Kr. 101 Jahrgang Musgabe A Nr. 51 Bezugspreis: BleclfliäfitLSO,— M.. monatl. 20,— St frei ins Saus, voraus»ahlbar. Post- demg: Monailich A.— M. einschl.?,u- stellungsgebiihr. Unter Kreuzband für Veutfchiand, Danzig. das Saar- und Memelgebiet, sowie die ehemals beut- fchen Gebiete Polens, Oesterreich- Ungarn und Luxemburg St.— M.. für das übrige Ausland 72,— M. Post- deftellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheche- Slowakei. Dane- mark. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der.üvnsürts" mit der Sonntagsbeilage„Volk und Zeit", der Unter- Haltungsbeilage ,Heimwelt* und der Beilage.Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Souu- tags und Montags einmal. Telearamm-Ddreffe: »Sozialoemotral Berlin- Morgen Ausgabe rf> Derlinev Volksblnlt ( 70Pfennl3� Anzeigenpreis: ®ü einspaltige Nouvar:-Dezeile kostet 12,— M.„kleine Anzel>ge:l- das fettgedruckte Wort 3.— M. l zulässig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 2,— üst. 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Die deutsche Regierung Hai der Reparatiouskommission milgeteilt, daß sie gestern die sünste Zahlung von ZI Millionen Goldmark an die zu diesem Zweck bezeichneten Rationalbanken überwiesen hat. Die vorhergehenden vier Zahlungen waren am IS. und 28. Januar, 7. und 17. Februar geleistet worden. Die deutschen Reparationsteistungen in Dar und in Sachlicserungen betrugen am I. Mai 1921 vom Wassenstillstand ab gerechnet 7% Milliarden Goldmark. Seither hat Deutschland etwas weniger als zwei Milliarden Goldmark bezahlt, also im ganzen ungefähr i&i Milliarden Goldmark bis zum heutigen Tage. Davon müssen allerdings die Vorschüsse, die Deutschland in bar gc- mährt wurden, sowie der wert der Rohslofse und Lebensmittel, die in den früheren Zahlungen cinbegrissen sind, in Abzug gebracht werden, so daß eine tatsächliche Leistung von etwa Si- Milliarden Mark bleibt. Diese Summe ging zum großen Teil in den De- s a h u n g sk o st e n auf. Das neue Sachlieferungsabkommen. Man hörte gsstern, daß mit dem Aerhandlungsführer, dem Belgier Bemelmans, der sich nach Paris begeben hat, nereinbort worden fei, erst am Mittwoch abend die Presse zu informieren. Ergänzend wurde dann gemeldet, daß sich diese Mitteilungen um voraussichtlich einen Tag hinausschieben würden, weil durch die Verzögerung der Rückkehr des Reichs- kanzlers nach Berlin das Kabinett nicht früher Stellung nehmen könne. Jetzt ist die TU. dennoch in der Lage, aus Paris zu melden: lieber die Bestimmungen des Demelmanschcn Abkommens liegen folgende Elnzethetten vor. die als Zusatznote zum Wiesbadener Abkommen gedacht sind: l. Für das 3ahr 1922 belaufen sich die Barzahlungen aus 720 Millionen Goldmark und die Sachleistungen aus 1450 Millionen Goldmark. Wenn der Betrag der Sachleistungen nicht erreicht wird, so erhöhen sich dadurch die Barzahlungen um den entsprechenden Betrag. 2. Die Bestellungen werden zum Weltmarktspreis gegeben und von der Reichsregierung an deutsche Private in Papicrmark vergütet. 3. Für die Bestellungen wird kein Maximum festgesetzt. Die größeren Bestellungen können direkt abgeschtosien werben, d. h. direkt zwischen dem deutschen Erzeuger und dem französischen Verbraucher. 4, Das Minimum der vestellungen beträgt 1500 Goldmark. 5. Die Bestellungen, die mehr als 25 fremde Rohstoffe ersor- dern, werden vollständig vom Käufer bezahlt. Für die Vestellungen von Eisen und Stahl wird der Käufer eine Barzahlung von Z5 Proz. leisten. 6. Kupfer, Zement und einige chemische Produkie sind von den Abmachungen ausgeschlossen. 7. Die Bestellungen können nur zwischen wirklich bekannten Häusern abgeschlossen iverden. 8. Die Zndustrickarlelle, die im vertrage hinsichtlich der Reparationen vorgesehen sind, verschwinden, ebenso das deutsche Reichs- minisierium für den Wiederaufbau. 9. Die Bestellungen beziehen sich vorzugsweise aus deutsche Erzeugnisse, die der Industrie der Abnehmerländer leine Konkurrenz machen. 10. Die Abmachungen werben von den alliierten Sachverständigen geprüft werden. In Ergänzung wird dazu noch gemeldet, daß diese Acr- einbarungen nicht auf Frankreich ausgedehnt werden sollen. Das Wiesbadener Abkommen werde von den getroffenen Per- einbarungen nicht berührt. Durch diese Behauptung wird die Sachlage nicht vereinfacht. Wir hofsen, daß sie bald durch amtliche Mitteilungen geklärt wird. Moskau � Paris � Genua. Der„Ostexpreß" erfährt, daß die Möglichkeit einer russisch- französischen Annäherung konkretere Gestalt annehme! im Kreml werde dauernd darüber beraten. Nußland soll Frankreich Konzessionen im Dongebiet und im Kaukasus angeboten, dafür aber das Unterbleiben polni- scher und rumänischer Angriffe gefordert haben: man möchte vermuten, daß das Schicksal aller militärischen Versuche, das Sowjetregime zu stürzen, schon eine ziemlich starke Ga- rantie märe! Tschitscherin hat, nach einer Radiomeldung, als Vorbsdin- gung der Delegierung nach Genua nicht nur rechtzeitige Einreise- erlaubnis, sondern auch Garantien für die Sicherheit der De- legierten unterwegs wie in Genua und Unantastbarkeit hres Gepäcks, Briefverkehrs und ihrer— Bedienung gefordert. Vor Rußland aber steht auch noch das furchtbare Ge- spenst der F r ü h j a h r s k r i s e, die als fast'.inabwendbar gilt.... « Der gegenwärtig in Moskau tagenden erweiterten Exekutive der Kommunistischen Internationale erstattete S i n o w j e w Bericht iba die Entwicklung des Wettkommunismus. Was Deutschland betreffe, so sei die KPD. trotz aller Krisen aus den Kämpfen er- f o l g r e i ch hervorgegangen. Die Ansicht, daß der Dritte Welt- kongreß der Kommunistischen Internationale nach rechts abgeschwenkt sei, habe sich als unrichtig erwiesen. Die äußersten linken und die äußersten rechten Gruppen hätten die Lage der russischen Re- oolution und die Rotwendigkeit Vicht verstanden, dem Kapitalismus angesichts der langsamen Entwicklung der Weltrevolution Zugeständnisse zu machen. Ein Teil dieser Gruppen sei zu den An- i archisten übergegangen und unterstütze so die bürgerliche Reaktion, � wie z. B. in Frankreich. Nach Ausfichrungen über den Stand der revolutionären Bewegungen in Italien, Frankreich, Irland und Indien erklärte Sinowjew, daß es vollkommen falsch sei, diese Cnt- Wicklung so aufzusassen, als ob die revolufionäre Welle wieder zurückgeebbt sei. Das Gegenteil sei vielmehr der Fall. Nach dem Dritten Weltkongreß sei es in Deutschland, England, Polen und in anderen Ländern zu umfangreichen Streikbewegungen gekommen, in deren Verlauf die kommunistischen Parteien erfolg- reich zu wirken vermochten.(!) R a d e t berichtete über seine Berhandlungen mit L e d e b o u r und Adler. Der Plan einer gemeinsamen Konferenz über Wieder- gutmachung, Anerkennung der Sowjetregierung, Achtstundentag, Ar- beitslosigkeit scheitert an der G e w e r k s ch a f t s f r a g e, da Amsterdam sich weigerte, mit der Roten Gewerkschaftsinternationale zu verhandeln. Adler habe erklärt, daß die deutschen Mehr- heitssoziolisten vielleicht selbst in dem Falle nicht an einer internationalen Konferenz teilnehmen würden, wenn ein dahin- gehender Beschluß der Zweiten Internationale gefaßt würde. Die englische Arbeiterpartei habe ihre Teilnahme versprochen. Ob Adler solche Perinutungen über die SPD. ausgesprochen hat, wissen wir uichl: jedenfalls ist das in Frankfurt bekanntgegebene Schreiben der Zweiten Internationale maßgebender. Internationale ßeftftellungsgerichte? Englischer Kompromistvorschlag für Kricgsprozcssc. London. 28. Februar.(TU.) Rech einem ofsiziösen Vorschlag Englands, das von der Ausrollung der Kriegsbeschuldiglen- frage durch Frankreich nichts weniger als angenehm berührt ist, sollen die Kricgsdefchuldigten vor internationale Gerichtshöfe geladen werden, die in Frankreich, England und Zlalien ihre Sitze haben sollen. Diese Gerichtshöfe sollen jedoch ledigiich die Aufgabe haben, die Fälle zu klären, zu untersuchen und Slrasanträge zu stellen. Das endgültige Urteil soll dann aus Grund dieses Antrages das heimische Gericht des Beschuldigten fällen. Internationale Gerichtshöfe müssen aus Angehörigen drr bcteiligien und neutralen- Nationen bestehen: sie hätten vernünftigerweise in neutralen Ländern zu tagen. Sitzen sie in den Ententestaaten, so wird der Widerstand gegen das Erscheinen vor ihnen auch dann leidenschaftlich sein, wenn sie nur Anklagekammern find. � Mitteleuropa- Frankreichs Sannkreis. Tie Erweiterung der kleineu Enteitte durch den Beitritt Polenz führt die„Frantf. Zig." auf die Bemübungen Rumäniens zurück, das schon früher Polens Aufnahme befürwortet hatte. TaS Blatt loeist auf die mancherlei Interessengegensätze zwischen den Staaten der großen und der kleinen Entente hin und meint, daß an verschiedenen Stellen der kleinen Entente der Wunsch nach größerer T e l b st ä n d i g l e i t gegenüber den großen Mächten sich geregt hat. macht dann aber daiaiis aufmerksam, daß Polen in den Pier- buitd die Last der französischen Milttärkonvention einbringt, die dein ganzen Verbände eine sehr fatale Färbung gibt. Slomnit die Barriercnpolitik Frankreichs im Osten zum Ziele, dann zieht sich ein Ring von Frankreich abhängiger Staaten vom Weißen Meer bis zum Adrialiicheit und Schwarzen Meer mitten durch Europa. Das gibt Frankreich eine dominierende Stellung, wie es sie kaum zu den Zeiten der Napoleone besessen hat. Polen unö Litauen. Der unter widerrechtlich eingebrochener polnischer Militärherr- schaft„gewühlte" Wilnaer Landtag hat sich trotz Völkerbund nicht damit begnügt, die„endgültige Angliederung" der lzaupistadt Li- tauens samt ihrer Umgebung an Polen„feierlich zu verkünden"— er fordert jetzt auch, daß in denjenigen Gebieten des Litauischen Staates, welche eine dichte polnische Bevölkerung aufweisen, ein Plebiszit über staatliche Zugehörigkeit und Grenzführung ent- scheiden soll. Außerdem verlangt er auch die A n g l i c d e r u n g des bisher bei Litauen verbliebenen und des zur neutralen Zone gehörigen Teiles des Wilnaer Gebietes an Polen. Der litauische Staatepräsident hat aus Anlaß des vierjährigen Bestehens des litauischen Staates neun von den fünfzehn An- gehörigen der„POW."(polnische militärische Kampforganisation) amnestiert, die 1920 wegen Hochverrats zu schweren Gefängnis- strafen verurteilt worden waren. Wie es heißt, ist diese Maßregel auf Betreiben des Generals B a b i a n s k i erfolgt, der als ein überzeugter Anhäizger einer polnisch-litauischen. Fördrraiion be- kannt ist.., Ehristentum der Tat. Von Heinrich Ströhe l. In seinen ersten bescheidenen Anfängen war das Christen- tum eine überwiegend proletarische Sektenbewegung, die stark kommunistische Sentenzen predigte und hier und da auch praktische Gütergemeinschaft betätigte. Mit Recht werden in dem �bekannten Sammelwerke„Die Vorläufer des Sozialis- mus" in der Ahnenreihe des modernen Sozialismus von Kautsky auch die urchristlichen Gemeinden aufgezählt. In seinem späteren umfangreichen Werke„Der Ursprung des Christentums" führt Kautsky sogar eine lange Reihe von Stellen aus den Evangelien als Zeugnis dafür an, daß diesem kommunistisch gefärbten Urchristentum auch so etwas wie „Klassenhaß" keineswegs fremd geblieben ist. In der Erzählung von Lazarus beispielsweise gelangt nur der Anne in Abrahams Schoß, während der Reiche der ewigen Pein ver- fällt, weil er im Leben sein Gutes abbekommen hat. Ganz die gleiche Auffassung findet sich in der Bergpredigt: Selig Ihr Armen, den Euer ist das Königreich Gottes.... Dagegen wehe Euch, Ihr Reichen, denn Ihr werdet hungern! � Aber dieser kommunistische Zug des Christentums oer- blaßte, je inehr dessen Anhängerschaft ihren vorwiegend prole- tarischen Einschlag verlor, je stärker sich die christlichen Ee- meinden mit wohihäbigei: und angesehenen Elementen durch- setzten, je inehr die christliche Aufwssung und Lehre sich der Klassenschichtung und den realen Machtverhältnissen anpassen lenue. Dieser Wandel im Charakter des Christentums vollzog sich in demselben Maße, in dem aus den Laiengemeinden eine wohlgcgliederte priesterliche Hierarchie erwuchs, die immer größereu Einfluß im Staate erlangte. Und als gar im vierten Jahrhundert das Christentum zum offiziellen Staatskult wurde, teilten sich die Bischöfe mit den Kaisern in die Macht. „Die siegreiche christliche Gemeinde war in allen Punkten das gerade Gegenteil jener Geeminde, die von armen Fischern und Bauern Galiläas und Proletariern Jerusalems drei Jahrhunderte vorher begründet worden war. Der ge- keuzigt« Messias wude die festeste Stütze jener verkommenen. infamen Gesellschaft, deren völlige Zertrümmerung die Messiasgemeinde von ihm erwartet hatte."(Kautsky.) Und das offizielle Christentum in der Form der verschiede- neu kirchlichen Organisationen blieb bis in die neueste Zeit hinein die Stütze der herrschenden Klassen und Verteidiger und Beschöniger der gesellschaftlichen Zustände, uiiter deren Unge- rechtigkeit die Massen so schwer litte». Selbst die Nevolntion, die in mehreren Ländern Europas den alten Obrigkcitsstaat zertrümmerte und sogar das Fundament der Klassenherrschaft, die kapitalistische Wirtschaftsordnung, ins Wanken brachte, hat die soziale Gesamtentwicklung unserer Kirchen noch nicht zu verändern vermocht. Trotzdem: das Christentum hat iin ge- schichtlichen Verlans ein so starkes Anpassungsvermögen be- wiesen, daß es gebotenenfalls, wenn es die Zeilströmung be- dingte, auch einen Slnschluß an die sozialistischen Ideengänge finden würde. Ein solcher Wandlungsprozeß könnte sich dabei sehr wohl in den Farmen eines sichtbaren inneren Ringens vollzielzen. Geistige Umstellungen dieser Art erfolgen ja nie- mals als kühl berechneter plötzlicher Frontwechsel, sondern als psychologisch umstätldlich motivierte Weltanschauungsumbil- düngen. 2lls Symptoin dieser beginnenden Auseinandersetzung innerhalb des Katholizismus möchten wir auch die Schrift Robert Schwellenbach werten, die sich„Die Erneuerung den? Abendlandes" betitelt,*) in beabsichtigter Gegensätzlichkeit zu dem bekannten Spenglerschen Buche. Sctjwellenbach ist zwar kein Geistlicher, sondern ein höherer Postbeamter, aber seine Schrift bewegt sich so völlig in spezifisch religiösen Gedankengängen, daß sie ohne�weiteres der religiösen Literatur zugezählt werden könnte. Jedenfalls ist sie der interessante und beachtliche Versuch eines mit den Zeit- Problemen ringenden, gebildeten Katholiken, die überlieferten christlichen Ansilzauungen mit den politischen und sozialen Er- sordernissen des Tages in Einklang zu bringen. Vermutlich spricht Schwcllenbach nur aus, was viele andere denkende und ehrlich strebende Katholiken gleichfalls empfinden. Schwellenbach wirbt beredt und warmherzig für seine Ucberzeugung, daß der Untergang des Abendlandes, der ihm aus Kricgswahnsinn, wirtschaftlicher und kultureller Ver- wüstung zu drohen scheint, ain wirksamsten, ja allein durch eine Lebensführung im Geiste eines merktätigen Christentums abgewendet werden könne. Der Mensch als einzelner und als Gemeinschaftsglied soll sich am Vorbild des„Eottmenschen" emparläutern:„denn im Gottmenschen ist menschliche Natur durch die göttliche derart verklärt und emporgerichtet, daß die Menschen... von selbst notwendig immer mehr zum Siege der Gerechtigkeit beitragen, weil, es ihnen immer weniger möglich wird, ll�ißbräuche wirtschaftlicher Güter und sonstige Unge- r e ch t i g k e i t e Ii auch nur zu dulden, geschweige denn zu verüben oder zu verursachen." Die sittlichen Gebote des Christentums sollen in der religiös erneuerten Menschheit so *) Verlag der Vereinigung wissenschaftlicher Verleger, Walter de Gruyter u. Co., Berlin und Leipzig.____•u�a.v j. r lebenskräftig werden, daß Vergewaltigung, Uebervortellung und Unterdrückung im sozialen Getriebe von selbst verschwinden. Um diese Kmft zu entfaltvn. soll das Christentum sich mehr als bisher um das D i e s s e i ts kümmern, denn:.eine Lebensauffassung, die l e d i g H ch auf ein jenseitiges Gottesreich ihre Hoffnung fetzen wollte, ohne zugleich auf einen irdischen Fortschritt im Sinne des christlichen Sittengesetzes bedacht zu fein, spräche dem Christentum geradezu Höh n." Schwellenbach kommt ans diesem Grunde auch zu starker Bejahung des pazifistischen Gedankens:„Wer sich einen Christen nennt, dabei aber den Weltfriedensge- danken verhöhnt oder verspottet, hat den Geist des Christentums auch im entferntesten noch nicht begriffen." Notwehr des einzelnen und des Volkes müsse zwar erlaubt sein, doch müßten sich auch ihre Voraussetzunigen schließlich restlos beseitigen lassen. Denn wie das Verbrechen durch soziale Fürsorge und sittliche Erziehung ausgerottet werden könne, so müsse auch durch die Einwendung des christlichen Sittengesetzes auf das Völkerleben die Idee der Völker- g e m e i n s ch a f l zum Siege gef ührt werden. Und noch ein anderes B-ekenntn is legt Schwellenbach ab: „Wenn dem Geiste des Christentums wahrhaft Genüge geschehen soll, dann ist es die Au f g a b e eines jeden V o l k e s, die V o l k sw i r t s ch a f t j o z u g e st a l t e n, daß jeder Volksangehörige, sofern er das Sittengesetz beobachtet, sich um des Lebensnotdurft nicht zu'kümmern brauch t." Diese Annäherung an die sozialistische Auffassung erfolgt allerdings noch zögernd, unter mancherlei Hemmungen. Der kleinbürgerliche Eigentumsbegriff versperrt Schwellenbach noch den Blick in die gemeinwirtschastlich organisierte Zukunft. Das„Eigentum" soll nach Möglichkeit unangetastet bleiben. Immerhin soll die Vernunft, d. h. die gesellschaftliche Erfahrung und Erkenntnis, darüber entscheiden,„ m i e w e i t im übrigen der Begriff des Eigentums zu ziehen ist." Und es ist„Sache der Wirtfchafts- und Rechtswissenschaften, zu ermitteln, unter welchen Bedingungen die Gutererzeugung am größten wird und der Umlauf und Austausch von Gütern sich am besten vollziehen." Auch sonst macht Schwellenbach dem Geiste der mit Prole- tarierfäusten ungestüm an die Pforten der Kultur pochenden Zeit das Zugeständnis, daß es gutes Menschenrecht sei, mehr zu erstreben, als nur die Befriedigung der Notdurft:„Und wenn dabei die Wünsche der Menschen immer kühner werden, wenn sie an Festtagen auch das genießen möchten, was ihnen Jahreszeit, ihr Land ihnen nicht bieten kann, brauchen sie sich solche Wünsche zu versagen? Setzen nicht Handel und Verkehr mit den Fortschritten der Technik die Erdenbewohner immer mehr in den Stand, jederzeit alle Erzeugnisie der einzelnen Länder gegeneinander auszutauschen und die Freiheit des Genießens immer weiter auszudehnen? Nicht minder auch den reinen Naturgenuß durch die fortschreitende Ueberchrückung der Schranken von Raum und Zeit bis zu ungeahnten, ja kaum zu begrenzenden Möglichkeiten? So setzt das Christen- tum nirgends der Freiheit des Genießens eine Schranke, verdammt aber um so heftiger die zügellose Genußsucht einer Minderheit, die zum Schaden, zum Verderben der Mehr- heit ihr eigenes Leben nicht genießen, sondern verprassen und vergeuden will." Leider zeigt Schwellenbach nicht auch die Wittel, die sein „Ehristentum der Tat" zur Wirklichkeit werden lassen könnten. Mit wohlmeinenden Ermahnungen wird auch heute nicht mehr erreicht, als vor hundert oder vor tausend Iahren..Die Ge- sellschaft mittels der Idee, von der gebildeten Klafft mis reformieren? Unmöglich! Unsere Zeit ist rein m a t e r i e l f." Einer der ftinnervigsten, sozialpsychologisch icharfhörigsten Dichter, Georg Büchner, schrieb das schon vor mehr als achtzig Jahren. Ein„Christentum der Tat" müßte also schon gleich dem Urchristentum wieder zum Sehn- suchtskünder und Willensvoklstrecker der proletarischen Massenselb st werden! Fuhr doch auch Georg Büchner an der zitierten Stelle fort:„Und die große Klasse selbst? Für sie gibt es nur zwei Hebel: materielles Elend und religiöser Fanatismus. Jede Partei, welche diese Hebel anzusetzen versteht, wird siegen." Ob die katholische oder eine andere Kirche ft den Fanatis- mus für die soziale Gerechtigkeit ausbringen wird, der den materiellen und seelischen Bedürfnissen der Massen ent- spricht, wird die Zeit lehren. Inzwischen hat der S o z i a l i s- mus selbst seine Forderungen und seine Weltanschauung mit einem Glauben und einer Glut zu vertreten, die ihm die i Unwiderstehlichkeit des religiösen Fanatismus sichert und das Christentum der Tat zur Wahrheit macht! Dunkelheiten um Sie Awangsanleihe. Das Reichefinanzministerium hat die von uns festge- nagelten„Informationen", die die„D. A. Z." aus einer Un- terhaltung deutfchvolksparteilicher Führer mit dem Doppel- minister Hermes zum besten gab, in dankenswert bündiger Weise offiziell als Unwahrheiten bezeichnet. Aus der in der gestrigen Abendausgabe des„Vorwärts" veröftentlichten Erklärung geht auch hervor, daß das Reichsfinanzministerium das Kernproblem der Zwangsanleihe darin sieht, einen große- ren Betrag aus ihr n o ch i n d i e s c m I a h r e hcrauszu- holen. Die zu Herrn Hermes gebstenen Herren der Deutschen Bolkspartei sind besond'es gebeten worden, diesem Problem ihre Aufmerksamkeit zu schenken und Vorschläge in dieser Hin- ficht zur künftigen Beratung zu machen. Da die gestrige Abendausgabe der„Deutschen Allgemei- nen Zeitung" die ihr vom Reichsfinanzministerium verab- reichte saftig« Ohrfeige ihren Lesern kommentarlos meldet, auch nicht ohne weiteres angenommen werden kann, daß sie das tut, um befreundeten Stellen aus der ungeschicktsrweise bereiteten Verlegenheit zu helfen, so bleibt es wohl dabei, daß das mitführende deutfchvolksparteiliche Blatt auf seinem Standpunkt beharrt. Das heißt, 1920 selbstverständlich keine Zahlung auf die Zwangsanlcihe und, wenn irgend möglich, auch Verhinderung eine? Veranlagung. Es handelt sich bei dieser Stellungnahme nicht um einen Zufall oder um die Auffassung eines Außenseiter?: predigt doch gestern abend„Die �eit" eindringlich die Rolwendigkcit eines Feierjahres für die Finainämter. Sie versteckt sich dabei wieder ausgerechnet hinter Herrn Hvemes und— das ist eine neue Note— die beiden bürgerlichen Koalilions- Parteien. Insbesondere dies ist aber eine aus den Fingern gesogene Wissenschaft, denn die bürgerlichen Koalitionsparteien haben ja überhaupt noch keine Stellung genommen in der Richtung, wie es„Die Zeit" gern als schon geschehen an- genommen wissen möchte. Man arbeitet eben nach einem bestimmten Plan. Dem deutschoolksparteilichen- Organ wird dabei gestern abend durch eine Meldung der TU. sekundiert, die besagt: Wie die Telegraphen-llnion erfährt, nehmen die Vorarbeiten für die Schaffung und die Ausgabe einer Zwangsanleihe im Reichs- finonzministerium ihren Fortgang. Sie sind außerordentlich schwierig, doch hofft das Finanzministerium, sie so beschleunigen zu können, daß noch vor Ende des Jahres die Zwangsanleihe ausgeschrieben werden kann. Damit soll wohl die Meinung befestigt werden, daß vor Ende des Jahres die Zwangsanleihe überhaupt nicht ausge- schrieben werden kann. Es wird dqbei übersehen, daß auch das Reichsfinanzministerium eine ausführende und keine be- stimmende Behörde ist. Bestimmt wird von den Koa- litionsparteien und dem Kabinett, kurz, dem Parlament. Wir können deswegen auch heute wieder nur sagen, daß zu den sich jetzt an allen Enden regenden Bemühungen, die Zwangs- anleihe auf dem Umweg über sich schlau dünkende politische stille Teilhaber der Deutschen Volkspartei, über Finanzämter, Ausführungsbestimmungen und schwierige Vorarbeiten lang- sam„abzuwickeln", die Sozialdemokratie noch einiges zu sagen haben wird. Wenn wegen dieser unserer gestrigen Ankündi- gung„Die Zeit" gleich eine Spalte lang aus der Rolle fällt, so ist das allein schon Beweis genug dafür, daß wir damit auf dem richtigen Wege sind. Namentliche Abstimmung im Reichstag. Am kommenden Freitag findet im Reichstag die na, mentliche Abstimmung über das Reichs- Mietengesetz statt. Es ist dringend erforderlich, daß alle sozialdemokratischen Abgeordneten zu der Abstimmung an» � wesend sind. Im übrigen wird im Lauft des Freitags und Sonnabends der Etat des Rcichsschatzministeriums und des Ministeriums für Wiederaufbau zur Beratung stehen. »Eine geistige Potenz'". Vor einigen Tagen meldeten die Zeitungen, daß der deutsche Exkronprinz seine Wieringer Zeit dazu benützt hat, um Erinnerun- gen niederzuschreiben, die in Kürze der Oefsenllichkeit zugänglich ge- macht werden sollen. Diese Tatsache gibt Herrn Dr. S t r« s e- mann willkommene Gelegenheit, in seinen„Deutschen Stimmen unter dem Titel„Väter und Söhne" dem ehemaligen Kronprinzen ein Loblied zu singen. Herrn Dr. Stresemann ist der Kronprinz a. D. „ein Mann von©eist und von Lebenserfahrung, an dessen Buch man nicht achtlos vorübergehen darf.„In diesem Manne steckt," so sogt Herr Stresemann,„viel mehr Ernst als die Oesfentlichkeit annahm, viel mehr Geist als man ihm zutraute, viel !m«hr reales politisches Denken als etwa idealistisches Träumen und eine eigene Auffassung der Dinge". Er vergleicht sein Schicksal in Wieringen mit dem Küstrin Friedrichs des Großen und sagt:„Der Mann, der nicht nur in seinem Briefe an Prof. Zorn, sondern in vielen anderen Kundgebungen um seine Lebens- und Weltanschauung mit anderen kämpft, ist eine geistige Po- tenz, an der niemand vorübergehen kann." Wir sind nicht in der Lage, auf Grund eines noch nicht erschiene. nen Buches Vorschußlorbeeren zu erteilen. Wir kennen den ehe- maligen Kronprinzen auch nicht so genau, wie wir das von Herrn Dr. Stresemann annehmen. Bor seiner Lebenserfahrung haben wir allerdings nicht den Respekt wie der Führer der Deutschen Volks. pcrrtei. Elefantenjagden in Indien, Polo- und Tennisspiele daheim sind nach unserer Ansicht nicht die ge- eigneten Lehrgegenstände für einen Mann, der einmal das Ober» Haupt eines Siebzigmillionenvoltcs werden sollte. Ist etwa die berühmt«„I m m« r> f e st e- d r u f f"- Depesche der Ausfluß seines realen politischen Denkens?' Die Erfindung von Manschettenknöpfen gibt uns noch lange keine Beranlassung, den Konstrukteur„eine geistige Potenz" zu nennen. Aber wie dem auch sei, wir werden das Buch des Exkronprinzen abwarten und gern unser Urteil revidieren, vorläufig scheint uns mehr, als ob Stresemann den Exkronprinzen für die Deutsche Volts- parte! reklamieren möchte. Um üie Freiheit'". Die„Rote Fahne" brachte in ihrer gestrigen Morgenausgabe einen Bericht über«ine Betriebsversammlung der„Freiheit". Druckerei und Verlagsgenossenschaft, wonach der Betriebsrat eine ! gerichtliche Untersuchung gegen die Geschäfteleitung beantragt habe wegen des Berkaufs des Gebäudes und der Druckerei. � Der ent- 1 lassene Test des Personals verlange Entschädigung. Geschäftsleitung und Bezirksverband hätten die Arbeiterschaft auf das gemeinste über- � gangen usw. Die„Rote Fahne" drohte mit der Beröffentlichung ! weiteren Materials, wenn nicht die„Freiheit" restlos« Aufklärung � der Tatsachen gäbe. In ihrer Abendausgabe gebt die„Freiheit auf die.Lügen ! d e r„Roten Fahne" ein. Es habe sich lediglich um eine Ber- sammlung der Arbeiter und Angestellten der Druckerei gehan- delt, an der der Betriebsrat der Verlagsgenossenschaft nur zur In- formation teilgenommen habe. Es fei unwahr, daß in dieser Ber- sammlung über die allgemeinen geschäftlichen Dinge, Hausverkous usw. gesprochen wurde. Bcrhandlungsgegenftand bildete lediglich die sich aus dem Verkauf der Druckerei für die An» gestellten und Arbeiter ergebende Lage. Die Ber- sammelten stellten sich aus den Standpunkt, daß die Verordnungen des Demobilmachungskommissars und die gesetzlichen Bestimmungen über die Stillegung von Betrieben beachtet werden müßten und beauftrLjjten den Betriebsrat, dementfprechende Schritte einzuleiten Von einer Drohung mit gerichtlicher Klage war ebensowenig die Rede wie von Borwürfen gegen den Bezirksverband der USPD." Daraus geht hervor, daß die„Rote Fahne" wie gewöhnlich stark übertrieben hat. Der päöagoge. Von Peter Scher. Der Pädagoge hatte um sein Kinn einen jener Bärte geknöpft, die auf die Brust herniederwallen und der Vergangenheit anzugehören scheinen. Doch sind sie in Wirklichkeit noch vorhanden und dienen dem Zwecke, ihren Inhabern Männlichkeit zu suggerieren— oder Weisheit oder was weiß ich. Jedenfalls ttug der Mann, um den es sich hier handelt, ihn gern zur Schau, und es wäre nichts dagegen zu sagen gewesen— denn in diesen glattrasierten Tagen könnte«in Vollbart ebenso gut männlich ausbegehrenden Sinn für Selbständig- keit, ja revoluiionören©eist ausdrücken—, wenn die folgenden Er- eignijse leider nicht doch beweisen würden, daß Vollbart in der Regel Vollbart bleibt... womit nichts gegen den bärtigen Lefer gesagt sein sott, der schon wissen wird, aus welchem ttefercn Grunde er' ihn trägt. Zur Suche. Unser Vollbart führte ein kleines Geschöpf an der Hand, das, obwohl dazu bestimmt, als Kind dieses Vaters ein Knabe zu sein. sich dennoch aus-der-Art-schlagender-Weise als ein Bube erweisen sollte. Kurzum: dieses vorläufig noch(mit Rücksicht auf den Vater) als Knabe zu bezeichnende Geschöpf wandelt im Schmucke sichtlich neuer Fausthandschuhe— wie die steif ausgestreckten Arme und häufige verzückte Blicke auf deren wollen« Ausläufer beweisen— und im köstlichen Besitze fröhlicher Unbefangenheit neben dem ob und-ii Briebning erteilenden Vater durch die Sttaßen der Stadt. Was geschieht? An einem Platze, über den Menschen rasen, steht auf einer Insel ,ener Mann, der einen für künftig Pfennig durch sein Fernrohr immer wieder einmal nach einem anderen Stern blicken läßt auf dem sich möglicherweise gerade keine sozialen Umwälzungen'voll- ziehen. Der Pädagoge wogt einher, den— venneintllchm— Knaben an der Hand, und ein Gedanke schießt im Angesicht diese» Apparates durch seine Denkvorrichtung. „Willibald," spricht er, sich zum Knaben niederlassend,„nun paß einmal auf. Ich laß dich jetzt durch diesen Apparat in den Himmel .chouen! Ei, was wirst du da für Engel und himmlische Gestalten erblicken! Gib Obacht, Kind, und laß dir nichts entgehen!" Der Knabe blickt ins Rohr, daß ihm vor Anstrengimg die Augen heraustreten und feine steif vom Körper abgehaltenen Arme mit den "!?»" Fausthandschuhen wie die Hebel einer kleinen Maschine mecha- niph aus- und Niedersohren. Und stößt endlich, mit blaurotem Gesicht, frech hervor: . Gar nix seh ich, Vater!" „.'jWie?" der Vollbart auf.„Hab ich dir nicht gesagt...k Auf der Stelle stehst du noch einmal hinein!" Aber da fällt der Besitzer des Apparates ein, es müsse nachgezahlt „Gut denn!" erwidert der von seiner Idee besessene Vater,„so sei es. Willibald, bemerke bitte, daß ich nochmals fünfzig Pfennige b-zakste, um dir die mrhrerwähnte Freude zu ermöglichen! Vor. wärt»!. Sieh, hinein!." Und das nunmehr wohl schon als Bube anzusprechende Geschöpf stiert abermals ins Rohr, um gleich darauf, blau vor Anstrengung, zu melden, daß es schon wirklich gar nichts sehen könne. Da ergrimmt der Pädagoge'und, das undankbare Geschöpf mit einem heftigen Ruck abseits ziehend, verabreicht er ihm eine Maul- schelle. „Weil du keine Phantasie hast, dn Lümmel!" donnert er. Und indem er mit dem weinenden Willibald entschreitet, daß sein Vollbart im Sturmwind knattert, sagt er tiesschmerzlich bei sich: „Und dieses dem Materialismus ausgelieferte Geschöpf ist mein Kind!" Zusttzulk. Ein treffendes Beispiel, wofür man den Beamten de« hohen Gerichts ihre noch höheren Gehälter zahlt, bot tiefer Tage eine kostenlose Bcranstaltung in der Schumannstraße. Vor einem Jahre wurde dort ein Einbrecher erschossen. Als der Schuß krachte, flog aus dem dritten Stock eines.fjaufe, ein Wasserglas auf die Straße. Natürlich muhte die Besitzerin des Glases vor Gericht. Der Staatsanwalt versäumte seine kostbare Zeit mit der Untersuchung der„Angelegenheit", der Gerichtsapparat wurde in Bewegung gesetzt, Dutzende von Menschen wurden auf- geboten, um Akle zu schreiben, sie zu lesen, um vernommen zu wer- den. Die Angeklagte sagte aus, sie hätte las Glas aus Schreck fallen lassen. Dagegen fanden sich wieder Zeugen, die diesen Schreck de- stritten. Jetzt entstand eine Anklage wegen des Meineids. Ein Schwurgericht tritt zu stimmen, es begibt sich nach der Schumann- straße, um zu beobachten, wie der Herr Staatsanwalt und die Angeklagle Gläser aus die Sttaße werfen— zum Gaudium des versammelten Publikums, das mit Recht an eine Kinoaufführung denkt— der Herr Staatsanwalt mit Absicht, die Angeklagte mit der Gebärde des Schreckens. Dann begeben sich die Herren Ge- schorenen, das hohe Gericht, der Herr Staatsanwalt, der Rechtsan- walt und wer sonst noch zurück in den Gerichtssaal, und die Ange- klagte wird selbstverständlich freigesprochen, da man doch nicht fest- stellen kann, ob ein Schreck oder eine vorgefaßte Absicht die 5)and- bcwegung verursachle. Damit ist die Angelegenheit erledigt: Die Angeklagte ist zu- frieden, weil sie rehabilitiert ist: der Rechtsanwalt ist zufrieden, er heimst da» Honorar ein: der Staatsanwalr ist zufrieden, er hat bewiesen, daß das Auge des Gesetzes über ollem gleichmäßig wacht, daß ihm hoch und niedrig, ein Doppclmord und ein Wasserglos gleichmäßig untersuchungswert erscheint: die Geschworenen sind zu- frieden, die Richter sind zufrieden, sie haben chrc Pflicht getan; und auch da» Publikum, das eine kostenlose Vorstellung zu sehen kriegte, ist zufrieden. Aber die Oesfentlichkeit dürfte sich damit nicht zufrieden geben. Sie müßte ein für allemal zu erfahren verlangen, erstens ob sie dafür Steuern zahlt, daß die Beamten derartig wichtige Ar- betten ausführen, und zweitens ob tie Herren Beamten, die solche Angelegenheiten in der heutigen Zeit für wichtig halten, um den ganzen großen Gerichtsaoparat in Bewegung zu setzen, als unent- behrlich zu betrachten sind. Die Frage, ob nicht auch das Gerichts- wesen etwas„wirtschaftlicher" zu gestalten sei, beginnt angesichts der sich häufenden Prozesse um ein Nichts— man denke an die tost- spieligen Reigen- und Nackttänzerinnenassäre»— dringlich zu ««den,...■ Die deutsche Werksielle für Farbkunde. Nach manchen Schwierigkeiten ist es Wilhelm Dstwald, dem Begründer der neuen Farbenlehre, gelungen, in Dresden eine neue deutsche Werkstelle für Farbkunde ins Leben zu rufen, als deren Leiter Prof. F. A. O. Krüger wirkt Ueber die Organisation dieses neuen wichtigen In- stituts wird in der„Umschau" berichtet.„Die Anstalt übte alsbald eine vielseitige beratende, unterrichtende und forschende Tätigkeit aus: sie ist jetzt in ein eigenes Haus auf großem Gelände übergeführt worden, so daß sie auf Jahrzehnte hinaus Unterkunft und Aus- dehnungsmöglichteit finden wird. Bon den verschiedenen Gewerben, die einer Ordnung und Normung der Farben bedürfen, hat fich in erster Linie da» Buchgewerbe zu organisatorischem Vorgehen ent- schlössen und die neue Farbenlehre zur Grundlage für alle weiteren Arbeiten gemocht. Zur Untersuchung der Deckfähigkeit und Licht» echtheit der Buchdrucktünchen wird dos neue Farbenmeßverfahren angewendet, bei dem die Mitarbeit der Werkstelle unentbehrlich ist. Um den allgemeinen Charakter des Instituts zu erreichen und zu erhalten, sollen an allen Orten des Deutschen Reichs, wo farbtätige Industrien angesiedelt sind»nd sich die erforderlichen Mittel finden. Zweigstellen errichtet werden. Der Band zwischen Kirche and Bühne. Kirche und Bühne, die durch Jahrhunderte in einem so erbitterten Kamps lagen, sind in Amerika jetzt zu einem friedlichen Bund und gemeinsamer Arbeit zu- sammengeschlossen worden. Wenigstens sind eine solche enge Gemein- schast ein New Porker Prediger und ein New P o r k« r Theaterdirektor eingegangen. Der Reverend John Roach Slraton griff die Theater heftig an und rief dadurch einen erregten Kampf der Meinungen hervor, der zuerst in den Zeitungen aüsge- fochten wurde und darn zu einer öffentlichen Aussprache führte, die in der Pfarrkirche Stratons, der Calvary Baptist Church, abgehalten wurde. Als Gegenrcdner gegen Straton trat der Theaterdirektor Brady auf und erklärte auf die Frage des Geistlichen, warum das Christentum dem Theaterpublikum nicht näher gebracht würde, dem Pastor stehe sein Theater zur Verfügung. Straton fragte, ob er eine Anzahl von Predigten in Bradys Theater halten dürfe, und da der Theoterdircktar sich dazu bereit erklärte, bot er nun seinerseits dem Theatermaune seine Kirche an, damit er von dieser Stelle aus ein» Serie von Ansprachen hallen könne. Der Pastor predigt nun auf der Bühne, der Theaterdirektor trägt seine Anschauungen auf der Kanzel vor, und man ist in größter Eintracht.„Kirche und Bühne," erklärte der Geistliche,„müssen mit vereinten Kräften auf da» Volk einwirken. Die Kirchen haben sich bisher zu sehr innerhalb ihrer vier Mauern gehalten; sie müssen mehr in die Welt hinaus, um auf die Welt zu wirken." Der Vesuv als Fliegersalle. Der Vesuv hat sich in den letzten Tagen als eine schwere Gefahr für Flieger herausgestellt. Vor etwa einer Woche versuchte der Operareur einer Filmgesellschaft, ein. kinematographische Aufnahme oes Vesuv zu machen und näherte sich so dem Krater, daß die Maschine plötzlich heruntergezogen wurde. Dem Operateur gelang es noch, herauszuspringen und sich mit leichten Verletzungen zu retten. Aber der ihn begleitende Flleger und das Flugzeug wurden von dem Vulkan„aufgesogen" und ver- schwanden. Nicht lange danach flog der Leiter einer.Luftdroschke", oer sich mit einem amerikanischen Kaufmann auf einer„Geschäfts- reise" durch Europa befindet, über dm Krater und wurde dabei Minister Severins über üie Reichspolitik. In der Wilmersdorfer Oberrealschule in der chindenburgstrahe sprach gestern abend In einer gut besuchten Versammlung nuch�Ni- nister Genosse S e v e c i n g über das Thema:.Reichzpolitik, Genua, Ztreiks". Ausgehend von dem Ergebnis der Frankfurter Sozialistenkon- Vertreter Englands, Frankreichs und Deutschlands zusammensaßen, ferenz, stellte er mit Genugtuung fest, daß die Tatsache, daß dort auf die deutsche Erfüll ungspolitik zuriickzusühren sei, die in England und in Frankreich eine ganz andere AtmosphSre geschaffen und die bewirkt habe, daß man dort nicht nur in Arbeiterkreisen, fondern auch in Schichten des Bürgertums mit ganz anderem Ver- trauen als zuvor auf das deutsche Volk blicke. Die bittere Seite der Ersüllungs Politik fei die Steuerlast. Der Mi- nifier beantwortete die Zwischenrufe, die von einer kommunrsti- scheu Gruppe von Versammlungsteilnehmern ausgingen, unter dem Beifall der Mehrheit mit dem Hinweis, daß auch die Kom- munisten, wenn sie einmal in eine Regierung eintreten würden, ehr bald verpflichtet wären, zum Stcuerproblem Stellung zu nehmen. Auch sie könnten nur mit Wasser kochen und das Geld dorther nehmen, wo es vorhanden sei. Die Rattenfängermelodien der Deutschnalionalcn und Kommunisken beweisen einem jeden, der noch in Deutschland vernünftig denkt, daß das„Ja" des Reichstages und der Reichsregiernng in der Frage des Londoner Ultimatums richtig war. In der Frage der Steuer- gefetzgsbung ist jeder unserer Abgeordneten gewillt, für eine größere Gerechtigkeit einzutreten. Ich habe heute noch die- selbe Auffassung von den Pflichten eines Sozialdemo- kraten wie früher. Ich bin bestrebt, überall, wo ich meinen Ein- sluß geltend machen kann, dafür zu sorgen, daß man dort am meisten nimmt, wo das Meiste ist. Ich weiß, daß der z e h n p r o z e n t i g e Abzug in vielen Fällen als große Härte gilt, ober dennoch ist er sehr viel ehrlicher und demokratischer als der s r ü h e r e B e- trug durch die indirekten Steuern. Wer sich heute über diese direkten Steuern beklaat, gehört zu den politischen Schlai- Mützen und Indifferenten. Der Minister kam weiter auf die Wider- stände zu sprechen, die der Regierung in ihrem Bestreben, eine Kon- soiidierung der Verhältnisse herbeizuführen, in den Weg gestellt würden. Gegenüber den verschiedenartigen Vorwürfen müsie doch festgestellt werden, daß in gewisser Hinsicht beispielsweise die Er- nährungslag« eine bedeutend bessere sei als im Jahre 1317. Unter dem stärker einsetzenden kommunistischen Radau wurde in die Diskussion eingetreten, wobei Genosse Blauer dann den Moskaujüngern das Spiegelbild vor Augen hielt. Streik und Putsch s« dieser dem deutschen Arbeiter in den Rücken fallenden Gesell- fchaft nicht Mittel zum Zweck, sondern Selbstzweck, um den Staat in das russische Chaos zu stürzen. Sic handelten getreu nach Moskauer Rezept, das ihnen von Lenin und Trotzki mit der russischen Goldbeigabe übersandt worden ist. Der Reichsrat erklärte sich am Dienstag mit den Beschlüssen des Reichstages zu den Gesetzen über Vereinfachung des Auf gebotver fahren? und über den Kaffenbestand der Reichsbank einverstanden.— Angenommen wurden die (schätzungvgrundsätze zum Berdrängungs-, Kolonial- und zum Aus- londsschädengesetz. Ebenso wurde der Gesetzentwurf angenommen betr. das Eingehen deutscher Festungen, wie ee im Versoiller Friedensoertrog vorgesehen ist. Mit der Nach- Prüfung des Ortskloffenverzeichnifses beschäftigten sich acht Ausschüsse des Reichsrats. Es blieb noch die Streitfrage offen, was geschehen würde, wenn der Reichstagsausschuß und der Reichsrat sich nicht auf die gleich« Höhenstuf« eines Orte« einigten. Nach Ansicht der Reichsregierung und der Vertreter der Länder liegt in diesem Fall«in gültiger Beschluß nur für die Orte vor, über die eine Uebereinstimmung zustande kam. Insgesamt sind Z52ö Höherstufungen erfolgt.— Das Plenum des Reichsrat» nahm die Borlage nach dm Ausschußbeschlüssen an. 3m Hauptausschuß d«» Preußischen Landtage» erklärten am Dienstag in der allgemeinen Aussprache zum Landwirtfchaftsetat die Redner der sozialdemokratischen Parteim, daß ihnen die Be- willigung des Ministeraehaltes, nachdem sich der Minister für die Aufhebung der Zwangswirtschaft ausgesprochen hat, außerordentlich schwer falle. Die»Bayerische KSnlgsparkel" bat ihren Namen umgeändert. Sie nennt sich fortab»Ebristlich-Föderalistifche Volks- Partei". Da die Partei mitwirken will im Kample gegen die Anhänger der Verfassung, so tut sie recht daran, daß sie den alten Namen als Unterbezeichnung beibehält. innerhalb 5 Sekunden 1000 Fuß hoch emporgeschleudert. Der Vulkan wirkt also sehr verschieden auf die Flugzeuge ein. Das letzte Abenteuer mit dem Vesuv hatten zwei Flieger, die für eine Filmaufnahme eine Szene aus«inein Abenteurerfilm darstellten. Der«ine Flieger wurde von dem anderen verfolgt. Als der erste über dem Krater war, versagte die Maschine, und das Flugzeug glitt dem Todesrachen immer näher. Der zweite Flieger, der die Gefahr begriff, slog nahe heran und unterstützte mit seinen Propellem das andere Flugzeug. Beide Maschinen wurden zertrümmert, aber die Flieger blieben unversehrt. Vewässerungspläne für die Sahara. Wenn es gelänge, die öden Flächm der Sahara in fruchtbaren Boden zu verwondeln, so würde die Erde um«in Wunderwerk reicher werden. E» gibt allerdings nicht wenig Sachverständige, die sich dahin aussprechen. daß es unmöglich sei, den Sand der Sahara fruchtbar zu machen. Und doch werden diele Zweilel durch die Erfahrung widerlegt, daß es genügt, in regelmäßigen Zeitnbständen Bewässerungen geringen Umfangs vorzunehmen, um sich davon zu überzeugen, daß die so behandelte Fläche nach einiger Zeit fruchtbar wird. Der erste Ver- such, der darauf abzielt, die Sahara zu ergiebigem Land zu machen, wird von der französsschen Regierung unternommen, die einen Plan zur Bewässerung eines großen Teils der Wüste durch die Wässer des Niger ausgearbeitet hat. Es wurden in das Budget auch bereits 2ö0 Millionen Kredite eingestellt, die dazu dienen sollen, einen Teil der Sahara der B a u m w o l l k u l t u r zu erschließen. Allmählich sollen dann auch andere BcwässeruNgspläne ausgeführt werden, in deren Verfolg die Wüste in ihrer ganzen Ausdehnung fruchtbar gemacht werden soll. Wenn man die Sahara übrigens Wüste nennt, so darf man trotzdem nicht meinen, daß st« darum als Menschliche Siedclung nicht zähle. Die Bevölkerung beträgt vielmehr etwa 3 Millionen Köpfe, die in den zahlreichen Oasen wohnen. Die erste große Bowäfserungszon« ist längs des Nigers zwischen Timbuktu und Bamako geplant. Ein von diesem ganz verschiedener Plan, der vor Iahren aufgestellt worden war, zielte übrigens darauf ab. die Wüste in ein B i n n e n m e e r umzuwandeln. Professor Etchegoyen, einer der bekanntesten französischen Ingenieure, Katte festgestellt, daß etwa ein Viertel des französischen Teils der Sahara unter dem Meeresspiegel liegt. Nach seiner Berechnung würde man mit einem SO Kilometer langen Kanal vom Mittel- ländsschen Meere aus dies« innere Tiofflöche erreichen und si« zu emem Meere umschaffen können, das einen Umfang von 5(53 024 Quadratkilometer einnehmen würde und von großen Seeschiffen befahren werden könnte._ In der VolkSbüdne. Theater am Vülowplah. sind K erb art Sa upl mann§.Ratten" mit Sdcnc Fehdmcr(stfrau Job»), Friedrich Nadhler(John), Georg August Koch(Hassenreuler) in Vorbereitung. Regie: Jürgen stehlt» g. chsschatz- Ministeriums mit ihren 40 Nebenstellen hat die Aufgabe, den ganzen Verkehr mit Textilien aus Reichsbesitz bezüglich etwaigen Kettenhandels, Wuchers oder sonstigen Schiebereien zu überwachen. Die Abteilung W. des Polizeipräsidiums dient demselben Zweck. Von der F a h n d u n g s a b i e i l u n g des Hauptzollamtes wird die gleiche Arbeit im Bereiche der Zollbehörden oerrichtet. Neben diesen drei Stellen übt die Ueberwochungsabteilung der Reichsstelle für Textilwirtschast dieselbe Tätigkeit noch ein- mal aus. Das Ergebnis der eifrigen Tätigkeit dieser vier Stellen ist nun, daß ein und dieselbe Sache häufig von zwei Stellen, gelegent- lich aber auch von drei oder gar allen vier Stellen bearbeitet wird. Wenn auf diese Art ein Ergebnis gezeitigt würbe, so würde man sich immer noch fragen müssen, ob"der Aufwand für die vier Ueberwachungsstellen noch im richtigen Verhältnis zum erzielten Resultat steht. Davon ist bei der Preisentwicklung der Textilwaren, die ganz nach der Markttage vor sich geht, nicht viel zu spüren. In allen Stellen sitzen Juristen, zum Teil Staatsanwälte und Richter. Wenn diese Herren einen Fall bearbeitet und an die zuständigen Gerichte abgegeben haben, so wird die Sache regel- mähig der überhaupt zuständigen Stelle beim Polizeipräsi- dium zur Erörterung übergeben. Was hat dann die ganze Vor» arbeit für Sinn gehabt? Es ist ja bekannt, mit welcher Zähigkeit manche Kriegsstellen ihre Unentbehrlichkeit auch in der Nachkriegszeit nachzuweisen ver- suchten. Die Heberwachuntzsstellen, die jetzt entbehrlich sind, ge- hören zu ihnen. Es muß daher einmal die Frage aufgeworfen werden, ob wir in Deutschland so viel Geld haben, für ein und die» selbe Arbeit vier besonder« Stellen zu unterhalten. Gegenwärtig bemüht sich die Ueberwachungsstelle bei der Reichsstelle für Textilwirtschast in die neu zu gründend« Außen. h a n d e l s n e b e n st« l l e für Bekleidung übernommen zu werden. Zu welchem Zweck eine Außenhandelsnebenstelle noch eine b e s o n- der« Ueberwachungsstelle neben der Polizei benötigt, ist nicht recht ersichtlich. Soll eine Ueberwachung bezüglich der Richtigkeit der An- gaben in den Ausfuhranträgen erfolgen, so sind die I u r i st e n hierzu tie ungeeignetsten Personen. Dazu loll man Goch- oerständige nehmen, die die Fachangelegenheiten beurteilen können. Die Sachverständigen werden auch zu beurteilen oermögen. ob es sich um Waren handelt, deren Aussuhr gestattet oder verboten ist. Sofern es dann erforderlich fein sollte, wäre der Sachverständige berufen, den Polizei- und Gerichtsbehörden den Sachaerbill zu unterbreiten. Damit würde ein Neben- und Gegenein- anderarbeiten vermieden. Ein solcher Riesenopparat, ro\f er heute besteht, ist ein Unrecht am Volke schon wegen der Kosten und der Wohnräume, die den Wohnungslosen entzogen werden. Zu der beschlossenen kohlenprciserhöhung wird noch amtlich mitgeteilt: In der gemeinschaftlichen Sitzung des Reichskohlen. Verbandes und des großen Ausschusses des Reichskohlenrates wurden im Anschluß an die schiedegericytlich für alle Bergbaureviere fest- gefetzten Lohnerhöhungen nach langen Berhandlungen wesentliche Erhöhungen der Brennstoffpreise beschlossen. Hierbei erwies stch als notwendig, nicht nur einen besonderen Ausgleich für die unverhält- nismäßig starke Materialkostensteigerung der letzten Monate vorzusehen, sondern auch wegen des gesunkenen Geldwertes den in der Preistalkulation enthaltenen Betrag für A b f ch r e i b u n< gen zu erhöhen. Diese Erhöhung wurde von der überwiegenden Mehrheit der Versammlung zur ausreichenden Erneuerung und Modernisierung der Anlogen für erforderlich gehalten. Die Organe der Kohlenwirtschaft(Reichskohlenverband und großer Ausschuß des Rcichskohlenrats) werden besonders verfolgen, inwieweit die Erhöhung der Abfchreibunosfätze tatsächlich die angestrebte Wirkung der Erhaltung der Werke und der Steigerung ibrcr Produktivität hat. Der im Kohlenpreis enthaltene Zuschlag für den Bau von Bergorbeiterheimstätten wurde verdoppelt. -- Demnach ist eine Kontrolle über die Abschreibungen gewährleistet. Es wird mm Aufgabe der Organe der Reichstohlenwirtschaft fein, die Verwendung der für die technische Verbesserung der Anlöge bewilligten Beträge<13 Mk. je Tonne) zu überwachen. Die Absicht der Zechenbarone, einen großen Aiifschlog auf die Presse zur Werk- erneuerung zu erhalten, ist danach gescheitert. Aolgen der Kohlenprelserhähung. Der Roheisenausschuß des Ciscnlvirtfchastsbiindes belchloß, die Verkaufspreise für sämtliches Roheisen einschließlich Temperroheifen mit Wirkung vom 1. März dieses Jahres um 7 6 5 M. pro Tonne zu erhöhen. Ferner wurde beschlossen, die Verkoufspreife für Ferro-Mangan tzOproz. um 630 M. pro Tonne, Ferro-Mangan SOproz. um 795 M. pro Tonne und Ferro-Silicium Ivproz. um 730 M. pro Tonne zu erhöhen. Die als Höchstpreise geltenden neuen Pcrkousspreile, welche bis auf weiteres, mindestens aber bis zum 31. März d. I. Geltung haben. stellen sich z. B. für Hämatit auf 4744 M., Gießerei-Roheisen l auf 4212 M., Gießerei-Roheisen lll auf 4136 M. vividcndenblüten. Aus der großen Zahl der fetzt veröffentlichten Abschlüsse ragen trotz oller Versuche der Gesellschaften, ihre Gewinn» ausschüttungen möglichst unauffällig vorzunehmen, immer noch einige mit außerordentlich hohen Dividendenziffern hervor. Die Aktiengesellschaft für Verkehrswesen bringt„nur" 50 Proz. zur Ausschüttung, schenkt aber jedem Aktionär eine Gratisaktie, deren Wert ollein viel« hundert Prozent beträgt. Die internoiional syndizierte Spiegelglasinduftrie kann mit noch größeren Gewlnnergtbnissen aufwarten. So schüttet die G l a s- und Spiegelmanufaktur A.- G. in Gelsenkirchen- Schalke 80 Proz. aus gegenüber 70 Proz. im vorigen Ickhre. Die nncy ihren Angaben von großen Gefchäftsschwierigkeiten heimgesuchte Rheinische Epiegelglassabrik in Eckamp bei Ratingen, die sogar mehrere Monate ihre Schmelzöfen still- liegen hatte und acht Monate lang eine sehr geringe Nachfrage ver- zeichnete, kann gleichwohl volle 10 0 Proz. ihren Aktionären zur Verfügung stellen. Die großen Gewinne werden damit begründet, daß günstige Verkäufe nach dem Auslande abgeschlossen werden tonnten. Die Industrie scheint also recht hohe Ausfuhr- abgaben vertragen zu können. Die Regierung sollte nicht zögern, diese zu erlassen, damit auch das Bolksganze an den Dalutagewinnen Anteil nimmt. Bilanzen de» Kahenellenbogenkonzerns. Der Aufsichtsrat der E. A. F. Kahldaum Aktiengesellschaft, in d«r erstmalig di« gemäß dem Interesscngcmeinschoftsoertrage mit der Ostwerke Aktiengesellschaft und der Schullheiß-Potzenhoser Brauerei-Aktien. gesellschaft aufgestellte Bilanz vorlag, beschloß die Verteilung einer Dividende von 26 Proz.(im Vorjahr 25 Proz.) vorzuschlagen. Der Aufsichtsrat der Schult Heiß-P atzenhofer Brauerei-Aktien- gesellschaft hat beschlossen, der Generalversammlunz eins Dividende "von 20 Proz.(im.Vorjahr 12 Proz.) vorzuschlagen. Der Aufstchts- rat der O st w e r k e Aktiengesellschaft schlägt eine Dividende von 2S Proz.(im Aorsahr 25 Proz.) vor. Sanierung des Allgemeinen Bankvereins in Düsseldorf. Gleich- zelklg mit der Pfalzbank hat der Allgemeine Bankverein in Düsseldorf infolge verfehlter Spotularionen aus«ine Besserung der Mark große Verluste erlitten und war deshalb unter Gefchäftsaufsicht gestellt worden. Die Verluste werden jetzt aus 200 Millionen Mark berechnet. Zu ihrer Deckung soll neues Kapital aufgenommen wer- den, woran sich eine holländische Gruppe beteiligen will. Durch- tührung der Sanierung wird drei Monate dauern. GewerMaKsbewegung Der Magistrat zur Lohnfrage. Unter Vorsitz von Bürgermeister Ritter trat gestern eine Magistratskommission zusammen, um sich im Zusammenhang mit her Frage des neuen Manteltarifs mit der Lage zu beschäftigen, die durch die neuen Forderungen der im Lohnkartell vereinigten Arbsit- nehmerverbände entstanden ist. Die neue Belastung, die sich für die Stadt daraus ergeben würde, betrage 1 Milliarde 400 Millionen Mark. Ab 16. Februar ergebe sich eine Gesamtstundenzulage von 7,50 W. Die städtischen Finanzen könnten eine derartige Mehr- belastung nicht tragen. Der Stundenlohn eines städtischen ungelernten Arbeiters würde vom 16. Februar 1922 betragen: 8,34 M.(Grundlohn) plus 0,48 M. (Lohnbeihilfe) plus 7,50 M.(neue Forderung)— 16,32 M., der des angelernten Arbeiters 8,56 M.(Grundlohn) plus 0,48 M.(Lohn- beihilse) plus 7,50 M.(neue Forderung)— 16,54 M., der des Hand- werkers 9,09 M.(Grundlohn) plus 0,48 M.(Lohnbeihilfe) plus 7,50 M.(neue Forderung)— 17,07 M. Verheiratete erhalten statt der Lohnbeihilfe von 0,48 M. eine solche von 0,72 M., außerdem eine Kinderbeihilfe für jedes Kind unter 21 Jahren von 0,84 M. pro Arbeitsstunde. Es komme hinzu, daß die städtischen Arbeiter auf Grund des städtischen Manteltarifs einen Anspruch auf soziale Vergünstigungen haben, wie Krankenlohn und Urlaub, die weit über das Gesetz oder über das, was in Handel und Industrie gebräuchlich ist, hinausgehen und nicht unter 20 Proz. des Lohnes zu bewerten sind, so daß sich die 16,32 M. für einen ungelernten Arbeiter aus 19,52 M. erhöhen würden. Mit derartigen Löhnen würden die städtischen Arbeiter zu irgendeiner anderen Kategorie von Arbeitern, sei es aus der In- dustrie oder Reichs und Staatsbetrieben, nicht mehr in Parallele zu stellen sein. Zunächst wird der Schiedsspruch des Schlichtungsaus- schusses abzuwarten sein._ Ein �uhtritt für SO Jahre treue Dienste. Zu den durch den letzten Streik im Gasiwirtsgewerbe durch Aussperrung auf der Strecke Gebliebenen, gehört auch der im Restaurant zum Prälaten,„Inn"-Äkt.-Ges., bis dahin tätige Vorsitzende des Betriebsrats A. Dräbing. Seit 20 Jahren dort in Stellung, hat er es verstanden, im Lause der Jahre für die dort tätigen Angestellten manche Verbcsiernng ihrer wirtschaftlichen Lage herbeizuführen, seit nahezu 15 Jahren fungierte er als Ver- trauensmann der Organisation. Der Leiter des Unternehmens, Direktor Babich, war in früheren Jahren ein sozial und gerecht denkender Prinzipal, geriet jedoch in letzter Zeit unter den Einfluß seines Schwagers und Wirtschastsinspektors F o ur n i e r, der jetzt im„Prälaten" das Heft in der Hand zu haben scheint. Nachdem der Streik beendet war, wurden sämtliche Angestellten wieder eingestellt, dem Betricbsratsvorsitzenden jedoch die Einstellung verweigert, da er in dieser Eigenschaft allzu scharf und verletzend Direktor B. gegcnübergetreten sei. Besonders wurde ihm vorgeworfen, während der Slreiktage dem Direktor eine Ein- ladung zu einem von den streikenden Angestellten des„Prälaten" veranstalteten Konzert gesandt zu haben. Direktor B. saßt dies als eine Verhöhnung seiner Person auf, während es sich um folgendes handelte: Die streikenden„Prälaten"-Angejtellten verlangten von D. als ihrem Betriebsraisvorsitzenden, ihren Direktor zu dem veran- stalteten Konzert einzuladen, damit er sich überzeuge, daß es bei den Streikenden noch lange nicht so schlimm stehe, wie die Zei- wngen berichteten, und zwar in der Erwartung, daß dann Herr Direktor B. ihren berechtigten Forderungen entgegenkomme, und so die Angestellten des„Prälaten" wieder in ihren Betrieb gehen konnten. Das war der Grundgedanke jener Einladung, was durch Zeugen bewiesen wird. Die Tarifschlichtunqskommission fällte am 15. Dezember 1921 den Spruch, der Kellner D. ist wieder einzustellen. Bis dahin hatte D. seinen Wochenlohn von 400 M. ohne Ueberschußprozente erhalten. Trotzdem D. nunmehr als wiedereingestellt galt, weigerte sich die Firma, D. arbeiten zu lassen, sperrte ihm außerdem noch ab 4. Ja- nuar 1922 sein Gehalt, so daß er beim Innungs-Schiedsgericht dar- um klagen mußte. Das Innungs-Schiedsgericht verurteilte die Firma zur Zahlung der Restsumme bis 31. Januar und ab 1. Februar zur Zahlung eines Wochenlohnes von 600 M. Die Firma weigert sich nicht nur, zu zahlen, sondern erklärte, Berusung gegen das Urteil einzulegen, bot aber einen Vergleich an, D. 4500 M. als einmalige Abfindung auszuzahlen. D. sowohl als die Organisation lehnten diesen Vergleich ab. Die Firma stellte D. das folgende Zeug- n is aus: Herr Amandus Dräbing war vom 1. März 1902 bis heute in unserem Wirtshause zum Prälaten nls Kellner tätig. D., welcher stets sleißig und e Irlich war, hat es verstanden, durch ein aufmerksames Bedienen und liebenswürdiges Eingehen auf die Wünsche der Gäste die Zufriedenheit derselben zu erwerben und so die Interessen des Geschäfts zu fördern. Wir wünschen Herrn D. viel Glück auf seinem ferneren Lebens- wege. Berlin, den 15. Dezember 1921. „Jnn"-Aktien-Geiellschast zu Berlin, gez.: A. Babich. Leider hat D. bei seinen Betriebsratskollegen nicht die nötige Unterstützung gefunden. Sei es aus Liebedienerei oder aus egoisti- schen Motiven, sie ließen ihren Vorsitzenden fallen und erklärten, trotz des Schiedsspruches, wenn ihn Direktor B. nicht wieder einstellt, müssen mir uns dem fügen. Diese lierrschaften bedenken nicht, daß es ihnen selber einmal so gehen kann. Gar manches ist ja faul im„Prälaten", aber die Zeit wird auch da ändernd ein- greifen. Direktor B. und seinem Schwager F. wird noch einmal die Erkenntnis dämmern, daß allzu scharf schartig macht. ivorstandSwahl im ZimmererverVand. Wie schon in anderen Berliner Gewerkschastsorganisaiionen haben auch die kommunistischen„Einigungsapostel" unseres Verbandes im letzten Jahre Gelegenheit gehabt, ihre Beb» sprechungen, die Arbeiterschaft„herrlichen Zeiten entgegenzuführen", sobald man sich ihrer Führung anvertraue, wahrzumachen. Wir können wohl mit Recht sagen:„An ihren Früchten sollt ihr sie er- kennen!" Die„Erfolge" ihrer Herrschaft während des verflösse- nen Jahres sind derart, daß es jahrelanger Mühen und Opser be- dars, um das wieder gutzumachen, was durch ihre mit der größten Skrupellofigkeit betriebene Parteipolitik der Berliner Mitgliedschaft an Schaden zugefügt worden ist. Aus naheliegenden Gründen kann man hier nicht auf Einzel- heiten eingehen, ober die durch die kommunistische Politik ver- ursachte Vergiftung unseres Gewerkschaftslebens hat doch die Ein- ficht auf Abkehr von der Moskauer„Gewerkschasts- Politik" soweit verbreitet, daß mit der Niederlage dieser Herr- schaft bei der am kommenden Sonnlag erfolgenden Vorstandswahl gerecknet werden kann. Es ist Pslicht aller auf dem Boden der A m st e r d a m e r G e- werkschastsinternationale stehenden Mitglieder der Zahlstelle, olles daran zu setzen, jeden Kameraden mobil zu machen, damit die U r a b st i m m u n g am 5. März eine überwiegende Mehrheit für die Richtung Amsterdam bringt. Nur dadurch kann dem kommunistischen Spuk ein Ende gemacht und die Bahn freigemacht werden zu fruchtbringender, nützlicher Gewerk- schaftsarbeit. Darum nützt die Zeit, tue jeder seine Pflicht!__ Vom Müllkutscherstreik. Im Berliner Polizeipräsidium war gestern vormittag abermals eine Besprechung über den Streik der Müllkutscher, zu der neben den Vertretern der zuständigen Behörden Vertreter der Arbeitgeber, der Streikenden und der Technischen Nothilfe erschienen waren. Auf die Anregung, eine Einigung herbeizuführen, erklärten die Vertreter der Arbeitgeber, über einen Wochenlohn von 720 M. mit de» Müll- kutschern zu verhandeln, falls diese in der Frage der Urlaubs- und Krankheitsbestimmungen nachgeben würden. Da aber gerade die letzte Forderung von den Vertretern der Streikenden abgelehnt iruirde, mußte dieser Einigungsversuch als gescheitert betrachtet werden. Da die weitere Ansammlung des Mülls, bei der wärmeren Witterung zumal, eine schwere Gesundheitsgefährdung bedeutet, wird der Polizeipräsident nunmehr mit allen polizeilichen Mitteln für Beseitigung des Mißstandes Sorge tragen. Er wird zunächst den Hausbesitzern durch Polizeioerfügung auf- geben, bis zum Donnerstag, den 2. März 1922, vormittags für Be- seitigung des aufgehäuften Mülls zu sorgen. Kommen die Haus- besitzer der Aufforderung nicht nach, so wird der Polizeipräsident auf Kosten der Hausbesitzer durch Dritte den Müll abfahren lassen, und zwar wird sich der Polizeipräsident an die Technische Nothilfe wenden mit dem Ersuchen, ihm geeignete Kräfte zur Müllabfuhr zur Verfügung zu stellen._ Von Kriminalbeamte« beschützte Streikbrecher. Bei der Firma Schwabenthan u. Gomann steht die ge- samte Arbeiterschaft im Streik um eine Lohnzulage von 1,50 M. pro Stunde ab 15. Januar. Der Unternehmer Herr Gomann, der während der Kriegszeil selbst noch liZranaten geschrubbt hat und es dann zum. Kriegsgewinnler und Unternehmer brachte, konnte sich sonst, wenn es nicht galt. Taten zu zeigen, in sozialen Phrasen nicht genug tun. Das soziale Empfinden dieses Herrn geht jetzt so weit, daß er, sage und schreibe, 25 Pf. pro Stunde bewilligen wollte. Unterstützung erfährt Herr Gomann durch seinen„Betriebsleiter" Herrn B a l z e r, Weißenfee, Kuglerstr. 35, ein ehemaliger Dreher und Agitator des Deutschen Melallarbeiterverbandes. Dieser Herr scheint sich vorgenommen zu haben, seine ehemaligen Kollegen in der niedrigsten Art und Weise zu behandeln und ihre Arbeitsbedingungen auf das niedrigste Niveau herabzudrücken. Nicht vergessen seien die beiden„Werknieister" Rudolf Koch, Zepernick, und Otto Labuske, Lichtenberg, Oderstr. 22, die es sich angelegen sein lassen, die Ar- beit der Streikenden auszuführen. Herr Gomann lehnt es ab, mit den Streikenden und deren Organisation, dem Deutschen Mctallarbeiterverband, z u verhandeln. Statt dessen versucht er einen Keil in die Arbeiterschaft zu treiben. Als„Arbeitswillige" fand er den Zuschläger Tolksdorf, Moabit, Birkenstr. 53, den Dreher Bullar, Berlin, Gerichtstr. 85, den Arbeiter Gottlicb Herrmann, Berlin, Schwartzkopffstr. 10, und Bchnke, Weißensee, Carmen-Sylva-Str. 31. Für die organisierte Arbeiterschaft genügt es, darauf hinzuweisen, daß die Obengenannten von den von der Firma be st eilten Kriminalbeamten von und nach der Arbeitsstätte begleitet werden. Die Streitenden protestieren dagegen, daß die Gelder der Steuer- zahler dazu benutzt werden, einem privaten Unternehmer Liebes- dienste zu leisten. Arbeiter, Klassengenossen! Die Situation hat sich derart verschätzt, daß wir um Solidarität in jeder Forin ersuchen. Vor allem meidet dieses Eldorado. Die Streitenden. Vergleich in der Verbandstostbranche. Am 22. Februar beschäftigten sich die im D e u t s ch e n T r a n s- portarbeiteroerband organisierten gewerblichen Arbeiter und Arbeiterinnen der Verbandmittelbranche in einer äußerst stark besuchten Versammlung mit dem vor dem Schlichtungsausschuß Groß- Berlin zustande gekommenen Vergleichsvorschlag. Der Tarif war zum 31. Dezember 1921 gekündigt und eine 60proz-ntige Lohnzulagc gefordert. Die Arbeitgeber lehnten atzsänglich VerHand- lungen ab, doch kam es am 19. Januar zu Verhandlungen mit ihnen. Sie wollten eine Zulage von 10 Proz. für die Zeit ab 1. Januar bis zum 15. Februar 1922 zahlen. Die Arbeitnehmer lehnten diesen Vorschlag ab und beschlossen, den Schlichtungsausschuß an» zurufen. In der Verhandlung am 20. Februar kam es zu einem Vergleich, der wöchentliche Lohnzulagen von 40 M. bis 160 M. voksieht. Das Abkommen soll Geltung haben ab 1. Januar 1922 bis zum 31.. März 1922. In der Diskussion wandten sich verschiedene Redner gegen diesen Vergleich und sprachen sich für Ablehnung desselben aus. Es ge- lang aber der Tarifkommission, sich durchzusetzen, und bei der Ab- slimmung wurde der Vergleichsvorschlag gegen eine bedeutende Minorität angenommen. Die Tarife sind ab 4. März 1922 im Bureau des Transport- arbeiteroerbandes, Engelufer 24/25, Zimmer 33, gegen Vorzeigung des Mitgliedsausweises erhältlich. Das Lohnabkommen für die chemische Industrie, welches ab 25. Januar 1922 Geltung hat, ist unterzeichnet. Auch diese Tarife können im Verbandsbureou abgeholt werden, desgleichen die Tarife für die Gruppe Mineralöle und Fette. Der Sattler-, Tapezierer- und Porteseuiller-Derband hielt am 21. und 22. Februar eine Beiratssitzung ob, die sich hauptsächlich mit organisatorischen Fragen beschäftigte. Im Vordergrund stand die Frage der R e i ch s t a r i f e und der Regelung der Beiträge. Für die Beibehaltung und Erneuerung der Reichstarise fand sich eine größere Mehrheit, wenngleich zum Ausdruck kam, daß der Rcichstarif, besonders im Handwerks gewerbe, nicht das A und O der Bewegung darstelle. Eine größere Diskussion entstand darüber, ob im Lederwarentarif die Löhne bezirksweise ge- regelt werden sollen. Auch hier wurde beschlössen, beim Neuab- schluß in diesem �Iahre die alte Form der Gesamtregelung bei- zubehalten. Bcschlofsen wurde, die Beiträge wie folgt zu er- höhen: I. Klaffe 9 Mk.. 2. Klasse 7,50 Mk., bis herab zur 6. Klasse 1,50 Mk. Dementsprechend wurden auch die Unterstützungen, befonders für Streik, erhöht. Diese beträgt jetzt in der 1. Klasse 39 Mk. pro Tag. Der neue Beitrag tritt am 1. April, die Wirkung der neuen Unterstützungen am 1. Mai in Kraft. Die Regelung der Gehälter für die Angestellten wurde ebenfalls vorgenommen, und zwar noch dem Mindestlohn des Lederwarentarifes mit entsprechen- den Aufschlägen. Zum Schluß gab es noch eine heftige, jedoch sachliche Ausein- anderfetzung über die bekannte Verordnung des Reichspräsi- denten Fritz Ebert. Ebert wurde vor zwei Jahren von der Ortsoerwaltung Berlin ausgeschlossen. Der Zentraloorstand be- stätigte diesen Beschluß, der Verbandsausschuß in Ofsenbach a. M. oerweigerte jedoch seine Zustimmung. Der Beirat lehnte den neuerdings beantragten Ausschluß ab mit allen gegen acht Stimmen, in namentlicher Abstimmung. Der Verbands- tag wird nunmehr endgültig entscheiden. Achtung, Spv.-Fnnklionäre der Straßenbahner! Donnerstag abend 6 Ubr: äußerst wichtige Besprechung im Konferenzsaal, Linden- straße 3, IV. Hof, 4 Tr. Der verband der bayerischen Melallindnstriellen droht den Streikenden mit fristloser Entlassung, falls sie nicht heute die Ar- beit wieder ausnehmen. ««rliaiid der Sattler, lapezierer and Parte seniler. Reiseartikel' und Por- tefeiullerbranÄe. Freiiaq aberU» 7 Uhr in der Kdnigsdant. Brrßc Frontturter Slrage 117, Branchenoersammlung. Bericht von de» Berhsndlunge» in Frani- furt a. M. Zentralverbaad der Angestelten. Freitag. Kurz.. Salanterie» und Spiel. onni'rtölirttt �Htfrtliphfrnnrfr.mmTiinrt nnrfinilfiaa<3 n' Uhr ill Getreide und Fourage: Mitgliederversammlung abends 8 Uhr in Haverlands Feslsälen. Reue Friedrichstr. 35. Deutscher Transportarbeiteruerband. Donnerstag: Tabakbranche. Gruppe Zigarettenfabriken. Rachm. 5'* Uhr bei Doeker, Weberftr. 17. aufterordentlicbe Branchenversammlung. Unsere neuen Lohnforderungen. Anschließend Sek- tionsversammlung.— Handelshilfsarbeiter und Arbeiterinnen ans allen Be» trieben der Herren-, Knaben- und Burfchenkanfektion. Nachm. 5 Uhr Gruppen- Versammlung bei Witte, Postftr. 29.— Branche 2, Gruppe Chirurgie. Gruppen- Versammlung abends 7 Uhr im Lokal von Florian, Ziegelstr. 31, für alle Handelshilfsarbeiter und Arbeiterinnen aus der Chirurgiemechanik.— Sektion II. Gruppe Altpapier. Abends 7 Uhr im Englischen Hof, Aleranderstr. allgemeine Persammlung. Bericht von den letzten Lohnverhandlungen. Kündigen- wir den am 31. Marz ablaufenden Tarifvertrag?". Zentralverband der Schuhmacher. Schoß- und Fabrikarbeiter: Donnnstog abend 7 Uhr Empfangnahme der Flugblätter in tolgenden Lokalen: Liersch, Kantstr. 62: Behnte. Hessestr. 1: Wiemers. Bülowstr. 58; Ahlourg.� Ziethen» straße 58: Rönnebcck, Skalitzcr Str. 59t.; Hoffmann. Gubener Str. 5: Di nie. Usedomstr. 18; Marx, Oldenburger Str. 19. Berbreitung erfolgt Freitag und Sonnabend. Verband der Bnchbiader und Papierverarbeiter. Heute nachm. 5'? Uhr im Lokal von Bveker, Weberftr. 17. Branchenversammlung der Etui- und Kar- tonbranche. Der Ablauf des Torifes. Branchenangelegenheiten. Erscheinen alle? Kclleginnen und Kollegen ist Pflicht. Steinarbeiter. Bau- und Grabmalbranche. Freitag 6'. 2 Uhr im Englischen Hof. Alcxanderstr. 27c. Bund der technischen Angestellten und Beamten. Ortsverwaltung Steglitz. Donnerstag abend 8 Uhr Mitgliederversammlung im„Restaurant zum Alt- hoff"._ Arbeitersport. Cin Tckwimmieft«n der Pchilingabriiek». Der Ärbeiler-Fchwimmnerein „B e l l e" neranfialictr am Sonniazi unter Teilnahme verwandter Dereine in der Boltzbadeanftalt an der Schillinssbrlicke ein laiales Schwimmseil. Das Pragromm war gut gewädlt und avwechsliingsreilli. Zudem fanden die So». furttiucn in allen Altersklaile» ein« flatie Abwicklung. Sin Damenkunitreigen, geschwommen von der Damenadieilung des festgebenden Vereins,»rsreutc sich, seiner exakien und eleganten Ausfitlirunq wegen, besonderen Beifall«. Aber auch das Dliinncrspringe» sowie die Spriinge einer>ächwjmmgcnossin der „Freien Schwimmer Zientölln" und dos Tellertauchen lüsten starken Applaus im Zuschauerraum aus. Zu den größten Beisall-ltiirmen kam es jedoch wöh, rend des rennmnßigen Teils im Programm, dem Stasettenfchwimmcn. In einem Lamvionreioen. geschwommen po» i4 Mitgliedern des Berein»„Delle", nahmen sich die Schwimmer und Schwimmerinnen mit ihren vielen bunien elektrischen Lichtern wie Nixen aus dem Meeresgründe in der völlig im Dunk.-l gehaltenen Schwimmhalle aus.(Eine ebenfall» clektri ich beleuchtete und kllnst» lcriich tusammengeießte Schwimmergrnppe beendete das. schöne Fest. Derantw. für den redakt. Teil: Fraur Sliih» Derli»»LichterseIde: sür An. «igen: ZH.»lacke, Berlin. Berlag Borwärts-Berlag». m. b. S.. Berlin. Druck: rorwärts.Buchdr.ickereiii.Derlaasmilalt Paul Singer u. Co.. Berlin. Lindenstr. Z. Hierzu 1 Betrage. Leipziger Strasse N Alexanderplatz Frankfurter Allee 3l ObGrhGmQ farbig, m. Kloppmanjdiellen"�/rpvCO und passendem Kragen................... Oberhemd{arbig, moderne Streifen,"21�00 1 slelfer, I weither Kragen................ Taghemd Q�00 ll�00 gutes Hemdenludi................ 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Eine Großstadt braucht nicht nur öffentliche Krankenhäuser, fondern auch öffentliche Einrichtungen zur ersten Hilfe bei Unfällen und zum Transport von Kranken. In Berlin hat man, wie bei so vielen anderen Aufgaben der Gemeinde, auch beim Rettungs- und Krankentransportwesen zunächst der privaten Tätigkeit und dem gewinnsuchcnden Gewerbe das Feld überlassen. Erst später gelangte die Stadt zur Uebernahme und Ausgestaltung dieses Zweiges der ösfentlichen Gesundheitspflege, dessen Bedeutung für die Volksgcsundheit nicht unterschätzt werden darf. Ein Blick in den Betrieb des Berliner Rettungsamtes, das zum ärzt- lichen Direktor den Sanilätsrat Dr. Frank hat und eine Abteilung des Gesundheitsamtes der Stadt ist, zeigt die Wichtigkeit dieses Arbeitsgebieten Die krankenwagenöepots. Die haupkverwallung des Rettungsamtes hat ihren Sitz in der Auguststraße, teils in gemieteten Räumen des früheren Kranken- Hauses der Jüdischen Gemeinde, teils auf den zusammenhängenden Grundstücken Auguststr. 9 und Artilleriestr. 28. Auf dem Hof von Auguststr. 9 befindet sich ein Hauptdepot für Krankentransport, das sechs Krankenautomobile in Bereitschaft hat. Kleinere Depots mit einer geringeren Zahl Automobile gibt es in der Gegend des Friedrichshains, in Charlottenburg, in Schöneberg, iy Reinickendorf. Im ganzen verfügt das Rettungsamt über 2S Wagen, von denen allerdings infolge starker Beanspruchung dauernd mehrere in Re- paratur sind. Die betriebsfähigen Wagen sind gewöhnlich den ganzen Tag unterwegs und fahren nach Ausführung eines Krankentrans- ports sofort vom Krankenhaus unter Umgehung des Depots weiter zur Abholung eines anderen Kranken. Rur nach dem Transport eines Jnfektionskrankcn muß der Wagen in das Depot zurückkehren, um dort desinfiziert zu werden. Solche Unterbrechungen bringen Zeitverlust uizd machen sich im Betrieb mitunter sehr unangenehm fühlbar. Das Depot hat eigene Einrichtungen zur Desinfizierung des Wagens und zur Reinigung des Bezuges der Krankenbahre, der nach jedem Transport erneuert wird. ?m Hauptquartier öes Krankentransportwesens. Die Fäden des ganzen Krankentransportapparotes laufen zu- fammen in der Telephonzentrale, die im Hause Artilleriestr. 28(in sehr unzulänglichen Räumen) untergebracht ist. Sie ist verbunden mit allen Krankenhäusern, mit allen Rettungsstellen, mit den Krankentransporldepots der Stadt, mit den wenigen privaten Krankenlransportinstituten, die sich noch behauptet haben, ferner mit der Polizei und einigen anderen Behörden. Täglich dreimal werden aus allen Krankenhäusern die freien Betten an die Zentrale ge- meldet, so daß auf jede Anfrage sofort in unentgeltlich erteilter Aus- kunft das für einen Kranken in Frage kommende Krankenhaus an- gegeben werden kann. Diese Tätigkeit erfordert viel Umsicht des damit betrauten Personals der Zentrale, dem das anfragende Publikum nicht durch Ungeduld die im Interesse aller Kranken zu wünschende glatte Abwicklung der Arbeit erschweren sollte. Das früher so oft beklagte stundenlange Umherkutschieren von einer über- füllten Anstalt zur anderen, das den bedauernswerten Kraizken schädigte, kann bei der Inanspruchnahme dieser Meldestelle nicht mehr vorkommen. Wird zugleich ein Krankenwagen verlangt, so sührt die Zentrale gleichfalls die Bestellung aus. Im Januar 1922 be- sorgte das Rettungsamt nicht weniger als 4589 Krankentransporte, � das macht durchschnittlich pro Tag 148 Transporte. Die Zentrale ist auch nachts in Betrieb, um Betten nachweisen und Krankenwagen schicken zu können. Jederzeit ist sie darüber unterrichtet, wo ein! Wagen einen Kranken abzuholen und in welches Krankenhaus er I ihn einzuliefern hat. Sie kann durch telephonischen Anruf jeden! Wagen von einem Krankenhaus an eine Stelle schicken, wo er im Augenblick dringend gebraucht wird. Das kommt zum Beispiel vor, wenn Massenunfälle sich ereignen und die Heranziehung möglichst aller Wagen nötig machen. Oer Kostenpunkt. Die Kosten des Krankentransportwcsens sind nicht gering: sie belaufen sich zurzeit auf 234 bis 3 Millionen Mark. Ein Kranken- automobil kostet heute bereits 200 999 M., gegenüber 30 900 M., für die es noch vor drei Jahren zu haben war. Gummireifen und Be- triebsstoff sind so teuer, daß man sie kaum noch bezahlen kann. Die Verwaltung geht damit um, die Krankenkassen allmählich zur Zahlung des vollen Selbstkostenpreises der Transporte heranzuziehen. Künftig wollen die Kassen jeden Transport mit 199 M. bezahlen, aber das bleibt noch weit hinter dem jetzigen Selbstkostenpreis zurück, j Die Aufwendungen pro Kilometer Fahrt stellen sich heute aus durch-! schnittlich 15 M., so daß bei einer durchschnittlichen Fahrtlänge von! 14 Kilometer die Gesamtkosten einer Fahrt durchschnittlich 219 M. 1 betragen. Zurzeit fordern die privaten Krankentransportunter-' nehmer mehr als das städkische Krankentransportwesen, das durch seine Konkurrenz preisregelnd wirkt. Die Rettungsstellen für erste Hilfe. Neben dem Krankentransportwesen ist das Rettungswesen für die Großstadt unentbehrlich. Berlin hat 42 Reltungsslellen, die jedem Verletzten oder plötzlich Erkrankten erste Hilfe gewähren. Die weitere Behandlung bleibt dem privaten Arzt überlassen oder dem Krankenhaus, in das die Rettungsstelle den Kranken nötigenfalls überweist. Der Arzt einer Rettungsstelle kommt in dringenden Fällen zur ersten Hilfe auch in die Wohnung und bringt eine jeder- zeit bereitgehaltcne Auswahl wichtigster Medikamente und In- strumente mit. In etwa 79 009 Fällen pro Iahr leisten die Rettungs- stellen ihre Hilfe. Die Hilfeleistung wird nicht von der Zahlungs- sähigkeit abhängig gemacht, aber die Rettungsstelle sucht von dem tatsächlich Zahlungsfähigen hinterher die Kostenerstattung zu erreichen. • Die neue und größere Stadtgemeinde Berlin steht heute vor der Aufgabe, das Krankentransport- und Rettungs- wesen der bisherigen Einzel gemei.n den zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzufassen. In manchen Gemeinden hat noch das private Unternehmertum eine be- � herrschende Stellung, in einigen anderen Gemeinden liegt das Krankentransportwesen in den Händen der Feuerwehr. Die Leitung des Berliner Rettungsamtcs wünscht, in dem ganzen Gemeinde- gebiet Berlins die Feuerwehr in den Dien st des Kranken t-ransportwesens zu stellen. Sie möchte der Feuerwehr den Transport vom Unfallverletzten zuweisen, so daß dem Rettungsamt nur der Krankentransport bliebe und für diesen jederzeit das Personal und der Wagenpark uneingeschränkt zur Ver-' fügung stände. vergolüeter Schunö. Der Kamps gegen die Schundliteratur, eine Zeitlang durch den Kampf gegen den Schundfilm zurückgedrängt, scheint jetzt wieder mehr in den Vordergrund zu treten. Oft genügt es, wenn man die Bücher erst gar nicht liest, sondern sich nur die verlegerischen An- kündigungen ansieht. Man weiß dann, wenn man nur einen Blick für die Dinge hat, sofort, was los ist. Der Prospekt eines guten bürgerlichen Verlages liegt da. Er kündigt nur Roman« an. Nicht erstklassige Autoren. Aber immer- hin solche von Namen, hier' und da einer von Rang. An seinen Ankündigung kann man den Roman' erkennen. Also' laßt sehen: „Mit blendender Erzählerkunst wird der Gang eines Genies gekenn- zeichnet, das sich aus den Niederungen des Kriegsschiebertums zu den reinen Höhen eines seiner Verantwortung bewußten Geld- f ü r st« n erhebt." Herrlich muß die„reine Höhe" sein, auf der so ein Geldsürst lebt. Ein anderer Roman wird also angekündigt:„Die Jagd nach dem Glück, der Taumel der Millionen, das ist das Thema, das jetzt alle Kreise Deutschlands beherrscht. Em Kriegsgewinnler im wahren Sinn des Wortes steht im Mittelpunkt der Handlung, die uns von der Destille in der Ackerstraße nach der vornehmen Stille des Pots- damer Generalhauses führt."— Destille und Stille, wie kann es anders sein, als daß sie sich aufeinander reimen. Und endlich:„... im Mittelpunkt der kühne Reiters- mann und die hochmütige Dollarprinzessi n".— Man kann sich selber vorstellen, was daraus wird, wenn die beiden zusammenkommen. Deshalb wollen wir den Vorhang über diesen vergoldeten Schund schließen.- Zum Reichsmietengesetz. Der Bund deutscher Mietervereine(Sitz Dresden), der vor kurzem seine Delcgiertenversammlung in Berlin abhielt, legt in einer Kundgebung mit Entschiedenheit und Entrüstung einstimmig dagegen Verwahrung ein, daß der Hausbesitz versucht, in letzter Stunde durch demagogische Kampfesweise und erpresserische Drohungen(Steuerstreik, absichtliches Zer° fallenlassen oder Anstecken der Häuser, Verkauf an Ausländer usw.) d a s G e s c tz z u Ja l l z u b r i n g e n. Es heißt in der Kundgebung dann weiter:„Die Delegiertenversammlung richtet an den Reichstag das dringende Ersuchen, sich durch dieses Gebaren des Hausbesitzes nicht irremachen zu lassen, sondern das Gesetz, dessen wir dringend bedürfen, um Ordnung in die Hauswirtschaft zu bringen, zu ver- abschieden. Daß das Gesetz die Hoffnungen der Spekulation bis auf weiteres einschränkt, ist ein besonderer Vorzug, ist mit der damit ver- suchten Festhaltung der Grundrente eine Notwendigkeit, ohne die unsere gesamte Wirtschaft durch Belastung mit neuen ungeheuren Schulden schwersten Schaden leiden würde und ohne die der Mieter- schaft die schweren Lasten, die sie mit dem Gesetz übernehmen muß, nicht zugemutet werden können. Die Mieterschast ist bereit, sich mit dem neuerdings vorliegenden Kompromißvorschlag abzufinden, auch wenn in ihm viele berechtigte Forderungen nicht erfüllt sind. Der Bund der Mietervereine ist sich seiner Verantwortung gegenüber der gesamten Volkswirtschaft bewußt. Er hat sein Verantwortungs- gesühl durch ruhige, sachliche Arbeir bewiesen, er erwartet dafür aber, daß diese Arbeit entsprechend gewürdigt wird und es nicht der dema- gogischen Arbeit der Gegenseite gelingt, das Gesetz zu Fall zu bringen. Die Unruhe in der Mieterschast ist außerordentlich groß. Wenn das Rcichsmietengesetz fällt, lehnt der„Bund deutscher Mieter- vereine? die Verantwortung für die unabsehbaren Folgen ab. lleberfremdungsgefahr? Unter den Bedenken, die gegen den Entwurf des Reichsmieten- gesetzes erhoben werden, tritt besonders häufig die Behauptung auf, das Reichsmietengesetz werde„die Ueberfremdungfördern". Eine Ueberfremdungsgefahr könnte in der Tat dann vorliegen, wenn wirtschaftlich schwachen Hausbesitzern die Mittel fehlen, um die Lasten des Hausbesitzes zu tragen, die Verwaltung ordnungsgemäß zu führen und die notwendigen Reparaturen auszuführen. Gerade die Mittel hierfür aber stellt das Rcichsmietengesetz, und zwar unstreitig in ausreichendem Umfang, zur Verfügung, so daß die Notwendig- keit der Verschleuderung von Hausbesitz für kei- nen Hausbesitzer mehr besteht, wenn das Gesetz zustande kommt. G e st e i g e r t aber würde die Ueberfremdungs» g e i a h r gerade dann, wenn den weitergehenden Wünschen ein- zelner Grundbesitzerkreise stattgegeben und volle Freiheit in der Steigerung der Mieten gewährt würde. Denn dann würden die Wohnhäuser wieder in stärkerem Maß Handels- und Spekulationsobjekte und für Ausländer würde ein Anreiz zu spekulativem Auftauf des deutschen Hausbesiges über- Haupt erst geschaffen._ Eine Kleinstaöt-Tragoöie. Den Schwiegersohn niedergeschossen. Eine Totschlagsafiäre, die in dem benachbarten Bernau seinerzeit großes Aufsehen erregt hotte, lag einer Anklage zugrunde, die gestern das Schwurgericht des Landgerichts III beschäftigte. Das urfprüng- lich auf Mord lautende Verfahren, das sich schließlich zu einer Anklage wegen vorsätzlichen Totschlags verdichtete, richtet sich gegen den ögjährigen Schlächtermeister. Ferdinand C s ch b a ch, der seinerzeit gegen Stellung einer hchcn Kaution aus der Haft entlassen wor- den war. Der Getötete war der Schwiegersohn des Angeklagten, der frühere Kriminalwachtmeistcr Peter Krachten aus Düsseldorf, der während des Kriegs als Unteroffizier die Tochter des E. kennen gelernt hatte. Aus Liebe zu dieser trat K. vom katholischen zum evangelischen Glauben über und gab auch seinen Beruf auf, um bei seinem Schwiegervater das Schlächterhandwerk zu erlernen.— Während die Ehe anfänglich eine sehr glückliche war, trat später bald das Gegenteil ein. Nach der Anklage soll die Hauptschuld die Ehefrau haben, weil sie angeblich ein sehr leichtfertiges Leben führte, häufig ohne Wissen ihres Mannes nach Berlin fuhr, hier Kaffeehäuser und Theater besuchte und sich auch sonst in Bernau nicht des besten Rufes erfreute. Dies führte wiederholt zu heftigen Szenen, bei denen der Angeklagte für feine Tochter, die als„Einzige" etwas verzogen war, eintrat. Als es wiederholt dazu kam, daß Krachten auf seine Frau einschlug, soll der Angeklagte geäußert haben, er werde dazwischen gehen und K. niederschießen. Als es am b. Fe- bruar v. I. wieder zu einer heftigen Szene kam, erklärte K. dem Angeklagten:„Du hast sie verzogen. Sie mußte Prügel haben!" ] Die Sünde im Wasser. Von Wilhelm Schmidtbonn. Die beiden sprachen kein Wort. Er faßte sie fester und legte ihr die Hand auf den Kops, um sie zu schützen. Sie fühlten die Nähe des Todes, der da draußen in der Waffernocht ein Menschenherz hatte ausschlagen machen. Sie glaubten ihn langschrittig über das Wasser zu ihnen herkommen zu sehen. Sie bückten sich ganz in sich zusammen, wie zwei Katzen, die sich klein vor dem Hund machen. Sie klammerten sich enger an den Stamm, als ob die Blättermauer sie schützen könne vor der Knochenhand, die aus dem Dunkel heraus weiß und mit langen Fingern nach ihnen griff. So hockten sie lange. Sie fürchteten sich,, ein Wort zu sprechen. Nur hin und wieder drückte sich eins fester ans andere, wie um zu sagen:„Ich lebe noch, lebst du noch?" Sie redeten nicht mehr davon, daß sie sterben mußten— sie wußten es, sie fühlten es als ein Schwarzes und Schweres auf sich liegen. Unter diesem Schwarzen und Schweren, wie unter einer Decke, die sie von Welt und Menschen trennte, blühten endlich ihre Leiber ineinander. Das Furchthämmeni des Herzens erstickte endlich unter den Stammellauten alles vergessender Trunkenheit. Was sterben mußte, lebte endlich noch einmal auf im tiefsten Taumel des Blutes. Schliefen sie, oder waren sie wach? Sie wußten es nicht mehr, sie hatten keine Kraft mehr, darüber nachzudenken. Rur das Bewußtsein von etwas Ueberglücklichem, von etwas Wunderseligem, etwas geheimnisvoll Stummem, das sich nicht sagen ließ, und das doch in ihnen jauchzte und jauchzte, das Gefühl, dieses Seligste gelebt zu haben, eine Minute oder eine Ewigkeit— lag dämmernd auf ihren Stirnen. Und keine quälende Sehnsucht, nur noch Stille und Friede war in ihnen. Sie hatten Arm in Arm geschlungen, wie zwei, zwischen denen alles, was sie getrennt hatte, gefallen war, die sich ge- hörten, ganz, für immer. So lagen sie und warteten auf den Tod. „Mein Fuß hängt im Wasser," sagte er noch einmal. Sie antwortete nicht, Sie träumte. Sie hörte die Orgel in der Kirche brausen, durch die großen Fenster flutete das goldene Sonnenlicht auf die vielen weißen Kleider der Mädchen und die ernsten Gesichter der Männer. Ihre Mutter, die kleine Frau, drehte den Kopf nach ihr und lachte ihr zu. Der junge, goldene Tag stieg auf. Rudcrfchläge und Stimmen kamen näher— das Leben kam. Hein schrie auf. Er schlug mit den Fäusten auf das Mädchen, um sie wach zu machen. Mit großen, verständnislosen Augen sah sie ihn an. Sie ließ es geschehen, daß er ihr Strümpfe und Schuhe anzog. sie ließ sich den Hut von ihm aufsetzen, in den er das lange Haar ungeordnet und ungeflochten hineinsteckte.. Als die Stimme ihres Verlobten an ihr Ohr schlug, faßte sie in die Aeste und wollte fliehen, wollte ins Wasser hinein. Hein packte sie mit eisernem Arm, schwenkte seinen Hut und rief und schrie. Und von dem Baum weg warfen sich die Vögel mit jauch- zenden Kehlen den Kommenden entgegen. Es war ein Tag im Mai, voll phantastischer, weißer Wolken am blauen Himmel und goldener, wechselnder Schatten überall. Das über die Ufer geflutete Wasser war seit Wochen ver- laufen, und aus der satten Erde war wunderbare Sommer- pracht hervorgeschossen. Alles wogte von Duft und Farbe. An ollen Hecken, an allen Fenstern leuchtete ein Rosenglück aus grünen Blättern, das noch dem hemdärmeligen Schiffer weit im Rhein mit seinem süßen Geruch die Brust eng machte. In den Wipfeln lärmte ein Heer von tausend Kehlen gegen das andere, so voll Sang hing der Himmel, daß die Sonne kaum durchzudringen schien. Und an den Bächen, die zwischen den Weiden dahinfchäumten, im Gras der weiten Wiesen, auf den Sonnenflecken im Buchenwald kroch und flog und surrte und summte alles von Ameisen und Käfern und Fliegen und Bienen. In den Ställen brüllten die Kühe, scharrten die Pferde mit den Hufen. An den Ketten weinten die Hunde und gingen im Bogen umher, so weit die Kette reichte. Und die Menschen! Sic taten alle Fenster auf. Sie ließen die Betller sich in die Laube setzen und machten ihnen die Suppe vom vorigen Tage warm. Sie gaben allen die Hand, an denen sie sonst vorübergingen. Die jungen Frauen fühlten ihr Kind unter dem Herzen und waren ganz still vor verschwiegenem Glück. Die Mädchen und Burschen streiften mit den Ellenbogen an- einander und sahen sich eins nach dem andern um, ehe sie ins Haus gingen. Und die alten Leute saßen mit gebogenen Rücken und altniodischen Jacken auf den Bänken am Ufer und sahen die Schiffe mit schwarzen Schornsteinen und weißen Segeln an sich vorüberziehen. Alle, die sonst ernst und bedächtig waren und die Hände ans dem Rücken hielten, gingen nun mit einem leisen Lied und mit schwingenden Armen durch die Straßen. Eine un- erklärliche Freude am Leben war über alle gekommen. Jede zwei Augen waren der Spiegel eines Menschenherzens voll Liebe und geheimnisvoller Seligkeit.— Die beiden Freunde, Hein und Georg, der Verlobte Gretes, waren wie immer beisammen, an ihrem alten trauten Platz hinter dem Haus. Das Haus war auf den Resten einer alten Kirche gebaut, und in der hinteren Basaltwand war eine Nische ausgehauen, die wohl einmal ein Muttergottesbild und brennende Kerzen, eine Betbank und still gefaltete Hände um- faßt hatte. Jetzt standen ein weißgedeckter Tisch, eine Bant und hellgestrichene Stühle da. Der schlichthaarige Georg hatte eine Zeitung über den Tisch gebreitet und stand darauf und stellte mit leisen Händen einen blühenden Wiesenstrauß vor das geschlossene Fenster oben. Hein saß auf der Bank und ließ sich die Sonne auf die gesunden Backen brennen. Seine breite Brust atmete tief, wie die eines Schlafenden. Er hatte seinen Rock neben sich gelegt und das Hemd an den starken Annen in die Höhe gestreist. Voller Lust putzte er über das Metall der Flinte, die auf seinen Schenkeln lag,' und hielt sie von sich, daß die Sonne darin blitzte. Dann saßen sie nebeneinander. Georg blätterte in seinem Buche, legte dann den Kopf zurück und sah in den blauen Himmel über sich.„Kerl," sagte er einfach und mit leiser Stimme,„ich bin glücklich. Ehe du gehst heute, will ich dir das noch sagen." Und das Glück sah durch die goldene Brille aus seinen schönen, blauen Kinder- äugen, die so groß waren, als hätte das lange Ausschauen nach dem Glück sie weit gemacht. �Fortsetzung folgt.) aiib drehte sich um, um feiner Frau eine Ohrfeige ZU geben. In demselben Augenblick zog E s ch b a ch eine Pistole, die er sich wenige Mnuten vorher aus seiner Wohnung geholt hatte, und gab aus unmittelbarer Nahe auf K. einen Schuß ab, den diesen in die Schläfe traf und sofort tat niederstreckte. Unmittelbar nach der Tat äußerte der Angeklagte zu seiner Tochter: So nun habe ich wenig st ens meine Ruhe. Deinetwegen bin ich zum Mörder geworden!— Diese Tat hatte seinerzeit in Bernau großes Aufsehen erregt. Die Stimmung der Bevölkerung war der- artig gegen die Frau, daß sie bei einem Lokaltermin beinahe gelyncht worden wäre. In der Verhandlung wird von Rechtsanwalt Bahn ein umfangreicher Beweis dafür angetreten, daß der Angeklagte in Notwehr gehandelt Hobe, da der Erschossene ihn unmittelbar vor der Tat mit einem Beil bedroht hatte. Für die Verhandlung sind drei Sitzungstage angesetzt. Wir werden das Urteil mit- teilen.__ Tie Angst vor dc« Eisenbahnern. Ein Berliner Eisenbahnbeamter, der sich seit längerer Zeit um eine Portier stelle bemüht, erhielt von einer Hausbesitzerin ans seine Anfrage folgende Antwort:„Leider kann ich Ihnen eine Wohnung in meinem neuen Hanse nicht mehr zur Verfügung stellen; auch wegen der Portierstelle stehen wir schon in Ver- Handlung mit einem uns bekannten Ehepaar, das überhaupt noch lein gemeinsames Unterkommen hat; außerdem käme aber nach den Erfahrungen der letzten Wochen ein Eifenbahnbcamter für mich nicht in Betracht.' Nach den Erfahrungen der letzten Wochen würde eS sich emp- fehlen, jeden Hauswirt, der in passiver Reisistcuz erwiesenermaßen sein Hau« in Kot und Schmutz untergehen läßt, ein für allemal von der Beförderung durch die Eisenbahn auszuschließen. Nicht mehr„ehelich oder unehelich". Nach Einvernehmen mit dem GeneralstaatSanwalt beim Kammergericht hat der Polizeipräsident angeordnet, daß in verant- wörtlichen Vernehmungen die Frage nach ehelicher oder un- ehelicher Geburt in Zukunft zu unterbleiben hat. Die neue verufSfchule k.B-rustdildungtzjragen') behandelt ein So* trag der bekannten Schulreformerw Dr. Olga Eisig, Leiterin be§ Alawzcr FortbildungSschutwelens, der heute abend 8 Uhr im ZentNümstitut für Erziehung und Unterricht, PolSdamer Str. 120, stattfindet. Flugdienst zur Leipziger Messe. Zur Leipziger Mustermesse werden räglich dreimal von der Ncichspostverwaltung Flug- zeuge in jeder Richtung Verkehren. Zur Aufrechlerhaltung de» Flugdienstes sind die Bayerischen Rumplcr-Werke(zwischen Berlin und Augsburgs, die Sab!atnig»Werke und die Deutsche Luft- reederei verpflichtet. Bon Berlin(Johannisthal) wird die Abfahrt um 8 Uhr vormittags, 12 Uhr 45 Minuten mhtag» und 4 Uhr nachmittag-Z erfolgen, während die Fahrt der Gegenrichtung von Leipzig um 8 Uhr 89 Minuten vormittag«, 1 Uhr mittag» und 8 Uhr 45 Minuten nachmittag» ersolgt. DaS Flugzeug ab Berlin 8 Uhr verläßi Leipzig um 19 Uhr vormittags zum Wciierflug über Nürnberg— München nach Augsburg, wo das Flugzeug bereits 2 Uhr 49 Minuten nachmittags eintnssr. Der AUlchpreis im März. Von DoimcrSiag, den 2. März, ab betrügt der Preis für Kartcumtlch 4 M. je Liter, für freie Milch 6,69 M. je Liter. Die Preise sind für KleinhandelSgeschäsle und Abmelkwirischaften(Molkereien) die gleichen. Der Gründer der Zigareilcnfabrsk Georg A. öasmatzi, Konsul JaSmatzi, ist in Dresden im 75. Lebensjahr gestorben. Er hat als erster die türlische Zigarette in Deutschland eingeführt. 1991 verkaufte er seine Fabnt, die unter dc» Einfluß de» englisch- amerikanischen TabaktrusieS geriet. Nach Kriegsausbruch kam sie wieder in deutsche Hände. JaSmatzi selbst bat vor etwa 19 Jahren eine neue Firma„Georg JaSmatzi und Söhne' gegründet. Der SluSschnf, für vertriebene Reichsdeutsche au» Grost- britamnen und Irland und den bntilchen Kolonien halt am Donners- tag. den L. März, abend? 8 Uhr, in der Renen Stadlhall«, lZinzang Alostrr- straßc, eine Vcrfanrmlnng ob. Au! der Tagesordnung steht ein Referat von Geheimrat Grosse über die Enlschüdigüng. SPD. SeMA«MilimlilW mit folgender Tagesordnung: Neichspolitik � Genua X Streiks Heute. Mittwoch, den t. März: Laumschulenweg: 7'/- Uhr, im Lyzeum. Laumschnlenstr.79 SO. Referent: Dr. Walter Zechlin. Ruch: 71/, Uhr. Lokal Gepferl, gr. Saal. Referent: Erwin Varlh. KSpenick: 7'/, Ahr. im Stodikheaker. Referent: Helnrich vier- biicher. Thema:.Wirtschaftspolitik und Sozialdemokratie'. Donnerstag, den 2. März: IS. Krei». Riederschönewelde. OberschSneweide und Johannisthal: 7 Uhr. In Medcrschöneweide, Restaurant.Loreley'. Referent: Reichslagspräsibent Löbe. Oer Ooppelmorö auf üem Säntis. Die Tater noch nicht entdeckt. Wie schon kurz berichtet, ist der Wetterwart und Bergwirt aus dem Säntis, Heinrich Haas, mitsann seiner Frau im Observatorium ermordet aufgefunden worden. Die Kunde von dieser Bluttat hat die ganze Ostschweiz in Aufregung versetzt. Die Polizei hat bereits einen Steckbrief gegen den mutmaßlichen Täter erlassen, als der ein in St. Gallen ansässiger Schuhmacher, der vor einiger Zeit in Konkurs geraten war und sich ständig in Geldverlegenheit befand, in Frage kommt. Nachgewiesenermaßen befand sich dieser Mann während vier Tagen auf dem Säntis. Die Entdeckung des Doppel- mordes geschah durch die Säntis-Träger Gebrüder Ruesch, die am Sonnabend aus dem Gipfel ankamen, wo sich nach ihrer Erzählung ihnen ein fürchterlicher Anblick darbot. In der Wohnstube des Stationsgebäudes bei den Apparaten lag zwischen den Stühlen die Frau Haas mit einem B r u st s ch u ß und einem Schuh in der Hand. Haas wurde nach einigem Suchen erst weiter oben gefunden. Nach den bisherigen Feststellungen ist die Kasse g e st o h l e n, ferner das Fremdenbuch und ein F e l d st e ch e r. Die Apparate im Tele- graphenraum sollen zerstört sein. Inzwischen ist. eine Polizeikolonne, der sich auch ein Vertreter der schweizerischen meteorologischen Zen- tratstation Zürich angeschlossen hat. zu einem Lokalter in in auf dein Säntis eingetroffen. Roch den letzten Nochrichten glaubt man, dem Mörder, der sich in St. Gallen aufhalten soll, bereits auf der Spur zu sein._ vortrage, vereine und Versammlungen. »««in für«inzel,»«m>ti>ds»ast.®.».«cnctttlnttfammlum» heute noch. mittag 5 Uhr in der Zentrale für private Fttrsvrg«, Elattwellstr. t. Bunv hcintottKncr vstprenhen. Tcztrtsgruppe Sioeben. Heute abeuv Ttj llhr Gcneralverlammlung im»creinszimmct der Brauerei flümgfiaM, Schönhauser Allee 10—11. Deuts»- Frirdravgeselschaft. Ortsgruppe Berlin. Heut« 7)4 Uhr in der Aula Rodift«. 13 Ssfentliche B-rsammlu»«. Dr. Kurt Hiller spricht llöcr da« Thema:„Brauchen wir eine Reichr-wehrsfl tzllr die Dtskuffian sind d«r Reichs- tagsabgrardneie«Uusiler und Pfarrer Bleier vorgemerkt. Reichabund der Seiegsbeschädigten. Bezirk«(Sllden). Heute Bejirksver» snmmlung abend« 7VC Uhr Wasserdorstr. 6» fGliestna« Ball hauet. Kamera» Mende vom ffiauootftanb spricht, über da« Biilitiirnersorgungswesen. Groß-Serliner partewachrichtea. 19, Krei«. Die FunktiauSre und Bczirliverordnrteu de« IS. � Meers» werden gebeten,»m Mittwoch, den 1. März, nachm. 5 Uhr. im Rathau» Pankow, Zimmer 17, zusammenzutreten. Arbeitsgemeinschaft zPrvgrammtursi!»). Redncrin Scn. ltlaea Böhm- M Schuch. Donnerstag, den Z. März,»>!, Uh-, im Sihnngssaal d«» Bezirksverdandes, Lindenstr. 3, ä. Hos linls, 2 Tr. Heute, Mittwoch, den t. ZNärz: 32. Abt. 7>4 Uhr ftunktionürsitznug bc'i Schuckert, Riidersdorfer Str. Z. Tages. ordmuig: Oeganifatortschcr Ausbau unserer Abteilung und Wahtvorzchtag« fll den 151. Bezirk..„— 83. Abt.. Lichterfelde. IV- Uhr Mitaliedcrnersammlnng im Kesaugszaal Rrng- slraße. Thema: ,.Da« Steuerkvmpromiß". Ref. Kurt Srinig.. Znngs-zialillen. Veranstaltung für sämtliche Ortsgruppen! 7tb Uhr im Saal der Juristischen Zprechltunde. Lindenstr. 3. Bortrag über:„Krtmtna.itat der Jugend". Ref. Antonie Pflllsf. M. d. R. Eämtliche Ortsgruppen wer- den zur Teilnahme aufgefordert. Aestgeschte Beranstaltringett lallen aus, Morgen, Donnerstag, den 2. März: 4 Att. 2». Abt. " Sltcrnbcirä?«'bci'Rorärius/Ädaldertstr. Wegen der wichtigen Tage». ordnung wird vollzähliges Erscheinen erwartet. � 89. Abt. 7 lt. Uhr Junktionitrsihung det Warnte, Ransenstr. 1. 123. Abt. Weißens««. 7 Uhr in der Aula des Realgymnnlium« Woellkpr-me- nadc. alternversamtulung für all« Eltern, welche ihre Kinder der welr- lichen iZchule zuführen. Erscheinen unbedingt �notwendig. Achtung. INstizb-ami-: 3 Uhr bei Schultz, Elmchethstr. 30 jgegento«>** Alcrandcrpassagc), Konferenz fämtiichcr i-PD.-Fuuttronare. Tageso rd- nnng:„Die letzten Sireits und ihre Begleiterscheinungen'. Freie An»° Zunasozmlistc».»rnppe Tch-neberg-Friedenau. 7l4 Uhr bei Groß. S-dan. strahe 17, Leseabrnd(Znngsozialssilsche Blatter). Vortrag im Jugendheim, Ehattsseestr. 48. Srnppc Britz: 7 Uhr Jugenüveranftaltungen. »«rein Aebeitrr-Zngenb E roh. Berlin, DW. 88, Lindenstr. 3, 2, Hvf, S Trp. Telephon Moritzplntz 12l»8—121 td. Achtung, Zugendsenossen! Di«»craustalwngen fasten heute odend".. Beteiligt ench an der«crsammlnng de« Zreigewerlschaftllche» Ingenbtartells in den Dophirnsalen, Dophienjte. 18'>7. Zthem«: K St' •zn iihii viuv» R. b. R. Ansang 7 llhr. Wetter bis Donnerstag mittag. Ziemlich mild, zeitweis« Heller. aber sehr undeltimmt und besonders im Norden österS wiederholte Regen« jälle bei stischen wcfliichcn bis südwestlichen Winden. I-edsnsmittelpreise«les l'sxes. 7>lsukr: lCidali« knapp. Ossuitllkt eodisppvnäsr. blsissd arre» iviedsnck.- Sling erwartet 2/15 terÄbtcilnnosvorlt. Zahle allci höchste Preise f. 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Stellungnahme zur Neuwahl der Branchentommisstom 3. Brauchen- sondsieag«. i 13/13 Ol* Octsacrmalhiag. Zähne... 9.". Ersikl. Ausfahre SJ.Qaranli e limarbeitg. alt Gebisse. Re- an parat.sof.tioldkroncn. Brück — Tfiliahls.v— 7 Sonntags 9-1. Hemjei, taUsUiuWr. tA WMeine OistlrenMiN f.BeillD-SMe Bekanntmachung In derBvrstandssitzung am 27. Februar 1822 sind die AeuNer de» Bor- stau des wie folgt besetzt worden: 132/ ig Borsttzender Herr Karl Lier, Lagerhalter, Bec- Itn-Stegtttz, Haltte- straste 34, stellv Vorsttzendee Herr AloisBi-rsch-nt, Maler, Bertin-Stegntz. Kiilzer- strotze 2, SchrNiliihrcr HerrRobert Lindctr. iZteinsetzer, Berlin-Etenlitz. Schild- hornstratz» v. stell». Schriftführer Herr Albert Wagener, An- aestelltcr.Berlin-Stealitz, Düppeistr. 27. Berlin- Steglitz, den TS. Februar 1922 vor Vorst»»» Sieht, Borsttzender SinDefc, Schrilrfsthrer »Ich toaram ganzen Leibemif le> hastet, welch, mich durch da«»wig, JuckenTagu. Nacht peinigten. In 14 Tagen hat /acker'e Paieat-Medlzfaai-ScKe bat 06,1 desettigt.»lese Seife st Hunderte wert. Serg. Vi:- Dazu Znckoob-Creme(nicht 'ettendu fetthaltig) Ii, alles Tpolheken Drogerien unt parsümene» erhÄtltch. pnr 'Z\ old n. Silber Brillanten etc. | zabl« dl« taSctastcn Tagespreise I I Juwelen-EiRkaufs-Gesellschaft iRernn utwarpeM IBeuihstraBe 121 (Spittelmarkt) Eröfffnungsverkauff am 1. Härz1922 für Bettwäsche Nor.f Ute dauerhafte Quaittzten aus prima weiOer Ware zum Beisoiel: Deckbett.. Mk, 85.— Kissen..... Mk. 26.— Laken...., 43— Hemdentuch., 24.50 Wohieemerki keine mlndeiwerlige gelbe Kmunware, sondern wirklich gute wciBe Ren foreeware Intens. Nessel, Handtücher, Wl chincher, Tlstlilüei.er, Hcmdemuche,«et, einene Lakeuware usw i» allen Brei. en u Preislagen am Lager. Jede. 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