Ne. 165 �ZH.�ahrgaüg Musgabe A Nr. 52 Morgen Ausgabe Bezugspreis: Vi«t«?khrI.S0� M., ntoimtl. 20,— SS. kci ins Saus, voraus»ahlbar. Poit- hnag: Monatlich 20�- M.,«inichl. Ru. srellung-g-bühr. Unter Kreuzband nir Deutschland, Dantig. das Saar- und Memelaedict. sowie die ehemals deui» fchen Gel-iete Polens, Oesterreich- Ungarn und Luxemburg 5i,—'XI, für das übrige Ausland 72.— M. Post- Bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheche- Slowalet. Däne- mark, Holland, Luxemburg. Schweden und die Schweiz. Der»Vorwärts" mit der Sonntags- beilage„Volk und Feit", der Unter- haitungsbsilage„Heimwelt" und der Beilage„Siedlung und Rlcingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn» tags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: JMlialOeaaftal Setlin" Vevlinev Volksblatt Zcntralorgan der Sozialdemokrati fchen Partei Deutfchlands ( 70 Pfennig) Nnzeigeitprcici: Sie einspaltige Nonvareillezrile kostet 12,— M.»Swine Anzeigen- das fettgedrnekie Wort M. lzu- lassig zwei settgedrnckte Worte), jedes weitere Wort 2,— M, Cteliengejuche und Cchlasstellsnanzetgcn das erste Wort 2,— M., jedes weitete Wort 1,5» M. Worte über l'> Buchstaben zählen für Zwei Worte. Famill«n-An- zeigen für Abonnenten Zeile 0,— M. Die Preise verstehen sich einschließlich Truernngrzuschiag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 41/™ Ahr nachmittags im HauptgefchLst, Berlin 6® 68, Linden« strasie 3, abgegeben werden.(Seöffnet von 9 Uhr früh bis S Uhr nachmittags. Reüaktion unü Expeöition: EW SS, Lin�enstr. 2 Redaktion Morinpla« lSlu»— g? 9gpetitioa Morivpla» U7SZ—»4 Donnerstag, den Ä. März vorwärts-verlag G.m.b.H., Ev) HS, Linücnstr. 2 S�erttfbrfihff Verlag. Expedition und Inseraten- Morikpigy iirsS-vt Der Getreiöewucher. Die maßlose Steigerung der Preise für Getreide am freien Markt hält weiter an. ohne daß auch nur das ge- rinaste geschehen wäre, um ihr zu steuern. Märkischer Weizen ist seit dem Durchschnitt des Monats August von 221 auf 610 Mark je 50 Kilogramm gestiegen, ebenso schnellte der Preis für Noggen von 174 auf über 460 M. hinaus. Die Meldungen utis der Provinz häufen sich, wonach jetzt Getreide der neuen Ernte zu Preisen, die noch weit über dem heutigen liegen, be- reils jetzt verkauft wird. Wie allein in den letzten Mo- naten das Getreide teurer geworden ist, zeigt folgende Gegenüberstellung von Preisen der Berliner Produktenbörse: ES notierten je 50 kg ab(Station: am am am 20. 18. 1021 21. 2. 1922 I. 3. 1922 M. M. M. Weizen, mär?.. l l.. 338 580 610—615 Roggen, märt..... 275 442 461—468 Gerste.;...... 330 440 445—465 Hüter, märt..... 274 415 415—423 SKaiS........ 270 892 399—402 Auch die M« h l p r« i s e sind entsprechend gestiegen. So kosteten an den genannten Tagen je 100 Kilogramm: W-izenm-hl..... 860—980 1375—1510 1470—1570 Roggenmehl..... 000—720 1050—1160 1080-1190 Außer der Profitsucht der Landwirte und Händler gibt es keine Gründe, die diese unsinnige Steigerung der Preise für Brotfrucht erklären könnten. Die Weltmarktpreise, die mit diesen Notierungen erreicht sein dürsten, sind um so unberechtigter, als die deutsche Landwirlschaft ja auch keine Valuta löhne und keine Balutaprcisc für ihre küusllicheu Düngemittel zu zahlen braucht. Die Lockerung der Zwangs- Wirtschaft, die gegen den Widerspruch unserer Genossen durch- gesetzt worden ist. zeitigt jetzt die Folgen, die damals schon vor- ausgesagt wurden., Man hätte annehmen sollen, daß die Regierung soviel Voraussicht zeigen würde, jetzt Auslandsgetreide einzukaufen. um, wenn die deutschen Preise weiter hinter den Weltmarkt- preisen herjagen, mit dem billiger eingekauften Auslandsge- kreide aus den Markt drücken zu können. Die heimischen Händ- ler und Agrarier haben ja die Preise, die am Weltmarkt im Dezember hätten gezahlt werden müssen, bereits über- boten. Inzwischen hat sich die Valuta verschlechtert, die Weltmarktpreise haben sich weiter erhöht. Wenn es aber zu- trifft, was sich aus naheliegenden Gründen nur schwer nach- prüfen läßt, daß die Händler jetztschondendoppelten P r« i s für Getreide aus der nächsten Ernte zahlen, so heißt das, daß die inländische Spekulation mit einer weiteren wohn- sinnigen Preissteigerung rechnet und daß eine verantwortliche Regierung ihr entgegentreten muß. Statt dessen sind Lebensmitteleinkäufe im Ausland gerade zu der Zeit, wo der Dollar innerhalb der letzten vier Monate noch am günstigsten stand, also im De- zember und Januar so gut wie ganz unterblieben. Folgende Uebersicht des Statistischen Reichsamtes zeigt den katastrophalen Rückgang der Lebensmitteleinfuhr: Es wurden cingesührt(in Doppelzentner): Ragpen Welze» 21 Aug. 119 647 Sept. 200 898 Q!t. 131 508 Nov. 235153 Dez. 71 769 22 Jan. 25 583 3 786 613 2 629 145 2 734 959 1 019 317 974 992 833 818 Skala 1000 109 1 453 165 1 777 680 1 142 509 369 235 408 056 Schweinespeck 51004 50 815 85 087 30073 19 842 10 340 Schweineschmalz 151680 142 534 100 180 63 377 48 630 55 784 Lnnbwirisch Sezeuanisse insgesamt 10 820 163 10 540 009 12 356 039 9 475 027 6 335 375 Der Reichsminister Hermes ist offenbar damit zu sehr de- schäftigt, die Landwirtschast zu fördern und sie vor«teuern zu schützen, um hier etwas unternehmen zu können. Den ge- stiegenen Lebensmittel« und den springenden Kohlenpreisen aber folgen die g«samten Lebenshaltungskosten in einem Tempo, das für die breiten Massen unerträglich ist. Die Reaktionäre gehen damit krebsen, daß die Republik dieses Elend verschuldet habe. In Wirklichkeit waren unsere Ge- nassen bemüht, diese Zustände abzuwehren, als sie für die Bei- beHaltung der Zwangswirtschaft und später für eine erhöhte Umlage eintraten. Die b ü r g e r l i ch e n P a r t e i e n waren es. die ebenso sehr die Preisentwicklung am Lebensmittelmarkt wie die Schonung des Besitzes vor solchen Steuern, welche die Notenpresse wenigstens zeitweilig hätten stillegen können, durchgesetzt haben. Noch läßt sich vieles retten, wenn wenig» stcns für die nächste Ernte eine erhöhte Umlage und damit die Sicherstellung der wichtigsten Nahrungsmittel zu erträglichen Preisen in Aussicht genommen wird. Die Regierung aber hat sich bis jetzt noch nicht über ihre Stellung zu der täglich wachsenden Not des Volkes geäußert, dessen Sachwalterin sie sein will. « Im hauptausschuß des Preußischen Landtages wurde am Mitt- woch bei der Einzelberawng des Landwirtschastsetats ein deutsch- nationaler Antrag auf Beseitigung der gesamten Zwangswirts ckiaft, auch in Brotgetreide, mit 16 gegen 13 Stimmen unter lebhaftem Beifall der sozialistischen Par- teim abgelehnt. Vier Zentrumsabgcordnct« stimmten mit den sozialistischen Parteien. Die Arbeiterorganisationen in(dberschlesien Genf, 1. März. sDA.) In der Unterkommission für die Fragen der Arbeitnebiner- und Arbeitgeberverbände steht man hinsichtlich der Arbeiterorganisationen in Polinsch-Oberschlesien vor der un» mittelbaren Lösung. Beide Delegationen erklärten sich grundlätz- lich mit der Schaffung einer gemischten und paritati- schen Arbeitskommission einverstanden, die als beratendes und technische« Organ in Arbeitsfragen tätig sein wird. Diese Kommission wird der Gemischten Kommission in Oberschlesicn an« geschlosten werden. Die 7. und 12. Unterkommission haben sich in dieser Angelegenheit bereits mit dem Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, ins Einvernehmen gesetzt. Der wieüeraufbau Nußlanüs. Ein amerikanisch-italieuischer Operationsplan? r Rom, 1. Mörz.(EP.) Die„Tribuna" teilt Einzelheiten über einen amerikanisch-italienischen Plan für die Wie- deranbahnung des Handelsverkehrs und der industriellen Ausbeutung Rußlands mit. Danach beabsichtigen die Vereinigten Staaten vor allem die sofortige Unterstützung der hungernden Bevölkerung Ruß- lands, die Reorganisation der Arbeiten, der Produktion durch Reu- vrdnung des Verkehrs, Wiederindetriebsetzung der Fabriken, Eni- Wicklung der Landwirtschaft und Wiederherstellung des Warenaus. tausche» mit dem Auslande. Zur Basis ihrer Tätigkeit würden die Amerikaner das Schwarze Meer machen, von dessen Häfen sie geordnete Verbindungen mit Kiew, Moskau, Sa- mara, Saratow, Kasan und Jmbirft herstellen wollen. Der Plan sieht die Wiederausnahme des Betriebes in den Anlagen des Donez. und de« Dongebietes vor. Roch den Angaben der„Tribuna" erhoffen die Amerikaner bei ihrer jetzigen Betätigung tm europäischen Rußland bessere Resultate zu erzielen als bei einem Vordringen von Sibirien aus. Italien könnte sich an der At° tian der Vereinigten Staaten durch Lieferung von Textilwaren, Be- kkeidungegegenftönden. Automobilen, sowie von Lebensmitteln be- teiligen. Ferner könnte Italien Arbeitskräfte zur Verfügung stellen Als Stützpunkte des amerikanisch-italienischen Verkehrs mit Rußland kämen Neapel und Genua in Betracht. Krifenftimmung in Italien. Rom, 1, Mörz.(EP.) Infolge Uilstiminigleiten bei der Er nennung der Unterstaatösekretäre ist der Demokrat Colonna di E e s a r o als Post- und Telegraphenminister zurückgetreten. Colonna begründet den Rücktritt mit der Einmischung der V o l k s p a r t e i in die Wahl der Unterstaatssekretäre. Andere be- haupten, Colonna sei zurückgetreten, iveil sein größter Gegner bei den Wahlen in Sizilien Kalsino, UnterstaatSsekretär ivurde. Da der Rücktritt von Colonna di Cesaro aus rein persönlichen Gründen erfolgt ist, liegt keine Veranlassung für die Nachahmung seines Beispiel» für andere Minister vor. Ziach dem„Corriere dello Sera" läßt alles darauf schließen, daß die so plötzlich ausgekrochene Krise im Kabinett de Facta rasch und endgültig beigelegt wird. Das Kabinett de Facta könne mit Sicherheit auf das Vertrauen der Kammer zählen. Ungarns neue wahlorönung. Budapest, 1. März.(Intel.) Di« Berichte der Blätter über die dem Lande von der Regierung Bethlcn aufoktroyierte Wahlrechts- ordnung lasten erkennen, daß das Wahlrecht für das neue Parla- ment eine noch verschlechterte Ausgabe des En'.wurses ist, den die Nationaloersammlung abgelehnt hat. Das Organ der Sozial- demokratischen Partei, die„Nepszava", schreibt, daß durch diese Wahlordnung eine Lage geschaffen werde, die der Sozialdemokratischen Partei eine Beteiligung an den Wahlen unmög- l i ch machen kann. Ein offizieller Beschluß der Sozialdemokratischen Partei, die Wahlen wiederum zu boykottieren, liegt bisher nicht vor. Die sozialdemokratischen Führer hoffen noch, daß die Drohung mit dem Boykott den Grafen Bethlen mit Rücksicht auf das Ausland veranlasten könnte, die Wahlrechtsordnung, wenigstens in einzelnen Punkten, etwas demokratischer zu gestalten. Die amtliche Bekannt- machung der Wahlrechtsordnung ist schon für die nächsten Tage an- gekündigt. llikauen und Deutschland. Di« Fii'.anzverhandUmgen mit der deutschen Delegation wegen Liquidierung des Oberost' gelbes haben begonnen. Der Sachlieferungsvertras. Als die Regierung des Prinzen Mar von Baden unker dem Druck der Obersten Heeresleitung um Waffenstillstand und Frieden auf Grund der 14 Punkte Wilsons bat, rechnete sie da- mit, daß, entsprechend Punkt 7 und 8, der in Belgien mck» Frankreich angerichtete Sachschaden zu bezahlen sein würde. Es hätte sich auch in diesem Falle um eine ungewöhnlich hoste Summe gehandelt, aber sie wäre doch nicht s o hoch gewesen, daß nicht die Möglichkeit bestanden hätte, sie a u s n o r m a l e Weise aufzubringen. Der Friedensvertrag von Versailles hat dann gegen Treu und Glauben Deutschland eine theoretisch unbeschränkte Kriegsentschädigung aufgeladen, praktisch neben dem Ersatz für die angerichteten Sachschäden auch die Rück- Vergütung der Kriegspensionen und Familienunterstützungen gefordert. Die Summe blieb zunächst in der Schwebe, aber schon damals war es klar, daß es sich um eine finanzielle Trans- aktion von nie erlebtem, phantastischem Ausmaß handeln und daß es notwendig sein würde, bei dem Versuch ihrer Durch- führung ganz neue Wege zu beschreiten. Es war damit eine Aera der Experimente begonnen, die noch nicht abgeschlossen ist und in der das neue Abkommen über die Sachlieferungen nur eine Etappe bedeutet. Diese Aera der Experimente wurde auch zu einer Aera der Konferenzen. Schon die erste, die in L o n d o n vom Fe- bruar-März 1920,'stellte fest, daß die Kriegsentschädigung nicht aus den gewöhnlichen Staatseinnahmen Deutschlands bestritten werden könnte, daß dafür andere Wege gefunden werden müßten. Die folgende Konferenz von S a n R e m o im. April 1926 drohte init neuen Besetzungen, wenn Deutschland nicht bezahle, aber erst auf der dritten, der von H y t h e, Mai 1920, wurde die deutsche Schuldsumme— nicht festgesetzt, sondern nur beschlossen, sie demnächst festzusetzen. Dies geschah auf ber vierten Konferenz, der von B o u l o g n e im Juni 1929, auch noch nicht, es wurde aber erst ausgemacht, daß Deutschland 42 Jahresraten(statt der 30 von Versailles) zahlen sollte mit einer allmählichen Steigung von jährlich 3 Milliarden aus jährlich 6 Milliarden Goldmark. Die fünfte Konferenz, die von S p a im Juli 1920, stellt« die prozentuale Beteiligung der ein- zelnen Siegerstaaten fest und regelte die deutschen Kohlen- lieferungen. Die Gesamtsumme war noch immer nicht fest- gesetzt. Eine projektierte Konferenz von Genf fiel aus, eine begonnene in Brüssel wurde Dezember 1920 abgebrochen, und es kam die Pariser Konferenz, die siebente, die im Januar 1921 die deutsche Schuld auf 2 2 6 Milliarden G o l d in a r k bemaß. Es folgte nun die zweite L o n- d o n e r Konferenz, die sich mit deutschen Gegenvorschlä- gen befaßte, und schließlich, Mai 1921, die dritte Lon- doner Konferenz. Sie erließ das berüchtigte Ultima- tum, das von Deutschland unter dem Zwange der Not angc- nommen wurde. Die deutsche Kriegsschuld wurde jetzt auf 13 2 M i l« liardenGoldmark„herabgesetzt", wozu 7 Milliarden Bor- schüsse treten sollen, die von den Alliierten während des Kriegs an Belgien gegeben worden waren, also im ganzen 1 3 9 M i l- liarden Goldmark. Zunächst sollten von Deutschland jährlich 2 Milliarden Goldmark und 26 Proz. des Wertes seiner Ausfuhr bezahlt werden, also ungefähr 3% Milliarden Gold- mark jährlich. Es setzte nun die Entwicklung ein, die dem aufmerksamen Zeitungsleser noch einigermaßen in Erinnerung sein wird: der deutsche Ersüllungsversuch, das Wies- b a d e n e r Abkommen, die Erklärung der deutschen Zahlungsunfähigkeit, die Konferenzen von London und Tanne s. Das Berliner Abkommen über die Sach- l e i st u n g e n, das„paraphiert", d. h. zur vollen Unterzeich- nung bereit, vorliegt und dessen Hauptinhalt wir in unserem gestrigen Abendblatt mitteilten, ist sozusagen eine Kombination von Wiesboden und Cannes. Von Cannes stammt die Ein- ficht, daß Deutschland die Bezahlung von 3% Milliarden im laufenden Jahr nicht zugemutet werden kann, von Wiesbaden die Erkenntnis, daß es besser ist, Deutschland in möglichst weitem Umfang nicht mit Devisen, sondern mit Waren be- zahlen zu lassen. Ueber den Inhalt des Abkommens teilen die„PPN." noch weiter mit: Von den in Cannes feftgesetzten 1430 Millionen Goldimuk für Sachleistungen entfallen 950 Millionen auf Frankreich, für das das Wiesbadener Abkommen gilt: für die übrigen Länder verbleiben also noch 500 Millionen Goldmark. Darin sind jedoch enthalten die Kohlenlieferungen fiir Italien und Belgien mit einem Betrage von 120— 140 Millionen Goldmark. Ferner sind abzuziehen die Lieferungen, die bisher erfolgt find und im Jahre 1922«och erfolgen, und die auf 100 Millionen Gold- mark geschätzt werden. Ferner kommen in Abzug die 25 Proz., die England auf Grund des Recovery Act auf die Ausfuhr legt, was 80— 100 Millionen Mark ausmacht. U e b r i g bleiben somit 150— 200 Millionen Gold mark. Eine Schlüsselverteilung dieser Quote auf die einzelnen Staaten, die sich an dem Abkommen beteiligen wollen, iit noeli nicht er- folgt. Sie wird wahrscheinlich durch den Obersten Rat unter den in Frage kommenden Staaten vorgenonimen werde». Je- doch kennen die einzelnen Mächte den Vertrag offiziell über- Haupt noch«cht, er muß Kmächst van der Rexarationskom- miffion anerkannt werden. Vermutlich dürften sich aber zu- nächst Belgien, Italien und Serbien an dem Ab- kommen beteiligen. Vier Fälle sind vorgesehen, in denen von den Vertrag- schließenden Einspruch erhoben werden kann gegen einen Geschäftsabschluß: 1. wenn es sich um ein Scheingeschäft hau- delr, 2. wenn der Geschäftsvertrag dem Gesamtabkommen widerspricht, 3. wenn von der deutschen Außenhandelsstelle die Ausfuhr verweigert wird und 4. wenn die Ausfuhr noch nicht verteilt ist. Für die Ausfuhrerteilung steht der Außenhandels- stelle eine Frist von insgesamt 3 Wochen zur Verfügung. Hat die Reparationskommission über diese Frist hinaus noch eine Woche auf die Entscheidung der Außenhandelsstelle gewartet, fo muß die deutsche Regierung auf Antrag über deren Kopf hinweg entscheiden. Andererseits ist die Reparationskom- Mission gebunden, nur dann gegen eine gefällte Entscheidung der Außenhandelsstelle Einspruch zu erheben, wenn diese die Ausfuhrgenehmigung auf Reparationskonto schlechter behan- delt als sonst. Im übrigen verpflichten sich die deutsche Regierung und die Reparationskommission, darüber stets zu wachen, daß die oben errechnete Quote von 150— 200 Millionen Goldmark im reien Verkehr nicht überschritten wird. Ferner verpflichten ich nach dem Vertrag die Länder zu gegenseitiger Unter- tüßung gegen Betrügereien bei Geschäftsab- chlüssen; jeder einzelne Geschäftsabschluß muß gleichfalls die Bestimmung enthalten, daß er sich im Rahmen des Abkom» mens hält. Die Verträge, die auf Grund des Abkommens zwischen deutschen Verkäufern und Käufern aus den alliierten Staaten abgeschlossen werden, werden genau so behandelt wie alle übrigen Geschäftsverträge und unterliegen ebenso wie diese den deutschen Gesetzen und Vorschriften. Waren aus dem besetzten Gebiet z. B. können auf Reparationskonto nur angerechnet werden, wenn sie die deutsche Ausfuhrkontrolle passiert haben. Waren, deren Ausfuhr verboten oder kon- tingentiert ist, dürfen nicht geliefert werden. Diese können nur im Rahmen des Friedensvertrages gefordert werden, nicht im freien Verkehr. Werden weniger Sachleistungen auf Grund dieses Ab- komniens geliefert, als die Quote an sich zuließe, so darf der Restbetrag nicht aus die Barleistungen angerechnet werden. Die Umrechnungen selbst erfolgen nach dem Stand der Kurse am Tage des Geschäftsabschlusses, danach werden z. B. die Franken in Papiermark und diese in Goldmark umgerechnet. Deutschland kann das Abkommen kündigen, wenn es nach- weist, daß ein Land den Vertrag mehrfach gebrochen hat. Da es sich bei dem Abkommen um keine Aenderung des Friedensvertrages, sondern nur um eine neue Regelung im Verfahren seiner Ausführung und Erfüllung handelt, wird es den Parlamenten der beteiligten Länder nicht vorgelegt wer- den, sondern nur als ein Abkommen zwischen der deutschen Re- gienmg und der Reparationskommission geschlossen werden. Soweit die Mitteilungen der PPR. Der Wert der deut- schen Ausfuhr im Jahre 1920 wird mit etwa 4 Milliarden Goldmark augegeben. 200 Millionen bilden nur den zwanzig- sten Teil dieser Summe. Man wird also die Bedeutung dieses neuen Experiments, das zunächst bis zum 30. April 1923 dauern soll, nicht überschätzen dürfen. Wichtiger ist das Wiesbadener Abkommen, wichtiger ist die Frage, wie die 720 Millionen Goldmark für das laufende Jahr aufgebracht werden sollen. Wichtiger wäre noch mancher- lei anderes, z. B. die Frage, welcher wirtschaftliche Schaden nicht nur Deutschland, sondern der ganzen Welt durch den ewigen Wechsel und die ewige Unsicherheit der Finanzpläne zugefügt wird. Das soll natürlich kein Vor- wurf gegen diejenigen sein, die sich um das Zustandekommen des neuen Abkommens bemüht haben. Der Marsch durch das Sumpfgelände der Provisorien muß eben fortgesetzt werden, bis der solide Boden eines ausführbaren Definitivums erreicht ist. Und da das neue Abkommen dem Wahnsinn der phan- tastischen Barzahlungen durch das nüchternere System der Sachleistungen zu Leibe geht, darf man es wenigstens als einen Schritt in der richtigen Richtung betrachten. Zwischen 1800 unö 2000. Konzertumfchau von Kurt Singer. Wir schreiben das Jahr 192Z, die Musikrevolutionäre vom hohen Flug der Schönberg und Bufoni 2000, das unverbildete Volk und das arg oerbildete, auf Staub und Tradition stolze Publikum der .Philharmonie, der Staatsopernkonzerte, schreibt 1822. Kenne sich in diesem Rätsel innerer, bedeutsamer Zahlen aus, wer kann. Der Kompromiß in der Mitte scheint nicht der schlechteste Ausweg. Wenn heute Bufonis klcmgarme, ätherleichte, philosophisch zerstückelte Faust-Musik neben Haydn und Schubert gestellt wird, so muß dieser ungewohnte Geist die Menschen von heute entgeistern. Zugegeben: Dieses Greisenstück ist dürr, seelenlos, matt. Aber totschweigen ist vornehmer und besser als totzischen; besonders wenn es sich um scheinbar leblose Gebilde handelt. Wer weiß, wie es Brahms oder Schubert im Jahre 2000 ergehen wird? Schon heute ist Tausenden «ine Lamentation Palestrinas glattes Mißbehagen. Hören wir auch ruhig Schönbergs llls-moII-Quartett an; nicht die Noten, die schauderhaft klingen, in Zickzackwegen dahinlaufen, ungebunden, in sonderbarsten, dem Ohr feindlichen Ausbiegungen, Anprallungen, Verpfuschtheiten landläufiger Harmonien. Irgend etwas an diesem Werk, über ihm schwebend, in den Zwischenräumen raunend, ist neues Melos, noch unergründet und noch nicht ohne Bewußtheit klingend, aber vorausschauende Revolution, krampfendes Leben. „Ein Funken vom heiligen Feuer", ein„Dröhnen nur der heiligen Stimme"(George). Vielleicht auch das nicht einmal. Ein Rufer heiligster Gesinnung aber, umhaucht von der Lust anderer, kühlerer Planeten, wirft uns das Wort hin. Das L a m b i n o n> Quartett spricht es mit Inbrunst nach, und Nora P i s l i n g gibt der Litanei, der Cntrllckung die außerordentliche Einfühlungskraft einer erlebnis- starten Stimnie. Und der„Melos"-Vereinigung darf man Dank sagen für den Eifer ihrer Propaganda in Musikdingen des 21. Jahr- Hunderts. In jedem Jahrhundert wird oder würde man die Tänze zum „Artemis"°Drama des Kopenhagener Louis G l a ß zur überflüssigen Gelegenheitsmusit rechnen. Schnedler-Petersen, ein ruhi- ger, nur sachlicher, unpersönlicher Dirigent, bringt das knallige und im Tanz französifierende Stück aus seiner Heimat hierher und streicht landsmännischen Beifall ein. Tossy Spiwakowsky hat mit Tschaikowskns Violinkonzert hinterher eigentlich leichten Stand. Da singt doch einer Melodie, wenn auch nicht gewählteste, da schreibt «iner Lyrik und virtuosen Schmiß. Der junge Tossy ist ein technisches Phänomen: doch muß die ungeheure Fixigkeit der Läufe und Griffe Seele und Adel des Tons dämpfen. Es bleibt ein Beben, ein leid- »olles Vibrato haften, das von Knechtschaft, Ghetto, von Blut und Entsagung spricht. Freier, großer Ton strömt aus F l e s ch s Meister- geige, die ein kunstvoll, wechselvoll, stets ansprechend tätiger Bogen dirigiert. Leider ist in diesem Rondo capricioso Saint-Saöns' keine Note französisch nachgelebt, Eleganz und Grazie ist durch deutsche Echwerblütigkeit, exakte Gewissenhaftigkeit ersetzt. O, könnte Isay« das kapriziös« Spiel»ach einmal hergebe»! Svsa»»« g j& ei» Re» General v. watter gegen üea �vorwärts". Gestern mittag wurde vor dem Schöffengericht in Moabit über die Beleidigungsklage des Generalleutnants a. D. v. W a t t e r gegen den verantwortlichen Redakteur des„Vorwärts", Genössen Victor Schiff, zum ersten Male verhandelt. Wie erinnerlich, hatte im Anschluß an einen Bericht unseres Blattes über den„Frontkämpfertag" im Stadion der General von Watter gegen die auf ihn angewandte Bezeichnung„Rechtsbolsche- wist" protestiert. Sein Brief wurde unter der Ueberschrift„Ist er dumm oder tut er nur so?", Ende August 1021 im„Vorwärts" ab- gedruckt, wobei unter Hinweis auf eine von der badischen Staats- regierung aufgedeckte Verschwörerfltzung in Karlsruhe und aus die höchst zweideutige Haltung Watters in den ersten Tagen des Kapp-Putsches als Reichswehrbrigadekommandeur in Münster eine Zurücknahme der Bezeichnung„Rechtsbolschewist" abgelehnt wurde. Der Rechtsbeistand des Generals, Dr. Alsberg, forderte daraufhin unseren Redakteur auf, diese Beschuldigungen zurückzu- nehmen, was jedoch abgelehnt wurde. Eine entsprechend«„Ve- richtigung" Watters fand lediglich aus preßgesetzlichen Gründen in unserem Blatte Aufnahme. In der gestrigen Verhandlung, unter dem Vorsitz des Amts- gerichtsrates H o f f h e i n z wurde von dem Angeklagten unter Ablehnung eines Vergleiches auf der Durchführung der Beweis- aufnähme bestanden. Es handelte sich demnach zunächst um eine Beschränkung der Zahl der von den beiden Parteien genannten Zeugen. Der Kläger v. Watter, der nicht anwesend und durch den R.-A. Peschke vertreten war, hat namentlich eine ganze Anzahl von höheren Offizieren als Zeugen genannt, darunter General K a b i s ch, Oberstleutnant v. Unruh, Major v. L u tz o w u. a., die seine Verfasiungstreue während des Kapp-Putsches bzw. die Harmlosigkeit jener Karlsruher Geheimsitzung bekunden sollen. Der Angeklagte, dem die Rechtsanwälte Dr. H o r o w i tz- Berlin und Genosse Dr. Alwin S a e n g e r-München zur Seite stehen, bestand u. a. auf Ladung des preußischen Ministers, Genossen Severins, der Landtagsabgeorkneten Hufe mann und Klupsch, des Reichstagsabgeordneten Otto Braß und weiterer an den Vor- gängen im Ruhrreoier beteiligter Arbeiterführer, sowie ebenfalls des Majors a. D. v. L ü tz o w. Einige im Ruhrgebiet ansässige Zeugen werden kommissarisch vernommen werden, andere werden dagegen persönlich zur Haupt- Verhandlung erscheinen müssen. Der Termin wurde daraufhin vertagt. Konflikt im Neichswaflerflraßenbeirat. Die Arbeiter sollen ausgeschaltet werden. Die in den letzten Tagen des Februar stattgefundene Sitzung des 24. Ausschusses des Reichswasserstraßenbeirates befaßte sich mit den bereits eingereichten 60 Anträgen zum Entwurf„Bildung von Reichswasserstraßenbeiräten". Die Reichsverfassung verlangt neben der Ueberführung der R e i ch s w a s s e r st r a ß e n auf das Reich ebenfalls die Bildung von Reichswasserstraßenbeiräten. und zwar für die verschiedenen Bezirke je einen Bezirks beirat, so- wie für alle insgesamt einen Reichswasserstraßenbeirat. Der 24. Aus- schuß beschloß für 8 Bezirke, nach den Stromläufen, je einen Be- zirksbeirat zu bilden. Der Bezirkswasserstraßenbeirat soll nach 8 3 der Verordnung die Aufgabe erfüllen, in wichtigen Fragen, die die Verwaltung, Unterhaltung und den Aufbau sowie den Verkehr der vorhandenen und geplanten Wasserstraßen seines Bezirks berühren, Gutachten abzugeben. Die Zusammensetzung des Bezirks- sowie des Reichswasserstraßenbeirats besteht aus dem Vorsitzenden und seinem Stellvertreter, die vom Reichsverkehrsminister für die Dauer des Hauptamtes ernannt werden,, je einem Vertreter der Reichs- eisenbahnverwaltung, sowie Mitgliedern, die als Vertreter der Schiffahrt, der Spedition sowie der offenen Häfen, der Gemeinde- verbände, des Handels, der Industrie, der Land- und Forstwirt- schaft, der Fischerei sowie der Angestellten, Beamten und Arbeiter in Frage kommen. Sie sollen durch die Berufsverbände vorge- schlagen und vom Reichsverkehrsminister ernannt werden. Ueber die Zahl der Arbeitnehmervertreter entspann ling auf dem Podium, verblüfft durch die Sicherheit ihres Auftretens, die Vollgriffigkeit ihres pianistischen Könnens. Sie möge sparsamer die Kraft, die Vollgrifsigkeit ihres pianistsschen Könnens. Sie möge sparsamer werden und sich die Crescendi nicht verlegen, das Anwoch- fen. Schwellen und Steigen(in Lifzts H-rnoII-Sonate) klüger vorbereiten und in der noch blassen, dünnen Kantilene mehr 5ierz hergeben. Die Vorbedingungen für eine große Künstlerin sind gegeben. Frau Chop-Groeneoelt zeigt, wie eine Frau alle Seiten musikuli- scher Fähigkeit, Kraft und Anmut, Glanz und Seele, Rhythmik und Gesanglichkeit in sich vereinen, aus einem Werk heraus gestalten kann. Eine Mustzierfeinheit ohne gleichen in Dindings Wagner- treuem, unpersönlichem Klavierkonzert, eine techn:sche Bravour in virtuosen Kadenzen, und über ollem eleganten Fingerwerk der Hauch einer lebendigen, liebenden Seelr Nikisch hatte das Wert für sie ausgewählt; Busch begleitete es mit einer stolzen Sicherheit, die auch seine solistische Dirigierkunst auszeichnet. Solange wir in unserer Aufnahm-tähigkeit an der Technik, dem Sinn und der Wirkung klassischer Musik erzogen sind, solange die futuristische Melodie des Jahres 2000 fromme Utopie und kleiner, unfrommer Selbstbetrug ble-bt fo'migc heißt es das Volk ohne Ex- perimente zur ewigen Sinfonie Beethovens und seiner Nachfolge hinführen. Schöner Gedanke des streöhaften Klaus P r i n g s- heim, dem Arbeiterpublikum Musik vorzusetzen, deren Essen; nicht bürgerliche Herkunft erkennen üßt, oder deren Charakter, deren Im- puls und Schwung revolutionär l't Wie lange wird er in dieser Tendenz musizieren können? Beethoven, Schubert, Wagner, Mahler — dann beginnt das Experiment, zu dem nur die reifsten Hörer— und auch die nicht immer— fähig sind. Konzert und Publikum sei eine einzige ideale Gemeinschaft, und die Hörer bestimmen sogar eventuell das Programm mit. Zweite Utopie. Man ist überrascht, wenn man„Wunsch"-Konzerte systematisch studiert. Hart neben Beethoven steht Mendelssohn, und nach der ewig wiederholten IX. Sinfonie der Wiener Walzer. Doch schadet es nichts, wenn in solcher Form noch ein neues Riesenhaus(wie das Große Schau- s p i« l h a u s) der großen, arbeitenden Menge sonntäglich erschlossen wird. Der Grundgedanke der Volksbühnen-Konzerte könnte hier eine Erweiterung erfahren. Und wenn die populären Konzert« der Philharmoniker, der Blüthner-Leute, des Charlottenburger Theaters nicht reichen für die Musikhungrigen, so sollen diese wissen, daß man im alten Zirkus der Karlstraße für wenig Geld viel Behagen und ernsthafte Anregung finden kann. Der erste Morgen der" Sonn- tag-Andachten zeigte bei Beethoven und Schubert ein gut gestimmtes Publikum, ein trefflich gestimmtes Musikanten-Enfemble. Und an: gleichen Abend in noch ernsterem Refvekt vor der Allgewalt eines Werkes erhabener alter Kunst(„Judas Makkabäus) in der Garnison- kirche Menschen, die dem Oratorienverein Stehmanns Dank wußten für eine vorbildliche Disziplinierung wuchtiger Chöre, für prächtiges Ausladen der wichtigen Soli, unter denen wiederum un- sere beste Oratoricnkraft, Lotte Leonard, stimmlich und seelenvoll hervorragte. Ihre Kollegin R e t h b e r g aber zeigte, daß eine Künst- lerin von Format auch eine Stelle wie die süß-lnrische Margarete Gounods ausfüllen, gestalten, aus sich heraus kunstvoll erhöhen kaim. Das Werk selbst aber wird im Jahre 2000 nicht mehr aus- ntn«ch»icht«ehr erfre»«». t sich eine lebhaste Debatte, da der Vertreter der Schiffahrt«md In» dustrie den Antrag der Arbeitnehmerorganisationen— je ein Drittel der zu besetzenden Sitze in den Wasserstraßenbeiräten für sich in Anspruch zu nehmen— als zu weitgehend bezeichnet«. Eine Einigung wurde bisher nicht erzielt. Vielmehr hielten die Arbeit» Nehmervertreter ihren Antrag energisch ausrecht und erklärten, weiterhin nicht mitarbeiten zu können, wenn dieser Antrag verworfen würde. Der 24. Ausschuß wurde sich weiter dahin einig, daß dem Reichswasserstraßenbeirat die Vollmacht gewährt werden muß, den Reichswasserstraßenetat im Beirat zu besprechen. Di« Konferenz vertagte sich, um in vier bis sechs Wochen in Braun- schweig oder Hannover wieder zusammenzutreten. Die Arbeit» nehmervertreter halten ihren Antrag aufrecht und sind ent- schlössen, bei Ablehnung mit allen sich daraus ergebenden Konse» quenzen jede weitere Mitarbeit abzulehnen. USp. unü Koalitionspolitik. Im Kreisverein der USP. für Groß-Dresden erklärte der sächsische Arbeitsminister R i st a u: „Er würde, wenn seine Anwesenheit im Reichstag möglich ge- wesen wäre, mit der Mehrheit gestimmt haben. Man sollte aber bei den 13 Abstinenten die Gründe für ihr Verhalten anerkennen. Diejenigen Genossen, die so schnell mit einem Todesurteil zur Hand wären, hätten noch nicht auf verantwortlichem Posten gestanden. Es wäre ein großer Schaden für die Partei, etwa gegen die 13 Genossen vorzugehen. Wahrscheinlich im Mai würde bei der Steuerberatung die Regierung Wirth gestürzt werden. Unter Umständen könnte dann auch die U S P D. eine der Regierungsparteien werden. Und wenn es dann gelte, den Kampf mit der Entente zu führen und die Schwierigkeiten im Innern gegen die bürgerlichen Parteien zu überwinden, könne die Partei leicht in die Lage kommen, auch gegen etwaig« Illn» sionen mancher Parteigenossen austreten zu müssen." Die Versammlung erklärte sich indessen gegen 5 Stimmen für die Richtung Ledebour-Crsspien. In anderen Gegenden Sachsens und Thüringens sind die USP.-Lente schon etwas klüger. Prüfung von Lanöarbeiterwohnungen. Wegen der häufigen Klagen über die schlechte gesundheitlich« und bauliche Beschaffenheit der Wohnungen und Unterkunftsgebäude für Landarbeiter und LandwirtfchaftSgesinde hat der Minister für Volkswohlfahrt angeordnet, daß künftig in den Berichten der WohnungSaufsichtsbeamten auch die Maßnahmen er» örtert werden sollen, die zur Verbesserung der WohnungSverhält» nisse der Landarbeiter getroffen worden sind. Gemeindebehörden und Wohnungsämter sollen unvermutete Besichtigungen vornehmen, um etwaige Mängel festzustellen und auf ihre Be» seitigung hinzuwirken. Gegebenenfalls sollen dabei auch die Kreis- Wohlfahrtsämter mitwirken, wobei die Hinzuziehung der Kreisärzte zweckmäßig sein dürfte._ Die Gelöer ües alten Heeres. Die Banken, Sparkassen usw. sind auf Grund des Gesetze? Bs» treffend die Verpflichtung zur Auskunft über militärfiskalische Gelder vom 26. Oktober 1921 auf Aufforderung des Reichsfinanzminifterz verpflichtet, ihm über die bei ihnen bestehenden oder seit dem 1. April 1914 vorhanden gewesenen Guthaben militärischer D i e n st st e l l e n deS alten HeereS, der alten Marine, der alten Heeres- und Marineverwaltung sowie sonstiger aufgelöster HeereS» und Marineteile jede mündliche oder schriftliche Auskunft zu geben und Kontoabschriften zu liefern.— Der Reichs finanzminister hat diese seine Befugnisse den LandeSsinanzämtern übertragen. Der Fall Smeeks. Die Verhandlungen gegen den rheini» schen Sonderbündler Smeets haben gestern vor der 3. Strafkammer in Köln begonnen. Die Verhandlungen dauerten den ganzen Tag. Smeets erklärte, es habe ihm ferngelegen, durch die Wiedergabe des Artikels den Reichspräsidenten beleidigen zu wollen, da das im Widerspruch zu seiner Politik stehe, eine Lösung der Rheinlandstage auf friedlichem Wege durch einen internatio- nalen Vertrag herbeizuführen. Der Prozeß wurde aus Freitag vertagt. Fortschritte der drahtlosen Telegraphie. Der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie ist es gelungen, mit räumlich sehr kleinen transportablen Empfangseinrichtungen die Funksprüche selbst solcher Stationen aufzunehmen, die mehr als 19 000 Kilometer, d. h. den halben Erdumfang, entfernt sind. Demnach kann man heute an jedem Punkt der Erde alle einigermaßen stärkeren Funkstattonen abhören. Der Oberingenieur Dr. Esau war nach Buenos Aires entsandt worden, um den geeignetsten Platz zur Errichtung der Empfangsanlage für die im Bau befindliche Großstation der- selben Gesellschaft zu ermitteln. Diese argentinische transatlantische Station ist bekanntlich als Gegenstation für Nauen zum Verkehr mit Südamerika bestimmt. Es waren dazu eingehende Wissenschaft» liche Untersuchungen«rforder'ich, da es sich um zu überbrückend« Entfernungen von 12 000 Kilometer(Nauen— Buenos Aires) han» delt, und zwar in einem Lande, in dem bisher der funkentelegr» phische Empfang durch sehr starke atmosphärische Strömungen beein» trächtigt war. Dr. Esau, der soeben wieder nach Berlin zurück- gekehrt ist, hat den geeigneten Ort für die Empfangsanlage in der Umgebung von Buenos Aires gefunden, und ist dieser Störungen vermittelst Rahmenantenne völlig Herr geworden, so daß schon jetzt ein allerdings einseitiger Verkehr von Nauen nach Ar- g e n t i n i e n möglich ist. Bei dieser Gelegenheit gelang es auch zum erstenmal, die Zeichen einer nicht übermäßig starken jopa- nischen Station(Antipodenstation zu Buenos Aires!) über zwei ver- schieden« Kurse aufzunehmen. Der erste Kurs führt über den Stillen Ozean, fast ausschließlich über Wasser, der zweite erst über den Atlantischen Ozean, dann aber fast ausschließlich über die Kontinente Afrika und Asien. Aus letzterem Wege werden die Telegraphierzeichen im Vergleich zu den über den Sttllen Ozean außerordentlich viel mehr geschwächt, so daß die Laufftärke in Ar- genttnien bei gleicher Weglänge über den Atlantik nur etwa den hundertsten Teil derjenigen über den Pazifik beträgt. Ferne? konnten alle die interessanten funkentelegraphischen Erscheinungen täglich studiert werden, die beim Empfang funkentelegraphischer Zeichen sonst nur bei Gelegenheit der seltenen Sonnenfinsternisse beobachtet werden. Auch weitere, für die Meteorologie wertvoll« Ergebnisse sind gezeitigt worden. Lloyd George und die Kabarettisten de» Montmartre. Der englische Premierminister ist seit einiger Z«it die Hauptzielscheibe des Spottes und Hohns, den die Komiker der Pariser Variete» und Kabaretts über der französischen Volksmeinung mißliebige Persön- lichkeiten ausgießen. Man machte ihn lächerlich als einen„Clown im schottischen Röckchen" und stellte ihn sogar neben den früheren deutschen Kaiser. Der Beifall, den die gesalzenen Couplets auf Lloyd George fanden, feuerte die Satire immer mehr an, so daß schließ- tich die Pariser Polizei sich ins Mittel legte. Der Polizeipräfeft entsandte ein ganzes Heer von Aufsichtsbeamtcn nach dem Moni- martre, um zunächst einmal„den Tatbestand" festzustellen. Dos Erscheinen der Geheimdetektivs, die sich eifrig Notizen machten, brachte die Chansonniers und ihre Anhänger aber erst recht in den Harnisch. Sic improvisierten in ihren Liedern neue Strophen, in denen sie sich mit den im Saal befindlichen Svitzeln beschäftigten. So trug z. B. ein Komiker unter allgemeinem Beifall einige Verse vor, in denen er dem Präsekten den guten Rat gab, lieber etwas «ehr aus da Einbrecher auszuvaS«. die gerade j» des Rächte, Die Gftmesse. Lus Königsberg wird uns geschrieben: Wenn die Cnt- Wicklung der östlichen Verhältnisse selbst die europäische Politik stark beeinflußt, so muß das wirtschaftlich für Oft- preußen in noch stärkerem Maße der Fall sein. Das Wirtschaft- liche Erwachen Rußlands und der R a n d st a a t e n voll- zieht sich vor den Toren Ostpreußens und seiner einzigen Groß- ftadt, Königsberg. Was anderwärts erst spekulative Vetrach- tung und aus der Ferne angestellte Erwägung ist, macht hier, wo man den Dingen viel näher steht, erheblich stärkeren Eindruck. Es stellt deshalb dem Scharfblick der Männer ein gutes Zeugnis aus. die schon rechtzeitig begannen. Deutsch- lands wirtschaftliches Können der neu erwachenden östlichen Wirtschast zur Verfügung zu stellen. Dies geschah durch die in Königsberg abgelMtcnen O st m e s s e n. 1920 fand die erste statt. Die vierte wurde soeben vom 19. bis 24. Februar in den in den Jahren 1920 und 1921 errichteten Messehallen abgehalten. Die überaus stark besuchte Messe stellte der deut- schen Arbeit ein sehr günstiges Zeugnis aus. Selbstverständlich richtete sich das Hauptinteresie der Mesieveranstalter auf die östlichen Besucher und deren Ver- halten. Es sind denn auch 14 00 Einkäufer aus Litauen, Lettland und Estland gekommen. S o w j e t r u ß l a n d hat sich an der Messe nicht durch Aussteller be telligt. Dafür war eine Vertretung der Berliner Handelsvertretung Sowjetrußlands offiziell an- wesend. Bevollmächtigte dieser russischen Staatsstelle kamen zweimal öffenllich zu Worte. In beiden Fällen äußerten sie sich vorsichtig über Rußlands Stellung zu Deutschland. Trotzdem aber betonten sie Deutschlands Bedeu- tung für den Wiederaufbau Rußlands und Äußerten starke Hoffnungen für eine erfolg- reiche deutsche Beteiligung. Der Sowjetvertreter B i t t n e r nannte Deutschland bei der Begrüßung in der Stadthalle am 21. Februar das hervorragend st e LandaufdemGebietderTecbnikundderwirt- fchaftlichen Organisation. Nachdrücklich betonte er den neuen wirtschaftlichen Kurs der Sowjetregierung und die Vorteile, die er der deutschen Initiative verspricht. Auf dem Internationalen Abend der Messe, am 22. Fe- siruar, sprach im Meßpalast der Generalsekretär Pieper für die russische Handelsvertretung. Er ist übrigens Deutscher und war früher deutscher Offizier. Seine Ausführungen hoben das bereits in der Deutsch-russischen Transport- Gesellschaft, der Deutsch-russischen Metall- Verwertungsgesellschaft usw. zum Ausdruck ge- kommene Zusammenarbeiten Rußlands mit Deutschland her- vor. Rußland ist nach ihm das Land wahrhaftunbe- vrenzter Möglichkeiten und das Riesen- fchwungrad in der Maschine der Weltwirt- fch a f t. Doch ihm müsse geholfen werden, und dazu sei Deutschland in er st er Linie berufen. Rußland biete dazu durch seine Berliner Handelsvertretung die Hand. Milliardenaufträg« habe diese bereits abgeschlossen. Weim ihre Tätigkeit jetzt stark eingeschränkt sei, so liege dies auch daran, daß ihr in Berlin nicht die notwendigen Bureauräume zur Verfügung gestellt wurden. Kommunistische Klänge hörte man aus keiner der beiden Reden. Weitblickende deutsche Kaufleüte hätten nicht viel anders sprechen können. So läßt sich erwarten, daß bald starke, wirtschaftliche Beziehungen erneut Ostpreußen mit Rußland verbinden. Ein Erfolg dieser vierten Ostmesie ist bereits, daß ernste Der- Handlungen mit Königsberger Großkauf- lcuten wegen Anbahnung deutsch-russischer Geschäftsbeziehungen begonnen haben. Man darf wohl um so eher Erfolge in dieser Richtung erwarten, als auch die Mcsieleitung in ihrem Organ, dem gut geleiteten„O st- Europa-Markt", die russisckie Frage erfreulich objektiv und einsichtsvoll behandelt. In dem Leitaufsatz der reich aus- gestalteten Mesieausgabe betont Dr. Wertenberger, daß der russische Wiederaufbau nur so ermöglicht werden kann, daß reich« Ernte hielten, in denen ein solches Aufgebot der Polizisten nach den Vergnügungsstätten des Montmartre entsandt war, mn das Vaterland durch die Beschützung des guten Rufes von Lloyd George zu rettm. vi« versehte Stadt. Die Amerikaner haben oft genug die Archi- tekten und Ingenieure Europas in Staunen gesetzt durch die Leichtig- keit. mit der sie ein Haus unbeschädigt von einem Ort nach einem anderen transportieren. Jetzt haben sie auf diesem Wege einen tüch- tigen Schritt nach vorwärts getan. Man hatte festgestellt, dah in H i b b i n g, einem Ort in Minnesota,«in Stadtviertel auf »inem Gelände stand, das in der Tiefe reiche Lager wertvollen Erzes barg. Um diese Erzlager zu erschließen, wäre es notwendig gewesen, sechzehn viel- Stockwerke zählende Häuser des Viertels niederzulegen. Da dies nicht anging, beschloß man einfach, das ganze Stadtviertel, wie es stand, abzutransportieren. Die Mauern jedes Hauses wurden zu dem Zweck bis zum Fundament untergraben und mit einem sinn- reich konstruierten Gerüst, das auf Rädern beweglich war, unterbaut. Auf dieser Rädermafchine wurden dann die sechzehn Gebäude aus«in anderes Gelände übergeführt, so daß der die Erze enthaltende Grund der Trubenarbell zugänglich wurde. Fabrik und Arbeiter. Sie ist«in« Welt für sich. Deine Welt.— Ihr Rhntbmus bestimmt den Takt deines Herzens. Iyr Gesicht li«gt im Ausdruck deines Auges. Ihre Dämpfe beleben deinen Odem. Ibre Triebkräfte treiben deine Muskeln. Ihr Lärm überschreit deine Stimme. Alle deine Sinne gehören ihr. Ewig schaffend, Motor deiner Welt— oller Welt, Quelle des Reichtums ist die Fabrik. Deine Welt.—- Du aber— bist arm. _ DL Todenhage«. «mB ArleferM spricht lhrifche Dichtungen von Richard Dehmel Heute abend?'/, Uhr in der Arbeiter. Kunstausstellung, «eterSbiuger Str. 3S.— Sonntag, den 5.. abends 7'/. Uhr. in der S t a d t h a I l e Klosteritr. 47— SS. 43. DortrasSabend: Ernste und «eitere Dichtungen. Volk i lieber, gestingen vom Quartett der B. L., Sprechchor. Eiur Zvirderholiing de« erste» BolkK-Sinfouiekonzertc« im SroSen?�ai!'oielbaus findet Sonntag, den S., ltst, Uhr vormittag« fielt. Progiamm: Beetboven, Samoiit-Ouveriure und Violiu- konzert(Solist: W e 0 r g Ä u l e n l a m p I l- P o st). Schubert, C-ckur- Smionie. Dirigent: Klau» PringSheiin. In der ,»?<»»««-> findet am Sonntag, den 5., mittag« 12 Uhr, eine VorlragSmatinee stall. Olga Wojau liest aus den Werleu: Allan Poe, Heinrich Manu und Oskar Wilde. Dorojchcwitsch. der bekaimte russische Schriststeller, von de»! auch zu- «vellen in unserer Parteiprezj« f-fi-i»»" ae&a ßll� P M '— qc starben. die Gesundung des russischen Wirtschafts- körpers gefördert wird. Irgendeine künstliche Kols- nisierung müsse in jeder Hinsicht als falsch und unfruchtbar a b- gelehnt werden. So dürfte auch die jetzt abgehaltene Messe für die Oesi- nung neuer Wege nach dem weiten Riesenreich des Ostens mindestens sehr nützliche Vorarbeit geleistet haben. Ob dieses wertvollsten Zweckes müssen auch einige bei der gegenwärtigen deutschen Wirtschaftslage für die Verbraucher wenig ang?- nehme Wirkungen mit in Kauf genommen werden. Die sich drängenden Preissteigerungen haben leider die Folge, daß die Rohstoffe für die Waren, die die lebhaften Messeoerkäufe er- setzen, teurer eingekauft werden müssen als die Fertigfabrikate jetzt kosten. Das ist kein gering einzuschätzender Uebelstand. Doch dürfen wir wohl aus der baldigen Wiederanknüpfung starker russisch-deutscher Wirtschaftsbeziehungen die Hoffnung nehmen, daß dieser Uebelstand nur ein nicht mehr lange währendes Uebergangsstadium bedeutet. Preuheu» Armut veranlaßt den Handelsminister, den bisher nngehört verhallten Aufruf an das Handwerk zur Unter- stützung der Meisterkurie und Geiverbesördernnasanstalten eindnnfllicki zu wiederholen, da ibre Zukunft schwer gefährdet ist.— Man ver- gleiche mit dieser Zugeknöpftbeit die hohen Töne der rechtSparteilichcn H a n d w e r k§ r e t t e r in den Parlamenten I Der neue Flugzeugbau! Durch WTB. wird bekanntgegeben: Nach der Note der Botschafterkonferenz vom 1. Februar 1l>S2 kaiin nach Ablauf der Frist von drei Monaten, daS heißt vom 5. Mai 1922 ab, mit der Wiederaufnahme der Herstellung sowie der AuS- und Einfuhr von Zivil-Luflfahrzeuggerät gerechnet werden. Alle in Betracht kommenden Firmen werden nochmals ein- dringlich darauf hingewiesen, daß eine etwaige Au'nahme des Baues usw. von Lustfabrgerät vor dem S. Mai 1922 nicht nur gegen daS Gesetz vom 9. Juli 1921 verstößt und die darin vor- gesehenen Strafen nach sich zieht, sondern daß angesichts der un- berechenbaren Tragweite damit zu rechnen ist, daß die durch eine weitere Aufrechlerhaltung des Bauverbots entstehenden Schäden gegen den Verursacher geltend gemacht werden können. Ein Schach, ug Lloyd Georges?„Daily Telegraph" meldet, daß Lloyd George an Chamberlain, den Führer der Unionisten(Konfer- vatlven), ein Schreiben gerichtet habe, aus dem hervorgeht, daß er sich infolge der ständig wachsenden Opposition mit Rücktritts- g�e d a n k e n trage. In einem Leitartikel bemerkt das Blatt zu dem schreiben, ein Rücktritt Lloyd Georges müßte ein unionistisches Ko- binett zur Folge haben, dem die Aufgabe zufiele, die N e u w a h l e n durchzuführen. Bei diesen Neuwahlen drohe aber die radikale Linke mit der Arbeiterpartei an der Spitze einen großen Sieg davonzutragen. Dieses Schreckgespenst an die Wand zu malen und auf diese Weise die alte Regierungskoalition noch einmal zusammen- zuschmeißen, ist wahrscheinlich der Hauptzweck des Manövers Vor kriegsplan öes Srankapttals. Im nachstehenden veröffentlichen wir den Bericht über eine streng vertrauliche Sitzung, die der Große Ausschuß des Brauer blindes am 14. Oktober 1921 im Hotel Adlon abhielt. Die Art und Weife, wie das Braukapital im Interesse seines Prosits die Volks- gestmdhelt zu untergraben versucht, macht jeden Kommentar über- flüssig. Sie spricht für sich selbst. Es waren in dieser Sitzung die führenden Persönlichkeiten der gesamten deutschen Brauindustrie vertreten. Man war streng darauf bedacht, daß kein Unberufener anwesend war. Die meisten Reden und Debatten winden als streng vertraulich behandelt, und der Versammlungsleiter, Präsident Funke, bat wiederholt, vorder Hand ja alle besprochenen Punkte aus taktischen Gründen geheim zu halten. Der größte Teil der Besprechungen, Anträge und Aus- spräche galt der Abwehr der Ansialkoholbewegung. Man konnte aus den Vorträgen, aus die weiter unten noch näher eingegangen wird, immer wieder den Klageto» hören, immer wieder Ratlosigkeit und Beklemmung über die jetzige Wirt- schaftslage in der Brauindustrie feststellen. Es sei höchste Zeit, um in zwölfter Stunde den Abstinenten das Wasser abzugraben. Dar- um gelte es jetzt ganz energisch die Zügel der Organisierung eines Abwehrbundes gegen die Ansialkoholiter in die Hand zu nehmen. Die Steuerlast und das ständige Zusetzen der Abstinenten lassen die Zukunft der Brauindustrie, trotzdem sie sich von den Wunden des Krieges langsam erHoll hat, sehr schwarz erscheinen. Daß die Brauindustrie ihre Kampfmittel gegen die Antialkoholiker auf breiteste Basis stellt und in großzügiger Weise die Gegenpropaganda einleitet, ersieht man daraus, daß sie eigens ihren Generalsekretär Dr. N e u m a n n nach Amerika entsandte, um dort die Wirkung des Alkoholocrbotes zu studieren und alle Schattenseiten dieses Gesetzes sofort für die Zwecke und Reklame der Brauindustrie nutzbar zu machen. Als erster Redner sprach Dr. K ü r y, Basel, Vizepräsident der Nationalen Vereinigung schweizerischer Prohibitionsgegner. Er führte dem Inhalte nach ungefähr folgendes aus: In der Schweiz hat sich ein„Schutzverband gegen die Uobergriffe der Abstinenz" gebildet: vorderhand erfolglos. Anfang dieses Jahres wurde»euer- dings eine„Nationale Bereinigung gegen die Alka- h o l g e g n e r" in der Schweiz gebildet. Das Bier sei in erster Linie dazu berufen, im Kampfe gegen den Alkohol eine führende Rolle zu spielen. Die Brauindustrie hat im einsetzenden Kampf gegen die Antialkoholiker, die es hauptsächlich auf die Unterdrückung des Schnapses und der sonstigen Spirituosen abgesehen hatten, mit Gewehr bei Fuß eine abwartende Stellung eingenommen, einesteils sah sie den Kampf gegen den Alkohol, der doch die Zurückdämmung des Schnapses zugunsten des Blerverbrauche» zur Folge hatte, ganz gern: sie hatte zunächst keinen Schaden von den Abstinenten, als aber die sehr rührige Abstinenzpropaqanda auch das alkoholische Bier verdammte, da galt es auf dem Sprung zu sein, und deshalb wurde in der Schweiz sofort eine Aktion der Gründung einer Abwehrstellung unternommen. Die Bedenken der Alkohol- gegncr hatten eine gewisse Berechtigung, solange es sich um ver- nünstige Mäßigkeitsbestrcl'ungcn handelte: aber man kann heute von einer vernünftigen Mähigkeitsbestrebung nicht mehr sprechen. Jetzt gibt es in dieser Beziehung nur mehr Fanatismus. Die Bewegung gegen das alkoholische Bier ist in allen Ländern in großem Stile in Angriff genommen worden. Uns scheint es not- wendig, mit einer internationalen Gegenwehr einzusetzen. Das setzt voraus, daß in de» einzelnen Ländern eine nationale Ein- h« i t s f r o n t geschassen wird, wo die Interessenten mit aller Macht gegen die Machenschaften der Alkoholfanotiker, insbesondere auf dem Gebiete der Beeinflussung der Gesetze sich wehren müssen. Der Schweizerische Bierbrauerverbaiid hat seinen Beitritt zu der Nationalen Einheitsfront erklärt. Wir dürfen nicht sagen, gegen die Abstinenz ankämpfen zu wollen, sondern wir müssen das Pu- blikum glauben machen, daß wir nur gegen die Auswüchse der Temperenz ankämpfen. Unsere Statuten sind so abgefaßt, daß wir den Brauer- intcressenten im voraus eine U e b e r m o ch t gewähren. Wir unterscheiden nämlich zwischen Äollettivmitgliedern(Interessenten) und Einzelmitgliedern. Die Kollektivmitglieder haben nalüriich aus Grund der Höhe ihres Beitrages eine erhöhte Stimmenzahl, wodurch natürlich die Rechte der Brauindustrie ohne weiteres gewährleistet sind. Ist die nationale Einheitsfront auf diesem Wege gebildet, so tritt der Gedanke auf, auch eine lnternasionalc Einheitsfront zu gründen. Unser Verband hat bereits die Initiative ergriffen. In Frankreich wurde ebenfalls sck>cn der Anfang gemacht mit der Gründung des Somit« imernstional. Die Franzosen haben aller- dings die Zentralmächte von der Internationalen Bereinigung der Prohibitionsgegner ausgeschlossen. Schließlich hat man sich unter Führung der Schweiz auf einem Boden gesunden, der dankbar ist. Es wurde eine Einigung dahin erzielt, daß eine neue Kommission gebildet wurde. Diese Kommission ist so zusammen- geletzt, daß die n e u t r a l e n Staaten die Mehrheit haben. Die Abstinenten haben sehr viele Mitläufer aus allen Parteien und Schichten der Bevölkerung, speziell Leute, die sich mit dem Bolkswohl zu beschästigen glauben. Wir kennen Abstinenten aus Prinzip, aber auch Abstinenten, die aus Sparsamkcitsrücksichten zu diesem Dogma schwören, aber auch solche, die aus Geschäftsinteresse sich dazu bekennen. Wir müssen geschlossen gegen alle die Bünde, die uns jetzt ge-äbrlich werden, Stellung zu nebmen. Der Zweck linser-r Reise ist, Sie beute zu bitten, in Deutschland jetzt energisch die Zügel in die Hand zu nehmen, um eine Einheitssrorn zu gründen. (Großer Beifall.) Dr. Neumann, Generalsekretär der Nationalen Bereinigung » b» Vform ffifirt* tntneinhr fob» W«" gcnbcs aus: Unser Kampf gegen die Antialkoholiker wird vorderhand immer ein Abwehrkampf sein. Er darf es aber keinesfalls bleiben. Die Anwendung der notwendigen Kampfmittel hängt von den jeweiligen Tagesfragen ab. Allgemeine Schemata lassen sich hierbei nicht aufstellen. Zur Abwehr und zum Angriff stehen eine Reihe brauchbarer Mittel zur Verfügung. Vor allem die große Tagespresse kann uns gute Dienste leisten: Indirekter Verkehr mit der Presse, Interessierung der Presse für die Probleme aller Fragen, die mit der Brauindustrie irgendwie zusammenhängen, und zwar so, daß ihr der Mantel der Wissenschaft umgehängt wird. Also geschickte Ver- Neidung. Zur Erreichung dieses Zieles brauchen wir Zeit und Geld. Em Artikel, der eine Aeuherung eines Arztes, eines Volkswirtschaft- lers, eines Juristen oder sonst einer uninteressierten Persönlichkeit geschickt emflechtet, hat mehr Wirkungskraft, als wenn dies direkt von «L.%rvie m unverblümter Weise geschieht. Entweder eigene Artikel schreiben oder sonstige im Dienste des Alkoholkapikals stehende Wissenschaftler für Abfassung von Berichten in unserem Sinne zu gewinnen suchen. Notwendig ist serner die absolut individuelle Behandlung von führenden Tageszeitungen. Es muß ein eigenes Presse. b u r e a u eingerichtet werden, das die gesamten Zeitungen Deutsch. lands, naturlich in unauffälliger Weise, mit unseren Artikeln ver- sieht. Diese müssen so gefärbt sein, daß nicht einmal die inter- essierten Kreise merken, daß die Artikel im Interesse der Brauindustrie geschrieben sind. Daneben ist natürlich die Herausgabe von eigenen Zeitschriften mit populär-wissenschaftlichen Aufsätzen mit- wendig: diese Zeit- und Fachzeitschriften müssen so abgefaßt sein. daß die Menge sie auch wirklich liest und nicht bloß die interessierten Kreise. Diese Zeitungen müssen den diplomatischen Schachzug an- wenden und daher unbedingt den Standpunkt des Verbrauchers vertreten. In dieser Beziehung sind die bereits bestehenden Zeitungen „Schutz und Trutz" und„Berliner Abwehr" zu deutliche Ab. wehrblätter. Ferner dürfen die Inserate aus Fachkreisen nicht über» wiegen, weil es sonst den Anschein eines Fachblattes hat und die breite Masse die Zeitung dann nicht liest. Die Zeitungsartikel müssen die Devise der Mäßigkeit vertteten. Wir müssen, um uns in dem harten Kampfe gegen die Alkoholgegner behaupten zu können, darauf einstellen, daß wir für den Genuß, nicht aber für das„Saufen" eintreten. Heute kann nur mehr der M ä ß i g t e i t s st a n d p u n k t sich halten, be- sonders in der Zeit der Volkshygiene. Zm allgemeinen Mäßigkeit s- oolf wird der Absah von Bier sogar besser und dauernder. Darum wird es von uns klug und taktisch sein, wenn wir schon aus diesem Grunde den Müßlgkeitsaposteln die Finger reichen. Auch die Wissenschaft ist für unsere Zwecke dienstbar zu machen. Die Abstinentenuntersuchungen sind einseitig: seit sich die Kunst der Wissenschaft mit der Alkoholsrage beschäftigt, ist manche antialkohol- gegnerische Behauptung in nichts zerronnen. Solche Wissenschaft- lichen Untersuchungen kosten für uns viel Geld, wenn sie umfassend »nd exakt angestellt werden. Wir müssen eigene wissen- schastliche Untersuchungsabteilungen unterhalten: wir müssen dies tun, damit wir einen Einfluß aus die Ergebnisse ausüben können. In Zeitungsartikeln, Flugschriften, Broschüren, Postkarten, Kinos muß die gute Wirkung des Alkohols hervorgehoben werden. Insbesondere müssen wir viel mit Statistik arbeiten. Die Kreise der Sportwelt sind insbesondere zu bearbeiten. Wir.müssen wachten, Aussprüche von berühmten Sportsleuten zu erhalten, daß »ach Uebcrmüdungen der Alkohol eine günstige Wirkung auf die Belebung der Sportfreudigkeit nicht verfehlt Der Nährwert des Alkohols muß in allgemein verständliche» Worten, ins- besondere in den Blättern der Hausfrauen, erläutert werden. Der Alkohol als Heil- und Kräftigungsmittel, seine Nützlichkeit bei Herz- krankheiten usw. müssen insbesondere im Haushalt bekannt werden. Dadurch, daß der Alkohol als Träger von Heilstoffen hingestellt wird, wird er eine ganz gewaltige Zugkraft im Volke haben. Auch die Brauindustrie muß sich an der Bekämpfung der Trunk- sucht aktiv beteiligen: dann werden die Waffen den Alkoholgeqnern aus der Hand geschlagen, ohne daß sie es merken. Auch der Unter- richt über Alkoholschäden muß entsprechend in unserem Sinne in Zukunft gefärbt werden. Wir müssen insbesondere die Schulbehörden gewinnen. Nicht nur das gedruckte Wort, auch die Diskussion ist ein unent- behrliches Kampfmittel für uns. Durch sogenannte Umfragen unter Aerzten, Künstlern(Belebung der Phantasie nach Alkohol), Sports- lcuten haben wir ein weiteres Mittel für unsere Zwecke. Bekannt- lich bringt das breite Publikum einem solchen Ergebnis großes Interesse entgegen. Der Wert einer Umfrage hängt jedoch immer davon ab, wie geschickt der Fragebogen ausfällt, damit die Abfassung der Fragen die Antwort schon auf den gewünschten Weg leitet. Die Bildreklamc muß künstlerisch gehalten sein, nur dann wird sie jeder gerne ansehen. Vorbildlich sind die großen Sektfirmen. Weitere Kampfmittel sind kleine Wanderausstellungen, Geschäftsschaufensterreklame. Das letzte Kampfmittel auf nationalem Boden ist die Gründung von Vereinen aus absolut uninter- essierten Kreisen, damit dos Dolk einsieht, daß nicht bloß das Kapital der Brauindustlie im Spiele ist. In Amerika kam das Alkoholverbot nur dadurch zustande, daß man das Volk mit populären anttalkoholischen Statistiken über- fütterte. Das Alkoholverbot in Amerika wird sehr schwer wieder rückgängig zu machen sein; sorgen wir dafür, daß wir hier im alten Europa nicht in dieselben Fehler verfallen. Präsident Funke bat in Anbetracht� der Wichtigkeit dieses Or- ganisationspropramms nicht in eine Diskussion einzutreten und die Ausführungen der beiden Redner als streng vertraulich zu betrachten. Der Fachpresscausschuß werde sich im engsten Kreise über die nähere» Einzelheiten der Vorschläge z» Sicher» Hobe».---—........ GewerMoftsbewegung J\üz dem Meiereigewerbe. Tchlechre Bezahlung und überlange Arbeitszeit find Zwillings- fchwcstern: wo eine zu finden ist, ist die andere. Das gilt ganz be- sonders für die Meiereien und Käiereien. In diesen für die Volks- ernährung äusterst wichtigen Betrieben, in denen neben der Her- stellung von Butter und Käse und anderen Produkten die Molkerei- mäßige Bearbeitung der Milch, wie Abtötung der Krankheitskeim« insbesondere der Tuberkelbazillen, Reinigung, Kühlung usw. vorgc- nommen wird, herrschen Arbeitsverhältnisse, wie sie wohl nirgends mehr zu finden find. Die Ursachen sind darin zu suchen, daß etwa SV Proz. alle? Betriebe Kleinbetriebe find, die weniger als fünf Arbeitnehmer beschäftigen. Dazu kommt, daß der allergrößte Teil auf dem Lande ist. Das Kost- und Logis wesen steht in vollster Blüte. Diese Umstände werden von den Arbeit- gebern, den Molkereigenossenschaften und Molkerei- bzw. Käserei- besifreni nach Kräften dazu benußt, das Arbreitsverhöltnis in ihrem Sinne zu„regeln". So haben sich hier Zustände herausgebildet, die unhaltbar find. Bei einem Streik von«inigen Stunden, der in der beißen Jahreszeit in einein Bezirk durchgeführt wird, würden Hunderttausende von Litern Milch verderben. In Friedenzzeiten betrug das Gehalt eines Meiereigehilsen bei freier Station 40 M. den Monat. Nach dem hessischen Tarisoertrag, der von den Arbeitgebern gemeinsam mit dem von ihnen geschaffenen Arbeitnehmerverband abgeschlossen ist, wurde ein Monatsgehalt von lSO M. vereinbart, bei einer täglichen Arbeitszeit von 9� Stunden: wobei zu berücksichtigen ist, daß auch Sonntags gearbeitet wird und die betreffenden Arbeitnehmer das ganze Jahr hindurch leinen freien Tag haben. Dieser Lohntarif wurde vom Reichsarbeits- m i n i st e r i u m für allgemein rechtsver bindlich er- klärt. Der Lohn ist hier 3"imal so hoch wie in Fnedenszeilen. Der Butterprcis dagegen, der in Friedenszeitcn 1,20—1,60 M. betrug, steht heute auf über SO M. pro Pfund, was etwa einer 3 S f a ch e n Steigerung entspricht. Dabei ist der Fettgehalt aller dieser Produkte ein viel niedrigerer als in Friedenszeiten. Während z. B. früher in den meisten Meiereien der Wasiergehalt der Butter 12— 14 Proz. betrug, enthält die Butter heute durch entsprechende „Behandlung" 15— 18 Proz. und sehr oft noch mehr. Das bedeutet, daß die Meierei statt der entsprechenden Menge Butter pro 100 Pfund drei Pfund Wasser liefert, was ihr bei den heutigen Preisen ISO extra einbringt. In vielen Betrieben wird 14 bis 16 Stunden täglich gearbeitet. Die Herren Meierei- und Käsereibesißer sind aber auch sonst sehr produktiv. Auf der letzten Verbandstagung im August v. I. haben sie, um die städtischen Verbraucher darüber„aufzuklären", ivarum die Preise für Milch und Produkt« erhöbt werden müssen, beschlossen, auf diplomatischem Wege„geeignete Artikel" in die sozia- listische Press« zu bringen. Es wurde auf dieser Tagung auch be- richtet, daß in einzelnen Landesteilen diese Methode bereits mit gutem Erfolg angewandt wird. Das fehlte noch, daß diese Arbeit- gebergruppe, die zu den borniertesten Deutschlands gehört, die die freigewerkschaftliche Bewegung des Gewerbes mit allen Mitteln be- kämpft und eine gelbe Organisation unterhält, sich auch noch di« sozialistische Presse dienstbar macht. Die Untervcrbände des gelben Verbandes, der seinen Sitz in Stendal hat, erhielten von den verschiedensten Pro- vknzial-, Landes- und Bezirksfett st eilen,'dem Vieh- Handelsverband Altona usw. laut einer Aufstellung der deutschen „Milchwirtschaftlichen Zeitung", insgesamt 2260 Mark an Zuwendungen, die teils aus öffentlichen Mitteln aufgebracht sind. Die in der Auflösung begriffene Fettstelle Schleswig- Holstein schenkte den Gelben 3000 M., wovon sie nach Mitteilung an den Oberpräsidenten nicht einmal etwas weiß. Im gleichen Maße wie die Gelben gehätschelt werden, wird die freigewerkschaftliche Organisation, die Sektion der Molkerei- und Käsereiangestelllen des Verbandes der land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter zurückgesetzt. Trotz großer Arbeitslosigkeit, infolge des Rückganges der Milch- Produktion und der Lehrlingszüchterei, werden Eingaben der Organi- fation mit praktischen Vorschlägen zur Abhilfe nicht beachtet. Di« Organisation hat auch darüber Klage zu führen, daß ihr die' Erfassung ihrer Berufsangehörigen in städtischen Betrieben von anderen Gewerkschaften erschwert werde, in Berlin z. B. durch das Lohn- kartell, während man ihr die schwierige Arbeit auf dem Lande überlasse._ Schiedsspruch für die Redakteure. Auch die Redakteure der bürgerlichen Presse können die Gestaltung ihrer Existenzbedingungen nicht mehr dem mehr oder minder guten Willen der Verleger überlasten. Auch sie müsicn auf gewerkschaftlichem Weg« vorgehen, um in ihrer LebenZ- Haltung nicht allzusehr bedrängt zn werden. Der Tarifvertrag zwischen dem Verband großstädtischer ZeitungSverleger und dem Reichsverband der Deutschen Presse sab ab 1. Oktober 1921 für Vollredakieure ein Monatsgehall von 2100 M. im ersten Berufs- jabre vor. das mit jedem weiteren Berufsjahr um 100 M. bis zu 3000 M. in, 8. Jahre stieg. Seit Wochen wurden nun— wie die „Freiheit" berichtet— zwischen den beiden Organisationen über eine Aufbesserung dieser Gehälter verhandelt, jedoch kam für die Redakteure nichts dabei heraus. Die Verleger beriefen sich auf die Notlage deSZeitungsgewcrbeS, weSbalb sie die Gehälter derRcdakteure nicht in dem gleichen Verhältnis erhöhen könnten, wie die Löhne des technischen Personals. In den großen Zeitungen Werde überdies fast durchweg weit über Tarif gezahlt. Dir Bezirksverband des Reichsverbands der Deutschen Presie rief den S ch l i ch t n n g S a u s s ch u h zur Fällung eines SchiedS- spruchs an. Bei den Verhandlungen am Montag forderten die Vertreter der Redakteure 4200 bis 6700 Mark im Monat, die Vcr- trctcr der Verleger wollten dagegen nur 20 Proz. auf die bisherigen Sätze zulegen. In langwierigen Verhandlungen wurde festgestellt, daß für da» Kilo ZeitungZpapier jetzt 8,25 M. und vom 1. April ab voraussichtlich 11 Mark, gegen 20 Pfennig im Frieden gezahlt werden müsien. daß sich also die Ausgaben dafür ebenso wie für all« anderen Materiallen auf baS vierzig- BIS Fünfzigfache erhöht haben. Die Gehälter der"Redakteurs sind demgegenüber nur auf das Siebenfache des Friedensstandes gestiegen. Der unparteiische Vorsitzende machte einen Vermitt- lungSvorschlag, der einer Zulage von etwa STl/2 Proz. entsprach. Das wurde von den Vertretern der Redakteure a b g e- lehnt. Darauf fällte der SchlichtungSauSschauß nach etwa S'/zstündiger Verhandlung einen Schiedsspruch, der eine etwa 40prozentige Verbesserung der Gehälter bringt. Sie sollen danach für Februar und März mit 8000 M. beginnen, mit jedem Berufsjahr um 200 M. steigen und in 8 Berufsjahre» mit 4400 M. die Höchstgrenze erreichen. Für Hilfsredakteure werden SPD. SWW B0II9 »catstha SiauvertaefeBmnfosk.«rwlche l Buiwt O-ü« nü Fette.(SruppenQersorün'Iunz am Freitag dtrtb 7 Uhr im 2oW von Prasser, Michaeltirchstraize 29a, für alle in den Mincraldl- und Fett- arohhalidelsbetrieden beschäftigten gewerblichen Arbeiter.— Lettion X. Branche Sinlassicrcr und NassenboLen. Am Freitag abend 8 Uhr findet bei Müller, Etrolauer Etr. S3. ein« Versammlung sämtlicher Kaisen, und Bureau- böte» aus dem Eiscngrohhandcl slait. Tagesordnung:„Ltellungnahme gum An- gebot der Arbeitgeber für die Februar- und Märzgehältrr. Mitgliedsbuch mitdringen. zentralverband der Maschinisten und Heizer. Freitag abend 6 Uhr Neu« Philharmonie. Köpenicker Str. 97— SS, allgemeine Funktionärversammlung. Stellungnahme zur lä. Zirdustriegruppe. Jeder dienilfrei« Kollege muh er. scheine!!._____ Die Ortoverwaltung. Hrsß-Serliner Parteinachrichten. Bezirksvorstand. Die nächske Sitzung findet Sonnabend, den 4. März, nachmittags S Uhr, im Sekretariak, Lindenstr. Z, statt. Sharlottcndurg. mit der Tagesordnung: Reichspolltlk � Genua Streiks heuke Donnerstag, den 2. März: lö. kreis. NIederschöuewcide. Oberschöneweide und Zohanuiethal: 7 Uhr, in Ttlederschönewelde, Restaurant„Loreiey". Referent: Rclchslagspräsident Löbe. Gehälter von 2400 bis 2800 M., für Redaktionsalsistenten von 1600 bis 2000 M. festgesetzt. Auch die Honorar« für Einzelbeiträge, für Bersammlung-sberichlc. Kritiken und Sonntagsdienst wurden ent- sprechend erhöht. Alle diese Gehälter und Honorare gelten nur als Mindestgehälter. Vom I.April ab werden sie aufs neue geregelt. Fachkurse des Mctallarbeiter-Berbandes. Mathematik. Der erste Kursus hat bereits am 27. Februar begonnen. Da die Mitglieder starkes Interesse für dieses überaus wichtige Gebiet zeigen, wird ein Parallelkursns eingerichtet. Der Lehrgang gilt als Vorkursus für Maschinenbau, Materialkunde. Konstruktionslehre, Kalkulation, für Gießerei und Hiiitenkunde und tür Feinmewanik. Er beginnt mit der allge», einen Zahlenlehre und soll di« Hörer bis zur Kenntnis der Raumkehre, Mechanik und FestigkeitSIebre fördern. Unterrichtstag: Montags von 8 bis 10 Uhr im Sophien-Lyzeum, Weinmeisterftr. 16/17. Vorkalkulatioy im Maschinenbau. Insbesondere für Dreher, Fräser. Hobler bestimmt. Der erste Kursus beginnt Freitag, den 10. März, abends 8 Uhr. im Sophien-Lyzeum, Wein- meisterstr. 16/17. Auch hier soll ein ParalleltursuS eingerichtet werden. Unterrichtstag: Freitags von 6—3 Uhr. Gießerei- und Hüttenkunde. Für diesen Kursus sind noch Hörerkarten erhältltch. Unterrichtstag: Montags von 8—10 Uhr im Sophien-Lyzeum, Weinmeisterftr. 16—17. Die Fachkiirse sind für die Dauer eines halben bis dreiviertel Jahres vorgesehen. Der HörerbeUrag beträgt pro Doppelstunde 3 M. und wird jeweils für 10 Doppelstunden im vorons erhoben. Für arbeitslose Metallarbeirer ist die Teilnahme n n e» t- g eltlich. Hörerkarten sind erbällich: im Bureau des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Linienstr. 83 85, und im Bureau der Be- triebsrätefchule, Engelufer 24/25, 2. Hof. 1. Etage. Der Beginn der Kurse richtet sich nach der Zahl der Amnel- düngen und wird den Hörern jeweils mitgeteilt werden. Bei starkem Andrang ist die Einrichtung weiterer Kurse vorgesehen. Deutscher Metallarbeiterverband Ort-verwaltung Berlin. BetriebSräteschule der freigewerkschaftlichen BetrieBSrätc- zentrale für den Wirtschaflsbezirk Groß-Bcrlin. Zm städtischen Lohustreit hat der Magistrat, wie vorauszusehen war. in seiner gestrigen Sitzung di« Anrufung des Reichsarbeits- Ministeriums als SchtedSsteve beschlossen. Die Arbeiter haben be- reitS am Montag erklärt, daß sie den SchlichtungSauSschuß Groß- Berlin anrufen. Unseres ErachtenS könnte zunächst dessen Spruch abgewartet und dann evenil. das Reichsarbeitsministerium angerufen werden, um nicht unnütz einen Kompetenzstreit Herborzurufen. S?v.-3etneb»rSte der Buchdrucker und Schrifkgießer. Freitag 4'/, Uhr im Konferenzzimmer des BczirisverbandeS, Lindenstr. 3. 2. Hof II: Aeußerit wichtige Sitzung. Erscheinen dringend erforder- lich. Karte und Buch legitimiert. R. Hermann. Verllaer Gewerkschastskommissioa und Afa-Ortskartell. Die Fortsetzung der gemeinsamen Plenarversominlung ist am Montag, dem 6. März, abends 6 Uhr, in den Residenzfestsälen, Landsberger Str. 31. Auf der Tagesordnung steht die Aussprache über die letzten Streiks. AEG.. Vrunneustraße. Freitag, 31h Uhr, Versammlung oller SPD.-Funktionäre. Stellungnahme zur Betriebsratswahl. Mit- gliedsbuch legitimiert. Deutsche« Perkehr-bund, Abt. Zkrastsab»». Branchenversammlungin:«c. schäfi«» und Lasitraftsahrer. Donnerstag abend 7 Mir im Eewerlschoftshau-, Saal 1.— Privatkrastfahrer. Donnerstag abend 8 Uhr im Hamburger Hof, Unterbaumst«. 2.— Äraftdroschkenfahrcr. Freitag abend 7 Uhr im Sewerf. schaftshaus, Sani 1. Tagesordnung in allen drei Versammlungen: Geschäftsbericht und Neuwahl der Vrancheuleilungen und der anderen Funktionäre. Vollzählige» und pünktliches Erscheinen unbedingt notwendig. Zentraloerband de« Fleischer. Freitag 7� Uhr Pollversammlung aller in den Wurstfalirilen Groß-Berlln» beschäftigten Gesellen, Handwerker, Kutscher, Ghaukseure, Hilfsarbeiier und.arbeiicrinncn, kaufmännischen Angestellten und Pcrtduferiiinen in Voekers Festsälcn. Weberstr. 17. Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter Deutschland». Album-, Mappe», und Galantcriebranche. Freitag abend 7 Uhr bei Voeker, Weber- llrahe V, gemeinsame Versammlung mit dem Verband der Laitlrr und Porte- fcuiller. Berichterstattung über die Verhandlungen in Frankfurt a. M. Boll- zähliges Erscheinen erwartet die Branchrilkeitung. tionärlonscccnz im Lchiller-Realgymnafiuw, Schill «reis, kkreuzbcrg. Freitag, den 3. März, 71* Uhr, «orstandssigung bri Reim. Urbavstr. 29. Donnerstag, den 2. März, 7�» Uhr, Fvuk- ~~'" Schillerstr. 28. crweitrrt« Ärei»- Kreis. Tiergarlen. Freitag, den 8. März, 7 Uhr, Kreizpvrstvvd»- fitznng bei Trümper, Flcnsburgcr Str. 2. Ii. Krci». Neukölln. Freitag, den Z. März, 7 Uhr, Abtellung»lciterin. nensihung im Sekretariat, Zägerstr. 6«. Tagesordnung: Wahl der «rcisleitcri». Agitation. Sämtliche Adieilungen müsse» verirrte» sein.. 3. Krci». Seddins. Freitag, den 3. Mar,. 7 Uhr, hei K-rfi», Pa-J- strafte 80, Vorstandzsiftnng mit den Abteilungsleitnugen. l. Sinsührungoadend in die tommunalc Arbeit für die weiblichen Stadt- und Vczirksvrrordnctcn und Bürgcrdeputierrcn Freitag, de» 3. März, 7 Uhr, im Diftungssaal de» Bezirksverbande». Lindenstr. 3, 2. Hos link», 2 Treppen. Vortrag de» Genossen Poul Hirsch, Staat»mi»ister a. D., über„Staat und Kommune". l7. Krei». Lichtenberg. Die in der legten Krei»»»rstand»flgung de- schlössen- Kreiivertreteroersammlung findet am Mittwoch, de« 22. März, 7 Uhr. in der«via der Schul« Marktstr. ll statt. Thema: „Unsere Iungsozialisten und die Jugendbewegung". Di- Delegierten I I.!tö> sind zum nächsten Zahlabcnd zu wählen. 133. Abt. Buitho!,. Freitag, den 3. Marz. 7'� Uhr. Ssfintlich««er. sammlnng der sozialistischen Parteien bri Kaehn«, Brrliner Btr. 39. Thema:„Der Kamps um die Gcmcinschastzschulc". Res. Genosse Erwin Marquardt. heute, Donnersiag. den 2. März: 1k. Abt. 8 Uhr bei Berger, Leveftow 28. Abt. 7 Uhr bei Wichman::. Weih näre und Vetriedsvertraucnslrute. Kahl...___._ Zungsozialtstcu. Gruppe Süden. 7�-! Uhr bei Fr. Prof. Hernmann, Aug»- burger ötr. 34, Lcscabend:„Hamlet".— Gruppe Britz. VA Uhr Iungsozialisten und Arbeiterjugend deo 14. Kreile» im Jugendheim. Ehaunce- snajjc 48, Hebung der„Erlösung" von Schänlank.— Gruppe Neukölln. Vi Uhr Jugendheim Nogatstr. 53, Vortragoabend.— Gruppe Treptow. 7IH Uhr Jugendheim Elsen str. 3, Vortragsabend.— Snlpp« Friedrichehain. Vi Uhr Eemeindefchule Etraßmannstr. 8, Vortrog über:„Sozialist:: che und bürgerliche Jugendbewegung". Ref. Otto Bach.— Gruppe Fnedrlchohag VA Uhr Jugendheim Scharnwrberstrafte, Vortragsabend. »gen. ZNorgen, Arcikag. den 3. ZNärz: 3. Abt. 7 Uhr wichtige Sitzung der BezirlssMirer, B-tricd»vertrau«n»leut« und Eliernbeiräle im llolal Krüg-r. Engelufer 23. Da» pünktliche Erscheinen aller Funktionäre ist erforderlich. 23. Abt. V/i Uhr Funktionärsltzung lB-triebs. und Beomtenueri rauen»kell 1- und Elternbeiräte müssen auch erscheinen) in der Schul aula Schön Häuser Allee lbvo. Pünktliche» Erscheinen dringenö erwünscht. 34. Abt. 318., 319., 320., 324.. 323., 320. und 327. Bezirk 8 Uhr bei Hees-. Memeler Str. 83. Zahlabcnd. Erscheinen Pflicht. Tagesordnung: 1..�-it, genössische Betrachtungen". Ref. Mcger. 2. Diokuffio». 3. Vorfchtedeneo. 37. Abt. VA Uhr Sitzung sämtlicher'Funktionäre und Betriedaverlrauens- leut« bei Meisser, Hausburastr. 2. Schönederg. 78. Abt. 7 Uhr Vorstandssitznng bei Kapitzkc, Ebersftr. 38. Um 8 Uhr dort erweiterte Vorstandrsitzung, zu der olle Funktionäre und Be. trUdsoertrauensIcute erscheinen müssen. Wichtig« Tagesordnung. Strafte 29, Gleickzertig dort Funkliopärsitzuti«.. Achtung, Eisenbahner! Freitag, den 3, März, 8 Uhr. in der Sophienschu:«. Deinmeifterftr. 18—17 lVcrsammIimgsraum wird an der schwarzen Tafel bekanntgegeben) wichtige Besprechung aller im DEV. organisierten Eisenbahner, die auf dem Boden der SPD. stehen. ?ugenüveransta!tungen. Verein«rdeitrr-Iugeud Graft, Berlin, SD. 8», Lindenstr. 3, 2. Hof, 3 Top. Telephon Mvritzplatz>21 08—121 10. Mkgllederversammlungen am Donverslag, den 2. März: Falkenbcrg. Jugendheim Banbuds Sartenstadlstrafte.— Neulölln-Ror». Jugendheim Münchener Srr. 32, Vortrag:„Kuirstentwiltlung in Deutschland". — Nicdelschöneweidc. Jugendheim Eemeindefchule Berliner Strafte.— Ziordcv. Jugendheim Gemeindcschule Pntduser Str. 8—5.— Stealover Viertel. Jugendheim Gemeindeschule Naglerstr. 3.— Schönhauser Vvrstadt l. Jugendheim Semeindeschule Eonnendurger Str. 20.— Lüden. Jugendheim Gemeindeschule Stallschreiberstr. 54,— Reicheuderger Viertel. Jugendheim Gemeinde- schule Glogauer Strafte. « Eine Konsrronz der vbiellungororfitzeuben findet am Sonnabent. den 4. h. R.. im Jugendheim, Lindenstr. 3. 2. Hof, 3 Treppen, statt. AU« Abte» lunasvorsitzendcn müssen wegen der wichtigen Tageeordnung unbedingt er- scheinen. Kuirttt haben nur die l. und 2. Aorsitzcnden: Vertretungen»erden Verantw. für den redalt. Teil: Franz KISH». Berlin. Lichtersrld«: für An- zeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag Dorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckereiu.Berlagsansialt Paul Singer u. Eo.. Berlin. Lindenstr. 3. Hierzu ein« Beilage und Unt«rhaltu»g»beil»s«„Keimwclt". anstavin- Vastillea lgtt. geschützt» zut veslnstktian der TNimd- und Tlachenhötzst besonder, bei Mm, Wmmmm, Bemoieinwug Erhältlich in den Apotheken u.Drogerien frische Landeier..... Gem. Marmelade zuckerg«� .SttlckS40 ...Pfund 5*° Leberwurst 9.50 Rindfleisch rg�nÄ15.00 Corned beef....... Piund 18.00 Rotwurst MdiTbOringJirtPId 22.00 Zervelatwurst..... Pstmd 34.00 Gefror. Kaninchen Piunj 6.00 Kaninchen�ÄTund 14.00 Grüne Heringe srndiPM 4.00 Grosse Plötzen stn-b ph 8.50 Bücklinge—__ psu-d 7 JO Weizenmehl .Pstmd 675 Auszugmehl........................... pw 7" Leipziger Strasse Alexanderplatz Frisches Fleisch KaEbsrilcken...................... 01� 1300 Kalbskeulen...................... PMd 1500 Suppenfleisch.................... 1700 Schmorfleisch«flKnoeh«........ Pi»d I800 Gehacktes............................ pi� 1500 00 Schweinenieren gM......... 8 Rinderherzen°-ir°r«............. pi-d io00 TaffeSreis................................. p�d 7ao Gebrannter Roggen..........Piund 600 Kräuterkäse......... sio» 4.25 Harzer Käse...... Piunj 14.50 Faustkäse........... Piund 15.00 Margarine......... Pfund 24.00 Rinderfett........... Piund 22.50 Möhren............. Piund 1.80 Rote Rüben......... Piund 1.25 Kohlrüben.......... Pfund 70 Pt Zitronen.............. siock 90 pj. Apfelsinen...... sm*«« 1.40« Backobst................................. Pwd 9S0 Kunsthonig..................... i-piund-pake. 6®° Nr. 703 ❖ ZH. Jahrgang Heilage ües Vorwärts Donnerstag, S.März 1922 Die Gefahrenzone öer Minderjährigen. Gefährliche Zunahme der„heimlichen Prostitution". Di» durch den Krieg gewaltsam herbeigeführte Auflösung der Familie hatte bereits, hauptsächlich durch das Fehlen der väterlichen Autorität, zahlreiche Schädigungen unserer Jugend zur Folge. Dies hat sich nach Rückkehr der Väter vielfach gebessert, aber die schwere wirtschaftliche Not des ganzen Volkes, die der„großen Zeit" folgte, verhinderte einen raschen Gesundungsprozeß und lieh die im Kriege entstandenen Schäden unter der Decke bürgerlicher Vogelstrauß- Politik weiter wuchern. Die Gefahren, die heute in der Großstadt der heranwachsenden Jugend drohen, sind, wie uns ein Besuch auf dem Jugendamt der Stadt Berlin und beim zuständigen De- zcrnat des Polizeipräsidiums lehrte, geradezu erschreckend, und er- styunlich ist auch heute noch die Indifferenz der Oeffentlichkeit gegen- über diesen Gefahren. Opfer öer öerliner Straße. In etwa 150 Berliner Lokalen hak sich ein offenes Treiben von Homosexuellen entwickelt, was dadurch möglich war, daß zwar nicht ihre Zahl, aber die der jungen Leute, die sich ihnen zur Verfügung stellen, außerordentlich zugenommen hat. Die Verführung von Knaben zwischen 12 und 14 Jahren durch Homosexuelle hat in den letzten Monaten einen solchen Umfang angenommen, daß seit Sep- tember vorigen Jahres durch Beschluß des Wohlfahrtsministeriums und des Polizeipräsidenten das Jugendamt mit zur Bekämpfung dieses Zeitübels herangezogen worden ist. Täglich werden 4 bis 5 Zungen von Kriminalslreiien ausgegriffen und im Polizeipräsidium eingeliefert. Man ist bemüht, die Knaben nicht zum Geständnis zu bringen, da sonst ihre Bestrafung gemäß Z 175, eventuell mit Gefängnis erfolgen müßte. Es ist übrigens ganz unverständlich, daß inan bei den verführten jungen Leuten die ganze Schwere des Ge- setzes anwendet, sie sind sich kauni der Größe ihrer Verfehlung so bewußt, wie ein Mädchen im gleichen Alter, bei dem im selben Falle nur der Verführer bestraft wird. Der liZesetzcsparagraph fügt zu den schweren physischen und seelischen Schäden, die solche jungen Menschen erleiden, noch den Makel der Bestrafung. Vürgerfurcht vor den,„Skandal". Typisch ist übrigens, daß es sich bei den meisten der vorliegen- den Fälle um Knaben aus sogenannten guten bürgerlichen Kreisen handelt. Ansprüche und Erfüllung halten hier nicht gleichen Schritt. Die Iungens wollen Bälle besuchen, Reisen machen, Sport treiben, Geld zur Verfügung haben, das alles ist ihnen vom Elternhaus ver- sagt, der homosexuelle Freund dagegen erfüllt ihnen jeden Wunsch. Die Summen, die solche Leute anwenden, verführen nicht nur Kin- der, sondern auch vielfach sogar Schiller der Prima und Studenten. Ganz merkwürdige Erfahrungen machen die Beamten, die es unter- nehmen, die Eltern darüber aufzuklären, in was für gefährliches Treiben ihr Sohn verwickelt ist. Zunächst stoßen sie immer auf Unglauben. Keine Familie will es wahr haben, daß aus ihrem wohlbehüteten Schöße ein Sprößling aus Abwege geraten konnte. Nur krassen Beweisen gelingt oft die lleberzeugung. und selbst dann ist man noch wenig dankbar für die Aufilärung. Die Furcht vor dem .Skandal" ist immer noch ein Merkmal des guten Bürgers. öeörohte weibliche Jugend. Sehr übel liegen auch die Dinge bei den jungen Mädchen des Berliner Westens. Der Jeannin-Prozeh hat ein grelles Licht auf das Tun und Treiben der höheren Töchter vom Kurfürstendamm ge- warfen. Den Eltern, die auch hier ganz ahnungslos sind, ist meist der Vorwurf nicht zu ersparen, daß sie die jungen Dinger zu selb- ständig handeln lassen und vor allen Dingen dem Freundeskreis ihrer Töchter zu wenig Beachtung schenken. Meist werden die jungen Damen durch irgendeine Freundin in alle verbotenen Genüsse ein- geweiht: dem Mann, der sich ihnen nähert, eine leichte Beute. Sie willen übrigens gewöhnlich sehr gut mit dem Strafgesetz Bescheid. im Gegensah zu den verführten Knaben, die ahnungslos dar- über sind, daß sie gegen das Gesetz verstoßen. Den Mädchen ist bekannt, daß der Verkehr mit solchen unter 14 Jahren mit Zuchthaus bestraft wird, wenn sie dagegen unter 16 Jahre sind, kann der Ver- sichrer nur mit Gefängnis bestraft werden. So bezeichnen sich nun die hoffnungsvollen Vierzehnjährigen selbst als„aus dem großen Staatsanwalt", die Sechzehnjährigen. als„aus dem kleinen Staatsanwalt" heraus! Fachleute nennen diese Zustände treffend„heim- liche Prostitution". Die Mädchen treibt nicht Ztot. sondern fast immer nur Geldgier oder Genußsucht dem Mann entgegen. Leider ist die Zahl der Minderjährigen unter den wirklichen Prostituierten ebenfalls erschreckend groß. Man rechnet, daß von 60000 Frauen etwa die Hälfte im jugendlichen Alter ist. Biclsach sind dies gerade junge Mädchen, die, vom Lande kommend, wähnen, daß hier niit Leichtigkeit Rtesensummen zu gewinnen wären. In kurzer Zeit endet dann ihre Existenz auf der Straße. In all solchen Fällen, falls sie dem Jugendamt bekannt werden, sucht man Hilfe zu schaffen, indem man die jungen Mädchen sofort in ihre Heimat zurückschickt. * Eine durchgreifende und wirkungsvolle Abwehr der traurigen Zustände ist wohl erst möglich, wenn die drückende Last der wirt- schaftlichen Not sich etwas bessert. Jetzt kann man nur durch schonungslose Offenheit bei Eltern und Kindern, durch Aussprachen, Vorträge, nicht aber durch schamvolles Verschweigen oder etwa durch Bestrafung eine Wandlung erstreben. Als bestes Mittel zur Verhütung sowohl wie zur Heilung all dieser großen Schäden empfehlen die maßgebenden Kenner der jugendlichen Psyche die ausgiebigste Ausübung jeder Art von Sport. Arbeit in freier Natur verdrängt schwüle Wünsche, macht müde und vor allen Dingen füllt die Zeit. Es wäre sehr zu wünschen, daß möglichst bald an allen Schulen obligatorische Sportstunden eingeführt werden. Appetit auf öie Straßenbahn. Der frühere Generaldirektor der ehemaligen„Großen Berliner", Dr. W u s s o w, hat ein Gutachten über die Sanierung der Berliner Straßenbahn abgegeben, von dem der publizistische Vertreter aller auf Auslieferung der Gemeindebetriebe an das Privatkapital ge- richteten Bestrebungen im„Berliner Tageblatt" in hohem Maße emzllckt ist. Das wäre der rechte Mann! Wenn Dr. Wusfow die Mängel schildert, läge es nahe, den Dingen auf den Grund zu gehen, zu zeigen, in welch üblem Zustand« die Stadt Berlin die Straßenbahn von der„Großen" übernehmen muhte. Das vermeidet der Sachkundige, indem er eine Trennungs- linie zieht, von den alten billigen Tarifen in einer Zeit rapider Geldentwertung spricht und von einem mangelhaften, durch die Kriegswirkungcn bedingten Zustand der Anlagen und Betriebsmittel. Die heutige Vcrwaltungsmethode sei nicht erträglich. Der Gutachter fordert die„Entpolitisicrung" der Straßenbahn, den Fortfall der Lohnzuschläge für Spät- und Sonntagsarbeit, die Urlaubsberech- nungen und die Berechnung der Arbeitszeit. Mit 650 Millionen i Mark für Erneuerung der Straßenbahn und 180 Millionen Betriebs- kapital, zusammen 830 Millionen Mark, will er die Straßenbahn ! wieder flott machen. Da aber dieses Geld nur zu beschaffen sei, wenn die führenden Kreise des Kapitalmarktes die Gewähr für eine aus- reichende Sicherung und angemessene Verzinsung des Kapitals haben wollen, müßte als Anreiz zur Geldhergabe das Unternehmen in eine selbständige Aktiengesellschaft zurückverwandelt werden. Es sei auch dann noch zweifelhast, ob durch die vorgesehenen„Reformen" eine Rentabilität zu erzielen sei, doch darauf legen die früheren lang- jährigen Nutznießer der„Großen Berliner" wohl weniger Gewicht zunächst. Die Hauptsache, daß sie die Straßenbahn erst wieder in die Hände bekommen. Die Geldbeschaffung sei natürlich schwer und das Verhalten der städtischen Arbeiter mache die Sache nicht leichter. Nur ein Trost bleibe, daß ein« Steigerung des Zweimarktarifs, der heute schon nicht mehr haltbar erscheine, sehr wohl möglich sei. Jetzt also, nachdem die Stadt unter großen Opfern eine gewisse Ordnung in den total verwahrlosten Zustand der Straßenbahn hineingebracht hat, soll sie dem Privatkapital das Unternehmen wieder ausliefern. * Das Nachrichkenaml der Stadt Berlin teilt mit: Der Verwaltungsrat der Straßenbahn bcschäfggte sich gestern nachmittag in seiner Sitzung mit den nach dem Streik durchgeführten Verkehrsumstellungen und Verkehrsver- besser ungen und stimmle sämtlichen Maßnahme» der Direktion zu. Ferner wurde angesichts der unbedingten Notwendigkeit, neues Kapital aufzunehmen, im Anschluß an die Beratung des Haus- haltsplanes für 1322 die Frage der Umwandlung der Straßenbahn in eine städtische Aktieugesell. schast näher erörtert. Ein bestimmter Beschluß in dieser Richtung wurde noch nicht gefaßt. Die dauernd starke Steigerung der Ma- terialprcise und der Löhne stellt die Straßenbahn ebenso wie dick übrigen Verkchrsuntcrnehmungen vor die Frage, den Tarif von neuem, und zwar voraussichtlich aus drei Mark zu er- höhen. Der Berliner Haushall für 1922. Auch im dritten Rechnungsjahre der Stadtgemeinde Berlin wird sich die Hoffnung des Stadtkämmerers, den Haushaltsplan recht« zeitig zum 1. April unter Dach und Fach zu bringen, nicht erfüllen. Der erste Etat des neuen Groß-Berlin kam überhaupt nicht zustande-, er war lediglich eine Zusammenstellung der Einzeihaus- Hallspläne der Gemeinden, und im vorigen Jahr wurden die Ent« würfe erst im Apri' und Mai fertiggestellt io daß die Sladi.ur« ordnetenversammlung sie erst nach ziemlich überhasteten und summa» f rischen Ausschußberatungen Im Juni verabschiedete.„Das nächste Mal soll's rascher und besser gehen" oerhieß damals auf die Vor- Haltungen der Stadtväter aller Richtungen die Finanzverwaltung der Einheitsgsmeinde. Aber die Verhältnisse, und namentlich die Verhältnisse in dem unübersichtlichen, weitgeschichteten Riesenbau der neuen Stadtgemeinde sind stärker als die besten Absichten und löblichsten Borsätze. Die Vorbereitungen fangen bei den Bezirks- ä m t e r n an, bei diesen aber sind sie sehr oerschieden weit gediehen. Fast allwöchentlich muß der Magistrat einige Bezirke um Einsendung der Voranschläge mahnen. Nach der letzten Bekanntmachung des Magistrats waren die Vorentwürfe der Bezirke erst zu etwa drei Vierteln bei der zentralen Finanzverwaltung eingegangen. Mit dem größten Teil der Entwürfe war der Bezirk W e i ß e n s e e im Rück» stände: völlig fehlten noch die Entwürfe eines Altberliner Bezirks- amts, des Bezirks K r e u z b e r g. In den zentralen Ver- waltungsdeputationen sind gegenwärtig die Haushalts- plane gleichfalls aus dem Wege der Beratung. Der Magistrat will Ende dieser Woche mit der Aufstellung des Etats beginnen. Die Stadtverordneten werden kaum vor Mitte oder Ende April die letzte Hand an den Milliardenhaushalt Berlin anlögen können. „Klosettseriea"'. Früher kannte man in den Schulen nur die vorgefchliebenen Ferien, die der Fericnplan im voraus für das ganaeJahr festgelegt hatte. Der Krieg brachte, mebr in den Großstädien als in den Kleinstädten, die der Schuljugend willkommene Zugabe'der Külte« ferien, zu denen der Brennstoffmangel nötigte. Berlin hat jetzt noch eine neue Art Ferien eingcsührr, die man mit einem vielleicht nicht ganz salonfähigen, aber ireffenden Wort als„Klosettserien" bezeichnen kann. Aus dem Schulhause Wilhelinstr. 1l7 wird un« bekannt, daß die Kinder der don untergebrachten 27. Mädchenschule seit anderthalb Wochen täglich nur zwei Stunden Unterricht haben, weil die vom Frost z er stv rte Klosett« einrichtung noch nicht vollständig wiederher- gestellt werden konnte. Wir hören, daß ähnliche Zustände auch in einigen anderen Schulen bestehen sollen, so daß man auch dort zu der.r AuSweg der„Aloseltferien" habe schreiten müssen. Die Ab- hängigkeit de» llnlerrichtSbeiriebe« von der Möglichkeit, die Klosett« zu benutzen, ist ja wohl ohne weiteres klar. In einer Großstadt geht es nicht, die Kinder vier bis fünf Stunden Himer einander in der Schule festzuhalieu, wenn sie hier nicht in der nun mal al« schicklich geltenden Form ihre Bedürfnisse erledige» können. UnlereS Ccachtens bäue in erster Linie der Nelior darauf hinivirken müssen, daß der die Arbeit der Schule störende Uebelstand schleunigst be- seitigt wurde._ Zweieinhalb Millionen Mark Gelöstrafe. Ein Perlenschmuggel mit Hindernissen. Die Geschichte zweier kostbarer Perlenketten kam vor die 11. Strafkammer des Landgerichts l> und veranloßte eingehende recht- liche Auseinandersetzungen. Wegen Vergehens gegen§ 2 der Cm- fuhroerordnung vom 6. Januar 1917 waren die Kaufleut« David Rummel und Viktor Kahn, beide Juwclenhändler aus Riga,«n- geklagt. Jin März v. I. wurde in Berlin einem Münchencr Juwelier eine sehr wertvolle Perlenkette gestohlen. Aus Grund der vom Kri- minolkommissar G e n n a t angestellten Nachforschungen wurde bei einem Juwelier eine außerordentlich wertvolle, aus 51 Perlen bestehende Kette beschlagnahmt, weil man oermutete, daß sie mit der gestohlenen Kette identisch sei. Die weiteren Ermitte- lungen ergaben aber, daß dies nicht der Fall war. Es stellte sich Ä Die Sünde im Wasser. Von Wilhelm Schmidlbonn. Dann horchten sie beide: über ihnen ging das Fenster auf. Sie legten sich ganz an die Wand zurück, um nicht gesehen zu werden. Sie hörten Gretes Atemzug, der tief und lang die Sonnenherrlichkeit in sich zu trinken schien. Sie hörten, wie das duftende Blumenglas ins Zimmer genommen wurde. Und jetzt kam die Mutter aus dem Haus, mit Lachen und Singen. Sie war klein und zart und glich von weitem einem Mädchen von sechzehn Jahren, aber das Haar, das hoch und dicht ihr frohes, leuchtendes, gesundes Gesicht einfaßte, mar silberweiß- Sie brachte den Morgentrunk, der aus der großen Zinnkanne dampfte, und war ausgelassen wie ein Mädchen, das noch kurze Röcke trägt. Ihre Augen lachten, ihre Brüste bildeten kleine und runde, lebendige Hügel unter dem Kleid, und die Burschen in den Straßen sahen gern danach. Sie setzte geschwind das schwere Brett auf den Tisch und doch so geschickt, daß kein Teller an den andern klirrte. „Mutter, was macht sie?" fragte der junge Gelehrte und stand auf. „Ei, Herr Bräutigam, frag sie selber." Sie sah ihn an. wie er es leise und mit zitternder Stimme fragte, und gerührt zog sie ihn zu sich, schloß ihn in ihre Arme und flüsterte ihm ins Ohr:„Geh sie dir holen, sie ist ausgestanden heute und will mit uns hier draußen sitzen." Mit einem Glückaufleuchten über das ganze Gesicht machte er sich los und wollte ins Haus, aber nach zwei Schritten blieb er stehen. Der alte Bürgermeister kam aus der Tür. Er war klein und schmal wie seine Frau, aber sein Kopf war groß, und seine Augen standen dick und breit unter kräftigen Brauen hervor. Sie strahlten wie Edelsteine in der Sonne und machten jeden verstummen und den Hut ziehen, der hineinsah. Als Georg ihm die Hand gab, sah er plötzlich Grete hinter ihm stehen. Grete war krank gewesen und lag zu Bett seit dem Tage, wo sie vom Baum gerettet worden war. Jetzt stand sie da und hielt die Hand an di'e Augen, um sie vor der Sonne zu schützen. Ihr Kleid war über den Hüften von einem! Ledergürtel gehalten, und in dem Gürtel steckte ein Zweig junger Heckenrosen. Stumm stand sie da, ohne daß ein Freudenschein übre ihr verblaßtes Gesicht flog— wie das grüne Tal in den Bergen, in das die wärmende Sonne nicht hinabkommen und in dem die Vögel nicht singen. Georg stand mit weiten Augen wie vor einer Heiligen. Die Mutter faßte sie um den Leib und zog sie sanft zu der Bank hin, auf die sie ein Kissen gelegt hatte. Die Fröhlichkeit der Mutter war eine stille geworden, seit die Tochter da war. „Guten Morgen, meine Grete," sagte Georg, hielt ihr seine Hand hin und sah in drängender Liebe zu ihr auf. Sie nahm seine Hand und wollte auch ihn ansehen, aber vor seinen großen, guten, ehrlichen Augen schlug sie die ihren sonderbar plötzlich nieder. Hein kam hinzu und gab ihr einfach die Hand. Ihm sah sie für einen Augenblick in das offene, fröhliche Gesicht. Alle setzten sich, und ein unausgesprochenes Glückjauchzen faß mit in der Reihe. Sie sprachen von allem, über das Obst, über den Krieg, über die Ereignisse im Städtchen. Alle waren bemüht, Grete fröhlich zu machen. Sie nahm das Tuch von ihren Schultern und rückte auf ihrem Platz, bis sie in der vollen Sonne saß. Sie badete sich tiefatmend in der goldenen Flut, aber mitten in dem schönen Morgen lachte ihr Mund nicht und blieben ihre Augen still. Die Sonne kam höher herauf. Der Vater aß nicht. Er zog an seiner Pfeife und wendete jedesmal-«den Kopf, um den Dampf zur Seite zu blasen. Er sprach nicht viel, hing seinen Gedanken nach mit weiten Augen und sah hin und wieder verstohlen nach Grete hin. Die Mutter lachte und erzählte für olle. Ihre lustigen, braunen Zlugen, die tief lagen wie die Augen der Tochter, standen nicht still. Oft mußte sie mit der Hand das weiße Haar zurückstreifen, das die schnellen Bewegungen, die der Kopf mochte, immer wieder über die Stirn hereinwarfen. Aber sie sorgte für alle, goß dem die Tasse voll und hielt dem das Brot hin. Nur zu Tochter war sie still und weich wie eine Krankenschwester. Sie wehrt« ihr die Mücken ab, schnitt ihr das Brot klein, legte ihr das Kiffen am Rücken immer wieder zurecht. Georg saß da und sprach kein Wort. Man sah ihm seine Ueberglückseligkeit an, seine Hand lag auf der Hand der Ver- lobten und zitterte da leise. Hein sprach vom Gehen. Aber die Tante bereitete ihm ein neues Brot, und er aß es nicht schnell. Grete, als sie vom Gehen hörte, hielt den Löffel still, der an die Tasse geklirrt hatte. Sie lächelte ein wenig, doch als sie sicher war, daß ihr niemand aufs Gesicht sah, da lief das wenige Blut mit einem» mal vollends aus ihren Backen. Dann stand der Vater auf und ging ins Haus, um dem Neffen ein paar Bücher in den Ranzen zu packen. Die andern saßen noch, fröhlich, bis plötzlich ein Zweig vom Kirschbaum fiel. Schnell sprang die Mutter hin, um ihn an sich zu nehmen, aber Hein war so schnell wie sie, und beide bückten sich zu gleicher Zeit. Die alte Frau faßte den Zweig mit den halb- reifen Früchten und lief über den Weg davon, Hein machte nur ein paar lange Schritte durch die morgennasse Wiese und stand vor ihr. Sie wollte mit ihm ringe» wie ein Junge. Ihre Augen und ihre Backen leuchteten. Sie war ganz voll Eifer, versteckte den Zweig an ihrer Brust und kreuzte die Arme darüber, drehte ihm den Rücken und beugte sich zur Erde. Aber Hein war stärkere, er hielt ihre beiden Arme mit seiner einen Hand und nahm ihr niit seiner andern dcu Zweig weg. „Du," sagte sie und eilte ihm mit ihren kürzeren Beinen nach,„wir wollen die da eine halbe Stunde allein lassen. So zwei Verliebte haben allerlei Zeug zu reden, was andere nicht hören dürfen." So schritten sie Arm in Arm durch den Garten, zum Rhein hinab. Um sie her lag der frühe Sommer gebreitet. Sie standen hier und standen da. Sie suchten den Vogel, der tief in den Zweigen pfiff, und bogen einen Ast beiseite und sahen voll Staunen in die Fülle des reif werdenden Obstes. Sie näherten sich den Knospen und Blumen, an denen der Tan glitzerte, und zogen den morgenreinen Duft in sich. X Die alt« Frau fühlte Jugendlust in ihren Gliedern. Sie sang ein Lied, wie es die Burschen abends auf der Mauer am Wasser sangen, und griff mit der Hand, um einen Sonnen- strahl zu fangen. Dann standen sie an der hochgeschichteten Basaltmauer, die steil in den Rhein fiel, und suchten mit den Augen nach den Spuren, die das hohe Wasser gelassen hatte. Sie sahen auf die goldene Flut hinaus. Am anderen Ufer blitzte die Sonne aus einem Turmfenster, daß sie die Augen zumachen mußten. Und hoch über ihnen strahlte der blaue Himmel, an dem sich weiße, leuchtende Wolkengebirge über- einander schoben. Klein wie ein Punkt stand ein einsamer Vogel daran, und dicht über ihren Köpfen kreisten flatternd Gretes Tauben, deren weiße Leiber hin und wieder in der Sonne aufblitzten. (Fortsetzung folgt.) In den letzten Bezirksversammlungen stand fast ausnahmslos der Streik der Gemeindearbeiter im Mittelpunkt der Verhandlungen und des Interesses. Dabei ergab es sich denn als- bald wieder, daß, je bürgerlicher die Zusammensetzung der Versamm- lung ist, desto weniger Verständnis für die Bedeutung dieser Arbeiter- angelegenheit vorhanden ist. Gar zu eifrig hat mancher kleine Be- zirksgernegroh die Gelegenheit wahrgenommen, um den Versuch zu machen, seine Machtgelüste an den Arbeitern auszutoben. Dem haben unsere Genossen überall einen Riegel vorgeschoben. Mit welchen Helden und Geistesgrößen die Bürgerlichen antraten, beweist der Fall des deutschnationalen Stadtrats Bornsen im Bezirk XI Schöne- berg. Dieser deutschnationale Herr— beachtet und behaltet es wohl, KleinsiedlerundLaubengärtner!— schlug eine Erhöhung der Pachten für die Kleingärten vor, weil er die Laubenkolonislen als Sporttreibende ansieht, von denen man höhere Pachten verlangen kann, weil auch der Sport auf den Rennbahnen teurer geworden sei. So also sieht in Wahrheit die oft genug sentimental vorgetragene Vorliebeder Deutschnationalen für die Siedlung aus. Dem Herrn wurde denn auch vom Genossen Czeminski nicht schlecht gedient. Im übrigen kamen in der Hauptsache Schul- und Sozialangclegenheiten zur Verabschiedung. Wahlen und Einführungen. Im Bezirk IS(fiöpenltf) erhielt in der Wahl des Bezirksbürger- meislers von 33 abgegebenen Stimmen der frühere Bürgermeister von Friedenau W a l g e r(bürgerlich) 22 Stimmen, Stadtrat Ehr- l i ch(SPD.) 6 und Stadtrat S t o l t(Komm.) 5 Stimmen. Walger ist somit gewählt. In der der Wahl vorausgehenden Debatte hielten unsere Genossen Franz Krüger und Meier scharfe Abrechnung mit den völlig unzuverlässigen Vertretern der USP. und KPD., die es zu verantworten haben, daß der 16. Bezirk einen bürgerlichen Bürgermeister bekommen hat.— Es wurden eingeführt im Bezirk 1 (Charlottenburg) die unbesoldeten Stadträte Alfred Wilk(SPD.), Paul Wilk(USP.) und von den bürgerlichen Parteien Groß, Mar- zahn und Panschow, im Bezirk 9(Wilmersdorf) die Genossin K r a m m(SPD.) und Plaar(USP.), im Bezirk 14(Reukölln) die unbesoldeten Stadträte G r o g e r(SPD.) und Reinhardt(USP.), im 20. Bezirk(Reinickendorf) die unbesoldeten Stadträte S ch w a- den dal(SPD.), Schaefer(USP.), Klempin(D. Vp.) und Raupp (Dnat.). Debakten über den Gemeindearbeiterstreik. Im Bezirk 7(Charlottenburg) wurde nach einer lebhasten De- batte über den Streik der Gemeindearbeiter eine Entschließung an- genommen, in der das Bezirksamt ersucht wird, von einer Mahrege- lung der städtischen Arbeiter abzusehen und etwa bereits gemaßregelte Personen wieder einzustellen. Im Bezirk 9(Wilmersdorf) hatten die SPD.-Mitgliedcr eine Anfrage«ingebracht, ob es dem Magistrat be- könnt sei, daß gerade im Bezirk Wilmersdorf bei Wiederein st ellung der Streikenden entgegen den Anordnungen des Magistrats Berlin mit beson- derer Härte vorgegangen ist. Große Erregung hatte eine Aeußerung des bürgerlichen Stadtrats Franke hervorgerufen, daß beider Entscheidung über Nichtwiederein st ellung auch die Gesinnung des Betreffenden in Betracht komme. Als besondere Härte wird es auch empfunden, daß 23Frauender B e d ü r f n i s a n st a l t e n, die sich dem Streik angeschlossen hatten, nicht mehr eingestellt werden. Die bürgerliche Mehrheit der Ver- sammlung hatte Angst vor der Verantwortung und nahm unseren Genossen durch vorzeitigen Debattenschluß die Möglichkeit, ihnen gründlich die Wahrheit zu sagen. Eine nette Blamage holten sichdieKommunisten in öen Bezirken. im 14. Bezirk(Reukölln). Auf die von ihnen eingereichte Anfrage, welche Schritte das Bezirksamt unternehmen wolle, um die aus An- laß des Streiks erfolgten Maßregelungen rückgängig zu machen, stellte Bürgermeister Gen. Scholz fest, daß im Bezirk Neukölln Maßregelungen überhaupt nicht vor- gekommen sind.— Auch im 16. Bezirk(Köpenick) waren es w jedes die Kommunisten, die bezüglich der streikentlasscnen Arbeiter unseren Genossen jedes soziale Empfinden absprachen, worauf ihnen von den Stadträten Gen. Ehrlich und Herbst nachge- wiesen werden konnte, daß gerade im 16. Bezirk äußerst schonend vorgegangen wurde.— Schließlich hielten es im 20. Bezirk(Reinickendorf) USP. und KPD. für nötig, in trauter Gemeinschaft gegen die SPD. und den„Vorwärts" zu Felde zu ziehen, woraus ihnen von unseren Genossen prompt nachgewiesen wurde, daß der„Vorwärts" in dem Streik eine durch- aus klare und feste Stellung eingenommen habe, während die„F r e i h e i t" von einem Tag zum anderen geschaukelt habe. Die Kommunisten mußten die Feststellung einstecken, daß sie und ihre Frauen es nicht abgelehnt haben, Streikbrecherwasier und Streikbrechergas zu beziehen. Schulangelegenheiten. Im g. Bezirk(Wilmersdorf) wurde dem Abbau der realgymna- sialen Abteilung des Ioachim-Friedrich-Gnmnasiums zugestimmt. Für die Errichtung einer Schulküche in Schmargendorf werden S006 Mark benötigt.— Die bürgerlichen Bezirksoerordneten des 14. Bezirks(Reukölln) wehrten sich mit aller Kraft gegen den Abbau des staatlichen Gymnasiums. Nach Ausführun- gen des Stadtrats Dr. Löwenstein und der B.-V. W i l b r o d t(SPD.) und Frl. Besser(KPD.) wurde der bürgerliche Antrag abgelehnt.— Für restlose Wiederher st ellung der Schulturnhalle in Adlershof bewilligte die Bezirksversammlung des 15. Bezirks (Treptow) 7000 M. Dem Umbau der Lebensmittelbarncke in der Graetzstraße zum Zwecke der Unterbringung eines Jugend- Heims, Kindergartens und Kinderhorts wurde zu- gestimmt.— Im 16. Bezirk(Köpenick) wurde der Umgestaltung der ehemaligen Präparandenanstalt zu einem Jugendheim auf neutraler Grundlage zugestimmt. Sonstige Dorlagen. Die Bezirksoersammlung des 6. Bezirks(Kreuzberg) stellte in den Etat 285 006 M. zur Wiederherstellung des O r a n i e n- und des Wassertorplafies und 3 Millionen Mark für Pflaste- rungsarbeiten ein. Die B.-V. im 14. Bezirk(Reukölln) nahm einen Antrag auf Beschaffung von Wohnungen an Exmit- tierte an. Jedoch waren bereits vor Einbringung des Antrages seitens des Bezirksamtes Wohnungen bereitgestellt worden. Weiter- hin beschloß die B.-V. die Errichtung eines Wochen mark- t e s in der Treptower, Rofegger- und Wilhelm-Busch-Straße.— Der B.-V. des 15. Bezirks(Treptow) waren seitens der Erwerbs« losen Anträge auf Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung zuge- gangen, die dem Magistrat Berlin überwiesen wurden. Die SPD.- Fraktion ließ durch den Genossen Fischer erklären, daß sie die jetzt beschlossene Erhöhung der Unterstützungssätze für durchaus unzuläng- lich halte. Ferner bewilligte die B.-V. für den Umbau des Unter- geschoffes in der alten Schule in Niederschöneweide zu Zwecken einer Sä u gl ings-Fürsorge stelle 63 000 M.— Die B.-V. des Bezirks 7(Charlottenburg) genehmigte die Bildung der D e p u t a- t i o n für A r b e i t u n d Gewerbe; sie wird sich zusammensetzen aus 8 Bezirksamtmitgliedern, 8 Bezirksoerordneten und 12 Bürger- deputierten, von denen 6 Arbeitgeber und 6 Arbeitnehmer sein müssen.— Die B.-V. des 20. Bezirks(Reinickendorf) beschloß, beim Magistrat zu beantragen, dem Bezirk den Namen Humboldt- st a d t zu geben. dagegen heraus, daß diese Kette dem Angeklagten David Rummel gehörte, der sie zugleich mit 8 großen Diamanten in einem Nagel- polierer von Riga nach Deutschland überdieGrenzegebracht hatte. Der Angeklagte Kahn war gleichzeitig mit Rummel von Riga hierher gekommen und hatte eine aus 199 Perlen bestehende Kette über die Grenze gebracht. Beide Angeklagte wurden aus dem Gesichtspunkte der vcrootswidrigen Einfuhr unter Anklage ge- stellt, wurden aber vom Schöffengericht Berlin-Mitte freigesprochen, weil nach einer ergänzenden Verordnung vom 5. April 1921 die Ein- fuhr nur dann verboten ist, wenn sie zum Zwecke des Verkaufs der Waren erfolgt. Das Schöffengericht hat die Behauptung der Angeklagten, daß'sie die Ketten nur zum Zwecke der Taxierung hier- her gebracht haben, nicht für widerlegt erachtet. Gegen das Schöffen- gerichtsurteil hatte der Staatsanwalt Berufung eingelegt. In der gestrigen vielstündigen Verhandlung handelte es sich in der Hauptsache um die Klärung der sehr schwierigen rechtlichen Verhältnisse. Der Gerichtshof kam zu einer Verurteilung der Angeklagten, da es den Tatbestand des§ 2 der Verordnung für erfüllt ansah, die Ver- kaussabsicht für vorliegend erachtete und die Anwendbar- keit der lex Schiffer verneinte. Rummel wurde zu 1 Woche Gefängnis und 1200000 Mark Geldstrafe, Kahn zu 3 Tagen Gefängnis und 1320000 Mark Geldstrafe verurteilt. Die wertvollen Ketten sind dem Reichsfis- kus für oerfallen erklärt. Brandenburger Provinziallandtag. Die zweite Sitzung des Brandenburger Provinziallandtages wurde gestern nachmittag um 3 Uhr vom Präsidenten, Genossen Hähnchen, eröffnet. Die Tagesordnung setzte sich durchweg aus kleineren wirtschaftlichen Borlagen zusammen, die mit insgesamt 171 Millionen Mark durch Anleihe zu decken sind. Sie betreffen vorzugsweise die Regulierung von Fluß- läuken, notwendige Brückcnbauten und die Erweiterung des Märkischen Elektrizitätswerkes. Nur bei einzelnen Vorlagen kam es zu einer kurzen Diskussion. Die Vorlagen wurden sonst einstimmig angenommen. Die Sitzung schloß um ö>/z Uhr. » Zum Bericht der ersten Sitzung vom Montag ist zu bemerken. daß die„stärkste Fraktion" der Bürgerlichen, die den Präsidenten wünschte, nur eine Arbeitsgemeinschaft der Bürger- lichen darstellt, während die SPD.- F r a kt i o n mit 29 Mit- gliedern die stärkste Fraktion darstellt und auch den Präsidenten stellte._ Irrfahrten eines DefrauSanten. Die llnkerfchlagung bei der Polizeihaupkkasse. . Der verhaftete Wachtnkeister Z i e b l e r wurde gestern auf dem Berliner Polizeipräsidium eingehend vernommen.— Ziebler ist in vollem Umfange geständig und schildert auch im einzelnen seine Erlebnisse. Weil er bei Valutageschäften größere Be- träge verloren hatte, unterschlug er, zunächst um den Verlust zu decken, bei der Polizeihauptkasse, bei der er als Hilfsarbeiter be- schäftigt war, 50 000 M. Da er diese nicht wieder zurückerstatten konnte, die Unterschlagung aber vor der Entdeckung stand, so wollte er, wie er sagt, wegen dieser geringen Summe nicht ins Gefängnis wandern. Er beschloß, noch«inen größeren Betrag zu unterschlagen und damit zu fliehen. Planmäßig bereitete er alles vor, hob dann 800 000 M. ab und ergriff, wie berichtet, mit Fechner die Flucht. Für Ausweis- papiere, die auf den Namen Jasmus lauteten, zahlte er zunächst 2000 M. Sein Vorhaben, mit Fechner von der Schlesischen Baude aus nach der Tschechoslowakei zu wandern, konnte? er wegen Schnee- verwehungen nicht ausführen. Beide kamen dann, wie schon be- richtet, zu Verwandten nach Grünberg, wo Fechner mit seiner Schwester nach Berlin fuhr, während Ziebler, wie er angibt, ohne Ziel zurückblieb. Er fuhr zunächst nach G l o g a u, wohnte dort im Hotel, blieb dort aber nur einige Tage, weil er sich nicht sicher fühlte und ging zu Fuß nach dem auf der Strecke Sagau liegenden Ort Herrendorf, wo er in einem Gasthof abstieg. Dort hielt er sich etwa 14 Tage aus, gab sich für einen Kartoffelauf- k S u f e r aus und spielte abends mit den Bauern und dem Gen- darmeriewachtmeister Karten. Von dort reiste er nach Remscheid und Barmen und machte hier die Bekanntschast eines Mannes, der ihm Papiere zum Uebcrschreiten der Grenze verschaffen wollte. Dieser Mann beutete ihn aus und ließ sich unter allerhand Vor- fpiegelungen immer wieder einige tausend Mark geben. Endlich fuhr er nach Leipzig, wo seine Verhaftung erfolgte. Das übervorteilte Reichsbeklcidungsamt. � Im Reichsbekleidungsamt Berlin, in der Lehrter Straße, findet gegenwärtig eine Nachprüfung der Verträge statt, die zwischen dem Reichsbekleidungsamt und einer Anzahl Groß-Berliner In- nungen über die Herstellung der Uniformen für die Reichswehr und die Reichsmarine abgeschlossen worden sind. Während bekanntlich die übrigen Reichsbekleidungsämter verpachtet worden find, sollen die Betriebe in Berlin und Stettin zur Deckung des Heeresbedarfs .vorläufig weiter bestehen bleiben. Ende vorigen Jahres hatte nun das Reichsbekleidungsamt, da für die Reichswehr und Marine er- hebliche Neuanschaffungen nötig waren, die Lieserungen durch Lose vergeben. Durch einen Zufall stellte sich nun heraus, daß die vom Rcichsbekleidungsamt gezahlten Tarife wesentlich zu hoch sind, und daß das Reich, da seit dem Oktober vorigen Jahres etwa 40 000 Paar Hosen geliefert worden find, erhebliche Summen zuviel gezahlt hat. In einer Verhandlung vor dem G e w e r b e g e r i ch t, in der eine Arbeiterin gegen einen Schneidermeister, der für das ReichsbeNeidungsamt lieferte, Nagte, .stellte es sich heraus, daß die Herstellungskosten für eine Hose ins- gesamt 46,30 M. betragen, während die Reichsstelle fast das Doppelte der Herstellungskosten zahlt, obwohl ihr Vertrags- kontrahent einen Aufschlag von nur 5 Prozent zu nehmen berech- tigt ist..Das Reichsbekleidungsamt will nun den Vertrag annul- lieren und die anderen Abmachungen schleunigst nachprüfen. Eine erfolgreiche Razzia veranstalteten gestern Beamte des Außendienstes des Berliner Polizeipräsidiums im Norden Berlins. In der Nähe des Asyls für Obdachlose in der Fröbelstraße haben sich wiederholt Asylbeiucher unliebsam bemerkbar gemacht. Daher drangen gestern Kriminalbeamte überraschend in die Räume der Gastwirtschaft von Sonnemann in der Danziger Straße ein. und verhafteten von den Anwesenden 55 Personen 16, bei denen die Feststellung der Personalien ergab, daß sie steckbrieflich verfolgt wurden. Kurze Zeit nach der ersten Durchsuchung fand eine zweite statt, bei der in dem gleichen Lokal weitere neun Personen zur Feststellung ihrer Personalien den Weg zur nächsten Polizeiwache antreten mußten. Betirksbilduiigsausschusi Gross-Berli». Heute abend 7 Uhr: Zweiter Abend der Arbeitsgemeinschaft von Dr. Jokl: Instrumental- m u f i k im Zimmer deS Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof, 4 Treppen, Zimmer 12. Die Mitglieder der BildungSausschüssc werden gebeten, vollzählig teilzunehmen.— Sonntag, den 5. März, nachmittags 3 Ubr im Neuen Voltstheater, Köpenicker Straße 68,.Der zer- : brochene Krug" von Kleist und„Die Gezierten« von Moliöre. Karten n 6,80 M. einschließlich Kleiderablage und Theaterzettel im Bureau des Bezirksbildungsausschusses und bei den BildungZauSschußmitgtiedern der Kreise Tiergarten, Zriedrichsbain, Schöneberg, Neukölln und Lichtenberg.— Sonntag, den 12. März, letztes Festkonzert. Die Markcu sind einzulösen. Deutsche Friedensgesellschaft. Ortsgruppe Berlin. Freitag 7 Uhr im Bllrgersaal des Rathauses, Königstraße. Generalversammlung. Das Erscheinen aller Mitglieder ist dringend erforderlich. Wetter bis Freitag mittag. Mild, zeitweise heiter, s-doch überwiegen» bewölkt mit wiederholten, besonders im Norden ergiebigen Nieder- fchlägeu bei frischen Winden ans südlicher Richtung. Mängel im llustverkehrswesen. 1200 M. als Monatsgehalt eines Mugzeugführers. Die Aussichten unseres Luftverkehrs kann man zurzeit als recht gut ansehen. Sie wären jedoch noch um vieles besser, wenn es nun auch gelingen würde, die inneren Verhältnisse an einigen besonders schadhaften Stellen zu verbessern. Eine solche verbesserungsbedürftige Stelle war von jeher die Bezahlung des im Luftverkehr tätigen Personals, und hiervon wiederum besonders die der Flugzeugführer. Gar mancher außerhalb des Luftverkehrs Stehende ist von der Mei- nung beherrscht, daß der Flugzeugführerberuf ein äußerst lukrativer ist. Aber auch hier trifft leider die oft zutreffende Redewendung zu: „Je größer die Verantwortung, um so geringer die Bezahlung." Die Arbeitskraft einer Stenotypistin ist heute unter einer Bezahlung von 1500 Mark im Monat nicht zu bekommen; eine Reihe unserer Flugzeugführer dagegen beziehen ein monatliches Gehalt von 1200 Mark, wobei jedoch gleich hinzugefügt werden muß, daß es sich hier nicht um Anfänger handelt, son- dern um erprobte Männer, die schon Tausende von Kilometern im Luftmeer zurückgelegt haben. Diese Tatsache kann man aus zweier- lei Gründen als eine höchst bedauerliche bezeichnen. Einmal stehen die Leistungen eines Verkehrsflugzeugführers als etwas allgemein Anerkanntes über jedem Zweifel, und zweitens ist die den Luft- verkehrsfirmen vom Staate zufließende Subvention so bemessen, daß eine den heutigen Lebensbedürfnissen angepaßte Bezahlung des Personals ohne weiteres möglich ist. Es liegt noch ein weiteres Moment vor, das unter obigen Ver- hältniffen das öffentliche Interesse beansprucht. Bei der Bezahlung eines Flugzeugführers mit monatlich 1200 Mark müßte jeder Luft- verkehr in der Praxis dadurch einen Mißerfolg zeitigen, als es dem Flugzeugführer nicht möglich ist. sich mit Hilfe vorgenannter Summe so zu ernähren, wie es nötig ist, um die zur Ausübung seines Be- rufes notwendige körperliche und geistige Elastizität zu erhallen. Aus diesem und anderen Gründen ergibt sich die Notwendigkeit der Auszahlung eines sogenannten Kilometergeldes an den Flugzeug- führer. Die Höhe dieser Sonderzahlung beträgt im Durchschnitt etwa 40 Pfennig für den geflogenen Kilometer. Sie kommt jedoch durchweg in Fortfall, scfern es dem Flugzeugführer infolge schlechter Witterung oder Motorstörung nicht gelingt, das ihm vorgeschriebene Landeziel zu erreichen. Die Zahlung dieses Kilometergeldes ist eine von den Flugzeugführern allgemein geschätzte Einrichtung, die jedoch eine ebenso unbeliebte und geradezu gefährliche Einrichtung u-ird, wenn der Flugzeuaführer kein ausreichendes Grundgehalt erhält. Legt man nämlich für einen Flugzeugführer ein in Anbetracht feiner aufreibenden Tätigkeit und feines oft wechselnden Aufenthaltsortes wahrlich nicht zu hoch gegriffenes Existenzminimum von monatlich Lebensmittelpreise des Tages. Zufuhr: Fische etwas ausreichender, Geschäft ruhig. Fleisch reichlich, Geschäft liemlich rege. Obst und Gemüse schwach, Geschäft still. • Am Mittwoch galten in der Zentralmarithalle folgende Kleinhandelspreise: Kalbfleisch 17-r25 M. Schweinefleisch 22-26 M. Rindfleisch 16-23 M., ohne Knochen 24— 27 M. RBckenfett 31-33 M. Liesen 33 M. Rindertalg 29 M. Hammeltleisch 20—24 M. Dorsch 5— 7,5p M. Kabeljau 7—8 M. Schellfisch 5—7,50 M. Reizungen 10—12 M. Grüne Heringe 6—7 II. Lebende Aale 45—50 M. Schleie 21—25 M. Barsche 14—17 M. Bleie 13 iL PIBtzen 10— 12M. Karpfen 21— 27 M. In Eis: Schleie 16— 17 M. Zander 23—26 M. Bleie 7,50—10 M. Barsche 12 M. Plötzen 7-8 M. Naturbutter 46—52 M. Margarine 24— 31 M. Schweineschmalz 31— 32 M. Eier 4,50 M. das Stück. Karloffelmehl 12 M. Weizenmehl 7.50—8 M Roggermehl 5,20 M. WeizengrieO 8 M. und Maisgrieß 4 M. Haferflocken 6—8 M. Blumenkohl 11— 15 M. der Kopf. Wirsinukohl 5 dl. Weißkohl 4—5 M. Grünohl 2-2,60 iL Zwiebeln 4-5 M. 3500 Mark zugrunde, fc müßte er bei einem Monatsgehalt von 1200 Mark im Monat 6000 Kilometer fliegen, bevor er das für ihn notwendige Existenz- Minimum verdient hat. Diese an sich schon hohe und nur für kurze Zeit durchführbare Leistung wird beim Eintreten von ungünstiger Witterung eine glatte Unmöglichkeit. Wo sie eine Zeit- lang durchgeführt wird, hat sie einen sehr starken Rervenverbrauch, baldige Brachlegung des Führers und vor allem eine Gefährdung des fliegendeu Publikums zur Folge. Ebenso schlecht liegen die Ver- hältnisie auf dem Gebiete der Lebens- und Unfalloersichernng für die Flugzeugführer. Bei eintretender„Bsrufsinvalidität" tritt die Ver- sicherung überhaupt nicht in Kraft. Ferner sind diese Versicherungen durchweg auf der bei der heutigen Geldentwertung völlig unzu- reichenden Basis der Zinsenzahlung anstatt der Kapitalszahlung ab- geschlossen. Ein Unfall, der für de» Führer eine längere Krantheits- dauer zur Folge hat, bringt ihn in vielen Fällen in Armut und Stellungslofigkeit. Alle diese Mißstände haben bereits zur Folge gehabt, daß eine Reihe tüchtiger Fachleute den Luftverkehr verlassen haben. Die heute noch im Luftverkehr tätigen Flugzeugführer sind mit dem größten Teil des Monteurpersonals in einer Gewerkschaft zusammen- geschlcsscn, die sich schon seit langer Zeit bemüht, diesen Mißständen durch Einführung eines ollgemein gültigen Tarifoertrages.ein Ende zu machen. Leider bemühen sich die Lustvcrkehrsfirmen, die Ver- Handlungen hierzu durch Verzögerungen, Ausweichungen usw. zu inhibieren. Bei einer kürzlich in Berlin stattgefundenen Versamm- lung aller Verkehrsflugzeugführer trat daher eine sehr starke Er- regung zutage. Das gesamte technische Personal im Luftverkehr vertritt die Ansicht, daß unser noch junger Lustverkehr nur dann gedeihen kann, wenn alles Hand in Hand arbeitet. Sollten jedoch die Arbeitgeber auf ihrem unverständlichen Standpunkt beharren, so tragen sie auch für alles daraus folgende die volle Verantwortung. Göeröammbruck bei Sreslau. Drei Dörfer überschwemmt. In der Tlacht zu Mittwoch wurde bei Dreschen in der Rühe von Breslau der Oderdamm in der Breite von sechs Metern durch Eismassen gebrochen. Die Ein- bruchssielle erweikerte sich später bis auf zwanzig Meter. Die Dörfer Dreschen, Sottwitz. Neuhaus sind von der Auhenwelt völlig abaeschnitteu. Ein großer Teil der Sahne wurde weggeschwemmt. Die Bewohner hausen ans den Dächern und sind zum Teil nach dem landeinwärts gelegenen Dorfe Sottwih übergesiedelt. Zahlreiches Vieh ist in den Zluten umgekommen; Menschen- leben sind nicht zu beklagen. Der Schaden ist erheblich, da die Häuser sämtlich verschlammt sind. Der Wasserstand der Oder ist der höchste seit!90Z. Besahungsjustiz. In Düsseldorf wurden wegen angebliSer Zugehörigkeit zum Ebrhardtsck-en Geheimbund zwei Peisonen zu je einem Monat Gefängnis verurteilt. Gegen 21 Personen, die sämtlich geflüchtet sind, wuide auf je einen Monat Gefängnis und Ausweisung erkannt.— Auf dem Technikum Bingen studierende junge Holländer hatten während eines Streites mit deutschen Studenten zur Schußwaffe gegriffen, ohne jemand zu ver- letzen. Das französische Militärgericht erklärte, daß die Ausländer im besetzten Gebiet sich den Anordnungen der Rheinlandkommifsion zu unterwerfen hätten unh erkannte gegen die drei Hauptangellagten auf 1—3 Monate Gefängnis und 500—1500 M. Geldstrafe.— Zu zwei Monaten verurteilt und auSaewiejen ist auch der Notar Budea» hender m Landstuhl(Pfalz). WLrtfthcrst Das Wiederaufleben der Wessen. Der Krieg hat ganz wider Erwarten in Deutschland wie im Aus- lande ein Wiederaufleben des Meßwesen» im Ge- folg« gehabt. Um diese in der Zeit des schnellsten Eisenbahn-, Schiffs- und ttfugzeugnerkehrs, der drahtlosen Telegraphie und der ms Unendliche gesteigerten Möglichkeiten der Drucksachen- und Film- reklame gewiß ausfallende Erscheinung zu verstehen, muß man sich vergegenwärtigen, welche Gründe in alter Zeit das Aufblühen der deutschen Messen gefördert haben. Man wird finden, daß damals wie heute fast die gleichen Faktoren maßgebend waren. Im mit- telalterlichen Deutschland, wo Handel und Wandel durch allerlei Schranken beengt waren, wo die Unsicherheit des Verkehrs und der Rechtslage und vor allem die Zersplitterung des Münz- wesens einen Warenaustausch auf größere Entfernungen fast un- möglich machten, bildeten die großen Messen von Leipzig und Frankfurt a.d.D. Oasen des völlig freien Verkehrs. Mit der Gründung des deutschen Zolloereins, der Entwicklung des Eisenbahn-, Post- und Telegraphenwesens und der Herstellung der öffentlichen Ruhe und Ordnung im 19. Jahrhundert schien es vielen, als ob die Tage der Messen gezählt seien. Sandten doch Handels- Häuser und Fabrikanten ihre Reisenden bis in die entlegensten Dörfer. Der kleinste Krämer wurde mit Preislisten und Kaialogen überschwemmt, ja selbst das Publikum war über die Preise durch Zeitungsinserate und sonstige Reklame hinreichend orientiert. In den letzten Jahrzehnten vor dem Weltkriege konnte sich die Leipziger Messe nur dadurch auf der Höhe der Zeit erhalten, daß sie sich den veränderten Verkehrsverhältnissen anpaßte und sich von einem großen Warenjahrmarkt zu einer hervorragenden Mu st ermesse umgestaltete, die auch im Wechsel der Zeiten der Treffpunkt der internationalen Handelswelt blieb. In der Nachkriegezeit haben gerade die in ganz Europa weiter bestehenden Verkehr serschwerungen, die verschärf- ten Paß- und Einreiseoorschriften, die ungeheure Verteuerung des Reifens im Inlande und noch mehr im Auslande, das Entstehen zahlreicher kleiner Staaten in Ost- und Südosteuropa, sowie die Be- setzung deutschen Gebietes im Westen regelmäßige Zu- sammenkünfte der Handelsinteressenten ganz wie im Mittelalter not- wendig gemacht. Ein persönliches Verhandeln zwischen Lieferanten und Beziehern erscheint heute um so mehr geboten, als die Valutaverhältnisse, Einfuhrbedingungen und vor allem auch die Kosten der Herstellung der Waren einem außer- ordentlich raschen Wechsel unterliegen. Es find heute Faktoren beim Abschluß von Geschäften als unsicher in Rechnung zu stellen, die vor dem Kriege auf Jahre hinaus konstant blieben. Es muß mit Zwischenfällen gerechnet werden und für solche Fälle von vornherein eine Einigung erzielt werden, die man früher getrost außer acht lassen konnte. Kurzum, die Unsicherheit und Unbeständigkeit in Handel und Wandel ist heute kaum geringer denn je. Zu berück- sichtigen ist auch, daß durch den Krieg im ganzen Wirtschaftsleben vielfach das unterste nach oben gekehrt wurde und daß der Kauf- mann die Kreditwürdigkeit und Zuverlässigkeit seiner Abnehmer und Lieferanten nur dann immer richtig beurteilen kann, wenn er mit allen Kreisen in ständiger persönlicher Fühlung bleibt. Gerade zu solcher Orientierung und Information bieten aber die Messen reich- sich Gelegenheit. Die Verteuerung der Drucksachenreklame und des Reifens im Auslande macht es heute sehr vielen mittleren und kleineren In- dustrie- und Handelsbetrieben fast unmöglich, dem Export durch gedruckte und persönliche Propaganda in den ausländischen Absatz- gebieten vorauszuarbeiten. Andererseits ist für die Interessenten aus hochvalutarischen Ländern eine Reise nach Deutschland eine billige Sache, die sich durch die Aussicht des besonders günstigen Einkaufs hundertfach bezahlt macht. Hieraus erklärt sich, daß die Z ah I der ausl ändifchen Besucher der großen Leipziger Frühjahrs- und Herbstmessen in den letzten Iahren in dem Maß« stieg, wie die deutsche Mark sank. Im Frühjahr 1914 zählte man in Leipzig 4253 Aussteller und 29 999 Besucher, hiervon waren 4226 Ausländer. Die Frühjahrsmesse 1919 wies bereits 8325 Aussteller und 95 999 Besucher aus, von denen 7599 Ausländer waren. Im Frühjahr 1921 war die Zahl der Aussteller auf 12 537, die der Be- sucher auf 139 999 gestiegen, wovon allein 15 999 auf das Ausland entfielen. Nach den bisher vorliegenden Anmeldungen ist auch für die diesjährige Frühjahrsmesse(5. bis 11. März) mit einer weiteren Steigerung der Teilnahme von In- und Ausländern zu rechnen. Für den Beschäftigungsgrad der deutschen Indu- st r i e ist das geschäftliche Ergebnis der Leipziger Messe, auf der heute alle deutschen Industrieerzeugnisse von der Stecknadel bis zur schwersten Werkzeugmaschine ausgestellt und gehandelt werden, von allergrößter Bedeutung. vwb, Eine.Dauer-Musterschau mexikanischer candeserzeugnisie- wird am 15. April im Mariuehaus in Berlin eröffnet werden. Leiter und Organisator der Ausstellung ist der Handelsbevollmächtigte der mexikanischen Regierung Federici Philippe Sorrano. Sie dient der Förderung der wechselseitigen wirtschaftlichen und kulturellen Be- Ziehungen._ Bergbaufragen im Reichskohlenrat. Der Reichskohlenrat teilt mit: Anläßlich der Kohlenprcissitzun- gen des Reichskohlenrats tagte am 28. Februar d. I. auch der Gc- schäftsaussthuß des Kohlenberqbauausschusfes und beriet über eine reichhaltige Tagesordnung. Auf dem Gebiete der Sicherheit des Grubenbetriebes sind verschiedene Arbeiten von diesem Ausschuß in Angriff genommen und gefördert worden. So hat er z. B. die Bereitstellung von Mitteln zum Studium der Ursachen und Verhinderung der Kohlensäureauebrüche in den niederschlesischen Steinkohlcngruben bewirkt. Die Arbeiten, die mit großer wissen- schaftsicher Gründlichkeit vorgenommen werden, um endlich diesem lang bekannten Todfeind des Bergarbeiters beizukommen, werden von besonderem Wert auch für den sächsischen Steinkohlenbergbau und für den Kalibergbau im Werragebiet sein. Weiter wurde beschlossen, durch namhafte Beihilfen die Be- strebungen zu fördern, einen wirtsamen Schlag weiter- An- zeiger zu schaffen. Diese Frage steht aus dem Grunde zurzeit im Vordergrunde des Interesses, weil die Einführung der elektrischen Grubensicherheitslampe es mit sich bringt, daß Schlagwetterbildung nicht mehr wie bisher vom kundigen Bergmann aus gewissen Flam- »Neuerscheinungen bei der Davisschen Sicherheitslampe festgestellt werden kann, wenn diese aus dem Kohlenbergbau verschwindet. Ein- gehend beschäftigte nun» sich auch mit den neueren Fortschritten auf dem Gebiete der selbsttätigen Aufzeichnung von Störungen in den Schächten und im Förderbetrieb mittels eines„Schachlstörungs- Messers". An dem Zustandekommen der Gesetzentwürfe über die Ver- einigung von Längen- und Geviertfeldern im Ruhrgcbiet sowie über die Angrenzung von Bergwerksseldern hat sich dieser Ausschuß im besonderen Maße beteiligt. Diese unter dein Schlagworte der„bergrechtlichen Flurbereinigung" zusamrnengefaß- ten Gesetzesmaßnahmen sind dazu bestiinmt, rechtliche Hindernisse aus dem Wege zu räumen, die heute noch den Bergbau häufig zwin- gen, teilweise recht unwirtschaftlich abzubauen. Dadurch, daß hier in einem verhältnismäßig kleinen Kreise hervorragender Sachverstän- diger die Gesichtspunkte aller am Bergbau Beteiligten zur Gcltm»g kominen, erhalten die Regierungen und Parlamente ohne weiteres die erforderlichen Unterlagen, die einen glatten und raschen Fort- schritt auf diesem wichtigen Gebiet der wirtschaftlichen Gesetzgebung erzielen._ Freigabe des Valulaoerkehr» und Goldhandels in Sowjetrußland. Das Volkskommissariat für Finanzen hat beschlossen, das Gesetz über die Abgabe von Gold seitens privater Personen an den Staat aufzuheben sowie den Kauf und Verkauf ge münzten und ungemünzten Goldes und Silbers, ausländischer Valuta und Wertqegenstände zu gestatten. Die Sowjet-Staatsbank steht zurzeit in U eberweis ungs-> verkehr mit 15 ausländischen Banken in Deutschland, Schweden, Dänemark und Belgien; die durch diese Banken und durch die ausländischen Sowjetvertretungen bis zum 15. Februar d. I. getätigten 3213 Ueberweijungen an die Staatsbank erreichen die Summe von 8927 Millionen Sowjetrubel. besäögt setmeR sicher und schmerzlos Wühnerauaer» 'riomhau» Schwielen»Warzen ' J* ABatheken»Dregcrien erhättficK g Thealer, Lldilspiele usw.| apoocxxxxpaccxoooocconi-xriixxxdco�nnotanorc Opernhans Der Barbier t. Bagdad 7V2 Uhr Schauspielhaus Don Carlos 7V. Uhr Deutsch. Theat. J>/,; Tartült.— Ein Helraisantrax Freitag 8; Die WSlte Rammerspiele 6: Anatol Freitag 8: Anatol Gr.Schanspielh. (Karlstraüe) J1/,: Orpheus in der Unterwelt Freitag 7V2: Orpheus in der Unterwelt Theater 1. d. Königgrätz.Str. Täglich 7.30 Uhr: DieMnderlich.()e- schichteu d.Kapell- meisters Kreisler Komödienbaus Täglich 7.30 Uhr: Karus»e,l mit" Maria Orska Job. Riemann Ralpb Art. Roberts Berliner Theat. Täglich 7.30 Uhr; Einer von unsere Leut'l mit Carl Clewinjgf Oscar Sabo und Leon« hard Haskel Besidenz Theat. Täglich 7'/, Uhr: Eine Frau ohn. Bedeutung Trlesch, Arnstäd», Ber- lens, Korff, Sandrock Kleines Theater Täglich Vj8 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? J Limburg, Falkenstein, unkermann, Albers Bendow)_ Trianon-Theat. Täglich 8 Uhr Oer grolle Erfolg II 81ga •lariaFein,Veidt,Becker Volksbühne Theater am Büiowplatz 7 uhr: Konig Lear Lessing-Theat. » Uhr: FAUST Freitag 7>/,: Flamme (Dorsch) Sonnab. u. Sonntag 7: Paust Montag 7,/I: Flamme (Dorsch) DeatsehesKunstler-Tli Allabendlich 7>l, Operetien-Gastspiel Der geizige Verschwender (Max Adalbert) Central-Theater �tDas Detektivmadel Deutsches Opernhaus u6. Meisters. y.Biirnh. Friedr.-Wilhelmst. Th. uZ': Dreimäderlhaüs Intimes Theater 3u:(iDStaTe,esblitzt! Klein. Schauspielhaus T'/.Uhr; Der keusche Lebemann Lustspielhau* suhrJerWerwoli Metropol-Theater 7v, u.: Die Bajadere Neues Operetten-Th. s uhr: Königin d.Raciit Neues Operettenhaus Schöneb?., Hauptstr.144 Schäm' Dich Lotte Stg S'/a: D* Pelzgräfin Heues Theater am Zoo t'/j uhn Scampolo Neues Volkstheater 71/» uhr: Heuchler Schiller-Th. Charlbg. 8 Uhr; SchloBpark-Th Steglitz SchloBstr. 44 Tv.uhr: Phyllis Thalia-Theater T/i Uhr: Die Herren von und zu... t Theat am Nollendorfpl. 3'/: Adelaide Dienstbor. u!! Die Ehe im Kreise Theater des Westens u': Der Tanz ins Glück Stg. 2 Uhr: Qr. Volksoper: Lohenjcrln Th.i.d.Kommandant.Str (JOd. Künstler-Th.) TV» Uhr: Grüne Polder Wallner-Theater �r;Die Spitzenkönigin Walhalla-Theater 7v,u.:D. liebe Äugustin Casino-Theater Lotbring.Str. 37 Tägl.T/, Die neue Berliner Posse Jamilie Cänseklein Vorher. Lachende Liebe Ccs.-Posscni d. neuest Schlager.Bummeitrotf St£. 3L> 0. Ictxte Stunde Tv.flpcnvJ Dir. Jam. Klein I Letzter Monat) Die große Revue i)er}ferr| der Welt Max Landa Bruno Kästner! Sascha Dura| Wllh. Hartstein| Franz Gross Paul Weslernieyer Lotte Werkmeister Herta Richter| Erna Alberti Her d. Ostens (Rose-Theater) 7-/. Uhr: Die Gräfin von Kempinski APOLLO;™™ iliiss.-Deutseh.lheater GoltzstraBe 9 Nollendorf 1613 Anfang 8 V, Uhr VorslelliiDg allabendlich I FOLIES CAPR1CE Linlenstr. 132 Täglich«/.S Uhr: D. Liebeskanapee Das KSuzchen Die falsche Nummer Frd.Qrünecker. R. Bergl Dir. Strobel Behren. str, 54 Vit Uhr: Gastspiel Herbert Kiper Paul Rehkopf in der Sensations- üroteske Das Seibstmordhotei Dazu: 9 Schlager Admirals-Paiast llf7 U.: Die rot.Schuhe CIRCUS BUSCH rgi.7>/»,z Mar sStg.auch3L| ärz 1922 □as Zersägen einerl DameinzweiTeile 1 In freier Manege!| Neue Sensationen! Vkf.Werth. u Circk.| 8 Uhr Allabendlich 8 Uhr Naturalistisches Ballett-Gastspiel mit 30 Personen Der Venusberg Nach der Pariser Original- Auffuhruns einstudiert von Georges Blanvalct Räch Jabren zum ersten Maie wieder in Berlin sowie eine Anzahl Variete- Sensationen Außerdem (liaNtNpIcl des weltbeiühmt. Vorverkauf ununterbrochen an der Tageskasse Adxnir als-Palast Der große Erfolg auf dem Eise. g| OfitmiiimifmtiiiiiiiniiimimiimiiniiinniiinmiimiiuniinnKimiiiimmuiiiiniminiiimiinnuiiinnmnitiffij lUiiiniiniiiiniiminiiuiiiiiiiiiiiiiiniiiimiiiiiiimiiiiitinMtiinuniniiniiiinttiiiinuiitiiiniuiiiiinnmniiiuiiiniT Sonntagnachmittag kleine Preise: Mittelparkett...... Mark 16,— II. Rang-Balkon..... Mark 11,— M-m»— : | W RelchshalleoTheater Allabendlich TV, Uhr u. Sonnt, nehm. 3 U. Stettiner S ü n g: e r Nachm. halbe Pr. Theat a. Kottb.Tor SeLSBocltj. 16077 SögL 71/, Ut)tu. 6ta. nachm. 3 U. Elite-Sänger 10(Jetten! roifc! Komik! Rm.halb.Prelsc �»ot(.ll-l>/Ju4 6 Modeschau I9Z2 sowie der große Varieti-SpielpUn! Rauchen gestattet Weile Well Arnold Scholz Hasenheide]0S«114! Heute Donnerstag, den 2. März 1922:! Elite= Tag! Sockbier-Testj in den bayer. Alpen Großes Schweineschlachten 30 bayer. Aladl 8 Kapellen Ein). 6 Li. O H. Lam H. Lamprecht, Bln.-Trcplow. Bouchästr. 17 hefm Sloffe für Samen und Scttcn z» (Tnbcitpteifcn. SUS- ißioge Auswahl in den mobecnlitn Farben für Anjug und Palelais I eiittdlief IIel>llislelle(-Vkch»iiiI Bcrwallungsstclle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, baß unser Kollege, der Arbeiter Mann Wunsch Koppenitr. St am 24 Februar ge» starben ist. Die Beerdigung findet am Donners» lag, den L. Märg, nachmittags 2'/, Udr, von der Leichenhalle des Stadt. F:>edho|es in Buch aus statt. Ferner starb am 27. Februar unser Kollego. der Dreher Kaci Patzold Neukölln, Elbestr. 30. Die Einäscherung findet amSonnabend. den 4. Mörz, nach» mittags 4 Uhr. im Krematorium Baum» schulenweg. Kicsholj» ftraße, statt. Ferner starb am 28. Februar unser Kollege, der Metall» schleiser Blign Biester Marienburger Str. 30 Die Einäscherung findet am Montag, den 6. März, nach- mlttags t> Uhr. im KrematoriumtSericht straße statt. fix« Ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Onsverwaltung. Bezlrksmb.BerllnSPD. 25 Abteilung. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin, Frau Msrie Segali verstorben ist. Die Einäscherung findet am Freitag, den 3. März, mittags I Uhr, im Krema» torium Serichtstraße statt. 2'W Zahlreiche Beteiligung erwartet Abteilungsleitung. Am 26. Februar verstarb mein lieber auter Freund und Wandergenosse, der Buchbinder 1S02d Bemann Darmer im 49. Lebenssahre. Lieber Hermann, ich werde in Ehren unserer Frenndschast stets gedenken, bis einst auch Uber mich std) die Todesschattcn senken! Dein Freund Michael Mayer Einäscherung heute voemitiag>/,I2 Uhr im Krematorium Baumschntenweg. Ankaut Juwelen� Maröral t Co. Kanonierstr.9., Statt Karten! Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teil» nähme anläßlich des Abiedens meines lieben Mannes, des Gastwirts 4k/lSa Otto Richter sage ich hiermit allen werten Gästen, Freunden und Bekannten, de» Mietern des Hauses Luxemburger Straße 2, dem Lotterieoerein Namenlos sowie sämtlichen Teilnehmern an der Trauerseier meinen herzlichsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Elisabeth Richter geb. Pnsch IM MU Vervaltengstelle Berlin N 54, LlnlenstraG: 83 IS. Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr Telephon: Amt Norden 833, 834, 833, 83«. Achttlnst! Achtuna? Sonntag, den 5. JBdrj, Dotmillngo 9'/, Ahr, in der Btohetei(tSnigflabf, SchänhauserAllee 10; «M«. lSenMlMsniMlW unserer Verwaliungsslelle. Tagesordnung: Beschlußsassung über Festlegung des Lokalbeitrages. Kollegen und Kolleginnen, weiche An» träge dazu stellen wollen, werden ersucht, diese» in der am Freitag, den 3. März, abend» 8V> Uhr, im Sißnngssaal, Linlenstr. 83/85, stattfindenden Berwaitungsfißnng zu tun. 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