Tit. 1S2 �3».?ahrgaas Ausgabe** Nr. 51 Bezugspreis: M.. mcnatl. TO. frei ins&!ir Deutschland, Donna, das Saar- und Meineiaedir». sou ie die ehemals den:- scheu Seüete Polens, Lesterreud- -Ungarn und Luxemburg St.— M., sjir das stbrige Au-.'and 72.— M. Post- bestestungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho» Clowatei, Dane- mar?. Holland. Luxemburg, Schroeden und die Schweiz. Der.Dorrmrls" mit der Evnniags- beilage.Polt und Kein, der Unter- hauungsbeilagc„H-imnel!" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten� erscheint wochemLglich zweimal. Sonn-. tags und Wontags einmal. Telegramm-Adress«: »Ivzialdematral Seriin* AkendAnsgabe c Qre«- Ssrltii 40 Pf. auswärts 50 Pfennig ) �-7- � Devlinev VolkrSlrlAkt NnzcigknprciS: Die einspaltige Nonvsreilpzeil» tastet Ig,— W.„Kleiun Aeezrlge»» das settgedruchie Wort!>.— W. sju» läisig zwei fettgedruckte Worte), jed»« weitere Wort 9.,~ M. Stellengesuch« und Schiasstellenanzeigen da» erst» Wort 2.— M., jedes weitere Bort TlSP M. Borte übe: 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien-Au» zeigen siir Abonnenten Feil« 5,— M. Die Preise p erstehen sich einschileßltchz Teuerungazuschlag. Anzeigen siir die n S ch st» i müssen bis 4', Ahr nachmittag» ba Hauptgeschitit, Berlin GW 6S, Linden» straße ii, abgegeben werden. Seiiffnet von Z Uhr früh bist 5 Uhr nachmittag» Zentralorgan der Sozialdemokrat» fcbcn parte» Deutfchlanda Redaktion und Expedition: SN 08. Linöenftr.Z Fernsprecherl Redaktion Mortupla« Ist»! it.",— 97 Wxpkdition Morippla»»l7SZ— 54 Mittwoch, den 1. März 19ÄÄ Der erweiterte Sachleistungsplan. Das am 27. Februar paraphierte Abkommen zwischen der! Reichsregierung und der Reparationskommission bczweSt, wie MTB. miikcitt, die Zulassung freier Verträge zwischen deutschen und alliierten Staatsangehörigen, denen dabei bc- züglich aller Vertragsbestimmungen, insbesondere der Preisbildung, volle Freiheit gelassen wird, für die Durchführung der in den Anlagen II und IV des Teils VIII des Friedensvertrages vor- geschriebenen Sachiiesernngen. Das Abkomme« soll zunächst bis zum 3 0. April 1923 Sellung haben. Es gewährt den repara- tionsberechtiglcn Regierungen mit Ausnahme von Frank- reich eine Option, das darin vorgesehene verfahren für sich in Anspruch zu nehmen, jedoch mit der ZNaszgabe, das) seine Annahme die gleichzeitige Anwendung irgendeines anderen Verfahrens ausschließt; insbesondere wird durch dieses Abkonimen jede Aiöglichkeit, gleich- zeitig ZwangsansordciAnoen auf Grund Anlage IV dcsversalllerver- träges oder Art. VIII des Zahlungsplanes zu stellen, genommen. Zum Abschlüsse von Verträgen lm Sinne des Abkommens sind ansier den natürlichen und juristischen Personen seitens der repara- tionsberellztiglen Staaten auch die durch freien Zusammen- schluß von Angehörigen desselben alliierten Staates gebildeten Gruppen, sowie die öffentlichen Verwaltungen, welche für eigenen vedars in der durch Scsch oder Brauch bestimmten Form kaufen, berechtigt, deutscherseits lm besonderen auch die Fachoerböude und die Londcsaustragsstelleo. von dem freien Verkehr sind gewisse, lifleumäßig de- flimmke Varen ausgeschlossen, deren Ausfuhr eukweder gänzlich verboten oder nur lm Rahmen eines bestimmten Soutin- geuks zugelassen ist. sowie alle Waren fremder Herkunft, soweit sie nicht auf deutschem Gebiet verarbeitet worden sind, ferner alle aus eingeführten Rohstcsfen hcrgcstrllken Rahrungsmilte:, fchliesillch Gegenstände aus(Sold. Platin oder Silber. Für befondeds verein- barle Wareugattungen mit cinem erheblichem Gehalt an aus- ländischen Rohstoffe» muß der Erwerber Bezahlung in höhe»incs listenmößig vereinbarten Prozentsatzes des Rohstoffwertes zum Warenwerte leisten. Ausgenommen von dieser Bestimmung bleiben Gegenstände, die von S r i e g s g e s ch ä d i g l e n zum Zwecke des Wiederaufbaues von Gebäuden, Werkstätten, Fabriken und Fabrikeinrichtungcn bezogen werden. Die im Wege des unmittelbaren Verkehrs abgeschlossenen ver- träge müssen cieserungen im Werke von mehr als IS00 Goidmark zum Gegenstände haben. Eine obere Grenze ist dagegen nicht gesetzt. Diese Lieferungen unterliegen der deutschen Ausfuhrkontrolle. Die eusgesührten Waren dürfen ausschließlich im Gebiete des beteiligten alliierten Staates(einschließlich seiner Domlnisns, Kolonien. Proteklorole und INandalszebiele) verwendet oder verarbeitet werden, so daß also für sie die Wiederausfuhr aus- | geschlossen ist. In der Veröffentlichung heißt es weiter: Die im freien Ver- kehr abgcfchlosienen Verträge werden durch die betreffenden alliier- ten Regierungen der Reparationskommission zur Ge- nehmigung vorgelegt, die sie der deutschen Regierung mit Wirkung der vorläufigen Genehmigung zustellt. Deutscherseits kann vor Ablauf von 14 Tagen Antrag auf Aufhebung der Genehmi- gung gestellt werden, wenn der Vertrag in Widerspruch zum Abkam- men steht, oder wenn ein offenbarer Betrug bezüglich der Preise oder Vertragsbedingungen o erliegt,»der wenn die Ausfuhrerlaubnis ver- weigerj wird, hebt di« Rep»rotionst«mmission«uf Grund diese» Antrags die Genehmigung auf, so behält der betreffende Vertrag zwischen den Partelen feine Rechtswirkfamkeit, wie ein gewöhnliches Handelsgeschäft, es fei denn, daß die Vertragschließenden gegenteilige Abmachungen g«tr»sfen h«ben. Die endgültige Genehmigung des Vertrages macht die d e u t f ch e Regierung verbindlich, all« dem alliierten Staatsangehörigen gegenüber dem deutschen Staatsangehörigen auf Grund des Der- träges erwachsenden finanziellen Verpflichtungen(ab- gesehen von der Bezahlung für fremdländische Rohstoffe, die durch den alliierten Käufer zu erfolgen hat) zu den vereinbarten Zahlungs- tecminen zu übernehme u. Sie wird zu den im Vertrage für die verschiedenen Zahlungen festgesetzten Zeitpmrkten der beteiligten al- liierten Regierung von ihr ausgestellte Schecks übersenden. Letztere übermittelt die Schecks ihrem Staatsangehörigen, der sie dann dem deutschen Vertragsgegner zugehen läßt. Die Einlösung der Schecks erfolgt durch die Friedensvertragsabrechnungsstelle (FAST.). Nach Einlösung der Schecks bewirv die Reparatwnskom- Mission die Gutschrist für den Gegenwert der geleisteten Zahlung in Goldmart zugunsten der deutschen Regierung. Die Umrechnungen in Goldmark, sowie die Umrechnungen der in dem Vertrage festgesetzten Beträge in Vapiermark geschehen für den nämlichen Tag, und zwar zu dem am Tage des Vertragsabschlusses geltenden Kurse. Die deutsche Regierung übernimmt somit aus diesen Verträgen lediglich die Verpflichtung zur Ausführung bankmäßiger Zahlung, dagegen keine weiteren Garantien für Ausführung der Verträge. Für die alliierten Regierungen, die das im Abkommen vorge- sehene Verfahren annehmen, bleibt das Recht vorbehalten, ihren Staatsangehörigen Nachlässe auf die Zölle zu gewähren, und außerdem ihren Kriegsgeschädigten die in ihrer Gesetzgebung vorgesehenen Dorteile zuzuwenden. Dagegen darf den alliierten Staatsangehörigen kein mittelbarer oder unmittelbarer Nachlaß auf den Fakturenprcis gewährt werden, es fei denn in außergewöhn- lichen Fällen oder in Fällen unbedingter Notwendigkeit. Die deutsche Regierung wird rechtzeitig Mitteilung über die bewilligten Nach- laßsätze erhalten. Seibftänüigkeztserklärung fiegpptcns. Lloyd George gab gestern im Unterhaufe die Er- klärung ab, die englische Regierung habe seit langer Zeit an« erkannt, daß das Protektorat keine befriedigende Grundlag« mehr für die Beziehungen zwischen England und Aegypten bilde: deshalb habe sie sich nunmehr entschlossen, Aegypten mit einigen Einscyränkungen als autonomes Gebiet zu erklären. Die betresfenden Dokumente wurden den Unterhaus- Mitgliedern zugestellt. * Die Unabhängigkcitser klärung enthält folgende Grundsätze: l. Das Protektorat wird ausgehoben, und es steht Aegifpien frei, nalionaie Sinrlchwngen zu schassen, die den Wünschen des ägyptischen Volkes entsprechen. 2. Der Belagerungszustand wird aufgehoben, so- bald ein Indemnitälkgesuch angenommen ist. 3. Die folgenden vier Fragen bleiben dem Ermesten der briki- flfdjen Keglet tum oorbchciien: a) die Sicherheil der Verbindungslinie des britischen Reiches in Aegypten, l>) die Verteidigung Aegyptens gegen jeden fremden Angrisf bzw. direkte oder lndirikte Einmischung. c) der Schutz der ausländischen Interessen und der Minderheiten in 'Aegypten, 6) der Sudan. Ueber den Sudan gab Lloyd George folgende Erklärung ob: Die britische Regierung werde niemals zulosicn. daß die dort er. zielten Fortschritte und die Zukunftseu-stchten des Gebietes ge- fährdet werden. Die Engländer hätten Millionen für dieses Land aufgewendet. Aus der anderen Seite werde die britische Regierung dafür sorgen, daß durch die Entwicklung des Sudans die Versorgung Aegyptens mit den für die Landwirtschaft notwendigen Wassermassen nicht benachteiligt werde. Die Dokumente über Aegypten umsasien 36 Aktenstücke. Das ZS. Aktenstück enthält den Text der Mitteilung des Marschall» Allenby(der bisherige Gouverneur von Aetzvpten) an dzp Sultan 1 von Aegypten.§ 9 dieser Mitteilung lautet: Es besteht kein Hinder«! nis für die sofortige Wiedereinsetzung eines ägyptischen Mi- nisteriums für auswärtige Angelegenheiten, das die vorbereitenden Arbeiten zur Schaffung einer diplomatischen und konsularischen Vertretung Aegyptens treffen kann. In Z 10 heißt es: Die Schaffung eines Parlaments, welches das Recht besitzt, die Politik und die Verwaltung einer verfassungsmäßigen und verantwortlichen Regierung zu kontrollieren, ist eine Angelegenheit, die Sache Ihrer Hoheit und des ägyptischen Volkes ist. Süöamerika und Genua. Paris, 1. März.(WTB.) Hava? meldet. Argenlinieu und Brasilien hätten an Zkalien daz Ersuchen gerichtet, zur Teilnahme an der Genucser Konserenz zugelassen zu werden. Italien habe von diesem Ersuchen die belgische, die brilische, die französische und die japanische Regierung verständigt. » Die französische Vereinigung für den Völker- b u n d sagt in einer Veröffentlichung, sie betrachte die Einberufung der Konferenz pon Genua als den Versuch, in Europa die Ideale des Völkerbundes zu verwirklichen. Der Völkerbund selbst habe die wirtschaftlich« Wiederaufrichtung der Welt immer als eins seiner Hauprziel« betrachtet und auf den Konferenzen von Brüssel und Barcelona schon praktische Arbeit für die Wiederauf- richtung geleistet. Tie Konferenz von Genua könne nur den tat- sächlichen- und rechtlichen Zustand zum Ausgangspunkt nehmen, der durch die Friedensverträge mit Einschluß des Völlerbunbstatuts ge- schaffen sei. Sie könne in den zuständigen Organen des Dölkerbun- des, die den Beweis ihrer Stärke, Geschmeidigkeit und Wirksamkeit abgelehnt hätten, die Mittel zur Verwirklichung ihrer Absichten sin- den. Die Vereinigung oertraue deshalb darauf,■daß die Konferenz von Genua ihre Borschttäge dem Völkerbund über- weisen und ihm deren Durchführung anvertrauen werde. Die vorstehende Resclulion ist nach dem„Temps" einigen Vor- stcmdsmitgiicderil der englischen, belgischen, italienischen, ischechoslo- wok.schen, südslawischen, rumänischen, griechischen, chinesischen und anderer Vereinigungen für den Völkerbund mitgetellt worden und hat deren Zustimmung erhallen. vonvärts-verlag G.m.b.H., SN öS, Linüenstr. Z &rrtt{lirckrii<-i-• Verlag. Expedition und Inseraten» . Abteilung Moritsplai» mvS— 54 Seffere wirtsihast! Tie gleitende Skala als ErziehtUlgSMittel. Don Alexander Knoll. Zur Frage der gleitenden Lohnskala möchte ich mir gestatte ri, auf einen Umstand hinzuweisen, der in der bisherigen Erörterung, auch in dem Artikel des Ministers Dr. B r a u n s, noch nicht erwähnt worden ist: ein Umstand, der meines Er» achtens f ü r die gleitende Lohnskala spricht. Es ist ein« be» kannte Tatsache, daß die Unsicherheit unseres Valutastandes sehr stark beeinflußt und gesteigert wird dadurch, daß die Exportindustrie und der Exporthandel stark in Valuta» spekulationen machen, wie der börsenniännisch« Fach- ausdruck lautet. Man kann getrost behaupten, daß ein großer Teil des heutigen deutschen Exports überhaupt nur Valuta» spekulaiion ist. Es fiele so manchem Geschäftsmann nicht ein, mit dem Ausland in Beziehungen zu treten, rvenn er sich dabei mit normalem Handelsgewinn be- genügen müßte. Ferner wird der Niedergong der deutschen Mark noch dadurch gefördert, daß die deutschen Exporteur« einen erheblichen Teil der vereinnahmten ousländiischen Devisen bei ausländischen Banken hinterlegen, statt sie nach Deutschland hereinzunehmen und hier die Nachfrage nach"fremden Devisen berabzudriicksn. Durch eine neuerliche Verordnung des Reichskommissars für die Ein» und Ausfuhr» bewilligungen soll dem ja entgegengewirkt werden. Ob es ge- lingen wird, steht dahin. Da dürfte es vielleicht dock) ein wirksameres Crziehungs» mitte! sein, wenn die Herren Valutaspekulanten die unange- nehmen Folgen ihres Tuns, die bisher nur die anderen zu verspüren bekamen, auch etwas am eigenen Leib« zy verspüren bekämet». Das aber würde mit der Einführung der gleitenden Lohnskala geschehen, da diese sich ja nach dem Stande der Valuta richten muß bzw. in entscheidendem Maße von ihm abhängig ist. Die auf den Niedergang der Mark spekulierenden Leutchen müßten sich sagen, daß im Fall« des Gelingens ihrer Spekulation sie dost) wenigstens einen Teil ihres Gewinnes in Form, der automatisch steigenden Löhne wieder herzugeben hätten. Die gleitende Lohnskala würde also in diesem Falle als eine Art automatischer Besteuerung des so erzielten Spekulationsgewinnes wirken. Och iveiß natürlich auch, daß nicht jeder Balutaspekulant, der sein« Ge» Winne beim Warenexport zu machen gedenkt, zugleich auch Arbeitgeber ist. Die reisten sind es aber doch, oder die Fabri» kanten von Exportartikeln wissen, daß ihre Produkte zu speku- lativen Zwecken von den Grossisten gekauft werden. Es handelt sich bei dem ganzen Problem ja überhaupt nur um die Be- kämpfung einer Folgeerscheinung, nicht der Ursachen unsere» Valutaelends. Die Ursachen liegen auf anderem Gebiet und sind männiglich bekannt. Wir in Deutschland können nach Lage der Dinge nur die schlimmsten Symptome bekämpfet»; und eines der allerfchlimmsten ist tatsächlich die Spekulation auf den Niedergang der Mark. Hier würde also die gleitend« Lohnskala— in bescheidenem Maße vielleicht nur— aber doch einen Ausgleich darstellen. Aber es träte noch etwas anderes ein, was in seiner Aus» Wirkung viel wichtiger und bedeutsamer werden könnte. E» ist nur ein Teil des deutschen Unternehmertums— zahlen» mäßig sicher nur der kleinste Teil—. der an dieser Valuta» spekulation beteiligt ist. Der größere Teil hat der Sache bisher nur als.mehr oder minder interessierter Zuschauer gegenübergestanden. Man hat seine glücklicheren Kollegen viel« leicht beneidet— im übrigen aber es gan-z in der Ordnung befunden, daß jene die sich bietenden Eewinnmöglichkeiten nach Kräften ausgenutzt haben. Wenn dagegen der jeweilig« Stand der Valuta bestimmend wird für die Gestaltung dar Löhne— und das wird er ja dann—, dann werden alle die- isnigen Kreise des Unternehmertums, die bisher dem Spiel mit dem Vermögen des deutschen Volkes nur teil- nohmslos zugeschaut haben, daran interessiert, daß diesem frivolen Spiele Einhalt getan wird, denn dann bekommen sie die ganze Kehrseite der Sache zu verspüren. Das heißt mit anderen Worten: der Kreis derjenigen Leute im D«»ltsche» Reiche, deren wirtschaftliche Interessen im bewußten Gegensatz gerät zu denen der Valutaspekulanten, wird so groß» daß davon vielleicht doch auch eine gewisse heilsame Ein- Wirkung zu erwarten sein wird. Aber selbst wenn man an tatsächlich« Erfolge in dieser Richtung nicht glaubt, so tritt dann doch etwas anderes ein — und zwar das dann ganz gewiß: nämlich, daß die Erkennt» nis von der UnHaltbarkeit der heutigen chaotischen, nur auf den individuellen Gewinn eingestellten Privatwirtschaftsweise auch in solche Kreise hineingetragen wird/ die bisher solchen Gedankengängen unzugänglich waren. Sie würden aufge» peitscht gegen ein Wirtschaftssystem, das einer Minderheit dt» Möglichkeit gewährt, auf Kosten eines ganzen Volkes Milliar» den aufzuhäufen und diese immer wieder zum Schmiden de« Valksgcmzen nach Belieben zu bei ntzen, anstatt lle da zu ver» wenden, wo sie hinaehören: zum Aufbau der deutschen Wirt» schalt. Wenn die Einführung der gleitenden Lohnskala nur allein diesen Erfolg zeitigen würde, so wäre das ein großer Gewinn. Das Problem öer öeutsthen Iuöen. Vor kurzem ist im Verlag der„Neuen Freien Presse" (Hägen i. W>) unter dem Titel„Jüdischer Antisemitismus und Arbeiterschaft" eine Broschüre des Genossen Carl Eisfeld erschienen, die sich polemisch gegen die hier schon mehrfach be- sprochene Gründung eines„Verbandes nationaldsutfchsr Juden" wendet, weil diese Gründung geeignet sei, der anti- semitischen Bewegung Vorschub zu leisten. Der Gründer des Verbandes nationaldeutscher Juden, Herr Dr. Naumann, sendet uns hierzu eine Zuschrift, in der er beklagt, daß diese Schrift von völlig falschen Voraussetzungen über das Wesen des Verbandes ausgehe. Herr Dr. Naumann. schreibt: Der Verband nationaldeutschcr Juden treibt keinerlei Politik, am wenigsten solche, die als reakiionär bezeichnet werden könnte. Er erstrebt nach 8 1 seiner Satzuno„ein verständnisvolles und auf gegenseitiger Z!6?tung beruhendes Zusammenarbeiten der deutschen Volksgenossen jüdischer und nichtjüdischer Abstammung, die sich ohne Rücksicht aus ihre persönliche Stellung zu Fragen der Parteipolitik auf dem gemeinsamen Boden des deutschen Nationalgefühls und der Liebe zum. deutschen Baterland zusammen- flnden". Demgemäß gehören zu den Mitgliedern des Verbandes Angehörige der verschiedensten politischen Par- teien, insbesondere auch zahlreiche Demokraten und Sozialdemokraten. Wir.haben den Grundsatz der lieber- Parteilichkeit bei jeder Gelegenheit in Wort und Schrift auf das ent- schiedenste betont, zuletzt in unserem Mitteilungsblatt vom Februar d. I.. zuerst vor mehr als einem Jahre in den Rundschreiben, mit denen der Unterzeichnete zur Gründung des Verbandes anregte, und in einem von dem Unterzeichneten verfaßten Aufsatz„Naiionalis- mus, Natsonalgefühl und nationaldeutsche Juden", der im April 19?l in einer sozialistischen Zeitschrift erschien. Trotz dieser unserer klaren Stellungnahme wird von Juden, die uns bekämpfen, weil ihnen ihr Judentum über das Deutschtum geht, immer wieder die Lüge von unserer„reaktionären" Einstellung verbreitet und leider auch vielfach geglaubt. Wir bedauern es adf das lebhafteste, daß sozialistisch gesinnte Deutsche jüdischen Glaubens, die in ihrer Auf- fassung des echten, mit Narionalismus in keiner Weiss identische» Nationalgefühls zu uns gehören, sich durch diese Treibereien abhalten lassen, unserem Verbände beizutreten, was gewiß das beste Mittel gegen„reaktionäre" Entgleisungen wäre. Und wir bedauern nicht minder, daß nichtjüdische Sozialisten sich ebenfalls irreführen lassen und Vestrebimgen bekämpfen, die als ein Schritt auf dem Wege zu wahrer deutscher Volksgemeinschaft jedem klardenkenden Sozialdemokraten sympathisch sein müßten. Der Verband des Herrn Dr. Naumann hätte sich nach unserer Ansicht manches Mißverständnis ersparen können, wenn er in seiner Agitation mit weniger Entgleisun- gen gearbeitet hätte. So scheint uns der von Herrn Dr. Nau- mann auch in diesem Briefe wieder erhobene Vorwurf gegen die Juden, denen„ihr Judentum über das Deutschtum geht", durchaus geeignet zu sein, völlig falsche Vorstellungen über die Denkweise der g r o ß e n M e h r b e i t der deutschen Juden zu erwecken und dodurch in der Tat antisemitischen Verhetzungen Vorschub zu leisten. Wenn Herr Dr. Naumann seine Worte auf die Eruvpe der Z i o n i st e n beschränken würde, so könnte man Ihnen eine gerbisse Berechtigung zuer- kennen. Aber wie die Schriften des Verbandes national- deutscher Juden ergeben, bezieht sich dieser Vorwurf viel weniger auf die Zionisten, als auf die von Dr. Naumann so betitekle„Zwischenschicht". Damit meint Dr. Naumann z. B.� den Zentralverein deulleber Staatsbürger jüdischen Glaubens. Daß dieser sich gegen solche Verdächligungeni zur Wehr setzt, ckann man ihm nicht verübeln. Für uns Sozialdemokraten liegt allerdings das Problem ganz anders als für Dr. Naumann wie auch für seine Gegner, weshalb wir auch die Tendenz der Eisfeldschell Broschüre nicht voll zu billigen vermögen. Als Sozialdemokraten betrachten wir die Politik unter dem Ge- fichtspunkt der materialistischen Eeschichtsauffossung, d. h. der Klassengegensätze, und nicht der r a s s e m ä ß i g e n Verschiedenheit der Einzelindividuen. Wir haben hier schon einmal ausgeführt, daß wir es ganz verständlich finden, wenn ein Teil der deutschen Juden nach seiner materiellen Lage innerlich rechts gerichtet ist, und daß wahrscheinlich weit mehr deutsche Inden den Rechtsparteien angehören würden, wenn sie nicht durch deren Antisemitismus künstlich abgestoßen würden. Natürüch werden wir eine Organisation rechts- gerichteter Juden wie jede anders rechtsgerichtete Orgamsetion bekämpfen, aber nicht, weil sie aus Juden besteht, sondern wegen ihrer sachlichen Ziele. Aus unserer Auffassung heraus glauben wir curö ebenso wenig an die von Naumann propagierte„Volksgemeinschaft" von rechts bis links wie daran, daß seine Behauptung von„zahlreichen" Sozichdemo- kraten, die seinem Verband angehören sollen, zutrifft. Für den Sozialdemokraten ist die Volksgemeinschaft aller Arbeiten- den. Schaffenden und Strebenden ohne Unterschied der Risse und des Glaubens die Sozialdemokratische Partei. tzerrscherhauö G. m. b, l). Auf eine originelle Idee sind die ehemals in Sachsen regierenden W e t t i n e r verfallen. Bekanntlich hatten die regierenden Häuser bis zur Revolution eigene HauszesKtze, durch die sie ihre Familien- angelegenheiten in persönlicher und vermögensrechtlicher Beziehung nach eigenem Gutdünken regeln konnten, ohne auf die allgemeinen Vorschriften der bürgerlichen Gesetze Rücksicht nehmen zu müssen. Durch die Revolution sind mit dem übrigen monarchischen Plunder auch diese Familiengesetze verschwunden. Die Wettiner suchen sich nun, wie das!„B. T." meldet, einen Rest der früheren Herrlichkeit zu retten, indem sie ihre Familie als gerichtlich eingetrage- nen Verein etabliert haben. Was früher Hausgesetz war, wird jetzt Vereinsstatut. So soll beispielsweise die Ehe für die„Vereins- Mitglieder" nur' zulässig fein bei kirchlicher Trauung und Billigung des„Borsitzenden", der kein anderer als der ehemalige„Geenig" Friedrich August ist. Natürlich ist diese Vorschrift rechtsunwirksam, da sie im Widerspruch zum BGB. stehe. Ueberdies halten wir die Form des eingetragenen Vereins für unpraktisch. Biel besser als ein Wettin e. V. wäre eine Wettin G. m. b. H. Denn es hat sich gezeigt, daß die Monarchen für die Folgen ihrer Handlungen nur in beschränktem Maße zu haften gewillt sind. Das beweist nicht nur die Flucht des letzten Hohen- zollern, sondern auch der klassische Ausspruch, mit dem der letzte Wettiner den Thron verließ:„Nu, Meegen so sich ihren Dreck alleene machen." Ein seltsamer Regierungsrat. Eine parlamentarische Anfrage des Genossen Giebel an die Reichsregierung geht von folgendem Tatbestand aus: Leim„Treuhänder für das feindliche Vermögen" ist der frühere Rechtsanwalt, jetzige Negisrungsrat He l f f t angestellt. Seine Anstellung, zunächst als Vertragsangestellter, erfolgte An- fang 1921, obwohl dieser Beamte, der bis dahin Vorsitzender eines Berliner Wohnungsamts gewesen ist, wegen dienstlicher Bergehen(Bestechlichkeit) vom Zentralwohnungsamt seiner- zeit, also vor etwa 2 Jahren, des Amtes enthoben worden ist. Wegen dieser dienstlichen Bergehen ist Regierungsrat Helfft laut Zeitungsnachrichten vor einiger Zeit zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Seine Beförderung zum Regierungsrat soll gegen den Einspruch des Reichsministers für Wiederaufbau erfolgt sein. Im Kapp-Putsch demonstrierte Helff'. für das Gelungen dieses Hochverrats, indem er n ährend der Putschtage im Dienste die frühere Osfiziersunlform trug. Im er- wähnten Strafverfahren verteidigte Helfft u.«. sich damit, daß. wenn er sich bereichern wollte,«r in feinet dienstlichen Stellung beim„Treuhänder für das feindliche Vermögen" hierfür g e- nügend Gelegenhei t hatte. Aus dem weiteren Wortlaut der Anfrage geht dann noch her- vor, daß beim„Treuhänder für das feindliche Vermögen" auch ein Assessor Dr. Schlange beschäftigt ist, der in- und außerhalb des Dienstes fast täglich laut und offen auf die„I u d e n r e g i e r u n g"> des Reichs schimpft. Genosse Giebel wünscht Auskunft-darüber,>.uf■ wessen Befürwortung Helfft zum Regierungsrat befördert worden' ist, ob vor dieser Ernennung beim Wohnungsamt Berlin über Helffts dienstliches Verhalten Nachfrage gehalten. worden ist, ob beim„Treuhänder" Maßnahmen gegen die Möglichkeit per- fönlicher Bereicherung getroffen sind, und ob Personen mit derartig gehässiger Gesinnung gegen die Republik wie Helfft und v. Schlange im Dienst bleiben können. Eine baldige Klärung der Angelegenheit scheint allerdings dringend geboten. Ein bescheiöener �eimkrieger. Anläßlich der Beratung des Landwirtschaftsministeriums im preußischen Hauptausschuß machte Genosse Weber Mitteilungen über die Belieferung des ehemaligen Direktors in der Landwirtschaft- liehen Lehranstalt in Geisenheim, Worthmann, mit Anstalts- produkien. Der Fall Worthmann gab schon einmal zu einer kleinen Anfrage Anlaß, deren Beantwortung nach den Feststellungen des Ge- Nossen Weber falsch war. In Wirklichkeit hat Worthmann, nach einem Lieferzettel, der in dem Speiseschrank der Frau Worthmann gefunden wurde, während des Krieges unter anderem folgende Lebensmittel auf Kostenvder Lehranstalt bezogen: Lieferzettel: 17. 9. 1917. Obslkonseroen. 29 Büchsen Neincelauden R I 89 Büchsen Pfirsich P. P. 87 Büchsen Stachelbeeren St. 11 Glas Stachelbeeren St. 9 Flaschen Stachelbeeren 6 G.'as Apriko'en 89 Büchien Aprikosen A.& Lu. 29 Büchsen Kirschen K. S. 2t Glas Kirichen n Flaichen Kirschen 29 Glas Kirschen 29 Büchsen Birnen H. B. I. 29 Glas Birnen 48 Büchsen Mirabellen M. 21 Glas Mirabellen 6 Flaschen Erdbeeren 22 Glas Erdbeeren 2 Büchsen Pflaumen 14 Krüge Tuninwetschen 4 Glas Zweticken 3 Flaschen Iobanniöbeeren 13 Flaschen Zweischenmark Gemüfekanserven. 15 Büch'en Erbsen E. 3 Glas Erbsen 7 Flaichen Erbsen 15 Büchsen Bobneu Schnitt S. B. 5 Flaichen Bohnen Schnitt 12 Büchien Bobnen Bruch B. 29 Büchien Puffbohnen 14 Buchsen Spargel 4 Glas Stangenipargel 7 Glas Melonen 8 Glas Rhabarber 49 Flaschen Tomaienmark Säife. 9 Flaschen Johannisbeersaft 16 Flaschen Kirschsaft 26 Flaschen Erdbeersaft Gelees. 17 Glas Iohannisbeergelee 29 Glas Apfelgelee � 6 Glas schwarze Iohannisbeergelee. Marmeladen. 5 Eimer gemischte Marmelade 4 Töpse gemischte Marmelade ? Töpfe Erdbeermarmelade 5 Eimer Mirabellevmormelade 13 Glas Erdbeermarmelade 19 Glas Aprikosenmarmelade 16 Glas Hagebuttenmarmeladc. (Wo bleibt die Rüben- und Rotkohlmarmelade?) Man sieht. Herr Worthmann hat nicht gedarbt, während der große Teil des deutschen Volkes sich mit Dörrgemüs- und dergleichen mehr jahrelang zufrieden geben mußte. Nachdem die oorstehcnoen Feststellungen gemacht worden sind, erwarten wir von der preußisch-" Regierung, daß sie nachträglich noch gegen den vergangenen virckto. der Landwirlschastlichen Lehranstalt in Geisenheim einschreitet. De? oberschlesische Vertrag. Schlvicriize Redaktion des Textes. Genf. 1. März.(MTB.) DieAbfassungdesBertrags- textes macht sichtlich Fortschritte, stellt aber noch die größten An- scrdcrungen an die von, Holländer geleitet- gemischte Nedaklions- kommission, vor allem an die deutsche Abordnung, die trotz ihres Wunsches, mit Rücksicht auf die Spannung in Qberschlepen möglichst schnell zum Abschluß zu gelangen, sich nicht den schwierigen Re- daktionsarbeitcn entziehen kann, die sich allein aus der rein tcc-)- nischen Ausarbeitung des Vertrages ergeben. Der künftige Bertrag dürfte in der Tat in seiner Art ziemlich vereinzelt dastehen, dck er mit seinen 50 0 Artikeln Verhältnissen Rechnung trägt, die durchaus neuartig sind. Er stellt infolgedessen Rechtsbegriffe auf,-für die auch die fraiizösische Rechtsterminologie oft keine ent» sprechenden Wendungen bietet, und macht daher die Herstellung des maßgebenden amtlichen französischen Textes auf Grund der vor» liegenden deutschsprachigen Dorentwürfe außerordentlich schwierig. Das Dersicherungsgeseh im RWR. Am Donnerstag, den 9«März» tritt, wie die PPN hören, der sozialpolitische Ausschuß des Reichs- Wirtschaftsrat zu seiner nächsten Sitzung zusammen, um die Be- ratung des Entwurfs eines Gesetzes über Aenderung des Versiche- rungsgesetzes für Angestellte fortzusetzen._ Mütter/ „Was sagen Sie zu der Person, die ihr Kind vergiftet hat?" „Ist man gut, daß wenigstens sie noch lebt. Jetzt kann man es Ihr aber geben. Sie wird'n Kopf kürzer, selbstverständlich!" „Meinen Sie? Sie soll doch fast gelähmt sein voirk Gas. Hatte nichts mehr zu essen: wollte Schluß machen. Der Mann ist ihr auch weggelaufen!" „Daran sehen Sie, was es für eine ist. Nicht mal der Mann hält es aus. Weshalb hat sie nicht gearbeitet? Da dürfen die Rich- ter nicht weich sein!" „Wird man sie wirklich köpfen? Vielleicht hat sie gearbeitet, bloß nichts rechtes verdient?" „Wer sein Kint vergiftet, ein unschuldiges Ding, muß geköpft werden. Langsam zu Tode foltern müßte man sie. Sowas gibt's ja leider heute nicht mehr!" „Schrecklich!— Aber Sie mögen recht haben. Werden ja sehen. Morgen fängt der Prozeß an.— Nebrigens, da wir gerade von Kindern reden: wie geht's Ihrer Sofie. Sie hotte es doch mit den Zähnen?" „Ja, einen etwas vorstehenden Oberkiefer. Ich laß' ihn ihr wegmachen, weil das nicht schön aussieht!" ,�?onn man das?" „Gewiß doch! Sie trägt seit vier Wochen ein« goldene Klam- mer, die drückt den Kiefer zurück!" „Tut das nicht weh?" „Und wie! Ich bin ganz unglücklich. Sie kann auch nichts rechtes essen. Am schlimmsten ist, wenn ich mit ihr zum Doktor muß. Die Klammer wird jede Woche fester gezogen. Das arme Kind! Aber es muß doch sein. Man möchte sie doch nicht so rumlaufen lassen!" „Ja eben! Ich muß mit meiner Elly auch zum Doktor. Sie hat doch eine Hängeschulter, Natürlich minimal. Man sieht es gar nicht. Aber mich stört's. Der Doktor meint, es küßt sich ganz leicht machen. Alle zwei Tage geht sie hin, da wird sie gestreckt. Auf so einer Schiene mit Schnallen. Ein braves Kind aber. Läßt sich lieber Tränen kommen, als daß sie schreit. Ich kann es nicht mit ansehen. Aber was tut man nicht für feine Kinder." „Gewiß, natürlich! Und so eine oergiftet ihres. Ich möchte eigentlich hingehen. Das muß man doch sehen. Eine Kinder- Mörderin! Wollen wir hingehen?" „Ich muß ja eigentlich mit Elly zum Strecken. Aber-- doch, ich komme mit. Ich schicke das Mädchen mit dem Kind zum Doktor! Wich greift es sowieso sehr an." „Sie müssen sich doch auch was gönnen. Und da muß man bei fein als Mutter, wenn ein« Kindesmörderin verurteilt wird. Der muh man zeigen, wie wir Mütter über so eine denken!" B. M. Das Neueste von den Duchoborzen. Die Seltsamkeiten der Duchoborzen, dieser merkwürdigen russischen Sekte, haben ihren Ruf durch die ganze Welt getragen und seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts immer wieder die Aufmerksamkeit auf sie gelenkt. Zu- nächst waren es die Unterdrückungen durch die Zarenherrschaft, die die Entrüstung der zivilisierten Welt erregten. Während die Laueren durch die Bersolgungen von dem Glauben abgebracht wur- den, wurde der größere Teil der Duchoborzen nur noch in seinen Anschauungen bestärkt, und die alte Lehre wurde bis in alle Einzel- Helten aufrechterhalten. Die Duchoborzen verteilten ihr Eigentum untereinander, entfagien dem Genuß von Fleisch, Wein und Tabak und erneuerten ihre Gelöbnisse, sich durch nichts von der Befolgung ihrer Gebote abhalten zu lassen. Daraufhin wurden ober die Unter- drückungen nur noch schlimmer, so daß viele als Märtyrer ihres Glaubens starben. Tolstoi rief damals in ergreifenden Worten alle Menschenfreunde in der ganzen Welt zu ihrer Hilfe auf: es wurden Mittel für sie gesammelt und Petitionen an den Zaren gesandt. Schließlich wurde ihnen gestattet, aus dem russischen Reich auszu- wandern. Infolge dieser Erlaubnis kamen etwa 8999 Duchoborzen nach Kanada. Sie gründeten eine gutarbeitende Ziegelei zu Porktown im Jahrs 1907, und ein Teil von ihnen wurde seßhaft und gab so manches van den exzentrischen Sitten auf. Kleine Trupvs aber führten ein Wanderleben nach Art der Nomaden und machten der kanadischen Regierung viel Kopfzerbrechen. Diese Trupps der wan- dernden Duchoborzen wurden im Jahr« 1819 vermehrt, als eins größere Zahl von ihnen freiwillig ihren Landbesitz zugunsten zurück- gekehrter Soldaten aufgab und sich westwärts wandte. Bon dem Führer dieser westlichen Duchoborzen, die in den weiten Steppen berumziehen, erreicht uns nun eine neue und sehr aufsebenerregende Kundgebung. Die Wanderduchoborzen finden die Last der Steuern, die ihnen auferlegt worden ist, so schwer, daß sie erklären, sie würden diese Bürde selbst erleichtern, indem sie ihre kleinen Kinder sowie die schwachen und alten Leute in den Eolombia-Fluß werfen. Das Ultimatum, das ihr Führer der kanadischen Regierung gestellt hat, bringt diese in eine unangenehme Lage, Den Duchoborzen ist olles zuzutrauen: auch ein Massenmord ihrer Kinder und Greife. Eine derartige grausiae Tat kann aber keine Regierung zulassen. Jeden- falls ist es den Duchoborzen auf diele Weise gelungen, die 2lusmerk- samkeit auf die Steuerlasten zu richten, mit denen sie geplagt sind. Gefahrvolle Malerei. Gefährliche?lbenleuer, die Maler bei dem Studium eigenartiger Motive zu bestehen hotten, werden in einer englischen Zeitschrift mitgeteilt. Einige Gemälde, die tatsäch- lich auf dem Meeresgründe gemalt wurden, gingen jüi esst in den Besitz des Fürsten von Monako über. Der Künstler Zorah Pritchord war schon als Knabe ein so vorzüglicher Taucher, daß er einige Zeit unter Waiser bleiben konnie. So» faßte er eine lebhafte Vor- liebe siir die Wunder, die sich unter der Meeresoberfläche dar- bieten Er dachte sich einen besonderen Malapvarot aus, der es ibm möglich machte, in vollkommener Taucherkleidung 16—59 Fuß tief unter den Meeresspiegel herabzusteigen und dort auf dem Meeresgründe ruhig seine Staffelei aufzustellen, um Unterseeland- schaften zu malen. Er benutzt dazu dicke Oelfarbcn, die bei der Berührung mit dem Wasser nicht auslaufen. Auf diese Weise hat er die Korallenriffe der Südsee unter Wasser gemalt, und er blieb bei dieser Arbeit etwa eine halbe Stunde unten. Fühlte er dann den Druck des Wassers zu stark und die Kälte machte sich unan» genehm bcmerkbur, so ließ er seine Molutensilien, wo sie waren, stieg an die Oderslächc empor.und kehrte am nächsten Tage zurück, um seine Arbeit ohne Behinderung fortzusetzen. Ein französischer Maler, der der Neffe des Besitzers des Obser- vatoriums in der Nähe des Gipfels des Moni Blanc war, malie in dieser gewaltigen Höhe das Bildnis einer Dame, die durchaus auf dem Gipfel des Moni Blanc verewigt werden wollte. Maler und Modell waren in dicke Pelze gehüllt, und der Künstler�arbeitete in dickm wollenen Handschuhen. Mehrmals wurden die Sitzungen durch furchtbare Schneestürme unterbrochen, vor denen sie in die Hütie flüchten mußten. Unter sehr schwierigen und gefährlichen Umständen wurden auch verschiedene Bilder des Südpolarkrcifes gemalt. Ein Maler, der an einer antarktischen Forschungsreise teilnahm, wollte mit seiner Kunst die Forbenwunder der„�urarz borealis" festhalten, der Farbenbrechungen auf den riesigen Eisbergen, und er malte deshalb aus Treibeis stehend und wurde während seiner Arbeit öfters von schwimmenden Eisbergen beun- ruhigt.- Neues über die Lepra. Die Erfahrungen, die Professor Jose Albert in der großen Lepra-Kolonie auf den Philippinen gemacht hat, geben neue Aufschlüsse über die bisher so rätselhaste Krankbcit. Wie in der Münchener Medizinischen Wochenschrift berichtet wird, wurden in diese Kolonie in den letzten 15 Jahren 13 999 Leprakranke aufgenommen und unter sicheren Bedingungen isoliert. Es isLaber damit kein Erfolg erzielt worden. Nach Alberts Angaben ist eine Absonderung nur erforderlich bei Fällen mit offenen Wunden, und auch"hier ist die Ansteckungsgefahr bei Beobachtung der üblichen hygienischen Maßnahmen gering. Nur in 5 Proz. aller Erkrankun- gen ist die Ursache in direkter Üebertragung zu suchen. Die strenge Isolierung der Leprakranken führt zur Vernachlässigung der wich- tigeren allgemeinen sanitären Maßregeln. Jedenfalls ist es not- wendig, die ganze Frage der Uebcrtragbarkcit der Lepra von neuem sorgfältig zu studieren, da die bisherigen Annahmen noch den in den Kolonien gemachten Erfahrungen nicht zutreffen. Meriz angekränkelt vom Geiste de? Zeil ist Kirschners bekann. ies Jahrbuch für 1922. Dieses Nachschlagewerk, das sich noch immer Welt- und Zeitspiegel nennt, bringt in seinem 356 Seiten starken In- holt nicht weniger als 31 Seiten über die Genealogie regierender und entthronter Fürstenhäuser. Für ziemlich jedes Land— bis zum legendären Königreich Hrtsschas— ist der Name des jeweiligen Staats- oberhauptes angegeben: nur für das Dcvssche Reich fehlt er. Ob man sich des Sozialdemokraten �rnd ehemaligen Sattlers Fritz Ebcrt lchämt? An einer versteckten Stelle, wo er weniger in die Augen fällt und wo man ihn kaum sucht, findet man ihn schließlich. Auch sonst ist des Nacksschlage- und Jnformationsmoterial diesmal recht dürftig. Für eine Jubiläumsausgabe ist der Inhalt, trotz der etwa» schwulstiMN Borrede, nicht gerade übermäßig erhebend geworden. Ztpielhlnnänderung. Inden Kamm erspielen des Deutschen TScaters gelangt Fi«tag und Sonntag SchnitzlerS.Anatol" zur Ans» sührnng. Dollar 22H. An der heutigen Berliner Börse zeigten die Devisenkurse im Lergleich zu gestern keine nennenswerte Ber- ä n d e r u n g. Das Eeschüft ist augenblicklich sehr still. Dollarnoten wurden um die Mittagsstunde mit 226 ge- handelt. Am Effektenmarkt ist die Tendenz bei lebhafteren Umsätzen still. Krieg oüer§rieöen im Baugewerbe. Hamburg, den 1. März.(Eigener Drahtbericht.) Zentrale Verhandlungen über die Erneuerung des am 31. März ablaufen- den Reichs-Tarifvertrages für das Baugewerbe, die am S. Januar begannen und am 21. Februar fortgesetzt wurden, haben sich? zerschlagen. Vorschläge der Untcrnehmerverbände des Deutschen Ärbeitgeberbundes des Baugewerbes und der neu er- richteten Arbeitsgemeinschaft der deutschen in- duftriellen Bauunternehmungen, die sie besonders hinsichtlich der Arbeitszeit, der Arbeitslöhne und der Akkordlöhne gewacht hoben, find für die baugewerbliche Arbeiterschaft fast unannehmbar. Die Unternehmerverbände wollen die kürzere Winterarbeit im Baugewerbe durch eine verlün- gerte- Sommcrarbeitszeit ausgleichen, ein Vorschlag, per einer Aus- Hebung des Achtstundentages gleichkommt. Ferner wollen sie die Stundenlöhne nach Altersgruppen staffeln urft außerdem einen Arbeitslohn eingeführt wiffen, der die Organisationen ausschaltet und lp« tariflichen Lohnregelungen einfach aufhebt. Vornehmlich sind es diese Vorschläge, die zu einem Abbruch der Verhandlungen geführt haben. Die bau- gewerkschaftlichen Ardeiter werden sich, falls nicht vor dem 31. März ein» Aenderung der Stellungnahme der Unternchmeroerbände ein- tritt, auf eine tariflose Zeit einrichten. Schwere Kämpfe im Baugewerbe, deren Umfang und Ausdehnung noch gar nicht ab- zusehen sind, werden wohl kaum ausbleiben. Die Verantwortung fällt den U n t e r n e h m c rv e r b än d e n zu, die anscheinend die Zeit zu einem Vorstoß gegen die baugewerblichen Arbeiter für ge- kommen erachten. Dagegen werden sich diese jedoch zu wehren missen. Dse'deutschenhetze in Zrankreich. Paris, 1. März.(EP.) Im o u r n a l" veröffentlicht Andre L e f eor e einen Artikel über die angeblichen geheimen Rüstungen Deutschlands, den er wie folgt schließt:„Es gibt Leute, die zweifeln oder so sprechen, als ob sie zweifeln würden und aufreizende Vorträge halten. Warum sich so viele Illusionen über Deutschland machen, wenn'die Tatsachen so deutlich sprechen?" Der„R a d i k a l" veröffentlicht einen ähnlichen Artikel, in dem es u. a. heißt:„In allen Sportgesellschaften bereitet man einen'nach st en Krieg vor. Unter dem Deckmantel des Sportes morden die Offiziere ausgebildet, die nach dem-�erfailler Vertrag nicht anderswo ausgebildet werden dürfen. Entwaffmrngsöebatte in öer Kammer. Doris,}. März.(MTB.) In der gestrigen Kammersitzung wurde die Besprechung des Gesetzentwurfs betr. Rekrutierung des s mizosiscben cherrcs eröffnet. In der Debatte ergriff zuerst der Bc- ri chterstattor Fabry das Wort zu einer eingehenden Begründung. Nach 'einer Ansicht gibt es a priori in der französischen Kammer keine An- Hänger trr Dienstzeit von 18 Monaten oder der Dienstzeit von ein- jähriger DoucN Alle KammermitgUeder seien Anhänger der kürzesten Dienst). it, die möglich sei. Die Herabsetzung der Dienst- zeit aus ein Jahr sei gewissen politischen Bedingungen untergeordnet, r!.' die Regierung und das Parlament stellen müßten, so n. a. der Organisation einer ständigen Kontrolle in Deutschland, km Schaffung eines neuen Schutzosrtraqes, der Vorbereitnng von JiL'ruentiottsmitteln für den Bölkerbund. Der Heeresausschuß sei der Ansicht, daß die IS nionasige Dicnstzeik nolwendig sei eben wegen der voliti'chen und technischen Bedingungen, die noch nicht erfüllt seKn, die sedocki hoffentlich im Jahre 1g2S verwirklicht Hn würden. Der Berichterstatter trat alsdann den vielfach falschen Auslegungen entgegen, die im Ausland den Worten„Sicherheit und Entwaffniin� gegeben würden. Diese Begriffe seien nicht die gleichen in Frankreich, in England und in den Bereinigten Staaten. Frankreich bereite nicht den Krieg vor. es treffe Nur V o r s i ch t s- i" a ß n a h m e n. Die Sicherheit eines Landes beruhe auf der Un- rerbchlichkeit fünes Bodens. Zwischen der Lag« vor 1914 und der l"" igen Lage sei ein großer Unterschied. Bor dem Kriege habe Frank- r Ulli niemals die gleichen Anstrengungen wie Deutschland machen käunen, jetzt aber seien d!? Bedingungen günstiger, so daß die deutsche Bedrohung nur in dem Maße gefährlich werden könne, in dem Frank- „reich sie gefährlich werden lasse. Die malerielle Enlwasfnung Deulschlands in hezug aus seine Kriegsmittel sei durch die Kommission Rollet in b e s r i e d i g en d e r W c i.s e dürchgeführt worden. Sie werde es Heiden, solange die interalliierte Kontrolle ständig ausgeführt werden könne. Allerdings gebe es noch viele versteckte Waffen in Deutsch- Hnd. Der Bcrichierstotter sprach alsdann von der i n d u st r i e l l e n M o b i l i' i e r u n g Deutschlands, die nach seiner Ansicht or- a�nisiert bleibt. Die chemischen Fabriken bedeuteten eine gefährliche Waffe, sedoch sei es gut. daß 8g Proz. dieser Industrie auf dem linken Rheinufer gelogen seien. Man könne also eine ständiae direkte Kon- trolle ausüben. Es seien aber Anzeichen vorhanden, daß die Deutschen si g bemühten, auf deni rechten Rheinufer Fabriken dieser Art zu schaffen. Die d e u t s ch e Z i v i l f l u g z e u q i n d u str i e werde sich nun aufs neue entwickeln können. Hier sei die Verantwortlichkeit der Alliierten direkt engagiert, und die Notwendigkeit einer ständigen strengen Uebcrwachung könne nicht abgeleugnet werden. Der Be- richterstattcr sprach alsdann von den deutschen Hochschulen, den deutschen Beamten, den deutschen N i ch t e r n und von dem DeuPchland, dem auch das Heer angehöre. Dieses Deutschland in Bernnduna mit der Schwerindustrie bilde das Deutschland, dasdcnkcundhandle. Es predige den Haß gegen Frankreich n-ch die Revanche. Stinnes und Ludendorff seien seine wfiziellen Vertreter. Es gebe auch ein anderes Deutschland, von dem hauptsächlich in den arbeitenden Klassen gesprochen werde. Aber diese Leute würden selbst zugestehen, wenn man sie fragte, daß sie gegenüber den erstcren ohnmächtig bleiben. Redner versucht alsdann zu beweisen, daß Deutschland alle Anstrengungen mache, um eine Organisation zu rascher Mobilisierung zu erhalten, also Reserven instruierter Mannschaften und eine Rc- imvc an Cadrcs. In Verbindung damit bespricht er die Organisation der Reichswehr, der Schutzpolizei und. der Technischen Rot- Hilfe. Die letztere nennt er den argcmisierien Alügel der Der- waltunqs-, Mrlschasls- und Industriemobilisierung. So verfüge Deutschland über, wenigstens 250 000 Mann hervorragender Cadrcs, von denen 100 000 Mann in der außerordentlich vervollkommneten Armee und 130 000 in Formationen einoetftlt seien, die für eine raiche Mobilisierung ausgerüstet würden. Diese Bedrohung entspreche keinesinegs der, die entstehen würde, wenn der Friedensvertrag nicht ausaeführt werde. Also müsse ständig kontrolliert werden, und man müsse eine Politik auf lange n-icht betreiben. Der Abg. Fabry weist rllsdann auf die unsichere Lage Polens hin, das zwischen Deutschland und Rußland einer Gefahr ausgesetzt sei und das sich noch nicht an die Kleine Entente durch eine Militärkonvention gebunden habe. Das Gleickgewickit in Mitteleuropa könne nicht gestört werden, solange Frankreich am Rhein stehe und gegenüber Deutschlchand eine genügend starke Militärmacht besitze. So bleibe die Notwendig» teit eines starken Heeres auch in Frieden szeiteu, D!s Nst öer Hsrimee Schulen. Am gestrigen Tage hat zwischen Vertretern der Berliner Elternschaft und Professor Heinike von der Schuideputation eine Be- sprechung stattgefunden, deren Zweck es war, eine Revision der Schulbücher, die in den Berliner Gemechdeschiilcn im. Gebrauch sind, zu verlangen. In einigen, dieser Schulbücher befinden sich Erzählun» gen, die sich mit den Hohenzollern und der Person des frühe» ren Kaisers beschäftigen, und die das Mißsallen sozialistischer Eltern erregt haben. Der Vertreter des Oberstadtschulrates Dr. Pausten teilte mit, daß die Stadt Verlin eine Abänderung der Lehrbücher nicht vornehmen könne, srndern dazu der Einwilligung des zuständi- gen Ministeriums bedürfe. Bei dieser Besprechung kamen dann sehr lebhafte Klagen über die Not der Berliner Schulen zutage. Es stellte sich heraus,' daß im allgemeinen die Not der städtischen Gemeinde- und auch der höheren Schulen einen Grad crreicht hat, der außerordentlich bedenklich erscheinen muß. So wurde u. a. zur Spracke gebracht, daß einzelne Schulen jährlich nur 800 bis 1000 M. zur Beschaffung von Lehrmitteln für den Physiksaal, für Deschastung von Kreide, Schwämmen und Schulheften erhalten. Die bewilligten Summen seien bei der heutigen Teuerung so gering, daß die Schulen für die ärmsten Kinder nicht ent'ernt soviel Schreibhefte beschossen können, als benötigt werden. In. einer ganzen Anzahl von Ge- meindeschulen liegen die Dinge so, daß bereits die für das Winter- Halbjahr beschafslen Schulhcfte für diejenige» Kinder, deren Eltern nicht in der Lage sind, Material zu kaufen, ausgegangen sind, und daß in vielen Fällen die Kinder nun nicht mehr in der Lage sind, dem Unterricht so zu folgen, wie die glücklicheren Klassengencsscn, deren Eltern Lehrmaterial aus eigenen Mitteln beschaffen. Die Dinge liegen heule so, daß Schulleiter und Lehrer auf die Mildtätigkeit Dritter angewiesen sind und durch Schon- kungen ihren Schülern Lehrmittel anzuschaffen trachten. In sehr vielen Fällen müssen Lehrer und Lehrerinnen, wenn sie den Unterricht ausüben wollen, aus eigenen Mitteln Kreide, Schwämme, Zeige st öcke»sm. beschaffen. Die Eltsrnvertreter machten den Vorschlag, daß die Schulleitungen in Zukunft das in den Papierkörben sich ansammelnde Altpapier vcr- werten und die hieraus erzielten Gelder zum Ankauf von Lehr- büchern usw. verwenden sollen. Slatik£>$)ecks und Gummistempel. Aus dem Tagebuch einer scheckschwindlerbande. Ein Mitglied einer großen Hochstapler- und Scheckschwindler- bände, die schon oft die Kriminalbehörden verschiedener Länder bc- schäftigte, wurde gestern in einem gewissen Alexander I a r i n e y von der Berliner Kriminalpolizei festgenommen. Jariney gehörte zu der berüchtigten Bande, an deren Spitze früher ein Ungfor Martin Goldschmidt stand. Goldschmidt, der sich für einen ungarischen Magnaten ausgab und auf seinen S ch w i n d gl e i e n stets von mehreren Personen begleitet war, die seine Privatsekretäre spielten, wurde im Frühjahr 1920 von der Kriminalpolizei verhaftet. Im Laufe der Zeit gelangen dann noch viele Verhaftungen von Bandenmitgliedern in Genau und anderen Stödten des Auslandes und auch in Verlin. Nach der Verhaftung Goldschmidts, der sich auch politisch betätigt haben soll, hatte sich ein gewisser Paul Lonnes, der als russischer Baron auftrat, an die Spitze der„umgruppierten" Bande gestellt. Er wurde damals mit seinem„Privatsekretär" Gorgan Madday in dem Pensionat der polnischen Baronin Frau Magna von Schluga in der Branden- burgischen Straße ermittelt und festgenommen. Hier hatte auch Jarinen wieder Zuflucht gesucht. Jariney stammt aus einer ungari- scheu Familie, gehörte aber schon seit langer Zeit der Schwindler- bände an, in der er u. o. den Namen Alex von Mathe de Mateszalka fllbrte. Unter diesem Namen war er mit mehreren Spießgesellen, die sich ebenfalls ungarische adelige Namen beilegten, auch in Hamburg aufgetreten. Die Bande fertigte ganze Schecks auf Banken an,� die es zurzeit �ar nicht gibt und die besonders ihren Sitz in amerikanischen Städten, Boston, Chicago usw. haben sollten. Mit diesen Schecks bezahlten die Hochstapler, die in allen Hauptstädten auf großem Fuße lebten, nicht nur ihre beträchtlichen Hotelrechnungen, sondern auch Brillanten und andere wertvolle Waren, die sie einkauften und wieder zu Geld machten. Wie die anderen Bandenmitglicder, so führten im vergangenen Jahre auch Bannes und Madday in den Hotels und Pensionaten nur wenig Gepäck mit sich. Die Hauptkosfer ließen sie auf dem Bahnhof stehen und in ihnen fanden die Kriminalbeamten das wichtigste Beweis- Material, u. a. Blankoschecks und vom Holzgriff abgelöste Gummistempel, die sie in das Seidenfutter von Hüten und Krawatten eingenäht hatten. Zlußer den Schecks brachten die Hoch- stoplcr auch französische Assignaten an den Mann, die sie von einer anderen Schwindlerbande übernahmen. Die faschen Schecks lauteten auf Beträge von 3000 Dollar und mehr, so daß die Abneh- mcr in valutaschwachen Ländern um Millionen betrogen wurden. Tic Beratung der städtischen tOcwcrbesteucr. Der zur Borberaiung der besonderen Gemeindegewerbesteuer eingesetzte S t a d t o e r s r d n e t c n a u s s ch u sz hat gestern seine Verhandlungen fortgesetzt und bezüglich der reinen Ertragssteuer beschlossen, eine progressive Staffelung der Sätze für di« höheren Erträge vorzuschlagen. Hierfür wurde nach dem Vor- schlag des Magistrat? dex alte Entwurf A angenommen. Besonderer Beratung bedarf noch die Frage, wie die Banken und Versicherungs- gesellschaften zur Gemcindegewcrbcstcuer herangezogen werden sollen Wegen der vom Steuerausschuß bereits beschlossenen Frei- lassung eines eigenen Arbeitsverdienstes des persönlich tätigen linier- nehmers bis zur Höhe von 24 000 M. entspann sich eine neue Aus- spräche, doch blieb es bei dem ursprünglichen Beschluß- Der Steuer- ausschuß wird voraussichtlich in der nächsten Woche die erste Lesung bsenden. ,�!s Volontär nach Narskko". Der neueste Trick der Aremdenlegionswerber. Bon einem Werber der Fremdenlegion„wurde ein Harald Wieling aus Berlin versäileppt Der junge Mann hatte sich am Lehrter Babnhof aufgehalten, als ein gut gekleideter Mann auf ibn zutrat und sich mit ihm in ein Gespräch einließ. Der Fremde fragte ihn, ob er Arbeit habe, und als Wieling dos verneinte, machte er ihm den Vorschlag,„als Volontär nach Marokko" zu gehen. Er legte ihm auch gleich ein Schriftstück in deutscher und französischer Sprache vor und brachte den jungen Burschen dahin, daß er sich bereit erklärte, ans seinen Vorschlag einzugehen. Am 18. v. M. fuhr der Unbekannte mit Wieling nach M ü h l h e i in a. d. R. Dort fiel der Bursche einer Dame auf, die sich ihm näherte, und als sie erfuhr, was er beabsichtigte, sorgte sie dafür, daß er nach Berlin zurückfahren konnte. Der Werber, der unter falschen Vorspiegelungen junge Leute für die Fremdenlegion verschleppt, wird jetzt von der Abteilung l-c des Berliner Polizeipräsidiums gesucht. Er ist etwa 40 Jahre alt und 1,00 bis 1,03 Meter groß, hat schwarzes, gescheiteltes Haar, einen starken schwarzen Schnurrbart, einen breiten Mund, eine kleine Nase und im Oberkiefer einen Eoldzahn. Mitteilungen über sein Auftreten nimmt die Abteilung la des Berliner Polizei- Präsidiums im Zimmer 243(Hausanruf 396) entgegen, In der gestrigen Volksversammlung ln Mlmersdors, in d-r Ge» nosse S e v e r i n g gesprochen hatte, und über die wir im heutigen Morgenblatt berichtet haben, nahm euch Genosse Lüdemann das. Wort zu einigen Ausführungen über den letzten Streik. Er setz!? sich zuerst mit den anwesenden Kommuni st cn auseinander, denen er vorwarf, daß sie mit ihren Störungsversuchen das üble Ami der früheren reaktionären Polizei übernommen hätten, die eine frei? politische Aussprache in Arbeiterversammlungen damals unmöglich gemacht habe. Wer heute Arbeiterversammlungen störe, der sei ein wirklicher Arbeiteroerröte r. (Stürmischer Beifall.) Auf die letzten Slreils eingehend, führte der Redner dann aus:„Wie in aller Welt konnte man glauben, mit. derartigen Streiks den Kapitalismus zu bekämufen? Der Eisen» bahncrstreik verstieß gegen die einfachsten gewerkschaftlichen Regeln. Beim Kopp-Putsch wollten wir eine gemeinsame Abwehrsront her- stellen, stießen aber dabei auf den Widerstand der Kam m u- nisten, deren Aktion erst dann begonn, als der Kapp-Putsch bereits erledigt mar. weil wir ihn nieder- geschlagen hatten. Das. Verhalten der Kommunisten beweist jeden- inlls. daß, wenn die Kommunisten cin.inol in Deutschland an die Macht kommen sollten, uns Schlimmeres blübcn wird ols in Nüst» land.(Stürmisches„Sehr richtig" bei der Mchxheit.) Eine lSnoere SkraßenbaistiverkehrsstSnikg trat heute vormittag Zwilchen 8- und 9 Uhr durch die Entgleisung eines Straßenbahnzuo.'s in der W e st h ä l f t e des Lindentunnsls ein. Ein diesen Tunnelstrang passierender Straßenbahnwagen e n t g l e i st e in der einen Kurve und sperrte hierdurch beide Gleise des Westtunnels, so daß der Verkehr nur mit erheblichen Verspätungen durch Um- leitungen durch die Osthälfte des Tunnels aufrechterhalten werden konnte. Der Unfall im Lindentunnel hatte erhebliche Verkehrsstörungen zur Folge, da er gerade zur Zeit des Hauptverlehrs in den Morgenstunden eintrat. Zahlreiche Fahrgäste waren gezwungen, ihren Weg zu Fuß. fortzusetzen. Erst nachdem ein Hilfsgerütewagen der Straßenbahn an der Unfallstelle einoetrofsen mar, gelang es, den verunglückten Wagen wieder flott zu machen und die Stö-"-"> zu beseitigen. Textilspende. Zur Linderung dir in Deutschland herrschenden Wäschenol ist in den amerikanischen Kreisen, di« sich am deutschen Hilfswerk beteiligen, eine größer« Summe Geldes aufgebrocht war- den, das durch die amerikanischen Quäker unter Mitwirkung des Deutschen Zenttalonsschusses für die Auslondslfckfe E.V. zur Ner- teilung gelangte. Für diese Summe sind 134 000 Paar Hemdhosen und 134 000 Paar Strümpfe eingekauft worden, von denen der Stadl Berlin, Neukölln, Lichtenberg 8000 Paar Hemdhosen und 9000 Paar Strümpfe zugeteilt werden konnten. Delegierkenioqung der ehemaligen.krlecisgesoageuen. Am Sonn- tag fand die Delegiertentagung der Älrbeilsgemeinschast Groß-Verlin der bleichsversinignng ehemaliger Kriegsgefangenen statt. Die Bundesleitunq der genannten Organisation war durch den ersten Bundesoorsitzenden V a r j a n t i vertreten. Das Hauptreferat hielt der Vorsitzend« der Arbeitsgemein- schaft, Großmann, in weichem er zu Kriegsopfer- und anderen wirtschaftlichen Fragen Stellung nahm. Die Stellungnahme zu der Einigung aller Kriegsopferorganisationen, welche nur durch eine Arbeitsgemeinschaft möglich ist, sei besonders erwähn ensirsrt. � Das, Referat wurde mit großem Beifall ausgenommen und alle Diskussions- redner stellten sich vollinhaltlich hinter die Ausführungen des Rcfe- renien. In der einstimmig angenommenen Entschließung heiszt es denn auch u. a., daß in der S i e dl u n g s s r a o c und in anderen gemeinsamen Fragen ein? Arbeitsgemeinschaft in allen Kriegsopfer» organisationen herbeizuführen ist. Die Reitungsgeseilschasi der Wassersparkvereins von Berlin und Umgegend hielt ihre Jahresversammlung ab. Aus dem vom Vor- sitzenden gegebenen Jahresbericht ist zu verzeichnen, daß im Jahr« 1921 aus den Fluten des gefährlichen Müggelsees 0 0 Menschen gerettet wurden, davon allein an einem Sonntage, dem 1. O st e r- Feiertag, 31 Personen. Die Gesanttzahl der Geretteten seit Bestehen der Gesellschaft beträgt jetzt 290 Personen. Die Neuwahl. des Vorstandes ergab mit geringen Ausnahmen die Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder. Brieffrelmachungszwong im verkehr mit der Tschechoslowakei. Mit Rücksicht ans den ungünstigen Kursstand der deutschen Mark im Vergleich zur tschechoslowalischen Krone sowie ivcgen der Mist- bräu»e, die durch Veriendiing außergewöhnlich zahlreicher nicht oder unzureichend freigemachter Briefsendungen nach Denischland vorgekommen sind, hat' die tschechoslowakische Postverwaltimg den r e i m o ch n n g S z w a n g für B r i c s s e n d u n g e n nach Deutschland eingerührt. Die denische Postverwaliung hat darausbin vom gleichen Tage an den F r e i in a ch u n g s z>v a n g für Briefsendungen aus Deutschland nach der T'chechoilcMakei angeordner. Postkarten mit Antwort sind eben- falls vom 27. Februar an nach der T'chechoslowakci bis auf weiteres nnzuläifig, weil die tschechoslowakische Postverwaltnng Antwort- Postkarten auS Deutschland bis auf weiteres als genügend steige- macht nicht ansieht. Slnfänoerkiiric in Englisch nnt> Französisch. Anfang März Iie- ginnen iiunmclir die neiien Abendkurse der Sprachichuie sür Proletarier für cSeiioisen und w-noistnnen obne Vorkenntnisse. Anmeldungen: Freita den 3. März, abend? von 5—8 Ubr und Sonntag, den 5. März, vormittags von lt— t".br. in der Kemeindcsckiule. Kipsstr. 2Z-r kNäbe Noiciitbaler Stiahc), Zimmer 0. Die infolge des Streiks mid der Kohlenferien unter- broibencii Kurie werden vom Mittwoch, den 1. März, ab wieder.zur ge- wohnten Zeit stattsindeu. Bolksbildungsamt Reinickendorf. Am Freitag, 3. März, abends '/,8 Uhr. findet in der Aula des Gvmnasinms Reinickci,dors-Ost der zweilr Kammermusikabend(Schubert— Schumann) sür den Zlcinickendorser Bezirksteil statl. fettere Peter-Rosegger-Vorträge veranstaltet da« Bezirksjugcndz IldminSamt Berlin-Treptow in der Aula deS Realgymnasium« Treptow, Reue Krug-Ällco, am Sannabend, den 4. März d. Ii«., nachmittags 5 Uhr, sür Schüler und Schülerinnen und abend» 8 Uhr sür Erwachienc. Wetter für viorzzen. Berlin und Nmgegend. Zeitweile bester und am Tage ziemlich mild, jedoch sehr unbeständig, mit wiederholten Regenschauern und srifcheu jüd. westlichen Winden.'___ Dos harburger Kinounzlück, das sich am Totensonntag vorigen Jahres, ereignete und bei dem mehrere Kinder ge- tötet bzw. schwer verletzt wurden, fand in diese» Tagen vor der Strafkammer sein gerichtlichesNachspiel. Das Urteil lautete gegen den Vorführer Albert V o i g t auf 1 3 M o n a t e G e f ä n g- n i s und gegen die I n h a b e r i n des Kinos, Frau S ch a f f r: n s? t, aus 2 Jahre Gefängnis. Hroß-Ser!ine? parteinachrichSen. 7, Krel«, ilharlotteoburg. Donnerstag, den 2. März, abends T'/e Uhr, Funktionär» tonserer.z im Schiller-Ncalgymnasium, Schillerstr. 2S. öriefkastT» öer Reöüktion. Briefliche ziuokunft wirb nicht erteilt.— Jeder für den»rief. lasten bestimmen«»frage füge man einen Buchstaben und e i n e Nummer bei. Eilig- Anfragen trage man in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr.». 1. Hai pari. links, vor. Schriftstücke und Verträge sind mitzubringen. M.«ch. SS. Wenden Sie sich an das Sicdlungsamt,«lapstockstr. 2s.-- 6. K. 109. t. Der Tag der Äilstrittscrklärung. 2. Bis zum 31. Marz 1922.— 1 Waonlee 500. Ja. GswerMaAsbsWZgung �issnbohneriöhne ia Großbritanniev. Kirfun�sn der gleitenden Lohnskala. Die Interxationole Transvortnrbeiter-Föderakion in Amsterdanr te!lt hierzu rnit: Das Zentrole Lohnamt erklärte sich auf einer am 22. Dezember in London abgehaltenen Sitzung mit einer Herabsetzung der Löhne der Eisenbahner von 4 Schilling pro Woche ab L. Januar 1922 ein. verstanden. Diese Reduktion steht in Uebereinstimmung mit der glei-- t e n d e n Lohnskala, welche die Küsten für den Lebensunterhalt zur Grundlage hat.'Die Luhne werden für jede A ender ung um 5 Punkte in der Indexziffer für den Lebensunterhalt u m 1 Schilling pro Woche abgeändert. Seit Juli 1921 ändert stch die In- dsxziffer des Arbeitxministeriums für den Lebensunterhalt nicht, d. h. sie pellte sich auf 219. Nun ist sie auf 1999 gefallen. Die ksenderung der Lohnsätze für die Eisenbahner stellt« sich seit Ansang 1921 wie folgt dar: das Kölner und das Mlttrideuffche Vraun kohlengebiet hak der Schlich. tungsausschuß durch Schiedssprüche Erhöhungen der Schicht- und Gedingelöhne sowie des Kindergeldes festgesetzt, über deren chöhe be» reits in der Morgenausgabe des„Dorwärts" am Dienstag berichtet wurde. Die Arbeitgebervertreter erklärten die A n n a h m e der Seh iedssprüche unter Voraussetzung entsprechender Neu- regelnng de-- K o h l e n p r e i s e: di? Arbeitnehmervcrtretcr erklärten, für die Annahme der Sprüche durch die Arbeitnehmerschast eintreten zu wollen. In den übrigen Steinkohlengsbicten haben die Parteien sich über Lohnerhöhungen geeinigt. Januar 192t April 1021 Juli 1921 Januar 1922 1 Schilling Erhöbung. t � Herabsetzung 5 4 fpro Woche) l..) l..) l.) Die Eisenbahner bützten also auf Grund der Abmachungen über die gleitende Lohnskala in 9 Monaten 13 Schilling ein. Dei vielen Beruss- graden nähern sich die Löhne dem Minimalansatz, unter welchen laut Abmachung kein« Redüktionen mehr stattfinden sollen. Die Bestim- «ungen dies«? Uebereinkommens wurden nach dem Streik von 1919 feftIelcgt, als„permanente Ttandardanfo.tze" aufgepellt wurden, die etwa zweimal so hoch sind wie die durchschnittlichen Lorkriegsansätze. Zusätze wurden in llebereinstimmung mit der bereits erwähnten Lohn- skala gemacht. Die Kosten für den Lebensunterhalt sanken nun in der Tat in dem Matz«, daß sie dem verdoppelten Aortriegsanfatz gleichkommen, d. h. sogar einer Summe, die niedriger ist. Eine wci- tere Reduktion kann zu einem Gesuch de? Eisenbahngesellschaften auf Revision des Lohnabkommens lühren. Einem solchen Gesuch werden die Eisen ba Huer«nergiichen Widerstand leisten. Die Gesellschaften bchmipten, daß sie nicht an ein stebcrcinkommen gebunden seien, mel6)ss von der Rezierung o-bg«schlössen wurde. Tie Arbeiter ihrer- ieits machen geltend, doh st« dem Uebereinkommen ohne Klagen nach- kamen, insofern sein« Durchlüh-runz periodische Lchnreduktionen auf Grund der gleitenden Lohnkkat« bedeute. Sie widersetzten sich dem Vorhaben, de» Uebereinkommen zcrnde in dem Augenblick zu revi- Vieren, wo es z« ihren Gunsten wirksam wird. Beilchziing de«? Man-Lfcldrr Stre?kS. Ilirtnt dem Bor sitz eine» Vertreter, des ReichsarbeitsmiUisterium» wurde gestern in Halle üb«? dl« Beilegunz des Mansfclder Streiks «erhandelt. Nach langwierig»« Berhontnungen einigten sich die Parteien aus folgender Ärur»iage: Der früher bestehend« Mantel- tarif wird in vollem teifai»« bis 1. J«ni t» Kraft gesetzt. Etwaig« zentrale Bereinbarunzen Wor de« Manteltarif werden von der Mansfeldcr Gewer t'ryast vn er kämet. Die 11 M. Lohnzulaqe für Februar bleibt bestechen. Dago ketnmen für März 10 M. und für die in reinem Schlchtlahn stechenden Arbeiter 12 M. Die Arbeiter wer- den heute über dies« Vereinbarung Beschluß fassen. Kohnverhendlungkn im Kohkenbergbav. Zur Regelung der Löhne in den Revieren des Stein- und Braunkohlenbergbaus hatte der Reichsarbeitsministcr einen Schlichtungsausfchuß emgefstzt, der am Montag unter Vorsitz des Staatsminifter» E e v e r i n g getagt hat. Für das Ruhrgebiet, Lohnabkommen für die Berliner Holzindustrie. In der Verhandlungen am 16. Februar und 24. Februar mit den Arbeitgebern dar Eroß-Perliner Holzindustrie wurden folgende Lohnsätze vereinbart: Ab 29. Februar bis 28. Februar erhöhen sich die Löhne, der Fach- arbeiier auf 14,75 M.,.Hilfsarbeiter auf 12,65 M.. Facharbciterinnen auf 9,73 M. und der Hilfsarbeitsrinnen auf 8,93 M. Ab 1. März 1922 erhöhen sich sämtliche am 28. Februar bestehen- den Tariflöhne um weitere 19 Proz. Damit betragen die Löhne für Facharbeiter 10,2-5 M., Hilfsarbeiter 13,90 M., Facharbeiterinncn 10,70 M., Hilfsarbeiterinnen 8,83 M. DKejenigcn, die bereits höhere Löhne erhielten, als im Lohn- abkommen vom Januar festgelegt waren, sollen auch bei den neuen Lohnsätzen ob 20. Februar bis 78 Pf. über die tariflich festgelegten Löhne erhalten, so daß z. B- ein Arbeiter, der 13,50 M. erhielt, 1,75 Mark Zuschlag bekommt gleich 15,25 M. Ein anderer Arbeiter, der 13,75 M. erhielt, bekommt ebenfalls 1.75 M., so daß sein Lohn ab 20. Februar 13,50 M. b einigt. Derselbe Lohnvorsprung von 75 Pf. bleibt auch bei den ab 1. März in Kraft tretenden Lohnsätzen bestehen, so daß laut Tarif nicht nur 16.25 M. verlangt werden können, son- dern, wenn 75 Pf. über den Tariflohn gezahlt wurden, unter allen Umständen Tariflohn vlus 73 Pf. auch in Zukunft gezahlt werden müssen, das heißt 17 M. Akkordarbeitern wird prozentual derselbe Zuschlag, der den Lohn- arbeitern gewährt wurde, auf die am 19. Februar bestehenden Akkord- sätze gezahlt. Akkorde, welche nach dem 1. März neu festgelegt wer- den, sinid auf der Grundlage des Reichsmantelvertrages nach den neuen Durchschnittslöhnen aufzubauen. Bei Montagearbeiten erhöht sich der Stundenlohnzulchlag für Groß-Berlin außer Fahrgeld auf 1,10 M. vra Stunde. Für Montagearbeiten in weiterer Entfernung, die ein Uebernachtsn notwendig machen, wird neben dem Fahrgeld sin Montagzufchlog für jeden Tag, auch für Sonn- und Feiertage, im Detraa« von 55 M. M-ndeftfatz gezahlt. Dieses Lohnabkommen gilt bis zum 31. März 1922. Achtung, Dcrirauensleulei Die Hralostimmung über die Erhöhung der Beiträge am 20. Februar brachte die Annahme der Gefamworlage der Ortsverwaltung: somit treten ab 10. Woche folgende Beitragssätze in Kraft: Klasse I 14 M., Klasse II 11 M.. Klasse III 8 M.. Klasse IV 6 M.. Klasse V 5 M.. Lehriingsklasss 0/50 M. Die Vertrauensleute werden ersucht, die Beitragskassierung ab Sonnabend nach vorstehenden Sätzen vorzunehmen. Die Ortsvenoalhrng. « Achtung, stistckmacher! Sperre! Bei der Firma Hellmuth Hinz, Große Frankfurter Ctr. 16. sind die im Deutschen Holzarbeiterverband organisierten Kistenmacher wegen Lohndifferenzen in den Streik getreten. Wir warnen alle Lranchenangehörigen, in diesem bestreikten Betriebe Arbeit anzu- nehmen, da die Firma es ablehnt, mit Vertretern der Organisation über die LoHnstreiiigkeiten zu verhandeln. Jede für den Betrieb in Frage kommende Arbeit wird als Streikarbeit betrachtet und ersuchen wir streng, feden Zuzug fernzuhalten. Die Ortsverwoltung Berlin des Deutschen Holzarbeiterverbandes. jZMtktzWiswmnZ -- Bankgeschäft------- i«"- Berlin C 19, Pctripl. 4 i'?s' -- ECsenüberd.PetrJklrche----- 1----- jFcinspr.: Zentrum 2371, 7103 u. NZ4I iilfl-yMasIv.EffgktesD.Cßiipoiis I ÜlescliÄftNiekl 9—3 i Altmetalle en gros von Fabrikanten u««j Händlern rcrnsprccher: Montipl,«67 u Mnria«iie»«!atj 22 Vartreterbetuck r. Fr»le Ahkalu*' fernst« Ucberali crhülilidil rrAV>l Westrich- WalÄ i SiÄÄC'Aa'Cl• u.KensGrvenfahHk EerlSn, Bäsehis�cir« A Ssitsrasgen a.alleaader.Trans- «•rteerite liefen bllliwt. Oroier Vorrat Ceorj« Warner Cfireaickcr 1-tr. 71 Ktla Larlenfeicb [ Neukölln Möbel-Vertrieb Ludwig Rogasacr 5 K&Lser- Friedrich- Strafte 69. \ Ecke Ä/ue/Lgrubemraße. yPernsßrecker: Neukölln 9069 SpcrlnlitSt: Schlafzimmer Syphilis-, Saliarvee-Knrcia uha» Veraltete Harnleide», Schliche. flläMi firi»!?e: niuturtcrsuchuaiCK. Im Eior.ea LSsrr-lasttut. Dir.: Löser senior Rosenthal er Str.OS T», aahe PI. Aamea«.»apat. Frßhjahrs-Mäntel �«-0"�' met ,te 550 W FfühJahrs-MSnte! r"cb,heeÄ koac» •~* ei. 975, 750 formen, mit Raglan-Aermel. 875, 690 FröhJahrs-HMe! 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Aus dem Wirkungskreis der ZNaichi.-.i'len und Heizer gab der> Jahresbericht von Reinsfeld in der Generaloersammlung der Berliner Ortsverwoltung des Zentralverbandes am Dienstag ein recht erfreuliches Bild Die Zahlstelle ist in 12 Eeküonen gegliedert, föne weitere für die Texlilindustrie ist noch in der Entwicklung. Die Sek» tionen umfassen: Holzindustrie, Hotelgewerbe, Metallindustrie, Einzel- Handel. Tiefbnugewerbe, Krankenanstalten, elektrische Industrie�. chemische Industrie, Bm, Industrie, Papierindustrie, Schisfahrt und die städtischen Gas- und Wasserwerke.— Eine Reihe von Lohnkämpfen mußte ausgetragen werden, und es ist gelungen, in allen Branchen eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu erreichen.— Die Generalversammlung in Karlsruhe forderte«rneut im Interesse der Mafchi« nisten und Heizer, wie in dem der öffentlichen Sicherheit eine r e i ch s- gesetzlich eRegelungderDampfkesselüberwachung, Schaffung einheitlicher staatlicher A u f s i ch t s- und R ev, s i o n s» behörden und Erlaß einheitlicher Vorschriften über Wartung der Kesselanlagen. Hamburg und Bremen haben bereits beschlossen, Re» visoren aus den Reihen der Maschinisten und Heizer heranzuziehen. Von der Ortsoerwaltung sind zwei Mitglieder mit in die Leitung der in Berlin bestehenden paritätischen Schule für Maschinisten rmd Heizer berufen worden. Wie nötig die Schulung sei, lehre die Tat» fache, daß durch ein? gute Reinigung der Kessel 15 Proz. Brennstoffe gespart werden können. Der Kassenbericht wurde von Holz g« geben. Einnahme und Ausgabe bolanaieren mit 1 098 099.86 M. Die Diskussion drehte sich um die Vorgänge bei den letzten große» Streiks. Nach einer zeitweise recht erregten Aussprache wurde eine Rcsolutisn, die das Verhalten der Spitz enoerbänd« bei diesen Streiks mißbilligte, mit Stimmengleichheit abgelehnt. VerSand der Kemeinee- nnd Eteafsarbeifer. Erftiait t Staatsbetriebe. Mon- iaq abend 7 Ubr Im ISofol nun Rv!). Sinienftrafie 202. Perlammlana aller OWcnlr der Vraitdie Reichsverwaltimiutt und Zieilbsbetrlebe. Die Veanchenlefwng. ?lT(?..Grii!afjree«!te. Vtunnensttahe, rom Märt 1021. Tersammwng, Eonnebend obenb rt.lihc in der Schu'aula. Wiefenftraiie 65. «und bcc technischen?nt,eltcllten nnb Beamie-t. Die fOt ssrettag«tgqeigt» Setfamminna brr Oct-nertnaüuna STcifienfct findet nicht statt., Deutschet Werlntei<>er Beebaud Sellin 11. Freitag obtnb 7 Uhr, Schulau!«, Petersburger Strasse 4, Persammlun«.__ Bctanlrö. für den redest. Seil: Rtani Rifchs. Berlin-Lichterfefb«! flu An- leigen: Th.«lade. Perlin. Verleg Vom-ärts-Verleg D. m. b.S- Berlin Druck: Vä'rwörts-Buclidruckcrei u. Bfrlaqssinlialt Paul Singer u. Co.. Berlin. Llndenstr. 3. 15.— 19.— 24— 28— 32— 30— 40—! Z? 40 45 50.>>5 cm i \ Kaßcben-Beinkleider m�tfÄi-ö.« 29- 32.50 3».- 39.«; j Rinder' SChÜrZeil aus Gingham oder türkischem Satin 4S.— S5.— SS*' i Bameü-Strümpfe ws Sohle una Ferse............*ö PaißeK-Stl'OSipfe Makho, schwarz neezz elegante Qualität............ ul JSJUper Farben*? 390, 3lt 245 09 Neue üöüiisr Ober Schule (inii Erziehung Konrad Haenlfcfa: Kene Salinen tier üniteir- poliliü Preis: 70 Mk. Joh Hoffmann> Sdiolc und Lelircr m Act rteirns- verfoffiioä Ein Komm ciliar PreU;hr.10Mk. gr:b 15 Hk. 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