»r.1»öckS4.7ahrgass flosgabe L Nr. SZ BezugSpreiSt ?I»rt»1plhrI.»1.— M, mmiall. W.—M. »?«! wsHau».«orou,»chUxm Post' Bong: Monatlich 20.— M.. einschl. ftn- �-lliinqogebiilir. Unter ftrenjbonbmr Deutschland, Dmuig. da» Saar-»nd Mrmelaebiet. sowie die ehemal» deut- schen wed>,te Polen», Oesterreich- Unzorn und Luxemburg St.— M., fiir da» iidrig» Ausland 72.— M Post- besiellungen nedmen NN Oesterreich. Ungarn, Tschechz- Slowaiei. Seine- malt, Holland, Lniemdnrg, Schweden und die Schwei». Der.VorwBrt»* mit der Sonntag»- beilag,«Soll und Seif, der Unter- daltungobeilaa» �Jietmwflt* und der »eilaa, Siedlung und«lewgarten' erscheint wachentiiglich zweimal. Sonn» tag, nnd Mmttag» einmal. Telearatnm-Adreff«: «,t aztaldaeoofeat varN»" Abend-Ausgabe c a?»».»««« 4» p» »»»«»Ich, SO PfMinlg D f Berliner Volksltlsit Anzcigettpreis: Sie einspaltige Nomurreillezeil« kostet lZ,— M.»gllaina lluzeig«»" da, fettgedruckte Wort st— M. szu- lilsstg zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 2,— M. Stellengesuche und Schlasstellenanzeizen da» erste Wort st— M., jede» weitere Won 1�50 SR. SBorte Uber 15 Buchstaben zählen(Br zwei SBorte. AamiUen-?n- »eigen für Abonnenten geile H,— SR. Die Preise verstehen sich-wschiießlich Teuerung,zuschlag. Anzeigen für die nächst« S>lumm--r müste» bi« 4'/, Ahr nachmittag, tm Hquptgeschält, Berlin EW Kst Lmben. straße st abgegeben werben. Srästnet »an V Uhr früh bi» 5 Uhr nachmittag». Z�entralorgan der Sozialdcniokratifcbcn Partei Deutfebtands Neöektlon und Expedition: EW HS. Linüenstr. Z - Sleknrtiptt Merit, platz IStUS— 97 ygraspiccgcr. Moritzplatz Il7sa-S4 Freitag, den März 19ÄÄ KXH vorwarts-verlag S.m.b.h.» Ew öS, Linöenstr.Z SeBtakAwee?,-?- Verlag. Wrveditio» nnd Inseraten- .„h�ung Mortuplan Ll7SS-»t »-»5. Der agrarifthe Vorstoß abgewehrt. i v« Skeuerauischuh des Reichsiages beschäftigte sich heule vor- mittag bei der zweiten Lesung des Umsah sieuergesehes mit dem Lukrag Herold, der bcsivo-kt, nur die la u d w i r ts cho stll ch en Geuossenschafleu, die die von den einzelnen Genossen ge- lvonucnen Urprodutle umsehen, von der Steuer zu befreien, die Sonsu tu vereine der Arbeiter und Angestellten aber weiter zu beloste u. ZNIt der Annahme diese» Antrage» wüte auch für ander« Betriebe die AtögNchkeil gegeben, sich zu Genosseuschasten zu- sammcnzuschließen, um die von Ihnen gewonnenen llrproduktc weiter- zuoerarbettrn und sich so von der Umsohfleuer zu befreien. Die gestrige Crtlärung de, Abg. vr. Scholz(V. Vp.), das, das Steuerkom- promih für seine vortei keine Bedeutung mehr habe, veronlahte unsere FraMon, dem Antrag Herold eine erhöhte potittsche vedeutitng beiztnnesse». Herr Scholz erNärte hettte, er sei immer fördernd für da» Sleuertompromlh tätig gewesen und vertrete den Standpunkt seines freundes Becker. Unsere Zraktion erklärte, daß sie. wenn die Volksparlei für den Antrag Herold stimme, die Sonsequenzen ziehen und sür dievefreiung oller Ge- nossenschaften eintreten werde. Sollte da» Sompromiß scheitern, dann würde fle bei elwaigeu neuen Sompromißberatungen unter keine« Umständen Im Plenum einen anderen Standpunkt ein- Nehmen können al, den. den fte im Ausschuß verlrat. Gegen die fünf Stimmen der Dentschnaiionalen und die des Abg. hepp(D. vp.). der den Antrag mit nnterzeichnel hatte, wurde daraufhin der Antrag Herold abgelehnt._ Neuer Narkfturz an öer SSrfe.. Die Hausse am Dollarmartt setzte sich heute in sturmischer Weise fort. Um die Mittagsstunde hatte der Kurs bereits eine Höhe von erreicht. Die Umsätze sind bedeutend. Industrie und Großhandel decken sich mit Devisen sür den bevorstehenden Quartalstermin«in. Diese Devisenhamsterei und die gleichzeitige sprunghafte Steigerung aller Warenpreise hat einen fühlbaren Mangel an papierenen Zahlungsmitteln zur Folge. Die Banken sehen sich deshalb genötigt, den Spekulanten die Kredite etwas zu beschneiden. Infolgedessen geht.die Kursbewegung am Effektenmarkt nicht im gleichen Tempo weiter wie bei den Devisen. Immerhin war die Tendenz der Effektenbörse auch heute sehr fest. » An der Berliner Börse wurde während des offiziellen Der- kehr» bekannt, daß der in der letzten Zeit viel genannt« Bankier Hugo C. herzseld gestorben ist. Di« Nachricht rief bei der Spekulation große Bestürzung hervor. Die unmittelbare Folge waren starke Kursrückgänge aller derjenigen Papiere, in denen stch Herzfeld hauptsächlich betätigt hat. So gingen z. B. Mansfelder Kuxe in wenigen Minuten von 32 000 auf 27 000 M. zurück. Großer Netallarbeiterftreik in Magüeburg' Magdeburg. 3. März.(Eigener Drohtbericht.) Am Freitag, vormittags 1l Uhr, legten in Magdeburg 20 bis 2S 000 M e- tallarbeiter die Arbeit nieder. Der Streik richtet stch gegen einen Schiedsspruch, der für den Monat März eine Stunden- Zulage von 7S Pf. vorsah. Die Metallorbeiter forderten ein« Zu» läge von 2,60 M. Bezeichnend ist, daß in kleineren Orten in der Rahe Magdeburgs, wie Halberstadt, Thale und Wernigerode, höhere Löhne bewilligt worden sind. Die Versuche Magde» burger Großindustrieller, höher« Zugeständnisse zu hintertreiben, haben zu dem Austritt einzelner Firmen aus dem Verbände der Metollindustriellen geführt. Ein Vermittlungsversuch des Reichs- arbeitsministeriums scheitert« an dem Widerspruch der Unternehmer, die alle Verhandlungen ablehnten. Erhöhung öer Grunügehalter. Im Reichsfinanzministerium fand gestern dt« in Aussicht genommen« B e s p r« ch u n g mit den FinaNzministorn der Länder statt. Es herrscht« Uebeveinstimmung darüber, daß die Grundgehälter derBeamten, insbesondere inden unteren Gruppen, ein« angemessene Erhöhung erfahren fallen. Enlfprechend worden auch die Bezüge der Angestellten und Arbeiter zu erhöhen sein. Heb« Einzelheiten sind Beschlüsse noch nicht gesaßt. Krankreichs deutschenangft. Paris. 3. März.(WTB.) In der heutigen Sitzung der Kammer erinnert« B« n a z e t(radikale Linke) daran, daß Fabry gesagt hob«, daß trotz der Abrüstung, die Deutschland auferlegt wurde, es durch den Geist seiner Organisatoren die Mittel finden könnte, sehr schnell«in furchtbares Heer auf die Beine zu bringen. Er verliest ein Schriftstück, das Einzelheiten über die Einrichtung des zukünftigen deutschen Heeres bringt und angeblich zeigt, daß Deutsch- land mit seinen hunderttausend Mann trotz des Vertrages dazu ge- kommen ist, als mächtigen Schutz ein« Eelbstschutzorgani- sation auf die Beine zu bringen. Man müsse deshalb etwa, anderes finden. Was nötig sei» sei eine Einrichtung, die Frankreich m die Lage oersetze, die Unverletzlichkeit des Vaterlandes sicherzu- stellen. In der nächsten Sitzung werde er die Wichtigkeit des Funk- twniereno der Lerbindtwgs- und Verpflegungsmittel darlegen. Die englische Krise. London, 3. März.(MTV.) In den politischen Kreisen herrschte den ganzen Tag über rege Tätigkeit. Zwischen einflußreichen Mit- gliedern der verschiedenen Gruppen fanden wichtige Besprechungen statt, doch ist der Ernst der Lage in keiner Weise ge- mindert. Lloyd George erschien nur kurze Zeit im Unteryause. Von zuständiger Stelle wird erklärt, daß die unionistischen Minister sowohl vom internationalen wie vom nationalen Standpunkt ot'S die Aufrechterhaltung der Koalition für eine unbedingte Notwendig- keit halten. Die führenden Povtlker haben ihr« Verabredungen für das Wochenende rückgängig gemacht und bleiben In London. Das Interesse richtet stch jetzt auf die R e d e. die C h a m b« r l a i n heute abend in Oxford halten wird und in der er, wi« man enoartet, die Lage der Koalition vom Koalitionsstandpunkt aus beleuchten wird..Daily Ehrvnicle* sagt, viel hänge von dieser Rede ab, der es vielleicht ge- lingen werde, die Reihen der Koalition wieder zu schließen und die gegenwärtig« Krists zu beseitigen. pari», 3. März.(EP.i Der Korrespondent des.Matin" In London schreibt: Man zweifelt im allgemeinen an der Möglichkeit, di« Koalition in der gegenwärtigen Form aufrechtzuerhalten, obwohl große Anstrengungen gemacht werden, um sie wenigstens bis zu den Wahlen andauern zu lassen. Für länger als zwei bis drei Monate aber scheint dies nicht möglich zu sein, da man mit Recht darauf hinweist, daß Sir George Pounger, der den Kampf angesagt hat, die große Mehrhest chex Konservativen de» Landes hinter sich hat. Zwischen Chamberlain, Lalfour und P o u n g e r fand gestern eine Besprechung statt, über die aber größtes Stillschweigen gewahrt wird. Da» Kabinett hielt- gestern eine 51 a ch t s i tz u n g ab, in der di« gegenwärtige Lage besprochen wurde. Grnfschastswahlen in Lonöon. London, 3. März.(WTB.) Nach den bisher eingegangenen Ergebnissen der Londoner Grasschastswahlen erhielten die Reformer fS7, die Fortschrittler 17 und die Arbel» t er partei 10 Sitz«. Die Reformer gewannen gegen früher zehn Sitze und verloren keinen, dl« Fortschrittler gewannen einen und verloren 11 und die Arbeiterparteiler gewannen S und verloren 6 Sitze. Bei der Wahl handelte es stch vor allen Dingen um die brennende Frage der Ersparnisse im Hinblick auf ein« Steuer- crmäßigung. Die Reformer widersetzten sich energisch manchen weit. reichenden Plänen, die von den Fortschrittlern und Arbeiterparteilern befürwortet wurden und erhebliche Steuererhöhungen mit sich bringen würden. Kannibalismus in Rußland. Di« grauenerregende Tatsache, daß in den russischen Hunger- gebieten Menschensleisch gegessen wird, findet setzt durch Berichte hier angelangter bolschewistischer Blätter ihre Bestätigung. Zunächst ge- langten, wie dieser Quelle zu entnehmen ist, nur vereinzelte Fäll« solcher Art zur Kenntnis der Oeffentlichkeil. Im Bezirk Buzuluk erklärte der Bauer Muchin zu Protokoll:„Die Leichen der vor Hunger sterbenden Personen werden in einer Scheune geborgen. Des Abends entnahm ich aus der Scheune die Leiche«Ines sieben- jährigen Knaben, brachte sie aus einem Schlitten nach Hause, hackte sie in Stücke und kochte dieselbe. Im Laufe einer Woche hatten wir alles aufgegessen. In unserem Dorf gibt es viele, die Menschensleisch essen."(„Prawda". Nr. 21.) Weiter wiyd gemeldet:„In den einst so wohlhabenden Bezirken de« Gauoerne- ments Samara geschehen schreckliche Dinge: Man beobachtet die unerhörte Erscheinung einer Massen- Menschenfresserei."(„Prawda". Nr. 20.) So Hot ein falsches System, statt die soziale Entwicklung zu de- schleunigen, einen Teil der von ihm betroffenen Menschheit unter die tiefst« Stufe der Zivilisation hinabgeschleudert. Das entwertete C. K. Der Hauptausschuß de» Reichstages fetzt« am Freitag die Etats- beratungen des Reichswehrministeriums fort. Abg. Schöpfliu(Soz.) sprach im Anschluß an eine Anfrage de» Abg. Brüninghaus(D. Vp.), od noch eine Möglichkett bestände, ehemaligen Kriegsgefangenen, di« sich vor dem Feinde ausgezeichnet haben, das Eiserne Kreuz als Auszeichnung zu erteilen, übe? die Entwertung des Eisernen Kreuze», di« durch di« über- au» zahlreich« und nicht immer gerechte Verteilung dieser im Kriege 1370/71 sehr geschätzten Auszeichnung eingetreten ist. Abg. Stücklen (Soz) will vor allem verhüten, daß die weitere Verteilung der Eisernen Kreuze den Abwicklungsstesten Gelegenheit und Vorwand zum weiteren Bestehen gewährt nnd damit die Grundlage für ihr« an sich nutzlose Existenz gegeben ist. Abg. Dr. Haas(Dem.) äußerte sich ebenfalls über die Mißbräuchlich« Verteilung des Eisernen Kreuzes. Der Ausschuß nahm hierauf ein« Entschließung des Abg. Brüninghaus(D. Br>.) an. wonach die Reichsregierung dahin wirken möge, daß Angehörige der srnbcren Wcbrmochj, die durch ihr Verhalten in der kämpfenden Truppe ven Anspruch aus die Der- leihung de« Eisernen Kreuzes erworben haben, es auch jetzt noch erhalten können. Ministerium Jacta. G. T!. Rom, 27. Februar 1922. „Wir verzichten darauf, zu begreifen, aus welchen Grün- den Facta zum Lenker der Geschicke Italiens berufen worden ist," schreibt der„Avanti" vom 28. Februar. Auf das Begreifen verzichten viele, wir glauben, daß sich unter diesen Berzichtenden auch der Mintstcrprästdent selbst befindet. Man hat während der Krise die Augen auf Sterne erster Größe geworfen und hatte sogar ein Kabinett G i o l i t t i ins Auge gefaßt, dem der frühere Ministerpräsident Orlando und der bisherige Kammerpräsident De Nicola angehören sollten. Dieser Plan ist angeblich an der Weigerung der De- mokraten gescheitert, die erklärt haben, es sei unzweckmäßig. drei politische Persönlichkeiten so großen Kalibers gleichzeitig abzunützen. Ein echtes Kabinett Giolitti hat der Vorstand der klerikalen Partei nicht gewollt: zu Anfang hatte man so- gar von einem Veto des Staatssekretariats des B a t i k a n s gegen Giolitti gesprochen, aber der„Osservatore Romano" hat diese Nachricht mit großer Eneigie dementiert. Daß aber der Plan eines Kabinetts Giolitti, außer bei den Sozialisten, auch bei den Klerikalen auf recht starken Wider- stand stieß, ist nicht in Abrede zu stellen. So hat man sich also, nach langem vergeblichen Herumprobieren, für ein giolittianisches Kabinett ohne Giolitti entschlossen, wobei wenigstens die Gefahr vermieden wird, politische„Größen" abzunützen, da das ganze Kabinett im Liliputfor- m a t gehalten ist. Und dieser seiner Eigenschaft, durch seine Persönlichkeit niemand in Schatten zu stellen, dürste Facta seine Berufung verdanken. Diese Tatsache allein kennzeichnet das neue Mtnistenum als ein Provisorium. Man hat auch seinerzeit Bonomi den Statthalter Giolitti« genannt, ober Facta ist es in weit höherem Maße. Er ist. wie der„Avanti" sagt, von der Saugflasche bis zum Ministertifch von ihm großgezogen worden, ist Pie- montefer wie er und Hot nicht weniger als drei Ministerien Giolitti angehört, als Unterstaatssekretär des Innern und zweimal als Finanzministcr. Rechtsanwalt von vorwiegend lokalem Ruf, hat er, wie all« Schützlinge GioliUis, politische Gewiegtheit und Erfahrung im Bcrwaltungs- und vor allem im Finanzwesen. Er gehört seit 30 Iahren der italienischen Kammer an. und man hat ihm nie einen eigenen Gedanken nachgesagt. Somit scheint gerade Facta befähigt,„im Auf« trag" zu regieren. Giolittioner-von den Kinderschuhen an sind weiter die Minister P e a n e(Schatz), S ch a n tz e r(Auswärtiges Amt) und der Senator Tcofile Rosfi(Industrie und Handel). Dem Parteistempel nach bestebt das Kabinett aus 5 Demo- kraten, aus 3 Klerikalen, die sich Unterricht, Finanz und Land- Wirtschaft gesichert haben, einem Agrarier, dem Kriegsminister Lanza di Scaleo, einem Konservativen(öffentliche Arbeiten), einem Reformisten(Arbeit und Wohlfahrtswesen) und zwei Senatoren. Es hat also, im Vergleich zum Kabinett Bonomi. eine breitere Basis, da es zwei Vertreter der Rechten zählt, eben den Agrarier und den Konservativen: die Klerikalen. mit 3 Portefeuilles, wie im vorigen Ministerium, haben das Justizministerium mit dem des Unterrichts, an dem ihnen besonders viel gelegen ist, vertauscht. . Man kann beim besten Willen nicht behaupten, daß uns die mühselige Fastnachtkrise ein Ministerium„neuer Männer" beschert hätte. Es sind alles alte Bekannte, die sich seit langem in der Politik herumdrücken, ohne bisher etwas geleistet. irgendwo den Stempel ihrer Persönlichkeit aufgedrückt zu haben. Und eine ollgemeine müde Erwartungslosigkeit steht an der Wiege des neuen Kabinetts. Obwohl dieses sicher kein„kluges Kind" ist, muß man ihm doch schon heute prophezeihen. daß es nicht alt werden wird. Es ist als Lückenbüßer und Interim-Kabinett geboren worden. Nicht, daß die Mittelmäßigkeit als solche mit langem Leben eines Kabinetts unvereinbar wäre: gewiß nicht: aber in Zeiten wie den unsern wird die Mittelmäßigkeit allzuleicht von den Ereignissen überwältigt. Außerdem— und das ist für die Lebensdauer eines Kabinetts noch mehr entscheidend— bringt der Mangel an einer überragenden Persönlichkeit es mit sich, daß sich die Gier der Slspiranten ungezügelt austoben kann, so daß das Kabinett immer und beständig unter der Drohung lebt, dem Angriff derer, die sich zur Nachfolge be- rufen fühlen, zum Opfer zu fallen. Und wer fühlte sich nicht berechtigt und imstande, einem Facta. Schanzer. Peano nachzufolgen?„Was die können," sagt sich mit Recht ein jeder,„könpen wir auch". Und so ist Facta Ministerpräsident geworden, weil seine Persönlichkeit niemand in den Schotten stellt, und wird sich kurzfristig durchwursteln, well er sich einer Usberzabl gletch- kalibriger Politiker gegenübersieht. Alle, die als Minister- Präsidenten in Betracht kommen, haben bei dieser Krise das eine Ziel verfolgt:„wenn nicht ich, so doch kein anderer, der wirklich regiert": und Facta ist wohl allen als der Mann er« schienen, den man am liebsten auskoinmen lieh. Nun steht freilich Giolitti hinter ihm. gründlich erfahren in allen Schlichen, mit denen man ein Parlament bändigt und im Zaum hält; trotzdem setzt aber Giolittt nicht den immerhin be- deutenden Einfluß seiner Persönlichkeit an das Gelingen, sonst hätte er eben selbst das Kabinett gebildet. Es ist ja nun wirklich tragisch, daß in einer Periode so schwerer innerer und äußerer Krise aus solch jämmerlichen Er- wägungen und Gelüsten heraus ein Ministerium der Mittel- Mäßigkeit berufen wird, zu dem das Land kein Per- t r a u e n hat und das nicht einmal zu sich selb st Ver- trauen hat. Dem Fraktionsvorstand unserer Partei hat Facta erklärt, er beabsichtige, die Wiederherstellung der Gesetzlichkeit zu versuchen, und hat versichert, er werden sofort zurücktreten. falls sich der Versuch als unmöglich erwiese. Das ist ein recht bescheidenes Programm. Wahrscheinlich würde sich sogar der Fascist Mussolini auf den Standpunkt stellen, daß der Versuch erlaubt ist; die Fascisten ihrerseits werden es sich dann angelegen sein lassen, für sein Mißlingen zu sorgen. Während der Krise haben die Guten im Verein mit den Nationalisten Versammlungen einberufen, um die Militärdiktatur zu fordern. Und Facta fängt an zu versuchen... Der„Avanti" glaubt zu wissen, daß das neue Kabinett dem französischen Botschafter, den boshafte Leute den„Vize- könig von Italien" neniten, besonders genehm sei. Wir glauben das nicht und teilen die skeptischen Voraussagen unseres Zentralorgans über die Konferenz von Genua nicht völlig. Gewiß hat das neue Ministerium einen viel stärkeren Einschlag von konservativen und nationalistischen Elementen als das vorige, aber bis zu einem Va.ssallentum gegenüber Frankreich, das im Gegensatz zu den Interessen der Landwirtschaft und eines Teils der Groß- industrie stünde, reicht es nicht aus. Giolitti selbst, der nament- lich in der auswärtigen Politik sehr eifrig Rat erteilen wird, ist kein Anhänger der französischen Politik gegenüber den mitteleuropäischen Staaten. Vielleicht setzt der„Avanti" nur deshalb eine franzosen- freundliche Orientierung voraus, weif diese der Resolution Celli widersprechen würde, die für diese Krise der Krone die programmatischen Richtlinien gegeben hat. Bei der Bildung des Kabinetts hat man es sich nämlich in erster Linie angelegen sein lassen, die Linien der Tagesordnung Celli n i ch t z u b e- achten. Die Tagesordnung wies nach link» und man hat sich nach rechts gewendet. Da sie auch die wirtschaftliche Lebensmöglichkeit für die besiegten Staaten forderte, schließt der„Avanti" wohl aus Analogie, daß das Ministerium die französische Abwürgungspolitik begünstigen werde. Es ist selbstverständlich, daß unsere Parlcmentsfraktion dem neuen Kabinett gegenüber in der Opposition bleibt, was die Vertreter der Fraktion dem Ministerpräsidenten bereits er- klärt haben. Da aber Facta, außer den Kommunisten, die ganze übrige Kammer auf seiner Seite hat, verfügt sein Kabinett über das, was man eine breite parlamentarische Basis nennt. Bei der notorischen Unzuverlässigkeit der Par- teien in Italien— man denke an die Haltung der Demokraten gegenüber Bonomi— ist das noch keine Gewähr für längere Regierungsmöglichkeit oder auch nur für eine Schonzeit weniger Monate. Wie es nicht von Facta abgehangen hat, ob er Ministerpräsident wurde, wird es nicht von rhm abhängen, ob er es bleibt. Mit Bestimmtheit kann man vorläufig nur das eine sagen: das neue Ministerium wird niemand ent- täuschen, weil niemand etwas von ihm erwartet. USp. und Koalitionspolitik. Der Bezirksverband der USP. für das westliche West- falen hat den unabhängigen Abgeordneten, die die Abstim- mung gegen das Kabinett nicht mitmachen wollten, feine Miß- billigung ausgesprochen und dann gegen die„F r e i h e i t" und gegen K a u t s k y folgenden Beschluß gefaßt: Gegen die Aufnahme des Artikels des Genossen Kautsty„Koa- litionspolitik" in der„Freiheit" vom Sonnabend, 25. Februar 1922, legt der Bezirk die entschieden st e Verwahrung ein. Dieser Artikel widerspricht den Veschlüsten de- Parteitage, in Leipzig und ist geeignet, Wirrwarr in die Reihen der Parteiorganisation hinein- zutragen. Entsprechend der einstimmigen Annahme de» Leipziger Manifests lehnt die Partei die Koalition mit bürgerlichen Parteien Die KronprinAenkarte. Von Karl Kruse. ■oii einem schönen großen Papiergeschgft in der Königgrätzer Straße sind die ganzen Schaufenster mll Postkartenphotographien behängt. Es ist fabelhaft, was man dort alles sieht. Das„König- liche Schloß" vor und nach der Beschießung. Momentphotographien, auf denen junge Reichswehrhelden vor den Mündern der Geschütze mit Todesverachtung patroullieren und Obacht geben, daß sie keiner stiehlt(die Geschütze). Reliefplastiken von Rodin. Filmdiven und Filmgöttcr. Der schöne„Bruno" neben dem ernsten Paul Wegener. Es herrscht eine künstlerische Unordnung ersten Ranges in der Aus- stellung dieser Karten. Und neben oder auch zwischen einer Filmdiva sind die Kronprinzenbilder zu schauen Mit einem schönen Text: „Kronprinz Wilhelm in Wieringen". Er macht in Leutseligkeit. Auf einer Bank neben ihm sitzt eine alte einfache Bauersfrau mit einer geflickten Schürze. Sie sitzt etwas deplaciert da. als ob sie nicht wüßte, wie sie sich fühlen soll, geschmeichelt oder geniert. Wenn man das Bild anschaut und den Text liest, empfindet man gar nicht, daß das Rad der Geschichte sich um einige Drehungen bewegt hat. Man könnte oermuten, daß er in Wieringen zur Erholung weilt. Und das Bild verfeblt seine Wirkung auf die Herzen der jungen Mädchen nicht, die es sich mit tränenden Augen zu Gemüte führen. Sie beklagen lich in den bewegtesten Ausdrücken über die Runzeln in seinem Gesicht, und sie finden es so rührend, daß er Heimweh bat. Und es wäre überhaupt olles viel bester, wenn er hier wäre. Aber die Republik will es ja nicht. Und Poankaree ist doch jetzt wieder K Frankreich und der will es erst recht nicht. Ueberhaupt die Angtangtel Wo wir so unschuldig sind, und wir wollen unseren Kronprinzen wieder! Ich fühle mich als ein roher Mensch, daß ich mich nicht desgleichen von dem sinnigen Gefühl schluchzender Sentimentalität packen lasse. Aber weiß der Teufel, ich muß dann an mein verlorenes Bein denken, das irgendwo in Frankreich liegt, und ich habe das Empfinden, es ist bester, in Wieringen in Leutseligkeit zu machen, als beständig mit einem Bein bis ans Grabesends in der Welt herumzuwandern. Denn offenbar geht es ihm bester als mir, wenn ich die Nebenkarte anschaue, die ihn auf der Entenjagd zeigt. Den einen läutert das �llnhlbad zu einem Rentier im Auslande, den anderen zum Krüppel. Angelegenheit der persönlichen Begabung. Schloßpark-Theater:„PhyMs" von R P. van R»stem. Mit Schäfer, und Rokokostimmungen, an die man bei dem Namen „Phyllis" denkt, hat das Stückchen des holländischen, in Berlin durch seine früher vom Trianon aufgeführte Femina-Komödie schon bekannten Autors nichts zu tun. Das Mädchen, das den holdseligen Namen führt, ist ein ganz und gar nicht zartbesaitetes Geschöpf, vielmehr ein Tvpus unverschämten großbürgerlichen Gören tums, das seine Dreistigkeiten obendrein wohl auch noch für höchst modern hält. Im leeren Köpfchen dieser Neunzehnjährigen hat sich noch nie ein Anflug von Respekt gezeigt. Alle anderen, die Eltern ein- geschlossen, behandelt sie nur als Objekte, ihrer mokanten Launen. ab und diesem Deschku ß hat sich die Parteipresse zu fügen. Eine Diskussion über die Frag« der Koalllionspolllik ist nach der einmütigen Auffassung des Bezirks nach der Annahme des Leipziger Manifests überflüssig. Der Bezirksvorstand der USP. für das westliche West- falen fordert also für Kautsky einen echten Maulkorb. Der unabhängigen Presse soll verboten werden, ihren Lesern mit- zuteilen, wie Kautsky über drängende Zeitfragen denkt. Wozu ist sie denn—„unabhängig"? Ein Stinnes-öankett in Moskau. Der in Berlin erscheinenden russischen Zeitung„Golos Rossij", deren Herausgeber der Führer der Sozialrevolutionä- ren Tschernow ist, wird aus Moskau geschrieben: Hier weilt zurzeit ein Vertreter der Firma Stinnes, Herr Direktor F e h r m a n n. Die Privatunternehmer, die ehemals größer« Betriebe m Rußtand besaßen, haben sich geweigert, an den Verhandlungen mit dem Vertreter. der Firma Stinnes teilzunehmen. Ja, sie haben nicht einmal an dem offiziellen Bankett teilgenommen. welches von den Leitern der Staatsbant und des Obersten Voltswirt- fchoftsrates zu Ehren des ausländischen Gastes veranstaltet wurde. Im allgemeinen sind die Aussichten von Stinnes bei den Privatunter- nehmern und den halbamtlichen Trusts sehr schwach. Sem Kampf gegen Ra t h e n o u ist in Moskau allgemein bekannt. Di« ehemaligen Industrie- und Handelsleute stehen auf feiten Rathenaus, der hier als Direktor der AEG. allgemein bekannt war. Rathenau« Vater hat hier ein« Reihe großer elektrotechnischer Betrieb« gegründet und fast all« Fabriken des Moskauer Gebietes und des Gebietes von Iwanowa Wosnosenst mit elektrischem Licht versehen. Hinter Rathenau steht Krassin, so daß der Kampf, der in Deutschland zwischen Stinnes und Rathenau besteht, in Rußland zwischen Krassin und Radet, der Stinnes unterstützt, ausgetragen wird. Man weiß nicht, was man mehr bestaunen soll, die „proletarische Einheitsfront" Radek-Stinnes oder das Banket- tieren höchster Sowjetspitzen mit dem Abgesandten des Kapitalmagnaten— eine Form der Ehrung, wie sie Herrn Stinnes wohl in keinem Lande der Welt passieren dürfte außer im bolschewistischen Rußland. Dies scheint uns doch der grausamste Witz, den sich die Weltgeschichte bisher er- laubt hat! Im Luftstbacht gefluchtet. Bor einigen Tagen brachten wir nach unserem Swinemünder Parteiblatt die Meldung, daß die beiden aus der Strafhaft g e» flüchteten U- B o o t- O f f i z i e r e Boldt und Dithmar auf einem schwedischen Dampfer nach Schweden entkommen seien, trotzdem die Behörden rechtzeitig von ihrer Anwesenheit in Swine- münde unterrichtet waren. Das sofort erlassene Dementi hat die Swinemünder„Lolks- wacht" veranlaßt, weitere Mitteilungen zu veröffentlichen. Danach sind Boldt und Dithmar, obwohl die Presse auf Ersuchen des Landrates schwieg, um die Verhaftung nicht zu stören, von interessierter Seite gewarnt worden. Als die Polizei dann das Schiff durchsuchte, waren Boldt und Dithmar nicht mehr aufzufinden. Sie hatten sich nämlich in die Luftschächte des Schiffes verkrochen und drehten dann der Polizei eine lange Rase, als diese das Schiff unverrichteter Dinge wieder verlassen mußte. Das Ministerium de« Auswärtigen läßt mm erkläre«, daß schon den ersten Mitteilungen über die Flucht mit aller Sorgfalt nachgegangen worden sei. Der Beamte, der die Untersuchung des Schiffes in Swinemünde geleitet hat, erklärte es für ganz aus- geschlossen, daß die beiden Flüchtling« auf dem Schiffe gewesen wären. Den neuen Mitteilungen werde gleichfalls nachgegangen werden. Das erscheint allerdings selbstverständlich. Aber fast ebenso selbstverständlich wird es scheinen, daß abermals nichts gesunden werden wird._ Die Buchdrucker in Posen stellten gestern vormittag 11 Uhr die Arbeit in sämtlichen Buchdruckereien ein. Die Zeitungen konnten nicht mehr erscheinen. Und am alleramüsantesten erscheint es ihr, die jungen Leute, die als Verehrer ihre Wenigkeit umschwärmen, durch gepfefferte Ver- fänglichkeiten anzufeuern und dann schadenfroh mit einer Dusche kalten Wassers wegzuscheuchen. Der k-aß gedankenlose Egoismus, der Mangel jeden feineren Seelentaktes, die Unbeherrschtheit des Temperaments werden so eindringlich dem Hörer zu Gemüte geführt, daß auch der skandalöse Eklat möglich erscheint, in welchem dann — als sie das Schicksal der Verliebtheit selbst ereilt— die blinde Eifersucht hervorbricht. Ein eleganter Lebemann und Onkel, der das Doppelte an Jahren zählt, führt als glücklich-unglücklicher Gewinner die Braut heim. Gerade, daß fein spöitisch-ironischer Ton und sein Alter, ihn gegen alle Künste ihrer Koketterie gefeit er- scheinen lassen, daß hier ihr Spiel auf Widerstände ltößt, gibt ihm in ihren Augen einen Glanz, in dem die Kälte ihres Herzens schmilzt. Auf Nichtenrechte pochend, macht sie ihn zum Vertrauen ihrer stillen.Schmerzen. Ihr selber werde angst und bange, wenn sie von der Verliebtheit, die sie bei anderen erweckt, in sich nie eine Resonnanz verspüre. Das müsse eine Art von Krankheit sein. In der Beleuchtung dieses Hintergrundes und in der Art, wie aus den Konfessionen dann die Keime eines zwingenden Gefühls«nt- springen, ist vieles Amüsante, psychologisch Feine. Die durchgängig gewandte Szenenführung, von gutem Spiel unterstützt, verhalf der Aufführung zu einem unbestrittenen Erfolge. In dem flotten En- semble fielen Marianne W e n tz e l in der Titelrolle und F e r r y D i t t r i ch, der den gekaperten Onkel gab, als besonders talentvoll auf./-8 Ubr im Schwechteo» Saal nochmals aus dem„P h a n t a s u S' von Arno Holz spreche«. / £oefcc über Aeutstbe ftußenpoNtkk. deber Reichspolitik, Genua und Streiks sprach Reichstagspräsl- dent Genosie L ö b e in einer Volksversammlung, die am Donnerstag abend in Niederschöneweide den Saal der„ßoreley* bis auf den letzten Platz füllte. Wir haben, so führte der Vortragende aus, zwei Regierung?- krifen überstanden, von denen eine aus den ungelösten Problemen der Stunde, die andere im Gefolge der Streiks entstand. In beiden Fällen haben wir zur Erhaltung der Regierung beigetragen, ob- gleich uns das Steuerkompromiß nicht gefiel und ebenso auch nicht das Verhalten der Regierung in Sachen des Eifenbahnerstreiks. Wenn wir trotzdem für die Regierung eintraten, so geschah das aus unserer gesamten Politik heraus, insbesondere aus Notwendig- keiten, die uns die Außenpolitik auferlegt«. Es geschah, um schlimmeres von Unserer Republik und dem deutschen Volke abzuwehren. Wir haben auch dem Vertrag von Der- s a i l l e s nicht zugestimmt, weil wir ihn für gerecht und erfüllbar hielten, sondern weil wir wußten, daß sich im anderen Falle die Kriegsmaschine über unser Land wälzen würde. Lloyd Georges Rücktritt würde ich für ver- hängnisooll halten. Mit ihm würde Europa die stärkste motorisch« Kraft unter den Staatsmän- nern verlieren, die eingesehen hat, daß der Versailler Der- trag nicht zu erfüllen ist und daß nur die gegenseitige Unterstützung der Völker Europas uns wieder vorwärts bringen wird. Auf die letzten großen Streiks übergehend, weist der Vortragende darauf hin, daß es sich bei diesen nicht um kapitalistische Betrieb«, sondern um Betriebe gehandelt habe, die Eigentum der Allge- m e i n h« i t sind. Vor derartigen Streiks müsie überlegt werden, ob sie nicht dahin führen, die Arbeiter- und Beamten- organifationen selbst zu schädigen, zu großen Härten gerade für die Besitzlosen führen. Genosse Löbe schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß endlich ein gemeinsames Arbeiten des Proletariats diesem die verdienten Früchte seiner Arbeit bringen möge.(Stürmischer Beifall.) An der Diskussion beteiligten sich ein kommunistischer und ein Redner der Unabhängigen. Wa» in ihren Ausführungen unzutref- fend war, wurde vom Dortragenden in seinem Schlußwort zurück- gewiesen. Di« imposante Versammlung nahm bis zum Ende«inen würdigen Verlauf. « vor überfülltem Saal de« Stadttheaters in Köpenick sprach Ge- nofle Vierbücher zu dem Thema„Wirtschaftspolitik und Sozial- demokniti«*. S oz i o l i fi e r u n g konnte nicht kommen, sagte der Redner, weil die Arbeiterschaft sich im nutzlosen Bruder- kämpf erschöpfte.(Lebhafter Beifall.) Die Kapitalisten nutzen die Situation geschickt aus, sie predigten das Spiel der fteien Kräfte. Nicht mit Schlagwort en kann man aufklären. Wir sind auch nicht befriedigt, aber lieber eine teilweise Lösung der Frage als gar keine. Nicht alle Maßnahmen soll man gleich mit Verrat am Sozialismus bezeichnen. Redner richtet einen starken Appell an die linksstehenden Brüder. Nicht mit dem Rüstzeug der Barbaren usw. Unser Weg zum Sozialismus führt von Etappe zu Etappe zu besseren Au- ständen. Im Schlußwort widerlegte der Referent die Diskussions- redner mit kurzen schlagenden Worten. Vor der gutbesetzten Aula des Lyzeums in der Baumschulen- stvaße In Baumschulenweg sprach Genosse Dr. Z e ch l> n zu dem Thema.Reichspolitik, Genua und Streiks*. Es wies In seinem Vortrag u. o. auch darauf hin, daß die stattgehabte Fünfländer- konferenz ein Zeichen internationaler Annäherung sei, die das deutsche Proletariat mit Freuden begrüßen kann. Obwohl in der Diskussion auch Unabhängige und Kommunisten dem Referenten entgegentraten, konnte«r ihnen in seinem Schlußwort wirksam erwidern, daß wir immer bestrebt sind, praktische Arbeit zu leisten. Die Versammlung kann als ein ausgezeichneter Erfolg für unsere Partei gebucht werden. ver rote Kotosläufer. Di« sechs innenstädtischen Bezirtsämt«? in der neuen Groß- gemeinde Berlin sind wahrlich übel dran. Sie sollen eigen« Ver- wattungsgebäude haben und sollen und wollen doch auch so wenig wi« möglich dafür ausgeben. Auch das Bezirksamt II Kreuz- b e r g befindet sich in dieser Lag«. Zwar war ihm der Neubau des Friedrich-Werderschen Realgymnasiums in der Dorckstraß« 10 bereits Anfang 1921 zugewiesen worden, aber an«in sofortiges Einziehen war nicht zu denken, da sich alles noch im Rohbau befand. Endlich im August vorigen Jahres tonnte das Bezirksamt mit den wichtigsten Dezernaten(Jugendamt, Wohnungsamt usw.) einziehen. Man stell« sich vor: ein halbfertiger Bau, kahle weibgetünchte Wände auch in den Zimmern. Kein Fußbodenbelag. Die Decken dünn, so daß jedes Scharren und Stuhlrücken oben in den unteren Räumen zu hören ist. Kalt, unfreundlich, abweisend. Nur die einfachsten und notwendigsten Möbel wurden angeschafft. In den Stadtratszimmern wird dem Besucher ein einfacher Holzstuhl angeboten. Für die Beleuchtung der Schreibtische konnten von dem Gaswerk Neukölln zu einem äußerst billigen Preis Stehlampen ange- schafft werden: sie haben verschiedenfarbig« Schirme, blaue, grün« und auch rote, wi« eben normal gebaute Schreibtischlampen so sind. Di« Flure und Treppenaufgänge des Hauptgebäudes erhielten einen freundlichen warmen Anstrich in pompejanischem Rot, mehr einem satten Rotbraun. Um so trostloser sehen die Flure natürlich aus, die diesen Anstrich noch nicht haben. Auf einem Flur wurde auch ein Läufer aus Kokosfasern gelegt, rot mit schwarzer Einfassung. Und dieser Kokosläufer mit der schwarzen Einfassung hat, man sollt« es gar nicht für möglich halten, ein fürchterliches Unheil angerichtet. Einer Anzahl bürgerlicher Bezirksoerordneter wurde eines Tages de? Kokosläufer zum Prunkstück. Man denk«, die Verschwendung in dieser ernsten Zeit, in der sich all« Schieber und Agrarier der größten Sparsamkeit bei Sekt und Delikatessen befleißigen. Und wie ander« Leute zu gewissen Zelten weiße Mäuse sehen, so sahen dies« Herr- schasten überall in dem Bezirksamt teure Bronzefiguren, Gemälde und Teppich«. Ts wurde ein« förmliche Anfrag« an die Bezirksverfamm» lung gerichtet, und da mußte sich der Sprecher der Bürgerlichen von dem Bezirtsbürgermeister Dr. Kahl« sagen lassen, daß seine(des Bürgerlichen) Ausführungen, die von einer ungeheuren Verschwen- dimg sprachen, unwahr sind. Das war bitter. Wi« aber kamen die Bürgerlichen zu solchen Faseleien? Sehr einfach. Zu gleicher Zeit haben in der„Deutschen Tageszeitung* und der„Täglichen Rund- schau* in orientalisch« Phantasie getaucht« Schilderungen gestanden, in denen es gleichlautend heißt: „Wer abends diese roten in rotem Licht strahlenden Räume be- tritt, glaubt anfangs In ein Lokal.zu kommen, das weniger prosaischen Zwecken dient. Mancher Besucher hat sich schon nach leichtgeschürzten Damen und ihren Kavalieren umgesehen. Jetzt beabsichtigt sich der Bürgermeister einen Garten mit einer Laub« aus roten Rosen anzu- . legen* Nicht wahr, viel Witz in knappen Worten. Doch da die Wirklich- keit so ganz anders blickt, bleibt nur die Erklärung übrig, daß die Redakttonen der beiden feudal-veoktionären Blätter auf die Duseleien eines Bockbierseiigen hereingefalle, sind. die Kohlennot üer Schulen. Baldige Wiederaufnal>«e de? Unterrichts. Zu d«r sehr bedauerlichen Schließung«wer Anzahl Berliner Schulen, verursacht durch die Außerbetriebsetzung der Schulheizungen infolge Brcnnstoffmangels, veröffentlicht der Berliner Magistrat jetzt j eine ausführliche Darstellung, der wir folgende» entnehmen: Die Brennstoffvers orgnng der stöd tischen Schulen Alt-Berlins mit Koks erfolgt hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen aus- schließlich durch die städtischen Gaswerke, die in den früheren Jahren stets nicht nur die erforderlichen Mengen Koks für die städtischen Anstauen liefern, sondern auch an Private billigen Koks abgeben konnten. Di« oberschlesischen Unruhen während des vorigen Jahres lähmten jedoch zwei bis drei Monate lang die Kohlenzufuhr von dort zu den Berliner Gasanstalten. Als Ersatz mußte niederschlesische Kohle angeliefert werden. Koks aus dieser Kohle ist bei weitem nicht so gut. Der Heizwert ist um 30 Proz. geringer und in seiner Beschaffenheit(Grus, Wasser, Asche und Schlacke) für die Verbrennung ungünstig. Daher reichten die zur Verfügung stehenden und zum größten Teil während des Sommers in den Schulen angefahrenen Koksmengen nicht aus. Trotz dieses mangelhaften Kokses wäre es möglich gewesen, die Schulen einigermaßen mit den nötigen Brennstoffen zu versehen, wenn nicht eine außergewöhnlich lange anhaltende starke Kälte- periode von Ende Januar bis Mitte Februar eingesetzt hätte, in welcher Zeit zur Vermeidung des Einfrierens die Heizungen Tag und Nacht betrieben werden mußten, der Brennstoffverbrauch außerordentlich hoch war und andererseits die Zufuhr van Kohlen auf dem Wasserwege ausgeschaltet wurde. Der Ausbruch des Eifenbahnerstreiks und die Arbeitsein st ellung der Gasarbeiter zwang die Gasanstalten, die Abgabe von Koks zur Sicherung des Gaswerkbetriebes durch Wassergaserzeugung ein- zustellen, und zwar vom 2. bis 21. Februar d. I. Auf diese Weise wurden anfangs S Schulheizungen außer Betrieb gesetzt, die im Laufe der Wochen auf 130 Schulen von insgesamt etwa 380 Schulen Alt-Berlins sich vermehrten. Erst feit dem 21. Februar konnten dis Gaswerk« die Abgabe von Koks an die Schulen zunächst In beschränktem Umfange wieder aufnehmen. Vorerst wurden die- jenigen höheren Lehranstalten, in denen Prüfungen stattfinden, bevorzugt mit Brennstoffen beliefert. Hieran anschließend werden die Fach- und Fortbildungsschulen und endlich die Ge- meindeschulen beliefert. Um jedoch die Belieferung zu beschleunigen und nicht allein aus die Kokserzeugung der Gaswerke angewiesen zu sein, ist es dem Magistrat gelungen, durch den Reichskommissar für Kohlenverteilung von außerhalb eine größere Meng« guten Zechenkoks, der zwar teurer ist als der Gaskoks, zz> erhalten. Dieser Hüttenkoks wird sofort an sämtliche Schulen verteilt und abgefahren, um nun möglichst um- gehend und gleichzeitig deu Betrieb sämtlicher Schulen wieder aufnehmen zu können, so daß für diesen Winter die Brennstoffbesieferung der Schulen trotz der außer- ordentlich hohen Kosten, die dadurch dem Magistrat auferlegt werden, gesichert ist. Geschäfte mtt Postpaketen. Der Postaushelfer mit dem anspruchsvollen Tellnehmer. Ein Spazierstock kann in der Hand ehrlicher und nicht vergeh- sicher Leute ein sehr nützliches Möbel fein. Leute, die ein schlechtes Gewissen haben und noch dazu vergeßlich sind, sollten sich lieber ohne ihn behelfen, wie der folgende Fall beweist. Ein ungetreuer Postaushelfer Hamann, ein junger Mann von 23 Jahren, beseitigte Begleitadresjen zu Paketen, die auf dem Amt, auf dem er beschäftigt war, einliefen. An den Paketen selbst fälschte er dann die Aufschriften. Nach diesen falschen Adressen schrieb«r endsich auf Begleitkarten die sogenannten Not- a d r e s s e n. Dann bat er irgendeinen Geschäftsmann, meist einen Zigarrenhändler, um die Freundlichkeit, für ihn ein Postpaket anzunehmen, das er an ihn habe richten lassen, weil er selten zu Haus« zu treffen sei. Die Geschäftsleute taten ihm durch- weg den Gefallen, und so setzte sich Hamann in den Besitz der Pakete und machte ihren Inhalt zu Geld. Besonders gern suchte er Pakete au», die Stoffe enthielten, well diese am leichtesten zu verkaufen waren. Die Geichäftsleut« schöpften keinen Verdacht, und so konnte Hamann sein Treiben geraume Zeit fortsetzen. Nur dem Sohn einer Zigarrenhändlerin kam die Geschichte nicht ganz sauber vor. Statt Anzeige zu machen, wurde er aber ohne weiteres ein an- spruchsvoller Teilnehmer. Er ließ sich das verdächtige Paket öffnen, sah, daß es Stoffe enthielt und forderte nun ohne wei- teres den Empfänger auf, ihm vier Meter ab- zuschneiden. Hamann mußte wohl oder übel diesem Verlangen nachkommen und die vier Meter für 100 Mark ab- geben, weil er sah, daß er durchschaut war. In einem anderen Zigarrengeschäft ließ der Fälscher, der immer in guter bürgerlicher Kleidung erschien, feinen S p a z i e r st o ck stehen, der bald als das Eigentum Hamanns erkannt wurde, und zur Verhaftung des Ungetreuen führte., st Teilweise Einstellung der Spreetunnellinie. Die Straßenbahnlinie 84 soll, wie dem Bezirks- amt Treptow auf eine Anfrage beim Verkehrsamt der Stadt Berlin wegen verschiedener in Umlauf befindlicher Gerüchte mitgeteilt wird, wegen der allzu schwachen Frequenz auf der Strecke Eöpeni ck— P latz am Spreetunnel eingestellt und nur von Alexanderplatz bis Platz am Spreetunnel geführt werden. Die LinienllOundlO werden wie früher wieder aufgenommen: die augenblickUche» Aenderungcn sind nur ein Provisorium von cini- gen Tagen. Die Linie 83 soll auf der ganzen Strecke verstärkt werden durch Einstellung einer neuen Linie 83 L, so daß im Bezirk Treptow eine �.stündige Verkehrsfolge auch weiter- hin aufrechterhalte» bleibt. Außerdem ist geplant, d i e Linie 90 durch die Straß« Am Treptower Park und dis Park- straße bis zum Rathaus durchzuführen. Auch die Charitö erhöht die knirkosten.-- In Anlehnung an die von der Stvdtvertretuno Berlin beschlossen� Erhöhung der Kur- und Verpflegungskosten in den städtischen Krankenanstalten werden mil Wirkung vom 1. März 1922 ab bei dem Eharite-Krankenhause und den hiesigen Universitätskliniken in der 3. Klasse sür Erwachsene 40 M.. für Kinder unter 14 Jahren 10 M. täglich erhoben. Neben diesen Kurkastensätzen kommen die Kosten sür Salvarsanbehandlung, für Blutuntersuchung, Röntgenaufnahmen,-durchleuchtungen und -bestrahlungen sowie für ähnliche Sonderbehandlunaen zur Erhebung. Bei Entbntdungen ist außerdem ein besonderer Kostenbeitrag von 50 M. zu zahlen. Di« Kosteirsötze gelten m gleicher Weise fiir Berliner wie Nichtberliner. Wieder höhere Lrikeikpreise. Das Koblenamt teilt mit: Durch die ab 1. März eingetretene Erhöhung des GrübenpreiseS und der Bahnfracht ist eine ent'prechende Heraussetzimg des Kleinverkauf?- preiieS für Briketts ersorderiich geworden. Dieser beträgt demnach mit Wirkung vom 2. Mö r z für Küchen« und Ofenbrand ab Lager M. 40.05, frei Keller W. 41,05 je Zentner, für fubrenweise Lieferungen ab Lager M. 40,05. frei Keller M. 41.— je Zentner. Die Hörerschaft der illrbeitssiätte« der Boltöftochschnle Berlin. Schöneberg-Zsriedenau veranstaltet am Sonnabend, den 4. März 1922 um 8 Ubr abends in der Zlula der Hobenzollernichnle. Bctzlger Straße 48, einen Kemeinschattsabend zur Förderung des Zu- lammengebörigteitsgesübls und zur Verbreitung des Volks- bochichulgedankens. ftür ftrerinde der Voltsbochschuibestrebungen, die hierzu eingeladen werden und für Hörer ist der Eintritt frei. Wetter für morgen. ?>erlln»»l> Nntpegeud. Ein wenig wärmer, derändersich, über- wiegend bewölkt, mit leichten Rcgensällen und ziemlich frischen, südwestlichen Winden. Hrosi-öerliner parteinachricbten. Akt.»t., Alt-ldlieatSe. Freitag, dm S. März, abend« 7>/, Uhr, Frnuenabmd bei Sltngendarg. Sriinauer Str K. Schema: Sie Crjieimng der Kinder in Schul« und Hau». Sieierent: Kurt Kietzmann. ZZI. Abt., Riebe richSnhausen. Sonnabend, 4. März,<•/. Uhr, Funktionärsitzung bei Bentert. Ilhlandtir.«1. i Zunasoziaiistische tzlrbeit-gemelnschast Süden. Heute abend 8 Uhr in der l Zuriltischen Sprechstunde Lindenitr st. Aussprache. Heft s der Iungsozialistischen 1 Blätter tamr m da«»«schästbftelle täglich von 9— 5 Uhr abgeholt werden. Der Göeröammbruch be! Trefthen. Der Dammbruch bei Vreschen bedeutet für das Dorf eine furcht- bare Katastrophe. Das Dorf wurde innerhalb einer Viertelstunde überflutet. Die Finsternis erhöhte die furchtbare Verwirrung der Bewohner, die zu retten versuchten, was nur möglich war. Der Bres- lauer Landrat Dr..Hermann Hut für baldige Hilfeleistung durch die Technische Nothilfe Sorge getragen. Auch das technische Personal der Breslauer Feuerwehr ist herangezogen worden. Für die Beköstigung der Bewohner sorgen zwei Feldküchen. Eine Anzahl Menschen sind durch die Ueberflutung ohne Wohnungen und Lebensmittel. Die Brunnen sind ersoffen, so daß auch das Trink- rrasier herangeschafft werden muß. Nach Auskunft des Oberpräsi- diums ist bei dem einsetzenden Eisgang die Einbruchstelle bei Vreschen die einzige an der Oder, an der eine so schwere Eiszersetzung stattge- funden hat. Die Arbeiten zur Ableitung des Eises werden eifrig ge- fördert. Die Eismassen sind durch den Umflußkanal bei Breslau ge- leitet worden, so daß die Stadt Breslau selbst nicht berührt wird. Die Oderstrecke von Ratibor bis Glogau ist zurzeit eisfrei. Am Donners- tag begab sich auch der Breslausr Regierungspräsident in das Ueber- fchwcmmungsgebiet und ordnete weitere Hilfeleistung an. Die ein- zelnen Besitzer werden Ansprüche an den Fiskus geltend machen, da trotz dringender Warnungen an die Odersirombau-- Verwaltung die notwendigen Maßnahmen gegen die fett mehre- ren Tagen drohende Katastrophe nicht getroffen sein sollen. GewerGhQstsbeivegung Jugendkundgebnngen für den Jngendfchutz. Der Ruf nach erhöhtem Jugendschutz und nach besserer Derück- sichtigung der Bedürfnisse der Heranwachsenden in der Gefetz- gebung, findet nicht überall das nötige Verständnis, ja hat teilweife eine Gegenagitation interessierter Kreise herbeigeführt. Vor allem findet die nicht allein von der Jugend, fondern auch von den Er- ziehern gestellte Forderung, daß die zum Besuch der Fortbildungs- schulen nötige Zeit in die Arbeitszeit eingerechnet werde, Wider- stand. Der Reichsausschuß der Arbeiterjugendorganisattonen hat sich bereits mit Eingaben an die Regierungsstellen und gefetzgebenden Körperschaften gewandt und die im Interesse der Jugendlichen zu stellenden Forderungen unterbreitet. Jetzt erscheint es an der Zeit, daß die Jugend selbst öffentlich für ihre Forderungen eintritt. Sie muß zum Ausdruck bringen, daß sie keine längere Arbeitszeit als die Erwachsenen haben will, daß sie aber auch imstande und bereit ist, ihre freie Zeit in einer Weise zu verwenden, die dem Jugendlichen selbst und dem Bolks- ganzen Vorteil bringt. Der Reichsausschuß der Arbeiterjugendorganisattonen ruft deswegen die ihm angeschlossenen Verbände auf, in allen Orten Deutfch- lands am Sonntag, den 20. März 1922, Zugendkundgebungen für die Weiterführung des Jugendschutzes zu veranstalten. Wo noch keine Ortsausschüsse bestehen, müssen die einzelnen Gruppen(freie Gewerkschaften, Arbeiterjugend und Sozialistische Proletarierjugend) sofort miteinander in Verbindung treten, um eine genügende Vor- bereitung zu ermöglichen. Ueber die Stellungnahme zu den einzelnen Jugendschutzforde- rungen unterrichten die bisherigen Veröffentlichungen, die die Organisationen vom Reichsausschuß der Arbeiterjugendorgani- sationen, Berlin SO. 10, Engelufer 24/25, anfordern können. Streik» ers ammlung der Tapezierer. Die Vertrauensmänner der streikenden Tapezierer waren am Donnerstag im Gewerkschaftshous versammelt Mehrere Redner berichteten über die Streiklage. Allgemein wurde festgestellt, daß die Streikenden mit seltener Einigkeit und vom besten Geiste beseelt, den Streik führen. Einzelne hätten sich noch nicht angeschlossen, doch würden auch sie die Arbeit einstellen. Die Zahl der Streikenden be- trägt über 1500. Kein Mißton habe bisher die Einigkeit gestört und werde sie auch ferner nicht stören, soviel auch versucht werden möge, das zu erreichen.• Vom Arbeitgeber-Schutzverband ist ein Flug- blatt verbreitet worden zu dem Zweck, die Unternehmer zusammen- zuhatten. Darin wird behauptet, daß die Verhandlungen nicht wegen der Lohnforderungen, sondern infolge des starren Fcsthaltens der Arbeitnehmervertreter an unerfüllbaren sozialen Forderungen gescheitert seien. Aus dieser merkwürdigen Offenbarung gehe das Bekenntnis hervor, daß die Arbeitgeber sehr wohl in der Lage sind, die geforderte Lohnerhöhung zu be- willigen. Die Regelung der Lehrlingsfrage möge den Herren unannenchm sein, aber daß sie unerfüllbar sei, werde kein vcrständi- ger Mensch behaupten wollen. Die weitere Flugblattbehauptung, daß über die Zugeständnisse der Arbeitgeber auch in der Lohnfraze frivole und unwahre Gerückte verbreitet worden feien, wurde von den Vertrauensmännern entschieden zurückgewiesen. Weiter wurde mitgeteilt, daß in einer Versammlung der Arbeitgeber erklärt wurde, jederzeit mit den Gehilfen zu verhandeln, sobald sie an die Arbeit- geber herantreten. Hierzu wurde erklärt, daß vor Sckaffung eines gerechten tariflichen Abkommens an einen Abbruch des Streiks nicht zu denken fei.__ Abwchrmahnahmen der Gewerkschaften in England. Der neue Generalrat der englischen Gewerkschaften unter« breitete allen dem GewerkickaftSkongreß angeschlossenen Verbänden auf Anträge der Maickin«"- und Schiffbauergruppen den Entwurf zu einer Reibe von Grundsätzen, welcke die Haltung der Bewegung gegenüber Angriffen de? U'n f e r n e h m e r t u m s a st f bestehende Grundlöhne und Arbeitszeit regeln sollen. Scko» der levte Gewerklckaftskongreß hatte dem Generairat den Auftrag erteilt. � die En'wicklung zu verfolgen und, soweit möglich, die gewerksckaftlicke Aktion zusammenztifassen, serner ein ge» meinlames Vorgehen der Gewerkschaften in allgemeinen Fragen, die Löhne und Arbeitszeit betreffend zum Beispiel, bei denen die Interessen gleickartige sind, herbeizuführen. Er wurde zugleick ermächtigt, den in einer sür die Ge- iverkichgften grundlegenden Frage angegriffenen Verbänden beizu- springen. Die jetzt vorgeschlagenen Richtlinien sollen die Ausführung der genannten Kongreßbeschlüsse ermöglichen. Sie sehe» daher vor, daß alle angeschlvffenen Verbände den Generalrat von allen Arbeits« streitigkeiten unterrichten, desgleichen über den Fortlaus der Ver- bondlunaen, damit der Generalrat fortlaufend unterrichtet ist. Er soll im Bedarfssalle mit den Vertrelern der an der Bewegung be- teiligten Gewerkschaften weitere Maßnahmen beraten. Auch soll der Generalrat das Recht erhalten, Sonderbeiträge zur Schaffung eines Fonds zu erheben, aus welchem im Kampfe befindliche Verbände unterstützt werden könnten. Die Hafenarbeiter Stettins sind feit Mittwoch mittag im Streik. Sie verlangen eine Lohnerhöhung von 50 Proz. Verantm. flir den redakl. Teil: Franz Klüh» Berlin-Lichterfeldez ftir An» zeiaen: Tl». Slocke, Berlin. Verlag Vorwärts-Verlag D. m. b. H., Berlin. Druck: Dorwärts Buckdrnckerci u.V-rlaasaiiftalt Paul Einaer u. Ca.. Berlin. Lindenftr. Z. .voll und Zelt", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. egte�flam« .-m *Z!*i'*Wzf*" öonagai n ju***■ SS« '.f""""*£****&*& iQS� erren- An. '°«->, 'HUJ»inä, Stamin*, r/n' Cw J**k...**r*it*r*, �«"nine-r''''9e oc. swt.Car*itwen t'dexvar� V./{�*3S ___ - �.afzagsiofh •SSOz '•***, —__ III>Zn"",sbii'»> '" S'Ss�Z 1 1<~-ZZLy"~. fJ �~.o.r'-&. w/Äsas?'� W�ss�ü;«- l�r*-$Z.T«' yyZ?' Cover Hoal-Mantel____, nrt Knopf gamiiur, wtUa, mod. 9\ Fa$oi\ gutt Autcrbrüang,,. Cwericoat- Mantel Kaflim-fpnn. rxtra wvit, mrlf Sltprtni-*t\ Tito W,*,*!!......... TV.. H- � � �ZTe:�**- 736;m Vvf- J&tf!'* M �Liif.i> (SefchaftsHlt 9-1. — ViS— 7 Uhr ahn« Fetter« für Personen, die gegen Druck besonden empfindlich sind. Meine elastischen Bruchbänder entsprechen den höchsten Anforderungen fast in allen Fällen und sind das,«res Jeder Bruchleldende sucht. 1. 1. GENT1L, BERLIN 880, Potsdamer Str. 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