Nr. 1HS ♦ 39. �ahrgatlg Ausgabe 13 Nr. 50 Bezugspreis: St«rtf!j5t)tl.60,— M., monatL 20,— Ä frei ins Saus, Boraus»ahibor. Pott- bciug: Monatlich 20,- M., einfchi,?u» kellungsgebühr. Unter Kreuzband tiir Deutschland, Danzig, das Saar- und Wcmelpebiet. sowie die ehemals deut- scheu Gebiete Polens, Oesterreich- Ungarn und Luxemburg 54,— 3)L, für das übrige Ausland 72,— M, Post- bestellungen nehme» an Oesterreich, Ungarn, Tkchecho- Slowakei. Däne- mark, Holland, Luxemburg, Schwede» und die Schweiz. Der.Vorwärts� mit der Sonntagsbeilage„Volk und stein, der Unter- haitungsbeilage„Heimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Som»» tags und Montags einiual. Telegramm-Adresse: �Sozialdemokrat Berlin- Abend-Ausgabe c 3roB. Berlin«O Pf. auswärts 50 Pfennig D Devlinev VolksvlAtt AnzetgeuprctS: Die zehngesvalter-e Nottbareillezeil» tostet S,— M.„kleine Anzeigen- das settgedruckte Wort Z,— M.< zulässig zwei settgedrussie Worte), sede« weitere Wort 1,50 M. 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Der französische Gervertschafis- führ er Zouhaux. der vor einiger Zeil an einer Studienreise durch Deutschland teilgenommen hat. die die gewerkschaftliche Unter- nationale veranstaltete, um sich über den Stand der Abrüstungen in Deutschland zu unterrichten, hielt gestern abend in der französischen Vereinigung für Völkerbund einen Vortrag über seine Feststellungen. Sein Urteil ist günstig. In den großen Industriezentren habe sich eine rasche Umgestaltung der Kriegs- in die Fricdcnssabrikation vollzogen. Es sei wünschenswert, daß die französischen Industriellen diese Fabriken besuchten, um sich von dem in dresein Sinne erzielten Fortschritt zu unterrichten. In Deutsch- land bestehe ein wahrhastneuer Geisteszustand. Franzö- sischerfeits seien Fehler begangen worden. Die Alliierte Aeberwachungs- kommission wisse noch nicht den erforderlichen Unterschied zwischen Kriegs- und Ariedensindustrie zu machen. Eine neue Deutfchenhetze! Es scheint, daß die Zusammenkunft von Doulogne, die in Frank- reich als ein großer Sieg Poincares gefeiert wird, zu einer w e j e n t- tichen Stärkung des''französischen Chauvinismus beigetragen hat. Die im Morgenblatt veröffentlichte Mitteilung des Abg. Bonnet in der Kriegsbcschutdigtenfrage mit der Ankündigung, Deutschland werde'unter Androhung von Sanktionen aufgefordert werden, die Beschuldigten auszuliefern, war ein Borstoß in dieser Richtung. Noch schlimmer muten zwei Preßstimmen an, die der EP.-Dienst veröffentlicht. Danach schreibt der �,E i l a i i", aus dem Herr Buisson einigt Sätze zitierte, die beweisen sollten, daß Frank- reich nicht von ollen Geistern der Bernunst und der Versöhnlichkeit verlassen ist(vgl.„Deutschland und Frankreich" in der Sonntagsaus- gäbe): „Die Alliierten ziehen sich auf allen Fronten zurück, in Kleinasien und in Rußland, während Deutschland die Ossi ziersbe- stände seiner Armee beibehält und schon die M or g e n, röte der Revanche zu sehen glaubt." Noch unsinniger gebärdet sich der„I n t r a n s i g e o n t", der in einem Artikel:„Im Lande, wo �ie Schokoladenfabriken explodieren" (gemeint ist offensichtlich dos Brandunglück der Sarotti-Fabrik auf dem Tempelhofer Feld) seinem Züricher Korrespondenten das Wort gibt. Es heißt da: „Der deutsch« Revanchegeist richtet sich nicht mehr gegen Frankreich, sondern auch gegen England. Ueberall rrefsen wir auf Kundgebungen und Versammlungen, in denen der ueue Zukunftstrieg gepredigt wird, der mit Hilf« der Russen geführt werden soll, die Napoleon besiegten und die soeben die ganze Welt besiegt haben.(I) Die deutsche Regierung ermutigt im gehciizzen die Rüstungen. Di« staatlichen Chemiker sind beaustragt, wissenschaftliche Vorlesungen in den Militärschulen zu halten. Explosiv st off«,' Munition und Gewehr« werden in geheimen Fabriken hergestellt, die ganz unschuldige Nomen tragen. Man legt sich immer mehr Rechnung dafür ab, daß m i l i- tärische und politische Uebereinkommen zwischen den Deutschen und den Sowjetrusjen abgeschlossen worden sind, die nicht nur in der Vergangenheit spielten(Irland, Aegypten, Indien), sondern auch den zukünftigen Krieg betreffen(Polen und Frankreich). Irden Augenblick werde» Soldaten, vlunition und Massen aller Art nach Rußland geschickt.(!) Letzthin gingen erst wieder Sv Flugzeuge dorthin ab. Die Militär- und Flottenattachees der Sowjets haben das Recht, in ollen Fabriken ein- und auszugehen. und sie wurden sogar ermächtigt, die neuen technischen Dervolltomm- nungen zu studieren, die die Deutschen seit dem Wafsenstillstand geleistet haben.(!) Zahlreiche Ausländer, die nach Deutschland fahren, um mit den Deutschen langfristige Verträge abzuschließen, haben in Anbetracht des militärischen Geistes, der dort mit Ausnahm« der unabhängigen Sozialisten herrscht, darauf verzichtet.(!>)" Man ist geneigt zu fragen, wie es möglich ist, dem französischen Leser einen derartig hahnebüchenen Blödsinn vorzusetzen. Wir können uns nur angewidert von einem derartigen Treiben abwenden und würden derartige Erzeugnisse ohne weiteres unter den Tisch fallen lassen, wenn es sich um eine Einzelerscheinung handeln sollte. Das scheint aber nicht'der Fall zu sein, und die Lügenmoschin«, die Schokoladenfabriken explodieren läßt, scheint ihren Stammsitz in einem der französischen Regierung näheren Ort zu Habw als Zürich. Soll das französische Volk wieder einmal in die richtig« „Wiederaufbaustimmung" hineingehetzt werden? Ehamberlain über die Entwaffnung. London, 28. Februar.(WTB.) Im Unterhaus« fragte Sir F r e d e r i c H a l l, ob in Anbetracht der Tatsache, daß Deutschland die Bestimmung«» des FrlWensvertrages bezüglich der Z e r- störung des Kriegsmaterials und der Einstellung der Fabrikation neuen Materials vorsätzlich umgehe. Schritte ge- tan würden, um die Alliierte Militärkontrollkommission zu stärken und die Unterluchungsoollmacht«n dieser Kommission seitens de? Re- gierung zu erweitern. Ein anderes Parlamentsmitglied fragte, ob di« Regierung sich darüber Rechenschast ablege, daß Deutschland die Bestimmungen über die Abrüstung vorsätzlich und systcmotisey umgehe und ob die Regierung ihre Aufmerksamkeit sofort dieser ernsten Bedrohung des Weltfriedens zuwenden werde. Chamberlain erwiderte auf beide Anfragen, indem er er- klärte: Es hätten von einzelnen Personen, darunter untergeordneten Beamten, in Deutschland Verstöße stattgefunden. Nach Ansicht der Regierung würde es jedoch ni�cht zutreffen, zu sagen, daß auf feiten der deutschen Regierung beständige und vorsätzliche Umgehun- gen stattfänden. Erschöpfende Berichte über den Fortschritt der Ab- rüstung und über Verstöße gegen die Abrüstung würden regelmäßig von der Interalliierten Kontrollkommission des Alliierten Komitees in Versailles übermittelt, das solche Angelegenheiten der Botschafter- konferenz oder dem Obersten Rat zur Kenntnis bringe. Die Be- fugnisie feien im Friedsvertrag sestgelegt und könnten nicht abgeändert werden. Eine Zlnfrage wegen Boldt und Dithmar. London. 28. Februar.(WTB.) Im Unterhause fragte ein Mitglied der Regierung, ob die Aufmerksamkeit auf die Tatsache ge- lenkt worden sei, daß die U-Boot-Offiziere, Oberleutnant Boldt und Leutnant Dithmar, aus dem Gefängnis entwichen seien und ob die britische Regierung irgendwelche Erkundigungen bei der deutschen Regierung über die Umstände dieser Flucht eingezogen habe und ob di« Flüchtigen bisher verhaftet worden feien. Der Attorney-General antwortete, die britische Regie- r u n g habe eine Anfrage und einen nachdrücklichen Protest an die deutsche Regierung gerichtet Diese Hobe die Zu- sicherung gegeben, daß sie jeden möglichen Schritt getan Hab«, um die Wiederverhaftung der Ossiziere zu sichern, bisher sei jedoch keine Mitteilung erfolgt, daß die Ossiziere verhastet worden seien. Scheiüemann in Kopenhagen. Aus Kopenhagen wird uns geschrieben: Auf Einladung der radikal-demokratischen Studentenschaft Kopen- Hagens sprach am Sonntag Genosse S ch e i d e m a ttn in der einzig- ortigen Hall« des Kopenhogenrr Rathauses über den„Weg Deutsch- lands von der Monarchie zur Republik". Scheidemann schilderte den Verlaus des Krieges, den Zusammenbruch und di« daraus resul- tierende Revolution. Es sei ein Unsinn, wenn behauptet werde, di« Revolution sei die U r s a ch e der Niederloge gewesen. Für jeden verständigen Menschen liegt es klar zutage, daß der Zusammenbruch die Revolution zur notwendigen Folg« haben mußte. Scheidemann schildert« dann die Wirkungen des Versailler Vertrages auf Deutschland, aber auch wie dieser Vertrag immer mehr die neu- t r a l e n und schließlich auch die Sieger st aaten bedrücke und gefährde. Wenn die Entente schon ihr furchtbares Diktat auf der unwohrhaftigen Behauptung aufbaue, daß Deutschland die Allein- schuld am Kriege trage, wie wolle man dann verantworten, die ganze Welt zu bestrafen dafür, daß Deutschland angeblich diese Alleinschuld treffe. Wäre die Behauptung von. der deutschen A l l e i n s ch u l d ebenso wahr wi« si« falsch ist, wie könne es dann die Entente verantworten, ganz Europa zu st rasen für angeb- liche Sünden eines Systems, das in Deutschland für alle Zeiten er- ledigt worden ist. Scheidemann forderte zum Schluß alle Welt auf. die Lage Deutschlands objektiv zu beurteilen. Er sei überzeugt, daß mit dem Augenblick, wo die wirkliche Lage Deutschlands erkannt werde und die Wirkungen des Versailler Diktats mehr oder weniger allen Völkern der Welt sich fühlbar machen, auch die Forderung in der ganzen Welt erhoben werde, daß das Versailler Diktat gründlich revidiert werden muß. Scheidemann wurde häusig durch großen Beisoll unterbrochen und erntet« zum Schluß Minuten- langen Beifall. Bemerkenswert ist, daß die von mehr als 2?0l> Person«.» besucht« Versammlung in der Hauptsache sich zusammensetz:« aus akade- mische m Publikum, Professoren imd Studenten, Künst- letn, Vertretern der Wissenschaft, Politik und der Presse. Auch der deutsche Gesandte wohnte der Versammlung bei. Die gesamte dänisch« Presse mißt der Versommliing eine sehr große Bs- deutung bei und bringt seistnlonge Bericht« über die Rede. Die Sörfe bleibt„fest". Trotz des scharfen Rückganges der deutschen Mark an der New Porter Börse setzte heute in Berlin das Geschäft in ausländischen Zahlungsmitteln sehr fest ein. Die Umsätze waren im Hinblick auf die morgen in Kraft tretende neue Devisenordnung sehr gering. Die Spekulation beobachtete größte Vorsicht. Die Kurse waren etwas niedriger als gestern. Um die Mittagsstunde wurden Dollarnoten m i t 222i/2 gehandelt. Auch am Effektenmärkte war das Geschäft nicht allzu leb- hast. Man wartete nähere Erklärungen über das neue Sach- leistungsabkommen ab. vorwärts-verlag G.m.b.H., SW b8, LinSenftr. 3 Nkernlvrerker- Verlag, Expcdilioa und Inseraten- tirtmycta)**. Abteilung Marissplav 11753-54 Die Fünfländerkonferenz. St. Frankfurt a. M., 28. Februar. Die feierlichen Klänge der Goethe-Woche hallten kaum mehr vernehmlich nach der altehrwürdigen Geschlechter- stube des Rathauses herüber. Draußen wehte die schwarzrot- goldene Fahne zu Ehren des Reichspräsidenten, drinnen blick- ten die Porträts des Patrizier saols auf den Hufeisentisch hinab, an dem sich eine nicht alltägliche Gesellschaft versammelt hatte. Der Ruhm dieser geschichtlichen Stätte wird sicher nicht ver- mindert werden durch die dauernde Erinnerung, daß hier die sozialistische Fünfländerkonferenz getagt hat. Es braucht nicht lauten Schalls, um diese Konferenz zu preisen, es genügt ruhige, sachliche Würdigung. Sprechen wir zunächst einmal von den Teilnehmern. Vertreten war die englische Arbeiterpartei, deren schon jetzt unbe- stritten große Bedeutung sich von Wahl zu Wahl in fortgeseg- tem Wachstum zeigt, die belgische Sozialdemo- kratie, bis vor kurzem Teilnehmerin an der Regierungs- gewalt ihres Landes, die Sozialistenpartei Frankreichs. Trägerin von Jauräs' ruhmreichem Erbe, die Sozialistenpartei Italiens, die bei jeder neuen Krise zur Teilnahme an der Regierungsgewalt lebhaft umworben wird, schließlich d: e ganze deutsche Arbeiterbewegung von der Sozialdemokratie bis weit nach links hinüber zu den kommu- nistischen Splittern. Denn neben SPD. und USP. hatte sich sogar auch die in Liquidation befindliche Gruppe Leoi eingefunden und war mit bemerkenswerter Toleranz zuge- lassen worden. Es ist sicher keine Uebertreibung zu sagen, daß diese Ler- sammlung eine Bereinigung von nicht unbeträchtlichen Machtsaktoren darstellte. Aber sicher ist es auch richtig, daß in dem Bestreben, soviel wie nur möglich auf einmal zu ersoffen, eine große Gefahr lag. Zeichen der Zeit bleibt es, daß eine so gemischte Gesellschaft von Propheten und Welt- kindern, M i n i st e r n a. D. und S p a r t a k i st e n a. D. überhaupt zusammentreten und drei Tage lang beisam»,en bleiben konnte, ohne mit lautem Knall auszufliegen. Das ist das Zeichen der wachsenden Beruhigung und Einsicht aus der Linken, daß man mit den angeblichen Arbeiterverrätern von gestern wieder als mit Genoffen bcisammensitzt und sich mit ihnen unterhalten kann, ohne ihnen ins Gesicht zu springen. Man spricht ober manchmal immer noch verschiedene Sprachen, und uns war das Englisch Tom Shaws, das Franzosisch Vanderveldes, Blums, Äuriols mitunter besser verständlich als Das Deutsch der Levi und Rosenseld.... Der Weg zu dieser bedeutungsvollen Konserenz führte über eine Vereinbarung der Exekutiven von 2 und 2i<.. Die Zweite Internationale wünscht' enge, dauernd- Verbindung mit der Wiener Arbeitsgemeinschaft, die ihr besonders deshalb wertvoll ist, well jene die französische Sozialistenpartei in sich beherbergt. Die Wiener Arbeitsgemeinschaft, die sich nicht gern die Zweieinhalbte nennen hört, beweist dennoch ihren zwischen Zwei und Drei stehenden Charakter, indem sie sich an den theoretischen Standpunkt klammert, sie verkehre mit der Dritten Internationale, der Moskauer, ebenso gerne. wie mit der Zweiten, der Londoner. Dieser Standpunkt ist wirklich nur theoretisch, denn in der ganzen„Zweieinhalbten" herrscht gegen olles, was mit Moskau zusammenhängt, töd- licher Haß. Die Zweite Internationale stebt der Dritten viel ruhiger und objektiver gegenüber, da ibre Parteien unter der kommunistischen Zerstörungsarbeit viel weniger gelitten haben. Die Wiener Arbeitsgemeinschaft glaubt dennoch, gegen den Vorwurf, sie habe sich den Londonern in die Arme geworfen, eine Deckung zu brauchen, und sie findet sie in dem Verlangen nach einer Konferenz, die alle drei, also auch die Mos- kauer, Exekutiven umfaßt. Paris ist eine Messe wert. Um die internationale Zu- sammenarbeit mit den französischen Genossen zu ermöglichen, hat sich die Exekutive der„Zweiten" bereit erklärt, sich unter gewissen Voraussetzungen mit den Moskauern zu begegnen. Praktische Resultate von einer solchen Begegnung zu erwarten, wird jedoch kein Optimist optimistisch genug sein. Gewiß, der Kommunismus befindet sich in einer rasenden Entwicklung, die sich mit Eilzugsgeschwindigkeit nach rechts bewegt und von der niemand genau weiß, wo und wie sie enden soll. Aber gerade darum müssen Verhandlungen und Abmachungen mit ihm unfruchtbar bleiben, denn wie soll einer zu seinen Worten stehen, der mit sich selber noch nicht fertig ist? In Rußland hat der dort herrschende Kommunismus die Beseitigung aller Bolksrechte, die Unterdrückung der freien Meinung, die Tötung, Einkerkerung, Verbannung Andersdenkender mir um ihrer Ueberzsugung willen, kurz alle Scheußlichkeiten, die ein Zaren- Hirn ersinnen kann, mit dem sittlichen Endzweck verteidigt, dies alles sei notwendig, um den Kapitalismus zu ver- Nichten, das Proletariat zu befreien. Indem Moskau mit dem Weltkapital Frieden machte, hat es seinen sittiichen Endzweck aufgegeben, und nur die Scheußlichkeiten sind übrig geblieben. Die deutschen, englischen, belgischen Soziolistsn würden es sich nicht nehmen lassen, bei einer Konferenz der drei Exekutiven offen über diese Dinge zu reden, und wir fügen hinzu: in der offenen Aussprache über diese Dinge läge der einzige mögliche Zweck einer solchen Konferenz. Die Aufgab« der Frankfurter Fünfländerkonferenz war ein« ganz andere. Nicht Streit war ihre Losung, sondern g e- in einsame Arbeit im Dienst des schaffenden Volkes, Diskussionen wurden geführt, nicht um den anderen logisch und moralisch zu vernichten, sondern um ihn zu überzeugen und gemeinsam mit ihm möglich st positive, mög- lichst� praktische Ergebnisse zu erzielen.- Wir dürfen diese Methode für die Zweite Internationale reklamieren, stellen aber mit Freude fest, daß sich auch die Wiener Arbeitsgemeinschaft ihr beträchtlich genähert hat. Besonder» mit den französischen Genossen gestaltete sich das Zusammenarbeiten ganz ausgezeichnet, es gab zwischen Deutschen und Franzosen keinen Streit, ja kaum bemerkbare Meinungsverschiedenheiten. lind den Augenblick, in dem sich die deutsche Sozialdemokratie mit der französischen Sozialistenpartei in gegenseitigen Ver- sicherungen brüderlicher Gesinnung begegnete, darf man ohne Uebertreibung als einen geschichtlichen bezeichnen. Die internationale sozialistische Zusam- menarbeit zwischen London, Berlin und Paris ist durch die Frankfurter Konferenz wiederhergestellt. Darin liegt ihre große Bedeutung. In den Entschließungen über die W i e d e r g u t- machung und die Entwaffnung sind die Richtlinien lestgelegt, auf denen sich die gemeinsame Aktion bewegen soll. n Deutschland Fortsetzung der Politik, die man mit einem Schlagwort als die„Polilik der versuchten Erfüllung" zu- sammenfaßt, in Frankreich, England, Belgien, Italien Kampf sürdieZurückziehungderTruppenausdembe- setzten Gebiet und für die Beschränkung der deutschen Reparationspflicht auf den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete. Der Mut, mit dem die Sozialisten der Siegerläader den Ansprüchen ihrer Nationalisten entgegentreten, ist bewun- dernswert. Und die Bedeutung der angenommenen Ent- schließungen wird durch den Umstand erhöht, daß sie nicht von weltfremden Träumern und Schwärmern gefaßt sind, sondern von sozialistischen Realpolitikern, daß sie nicht der Ausdruck einer idealen Gesinnung einflußloser Minder- Helten, sondern das praktische Kampfziel einflußreicher Par- teien sinh. Es folgt daraus ein weiteres: Wenn nüchterne Politiker solche Ziele aufstellen, dann tun sie es in dem Bewußtsein, daß sie für ihre Ideen in ihren Ländern einen fruchtbaren Boden finden. Die Beschlüsse von Frankfurt sind ein Zeichen für das gewaltige Wachstum einer Bewegung, die zum wirklichen Frieden upd wirtschaftlichen Aufbau Europas strebt. Auf diesem Weg ist Frankfurt Genua tausend Schritte voraus. Aber war es nicht auch schon ein weiter Weg von Versailles über Cannes nach GeNua? Die Entwicklung ist mit uns, Frankfurt zeigt ihr das Ziel. Die Beschlüsse dieser Fünsländerkonferenz waren ein wür- diger politischer Auftakt der Frankfurter Goethe-Woche. Denn aus ihr spricht der Geist eines neuen Weltbürgertums/ das die nationalen Kulturwerte aller Völker umfaßt, hoch- achtet und erhält. Sie verkünden die Ueberwindung deL natio- nalistischen Ungeistes, dem niemand ferner und fremder gegen- überstand als der größte Deutsche, dessen Geburtshaus Eng- länder, Franzosen und Belgier mit scheuer Ehrfurcht betraten. „Wir heißen euch hoffen!" Die 14 punkte. In der heutigen Morgenausgabe des„Vorwärts" ist in der Resolution der Sozialistischen Fünfländerkonserenz über den Wiederaufbau Europas der entscheidend wichtige Punkt Z infolge eines telephonischen Uebermittelungsfehlers verftüm- melt wiedergegeben Wir wiederholen ihn daher in dem rich- tigen Wortlaut: Zlnnulierung und internationale Uebernahme der- jenigen Lasten, die Deutschland inbezug aus die K r i e g s p e ns i o- neu aufgebürdet wurden, in Widerspruch zu Wilson» 14 Punkten, die beiderseits als Grundlage des Waffenstillstandes angenommen waren. Der öeutsthe„Sdrbier von Sagöaö". Reu einstudiert in der Staatsoper. Ein deutscher Liederkomponist hat diese komische Oper ge» schrieben, mit Duetten, Arien, stimmungsvollen Lyrismen, fein- gegliederten Ensembles, gescheiten Kontrapunkten. Ebenso deutsch wie lyrisch. Der Humor ist ohne Würze, ist herb, literarisch gemacht, nicht quellend wie eine französische Fontäne, er versteckt sich zum Teil in grobem Mt und zum andern hat er das hemmende, die Handlung aufschiebende Element in sich, das den geschwätzigen Barbier zu einem langatmigen Abul Hassan Ali Ele Betar macht. Die ganz« Aktion ist ein durch Schwatz verzögertes, durch den Schwätzer zuletzt gefördertes Liebesverhältnis. Nirgends sind Wieder- holungen fo gefährlich wie in der Point«, im Witz, im närrischen Spiel. Cornelius aber unterstreicht diese wirtlich humorigen Ding« wie die Erzählung von den sechs Brüdern, vom Töten der Liebe dick und rot. So lacht man nicht mehr, man horcht nur noch gefällig auf literarische Einfälle und findet die Lustigkeit trocken. Die Keckheit und Laune wird philiströs, aber die musikalischen Dinge um diese Flachheit herum sind eitel Freud«, Schönheit, feinstes Er- finden. Die zwei Ouvertüren, das Margiaya-Lied, das geschwollene Selbstporträt des Barbiers, der Echlußchor des ersten Aktes, das Liebesduett— herrliche Nummern eines gewählt vornehm, liebens- wert gemachten Kranzes von Blumen und von Dust. Aber ohne Handlung, ohne treibende Grundkraft, ohne den Vorwärtsdrang des Dramatikers. Die Einaktigkeit, die Komprimierung des letzten Drittels könnte vieles retten: die Ouvertüre vor dem zweiten Akt, der ja schon ein einführendes Vorspiel hat. müßte fortfallen oder an die Spitze treten, und manche instrumentale Dürre, manche orchestral« Dumpfheit müßte durch die sinnlicher«, fülligere Fassung Levi Mottls ersetzt werden. Diese beiden Helfer hatten die Bufso- Oper ganz und gar in den Lohengrin-Stil hineingearbeitet, will- kürlich, selbstherrlich, lehrerhast und wagnertreu. Aber ein wenig von ihrem Schmelz und Schmiß könnte wiederkommen, ohne die Lustigkeit, Lcichtheit, Grazie Corneliusscher Faktur zu zerstören. Die Boyreuthische Bearbeitung brachte einst dem Unglückswerkchen Erfolg, die Urform zeigt philologisch und ästhetisch Unzureichendes, dicht bei köstlicher Erquickung musikontischer Seelen. Der Kam- promiß zwischen Echtheit und Bearbeitung wird nicht zu um- zehen sein. Den vollen Saft der Darbiergestalt brachte Spiel und Haltung des baßgewaltigen Karl Braun nicht heraus: doch war er in ieinen Mitteln klug, ausdrucksvoll, überlegen. Der neue Tenor Björn Tollen hat Glanz, Helligkeit, Kraft in der Stimme. Sein ungelenkes Spiel wird er überwinden. Die Margiano der Frau Heckmann-Beckendorf wäre auch in der Schüchternheit des Liebesliedes erfreulich gewesen, wenn sie nicht von der Rasse- Zur Vorgeschichte dieses bedeutungsvollen Veschlusies sei an folgendes erinnert: In seinen berühmten 14 Punkten vom 8 Jan«? 1918 hatte Präsident Wilson in Punkt 7 und 8 die Wiederher st ellung Belgiens und des vyn deut- schen Truppen besetzten französischen Gebietes gefordert. Nach dem militärischen Zusammenbruch bat die deutsche Regierung Wilson, Frieden und Wassenstillstand zu vermitteln und sie erklärte als Grundlage der Verhandlungen, die 14 Punkte an- nehmen zu wollen. In der Antwort, die Wilson nach Befra- gung der Ententemächte der deutschen Regierung erteilte, wurde gesagt, die Wiedergutmachungspflichten seien so zu ver- stehen, daß die der Zivilbevölkerung zugefügten Schäden wieder gutzumachen seien. War dies schon eine Erweiterung der in den 14 Punkten formulierten Wiedergutmachungsverpflichtungen, so ging dann der Friedensvertrag über all das weit hinaus, indem er in seinem berüchtigten Artikel 231 erklärte, daß Deutsch- land als Alleinschuld ig er des Krieges für alle Schäden verantwortlich sei, die die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen im Kriege erlitten hätten. Es wurde im Friedensvertrag zugestanden, daß Deutschland alle diese Lasten zu tragen nicht imstande sei, es wurde ihm jedoch auferlegt, nicht nur die zerstörten Gebiete von Belgien und Frankreich wiederherzustellen, sondern auch den gegen Deutschland kriegführenden Mächten für die von diesen gezahlten Kriegspensionen und Familienunterstützun- gen Entschädigungen zu leisten. Diese Bestimmungen des Friedensvertrages stehen in krassem Widerspruch zu dem Vorvertrag, der bei den Waffenstillstandsverhand- lungen geschlossen wurde; sie stellen also einen krassen Ver- tra g's b ru ch dar. Dieser Standpunkt ist seit Ueberreichung des Friedens- Vertragsentwurfes in Versailles von allen deutschen Regie- rungen konsequent festgehalten worden, ohne daß die Entente- regierungen auf ihn eingegangen oder hinreichende Recht- fertigungsgründe angeführt hätten. Durch den Beschluß der Fünfländerkonferenz von Frankfurt ist nunmehr die Tatsach« geschaffen, daß große einflußreiche Parteien der Entente- länder den Einspruch Deutschlands für berech- t i g t erklären und den von der Entente begangenen Per- tragsbruch als solchen anerkennen. Die Bewegung für die Revision des Friedensvertrages und die Beschränkung der deutschen Lasten auf die Wiederherstellung der zerstörten Ge- biete— eine Verpflichtung, die unlängst in einer Reichstags- rede sogar vom deutschnationalen Grafen Westarp zugestanden wurde— erfährt damit eine außerordentlich bedeutungsvolle Förderung. Die vergeßliche„Zeit*. Die volksparteiliche Presse ist plötzlich stolz geworden. Sie erklärt, von der großen Koalition nichts wissen zu wollen. In der„Zeit", dem Berliner volksparteilichen Organ, lesen wir: Die große Koalition ist, was die Oeffentlichkeit immer noch zu übersehen beliebt, in der letzten Woche zweimal von der sozialdemo- kratischen Fraktion abgelehnt worden �nd damit aus dem Vereich der Tatsachen ausgeschieden. Für die Deutsch« Poltspartei kommt deshalb, wie hier immer wieder betont worden ist, eine neue Berhand- lung über die Koalition solange nicht in Betracht, als ihr der Wunsch nach solchen neuen Verhandlungen nicht von allen drei anderen Par- teien entgegengebracht wird. Wir nehmen das gern zur Kenntnis und gedenken des Fuchses, dem die Trauben zu sauer dünkten. als er sie nicht erreichen konnte. Rur sollte sich die„Zeit" hüten, wie sie es im weiteren tut, die Tatsache als„Legende" hinzustellen, daß die Deutsche Volkspartei nach Einbringung ihres Miß- trauensvotums versucht hat, mit den anderen Parteien wegen einer neuen Erörterung der großen Koalition Fühlung zu be- kommen. Wir erinnern uns eines Blattes, dos gleich am Morgen nach dem mißglückten Versuch, das Kabinett Wirth zu stürzen, folgendes schrieb: Die Regierung Wirth kann weiterregieren: aber sie wird aus den Vorgängen der letzten Tage hoffentlich allerhand Nützliches ge- kultur einer Arndt-Ober ganz verdeckt worden wäre. S t i e d r y hat literarisch bearbeitend und dirigierend hervorragenden Anteil an der Aufführung und ihrem Erfolg. Mit Recht wurde die zweite Ouvertüre ostentativ beklatscht. Sie ist das schönste Stück des an Melodie so reichen Werkes, und nur mit Wehmut nimmt man alle paar Jahre von einer komischen Oper Abschied, die solche edlen Lust- spieltöne aufweist. Sie hat das Unglück, hundertfältig verbessert zu fein. Die letzte Verbesserung steht noch aus. Das unwagnerischste Werk der nachwagnerischen Periode wird immer wieder auferstehen als Bekenntnis eine» deutschen Musikers zu breitem, allzu breitem, nicht tänzelndem, sondern stampfendem Humor, und jede Nachwelt wird wiederum Belebungsversuche machen. Der Liederfänger Cor» nelius fei gepriesen w Ewigkeit. Kurt Singer. Die neuen deutschen Münzen. In der Berliner Münze sind jetzt die Vorarbeiten für die neuen Geldstücke im Gange, deren Entwurf mit dem Adler auf der Rückseite Josef Wackerle in Zusammenarbeit mit dem Reichskunstwart Dr. Edwin Redslob geschaffen hat. Wenn der von Siegmund v. Weech für die neuen Reichssiegel und-stempel geschaffene Adler als Ideal einer graphischen, dem Schriftbilde sich anpassenden Lösung gelten kann, so wird der Adler von Wackerle im höchsten Maße den Anforderungen der Plastik und der Prägetechnik gerecht. Der Reiz seines Entwurfes liegt in der Gestaltung der Schwingen, die kurz vor dem letzten Ausbreiten so gehalten sind, daß die Kraslanspannung des stolzen Tieres und damit das Gefühl der Stärke voll zum Ausdruck kommt. Es ist eine handwerklich echte Lösung, deren Verbreitung dem Arbeitsprogramm des Reichskunst- warts, eine unbewußte Kunsterziehung zu erreichen, voll entspricht. Auf der anderen Seit« der Münze wird die Weribezeichnung, über deren Höhe in Mark die Entscheidung noch nicht spruchreis ist, in einer klaren, für Prägedarstellung geeigneten Antiqua gegeben. ver Zunge hat geraucht. Ein Straßenauslauf. Die Menschen ballen stch zusammen. Ein neugieriger Strahenbahnschaffner eilt seinem Wagen nach, der plötzlich mit dem Führer davonfährt. An- dere Menschen drängen sich neu hinzu. In der Mitte steht ein Beamter der Schutzpolizei. In der Hand ein N.'tizbua,, vor ihm ein zwölsiähriger Junge. Bon hinten reckt drohend ein Mann in einer Arbeitsbluse den Arm und ruft empört: „Jetzt mischt sich die Polizei auch noch ein, wenn ein Junge mal raucht!" Ein sehr würdiger Herr klopft den Beamten lobend auf die Schultern und äußert sich, daß bei dem mangelnden Erziehung?- willen der Eltern die Zuchtlostgkeit der Lugend nur aus diese Art bekämpft werden könne. Andere Zuschauer diskutieren mehr über die theoretische Seite, ob das Rauchen für die Jugend so schädlich sei, daß die Polizei sich selbst in dieser Frage mobil macht. Ein anderer, der die Familienverhältnisse des Knaben kennen muß, weist darauf hin. daß fein« Mutter arbeiten muh. da der Dater im Felde fiel. Es fehle nur die Zeit für die Erziehung de» Jungen, lernt haben. Zunächst dürste auch Herr Dr. Wirth sich in die klar» Erkennwis«ingearbeitet haben, daß Sicherheit und Stetigkeit der Regierung sich uur auf breiterer Basis errichten läßt, als er sie ihr bisher gegeben, und daß er eine Partei, die sachlich mitzaarbelieu gewillt ist, auch wenn sie nicht in der Regierung sitzt, nicht wie eine verpflichtete Hilfstruppe zu behandeln hat, die mitzutaten, aber»nix tau seggeu" hat. Das Blatt, das dieses schrieb, war— die volksparteiliche„Z e i t". Wenn sie jetzt ihre damalige Hal- tung als legendär erklärt, so beweist sie nur, daß sie ihren Namen mit Recht führt, nämlich insofern, daß die Zeit— vergeßlich macht. Volkspartei unü Zwangsanleihe. Dos Finanzministerium erklärt: Die in der Abendausgabe der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" vom Montag, den 87. Februar 1322, unter der Ueberschrift„Das Steuerkompromiß" ent- halten« Auslassung über die Besprechung des Reichsfinanzministers Dr. Hermes mit Vertretern der Deutschen Dolksportei entspricht n i ch t den Tatsachen. Dr. Hermes hat keinerlei Mitteilung über eine zwischen Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten erfolgte Einigung über das Mantelgesetz gemacht und war dazu auch gar nicht in der Lage, da eine solche Einigung über die endgültige Fassung des Mantelgesetzes noch gar nicht vorliegt. Ebeniowenig hat er in dieser Be- sprechung von Differenzen zwischen den beiden bürgerlichen Parteien und der Sozialdemokratie hinsichtlich des Zeitpunktes der Erhebung der Zwangsanleihe ge- sprachen. Er hat n u r darauf hingewiesen, daß die Sozialdemokratie unter allen Umständen darauf bestehe, noch im laufenden Jahre Mittel aus der Zwangsanleihe flüssig zu machen, daß dies ober nach Ansicht des Finanzministeriums nur geschehen dürfe unter Der- meidung einer neuen unerträglichen Belastung der Finanzämter. Er hat deshalb ausdrücklich darauf hingewiesen, daß das ganze Problem daraus hinausliefe, unter Sicherstellung der Sanierung der Finanz- Verwaltung doch einen größeren Betrag schon in diesem Jahre aus der Zwangsanleihe herauszuholen. Er hat die Per- treter der Deutschen Bolkspartei besonders gebeten, diesem Problem ihre Aufmerksamkeit zu schenken, und Dorschläge in dieser Hinsicht zur künftigen Beratung erbeten. In dieser Besprechung ist im übrigen die Frage der vbn der Deutschen Volkspartei verlangten sachlichen und persönlichen Garantien, sowie einer etwaigen Koalitionserweiterung überhaupt von keiner Seit« erörtert worden. Springenöe Kohlenpreise. Der Beichskohleuverband und der große Ausschuß de, Reichskohlenrates haben gestern die folgenden preis- erhöhungen beschlossen: Für Ruhrkohle aus der Basis von 106 OT. ohne Steuer(enf- sprechend 133,55 M. mit Steuer) für Fettförderkohle, für nieder- schleflsche Steinkohle im Durchschnitt oller Sorten um 140.60 M. ohne Steuern, für sächsische Steinkohle nm 13«. SO AL, im Durchschnitt aller Sorten mit einem Extrazuschlag für Grubenholz in Hähe von 20 RL, also im ganzen 15S.50 M. Für Aachener Sohle(Eschweiler) um 127,40 III. ohne Steuer. Für Braunkohle wurden die folgenden Erhöhungen beschlossen: Rheinische Braunkohle um 71.13 IN. für Briketts und um 13,21 IN. für Rohbraunkohle, für mitteldeutsche und ostelbische Braunkohle nm S7 RI. für Briketts und um 22,50 IN. für Rohbraunkohle im Durchschnitt je Tonne ohne Steuer. Das österreichische ßinanzproblem. Der österreichijch« Finanzminifter trifft heut« in London ein. Der Finanzpolitische Ausschuß des Völkerbundes wird dann dt« Frage der finanziellen Unterstützung Oesterreichs prüfen und regeln können. Wie verlautet, will der Ausschuß folgende Be- dingungen stellen: 1. Einstellung des Druckes von Pa» p i e r g« l d, 2. ausgiebiger« Besteuerung des Einkommens, 3. Auf» Hebung der Zuschüsse zur Berbilligung der Mehl» und Brotpreis« und 4. eine allgemein« Sanierung der österreichischen Finanzen. Der Hausen vergrößert sich inzwischen immer mehr. Ich denke daran, wie ich im gleichen Alter dieses Knaben auch das erste Mal heimlich geraucht habe und vom Bater eine tüchtige Portion ungebrannter Asche erhielt. Es war ein ziemlich nieder- drückendes Ereignis für mich, das stch im stillen Familienkreise ab- spielte. Die Zeiten ändern sich. Um diesen Jungen kümmern sich neben dem Schutzpolizisten jetzt schon die zweitausend Menschen. Er hört ihre Reden über die Nützlichkeit oder Schädlichkeit des Rauchens bis hinaus zu den Fragen 5er Tätigkeit der Polizei nur weil er geraucht hat. Morgen steht es schließlich in der Zeltung. Er wird zum Helden. Die Zeiten ändern sich. P. I. Sehen mit der Rase. Die außerordentliche Verfeinerung der anderen Sinneseindrück«, die sich allmählich bei den Blinden heraus- bildet, ist zwar allgemein bekannt; es ist aber interessant, die Be- kenntnisse eines Blinden zu hören, der in einem englischen Blatt da- von spricht, wie er„mit der Nase sieht". �Der Geruchssinn wird beim Blinden besonders scharf," schreibt er,„und wir benutzen ihn ganz instinktiv zu den Zwecken, für die der normale Mensch ganz natürlich sein« Augen gebraucht. Besonders Hilst uns der Geruch. uns einen Sinn für die Oerwchkeit zu schaffen, und ermöglicht uns, in einer Gegend, in der wir ziemlich zu Haufe sind, den Weg ebenso leicht und sicher zu finden, wie wenn wir die UmwÄt mit den Augen sehen könnten. Die Nase hat es deshalb verhältnismäßig leicht, weil es nicht zwei Straßen gibt, die denselben Geruch haben. Jedermann kann ja am Geruch erkennen, ob er sich aus einer Bahnstation, in einem Fleischer- oder Gemüseladen befindet. Die scharfe Nase des Blinden empfindet nun diese Unterschiede in außerordentlich ver- stärkter Weise und vermag auch noch viel feinere Nuancen aufzu- spüren, die dem normalen Geruchssinn verschlossen sind. Nicht nur jede Straße hat ihre besondere Geruchssphäre, sondern auch die ver- schiedenen Teile derselben Straße, ja die einzelnen Häuser haben ihre bezeichnenden Gerüche, und so weih der Blinde in einer Straße, durch die er oft kommt, noch dem Geruch bei jedem Hause anzu- geben, wo er sich befindet. Zum Erkennen von Menschen ist der Geruchssinn für den Blinden ebenfalls unschätzbar. Abgesehen von dem besonderen Geruch einer Zigarre oder einem besonderen Par- füm sind es sehr viel feinere Nuancen, an denen er den Menschen erkennt. Ich erinnere mich des Erstaunens einer bekannten Dame, der ich bei einer Begegnung auf der Straße sagte, sie hätte nicht dasselbe Kleid an wie neulich, da ich sie traf. Sie konnte stch gar nicht denken, woher ich da» wüßte. Aber es ist ganz einfach. Jeder Stoff hat einen bestimmten Geruch, und mit ein wenig Erfahrung kann der Blinde mit der Nase lesen, ob jemand Wolle, Seide oder Samt trägt."_ Bruno H. Bürgel hält T«imer»t«g. den 2. Mär», abend»• Uhr. einen öffentlichen Vortrag im Lanaenbelkhau». Luisenstraße»S, über.Da» Rätsel Welt". -iker„Niederdeutsche Bund-' bat seine Geschäsiislelle Ijetzt H-mdurg 8, Mröningerstr. 33 III. Der Geschäftsstelle ist ein Archiv angegliedert/ da» alle Verössenllichunge» zur niederdeutsch«, Sache sammeln wird. Ungerechtfertigte Forderungen Polens. Genf, 28. Februar. aus Dresden, der sich ebenfalls in finanzieller Bedrängnis befand, offenbar dazu angeregt,«in ähnliches Stück zu arrangieren. Netzoid, der zur Er- mordung seiner Schwiegermutter, der Witwe eines Brauerei- besthers in vresden-Briesnitz, sich ein«n Komplicen ge- düngen hatte, wurde verhaftet, als er auf das verabredete Zeichen vom gelungenen Morde nach der Dilla seiner Schwieger- mutter gehen wollte. Netzold hatte seinem Spießgesellen den Schmuck seiner Schwieger- mutter im Wette von mindestens einer Biertelmillion Mark und 100 000 Mark in bar versprochen, wenn er mit ihm nach Dresden fahr« und dort den Plan zur Durchführung bringe. Der Beauftragte konnte ober nicht schweigen und so erfuhr die Kriminalpolizei in Berlin von der Angelegenheit. Die Kriminalpolizei in Dresden konnte feststellen, daß olle Vorbereitungen Retzolds, der für den Tag des Mordes den 25. Februar schon vor Wochen festgesetzt hatte, planmäßig weitergingen. Netzold hatte mit seiner Schwiegermutter am Sonnabend abend gemeinsam mit seiner Frau ein Kino auf- aefucht. Dann brachte das Ehepaar die alte Dame nach ihrer in der Meißener Straße in Dresden-Briesnitz gelegenen Dilla. Im Garten war der gedungene Mörder ver st eckt, der die Frau in dem dunklen Gang überfallen und ihr di« Kehle durch- schneiden sollte. Netzold ging mit seiner Frau nach Haulc, konnte jedoch wohl die Unruhe nicht bemeistern und hat sich auf den Weg gemacht, um nochmals das Haus der Schwiegermutter auszu- suchen. Als er feine Wohnung verließ, wurde er von den ihn er- wartenden Kriminalbeamten verhaftet. Die Frau Retzolds hat von dem Mordplcm nichts gewußt. Netzold wurde noch Berlin ge- bracht und wird hier einem Verhör unterzogen werden. Wie man Geschäfte macht. Di« Geschäfte des betriebsamen Herrn Weber-Robine be- schäftigen noch immer die Kriminalpolizei. Veranlassung dazu gab bekanntlich seinerzeit der Selbstmord des Fräuleins Müller- H e l i n g aus der Pfalzburger Straße zu Wilmersdorf. Das Mädchen war als Okkultistin Schülerin Weber-Robinss. Die Erwitte- l u n g e n der Kriminalpolizei zur Aufklärung dieser Angelegenheit sind jetzt zu einem gewissen Abschluß gekommen, mit dem Ergebnis, daß weder vom medizinischen noch vom juristischen Standpmikt Weber-Robin« etwa» Totsächliches nachzuweisen ist. Der Selbstmord und der Verdacht, den er hervorrief, vcranlasitcn aber die Kriminal- polizei weiter, sich auch mit der früheren Tätigkeit Weber-Robines, insbesondere mit seinen vielen Gründungen, eingehend zu be- schäftigen. In Betracht kam zunächst im Anschluß an den Selbst- mord de« Fräulein Müller-Heling der Orden der Okkultisten. Hier hat man den Eindruck gewonnen, daß es sich auch bei dieser Gründung um ein reines Geschästsunternehmen handelt, dos mit Wissenschaiten nichts zu tun hat. Die praktischen Versuche auf diesem Gebiet sind vollständig mißglückt. Der Orden der Okkul- tisten und auch mehrere seiner Tochtergesellschaften firmieren auch wie Gefchästsunternehmungen, z B als eingetragene Genossen- fchaftea mit beschränkter Haftung, ober von einer gerichtlichen Ein- ttagung ist nirgend« etwas festzustellen gewesen. Sitz und Geschäfts» räum des Okkultistenordens und seiner Tochtergesellschaften, mit zum Teil hochtrabenden Namen, wie Astrologische Gesellschaft, ist ein einziges Zimmer in der Livländifchen Str. 11. Z» den frühe- ren Gründungen, die die Kriminalpolizei noch beschäftigen, gehört auch das„Grüne Kreuz". Alle Angaben zur Aiifklönmg der gesamten Tätqkeit Weber-Robines sind an Kriminalkommissar Dr. Koch im Berliner Polizeipräsidium(Hausanruf 533) zu richten. Die unrentable dahlemer Schnellbahn. vor einer Einstellung des Verkehrs? Nicht nur die Straßenbahnen, fondern auch die Berliner Unter- grundbahnen arbeiten streckenweise unwirtschaftlich. Als ein solcher besonders unwirtschaftlicher Betrieb wird die Untergrundbahnstrecke Nürnberger Platz— Thielplatz genannt, die sich vor der Schaffung der neuen Einheitsgemeinde im Besitze der Stadt Wilmers- doft befand, feit dem 1. Oktober 1920 in den Besitz der Stadt Berlin übergegangen ist und von der Hochbahngesellschaft betrieben wird. Die S t a d t B e r l i n muß als Nachfolgerin des Magistrats Wilmersdorf für die Wirtschaftlichkeit des Betriebes aufkommen, und solang« eine ausreichende Benutzung' dieser Bahnstrecke nicht vorbanden ist, muß die Stadt einen entsprechenden Z u s ch u ß leisten. Dieser Zuschuß betrug im letzten Rechnungsjahr mehr als 2� Millionen Mark und wird für das laufende Rechnungs- jähr auf mindestens 4 Millionen Mark geschätzt. Es muß daher, wie uns mitgeteilt wird, mitdervölligenDetriebseinstellung der Bahn gerechnet werden müssen. Eine derottige Stillegung einer wichtig«n Zubringerlinie zum Untergrund bahnnctz muß im Interesse der an ihr liegenden, im Eni- stehen begriffenen Siedlungen außerordentlich bedauett werden. Es wäre zunächst noch zu prüf«n, ob sich eine Erhöhung der Wirffchast- lichkeit nicht noch auf einem anderen Weg« erreichen läßt, als auf dem der T»ttferhölnmz«der der gänzlichen Bettiebsewstellunq. Als besondere Frage wäre zu»rüsen. ob sich durch die Schließung einiger weniger benutzten Hauestellen nicht ein« Erhöhung der Witt- schaftlichkett erreichen läßt. Der Vertrag mit Sem Postboten. GefSngnls für Umgehung der vefSrderungsvorfchriften. Ein ungewöhnlicher Bestechungsprozeß, bei dem die Frage eine Rolle spielt«, ob und unter welchen Umständen Postboten Trink- gelder annehmen dürfen, beschäftigte die Strafkammer des Land- gerichts l. Ein großer Apparat war bei diesem Prozeß in Bewegung ge- setzt, denn es drängten sich in und vor dem Anklageraum 7 Post- boten, darunter einige, die schon sehr lange im Postdienst standen und 10 Kaufleute. Der Kaufmann Schawe Kerfchen« bäum vertrieb hier im großen Waren aus dem besetzten Gebiet, insbesondere Schokolad«. Um seine Unterobnehmer schnell und billig in den Besitz der Waren gelangen zu lassen, hatte er mit den angeklagten Postboten eine eigenartige Beförderungsmethode ein- «führt: er hatte gegen«in« Belohnungvon2M. proPaket e zu bewegen gewußt, di« an ihn adressierten Pakete statt an ihn, sofort an die bestimmten Unterabnehmer zu oe- stellen Die Zahl der auf diese Weis« beförderten Pakete betrug mehrere hundert. Die Anklage stand aus dem Standpunkte, daß die Postboten ihre Dienst- und Amtspflicht oerletzt hätten und der Postfiskus um die Portogebühr geschädigt worden sei, die für die Beförderung der Sendungen von.Äerschenbanm aus Zu den Untcrabnehmcrn zu entrichten gewesen wäre. Gegen diese Auffassung kämpften die amtierenden acht Verteidiger aus rechtlichen und wffächlichen Gründen zum großen Teil mit Erfolg an: Es wurden nur Kerschenbaum zu 6 Wochen, ein Postbote zu 1 Monat, ein anderer zu 1 Woche Gefängnis ver- urteilt; alle übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Aus dem Verein der Freidenker für Feuerbestattung werden wir ersucht, unsere Genossen, die dem Derein angehören, auf folgenden Vorgang aufmerksam zu machen. Zwei von den 15 Bor- standsmitgliedern gehören der SPD. an, die übrigen der USPD. und der KPD. Don unseren Genossen ist der eine 2. Vorsitzender, der andkr« 2. Schriftführer. Ersterer gehört seit 8 Iahren dem Vor- stände an, Nachdem er vordem etwa drei Viertel Jahre in der Ge- fchäftsstelle tätig war, wurde er feit August wiederum darin be» schäftiat und war insbesondere im Werbedienst für den Verein tätig. Im Oktober erfolgte die Anstellung des 1. Vorsitzenden, der jedoch krankheitshalber fein Amt erst im Februar antreten konnte. End« Januar beschloß dann der Vorstand, dem 2. Vorsitzenden seine Tätig- keit mit lltägiger Frist zu kündigen. Diese Maßnahme wurde mit Sparsomkeitsrücksichten begründet. Der Verein hat im letzten Iaßr« feine Mitgliederzahl von 70 000 auf 150 000 erhöht. Er will sich über das Reich ausdehnen und wird zweifellos bei einiger Pro- paganda einen weiteren ansehnlichen Mitaliederzuwachs erfahren und damit auch vermehrte Arbeit haben. Wollte der Vorstand den Anschein der Sachlichkeit wahren, dann konnte er seine Maßnohms um etwa vier Wochen ausschieben und die Mitglieder bzw. die Dele- gierten zur Generalversammlung befragen, ob der 2. Vorsitzende weiterhin beschäftigt oder ober gekündigt werden soll. Die Eile je- doch, ihn mit 14täqig«r Frist, die schließlich bis 1. März verlängert wurde, rechtlich fedoch bis Mitte März laufen müßte, zu entlassen, macht die Sacke verdächtig. Es ist sachlich durchaus verkehrt, eine eingearbeitete Kraft zu entlassen, in dem Auoenblick, in dem man vor die Notwendiakeit aestellt ist, weitere Kräfte heranzuziehen. Eine solche„Sparsamkeit" wäre durchaus fasich wie denn auch schließlich das Festhalten an dem lächerlich niedrigen Beitrag, der kein besonderes Zutrauen au�ommen läßt, verkehrt ist. Erhöhung der Postgebühren im Auslandsverkehr. Die neuer- dings eingetretene Verschlechterung des deutschen Martturses Zwingt die Postvsr-voltung, im Auslandsverkehr vom 1. März an die Ge- wicht- und Versicherungsgebühren für Pakete sowie die Tele- grammgebühren nach dem Verhältnis van 1 Goldsrank gleich 4i M.— statt des feit dem 15. Dezember v. I. geltenden Umrech. nunqsverhällnisses von 1 Goldfrant gleich 36 M.— zu erheben. Dieses Umrechnungsverhältnis ist auch für die Wertanaobe auf «riefen und Paketen noch dem Ausland maßgebend. Für Fern- gefpräche noch dem Ai sland«erden ebenfalls entsprechend erhöhte Gebühren erhoben werden, Ueber die Einzelheiten geben die Post- anstalten Auskunst. ver Monarchismus im Scrichkswefen blüht munter fort. Don einem Freunde unseres Blattes wird uns abschriftlich eine Zustellung des Amtsgerichts Berlin-MItte zugänglich gemacht, in der es heißt:„Berlin-Mitte, den 15. II. 22. Aktenz.... 22/2. In Sa... gegen... wird anliegende Abschrift des Gutachtens über- fandt Auf richrerliche Anordnung(gez) Schmidt, Kgl. Diätar, als Gerichtsschreiber."— Man fragt sich unwillkürlich, ob die Unterschrift Kgl. Diätc/r etwa auf richterliche Anordnung er- folgt ist. Im übrigen kann man dem Diätar Schmidt ans Berlin» Mitte nur raten. In Zukunft die Annahme jeglichen republikanischen Geholtes zu verweigern und nach Afrika auszuwandcrn. Dott liegt am Tschads«« das Königreich Bornu, wo Herr Schmidt auch heute noch Kgl. Diätar fein kann. Lrhöhnvg der Pflegegeldfäße. Auf Grund des Beschlusses der Stodkerordnetsnoerfommlung der Stadt Berlin vom 19. Januar 1922 werden mit Wirkunq vom 1. November 1921 für sämtliche in Groß-Bettiner Pflegeanstolten befindlichen Psleqlinge einheitlich folgende Monatslätz» gezahlt: Für kranke Säugling« 275 M., für Kinder bis zum 2. Lebensjahre 240 M., Knaben von 2— 4 Jahren 180 M., Mädchen von 2--4 Jahren 160 M., Knaben von 4 bis 10 Iohren 145 M., Mädchen von 4—10 Jahren 125 M., Knaben von 10—14 Jahren 125 M. und Mädchen von 10— 14 Iohren 108 M. Personen, die städtische Eharlottenburger Pflegekinder in Pflege nehmen wollen, können sich beim Dezirks-Iiiqendamt Eharlotten» burg, Rathaus, Zimmer 149, täglich von 12— 2 Uhr melden, Wetter für morgen. Berlin und Nmgrgend. siiemNib mild, zeitwelle heiler jedoch filier, wiegend dewöikt mit wiederholten Regenfällen und frijchen westlichen bi» ffidwestlichen Winden._ Ein deutscher Orlenkdampser gesunken. Aus Kopenhagen wird gemeldet: Der'Dampfer Rothenburg der deutschen Oricntlinie in Hamburg ist im Katteqat südlich Samsee gesunken. Die Besatzung rettete sich in Schiffsbooten. Eine Hungersnot ist infolge großer U e b e r fck w e m mungen in der Provinz Kiangiu in China, zu der auch Shanghai gehört, ausgebrochen. Weite Strecken find verwfistel. die ge» samt« Reisernte zerstört worden. Secks Millionen Menschen werden von der Hungersnot betroffen. Die Be- wohner haben einen Aufruf erlassen, worin sie die Hilfe eine» internationalen Komitees anrufen. Hrost-Serliner parteinachrick>ten. Ii,«rei». Di« ffroltionomitgli-der i>«, 1».««r»->lwng»b»zirk»«erden gebet«». «n Mitiwoch, den 1. Mär,, um 8 Uhr Im Rath aus Panl-W, Limmer 17. zusammenzutreten._ SnnflfMienp««.»ie«eranstalwnge» ffi« sämtliche Ort»grupp«n muteten Mittwoch, t. Mörz. 7Zj llhe, im Saal der Znrlstilche» Sprech. sinnde,»lndenstr. I.«ortrog Lde, r,! e h»» g« au sg» den der Schule»ad F« m l l l««eferentl»»enoffin»»t-nil Psillst. SS. d.». Sämtlich« vrt.-erein« werde»>nr Teilnahm«-»ssef-rd-rt. Festgeletzt« Veranstaltungen der vrtagrup?«» fair» an». «. Abt. Mittwoch, den 1. Mär,. 7Z4 Uhr. Mitgliederversammlung im«Stl»»«- saal der Oderrealschul» Slinoftratz«. Zirserent»tasfft»urt chemtg ui"> «Saa Struerlowp romist'. OewerGhoftsbeVegung Generalversammlung der Landarbeiter. Sonntag tagte die ordentliche Generalversammlung der Ver- .aaltungsstelle Berlin des Deutschen Landarbeiterverbandes. Den Vorstands- und Kassenbericht erstattete der Kollege M ö w e s. Es haben 67 Versammlunaen in den einzelnen Zahlstellen stattgefunden. Ferner wurden in 3� Fällen zur Schlichtung von Differenzen Ver- treter entsandt. Zur Weiterbildung der Kollegen wurde ein Be- triebsrätekursus abgehalten. Vor dem Schlichtungsausschuß wurden die Kollegen in 14 Fällen vertreten. Es wurden im ganzen S424 M. Geld, 122 Zentner Getreide und 12 Zentner Kortoffeln durch Spruch des Schlichtungscusschusses für die Kollegen gewonnen. Mit der Hauptkasse wurden 80160 M. abgerechnet. Der Ver- mögensbestand der Lokalkasse beträgt zurzeit 4713,10 M. Dem Vorstand wurde auf Antrag Entlastung erteilt. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden die Kollegen Theuerjahr als Vorsitzender und Möwes als Kassierer ein. stimmig gewählt. Zum Punkt 3:„Tarifverhandlungen", erstatteten die Kollegen Dretzke, Neuipann und Möwes Bericht. Mit dem neu» abgeschlossenen Rahmenta�soertrag ist man nicht ganz einver- standen. Es soll versucht werden, bei Abschluß des Kreistarifes noch die notwendigen Verbesserungen herauszuholen. Zu Punkt 4 der Tagesordnung wurde der Vorstand der Ver- waltungsstelle durch Antrag verpflichtet, mit der Gauleitung in Ver- bindung zu treten zwecks Schaffung einer Arbeitsgemein- fchaft für Groß- Berlin. Gleichzeitig wurde er beauftragt, dahin zu wirken, daß der Hauptvorstand beim ADGB. dahin vor- stellig wird, daß die Grenzstreitigkeiten zwischen dem Staats- und Gemeindearbeitcrverband geregelt werden. Einigung in der Herrenkonfektion. In einer Versammlung der Schneider und Näherinne� in der Herrenkonfektion'berichtete am Montagabend Kuzebach über die Lohnvcrhandlungen mit den Arbeitgebern. Auf die geforderten Lohnerhöhungen wurde von den Arbeitgebern ein letztes Angebot gemacht, nach dem sie bereit sind, bei den Akkordlöhnen auf die Sätze der Vorkriegszeit jetzt 12S0 Proz. und ab 27. März 1300 Proz. zu bewilligen. Die Löhne würden jetzt betragen: für Schneider 633,60, Tagschneider 620,40, Stepperinnen 443,53, Handnäherinnen 402,— und Zuschneider 793,50 M. Vom 27. März ab 660— 646,25— 462— 418, TS nnb 826,56 M. Der Keirat?t zu dem Entschluß ge- .kommen, sich. für die Annahme zu erklären und die Mehrheit der Bronchenkommission hat sich ebenfalls dafür erklärt. Auch die Be- trisbsräte haben, sich dafür in einer Entschließung ausgesprochen. Be- friedigend werde das unzureichende Angebot niemand erscheinen, dennoch sei den Kollegen zu raten, dem Beschluß des Beirats, der Betriebsröte und der Bronchenkommission zu folgen. In der Aussprache traten mehrere Redner entschieden für die Ablehnung des Angebots ein, das mit den derzeitigen Teuerungs- Verhältnissen nicht in Einklang gebracht werden könne. Die Ab- stimmung ergab jedoch eine überwiegende Mehrheit für die Annahme._ Dos Arelgewerkfchaftliche Iugendkarkell veranstaltet am 1. März, 7 Uhr, in den Sophiensälen, Sophienstr. 16/17, eine Kundgebung für Iugendschutz gegen die 54stündige Arbeits- woche. Referent Genosse Karl Schreck- Bielefeld. Mitglied des Reichstags. Es ist Pflicht aller gewerkschaftlich organisierten Jugend- lichen, zu dieser Kundgebung zu erscheinen. Das ZNarinebeNeldungsamt in Wilhelmshaven hat in den letzten Tagen die dort beschäftigten 180 Schuhmacher entlassen, und zwar mangels Arbeitsgelegenheit. Die über 20 Jahre be- fchäftigten Arbeiter erhielten den Lohn für 8 Wochen als Entschädi- gung ausbezahlt, die über 30 Jahre beschäftigten für ein Vierteljahr. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, daß selbst nach Ablauf dieses Zeit- raumes die Betreffenden am Orte Arbeit finden werden. Sollte es durchaus unmöglich sein, den Betrieb dieses Vekleidungsamts auf- rechtzusrhalten, wenigstens für die langjährig darin Beschäftigten? Oder läßt sich nicht auf genossenschaftlichem Wege etwas für sie tun? Bund der technischen Angestellten nnd Beamten. Mittmoch: Mitgliederversammlung, Westen, Natirmaldot, Biilvwstraße 37, T'/e Udr. Nordvft gum Ztdnigstor, Neue Königstraße 1, 7'l, Uhr. Oranienburg. Neilhshof, Vernaner Str.!!6, Tl, Uhr.— Donnerstag: Mitgliederversammlung, Nordwest I, Restaurant Mattte. Turmstraße 78,?>,, Uhr. Charlottenburg III, Deutsches Smus, Windtcheidstrake 39, T/t Uhr Norden IV, Hubertus. Bornholmer Strafte 89, 7«/, Uhr. Spandau, Neuer Ratskeller, Rathaus, 7>/, Uhr. Steglitz, Althoff-. Ecke Körnerstrafte, 7 /z Uhr. Funk- tionSrversammlung, Südost, Restaurant Maust, Grünauer Slrnfte 37.— Freitag: Mitgliederversammlung, gentium— Süden, Alexandriner, Alexandrinenstrafte sl. TV'. Uhr. Neukitlln, Bürgersitle, Bergstrafte 147, lstz Uhr. Oberschöneweide, Hubertus, Edison-, Ecke Waldstrafte. Tl, Uhr. Osten II, Loaentastno, Knarr Promenade 8, 7 V. Uhr. Schöneberg, Ebershof, Ebersstrafte 38. 7>/, Uhr. Tempel Hof, Kastno-Reftaurant, Berliner Strafte 1#5, 7>/, Uhr. Weiftenlec, Spatenbräu, Berliner Allee A2,?>/z Uhr. Deutscher Holzarbeitcrocrband. Mustkinstrumentcnarbeiter: Vertrauens- männerversammlung Donnerstag 5 Uhr im Rcichenbcrger Hof. Die Anzeige für Mittwoch, den 13., im Mitteilungsblatt beruht auf einem Irrtum. Laut Beschluft finden die Bertrauensmännerversammlungen regelmäßig jeden ersten Donnerstag im Monat statt. WLetsthsft „Die Welkbildllng d« Soufmanus." Der Mitarbeiter Ealwsrs, Wichelm Bogel, hat dieses alte Buch Dr. I. Minoprios in einer Weise neu bearbeitet und umgestaltet, daß es die Beachtung aller strebenden Kaufleute, auch der sozialistischen, verdient. Auf knappem Raum ist eine Fülle Material zusammengetragen, das zu kritischem Denken anregt und den Kaufmann auch mit den Problemen der modernen Wirtschaft vertraut machen will. Mag man auch im Ur- teil dem Hercxusgeber manchmal nicht zustimmen, so hat das Buch doch einen hohen Wert dnrch fein Streben, die Probleme Vorurteils- los darzustellen. So, wenn über den Kaufmann und das Genossen- fchaftswefen geschrieben wird:„Besondere Erwähnung verdien: die Tatsache, daß das Konsumvereinswesen großen erzieherischen Ein- fluß auf das Publikum gehabt hat. In der Bekämpfung der Borg- Wirtschaft find die Konsumvereine dem freien Handel mit gutem Bei- spiel vorangegangen. Wenn durch die Entwicklung der Konsum- vereine ein paar Tausend jener Kräfte vernichtet wurden, die in den Arbeitervierteln der Industriestädte durch leichtfertige Kreditgewäh- rung einen großen Abnehmerkreis in ein dauerndes Schuldverhält- nis hineingebracht und daraufhin schamlos ausgebeutet hatten, so kann der' Handelsstand den Konsumenten organisatorisch für diese Säuberungsaktion nur dankbar fein. Dem Publikum ist ferner durc�, die Konsumvereine der Blick für reelle Ware und gerechte Prei-� festsetzung geschärft worden." Bogel empfiehlt tüchtigen Kauf- leuten, die nicht über genügend Kapital für ein selbständiges Unter- nehmen verfügen, die Betätigung innerhalb der Genossenfchafien. Die Reichhaltigkeit des Materials, das in gedrängter Ueberficht bei klarer, einfacher Sprache behandelt und mit vielen Tabellen ver- sehen ist, wird durch folgende Gliederung des Stoffes gekennzeichnet: Stellung des Kaufmanns im Getriebe der Bolkswirtfchaft.— Die Vorbildung des Kaufmanns.— Der Kaufmann in seinem Beruf.— Soziale Stellung des Kaufmanns.— Der Kaufmann und die Presse. — Geschichte der.Volkswirtschaftslehre.— Die wirtschaftlichen und sozialen Strömungen der Gegenwart— Die wirtschaftlich- Lage Deutschlands nach dem Kriege.— Geschichte des Welthandels.— (Verlag für Sprach- und Handelswissenschaften S. Simon, Berlin, Preis geb. 48 M.) Vcranlw. für den rcdakt. Teil: Franz Klühs. Bsrlin-Lichterfelde; für An- zeigen: Th. Stacke, Berlin. Bcrlag Borwärtz. Verlag®. m. b. H., Berlin. Druck: Dorwärts.Buckidruckereiu.Lerlagsanstalt Vaul Singer u. Eo.. Berlin. Lindenftr. 3. Wichtig für alle Lefer des„Vorwärts" Die Sntstohnng,(CaitoiiflnRB und«vaburk des Menschen- für Studierende, Aerzte, Hebammen und erwachsene Laien, von p. Zeiller fen. ________ atlin und Geheimrat De. IDeiftbcad. ein Werk, wie es nach nicht geboten wurde, unter vielem anderen entdaltcnd: Bau des menschlichen� Körper«.— Da» weibliche Becken vor,' während und nach der Schwangerschaft,— Geschlechtsleben des Weibe«,— Geschlechtstrieb.— Befruchtung.— Zeugungsunsähigteit de« Mannes.— Uniruchlbarkeit des ' jt.— Störungen derselben.— Emptängncsverhüwng.— Verlauf der Geburt in den verschiedenen Lagen.— Wochenbett.— Säuglingspfleze.— Kindertranlheiten.— Wöchnerinnenpflege.— Das rinzq dastehende Werk(12, Auslage) mit 274 Raturadbildung-n.._ unter Milwirlung von vr. m. Erde. Dr. Zt. Aoarg, vr. Zt. Marti» und Geheimrat Weibes.— Schwangerschast. Uer Vervailiingilelle Berlin N 54, LlnlenjtraBeBB 85. Geschäitszeit van»arm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr T-leph-a: Amt Norden 833, 834, 835, 83«. 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