zum Richteramt berufen würde: dann fehle der Akt der inneren Zustimmung: das Urteil könne nur als„brutaler Zwang" wirken. Wir vermögen nicht einzusehen, warum ein Mann sich nicht dem sittlichen Urteil einer Frau mitinnererAchtung jj, unterwerfen kann. Hat doch selbst ein Genie wie Goethe das Urteil der Frauen außerordentlich geschätzt und ihm im „Tasso" ein unvergängliches Denkmal gesetzt mit den Versen: „Willst Du erfahren, was sich ziemt, so frage nur bei edlen Frauen an." Aber etwas anderes hätte doch dem Herrn Staats- anwalt bei der Niederschrift seiner Zeilen auffallen müssen: Ist er denn gänzlich blind gegen die Erscheinungen, daß die innere Autorität des heutigen Richterstandes vollkommen im Schwinden, bei den Arbeitermassen direkt im Er- löschen ist?! Der Herr Staatsanwalt, der das Urteil einer Frau innerlich ablehnt, nur weil sie Frau ist,— mit welchem Recht fordert er von den Arbeitern, daß sie sich fortgesetzt dem Urteil klassenfremder Richter innerlich unter- werfen? Wie soll diese innere Unterwerfung beim Arbeiter zustan!z»kominen, solange er weiß, daß der Richterberuf gegen Zuzug aus den unteren Volksklasicn hermetisch abge- schlössen ist, daß nur die Söhne reicher Leute oder höherer Beamter, aber nicht die Söhne von Arbeitern Richter werden können, also nur Leute, die dem Empfinden des Arbeiters fremd gegenüberstehen! Ohne es zu wissen und zu wollen hat der Staatsanwalt Dr. Richter mit seiner Polemik gegen die Frau als Richterin ein wuchtiges ArgumentgegendieheutigeKlassenjustizge- liefert._ FentrumsaZel gegen Aentrumsarbeiter. Die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages des Abgeord- netenhauses hat an Stell« des ausscheidenden jetzigen Obcrpräsiden- ten von Westfalen den christlichen Arbeiterinspcktor und Zentrums- abgeordneten G r o n o w s t i vorgeschlagen. Gegen die Ernennung Gronowskis ist in Westfalen eine stürmische Opposition laut- geworden und ein Teil der westfälischen Zentrumspresse hat scharfe Artikel gegen Gronowski gebracht. Die westfälischen Zen- t r u m s a g r a r i e r, vor allem natürlich der westsäiifche Zentrums- adel, will nicht zulassen, daß ein ehemaliger Arbciker zum höchsten Beamten der Provinz ernannt wird. In dieser Beziehung unter- scheiden stch die rechtsstehenden Zentrumskreise nicht von dem alt- preußischen Adelsdünkel. Wie der„Sozialdemokratische Parla- mentsdienst" erfahren hat, wird die Zentrumsfraktion des Landtages Seknahe. ' Dies ist'die Geschichte von der Tante Christin«, die eines gar tragischen Todes starb, eines ganz seltsamen Todes, die an einer sixen Idee zugrunde ging, einer ganz sonderbaren fixen Jde«.... Tante Christine lebt« da draußen in einem Vorort, wie viele «mdere auch leben. Ihr ging es nicht eben gut, sie mußte sehen, wie sie mit ihrem Bißchen durchkam. Aber sie schaffte es doch zur Not, und mitunter konnte sie ganz sloet sein. Ihr liebstes war, Luftschlösser zu bauen. Sie konnte sich wunder- schön ausmalen, wie dies und jenes gemacht werden sollte, wenn— ja wenn! Da baut« sie sich ein Landhaus mit blühendem Garten, fuhr jede Woche einmal in die Stadt und besuchte ein Theater... ach Gott, es gab ja so viele Herrlichkeiten in der Welt. Nur daß man sie nicht greifen konnte, weil es an dem Zaubcrmittcl, dem Geld, fehlte. Aber vielleicht fand es sich noch einmal. Tante Christine spielte w der Lotterie. Ständig war sie mit einem Achiel oder Viertel tn der„Preußischen" drin. Und ob der Aachener Dom, das Frei- burger Münster oder die Nürnberger Lorenzkirche Geld brauchten, Tante Christine half immer mit, es zu beschaffen, wenn die Kollekte in Gestalt einer Lotterie veranstaltet wurde. Leider mußte Tante Christin« dieselbe Erfahrung dabei machen, die so viele andere beim Lotteriespiel machen müssen: Ob da angekündigt war, daß jedes zwanzigste Los gewinnen müsse oder jedes zweit«— Tante Christine blieb immer bei denen, die nicht gewannen. Es war nun während der Ziehung irgendeiner Roten-Kreuz- Lotterie. Wie immer in solchen Tagen, ließ stch Tante Christine «xtra eine Berliner Zeitung holen, weil dort im lokalen Teil die Hauptgewinne angezeigt zu werden pflegten. Damit zog sie sich in ihr Stäbchen zurück. Nach wenigen Augenblicken vernahmen die Nachkam«Inen Schrei. Man stürzte zu ihr und fand sie in namenloser Erregung. Es war nur schwer möglich, etwas aus ihr herauszubringen. Schließ- lich erfuhr man's. Tante Christine hatte nicht gewonnen, nein: aber doch„beinahe", wie sie sich ausdrückte. Sie spielte das Loos Nr. 341718, und Nr. 341 719 hatte den Hauptgewinn von 199 999 M. gezogen. Dies„Beinahe" war für Tante Christine ein niederschmetternder Schlag. Sie kam nicht darüber hinweg: nur eine Nummer„weiter"! Sie konnte in jener Nacht vor Aufregung nicht schlafen: tags darauf wurde sie von Weinkrämpfen geschüttelt und dann bekam sie ein regelrechtes Fieber. Sic überwand nach einigen Wochen das Fieber, aber eins tiefe Schwermut blieb zurück. Alle Versuche, sie aufzu- heitern, sie auf andere Gedanken zu bringen, schlugen»ehl. Es nutzte auch nichts, daß ich ihr klarzumachen fuchde. w e ihr.Beinahe" ja«wer ganz falschen Vorstellung von dem Vorgang der Auslosung entspränge.... Es half alles nichts. Daß sie nichts gewonnen, das hätte sie verschmerzt wie hunder! andere Male auch. Daß aber eine Zahl so dicht neben„ihrer" den Haupttrcfser gezogen, das emp- fand sie als eine Tücke des Schicksals, die nicht zu verwinden war. Tante Christine welkte feit jenem Ungiückstage dahin wie ein Baum, in den eine Axt tiefe Kerben geschnitten. Sie wurde wunder- lich, mißtrauisch, blieb kränklich, lebensunlustig. Sie hörte auf, Luft- schlösser zu bauen und spielte in leiner Lotterie mehr. Und jetzt, vor einigen Wochen, fand man sie eines Morgens erhängt auf. Sie hatte keinen Zettel hinterlassen, auf dem sie über den Grund ihres Hinscheidens Näheres mitgeteilt hätte. Aber wir wuß'en Ihn gleichwohl alle, diesen Grund. Das Leben hatte allen Reiz für sie verloren, seitdem jenes Beinahe, das im Grunde so gar kein Beinahe war, ihre Hosfnungen enttäuscht hatte. Hans Bremer. Ein neu« Fernheizwerk. Nachdem Deutschland durch dos drückende Vcrsaillcr Diktat vor die zwwgende Notwendigkeit gestellt worden ist, sich in der Kohlenbewirtschaftung die allergrößte Spar- samkeit aufzuerlegen, ist Industrie und Technik unaufhörlich bemüht, die deutsche Wärmrwirtschaft so praktisch wie nur irgendmöglich zu gestalten. Wie bereits in einigen anderen deutschen Großstädten ist man jetzt auch in Kiel dazu übergegangen, nach Art der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke ein sogenanntes Fernheizwerk zu errichten. Dieses Unternehmen verfolgt den Zweck, den u n a u s- genutzten Abdampf der in den genannten Werken befindlichen Turbinen für Heizzwecke zu verwenden. Der in den Kesseln erzeugte Hochdruckdampf wird, wenn er seine Arbeit in der Turbine geleistet hat, dem Ferndampsleitungsnetz zugeführt. Diese Leitungen selbst liegen in Bctonkanälcn: zur ungehinderten Ausdehnung bei Erwär- mung find sie außerdem auf Rollböcken gelagert. Eine sorgfältige Isolierung schützt sie vor Druck- und Wärmeverlusten. Wenn der Dampf durch die Nebenleitungcn der zu heizenden Gebäude gedrun- gen ist, schlägt er sich zu Wasser nieder und ermöglicht beim Durch- fließen besonderer Vorrichtungen die genaue Feststellung des Wärme- Verbrauchs jedes einzelnen Gebäudes. Dieses Wasser wird dann weiter Sammelbehältern zugeleitet und findet wieder bei der Spei- sung der Hochdruckkessel Verwendung. Durch die ganze Einrichtung wird es ermöglicht, von einer Stelle aus eine größere Anzahl räum- lich bis IVa Kilometer entfernt« öffentliche Gebäude und dem Lei- tungsnetz angeschlossene Privathäuser wirtschaftlicher zu be- heizen, als es bisher durch eine örtliche Zentralheizung der Fall war. Diese neue Einrichtung dürfte zweifellos der Allgemeinheit eine nicht unerhebliche Ersparung von Brennstoffen verschaffen. Die„gesteinachten" Kühe. Run also flieht in unseren gesegneten Zeiten der Jungbrunnen auch für die Kühe! Wenigstens soll es nach einem Bericht des pennstilvanischen Staaisbureaus für Tierkunde gelungen sein, bejahrte Kühe„so frisch wie junge Kälber" zu machen» indem man sie mit einem aus den Drüsen von Säuen gezogenen Serum behandelte. Alle die elf Kühe, denen man diese„Steinach- Kur" angedeihen ließ, waren bereits Großmütter: sie erlangten aber ihre volle Fähigkeit des Milchgebens wieder und alle anderen Zeichen der Jugend., cm der Kandidatur Gronowskis festhalten und da auch das prras ßifche Staatsministerium für Herrn Gronowski eintritt, ist nicht dar» an zu zweifeln, daß Westfalen einen ehemaligen Arbeiter als Ober- Präsidenten bekommen wird. Auf einem anderen Blatte steht die Frage, ob das Zentrum nicht in Rheinland und Westfalen ü b e r G e b ü h r bei der Besetzung von politischen Posten bevorzugt wird. Es scheint uns, daß nahezu alle leitenden Posten der beiden Provinzen Westfalen und Rheinland in den Händen des Zentrums sich befinden. Auch der Staatssekretär für die besetzten Gebiete ist ein Zentrumsmann. Die Regierung sollte mit diesen Wegen nun einmal aufhören und daran denken, daß in den beiden großen Provinzen auch Staatsbürger wohnen, die nicht auf dem Boden des Zentrums stehen. Die Entwaffnung üerer v. Kaehne... und wie sie umgangen wird! Der„Sozialdemokratische Parlamentsdienst" schreibt: In Sachen des Herrn o. K a e h n e sind die Dinge nun soweit gediehen, daß die Familie v. Kaehne selbst entwaffnet ist. Da- gegen ist der Gulsinspeklor hellwig noch immer im Besitz von mehreren Jagdflinten und einem Browningreooloer. La dies« Waffen des Gutsinspektors selbstverständlich auch für den Tolschläger v. kaehne in jedem Falle erreichbar sind, ist mit der Entwaffnung der Familie nicht geholfen, wenn nicht auch der Gutsinspektor, der ihres Geistes ist, entwaffnet wird. Die zuständige Polizeibehörde hat sich unbegreiflicher« weife mit dem Einwand abgefunden, daß der Gutsinspektor Hellwig im Besitz eines Jagdscheines sei und deshalb die Waffen führen darf. Wir nehmen an, daß inzwischen der preußisch« Staatsminister Scvering, der sich selbst um die Angelegenheit kümmert, verlangt haben wird, daß auch der Gutsinspektor entwaffnet wird. Wenn in einigen Zeitungen dem preußischen Staatsminister des Innern Vorwürfe gemacht werden, daß er dem Herrn v. Kaehn« nicht in Haft nehme, so ist daran zu erinnern, daß in der Um- gebung von Berlin kein Ausnahmezustand mehr besteht, so daß der Minister nicht die Möglichkeit hat, eine Dauerhast über den Schießhelden zu verhängen. Das Vorgehen ist ausschließ« lich Sache der ordentlichen Gerichtsbehörden. » Nach Meldung der TU. hat der Regierungspräsident von Potsdam erneut einen Landjäger beaufttagt, beim Gutsinspek» tor der Familie v. Kaehne, dem Hauptmann v. Hellwig, ein« Durchsuchung nach Dienstwaffen vorzunehmen. Fallen unter den Begrisf der„Dienstwasje" auch Jagdgewehre? Nachtragsetat unö tvirtschastsbeihilfen. Der Hauptausschuß des Reichstag» beschäftigt« stch am Mittwoch mit dem fünften Nachtrag zum Reichshaushaltsplan für das Rechnungsjahr 1921. Abg. Dr. Pachnicke(Dem.) stellte als Berichterstatter fest, daß durch die fünf Rachtragsetats der ordentliche Haushalt für 1921 aus 17? Milliarden angewachsen ist gegenüber den ursprünglich geschätzten 33 Milliarden. Er gibt dabei der Ber- mutung Ausdruck, daß der für 1922 errechnete Uebecschuß von IS.S Milliarden verschwinden und einem Fehlbetrag Platz machen werde. Die Wirtschaftsbeihilfen sind bereits zur Zahlung angewiesen im Gesamtbetrag von 859 Millionen. Eine wirkliche Reform könn« jedoch nur durch entsprechende Erhöhung der Gruadge- h ä l t e r erfolgen. Anträge der Unabhängigen und der Sozialdemokraten ver» langen, daß widerrufliche Wirtschaftsbeihilf« nur an die» jenigen Beamten zu zahlen ist, deren Gesamteinkommen ausschließlich Kinderzulage nicht mehr als 50 000 resp. 44 000 M. beträgt. Ministerialdirektor v. S ch l i e b e n(Reissinanzministerium) wandte sich gegen die vorliegenden Anträge, deren Befolgung zu den größten Unzuträglichkeiten führen würde. Es würde die Folge fein, daß beispielsweise ein Beamter, der 43 999 M. Gehalt bezöge, platz- lich viel mehr Bezüge erhiette als ein anderer Beamter einer höheren Gehaltsstufe._ Verurteilung eines Kommunisten. Bon der Limburger Straf. kammer wurde der Frankfurter Kommunist Gustav Wolf wegen einer in öffentlicher Volksversammlung gehaltenen Rede, in der er zum Sturz der Regierung und zum Anschluß an Sowjetrußland aufgefordert hatte, auf Grund des Z 139 StrGB.(Aufreizung zum Klassenhaß) zu 6999 M. Geldstrafe verurteilt. Die Prüfung des Professors. Emil Fischer, der berühmt«, vor kurzem dahingeschiedene Chemiker, hat uns noch ei» postHumes Geschenk hinterlassen in seinen Lebenserinnerungen, die unter dem Titel„Aus meinem Leben" als Einleitung zu der bei I. Springer in Berlin erscheinenden Gesamtausgabe seiner wissenschaftlichen Schriften veröffentlicht worden ist. In humorvoller Weise wird hier auch erzählt, wie Fischer Professor in Wllrzburg wurde. Er hott« damals seine Professur in Erlangen aufgeben müssen, weil er stch eine heftige Bronchitis zugezogen und zu deren Ausheilung länger« Zeit auf Urlaub war. Als man nun in Würzburg einen Professor für Chemie suchte, da wurde die Nrchricht verbreitet, Fischer sei ein kranker Mann und komme nicht in Betracht. Der Zoologe Prof. Semper aber, der bei der Berufung eine wichtige Stimme hatte, wollte sich doch erst von dem Gesundheitszustand des als tüchtig ge- rühmten Manne- überzeugen und bot ihn um ein« Zusammenkunft in Heidelberg. Bei seiner Prüfung ging er sehr vorsichtig zu Werk«. „Als später die Sache in Würzburg ruchbar wurde," berichtet Fischer, „erzählten sich die Leute dort, man habe mich von einem Tierarzt untersuchen lassen Genug, Semper machte mir den Borschlag, einen Spaziergang zum Schloß zu unternehmen. Obwohl er viel älter war als ich, schlug er absichtlichlich einen raschen Schritt an, so daß er ganz atemlos oben ankam, während ich, an das Bergsteigen da. mals gewöhnt, mich bei dem Tempo sehr behaglich fühlte. Dann kam die zweite Probe. Semper schlug vor, eine Flasche Sekt zu trinken. Auch das war mir nicht unsympathisch. Der Erfolg diese, Frühstücks war dann auch, wie man erwarten tonnte, eine leichte Betrunkenheit des älteren Herrn ohne Mitleidenschaft des jüngeren Kollegen. Das Examen war bestanden. Fischer wurde nach diesen Leistungen zum Professor in Würzburg berufen. Franz Liszt?„Faukt- Dlnkonle- für groheS Onfieiler, Männer>5 or >md Tenoilolo tAlexandcr Kirchner), gelangt im X. Konzen der Volks» k> ü b ii e am Soni lag mittags'l,Vi Nor im Tbealcr am Bülomplatz unter. Leitung von Hermann S ch e r ch e n zur Ausführung. Tic MilsskaliichO! Kam mersvielc bringen ssreitag ol» Erkiaiiffübrnng' .DI- zerrissene Ho!e-(Tert und Mussk vo i Erich Fikchei) und.Sein« Schwester-, Luilspiei von Helene Fischer(Musil von JacgucS Lssenbach). Tie FriilijatirSaiisiteNiing in der Akademie der.«iiinite wird End» April erössnet werden. Freie Einsendungen Berliner Künstler und zwar iowohl Werke der Malerei wie Plastik sind zugelassen. Sit sind vo» lS. Mörz bis 1. April in der Akademie einzulicsern. Der Kussmaul-�PreiS wurde von der mrdizinsschen Fakultät t» Heidelberg an Pros. Sauerbruch In München verlieben. Dieser Preis wird alle drei Jabre einem dcutichcn Arzt für eine von ihm crio.iuene und bcwädrie Heiimelhode vergeben. Sauerbruch hat sich um dl« Forderung der Lungcnchirurgie gi oge Lcrdicnste erworben. Sine litoniiche Universität ist in K o w n o eröffnet worden. St« besitzt jüns Fatullätcn. ttäOO Tchiisse in einer Minute. Bei den mannigsachen Erflndungen, die den„nächsten Krieg- zu einer nraustgcu Metzelei gellailen werden, wollen auch die Svanicr nicht zurückbleiben. So ha! ein Telcaraphenbe. amier Fernandez AilaS in Madrid ein neues Mnschinengew-ar konstruiert, da« 3900 Kugeln in der Minute schleudern kann. Diese« Maschinengewetz» soll demnächst im marvltanijcheu Kriege zur Anweuömig lommem Straßenbahnreformen. weiterer CinicnatisOou. ?n einer Reihe von Beratungen haben sich die an der Leitimg der Ttroßenbahn beteiligten Dienststellen des Magistrats unter dem Vorsige des Stadtbaurals Dr. Adler mit der Frage der künftigen Gestaltung des Straßenbahnverkehrs und mit der Um- und Auegs- staitung einzelner Linien zur Hebung der Wirtschaftlichkeit unter Wahrung der Derkehrsinteressen beschästigt. Insbesondere wurde die Fraoe erörtert, welche von den seit dem letzten Derkehrsstrci? nicht wieder in Betrieb genommenen Linien, die wegen ihrer Un- Wirtschaftlichkeit eingestellt bleiben sollten, unter Aenderung der Linienführung wieder aufgenommen werden sollen. Visher ist folgendes beschlossen worden: Pom Montag, den 27. d. M., wird der Verkehr der Linie 62, Chariottendurg— Weißcn- see, wieder in dem früheren Umfang aufgenommen werden: die Wogen werden als Ergänzung zu den Wagen der k62 gefahren werden.— Zur Verbesserung der Verkehrsoerhältnisse nach dem Olivoer Platz wird die Linie 89, Neukölln— Zoolozifcher Garten, die bisher über Winterfeldtplatz, Kailer-Allce geführt wurde, u m- geleitet werden und durch die Pariser Straße und Wilmers- dorfer Straße nach dem Stuttgarter Platz(Bahnhof Charlottenburg) geführt werden, so daß eine neue Verbindung zwischen Neu- lölln und dem Bahnhof Charlottenburg, die bisher noch nicht bestand, geschaffen wird. Gleichzeitig wird auch durch die Verlegung dieser Linie eine Entlastung der besonders zu Zeiten des Berufsverkehrs stark in Anspruch genommenes Linien 6(Gerichtsring) und 16(Ring Groh-Berlin) erzielt, für die eine andere Entlastunqsmöglichkeit nicht geschaffen werden kann.— Weiterhin soll durch die Verlängerung der L i n! e B, Grunewald—Anhalter Bahnhos— Moritzplatz, ein Ersatz für die Linie 98 dadurch geschaffen werden, daß dies« Linie bis zum Görlitzer Dahnhof durchgeführt wird.— Eine Reihe weiterer Linienänderun- gen regeln den Straßenbahnverkehr in Schöneber g— S t e g l i tz neu. Die wichtigsten dieser Aenderungen sind folgende: Noch der Kolonie„Linden Hof" soll eine neue Linie 161 den Ver- kehr vermiltein. Diese wird der Linienführung der 61 von Weißen- sec durch das Stadtinnere folgen, und zwar bis zum Wartburgplatz, wo sich die Bahnlinien gabeln: 161 verkehrt nach dem Lindenhof, 61 nach der Nubensstraße in Steglitz.— Linie 5 1, die bisher am Kaiserplatz endete, wird bis zum Wartburgplatz geführt und hat dann die gleichen Derkehrsbczichunqen wie die Linie 56. An Stelle der Linie 66 soll endlich noch die L in> e 7 1 bis nach dem Friedrich» Wiihelm-Platz in Friedenau geführt werden. Skraßenbahn-hochbahn-Umskeigefahrscheine ab l. März. Wie bereits gemeldet, beabsichtigt die Straßen- und Hochbahn «inen neuen Umsteigeverkehr durch die Herausgab« besonderer Fahr« scheine zwischen der Straßenbahn und Hochbahn zu ermöglichen. Wie wir von gutunterrichteter Seit« erfahren, wird die Einführung dieser neuen Umsteigefahrscheine zum 1. März«rsolgen. Der Umsteige- sahrschein wird in zwei verschiedenen Aussührungen zur Erleichterung der Kontrolle ausgegeben werden. Für die um- steigenden Reisenden der Hochbahn, die die Straßenbahn zur Weiter« fahrt benutzen wollen, werden grüne Scheine in Größe der frühe- ren Sammelkarten ausgegeben. Die Straßenbahnschassner verkaufen nur Karten von brauner Farbe, die zum Uebergang auf eine Hoch- oder Untergrundbahnstrecke berechtigen. Wie die anderen Um« steigefahrscheinen wird'durch eine besondere Lochung an den beiden Länasseiten Tag und Stunde der Lösung markiert und damit zu- gleich auch die Kontrolle kür den Zu- und Uebergang geschaffen. Di« Geliungsdauer und der Preis wird mit'dem gewöhnlichen Umsteige- sahrscbein gleich sein, also zwei Stunden bzw. 3,S6 M. betragen. Hierfür können auf der Hochbahn und auckr aus der Straßenbahn Fahrten beliebiger Länae ohne Rücksicht aus die Zonen« «inteiiung der Hochbahn zurückgelegt werde«. Noch immer Kälteferken! Die Brennstofsversorgung der Berliner Schulen ist restlos zu- sammengcbrochen. Seit mehr als 14 Tagen ist die überwiegende Mehrzahl der Berliner städtischen Schulen geschlossen worden. Die Kinder, die sich gewöhnlich am Montag morgen in den Klaffen melden mußten, erhielten immer wieder den Bescheid, daß aus Mangel an Heizmaterial der Unterricht um abermals 8 Tage aus- gesetzt werden müffe. Diese unerwünschten Ferien haben unter den Eltern begreiflicherweise eine nicht unbeträchtliche Erregung hervor- gerufen, die noch dadurch gesteigert wird, daß auch in absehbarer Zeit ein regelrechter Schulbetrieb unmöglich erscheint. Wie wir von zuständiger Seite hören, muß mit der Tatsache gerechnet werden, daß noch weitere 8 bis 14 Tage ver- gehen werden, bevor die Schulen wieder erösfnet werden können. Die Schuldeputation hat trotz vielfacher Bemühungen von dem städtischen Maschinenamt und den Gaswerten auch nicht entfernt soviel Koks erhalten können, als nötig wäre, um die Heizung in allen Lehranstalten in Betrieb zu setzen. Lediglich die Gemeindeschulen, in deren Gebäuden sich Räume der Erwerbsloscnfürsorge. Standes- ämtcr oder Spciseanstalten besinden, haben notdürftig beliefert wer- den können.__ TrogöSien öes Elends. Eine Familie durch Sa» vergifte». Zwei furchtbare Familientragödien, die schonungslos das furcht- bare wirtschaftliche Elend der arbeitenden Klaffe enthüllen, haben sich gestern zugetragen: Mit ihrem vier Wachen alten Söhnchen sind gestern der 88 Jahre alte Arbeiter Bernhard Schönsee und seine 28 Jahre alte Frau aus der Luxemburger Straße 31 in den Tod gegongen. Man fand alle drei nachmittags in ihrer Wohnung mit Gas vergiftet tot auf. Nach hinterlaffcnen Aufzeich- nungcn ist das Ehepaar wegen zerrütteter Wirtschaft- licher Verhältnisse freiwillig aus dem Leben geschieden und hat sein Kind in den Tod mitgenommen.— In dem Hause B e i- sorter Straße 16 wurden die S6 Jahre alte Witwe Luise T ö p p e r, ihre ILsähriae Tochter Erna und deren erst 14 T a g e altes Kind mit Gas vergiftet aufgefunden. Das Kind war schon tot, während seine jung? Mutter und die Großmutler noch Lebenszeichen von sich gaben. Es gelang, beide wieder zur Be- sinnunq zu bringen, doch konnten sie noch nicht vernommen werden. Nach dem Befunde muß anaenommen werden, daß es sich auch hier um einen gemeinsamen Selbstmord handelt.— Am Rande des Grabes hat gestern ferner der 86 Jahre alte Arbeiter August Schu- bcrt aus der Fehrbellincr Straße 39 seinem Leben ein Ende gemacht. Er wurde in der Küche mit Gas vergiftet tot aufgefunden. Der rußif&e Menraub vor Gericht. vor dem Schwurgericht des Landgerichts III unter Vorsitz des Landzcrichtsdirektors Dr. Brecht begann heute die Berhandlung In der Strafsache betr. den Aktenraub bei dem Obersten o. Frey- berg.' Angeklagt sind der nichtbcamtcte Lehrer Otto Braun aus Berlin, der Metallarbeiter Richard Eichler, der Dreher Gustav B o r m a n n, der Gastwirt Franz T h i e I e r t und der Schlaffer Otto B u l l l a n. Braun wird vom R.-A. Dr. G r o ß m a n n. die vier übrigen Angeklagten, die von dem Braun abrücken, werden von den' R.-Ül. Dr. Weinberg, Dr. Oscar Cohn, Lieb- k n e ch t und Dr. Kurt R o i e n s e l d verteidigt. Die Anklage, die vom Staat»ann>aU G o ll n! ck oertreten wird, beschuldigt die Angek-lagten. am 23. Juli 1921 unter Anwendung von Drohungen Aktenpopiere, ein« Mappe und zwei K o s f e r dem früheren ruffischen Obersten von Freybcra gestohlen bjr". einen Ausweis aui den Nomen Lamm des Staatskom. miffars Dr. Weismann gefälscht und Braun von dieser falschen Die berliner Gemeinöearbeiter zum Streik. Eine Rechtfertigung der Haltung des„Vorwärts". Die am 14. Februar vertagte außerordentliche Generalversamm- lung des Verbandes der Staats- und Gemelndearbeiter wurde am Dienstag fortgesetzt. Der Versammlung lag eine ganze Reihe von Anträgen vor, die von Polenske bekanntgegeben wurden. Nachdem dieser sich kurz zu dem Inhalt der Anträge geäußert hatte, wurde die Aussprache eröffnet. Z i e t m a n n vom Jüdischen Krankenhaus erklärte, daß die dort beschäftigten Mitglieder gegen den vorgesehenen Extrabeitrag zur Unterstützung der Gemaßregelten, aber für freiwillige Sammlungen sind. S ch o d t sprach sich für eine Aenderung des Per- bandsstatut» dahin aus, daß ein von der Ortsverwaltung als notwendig anerkannter Streit auch von dem Dcrband fanttio- niert werden müffe. I a n u f ch k e forderte, daß man tüchtige oppofftionelle Kräfte als Delegierte zum Verbandstag zu entsenden habe. P o l e n s k e wandte sich besonders gegen einen Antrag, der die Gründung eines Berliner Verbandes der Gemelndearbeiter fordert. Ueber diesen Antrag könne in einer Generalversammlung der Ortsoerwaltung de» Zentraloerbandes nicht abgestimmt werden. P ä tz o l d(unbesoldetes Mitglied des Hauptvorstandes) erklärte, daß er f ü r die Sanktionierung des Streiks durch den Verbandsvor- stand sei. Der Antrag sei aber nicht durchgedrungen. Nur drei unbesoldete Mitglieder hätten an der Abstimmung teilnehmen können, well sie iafolge der UerkehrsstSrungeu nicht zur vorfiandssitzung kommen konnten. Hierauf sprach der Verbandsvorsitzende Müntner. Vielfach durch Zwischenrufe unter- krochen, führte er im wesentlichen etwa folgendes aus: Der Haupt- vorstand hat ursprünglich der Ortsoerwaltung mitgeteilt, daß der Streik unterstützt werde. Man kam der Spruch des Arbeitsministerium». An dem kritischen Freitagabend konnten sich aber die Berichterstatter, die vom Arbeitsministerium kamen, infolge der Unruhe und Unter- brechungen in der Versammlung nicht aussprechen.— Nach diesem Spruch lag eine Streikbasis nicht mehr vor. Die Situation war ein« ganz andere geworden. Da die nach dem Verbandsstatut erforderliche Abstimmung über den Schiedsspruch nicht vorgenommen wurde, bevor der Streik proklamiert wurde, tonnte die Santtionie- rung des Streiks nicht bejchioffen werden. Der Streik fetzt« am Sonntag früh ein. Am Montag wurden wir nach dem Rathause berufen, wo uns der Magistrat erklärte, daß er unter keinen Umständen zurückweichen werde. Ihm sei von der Regierung ein Ulttmalum gestellt, binnen 24 Stunden die lebenswichtigen Betriebe in Tätigkeit zu setzen, andernfalls die Technische Nothilfe eingreifen werde. Ich habe die Beobachtung gemacht, daß die Bevölkerung den Streikenden mehr Sympathie entgegengebracht hätte, wenn sie davon überzeugt ge- wesen wäre, daß hier eine Arbeitergruppe nur um ihre Lebensfrage im Kampf stehe. Der Magistrat wußte, daß 96 Proz. der Bevölke- rung hinler Ihm standen, und dazu kam für den, der sehen konnte, die Gewißheit, daß der Eiscnbahnerstreik schon am Sonnabend als verloren anzusehen war. Gegen den Streik sprachen das Verhalten des ZdA., der Widerstand der Reichsregierung, de» Magistrats, der Gewerkschaften und die s« h l e n d e Sympathie der Bevölkerung. Jedem Denkenden mußt« sich somit die Frage aufdrängen:„Kannst du zugeben, daß eine Ar- bciterschaft in den Kampf geführt wird, der offensichtlich mit der Niederlage enden muß?" Dcr Streit wäre auch nicht befchloffea worden, wenn in der Versammlung ruhig und objektiv hätte ver« handelt werden können. L a g o d z i n s t i bemerkte in seinen Ausführungen, daß der Streik schon am 16. Oktober(durch den Ausfall der Stadtver« ordnetenwahl) verloren war. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die außerordentliche Generalversammlung de» Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Ortsverwaltung Berlin, stellt mit Bedauern fest, daß die Zusagen des Magistrats durch den Mund des Herrn Oberbürgermeisters Böß, Maßregelungen sollen nicht statt» finden und keine Rachepolitik getrieben werden, nicht eingehalten werden. Sluf Grund des vorliegenden Material« stellt die Generaloer- sammlung fest, daß Maßregelungen langjähriger Funktionäre sowie Maßregelungen von Betriebsräten in großer Anzahl erfolgt sind, und daß weiterhin Aussperrungen von Arbeitern und Arbeite» rinnen in großer Zahl vorliegen. Die Generalversammlung erhebt weiterhin Beschwerde, daß die auf Veranlassung des Magistrats und auf Grund von Vereinbarun« gen der Organisationen cingesclzlen Beschwerdekommissionen in einzelnen Bezirken und Betrieben durchaus einseitig zusammen« gesetzt sind. Di« Generalversammlung richtet an den Magistrat, an den ADGB. und an die Spitzenverbände das Ersuchen, das bei Abbruch des Streiks abgegebene Versprechen, daß keine Maßregelungen statt. i finden dürfen, einzuhalten. Sie ersucht besonder» den ADGB. und die Spitzenoerbände, sich mit aller Kraft für die Einhaltung diese» versprechen» einzusetzen. Die Generalversammlung bringt zum Ausdruck, daß die Unruh« in den Betrieben» über das Borgehen einzelner Betriebs- und Be» zirksverwaltungen, außerordentlich stark ist und erwartet, im Inter» esse der Herbeiführung geordneter Verhältnisse, die Aufhebung aller Maßregelung und Aussperrungen. Der Antrag auf Erhebung eines Extrabeitrags zur Unterstützung der Gemaßregelten, und zwar von männlichen Mit» gliedern fünf und von weiblichen zwei Mark, wurde abgelehnt. Ebenso ein Antrag, dcr eine Verminderung und andere Zusammensetzung des Funttionärkörper» forderte, um ein ersprießliches Arbeiten zu ermöglichen. Dogegen wurd« Der Ausgabe von Sammellisten zugestimmt. Polenske erklärte hieraus, daß«r es ablehnen müffe, die Geschäft« der Berliner Verbandsfiliale«och weiter z» führen. Urkunde Gebrauch gemacht zu haben. Der in Charlottenburg in der Gerviusstr. 19 wohnend« v. Freyberg, der politischer Vertreter des Generalleutnants Semanoff und früher russischer Oberst sein soll, bekämpft die Bolschewisten in Rußland. Er soll die Ausgabe haben, den Austausch von Mitteilungen wirtschaftlichen Charakters zwischen Semanoff und Deutschland zu vermitteln, den ruffischen Emigranten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, sowie den Bolschewismus zu bekämpfen und die gesammelten Berichte über deren Organisation aus aller Welt Deutschland zur Verfügung zu stellen. Der Angeklagte Braun gab auf Befragen zu, der Dater des ganzen Planes gewesen zu sein. Er habe, obgleich er mit den Rechtsparteien sympathisier«. Beziehungen zur Kommunistischen Partei unterhalten, auch mitunter die Geschäftsräume der KPD. in dcr Rofeffthaler Straße aufgesucht. Di« Angeklagten 2—4 gehören der Kommunistischen Partei an: sie sind ohne große Bedenken bereit gewesen, den Raubzug mitzumachen. Ter Stand de? SechS- Tage> Nennend. Au» in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch tarn es neben de» Spurt» um die Bunttwertungen wieder zu zablreichen'Prämienlämpfcn. wobei sich noch alle Fainer in guter Bersaffang zeigten Bei der dreizehnten Wertung, DienSIag ?Ibenb 16 Uhr. fiel on die Mannlchait Loreiiz— Abei gcr ein Trinmvl-Motor- fahrrad al« besondere Piämie für die erlangte Höchilpimktzabl 05). Nach der vierzehnten Wertung, ngcht» 2 Uhr. ist der Stand des Nennens solgender: Laldow— Baiier Ig:!. Lorenz— Nberger 18g, van Neck— N. Huschle l'l7. Stillblink— Nppclbans 85. Habn- Tictz 26 Punkte. Ein« Runde zurück: A. Huschte— Roy 165, Schräge— Kobl lt. Tadewald— Packe- buiib 4 Punkte. Zwei Runden zurück: Jensen— Magnnssen 14 Punkte. Acht Runden zurück: Vlcinmtngs— Wattbour 4 Punkte, öiletch nach 4 Uhr morgens unternahm die Mannichast A. Huschke— Rost einen krättigen Porfiofi. um ih' e Vertustrunde auszuholen, was aber an dcr Wachsamtelt der Spitzen- gruppc scheitelt«. Bis morgens S Ubr sind 3644,316 Kilometer zurückgelegt. �reiheit�-Lügen. Wetter für morgen. tpcrlin und Nnigegend. Ziemlich mild, üderwiegend bewöM, mtt leichte» Regcnsällen und sehr lebhaslcn südwestlichen Winden. Groft-Serlkne? parteinacbricbten. 19. Kreis(Pankow), fiur Jugendweihe am Sonntag, den 2«. MSrz. Im Lnzenm. Körsckn'lr. 42.44, vormitiags ll Uhr. werde» Amiieldunae» aut den hemigcn fiahlabsnde»»ntgegengenonimen. Anherdem lvnnen die Anmeldunae» schrisiiich an da» Ingendlekreiariat. Berlin 632 68, Lindenstr 3, 2 Hos, 2 Treppen, emgc- i reicht«erden. Die Slnschretbegevllhr kostet drel Marl. WleSer ein Luftschiff explodiert. Ein furchtbares Unglück ereignete sich, wie ans New?1ork tele» grophiert wird, in Norfolk, wo das Luftschiff„R o m a", das größte Luftschiff des Halbstarren Systems, explodierte. Bon der 43 Mann starten Besatzung wurden 3S getötet, die übrigen 8 Mann erlitten lebensgefährliche Berletzungcn. Das Unglück er- eignete sich dadurch, daß die„Roma" mit elektrischen Drähten in Be- rührung kam, wodurch das Gas sich entzündete. Die „Roma war in Eampano erbaut. Da die dort eingebauten Motor« nicht den amerikanischen Anforderungen genügten, wurden sie durch andere ersetzt. Glcichzeitiq wurde das in Italien aufgefüllte Helium durch ein anderes italienisches Gas ersetzt. Im Kriegsdepartement wird erklärt, daß die„Roma" eine Probefahrt unternommen hatte, zim amerikanische Motor« zu erproben, die anstelle der italienischen eingebaut worden waren. Ein schwerer Ranbübersall wurde auf zwei Beamte der Stadt- hauptkassc in Köln verübt, die über 366666 M. Lohngelder abholen sollten. Sie wurden in einer abgelegenen Straße plötzlich von Zwei Männern überfallen und niedergeschlagen. Die Räuber entrijjen ihnen die Geldtaschen. In dem hcitiaen Kamvf, der sich nun entspann, wurde den Räubern eine Geldtasche mit 166666 M. wieder abgenommen. Die beiden Räuber entkamen in einem anfahrenden Auto. Pom Genoffen Franz Krüger erhallen wir folgende Mit» teilung: Seit einiger Zeit sucht die„Freiheit" mein« den Unabhängigen unbequeme politische und kommunale Tätigkeit durch hämische, un- verschämte und verlogene Angriffe herabzusetzen, und mich bei der Arbeiterschaft im allgemeinen und bei unseren Porteige» nassen im besonderen als den Vertreter einer unsozialistischen Politik zu verdächtigen. Wenn ich in der Stadtverordnetenversamm- lung spreche, so berichtet die„Freiheit" regelmäßig mit den Worten, ich trete mit dem Anspruch auf, die alleinseiignKichend« Wahrheit zu verkünden. W a s ich gesagt habe, erfahren die Leser der„Frei- heit" meistens ebensowenig, wie meine vor wenigen Tagen im Landtag gehaltene Rede zum Eisenbahnerstrrik und zum Berliner Streik, die die„Freiheit" völlig verschwieg. Denkt man dadurch die unabhängigen Arbeiter noch lange über die Unehrlichkeit und Feig. heit der unabhängigen Politik hinwegtäuschen zu können? In Ihrer Marpennummer vom Dienstag, den 21. Februar, zieht die„Freiheit" einen neuen Anlaß an den Haaren herbei, um einen persönlichen Angriss gegen mich zu richten. Der zum 1. Bürger. meister in Köpenick(Bezirk 16) gewählte Stadtrat Dr Franz (bürgerlich) wurde nach kurzer Amtszeit Direktor der Stadt- rechnungskammer. Der dann gewählte Stadtrat Dr. Göritz(b ü r» gerlich) wurde Infolge Auflösung der Stadtverordnetenversamm- lung nicht mehr bestätigt. Die neugewählte Bczirtsversammlung. die jetzt den neuen Bürgermeister wählen soll, setzt sich zusammen aus 19 Sozialisten und Kommunisten und 16 Bürgerlichen, während das frühere Stärkevcrhnltnis 21 zu 14 war. Die Berhandlungen in dem eingesetzten Ausschuß nahen sich nunmehr dem Abschluß und die Wahl soll heute Mittwoch) erfolgen. Gestern schreibt nun dl« „Freiheit" unter der Ueberschrist„Politische S e l b st e n t» mannung. Die Rechtssoziali st en in Köpenick" einen Artikel, der typisch dafür ist, wie die Unabhängigen jede Geleaen» heit zu dem Versuch benutzen, mich zu verdächtigen, um meinen Ein» fluß in dcr SPD., dcr ihncn ein Dorn im Auge ist, zu brechen. Die„Freiheit" behauptet, unter meinem unheilvollen Einfluß werde der Kövenicker Bürgermeistcrposten den Bürgerlichen ausgeliefert. „Unheilvoll" ist mein Einfluß vielleicht für die USP., da wir un» nicht zu Handlangern ihrer Politik hergeben. Ich habe auf die Bürgerm ei st erwähl in Köpenick nicht mehr Ein» fluß gehabt, als irgendein andere» Mitglied un. ser er Fraktion. Ich bin sogar nur in einem Teil der Sltznn» gen anwesend gewesen. Wir haben selbstverständlich auch mit den Bürgerlichen über dl« Bürgermeisterwahl verhandelt. Be! einem Mehrheitsverhältnl» von 19 zu 16 konnte man die letztere Minder- heit nur dann von der verantwortlichen Mitarbeit ausschalten, wenn die 19 eine feste Arbeitsmehrheit bilden würden. Die Kommunisten führen aber gerade gegen die sozialistischen Mitglieder der städtischen Derwaltung dauernd einen wütenden Kampf, mährend sie mit den Deutschnationalen oft Arm in Arm gehen. Eine verantwortliche, auf den tatsächlichen Verhältnissen süßende Politik ist mit den Kom- munistcn nicht zu treiben und damit ist die„sozialistische Mehrheit" Im 16. Bezirk schon erledigt. Die Unabhängigen haben in Berlin am nachdrücklichsten die Schaffung eines sozialistischen Magistrats oerlangt. In dcr Stadt- oerordnctenversammlung führen sie aber unter der„glorreichen" Führnna von Dr. W e y l einen scharfen Kamps gegen diesen ihren sozialistischen Magistnt. Beim Streik der städtllchen Arbeiter hat die unabhängige Fraktion au» demoqogisch-agitato- r i s ch e n Gründen sogar die eiaenen unabhängigen Stadträte Im Stich gelaffen. Nur ehrliche Politiker können aber für uns zu- oerläffiqe Bundcsgcnosslm sein. Gerade der Artikel der„Freiheit" beweist am besten, wie not. wendig hier die Verständigung mit den Bürgerlichen ist, wenn wir nicht lediglich wieder einen sozialdemokratischen Prügelknaben auf den Posten des Bürgermeister» stellen wollen. Franz Krüg«r. Oewerksthostsbewegung' das schSrffie Mißtrauen aussprach, sowie die Beseitigung der„Schad- iinge"(Welcher Schädlinge? Red. d,„V.") auf dem schnellsten Wege verlangt«, wurde jedoch mit großer Mehrheit abgelehnt. Noch keine Einigung in Dänemark. Kopenhagen, 22. Februar. Im dänischen Arbeiterkonflikt ist nach einer WTB.-Meldung, die im Gegensatz zu der am Dicns- mg mitgeteilten steht, eine Verschärfung eingetreten. Die Ver- Handlungen mit der Hafenarbeiter organisation sind g e- scheitert. Zugleich haben die Elektrizitätsarbeiter, 2000 an der Zahl, die Vorschlüge der Vergleichskommission a b g e- lehnt. Es ist demnach damit zu rechnen, daß der Arbeiterkonflikt bis zu Ende durchgekämpft werden muß. Lohnkampf amerikanischer Bergarbeiter. Wie aus Indianapolis gemeldet wird, hat die Generalversamm- � lang der Bereinigung der Bergarbeiter Nordamerikas | eine Enlscbliefzung angenommen, die Arbeit am 1. April einzu- � stellen, und zwar in den bituminösen und den Anthraziikohlenberg« werken, falls bis zu diesem Zeilpunkt keine Aenderung in der Lohn- i frage erfolgt ist. Die'er Beichlutz wird aber eist noch einer Ab- stimmung sämtlicher Gewertschaitsmilglieder unterbreitet werden. Bctriebsratwahlen der Gemeindearbeiter. Die Streiks der Gemeindearbeiler in den letzten zwei Jahren daben gezeigt, daß die verantwortlirben Spitzen-Bciriebsräle und Obmänner nicht das Verantwortungsgefühl besitzen, das sie ihrer Äollcgenschaft wie aucb der Allgemeinbeit gegenüber iÄnldig sind. Ter letzte Streik war nach den Ausführungen des Verbandsvor- sitzenden Fritz Müutner in einer Beriammlnng der Gemertichafls- lommission schon verloren, als er beschlossen wurde. Die Berliner Gewerlschaftskommiision Halle den Gemeindearbeiler- streik gegen den Berliner Magistrat nicht sanktioniert, weil das Streitobjekt nach Abgabe des amtlichen Schiedsspruchs denn doch zu gering war, um alle lebenswichtigen Betriebe der«ladt Berlin still zu legen. Das konnte auch dem ausführenden Ausschuß der Belriebsräic und Obmänner nicht iinbckannl geblieben sein. Auch nicht die Tatsache, daß das Ctiarloltenburger E,-Werk und das E. Werk Südweit im Betrieb blieben, so daß die Kapitalisten, denen der Kampf gelten sollte, alles halten, was sie gebranchicn, Wasser und Licht, wogegen die eigenen Genossen und Arbeits- brüder in, Osten und Westen sich ihr Wasser von der Straße vier Treppen hoch schleppen mußten, nachdem sie in der Kälte darum gestanden ballen. In Wirklichkeit wurde der Kampi gegen sie ge- führt. Biels lonntcu ihre Arbeitsstelle nicht erreichen oder manaels Stroin nicht arbeiten. Gewiß müssen wir uns gegen den Abbau des Mantellarüs wehren, aber eist die Wege ebnen und in Ver- b i n d u n g mit der GewerkschaflSkom Mission den Kainpf aiiiiiehmen, wenn er Erlolg haben ioll, Trotz der Kurzsichtigkeil der bisbeugen Führer der Betriebsräte sind oieie wiederum als solche vorgeschlagen, Kollegen. Augen aiii! Wählt solche Kollegen als Betriebsräte, die B e r a n l w o r> u n g s- gefübl besitzen und erst dann den Kanipf ausnehmen, wenn sie keinen anderen Weg mehr finden und uns nicht blindlings in einen verfehlien Streit sühren, aus dem wir als Besiegle anstatt als Sieger hervorgehen müssen._ 23. SÄ e de et er. Generalversammlung der Gärtner. In der Generalversammlung der Berliner Ortsvenvaltung des Verbandes der Gärtner und Eärtnereiarbeiter erstattete B e r n o l a t den Geschäftsbericht für das Jahr 1921. Trotz der schlechten Kon- junktur mußten mehrere Streiks geführt werden. Ein Lohnabbau, wie ihn die Friedhofrerwaltungen beabsichtigten, konnte unter keinen Umständen kampflos hingencmmen werden. Slbgcsehen vom Streik der Friedhofarbeitcr wurden die eingeleiteten Bewegungen erfolgreich beendet. Trotz der weitgehendsten Unterstützung durch die Berliner Kirchcngrineinden ist es dem christ- lich-nationalcn Deutschen Gärtnerperband nicht gelungen, einen nennenswerten Anhang zu gewinnen. Den Kassenbericht gab Saar.! Die Ortsoerwaltung hat an Streik-, Zlrbeitslosen-, Krankenunter-' stützung usw. 200 842 M. verausgabt. Es ist möglich gewesen, allen finanziellen Derpflichtunaen nachzukommen. Die Hauptverwaltung: hat die geleisteten Vorschüsse zurückerhalten. Um eine Beitrags»! erhöhung ist nicht herumzukommen. Die vorgeschlagene Beitragsregelung des Ortsvorstandes wurde angenommen. Bei einem Stundenlohn von 10 M. soll ein Beitrag von 8 M. erhoben werden. Die Neuwahl des Ortsvor- ft an des ergab die einstimmige Bestätigung der Slngestellten. Als unbesoldete Vorstandsmitglieder wurden die Kollegen Bocke- nauer, Kohlmeier, Müller, Franz Schmid, Johann Schmidt, Treu- mann und Trumpf gewählt. In der Diskussion wurde das Derhalten der Vorsitzenden der Spitzsnorganisationen beim Berliner Streit sowie die Stellungnahme des„Vorwärts" und der„Freiheit" scharf verurteilt. Eine ein- gebrachte Resolution, welche den beteiligten Spitzenorganisationcn 30 AI. Tagelohn. Die Anzeigengesellschaft ,.A l a" bringt es fertig, ihren Adressenschreibern für eine achtstündige Tätig- k e i t die Summe von 30 Akark als Lohn anzubieten. Wer mehr verdienen will, muß zirka 600 Adressen am Tage schreiben, die er sich dazu noch aus dem Reichsadreßbuch zusammenstellen muß. Der Mehroerdienst beträgt dann ganze 10 Mark. Der Betriebsrat dieser„humanen" Firma scheint nach unserer Information noch nicht den Mut aufgebracht zu haben, der Direktion zu sagen, daß von diesem Hundelohn kein Mensch leben kann. Wir erwarten von ihm, daß er sich an seine Pflicht— wenn er sie vernachlässigt haben sollte— erinnert. Andernfalls dürfte der Zentraloerband der Angc- stellten sich der Opfer eines skrupellosen Ausbeutertums annehmen. Die Generalversammlung des Zentrolverbandes der Alcifcher tagte am Dienstag. Kollege Fritz erstattete an Stelle des erkrank- ten Bevollmächtigten Gaebler den Geschäftsbericht für das Jahr 1921. Er hob hervor, daß sich die Lohnoerhandlungen mit den Arbeitgebern recht schwierig gestalten, da diese nicht' die genügende Rücksicht auf die Teuerung nehmen. Die Arbeitslosigkeit hat leider gegen das Borjahr keinen erheblichen Rückgang zu verzeichnen, obgleich der Arbeitsnachweis in diesem Jahre bester funktionierte. Bedeutung?- voll ist die Verordnung des preußischen Ministers für Handel und Industrie betreffend Lehrlingshaltung. Wird diese Bcr- ordnung konsequent durchgeführt, dann ist zu erwarten, daß die Lehr- lingszüchterei im Fleischcraewcrbe endgültig ausgeschaltet wird. Dar- über zu wachen, ist die Pflicht einer paritätischen Kommission, die ihrer Wahl noch entgegensieht. Der Kassenbericht wurde von Rehberg gegeben. An die Hauptkasse konnten 307 431,47 M. gabeführt werden, während der Bestand der Lokalkasse 24 437,20 M. betrug. Die Berliner Mitaliedschaft hat eine Zunahm« von 260 männlichen und 114 weiblichen Mitgliedern zu verzeichnen. Die Wahl des Bevollmächtigten und des Kassierers fiel wieder! m auf Gaebler und Rehberg. Der S-ktionsvarstand und die Gesamtverwaltung, die bereits vor einem Monat in der Sek- tionsgeneralvcrfammlung gewählt sind, wurden von der Berfamm- lung bestätigt. Der INetallarbeikerftrcik in den Kreisen Hagen und Schwelm hat»ach 14iägiger Dauer iein Ende erreicht. Bei den Berhand« liingen zwischen Ärbeiigebern und Arbeitnehmern ist eine Einigung erzielt worden, so daß die Arbeit Montag wieder aufgenommen werden tonnte. Im Mansselder Bergarb-iterstreik wurde heute nacht in den vom Reichsarbeitsminister nach dem Oberbergamt Halle einberufenen Berhandsiingen folgender Schiedsspruch gefällt: Zlllen Ar- Keltern über 21 Jahre wird eine Lohnerhöhung von 11 M. pro Schicht(gefordert waren 20 M.> zugebilligt. Die Arbeiter unter 21 Jahren werden anteilig gestaffelt wie bisher im Tarif entlohnt. Der Schiedsspruch geht ferner dahin, daß die Arbeit sofort wieder aufgenommen werden soll. Beide Parteien haben sich über An- nähme oder Ablehnung bis zum 24. Februar zu erklären. Die Or- ganisationsftreitfrage wurde nicht verhandelt. Die Fürther Glasarbeiter lehnten einen Schiedsspruch ab und traten in passive Resistenz. Darauf beschlossen die Arbeitgeber die Aussperrung, von der 2600 Arbeiter und Arbeiterinnen be- troffen werden. Ein Bundestag des Deutschen Deamkenüundcs soll laut Be- schluß des Bundesvorstandes Anfang April in Berlin stalifinde». Es ist zu erwarten, daß diese Taaung eine L ö i u n g der bis- herigen im Bundesvorstand vorberrcbenden Meinungsverschiedenheiten durch den Austritt gewisser Organisaiionen bringt. Slarke Strömungen neigen zur Absetzung gewisser Per- sonen' innerhalb des Bundesvorstandes. Wirtschclft v erbest erung der Oderschiffahrt. Auf eine Anfrage über den Ausbau der Oderschiffahrt antwortete der preußische Landwirtschafts- minister: Nach§ 18 des Staatsvertrags betreffend den Uebcrgang der Wafferi raßen von den Ländern auf das Reich in Verbindung mit Ziffer 28 der Rachweifung der begonnenen Bauten ist das Reich ver- pflichtet, das preußische Gesetz betreffend die Verbesserung der Oder» Wasserstraße unterhalb Breslau vom 30. Juni 1913 auszuführen. Dieses Gesetz sieht die Stnlage von Staubecken, und zwar die eines Staubeckens an der Glatzer Neiße bei Ottmach au vor. Durch dieses Staubecken würden rund 7000 Morgen besten Acker- landes der landwirtschaftlichen Erzeugung entzogen werden. Die Rücksicht auf unsere gegenwärtige Ernährungslage. auf die zu enteignenden landwirtschaftlichen Betriebe und Bedenken technischer Art lassen es untunlich erscheinen, schon jetzt mit dem Bau zu beginnen. Eingehender als bisher wird die Frage geprüft werden müssen, ob sich das mit dem sogenannten Gesetz verfolgte Ziel nicht besser durch die Anlage von Talsperren, mehr im Ouellgebiet der Flüsse, erreichen läßt. Entsprechende Verhandlungen mit dem Reiche sind eingeleitet. Dabei wird auch die Frage erörtert werden, inwieweit Arbeiten im Strome selbst mit Vorteil für die Schiffahrt schon jetzt in Angriff genommen werden können. Oberschlesische Kohle für Litauen. Die litauilcken Blätter melden, daß Polen Li lauen eine monatliche Eintuhr von 12 000 Toiiiieu K o h t e a u s O b e r s ch I e s i e n gcstalict habe und daß es für Warenlicserungen nach Litauen den Eiienbahntarif herabsetzt. Deutschlands Zementproduktion. Nach Miiteiluugen, die auf der Tagung des Deulich u Zemenibundes gemachr wurden, betrug die Zenrenrproduilion im letzicn Jahre 4 Millionen Tonne», alio erbeblich mehr als im Voijahr, wo nur 2% Millronen Tonnen erzeugt wurden. Ins Ausland wurden 10 Proz. der deurseyen Zemeritproduktion versandt. Die neuen russischen Zolltarife. Seit dem 15. Februar sind die neuen Zolliarife iür die aus Osteuropa lommendcn Waren in Kraft getreten. Z o t l f r e r bleibt die Einruhr von L e b e n s m r t r e t n, landwirtichafrlichen Maschinen und anderen wichtigen Beda r fs- arlikeln. 2llle ProduliionsmiUcl unterliegen einer starl errnäi igten i Zollgebühr. Tie neuen Zollsätze, die zunächst für zwei Jahre Gültig- keit boben werden in Goldrudeln berechne!. Die Mark in Sowjelrußland. Sowjetrußland steht im Zeichen einer erneriten Geldentwertung. Das macht sich auch darin kennt» sich, dag der Dollar immer mehr als Zahlungsmittel an Stelle des Rubels eindringt. Auch die Reichsmark erfreut sich einer steigen- den Beliebtheit. Hatte man noch vor acht Wochen für eine Reichs- mart 800 Sowjetrubel bezahlt, so bietet man jetzt dafür 3 0 00 Sowjetrubel. Das sowjctamtliche Wirtschaftsorgan, die„Eko- nomitscheskaja Shisn", schließt an diese Feststellung die Bemerkung, daß der neue Sturz des Rubels das größte Hindernis für den neuen wirtschaftlichen Kurs in Räterußland sei. Während andere Länder mit schlechter Valuta wenigstens den Vorteil haben, daß dadurch ihre Warenausfuhr begünstigt wird, trifft das für Rußland nicht zu, da es infolge des Niedergangs der industriellen Produktion leine Export- waren hat. Tiefstand des Eisenbahnverkehrs in den Bercinixien Staaken. Wie die«Chicago Tribun«" aus Waihington meldet, rft im Laufe des Jabres 1921 der Eiieiibahnverkehr in den Vereinigten Staalen »m 23.3 Proz. gegen 1920 gesunken. Das ist der schärfst« Rückgang, den die amerikanischen Eisenbabnen in einem einzigen Jahre erlitten haben. Erhöhung der kasipreise. In der letzten Vollsitzung des Reichs- talirats wurde der Antrag des Deutschen Kalisyndikats G m. b. H. wegen Erhöhung der Jnlandshöchstpreise erörtert. Dieser Antrag, welcher mit Wirkung vom 20. Februar 1922 ab eine Preiserhöhung von 15 Proz. der Kalisalze und Kalisalzfabrikate vorsieht, wurde angenommen. Außer- dem wurde zu dem in der � Bekanntmachung des Rcichskalirats vom 6. Dezember 1921 festgesetzten Jnlandshöchstpreisen für Roh- salze zu industriellen Zwecken, auch zu Bade- und Klärzwecken, Preiszuschläge beschlossen. Peranlw. für den redalt. Teil: Frau, Klühs. Berlin-Lichterfeldez für An. »eisten: Th. Siock«, Berlin. Verlag Varwaris-Verlag D. m. b. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei u. Beelagsanliall Paul Singer u. Co.. Berlin. Lindenstr. 8, r üi Verwallungslelle Berlin N 54. Llnienstiaße 83 85. Scschiijtezeit vo» vorm.!) Uhr Iiis nachm. 4 Uhr Telephon: Amt Norden 833,«34, 833, 83«. Um vonnerslag. den 23. Jfe&rnoc 1022. nochmiKaas 5 Uhr, im Btesöcncc iSaticn, Lroadcuer Sftaöc 45 Branchenversammlnng der Gold- und Tilbcrarbciter. Tagesordnunst: 1. Jahresbericht 2. Verbands- und Branchenangeiegenheiten. 113/4 Die Orisverwaliung. MMillZWlMAWgWAn? Wer glilliilk. s. guk. Sitz».verardelts.? Max Motel, Schneidermstr. Zleukölin, Ringbahiistr. 33:: Tel. 909 Lieferung illr höchste S»aaisbeamten Viele Anerkennungen u. Danlschreiden Möbel ..niedrignen Preiien j direkl a n P r> v a>> Ricienaiiswab.. Schlafz. 3130-24 ,7ä.« Speiiez.38«5 2ft»4Z.. Hcrren-.Sg85-2öS7a Wohn». 238U 11«0.. Küchen«75-S1W. L eier, ranio Lastn- oiieni.>0 liihr. iSar Mölieili. ßejewske. Bert., Bad>.««" Metall betten Slahlmairaß.. ginderbell, dir.anPriv ,Kalai.30�fr cklsenmödels. 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