/ Sr. iss Jahrgang Musgabe A Nr. SZ Bezugspreis i iSkrtellilhrl.Sa�- M» monatU SO,— M. frei bu&ans, voraus zahlbar. Postbezug: Monatlich 20,— M., einschl. Zu» stellunasgebiihr. Unter Kreuzband lür Morgen-Ansgabe hland. Danzig, das Saar» und Memelaebiet, sowie die ehemals beut. scheu<»id>et» Polen,. Oesterreich- Ungarn und Luxemburg bt,— M., sllr da« übrige Auoland 72,— M. Post- beftellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheche- Glowalei. Däne- piarl. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der.Borwärts* mit der Sonntag«» deilage.Boll und Feit", der Unter» Haltungsbeilage �Heimwelt" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten� erscheint wochentäglich zweimal. Sonn» tag« und Montags einmal. Telegramm-Wreste: �»«jla Idamolrai verNn» Vevlinev Volksblakt ( 70 Pfennig) Anzeigenpreis: Di« einspaltige Nonpareillezeile lostet l2,— M.„steine Jlujeigcn" da, fettgedruckte Wort it.— M. izn- läsfig zwei fettgedruckte Worte), jede, weitere Wort 2,— M. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 2.— Ab. jedes weitere Wort l,50 all. Worte Uber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien-Än- zeigen jiir Abonnenten Feile 6,— Ad. Die Preise verstehen stch einschließlich Tcuerungsznschlag. Anzeigen sllr die nächste Nummer mllssen bis 4>,, Ahr nachmittag, im Hauptgeschäst, Berlin EW Sst, Linden- strotze 3, abgegeben werden. Deöffnet von S Uhr früh bis S Uhr nachmittags. Zcntratorgan der öozialdcmokratifcbcn parte! Deutfchlands Reüaktton und Expedition: SW 08, Linöenstr. Z 8r-vith,tr«>rf,ck»'«»dattto- Morihplatz 151 US— 07 yerniprcoicr. �emHon Moridplap 11753—54 vorwarts-verlag S. m.b.H., SM öS, Linüenstr. Z Kcrnsvrccker' Verlag. Gxpeditia» und Jnseratea» �. Abteilung Moritzplatz 11753-51 Einspruch gegen den Srotwucher. i„ Ein Schritt üer Spd.-Jraktion bei tdirth. Dl« Sozialdemokraklsche Reichskogsfrawon beanfkragke am Danverstag ihren Vorstand, beim Reichskanzler Dr. lvirlh unverzüglich wegen der sehr beunruhigenden neuen Preissteigerung beim Sroigelrelde vorstellig zu werden, von der Regierung sollen sofort durchgreifende Maßnahmen verlangt und u. a. gefordert «erden, die Brotversorgung der minderbemittelten Volkskreis« zu Halbweg» erträglichen preisen sicherzustellen. Sozialdemokratie unü Steuerkompromiß. Der„Sozialdemokratische Parlamentsdienst" schreibt: Aus Mitteilungen der bürgerlichen Presse, deren Richtigkeit wir nicht nachprüfen wollen, ist zu entnehmen, daß zurzeit in führenden Kreisen der Bank- und Jndustriewest Verhandlungen über die Aufbringung der Zwangsanleihe stattfinden. Angeblich soll die endgültige Umlegung der Zwangsanleihe erst vorgenommen werden, wenn die Vermögenseinschätzung nach Jahres- fchluß vorgenommen ist. Vorher soll ein Teilbetrag �ur Einhebung gebracht werden. Die sozialdemokratische Reichstags- staktion hatte bisher noch keine Gelegenheit, zu der Frage der Beranlagung eingehend Stellung zu nehmen. Sie wird jedenfalls dahin wirken, daß mit Rücksicht auf den dringenden Geldbedarf des Reiches möglichst bald ein erheblicher TeilderZwangsanleihe zur Einhebung gelangt und daß der Rest nach Fertigstellung der Einschätzung der Ver- mögen einbezogen wird. Die Voraussetzung zur Annahme des Gesetzes über die Zwangsanieihs wird für die Sozial- demokratie sein, daß festgesetzte Termine und bestimmte Summen in Ansatz gebracht werden. » Die sozialdemokratische Reichslagssraksion beschäftigte sich am Donnerstag abend mit dem Stenerkompromiß. Anlaß zu diesen Besprechungen gab das verhallen einzelner Mitglieder der Voltsparlei. die in den Slenerausschüsten den Anschein erweckten. als habe das Kompromiß für ihre Fraktion keine Geltung mehr Die sozlaldemokrafischen Mitglieder des 11. Ausschnste»(Steuer. ausschuß) wurden von der Fraktion beaustragl, in der Zreikags- sitznvg des Skeueravsschnsses vog der Volksparlei eine Erklärung über die Stellungnahme zum Kompromiß zu verlangen. Sollte die Volksparlel ihre bisherige Zustimmung verneinen und einen neuen Beweis der llnzuverlässtgkeil erbringen, dann wären fewstverstäud- lich auch für die Sozialdemokratie alle bisherigen Vereinbarungen, die dem Stenerkompromiß zugrunde liegen, hinfällig. Rußland gegen die Vertagung von Genua. Moskau, 2. März.(OE.) Der Volkskommissar des Aeußeren Tschitscherin hat dem italienischen und dem britischen Außen- minister eine Protestnote wegen der Verschiebung der Genuo-Konferenz übersandt. Die Note weist darauf hin, daß die Sowjetregierung nach Annahme der Einladung zur Ge- nueser Konferenz bereits umfangreiche Vorbereitungen in beschleu- nigtem Tempo getroffen und zu diesem Zwecke die zur Mitarbeit herangezogenen Vertreter der Föderatiorepubliken von der �rfül- lung ihrer direkten Amtsobliegenheiten habe fernhalten müssen. Die Vertagung der Konferenz, von der die Sowjetregierung erst«inen Tag vor der geplanten Abreise der ruf- fischen Delegation in Kenntnis gesetzt morden sei. könne nicht durch die italienische Kabinettskrise entschuldigt werden, wenn man die außer.ordentliche Dringlichkeit der von der Konserenz zu lösenden Aufgaben in Betracht ziehe: es handle stch dabei um nichts Geringeres als um den Wiederaufbau des Wirt- fchaftslebens Europas. Die jetzt geschaffene Lage könne nur G e- ringschätzung gegenüber den Beschlüssen internationaler Kon- ferenzen hervorrufen. Die Sowjetregierung hoffe, daß die Entente bei der Festsetzung des neuen Konferenztermins sich der vollen Ver- antwortung für ihre Beschlüsse bewußt sein werde. Es könne nicht schwer fallen, für die Konferenz, noch außer Sowsetrußland. ein Land mit einer stabilen Regierung ausfindig zumachen. Die Sowjet- regisrung schlag« ihrerseits als äußersten Konferenz- termln den 2 3. März vor. * Riga. 2. März.(MTB.) Sämtliche baltischen Staaten haben sich entschlossen, sich auf der Konferenz von Genua gemeinsam vertreten zu lassen und ihre Neutralisierung zu fordern. Waffenkontrolle und Sanktionen. Paris. 2. März.(MTB.) Die Botschastertonserenz beschäftigte sich gestern vormittag mit der Frage der Aufrechterhal- tung einer st ä n d i g e n Kontrolle der deutschen Wehrmacht. Der englische Botschafter Lord H a r d i n g e brachte ein neuerliches Schriftstück des Foreigs Office zur Verlesung, in dem diese an der Zurückweisung der von Frankreich vorgebrachten Gründe festhält. „Echo de Paris" wirft zunächst die Frage auf. ob England stch mit der Einrichtung einer ständigen Kontrolle des deutschen Lust- fahrwesens nur unter der Voraussetzung einverstanden erkläre, daß die drei im Ruhrgebiet befetzten Orte von den alliierten Truppen geräumt würden. Frankreich halte daran fest, diese Räumungsfrage mit der Einrichtung einer Luftfahrkontrolle nicht oerbinden zu lassen. Das Blatt fragt ferner, ob England damit einverstanden sei, daß noch Auslösung der militärischen Eni- waffnungskommissson der Stand der deutschen Streitkräfte unter der direkten Ueberwachung der Alliierten verbleibe und nicht einer Be- aufstchtigung durch die im Versailler Vertrage vorgesehenen, vom Völkerbünde zu entsendenden Untersuchungskommisionen unterworfen werbe._ Amerikanische Kreüitaktion für Europa. Men. 2. März.(TU.) Der amerikanische Senator Owen, der schon im Herbst mit eigenen Plänen einer selbständigen amerikani- schen Kreditorganisation für Europa hervorgetreten ist. hat hier mit den Vertretern der ersten Wiener Banken verhandelt, und reist nach Bukarest ab. von wo er über Prag und Berlin den Rückweg nach Amerika nehmen dürfte. Aus seinen Erklärungen geht hervor, daß Amerika wohl nicht die Absicht hat, sich an dem Londoner Finanz-> syndikat zu beteiligen, sondern daß dort ernsthafte Pläne bestehen, durch Gesetz aus den überschüssigen Goldreserven der Bundesreserve- dank einen Betrag von wahrscheinlich S00 Millionen Dollar Gold auszuscheiden und diesen Betrag als Golddeckung für ein« amerikanisch« Europa. Bant, deren Sitz Washington sein würde, zu hinterlegen. Diese Bank hätte dann überall in Europa Zweigstellen zu errichten, die durch Bermittlung der europä, schon Bankinstitute Kredite gewähren würden. Man plant, die in Washington bleibende Goldreserve dadurch flüssig zu machen, daß man eine europäische, nur für Handelszwecke bestimmte D o l» larwährung bis zum Höchstbetrage von 2% Milliarden Dollar ausgibt. Im Vergleich muß hinzugefügt werden, daß das Kapital des Londoner Finanzsyndikats 20 Millionen Pfund, also nur wenig über 100 Millionen Dollar Gold betragen soll. Ungarischer Wahlrechtskuüüelmuüüel. Budapest. 2. März.(MTB.) Nach der heute veröffentlichten Regierungsverordnung über das Wahlrecht für die nächste Nationalversammlung sind Männer, die ihr 24. Lebensjahr erreicht haben, seit 10 Jahren ungarische Staatsbürger, seit zwei Jahren in einer Gemeinde ansässig sind und vier Elementarklassen absolviert haben, ferner Frauen über 30 Jahre, die sechs Elementarklassen ab- solviert haben, wahlberechtigt. Das passive Wahlrecht besitzen sämt- liche Wähler im Alter von über 30 Jahren. In B u d a p« st wird geheim nach dem Prinzip der proportionalen Wahllisten, in den Städten mit Munizipalrecht ebenfalls geheim, in der Provinz offen(I) abgestimmt. Budapest, 2. März.(WTB.) Die Unabhängigkeits- und 48er Partei hat heute ihre Auflösung und den korporativen Eintritt der Mitglieder in die einheitliche Regierungspartei beschlossen. Gin Sozialiftenprozeß in Moskau. Moskau, 2. März.(OE.) Die politische Abteilung des Volks- kommissariats für Inneres(die frühere Tsche-ka) teilt mit. die in diesen Tagen unter dem Titel„Militärische Kampsarbeit der Partei der Sozialrevolutionäre in den Jahren 1917/18" im Auslande erschienene Broschüre Semjonows(Wassiljews), des früheren Leiters der Terrorgruppen der Partei der russischen Sozialrevolutio- näre, bezeuge, daß diese Partei eine Reihe von Attentaten auf die bedeutend st en Sowjetführer, insbesondere Lenin, Trotzki, Sinowjew, Wolodarsti, Uritzky sowie eine Reihe von Expropriationen ausgeführt habe. Die Aussagen der Sozialrevo- lutionärin LydiaKonoplewa erhärteten die Angaben der Bro- schüre. Angesichts dessen sei das Zentralkomitee der Partei der So- zialrevolutionäre und eine Reihe ihrer Mitglieder dem Obersten Revolutionären Tribunal überwiesen worden. Anm. des OE.-Dienstes: Die im Auslande weilenden Mitglie- der des Zentralkomitees der Russischen Sozialrevolutionären Partei haben diese Behauptungen Semjonows entschieden bestritten und ihn als einen Abenteurer bezeichnet. Die jetzt dem Gericht über- gebenen sozialrevolutionären Führer befinden sich zum großen Teil seit Jahren im Moskauer Butyrka-Gefängnis, ohne daß Anklage gegen sie erhoben worden wäre. Internationale Konferenz für Ausbildung kriegoverstümmelker. Auf Veranlassung des Internationalen Arbeitsamtes tritt am 2. März ln Genf ein neugebildetes Internationales Sachverständigenkomitee zu einer Sitzung zusammen, in der die Ausbildung Kriegs- verstümmelter zu industrieller Verwendungsfähigkeit auf Grund aller bisher gesammelten Erfahrungen behandelt werden soll. Der Ausschuß besteht aus 10 Sachverständigen, von denen sechs durch die Verbände und Vereinigungen Kriegsbeschädigter und Kriegsverstümmelter in Frankreich, Deutschland, England, Polen und Oesterreich gewählt worden sind. In dem Beleidigungsprvzeß des Vizekanzlers Bauer, Relchsminister a. D. Wisfell und Reichstagsabgeordneten .0e0cn �en Redakteur der„Deutschen Zeitung" v. Schilling, hat die Strafkammer gestern ein Urteil ge- fallt, das nicht nur für den Angeklagten moralisch oernich- tend ist, sondern gleichzeitig wieder einmal die skrupellose Verleumdungsmethode der Deutschmonarchisten gegen sozial- demokratische Staatsmänner im vollen Umfang bloßstellt. Herr o. Schilling persönlich kann sich bei der von ihm innig gehaßten Republik bedanken, wenn er nicht die Bekanntschaft der Gefängnismauern zu machen braucht. Denn das Gericht hat ihn zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, und nur auf Grund des Gesetzes vom 21. Dezember 1921 über die Um- Wandlung kurzfristiger Gefängnisstrafen in Geldstrafen ist ihm diese Strafe in 2t)(>t)() M. Geldstrafe umgerechnet worden. Unter dem alten System hätte Herr o. Schilling seine Strafe absitzen müssen, wobei allerdings zu bemerken ist, daß ein Journalist, der vor 1918 gegen Minister die öffentliche An- schuldigung der Korruption erhoben hätte, nicht unter ein bis zwei Jahren Gefängnis davongekommen wäre. Aber mag dieser adlige Verleumder auch persönlich seine kostbare Haut gerettet haben, die moralische Nieder- läge der reaktionären Verleumderclique ist riesengroß: per- sönlich und sachlich. Persönlich boten die teutschen Helden aus der Anklagebank das gleiche Schauspiel wie die Jagowiter in Leipzig: Einer verkroch sich hinter dem anderen, keiner wollte es gewesen sein. Der mutige Herr Max Bäckler. dessen Korrespondenz der Artikel entstammte, hätte ihn vor der Auf- nähme nicht gelesen, der ebenso mutige Verfasser, Herr Adolf Zimmermann, hatte seinen Namen nicht genannt und stand daher nicht unter Strafantrag, und der mutige Herr v. Schilling, der kühn im ersten Termin erklärt hatte, er werde „vollen Wahrheitsbeweis" antreten, berief sich in der Haupt- Verhandlung nur noch wimmernd darauf, daß er. doch nicht der Verfasser fei und im guten Glauben an die Zuverlässigkeit der Herren Bäckler und Zimmermann gehandelt hätte! So sieht die deutschnationale Heldenkorona bei Licht aus. Doch alles Persönliche verschwindet in diesem Falle hinter dem Sachlichen.„Sozialdemokratische Korruption" hatten die Angeklagten der Oeffentlichkeit erweisen wollen, und nichts, gar nichts ist von ihren Behauptungen übrig geblieben. Nach der Behauptung der Angeklagten hätten die Privatkläger den Abschluß eines Vertrages zwischen den Deut- scheu Werken und dem Grossisten Kahn zum Nachteil des Reiches gefördert, aus Privatinteressen heraus, um für sich und Die Hauptoerhandlung hat ein klares Bild ergeben, daß an allen Behauptungen und Schlußfolgerungen des Artikels kein wahres Wort ist. sie haben sich glatt als unwahr erwiesen, von den Singe» klagten ist auch kein versuch unternommen worden, dieses Beweis» Material anzufechten. Damit ist den Nebenklägern eine gewisse nicht unbeträchtliche Genugtuung gegeben, zumal da sie selbst erklärt haben, daß diese Feststellung der Zweck des Strafantrages fei. Das Gericht hat gewiß recht damit, daß diese Feststellung für die Privatkläger eine Genugtuung sei. Aber es hat ver- gessen hinzuzufügen, dctß diese Genugtuung sehr spät kommt, länger als ein Jahr nach der Verleumdung, und daß inzwischen monate- und monatelang mit dem Schwindel wüsteste Agitation gegen die Sozialdemokratie getrieben wor- den ist. Und nicht mit diesem Schwindel allein! In dem Pro- zeß trat als Zeuge auch Herr Georg Sklarz auf, der— beiläufig bemerkt— kaum etwas mit der Sache zu tun hatte. Aber dieser Name erinnert an eine andere Hetze, die unter dem Namen Sklarz noch andauernder und hartnäckiger von rechts und links gegen unsere Partei ins Werk gesetzt worden ist. In dem gestrigen Prozeß hat der Borsitzende der Partei, Genosse Otto Wels, unter Eid bekundet, daß die von Sklarz angeblich„korrumpierte" Sozialdemokratie weder direkt noch indirekt jemals einen Pfennig von ihm er- halten hat. Und vor wenigen Wochen muhten eine ganze Reihe Rechts- und Linksblätter demütige Abbitteerklärungen bringen, in denen sie zum Ausdruck brachten, daß nach der Einstellung sämtlicher Strafversahren gegen Herrn Sklarz sie ihre seinerzeit erhobenen Deschuldigungen nicht aufrechterhalten könnten. Mit diesen Schalmeien vergleiche man die Entrüstungstrompeten, die länger als ein Jahr gegen die Sozialdemokratie geblasen wurden. Die biederen treudeutschen Mannen, die das Wort vom Wiederausbau und der notwendigen Einheitsfront zum Erbrechen im Munde führen, erweisen sich als eine Bande feiger und niederträchtiger Ehrab- s ch n e i d e r, die ihre vergifteten Pfeile gegen jeden revublika» nischen Staatsmann abschnellen, der mit Einsatz seiner Persön- lichkeit für den Wiederaufbau Deutschlands arbeitet. Das ist die deutschnationale Ausbaupolitik! Erzberger ist ein Opfer dieser Hetze geworden, und es ist nicht das Verdienst der Verleumder vom Schlage Zimmer- mann und v. Schilling, wenn sozialdemokratische Minister nicht >fi(ö gleiche Schicksal ereilt ljat. Nie ist von einer Parkes mit schmutzigeren und verwerflicheren Mitteln gearbeitet worden. . als von den Gegnern der deutschen Republik. Die Bloßstellung - der reaktionären Lügenpropaganda ist das politische Ergebnis des Prozesses. Damit könnten wir die Akten über diesen Fall schließen. wenn nicht noch der Anklagevertreter, Staatsanwaltschastsrat O e l r i ch s, sich Anwartschast auf öffentliche Beachtung erwor- den hätte, indem er als Sühne für die schwerste Beleidigung ' führender Staatsmänner eine Geldstrafe als ausreichend • erachtete. Dies trotz seiner Feststellung, daß von allen Behaup- tungen des verleumderischen Artikels auch„nicht ein Funken übrig geblieben" sei. Unter dem alten System wäre dieser Herr wohl die längste Zeit Staatsanwalt gewesen. Aber wir glauben auch nicht, daß Herr Staatsanwaltschaftsrat Oelrichs vor der Revolution leichtfertige Verleumdungen gegen Mini- ster so milde beurteilt hätte. Der Rechtsbeistand der Neben- klüger, Rechtsanwalt Dr. Juliusberger, hat mit Recht darauf hingewiesen, daß dieser Staatsanwalt all das als straf- mildernd bezeichnet habe, was sonst von den Staatsanwällen für straferschwerend angesehen werde. Und mit glei- chem Recht betonte Genosse Bauer, daß gegen sozialdemokratische Redakteure bei Beleidigung volksparteilicher Abgeord- ' neter in viel milderen Fällen langfristige Gefäng- pisstrafen verhängt wurden. Trotzdem hat auch das Gericht schließlich eine Strafe ausgesprochen, die als sehr milde erscheint, wenn man etwa in Vergleichzieht, daß von anderen Gerichten für das Beschmieren eines Kaiserdenkmals mit roter Farbe dreimal zwei Jahre G e f ä n g n i s, für die Beleidigung eines ehemaligen Prinzen Reuß fechsMonateGefängnis ausgeworfen wurden. Freilich gegen linksstehende Angeklagte! Diese Justiz macht's begreiflich, daß die deutschnationale Verleumdersipp- schaft trotz aller Blamagen nicht verstummt. Denn was sie vor Gericht riskiert, kommt ja kaum in Betracht gegen die politische Auswirkung der Verleumdung bis zum Urteil. Um so not- wendiger ist es, daß die Oeffentlichkeit aus diesen Pro- zessen lernt und ihr moralisches Verdammungsnrteil fällt. falsche Zeugenaussagen? Mettere Widersprüche in der Untersuchung gegen Hermes. ? In unserer Ausgabe vom 26. Februar machten wir onf verschiedene Widersprüche aufmerksam, die zwischen den Zeugenaus- sagen vor dem Untersuchungsausschuß in Sachen des Ministers Hermes und dem Aktenmaterial klafften. Unsere damaligen Mitteilungen ergänzen wir heute um weiteres. Der vom Nntersuchungsausschuß herausgegebene amtliche Be- vricht läßt den Staats sekrerär Dr. Huber die Meinung eines Zeugen als. unrichtig bezeichnen, wonach das mehrfach erwähnte Auto- jn o b i l des Ministers nicht Eigentum des Reiches gewesen sei. Staatssekretär Dr. Huber betonte, daß das angeschaffte Automobil von vornherein Eigentum des Ministeriums gewesen sei und wollte damit sogar die Unrichtigkeit der Auffassung Dr. Heukamps nach- weisen, die ihn veranlaßt habe, dessen Rechtfertigungsschreiben an den Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses gar nicht erst weiter 31» leiten. Demgegenüber verweisen wir auf den bereits angeführten amtlichen Prüfungsbericht des eidlichen Bücherrevisors Frommann, worin dieser wörtlich schreibt:„Herr Funke gab mir aus mein Bs- ~ fragen(über den Grund der vorgenommenen Umbuchung) folgende Erklärung: Der ilrastwagen war ursprünglich für die Preis- ausgleichstelle eingestellt. Er wurde bis 31. März 1926 von dem Borsitzendcn des Düngestickstoffausschusses und dem Leiter der Preisausgleichstelle benutzt. Der Kraftwagen soll vom Reichsministe- ' rimn, dem er vom 1. April 1926 ab zur Verfügung gestellt worden ist, zum Anschaffungswert zuzüglich der aufgelaufenen Betriebs- tosten übernommen werden."— Desgleichen verweisen wir noch auf «inen dem Untersuchungsausschuß ebenfalls bekanntgegebenen Brief des Herrn Reichsernährungsmini st ers Her- Ines an das Reichsschatzministerium vom 9. Juni 1926, worin Herr P Viesbaöen. ■'> J,:; Von 58. Dünsing. .'' Ich habe sie nie geliebt, diese Stadt mit der schönen Umgebung .tmd dem unschönen Innern, von engsten Gassen und Cäßchen mit der Brühhitze über den heißen Quellen, der dicken Luft, den Spiel- Höllen der nachsiebziger Jahre, als der Milliardensegen sich nach s dem glücklichen Krieg« über das materiell gewordene Deutschland ' ergoß. Ich liebe auch nicht jene breiten Straßen, in denen der Luxus, jene vornehmen Alleen, in denen die Langeweile und das ■: Nichtstun feilgeboten wird, mit ihren protzigen, zugeknöpften Billen, : die jetzt— zum Teil verlassen oder okkupiert— vernachlässigt aus- ' sehen. Ich liebe sie nicht, habe sie vielmehr nie geliebt. Wenn ich ml die dort jüngst verlebte Zeit zurückdenke, an die täglichen Ein- i drücke der Straße, so kommt es mir vor. als habe man, festgeklemmt ' auf seinen Platz, in einer Filmaufführung schlechtester Sorte aus- i; halten müssen. Voll von unnatürlich fratzenhaften Darbietungen, bei denen eine die andere jagt— nnd deren grauenhafteste Seite >' das Publikum selbst darstellt. Eine gedrückte, verstummte Masse, ; beständig vor sich selbst auf der Flucht, mit hungrigen Augen, nie ifcu stillender Angst. 15 Jahre! 15 lange Jahre.— Sie malen sich verschieden in 1 den Gesichtern. Dirnen, behängt mit zweifelhaftem Putz, in Zweifel- loser Schamlosigkeit und Ueppigkeit, Jugend, die scheinbar oerlebt und alt zur Welt kam, mut- und würdeloses Alter, das seinen Vor- teil sucht bei den fremden Unterdrückern, wo immer es kann— und , das Elendsantlitz derer, die um Lebens und Sterbens willen in materieller Abhängigkeit dahinsiechen, ehrllch hungerndes Volk. Ueber ihnen allen schwebt das undurchdringbare Dunkel dieser unmög- lichen Zukunft. 15 Jahre lang. Lange ist es her— unterdrücktes Menschentum gab es immer, auch hier. Es war Barbarentum nach Ansicht nnd Ueberlieferung durch die„Geschichte", die nur Völker, keine Menschen kennt, die «5 zu besiegen galt. Sie kamen, 29 gallische Meilen und von Mainz heruntergezogen, wie der Meilenstein im Altertumsmuseum zu Wiesbaden aus- seinen„Runen" uns enträtselt: es kam die fromme, treue Legion des 5)auptmanns Severus Alexander, 222 nach Christus. Sie brachte Kultur, die Kultur der Römer, römisch ge- wordener Gallier, den„Barbaren". Sie widmeten, die schon ver- weichlichtc Rasse, ihrer Göttin Diana Mattiaca, als Beschützerin der heißen Bäder, ihre Denksteins und der Heilgöttin Sirona einen Tempel, wie die Steine zeugen. Auch damals gab es Leute, die dem Lebensgenuß zu viel geopfert hatten und denen Aquae Mattia- corum, das heutige Wiesdaden, ein Anziehungsounkt war. Man sieht sie im Relief auf den Grabstellen, die alten Veteranen, noch im Tode auf dem Ruhelazer beim üppigen Male liegend, vor sich den Tisch mit Speisen, wie die Inschreift zeigt. So die HcUPtleuU-,{ �ie als römische BeMlshabcr siegreich die Slrche,; jr.j Hermes ausdrücklich Betank, daß das Reichsernikhrungsminssierium keinen reichseigenen Wagen gehabt hat.— Daraus geht wohl einwandfrei hervor, daß das Auto zuerst im Besitz der Preisausgleichstelle war und erst später— auf irgendwelche Veranlassung hin, über die der Bericht des Herrn Lovalle vielleicht einige Auskunst gibt— dem Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft als Eigentum überschrieben wurde. Angesichts des Widerspruchs auch in dieser Zeugenaus- sage muß eine eidliche Vernehmung des Herrn Staats- sekretärs Huber hierüber unbedingt gefordert werden. Der Ausschuß wird sich ferner noch eingehend mit der Brief- affäre Hermes-Ramm zu beschäftigen haben. Bekanntlich hat Hermes sowohl in dem Bericht des Reichskabinetts wie vor dem Plenum des Reichstags ehrenwörtlich versichert, den Brief des Staatesekretärs Ramm, worin ihm dieser die Verfehlungen des Ge- Heimrats Augustin mitteilte, erst nach der Beförderung Augustins zum Ministerialrat erhalten zu haben, während Ramm das Gegen- teil behauptet. Wir sind nun in der Lage, weitere Einzelheiten dar- über mitteilen zu können. Wenn unsere Informationen richtig sind, hat Herr Staalssekretär Ramm von diesem Brief vor der Absen- dung dem ihm bekannten Rcgierungsrat Bittong Mitteilung ge- macht. Herr Bittong wird sich in der eidlichen Vernehmung viel- leicht darüber äußern können, ob er den Tag und die näheren Um- stände kieser Mitteilung noch kennt. Außerdem soll der von uns schon als Zeuge verlangte Oekonomierat Maus ebenfalls noch vor der Beförderung Augustins persönlich bei Hermes gewesen sein, um ihn auf dessen Verfehlungen aufmerksam zu machen, ohne daß sich aber Hermes von der in Ausficht genom- menen Beförderung dadurch abhalten ließ.— Da auf der einen Seite das Ehrenwort des Ministers vorliegt, auf der andren Seite das des Staatssekretärs Ramm, so muß gefordert wer- den, daß der Ausschuß durch eingehende eidliche Vernehmung aller hierfür in Betracht kommenden Zeugen auch diese Angelegenheil restlos und baldigst klärt. « Auf Grund unserer Mitteilungen vom 26. Februar d. I. hat jetzt der unabhängige Abgeordnete Dr. Hertz an den Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses den Antrag gerichtet, die Zeugen Regie- rungsrat Funke und Geheimrat A u g u st i n noch einmal, und zwar jetzt unter Eid zu vernehmen, und als weitere Zeugen Dr. L a v a l l e, Dr. Bittong, Bücherrevisor Frommann und Oekonomierat Maus. Es ist anzunehmen, daß eine Sitzung des Untersuchungsausschusses bald zu diesem Antrage Stellung nehmen wird. 5ällt öas Reichsmietensefetz? Heute findet im Reichstag die namentlich« Abstimmung über das Reichsmietengesetz statt. Wie die„Denn" zu wissen be- hauptet, läßt sich die Haltung der Parteien zu diesem Gesetz jetzt dahin präzisieren, daß die Deutsche Bolkspartei, die Deutschdemo- kralische Partei, die Deutschnationale Bolkspartei und die Boye- rische Volkspartei gegen das Gesetz sind. Im Zentrum ist die Stimmung nicht einheitlich. Die Gewerkschaftler innerhalb der Zen- trumspartei wollen für das Gesetz eintreten, während die übrigen Fraktionsmitglieder es ablehnen. Für das Gesetz sind bislang nur die Mehrheitssozialisten und die unabhängigen Sozialdemokraten. Die Haltung der Kommunisten ist ungewiß. Die Regierung wird sich also bei der Abstimmung nur auf einen Teil des Zentrums, auf die Mehrheitssozialisten und die USP. stützen können. Ob diese Stimmen geniigen, um das Gesetz durchzubringen, ist zweifelhaft. Telephonüberwachung? Die„Rote Fahne" veröffentlicht ein angebliches Aktenstück des Staatskommissars für die öffentliche Ordnung, das die Ueberwachung des Telephonoertehrs der Zentrale der Kommunistischen Partei, der Zweigstelle in der Münzstraße und der„Roten Fahne" zum Gegen- stand hat. Nach dem Inhalt dieses Schriftstückes sollen auf den zu- ständigen Telephonämtern Beamte der Abteilung 1» anwesend sein, um sofort in jedes Gespräch automatisch durch die Telephonistin miteingeschaltet zu werden. deren Bauch man ihre Grabstellen nach 1766 Iahren vielleicht meter- tief beim Bau von Häusern für die Lebenden aus dem Schutt auf- grub. Es sind dieselben Straßen» in denen sich das französisch- gallische Wesen heute breit macht in dm Ankündigungen, wie sich die Nation amüsiert.„La follc Nuit",.La Nuit de Noce", „Cornedie ga!ante", L'arnour collante* und in dm Weindielen, wo man den Nigger-Cancan shimey tanzt und Weine von 76 M. an bis in die Hunderte per Flasche in Gesellschaft von Kokotten trinkt, wo in den neu errichteten Lesehallen„Sei freiem Eintritt für Alle" die Erobererpropaganda für romanisch-germanische Misch- kultur getrieben wird unter Titeln wie:„Le genie du Rhin",.Das rheinische Gefühl in der französischen Seele"(I),„Geschichte der französischm Charitas am Rhein" und:„Eine neu« Aufgabe für Frankreich:„Richtlinien im sozialen Leben der Rheinlande". Der antike Helm, der heute wieder dieselbm Gassen mit dem Hochmut des Unterwerfers mit klingmdem Spiel Herausfordernd durchzieht, ruft Erinnerung an gallisch-römische Geschichte wach-- die seine Träger begleitende„Kultur" die Erinnerung an eine Zeit, wo sich das Blatt wandte und von diesem ganzen, Völker bewälti- genden Reiche nicht übrig als— die„Runen" und die Gräber ihrer Söhne.. ver Rhapsode der„siebm Gehmktm". Ich hatte mir vor- genommen, sobald ich aus der Betäubung, die Opium und Verona! über mich geworfen hatten, erweckt von der Rhapsodenkunst Alsred Weierles zu sprechen. Ich hörte ihn die Andrejewsche„Ge- schichte von den sieben Gehenkten" aus freiem Gedächtnis vortragen. Eine Stunde später hatte mich schwere Krankheit ergriffen.... Was Beierle leistet, ist sehr lebendiges und trotzdem sehr ge- bändigtes Beherrschen von Vortragsmitteln, die sich keinerlei Aus- schweifung destatten, die, soweit das Andrejewsche Wert in Frage kommt, wirklich vollständig in den Geist der Dichtung hinein- schmelzm. Der gedrungene Mann hat irgendwie leibhaftig diesen siebenfachen Todesschauer verspürt. Wenn er ihn nun mit Perlen des Angstschweißes auf der Stirn wiedergäbe, er würde nur ein animalisches Kunststück leisten. Beierle hat aber schon die Stufe des dumpfen Erlebens überschritten. Es gelingt ihm zu vergeistigen. Darum bewegt er die Nerven seiner feineren Zuhörer und die feineren Nerven der Harmlosen, die sich ihm anvertrauen. Wenn der alte Ludwig Wüllner an das Vortragspult tritt, dann liebt ex es, mit einiger Akrobatik die Augen in die Höhlen hineinzudrehen. Er will aus reinster Absicht seine dunkle Sehereigenschast spüren lassen. Er will ein Sänger Gottes sein. Beierle strömt nicht soviel mystische Weihe aus. Er ist ganz in das Menschliche eingespannt, er ist trotzdem oder gerade darum der Rhapsode vom Leid, das uns sehr nahe trifft. Max H 0 ch d 0 r f. Skeinzeikkunst in Heu-Guinea. Die Einwohner von Neu-Gu!nea kennen Metall noch nicht und befinden sich also in der Kulturepoche der Steinzeit. Sie haben jedoch bereits eine sehr hohe Kunst ent- wickelt, über di? nach einem Vortrag von Dr. Vahrmann in der Berliner Gesellichast siir Erdkimde 1» den„Naturwissenschaften" be- lichtet loiröi Die.Gebratichsgezenstände werden di'.rch Auf Anfrage an zuständiger Stelle wird uns mitgeteilt: jTx» von der„Roten Fahne" abgedruckte Schriftstück tst eine Fälschung, und zwar eine außergewöhnlich plumpe. Es existiert weder ein den- artiges Schreiben des Staatskommissars noch eine Anordnung, die dem Inhalt des Schriftstückes entspräche. Die Fälschung ergibt sich in diesem Falle ohne weiteres daraus, daß der gesamte Brief- köpf unrichtig ist. Der Briefkopf des in der„Roten Fahne" abgedruckten Schriftstückes lautet: Preußisches Ministerium des Znuern. Stoalskommissariat für öffentliche Ordnung und Sicherheit. Der im Staatskommissariat wirklich verwendete Brieftopf dagegen lautet: Der Staatskommissar für die öffentliche Ordnung. Der Unterschied fällt ohne weiteres ins Auge.(Wir haben ihn durch Fettdruck hervorgehoben. Red. dl„B.") Ebenso ergibt sich die Fälschung aus dem Aktenzeichen uim., das in der„Roten Fahne" folgendermaßen lautet: Abteilung B/III I..Nr. 1768/2 W./Kr. Es gibt im Staatskommissariat weder eine Abteilung B/III noch eine I.-Nr. 1768/2. Schließlich existiert auch das Aeichen W./Kr. nicht, was wohl die bureaumäßige Bezeichnung des Briefdittierers und des Briefschreibers fein soll. Es ist also nicht weniger als alles an diesem angeblichen Schriftstück des Staatskommissars falsch." Soweit die Darstellung der zuständigen Stelle. Die„Rote Fahne" wird voraussichtlich den Vorwurf der Fälschung als ein Ab- lenkungsmanöver bezeichnen, das sie vorausgesehen habe. Singe- sichts der sehr bestimmten und mit Gründen belegten Angaben der Gegenseite wird sie aber nicht umhin können, ihre Beweise für die von ihr behauptete Echtheit des Dokuments anzugeben. 2S0HS Entlassungen bei öen Eisenbahnen. Zu dieser Frage wird uns u.a. geschrieben: „Die Eisenbahn- und Postoerwaltungsbetriebe müssen sich selbst erhalten. Das ist ein Gebot der Wirtschaftlichkeit und der ENienl«. Der Reichsvcrkehrsminister wurde beauftragt, den Eisenbahnbetrled rentabel zu gestalten. Das Reichsvorkehrsministerium fand nicht die Regelung, die jedem Kaufmann naheliegt, die Vorhände- nen Kräfte und Maschinenanlagen im größtmöglich st en Maße auszunutzen; es sah nur den Weg der Personalverminderungen. Nach den Behauptungen der' Prioatindustrie sind zuviel Beamte und Arbeiter da. Wie sieht es in Wirklichkeit aus? Ganze Abteilungen der Werkstätten liegen still, die Bahnmeistereien, GüterüLden, Betriebswerk- stätten sind entvölkert, die noiwendigste Arbeit zur Aufrechterhaltung des Betriebes wird dem Privalunternchmer übertragen, der Profit und Generalunkosten in nicht zu geringem Maße ausschlägt. Die Betriebsräte der Eisenbahn haben seit ihrer Em- sührung stets auf diese Mängel hingewiesen, ein« Fülle von Materiol beigebracht und typische Fälle in einer Denkschrift vereinigt, die sie am 16. November 1921 dem Minister überreichten. Das Minist«. rium hat sich zu diesem sachlichen Material nicht geäußert. Troß des Nachweises, daß in einigen Betrieben eine U e b e r st u n d« n« schieb erei herrscht, trit: man an die Brtrirtisoertretungen heran und sucht mit ihnen über Richtlinien für die zu entlassenden Arbeiter zu verhandeln. Am 26. Januar 1922 wurde der Erlaß herausgegeben, wonach bis zum 31. März 1922 im Bereich der Reichsbahn 26666 Mann entlassen sein müssen. Do- Reichsverkehrsministerivm erklärt, daß durch die Ucbernahme der Beamten aus den abgeirrt«- nen und besetzten Gebieten der Beamtenstand unverhältnicmäßig groß geworden sxi. Es wurden zudem echne Not 80 006 B e d i e n- st e t e z u D i ä t a r e n und auch damit zu Beamtengema ch-t. Der Beämtenstand ist darum in einem unverhSltniemSßdg. großeii Prozentsatz gegenüber dem Friedensstand vermehrt. Dar.m- müssen die Beamten der Besoldungsgruppen I bis V, unbeschadet ihrer Becmttenrechte und Gehaltsanspruche, wieder Arbeiterdienste verrichten. Nachdem auf diese Weise die unteren Dienststellen, die Bahnmefftere-ien, Betrieöswelkstätten, Güterabfertigungen und 5)auptwerkstätten aufgefüllt sind, soll ein« Ueberprüfung erfolgen und dann die zuviel gefundenen Arbeiter nachgewiesen und entlassen werden. Es soll zugleich zu dem ge- nannten Termin eine Aufftellung darüber eingereicht werden, wie- viel Beamte für den Arbeiterdienst freigemacht worden sind. Kratzen mit Aogelkrallen oder Fischgräten und durch Bemalen mit schwarzen, weißen und roten Farben geschmückt/ Der Schmuck des Körpers besteht aus Eber- und Hundezähncn, aus Schneckengehäusen, Muschelschalen usw. Die Haare werden oft in Zylintersorm zu- sammengepreßt, die Stirn wird mit Diademen von Reiher- und Kasuarfedern usw. geziert. Die verzierten Ringe um den linken Oberarm dienen als Tasche und als Aufbewahrungsort für den aus den Beinknochen des Kasuars kunstvoll geschliffenen Dolch, da sonst fast jede Bekleidung fehlt. Nur Lendenschurze aus Bast und Rotang werden getragen. Einen weiteren Körpsrschmuck ermöglicht die Durchbohrung der Nasenscheidewand, in der Stäbchen, Zähne usw. angebracht sind. Typisch sind die Ziernarben, die auf der Brust zu förmlichen Schnitzarbeiten ausgestaltet werden. Die Gesichter wer- den in sehr individueller Weise bemalt: auch die Arabesken auf den Schutzschilden zeigen die besondere Prägung, die ihnen der Besitzer verleiht. Die Tvngefäße werden ohne Drehscheibe mit der Hcmd geknetet und nicht gebrannt; sie sind oft kunstvoll modelliert und bemalt, und auch die anderen Gebrauchsgegenstände werden zu prächtigen Kunstwerken ausgestaltet, so Sessel, Speerschleudern, Kalebassen, Farbschalen und die bei dem Reichtum an UNgeziescr sehr nötigen Haarkratzer. Das Gebälk wie der Giebelschmuck der Häuser wird oft in vollendeter Schönheit ausgeführt. Groteske .Tanzwasken, die Ungeheuer darstellen, werden aus bemalter Baum- rinde gefertigt und find bisweilen so groß, daß sie von 20 Männern getragen werden müssen. Ihre höchste Bollendung erhalten dies« Kunstformen in den Schnäbeln der Einbäume, der primitiven Fahr- zeuge, die, mit 20—28 Rudeyern bemannt, eine große Geichwindig- keit erreichen. Die wundervollen Figuren, mit denen die Boote ge- ziert sind, verwenden meist das Krokodiimotio in Verbindung mit Aogelgestalten._ Tie»Trutsche Zither Konzert-Gesellschak««. unterftüht durch die Berliner OrtSgruvpe des»Zinlralverbnüdes Dernscher Ztthervereine", wird am K.März im Ktindwortb-Tchalwenta-Saat ein 5kon,ert verunktalteu. bei dem einer der bedeutendsten Vertreter des kunügemätzen Zitherspiels. Aich. Grünwald aus Honnes a. Rh., mitwirken ivird. Eine Gedächtnisfeier für Prof. Ernft stiraucke, den veritortenen Lerausgeber der.Sozialen Praxis� undJPersipenden der Gesell lchaft siir Soziale Reiorm, reranilaltet die letztere Sonnabend, den». März, nack- mittags 5 Ubr im Meisteriaal. Die Gedäck-tniSred: bält Bröl. Herkner. Karten unentgehtich im Änrean jür Sozialpolitik, Rolleiidortztr. 29/30. Telephon: Nollendorj 2809. Eine neue MaScagni-Hausse? Jn der sächsischen StaatSoper wird die Anffübiung emcr neuen Oper von Mascagni, dem Komponisten der ..Oavalieria Rusticana", vorbereitet. Sie lührt den Tilel ,De< klein« Marat' und bat in Italien im AP: I1 1921 nuherordevtlichen Erfolg gebab:. Mascaani bat ieiner Zrcnde daiüber AusdiNck gegeben, daß die Dresdener Lpcr sein Wert in Teutschland als Urauüührunz ocingt. Arbeiten der ttlrilt-Gefellschaft. Die am 4. März 1920 rit.Zranl- i u r t a. O. begründete Kleisi-Keselllchast. die jich die Pflege dcS Kleistsche.". Werkes zur Aufgabe gestellt bat, wird demnächst mit einigen bekeutfamen Aeröhentlichungen hervortreten. Darunter befindet sich das erste„Jahr- buch d e r K t e i st- G e s e l l s ch a f t" und«ine Mappe, die alle disder vorliegenden sowie die neiiausgefundenen und neuentstandenen Jlleijt- Bild nisse vereinigen soll.'Die Kieist-Bibliochek in Frankfurt a. O ist dere'ts lehr reich ausgeftattc: und strebt möglichste ÄoästSndtgkli an, üir.e Kleül.Btbliog'.avhie ist in Arbeit. Ein Kleist- Museum soll u» Gr- HA TlchtcrZ zu Zmstjurt a. O. L-I-Hchc;:»erden. e Die Direktionen machen sich zu einem großen Teil die Arbeit leicht, indem sie nicht in eine Ueberprüfung der Zu leistenden Arbeit und der notwendigen Kräfte eintreten, sondern die Anzahl der zu entlassende» Arbeiter mechanisch auf die Stärke der Dienststellen verteilen. Dies« Mechanisierung hat den Nachteil, daß der Wasser-- köpf der Derwaltung nach wie vor bestehen bleibt, die Generalunkosten der Eisenbahnverwoltung in ihrer grandiosen Höhe unverändert bleiben, die produktiv Schafsenden aber aus dem De- triebe entfernt werden. Die Arbeit, sür die es da n n a n KrSsten fehlt, bleibt einfach liegen und man übergibt fie zu teueren Preisen dem Privatunternehmer. Die Eisenbahnverwaltung leidet in Wirklichkeit an einem Ar-- b ei ter Mangel, so daß heute schon immer mehr die Bahnunter- Haltung. Wagen- und Lokreporamren au die Privatunternehmer vergeben werden müssen. Auch müssen bei den Betriebsdienststcllen nach neuerlichen Feststellungen Ilcberstundenleistungen gemacht wer- den, welche weder mit dem Gebot des Achtstundentages, noch dem Lohntarif vereinbar find. So sind laut Lohnbüchern in dem Eisen- bahndirekiionsbezirk Köln im Monat November 1321 inner- halb vier Wochen von 11000 Arbeitern 162 000 Ucberstundrn gemacht worden. Nun sollen von der Eisenbahndirektion Köln 2231 Arbeiter entlassen werden. Durch die Aboabc der Arbeiten an Unternehmer müssen die General Unkosten doppelt gezahlt werden, und das De- fizit der Eisenbahn wird noch mehr in die Höbe geschraubt. Außer- dem wird so die Privatisierung der Eisenbahnen ge- fördert und der Achtstundentag durch U eberstunden durchbrochen. Arbeiter werden entlassen und Beamte mit bedeutendem Nebenerwerb, sogenannte Doppelexistenzen im Betrieb belassen. Das Reich wird bei der Enllassunq aus keinen Fall besser wirtschaften wie jetzt, weil die zu zahlende Arbeitslosenunter st ützung mit dem größer werdenden Defizit zusammen die eingesparten Löhne überholt. Zür Jugenüschutz unö Jugenürecht! Eine Kundgebung der Berliner Arbeiterjugend. Der Reichsausschuß der Arbeiterjugendorganisationen, hinter dem die Jugend der Eamerkschaften, die mit den Unabhängigen ver- bundene„Sozialistische Proletarierjugend" und die alte Arbeiter- jugendorganisation Deutschlands stehen, hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, die arbeitende Jugend der Republik zu großen önlichen Kundgebungen für einen ausgedehnten Iugendschutz und gegen die von den Unternehmern geplante Bierlmdfünfzigstundenwvche auf- zurufen. Bevor der Reichsausschuß diesen Aufruf hinaussandt«, hatten die Führer der Berliner arbeitenden Jugend schon damals daran ge- dacht, durch«ine solche K-mdgebnng den einigen Willen des Jugend- Proletariats zum Ausdruck zu bringen; sich von den durch die No- vembergesetzgebimg geschaffenen Rechten kein Jota rauben zu lassen. Di« gemeinsam« Kundgebung für Berlin war schon vorbereitet— am 1. März fand sie in den Sophiensal-en als erste im Reiche statt. Mit dem alten Lied der Arbeiterjugend:„Dem Morgenrot ent- m* begann die Kundgebung. Dann nahm Reichstogsabgeordneter rosse Karl Schreck das Wort zum Referat. Einer der anwesenden Kommunisien versucht« zu stören, indem«r sich zur Geschäfts- ordmmg meldet«. Jedoch schon die ersten Worte des Genossen Schreck packten die Jugenogenossen und ließen sie aufhören, io daß der Störenfried durch Nichtbeachtung gebührend gestrast wurde. Genosse Schreck charakterisierte scharf das Bürgerrum, das iava- tisch gegen die wenigen Recht« der Arbeiterjugend ankämpft und aus Mangel an Geist und Witz die alte dumme Redensart von der ,.Ber° dorbenheit der Jugend" aufwärmt. Gerade die Bourgeois, die als begeisterte Heimatkämpfer die Kriegsflammen geschürt und so die Hauptschuld an dem jetzigen Elend der proletarischen Jugend tragen, sind die eifrigsten Hetzer auch Herne, wo es gegen die Recht« der armen Lehrlinge und Lehrmädchen und der jungen ausgebeuteten Arbeiter und Arbeiterinnen geht. Es ist geplant, die Forlbildungslchulzeit in die Feieralrendstunden zu verlegen. Das bedeutet für die arbeitende Jugend nichts anderes als den Verzicht aus den Achtstundentag. Es ist rin er- freuliches Zeichen, daß dos Iungproletariat früher noch als die Alten die Wahrheit erkennt, daß es, wie Lossalle gestigt hat, im ge- schichtlichen Moment all« Kräfte aus«inen Punkt zu konzentrieren gilt. Di« arbeitende Jugend ist durch die Erziehung der Zeit klug genug geworden, um erst ihre erworbenen Rechte zu verteidigen und fest zu verankern, ehe sie daran denkt, neue Rechte zu erkämpfen. Ein Tor, wer zum Fernsten strebt imd währenddessen das Greisbare fahren läßt! Erst wenn der Achtstundentag der Arbeiterjugend ge- sichert ist. dann gilt es für neue Rechte zu kämpfen. Die proletarische Jugend braucht Ferien! Die Religionsschwäszer sind es, die ihr den Weg in die Natur versperren wollen, die Trompeter der Vater- landsliebe sind es, die ihr den Weg zur Heimatliebe verbauen. Jugendherbergen müssen geschaffen, Fohrpreisermähi- gun g in noch größerem Umfang bewilligt werden. Die Gesund- heit der arbeitenden Jugend gilt es zu schützen! Auch die Lohn- Verhältnisse müssen neu geregelt merden. Begeisterter Beifall bekundete, daß die Jugend bereit ist, ihre Recht« zu sichern und auch für die weiteren Forderungen geschlossen «Anzutreten. Der Vorsitzende Genosse Ollcnhauer verlas noch fol- gende Resolution des Ortsausschusses der Arbeiterjugendargani- stitionen Groh-Berlins: Die werttätige Jugend Berlins, die am 1. März 1922 zu einer gewaltigen Kundgebung vereint ist, fordert von den maßgebende Stellen in Staat und Reich mehr als bisher einen Schutz ihrer elementaren Rechl-e. Sie fordert besonders gesetzlich« Maßnahmen zur Erweiterung des Iugendschutzes und ein« neu- zeitliche Regelung des Lehrlingswesens. Mit aller Enl- fchiedenheit legt sie dagegen Verwahrung«in, daß durch eine Der- längerung der Arbeftszeit die'wenigen vorlzandenen Rechte ge- schmälert werden. Vielmehr verlangt die Jugend größere wirt- schaftliche Freiheiten. Die arbeitend« Jugend Berlins stellt sich rückhaltlos hinter die Fordsrungen des Reichsausschusses der Arbeiterjugendorganifatio- neu und verpflichtet sich, mit aller Kraft dafür einzutreten. Da bei einer Kundgebung, noch dazu bei einer der gesam- t«n organisierten proletarischen Jugend Groß-Berlins(mit Ausnahm« der Kommunisten) kein« Diskussion stattftndek, brauckus über die Re- solution nicht erst abgestimmt zu werden. Der Gesang der„Im er- ncttionole" beschloß den Abend. Kommunisten, die auch diesmal wieder stören wollten, wurden mit Recht als— Luft behandelt und taten darüber sehr empört._ Bestrafung wegen Führung der allen Handelsflagge. Der KapI- tän des Dampfers„Anni Hugo S t i n n e s VI" ist in eine Polizei- strafe von 1S00 M. genommen worden, weil er bei seiner Ankunft im Hafen die alte deutsche Handelsflagge gesetzt hatte. Werftarbeiter der Schiffswerft von Henri Koch-Lübeck hatten den Kapitän bei der Polizeibehörde gemeldet. Der Kapitän hat wegen der Bestrafung gerichtliche Entscheidung beantragt. vi« spaulsehe Prämie sür die Ergreifung der Mörder Dato». Die spanische Kommission sür die Berteilung der zur Ermittlung der Mörder Dato? ousoesetzten Prämie hat beschlossen, eine Summe von 800 000 M. nach Berlin zu schicken und den bis zu einer Million Pesetas verbleibenden Rest zur Auszeichnung weiterer Personen zu verwenden, die zur Ergreifung beigetragen haben. Hermes will ein Ministerium abgeben. Dr. Hermes, der zur- zeit das Reichsernäbrungsministerium leitet, gleichzeitig aber auch ersatzweise die Geschäsie des Finanzministers führt, hat den Reichs- tanzlcr gebeten, bald eine Entscheidung darüber zu treffen, welches von den beiden Acmtern«r in Zukunft bekleiden soll. Hermes be- gründet den Wunsch der Enthebung von einem der zurzeit von ihm: geführten Aemter damit, daß es ihm aui die Dauer unmöglich sei. I die schwere. Derantworlting, die aus beide u Mustste; ien laste, ge- i vicinsam zu tragen.~__,. 1 Die Militarherrfthast am Rhein. Milliarden, die den zerstörten Gebieten verloren gehen. In der gestrigen Sitzung des Reichstags wurde die zweite Lesung des Haushaliplanes für das Reichsschatzministeeiuni fort- gesetzt. Der Ausschuß fordert eine Denkschrift, aus der die gesamte Geschästsgcbarung der jetzigen industriellen und kaufmännischen Reichsunternehmungen und der jeweilige Stand ihrer Betriebe zu er- sehen ist, ebenso eine Denkschrift über Vereinfachung der Reichsver- waltung und über die Zuweisung der Aufgaben des Reichsfchotz- ministerimns an andere Ministerien, sowie eine Denkschrift über die Verwertung des Heeres- und Marineguts feit Krisgsbesndigung. Abg. StuAen(Soz.): Das Reichsfchotzministerium war von vornherein nur als eine Nebergangsbehörde gedacht. Eine augenblickliche Beseitigung dieses Ministeriums, wie es vsrtchiedentlich gefordert wird, ist nicht mög- lich. Damit würde man einen Stein aus dem ganzen Gebäude der Reichsverwaltung reißen. Di« Verwertung des Heeres- und Marinegutes war«ine überaus wichtige Aufgab« des Ministeriums, die ihrer Läsung entgegensieht. Leider hat die Verwertung nicht die erwünschten Summen gebracht, weil kas heeresgut durch gewissenlose Schieber verschoben wurde. Daher die kläglichen Summen, daher ein Schaden von über einer Milliarde Mark. Man kann aber einen einzelnen Minister hierfür nicht verantwortlich machen, son- dcrn die Verantwortung trifft diejenigen, die in gewissenloser Weise deutsches Heeresgut im Stich gelassen haben, um das eigene Leben zu retten. lieber die Aufhebung des Ministeriums besteht in allen Parteien volle Klarheit. Fraglich ist jedoch der Zeitpunkt. Wir sind auch für Ersparnis, aber die Ersparnis darf nicht geringer fein als der Schaden, der durch eine eventuell« zu frühe Aufbebung des Ministersums angerichtet werden würde. Man hat oft genug dar- ans hingewiesen, daß das kleinere Deuffchland eine qrößere Beamten- schaff hat, als das Deutschland vor dem Kriege. Man vergißt dabei, daß diese Vermehrung der Beamtenschaft größtenteils auf der Erfüllung des Friedensvrrlrages beruht. und zahlreiche neu» Aiisführungsbehörden benötigt. Hinzu kommt noch, daß das Reich die aus den besetzten Gebieten, aus Oberschlcfien und Elsaß-Lothringcn ausgewiestnen Beamten wieder in den Dienst einstellen mußte. Eine Vereinfachung ist insofern möglich, als es Angelegenheiten gibt, die gleichzeitig in stinf bis sechs Ministerien bearbeitet werden. Unser Verwaltinig-körper krankt an einer großen U m st ä n d l i ch k e i t. Alle Ministerien werden sich ans eine große Streichung von Bcamlenstellen gesaßt machen müssen. Wir fordern daher von der Rcichsregierung. daß sie uns spärestens im Herbst dieses Jahres eine Denkschnst über die Vereinjachunq der Reichs- Verwaltung vorlegt. Denn wenn wir die Rcichsregierung nicht vor diese Tatsache stellen, wird aus dem ganzen Abbau nichts werden. Die Beamten sind zwar der Meinung, daß man sie aus der ihnen einmal zugewiesenen Stellung nicht entheben kann. Wir sind da anderer Meinung. Es gibt so viel« andere Möglichkeiten, wo man die Beamten unterbringen kann, z. B. die Wohnungsämter, die wie die Kriegsgesellschaften von Schiebern geleitet werden. Dann wer- den auch die Bestechungen, die in letzter Zeit einen erschreckenden Umfang angenommen haben, aufhören. Sodann ist aber das Reich durch das Reichsschatzministeriuin an der Stickstoff- und Elcktrizitätsindustrie beteiligt. Das ist sehr zu begrüßen. Künftighin muß es dem Reich mög- lich fein, produttionsausgleichend'zu wirken. Die Hauptaufgabe des Schatzmiuisteriums liegt aber in der Verwaltung der besetzten Gebiete. Leider sind wir in dem besetzten Gebiete nicht mehr Herren wie im eigenen Haufe. Die französischen Besatziiugs- und Militärbehörden erlauben sich die unerhörtesten Uebergrifse. So haben sie z. B. Anstoß genommen an dem deutschen Schulunterricht im besetzten Gebiet. Alles deutet darauf hin, daß die Franzosen die Absicht haben, sich ans dem linken Rheinufer länaerc Zeit festzusetzen. Sie lassen Flugplätze anlegen', Kalernen bauen, Wälder abholzen für Truppenübugnsplätze usw. Die vesahungskoflen betrugen bis Ende Dezember 3Ü Milliarden Goldinark, eine Summe, die sich im Hinblick auf die unerhörten Ansprüche der vesatzungsbehörden aus rund 5 Milliarden Gcldmark erhöhen dürfte.(Lebhaftes Hört, hört!) Nicht nur für die Besatzungstruppen, sondern auch für ihre F a ni i- lien uNd Angehörigen müssen'wir Wohnungen beschaffen, während wir sür untere Bevölkerung hier die erforderliche Zahl von Reubauten nicht ausführen lassen könne». Die willkürlichen Forde- rungen vieler französischer Offiziere gehen in die Millionen. In einen» Falle wurde eine deutsche Kaserne als Unterkunft für die französische Besatzung abgelehnt mit der Begründung, daß der französische Soldat kulturell höher stehe als der deutsche und daher in einem solchen„Loch" Nicht zu wohnen brauche. In Mainz mußte sür einen französischen Angadegeneral ein? Zentralheizung angelegt werden in Höhe von 141 VW Mark, ob- wohl die Ofenheizung ausgezeichnet limktionierte. Gegen Beamte im besetzten Gebiet, die sich weigern, diese Unsummen zu bewilligen, geht man in der rigorosesten Weise vor, mit hohen Gesang- nisstrasen; daher will kein Beomtcr in das besetzte Gebiet vor- wiesen werden. Die Zahl der Garnisonen im Rheinland, die früher 28 betrug. hol sich jetzt auf 226 erhöht. Die Ansprüche der Brtatzungsbehörden hallen sich in keiner Weise geändert, sie steigern sich sogar noch. Am 1. Dezember 1921 beiru- gen die von den Vesatzungsbehörden belegten Vrivntwohnungen etwa 10 VW, daneben außerdem noch 40 VW Zimmer. Die Zahl der französischen und belgischen Offiziere wächst von Taa zu Tag. Sie brinzea Frauen. Kinder und verwandte mit, und wir sind gezwun- gen. für alle Wohnungen zu beschossen. Sogar sranzösilche vriool- Personen, die sich nicht die Mühe machen wollen, ein? Wohnung zu suchen, wenden sich an die ftanzöflsche Quartier wache, von der sie an? Kosten des Deutschen Reiches Wohnungen zugewiesen bekommen. Zwar haben die Besatzungsmächte eine Herabminderung der De- satzungstruppen und der dadurch denötigten Kosten anerkannt. Bis- her hat man aber nichts für eine Beiatzungsverminderung getan. Mit dieser Verschwendimg werden die Franzosen bei der rheinischen Bevölkerung sicherlich keine moralischen Erfolge haben; wir dagegen haben Mittel und Wege zu finden, die Wünsche der sranzösischsn Be- sotzungsbehörden auf das Mindestmaß zu beschränken. Vielleicht kann dies durch ein internationales Schiedsgericht ge- schehen. Leider wird die rheinische Bevölkerung durch die Besetzung außerordentlich schwer belastet und leider gibt es im besetzten Ee- biete Deutsche, die die Notlage des deutschen Volkes zu eigenem Vor- teile ausnutzen. So haben verschiedene Reparation sgewinm l e r durch die Anmeldung von Reparationsschäden bei der deutschen Regierung höhere Summen angegeben, als die Schäden wirklich betrugen. In der französischen Kammer hat man behauptet, daß die deutsche Regierung diese Machinationen noch unterstütze, um die Bcsatzungskosten möglichst hoch erscheinen zu lassen. Wir müssen mit allem Nachdruck eine solche Behauptung zurückweisen. Um allen diesen Mißständen abzuhelfen, wurde die Reichsvermögens- oerwoltung weiter ausgebaut. Leider wurde der Präsident aus dem besetzten Gebieie ausgewiesen. In diesen Tagen hielten die So- z i a l i si e n in Frankfurt a. M. eine Konferenz ab. Wir dür- fen hoffen, daß alle Teilnehmer in ihren Ländern auf diese Miß- stünde hinweisen werden. Wenn wir mit diesen ungeheures Summen in dem-erstörken Frankreich ausbauen könnten, so wäre damit dem sranfSssschcn Volke viel mehr gedient. Hoffen wir, daß es uns bald vergönnt sein mö»», dieses Ziel in die Tat umfeb.en zu können. Nach weiteren Ailssulfrungen der Abgg. Schuktz-Broinbcrq (Dnat.), Dr. Eremcr(D. Vp.) und L�nze Yege.k.eoy(Z.) ergreift das Wert Reichsschatzminister Lauer: Das Reichsschatzministerium hatte sür die Wünsche der Leuör. c- rung der besetzten Gebiete stets das grüßte Verständnis. Das Ministerium bemühte sich auch, diesen Wünschen Rechnung zu tragen. Nach Möglichkeit sind die Rheinlander zu Beamten ernannt worden, schon deswegen, weil die Interalliierte Kommission Schwierigkeiten machte bei dem Versuch, Beamte aus den unbesetzten Gebieten im Rheinland unterzubringen. Für die Förderung der Ersatzbauten sind die erforderlichen Mittel im Etat gefordert worden. Aber es liegt nicht allein am Wollen, sondern auch am Können. Baustoffe sind nur schwer zu beschaffen und viel muß sür die Reparation-- zwecke geliesen werden. Es fehlen die gelernten Arbeftskräfte. Schließlich können auch die Stadtverwaltungen heute nicht schneller bauen als früher die Reichsvermogensverwaltung. Nun noch einige andere Fragen: Bezüglich der Gründung einer Aktiengesellschaft baben nur Borbesprechungen stattgesunden. Auch wir sind dafür, daß bei der Ge t r c i d e g e s e l l s ch a f t die Land- wirte und die Genossenschaften die Mehrheit haben sollen.— Zur Frage der Auslösung des Schatzministeriums ist zu be- iperken: Das Neichsschatznnnisterium verwaltet ein Vermögen von 2 Milliarden Marl. Die Reichsbauverwaliung kann nicht ohne weiteres den Ländern überwiesen werden. Die Reichswehr hat im ganzen nur 4 Proz. der Bauausgaben übernommen. Im besetzten Gebiet ist ein gewaltiges Maß von Acbfit zu leisten, das man nicht einfach den Provinzialbehörden überlassen kann. Bei der Berwal- tung des Schatzministeriums befinden sich noch 11 Srlegsgescllschasten in Liquidation. Die unliebsamen Erfahrungen mft den Kriegsgesellschaften gehören aus das Konto des allen Regimes. Die Art. wie damals unter dem kaiserlichen Regime die Kriegsgesellschaften aufgezogen wurden, war ein unerhörter Skandal. An Verschwendung von Reichsmlkteln ist Unglaubliches geleistet worden. Wenn man die Geschäfte während des Krieges aufdecken wollte— der Unrat würde zum Himmel stinken.(Sehr richrigl links.) Aber durch solche Anklagen ändern wir nichts. Wir wollen und müssen die Schäden, die wir übernommen haben, keilen. Auf die Beamten des Schatzministeriums fällt auch nicht der Schatten eines Vorwurfs der Korruption. Auch Dr. Cremer hat das anerkannt. Wir bemühten uns, den Heeres- qutoerkäuten nachzugehen. In Tausenden von Fällen haben Offiziere einfach Heeresgut selb st gekaust, und zwar zu sehr billigen Preisen. Wir verlangen in solchen Füllen den Preis vom Dezember IßiS. Auch nicht in einem Falle war bei diesen Dingen ein Beamter des Schatzministerinms beteiligt. Das ist bei der starken Versuchung ein gutes Zeichen für den Geist dieser Be- aintenschaft.(Zurus rechts: das ist der alte Geist!) Nicht den alten Geist, wohl aber diesen alten Geist bin ich bereit aufrechtzuerhalten. Zum Fall Morullius ist zu sagen, daß Morvilius jahrelang Angestellter der Seehandlung und anderer Finnen war. ohne daß ihm irgend etwas vorgeworfen werden konnte. Dem Schatzministerium har Morvilius die besten Zeugnisse vorlegen können. Nun soll ein Brief an das Mi- ni st e r i u m geschrieben worden sein. Wir haben diesen Brief n i ch t b e k o m in e n. Die Pressehetze hat zur Folge gehabt, dag der leitende Beamte, der in Frage kam, seelisch zusammenbrach. Alle Schränke wurden sofort versiegelt und die von Morvilius geleitete Finanzabteilung konirolliert. Die Reichstreuhandgesell- s ch a f t hat ihre Nachprüfung jetzt abgeschlossen. Das Ergebnis ist. daß Morvilius seine Sochverftändigenarbeit nicht durch Unehrlichkeit entehrt hat. Morvilius hat also ein Doppelleben geführt. Der Sparsamkeilskommissar muhte Schiffbruch er- leiden, weil er keinen Einblick in die Verwaltung der einzelnen Ministerien haben konnte. Sparsamkeit kann nur der Finanzminister und der Reichstag erzwingen. Lehnen Sie den Antrag auf Auf- Hebung des Schatzministeriums ab! Avg. Gokhein(Dem.): Das Geld, da- die Besatzung tostet, könnte den Kriegsbeschädigten in Frankreich wenigsten? zugute kommen. Die vortreffliche Rede des Abg. w t ü ck l e n ist sabotiert, ja denunziert worden durch die Agitationsrede des Abg. Schultz-Bromberg. Sie(zu Schultz-Bromberg) sind ein Feind des Deutschtums. (Abg. Schultz- Bromberg: Unerhört!) Ungeschickter könnte nie- wand verfahren, wie Sie es getan baben!(Abg. Schultz- Brom- berg: Unerhört! Wer hat dos Wort von der Luderwirischaft zuerst gebraucht?) Sie!(Abg. S ch u! tz- Bromberg: Nein, Beckcr-Hessen! Da blieb es unwidersprochen!) Wir haben olle Ursache, Sparsam- keit zu fordern. Wir wünschen eine Denkschrift über die Kosten der Behörden im besetzten Gebiet. Damit schließt die allgemeine Aussprache. Abg. Schultz-Bromberg(Dnat.) Ipersönlichs: Der Abg. Gochein hat d'e Wirkung meiner Rede als vaterlandsfeindlich bezeichnet, wäh- rend er die Rede des Sozialdemokraten Stücklen als wahrhaft national bezeichnete. Das ist nur des Ausdruck des Aergers darüber, daß unsere Grundsätze immer nichr Allgemeingut des deutschen Volkes werden.(Ledhafte Ho!-Ho!-Rufe links.) Im übrigen erwarte ich von Herrn Gochein die Zurücknahme der beleidigenden Unterstellung. Abg. Gothein lehnt die Zurücknahme seiner Aeußerung ab. Abg. Schultz-Bromberg(Dnat.): Wenn Herr Gochein seine beleidigenden Aeußenrngen nicht zurücknimmt, so' bedauere ich, daß sein Verständnis auf einer so geringen Stufe steht. Nächst? Sitzung Freitag 2 Uhr: Anfragen, Reichsmietengesctz, Absttmmunz über die kommunistische Resolution auf Rückgängig- machung der Auslieferung der Mörder Datos, Rest von heute.— Schluß'AI Uhr. die vorbilüung üer Reichswehrsolöaten. Äer Hauptausschuß beS Reichstages setzte am Donnerstag bei der Beratung über den Etat des Reichs lvebrmini st eriumS die Debatte über das. Thema dcS bürgerlickien Unterrichts des Soldaten fort. Die Abg. Stücklen iSoz.). Schreiber(Z.) und Erling7:f, eine sieben- bis achtflafstge Vollsichiile oluc Fortbildung IkiLvS, eine fünf- bis scchSklasnge VolkSichule 10 380, eine ein» bis zwei- klassige Dolksschukc 7007. Der Beruf der am bürgerlichen Unter- richt teilnehmenden Soldaten war folgender: 11 8SS Handwerker, 2627 Kauileute, 5735 gelernte und 6308 ungelernte Arbeiter. 5920 Landarbeiter. Am allgemeinen Unterricht nehmen teil 24,283, am allgemeuien Beanttenunierr'cht 15 541. am gewer blich-technffchrn ! ljaudwcrklicheu Un;enicfc: 1993, an, iaudwilts�astlichn: Unter.».:,, 1994, im aanLen 12 720. GewerMoftsbewegung Kapitalistischer Heisthuuger. Kaum ein Tag vergeht, an dem die bürgerliche Presse nicht in der einen oder anderen Form die.Sanierung' der Staats« und Kommunalbetriebe fordert, da« heiht ,hre Auslieferung an Kapita- listengeiellschaften. An sich ist begreiflich, das; die vom Unternehmer. tum aufgekaufte und auSgehaltene Presse leine andere Aufgabe hat, als eben die Unternehmerinteressen zu vertreten. Drete Presse soll daS nicht allzu auffällig machen, möglichst in versteckter, unauf. fälliger Weise. Sie kann eS in diesem Falle einfach nicht, weil die Aufdringlichkeit und Ungeduld, mit der die StinneS-Leute an die Eisenbahnen herangehen wollen. eS nicht zuläßt. Kam am Mitt- woch abend z. B. im.Berliner Tageblatt' der ehemalrge General- direklor der.Großen Berliner' zu Wort, um als Gutachter nachzuweisen, daß der Berliner Straßenbahnbetrieb wieder iu ein privatkapitalistisches Unternehmen verwandelt werden muß. so gestern abend ein Professor im.Lokal-Anzeigtr'. der dre Auffassung vertritt, es gäbe heute wohl keine gemeinwirt- schaftlichere Tat. als den Fiskus vor den Ber lusten zu schützen, die er ouS dem Staatsbetrieb erleidet... Sicherlich sind die von Gemeinsinn triefenden Kapitalisten gern bereit, dem FiSluS jedes Risiko abzunehmen, samt den ganzen Elsenbahnen. Die professorale Beweisführung, daß«in Unternehmer- Monopol über die Eisenbahnen dem StaatSmonopol vorzuziehen fei, ist derart, daß man sie unter die Lupe nehmen müßte. ES lohnt sich nicht. Man merkt die Absicht.., Diese Anstrengungen lassen aber auch den nicht unbegründeten Verdacht aufkommen, daß die mit den Eisenbahnen irgendwie ge- schästlich in Verbindung stehenden Privatunternehmungen alles daransetzen, die Rentabilität der Staatseisenbahnen unterbinden zu helfen, waS einmal im Zuge des ProfitmachenS liegt, weiter aber in der Richtung der Agitation für die Entstaatlichung. Hier muß es Sache der Betriebsräte sein, die Augen offenzuhalten und Material zu sammeln._ Kommunistische Hetze. Lediglich die Tatsache, daß der Berliner Magistrat beschlossen bat, in der Lohnfrage der städtischen Arbeiter und Angestellten doS Reichsarbeitsministerium als Schiedsstelle anzurufen, benützt die .Rote Fahne' als Anlaß, um da« kaum erloschene Streikfeuer wieder anzufachen. DaS Hetzblatt schreit wieder:.Haltet den Dieb!', schreibt von einer wahnsinnigen Hetze von.Vorwärts' und»Frei- heil', um seine Hetze zu maskieren,»von den Verrätern der SPD.', von»verräterischer Haltung der Gewerkschaftsspitzen' und sucht schon jetzt die städtischen Arbeiter aufzuputschen gegen den zu er« wartenden Schiedsspruch..Jede Arbeiterschaft, die noch Kraft und Energie besitzt, verzichtet auf die berüchtigten Schiedssprüche des Arbeitsministeriums usw'. Krakeel und Stank auf jeden Fall. Dieses gewissenlose Treiben richtet sich von selbst. Die Eisenbahn eutlästt ihre Ausgelerute«! Am 1. April sollen bei der Eisenbahn umfangreiche Entlas s u n g e n vorgenommen werden. Zu den im Direktionsbezirt Berlin zur Entlassung vorgesehenen Arbeitern gehören auch die etwa 300 Lehrlinge, deren Lehrzeit Ende dieses Monats ab- gelaufen ist. Den Eltern wird per„Einschreiben' mitgeteilt,� daß ihr« Söhne ab 1. April bei der Eismbahn nicht weiter beschäftigt werden. Hierzu wird uns geschrieben: »Die fetzt auslernenden jungen Leute sind Kriegslehr- linge im wahren Sinne des Wortes. Die Eisenbahnoerwallung legte während des Krieges großen Wert darauf, durch Massen- einftellungen von Lehrlingen den Verlust an Arbeitskräften, die zum Heeresdienst herangezogen wurden, zu decken. Die Ausbil- dungsmöglichkeiten waren während des Krieges die denkbar un- günstigsten. Handlangerarbeiten und dergleichen gehörten zum Mittel der Ausbildung. Nach dem Kriege wurden die Lehrlinge, die jetzt in großer Zahl in den Werkstätten beschäftigt wurden, durch die Einstellungen der vom Heeresdienst heimkehrenden Ar- beiter überflüssig. Auch jetzt war durch Raummangel usw. die Aus- bildung nicht derartig, um die Gewähr dafür zu bieten, daß tüchtige Handwerker herangebildet werden. Jetzt springt man aber mit derselben Sorglosigkeit um. mit der man ehedem die Lehrlinge ein- gestellt hat. Man nimmt keine Rücksicht auf die schlechten Aus- bildungsmöglichkeiten, denen die noch jetzt Lernenden ausgesetzt waren. Auch geht man rücksichtslos darin vor, Schwächliche, durch die„herrliche Zeit' während des Krieges unterernährten Jugend- lichen, nicht weniger hart anzufassen. Man treibt Jugendpflege aus der Eisenbahn und dergleichen Dinge mehr: aber es ist wirklich wenig davon zu merken, ob diese Jugendpflegearbeit auch im Sinne der Jugendfürsorge geübt wird. Sonst dürften derartige Rücksichtslosigkeiten nicht aufkommen. Schon im letzten Jahre halle das Reichsverkehrsministerhim Entlassungen der Auslernenden geplant. Durch einen Eingriff des Reichsarbeitsministers vom 31. März 1921 wurden diese Maß- nahmen rückgängig gemacht. Der Reichsarbeitsmini st er wies in seinem Schreiben noch besonders darauf hin, daß durch eine etwaige Entlassung große Gefahren in sitt- l i ch e r Beziehung sür die jungen Arbeitslosen entstehen könnten. Durch solche Maßnahmen, wie sie das Reichsoerkehrs- Ministerium jetzt vorzunehmen gedenkt, kann es dahin kommen, daß die„Jugend der Zukunft" dem Laster in die Arme getrieben wird. Insgesamt kämen in Deutschland durch die �Ministerialoerfügung etwa 6000 Ausgelernte zur Entlassung- Wir möchten nicht ver- säumen, die zuständigen Stellen vor aller Oeffentlichkeit von dem rücksichtslosen Vorhaben noch in letzter Stunde abzubringen. Unser Ruf darum:„Schafft nicht noch mehr Arbeitslose— bedenkt, es sind Jugendliche.' Wir können uns dem Verlangen nur anschließen, die Aus- lernenden nicht zu entlassen. Sie sind mit ihren Eltern das Lehr- verhällnis bei der Eisenbahn in der Erwartung eingegangen, auch nach der Auslehre im Eisenbahndienste beschäftigt zu werden. Könnten sie wenigstens ohne weiteres zur Privatindustrie über- gehen, dann würde gegen ihre Entlassung aus den Eisenbahnwerk- stätten wenig oder nichts einzuwenden sei, obschan es sonst nur den Gepflogenheiten lehrlingszllchtender Jnnungsmeister entspringt, die Ausgelernten zu entlassen und an ihre Stelle neue Lehrlinge zu setzen. Die Verpflichtung, die jungen Menschen zu brauchbaren gelernten Arbeitern heranzubilden, lag vor. Ist die Eisenbahn dieser Verpflichtung nicht nachgekommen, dann ist sie um so weniger morakffch berechtigt, die«»angelhaft ausgebildete» Ausgeleruten auf den überfüllten Lrbellstnarkt zu schicken, wo man kaum geeignete Verwendung für sie hat._ Jnteressaute Eisend ahnstreikführer. üfc« der.Germania' nennt der Zentrumsabgeordnet« Josef Ersing einige von den Führern der Reichsgewerks6)aft deutscher Eisenbahnbeamter, die an der Streikpropaganda lebhast be- teiligt waren, und einige Führer der Reichspostgewerkschaft, welche dieser Propaganda rege Sympathie bezeugten. Es feien darunter hervorgehoben der demokratisch« Reichstagsabgeord» n e t e Eisenbahnassi st ent Schult, der deutschnatio- nale Abgeordnete Schmidt-Stettin, der volkspar- teiliche Abgeordnete Selber, der deutschnationale Abgeordnete Oberpostsekretär Vogel, der volks- parteiliche Abgeordnete Oberpostsekretär Maroth und die Zentrumsreichstagsabgeordneten Ober- postsekretär Koch und Postsekretär Allekotte. Wer sich diese Führerliste ansieht, der wird hoffentlich den letzten Zweifel darüber verlieren, daß nur die Lebensinteressen der Beam tenfchaft diese Herren zu ihrem radikalen Vorgehen bestimmt haben; daß jeder Hintergedanke, dem Kabinett Wirth und der Republik Schwierigkeiten zu bereiten, ihnen vollkommen ferngelegen hat. Moskau wird gern bereit sein, das urkundlich zu bestätigen._ Andrang im rheinisch westfälische» Industriegebiet. Trotz wiederholter Warnung durch die Gewerkschakten und die Landesarbeitsämter reisen immer noch Arbeitsuchende ins rheinisch westsälische Industriegebiet, in der Hoffnung, irgendwo Arbeit zu finden. Vielfach sind eS aus dem Osten zureisende Arbeiter, die sich durch bereit» im Industriegebiet beschäftigte Verwandte und Bekannte verlocken lassen. Dieser planlose Zuzug bringt die zu- reisenden Arbeiter in die schlimmsten Situationen. Findet sich auch Arbeit, so ist«ine Unterkunft, selbst der primitivsten Art, nicht zu finden. Immer wieder wandern die Zureisende» ohne Aussicht auf Erfolg von Stadt zu Stadt und derbrauchen ihr« Mittel, ohne den gewünschten Erfolg zu erzielen. Die Bahnhöfe bieten in steigendem Maße wahre Elendsbilder dieser planlos Zuwandernden. In den Städten des Industriegebiets besteht ein derartiger WohnungS- und Logismangel, daß die Behörden nur den durch einen Arbeitsnachweis oder ein Landes- arbeitsamt für eine bestimmte Firma vermittelten Arbeiter ein Unterkommen vorher bereitstellen. Alle ohne solche Vermittlung Zureisenden müssen, selbst wenn sie Arbeit finden würden, abge wiesen werden. Es kann daher nicht dringend genug vor einem planlosen Zuzug gewarnt werden. Einigung in der Wiener Metallindustrie. Der Wiener.Srbeiter-Zeitung' zufolge stimmte die Betriebs konferenz der Wiener Metallindustrie den bisherigen Abmachungen hinsichtlich der Lohnverhandlungen zu, und erteilte der Verbands leitung Vollmacht, die Verhandlungen fortzuführen, um e»nen ein- heitlichen Index für alle VertragSgemeimchaslen Oesterreichs zu erzielen. Weiter wird gemeldet, daß sich die Arbeiter in der Che- mischen und Metallurgischen Industrie dem Kompromiß in der Metallindustrie nicht anschließen, weshalb die Verhandlungen mit ihnen abgebrochen wurden. Dagegen seien dem Kompromiß mit den Metallarbeitern auch die Arbeiter der Gummiindustrie, der Zementindustrie und anderer Jndnstriegruppen beigetreten. Ebenso wurde da» Kompromiß auf die Kollektivverträge einer Reihe anderer Industrien ausgedehnt._ Zusammenfchlust im englischen Transportgewerbe. Durch Urabstimmung hat der Hafen- und DoS- arbeiterverband den Anschluß an den Transport- arbeiterverband beschlossen, der dadurch auf 420 000 Mit- glieder anwächst. Der Verband besteht au» sechs Gruppen: Hafenarbeiter, Binnenschiffer, Arbeiter im Landtransport- Wesen, Arbeiter im Landpersonentransportwesen, Handels- und Verwaltungsarbeiter und sonstige Hilfsarbeiter. Jede Gruppe bat einen eigenen Landesvorstand, dessen Mitglieder in den betr. Beschäftigungsarten selbst tätig sind. Diese Vorstände haben in der Hauptsache beratende Aufgaben, während die Entscheidungen über Taliik, Finanzfragen usw. in der Hand des Zentralvorstandes liegen, dem je ein Mitglied einer Gruppe angehört. Die Gruppen- vorstände werden durch Urabstimmung gewählt. Rückgang der Gewerkschafte« in Norwegen. Schon während de« Generalstreiks im Juni 1921 verlor der norwegische Gewerkschastsbund fast 23 000 Mitglieder. Die M>t- gliederzahl, die im April 1920 den Höchststand mit 148 484 erreicht hatte, ging nach jenem Streik auf IIS 187 zurück. Im September 1921 waren noch 104 000 und Ende de» verflossenen Jahre» kaum noch 100000 Mitglieder vorhanden. Dabei darf nicht übersehen werden, daß Norwegen fast b0 000 Arbeitslose, eine außer- gewöhnlich hohe Zahl, hat._ Zunahme der Gewerkschaften in Spanien. Der spanische Allgemeine Arbeiter verband, der dem Jnternatio- nalen Gewerkschastsbund angehört, konnte im Jahre 1921 seine Mitgliederzahl von 223 000 auf 2 4 3000 steigern. Außerdem haben seitdem eine Reihe weiterer Gewerkschaften den Anschluß be- sprocheri, u. a. der Landesverband der Handelsangestellten, der Ber- band der Bauarbeiter, mehrere Provinzialverbände der Landarbeiter usw. Die größten angeschlossenen Verbände sind die der Land- a r b e i t e r mit 61 827 und der Bergarbeiter mit ö3 846 Mit« gliedern. Darauf folgen die Bauarbeiter, Metallarbeiter, TranS- Portarbeiter usw._ Verband der«nchdindrr»nd Punlemrnrbeiter. Album-, Mappen- und Salanterirwarenbronch«. Die für heule abend 7 Uhr angesetzte gemeinsame Versammlung mit dem Verband der Salller und Porteseuiller ist nicht bei Boeker, Wederstratze, sondern in der fl&nitzsdank, fflrotze Frank. fürtet Str. 117. Berichterstattung Uder die Verhandlungen in Frankfurt am Main. Bollzithlige-I Erscheinen erwartet die Dranchenleltung. Deutscher Tra»-p»rt»rb«it»«»erb»nd. Teitil, Gruppe Kurzwaren. TiMe, Spitzen, Wolle, Garne, Wirkwaren, Miibelstoffe, Teppiche, Linoleum, Schirme, Seilerwaren. Heute!> Uhr Echulaula Neue Friedrichstratz». Hinter der Gor- nisonkirch«, Srurpenversainmlung.— Branche der Geschäftokutscher, Lager» arbeitet usw. Sonnabend 7 Uhr im Lokal von Feyfaro, Mclchiorstratze Ii, Versammlung der Gruppe Alt-Papier. Bericht der Lohnkommission. Deutscher Berkeheobund. Siratzen» und Kleinbahner. Sonnabend s Uhr in der Schulaula Weinmeisterstratzc, Versammlung des technischen Personals der Strabenbahn, Gruppe Waaenwiischer, Bahnwärter und Weichensteller. Be- triebarittcwahl. Vollzähliges Erscheinen notwendig. Wirtschast Reichswirtschaflsrat und Genua. In der Sitzung des Reparationsausschuffes des Lorläufigen Reichswirts chaftsrots am 1. März 1922 fand eine Besprechung der auf der Konferenz in Genua zu behandelnden Fragen auf Grund der übermittelten Tagesordnung und der Beschlüsse von Cannes statt. Der Staatssekretär im Reichswirtschoftsministerium Dr. Hirsch gab zu Beginn dem Wunsch« der Regierung um ein« Stellungnahme des Reichswirts chastsrals zu bestimmten praktischen Fragen Ausdruck. Die eigentlichen Ursachen der in der ganzen Welt verbreiteten drückenden Arbeitslosigkeit— es werden 8 bis 10 Millionen Arbeitslose geschätzt— ist in dem Niedergang des äst- lichen Europas als Produktions- und Konsmngebiet, bor Zerstückelung Europas und der daraus folgenden Erschwerung des internationalen Handelsverkehrs und schließlich der aus dem Kriege folgenden internationalen Verschuldung zu sehen. Mit diesen drei Grundfragen müssen sich deutsche Vorschläge fürdie Verhand- lungen in Genua hauptsächlich beschäftigen, da eine Diskussion der Friedensverträge ausgeschlossen worden ist. Im Anschluß daran gab Geheimrat Dr. Bücher vom Reichs- verband der deutschen Industrie einen«ingehenden Ueberblick über di« wirtschaftliche Lage der Industrie und ihre Verknüpfung mit der Weltwirtschaft und der staatlichen Finanzgebarung. Die Markent- wertung hat bewirkt, daß die industriellen Betriebe ihre Betriebsmittel nicht auf der Höhe halten können, di« für eine Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmärkte auf die Dauer notwendig fein wird. Das notwendig« Betriebskapital übersteigt häufig das Anlagekapital, so daß eine schwankende Konjunktur die Unternehmen gefährdet. Um den Unsicherheitsfaktor der ganzen Wirtschaft zu be- fertigen, ist die Stabilisierung der Währung notwendig, die zugleich den Zwang ausübt, die Produktionsmittel auf die mög- liche technische Höhe zu bringen, well dann nur noch die Oualitot einer Ware ihre Erporiföhigkeit verbürgt. Weltwirtschaftlich ist es notwendig, die stark zurückgegangene Konsumtions kraft zu wecken/ was nur durch di« Schaffung großer Ausgaben sür di« Produktion ge- schehen kann. Von diesem Gesichtspunkt aus ist der Wiederaufbau Rußlands, ferner der des Verkehrswesens sowohl in Deutschland selbst wie in Europa überhaupt zu betrachten. Der Redner gab dann einen Ueberblick übe? den Stand der Verschuldung der Ententeländer sowie Einzelheiten der wirtschaftlichen Lag« Amerikas und Rußlands. Nach längerer eingehender Erörteruno der allgemeinen Wirtschaft- lichen Fragen, an der die Mitglieder Wissell, Stinnes. Dr. Hilsser- ding, Baltrusch, Krämer, Feiler Bernhard und Cohen teilnahmen, wurde beschlossen, zu den für Deutschland besonders in Betracht kommenden Punkten der Tagesordnung für die Konserenz von Genua besondere Gutachten von den zuständigen Ausschüssen einzufordern. Die Einzelaulachten werden dann vom Reparationsausschuß zu- sammen gefaßt werden._ Devisenhausse. Der Dollar wurde an der gestrigen Börse mit 239.51 M. amtlich notiert. 10 M. teurer als vorgestern. Die Devüenbausse setzt sich auf der ganzen Linie fort, die Marl sin�t weiter. Der zurückgehaltene Einfuhrbedarf macht steh wieder geltend. nachdem die letzten Monate aus Kosten der Ernährung einen Ueber- schuß der Auirnhr über die Einfuhr gebracht Satten. Die Kurse der Dividendenwerte sind noch immer im Steigen. Aeberftemdet. Ein schweizerisch-deutsch-französisches Syndikot hat die Aktienmehrheit der Steinkohlenberg werks-A.-G. in Bochum erworben, die bisher dem Stahlwerk Becker gehörte. An dem Syndikat sind beteiligt Stahlwerk Becker auf deutscher und di« Guyerzeller Bank auf Schweizer Seite. Der ftanzösische Teil- Haber ist nicht bekannt, es soll sich ober um ein« Kohlenhandelsgesell- schast handeln. Das Syndikat strebt nach der absoluten Mehrheit. asso nach der vollkommenen Herrschaft über das Werk. Das Syndikat stellt dem Stahlwerk Becker gleichzeitig 180 Millionen Mark zur Erweiterung seines Besitzes zur Berfügung. keine Älcderlassung Fords in Hamburg. Der Bertiner„Tag' machte vor einigen Tagen eine aufsehenerregende Mittellung über die geplante Niederlassung des amerikanischen Automobitfabrikanten und Milliardärs Ford in Hamburg. Er nannte diesen Plan„eine wirtschaftliche und nationale Gefahr, und die Rechtspresse im Reich übernahm diesen Alarmruf sosort. Nach den Meldungen des„Tag" > ii-n Kiritm handeln, daß Ford ein« Automobitt�brik m"run- den beabsichtigt, die 40 000 Arbeiter beschäftigen soll. Wie wir hierzu erfahren, ist es richtig, daß vor ungefähr sechs Wochen durch einen Vertreter Fords versucht worden ist, in Hafenorten an der Wasser- kante geeignetes Gelände zu erwerben, und daß auch Berhandtungen in Hamburg stattgefunden haben. Verhandtungen in Bremen, Wik- helmshaven und Rüstringen führten zu keinem Erfolge, da geeignetes Gelände nicht vorhanden war. Die Berhandtungen in Hamburg sind nicht wieder aufgenommen worden, also über das An- fangsstadium nicht hinausgekommen. Die Arbeiterschaft hat kein Interesse daran, gegen den genannten Plan Stellung zu nehmen. Die Hamburger Arbeiterschaft und die Gewerkschaften stehen einem Unternehmen, wie es von Ford geplant wurde, sympathisch gegenüber. Wetter bis Sonnabend mittag. Zeilweise heiter und zunächst elwaS tühler, im Westen noch leichte Niederschläge, sonst meist trocken. Später besonders im Westen neue Erwärmung. Verantw. für den rrdakt. Teil: Franz Kliitz». Berlin. Lichterfeld«: für An- zeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag Dorwärts-Berlog G. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärto»Buchdruckereili.BerlLgsani1alt Beul Singer u. Co.. Berlin. Lindenstr. 8. Hierzu 1 Vellage. Gegen rauhe aufgesprungene haut CREME MOUSON vollkommenstes Mdutpflegemittel Jßta MMD für Herren-u. Damen-Bekleidung dp lWW beste FabrUite, grofiB Agi«ilil,Vsrt auf oeliresiu i II Koch& Seetand' Geriraudtenstrv» ße SO— 21. 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März 7S22 Die Rechte im Rathaus streikt. Ter Lehmberg. ei« deutfchnationalcr Rcinfall.— Obstruktion ber Schulrcaktiouiire. In der Stadtverordnetenversammlung hatten gestern die Deutschnationalen sich zu einer«großen Aktion" gerüstet. Bei ihrer Anfrage wegen des Lehm- bergesinderBadstraße wollten sie„nachweisen", daß Stadtrat Pfeiffer vom Bezirk W e d d i n g die Stadt schwer geschädigt habe. Die Antwort des Kämmerers K a r d i n g war für die Fragesteller eine, vollständige Abfuhr, und die Redner der drei Lintsfraktionen(für die sozialdemokratische Fraktion die Genossen D r e w s und Krüger) vollendeten dann die Abschlachtung der leichtfertigen„An- k l ä q e r".— Nach dem Schmerz dieses �ineinfalles erlebten die Deutschnationalen und mit ihnen die Volksparteiler später die Genugtuung, wenigstens bei der Vorloge über die Reu- ufammensetzung der Schuldeputation für i e Bezirke 1— 6„Sieger" zu bleiben. Schon in einer früheren Sitzung hatten sie die Erledigung der Vorlage da- durch hintertrieben, daß sie unter Führung des Pfarrers Koch aus dem Saal auszogen und die Versammlung beschlußun- fähig machten. Ihr gestriger Versuch, das Manöver zu wieder- holen, scheiterte zunächst daran, daß man bei einer nichtnament- lichen Abstimmung die zwar nicht mitstimmenden, aber im Saale bleibenden Mitglieder der Rechten ungeachtet ihres Pro- testes vorschriftsmäßig mitzählte. Unser Genosse K r e u z i- ger geißelte ihre Verschleppungs- und Obstrut- t i o n s p o l i t i k. Nachher aber gelangten bei einer nament- lichen Abstimmung>ie Fraktionen der Rechten zu ihrem Ziel, die B e s ch l u h u n f ä h i g k e i t herbeizuführen. Zum zweiten- mal hätte es bei demselben Gegenstand gar keine Beschlußun- fähigkeit geben können, wenn nicht der Vorsteher E a s p a r i — vergessen hätte, in der Tagesordnung auf den betreffenden Paragraphen der Städteordnung im voraus hinzuweisen. Sitzungsbericht. Auch heute ergießt sich zu Beginn der Sitzung ein« Flut von Dringlichkeitsanträgen über die Versammlung. Zur Annahm« gelangt nur einer von ihnen, der die Einsetzung einer Kom- misston zur ständigen Kontrolle der am t. April 1S2Z wieder in Privatbesitz übergehenden Meierei Bolle fordert. Auch heute wird de? Antrag der Kommunisten, ihren Antrag aus Be- willigung von SSV Millionen Mark zur Linderung der Lebensmittel- teuerung vorweg zu beraten, abgelehnt. Vor der Tagesordnung legt Dr. Soltzgeber(A.) Protest ein gegen das die Würde der Versammlung verletzend« Verfahren des Magistrats, feine Ablehnung des Derlammlungsbeschlusses auf Einsetzung einer besonderen Depu- tation für das Berufsschulwesen so nebenher im Gemeindeblatt be- kannt zu geben.— Krüger(Soz.l protestiert seinerseits gege>t eine in so polemischem Tone gehaltene Verwahrung.— Koch(Dnat.) reklamiert dagegen für die Versammlung und für jede Fraktion das Recht, den Magistrat derart zu rügen. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Beantwortung de? Anfrag? der Deütschnationalen vom 20. Dezember 1S21 betr. das „ungesetzliche Treiben gewissenloser Agitatoren", die Eltern zu An- Meldungen der Kinder für w e l t l i ch e S ch u l e n zu„pressen". Der Gegenstand ist schon wiederHoll auf Betreiben der Anfrager abgesetzt morden: dos soll heute wieder geschehen— Fr. R i e d g e r lSoz.) beantrag» Uebergang zur Tagesordnung: von Merten lDem.) der mit seiner Fraktion am 22. Dezember beantragt hat, die Frage der Einführung einer weltlichen Versuchsschule nur im Wege ord- nungsmähiger Abstimmung der beteiligten Eltern entscheiden zu lassen, wird Widerspruch erhoben und der Eintritt in die VerHand- lung befürwortet.— Schließlich wird der Uebergang zur Tagesordnung mit 87 gegen 83 Stimmen beschlossen: dieser Beschluß trifft aber mir den Antrag Merten, während die Anfrage bestehen bleibt und demnächst wieder auf der Tagesordnung er- scheinen dürfte.— Eine volle Stunde wird sodann von der Ver- sommlung auf eine Debatte über Ratur- und Kunftschlagsahne verwende!. Den Anstoß dazu gibt die Anfrage der Deutschen Volkeportei. ob die Zeitungsnachrichten zutreffen, wonach im städti- fchen Milchamt Noturfchlagfohne hergestellt wird.— Stadtrat T r ei t e l stellt fest, daß die Meierei Bolle aus Emulsionsmilch künstliche Sahne hergestellt hat, was bis November 1921 erlaubt war, seitdem nicht mehr. Naturschlagsahne werd« nur in kleinen Mengen und nur für Kranke hergestellt mid nur gegen ärztliches Rezept verabfolgt.— Frau Schmitz(Soz.) äußert ihr großes Befremden über diese Mitteilung. Solang« nicht Freimilch vor- Händen sei, brauch« auch keine Sohne hergestellt zu werden, die>a doch gewiß für minderbemillelte Kranke nicht erschwinglich sei; das Milchamt falle dafür sorgen, daß dies« Fabrikation zu- künftig unterbleibt. Eine Anfrage der Deutschnationalen und der Deutschen Volks- partci betr die augenblickliche Verletzung der Befugnisse der Be- zirksversammlungen durch vorzeitige Einforderung der Haushalts» plan« für 1922 seitens des Magistrats wird vom Kämmerer Dr. K a r d i n g beantwortet. Die Interpellanten geben sich damit zu- frieden. Wiederum eine volle Stunde beanspruchte die Erörterung der Anfrage der Deutschnationalen, die die angeblich auf Veranlassung des Stadtrates Pfeiffer vom Bezirk Wedding „vergeudeten Millionen" betrifft. Nach der Behauptung eines Winkelblattes hat für die Abfuhr von 2000 Kubikmeter Lebm vom Badstraßenberg ein Stein- setzmeister Spremberg 309 000 Mk. erhalten, nachdem vorher ein Angebot des Fuhrherrn Böhm, den ganzen Berg kostenlos obzu- fahren, den Platz zu planieren und das Terrain dann zu pochten, abgelehnt worden sei. Die Debatte ergibt, daßPseiffermitderganzen Sache nichtszutun hat. Es sind au6>. wie D r e w s lSoz.) konstati-rt, nicht 300 000 Mk.. sondern nur 170 000 Mk. gezahlt worden. Die 2000 Kubikmeter sind verwendet worden, um dos sandige Siedlungs- geländ« in der Iunafernheid« zu befestigen.— Krüger(Soz.) stellt zu Schlüsse fest, wie die Deutschnationalen mit dem Kredit der Stadt Schiadlader treiben. wenn st« ihre Information«« m,s solch«, Standalblättern beziehen und dann derartig« Anfragen stellen. Ein« Drlnglichteitsvorlage des Maoistrats betreffend die Ge- Währung von_ wirtschoftsbeihilfen an Beamte und Festangestellte nach dem jüngsten Vorgange von Reich und Staat wird a n q e- nommen. Eine weitere Dringlichk«itsvorlage betrifft die Wahl eines Sackuerständigenausschuffes von fe 5 Vertretern der Vermieter und der Mieter für die Frage der Erhöhung der Mietszufchläq«. Geaen die Wabl von Dr. Steiniger, der von den Deutsch- nationalen als Vertreter der Mieter vorgeschlagen ist. aber gleich- zeitig die Würde eines Präsidenten des Grimgbesitzerverbandes bekleidet, wird von den Kommunisten und Unabhängigen schärf- st er Widerspruch erhoben, d«m sich Krüger lSoz.) anschließt, der einen solchen Vorschlag mindestens für geschmacklos erklärt. Die Vorlage wird angenommen. Eine Anftage der Kommunisten, die sich auf die Nachricht v?-« der Anbabnung behördlicher Matznahmen zur Ermöglichung evtl. Beschlagnahme von Gewerkschaftskassen gründet, geht an den Magistrat. Ueber den Antrag der Unabhängigen, mmmehr die Frag« der Bildung der Bezirksschuldepukation und des B e z i r k s s ch u l a u s s ch u f f e s für die Bezirke I bis VI zur Entscheidung zu bringen, kommt es neuerlich zu turbulenten Szenen im Anschluß an den Gegenantrag Koch(Dnat.), den Gegenstand abzusetzen. Der Lärm wird so groß, daß der Vorsteher, Dr. Caspar!, nicht mehr durchdringt und die Sitzung auf eine Viertelstunde unterbricht.— Nach der Wiedereröiinunq wird in die Verhandlung eingetreten, in der Kreuziger(So,.) sich energisch dafür einlegt, die Angelegenbeit endlich zum Abschluß zu bringen, und sich gegen einen vom Zentrum gestellten Abänderungsantrag ausspricht.- Bei der namentlichen Abstimmung über diesen tritt durch Absonderung der Deutschnationalen und der, Deutschen Volks parte« Beschlußunfähigkeit ein: es stimmten nur 99 Mitglieder, während 113 zur Beschlußfähigkeit gehören.— Schluß%9 Uhr. Magistratsbesolüung nach öer Parteifarbe. In der gestrigen Sitzung des Besoldungsausschusses der Stadtverordnetenversammlung wurde seitens der vereinigten Deutschnationalen, Volksparteiler undDemokra- ten ein Antrag zur Besoldung der Magistratsmitglieder eingebracht, d«r das Raffinierteste darstellt, was hier über- Haupt möglich war, um eine systematijiche Schlechter st el- l u n g aller sozialistischen Magistrats- und B«- zirksamts Mitglieder zu erreichen. Es sollen nach diesem Antrage alle Stadträte, die früher einmal im Staatsdienst gestanden haben und akademische Vorbildung besitzen, sowie olle diejenigen, die schon längere Zeit im Dienst der Stadt stehen, um eine Gruppe höher eingestuft werden als die übrigen. Das bedeutet beispielsweise bei den bürgerlichen Bezirks stadt- raten eine Zulage von 20000 bis 30000 Mark im Jahre gegenüber den sozialistischen. Unsere Vertreter im Ausschuß haben der bürgerlichen Mehrheit keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie einer solchen Vorlage, die die P a r t e i p oli ti t in die Besoldungsordnung hineinträgt, unter keinen Umständen zu, stimmen und all« geschaftsordnungsmäßigen Mittel anwenden würden, falls die bürgerlichen Parteien sich hierbei auf ihre„Mehrheit" verlassen und gerade hier eine Politik der Vergewalti- gung und des Unrechts an die Stelle der von ihr selbst proklamierten Politik der„Verständigung" in Besoldungsfrageu setzen sollten. Girozentrale unö Gantengeheimnis. Von unverantwortlicher Stelle wird, wie das Nachrichtenamt der Stadt Berlin mitteilt, über die Girozentrale der Stadt Berlin eine Auffassung verbreitet, wvnach eine Anfrage der Giro- zentrale an ihre Girokassen nach den bei ihnen geführten Konten der Gewerkschaften als eine Maßnahme angesehen wird, die den Behörden ermöglichen soll, im Augenblick Gewerkschaft- licher Kämpfe die angelegten Beträge zu beschlagnahmen. Demgegenüber erklärt der Vorstand der Sparkasse: „Sparkasse und Girokassen sind genau so gegenüber Behörden wie gegenüber Privaten zur Verschwiegenheit o« r p f l i ch t e t wie jede andere Geldanstalt. Z 3 der Satzung sagt: Die Sparkasse erteilt— soweit das Gegenteil nicht gesetzlich vorge- schrieben ist— über Gläubiger und Schuldner keine Auskunft. Die Beamten und Angestellten find zur Amtsver- fchwiegenheit verpflichtet." Den gleichen Satz enthalten die Bestim- mungen für den Devisen- und Kontokorrentverkchr. Weder der Berliner Magistrat noch sonst eine Behörde hat von der Sparkasic Auskunft über die Gewerkschaftskonten oder sonstige Kundenkonten jemals verlangt. Selbstverständlich sucht die Sparkasse Girokunden zu gewinnen. Sie ist deshalb wiederholt auch an Körperschaften und Interessentenverbände herangetreten. Schon im September 1921 hat sie an die ihr bekannten Gewerk- schasten und ähnlichen Verbände geschrieben und unter Hinweis auf ihre Geschäftsbedingungen angeregt, ein Girokonto bei einer Berliner Girokasse einzurichren. Dieses haben zahlreiche Verbände getan. Im Februar 1922 hat die Giro-Zentrale dann durch Rundfrage bei den Girokassen das Ergebnis dieser Werbearbeit ermittelt, um sie fortsetzen zu können. Die Sparkassen und Girokassen sind reine Geldinstitute und keine Werkzeuge für politische Kämpfe." Freispruch im Totschlagsprozes, Eschbach. Die vor dem Schwurgericht des Landgerichts II geiührte Bev- bandlung gegen den Schlächtermeister E s ch b a ch wegen Erschießung seines Schwiegersohns ist gestern zu Ende gcsübrt worden. Nach Schluß der sehr umfangreichen Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt das Schuldig wegen vorsätzlicher Tölung, R.-A. Bahn beantragte die Freisprechung aus dem Gesichtspunkte der Notwehr. Die Geschworenen gaben in diesem Siune ihren Wahr» spruch ab und vernein ten die Schuldfrage. Es eriolgts daher die F r e i s p r e ch u n des Angeklagten, was von den zahl- reich anwesenden Einwohnern von Bernau und Umgegend mit lautem Beifall begrüßt wurde. Braudeuburg er Provinziallandtag. Die Tagesordnung des gestrigen dritten Sitzungstag e» sah wie am vorhergehenden Tage kleinere LerwaliungSberichte und Bewilligungen vor. Eine lebhaftere Seite schlug die Debatte beim Bericht der LandeSveriicherungSanslalt Branden, 6] Die Sünde im Wasser. Don Wilhelm Schmidtbonn. Wie in einem blühenden, klingenden Dom standen sie. in dem sie nicht zu atmen wagten und in dem es ihnen in den gönden zuckte, die sich von selber zusammentun wollten. Die inien der sieben Berge, die schön wie Frauenhüsten und Brüste gezogen waren, begrenzten lachend ihr« schweisenden Augen und ließen kein Sehnen ln die Weite aufkommen. Sie wendeten sich und gingen über den weißen Kies zu den Beerensträuchern hin. Da sah die lebhafte Frau fremde Hühner mitten darin. Sie rief laut, wie der Wind war sie davon und hinterher. Sie klaschte in die Hände, aber als sie alle bis an den Zaun gejagt hatte, gackerte hinter ihr eins, das zurückgeblieben war. Und als sie auf dieses zueilte, liefen die anderen den Zaun entlang und in das Gemüse hinein. Hein stand und sah ihr zu und lachte— da hörte er einen Schritt hinter sich. Er drehte sich um und sah Grete den Weg daherkommen, langsam, mit ungleichen Schritten. Er sah nach dem Tisch hin und sah, wie Georg sein Buch nah»n und glücklich sinnend ins Haus ging. Die Tante hörte er hinter den Bäumen mit den Nachbarn sprechen und lachen. Grete blieb vor dem Taubenhaus stehen und sah mit zurückgebeugtem Kopf hinauf. Es war ein kleines Schloß. schneeweiß mit goldenen Kanten, mit Zinnen, Erkern und Türmen, und steckte wie ein dicker Fahi«nknauf oben auf einer langen Stange. Aber die Tauben waren ausgeflogen, und Grete ging weiter. Hein stand und erwartete sie. Seine Augen hingen wie festgebannt an dem sonnenbeschienenen Bild.„Was das ein Wundertag heute ist," sagte er. Sie sahen sich in die Augen. „Bleib doch noch hier— eine Woche." sagte sie. Er schüttelte den Kopf und sah in die Zweige über sich. „Wie das alles von Frucht und Knospen überquillt," sagte er, „ihr lebt in einem Paradiese hier." Sie bog einen Zweig herunter und pflückte mit den Lippen eine einzelne Kirsch« davon, die fast reif war.„Bleib noch einen Tag," sagte sie. ohne ihn anzusehen. Dann faßte sie plötzlich seine Hand mit ihren beiden Händen und sagte, wie m Angst und Zu-ihm-drängen:„Geh nicht, geh noch nicht." Da kam die Mutter wieder« Sie ging durch den Weitzlohl und den Salat und hob den Rock hoch, und stand dann lachend zwischen ihnen und sah von einem zum andern. Sie hing sich beiden in den Arm, daß sie, die Kleine, zwischen den beiden Großen ging, und so schritten sie zusammen über den glitzern- den Kies dem Hause zu, aus dessen Efeuwand die Fenster mit den weißen Gardinen wie freundliche Augen heraussahen. Hein zählte auf, was er im Ranzen mitnehmen wollte, und die Tante gab fleißig acht, damit sie Nichts liegen ließ. In der Tür kam ihnen Georg entgegen. Er hatte den Hut auf dem Kopf, und aus dem blassen Gesicht darunter leuchtete sein ganzes Glück. Er wollte Grete fortführen, sie wollten den ersten kleinen Gang in die Wiesen und den Wald oersuchen. Es war fast, als ob er das Mädchen keinem der anderen gönnen wollte, und er war daher ein wenig ungeduldig. Die Mutter sah Grete an: waren ihre Backen nicht sck>on ein wenig rot geworden in der einen Stunde Sonnenschein? Hein sagte ihr Lebewohl. Sie wendete sich nach ihm und gab ihm die Hand. „Küßt euch doch!" rief die Mutter. Und Georg legte einen Arm um den Freund und einen Arm um die Braut und schob sie gegeneinander. Hein beugte seinen Kops und wollte sie auf die Stirn küssen. „Rein, auf den Mund!" rief Georg. Aber Hein küßte sie doch auf die Stirn. „Es wird Zeit, daß du dir auch eine Braut zulegst," sagte der andere,„ich will dir zeigen, wie man küßt." Cr nahm Gretes Kops und drückte seine Lippen auf ihre Lippen. Hein gab ihm die Hand und ging, ohne ein Wort zu sagen, mit seinen langen Schritten ins Haus. Eine Stunde später ging er durch den Wald, auf dem grasgetretenen Pfad hin. Sein Ranzen hing ihm auf dem Rücken. Er ging still, nur die Aefte brachen unter seinen breiten Schuhen. Er ging nicht schneller, nicht langsamer. Sein« Füße hoben sich von selber und wichen den Wurzeln und Baum- stumpfen aus, während sein« Augen oben in den Zweigen hingen und sein Stock den Boden in gleichmäßigem Takte schlug. Er kam an den Platz, wo das Gezweig wie ein langes Kirchenfenfter auseinanderstand und wo man in der weißen Lichtung die Kuppen der sieben Berge und da« Sonnenzittern über dem Rhem sah. Cr blieb stehe» und sah hinaus, aus dem schweigsamen Dunkel der Buchen in die schimmernde. laute Welt. Er nahm den Hut ab und streifte das lange Haar von der Stirn, daß der kühle Schatten daran konme. Er löste sich den Ranzen von den Schultern, warf ihn �ns Gras und setzte sich daneben. Er sah starr auf einen Punkt und össnete wie im Selbst- aespräch hin und wieder halb den Mund, während er unwill- kürlich um sich sah, ob ihn jemand beobachtete. Er brach tinen Zweig ab von dem Strauch, der neben ihm blühte und duftete. zog sein Messer und fing an, zu klopfen und zu schneiden. Aber seine Augen sahen immer über seine Ztzände weg auf den einen Punkt. Er höhlte das Holz aus und schnitt oben ein Mundstück daran. Als er aber die Pfeife an den Mund setzte. klang sie zu hart. Er warf sie weit in den Wald und lachte über sich, daß ein Sommermorgen im Wald so schnell wieder ein Kind aus ihm machte. Dann legte er sich de? Lönge nach in das kniehohe Grans. Er zog den würzigen Duft mit weiter Rase in sich und schüttelte die Eräler mit tz?' Hunden, damit ihm der fallende Tau das warme Gesicht kühlte. Er legte die Arme unter den Kopf und sah in das arünc Bläitermeer über sich. Kein blauer Punkt war darin, kein Luftzug regte sich da oben, kein Vogel saß und pfiff, alles war still und einiam. Aber er hatte keine Ruhe. Er drehte sich auf die Seite und legte seine Stirn ins Gras. Dann nahm er sein Messer. hob die großen Farnblätter auf, die neben ihm hoch au'ge- schosien standen, und schnitt, in einen flirrenden Sonnenilecken hinein, in hartes Wurzelholz gradgezogene Buchstaben: Grete — Hein. Und rund herum zog er in großem Bogen ein Herz. Er war ganz vertieft in seine Arbeit, und ein glücknerträumtes Lachen hing an seinen Lippen. Plötzlich und schnell deckte er dann das heimliche Wunder wieder mit den Blättern zu, daß es selbst vor der Sonne verdeckt war. Aber da— was hörte er denn da? Die gefallenen Aeste im Wald knackten: es kam wer. Cr war wie aus dem Traum gerissen, wie durck einen Mißton war das schöne Lied, das in ihm klang, unterbrochen. Er unterschied das Geräusch der Zweige, die zur Seite gebogen wurden und wieder zusammenschlugen. Schnell macht« er ein leeres, gleichgültiges Gesicht und drehte dann ruhig den Kopf danach hin, um nicht gedankenversunken zu erscheinen: da sah er ein weißes Kleid durch die Aeste leuchten— nur einen Augenblick, dann wendete er rasch den Kopf zurück. Das Blut stockte ihm, er öffnete den Mund. Grete war's. (Fortsetzung folgt.) bürg an. Hier waren eZ unsere Genossen Westphal und Seiler, die den vor Jahresfrist stattgefundenen Streit Inder Heilstätte Grabowsee zur Sprache brachten. Die Erklärung des verantwortlichen Leiters der Anstalt, Gcheimrat Ehrhardt, aus die erhobenen Vorwürfe war nur sehr dürftig, was mit dem Fehlen deö AkteumaterialS entschuldigt wurde. � Diese für die Arbeiterschaft so wichtige Frage wird� zweifellos noch die nächste Tagung des Provinziallandtages beschäftigen müssen.— Die übrigen Vorlagen wurde» debatteloS erledigt und bereits um 5 Uhr konnte die Sitzung geschlossen werden. Kingerabörücke als Verräter. Der Einbruch bei Adolf Hofsmann vor Gericht. Der seinerzeit vielbesprochene Raubzug bei Adolf Hoffmann bc- schäftigte gestern die Strafkammer des Landgerichts I. Wegen Ein« bruchsdiebstahls waren der sechsmal wegen Diebstahls vorbestrafte Maschinenarbeiter Oskar S ch a e f e r und der Arbeiter Johann Skrzyczak angeklagt. In der Nacht zum 11. Juli vorigen Jahres wurde, wie bekannt, in der Wohnung des Abgeordneten Adolf Hoffmann, Koppen- straße 4,«in Einbruchsdiebstahl verübt. Hoffmann hatte, wie jeden Sonnabend, feine Wohnung verlassen, um sich nach seinem Land- haus in Fredersdorf, das übrigens bis auf eine ihm zur Verfügung stehende Stube vermietet ist, zu begeben. Am Montag früh entdeckte die Frau, die zur Ordnung der Wohnung bestimmt war, daß Ein- brechcr in der Nacht dort gehaust hatten. Sie waren gewaltsam eingedrungen,, hatten sämtliche verschlossene Behältnisse mit Dietrichen geöffnet und alle Kleider der Frau Hoffmann bis auf ein Kostüm, Mäntel, zahlreiche Wäschestücke usw. gestohlen. Der Wert der gestohlenen Sachen war ursprünglich von Hoffmann mit(3000 Mark bei der Versicherungsgesellschaft angemeldet worden, er wurde später auf Veranlassung der Versicherungsgesellschaft auf über 10 000 Mark erhöht, und ist in der Zwischenzeit natürlich wesentlich ge- stiegen. Der Bestohlene gibt den Wert der gestohlenen Sachen auf zirka 34 000 M. und den Gesamtwert einschließlich des Zurück- gebliebenen auf(54 000 M. an und meinte, wenn es noch eine Weile dauere, würde der Wert vielleicht noch auf 100 000 M. steigen. Er hat von der Versicherungsgesellschaft 10 700 M. erhalten, von den gestohlenen Sache» hat er nichts wiedergesehen. Auf den Möbeln sind Fingerabdrücke festgestellt worden, die nach den Bekun- Hungen des»Kriminalassistenten Peiler vom Erkennungsdienst m i t denen des Angeklagten Schaefer überein stimm- t e n. Die im Gerichtssaale angestellten daktiloskopischen Versuche bestätigten dies. Der Staatsanwalt beantragte gegen Schaefer ein Jahr sechs Monate Zuchthaus, gegen den zweiten Angeklagten ein Jahr Zuchthaus. Das Gericht sprach dielen Angeklagten frei und vertagte die Verhandlung gegen Schaefer, da es not- wendig erschien, einen angebotenen Alibibeweis näher zu prüfen. Dreimal wächentlich Schulreiniguag. Wie da« Nachrichtenamt des Berliner Magistrais mitteilt,>st die Meldung, daß die städtischen Schulen künstig nur noch einmal wöchentlich gereinigt werden sollen, unrichtig. R i ch t i g ist. daß eine solche Reinigung drei- i» a t in der Woche sicitlfinden soll. Lebensmittelpreise des Tages. Zufuhr; Fische ausreichend, Geschäft ruhig. Fleisch ausreichend, Geschäft ziemlich rege. Obiät und Gemüse schwach, Geschäft still * Am Donnerstag galten in der Zentralmarfcthalle folgende Kleinhandelspreise: Kabeljau 6—9 hl. Seelachs 6,50— 7 M. Rotzungen 10— 12 M. Grüne Heringe 6— 7,50 M. In Eis: Schleie 15— 17 M. Karpfen 12— 14 M. Zander 25— 27 M. Plätzen 7—9 M. Hechte 10—16 M. Lebende Schleie 23 bis 25 M. Karpfen 22— P M. Plötzen 12—13 M. Bleie 13 M. Barsche 15—17 M.— Kalbfleisch 16— 24 M, Hammelfleisch 13— 23 it. Rindfleisch 16— 23 M.. ohne Knochen 24— 26 M. Schweinetl'eiscH 21— 28 M. Liesen 33 M. Schweineschmalz 32 M. Halurbutler 44— ol M. Margarine 25 Ois 31 M. Rosenkohl 8— 11 M. Grünkohl 2,75 M. Blumenkohl 10—15 M. der Kopf. Weißkohl 4—4,50 M. Wirsingkohl 3,75-4,25 iL Rotkohl 5—6 M. Kohlrüben 1,50 iL Hohl rüden 2,50—3 M. Zwiebeln 4,50-5 M. Mandarinen 15 M. das Pfund. Zitronen 1— 1,50 das Stück. Eier 4 M. Selbstmorö Grupens. Der wegen des KleppelSdorfer Doppelmordes zweimal zum Tode verurteilte Archileft Peter Erupen, der kürzlich aus dem Hirschberger GerichtSgesängniS flüchtete, um am nächsten Tage wieder zurückzukehren, hat gestern in seiner Zelle Selbst- mord verübt. Gegen 5 Uhr nachmittags wurde er von einem revidierenden Beamten, an einem Hosenträger hängend, t o t aufgefunden. Grupen war seit seiner Flucht in Einzelhaft. Grupen hat schriftliche Aufzeichnungen nicht hinter- lassen, auch zu niemandem eine Äußerung getan, die auf sein Vorhaben schließen ließ._ Hroß-Serliner parteinachrichten. Heute, Areikag, den Z. März: 108. Abt. Köpenick. 3 Uhr nachmittags in der 1. Ecmeindefchule, Amtsstrah«, Ainderspicl«. 114. Abt. Lichtenberg. Freitag, den 3. März, abends 71� Uhr, Funttionär- (ittuna bei Schwarzer, Kabriel-Mar-Straße 17. Zungtazinlistcn. Gruppe Pankow. Iuaendheim Breite Str. 32(Cinaana Finanzamtl Aaitation.— Gruppe Spandau. T'/j Uhr Iuaendheim Neuen dorfer Str. 35, Vortraasabend.— Gruppe Norden. 7fe Uhr Gemeinde, fdmlt Putbuser Str. 3—6, Vortragsabend.— Gruppe Lichtcrseide. 7lr Uhr Jugendheim Albrechtstr. 14», Vortragsabend. ZNorgen, Sonnabend, den 4. ZNärz: 7% Uhr Funktionärfitzung bei Hehler, Georgenkirch str. 38. 7!h Übe bei Miellch. Chriftianiastr. HS, Eipung des Abteilungsver- und Betrlebsvertrauensleuie. Erscheinen dringend nnd sämtlicher Parteifunktionäre Z. Abt. 1». Abt. standes, Bezirkssilhrer erforderlich. 26. Abt. 7 Uhr Sitzung der Vczirksfährer bei Lüneburg. Werneuchcncr Str. 1. Eharlottenburg. 52. Abt. 8 Uhr Funktionärsttznng bei Bade, Kaiserin-Augusta. Allee 62.— 56. Abt. Tlh Uhr F unktionärsitzuna bei Llersch, Kantstr. 64. S8. Abt. Aenköll». 7 Uhr Familicnabeud bei Machinowski, Slasowstr. 1» Ecke Waitherstratze. Gäste willkommen. 119. Abt. Lichteubero. 7ts, Uhr Funktionärnersammlung bei Siele, Möllen- dorfstratze 43. Thema:„Das Christentum". Ref. Dr. Sturm. Eharloitenburg-Spandau. Juristische Sprechstunde Sonnabend nachmittag 6 bis 6 Uhr Rostnenstr. 4. 43. Abi. Sonntag, bin 3. März, nachmittags 5 Uhr, im„Reichrnb erger Hof. Reichenberaer Str. 147, Familienabend. Die Genossen und Genossinneir werden gebeten, ssch recht zahlreich daran zu beteiligen. Billetts bei des Bezirksftthrern und am Eingang. �ugenüveranftaltungen. Perein Arbeiter-Iugend Srotz-Berlin, SW. 66. Lindenstr. 3, Z. Hof, 2 Trp. Telephon Moritzplatz 121«3—121 1«. Mitgliederversammlungen am Areitag, den Z. März: Blankenbnrg. Jugendheim Demeindcschule Triststratze.— Britz. Jugend- heim Rathaus, Chausseeftr. 43.— Charlottenbnra. Jugendheim Rostnenstr. 4. Jugendheim Gcmeindeschulc Joachim-Friedriäi-Str. 36— 36. — Halensee.. Mariendors. Iuaendheim Schuldarackc Äöniastratze. Moabit. Juaendbetip Gcmcindcschule Waldcnserstr. 2l.— Renlölln-Süd. Jugendheim Rogatstr. 63.— Nordosten. Jugendheim Kemeindeschule Heinersdorfcr Str. 13.— Schöneberg II. Jugendheim Comeniusschule Frankenstr. 1«.— Treptow. Jugendheim Elsen» strotze 3, Diskussion:„Spielen und Wandern der Arbeiterjugend".— Wedding. Jugendheim Gemcindeschule Müller», Ecke Triststratze.— Wcißense«. Jugend- heiin Ledigenheim Woclckpromenade. Sport. Die Nennsninm nmunt Sonntag mit einem TraSrenntag in M a r i e n d o r f ihren Ansang. Der Altonaer Rennklub, der diesen Tag veranstaltet, bat ein überaus günstiges NennungsergebniZ gehabt, denn es Uesen 350 Meldungen ein. Bezüglich der Wetten bei Pferde- rennen bleibt einstweilen noch alles beim alten, da der Reichstag über das Nennwettgesetz noch nicht entschieden bat.— Der Hannoversche R c n n v e r e i n, der bebauptet. steuerlich zu stark d-lastet zu sein und beim Magistrat der Stadt nicht das genügende Entgegenkommen zu finden. will seine Rennen auf der Magdeburger Bahn abhalten. Kommt dieser Plan zur Peiwirklichung, dann hat die Stadt Hannover einen ganz empsindlichen Steueraussall. Die Straßenbahn wird auch in Vielem Jahre wieder Sonderzüge nach der Rcunbahn Mariendors verlehren lassen, erstmalig am Sonntag, den 5. März. Der Fahrpieis beträgt jür die ganze Strecke 10 M., für die Teilstrecke HallescheS Tor— Mariendors 6 M. Es werden folgende Sonder- züge gestellt: a.) ab Alexanderplatz 11,20, 11,40, 12,00, über Spittelmarkt, Lindenstraße, h) ab Hermannplatz 11,18, 11,38, 11,58, 12,18 über Hasenhcidc, Blücherftraße. l'lußerdem verfebren noch eine Anzahl Sonderzüge ab HallescheS Tor und Ringbahnhos Temvelhof nach Mariendors. Die Olympia-Radrennbahn wird am 6. März die Nadrennsaison auf offenen Bohnen in Deutschland beginnen. Das Programm setzt sich au« drei Fliege» und drei Dauerrenneu zusammen. Letztere werden oon fünf Fahrern bestritten, oon denen bereits Stellbrink, Hahn, Ebert und Kufäfkow feswerpstichtet sind. Die Dauerrenneu stihren über 10. 26 und 40 Kilomeier. Dir Fliegerrennen werden die gesamten Berliner Rennfahrer am Start sehen. Arbeitersport. Arbeiker-Znrn- und Spoetbund. Sonnabend 6 dis 3 und Tonntag 8 bis 12 Uhr«inderiurnwartezusammenkunst Turnhalle Bouäitstratze, Treptow.— Sonnabend und Sonntag: Vundeskursus fllp Bereinsleiter. Beginn Sonnabend 2 Uhr.— Nordgruppe. Sonntag 9 Uhf vorm.. Goetheschul«, Wilmersdorf, Westfälische Strotze sRingdahnhof Halensee), Training zum Bundessest. Nach- mittags Etratzenlauf in Wilmersdorf. Freie Zurnerschast Grotz-Berlin. Bez. Schöneberg. Sonntag 5 inj« nachmittags Werdeabend für das Jugend wrnen Turnhalle Ratherstratzs s Stadt. park). Die arbeitende Jugend ist hierzu besonders eingeladen.— Bezirk Reu. kölln. Sonntag Turnfahrt der Männer nach Rahnsdorf— Rüdersdorf— Fredersdorf. Abfahrt 6,50 Uhr morgens. ll Shm iiiiiiliiliiill Eine nene Errungenschaft deutscher medizinischer Forschung: Rachitis (englische Krankheit) ist jetzt sicher heilbar! Rachitis ist eine derart ver. breitete Krankheit daß— was häufig unbekannt— fast jedes Kind in Mitteleuropa im ersten Lebensjahre eine rachitische Erkrankung durchmacht Rachitis bedroht alle Kinder vom I. bis 6. Lebensjahre« gleichviel ob arm, ob reich, gnt oder schlecht ernährt, auf dem Lande wie in der Stadt. Die Wirkung der bisherigen Behandlungsmethoden war meist langwierig und konnte daher oft eine Verkrüppelung nicht mehr verhüten. Im Grunde hatte die Forschung des Jahrzehnts keinen praktischen Fortschritt gebracht. Erst 1919 gelang es in Professor B i e s a 1 s k i s Oskar-Helene-Heim für Heilung gebrechlicher Kinder zu Berlin-Dahlem dem Assistenten der Anstalt, Dr. K. Huldschinsky, den Nachweis zu erbringen, daß die rationelle Anwendung der neuen, sogenannten Ultraviolett- Therapie, d. h. Bestrahlung mit„Künstlicher Höhensonne— Original Hanau— als ein neues sicheres Heilmittel gegen die Rachitis anzusehen ist, das in jedem Falle die Krankheit in kürzester Zeit zum Stillstand und zur Abheilung bringt. Die aufsehenerregenden, vielen Aerzten noch unbekannten medizinischen Untersuchungen von Dr. Huldschinsky sollten von allen Angehörigen bezogen und dem behandelnden Arzt vorgelegt werden.(Preis M. 2,50, siehe unten.) Ausblicke der neuen Entdeckung: Da es möglich ist>m Monat 192 Kinder und im Jahre weit über 1000 Rachitiker mit einem einzigen Apparat zu heilen und jeder nur einen Monat hindurch vorbeugend bestrahlte Säugling vor späterer rachitischer Erkrankung geschützt ist, so sollten alle Eltern, Stadtverordnete; Volksfreunde, Betriebsräte darauf dringen, daß alle Kinder im ersten Lebensjahre systematisch einer Bestrahlungskur zugeführt werden. Jede Fabrik, jede Gemeinde, jede Krankenkasse kann die relativ geringen Kosten für Einrichtung eines ärztlich geleiteten Bestrahlungsinstituts ohne Schwierigkeit aufbringen. Verlangen Sie zur Begründung von Anträgen das „Rachitis-Merkblatt für Mütter und Pflegerinnen" kostenlos! ttn/srtuupf Die normalen(also nicht rachitischen) ScbidellScken des Säuglings von oben gesehen. Die groBe, viereckige liegt über der Stirn, die Kleine, dreieckige am Hinterkopf. Bei beginnender Rachitis kann man nun zu beiden Seiten und hinter der dreieckigen Schädellücke eine ungewöhnliche Weichheit des Schädelknochens finden. Jede Mmter und Pflegerin so i von Zeit zu Zeit danach suchen. Die Stellen fllhlen sich an wie ein Zelluloid- ball oder ein Gummibali. je nach der Schwere der Erkrankung. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Eine Unjcrlnssnngssonde würde vorliegen, wenn Dr. Huldschinskys Forderung unbeachtet bleibt:„Die Schutzbestrahlung gegen Rachitis sollte so allgemein eingeführt werden wie die Schutzimpfung gegen die Pocken. Jedes Kind, gleich ob bereits Zeichen von Rachitis an ihm wahrnehmbar sind oder nicht, sollte in seinem ersten Lebensjahr wenigstens einen Monat lang einer Bestrahlungskur unterworfen werden. Geschieht das, so haben wir jetzt Aussicht, die Rachitis als Volksseuche überhaupt verschwinden zu sehen. Rachitis darf jetzt in einem geordneten Gemeinwesen überhaupt nicht mehr vorkommen." „Künstliche Höhensonne— Original Hanau"— sind für Aerzte oder Kliniken bestimmte Apparate zur Erzeugung unsichtbarer ultravioletter Strahlen, des Hauptheilfaktors der Hoch- gebirgskuren. Ein Verkauf an Private findet nicht statt. Selbstbehandlung ohne ärztliche Vorschrift ist gefährlich und ausgeschlossen. Ueber 1S000 Aerzte, Universitätskliniken und-Institute behandeln seit Jahren mit Künstlicher Höhensonne— Original Hanau. Die Bestrahlung beschleunigt und verstärkt die Wirkung vieler Medikamente und anderer Behandlungsmethoden; sie bringt Heilung auf überaus zahlreichen Krankheitsgebieten — fragen Sie Ihren Arzt—, namentlich auch bei Skrofulöse, Knochentuberkulose und Tuberkuloseverdacht.— Eine gemeinverständliche Darstellung der Wirkung und Anwendungsgebiete liefern nachstehende Buchwerke: Die Ultraviolett- Therapie der Rachitis. Von Dr. med. Huldschinsky, geb. M. 2,50. —„Sonne als Heilmittel." Von Dr. med. F. Thedering, geb. M. 6,60.—„Skrofulöse, ihre Ursachen. Bedeutung und Heilung." Von Dr. med. F. Thedering, geb. M. 2, 10—„Die Bedeutung der ver- schiedenartigen Strahlen für die Diagnose und Behandlung der Tuberkulose." Von Dr. R. Gassul vom Berliner Universitätsinstitut für Krebsforschung.(Mit dem Robert-Koch-Preis für Tuberkulose- SchädeHOd* . Klar» Schädellückt Forschung gekrönte Monographie) geh. M. 18,00.—„Licht heilt! Licht schützt vor Krankheit." von San.-Rat Dr. Breiger, geh. M.3,00.—„Wie heilt Tuberkulose?" Von San.-Rat Dr. Breiger, geh. M. 1,50.—„Gebt den Kindern Sonne", ein Mahnwort an Mütter von Oberarzt Dr. Klare, geh. M. 1,50.—„Die Lichtbehandlung des Haarausfalles." Von Dr. F. Nagelschmidt, kart. M. 24,—.—„Der Feind nach dem Kriege! Unsere größte Gefahr, die Tuberkulose.1' Von Hippolyt Meies, geh. M. 2,00. Versand nur gegen Nachnahme. Sollux Verlag* Hanau, Postfach 577. 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OOOOOoaooooooaaoouccxKXXRxxxicD xx�notyonnoooono Opernhaus VolHsbfihnc D.Ring d. Nibelungen Th«3'«' a|n BHiowpiatz D..vp«;:9.w!S''«la"eMentcli __ VI, Uhr___ j- Schauspielhans Lessing-Theat. Peer Gynt 7Vj Uhr 7Vj Uhr: Flamme(tÄ.) ilenfsch;Theat;|So,1,,ab Faus,0.nnta8 7 8: Die Wolfe] Montag 7>/z: Flamme SonnaB 8; Die Wölfe(Dorsch) kammerspiele 8: Anatol Sonnabend 8: Anatol Or.Schauspielh. (Karistraöc) 71/z: Orpheus!n der Unterwelt Sonnab. Orpheus in der Unterweit — Theater i. d. Rönigsrätz.Str. Täglich 7.30 Uhr; Die wunderlichen Geschichten d. Kapellmeisters Kreisler OeQtsetiesKOnstler-Tii Allabendlich 7>/, Operetien-Gastspiel: Der geizige Verschwender (Max Adalbert) Komßdienhaus Täglich 7.30 Uhr: Ka russ mit e|| Maria Orska Joh. Riemann Ralph Art. Roberts Berliner Theat. Täglich 7 30 Unr. Einer von unsere Leul* Carl Clewing, Oscar Sahn, Lconh. Haskel, Melitta Klefer Besidenz Theat. Täglich 7'/, Uhr: Eine Frau Olm. Bedeutung Triesch, Arnstadt, Ber- fens, Korff, Sandrock Kleines Theater Täglich>/zS Uhr: Raben Sie nichts zn verzollen? S Limburg, Falkenstein, unkermann. Albers _ Bendow)_ CentralThsater uiuDas DelektivmüdEi Deutsches Opernhaus Vit Uhr: Hoffmanns Erzählungen Friedp.-Wllhelmst Th. 7v2 u. Jnxbaron Intimes Theater surGustare, es blitzt! Klein Schauspielhaus 7>/, Uhr: Der keusche Lebemann Lustsplelhaus s uhr: Der Werwoll Metropol-Theater 7v2 u.: Die Bajadere Neues Operetten-Th, 3 uhr: Königin d. lacht Neues Opet-ettenhaus j Schönebg., Hauptstr 144) Schäm' Dich, Lotte i Siß 37»: D. Pelzgräfin Neues Theater am Zoo i Tv.uhn Scampolo Neues Velkstheater Vi, Uhr: Die Ociicrten 6er zerbrochene Krug Schiller-Th. Charibg. 8 uhr; Der Snob SchioBpark-Th Ste|litz SchloBstr. 41 t»/. uhr: Phyllis Thalia-Theater 7V. Uhr: Die Herren von und zu...1 Theat. am Nollendorlpl. u'.- Die Ehe im Kreise Theater des Westens '/3 Der Tanz ins Glück Such« iur Sflb'tD.'rrocrhtng NeMM u. Ebelrn.inUs ju Hächst. 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